Kapitel 6:
Sonntagsöffnung als bedarfsgerechte Öffnungszeit?

↓156

Im Jahr 1998 erhielt die Stadt- und Universitätsbibliothek Bern vom Vorstand der Stu-dentInnenschaft eine Petition mit der Bitte um längere Bibliotheksöffnungszeiten am Samstag und zudem am Sonntag.814 In dem Schreiben erklärten sich die Vertreter der Studierenden bereit, die Finanzierung der zusätzlichen Öffnungsstunden mitzutragen.815 Die UB Bern zeigte sich daraufhin einverstanden, die seither geltende Sonntagsöffnung versuchsweise einzuführen.816 Auch an der Universitätsbibliothek Regensburg wurde das Projekt „Sonntagsbibliothek“ von einer studentischen Hochschulgruppe angestoßen.817 Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten forderte 2003 die Ausweitung der Bibliotheks-öffnungszeiten ihrer Hochschule auf den Sonntag und schlug vor, die zusätzlichen Lesestun-den durch die Vermarktung von Werbeflächen auf dem Universitätsgelände zu finanzieren.818 Die Regensburger Teilbibliothek Recht gewährte noch im selben Jahr ihren Leser erstmals auch am Sonntag acht Stunden Einlaß.

Die Kosten für die Öffnung der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und Universitäts-bibliothek Dresden (SLUB) an drei Sonntagen während der Prüfungsphase im Frühjahr 2003 von 10 bis 18 Uhr wurden dagegen allein von den Studierenden getragen.819 Die Studenten-initiative „unternehmen selbst!beteiligen“820 hatte für diesen Zweck zuvor 1.100,- € Spenden eingesammelt.821 Während der insgesamt 24 Öffnungsstunden zählte die SLUB über 4.000 Besucher.822 Zwei Wochen nach den Bibliothekssonntagen lud die SLUB zu einem Tag der offenen Tür ein, wieder an einem Sonntag von 10 bis 18 Uhr.823 Neben der Öffnung der Lesebereiche, waren auch das Buchmuseum, das Café, die Magazine, Labor- und Werkstattbereiche sowie Informationen zur Geschichte und zum Neubau der Bibliothek

zugänglich. Allein an diesem Sonntag zählte die Dresdner Staats- und Universitätsbibliothek nochmals rund 4.000 Besucher.824

↓157

Beim Lesen dieser Berichte ergeben sich keine Zweifel, daß Bibliotheken mit der Einführung der Sonntagsöffnung nachfrage- und kundenorientiert handeln. Allerdings werden an den meisten Universitäten keine Gelder und Unterschriften für längere Bibliotheksöffnungszeiten am Wochenende gesammelt. Dies läßt vermuten, daß der Bedarf nicht an jeder Hochschule gleich hoch ist. Doch welche Bibliothek und welche Art von Bibliothekstyp profitiert von der Einführung der Sonntagsöffnung? Welche Nutzungsbedingungen und welche tageszeitliche Anordnung der Öffnungsstunden würden dem Bibliothekssonntag zustatten kommen? Die Analyse von Erfahrungsberichten, Nutzungsstatistiken und Besucherbefragungen geben hierüber Aufschluß. Und es ist die Ausgangshypothese zu überprüfen, daß die Sonntags-öffnung spezielle Zielgruppen anspricht und neue Bibliothekskunden anzieht.

A. Sekundäranalyse von Kundenbefragungen

Für die Erhebung des Bedarfs nach sonntäglichen Öffnungszeiten ebenso wie für die Bestimmung einer Zielgruppe, an die sich dieses Angebot richtet, bedarf es nicht nur des Blickes auf die Nutzungsstatistiken bereits sonntagsgeöffneter Bibliotheken, sondern auch einer genauen Untersuchung der Kundenwünsche. Obgleich sich für jede Einrichtung je nach Größe und Ausrichtung spezifische Anforderungen ergeben, offenbart die Sekundär-analyse von drei aktuellen Besucherbefragungen zu dem Thema generelle Aussagen und allgemeine Tendenzen.825

1. Landesweite Umfrage an nordrhein-westfälischen Hochschulbibliotheken

a) Ausgangslage

Im Sommersemester 2001 wurde während zwei Erhebungsperioden an allen dreizehn zen-tralen Universitäts- sowie ihren Zweigbibliotheken in Nordrhein-Westfalen eine zeitgleiche Benutzerbefragung durchgeführt, an der sich insgesamt 12.416 Personen beteiligten.826 Fast ebenso viele Besucher haben im folgenden Wintersemester den nahezu identischen Frage-bogen ausgefüllt, der in den zwölf Fachhochschulbibliotheken des Landes auslag. Organisa-torisch wurde die Umfrage vom nordrhein-westfälischen Hochschulbibliothekszentrum (HBZ) und wissenschaftlich vom Institut für angewandte Sozialwissenschaften GmbH (infas) betreut.827

↓158

Diese umfangreiche Untersuchung diente vorrangig zur Messung der Zufriedenheit der Besucher mit verschiedenen Bibliotheksangeboten. Flankierend wurden zudem auch das Nutzungsverhalten, soziodemographische Daten, die Meinungen zur Wichtigkeit bestimmter Dienstleistungen sowie Wünsche nach verlängerten Öffnungszeiten erhoben. In einer Tabelle, welche die Öffnungszeiten der jeweiligen Bibliothek graphisch abbildete, bestand die Möglichkeit ergänzende Öffnungsstunden beliebig nach Tag und Uhrzeit anzukreuzen. Durch eine gründliche Sekundärauswertung dieser Daten in Relation zum Nutzungs-verhalten, Bibliothekstyp und Nutzergruppe läßt sich die Nachfrage nach Sonntagsöffnungs-zeiten genau analysieren. Da Vertraulichkeit vereinbart wurde, erlaubt die Präsentation keine Rückschlüsse auf die Ergebnisse einzelner Bibliotheken.828

b) Wunsch nach Öffnungszeiten am Sonntag

Im Zentrum des Forschungsinteresses stand die Frage, ob überhaupt ein Wunsch nach Sonntagsöffnungszeiten besteht. An den Universitätsbibliotheken votierte ungefähr jeder zehnte Befragte für die sonntäglichen Öffnungszeiten, während die Quote an den Fachhochschulbibliotheken nicht mehr als 3% betrug.829 Eine etwas höhere Zustimmung von jeweils 12% fand der Bibliothekssonntag während der Semesterferien und bis auf durchschnittlich 17% stieg die Nachfrage in den Bibliothekszentralen sowie in den zweischichtigen Bibliothekssystemen an.830

Tab. 63: Wunsch nach Sonntagsöffnungszeiten an NRW-Hochschulbibliotheken

 

Durch-schnitt

im Semester

in den Ferien

Zen-tralen

Zweig-bibl.

ein-schichtig

zwei-schichtig

FH-Bibl.

0-7 Uhr

0%

1%

0%

1%

0%

0%

1%

0%

7-8 Uhr

1%

1%

1%

1%

0%

1%

1%

0%

8-9 Uhr

4%

4%

3%

4%

2%

3%

5%

1%

9-10 Uhr

8%

9%

7%

9%

6%

7%

11%

2%

10-11 Uhr

10%

11%

8%

11%

8%

7%

16%

2%

11-12 Uhr

11%

12%

9%

11%

8%

8%

16%

3%

12-13 Uhr

11%

12%

9%

12%

8%

8%

17%

3%

13-14 Uhr

11%

12%

9%

11%

8%

7%

17%

3%

14-15 Uhr

10%

11%

8%

11%

5%

7%

16%

2%

15-16 Uhr

9%

10%

8%

11%

4%

6%

15%

2%

16-17 Uhr

8%

9%

7%

9%

4%

5%

14%

1%

17-18 Uhr

7%

8%

6%

8%

3%

5%

12%

1%

18-19 Uhr

6%

6%

6%

7%

3%

5%

8%

1%

19-20 Uhr

6%

6%

5%

6%

3%

4%

8%

1%

20-21 Uhr

3%

3%

3%

4%

1%

3%

5%

0%

21-22 Uhr

3%

3%

3%

3%

1%

2%

4%

0%

22-23 Uhr

2%

2%

2%

3%

0%

2%

3%

0%

23-24 Uhr

2%

1%

2%

2%

0%

1%

2%

0%

↓159

Ein einheitliches Ergebnis wurde bezüglich der Tageszeiten erzielt, an denen die Sonntagsöffnungsstunden besonders erwünscht waren. Die Spitzenwerte aller beteiligten Bibliotheken lagen übereinstimmend zwischen 10 und 15 Uhr. Auch von 9 bis 10 sowie von 16 bis 20 Uhr war noch eine gute Nachfrage festzustellen, die davor und danach stark nachließ.

Abb. 33: Durchschnittliche Verteilung sonntäglicher Öffnungsstunden nach dem Wunsch der Besucher an NRW-Hochschulbibliotheken

Erhebliche Abweichungen ergaben sich dagegen bei einem Vergleich zwischen den einzelnen Bibliotheken. Während bei der Hälfte der Einrichtungen keine Sonntagsöffnungs-stunde mehr als 10% Beliebtheit aufwies, erzielte die Sonntagsöffnung an anderen Institutionen eine wesentlich höhere Zustimmung. An sechs von insgesamt 32 Befragungs-orten831 erreichten die sonntäglichen Öffnungsstunden eine Zustimmung von 20% und mehr. Während an den Fachhochschulbibliotheken die Spitzenwerte zwischen 1% und 8% schwankten, waren die Unterschiede bei den Universitätsbibliotheken wesentlich signifi-kanter. Der niedrigste Zustimmungswert betrug 1%, der höchste 43%, womit fast jeder Zweite für den Bibliothekssonntag stimmte.

↓160

Tab. 64: Zustimmung zum Bibliothekssonntag an unterschiedlichen NRW-Hochschulbibliotheken im Verhältnis zur tatsächlichen Samstagsöffnung

Spitzenwert für Sonntagsöffnung

Spitzenwert für Samstagsöffnung

Samtagsöffnung

1%

27%

geschlossen

2%

20%

geschlossen

3%

25%

geschlossen

3%

23%

4 Öffnungsstd.

4%

30%

4 Öffnungsstd.

5%

22%

geschlossen

5%

35%

geschlossen

5%

45%

4 Öffnungsstd.

6%

23%

geschlossen

7%

46%

geschlossen

7%

34%

geschlossen

7%

15%

4 Öffnungsstd.

7%

30%

4 Öffnungsstd.

9%

51%

3 Öffnungsstd.

11%

49%

geschlossen

11%

38%

4 Öffnungsstd.

12%

25%

geschlossen

13%

51%

geschlossen

13%

43%

5 Öffnungsstd.

13%

58%

4 Öffnungsstd.

13%

28%

8 Öffnungsstd.

15%

61%

3 Öffnungsstd.

15%

36%

5 Öffnungsstd.

17%

33%

4 Öffnungsstd.

17%

34%

4 Öffnungsstd.

20%

28%

8 Öffnungsstd.

20%

24%

8 Öffnungsstd.

21%

69%

4 Öffnungsstd.

23%

47%

4 Öffnungsstd.

30%

34%

8 Öffnungsstd.

43%

30%

9 Öffnungsstd.

Ohne auf örtliche Besonderheiten namentlich eingehen zu können, die manche der abweichenden Werte erklären würden, zeigte sich ein Zusammenhang mit den Samstags-öffnungszeiten. Wenn eine Bibliothek samstags geschlossen war, fiel die Zustimmung zur Sonntagsöffnung eher gering aus und je länger ein Haus am Sonnabend öffnete, umso beliebter war tendenziell die Sonntagsöffnung. Mit nur einer Ausnahme lag die Zahl der Verlängerungswünsche für den Samstag aber durchgängig höher, oft um ein Vielfaches, als die für den Sonntag.

Allerdings erwies sich bei einem Vergleich der einzelnen Wochentage die Berechnung von Durchschnittswerten als problematisch, weil sich die werktäglichen Besuchszeiten der unter-suchten Einrichtungen als sehr uneinheitlich herausstellen.832 Aus diesem Grunde bot sich eine Gegenüberstellung der Tagesspitzenwerte an.

↓161

Tab. 65: Spitzenwerte der Verlängerungswünsche von Öffnungszeiten an NRW-Hochschulbibliotheken im Vergleich nach Wochentagen

Universitätsbibliotheken

Fachhochschulbibliotheken

Montag

16% (21-22 Uhr)

17% (18-19 Uhr)

Dienstag

16% (21-22 Uhr)

19% (18-19 Uhr)

Mittwoch

16% (21-22 Uhr)

19% (18-19 Uhr)

Donnerstag

15% (21-22 Uhr)

19% (18-19 Uhr)

Freitag

14% (8-9 und 21-22 Uhr)

16% (16-17 Uhr)

Samstag

25% (13-15 Uhr)

16% (10-12 Uhr)

Sonntag

11% (11-14 Uhr)

3% (11-14 Uhr)

Insbesondere an den Fachhochschulbibliotheken war eine Verlängerung der Öffnungszeiten an jedem anderen Tag wesentlich beliebter als am Sonntag. Während sich in diesen Einrichtungen die Nachfrage auf die frühen Abendstunden an Werktagen richtete, bestand an den Universitätsbibliotheken ein spezieller Bedarf für die Mittagsstunden am Samstag.

c) Bewertung der Sonntagsöffnungszeiten

Die ausgewerteten Daten ließen zunächst den klaren Schluß zu, daß bei der Einführung der Sonntagsöffnung für Hochschulbibliotheken unabhängig von ihrem Typ die Kernzeiten von 10 bis 15 Uhr zu empfehlen sind. Sonntagsöffnungszeiten vor 9 und nach 20 Uhr werden dagegen nur eine geringe Nachfrage finden. Weniger eindeutig waren die Ergebnisse im Hinblick auf das Für und Wider des Bibliothekssonntags. Grundsätzlich kein oder nur ein geringes Publikumsinteresse war bei den Fachhochschulbibliotheken zu erkennen. Angesichts der allgemein kurzen Wochenöffnungszeiten konzentrierte sich die Kundennachfrage hier auf die frühen werktäglichen Abendstunden und den Samstag, während die Sonntagsöffnung im Durchschnitt nur drei von hundert Besuchern bejahten.

↓162

Differenzierter gestaltete sich die Lage bei den Universitätsbibliotheken, bei denen ebenfalls ausgedehnte Öffnungszeiten am Samstag die höchste Popularität genossen. Je länger jedoch die Einrichtung bereits am Samstag öffnete, umso stärker konzentrierte sich der Bedarf auf den Sonntag. Während in einigen Universitätsbibliotheken die Sonntagsöffnung kaum Befürworter fand, wünschte sie sich in anderen Häusern dagegen jeder dritte Besucher. Gerade in zweischichtigen Bibliothekssystemen erreichte der Bibliothekssonntag mit durchschnittlichen 17% eine relativ hohe Zustimmung. Gleichfalls jeder sechste Befragte würde sonntags eine Bibliothekszentrale aufsuchen, deren höhere Anziehungskraft gegenüber den Zweigbibliotheken mutmaßlich auf den größeren Bestand zurückzuführen ist. Eine Nachfrage für die Sonntagsöffnung war damit für diesen Bibliothekstyp grundsätzlich zu bejahen.

d) Sonntagsöffnung im Verhältnis zur Fachrichtung

Die enormen Ergebnisschwankungen bei den universitären Zweigbibliotheken erlaubten keine allgemeingültige Aussage zum Bibliothekssonntag. Die großen Unterschiede deuteten an, daß die Fachausrichtung der Bibliothek in dieser Frage eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Bei näherer Betrachtung der Fachbereichsbibliotheken zeigte sich, daß in den geistes- und sozialwissenschaftlich ausgerichteten Einrichtungen ein deutlich größeres Interesse an der Sonntagsöffnung bestand als in den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Die Besucher der medizinischen Bibliotheken erteilten dem Bibliothekssonntag mit durchschnittlich 19% den höchsten Zuspruch.

Tab. 66: Bedeutung der Dienstleistung Öffnungszeit an NRW-Hochschulbibliotheken im Vergleich nach der Fachrichtung der Zweigbibliothek

Fachbereichsbibliothek

Spitzenwert Sonntagsöffnung

Öffnungszeiten sehr wichtig

Medizin

19%

75%

Geisteswissenschaften

17%

71%

Sozialwissenschaften

14%

63%

Jura

13%

83%

Durchschnitt

11%

71%

Naturwissenschaften

6%

59%

Ingenieurwissenschaften

3%

65%

↓163

Allgemein wurde die Bedeutung der Öffnungszeiten als sehr wichtig empfunden. Bei den Juristen entschieden sich 83% für diese Angabe, während die Zustimmung in den naturwissenschaftlichen Zweigbibliotheken mit 59% am niedrigsten ausfiel. Ein analoges Bild ergab sich, wenn man nicht die Fachausrichtung der Einrichtung, sondern das Studienfach aller Befragten analysierte. Auch hier lagen wiederum die Medizinstudenten, nach den Ethnologen, an der Spitze der Tabelle, während am unteren Ende die technischen und naturwissenschaftlichen Fächer neben der Theologie und der Sportwissenschaft rangierten.833

Tab. 67: Bedeutung der Dienstleistung Öffnungszeit an NRW-Hochschulbibliotheken im Vergleich nach der Fachrichtung der Studierenden

Fach

Spitzenwert Sonntagsöffnung

Öffnungszeiten sehr wichtig

Volks- / Völkerkunde

24%

80%

Medizin

21%

77%

Psychologie

15%

72%

Rechtswissenschaften

14%

84%

Wirtschaftswiss., Landwirtschaft

14%

73%

Soziologie, Politikwissenschaften

12%

72%

Ingenieurwissenschaften

12%

66%

Kunst, Musik, Theater, Tanz, Film

11%

77%

Sprach- / Literaturwissensch.

11%

72%

Durchschnitt

11%

71%

Philosophie

10%

71%

Informatik

10%

67%

Geschichte

9%

72%

Geowissenschaften, Bergbau

9%

66%

Physik, Astronomie

9%

63%

Pädagogik

8%

71%

Biologie, Chemie, Pharmazie

8%

66%

Mathematik

8%

62%

Theologie

7%

76%

Sportwissenschaften

7%

70%

Um die Werte dahingehend konkretisieren zu können, ob in bestimmten Fachrichtungen nur ein allgemeiner Wunsch nach längeren Öffnungszeiten vorlag oder sich das Interesse speziell auf den Sonntag richtete, war ein Vergleich mit den Spitzenwerten der anderen Wochentage zu ziehen. Die Analyse ergab, daß bei allen Fachrichtungen die Erweiterung der Öffnungszeiten am Samstag mit Abstand die größte Nachfrage genoß. Die Mediziner und Ethnologen, von denen mehr als jeder Fünfte den Bibliothekssonntag begrüßten, gaben der Sonntagsöffnung nahezu denselben Stellenwert wie verlängerten Öffnungszeiten unter der Woche. In den anderen Fächern dagegen wurden die Werktage favorisiert, besonders deutlich bei den Juristen. Beim Vergleich fiel zudem auf, daß hohe bzw. niedrige Werte für die Sonntagsöffnung mit entsprechenden Prozentzahlen für die Werktage korrespon-dierten.834

↓164

Tab. 68: Spitzenwerte der Verlängerungswünsche von Öffnungszeiten für verschiedene Wochentage nach Fachrichtung an NRW-Hochschulbibliotheken

Jura

Mathematik

Medizin

Sprachwissenschaft

Völkerkunde

Durchschnitt

Montag

28%

10%

25%

15%

26%

16%

Dienstag

29%

10%

25%

15%

25%

16%

Mittwoch

29%

10%

25%

15%

28%

16%

Donnerstag

25%

10%

25%

15%

25%

15%

Freitag

25%

10%

25%

13%

25%

14%

Samstag

38%

18%

43%

24%

35%

25%

Sonntag

14%

8%

21%

11%

24%

11%

Als Ergebnis ist festzuhalten, daß der Bedarf nach sonntäglichen Öffnungszeiten für die einzelnen Fachrichtungen recht unterschiedlich ausfiel. In der Medizin und Völkerkunde war mit über 20% eine recht große Nachfrage festzustellen. Bei Geistes- und Sozialwissen-schaftlern835 lag sie bei rund 14%, während sie bei den Ingenieuren und Naturwissen-schaftlern auf unter 10% fiel. Letztere maßen den Bibliotheksöffnungszeiten allgemein keine große Bedeutung bei, während die Zustimmungswerte in den anderen Fächern auch unter der Woche entsprechend höher lagen.

e) Sonntagsöffnung im Verhältnis zum Nutzungsverhalten und zur Studiendauer

Als weitere soziodemographische Daten wurden zwar nicht das Alter und Geschlecht erhoben, aber der Stand der wissenschaftlichen Ausbildung. Die Auswertung verdeutlichte, daß im Vergleich Postgraduierte nicht nur am meisten Wert auf ausgedehnte Bibliotheksöffnungszeiten legten, sondern auch mit 15% die höchste Zustimmung für die Sonntagsöffnung zeigten. In absteigender Rangordnung folgten Benutzer im Hauptstudium, Benutzer im Grundstudium und am Ende mit nur 6% das wissenschaftliche Universitätspersonal sowie externe Besucher.836

↓165

Tab. 69: Wunsch nach Sonntagsöffnung an NRW-Hochschulbibliotheken im Verhältnis zum Studiengrad

Benutzer

Sonntagsöffnung Spitzenwert

Öffnungszeiten sehr wichtig

Postgraduierte

15%

75%

Studierende im Hauptstudium

12%

73%

Durchschnitt

11%

71%

Studierende im Grundstudium

10%

68%

wiss. Personal der Universität

6%

61%

externer oder sonstiger Nutzer

6%

70%

Erhebliche Unterschiede offenbarte die Besucherbefragung auch in Bezug auf die Benutzungshäufigkeit. Je intensiver die Bibliotheksnutzung war, um so größer wurden die Wichtigkeit und der Bedarf nach längeren Öffnungszeiten eingeschätzt. Jeder vierte der täglichen Nutzer würde auch sonntags die Bibliothek aufsuchen und attestierte der Dienstleistung Öffnungszeit eine sehr hohe Bedeutung. Mit großem Abstand von 12% folgten danach die übrigen Nutzergruppen in Entsprechung der Besuchshäufigkeit.

Tab. 70: Der Wunsch nach Sonntagsöffnung an NRW-Hochschulbibliotheken in Relation zur Benutzungshäufigkeit

Benutzungshäufigkeit

Spitzenwerte Sonntagsöffnung

Öffnungszeiten sehr wichtig

Täglich

24%

84%

mehrmals pro Woche

12%

72%

Durchschnitt

11%

71%

erstmalige Nutzer

8%

67%

mehrmals pro Monat

7%

66%

einmal pro Monat

7%

64%

↓166

Im übrigen ließen sich nur geringfügige Differenzen in Hinblick auf das Nutzungsverhalten er-kennen. So war beispielsweise die Lesesaal- und Internetnutzung häufiger mit dem Wunsch nach Sonntagsöffnungszeiten gekoppelt als die weniger zeitintensive Fern- und Buchausleihe.

Tab. 71: Wunsch nach Sonntagsöffnung an NRW-Hochschulbibliotheken in Relation zum Besuchszweck

Besuchszweck

Spitzenwert Sonntagsöffnung

Öffnungszeiten sehr wichtig

Lesesaalnutzung

15%

75%

Internetnutzung

13%

73%

Durchschnitt

11%

71%

Literaturrecherche

10%

71%

Fernleihe

10%

70%

Buchausleihe

10%

70%

Kopienerstellung

9%

70%

Zusammenfassend ist festzuhalten, daß Postgraduierte und Examenskandidaten den Biblio-theksöffnungszeiten die höchste Bedeutung zumaßen. Im Gegensatz zu Studienanfängern, die sich hauptsächlich für die Lehrbücher interessieren, sind sie auf ein breites Angebot und einen guten Präsenzbestand angewiesen. Die Bibliothek wird nicht nur zur Ausleihe, sondern gerade auch als Arbeitsort genutzt. Für diese Interpretation ist zudem anzuführen, daß das Lernen im Lesesaal die wichtigste Nutzungsvariante für die Sonntagsöffnung darstellt. Das starke Desinteresse des wissenschaftlichen Universitätspersonals an ausgedehnten Biblio-theksöffnungszeiten spricht wiederum dafür, daß die Lehrenden sowohl gute Arbeitsbedin-gungen als auch eine ausreichende Literaturversorgung im eigenen Institut vorfinden. Auffäl-lig war schließlich die ausgeprägte Paarung zwischen hoher Befürwortung der Sonntagsöff-nung und des täglichen Bibliotheksbesuchs. Anscheinend werden die sporadischen Biblio-theksbenutzer nicht durch unzureichende Öffnungszeiten „abgeschreckt“, während sich ge-rade die „treue Stammkundschaft“ eine siebentägige Bibliothekswoche wünscht. Aus diesem Grund erscheint es fraglich, ob mit der Ausweitung von Bibliotheksöffnungszeiten tatsächlich neue Besucher hinzugewonnen werden oder ob nicht vielmehr nur eine Intensivierung der Nutzung stattfindet.

f) Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse

↓167

Die Besucherbefragung an nordrhein-westfälischen Hochschulbibliotheken ergab, daß Öff-nungszeiten klar als das wichtigste Bibliotheksangebot angesehen werden. Sie erhielten mit 1,4 im Durchschnitt die beste Benotung noch vor dem gedruckten Bestand (1,6), der Aus-kunft auf dem dritten Rang (1,7) und mit weitem Abstand vor anderen Serviceleistungen. Darüber hinaus erreichten die Öffnungszeiten verglichen mit den übrigen Bibliotheksange-boten eine relativ hohe Durchschnittsnote von 2,2 in der Kategorie „Wie zufrieden sind Sie mit den Dienstleistungen der Bibliothek?“837

Abb. 34: Bedeutung verschiedener Dienstleistungsangebote der NRW-Hochschulbibliotheken im Vergleich

Trotz der allgemeinen Zufriedenheit mit den Bibliotheksöffnungszeiten nutzte durchschnittlich jeder vierte Befragte die Möglichkeit, Verlängerungswünsche vorzuschlagen. Dabei erzielte zwar jeder andere Wochentag, insbesondere der Samstag, höhere Zustimmungswerte als der Sonntag, aber gleichwohl votierten noch 11% für diesen Tag. Dies war jedoch nur ein Durchschnittwert, der bei näherer Betrachtung erhebliche Ergebnisunterschiede zusammen-faßte. Zwischen 1% und 43% betrug der Wunsch nach Sonntagsöffnungszeiten an unterschiedlichen Bibliotheken. Die genaue Analyse ergab, daß der Bibliothekssonntag insbesondere an folgenden Einrichtungen nachgefragt ist: in Bibliothekszentralen, in zwei-schichtigen Bibliothekssystemen und in Bibliotheken mit überwiegend medizinischer, geistes- oder sozialwissenschaftlicher Literatur. Kein Bedarf war hingegen in den Bibliotheken mit naturwissenschaftlicher Fachausrichtung und in den Fachhochschulbibliotheken zu erkennen.838 Als Öffnungsstunden ist die Tageszeit zwischen 10 und 15 Uhr zu empfehlen sowie von einer Besuchszeit vor 9 und nach 20 Uhr abzuraten. Die Hauptklientel des Bibliothekssonntags sind Postgraduierte und Studierende im fortgeschrittenen Semester, insbesondere wenn sie die Institution häufig aufsuchen.

↓168

Daß gerade die treue Bibliothekskundschaft auch noch den Sonntag zum Arbeiten im Lesesaal nutzen möchte, korrespondiert mit dem engen Zusammenhang, der zwischen dem Bibliothekssonntag und der Bedeutung der Öffnungszeiten steht. Je wichtiger die Dienstleistung Öffnungszeit bewertet wird, umso höher fällt die Zustimmung für die Sonntagsöffnung aus und je seltener ein Nutzer die Bibliothek aufsucht, umso geringer ist sein Interesse an den Öffnungszeiten im allgemeinen und an der Sonntagsöffnung im besonderen. Allerdings ist bei dieser Ergebnisinterpretation zu berücksichtigen, daß Nichtnutzer gar nicht erst in die Untersuchung einbezogen wurden und zudem der ausführliche, vier Din-A4-Seiten lange Fragebogen sicherlich viele Personen, die nur wenig Zeit für ihren Bibliotheksbesuch eingeplant hatten, von vornherein abschreckte. Ein weiterer Zusammenhang ließ sich zwischen dem Bibliothekssonntag und den Samstags-öffnungszeiten feststellen. Je länger eine Bibliothek samstags öffnete, umso größer war der Wunsch nach Sonntagsöffnungszeiten. Als Erklärung bietet sich an, daß zunächst ausreichende Öffnungszeiten am Samstag gewährleistet werden müssen, bevor sich das Interesse auf den Sonntag richtet.

Diese Bewertung beleuchtet zugleich die Schwäche der von infas angewandten Befragungsmethode. Angesichts der sehr unterschiedlichen Öffnungszeiten der einzelnen Bibliotheken, die als Vorlage für den Fragebogen dienten, ist ein Vergleich der erzielten Ergebnisse und die Bildung von Durchschnittswerten problematisch. Hinzukommt, daß bei der Frage nach den Öffnungszeiten Mehrfachnennungen erlaubt waren, die Ergebnis-auswertung aber nicht erkennen ließ, in welchem Umfang, von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht wurde. Die Befragten wiederum hatten keine Möglichkeit, ihren Wunsch nach längeren Öffnungszeiten, in irgendeiner Weise zu präzisieren, Nachdruck zu verleihen oder Prioritäten zu setzen. Auch Vorschläge für Kürzungen oder Umschichtungen der Öffnungszeiten waren nicht vor-gesehen. Sinnvoller und für die Bibliotheken aufgrund ihrer knappen Ressourcen hilfreicher wäre es gewesen, verschiedene Öffnungszeiten oder Öffnungsmodelle von den Besuchern bewerten und gewichten zu lassen. Trotz dieser Kritik und der dadurch eingeschränkten Aussagekraft der Ergebnisse läßt die nordrhein-westfälische Besucherbefragung doch deutliche Tendenzen und Unterschiede in Bezug auf den Bibliothekssonntag erkennen.

2. Passanten- und Kundenbefragung der Stadtbibliothek Bremen

a) Ausgangslage

Im Jahr 2001 führte die Stadtbibliothek Bremen eine Kunden- und Passantenbefragung durch, an der 1.567 zufällig ausgewählte Personen ab 16 Jahren teilnahmen.839 Diese wurden mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens nach ihren Wünschen und Interessen befragt, um die Vorbereitungen für den geplanten Neubau der Zentralbibliothek optimieren zu können. Bemerkenswert an der Umfrage war, daß nicht nur die Bibliotheksbesucher, sondern auch Passanten auf der Straße und damit Nichtkunden nach ihrer Meinung gefragt wurden. Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung wurden alle Daten analysiert, die in Korrelation zu den gewünschten Verlängerungen der Bibliotheksöffnungszeiten standen. Hierzu fand eine gesonderte Auswertung anhand der Originalfragebögen statt unter Zuhilfenahme einer Access-Eingabemaske und einer Excel-Datenberechnung.

b) Verlängerung der Öffnungszeiten

↓169

Da für den Neubau der Bremer Zentralbibliothek auch verlängerte Öffnungszeiten geplant sind, lautete eine der Fragen: „Die Zentralbibliothek ist z.Zt.: Mo, Di, Do, Fr 11-18.30, Mi 14-18.30 und Sa 10-13 geöffnet. Sind Sie für längere Öffnungszeiten? (Mehrfachnennungen).“ Als Antwortkategorien standen folgende Möglichkeiten zur Verfügung: „1. Montag - Freitag bis 21 Uhr; 2. samstags 9.30 bis 16.00 Uhr, 3. sonntags 14 bis 18 Uhr; 4. sonntags 11 bis 14 Uhr; 5. Öffnungszeiten reichen aus; und 6. an einem Tag ab 8 Uhr.“

Unter der Berücksichtigung der Mehrfachnennungen liest sich das Ergebnis so, daß über die Hälfte der Befragten sich längere Öffnungszeiten wünschten, wobei eine längere Öffnung unter der Woche bis 21 Uhr mit 46% die meisten Befürworter fand. Dagegen hielten 40,5% die derzeitigen Öffnungszeiten für ausreichend. Populär waren auch längere Öffnungszeiten am Samstag, für die rund ein Drittel der Befragten votierten (34%). Weniger beliebt waren die frühen Vormittagsstunden (20,6%) und der Sonntag als Öffnungstag (12,6%).

Abb. 35: Verlängerungswünsche der Öffnungszeiten insgesamt
für die Stadtbibliothek Bremen

c) Sonntägliche Öffnungszeiten

↓170

Auch wenn der Sonntag als Öffnungstag gegenüber den anderen Wochentagen mit Abstand am wenigsten Zustimmung erhielt, so hat insgesamt jeder achte Befragte für ihn votiert. Dabei waren zwei Antwortkategorien, zum einen von 11 bis 14 Uhr und zum anderen von 14 bis 18 Uhr, vorgegeben. Bei den 198 Befragten, die sich eine Sonntagsöffnung wünschten, fand der Nachmittag mit rund 80% die meisten Befürworter (10% aller Befragten). Dagegen waren die Öffnungsstunden nur am Sonntagvormittag mit 21% (2,7% aller Befragten) deutlich weniger beliebt.

Tab. 72: Wünsche bezüglich der Gestaltung sonntäglicher Öffnungsstunden an der Stadtbibliothek Bremen

Optionen

Anzahl

Prozent

Prozent

Sonntagsöffnung allgemein

198

100%

12,6%

Sonntagsöffnung von 11.00 bis 14.00Uhr

109

55%

6,9%

Sonntagsöffnung von 14.00 bis 18.00 Uhr

156

79%

9,9%

Sonntagsöffnung sowohl vormittags als auch nachmittags

67

34%

4,3%

Sonntagsöffnung nur am Vormittag

42

21%

2,7%

Sonntagsöffnung nur am Nachmittag

89

45%

5,7%

Weiterhin auffällig war, daß lediglich 4% der Sonntagsbefürworter (0,4% aller Befragten) ausschließlich für den Sonntag als zusätzliche Öffnungszeit votierten. Die häufigsten Kombinationen waren die Sonntagsöffnungsoption gepaart mit Verlängerungswünschen für den Samstag und für die Abendstunden in der Woche bis 21 Uhr und entsprachen damit den allgemeinen Prioritäten bezüglich samstäglicher und abendlicher Besuchszeiten. Bei 13% der Antworten (1,7% aller Befragten) wurden in jeder Hinsicht verlängerte Öffnungszeiten gewünscht und alle zur Verfügung stehenden Varianten angekreuzt.840 Infolgedessen läßt sich festhalten, daß ein spezielles Interesse an der Sonntagsöffnung noch deutlich unter den zuvor errechneten 12,6% liegt. Die Mehrzahl der Antwortenden, die sich für den Bibliotheks-sonntag entschieden haben, wäre wohl auch mit einer Verlängerung der Öffnungszeiten an anderen Wochentagen zufriedenzustellen.

↓171

Tab. 73: Verlängerungswünsche der Öffnungszeiten am Sonntag und anderen Tagen an der Stadtbibliothek Bremen

Kombinationsmöglichkeiten

Anzahl

Prozent

Prozent

alle Antworten mit Sonntagsöffnung

198

100%

12,6%

So. 14-18 Uhr, Sa. 9.30 bis 16 und unter der Woche bis 21

36

18%

2,3%

So. 11- 14 + 14-18, Sa. 9.30 bis 16 und unter der Woche bis 21

28

14%

1,8%

alle Öffnungszeiten

26

13%

1,7%

So. 11-14 Uhr, Sa. 9.30 bis 16 und unter der Woche bis 21

19

10%

1,2%

So. 14-18 und unter der Woche bis 21 Uhr

18

9%

1,1%

So. 14-18 und Sa. 9.30 bis 16.00 Uhr

13

7%

0,8%

So. 14-18, Sa. 9.30 bis 16, wochentags bis 21 und einmal ab 8

13

7%

0,8%

nur sonntags

7

4%

0,4%

übrige Verlängerungswünsche

38

18%

2,4%

d) Soziodemographische Daten

Ferner galt es zu untersuchen, ob die Dienstleistung der Sonntagsöffnung gerade für eine bestimmte Zielgruppe von besonderem Interesse ist. Zu diesem Zweck wurden die soziodemographischen Daten der Grundgesamtheit mit den Antwortenden verglichen, die sich eine Sonntagsöffnung der Bibliothek wünschten, um maßgebliche Unterschiede fest-zustellen.841 Bei der Verteilung von Männern und Frauen zeigte sich keine Abweichung gegenüber dem Gesamtergebnis.

Abb. 36: Geschlechtervergleich beim Wunsch nach Sonntagsöffnung
an der Stadtbibliothek Bremen

↓172

Während der Bibliothekssonntag auf das Verhältnis der Geschlechter keine Auswirkungen zeigte, ließen sich beim Alter durchaus Unterschiede feststellen. Je älter die Befragten waren, umso geringer fiel das Interesse an der Sonntagsöffnung aus. Mit 9% Differenz gegenüber der Grundgesamtheit erfreute sich die Sonntagsöffnung insbesondere bei 25- bis 34-Jährigen großer Beliebtheit. Dieses Ergebnis mag Ausdruck einer gelockerten Lebens-einstellung sein, der dem Sonntag als speziellen Ruhetag keine besondere Bedeutung beimißt.

Abb. 37: Altersvergleich beim Wunsch nach Sonntagsöffnung
an der Stadtbibliothek Bremen

Die Altersverteilung korrespondierte mit der beruflichen Situation der Befragten, denn auch bei diesen Daten zeigte sich, daß gerade bei Studierenden eine erhebliche Nachfrage für die Sonntagsöffnung bestand. Neben der Lebenseinstellung läßt sich eine Begründung vielleicht darin finden, daß die Studenten die Stadtbibliothek nicht nur zur Unterhaltung und Ausleihe von Büchern nutzen, sondern ebenso zu Studienzwecken und zu Internetrecherchen, die einen längeren Aufenthalt vor Ort erfordern. Als Lese- und Studientag bietet sich der Sonn-tag ohne seinen alltäglichen Termindruck an. Dagegen lag bei Angestellten und Beamten kein besonderes Interesse an der Sonntagsöffnung (7% Abweichung gegenüber der Grund-gesamtheit), obwohl diese aufgrund ihrer Berufstätigkeit unter der Woche zeitlich wenig flexibel sind.

↓173

Abb. 38: Berufsvergleich beim Wunsch nach Sonntagsöffnung
an der Stadtbibliothek Bremen

Insgesamt läßt sich damit als vorrangigste Zielgruppe für die Sonntagsöffnung die der Studierenden zwischen 21 und 29 Jahren definieren, gefolgt von den Angestellten zwischen 30 und 44 Jahren.

Abb. 39: Zielgruppen für die Sonntagsöffnung an der Stadtbibliothek Bremen

e) Sonntagsöffnung im Verhältnis zum Nutzungsverhalten

↓174

Bei der genauen Analyse der 198 Fragebögen, in denen für eine Sonntagsöffnung gestimmt wurde, ergab sich des weiteren, daß der Wunsch nach Sonntagsöffnung mit einer intensiven Nutzung der Stadtbibliothek zusammenhing. Sowohl bei der Besuchshäufigkeit als auch bei der Nutzung des Medienangebots übertrafen die ausgewählten Personen die Grundgesamt-heit in jeder Beziehung.

Abb. 40: Wunsch nach Sonntagsöffnung an der Stadtbibliothek Bremen
in Abhängigkeit von der Besuchshäufigkeit

Abb. 41: Wunsch nach Sonntagsöffnung an der Stadtbibliothek Bremen
in Abhängigkeit vom Besuchszweck

↓175

Diese Ergebnisse veranschaulichen, daß die Sonntagsöffnung gerade für die treuesten Besucher der Stadtbibliothek ein attraktives Angebot darstellt. Auch die Tatsache, daß die auf der Straße befragten Passanten, die grundsätzlich die Angebote der Bücherei nutzen, im Verhältnis die größte Befürwortung der Sonntagsöffnung zeigten, spricht dafür, daß der Bibliothekssonntag eher zu Intensivierung der Lesetätigkeit als zu einer Ausweitung des Kundenkreises führt. Entsprechend war bei den Nichtkunden kein besonderes Interesse an sonntäglichen Öffnungszeiten festzustellen.

Abb. 42: Zusammensetzung der Teilnehmer an der Kunden- und Passantenbefragung der Stadtbibliothek Bremen

Bei der Analyse der übrigen Antwortkategorien ließen sich gegenüber dem Gesamtergebnis keine wesentlichen Abweichungen feststellen. Signifikant ist jedoch, daß der Wunsch nach der Sonntagsöffnung stark mit der Einschätzung der Öffnungszeiten als sehr wichtiger Dienstleistung korrespondierte (44% gegenüber 24% aller Befragten). Dem Publikums-interesse nach einer sonntäglichen Öffnung der Stadtbibliothek kommt somit ein besonderes Gewicht zu.

↓176

Abb. 43: Bedeutung der Dienstleistung Öffnungszeiten an der Stadtbibliothek Bremen

f) Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, daß insgesamt kein großes Interesse an der Sonntagsöffnung der Stadtbibliothek Bremen besteht. Zwar hat jeder achte Befrage für den Bibliothekssonntag, insbesondere für die Nachmittagsstunden votiert, doch bedarf dieses Ergebnis einer differenzierteren Betrachtung. 96% derjenigen, die sich für die Sonntags-öffnung entschieden haben, stimmten zudem für eine Ausweitung der Öffnungszeiten an einem anderen Wochentag und im Vergleich zu diesen schneidet der Sonntag mit Abstand am schlechtesten ab. Jedoch setzt sich die Gruppe der Sonntagsbefürworter überwiegend aus Bibliothekskunden zusammen, welche die Angebote der Einrichtung regelmäßig und intensiv nutzen und für die großzügige Öffnungszeiten eine essentielle Bedeutung haben. Dies sind vornehmlich Studierende und jüngere Angestellte.

Das Ergebnis steht im Mißverhältnis zu dem guten Besucherzuspruch, den andere öffentliche Bibliotheken am Sonntag verzeichnen.842 Daraus könnte sich schließen lassen, daß erstens viele Kunden nicht nach der Sonntagsöffnung verlangen, sie aber gerne in Anspruch nehmen und zweitens, daß bei der Bremer Kunden- und Passantenbefragung nicht alle Interessenten erreicht wurden. Gerade Personen mit engen Zeitbudget lassen sich womöglich schwerer ansprechen und sind weniger geneigt sein, sich an einer ausgiebigen Umfrage zu beteiligen.

3. Besucherbefragung zur Sonntagsöffnung in der Kantonsbibliothek Baselland

a) Ausgangslage

↓177

Die schweizerische Kantonsbibliothek Baselland in Liestal ist eine öffentliche Bibliothek mit vornehmlich Unterhaltungs- und Bildungsmedien, von denen sie 330.000 im Jahr ausleiht.843 Sie ist mit Ausnahme des Montags an sechs Tagen und 40 Stunden in der Woche geöffnet, samstags und sonntags jeweils von 9 bis 16 Uhr mit umfassendem Kundenservice.844 Die Samstagsöffnung wurde 1992 eingeführt. Als im Jahr 1997 im Kanton Basel-Landschaft aufgrund einer Gesetzesänderung die Ladenschlußzeiten abgeschafft wurden und die Geschäfte auch sonntags öffneten, begannen ebenfalls in der Kantonsbibliothek die Überlegungen, Besucher an diesem Wochentag zuzulassen. Nachdem sich mit einer Schweizer Chemiefirma ein Sponsor gefunden hatte, wurde die Sonntagsöffnung 1999 im Rahmen eines 20monatigen Pilotprojekts eingeführt. Sie war damit die erste Bibliothek in der Schweiz und verfolgte folgende Zielsetzungen:

Nachdem sich die sonntäglichen Öffnungszeiten gleich von Beginn an als großer Publikumserfolg erwiesen,846 wurden sie nach Abschluß des Testbetriebs als reguläre Öffnungszeiten beibehalten und durch den Bibliotheksträger vollständig finanziert. Mittlerweile zählt der Sonntag zu den besucher- und ausleihstärksten Wochentagen. Bereits am Ende des Pilotprojekts hatte die Sonntagsöffnung einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht und auch in der Presse viel Aufmerksamkeit erzielt. Damit verbunden waren eine große Anerkennung in der Öffentlichkeit und ein insgesamt hoher Imagegewinn für die Kantonsbibliothek. Das Interesse anderer schweizerischer Bibliotheken und der Fachwelt war groß und die positiven Erfahrungen führten dazu, daß sich die ETH-Bibliothek in Zürich und die Universitätsbibliothek Bern zur Nachahmung entschlossen.847

b) Benutzungsstatistik

↓178

Die Kantonsbibliothek Baselland verzeichnete im Jahr 2001 im Durchschnitt 865 Ausleihen pro Sonntag, entsprechend 13% der Gesamtausleihen bei steigender Tendenz. Der sonntäg-liche Besucherdurchschnitt lag bei 503 Personen, wobei die Schwankungen höher als unter der Woche waren und an Spitzentagen über 700 Besucher gezählt wurden.848 Der Sonntag-nachmittag war besonders nachgefragt.849 Beim Sonntagspublikum waren auffallend viele Erwachsene, insbesondere berufstätige junge Männer vertreten, während weniger Kinder und Jugendliche kamen.850

Pro Sonntag registrierten sich im Durchschnitt 3,6 Personen als neue Benutzer. Ein noch größerer Anstieg war allerdings von nichtregistrierten Benutzern zu verzeichnen, denn lediglich 58% der Sonntagsbesucher liehen sich Bücher aus, viele suchten lediglich die Information vor Ort. Insgesamt ließ sich feststellen, daß nur eine sehr geringe Verschiebung der Ausleihen in Höhe von 3% von den Werktagen auf die Sonntage stattfand, die Bibliotheksbenutzung im Ganzen jedoch seit Einführung der Sonntagsöffnung stark zugenommen hat.851

c) Besucherbefragung

Zur wissenschaftlichen Begleitung des Pilotprojekts führte der Studiengang Information und Dokumentation der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur von 2000 bis 2001 eine Besucherbefragung in der Kantonsbibliothek Baselland zu den neu eingeführten Sonntags-öffnungszeiten durch. Insgesamt 774 Personen wurden an zwei Sonntagen und einem Freitag zwölf geschlossene Fragen zum Thema Sonntagsöffnung gestellt. 852

↓179

Die Untersuchung verdeutlichte, daß 84% der befragten Sonntagsbesucher zu den intensiven Kunden der Kantonsbibliothek zählten. 53% nutzten die Einrichtung mehrmals pro Woche und 31% mehrmals pro Monat. Des weiteren gaben 65% an, durch die Sonntagsöffnung die Bibliothek noch häufiger aufzusuchen. Bereits während der Testphase hatte sich am Sonntag eine treue Stammkundschaft gebildet, 22% der Befragten suchten die Bibliothek ausschließlich am Sonntag und wiederum 14% jede Woche auf.853 Kenntnis von der Sonntagsöffnung erhielt ein Viertel der Befragten aus der Presse, während die Mehrzahl die Information durch Mundpropaganda erfahren hatte.854 Im Nutzungsverhalten ergaben sich keine nennenswerten Unterschiede zwischen der Gruppe der Freitags- und Sonntags-besucher. Die Internetnutzung war wochentags geringfügig höher,855 während die Zeitungs-leser am Sonntag dominierten.856 Signifikante Abweichungen ergaben sich jedoch bei der Aufenthaltsdauer. Sonntags waren die Bibliotheksbesuche wesentlich ausgedehnter als wochentags. Während am Freitag 41% der Befragten die Bibliothek nur kurz besuchten (15 Minuten oder weniger), lag die Quote am Sonntag bei nur 21%. An diesem Tag verweilten sogar 23% länger als eine Stunde gegenüber 8% unter Woche.857

Abb. 44: Länge des Bibliotheksbesuchs an der Kantonsbibliothek Baselland

Die lange Aufenthaltsdauer ist sicherlich auch auf den Umstand zurückzuführen, daß sonntags außergewöhnlich viele Besucher in Begleitung der Familie und von Freunden die Bibliothek aufsuchten. Während am Freitag 68% der Befragten angaben, allein gekommen zu sein, waren es am Sonntag lediglich 33%.858

↓180

Abb. 45: Begleitpersonen beim Besuch der Kantonsbibliothek Baselland

Aus soziodemographischer Sicht ist am Bibliothekssonntag auffällig, daß wesentlich mehr männliche Besucher sowie ein höherer Anteil an Erwachsenen als werktags zu verzeichnen war.859 Keine Unterschiede ergaben sich jedoch bezüglich der Berufstätigkeit der Besucher,860 allenfalls ein etwas höherer Rentneranteil war am Sonntag divergierend.

Auf die offen formulierte Frage nach den Ansichten und Meinungen zur Sonntagsöffnung ergab sich insgesamt eine sehr positive Resonanz. Zwei Antwortkategorien überwogen: zum einen, daß man am Sonntag ausschließlich oder die meiste Zeit hätte, und zum anderen, daß nur dieser Tag die Gelegenheit böte, die Bibliothek zusammen mit der Familie oder Freunden aufzusuchen. Zudem wurde die besondere, ruhigere Atmosphäre am Sonntag gutgeheißen. Bei den Verbesserungsvorschlägen fiel speziell der Wunsch nach einem ins Gebäude integrierte Café ins Gewicht.861

d) Ergebnis

↓181

Die Kantonsbibliothek Baselland sieht die Sonntagsöffnung als großen Erfolg und Publi-kumsmagneten, mit der sie sich in der Region, Öffentlichkeit und Fachwelt viel Anerkennung und Ansehen erworben hat.862 Der Bibliothekssonntag hat sich zu einem eigenständigen Dienstleistungsangebot entwickelt, das durch seine spezielle Atmosphäre und insbesondere als Familientag besticht.

4. Vergleich der ausgewerteten Besucherbefragungen

Die drei Besucherbefragungen verfolgten jeweils verschiedene Untersuchungsziele und beruhten auf unterschiedlichen Fragebogenkonzeptionen, so daß sie nur bedingt mitein-ander vergleichbar sind. Am nächsten stehen sich die beiden Erhebungen an den öffent-lichen Bibliotheken, während die nordrhein-westfälische Untersuchung selbst auf einem Vergleich verschiedener wissenschaftlicher Einrichtungen beruht. Die schweizerische Umfrage wiederum hebt sich dadurch ab, daß sie sich mit dem kürzesten Fragebogen speziell dem Thema Öffnungszeiten widmet und als einzige das sonntägliche Nutzungs-verhalten in Relation zu den Werktagen berücksichtigt. Ein Ergebnisvergleich der analy-sierten Befragungen soll nicht nur Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzeigen, sondern ebenfalls allgemeingültige Aussagen zum Bibliothekssonntag ermöglichen.

Auf den ersten Blick ergibt sich für die Sonntagsöffnung bei allen drei Umfragen eine übereinstimmende Nachfrage: 11% bei den Universitätsbibliotheken, 13% bei der Stadtbibliothek Bremen und 13% der Wochenausleihen in der Kantonsbibliothek Baselland.863 Bei näherer Betrachtung allerdings relativiert sich das Bild: in Bremen werden verlängerte Öffnungszeiten an allen anderen Wochentagen wesentlich stärker nachgefragt als am Sonntag. Diese Differenz ist zwar in Nordrhein-Westfalen nicht so groß, dafür aber fallen die Unterschiede zwischen den einzelnen Bibliotheken je nach Fachausrichtung und Bibliothekstyp umso höher aus. Während an vielen Einrichtungen überhaupt kein Bedarf für die Sonntagsöffnung festzustellen ist, erzielt sie in anderen Häusern wiederum eine beträchtliche Nachfrage. In der Kantonsbibliothek Baselland zählt der Sonntag trotz kürzerer Öffnungszeit inzwischen zu den ausleihstärksten Wochentagen.

↓182

Bezüglich der Tageszeiten findet in den öffentlichen Bibliotheken jeweils der Sonntag-nachmittag den höchsten Zuspruch, während in den Hochschulbibliotheken überein-stimmend Öffnungsstunden zwischen 9 und 15 Uhr mit Spitzenwerten um die Mittagszeit bevorzugt werden.

Unterschiede bei der Zielgruppe ergeben sich zwischen den Hochschul- und Stadtbibliotheken zwangsläufig. An den nordrhein-westfälischen Universitätsbibliotheken interessieren sich überwiegend Studierende fortgeschrittener Semester, die medizinische, geistes- oder sozialwissenschaftliche Literatur benötigen, für die Sonntagsöffnung. In Bremen sind es ebenfalls Studierende, die den Bibliothekssonntag am stärksten befür-worten, während bei Berufstätigen kein spezieller Bedarf zu erkennen ist. An der Kantonsbibliothek Baselland dagegen werden sonntags insbesondere berufstätige junge Männer und weniger Kinder und Jugendliche registriert, wobei die Art der Berufstätigkeit ansonsten keine Auswirkung auf die Sonntagsbesucher hat. In der Stadtbibliothek Bremen sind geschlechtsspezifische Unterschiede nicht erkennbar, das Alter spielt jedoch eine maßgebliche Rolle. Bei den 20- bis 30jährigen findet der Bibliothekssonntag eindeutig das größte Interesse, das mit zunehmendem Alter nachläßt.

Übereinstimmung wird an allen Bibliotheken dahingehend erzielt, daß die Besuchshäufigkeit einen entscheidenden Einfluß ausübt. Je häufiger die Kunden die Bibliothek aufsuchen, desto größer ist ihre Zustimmung für die Sonntagsöffnung. An der Kantonsbibliothek Baselland hat sich am Sonntag rasch eine treue Stammkundschaft gebildet und in Bremen erhält der Bibliothekssonntag bei den Nichtkunden nur eine geringe Befürwortung. Auf der anderen Seite können die Schweizer trotz dieser Umfrageergebnisse von der Erfahrung berichten, daß die Benutzung am Sonntag im Vergleich zu den Werktagen überproportional gestiegen ist, obgleich nur eine unbedeutende Verschiebung der Ausleihzahlen von den Wochentagen auf den Sonntag stattgefunden hat.

↓183

Besondere Nutzungswünsche fielen für den Bibliothekssonntag an keiner Einrichtung auf. In Bremen sind zwar eine allgemein intensivere Nutzung, in Nordrhein-Westfalen ein ver-stärktes Arbeiten im Lesesaal und in der Schweiz mehr Zeitungsleser nachzuweisen, aber insgesamt betrachtet sind diese Abweichungen im Nutzungsverhalten zu vernachlässigen. Auffällig ist dagegen, daß nach den Umfrageergebnissen der Kantonsbibliothek Baselland die sonntägliche Aufenthaltsdauer wesentlich länger als unter der Woche ist und die Bibliotheksbesucher zumeist in Begleitung von Freunden und Familienmitgliedern kommen. Zudem begrüßen sie die ruhige und besondere Atmosphäre am Bibliothekssonntag.

Abschließend eine allgemeingültige Schlußfolgerung bezüglich des Bedarfs nach sonntäg-lichen Bibliotheksöffnungszeiten zu ziehen, erweist sich als schwierig, da die Nachfragewerte von Haus zu Haus deutlich voneinander abweichen. Gerade die wissenschaftlichen Einrichtungen sind in ihrem Bestand, Struktur und Nutzerschaft so unterschiedlich gestaltet, daß bei einigen Universitätsbibliotheken eine deutlich höhere Nachfrage als in den öffentlichen Bibliotheken erkennbar ist, während sie in anderen Bibliothekszweigen gegen null tendiert. Das Besucherinteresse am Bibliothekssonntag ist jedoch sowohl für die öffentlichen als auch für die wissenschaftlichen Institutionen grundsätzlich zu bejahen. Auch wenn die Umfrageergebnisse aus Nordrhein-Westfalen und Bremen andeuten, daß die Sonntagsöffnung nicht zu einem neuen Leserkreis, sondern eher zu einer Intensivierung der Nutzung führt, bestand die sonntägliche Stammkundschaft in der Schweizer Kantons-bibliothek indessen zu einem Fünftel aus Besuchern, die sich ausschließlich an diesem Wochentag in der Bücherei einfinden.

Allen drei Umfragen ist das Ergebnis gemein, daß die Bibliotheksbesucher den Öffnungs-zeiten eine sehr hohe Bedeutung einräumen und gerade die nordrhein-westfälischen Studierenden sie eindeutig als wichtigste von allen Bibliotheksdienstleistungen beurteilen. Und je größer der Zuspruch für die Bibliotheksöffnungszeiten ausfällt, umso mehr steigt auch die Zustimmung zur Sonntagsöffnung. Besonders signifikant war dieser Zusammenhang in der Stadtbibliothek Bremen. Er verleiht dem Wunsch nach Ausdehnung der Öffnungszeiten auf den Sonntag besonderen Nachdruck.

B. Kriterien für die Publikumswirksamkeit des Bibliothekssonntags

↓184

Da sich nach den Ergebnissen der Kundenbefragungen die Sonntagsöffnung aufgrund des unterschiedlichen Besucherinteresses nicht generell für jede Bibliothek als gleichermaßen empfehlenswert ergeben hat, ist vor der Investition in neue Öffnungszeiten eine Einzelfall-prüfung unabdingbar. Im Idealfall bietet sich eine sechsmonatige Testphase oder Probebe-trieb mit genauer Evaluation an, wie sie auch von der Kantonsbibliothek Baselland und der Universitätsbibliothek Konstanz durchgeführt wurde.864

Generelle Kriterien, die auf Nutzungsstatistiken, Kundenbefragungen und Erfahrungswerten anderer Bibliotheken beruhen, tragen ebenfalls zu einer stärkeren Nachfrageorientierung und Optimierung der Kundenanforderungen an Bibliotheksöffnungszeiten bei.

1. Gestaltung des Serviceangebots

Bei Einführung des Bibliothekssonntags helfen zur genauen Abstimmung des Dienst-leistungsangebots auf das Publikumsbedürfnis zunächst empirische Erkenntnisse über das sonntägliche Verhalten und die Erwartungen der Bibliotheksbesucher.

↓185

Aus den Umfrageergebnissen an der Kantonsbibliothek Baselland geht hervor, daß die Sonntagskunden die Serviceleistungen der Bibliothek im gleichen Maße wie die Besucher an den übrigen Wochentagen in Anspruch nehmen, jedoch stärker das Präsenzangebot nutzen.865 Anlaß hierzu bietet die insgesamt bessere Aufenthaltsqualität, die durch die längere Verweildauer, die größere Geselligkeit des Besuchs und die als besonders ruhig eingeschätzte Arbeitsatmosphäre bedingt ist. Entsprechend fällt sonntags der Wunsch nach einem Bibliothekscafé besonders hoch aus.866 Diese Erfahrungen bestätigen auch andere öffentlichen Bibliotheken des In- und Auslands, insbesondere daß sonntags Familien gemeinsam die Büchereien aufsuchen.867 Eine längere und stärkere Nutzung der Bestände vor Ort als unter der Woche sowie eine hohe Anzahl von Zeitungslesern, für die in Finnland am Sonntag speziell die Zeitungslesesäle öffnen, wurde ebenfalls mehrfach festgestellt.868

Angesichts der vergleichsweise langen Aufenthaltsdauer der Bibliotheksbesucher am Sonntag erscheint es fraglich, ob es dem Publikumsbedarf entspricht, das Dienstleistungs-niveau gerade an diesem Wochentag zu beschränken, wie es an den wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland üblich ist.869 Nach den Selbsteinschätzungen der sonntags-geöffneten Bibliotheken betrachten nur zwei der betroffenen Institutionen die Schließung der Ausleihe als problematisch und gleich mehrfach wird von der Nutzung des Lesesaals durch fachfremde Besucher berichtet.870 Diese Leser suchen nur nach einem ruhigen Arbeitsplatz, ohne sich für den Bestand zu interessieren, und bedürfen weder der Ausleihe noch der bibliothekarischen Auskunft. In Jena werden die Sonntagsbesucher als relativ selbständiger Nutzerkreis betrachtet, der sich bereits gut vor Ort auskennt.871 Auch aus den Ergebnissen der landesweiten Kundenbefragungen an nordrhein-westfälischen Hochschulen ist abzu-lesen, daß der Wunsch nach Sonntagsöffnungszeiten in der Mehrzahl von Lesern geäußert wird, die mit den Nutzungsbedingungen der Einrichtung bereits vertraut sind und die zudem mehr an den Präsenzbeständen sowie Arbeitsplätzen als an der Buchausleihe interessiert sind. Diese Erkenntnisse sprechen zumindest für die wissenschaftlichen Bibliotheken gegen eine Publikumsnachfrage nach Auskünften und Ausleihmöglichkeiten. Andererseits registrieren mehrere Hochschulbibliotheken gerade am Sonntag den Besuch vieler auswärtiger Gäste, die zur Nutzung der Fachliteratur zum Teil weite Anreisen auf sich nehmen.872 Diesen unregelmäßigen Bibliotheksnutzern, die gezielt nach Literatur suchen, sind auf ein hohes Dienstleistungsniveau ebenso angewiesen wie gestreßte Professoren oder Berufstätige, die nur sonntags genügend Zeit für ein ausführliches Beratungsgespräch finden.873 Und Familienväter würden es sicherlich begrüßen, auch einmal an einem Sonntag zusammen mit ihren Kindern beispielsweise die Vorführung eines Bilderbuchkinos in aller Ruhe zu genießen.

Das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) hat in einer aktuellen Studie als häufigste Nutzungsgründe für einen Bibliotheksbesuch ermittelt, daß die Buchausleihe mit 90% im Vordergrund steht, vor der Literatursuche mit 70% und dem Lernen und Arbeiten im Lesesaal mit 50%.874 Auch wenn demnach rund die Hälfte der Befragten Interesse an einer Präsenznutzung ohne weitere Personaldienstleistungen bekundet, stehen die Wichtigkeit der Ausleihe und effizienten Literatursuche, die durch den Auskunftsdienst geschulter Biblio-thekare gewährleistet wird, für die Mehrzahl der Leser außer Zweifel. Diese Service-leistungen gerade am Sonntag auszuschließen, an einem Tag, der eine hohe Außenwirkung erzielt, an dem neue Nutzerschichten erschlossen werden können, auswärtige Gäste anreisen und die Besucher mehr Zeit für ihren Bibliotheksbesuch investieren, erscheint wenig nachfrageorientiert und läßt sich nur mit Personal- und Kostenaspekten begründen.875 Aus Kundensicht ideal und wegweisend für den Bibliothekssonntag ist deshalb allein das hohe Dienstleistungsniveau der öffentlichen Bibliotheken, das nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland praktiziert wird.

2. Festlegung der Öffnungszeiten am Sonntag

↓186

Eine schlichte Übertragung der allgemeinen werktäglichen Bibliotheksöffnungszeiten auf den Sonntag würde der besonderen gesellschaftlichen Stellung dieses Tages nicht gerecht werden. Als Tag der allgemeinen Arbeitsruhe unterliegt der sonntägliche Tagesablauf einem besonderen Rhythmus, geprägt durch ein generell höheren Freizeitanteil und eine größere zeitliche Flexibilität der Bevölkerung als unter Woche. Dieser Umstand führte schon im 19. Jahrhundert zu speziellen Sonntagsöffnungszeiten der Bibliotheken und auch in den Ver-einigten Staaten unterscheidet sich der Sonntag von den übrigen Öffnungstagen, indem die Bibliotheken an diesem Tag wesentlich kürzer und zumeist erst ab der Mittagszeit öffnen.876

a) Optimale Verteilung der sonntäglichen Öffnungsstunden

Bei der Einführung des Bibliothekssonntags bietet sich zunächst die Orientierung an den Öffnungszeiten und somit an den Erfahrungswerten anderer Bibliotheken an. Die durchschnittliche sonntägliche Besuchszeit in Deutschland liegt bei achteinhalb Öffnungsstunden für wissenschaftliche und dreieinhalb Stunden für öffentliche Bibliotheken. Auch in den USA sind die Standardzeiten nur unwesentlich länger, beginnen jedoch erst ein bis zwei Stunden später. Angelehnt an einen internationalen Maßstab empfehlen sich Öffnungszeiten von 11 bis 18 Uhr für akademische Bibliotheken und von 12 bis 16 Uhr für kommunale Einrichtungen.877

Tab 74: Internationale Praxis durchschnittlicher Bibliotheksöffnungszeiten am Sonntag

wissenschaftliche Bibliotheken 878

öffentliche Bibliotheken

Deutschland

11:00-19:30 Uhr

11:00-14:30 Uhr

USA

12:00-21:00 Uhr

13:00-17:00 Uhr

internationaler Durchschnitt

11:10-18:00 Uhr

11:45-16:00 Uhr

↓187

Abb. 46: Verteilung sonntäglicher Öffnungsstunden im internationalen Vergleich

Zur Beantwortung der Frage, ob diese durchschnittlichen Öffnungszeiten auch dem tatsächlichen Nutzungsbedarf entsprechen, bedürfte es umfassender Besucherstatistiken. Für die optimale Wahl der Besuchszeit öffentlicher Bibliotheken sprechen zumindest Erfahrungswerte aus Großbritannien und Finnland, nach denen zwischen 12.30 und 14.30 Uhr ein besonders großer Besucherandrang zu verzeichnen ist, der nach 16 Uhr jäh nachläßt.879 Für die akademischen Einrichtungen ist auf eine Kundenzählung der Bereichs-bibliothek Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Osnabrück zu verweisen, die bei einer sonntäglichen Öffnungszeit von 14 bis 22 Uhr die meisten Kunden zwischen 15 und 20 Uhr empfängt.880

Abb. 47: Besuchernachfrage nach sonntäglichen Öffnungsstunden an der Osnabrücker Bereichsbibliothek Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

↓188

Ein anderes Bild ergibt sich dagegen, wenn man die Ergebnisse der landesweiten Umfrage an nordrhein-westfälischen Hochschulbibliotheken heranzieht. Danach werden sonntags die Öffnungsstunden zwischen 10 und 15 Uhr favorisiert, während das Interesse vor 9 Uhr und nach 20 Uhr evident zurückgeht. Eine wiederum klare Übereinstimmung ist indessen bei den kommunalen Bibliotheken festzustellen. Entsprechend der Kundenbefragung der Stadt-bibliothek Bremen ergab sich eine deutliche Bevorzugung der Nachmittags- gegenüber der Vormittagsöffnung. Die späte Besuchszeit findet auch Bestätigung durch museumswissen-schaftliche Nutzeranalysen, die zwischen 13-16 Uhr generell die größte Kundennachfrage aufgezeigt haben.881

Als Ergebnis ist die allgemeine Empfehlung auszusprechen, daß Stadtbibliotheken vier Stunden zwischen 12 und 16 Uhr und wissenschaftliche Bibliotheken nach Möglichkeit acht Stunden zwischen 10 und 18 Uhr, bei entsprechender Nachfrage auch bis 20 Uhr sonntags der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Die großen Präsenzbestände und die vielfache Nutzung der Bibliotheken als Lern- und Arbeitsort rechtfertigen die längeren Öffnungszeiten an den wissenschaftlichen Einrichtungen. Grundsätzlich gilt für den Sonntag jedoch, daß kürzere Öffnungszeiten als unter der Woche genügen, weil die Leser aufgrund der größeren zeitlichen Flexibilität den Zeitpunkt ihres Bibliotheksbesuchs besser abstimmen können.

b) Verlegung von werktäglichen Bibliotheksöffnungsstunden auf den Sonntag

Aus Personal- und Kostengründen können sich nur wenige Bibliotheken zusätzliche Sonn-tagsöffnungsstunden leisten. Deshalb stellt sich gerade bei kleineren Einrichtungen die Frage, ob Sie dem Kundenbedarf entsprechen, wenn Sie Wochenöffnungszeiten zugunsten des Bibliothekssonntags streichen. Mangels entsprechender bibliothekswissenschaftlicher Erkenntnisse ist wiederum auf eine Untersuchung zu Museumsöffnungszeiten aus dem Jahr 1985 zu verweisen.882 Danach erzielte bei montäglicher Schließung der Mittwoch den niedrigsten und der Sonntag den höchsten Publikumszuspruch. Mit durchschnittlich 19% Kundennachfrage gegenüber 23% am Sonntag folgte der Samstag als zweitbester Besuchstag, während die übrigen Werktage nur rund 15% verzeichneten.883 Die Frage nach Veränderungswünschen der Öffnungszeiten ließ keinen Bedarf für eine Montagsöffnung, sondern nur für eine längere Öffnung am Abend erkennen.884

↓189

Die deutsche Bibliothekspraxis favorisiert dagegen andere Besuchszeiten: Sonntag und Samstag, die Tage mit dem größten Publikumszuspruch in Museen, sind die häufigsten Schließungstage. Danach folgen Mittwoch und Montag, während jeweils über 90% der Institutionen am Dienstag und Donnerstag öffnen.885 Ein anderes Öffnungszeitenmodell verfolgen indessen die Stadtbibliotheken mit dem Angebot der Sonntagsöffnung. Während die wissenschaftlichen Einrichtungen mit Sonntagsöffnung zu 92% sieben Tage die Woche öffnen,886 schließen 77% der kommunalen Bibliotheken an mindestens einem anderen Wochentag.887

Diese Praxis unterscheidet sich von den Öffnungszeiten kommunaler Bibliotheken in den USA. Mit Ausnahme von nur zwei der untersuchten Institutionen, die an einem Werktag schließen, bieten alle sonntagsgeöffneten Einrichtungen eine siebentägige Öffnungswoche. Auch bei den amerikanischen Hochschulbibliotheken ist der Sonntag mit Abstand der häufigste Schließungstag, kombiniert mit reduzierten Öffnungszeiten am Freitagabend und am späten Samstagnachmittag.888

Ob die Bibliotheken aus Kundensicht zu Recht sonntags am häufigsten schließen, läßt sich durch die Analyse von Nutzungsstatistiken und Kundenbefragungen überprüfen. In der Kantonsbibliothek Baselland zählt der Sonntag drei Jahre nach seiner Einführung zu den besucherstärksten Wochentagen. Und auch die Stadtbibliotheken Schotten und Kreuztal berichten, daß sich der Sonntag einer größeren Beliebtheit erfreut als die übrigen Wochentage.889 In der Gemeindebücherei Quierschied werden sonntags während der zwei Öffnungsstunden mehr Medien ausgeliehen als unter der Woche bei einer sechsstündigen Öffnung.890 Diese Erfahrungen öffentlicher Bibliotheken finden Bestätigung durch einen Blick ins europäische Ausland. Sowohl in Dänemark, Finnland, Großbritannien als auch in den Großstadtbibliotheken der Niederlande zieht der Sonntag mit Ausnahme des Samstags891 mehr Besucher an als die übrigen Werktage.892 Nur in Norwegen blieb der Publikums-zuspruch hinter den Erwartungen zurück, obwohl 70% der Leser der Stadtbibliothek Trond-heim angaben, den Bibliothekssonntag längeren Öffnungszeiten unter der Woche vorzu-ziehen.893 Die Kunden der niederländischen Kleinstadtbibliothek Zwolle wiederum meinten bei einer Befragung aus dem Jahr 2003, daß sie die Sonntagsöffnung zwar sehr schätzen, aber ihren Bibliotheksbesuch grundsätzlich auch auf einen anderen Werktag legen könnten.894

↓190

Ein anderes Bild ergibt sich indessen bei den wissenschaftlichen Bibliotheken. Obwohl sich auch diese nicht über eine mangelnde Nachfrage am Sonntag beklagen und bei unterschiedlichen Erhebungsmethoden und Öffnungszeiten zum Teil sehr hohe Nutzungs-zahlen erzielen, bleibt der sonntägliche Besucherandrang in der Regel hinter dem der Werktage zurück.

Tab. 75: Durchschnittliche Anzahl sonntäglicher Besucher

0-99

Bibliothek der Tierärztlichen Fakultät München, Gemeindebücherei Kösching, Gemeindebücherei Quierschied, Gemeindebücherei Westerheim, Mediathek ZKM Karlsruhe, Stadtbibliothek Bad Brückenau, Stadtbibliothek Belzig, Zentrale Medizinische Bibliothek Marburg, Zweigbibliothek Weinberg Halle

100-199

Bibliothek des Deutschen Museums München, Bibliothek der Fakultät für Klinische Medizin Mannheim, Gemeindebücherei Dietramszell, Hochschulbibliothek Pforzheim, Juristisches Seminar Heidelberg, Rechtswissenschaftliches Seminar Münster, Universitätsbibliothek Paderborn, Zweigbibliothek Medizin Münster, Zweigbibliothek Rechtswissenschaft Halle

200-299

Bayerische Staatsbibliothek München, Bereichsbibliothek Rechts- und Wirtschaftswissenschaften Osnabrück, Bibliothek der Theologischen Hochschule Friedensau, Universitätsbibliothek Stuttgart-Hohenheim, Teilbibliothek Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Jena

300-399

Deutsche Zentralbibliothek für Medizin Köln, Universitätsbibliothek Marburg, Universitätsbibliothek Trier895

400-499

Fachbereichsbibliothek Rechtswissenschaft FU Berlin, Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt

500-599

Bibliothek der Medizinischen Hochschule Hannover, Universitätsbibliothek Konstanz Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

über 600

Universitätsbibliothek Bielefeld

Auch die Ergebnisse der landesweiten Besucherbefragung an nordrhein-westfälischen Hochschulen zeigen, daß der Sonntag bei den Studierenden im Vergleich zu den anderen Öffnungstagen weniger nachgefragt ist.896 Die meisten Verlängerungswünsche gelten dem Samstag, während für den Freitag nach dem Sonntag der geringste Handlungsbedarf zu erkennen ist. Bei Zugrundelegung dieser Umfragewerte ergibt sich für die wissenschaftlichen Bibliotheken keine Notwendigkeit, Öffnungsstunden von den Werktagen auf den Sonntag zu verschieben. Es sei denn, daß der Bibliothekssonntag neue Kunden hinzugewinnt und ihm für bestimmte Zielgruppen eine besondere Wichtigkeit zukommt, deren Bedarf durch die werktäglichen Öffnungszeiten nicht gedeckt wird.

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Zunächst schlechte Erfolgsaussichten für die Anwerbung neuer Leser sagen die drei analy-sierten Besucherbefragungen aus der Stadtbibliothek Bremen, der Kantonsbibliothek Basel-land und den nordrhein-westfälischen Hochschulbibliotheken vorher. Alle Sekundäranalysen zeigen deutlich, daß sich die Sonntagsöffnung gerade bei regelmäßigen Bibliotheksnutzern der größten Beliebtheit erfreut. Demnach würde der Bibliothekssonntag stärker zur Intensivierung der Bibliotheksnutzung als zur Vermehrung der Kundschaft beitragen. Bei der Bremer Umfrage, die auch Passanten auf der Straße miteinbezog, lag das Interesse der Nichtkunden am Bibliothekssonntag sogar noch geringfügig unter dem Durchschnitt. Andererseits bewies die Bibliothekspraxis an der Kantonsbibliothek in Liestal einen überpro-portionalen Zugewinn neuer Besucher an Sonntagen und damit eine reale Entwicklung, die in diesem Umfang nicht aus den Umfragewerten zu prognostizieren war.897

Schließlich verdeutlichen die drei Besucherbefragungen auch, daß die Bibliotheksnutzer mit dem Wunsch nach sonntäglichen Lesezeiten zugleich der Wichtigkeit der Öffnungszeiten eine überdurchschnittliche Bedeutung beimaßen.898 Damit kommt dem Kundenbedarf nach dem Bibliothekssonntag ein besonderes Gewicht zu. Nach Nutzungsanalysen öffentlicher Bibliotheken aus der Schweiz und England ist es bereits kurz nach der Einführung der Sonntagsöffnung zur Bildung einer treuen Stammkundschaft gekommen, die sich sonntags regelmäßig in der Bibliothek einfindet. Zudem zeigte sich, daß an der Kantonsbibliothek Baselland 22% der Sonntagskunden ausschließlich an diesem Wochentag die Einrichtung aufsucht und an der Sutton Central Library rund ein Drittel der sonntäglichen Erstleser auf Befragung angaben, an anderen Terminen für einen Bibliotheksbesuch zu beschäftigt zu sein.899 Nicht nur an diesen beiden Bibliotheken hat die Anzahl neuer Leser nach Einführung des Bibliothekssonntags überdurchschnittlich zugenommen, sondern entsprechende Stei-gerungen werden auch von der Stadtbibliothek Amsterdam und dänischen öffentlichen Bibliothek berichtet.900

3. Zielgruppenorientierung

Die zum Teil widersprüchlichen Ergebnisse in der Frage, ob die Verlegung von werktäglichen Öffnungszeiten auf den Sonntag dem Kundenbedarf entspricht, erlauben keine allgemein-gültige Empfehlung für alle Bibliotheken. Erforderlich ist eine differenzierte Betrachtungs-weise, die nach unterschiedlichen Bibliothekstypen und Nutzergruppen unterscheidet, um das Serviceangebot der Öffnungszeiten an die jeweilige Zielgruppe anzupassen.

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Verstärkte Nachfrage bei öffentlichen Bibliotheken findet der Bibliothekssonntag nach in- und ausländischen Erfahrungen speziell bei Familien,901 Berufstätigen,902 Studierenden, die einen ruhigen Ort zum Lernen suchen,903 als auch bei Gehbehinderten, die sonntags die guten Parkmöglichkeiten in der Innenstadt schätzen.904 Gemäß den Ergebnissen der Besucher- und Passantenbefragung der Stadtbibliothek Bremen hat die Art der Erwerbstätigkeit wiederum keinen beachtenswerten Einfluß auf das Interesse an der Sonntagsöffnung, nur bei den Rentnern fiel die Nachfrage – ebenso wie an der britischen Sutton Central Library - merklich geringer aus.905 An der Kantonsbibliothek Baselland hingegen nutzen auffallend viele Pensionäre die Bibliothek am Sonntag und auch in ausländischen Einrichtungen nehmen alleinstehende ältere Menschen das Serviceangebot an diesem Tag dankend an.906 Übereinstimmende Erfahrungen bezüglich der Altersstruktur der Bibliotheksbesucher werden zumindest dahingehend erzielt, daß bei Schülern und Jugendlichen nur eine vergleichsweise niedrige Nachfrage besteht, obgleich die Altersgruppe der 16- bis 34jährigen nach den Umfragewerten der Stadtbibliothek Bremen die Sonntagsöffnung am stärksten befürwortet.907 Ein nur geringfügiger Unterschied ist in der Geschlechtsverteilung einhellig dahingehend festzustellen, daß der Anteil der Männer an den sonntäglichen Bibliotheksbesucher leicht überwiegt.908 Nach diesen soziodemographischen Erkenntnissen sollten öffentlichen Biblio-theken ihre sonntäglichen Angebote insbesondere nach den Bedürfnissen von Familien, Berufstätigen und Studierenden ausrichten, während die Öffnung von Jugendbibliotheken weniger zu empfehlen ist.

Auch bei wissenschaftlichen Bibliotheken werden Berufstätige neben den Examens-kandidaten als Hauptzielgruppe der Sonntagsöffnung genannt.909 Die Universitätsbibliothek Konstanz richtet ihr sonntägliches Angebot ferner ausdrücklich an Wissenschaftler aus der Region und benachbarter Universitäten, die ebenso an anderen Hochschulbibliotheken zur Kundschaft am Sonntag zählen.910 Die nordrhein-westfälische Besucherbefragung hat weiterhin ergeben, daß mit zunehmender Studiendauer das Interesse an der Sonntags-öffnung ansteigt und beim wissenschaftlichen Personal am geringsten ausfällt. Daneben wirkt sich die Fachrichtung der Bibliotheksbesucher wesentlich auf ihr Interesse an der Sonntagsöffnung aus, das bei den sozial- und geisteswissenschaftlichen Studiengängen und insbesondere in der Medizin am höchsten liegt. Während sich jeder fünfte angehende Arzt einen sonntäglichen Bibliotheksbesuch wünscht, liegt der Zuspruch in den technischen und übrigen naturwissenschaftlichen Fächern mit unter 10% deutlich niedriger.

Derweil ist das Interesse der Mediziner und Juristen nicht speziell auf die Sonntagslektüre gerichtet, sondern Bibliotheksöffnungszeiten werden in diesen Studienfächern grundsätzlich als sehr wichtige Dienstleistung eingestuft. Dies manifestiert sich im Vergleich zu anderen Fachrichtungen in dem überproportional starken Wunsch nach Verlängerung der Öffnungs-zeiten an allen Wochentagen. Der geringe Zuspruch von Studierenden naturwissen-schaftlicher Fachrichtungen zum Bibliothekssonntag spiegelt sich auch in einer sehr nie-drigen Nachfrage nach Sonntagsöffnungszeiten von unter 4% im Mittelwert an den Fachhochschulbibliotheken wieder, während sie an Bibliothekszentralen sowie zwei-schichtigen Bibliothekssystemen mit durchschnittlich 17% am höchsten ausfällt. Zusammenfassend läßt sich als spezielle Zielgruppe sonntagsgeöffneter Hochschulbiblio-theken insbesondere Studierende höheren Semesters der Fächer Medizin und Rechts-wissenschaft, insbesondere an alten Traditionsuniversitäten definieren.

C. Ergebnis

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Im Lexikon des Bibliothekswesens aus dem Jahr 1975 ist zu lesen: „Die Öffnungszeiten haben maßgebenden Einfluß auf die Zusammensetzung der Leserschaft in sozialer und beruflicher Hinsicht und damit auf die öffentliche Wirksamkeit der Bibliothek. Zwischen der Dauer der täglichen Öffnungszeiten, ihrer Verteilung auf die jeweiligen Tageszeiten und der Zahl der Bibliotheksbenutzer einschließlich der von ihnen entliehenen Buchgruppen besteht ein enger Zusammenhang.“911 Leider fehlen für diese Aussage umfassende bibliotheks-wissenschaftliche Untersuchungen und empirische Daten.912 Für die sonntäglichen Öffnungszeiten indes lassen sich zumindest aus der Auswertung vorliegender Benutzer- und Bibliotheksbefragungen als auch der Literaturquellen folgende Erkenntnisse gewinnen: Der Bibliothekssonntag erzielt an wissenschaftlichen Bibliotheken eine insgesamt geringere Nachfrage als die werktäglichen Öffnungstage. Aufgrund des hohen Interesses an einer Nutzung der Lesesäle zum Lernen und Arbeiten ist nach Möglichkeit eine achtstündige Sonntagsöffnung zwischen 10 und 18 Uhr zu empfehlen, die sich speziell an Examens-kandidaten, Berufstätige und Auswärtige sowie an intensive Bibliotheksnutzer als auch Studierende höherer Semester, insbesondere der Fächer Medizin und Jura richtet. Im Durchschnitt zeigt jeder zehnte befragte Akademiker Interesse am Bibliothekssonntag, das an unterschiedlichen Einrichtungen sehr stark variiert und an den Fachhochschulbibliotheken grundsätzlich am niedrigsten ausfällt.

Als Zielgruppe der Sonntagsöffnung öffentlicher Bibliotheken sind wiederum Berufstätige und Studierende sowie Familien zu benennen, die sonntags die kommunalen Einrichtungen länger und öfter in Begleitung als unter der Woche aufsuchen. Angesichts der Erfahrungen, daß der Sonntag bei einem überproportionalen Zugewinn neuer Kunden schnell zu einem der ausleihstärksten Wochentage avanciert, bietet sich eine Verlegung werktäglicher Öffnungsstunden auf den Sonntag an, zumal an diesem Wochentag eine nur vierstündige Öffnung zwischen 12 und 16 Uhr als ausreichend zu betrachten ist.

Als generelle Aussage für alle Bibliothekstypen ist festzuhalten, daß die Bibliothekskunden sonntags den Präsenzbestand intensiver nutzen und mehr Zeit für Beratungsgespräche mitbringen, so daß eine Reduzierung des Dienstleistungsniveaus nicht empfehlenswert ist. Das gilt insbesondere auch angesichts der Beobachtung, daß die Sonntagskunden dem Bibliotheksbesuch einen hohen Stellenwert beimessen.913

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In allen Ergebnisanalysen tritt schließlich die Bedeutung von Bibliotheksöffnungszeiten klar hervor. Die Besuchszeiten werden nicht nur wichtiger als der Buchbestand angesehen, sondern rangieren noch weit vor den elektronischen Angeboten, deren Ausbau den Bedarf für die Bibliotheksnutzung vor Ort keinesfalls mindern. Auch für die Bibliothek des Jahres 2007 gelten keine anderen Prognosen, wie infas in Kundeninterviews im Rahmen eines Strategieprojekts ermittelte. 90% der Befragten gaben an, Bibliotheksöffnungszeiten für wichtig oder sehr wichtig zu halten. Über ein Drittel aller Besucher wünschten sich zudem längere Öffnungszeiten und 60% der Nichtkunden nannten Zeitgründe als Hinderungsgrund für einen Bibliotheksbesuch.914 Wie sehr die Leser den Bibliothekssonntag schätzen, zeigt auch das Beispiel der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, die im Juni 2002 während einer probeweise durchgeführten Sonntagsöffnung vom hohen Publikumszuspruch vollkommen überrascht wurde, da zur selben Zeit das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft mit deutscher Beteiligung stattfand. Und während sich Mitarbeiter der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden angesichts regelmäßiger Haushaltssperren noch wundern, daß die Studierenden freiwillige Studiengebühren lieber in die Öffnungszeiten anstatt in die Medienerwerbung investieren, wirbt die sonntagsgeöffnete Universitätsbibliothek Bielefeld in ihrem Werbefilm selbstbewußt mit dem Slogan: „Öffnungszeiten, von denen andere nur träumen.“915


Fußnoten und Endnoten

814  Buchli (2000), S. 7.

815  Die Studierenden hatten dann allerdings große Mühe, das nötige Geld aufzubringen. Vgl. Buchli (2000), S. 7.

816  Die Sonntagsöffnungszeiten von 10 bis 18 Uhr gelten mittlerweile regulär.

817  Und in Passau überreichten Studierende sowie Vertreter der liberalen und grünen Hochschulgruppe der Universität im Wintersemester 2002/2003 eine Unterschriftenliste mit 1.500 Namen (entsprechend 20% der Gesamtstudentenschaft), die für längere und flexiblere Öffnungszeiten der zentralen Universitätsbibliothek, vor allem am Wochenende, standen; vgl. Forum für Bibliothek und Information, 2003, S. 69.

818  „Projekt Sonntagsbibliothek“ (http://www.nadir.org/nadir/initiativ/agp/free/wto/gats/einfluesse.htm).

819  „SLUB-Neubau an den nächsten 3 Sonntagen für die Benutzung geöffnet“, Pressemitteilung der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden vom 15.1.2003; „Sonntag offen“ in „Sächsische Zeitung“ vom 21.1.2003 und „SLUB hat erstmals Sonntag offen“ in „Dresdner Neueste Nachrichten“ vom 18.1.2003.

820  Vgl. „unternehmen selbst!beteiligen“ (http://www.unternehmen-selbst-beteiligen.de).

821  Für die Spenden kamen insgesamt nur 40 Personen auf. Zusätzlich wurde an den drei Bibliothekssonntagen nochmals 230,- € von den Besuchern für weitere Sonntagsöffnungsstunden gesammelt. Vgl. „Freiwillige Studienbeiträge an der TU Dresden“(http://www.unternehmen-selbst-beteiligen.de/download/usbbericht_ws0203.pdf) und „Studenten sollen zahlen“ in „Die Zeit“ vom 20.3.2003.

822  Insgesamt wurden 4.390 Besucher gezählt (ungefähr halb so viele wie an Wochentagen mit 13 Öffnungsstunden). Der sehr hohe Publikumszuspruch mag auch darin begründet sein, daß die SLUB Dresden kurz zuvor ihren modernen Neubau eröffnet hatte, der auch in der allgemeinen Öffentlichkeit großes Interesse weckte. In jedem Fall wurden auf den Bibliothekssonntagen auch auffallend viele Rentner und Kinder gesichtet. Vgl. „Fremd gehen in der Bibliothek“ in „Sächsische Zeitung“ vom 21.2.2003.

823  „Tag der offenen Tür!“, Pressemitteilung der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden vom 31.1.2003.

824  Vgl. Golsch (2003), S. 19. Am Ende des Sommersemesters 2003 öffnete die SLUB wieder an drei Sonntagen, die durch die Studenteninitiative finanziert wurden; ebenso wie im Januar 2004 an insgesamt sechs und im Sommer 2004 nochmals an sechs Sonntagen hintereinander entsprechend dem höheren Geldbetrag, der eingesammelt wurde; vgl. „Ungewöhnliche Studenten-Revolte“ in „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ vom 25.1.2004; „SLUB-Neubau im Juli wieder an 3 Sonntagen für die Benutzung geöffnet“ und „SLUB-Neubau im Januar / Februar 2004 an insgesamt 3 Sonntagen für die Benutzung geöffnet.“ Pressemitteilungen der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden vom 23.6..2003 sowie vom 27.12.2003.

825  Zum methodischen Vorgehen und weiteren Hintergrundinformationen zu den Befragungen vgl. Einleitung C 4.

826  Nicht in die Untersuchung miteinbezogen wurden die dezentralen Institutsbibliotheken.

827  Das Durchführungskonzept sowie die Gesamtergebnisse der Befragungen sind nachzulesen bei Follmer (2002a) und Follmer (2002b).

828  Diese lassen sich aber zum Teil auf den Internetseiten der beteiligten Bibliotheken in unterschiedlicher Ausführlichkeit nachlesen.

829  Follmer faßt dieses Ergebnis mit folgenden Worten zusammen: „Der Nutzungsbedarf an Sonntagen wird nur von einer – wenngleich über die Jahre wachsenden – Minderheit geäußert, vgl. Follmer (2002a), S. 24.

830  Das offiziell von infas ermittelte Ergebnis für die Bibliothekszentralen betrug 12%. Rechnet man aber den stark nach unten abweichenden Wert der Bibliothekszentrale Hagen nicht mit, so ergibt sich ein Durchschnitt von 16,6%. Diese Ergebniskorrektur ist dadurch gerechtfertigt, weil die UB Hagen als einzige in Deutschland überwiegend Fernstudierende versorgt, kaum Präsenznutzung verzeichnet und damit als atypisch zu bewerten ist.

831  Eine Universitätsbibliothek mit ausgedehnten Öffnungszeiten am Sonntag wurde in dieser Übersicht nicht mitaufgeführt und bei einer anderen Zweigbibliothek lagen keine Daten zur Sonntagsöffnung vor.

832  Wenn beispielsweise die Ergebnistabellen anzeigten, daß montags die durchschnittliche Wunsch-quote für verlängerte Öffnungszeiten von 19 bis 20 Uhr bei 5%, von 21 bis 22 Uhr hingegen bei 16% lag, so war dieses Ergebnis auf den ersten Blick irreführend. Die Erklärung ist darin zu sehen, daß die meisten, aber doch nicht alle Bibliotheken von 19 bis 20 Uhr ohnehin geöffnet sind. Beim Sonntag indes stellt sich dieses Problem nicht, da die überwiegende Mehrzahl der Bibliotheken an diesem Tag schließen.

833  Bei den Fachhochschulbibliotheken lag die Zustimmung zur Sonntagsöffnung für alle Studien-richtungen unter 10% mit Ausnahme des Studiengangs Journalismus (11%).

834  Stellte man beispielsweise die Medizin der Sprachwissenschaft gegenüber, betrug die Zu-stimmungsdifferenz an den einzelnen Wochentagen (mit Ausnahme des Samstags) jeweils rund 10%.

835  Die Theologen und Pädagogen ausgenommen.

836  Die gleiche Reihenfolge ergab sich für die Fachhochschulbibliotheken, allerdings mit nur sehr geringen Unterschieden.

837  Die Zufriedenheit mit dem Bibliotheksangebot insgesamt wurde ebenfalls mit der Durchschnittsnote 2,2 bedacht, während die Benotung vieler anderer Dienstleistungen deutlich unter diesem Wert lag.

838  Aufgrund der unterschiedlichen Studienmethode und Praxisnähe des Fachhochschulstudiums dominiert die Ausleihe von Lehrbüchern gegenüber der intensiven Nutzung von Forschungsliteratur, die längere Bibliotheksaufenthalte und damit längere Öffnungszeiten auch am Wochenende erfordern.

839  Die Gesamtergebnisse der Befragung sind nachzulesen unter: „Kunden- / Passantenbefragung 2001“ (http://www.stadtbibliothek-bremen.de/portrait/auswertung.pdf).

840  Da bei den 26 Befragten, die alle Antwortvarianten angekreuzt hatten, zu vermuten ist, daß kein spezifisches Interesse an der Sonntagsöffnung besteht, wurden zur Kontrolle die Daten nochmals ohne diese Fragebögen berechnet, ohne daß es zu wesentlichen Veränderungen der Ergebnisse kam.

841 

Vgl. „Kunden- / Passantenbefragung 2001“, S. 2 (http://www.stadtbibliothek-bremen.de/portrait/

auswertung.pdf).

842  Beispielsweise die Kantonsbibliothek Baselland. Siehe auch unter B 2 b.

843  Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 1 und 3.

844  Die Bibliothek ist auch an Feiertagen geöffnet, ausgenommen Fastnacht, Ostern und Weihnachten.

845  Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 2ff.

846  Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 13

847  Die Anfragen anderer Bibliotheken bezogen sich insbesondere auf die Punkte Finanzierung, Motivation und Anstellungsbedingungen der Mitarbeiter, vgl. Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 14.

848  Unterwegs in der Baselbieter Bibliothekslandschaft 2001 (2001), S. 8.

849  Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 7.

850  Diese kommen sonntags vor allem bei schlechtem Wetter, vgl. Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 1 und 8.

851  Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 1, 6 und 7.

852  Die zwölf Fragen lauteten: 1. Aus welchem Grund besuchen Sie heute die KBBL (Kantonsbibliothek Baselland)? 2. Welche Angebote und Dienstleistungen der KBBL benutzen Sie heute? 3. Mit wem sind Sie heute in die KBBL gekommen? 4. Wie viel Zeit haben Sie für den heutigen Bibliotheksbesuch vorgesehen? 5. Wie häufig besuchen Sie die KBBL? 6. Haben sich seit der Sonntagsöffnung Ihre Bibliotheksbesuche von den Werktagen auf den Sonntag verschoben? 7. Benutzen Sie die KBBL infolge der Sonntagsöffnung häufiger? 8. Wie häufig besuchen Sie andere Bibliotheken? 9. Wußten Sie bereits, daß die Kantonsbibliothek am Sonntag geöffnet ist? 10. Wie wurden Sie zuerst auf die Sonntagsöffnung aufmerksam? 11. Was finden Sie an der Sonntagsöffnung der KBBL besonders positiv? 12. Dürfen wir Sie noch um einige Angaben zu Ihrer Person bitten?

853  42% der am Sonntag Befragten gaben an, an mindestens einem Sonntag im Monat in die KBBL zu kommen.

854  Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 1 und 11 sowie S. 15 und 22 im Anhang.

855  Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 11. Vermutlich ist die höhere Internet-nutzung auf die größere Anzahl von Schülern, welche die Bibliotheken vorrangig wochentags aufsuchen, zurückzuführen.

856  Sonntags gaben 24% der Befragten an, durch Zeitungen und Zeitschriften stöbern zu wollen gegenüber 18% am Freitag. Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), Anhang S. 7. Erklären lassen sich die höheren Werte damit, daß sich die Nutzer bei ihren sonntäglichen Bibliotheksbesuchen mehr Zeit nehmen (siehe unten).

857  Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 1 und 11.

858  Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 10.

859  Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 8

860  Sowohl am Sonn- als auch am Freitag war die Zusammensetzung der Besucher identisch mit 36% Berufstätigen, 20% Nichterwerbstätigen und 44% Personen in Ausbildung. In der Gruppe der Nichterwerbstätigen waren die Rentner am Freitag mit nur 17% und am Sonntag mit 42% vertreten, während die Hausfrauen und –männer freitags einen Anteil von 71% und sonntags von 47% bildeten. Vgl. Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), Anhang S. 25 und 27.

861  Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 1 und S. 12 sowie Anhang, S. 20.

862  Vgl. Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 13f.

863  Interessanterweise hat eine Besucherbefragung des Bibliotheks- und Informationssystems Oldenburg aus dem Jahr 1997 zu dem Thema Öffnungszeiten ebenfalls eine Zustimmung von 13% zum Bibliothekssonntag erzielt.

864  Eine kürzere Testphase erscheint nur wenig sinnvoll, weil dann keine Etablierung der Öffnungszeiten möglich ist. Die Erfahrungen aus Konstanz und Basel haben gezeigt, daß die Besucherzahlen in den ersten zwei Jahren nach Einführung der Sonntagsöffnung kontinuierlich angestiegen sind. Auch könnten wetterabhängige oder jahreszeitliche Schwankungen der Besucherzahlen während einer nur kurzen Probezeit das Gesamtergebnis stark verzerren.

865  Die höhere Nutzung des Präsenzangebots ist nicht nur auf die größere Zahl der Zeitungsleser, sondern vor allem auf den Umstand zurückzuführen, daß in Basel gerade die Nutzung durch nichtregistrierte Leser an Sonntagen doppelt so stark zunahm wie die der Neuanmeldungen.

866  Siehe oben unter A 3 c.

867  Vgl. die Befragungsergebnisse der Stadtbibliothek Bad Brückenau und der Stadtbücherei Aichtal (im Anhang) sowie die Berichte aus Dänemark, Finnland, Großbritannien und den Niederlanden (Kap. 1 B).

868  Finnische Zeitungen erscheinen grundsätzlich an allen Wochentagen.

869  Siehe oben Kap. 3 B 2.

870  Kritisiert wurden die mangelnden Ausleihmöglichkeiten u.a. an der Zweigbibliothek Medizin in Münster sowie an der Zweigbibliothek Weinberg in Halle. Eine fachfremde Nutzung wird aus dem Juristischen Seminar in Heidelberg, der Medizinischen Bibliothek in Mannheim sowie der Mediathek des ZKM in Karlsruhe berichtet. Vgl. Fragebögen im Anhang.

871  Vgl. Fragebogen der Teilbibliothek Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Anhang.

872  Dies wird von der Zentralen Medizinischen Bibliothek in Marburg, der Zweigbibliothek Rechts-wissenschaft in Halle, der Theologischen Hochschule Friedensau und mit Nachdruck von der Bibliothek der Tierärztlichen Fakultät in München berichtet. Vgl. Fragebögen im Anhang.

873  Wie von der Bibliothek der Medizinischen Hochschule in Hannover anschaulich berichtet wird; vgl. Fragebogen im Anhang.

874 

Bibliothek 2007 : Ergebnisbericht infas, S. 9f.

(http://www.bibliothek2007.de/x_media/pdf/ergebnisbericht_kurzfassung030522.pdf).

875  Ob sonntags indes ein geringerer Bedarf zur Buchausleihe oder zum Beratungsgespräch besteht als beispielsweise am Montag oder Dienstag, bedarf noch des Nachweises. Besucherstatistiken, wie sie unter Punkt 2 b aufgeführt werden, geben keine Auskunft über den tatsächlichen Nutzungsbedarf sowie die Prioritäten und Qualität des Bibliotheksbesuchs an einzelnen Wochentagen.

876  Vgl. Kap. 1 und 2. Als weiteres Beispiel läßt sich auch die Kaiserliche Bibliothek in Petersburg anführen, die Ende des 19. Jahrhunderts werktags von 10 bis 21 Uhr und sonntags nur von 12 bis 15 Uhr geöffnet war; vgl. Weimann (1975), S. 210.

877  Auf Basis der Sonntagsöffnungszeiten von Bibliotheken in Dänemark, Deutschland, Finnland, Großbritannien, Niederlanden, Schweiz und in den USA.

878  Basierend auf den Fragebögen im Anhang mit dem Stand Oktober 2003, so daß die juristischen Fachbereichsbibliotheken in Münster und Regensburg nicht, statt dessen aber die Universitäts-bibliothek Trier berücksichtigt sind.

879  Milton (1996), S. 144 und Myllylä (1997), S. 117.

880  Basierend auf Durchschnittswerten aus drei verschiedenen Zählungen aus dem Jahr 1999.

881  Klein (1986), S. 23ff.

882  Sie stützt sich auf Besucherbefragungen und Nutzeranalysen, die an folgenden sieben Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz in Berlin durchgeführt wurden: Ägyptisches Museum, Museum für Völkerkunde, Antiken-Museum, Museum für Deutsche Volkskunde, Gemäldegalerie, Museum für Vor- und Frühgeschichte und Nationalgalerie.

883  Klein (1986), S. 6 und 23ff.

884  Im Jahr 1985 waren westeuropäische Museen wochentags grundsätzlich nur bis 18 Uhr und nur selten länger geöffnet. Einmalige Abendöffnungen galten als Ausnahme, waren jedoch ein aktuelles Diskussionsthema; vgl. Klein (1986), S. 9 und Hagedorn-Saupe (1997), S. 5 und 7ff.

885  Vgl. Kap. 3, Tab. 13.

886  Ausgenommen der Karlsruher Mediathek des Zentrums für Kunst und Medientechnologie, die wie das zugehörige Museum montags schließt, und der Münchener Bibliothek der Tierärztlichen Fakultät sowie der Bibliothek der Theologischen Hochschule Friedensau, die ihren Bibliotheksbetrieb jeweils am Samstag unterbrechen.

887  Nur die Bibliothek Binz und Stadtbibliothek Bad Brückenau sowie die Stadtbücherei Heimbach, deren Angebot sich auch an Kurgäste richtet, öffnen jeden Tag der Woche.

888  Siehe oben Kap. 1 A 1 und 1 A 2.

889  Im Gegensatz zur Kantonsbibliothek Baselland sind die beiden deutschen Stadtbibliotheken am Samstag geschlossen.

890  Vgl. Fragebögen im Anhang.

891  In der Stadtbibliothek Amsterdam ist der Sonntag mit durchschnittlich 400 Kunden in der Stunde sogar der beliebteste Besuchertag noch vor dem Samstag mit durchschnittlich 329 Kunden pro Öffnungsstunde (und 273 Kunden pro Stunde an den übrigen Werktagen); Kap. 1B 4.

892  Siehe oben Kap. 1 B.

893  Diese Befragung wurde nicht sonntags, sondern werktags durchgeführt; Markussen (1999), S 21.

894  Stijkel (2003).

895  Sonntagsöffnung von 1999 bis zu Beginn des Jahres 2004.

896  Ein vergleichbares Echo ergab auch die Kunden- und Passantenbefragung an der Stadtbibliothek Bremen; siehe oben unter A 2 c.

897  Auf eine entsprechende Erkenntnis zum Bibliothekssonntag kann die Sutton Central Library verweisen, vgl. Kap. 1 B 3.

898  Die Erfahrungen der Bibliothek am Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität Berlin bestätigen ebenfalls, daß sonntags zumeist nur solche Kunden kommen, „die die Bibliothek wirklich brauchen und sehr dankbar sind, daß sie die Möglichkeit zu einem Bibliothekbesuch haben“; vgl. Fragebogen im Anhang.

899  Milton (1996), S. 144 und Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 1.

900  Dagegen führte der Bibliothekssonntag in zwei norwegischen und einer niederländischen Kleinstadtbibliothek zu keinem nennenswerten Anstieg der Mitgliederzahlen. Sonntagsöffnung der KB Basel-Land (2001), S. 31; Milton (1996), S. 145; Janssen (1994), S. 8ff; Markussen (1999), S. 21 und „Evaluering af forsøg med søndagsåbning på Gørlev Bibliotek“ (http://www.goerlev-bib.dk/nyheder.asp).

901  Daß sonntags auffallend mehr Familien kommen, schildern u.a. die Kantonsbibliothek Baselland, die Stadtbibliothek Bad Brückenau, die Stadtbücherei Aichtal und wird auch aus den USA, Dänemark, Finnland, Norwegen, England und den Niederlanden bestätigt; vgl. Fragebögen im Anhang sowie Sonntagsöffnung der KB Basel-Land (2001); S. 29; Hennessy (1985), S. 26; Myllylä (1997), S. 119; Milton (1996), S. 144.

902  Eine überdurchschnittliche Anzahl berufstätiger Bibliotheksbesucher wurden sonntags in englischen, finnischen und niederländischen Bibliotheken sowie an der Stadtbibliothek Heimbach registriert; vgl. Myllylä (1997), S. 119; Milton (1996), S. 144; Janssen (1994), S. 9f. Dagegen kommt der Erwerbstätigkeit an der Kantonsbibliothek Baselland keine Bedeutung bei der Zusammensetzung der Sonntagsbesucher zu; Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), Anhang S. 25 und 27 sowie Fragebogen im Anhang.

903  Das besondere Interesse dieser Klientel am Bibliothekssonntag ließ sich in den USA, in Großbritannien als auch an der Stadtbibliothek Bremen konstatieren; vgl. Milton (1996), S. 144; Hennessy (1985), S. 26 und vgl. Abb. 42.

904  Der Aspekt der guten Parkmöglichkeiten wird aus niederländischen, US-amerikanischen und britischen Bibliotheken berichtet; vgl. Janssen (1994), S. 9f; Hennessy (1985), S. 26 und Milton (1996), S. 144.

905  Siehe oben Abb. 42.

906  Myllylä (1997), S. 119; Janssen (1994), S. 9f und Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), Anhang S. 25 und 27.

907  Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 8; Markussen (1999), S. 20; Milton (1996), S. 144 und vgl. Abb. 41.

908  Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 10; Janssen (1994), S. 9f und Abb. 40.

909  Vgl. Fragebögen im Anhang der Bibliothek am Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Uni-versität Berlin, der Universitätsbibliothek Bielefeld, der Bereichsbibliothek Rechts- und Wirtschaftswis-senschaften der Universitätsbibliothek Osnabrück, der Bibliothek des Deutschen Museums sowie der Bibliothek der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität, beide in München.

910  Franken (2001), S. 1f.

911  Lexikon des Bibliothekswesens (1975), S. 1048.

912  Auch für die Frage der Sonntagsöffnung wäre eine umfassende, bibliotheksübergreifende Besucherstudie wünschenswert, die neben aussagekräftigen statistischen Daten ebenso das tatsächliche Nutzungsverhalten vor Ort sowie die Publikumswünsche einbezieht.

913  Vgl. den Fragebogen im Anhang der Bibliothek am Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität Berlin.

914 

Bibliothek 2007 : Ergebnisbericht infas, S. 8f

( http://www.bibliothek2007.de/x_media/pdf/ergebnisbericht_kurzfassung03522.pdf).

915  Eine der ersten Aussagen des Werbefilms aus dem Jahr 2002, der über die Bibliothekshomepage einsehbar ist; vgl. „http://www.ub.uni-bielefeld.de/library/film/“.



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