Kapitel 5:
Sonntagsöffnung im Widerstreit mit Mitarbeiterinteressen?

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„Universitätsbibliothek: Offen auch an Sonntagen? - Nur das Ja des Personalrats fehlt noch“ So titelte 1996 das universitätseigene Mitteilungsblatt der Carl von Ossietzsky-Universität in Oldenburg. Das Land Niedersachsen hatte bereits 47.000,- DM aus dem sogenannten Überlastprogramm zur Verfügung gestellt, um die Universitätsbibliothek „internationalen Standards entsprechend“ sonn- und feiertags von 11.30 bis 19.00 Uhr zu öffnen. Die Arbeit sollte sowohl mit studentischen Hilfskräften als auch mit hauptamtlichem Personal, das auf Überstundenbasis jeweils zweimal im Jahr Dienst leisten sollte, bewältigt werden. Das Meinungsbild der betroffenen Mitarbeiter zur Sonntagsöffnung war jedoch gespalten. Eine Umfrage ergab, daß 19 Bibliothekare für die Sonntagsöffnung votierten und 20 dagegen.690

Obwohl Sondermittel zur Verfügung standen und die Akzeptanz der Sonntagsöffnung zunächst ein Jahr lang getestet werden sollte, ist es an dem Bibliotheks- und Informations-system Oldenburg nicht zur angestrebten Ausweitung der Öffnungszeiten gekommen. Der Personalrat lehnte 1996 die Einführung der Sonntagsöffnung ab.691

Unstreitig ist der Bibliothekssonntag für die Mitarbeiter mit Nachteilen verbunden, auch wenn Zuschläge und großzügiger Freizeitausgleich eine Kompensation bieten können. Doch wie groß sind die Vorbehalte gegen die Sonntagsarbeit in deutschen Bibliotheken tatsächlich? Diese Frage sowie die Rechte, auf die sich die Belegschaft bei Einführung der Sonntags-öffnung berufen können, werden im vorliegenden Kapitel behandelt. Den Schwerpunkt bildet die Ergebnisanalyse einer Mitarbeiterbefragung zum Bibliothekssonntag, der an drei verschiedenen Bibliotheken im Rahmen dieser Arbeit durchgeführt wurde. Die Grundlage der Untersuchung ist die Ausgangshypothese, daß die Motivation des Bibliothekspersonals zur Sonntagsarbeit einerseits von der konkreten Ausgestaltung des Diensteinsatzes und andererseits von der generellen Befürwortung der Sonntagsöffnung unmittelbar abhängt.

A. Rechtliche Rahmenbedingungen für den Mitarbeitereinsatz am Sonntag

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Auch wenn die Problematik hinsichtlich der Legalität der Sonntagsbeschäftigung von Bibliotheksmitarbeitern bereits ausführlich dargelegt und festgestellt wurde,692 bleibt die Frage, welche gesetzlichen Grenzen die Sonntagsarbeit im Einzelfall beschränken und inwieweit sie der Mitbestimmung der Betroffenen unterliegt.

1. Gesetzliche Regelungen des Arbeitszeitschutzes

Der Arbeitszeitschutz ist für jede Berufsgruppe unterschiedlich im Arbeitszeitgesetz (ArbZG),693 in beamtenrechtlichen Bestimmungen sowie tarifvertraglichen Vereinbarungen geregelt. Darüber hinaus gelten besondere Schutzvorschriften für Jugendliche und werdende Mütter.

a) Die Ausgestaltung der Sonntagsbeschäftigung nach dem Arbeitszeitgesetz

Der Geltungsbereich des Arbeitszeitgesetzes umfaßt nach § 2 Abs. 2 ausschließlich Arbeit-nehmer, die über die Leistung fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit aufgrund eines privatrechtlichen Vertrages definiert werden.694 Diese Kriterien treffen auf Bibliotheksan-gestellte, Arbeiter, studentische Hilfskräfte und Auszubildende zu, unabhängig davon, ob sie eine Voll- bzw. Teilzeitstelle oder ein befristetes bzw. unbefristetes Arbeitsverhältnis haben.695 Während dagegen Beamte aufgrund ihrer öffentlich-rechtlichen Ernennung unstreitig nicht unter den Schutz des Arbeitszeitgesetzes fallen, ist die Bewertung von ehrenamtlichen Bibliotheksmitarbeitern fraglich.

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Zwar steht die Unentgeltlichkeit der geleisteten Tätigkeit einer Einstufung als Arbeitnehmer nicht entgegen,696 doch mangels einer persönlichen Abhängigkeit der Ehrenamtlichen sieht die herrschende Rechtsmeinung kein Arbeitsverhältnis i.S.v. § 611 BGB begründet.697 Obwohl damit die Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes nicht unmittelbar gelten, ist eine Übertragung im Wege des Analogieschlusses zu erwägen.698 Für die Anwendung der Bestimmungen ist anzuführen, daß Ehrenamtliche ebenso wie andere Arbeitnehmer der Sonntagsruhe bedürfen und vor übermäßiger Arbeitsbelastung zu schützen sind.699 Dagegen spricht jedoch, daß das ehrenamtliche Engagement freiwillig erfolgt und mangels finanzieller Vergütung nicht in eine persönliche Abhängigkeit vom Arbeitgeber mündet. Mithin stehen der Beendigung der Tätigkeit durch den Ehrenamtlichen bei unzumutbaren Arbeitsbedingungen keine Hindernisse entgegen, so daß eine analoge Übertragung der arbeitszeitrechtlichen Bestimmungen abzulehnen ist.700

Das Arbeitszeitgesetz schreibt in § 11 Abs. 1 vor, daß mindestens fünfzehn Sonntage im Jahr beschäftigungsfrei sein müssen sowie in § 11 Abs. 3 S. 1, daß ein Ersatzruhetag inner-halb der nächsten vierzehn Tage nach der geleisteten Sonntagsarbeit zu gewähren ist. Die Zahlung von Sonntagszuschlägen ist im Arbeitszeitgesetz ebensowenig wie im Entgeltfort-zahlungs- oder Feiertagslohnzahlungsgesetz normiert. Die Arbeitszeitschutzbestimmungen sind zwingendes Recht, für deren Einhaltung der Arbeitgeber unter Strafandrohung nach § 23 Abs. 1 ArbZG i.V.m. § 22 Abs. 1 Nr. 6 ArbZG die Verantwortung trägt. Abweichende Arbeitszeitregelungen zugunsten der Arbeitnehmer sind jedoch jederzeit möglich.

b) Die Ausgestaltung der Sonntagsbeschäftigung nach tarifvertraglichen Vereinbarungen

Die Option, den Angestellten im öffentlichen Dienst einen besseren Schutz der Sonntags-ruhe als das gesetzliche Mindestmaß nach dem Arbeitszeitgesetz zu gestatten, wurde im Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) großzügig umgesetzt. Nach § 15 Abs. 6 BAT ist min-destens jeder zweite Sonntag beschäftigungsfrei, soweit keine zwingenden betrieblichen Gründe entgegenstehen. In demselben Normabschnitt wird festgehalten, daß der Ersatz-ruhetag ohne Antrag seitens des Arbeitnehmers innerhalb der nächsten zwei Wochen nach Möglichkeit an einem Werktag zu gewähren ist. Eine Ruhezeit von jeweils mindestens elf Stunden gegenüber den üblichen Arbeitszeiten ist einzuhalten. Zudem bestimmt § 35 Abs. 1 S. 2 b BAT die Zahlung von Sonntagszuschlägen in Höhe von 25% sowie in Höhe von 50%, wenn der Sonntag zugleich ein Wochenfeiertag ist.701

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Von entscheidender Bedeutung ist darüber hinaus Satz 1 des § 15 Abs. 6 BAT, nach dem die Angestellten nur „betriebsübliche“ Sonntagsarbeit zu leisten haben. Da die Sonntags-öffnung im deutschen Bibliothekswesen trotz steigender Verbreitung noch als Ausnahme anzusehen ist, bedeutet die zitierte Bestimmung, daß bei einer Neueinführung des Bibliothekssonntags der vorgesetzte Dienstherr seine Mitarbeiter nicht aufgrund seines Direktionsrechts zur Sonntagsarbeit verpflichten kann. Es ist vielmehr eine einvernehmliche Änderung des Arbeitsvertrags oder eine wirksame Änderungskündigung erforderlich. 702

Nach § 3 BAT sind von der Anwendung des Bundesangestelltentarifvertrags Geringfügigbe-schäftigte sowie studentische Hilfskräfte ausgenommen, für die somit nur die allgemeinen Regelungen des Arbeitszeitschutzgesetzes gelten. Die Beschäftigungsverhältnisse wissen-schaftlicher Hilfskräfte werden zudem durch die Hochschulgesetze der Länder703 und ent-sprechende ministerielle Erlasse704 bestimmt. Bundesweit sind die „Richtlinien der Tarifge-meinschaft deutscher Länder (TdL) über die Arbeitsbedingungen der Wissenschaftlichen Hilfskräfte ohne abgeschlossene wissenschaftliche Hochschulbildung (Studentische Hilfs-kräfte)“ von 1986 in Kraft.705 Die genannten Vorschriften enthalten jedoch außer der wöchent-lichen Höchstarbeitszeit706 keine Regelungen zur Sonntagsbeschäftigung. Als einziges Bundesland hat Berlin einen Tarifvertrag für wissenschaftliche Hilfskräfte abge-schlossen, in dem auch ein 25%-Lohnzuschlag für geleistete Sonntagsarbeit festgelegt ist.707

Auch Arbeiter unterfallen als Lohnempfänger mit einer eigenen Rentenversicherung nach § 1 c BAT nicht dem Geltungsbereich des Bundesangestelltentarifvertrags,708 sondern dem Bun-desmanteltarifvertrag für Arbeiter gemeindlicher Verwaltungen und Betriebe (BMT-G)709 bzw. dem Manteltarifvertrag für Arbeiterinnen und Arbeiter des Bundes und der Länder (MTArb).710 Diese tariflichen Regelungen für Arbeiter stimmen in Bezug auf die Sonntagsbeschäftigung mit den BAT-Vorschriften für Angestellte überein.711 Lediglich die Zeitzuschläge für die Sonntagsarbeit liegen gem. § 27 Abs. 1 b MTArb mit 30% je Stunde etwas höher.712

c) Die Ausgestaltung der Sonntagsbeschäftigung nach beamtenrechtlichen Vorschriften

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Aufgrund des öffentlichen-rechtlichen Dienstverhältnisses finden privatrechtliche Arbeitszeit-schutzbestimmungen keine Anwendung auf Beamte, für die statt dessen die beamtenrecht-lichen Vorschriften maßgeblich sind. § 72 Bundesbeamtengesetz (BBG),713 der die Arbeitszeit von Bundesbeamten regelt, enthält keine Bestimmung über die Sonntagsbeschäftigung, sondern verweist im vierten Absatz auf die Arbeitszeitverordnung (AZV)714. Diese normiert in § 2 Abs. 1 AZV, daß Beamte grundsätzlich werktags arbeiten, jedoch gem. § 2 Abs. 2 S. 1 AZV bei dienstlicher Notwendigkeit auch verpflichtet sind, ihrer Dienstpflicht an Sonntagen nachzukommen. Nach § 2 Abs. 2 S. 2 AZV muß ihnen im diesem Fall ein zusammen-hängender Freizeitausgleich eingeräumt werden, möglichst an einem Werktag der nächsten oder übernächsten Woche und nur ausnahmsweise an einem Wochenfeiertag.715 Zeitzuschläge werden indes nicht gewährt.716 Für Beamte der Länder und Kommunen gelten entsprechende landesrechtliche Vorschriften.717 Damit ist die Sonntagsruhe von ver-beamteten Bibliothekaren weniger geschützt als die ihrer Kollegen, obgleich aus der allge-meinen Fürsorgepflicht des Dienstherrn eine nichtdiskriminierende und möglichst restriktive Verpflichtung zur Sonntagsarbeit resultiert.

d) Sonntagsbeschäftigung von Jugendlichen und werdenden Müttern

Aufgrund ihrer besonderen Schutzbedürftigkeit gelten für Jugendliche und werdende Mütter spezialgesetzliche Sonderregelungen, in denen ein strenger Arbeitszeitschutz normiert ist.

Nach § 18 Abs. 2 ArbZG i.V.m. § 1 Abs. 1 JArbSchG ist für Jugendliche unter 18 Jahren unabhängig von der Art der Beschäftigung nicht das Arbeitszeitgesetz, sondern das Jugendarbeitschutzgesetz (JArbSchG) von 1976 einschlägig.718 § 17 Abs. 1 JArSchG verbietet die Beschäftigung von Jugendlichen an Sonntagen und läßt hiervon für den Bibliotheksbereich auch keine Ausnahmen zu.719 Bei Zuwiderhandlungen drohen dem Arbeitgeber gem. § 58 Nr. 14 JArSchG Geldbußen oder Strafen.

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Ebenfalls einen besonderen rechtlichen Schutz genießen werdende und stillende Mütter. Für sie gilt gem. § 8 Ab. 1 S. 1 Mutterschutzgesetz (MuSchG),720 das als lex specialis die Normen des Arbeitszeitgesetzes verdrängt, ein strenges Sonntagsarbeitsverbot, das für die öffentliche Verwaltung keine Ausnahmen erlaubt. Ein Verstoß ist gem. § 21 Abs. 1 Nr. 3 MuSchG wiederum bußgeld- oder strafbewehrt. Für verbeamtete Frauen gelten entsprechende Bundes- und Landesverordnungen.721

2. Mitbestimmungsrechte der Bibliotheksmitarbeiter

Wie bereits dargelegt wurde, können Bibliotheksangestellte, die dem Schutz des Bundes-angestelltentarifvertrags unterliegen, bei Einführung der Sonntagsöffnung ohne eine Ände-rung ihres Arbeitsvertrags nicht zur Sonntagsarbeit verpflichtet werden.722 Inwieweit sich auch die übrigen Mitarbeiter gegen eine Änderung ihrer Arbeitszeiten mit Hilfe des Personal-rats wehren können, ist im Bundespersonalvertretungsgesetz (BPersVG)723 und in den ent-sprechenden Landesgesetzen geregelt.724 Die weitreichendste Form der Beteiligung des Personalrats ist die Mitbestimmung nach § 69 und §§ 75ff BPersVG. Maßnahmen, die der Mitbestimmung unterliegen, muß der Personalrat mit einfacher Mehrheit zustimmen, damit diese von der Dienststelle rechtswirksam durchgesetzt werden können.725 Gem. § 75 Abs. 3 Nr. 1 BPersVG726 steht dem Personalrat auch ein Mitbestimmungsrecht zu in Fragen über „die Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage.“727 Folglich bedarf die Sonn-tagsöffnung von Bibliotheken der Zustimmung der Personalvertretung. Lehnt der Personalrat die geplante Sonntagsbeschäftigung ab, kann die Direktion zunächst unter Fristwahrung nach § 69 Abs. 3 BPersVG728 die Stufenvertretung bei der übergeordneten Dienststelle anrufen. Wird wiederum keine Übereinstimmung erzielt, entscheidet die Einigungsstelle der obersten Dienstbehörde gem. § 69 Abs. 4 S. 4 BPersVG über die Angelegenheit.

B. Einstellung der Bibliotheksmitarbeiter zur Sonntagsöffnung

Im Rahmen dieser Arbeit wurde im Sommersemester 2003 mit Hilfe eines kurzen, standardisierten Fragebogens die Meinung zum Bibliothekssonntag von insgesamt 229 Mitarbeitern folgender Einrichtungen erhoben: der Universitätsbibliothek Bielefeld, der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln sowie der Stadtbibliothek Duisburg.729

1. Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung an der Universitätsbibliothek Bielefeld

a) Ausgangslage

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In der sonntagsgeöffneten Universitätsbibliothek Bielefeld nahmen 74 von insgesamt 188 Personen730 und damit 39% der Belegschaft an der Mitarbeiterbefragung zur Sonntags-öffnung teil.731 Die Analyse der soziodemographischen Angaben verdeutlich, daß die Beteiligung repräsentativ für die Gesamtbelegschaft war. Bei der Altersverteilung ergaben sich keine Abweichungen gegenüber der Grundgesamtheit, während der leicht höhere Frauenanteil sowie eine etwas größere Teilnahme des Stammpersonals als nur geringfügige Differenzen zu beurteilen sind.732

Für den Spät- und Wochenenddienst stellt die Universitätsbibliothek Bielefeld spezielle Kräfte ein, die bei personellen Engpässen vereinzelt durch Mitarbeiter aus dem „Tagesdienst“ ergänzt werden. Diese Ausgangsposition spiegelt sich auch in den Ergeb-nissen der Mitarbeiterbefragung wider, indem nur 8% der Befragten angaben, regelmäßig sonntags zu arbeiten. 10% leisten gelegentlich Sonntagsarbeit, während die überwiegende Mehrheit von 82% nicht von der Sonntagsöffnung betroffen ist.

Die dreizehnstündige Öffnung der Universitätsbibliothek Bielefeld am Sonntag zwischen 9.00 und 22.00 Uhr wird bereits seit 1975 angeboten, so daß die Mitarbeiter auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken können. Darüber hinaus gewährt die Einrichtung ebenfalls ausgedehnte Öffnungszeiten unter der Woche von insgesamt 111 Wochenstunden, die sich an den Werktagen bis 1 Uhr nachts sowie am Samstag bis 22 Uhr erstrecken.

b) Bereitschaft zur Sonntagsarbeit

↓112

Die Mitarbeiterbefragung hat ergeben, daß 65% des Personals ohne eigene Erfahrung im Wochenenddienst grundsätzlich bereit wäre, Sonntagsarbeit zu leisten.733 Allerdings nannten 11% die Bedingung, daß Sonntagszuschläge gezahlt werden, und 20%, daß ein höherer Freizeitausgleich unter der Woche gewährt wird. Nur bei den jüngeren Bediensteten unter 35 Jahren erfreuten sich die finanziellen Zuwendungen größerer Beliebtheit als zusätzliche Ausgleichsstunden.

Insgesamt betrachtet weigerte sich lediglich ein Drittel der Belegschaft, sonntags zu arbeiten. Die größte Akzeptanz mit 100% Zustimmung war bei den Hilfskräften und mit 78% bei den jüngeren Mitarbeitern zu verzeichnen, während Teilzeitkräfte und die männlichen Kollegen mit jeweils 50% Ablehnung die geringste Bereitschaft zur Sonntagsarbeit zeigten. Auch die persönlichen Familienverhältnisse spielten in dieser Frage eine Rolle: Alleinstehende waren den Wochenenddiensten mit nur 21% gegenüber einer Weigerungsrate von 44% deutlich weniger abgeneigt als Eltern.

Tab. 36 : Bereitschaft zur Sonntagsarbeit an der UB Bielefeld I

Bereitschaft

alle

unter 35

35-50

über 50

Vollzeitkräfte

Teilzeitkräfte

Hilfskräfte

grds. ja

34%

28%

30%

41%

36%

25%

50%

Zuschläge

11%

28%

0%

9%

10%

8%

25%

Freizeit

20%

22%

26%

14%

21%

17%

25%

gar nicht

35%

22%

44%

36%

33%

50%

0%

↓113

Tab. 37: Bereitschaft zur Sonntagsarbeit an der UB Bielefeld II

Bereitschaft

alle

Frauen

Männer

Alleinstehende

feste Partnerschaft

Eltern

grds. ja

34%

37%

27%

53%

21%

30%

Zuschläge

11%

14%

6%

21%

11%

0%

Freizeit

20%

21%

17%

5%

26%

26%

gar nicht

35%

28%

50%

21%

42%

44%

Doch selbst bei denjenigen Bediensteten mit der geringsten Neigung zur Sonntagsarbeit wie den Teilzeitkräften, Eltern und männlichen Mitarbeitern erklärte sich noch mindestens jeder zweite Befragte bereit, die Sonntagsöffnung aktiv mitzutragen.

Abb. 10: Bereitschaft zur Sonntagsarbeit im Vergleich an der UB Bielefeld

↓114

Nicht nur die hohe Zustimmungsrate von 65%, sondern auch die Häufigkeit des sonntäg-lichen Arbeitseinsatzes von durchschnittlich 12,4 Diensten im Jahr war Ausdruck der guten Akzeptanz der Sonntagsöffnung in Bielefeld. Ein Viertel der Befragten wäre bereit, maximal sechs Sonntage im Jahr zu arbeiten, während ein weiteres Viertel einmal im Monat dem Dienst am Sonntag nachgehen würde. Weitere 15% gaben sogar an, jeden zweiten Sonntag oder häufiger zur Verfügung zu stehen.734

Abb. 11: Jahresmaximum für die Sonntagsarbeit an der UB Bielefeld

Die durchschnittliche Tageszeit, an der das Personal sonntags vorzugsweise arbeiten würde, liegt zwischen 10 und 16 Uhr. Mit 25% Befürwortung erwiesen sich die Vormittagsstunden am beliebtesten, gefolgt von der Mittagszeit mit 22% Zustimmung. Nach 16 Uhr wären noch 11% der Befragten und nach 20 Uhr nur 5% zur Sonntagsarbeit bereit.735

↓115

Abb. 12: Bevorzugte Tageszeiten für die Sonntagsarbeit an der UB Bielefeld

c) Einstellung zur Sonntagsöffnung

Neben der Fragestellung, inwiefern die Belegschaft der Universitätsbibliothek Bielefeld zur Sonntagsarbeit bereit und verpflichtet ist, diente die Befragung auch der Untersuchung, welche Ansichten die Bediensteten generell zu sonntäglichen Bibliotheksöffnungszeiten vertreten. Auf die Frage „Wie denken Sie grundsätzlich über die Sonntagsöffnung von Bibliotheken?“ gaben 71% an, den Bibliothekssonntag für sinnvoll oder sehr sinnvoll zu halten. Dieser Wert lag knapp über der Rate von 65%, mit der sich das Personal zur Sonntagsarbeit bereit erklärte.

Tab. 38: Einstellung zur Sonntagsöffnung an der UB Bielefeld I

Einstellung

Alle

weiblich 736

männlich

Alleinstehende

Partnerschaft

Eltern

sehr sinnvoll

26%

24%

25%

35%

12%

24%

Sinnvoll

45%

46%

41%

43%

50%

44%

wenig sinnvoll

16%

17%

17%

13%

17%

20%

nicht sinnvoll

13%

13%

17%

9%

21%

12%

↓116

Tab. 39: Einstellung zur Sonntagsöffnung an der UB Bielefeld II

Einstellung

Alle

Vollzeit

Teilzeit

Hilfskräfte

bis 35 J.

35-50 J.

über 50 J.

sehr sinnvoll

26%

27%

8%

50%

19%

25%

26%

Sinnvoll

45%

39%

69%

50%

48%

36%

57%

wenig sinnvoll

16%

16%

23%

0%

24%

25%

0%

nicht sinnvoll

13%

18%

0%

0%

9%

14%

17%

Die geringste Befürwortung erhielt die Sonntagsöffnung von jüngeren Personen und Mitarbeitern, die in einer festen Partnerschaft leben, während die Zustimmung bei den Alleinstehenden und den über 50jährigen recht hoch ausfiel, übertroffen nur von den Hilfskräften, die den Bibliotheksonntag uneingeschränkt begrüßten.

Abb. 13: Unterschiede in der Einstellung zur Sonntagsöffnung an der UB Bielefeld737

↓117

Eine 100% Zustimmung erhielt die Sonntagsöffnung auch bei denjenigen Bediensteten, die regelmäßig Sonntagsarbeit leisten. Mit 43% deutlich unter dem Durchschnitt lag dagegen die Befürwortung der Mitarbeiter, die sonntags nur gelegentlich arbeiten. Die Tatsache, daß sie zu diesen Vertretungsdiensten oft kurzfristig einspringen müssen, mag diese auffallende Diskrepanz erklären.738

Tab. 40: Einstellung zur Sonntagsöffnung im Verhältnis zur eigenen Betroffenheit an der UB Bielefeld

Einstellung

alle

regelmäßige Sonntagsarbeit

gelegentliche Sonntagsarbeit

keine Sonntagsarbeit

sehr sinnvoll

26%

67%

14%

23%

Sinnvoll

45%

33%

29%

48%

wenig sinnvoll

16%

0%

28%

16%

nicht sinnvoll

13%

0%

29%

13%

Ein klarer und eindeutiger Zusammenhang besteht schließlich zwischen der Einstellung zur Sonntagsarbeit und der Bereitschaft zum eigenen Arbeitseinsatz. Von denjenigen, die keinen Sinn in der Sonntagsöffnung sahen, war auch niemand bereit, sonntags zu arbeiten. Wurde die Sonntagsöffnung als nur wenig sinnvoll betrachtet, lag die Bereitschaft bei nur 37% im Gegensatz zu einer Quote von 83% bzw. 87%, wenn der Bibliothekssonntag als sinnvoll bzw. sehr sinnvoll bewertet wurde.739

↓118

Tab. 41: Zusammenhang zwischen der Bereitschaft zur Sonntagsarbeit und der Einstellung zur Sonntagsöffnung an der UB Bielefeld

Bereitschaft

alle

sehr sinnvoll

sinnvoll

wenig sinnvoll

nicht sinnvoll

grds. ja

34%

80%

33%

12,5%

0%

Zuschläge

11%

0%

17%

12,5%

0%

Freizeit

20%

7%

33%

12,5%

0%

gar nicht

35%

13%

17%

62,5%

100%

d) Anmerkungen zur Sonntagsöffnung

Um dem Personal der Universitätsbibliothek Bielefeld ausreichend Gelegenheit zur unvorein-genommenen Meinungsäußerung zu geben, wurde es gebeten, die Vor- bzw. Nachteile der Sonntagsöffnung aus seiner Sicht frei zu formulieren. Mit 84% Beteiligung wurde von dieser Möglichkeit rege Gebrauch gemacht, wobei insgesamt mehr Vorzüge als Nachteile genannt wurden.740

Die Hauptargumente lauteten, daß der Bibliothekssonntag kundenfreundlich und service-orientiert und gerade für bestimmte Nutzergruppen, insbesondere für Berufstätige, Examens-kandidaten und Bewohner vor Ort, vorteilhaft sei. Darüber hinaus glauben die Mitarbeiter, daß die Sonntagsöffnung neue Nutzerschichten anspricht, die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze und flexiblerer Arbeitszeiten begünstigt, das örtliche Kulturleben belebt und zu einer besseren Nutzung des Präsenzbestandes führt sowie insgesamt einen Imagegewinn für die Bibliothek bedeutet. Schließlich wurde angeführt, daß gerade der Sonntag eine ruhige Arbeitsatmosphäre sowohl für die Besucher als auch für die Mitarbeiter biete.

↓119

Tab. 42: Vorzüge der Sonntagsöffnung aus Sicht der Mitarbeiter der UB Bielefeld

Vorzüge

Anzahl

Kundenfreundlich

28

Serviceorientiert

10

vorteilhaft für Berufstätige

7

bessere Nutzung des Präsenzbestandes

6

sonntags ruhige Arbeitsatmosphäre

5

vorteilhaft für Auswärtige

4

Imagegewinn für die Bibliothek

4

spricht neue Nutzerschichten an

3

schafft neue Arbeitsplätze

3

vorteilhaft bei Abschlußarbeiten

2

vorteilhaft für die Bewohner vor Ort

1

schafft flexiblere Arbeitszeiten

1

wenn zu Hause keine ruhige Lesemöglichkeiten

1

ruhige Arbeitszeiten für’s Personal

1

Angebot für schlechtes Wetter

1

vorteilhaft für Studenten

1

Belebung des örtlichen Kulturlebens

1

verursacht weniger Säumnisfälle741

1

Auf der Negativseite wurde hauptsächlich angegeben, daß die Sonntagsöffnung eine Belastung für die Bibliothekare darstelle und für diese unsozial und familienfeindlich sei. Des weiteren stehe der Mitarbeitereinsatz am Sonntag im Widerspruch zum Personalabbau und verursache einen zu hohen Verwaltungsaufwand und Kosten. Genannt wurde zudem, daß die Wochenöffnungszeiten ausreichten,742 die meisten Studierenden am Wochenende nach Hause führen, sonntags zu wenige Mitarbeiter im Einsatz seien und der zu geringe sonntägliche Service zu einer Negativwerbung für die Bibliothek führe. Andere Bedienstete betonten, daß der Sonntag ein Tag der Ruhe bleiben solle und die Sonntagsarbeit ihren religiösen Überzeugungen widerspreche.

Tab. 43: Nachteile der Sonntagsöffnung aus Sicht der Mitarbeiter der UB Bielefeld

Nachteile

Anzahl

Sonntagsarbeit unsozial

6

Sonntagsarbeit Belastung für Mitarbeiter

5

Mitarbeitereinsatz am Sonntag steht im Widerspruch zum Personalabbau

5

Sonntagsarbeit familienfeindlich

4

zu hoher Verwaltungsaufwand

4

zu hohe Kosten

3

sonntags zu wenige Mitarbeiter im Einsatz

3

Studierende fahren am Wochenende heim

3

ausreichende Wochenöffnungszeiten

3

sonntags zu geringe Benutzung

3

Sonntag soll ein Tag der Ruhe bleiben

2

religiöse Begründungen

2

fehlender Service am Sonntag (führt zu Negativwerbung)

2

Sonntagsarbeit führt zu Personalabzug unter der Woche

2

Sonntagsarbeit führt zu Streß und Krankheit

1

Sonntagsarbeit in einer Bibliothek nicht unbedingt notwendig

1

↓120

In weiteren Anmerkungen743 wurde gefordert, daß die Sonntagsarbeit nur auf freiwilliger Basis erfolgen und zuvor mit einer Untersuchung der Bedarf nach sonntäglichen Öffnungszeiten nachgewiesen werden solle.744 Zustimmung fanden auch höhere Zuschläge sowie ein Freizeitausgleich, der trotz des kürzeren Arbeitstags am Sonntag einen vollen Wochen-arbeitstag als Ausgleich gewährt.745 Erwähnt wurden zudem die üblichen Sonntagsöffnungs-zeiten von ausländischen Bibliotheken,746 daß die Universitätsbibliothek sonntags weder zu früh noch zu spät öffnen solle und daß sich auch die höheren Dienstränge am Sonntags-dienst zu beteiligen hätten.

Bei einer Gesamtbetrachtung aller Anmerkungen bestätigte sich, daß das Personal die Sonntagsöffnung überwiegend positiv beurteilte. So waren 60% der Angaben zum Biblio-thekssonntag positiv oder sehr positiv, 21% ausgewogen und nur 19% negativ bis sehr negativ formuliert. Viele Bedienstete gaben sich überdies die Mühe, sehr ausführliche oder differenzierte Beiträge zu verfassen, indem sie beispielsweise auf spezielle persönliche Situationen hinwiesen, aufgrund derer sie die eigene Sonntagsarbeit trotz einer grundsätz-lichen Begrüßung ablehnten, oder konstruktive Vorschläge zu einer besseren Gestaltung des Bibliothekssonntags unterbreiteten.

e) Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse

Auch wenn an der Universitätsbibliothek Bielefeld nur wenige Mitarbeiter direkt vom Bibliothekssonntag betroffen sind, zeigten sich zwei Drittel der übrigen Belegschaft ebenfalls zur Sonntagsarbeit bereit. Allerdings nannte die Hälfte dieser Bediensteten Anreize von Seiten der Bibliotheksleitung als Bedingung, wobei sich ein höherer Freizeitausgleich unter der Woche einer größeren Beliebtheit als finanzielle Zuschläge erfreute. Bei der Analyse der Antworten zur Arbeitsbereitschaft zeigten sich deutliche Schwankungen zwischen den einzelnen Mitarbeitergruppen von 50% bis 100%. Die männlichen Befragten und Teilzeit-kräfte bekundeten die geringste Einsatzbereitschaft, während Alleinstehende und Hilfskräfte die wenigsten Vorbehalte äußerten.

↓121

Erstaunlich hoch lag die Häufigkeit, die für den sonntäglichen Diensteinsatz angegeben wurde. Ungefähr ein Viertel der Mitarbeiter würde jeden zweiten Monat, ein weiteres Viertel jeden Monat und wiederum ein Viertel noch häufiger sonntags arbeiten. Als Tageszeiten wurden die Mittags- und Vormittagsstunden bevorzugt, während nach 16 Uhr nur noch jeder sechste seine Arbeitsbereitschaft erklärte. Noch höher als die Bereitschaft zur Sonntags-arbeit fiel mit 71% die grundsätzliche Zustimmung zur Bibliothekssonntagsöffnung aus, wobei die hundertprozentige Befürwortung der Hilfskräfte sowie derjenigen Mitarbeiter, die regelmäßig sonntags arbeiten, besonders auffällig war. Diesen signifikanten Zusammenhang zwischen eigenem Arbeitseinsatz und der Beurteilung der Sonntagsöffnung spiegelte auch die positive Grundhaltung der Befürworter wider, von denen fast jeder zum Sonntagsdienst bereit wäre, während von denjenigen, die den Bibliothekssonntag ablehnten, niemand sonntags arbeiten würde. Damit bestätigte sich die Ausgangsthese, daß die Bereitschaft des Bibliothekspersonals zur Sonntagsarbeit von ihrer Einsicht in den Sinn und die Notwendigkeit des eigenen Arbeitseinsatzes abhängt.

Die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung an der Universitätsbibliothek Bielefeld belegen, daß die Sonntagsöffnung von Bibliotheken durchaus auch auf das überwiegende Einverständnis des Personals treffen kann. Mit großer Dienstbereitschaft trägt eine deutliche Mehrheit dieses Serviceangebot mit, insbesondere je mehr es von seiner Nützlichkeit überzeugt ist. Dabei nimmt die Belegschaft freiwillig unbequeme Arbeitszeiten in Kauf, um der Kundenorientierung als Handlungsmaxime gerecht zu werden.

2. Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung an der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln

a) Ausgangslage

Von den insgesamt 188 Mitarbeitern der Universitäts- und Stadtbibliothek (USB) Köln747 haben 68 Personen den Fragebogen zur Sonntagsöffnung ausgefüllt. Dies entspricht einer für schriftliche Befragungen relativ hohen Rücklaufquote von 36%.748 Sie liegt nur etwas niedriger als die Werte, die an der Universitätsbibliothek Bielefeld erzielt wurden. Damit ist eine verläßliche Ausgangsbasis gegeben, um die Umfrageergebnisse der beiden Bibliotheken miteinander zu vergleichen. Die Auswertung der persönlichen Angaben ergab, daß die teilnehmenden Bibliothekare die Gesamtbelegschaft in Bezug auf die Geschlechts- und Altersverteilung exakt widerspiegeln. Auch das Verhältnis zwischen Vollzeit- und Teilzeitkräften entspricht der Grundgesamtheit. Mit nur einer einzigen Stimme deutlich unterrepräsentiert sind dagegen die studentischen Hilfskräfte und mithin als Stichproben-größe zu klein, um als eigene Untergruppe gewertet zu werden.749

↓122

Das Thema Sonntagsöffnung zeichnete sich in Köln durch eine lokalbedingte Aktualität aus, da sowohl die örtliche Zentralbibliothek für Medizin als auch die Universitäts- und Landes-bibliothek im benachbarten Düsseldorf im selben Jahr die Sonntagsöffnung einführten. Während der Mitarbeiterbefragung lief wiederum an der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln eine Testphase, in der erweiterte Öffnungszeiten des Lesesaals, der Zeitschriftenstelle sowie des Europäischen Dokumentationszentrums werktags bis 24 Uhr erprobt wurden. Wichtige Serviceleistungen wie Ausleihe und Auskunft wurden in den Abendstunden jedoch nicht geboten. Samstags waren die Lesesäle der USB Köln zum Befragungszeitpunkt bis 16 Uhr und insgesamt 82 Wochenstunden geöffnet.750

b) Bereitschaft zur Sonntagsarbeit

Im Gegensatz zu den Ergebnissen an der Universitätsbibliothek Bielefeld lehnten die Mitarbeiter der USB Köln eigene Sonntagsdienste im Publikumsverkehr klar ab. Nur 5% zeigten sich grundsätzlich bereit, sonntags zu arbeiten, während zwei Drittel der Befragten diese Einsatzbereitschaft verneinten. Gegen die Zahlung von Zuschlägen würden 3% der Belegschaft den Bibliothekssonntag unterstützen und 28% gegen die Gewährung eines höheren Freizeitausgleichs, der sich damit als wesentlich beliebtere Anreizmethode erwies.

Tab. 44 : Bereitschaft zur Sonntagsarbeit an der USB Köln I

alle

Bis 35 Jahre

35-50 Jahre

über 50 Jahre

Vollzeitkräfte

Teilzeitkräfte

grds. ja

5%

0%

5%

5%

7%

0%

Zuschläge

3%

0%

2,5%

5%

3%

5%

Freizeit

28%

60%

25%

27%

29%

28%

gar nicht

64%

40%

67,5%

63%

61%

67%

↓123

Tab. 45 : Bereitschaft zur Sonntagsarbeit an der USB Köln II

alle

Frauen

Männer

Alleinstehende

feste Partnerschaft

Eltern

grds. ja

5%

4%

5%

11%

0%

4%

Zuschläge

3%

2%

5%

0%

0%

8%

Freizeit

28%

35%

11%

22%

43%

16%

gar nicht

64%

59%

79%

67%

57%

72%

Durch die Einbeziehung der soziodemographischen Daten wurde die hohe Ablehnung der Sonntagsarbeit etwas relativiert, da diese je nach Personengruppe zwischen 40% und 79% schwankte. Die größte Einsatzbereitschaft zeigten die jungen Bediensteten, während Männer die Sonntagsarbeit am häufigsten zurückwiesen. Die unterschiedlichen Familienver-hältnisse führten dagegen zu nur geringen Ergebnisdifferenzen, wobei Mitarbeiter mit Kindern der Sonntagsarbeit am wenigsten geneigt waren.

Abb. 14: Bereitschaft zur Sonntagsarbeit im Vergleich an der USB Köln

↓124

Verhalten reagierte das Kölner Personal auch auf die Frage nach der maximalen Anzahl der sonntäglichen Diensteinsätze. Nur jeder fünfte derjenigen Befragten, die der Sonntagsarbeit zustimmten, würde einmal im Monat oder häufiger die Leser am Sonntag bedienen. Die Mehrzahl bevorzugte, vier bis zehn mal im Jahr eingesetzt zu werden, mit einem Mittelwert von 8,6 Sonntagen im Jahr.751

Abb. 15: Jahresmaximum für die Sonntagsarbeit an der USB Köln

Am beliebtesten erwies sich eine sonntägliche Dienstzeit zwischen 10 und 16 Uhr.752 Am frühen Morgen und am Abend fiel die Zustimmung auf unter 10%.

↓125

Abb. 16: Bevorzugte Tageszeiten für die Sonntagsarbeit an der USB Köln

c) Einstellung zur Sonntagsöffnung

Nachdem die Befragten mit ablehnender Haltung gegenüber der Sonntagsarbeit von den beiden letzten Untersuchungspunkten nicht betroffen waren, richtete sich die Frage „Wie denken Sie grundsätzlich über die Sonntagsöffnung von Bibliotheken?“ wiederum an alle Mitarbeiter. Die Antworten zeigten deutliche Parallelen zur Eingangsfrage. So würde nicht nur ein Drittel der Belegschaft der USB Köln sonntags arbeiten, sondern ebenfalls ein Drittel des Personals betrachtet den Bibliothekssonntag als sinnvoll oder sehr sinnvoll. Dabei wurde die geringste Akzeptanz bei den Teilzeitkräften und die höchste wiederum bei den jungen Mitarbeitern erzielt. Insgesamt lehnten mit 46% rund die Hälfte aller Befragten den Bibliothekssonntag grundsätzlich ab, während ihn 23% für wenig sinnvoll, 25% für sinnvoll und nur 6% für sehr sinnvoll hielten.753

Tab. 46: Einstellung zur Sonntagsöffnung an der USB Köln I

Einstellung

alle

weiblich

männlich

bis 35 Jahre

35-50 Jahre

über 50 Jahre

sehr sinnvoll

6%

6%

6%

0%

5%

11%

sinnvoll

25%

26%

22%

40%

22%

28%

wenig sinnvoll

23%

28%

11%

20%

24%

17%

nicht sinnvoll

46%

40%

61%

40%

49%

44%

↓126

Tab. 47: Einstellung zur Sonntagsöffnung an der USB Köln II

Einstellung

alle

Vollzeitkräfte

Teilzeitkräfte

alleinstehend

Partnerschaft

Eltern

sehr sinnvoll

6%

10%

0%

6%

4%

6%

sinnvoll

25%

23%

27%

29%

31%

26%

wenig sinnvoll

23%

21%

27%

24%

17%

22%

nicht sinnvoll

46%

46%

46%

41%

48%

46%

Im Gegensatz zur Frage nach der eigenen Bereitschaft zur Sonntagsarbeit beeinflußten die persönlichen Verhältnisse der Befragten das Meinungsbildung zum Sinn des Bibliotheks-sonntags nur wenig. Die Abweichungen zwischen den einzelnen Personengruppen fielen mit 13% vergleichsweise gering aus.754

Abb. 17: Unterschiede in der Einstellung zur Sonntagsöffnung an der USB Köln755

↓127

Dennoch ließ sich ein klarer Zusammenhang zwischen der Einstellung zur Bibliotheks-öffnung am Sonntag und der Einsatzbereitschaft an diesem Tag feststellen. 87% derjenigen, die den Bibliothekssonntag für sinnvoll hielten, waren auch zum Arbeitseinsatz bereit. Eine hundertprozentige Dienstbereitschaft756 korrespondierte mit der Antwortkategorie „sehr sinnvoll“, während nur 3% der negativ eingestellten Mitarbeiter Sonntagsarbeit leisten würden.

Tab. 48: Zusammenhang zwischen der Einstellung zur Sonntagsöffnung und der Bereitschaft zur Sonntagsarbeit an der USB Köln

Bereitschaft

alle

sehr sinnvoll

sinnvoll

wenig sinnvoll

nicht sinnvoll

grds. ja

5%

25%

12,5%

0%

0%

Zuschläge

3%

0%

0%

7%

3%

Freizeit

28%

75%

75%

20%

0%

gar nicht

64%

0%

12,5%

73%

97%

d) Anmerkungen zur Sonntagsöffnung

Die Möglichkeit, freie Anmerkungen zum Thema zu äußern, wurde stark, aber mit 74% nicht ganz so oft wie an der Universitätsbibliothek Bielefeld757 genutzt. Entsprechend den zuvor geäußerten Ansichten waren die Kommentare in der Mehrzahl negativ.758 Bemängelt wurde überwiegend, daß die Sonntagsarbeit familienfeindlich sei und angesichts der schwierigen Personalsituation eine starke Belastung für die Belegschaft darstelle. Einige Mitarbeiter befürchteten, daß die Sonntagsöffnung die Personalengpässe unter der Woche verschärfe und zu mehr Streß und zu einem höheren Krankheitsstand beitrage. Auch der Sinn der Sonntagsöffnung wurde in Zweifel gezogen, da die Öffnungszeiten unter der Woche ausreichend seien, die Studierenden das Wochenende nicht am Studienort verbrächten und sonntags keine neuen Leser kämen. Weiterhin wurde auf die Wochenendausleihe sowie die hohen Kosten verwiesen und schließlich grundsätzliche Argumente für den Sonntag als allgemeinen Ruhetag angeführt.759

↓128

Tab. 49: Nachteile der Sonntagsöffnung aus Sicht der Mitarbeiter der USB Köln

familienfeindlich

7

Tag der Ruhe

5

wegen des Personalmangels nicht realisierbar; Personalsituation wird weiter verschärft

5

ausreichende Öffnungszeiten unter der Woche

4

Belastung für Mitarbeiter

3

Bibliotheksarbeit am Sonntag nicht unbedingt notwendig

3

führt zu Personalabzug und -engpässen unter der Woche

2

kein Bedarf bzw. sonntags zu geringe Nutzung

2

Wochenendausleihe ausreichend

2

religiöse Begründungen

2

verursacht zuviel Kosten

2

grundsätzlich überflüssig

2

Verlängerung der Öffnungszeiten an Werktagen sinnvoller

2

nicht sinnvoll für Magazinbibliothek

2

Bibliothekssonntag wird nicht zur Literaturbeschaffung, sondern nur zum Aufenthalt genutzt

2

verursacht zuviel Verwaltungs- und Organisationsaufwand

1

Studierende sind am Wochenende nicht vor Ort

1

führt zu Stress und höherem Krankheitsstand

1

unsozial (kein gemeinsamer freier Tag)

1

verhindert Wochenendheimfahrten auswärtiger Mitarbeiter

1

sonntags kommen nur die gleichen Leser wie unter der Woche

1

sinnvoller für öffentliche Bibliotheken

1

Befürchtung, daß großzügige Zuschläge und Freizeitausgleiche später abgeschafft werden

1

Als Argumente für die Sonntagsöffnung nannten die Mitarbeiter vorrangig Kundenfreund-lichkeit, Serviceorientierung sowie eine Verbesserung der Öffnungszeiten für Berufstätige.760 Für die eigene Universitätsbibliothek wurde die Hoffnung geäußert, daß diese einen Image-gewinn sowie eine Gleichstellung mit anderen Bibliotheken und Kulturinstitutionen erziele.

Tab. 50: Vorzüge der Sonntagsöffnung aus Sicht der Mitarbeiter an der USB Köln

kundenfreundlich

7

vorteilhaft für Berufstätige

6

serviceorientiert

4

spricht neue Kunden und Nutzerschichten an

2

Imagegewinn

2

Anpassung und Gleichstellung mit anderen Kulturinstitutionen

2

ruhige Arbeitsatmosphäre

1

führt zur besseren Ausnutzung des Bestandes

1

Entzerrung von Stoßzeiten

1

Anpassung an andere Bibliotheken

1

↓129

Weiterhin forderte das befragte Personal in einem freien Textfeld am Ende des Fragebogens u.a., daß die Sonntagsöffnung nur mit zusätzlichem Fachpersonal und nach einer Erpro-bungsphase einzuführen sei.

Tab. 51: Forderungen und Wünsche für die Sonntagsöffnung an der USB Köln

nur mit zusätzlichem Personal zu bewältigen

6

Fachpersonal für Sonntagsservice erforderlich

3

zunächst testweise Einführung

2

auch sonntags voller Service

1

Freiwilligkeit

1

sonntags nur eingeschränkter Service möglich

1

Werbung für Sonntagsöffnungszeiten erforderlich

1

e) Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse

Der Bibliothekssonntag traf bei den Mitarbeitern der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln auf erhebliche Ablehnung. Nur jeweils ein Drittel der Belegschaft gab an, in der Sonntags-öffnung einen Sinn zu erkennen und unter bestimmten Umständen sonntags zu arbeiten. Dabei war die Bereitschaft, unbequeme Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen, umso größer, je positiver die sonntägliche Öffnung von Bibliotheken im Allgemeinen beurteilt wurde. Teilzeit-kräfte,761 Eltern sowie männliche Befragte äußerten sich gegenüber einer Änderung der Öffnungszeiten am kritischsten, während die jungen Mitarbeiter unter 35 Jahren die größte Aufgeschlossenheit zeigten. Die Befürworter der Sonntagsöffnung stellten sich vor, im Durchschnitt alle sechs Wochen einen Sonntagsdienst von 10 bis 16 Uhr zu leisten. Zusätzliche Lockmittel des Arbeitsgebers wie Zuschläge und großzügige Regelungen des Freizeitausgleichs vermochten die Hälfte der Belegschaft, die den Bibliothekssonntag grundsätzlich ablehnten, nicht zum Arbeitseinsatz motivieren.

↓130

Über die Hintergründe für die Vorbehalte des Personals gab die Analyse der frei formulierten Anmerkungen Aufschluß. Neben persönlichen Motiven gegen die Sonntagsarbeit im Allge-meinen wurde vermehrt auf eine angespannte Personalsituation hingewiesen und Befürch-tungen geäußert, daß die Sonntagsöffnung neben Kosten und Verwaltungsaufwand zu Per-sonalengpässen führen würde. Ein anderer Aspekt der Kritik waren Zweifel, ob für sonntägliche Öffnungszeiten tatsächlich ein Bedarf besteht. Folglich wäre den Widerständen des Personals weniger durch materielle Anreize als durch Überzeugungsarbeit zu begegnen. Bevor nicht nachgewiesen ist, daß eine Nachfrage für den Bibliothekssonntag besteht und der Dienstplan durch diese Öffnung nicht zusätzlich belastet wird, ist eine mehrheitliche Unterstützung durch die Bibliothekare der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln nicht zu erwarten.

3. Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung an derStadtbibliothek Duisburg

a) Ausgangslage

An der Stadtbibliothek Duisburg wurde unter den insgesamt 146 Mitarbeitern mit 87 Antworten eine sehr hohe Teilnahme von 60% erzielt, die deutlich über den Rücklaufquoten762 der Universitätsbibliothek Bielefeld und der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln lag.763 Die soziodemographischen Werte der Stichprobengröße entsprechen bei der Geschlechts- und Altersstruktur genau der Zusammensetzung der Duisburger Belegschaft. Überrepräsentiert waren lediglich die Teilzeitmitarbeiter, während der Rücklauf bei den Auszubildenden und Hilfskräften so gering war, daß diese Personengruppen mangels Repräsentativität bei der weiteren Ergebnisanalyse nicht gesondert aufgeführt werden.764 Im Vergleich zu den beiden zuvor untersuchten Universitätsbibliotheken mit ihren 111 bzw. 87 Wochenöffnungsstunden gewährt die Stadtbibliothek Duisburg ihren Lesern einen wesentlich kürzeren Einlaß von insgesamt 37 Stunden an vier Werktagen von 11 bis 19 Uhr sowie samstags bis 16 Uhr.

b) Bereitschaft zur Sonntagsarbeit

Die Mitarbeiterbefragung ergab ein geteiltes Stimmungsbild zur Sonntagsarbeit in der Stadtbibliothek Duisburg: Eine Hälfte der Belegschaft zeigte sich bereit, den Bibliotheks-sonntag zu unterstützen, während die andere Hälfte ihre Ablehnung bekundete.765 Die Mehrzahl der Befürworter nannte als Bedingung die Gewährung eines höheren Freizeitausgleichs, der sich insbesondere bei den männlichen Beschäftigten als sehr beliebt erwies. Deutlich weniger Interesse wurde dagegen mit durchschnittlich 7% für die Zahlung von Zuschlägen erklärt, das überdies mit zunehmendem Alter nachließ.

↓131

Tab. 52 : Bereitschaft zur Sonntagsarbeit an der Stadtbibliothek Duisburg I

alle

bis 35 Jahre

35 - 50 Jahre

über 50 Jahre

Vollzeitkräfte

Teilzeitkräfte

grds. ja

15%

7%

14%

21%

12%

28%

Zuschläge

7%

13%

10%

0%

8%

5%

Freizeit

26%

27%

19%

37%

27%

17%

gar nicht

52%

53%

57%

42%

53%

50%

Tab. 53 : Bereitschaft zur Sonntagsarbeit an der Stadtbibliothek Duisburg II

alle

Frauen

Männer

Alleinstehende

feste Partnerschaft

Eltern

grds. ja

15%

20%

0%

13%

14%

18%

Zuschläge

7%

8%

5%

6%

7%

6%

Freizeit

26%

20%

43%

25%

17%

35%

gar nicht

52%

52%

52%

56%

62%

41%

In Relation zu den soziodemographischen Daten ergaben sich bei der Bereitschaft zur Sonntagsarbeit nur relativ geringfügige Unterschiede zwischen den einzelnen Personen-gruppen.766 Keine Auswirkungen auf die Dienstbereitschaft ließen sich in Bezug auf das Beschäftigungsverhältnis und das Geschlecht feststellen, während Altersunterschiede und abweichende Familienverhältnisse zu Ergebnisdifferenzen führten: Bei Eltern sowie Bibliothekaren über fünfzig Jahre war mit 59% bzw. 58% die höchste Zustimmung zu verzeichnen, während nur 38% der Mitarbeiter, die in einer festen Partnerschaft lebten, die Sonntagsöffnung aktiv mittragen würden.

↓132

Abb. 18: Bereitschaft zur Sonntagsarbeit im Vergleich an der Stadtbibliothek Duisburg

Geteilt waren die Meinungen wiederum bei der anschließenden Frage, an wie vielen Sonntagen im Jahr maximal Sonntagsdienste geleistet werden sollten.767 Während sich exakt die Hälfte der einsatzwilligen Belegschaft bereit erklärte, einmal im Monat oder häufiger sonntags zu arbeiten, bevorzugte ein Drittel der Mitarbeiter nicht häufiger als vier mal im Jahr an diesem Wochentag eingesetzt zu werden. Im Durchschnitt ergaben die Antworten 10,2 Sonntage mit einer Bandbreite zwischen einem und 26 Einsätzen per annum.

Abb. 19: Jahresmaximum für die Sonntagsarbeit an der Stadtbibliothek Duisburg

↓133

Mehr Ausgeglichenheit ließ sich dagegen bei der Bestimmung der bevorzugten Tageszeit für die Sonntagsarbeit feststellen. Keine Befürwortung fanden die Abend- und frühen Vor-mittagsstunden, sondern die Antworten konzentrierten sich auf die Periode zwischen 10 und 18 Uhr mit eindeutigem Gewicht auf den früheren Zeitspannen.768

Abb. 20: Bevorzugte Tageszeiten für die Sonntagsarbeit
an der Stadtbibliothek Duisburg

c) Einstellung zur Sonntagsöffnung

Bis auf 6% der Belegschaft, die keine Meinung zur Sonntagsöffnung von Bibliotheken vertrat, äußerte das übrige Personal bei dieser Frage in der Mehrheit Skepsis. Während ein Drittel der Mitarbeiter angab, den Bibliothekssonntag für sinnvoll bzw. sehr sinnvoll zu halten, erkannte die Hälfte der Befragten nur wenig Sinn in diesem Serviceangebot. Die restlichen 16% lehnten eine sonntägliche Öffnungszeit grundsätzlich ab.

↓134

Tab. 54: Einstellung zur Sonntagsöffnung an der Stadtbibliothek Duisburg I

Einstellung

alle

weiblich

männlich

bis 35 Jahre

35-50 Jahre

über 50 Jahre

sehr sinnvoll

10%

5%

26%

7%

7%

18%

sinnvoll

25%

28%

16%

7%

31%

27%

wenig sinnvoll

49%

50%

42%

46%

50%

46%

nicht sinnvoll

16%

17%

16%

40%

12%

9%

Tab. 55: Einstellung zur Sonntagsöffnung an der Stadtbibliothek Duisburg II

Einstellung

alle

Vollzeitkräfte

Teilzeitkräfte

alleinstehend

Partnerschaft

Eltern

sehr sinnvoll

10%

14%

0%

12%

0%

18%

sinnvoll

25%

24%

29%

19%

33%

23%

wenig sinnvoll

49%

41%

65%

44%

45%

53%

nicht sinnvoll

16%

21%

6%

25%

22%

6%

Mit 46% die größte Akzeptanz fand die Sonntagsöffnung bei älteren Mitarbeitern, derweil die Befragten unter 35 Jahren sie nur zu 14% guthießen. Damit fielen die Meinungsunterschiede in diesem Punkt wesentlich größer als bei der Frage nach der Dienstbereitschaft aus. Eine hohe Zustimmung erzielte der Bibliothekssonntag ebenfalls bei Eltern und männlichen Bediensteten, eine unterdurchschnittliche bei den Teilzeitkräften und allein stehenden Personen. Bei den Männern erreichte die Kategorie „sehr sinnvoll“, die im Durchschnitt 10% Befürwortung erhielt, die höchste Quote von 26%.

↓135

Abb. 21: Unterschiede in der Einstellung zur Sonntagsöffnung
an der Stadtbibliothek Duisburg

Auffällig war, daß bei allen Personengruppen die Bereitschaft zur Sonntagsarbeit zum Teil deutlich höher lag als die Überzeugung vom Nutzen des Bibliothekssonntags. Gerade die Mitarbeiter, die nur wenig Sinn in der Sonntagsöffnung erkannten, zeigten mit 39% eine deutliche Einsatzbereitschaft. Nichtsdestoweniger ließ sich auch an der Stadtbibliothek Duisburg ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Einstellung zur Sonntagsöffnung und der eigenen Dienstbereitschaft feststellen. Diejenigen Mitarbeiter, die den Bibliothekssonntag als sehr sinnvoll bewerteten, bekundeten ausnahmslos ihre Unterstützung,769 während nur 8% der Gegner sonntags gegen die Zahlung von Zuschlägen arbeiten würde.

Tab. 56: Zusammenhang zwischen der Einstellung zur Sonntagsöffnung und der Bereitschaft zur Sonntagsarbeit an der Stadtbibliothek Duisburg

Bereitschaft

alle

sehr sinnvoll

sinnvoll

wenig sinnvoll

nicht sinnvoll

grds. ja

15%

57%

30%

5%

0%

Zuschläge

7%

0%

10%

8%

8%

Freizeit

26%

43%

35%

26%

0%

gar nicht

52%

0%

25%

61%

92%

d) Anmerkungen zur Sonntagsöffnung

↓136

Die Skepsis der Duisburger Bibliothekare gegenüber der Sonntagsöffnung ließ sich auch aus den Anmerkungen am Ende des Fragebogens ablesen, um deren freie Formulierung sich 62% der Teilnehmer bemühten. Nur 25% der Kommentare zeichneten sich durch einen positiven Tenor aus, 20% der Mitarbeiter urteilten ausgewogen und die Mehrheit von 55% offenbarte eine kritische Sichtweise.

Die Liste der befürchteten Nachteile des Bibliothekssonntags war lang, wobei persönliche Motive im Vordergrund standen.770 Besonders die Familienfeindlichkeit der Sonntagsdienste wurde von insgesamt 20 Personen betont, aber auch, daß ein Ruhetag wegfiele, den man gemeinsam mit Verwandten, Freunden oder Vereinsmitgliedern verleben möchte. Zudem wurden allgemeine Argumente gegen die Sonntagsarbeit genannt. Aus bibliothekarischer Sicht stand insbesondere die schwierige Personalsituation im Vordergrund. Von einem Personalabzug unter der Woche, Angst vor einer 7-Tage-Woche in Vertretungsfällen, mehr Stress und höherem Krankheitsstand, aber auch von ausgeruhten und freundlichen Mitarbeitern nach einem langen Wochenende war die Rede. Neben dem Kostenargument wurde angezweifelt, daß der Bibliothekssonntag genügend Nachfrage und den Zuspruch von neuen Kundenschichten fände, insbesondere bei schönem Wetter und angesichts schlechter Anschlüsse mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sowie vieler konkurrierender Freizeitange-bote. Einzelne Stimmen meinten zudem, daß die Sonntagsöffnung nicht für öffentliche Bibliotheken, nur für große Einrichtungen oder nur für kleine Gemeindebüchereien sinnvoll sei, und daß längere Öffnungszeiten unter der Woche Vorzug vor dem Bibliothekssonntag erhalten müßten.

Tab. 57: Nachteile der Sonntagsöffnung aus Sicht der Mitarbeiter an der
Stadtbibliothek Duisburg

familienfeindlich

20

Schwierigkeiten wegen des grundsätzlichen Personalmangels und Befürchtung einer weiteren Verschärfung der Personalsituation

9

unsozial (kein gemeinsamer Tag für Verwandte, Freunde und Vereine)

8

Belastung für Mitarbeiter

5

nur Verlagerung bzw. Intensivierung der Nutzung und keine neuen Leser

5

ausreichende Wochenöffnungszeiten

4

Tag der Ruhe

3

Kosten

3

zu geringe Benutzung

3

Personalabzug unter der Woche befürchtet

3

kein zusammenhängendes Wochenende mehr

2

höherer Stress und Krankheitsstand

2

längere Öffnungszeiten an Werktagen sinnvoller

2

nur für große Bibliotheken sinnvoll

1

nur für kleine Gemeindebibliotheken sinnvoll

1

Montagsöffnung sinnvoller

1

Bibliothekstandards gefährdet

1

Sonntagsruhe führt zu motivierteren und freundlicheren Mitarbeitern

1

Angst vor einer 7-Tage-Woche bei Personalmangel

1

im Internetzeitalter nicht notwendig

1

für öffentliche Bibliotheken nicht sinnvoll

1

religiöse Begründungen

1

keine Nachfrage bei schönem Wetter

1

am Wochenende zu viele konkurrierende Freizeitangebote

1

sonntags schlechter Anschluß mit öffentlichen Verkehrsmitteln

1

↓137

Auf der Gegenseite wurde vorrangig mit der Kundenfreundlichkeit argumentiert und daß die Sonntagsöffnung insbesondere Berufstätigen und Familien zugute käme.771 Durch die Serviceverbesserung würde die Stadtbibliothek ihre Dienstleistungsorientierung beweisen und damit einen wichtigen Imagegewinn erzielen. Vereinzelte Stimmen hofften darüber hinaus, daß der Bibliothekssonntag zu mehr Einnahmen und Arbeitsplätzen sowie einer Belebung des örtlichen Kulturlebens führe.

Tab. 58: Vorzüge der Sonntagsöffnung aus Sicht der Mitarbeiter an der Stadtbibliothek Duisburg

kundenfreundlich

9

vorteilhaft für Berufstätige

7

familienfreundlich

6

serviceorientiert

4

Imagegewinn

2

spricht neue Kunden und Nutzerschichten an

2

ruhige Arbeitsatmosphäre

2

Belebung des örtlichen Kulturlebens und der Innenstädte

2

führt zu mehr Einnahmen

1

Schaffung neuer Arbeitsplätze

1

An Einzelwünschen für eine Einführung der Sonntagsöffnung war weiterhin zu lesen, daß der Arbeitseinsatz möglichst selten und nicht zu sehr späten oder frühen Tageszeiten erfolgen sollte. Vorgeschlagen wurde ebenfalls, die Sonntagsöffnung nur einmal im Monat anzubieten, sich an verkaufsoffenen Sonntagen und Stadtfesten zu beteiligen sowie den Bibliothekssonntag für Sonderveranstaltungen in der eigenen Bibliothek zu nutzen.

↓138

Tab. 59: Forderungen und Wünsche für die Sonntagsöffnung an der Stadtbibliothek Duisburg

keine zu späten oder frühen sonntäglichen Öffnungsstunden

1

erfordert verkehrsgünstige Lage

1

möglichst seltener Arbeitseinsatz

1

in jedem Fall Beteiligung an verkaufsoffenen Sonntagen

1

ausnahmsweise Sonntagsöffnung zu Stadtfesten u.ä.

1

Sonntag eignet sich für Sonderveranstaltungen im Hause

1

nur mit zusätzlichem Personal zu bewältigen

1

für die Sonntagsöffnung einen Schließungstag unter der Woche

1

Sonntagsöffnung alle vier Wochen

1

sonntags Fachauskunft erforderlich

1

zunächst Öffnung am Samstagnachmittag

1

e) Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse

Insgesamt gespalten zeigte sich die Belegschaft der Stadtbibliothek Duisburg in der Frage nach der Sonntagsöffnung von Bibliotheken. Knapp die Hälfte der Befragten erklärte sich zur Sonntagsarbeit vornehmlich gegen die Gewährung eines höheren Freizeitausgleichs bereit und nur ein Drittel begrüßte den Bibliothekssonntag im Grundsatz. Dabei würde der durchschnittliche Befürworter vorzugsweise 10 mal im Jahr sonntags zwischen 11 und 18 Uhr arbeiten. Bei der anderen Hälfte des Personals, die sich nicht zur Leistung von Sonntagsarbeit bereit zeigte, offenbarten die Anmerkungen, daß überwiegend persönliche Motive ausschlaggebend waren. Doch auch Befürchtungen vor einer Verschlechterung der Personalsituation und allgemeine Zweifel am Nutzen der zusätzlichen Öffnungszeit spielten eine Rolle. Diese grundsätzlich skeptische Haltung der Duisburger Bibliothekare gegenüber dem Bibliothekssonntag wurde auch durch die Tatsache verdeutlicht, daß ihm eine Mehrzahl von 49% die Bewertung „wenig sinnvoll“ verlieh.772 Besonders kritisch urteilten die jüngeren Bediensteten und mit deutlich geringer Differenz auch Alleinstehende sowie Teilzeitkräfte.

Die Analyse der Daten ergab zudem einen engen Zusammenhang zwischen der Einstellung zum Bibliothekssonntag und der Bereitschaft zur Sonntagsarbeit. Je überzeugter ein Mitarbeiter vom sonntäglichen Serviceangebot war, umso dienstwilliger zeigte er sich. Dies wurde durch die Bibliothekare mit Kindern besonders gut veranschaulicht. Da bei der Befragung gerade die Familienfeindlichkeit der Sonntagsarbeit wiederholt betont wurde, erschien es auf den ersten Blick sehr widersprüchlich, daß sich an der Stadtbibliothek Duisburg speziell Eltern als die Personengruppe mit der höchsten Arbeitsbereitschaft erwiesen. Eine Erklärung fand sich in den Anmerkungen, in denen der Vorzug eines gemeinsamen Familienbesuchs der Bibliothek am Sonntag insbesondere von Personen mit Kindern herausgestellt wurde. Da demzufolge Eltern dem Bibliothekssonntag einen hohen Sinn beimaßen, waren sie trotz der persönlichen Nachteile offensichtlich auch eher zur Sonntagsarbeit motiviert.773 Eltern an wissenschaftlichen Bibliotheken, in denen der Familien-freundlichkeit des Angebots keine Bedeutung zukommt, bewiesen gegenüber der Biblio-theksarbeit am Sonntag indessen eine überproportionale Ablehnungshaltung.774

4. Vergleich der Mitarbeiterbefragungen und allgemeine Schlußfolgerungen

a) Vergleich der Ergebnisse

↓139

Die drei nordrhein-westfälischen Bibliotheken, in denen das Personal zur Sonntagsöffnung befragt wurde, weisen zwar alle eine vergleichbare Mitarbeiterstruktur auf,775 symbolisieren aber im übrigen unterschiedliche Bibliothekstypen. Die Universitätsbibliothek Bielefeld verfügt als Neugründung aus den 60er Jahren über ein einschichtiges Bibliothekssystem776 mit Freihandaufstellung und zudem langjähriger Erfahrung mit der Sonntagsöffnung. Die sonntags geschlossene Universitäts- und Stadtbibliothek Köln ist dagegen eine traditions-reiche Magazinbibliothek mit der klassischen dualen Literaturversorgung,777 während sich die Stadtbibliothek Duisburg, die ebenfalls keine Sonntagsöffnung anbietet, als öffentliche Groß-stadtbibliothek vor allem durch ihre größere Bestandsbreite und ein vielschichtiges Publikum von den beiden anderen unterscheidet.

Als entscheidendes Kriterium für die Ergebnisse der Befragung erwies sich aber der Umstand, ob die Bibliotheksmitarbeiter bereits Erfahrungen mit der Sonntagsöffnung besaßen. Mit 71% Zustimmung fiel die Befürwortung des Bibliothekssonntages an der Universitätsbibliothek Bielefeld mehr als doppelt so hoch aus wie an der Stadtbibliothek Duisburg mit 35% und an der USB Köln mit lediglich 31%. Die Kölner Bibliothekare verdeutlichten ihre starke Ablehnung, indem 46% der Belegschaft angaben, keinen Sinn in der Sonntagsöffnung zu erkennen, während die Mehrheit in Duisburg die Sonntagsöffnung nicht gleichermaßen entschieden zurückwies. Die meisten Stimmen entfielen dort auf die Vorgabe „wenig sinnvoll“.

Abb. 22: Einstellung zur Sonntagsöffnung im Vergleich

↓140

Keine erkennbaren Effekte auf die Beurteilung bewies die Anzahl der bereits gebotenen Wochenöffnungsstunden. Obgleich die UB Bielefeld ihren Lesern unter der Woche die ausgedehntesten Nutzungsmöglichkeiten einräumt, erkannten ihre Mitarbeiter einer zusätz-lichen Öffnung am Sonntag den höchsten Bedarf zu.778

Die Meinungsunterschiede blieben nicht ohne Auswirkungen auf die Bereitschaft des Personals, sonntags selbst Diensteinsätze im Publikumsverkehr zu leisten. Auch bei dieser Fragestellung zeigten die Bediensteten der UB Bielefeld mit 65% Zustimmung die größte Arbeitsbereitschaft, obwohl die Quote nur diejenigen Kollegen erfaßte, die selbst nicht von der Sonntagsarbeit betroffen sind.779 Die Belegschaft der Stadtbibliothek Duisburg, die gegenüber dem Bibliothekssonntag mehr Skepsis als Ablehnung bekundete, folgte mit 48% vor der USB Köln mit 36%. Allen drei Befragungsergebnissen gemein war jedoch, daß die Gewährung eines höheren Freizeitausgleichs deutlich gegenüber der Zahlung von Sonntags-zuschlägen bevorzugt wurde.

Abb. 23: Bereitschaft zur Sonntagsarbeit im Vergleich

↓141

Die Erkenntnis, daß die Bereitschaft zur Sonntagsarbeit stark von der allgemeinen Einstellung zum Bibliothekssonntag beeinflußt wird, veranschaulicht auch das folgende Diagramm.

Abb. 24: Zusammenhang zwischen der Einstellung zur Sonntagsöffnung und der Bereitschaft zur Sonntagsarbeit im Vergleich

In jeder Bibliothek fiel die Einsatzbereitschaft deutlich höher aus, je mehr Sinn der Bedienstete Sonntagsöffnungszeiten von Bibliotheken beimaß. Im Gegensatz zu durch-schnittlich 4% der Mitarbeiter,780 die den Bibliothekssonntag ablehnten und nur gegen die Zahlung von Zuschlägen sonntags arbeiten würden, zeigten sich 96% der Befragten,781 die den Bibliothekssonntag als sehr sinnvoll bewerteten, in der Mehrheit auch ohne zusätzliche Anreize dienstbereit. Rechnerisch läßt sich dieser starke Zusammenhang auch durch einen Korrelationskoeffizienten ausdrücken, der bei einer Skala von 0 bis 1 einen hohen Cramer-V-Wert von 0,83 ergibt.782

↓142

Soziodemographische Unterschiede wirkten sich an den einzelnen Bibliotheken zum Teil sehr stark auf das Meinungsbild aus, lassen aber im Vergleich aller drei Befragungen aufgrund diskrepanter Einzelergebnisse keine allgemeingültigen Aussagen für bestimmte Personengruppen zu. So war beispielsweise an der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln bei den Bediensteten unter 35 Jahren im Verhältnis zu den anderen Mitarbeitergruppen die größte Befürwortung der Sonntagsöffnung zu verzeichnen, während an der Stadtbibliothek Duisburg gerade das junge Personal den Bibliothekssonntag besonders oft kritisierte.783

Abb.25:EinstellungenzurSonntagsöffnungeinzelnerPersonengruppenimVergleich784

Allenfalls in Bezug auf die sonntägliche Einsatzbereitschaft läßt sich eine leichte Tendenz feststellen, daß sowohl weibliche als auch junge Mitarbeiter eher sonntags arbeiten, während die männlichen Kollegen diesen Dienst überdurchschnittlich oft verweigern würden.

↓143

Abb. 26: Bereitschaft zur Sonntagsarbeit einzelner Personengruppen im Vergleich785

Übereinstimmung wurde wiederum bei der Fragestellung nach den bevorzugten Tageszeiten für die Sonntagsarbeit erzielt. Der späte Vormittag, der frühe Nachmittag sowie die Mittags-zeit erhielten einheitlich die meiste Zustimmung, die zum Abend kontinuierlich nachließ.

Abb. 27: Bevorzugte Tageszeiten im Vergleich

↓144

Tab. 60: Durchschnittswerte für die bevorzugte Arbeitszeit am Sonntag im Vergleich

Bibliothek

Beginn

Ende

Dauer 786

Bielefeld

10.50 Uhr

16.10 Uhr

5:20 Std.

Köln

10.00 Uhr

16.00 Uhr

6 Std.

Duisburg

11.00 Uhr

15.20 Uhr

4:20 Std.

Ebenso wie die Angaben zu den Tageszeiten unterlag auch die Frage zur Häufigkeit der Sonntagsdienste keinen vorformulierten Vorgaben, so daß die Antworten an jeder Ein-richtung eine weite Bandbreite ergaben mit wiederum der größten Arbeitsbereitschaft an der UB Bielefeld. Im Durchschnitt einmal im Monat bzw. 12,4 Sonntage im Jahr erklärten sich die westfälischen Befürworter zur Arbeit bereit gegenüber 10,2 jährlichen Einsätzen in Duisburg und 8,6 in Köln.

Abb. 28: Jahresmaximum der Sonntagsdienste im Vergleich

b) Allgemeine Schlußfolgerungen

↓145

Bezüglich der Fragestellung, ob das Bibliothekspersonal die sonntägliche Öffnung ihrer Einrichtung mitträgt, bieten die durchgeführten Mitarbeiterbefragungen kein eindeutiges Ergebnis. Weder eine allgemeine Ablehnung noch eine klare Befürwortung ließen sich feststellen, indes für jede Einrichtung unterschiedliche Zustimmungswerte, die sich zwischen 31% und 71% bewegen. Am größten sind die Vorbehalte an der traditionellen Universitäts-bibliothek, während sich die Belegschaft der Großstadtbibliothek zweigeteilt zeigt und das Personal der einschichtigen Universitätsbibliothek die praktizierte Sonntagsöffnung über-wiegend unterstützt. Damit ist nachgewiesen, daß trotz der persönlichen Belastung Arbeits-zeiten am Sonntag nicht generell auf den Widerstand des Bibliothekspersonals treffen.

Erhöhen läßt sich die Arbeitsbereitschaft der Mitarbeiter, indem ihnen ein großzügiger Freizeitausgleich für die Sonntagsarbeit angeboten, Arbeitsstunden am Abend vermieden werden, kein achtstündiger Dienst vorgeschrieben sowie die Höchstgrenze von einem Dienst pro Monat nicht überschritten wird. Für eine Rücksichtnahme auf persönliche Verhältnisse läßt sich dagegen keine grundsätzliche Empfehlung formulieren, da sich diese nicht allgemein-gültig auf das Meinungsbild auswirken.

Von entscheidender Bedeutung für die sonntägliche Arbeitsbereitschaft des Bibliotheks-personals an Sonntagen erweist hingegen sich die Einsicht in den Sinn der zusätzlichen Öffnungszeit. Diejenigen Mitarbeiter, die den Bibliothekssonntag als sehr nützlich ansehen, sind auch fast ausnahmslos zur Sonntagsarbeit bereit. Diese enge Korrelation ist als eines der wichtigsten Untersuchungsergebnisse anzusehen, da es eine Handlungsmaxime beinhaltet, den Bedarf sonntäglicher Bibliotheksöffnungszeiten überzeugend darzulegen.

↓146

In den frei formulierten Anmerkungen der Fragebögen, die aus den Bibliotheken ohne Sonntagsöffnung stammen, sind viele Zweifel bezüglich des Nutzens und der Nachfrage des Angebots sowie Ängste vor einer Verschlechterung der Personalsituation zu lesen. Dies wird durch folgende Formulierung besonders veranschaulicht: „Das Personal ist bereits jetzt voll ausgelastet, bei Sonntagsarbeit würden also noch mehr Engpässe und Mehrbelastungen für die normale Arbeit die Folge sein. Nur wenn zusätzliches Personal hierfür eingestellt würde, wäre die Sonntagsöffnung von Vorteil. Bei den Benutzern sollte vorher ausgelotet werden, ob überhaupt genug Bedarf besteht.“

Auch wenn selbstredend nicht jeder Mitarbeiter mit starken persönlichen oder grund-sätzlichen Ablehnungsgründen für die Sonntagsöffnung zu gewinnen ist, belegen die Umfrageergebnisse doch, daß die eigene Einsatzbereitschaft wesentlich von der Identi-fikation mit dem Dienstleistungsangebot abhängt. Gelingt der Nachweis, daß die Kunden den Bibliothekssonntag brauchen und nachfragen und er die Betriebsabläufe nicht zusätzlich belastet, so ließe sich zu dessen Unterstützung auch andernorts eine deutliche Mehrheit des Bibliothekspersonals überzeugen. Hat sich die sonntägliche Bibliotheksöffnung bereits mit einer positiven Besucherresonanz etabliert, erhöht sich auch die Zustimmungsrate der Mitarbeiter merklich, wie die Umfragewerte aus der Universitätsbibliothek Bielefeld zeigen. Dort erhielt der Bibliothekssonntag die höchste Befürwortung von 100% von der Mitarbeiter-gruppe, die regelmäßig sonntags arbeitet.

C. Organisation des Mitarbeitereinsatzes am Sonntag

1. Untersuchungen der Bibliothekspraxis

Inwieweit die Wunschvorstellungen der Bibliotheksmitarbeiter zur Ausgestaltung der Sonntagsarbeit tatsächlich Berücksichtigung finden, beantwortet eine Analyse der derzeit praktizierten Stellenbesetzungen an Sonntagen, die je nach Bibliothekstyp, Serviceangebot und Länge der Öffnungszeiten stark variieren.787 Wesentliche Unterschiede sind insbe-sondere zwischen den großen Zentral- und den kleineren Fachbereichsbibliotheken sowie den kommunalen Einrichtungen festzustellen.

↓147

Da die untersuchten Stadtbibliotheken kleine Institutionen mit maximal vier festen Personal-stellen sind788 und sonntags in nur kurzen Öffnungszeiten uneingeschränkten Service bieten,789 setzen sie überwiegend Stammpersonal mit nur wenigen Arbeitsstunden in geringer Anzahl ein, die regelmäßig Sonntagsarbeit leisten müssen. Einige Einrichtungen greifen zudem auf die Unterstützung ehrenamtlicher Hilfskräfte zurück. Im Durchschnitt basiert die einschichtige Sonntagsarbeit von knapp drei Stunden auf 1,5 Mitarbeitern, die zu 75% aus hauptamtlichem Personal bestehen und in der Mehrheit alle zwei Wochen und häufiger verpflichtet werden.

Tab. 61: Sonntäglicher Mitarbeitereinsatz in öffentlichen Bibliotheken

Bibliotheken

Anzahl

Schicht

Status

Einsatzhäufigkeit

Aichtal

1

1 à 2 Std.

Stammpersonal

6-8x im Jahr

Bad Brückenau

1

1 à 3 Std.

Stammpersonal

jeden 3. Sonntag

Belzig

1

1 à 7 Std.

Stammpersonal

35x im Jahr

Burgkirchen

2

1 à 1 Std.

Stammpers. + Ehrenamtl.

grds. jeder Sonntag

Dietramszell

2

1 à 1,5 Std.

Stammpersonal

ca. 40x im Jahr

Heimbach

1

1 à 5 Std.790

Stammpersonal

26x im Jahr

Kösching

2-3

1 à 2 Std.

ehrenamtlich

10x im Jahr

Kreuztal

4

1 à 4 Std.

Stammpers. + Hilfskräfte

alle 14 Tage

Quierschied

1

1 à 2 Std.

Stammpersonal

rd. 17x im Jahr

Schotten

1

1 à 3 Std.-

Stammpersonal

7-8x im Jahr

Velen

4

1 à 3 Std.

Ehrenamtliche

regelmäßig

Westerheim

1

1 à 1 Std.

Stammpersonal

jeden 2. Sonntag

Abweichend stellt sich die Situation in den großen wissenschaftlichen Bibliotheken dar, die sonntags im Mittelwert achteinhalb Stunden öffnen. Nur ein Drittel der Einrichtungen greift auf das eigene Stammpersonal zurück. Überwiegend wird die Sonntagsöffnung mit Hilfe von studentischen Hilfskräften und in einem Viertel der Fälle von privaten Wachdiensten gewährleistet. Aufgrund der langen Öffnungszeiten liegt die durchschnittliche Arbeitszeit, die zum Teil in mehreren Schichten geleistet wird, bei sechs Stunden, wobei feststehende Regelungen über die Häufigkeit des jährlichen Arbeitseinsatzes zu den Ausnahmen gehören. Durchschnittlich werden dreieinhalb und maximal sechs Personen für einen Sonntagsdienst benötigt, abhängig von der Länge der Öffnungszeiten und der gebotenen Dienstleistungen.

↓148

Tab. 62: Sonntäglicher Mitarbeitereinsatz in den zentralen Universitäts- , Fach- und Staatsbibliotheken

Bibliotheken

Anzahl

Schicht

Status

Einsatzhäufigkeit

Bielefeld UB

3-4

2 à 6,5 Std.

Stammpersonal + Stud.

unterschiedlich

Düsseldorf ULB

2

/

Wachdienst

/

Frankfurt StUB

5

1 à 8 Std.

Stammpersonal + Stud.

1-2x im Jahr

Gießen UB

6

3 à 4,5 Std.

Studenten

keine Regelung

Halle ULB

4

2 à 4,5 Std.

Studenten

keine Regelung

Hohenheim UB

3

1 à 7 Std.

Studenten

1x pro Monat

Köln ZB Med

2

/

Wachdienst

/

Konstanz UB

2

/

Wachdienst

/

Marburg UB

6

2 à 4,5 Std.

Stammpersonal

unterschiedlich

München BSB

6

1 à 7 Std.

Stammpers.+ Wachdienst

keine Regelung

Paderborn UB

2

1 à 8,5 Std.

Studenten

keine Regelung

Trier UB

2

1 à 4 Std.

Stammpersonal + Stud.

keine Regelung

Die Fachbereichsbibliotheken kommen dagegen sonntags trotz vergleichbarer Öffnungs-zeiten mit wesentlich weniger Personal, im Durchschnitt 1,8 Mitarbeiter, aus, das sich fast ausschließlich aus studentischen Hilfskräften zusammensetzt. Sie arbeiten in der Regel sechs Stunden ohne geregelten Einsatzrhythmus.

Tab.63: SonntäglicherMitarbeitereinsatzindenübrigenwissenschaftlichenBibliotheken

Bibliotheken

Anzahl

Schicht

Status

Einsatzhäufigkeit

Berlin Jur. Bibl.

3-4

1 à 6 Std.

hauptsächlich Studenten

keine Angaben

Friedensau Theo. Bib.

3

3 à 5 Std.

Studenten

10x im Jahr

Halle Bio. Bibl.

2

2 à 5 Std.

Wachdienst + Studenten

keine Regelung

Halle Jur. Bibl.

2

2 à 5,5 Std.

Studenten

rd. 20x im Jahr

Hannover Med. Bibl.

2

/

Studenten

keine Regelung

Heidelberg Jur. Bibl.

2

1 à 6 Std.

Studenten

keine Regelung

Jena Jur. Bibl.

3

1 à 8 Std.

Studenten + Hilfskräfte

rd. 10x im Jahr

Karlsruhe ZKM Bibl.

2

1 à 6 Std.

Studenten

keine Regelung

Mannheim Med. Bibl.

1

1 à 6 Std.

Stammpersonal

5-6x im Jahr

Marburg Med. Bibl.

2

1 à 6 Std.

Hilfskräfte

alle 14 Tage

München Dt. Mus.

5

1 à 8 Std.

Stammpersonal

unterschiedlich791

München Tier. Bibl.

1

1 à 6 Std.

Hilfskraft

keine Angaben

Münster Med. Bibl.

2

1 à 4 Std.

Studenten

keine Regelung

Osnabrück Jur. Bibl.

2

1 à 8 Std.

Studenten792

keine Regelung

Pforzheim FH-Bibl.

1

/

Wachdienst

/

↓149

Bei der Häufigkeit des sonntäglichen Arbeitseinsatzes ist zwischen den öffentlichen und wis-senschaftlichen Bibliotheken eine klare Diskrepanz erkennbar. Während in den kommunalen Einrichtungen ausnahmslos klare Festlegungen über eine regelmäßige Sonntagsarbeit beste-hen, ist die Situation im akademischen Bereich recht uneinheitlich und in der Mehrzahl gar nicht geregelt, insbesondere wenn auf den Einsatz hauptamtlichen Personals verzichtet wird.

Abb. 29: Anzahl der zu arbeitenden Sonntage im Jahr

Ebenfalls deutliche Divergenzen sind bei der Länge der sonntäglichen Arbeitszeiten festzustellen, die in den wissenschaftlichen Bibliotheken bedingt durch die ausgedehnten Öffnungszeiten793 durchschnittlich doppelt so lang wie in den kommunalen Institutionen sind.

↓150

Abb. 30: Anzahl der zu leistenden Arbeitsstunden an Sonntagen

Während in den öffentlichen Bibliotheken sonntags neben einigen ehrenamtlich Beschäf-tigten hauptsächlich Stammpersonal Sonntagsarbeit leistet, dominieren in den Universitäten die studentischen Hilfskräfte. Da viele wissenschaftliche Bibliotheken sonntags nur eine beaufsichtigte Präsenzöffnung bieten, greifen sie zum Teil auf die Dienste privaten Wachpersonals zurück.

Abb. 31: Status des eingesetzten Bibliothekspersonals an Sonntagen

↓151

Größenunterschiede zwischen den Bibliotheken bedingen wiederum die Anzahl der Arbeitskräfte, die für den Sonntagsdienst eingesetzt werden.

Abb. 32: Anzahl des eingesetzten Bibliothekspersonals an Sonntagen

Während die Mehrheit der kleinen Stadtbibliotheken die Sonntagsöffnung mit nur einem Beschäftigten zu leisten vermag, ist dies im akademischen Bereich nur für kleine Fachbereichsbibliotheken möglich. Als Standardwert sind dagegen zwei bis drei Mitarbeiter anzusehen, wobei nie mehr als sechs Bedienstete benötigt werden, selbst um eine achtstündige Öffnung einer großen Universitätsbibliothek mit komplettem Serviceangebot zu gewährleisten.794

2. Bewertung unterschiedlicher Konzepte

a) Der Einsatz studentischer Hilfskräfte

↓152

Die Praxis der wissenschaftlichen Bibliotheken, die Sonntagsöffnung auf die Arbeitskraft von studentischen Hilfskräften zu stützen, ist aus personalorganisatorischer Sicht vorteilhaft. Sie unterliegen keinen tarifvertraglichen Beschränkungen,795 sind in der Regel nicht fest in die Dienstpläne eingebunden und haben aufgrund ihrer Lebenssituation die geringste Vorbehalte gegen die Sonntagsarbeit, wie die Erfahrungsberichte verschiedener Bibliotheken sowie die Umfrageergebnisse aus der Universitätsbibliothek Bielefeld gezeigt haben.796 Zudem sind sie in Sachfragen zumeist wesentlich kompetenter als einfaches Hilfspersonal oder fachfremdes Wachpersonal. Andererseits jedoch fehlt ihnen nicht nur die biblio-thekarische Ausbildung, sondern in der Regel auch Berufserfahrung sowie eine dauernde Einbindung in die Betriebsabläufe, die Voraussetzung für sachkundige und urteilssichere Auskünfte sind. Der häufige Wechsel der Studierenden sowie die flexible Einteilung der Arbeitszeiten erschweren zudem feste Absprachen mit dem hauptamtlichen Personal. Sonntagsgeöffnete Bibliotheken berichten von Erfahrungen, daß am Montagmorgen große Unordnung herrsche und Unregelmäßigkeiten grundsätzlich auf die Sonntagsdienste geschoben werden.797

Aus diesen Gründen ist der alleinige Einsatz studentischer Hilfskräfte abzulehnen. Fachpersonal sollte stets mit vor Ort oder bei kleinen Bibliotheken zumindest in Form eines Bereitschaftsdienstes jederzeit online oder telefonisch erreichbar sein, wie es vorbildlich an der Hochschulbibliothek Friedensau sowie den juristischen Fachbibliotheken der Freien Universität Berlin und der Universität Osnabrück praktiziert wird.

b) Der Einsatz ehrenamtlicher Kräfte

Auch für den Einsatz ehrenamtlicher Kräfte gilt, daß diese sonntags nicht allein in der Bibliothek arbeiten sollten. Neben möglichen fachlichen Defiziten kommt das Problem hinzu, Öffnungszeiten vom Einsatzwillen unbezahlter Freiwilliger abhängig zu machen. Sollten diese das Interesse an der Arbeit oder den Arbeitszeiten verlieren, wird womöglich der Verlust eines beliebten Serviceangebots unabdingbar. Darüber hinaus wird gegenüber dem Bibliotheksträger ein falsches Signal gesetzt, daß die Öffnung der Bibliothek auch ohne ausgebildetes und bezahltes Personal zu gewährleisten sei. Und es besteht die Gefahr, gegenüber dem Kunden, der sonntags viel Zeit für Beratungsgespräche mitbringt, unqualifi-zierte Dienstleistungen zu erbringen und dabei den grundsätzlichen Eindruck von inkompetenten Bibliothekaren zu erwecken.

c) Der Einsatz privater Wachdienste

↓153

Besonders kritisch ist der Einsatz privater Wachleute zu sehen. Es mögen sich in Einzel-fällen zwar Kostenvorteile ergeben, die insbesondere auf dem Outsourcing der Dienst-planung basieren, aber der Wegfall der Personalverantwortung reduziert gleichzeitig auch die Einflußmöglichkeiten der Bibliotheksleitung. Die mangelnde Personalauswahl sowie das Fehlen von Vertrauensbeziehungen können nicht nur zu Sicherheitsproblemen führen, sondern auch das Verhältnis zu den Bibliothekskunden nachhaltig belasten. Noch weniger als bei den studentischen und ehrenamtlichen Hilfskräften sind bei den privaten Wachdiensten Kenntnisse bibliothekarischer Arbeitsabläufe oder Inhalte vorauszusetzen. Trotz dieser Defizite werden Kundenkontakte mangels anderer Ansprechpartner nicht ausbleiben. Genaue Anweisungen und Schulungen des Wachpersonals sollten einen Mindeststandard an Professionalität gewährleisten, reduzieren jedoch wieder die angestrebten Vorteile der Personal- und Kostenersparnisse. Aufgrund der genannten Probleme sollten Wachleute sonntags in der Bibliothek allenfalls zusätzlich oder ausschließlich für sicherheitsrelevante und technische Aufgaben engagiert werden.

d) Der Einsatz hauptamtlichen Personals

Um mit der Sonntagsöffnung echte Dienstleistungsorientierung und Kundennähe zu beweisen, ist die Arbeitskraft des bibliothekarischen Stammpersonals unabdingbar, auch wenn diese Mitarbeitergruppe den höchsten Organisationsaufwand benötigt und der Sonntagseinsatz vielen dienstrechtlichen Vorschriften798 unterliegt. Erschwerend kommt die Ablehnung der Sonntagsarbeit durch Teile der Belegschaft hinzu, die sich indes durch entsprechende Überzeugungsarbeit und großzügige Gestaltung der Dienstpläne reduzieren ließe.799 Auch die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert den Einsatz von qualifiziertem Fachpersonal an den Wochenenden.800 Angesichts der zum Teil massiven Sparzwänge der öffentlichen Arbeitgeber ist die Frage nach der Legitimation des Berufsbildes nicht von der Hand zu weisen. An die Universitätsbibliothek Konstanz wurde bereits die Frage herange-tragen, weshalb sie nicht unter der Woche verstärkt mit studentischen Hilfskräften arbeitet, da auch die Sonntagsöffnung ohne Bibliothekspersonal möglich ist.801

Um den Bibliothekssonntag ohne personellen Mehraufwand zu bewältigen und gleichzeitig Personalengpässe in Krankheits- und Vertretungsfällen zu vermeiden, bedarf es zum einen einer Neustrukturierung der Dienstpläne und zum anderen einer veränderten Gewichtung der Aufgabenverteilung.802 Insbesondere verwaltungsinterne Arbeitsvorgänge sollten abgebaut und die frei gewordenen Arbeitskräfte statt dessen im Publikumsverkehr eingesetzt werden. Auch eine generelle Flexibilisierung der Arbeitszeiten erleichtert die Anpassung der Dienstpläne an die neue Öffnungszeit, wie Praxiserfahrungen aus Finnland belegen.803 Selbst bauliche Maßnahmen können zum effizienteren Personaleinsatz beitragen. So fertigte die Universitätsbibliothek Göttingen im Jahr 2003 extra einen Verschließungsmechanismus für ihre Ausleihtheke im Eingangsbereich an, damit diese am Sonntag, wenn keine Ausleihe angeboten wird, nicht mehr von einer gesonderten Person beaufsichtigt werden muß.

e) Der Einsatz freiwilliger Mitarbeiter

↓154

Das Prinzip der Freiwilligkeit findet am Sonntag in zahlreichen Bibliotheken Berück-sichtigung. Melden sich ausreichend Freiwillige, so erleichtert dies die allgemeine Akzeptanz des Bibliothekssonntages durch die Belegschaft und Personalräte.804 Die Wahlfreiheit der Mitarbeiter ist allerdings dann als relativ anzusehen, wenn jemand bereits im Vor-stellungsgespräch gefragt wird oder auf eine Vertragsverlängerung dringend angewiesen ist. Hinzukommt die Gefahr, daß sich zu wenige Freiwillige melden, um großzügige Abstände zwischen den jeweiligen Wochenenddiensten zu gewährleisten. Um die einzelnen Mitarbeiter indes nicht übermäßig zu beanspruchen, erscheint es insgesamt sozial ausgewogener, daß viele Bibliothekare gelegentlich als daß wenige regelmäßige Sonntagsarbeit leisten. Aus diesen Gründen ist das Prinzip der Freiwilligkeit ebenso zu kritisieren wie das Arbeitsmodell, nach dem wie an den Universitätsbibliotheken in Bielefeld und Marburg nur eine kleine Mitarbeitergruppe, die speziell für die Wochenend- und Abenddienste eingestellt wird, mit der gesonderten Vertragsauflage der Sonntagsarbeit belastet ist. Derweil wäre es im Einzelfall unangemessen, jeden Bibliotheksmitarbeiter zum sonntäglichen Diensteinsatz zwangsweise zu verpflichten. Ausnahmeregelungen für begründete Sonderfälle oder einen befristeten Zeitraum sind unabdingbar.

D. Ergebnis

Jeder fünfte Erwerbstätige in Deutschland arbeitete 2002 regelmäßig, mindestens einmal im Monat, am Sonntag.805 Damit liegt die Bundesrepublik deutlich unter der durchschnittlichen EU-Sonntagsarbeitsquote von 30%,806 jedoch bei einer kontinuierlichen Zunahme dieser Beschäftigungsform in den vergangenen Jahren.807 Zwei Drittel der Betroffenen würde ihre Sonntagsbeschäftigung gerne aufgeben oder zumindest reduzieren.808 Während jedoch die Bediensteten, die regelmäßig sonntags arbeiten müssen, die größte Unzufriedenheit mit ihrer Arbeitssituation bekundeten, waren die Arbeitnehmer, die nur gelegentlich Sonntags-arbeit leisten, insgesamt zufriedener als die Erwerbstätigen ohne Sonntagsarbeit.809

Auch die Beschäftigten der Universitätsbibliothek Bielefeld, die regelmäßig sonntags arbeiten, begrüßten das Konzept des Bibliothekssonntags ohne Ausnahme. Dagegen zeigte sich bei der Mitarbeitbefragung das Personal der Stadtbibliothek Duisburg und insbesondere das der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, die jeweils keine Sonntagsöffnung anbieten, weitaus kritischer zur Sonntagsarbeit als ihre westfälischen Kollegen. Als Gesamtergebnis ist ein gespaltenes Meinungsbild der Bibliothekare zum Thema Sonntagsöffnung festzuhalten, das weniger von individuellen Lebensverhältnissen abhängt als von der Überzeugung in den Sinn des Bibliothekssonntags.

↓155

In Einrichtungen, die bereits die Sonntagsöffnung praktizieren, stößt dieses Dienstleistungs-angebot auf keine nennenswerte Probleme oder Widerstände seitens des Personals. Allerdings greifen nur wenige Bibliotheken, insbesondere die kommunalen, auf hauptamtlich Beschäftigte am Sonntag zurück, sondern nutzen bei eingeschränkten Serviceleistungen vorwiegend die Dienstbereitschaft studentischer Hilfskräfte, aber auch von privaten Wachgesellschaften und Ehrenamtlichen. Ein Grund für die Zurückhaltung beim Einsatz des hauptamtlichen Personals ist in den strengen Tarifbestimmungen des Bundesangestellten-tarifs zu sehen, der für die studentischen Hilfskräfte und Ehrenamtlichen nicht gilt. Während Beamte bei dienstlicher Notwendigkeit grundsätzlich zur Sonntagsarbeit verpflichtet werden können, wird für Angestellte, die dem BAT unterfallen, eine Änderung des Arbeitsvertrags notwendig, wenn die Bibliothek erstmals die Sonntagsarbeit einführt. Darüber hinaus unterliegt diese Entscheidung in jedem Fall der Zustimmung des Personalrats.

Während der BAT in Verschärfung des Arbeitszeitgesetzes verlangt, daß mindestens jeder zweite Sonntag beschäftigungsfrei bleiben muß, ist nach arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen als auch nach den Ergebnissen der Mitarbeiterbefragung und den Erfahrungen der Bibliothekspraxis zu empfehlen, daß Bibliothekare in sonntagsgeöffneten Einrichtungen nicht häufiger als einmal im Monat, nach Möglichkeit nur einmal im Quartal, sonntags ihren Dienst versehen. Für kleine Institutionen mit nur wenigen Mitarbeitern bein-haltet diese Option zugleich, daß am Sonntag nur ein zwei- oder vierwöchiger Öffnungs-rhythmus einzuhalten ist. Um die Motivation der Mitarbeiter weiter zu erhöhen, sollte der Dienst maximal sechs Stunden dauern und nicht in den Abendstunden liegen. Erfahrenes Fachpersonal vor Ort ist nicht nur für die Gewährleistung der betrieblichen Abläufe und für die Kundenkontakte wichtig, sondern verbessert auch das Arbeitsklima, indem die übrigen Beschäftigten vom Sonntagsdienst nicht überfordert werden. Um die Sonntagsarbeit auf möglichst viele Schultern zu verteilen, sollten alle Mitarbeiter, auch solche in Leitungsfunk-tionen sowie aus anderen Filialen, zum Einsatz kommen.810 Vorbildlich in dieser Beziehung erscheint die Personalplanung der Frankfurter Stadt- und Universitätsbibliothek. Für den Bibliothekssonntag werden neben zwei studentischen Hilfskräften ein Mitarbeiter des höheren Dienstes, ein Mitarbeiter des gehobenen Dienstes sowie ein Mitarbeiter des mittleren Dienstes eingeteilt, die jeweils maximal zweimal im Jahr Sonntagsarbeit leisten.

Die Samstage vor den Sonntagsdiensten sollten arbeitsfrei sein und eine 7-Tage-Woche in jedem Fall, auch bei Personalengpässen, vermieden werden. Kommen flexible und groß-zügige Regelungen des Freizeitausgleichs hinzu,811 beispielsweise verbunden mit Zeit-kontenmodellen und Blockfreizeiten als Gegenleistung für die zuvor erbrachte Wochenend-arbeit, die attraktiver und oft kostengünstiger als die Zahlung von Zuschlägen sind,812 werden auch in anderen Belegschaften als in Bielefeld Zustimmungswerte von über 70% zur Sonntagsöffnung zu erzielen sein.813 Oder das Engagement der Mitarbeiter bewirkt erst die Einführung des Bibliothekssonntags wie an der Bibliothek der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität sowie der Stadtbibliothek Schotten.


Fußnoten und Endnoten

690  Universitätsbibliothek (1996), S. 9.

691  Auf Nachfrage erteilte das BIS Oldenburg diese Auskünfte.

692  Diese Frage wurde im vorherigen Kapitel intensiv erörtert.

693  Vom 6.6.1994, BGBl. I 1994, S. 1170, in der Fassung vom 21.12.2000.

694  Dies entspricht dem allgemeinen arbeitsrechtlichen Arbeitnehmerbegriff, vgl. Arbeitsrecht-Blattei, SD, Rn. 74.

695  Vgl. Arbeitsrecht-Blattei, SD, Rn. 73. Eine Übertragung der beamtenrechtlichen Regelungen zur Arbeitszeit auf die Bibliotheksangestellten nach § 19 ArbZG ist nicht möglich, da diese keine hoheitlichen Aufgaben wahrnehmen.

696  Arbeitsrecht-Blattei, SD, Rn. 73; Engel (1994), S. 272.

697  Vielmehr ist von einem unentgeltlichen Geschäftsbesorgungsverhältnis auszugehen, das aufgrund des Rechtsbindungswillen über ein bloßes Gefälligkeitsverhältnis hinausgeht und auf das die Bestimmungen des Auftragsrechts nach §§ 662ff BGB Anwendung finden; vgl. Engel (1994), S. 77; Gödan (1999).

698  Vgl. Engel (1994), S. 272ff.

699  Vgl. Gödan (1999).

700  Im Ergebnis auch Engel (1994), S. 273 und Zmarzlik (1995), § 10, Rn. 48.

701  Wenn für die Sonntagsarbeit an einem Wochenfeiertag (z.B. 1. Mai oder 3. Oktober) kein Freizeitausgleich erfolgt, erhöht sich der Zeitzuschlag auf 150% je Stunde.

702  Hamer (1999) § 15, Rn. 10.

703  Vgl. z.B. § 61 Gesetz über die Hochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen (Hochschulgesetz – HG) vom 14.3.2000 und § 83 Gesetz über die Universitäten im Lande Baden-Württemberg (Universitätsgesetz – UG) in der Fassung 10.1.1995.

704  In NRW ist beispielsweise folgender Erlaß maßgeblich: „Erlaß des Ministers für Wissenschaft und Forschung vom 18.12.1975 – I B 4 3812 – über die Beschäftigung und Vergütung wissenschaftlicher und studentischer Hilfskräfte an den wissenschaftlichen Hochschulen einschließlich Gesamthoch-schulen und den Fachhochschulen.“

705  Beschluß der Mitgliederversammlung der TdL vom 23.4.1986 (6/86), geändert durch Beschluß der Mitgliederversammlung der TdL vom 16.7.1993 (7/93).

706  In den Hochschulgesetzen der Länder sind in der Regel 19 Stunden bzw. die Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit des öffentlichen Dienstes normiert.

707  Berliner Tarifvertrag (TVstudB); vgl. Hamer (1999) § 3, Rn. 8.

708  Kirchner (1993), S. 150.

709  In der Fassung des 51. Ergänzungstarifvertrages vom 31.1.2003.

710  Vom 6.12.1995 i.d.F. des Änderungstarifvertrags Nr. 3 vom 29.10.2001 und des Tarifvertrages zur weiteren Anpassung des Tarifrechts an den Euro vom 30.10.2001.

711  Vgl. § 15 Abs. 6 S. 2 und 3 MTArb.

712  Die Zeitzuschläge für Sonntage, die auf Wochenfeiertage fallen, sind wiederum mit den BAT-Vorschriften identisch.

713  Vom 27.2.1985, BGBl. I S. 479.

714  Verordnung über die Arbeitszeit der Bundesbeamten (Arbeitszeitverordnung) vom 24.9.1974, BGBl. I, S. 2356.

715  Müller (1998), S. 186.

716  Vgl. Wind (1998), S. 193.

717  Beispielsweise § 9 der Verordnung über die Arbeitszeit der Beamten im Lande Nordrhein-Westfalen (ArbZO) vom 28.12.1986, GV NRW 1987, S. 15 oder § 9 der Verordnung der Landesregierung Baden-Württemberg über die Arbeitszeit der Beamten und Richter des Landes (Arbeitszeitverordnung – AZVO) vom 29.1.1996, GBl. S. 76.

718  Gesetz zum Schutze der arbeitenden Jugend vom 12.4.1976, BGBl. I, S. 965.

719  Vgl. die abschließende Aufzählung in § 17 Abs. 2 JArbSchG.

720  Gesetz zum Schutz der erwerbstätigen Mutter vom 18.4.1968, BGBl. I, S. 315 und Verordnung über den Mutterschutz für Beamtinnen im Lande Nordrhein-Westfalen (MuSchVB) vom 4.7.1968, SGV.NW 20303.

721  Verordnung über den Mutterschutz für Beamtinnen (MuSchBV) vom 19.7.1954, BGBl I 1954, 214.

722  Siehe oben unter A 1 b.

723  Vom 15.3.1974, BGBl. I, S. 693.

724  Z.B. Personalvertretungsgesetz für das Land Baden-Württemberg (Landespersonalvertretungsge-setz – LPVG BW) vom 1.2.1996, GBl. S. 205 und Personalvertretungsgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (Landespersonalvertretungsgesetz – LPVG NW) vom 3.12.1974, GV NRW, S. 514.

725  Kirchner (1993), S. 127.

726  Bzw. § 72 Abs. 4 Nr. 1 Landespersonalvertretungsgesetz NRW.

727  Zur Mitbestimmung von Bibliotheksmitarbeitern bei der Verlängerung von Öffnungszeiten siehe auch VGH BW vom 3.4.1984 in ZBR 1984, S. 345.

728  Bzw. nach § 66 Abs. 5 Landespersonalvertretungsgesetz NRW.

729  Weitere Details sowie das genaue Befragungskonzept sind in der Einleitung unter C 3 nachzulesen.

730  Aufgrund von geteilten Stellen lag die tatsächliche Anzahl der Mitarbeiter über den Angaben in der Bibliotheksstatistik bzw. im Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken.

731  Die Rücklaufquote ist als gut zu bewerten; vgl. Abschnitt 3 f der Einleitung.

732  66% weibliche Teilnehmer stehen einem Frauenanteil von 61% in der Gesamtbelegschaft gegenüber. Bezüglich des Beschäftigungsverhältnisses ist zu berücksichtigen, daß sich den Vollzeitkräften insgesamt mehr Gelegenheit zum Ausfüllen der Fragebögen bot als den Teilzeit- (16% gegenüber 20%) und Hilfskräften (6% gegenüber 10%).

733  Bei Addition der Arbeitskräfte, die selbst sonntags im Dienst sind und dem Bibliothekssonntag zustimmen, ergibt sich insgesamt eine Bereitschaftsquote von knapp 80%.

734  Bei der Konzeption des Fragebogens war an dieser Stelle bewußt eine offen formulierte Frage vorgesehen, um mit vorgegebenen Antwortkategorien nicht bereits eine bestimmte Erwartungshaltung auszudrücken. Im Ergebnis fielen die genannten Obergrenzen deutlich höher aus als erwartet.

735  Obwohl nicht explizit als Frage formuliert, ließ sich aus der Tabelle, in der die Befragten die bevor-zugten Tageszeiten für die Sonntagsarbeit ankreuzten, indirekt auch eine Tendenz für die Anzahl der Stunden ablesen, die das Personal bereit wäre, sonntags in der Bibliothek zu verbringen. Danach bevorzugte eine klare Mehrheit eine sonntäglichen Arbeitszeit von deutlich weniger als acht Stunden.

736  Die Tatsache, daß nicht alle Befragten ihr Geschlecht angaben, erklärt die leichte Abweichung gegenüber der Grundgesamtheit.

737  Die Antworten „sehr sinnvoll“ und „sinnvoll“ wurden zusammen gewertet.

738  Hinzukommt der Umstand, daß diese Gruppe der Befragten recht klein ist und somit einzelne Extremwerte leicht zu einer verzerrten Repräsentativität beitragen können.

739  Lediglich bei den Bediensteten unter 35 Jahren war eine Diskrepanz dieser Werte festzustellen: Während 78% dieser Gruppe zur Sonntagsarbeit bereit waren, fiel die Quote der generellen Befürwortung der Sonntagsöffnung mit 62% niedriger aus (wobei allerdings nur 9% den Bibliothekssonntag ganz ablehnten). Eine Erklärung bietet die Tatsache, daß sich gerade das jüngere Personal überproportional an Sonntagszuschlägen interessiert zeigte und somit eher aufgrund äußerer Anreize als aufgrund innerer Überzeugung Wochenenddienste leisten würde.

740  52 Personen (70% aller Befragten) zählten Vorzüge auf, wobei 30 Personen einen Vorzug, 19 Personen zwei Vorzüge, drei Personen drei Vorzüge nannten und lediglich neun Mitarbeiter ausschließlich Nachteile sahen. Lediglich Vorteile gaben dagegen 28 Mitarbeiter an. Nachteile sahen insgesamt 46 Bedienstete (62% aller Befragten), von denen 34 Personen einen Nachteil, sieben Personen zwei Nachteile, vier Personen drei Nachteile und eine Person vier Nachteile formulierten.

741  Da der Sonntag zusätzliche Möglichkeiten zu Buchrückgabe einräumt.

742  Insbesondere aufgrund der langen Abendöffnung (bis 1.00 Uhr nachts).

743  In einem freien Textfeld am Ende.

744  Jeweils vier Anmerkungen mit diesem Tenor.

745  Jeweils zwei Anmerkungen mit diesem Tenor.

746  Hier werden speziell die spanischen Universitätsbibliotheken genannt.

747  Aufgrund von geteilten Stellen lag die tatsächliche Anzahl der Mitarbeiter über den Angaben in der Bibliotheksstatistik bzw. im Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken.

748  Vgl. Abschnitt 3 f der Einleitung.

749  Rund 60 studentische Hilfskräfte sind an der USB Köln beschäftigt. Unregelmäßige und kurze Arbeitszeiten sowie mangelnde Einbindung in die regulären Betriebsabläufe (z.B. keine eigenen Postfächer) werden zu der geringen Beteiligung beigetragen haben.

750  Nach Beendigung der Probezeit hat die USB Köln die erweiterten Öffnungszeiten beibehalten, die mit Hilfe eines externen Wachdiensts realisiert und nicht aus dem allgemeinen Bibliotheksetat, sondern durch zusätzliche Gelder der Universität finanziert werden.

751  Bei der Konzeption des Fragebogens war an dieser Stelle bewußt eine offen formulierte Frage vorgesehen, um mit vorgegebenen Antwortkategorien nicht bereits eine bestimmte Erwartungshaltung auszudrücken.

752  Aus der Tabelle, in der die Befragten die bevorzugten Tageszeiten für die Sonntagsarbeit ankreuzten und dabei ausschließlich benachbarte Zeitfenster nutzten, ließ sich indirekt auch eine Tendenz für die Anzahl der Stunden ablesen, die das Personal bereit wäre, sonntags in der Bibliothek zu verbringen. Danach wäre nur ein knappes Drittel bereit, sonntags einen normalen Arbeitstag von acht Stunden oder länger zu leisten. Da nicht direkt nach der Dauer des sonntäglichen Arbeitseinsatzes gefragt wurde, bedürfen diese Werte jedoch einer vorsichtigen Interpretation und sollten nur als Indiz für die Länge des gewünschten Arbeitstages gewertet werden.

753  Zwei Befragte gaben an, keine Meinung zu vertreten.

754  Gegenüber 39% bei der Eingangsfrage nach der Bereitschaft zur Sonntagsarbeit.

755  Die Antworten „sehr sinnvoll“ und „sinnvoll“ wurden zusammen gewertet.

756  Ein Viertel dieser Gruppe erklärte sich grundsätzlich zur Sonntagsarbeit bereit, während drei Viertel den höheren Freizeitausgleich favorisierten.

757  An der Universitätsbibliothek Bielefeld betrug die Quote 84%.

758  56% der Anmerkungen wurden als negativ, 28% als positiv und weitere 16% als ausgewogen eingestuft.

759  Insgesamt zählten 34 Mitarbeiter (50% der Befragten) Nachteile auf. 18 Personen nannten einen Nachteil, elf Personen zwei Nachteile und fünf Personen drei Nachteile.

760  Insgesamt zählten 18 Mitarbeiter (26% der Befragten) Vorzüge auf. Elf Personen gaben einen Vorteil, fünf Personen zwei Vorteile und zwei Personen drei Vorteile an.

761  Die in der überwiegenden Mehrzahl ebenfalls Eltern waren.

762  Diese Rücklaufquote ist als sehr gut zu bewerten; vgl. Abschnitt 3 f der Einleitung.

763  Ein Grund für die geringere Zahl von Antworten in den wissenschaftlichen Bibliotheken von jeweils 36% und 39% war in ihrer höheren Quote an Teilzeit- und Hilfskräften zu sehen.

764  An der Umfrage nahmen nur zwei Hilfskräfte und ein Auszubildender der Stadtbibliothek Duisburg teil, die insgesamt 7% Auszubildende und 2% Hilfskräfte (der Gesamtbelegschaft) beschäftigt.

765  Drei Personen wählten die Antwortkategorie „weiß nicht“.

766  Insgesamt betrug die größte Differenz bei den Zustimmungswerten zwischen den einzelnen Personengruppen 21% und lag damit niedriger als bei den anderen zwei Mitarbeiterbefragungen.

767  Bei der Konzeption des Fragebogens war an dieser Stelle bewußt eine offen formulierte Frage vorgesehen, um mit vorgegebenen Antwortkategorien nicht bereits eine bestimmte Erwartungshaltung auszudrücken.

768  Aus der Tabelle, in der die Befragten die bevorzugten Tageszeiten für die Sonntagsarbeit ankreuzten und dabei mit nur einer Ausnahme durchgängig benachbarte Zeitfenster nutzten, ließ sich indirekt der Wunsch der Bediensteten ablesen, sonntags keinen achtstündigen Arbeitstag zu absolvieren. Im Durchschnitt stellte sich die Belegschaft sonntags eine Arbeitszeit zwischen 11 und 15 Uhr vor, wobei sich eine Mehrzahl der arbeitswilligen Bibliothekare von 42% nur für eines der zweistündigen Zeitfenster entschied.

769  57% dieser Personengruppe erklärten sich ohne weitere Anreize zur Sonntagsarbeit bereit, während 43% einen höheren Freizeitausgleich wählten.

770  Insgesamt zählten 44 Mitarbeiter (51% der Befragten) Nachteile auf. 18 Personen nannten einen Nachteil, elf Personen zwei, neun Personen drei sowie vier Personen vier Nachteile.

771  Insgesamt zählten 25 Mitarbeiter (29% der Befragten) Vorzüge auf. 18 Personen gaben einen Vorteil, vier Personen zwei Vorteile, zwei Personen drei Vorteile und eine Person vier Vorteile an.

772  Die klare Ablehnung fiel mit 16% hingegen gering aus, insbesondere im Vergleich zu den beiden anderen Mitarbeiterbefragungen.

773  Bei der Frage nach dem Sinn der Sonntagsöffnung zeigten Eltern eine überdurchschnittlich hohe Befürwortung und mit 6% die niedrigste Ablehnung im Vergleich zu den anderen Personengruppen.

774  Sowohl an der Universitätsbibliothek Bielefeld als auch an der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln zählten Eltern zu den Personengruppen mit nur unterdurchschnittlicher Bereitschaft zur Sonntagsarbeit.

775  Vgl. Abschnitt C 3 c der Einleitung.

776  Alle Medienbestände der Universität sind grundsätzlich in die Zentralbibliothek integriert.

777  Neben der zentralen Universitätsbibliothek besteht eine Vielzahl selbständiger Fachbibliotheken.

778  Den 111 Wochenöffnungsstunden an der UB Bielefeld (98 Std. ohne Sonntagsöffnung) stehen 82 Wochenöffnungsstunden an der USB Köln und nur 37 an der Stadtbibliothek Duisburg gegenüber.

779  Nur eine Minderheit von 18% arbeitet sonntags an der UB Bielefeld, vgl. Abschnitt 1a.

780  Dieser Durchschnittswert setzt sich aus 8% Arbeitswilligen in Duisburg, 3% in Köln und 0% in Bielefeld zusammen.

781  Dieser Durchschnittswert setzt sich aus 100% Arbeitswilligen in Duisburg, 100% in Köln und 87% in Bielefeld zusammen.

782  Der Berechnung des Korrelationskoeffizienten Cramers V liegt die Nutzung eines Chi-Quadrat-x2-Wertes zugrunde und beruht auf der Formel: V = Sqrt(Chi² / (N * (min[r,c]-1)). Der Wert 0 entspricht unabhängigen Variablen, während der Wert 1 die vollständige Abhängigkeit widerspiegelt. Für den Zusammenhang zwischen Arbeitsbereitschaft und Einstellung zur Sonntagsöffnung ergeben sich an den einzelnen Bibliotheken folgende Korrelationswerte: UB Bielefeld 0,84, Stadtbibliothek Duisburg 0,74 und USB Köln 0,93.

783  Die Befürwortung der jungen Bibliothekare in Köln lag 9% über dem Mittelmaß, während sie in Duisburg um 21% hinter dem Durchschnittswert zurückblieb.

784  Als Maßstab entsprechend der Nullskala wurden die jeweiligen Durchschnittswerte der einzelnen Bibliotheken zugrunde gelegt, die sich aus den zustimmenden Antwortkategorien „sehr sinnvoll“ und „sinnvoll“ ergaben.

785  Als Maßstab entsprechend der Nullskala wurden die jeweiligen Durchschnittswerte bezüglich der Bereitschaft zur Sonntagsarbeit der einzelnen Bibliotheken zugrunde gelegt.

786  Aufgrund der indirekten Fragestellung geben die errechnete Werte nur eine Tendenz bzgl. der Dauer der Sonntagsarbeit wieder, vgl. Abschnitt 2 b. Ein normaler Arbeitstag von acht Stunden scheint jedoch einhellig unerwünscht zu sein.

787  Die verwendeten Daten sind zum Großteil den Angaben aus den Erfahrungsberichten entnommen.

788  Dies trifft auf die größte Einrichtung, die Stadtbibliothek Kreuztal, zu.

789  Siehe Kap. 3 B 2.

790  Mit Mittagspause.

791  Die Mitarbeiter des einfachen sowie mittleren Dienstes alle 14 Tage und die Auskunftsmitarbeiter des gehobenen Dienstes einmal im Monat.

792  Sowie Rufbereitschaft des Stammpersonals für Notfälle.

793  Vgl. Tab. 33 im Kap. 3.

794  So z.B. die StUB Frankfurt mit sonntags nur fünf Mitarbeitern.

795  Berlin ausgenommen, siehe oben unter A 1 b.

796  Siehe oben unter B 1 b.

797  Erfahrungsberichte aus der Universitätsbibliothek Bielefeld sowie dem Juristischem Seminar in Heidelberg.

798  Siehe oben unter A 1.

799  Vgl. B 4 b.

800  Schwitalla (2003), S. 9.

801  Stabenau (2003), S. 649.

802  Von dieser Vorgehensweise berichtet die Bibliothek der Fakultät für Klinische Medizin in Mannheim.

803  Siehe oben unter Kapitel 1 B 2.

804  Beispielsweise an der UB Trier, der Bayerischen Staatsbibliothek, der Fachbereichsbibliothek Rechtswissenschaft der FU Berlin, der SLUB Dresden sowie der Kantonsbibliothek Baselland.

805  Noelle-Neumann (2002), S. 53 und vgl. auch Arbeits- und Betriebszeiten 2001 (2002), S. 95.

806  Schupp (2001), S. 2. In Großbritannien ist die Quote der Sonntagsarbeit am höchsten und in den südeuropäischen Ländern am geringsten.

807  Schupp (2001), S. 5.

808  „Arbeitszeit '99“, S. 8 (http://www.arbeitszeiten.nrw.de/pdf/az99-72.pdf).

809  Schupp (2001), S. 4.

810  Ebenso Waligora (1978), S. 16.

811  Ein besonders attraktiver Anreiz ist die Gewährung eines achtstündigen Ausgleichsruhetags für die Leistung eines sechsstündigen Sonntagsdienstes.

812  Siehe oben unter B 4 a.

813  In dieser Höhe fielen die Befragungsergebnisse an der Universitätsbibliothek Bielefeld aus; siehe oben unter B 1.



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21.10.2005