Der Bibliothekssonntag.
Die Wiederbelebung der Sonntagsöffnung von Bibliotheken nach historischen und ausländischen Vorbildern in juristischer Perspektive und empirischer Analyse

Dissertation

zur Erlangung des akademischen Grades doctor philosophiae (Dr. phil.)

vorgelegt von Ulrike Verch
geb. am 27.11.1970 in Hamburg

Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Bibliothekswissenschaft
Philosophische Fakultät I

Dekan: Prof. Dr. O. Schwemmer

Gutachter/innen:
1. Prof. Dr. Konrad Umlauf
2. Prof. Dr. Engelbert Plassmann

Eingereicht:09.12.2004

Tag der mündlichen Prüfung:12.07.2005

Zusammenfassung

Im Gegensatz zu anderen Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie den Theatern, Kinos oder Museen sind deutsche Bibliotheken im Allgemeinen sonntags nicht zugänglich. Nur 1% der kommunalen öffentlichen Bibliotheken und 4% der Hochschulbibliotheken öffnen an diesem Wochentag. So gering diese Anteile jeweils erscheinen, unterliegen sie seit einigen Jahren einer hohen Wachstumsrate, so daß der Bibliothekssonntag im neuen Jahrtausend in-zwischen von zahlreichen namhaften Institutionen angeboten wird und im Hochschulbereich nicht mehr als ungewöhnliche Ausnahmeerscheinung anzusehen ist.

Auch in den west- und nordeuropäischen Nachbarländern Dänemark, Finnland, Groß-britannien und den Niederlanden ist mit der Liberalisierung des Ladenschlusses in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ein hoher Anstieg sonntagsgeöffneter Bibliotheken, insbeson-dere der Stadtbüchereien, zu verzeichnen. Das Niveau der Vereinigten Staaten von Amerika, in denen jede zweite Public Library und rund Dreiviertel der Hochschulbibliotheken sonntags öffnet, wird in Europa jedoch nicht erreicht. Gleichwohl folgen auch deutsche Bibliotheksöff-nungszeiten dem ausländischen Vorbild, mit der Abkehr von den regulären Dienstzeiten des Personals einer zunehmenden Flexibilisierung und Ausdifferenzierung im Serviceniveau zu unterfallen.

Bereits vor hundert Jahren galt die Kundenorientierung der amerikanischen Gebrauchs-bibliothek als wegweisend für die neugegründeten Lesehallen, die entsprechend den For-derungen der Bücherhallenbewegung ausreichende Öffnungszeiten für alle Bevölkerungs-schichten anboten, meist in den Abendstunden und am Sonntag. Auch wenn diese Tradition nach dem Ersten Weltkrieg allmählich in Vergessenheit geriet, zeigt die vorliegende Untersuchung durch die Analyse von Mitarbeiter- und Kundenbefragungen und eine umfassende Prüfung der Rechtslage auf, dass entsprechende Öffnungszeiten auch heutzutage möglich und nachgefragt sind. Gerade Stadtbibliotheken bietet sich die Chance, ihr Dienstleistungsniveau an das anderer kommunaler Freizeiteinrichtungen anzupassen und damit nicht nur zur Belebung des örtlichen Kulturlebens und der Innenstädte am Sonntag, sondern nach ausländischem Vorbild auch zur eigenen Profilierung als Freizeiteinrichtung mit hoher Aufenthaltsqualität beizutragen.

Eigene Schlagworte: Bibliothekssonntag, Sonntagsbibliothek, Sonntagsöffnung von Bibliotheken, Feiertagsöffnung von Bibliotheken, Sonntagsschulbibliotheken, Bibliotheksöffnungszeiten, Sonntagsruhe

Abstract

In contrast to other cultural and recreational facilities like theatres, cinemas or museums, the libraries in Germany are generally closed on Sundays. Only 1% of the municipal and only 4% of the university libraries are open on this day of the week. As small as theses percentages may seem, they have increased significantly in the last few years. Now, in the new millennium the Sunday opening is offered by well-established libraries and is no longer unusual in the academic sector.

In the wake of generally liberalised opening hours in the 1990’s other northern and western European countries - Denmark, Finland, Great Britain and the Netherlands – there has been a noticeable increase in the number of libraries open on Sundays. The service level of the USA, where every second public library and roughly three quarters of the university libraries are open on Sundays, is not evident in Europe. However, German opening times are following these trends by increasing the flexibility of working hours and differentiating and adapting the delivery of service.

A hundred years ago, the customer services currently offered by the American public libraries was generally practised by the new type of German municipal libraries. These so called Lesehallen, responding to the demands of the movement for open book halls (“Bücherhallenbewegung”), offered sufficient opening hours for all classes of population, especially in the evenings and on Sundays. Even though this tradition gradually fell into oblivion after World War I, this study shows, by the means of analyses of interviews of both employees and customers, and a comprehensive breakdown of the legal aspects, that such opening hours are possible and sought after today. Public Libraries in particular can take advantage of the public interest to align their service levels with other municipal recreational facilities, which will not only enrich the local cultural life and that of the city centres on Sundays, but also, in following international examples, enhance their image as a recreational institution with very high service standards.

Keywords: Sunday Libraries, Sunday Opening, Sunday School Libraries, Sunday Opening Question, Library Opening Hours , Hours of Operation

Widmung:

Meiner Familie

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis



© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
21.10.2005