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4  Ergebnisse

4.1 Regulation der ADRF-Freisetzung aus dem periadventitiellen Fettgewebe der Rattenaorta

4.1.1 Kalziumabhängigkeit der ADRF-Freisetzung

Um zu zeigen, dass die Freisetzung von ADRF aus dem periadventitiellen Fettgewebe ein kalziumabhängiger Prozess ist, wurde ein Bioassay-Versuchsansatz (Protokoll 2.3) angewendet. Die Donor-Organbadkammer wurde mit unterschiedlichen Konzentrationen von freien Kalziumionen (0 mM, 0,3 mM, 1,0 mM, 1,6 mM, 2,5 mM, 5,0 mM, 10 mM, jeweils 15-20 Min) vorinkubiert und die Gefäßringe wurden mit Serotonin (2 µM) kontrahiert. Aliquots aus der ADRF-haltigen Donor-Organbadkammer wurden dann in die Organbadkammer der Akzeptorgefäßringe (-)fat transferiert, die ebenfalls mit Serotonin (2 µM) vorkontrahiert wurden. Die Dosis-Wirkungskurve für die Relaxation der Aorta durch ADRF, das bei unterschiedlichen Kalziumkonzentrationen in die Donorbadlösung freigesetzt wurde, ist in Abb. 4.1 gezeigt. Bei einer Kalziumkonzentration von 0 mM in der Donor-Badlösung bewirkten Aliquots aus dieser Lösung keine Relaxation von Akzeptorgefäßringen (-)fat (PSS, 0 mM Ca2+, 0,5 mM EGTA). Das Ausmaß der Relaxation nahm mit steigender Ca2+-Konzentration in der Donor-Badlösung zu. In der Abbildung sind die Datenpunkte durch eine Linie verbunden, die gemäß der folgenden Formel an die Einzelwerte angepasst wurde:

R(%) = 100% / {1+(EC50/[Ca2+])n}

wobei R der Prozentsatz der Vasorelaxation ist, EC50 die Kalziumkonzentration bei der eine halbmaximale Relaxation beobachtet wurde, n der Hill-Koeffizient, [Ca2+] die Kalziumkonzentration in der die (+)fat Ringe inkubiert wurden. Es erfolgte eine halbmaximale Relaxation bei einer Kalziumkonzentration von 4,7 ± 1,2 mM Ca2+ und n entspricht 0,9 ± 0,2.


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Abb. 4.1.: Kalziumabhängigkeit der ADRF-Freisetzung. Im Badwechselexperiment (Protokoll 2.3) wurde eine Dosis-Wirkungskurve für die Kalziumabhängigkeit der ADRF-Freisetzung erstellt. Mit Serotonin (2 µM) kontrahierte Donor-Ringe wurden mit PSS unterschiedlicher Kalziumkonzentration inkubiert (0 mM, 0,3 mM, 1,0 mM, 1,6 mM, 2,5 mM, 5,0 mM, 10 mM), entsprechend n = 4, 3, 3, 8, 5, 6, 4. Das Volumen des Organbads betrug 20 ml. Teile (Aliquots, jeweils 5 ml) der Donor-Badlösung wurden dann auf die ebenfalls mit Serotonin (2 µM) vorkontrahierten Akzeptor-Ringe gegeben. Es zeigte sich, dass das Ausmaß der Relaxation der Akzeptor-Gefäßringe von der Kalziumkonzentration in der Lösung der Donor-Gefäßringe abhängig war.

4.1.2 Reversibilität der ADRF-Wirkung

Um zu untersuchen, ob die durch ADRF ausgelöste Vasorelaxation reversibel ist, wurden Bioassay-Versuche nach Protokoll 2.2 durchgeführt. Die Donorgefäßringe wurden mit 2 µM Serotonin kontrahiert. Teile der Lösung (2 x 5 ml) wurden entnommen und auf die Akzeptorgefäßringe transferiert. Der Transfer der Lösung resultierte in einer dosisabhängigen Relaxation der Gefäßringe (-)fat. Abb. 4.2 zeigt, dass nachdem die Vasorelaxation der Akzeptorgefäßringe eingetreten war und die Aliquot-haltige Bad-Lösung durch Zugeben von frischer PSS ausgewaschen wurde, die Relaxation vollständig reversibel war.


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Abb 4.2.: Reversibilität der ADRF-Wirkung: Die Relaxation der Akzeptor-Gefäßringe konnte durch Auswaschen der ADRF-haltigen Lösung rückgängig gemacht werden. In der Abbildung sieht man einen Akzeptor-Gefäßring, der zuerst mit 5 ml, dann weiteren 5 ml ADRF-haltiger PSS aus der Donor-Badlösung inkubiert wurde. Die dadurch erzeugte Relaxation konnte durch Auswaschen der ADRF-haltigen Lösung mit frischer PSS rüchgängig gemacht werden.

4.1.3 Regulation der ADRF-Freisetzung über PKA

Um die Rolle der Proteinkinase A (PKA) bei der Freisetzung von ADRF zu untersuchen, wurde die PKA durch den spezifischen Inhibitor H-89 (9 µM) inhibiert. Dazu wurden entsprechend Protokoll 2.1 beide Gefäßgruppen (+)fat und (-)fat zuerst mit Serotonin (0,7 µM, 1,0 µM, 2,0 µM) stimuliert. Nach Auswaschen von Serotonin wurden die Gefäßringe (+)fat und (-)fat mit H-89 (9 µM) inkubiert und danach erneut mit Serotonin stimuliert (n=6). Es zeigte sich, dass Serotonin stärkere kontraktile Antworten nach Inkubation mit H-89 in Gefäßringen (+)fat induzierte, während die Serotonin-abhängigen Kontraktionen bei den Gefäßringen (-)fat nicht durch H-89-Vorbehandlung der Gefäßringe beeinflusst wurden (p>0,05). Abb. 4.3 A und B zeigen diese Befunde.


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Abb. 4.3.: Bei Gefäßringen (+)fat zeigte sich eine signifikante Erhöhung der kontraktilen Antwort durch Serotonin, wenn die Gefäßringe mit H-89 vorhandelt wurden (n=6) (A). *, p<0,05. Serotonin-abhängige Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat in Anwesenheit von H-89 waren nicht unterschiedlich im Vergleich zu Kontraktionen in Abwesenheit von H-89 (n=6, p>0,05) (B). +, -, An- bzw. Abwesenheit der Substanzen.


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Um zu erfahren, ob der beobachtete Effekt durch eine Blockade der Freisetzung oder Wirkung von ADRF durch H-89 zu Stande kommt, wurde ein Bioassay-Experiment nach Protokoll 2.2 angewendet.

Abb. 4.4. A zeigt die Ergebnisse. Zuerst wurden Donorgefäßringe (+)fat mit Serotonin (2 µM) kontrahiert. Dann erfolgte die Inkubation (10-15 Min) der Donorgefäßringe (+)fat mit H-89 (9 µM). Nach erneuter Stimulation mit Serotonin (2 µM) wurden additiv Aliquots (3 ml, 5 ml, 5 ml) des Organbads der Donorgefäßringe (+)fat in das Organbad der Akzeptorgefäßringe (-)fat transferiert. Es zeigte sich, dass nach Zugeben der Aliquots keine Relaxation der Gefäßringe (-)fat in der Akzeptorbadkammer stattfand. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die Aliquots keine signifikanten Mengen von ADRF enthielten und H-89 die Freisetzung von ADRF aus dem Donorgefäß (+)fat hemmte.

Abb. 4.4. A: Applikation von H-89 (9 µM) zur Badlösung der Donorgefäßringe (+)fat hemmte die Relaxation von Akzeptorgefäßringen (-)fat durch Aliquots aus der Badlösung der Donorgefäßringe. Die Donorgefäßringe [(+)fat] wurden mit H-89 (9 µM) vorinkubiert. Beide Gruppen [(+)fat und (-)fat] wurden mit Serotonin (2 µM) vorkontrahiert. Es erfolgte ein additiver Transfer von Teilen (Aliquots von 3 ml, 5 ml, 5 ml) der Badlösung der Donorgefäßringe (+)fat zur Badlösung der Akzeptorgefäßringe (-)fat. Die Aliquots bewirkten keine Relaxation der Akzeptorgefäßringe (jeweils n=6, p>0,05).


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Demgegenüber kann man in Abb. 4.4 B sehen, dass die additive Zugabe von Aliquots ADRF-haltiger Badlösung aus der Organbadkammer der Donorgefäßringe (+)fat Akzeptorgefäßringe (-)fat relaxierte, wenn die Gefäßringe (-)fat in der Akzeptor-Organkammer mit H-89 vorbehandelt wurden. Hier wurden entsprechend Protokoll 2.2 die Akzeptorgefäßringe (-)fat mit H-89 (9 µM) 15-20 Min. inkubiert. Anschließend erfolgte die Stimulation der Donorgefäßringe (+)fat und der Akzeptorgefäßringe (-)fat mit Serotonin (2 µM). Im Folgenden wurden additiv Aliquots (3 ml, 5 ml, 5 ml) der Donorbadlösung in das Akzeptor-Organbad transferiert. In der Abbildung kann man sehen, dass diese Aliquots eine signifikante Relaxation der Serotonin-vorkontrahierten Akzeptorgefäßringe (-)fat bewirkten. Diese Ergebnisse wiesen darauf hin, dass ADRF aus dem perivaskulären Fettgewebe freigesetzt wurde und nicht der relaxierende Effekt von ADRF am Gefäßmuskel durch H-89 (9 µM) blockiert wurde.

Abb. 4.4 B: Inkubation der Akzeptorgefäßringe (-)fat mit H-89 (9 µM) hemmte nicht die relaxierende Wirkung von ADRF-haltigen Aliquots der Badlösung aus der Donororganbadkammer. Beide Gefäßgruppen [(+)fat und (-)fat] wurden mit Serotonin (2 µM) vorkontrahiert. Es erfolgte eine additive Zugabe von 3 ml, 5 ml und 5 ml der ADRF-haltigen Lösung aus der Donororganbadkammer mit den Gefäßringen (+)fat zu den Akzeptorgefäßringen (-)fat. n=6; *, p<0,05 im Vergleich zu den Kontrollwerten vor Gabe der ADRF-haltigen Aliquots (linker Balken).


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4.1.4  Regulation der ADRF-Freisetzung über Tyrosinkinase

Im Folgenden wurde die Hypothese getestet, ob die Freisetzung von ADRF aus dem periadventitiellen Fettgewebe durch Tyrosinphosphorylierung reguliert wird. Gemäß Protokoll 2.1 erfolgte eine selektive Hemmung der Tyrosinkinase durch Tyrphostin A25 (AG82, 10 µM).

In Abb. 4.5 A und B kann man sehen, dass Tyrphostin A25 (AG82, 10 µM) in der Organbadlösung der Gefäßringe (+)fat eine Verstärkung des kontraktilen Effekts von Serotonin bewirkte (n=5). Beide Gefäßgruppen (+)fat und (-)fat wurden zuerst mit Serotonin (0,7 µM, 1,0 µM, 2,0 µM) stimuliert. Nach Auswaschen von Serotonin wurden die Gefäßringe (+)fat und (-)fat mit AG82 (10 µM) 15-20 Min. inkubiert und danach erneut mit Serotonin stimuliert. Serotonin induzierte stärkere kontraktile Antworten nach Inkubation mit AG82 in Gefäßringen (+)fat, während die Serotonin-abhängigen Kontraktionen bei den Gefäßringen (-)fat nicht durch AG82-Vorbehandlung der Gefäßringe beeinflusst wurden.

Abb. 4.5 A: Bei den Gefäßringen (+)fat zeigte sich eine signifikante Erhöhung der kontraktilen Antwort durch Serotonin, wenn die Gefäßringe mit AG82 vorhandelt wurden (n=5). *, p<0,05.


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Abb. 4.5 B: Serotonin-abhängige Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat in Anwesenheit AG82 waren nicht unterschiedlich im Vergleich zu Kontraktionen in Abwesenheit von AG82 (n=5, p>0,05). In Abwesenheit von AG82 waren die Serotonin-abhängigen Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat schwächer als die Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat. +, -, An- bzw. Abwesenheit der Substanzen.

Um zu differenzieren, ob AG82 die Freisetzung von ADRF oder deren Wirkung am Gefäßmuskel hemmte, wurde ein Bioassay gemäß Protokoll 2.2 durchgeführt.

Abb. 4.6 A zeigt, dass die additive Zugabe von Aliquots ADRF-haltiger Badlösung aus der Organkammer von Donorgefäßringen (+)fat die Akzeptorgefäßringe (-)fat relaxierte, wenn die Gefäßringe (-)fat in der Akzeptor-Organkammer mit AG82 vorbehandelt wurden. Hier wurden entsprechend Protokoll 2.2 die Akzeptorgefäßringe (-)fat mit AG82 (10 µM) 15-20 Min inkubiert. Anschließend erfolgte die Stimulation der Donorgefäßringe (+)fat und der Akzeptorgefäßringe (-)fat mit Serotonin (2 µM). Im Folgenden wurden additiv Aliquots (3 ml, 5 ml, 5 ml) der Donorbadlösung in das Akzeptor-Organbad transferiert. Man kann sehen, dass diese Aliquots eine signifikante Relaxation der Serotonin-vorkontrahierten Akzeptorgefäßringe (-)fat bewirkten. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass die relaxierende Wirkung von ADRF am Gefäßmuskel nicht durch AG82 blockiert [Seite 45↓]wurde. Die Daten ließen vermuten, dass AG82 die Freisetzung von ADRF aus dem perivaskulären Fettgewebe hemmte.

Abb 4.6 B zeigt Ergebnisse, die diese Vermutung bestätigen. In den Versuchen wurden zuerst Donorgefäßringe (+)fat mit Serotonin (2 µM) kontrahiert. Dann erfolgte die Inkubation (10-15 Min) der Donorgefäßringe (+)fat mit AG82. Nach erneuter Stimulation mit Serotonin (2 µM) wurden additiv Aliquots (3 ml, 5 ml, 5 ml) des Organbads der Donorgefäßringe (+)fat in das Organbad der Akzeptorgefäßringe (-)fat transferiert. Es zeigte sich, dass die Zugabe der Aliquots keine Relaxation der Gefäßringe (-)fat in der Akzeptorbadkammer bewirkte. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass AG82 die Freisetzung von ADRF aus dem Donorgefäß (+)fat hemmte. Daraus konnte man den Schluss ziehen, dass die Freisetzung von ADRF aus dem periadventitiellen Fettgewebe vermutlich durch Blockade der Tyrosinkinase gehemmt wurde.

Abb. 4.6 A: Inkubation der Akzeptorgefäßringe (-)fat mit Tyrphostin A25 (AG82, 10 µM) hemmte nicht die relaxierende Wirkung von ADRF-haltigen Aliquots der Badlösung aus der Donororgankammer, in der sich die Gefäßringe (+)fat befanden. Beide Gefäßgruppen [(+)fat und (-)fat] wurden mit Serotonin (2 µM) vorkontrahiert. Es erfolgte eine additive Zugabe von 3 ml, 5 ml und 5 ml der ADRF-haltigen Lösung aus der Donorbadkammer zu den Akzeptorgefäßringen (-)fat. n=5; *, p<0,05 im Vergleich zu den Kontrollwerten vor Gabe der ADRF-haltigen Aliquots (linker Balken).


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Abb. 4.6 B: Applikation von Tyrphostin (AG82, 10 µM) zur Badlösung der Donorgefäßringe (+)fat hemmte die Relaxation von Akzeptorgefäßringen (-)fat durch Aliquots aus der Badlösung der Donorgefäßringe. Die Donorgefäßringe [(+)fat] wurden mit AG82 (10 µM) vorinkubiert. Beide Gruppen [(+)fat und (-)fat] wurden mit Serotonin (2 µM) vorkontrahiert. Es erfolgte ein additiver Transfer von Teilen (Aliquots von 3 ml, 5 ml, 5 ml) der Badlösung der Donorgefäßringe (+)fat zur Badlösung der Akzeptorgefäßringe (-)fat. Die Aliquots bewirkten keine Relaxation der Akzeptorgefäßringe (jeweils n=4, p>0,05).

Um die Hypothese zu überprüfen, ob eine funktionsfähige Tyrosinkinase für den antikontraktilen ADRF-Effekt verantwortlich ist, wurden Experimente mit anderen Inhibitoren der Tyrosinkinase nach Protokoll 2.1 durchgeführt. Die Gefäßringe (+)fat und (-)fat wurden in diesem Experiment mit Phenylephrin (100 nM) stimuliert. Nach Auswaschen von Phenylephrin wurden die Gefäßringe mit dem Typrosinkinase-Hemmstoff Genistein (10 µM) bzw. den inaktiven Tyrosinkinase-Hemmstoffen Daidzein (10 µM) oder ST638 (10 µM) inkubiert. Nachfolgend wurde erneut Phenylephrin (100 nM) appliziert. Die Phenylephrin-Kontraktionen wurden in Ab- und Anwesenheit von Genistein, Daidzein bzw. ST638 miteinander verglichen.

Abb. 4.7 A zeigt, dass Genistein (10 µM) die Phenylephrin-abhängige Kontraktion von Gefäßringen (+)fat steigerte. Daidzein (10 µM) und ST638 (10 µM) bewirkten [Seite 47↓]keine Verstärkung der Phenylephrin-abhängigen Kontraktion von Gefäßringen (+)fat. Diese Ergebnisse standen in Einklang mit der Folgerung, dass die Freisetzung von ADRF aus dem periadventitiellen Fettgewebe vermutlich durch Blockade von Tyrosinkinase gehemmt wurde.

In Abb. 4.7 B ist zu sehen, dass die Phenylephrin-abhängige Kontraktion von Gefäßringen (-)fat nicht durch Genistein (10 µM) beeinflusst wurde. Daidzein (10 µM) und ST638 (10 µM) bewirkten eine geringfügige Gefäßrelaxation.

Abb. 4.7 A: Genistein verstärkte Phenylephrin-abhängige Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat (n=4, paarweiser Vergleich, p<0,05) allerdings nicht von Gefäßringen (-)fat (Siehe Abb. 4.7 B umseitig)(n=4, paarweiser Vergleich, p>0,05). Daidzein und ST638 hatten keinen Effekt auf Phenylephrin-abhängige Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat und (-)fat (jeweils n=4, paarweiser Vergleich, p>0,05). Serotonin-abhängige Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat waren schwächer als von Gefäßringen (-)fat. Zur graphischen Illustration wurden die Effekte von 100 nM Phenylephrin in der Abwesenheit von Genistein, Daidzein und ST638 in einem Balken zusammengefasst (jeweils linker Balken in A und B) *, p<0,05.


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Abb. 4.7 B: Siehe Kommentar zu Abb. 4.7 A

4.1.5 Regulation der ADRF-Freisetzung über PKG

Um die Hypothese zu prüfen, ob Proteinkinase G (PKG) eine Rolle in Freisetzung oder Wirkung von ADRF spielt, wurden Experimente nach Protokoll 2.1 durchgeführt. Die Gefäßringe (+)fat und (-)fat wurden mit dem PKG-Blocker KT5823 (0,5 µM) inkubiert.

In Abb. 4.8 A und B ist zu sehen, dass KT5823 (0,5 µM) keinen Effekt auf Serotonin-abhängige (0,7 µM, 1,0 µM, 2,0 µM) Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat und (-)fat hatte. PKG war somit nicht an der Freisetzung und Wirkung von ADRF beteiligt.


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Abb. 4.8 A: Serotonin-abhängige Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat (A) und (+)fat (B) wurden nicht durch Anwesenheit von KT5823 beeinflusst (n=5 jeweils, p>0,05). +, -, An- bzw. Abwesenheit der Substanzen. Serotonin wurde in einer Dosis von 0,7 µM, 1,0 µM und 2,0 µM eingesetzt. In Abwesenheit von KT5823 waren die Serotonin-abhängigen Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat schwächer als die von Gefäßringen (-)fat.


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4.2  Untersuchungen zur Wirkung und zum Wirkmechanismus von ADRF an der Mesenterialarterie

4.2.1 Antikontraktiler Effekt des perivaskulären Fettgewebes

Um die Hypothese zu prüfen, ob das perivaskuläre Fettgewebe der Mesenterialarterie der Ratte eine antikontraktile Wirkung auf die glatte Gefäßmuskulatur ausübt, wurden Dosis-Wirkungskurven mit vasokontrahierenden Agonisten durchgeführt. Die Gefäßringe (+)fat und (-)fat wurden gemäß Protokoll 1.1mit Serotonin, Phenylephrin, Endothelin I sowie U46619 in Dosen laut Tabelle 2.1 behandelt.

4.2.1.1 Serotonin

Zuerst wurde Serotonin getestet. Serotonin wurde in Konzentrationen von 10 nM – 6,5 µM (n=6, bei 2 µM n=20) in das Organbad dazugegeben.

Abb. 4.9 gibt graphisch wieder, dass die Gefäßringe (+)fat bei Stimulation mit unterschiedlichen Dosen Serotonin mit einer abgeschwächten kontraktilen Antwort reagierten (n=6). In den Konzentrationsbereichen von 2.0 µM – 6.5 µM zeigte sich eine signifikante Abschwächung der kontraktilen Antwort um nahezu 50 % (p<0,05).


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Abb. 4.9: Abgeschwächte kontraktile Antwort der Gefäßringe (+)fat bei Inkubation mit Serotonin (10 nM – 6,5 µM). Die offenen Kreise stellen die Dosis-Wirkungskurve der Gefäßringe (+)fat, die geschlossenen Rhomben die der Gefäßringe (-)fat, dar. Auf der Abszisse ist die Dosis von Serotonin aufgetragen, auf der Ordinate der Gefäßtonus bezogen auf die maximale Kontraktion bei 60 mM KCl. *, signifikanter Unterschied mit p<0,05.

4.2.1.2 Phenylephrin

Phenylephrin wurde in Dosen von 100 nM bis 3 µM (n=6) appliziert. Es zeigte sich eine signifikant abgeschwächte kontraktile Antwort der Gefäßringe (+)fat im Vergleich zu den Gefäßringen (-)fat (p<0,05). Im Konzentrationsbereich von 300 nM war eine nahezu 75 % abgeschwächte kontraktile Antwort bei den Gefäßringen (+)fat gegenüber der Vergleichsgruppe zu beobachten. Im oberen Konzentrationsbereich (3 µM) fand wieder eine Annäherung der beiden Versuchsgruppen statt.

Abb. 4.10 stellt die erhaltenen Ergebnisse graphisch dar.


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Abb. 4.10: Dosis-Wirkungskurve für Inkubation der Gefäßringe mit Phenylephrin. Bei Dosen von 30 nM – 10 mM zeigte sich eine signifikante Rechtsverschiebung der Dosis-Wirkungskurve. *, signifikanter Unterschied mit p<0,05.

4.2.1.3 Endothelin I

Für Endothelin I wurde eine Dosiswirkungskurve für den Konzentrationsbereich 1 nM bis 50 nM (n=6) mit beiden Versuchsgruppen angefertigt.

Abb. 4.11 zeigt, dass die Gefäßringe (+)fat mit einer verminderten kontraktile Antwort auf Stimulation mit Endothelin I reagierten.


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Abb. 4.11: Inkubation der beiden Versuchsgruppen mit Endothelin I resultierte in einer signifikanten Abschwächung der kontraktilen Antwort der Gefäßringe (+)fat. Es wurden Konzentrationen von 1nM – 50 nM (n=6) appliziert. *, signifikanter Unterschied mit p<0,05.

4.2.1.4 U46619

Die Applikation des Thromboxan-A2-(Tx-A2)-Analogons U46619 induzierte gleichstarke Kontraktion von Gefäßringen (+)fat und (-)fat im Konzentrationsbereich 1 nM – 1 µM. Die Ergebnisse sind in Abb. 4.12 graphisch dargestellt (n=6).

Die Beobachtung der gleichstarken kontraktilen Antwort beider Gefäßgruppen gab Anstoß zu weiteren Untersuchungen mit diesem Wirkstoff, auf die in Abschnitt 4.2.3 näher eingegangen werden wird.


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Abb. 4.12: Bei Inkubation mit U46619 in den Konzentrationsbereichen 1 nM – 1 µM zeigte sich keine unterschiedliche kontraktile Antwort der Versuchsgruppen (+)fat und (-)fat (n=6). p>0,05 für 1 nM – 1 µM U 46619.

4.2.2 Longitudinales Entfernen von 50% des periadventitiellen Fettgewebes

Es wurde die Hypothese getestet, ob die Menge von perivaskulärem Fettgewebe mit der Stärke des beobachteten antikontraktilen Effekts in kausalem Zusammenhang steht.

Zu diesem Zweck wurden Gefäßringe (½)fat präpariert, bei denen 50% des die Gefäßringe umgebenden Fettgewebes longitudinal entfernt wurde (siehe Abschnitt 3.2.1).

In Abb. 4.13 ist zu sehen, dass 2 µM Serotonin (½)fat-Gefäßringe stärker als (+)fat-Ringe kontrahierte. Es ist auch zu sehen, dass 2 µM Serotonin (½)fat -Gefäßringe schwächer als (-)fat-Gefäßringe kontrahierte. 2 µM Serotonin kontrahierte (-)fat-Gefäßringe stärker als (+)fat-Gefäßringe. Es zeigte sich eine Beziehung zwischen der Stärke des antikontraktilen Effekts und der Menge des die Blutgefäßringe umgebenden periadventitiellen Fettgewebes.


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Abb. 4.13: Longitudinales Entfernen von 50% des periadventitiellen Fettgewebes hatte einen Einfluß auf die Kontraktionen von Gefäßringen. (½)fat -, (-)fat- und (+) fat-Ringe wurden mit 2 µM Serotonin kontrahiert. Die kontraktilen Antwort wurden auf die maximale Reaktion auf 60 mM KCl bezogen (jeweils n=6). *, signifikanter Unterschied mit p<0,05.

4.2.3 Ausschluss der endothelialen Vasodilatation

In Untersuchungen an der Rattenaorta konnte gezeigt werden, dass die antikontraktile Wirkung vom Fettgewebe nicht durch das Endothel vermittelt wird (Löhn et al., 2002). In diesen Versuchen wurde die antikontraktile Wirkung weder durch den Blocker der NO-Synthase NG-Nitro-L-Arginin (LNNA, 10 µM) noch durch mechanisches Entfernen des Endothels beeinflusst.

Das Durchführen dieser Versuche an der Mesenterialarterie der Ratte konnte die Ergebnisse bestätigen. Mechanisches Entfernen des Endothels hatte keinen Einfluss auf die antikontraktile Wirkung des Fettgewebes an Mesenterialarterien der Ratte. In den Versuchen wurden (-)fat und (+)fat-Gefäßringe mittels 2 µM Serotonin kontrahiert. Das erfolgreiche Entfernen des Endothels wurde durch Gabe von Azetylcholin (10 µM) verifiziert.

Abb. 4.14 zeigt einen repräsentativen Versuch.


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Abb. 4.14. Beispielexperiment für den Ausschluss der NO-Wirkung an der verminderten kontraktilen Antwort der Gefäßringe (+)fat bei Stimulation durch Serotonin (2 µM). Es sind zwei Gefäßringpräparationen gezeigt, bei denen das Endothel mechanisch entfernt wurde (insgesamt n=12). Man sieht, dass trotz Entfernen des Endothels der antikontraktile Effekt des perivaskulären Fettgewebes stattfand (B). Das erfolgreiche Entfernen des Endothels wurde mit der Zugabe von 10 µM Azetylcholin (ACh) getestet. Das Zugeben von ACh resultierte nicht in einer Relaxation der Blutgefäßringe, die Mechanismen der endothelialen Vasorelaxation waren nicht mehr intakt.

4.2.4 Die Rolle von Kaliumkanälen für den antikontraktilen Effekt des periadventitiellen Fettgewebes

Es wurde die Hypothese geprüft, ob die Aktivierung von Kaliumkanälen für den beobachteten antikontraktilen Effekt des perivaskulären Fettgewebes verantwortlich ist. Zu diesem Zweck wurde die isotonische PSS-Lösung durch eine 60 mM KCl-Lösung ausgetauscht. Die Lösung enthielt die entsprechende Molarität Kaliumionen, die im Austausch für Natriumionen zur Lösung hinzugefügt wurden.

Abb. 4.15 zeigt, dass die Gefäßringe (+)fat und die Gefäßringe (-)fat in gleicher Weise auf die Applikation der 60 mM KCl kontraktil reagierten. Beide Gefäßgruppen kontrahierten gleichstark auf die Gabe von KCl. Die Applikation von 60 mM KCl-Lösung wurde in der Folge als initiale Evaluierung der Blutgefäßringe vor einem Experiment eingesetzt.


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Abb. 4.15: Gleichstarke kontraktile Antworten der Gefäßringe (+)fat und (-)fat infolge der Gabe einer 60 mM KCl-Lösung (n=29). Dargestellt ist die maximale kontraktile Antwort der Gefäßgruppen (+)fat und (-)fat nach Applikation von 60 mM KCl. Auf der Ordinate ist der gemessene Gefäßtonus in mN aufgetragen.

Diese Beobachtung lenkte die Aufmerksamkeit auf die Beteiligung von Kaliumkanälen an der antikontraktilen Wirkung der Gefäßringräparationen (+)fat. Wenn durch Erhöhung der extrazellulären Kaliumkonzentration das Membranpotential dem Kalium-Gleichgewichtspotential angeglichen wird und die Kaliumleitfähigkeit als dominierende Leitfähigkeit das Membranpotential bestimmt, kann eine zusätzliche Öffnung von Kaliumkanälen (z.B. durch perivaskuläres Fettgewebe) keine weitere Membranhyperpolarisation und somit Gefäßrelaxation bewirken.

4.2.5 Reaktion von U46619-kontrahierten Gefäßringen auf den Kaliumkanalöffner Cromakalim

Um zu erforschen, warum U 46619 im Gegensatz zu Serotonin, Phenylephrin und Endothelin I in den Gefäßringen (+)fat und (-)fat keine unterschiedliche kontraktile Antwort erzeugte, kam Protkoll 1.2 zur Anwendung.


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Es wurde im vorliegenden Versuchsansatz die relaxierende Wirkung von Cromakalim auf Serotonin- und U 46619-vorkontrahierte Gefäßringe (-)fat und (+)fat untersucht. Abb. 4.16 A und B zeigen, dass sich die durch Serotonin hervorgerufenen Kontraktionen durch Cromakalim antagonisieren ließen, nicht jedoch die durch U 46619 evozierten. U 46619-vermittelte Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat und (+)fat konnten nicht durch Öffnung von ATP-abhängigen und möglicherweise auch anderen Kaliumkanälen in den Gefäßmuskelzellen antagonisiert werden. Hingegen ließen sich Serotonin-vermittelte Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat und (+)fat relativ gut durch Öffnung von ATP-abhängigen und möglicherweise auch anderen Kaliumkanälen in den Gefäßmuskelzellen antagonisieren.

Abb. 4.16 A: Cromakalim relaxierte nahezu komplett Gefäßringe (-)fat und (+)fat, die mit 2 µM Serotonin vorkontrahiert wurden (n=5 jeweils, paarweiser Vergleich, p<0,05 jeweils). Serotonin induzierte auch stärkere Kontraktionen in Gefäßringen (-)fat als in (+)fat (p<0,05). Die weißen Balken repräsentieren die Gefäße (+)fat, die schwarzen die Gefäße (-)fat.


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Abb. 4.16 B: U46619 induzierte gleichstarke Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat und (+)fat (n=5 jeweils, paarweiser Vergleich p>0,05). Cromakalim bewirkte keine Relaxation von Gefäßringen (-)fat und (+)fat (n=5 jeweils, paarweiser Vergleich, p>0,05). Die weißen Balken repräsentieren die Gefäße (+)fat, die schwarzen die Gefäße (-)fat.

Gemäß der Arbeitshypothese ist der antikontraktile Effekt des perivaskulären Fettgewebes durch eine Öffnung von Kaliumkanälen und die nachfolgende Relaxation der glatten Gefäßmuskulatur bedingt. Die Ergebnisse in Abb. 4.16 A und B stehen im Einklang mit dieser Hypothese.

4.3 Untersuchung des an der Vermittlung des ADRF-Effektes beteiligten Kaliumkanaltyps durch Einsatz von Kaliumkanalblockern

Es sollte die Hypothese getestet werden, ob der antikontraktile Effekt, der in den Gefäßringpräparationen (+)fat beobachtet wurde, durch Aktivierung von vaskulären, glattmuskulären Kaliumkanälen vermittelt wird. Um dies zu verifizieren, wurden verschiedene Kaliumkanalblocker eingesetzt (Protokoll 1.3). Es wurde erwartet, [Seite 60↓]dass durch die Blockade desjenigen Kaliumkanaltyps, der an der Vermittlung des antikontraktilen Effekts beteiligt ist, die antikontraktile Wirkung aufgehoben wird. Gemäß der Hypothese wurde angenommen, dass durch Blockade des an der Wirkung beteiligten Kaliumkanaltyps die antikontraktile Wirkung nicht mehr stattfinden kann und die Gefäßringe (+)fat und (-)fat gleichermaßen kontrahieren.

4.3.1 KATP-Kanäle

KATP-Kanäle fungieren als Zielstruktur von ADRF an der Aorta (Löhn et al., 2002). Daher rückte dieser Kanaltyp auch bei dieser Untersuchung zuerst in den Blickwinkel des Interesses.

Es erfolgte nach der initialen Kontraktion mit 0,7 µM, 1,0 µM, 2,0 µM Serotonin eine Applikation von 3 µM Glibenclamid (Protokoll 1.3).

Abb. 4.17 A und B zeigen repräsentative Messergebnisse. In Abb. 4.17 A ist zu sehen, dass die Gabe von 60 mM KCl auf einen Gefäßring (+)fat zu einer relativ starken Gefäßkontraktion (ca. 14 mN) führte. Der Effekt war vollständig reversibel nach Auswaschen von KCl. Die nachfolgende kumulative Applikation von 0,7 µM, 1,0 µM und 2,0 µM Serotonin bewirkte eine relativ schwache Dosis-abhängige Kontraktion (bis maximal ca. 8 mN). Dieser Effekt war vollständig reversibel nach Auswaschen von Serotonin. Die nachfolgende Gabe von 3 µM Glibenclamid hatte keinen Effekt auf das kontraktile Verhalten des Gefäßringes. In Anwesenheit von 3 µM Glibenclamid führte die kumulative Gabe von 0,7 µM, 1,0 µM und 2 µM Serotonin erneut zu einer Dosis-abhängigen Gefäßkontraktion. Die Gabe von Glibenclamid führte nicht zur Verstärkung der Serotonin-abhängigen Kontraktionen.

In Abb. 4.17 B ist zu sehen, dass die Gabe von 60 mM KCl auf einen Gefäßring (-)fat zu einer relativ starken Gefäßkontraktion (ca. 12 mN) führte. Der Effekt war vollständig reversibel nach Auswaschen von KCl. Die nachfolgende kumulative Applikation von 0,7 µM, 1 µM und 2 µM Serotonin bewirkte eine relativ starke Dosis-abhängige Kontraktion (bis maximal ca. 11 mN). Dieser Effekt war vollständig reversibel nach Auswaschen von Serotonin. Die nachfolgende Gabe von 3 µM [Seite 61↓]Glibenclamid hatte keinen Effekt auf das kontraktile Verhalten des Gefäßringes. In Anwesenheit von 3 µM Glibenclamid führte die kumulative Gabe von 0,7 µM, 1,0 µM und 2 µM Serotonin erneut zu einer relativ starken Dosis-abhängigen Gefäßkontraktion. Die Gabe von Glibenclamid führte nicht zur Verstärkung der Serotonin-abhängigen Kontraktionen.

Abb. 4.17 A und B: Repräsentative Einzelregistrierungen mit Glibenclamid. Glibenclamid hatte keinen Effekt auf Serotonin-abhängige Kontraktionen an Gefäßringen (-)fat und (+)fat. Auf der Abszisse ist der Zeitverlauf (in Min) des Experiments aufgetragen, auf der Ordinate der Gefäßtonus (in mN). Zuerst wurde 60 mM KCl appliziert. Nach Auswaschen von KCl erfolgte die Applikation von 0.7 µM, 1 µM, 2 µM Serotonin. Nach Auswaschen von Serotonin wurde Glibenclamid hinzugegeben (3 µM), nach 15-minütiger Inkubationszeit erfolgte die erneute Applikation von Serotonin (0.7 µM, 1 µM, 2 µM).

Abb. 4.18 zeigt die Auswertung der Experimente in Form eines Balkendiagramms. Dargestellt sind die kontraktilen Antworten der Gefäßringe (+)fat und (-)fat auf Serotonin in Ab- und Anwesenheit von Glibenclamid. Es ist zu sehen, dass 3 µM Glibenclamid keinen Effekt auf Serotonin-induzierte Kontraktionen in Gefäßringen (+)fat und (-)fat hatte. Serotonin-abhängige Kontraktionen waren in Gefäßringen (+)fat schwächer ausgeprägt als in Gefäßringen (-)fat. Glibenclamid konnte somit den antikontraktilen Effekt des perivaskulären Fettgewebes nicht aufheben.

Abb. 4.18: Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat (schwarze Balken) und (+)fat (weiße Balken) durch Serotonin in An- und Abwesenheit von Glibenclamid (3 µM). Glibenclamid hatte keinen Effekt auf die Serotonin-abhängigen Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat und (+)fat (jeweils n=8 mit p>0,05 im paarweisen Vergleich). Serotonin induzierte schwächere Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat als von Gefäßringen (-)fat (p<0,05). Glibenclamid konnte somit nicht den antikontraktilen Effekt des periadventitiellen Fettgewebes aufheben. Beide Gruppen wurden mit 2 µM Serotonin (Endkonzentration) kontrahiert. An- und Abwesenheit der Substanzen sind mit + bzw - gekennzeichnet.


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4.3.2  KCa 2+-Kanäle

Kalzium-aktivierte Kaliumkanäle spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in der Vermittlung verschiedener Effekte an die glatte Muskelzelle. Es wurden nun zwei für die Mesenterialarterie entscheidende Untergruppen dieses Kanaltyps getestet, BK- und SK-Kanäle.

4.3.2.1 BK-Kanäle

Zur Überprüfung der Beteiligung der Ca2+-aktivierten Kaliumkanäle großer Leitfähigkeit (BK-Kanäle) kam der selektive Blocker Iberiotoxin (100 nM) zum Einsatz. Abb. 19 zeigt die Resultate der Versuche mit Iberiotoxin (100 nM, n=4). Die Applikation von Iberiotoxin bewirkte keine spezifische Inhibition des antikontraktilen Effekts der Gefäßringe (+)fat. In Anwesenheit von 100 nM Iberiotoxin reagierten sowohl Gefäßringe (+)fat als auch (-)fat mit einer stärkeren kontraktilen Antwort (ca. 20%) auf die erneute Gabe von 2 µM Serotonin. Da die Effekte in beiden Versuchsgruppen beobachtet wurden, konnte der Effekt von Iberiotoxin nicht auf eine Inhibition des antikontraktilen Effekts des perivaskulären Fettgewebes zurückgeführt werden.

Abb. 4.19. Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat und (+)fat durch Serotonin in An- und Abwesenheit von Iberiotoxin (100 nM). Iberiotoxin führte zu einer ca. 20%igen Verstärkung der Serotonin-abhängigen Kontraktionen in Gefäßringen (-)fat und (+)fat (jeweils n=4 mit p<0,05, paarweiser Vergleich). Serotonin induzierte schwächere Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat als von Gefäßringen (-)fat (p<0,05). Die weißen Balken repräsentieren die Gefäßringe (+)fat, die schwarzen Balken die Gefäßringe (-)fat. Beide Gruppen wurden mit 2 µM Serotonin (Endkonzentration) kontrahiert. An- und Abwesenheit der Substanzen sind mit + bzw - gekennzeichnet.

4.3.2.2 SK-Kanäle

Um zu überprüfen, ob Ca2+-aktivierte Kaliumkanäle kleiner Leitfähigkeit (SK-Kanäle) in den antikontraktilen Effekt des perivaskulären Fettgewebes involviert sind, wurden analoge Experimente mit Apamin (1 µM) durchgeführt.

Abb. 4.20 zeigt repräsentative Einzelmessungen. Es ist zu sehen, dass die Serotonin-abhängigen Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat und (+)fat nicht durch die Gabe von Apamin beeinflusst wurden. Die Applikation von Serotonin führte zu einer stärkeren Kontraktion von Gefäßringen (-)fat im Vergleich zum Gefäßringen (+)fat (n=6, p<0,05). Sowohl bei den Gefäßringen (+)fat, als auch bei den Gefäßringen (-)fat fand keine Veränderung der kontraktilen Antwort durch Apamin statt (n=6, p>0.05). Daraus konnte man die Vermutung ableiten, dass SK-Kanäle nicht für die abgeschwächte Kontraktion der Gefäßringe (+)fat verantwortlich waren.


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Abb. 4.20 A und B: Repräsentative Einzelregistrierungen mit Apamin. Apamin hatte keinen Effekt auf Serotonin-abhängige Kontraktionen in Gefäßringen (-)fat und (+)fat. Auf der Abszisse ist der Zeitverlauf (in Min) des Experiments aufgetragen, auf der Ordinate der Gefäßtonus (in mN). Zuerst wurde 60 mM KCl appliziert. Nach Auswaschen von KCl erfolgte die Applikation von 2 µM Serotonin. Nach Auswaschen von Serotonin wurde Apamin hinzugegeben (1 µM), nach ca. 15-minütiger Inkubationszeit erfolgte die erneute Applikation von 2 µM Serotonin. Serotonin induzierte schwächere Kontraktionen am Gefäßring (+)fat als am Gefäßring (-)fat.


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4.3.3  Unspezifische Kaliumkanalblocker

Es wurde die Wirkung des unspezifischen Kaliumkanalblockers Tetraetylammonium getestet, der in der angewendeten Konzentration BK-Kanäle blockiert.

Abb. 4.21 zeigt die Resultate der Versuche mit TEA (1 mM, n=6). Serotonin induzierte schwächere Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat als von Gefäßringen (-)fat. In Anwesenheit von 1 mM TEA reagierten sowohl Gefäßringe (+)fat als auch (-)fat mit einer stärkeren kontraktilen Antwort (ca. 30%) auf die erneute Gabe von 2 µM Serotonin. Da die Effekte in beiden Versuchsgruppen beobachtet wurden, konnte der Effekt von TEA nicht auf eine Inhibition des antikontraktilen Effekts des perivaskulären Fettgewebes zurückgeführt werden.

Abb. 4.21: : Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat und (+)fat durch Serotonin in An- und Abwesenheit von TEA (1 mM). TEA führte zu einer ca. 30%igen Verstärkung der Serotonin-abhängigen Kontraktionen in Gefäßringen (-)fat und (+)fat (jeweils n=6 mit p<0,05, paarweiser Vergleich). Serotonin induzierte schwächere Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat als von Gefäßringen (-)fat (p<0,05). Die weißen Balken repräsentieren die Gefäßringe (+)fat, die schwarzen Balken die Gefäßringe (-)fat. Beide Gruppen wurden mit 2 µM Serotonin (Endkonzentration) kontrahiert. An- und Abwesenheit der Substanzen sind mit + bzw - gekennzeichnet.


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Es wurde noch ein weiterer BK-Kanal-Blocker getestet, Tetrapentylammonium (TPeA, 10 µM). Abb. 4.22 zeigt die Resultate der Versuche mit TPeA. Serotonin induzierte schwächere Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat als von Gefäßringen (-)fat. In Anwesenheit von 1 mM TPeA reagierten sowohl Gefäßringe (+)fat als auch (-)fat mit einer stärkeren kontraktilen Antwort (ca. 20%) auf die erneute Gabe von 2 µM Serotonin. Da die Effekte in beiden Versuchsgruppen beobachtet wurden, konnte der Effekt von TPeA nicht auf eine Inhibition des antikontraktilen Effekts des perivaskulären Fettgewebes zurückgeführt werden.

Abb. 4.22: Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat und (+)fat durch Serotonin in An- und Abwesenheit von TPeA (10 µM). TPeA führte zu einer ca. 20%igen Verstärkung der Serotonin-abhängigen Kontraktionen in Gefäßringen (-)fat und (+)fat (jeweils n=6 mit p<0,05, paarweiser Vergleich). Serotonin induzierte schwächere Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat als von Gefäßringen (-)fat (p<0,05). Die weißen Balken repräsentieren die Gefäßringe (+)fat, die schwarzen Balken die Gefäßringe (-)fat. Beide Gruppen wurden mit 2 µM Serotonin (Endkonzentration) kontrahiert. An- und Abwesenheit der Substanzen sind mit + bzw - gekennzeichnet.


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4.3.4  KV-Kanäle

Um zu prüfen, ob spannungsabhängige Kaliumkanäle (KV-Kanäle) an der Vermittlung des antikontraktilen Effekts des perivaskulären Fettgewebes beteiligt sind, wurde der KV-Kanal-Blocker 4-AP (2 mM) eingesetzt.

Abb. 4.23 zeigt repräsentative Einzelableitungen der durchgeführten Versuche. In Abb. 4.23 A ist zu sehen, dass die Gabe von 60 mM KCl auf einen Gefäßring (+)fat zu einer relativ starken Gefäßkontraktion (ca. 20 mN) führte. Der Effekt war nach Auswaschen von KCl vollständig reversibel. Die nachfolgende Applikation von 2 µM Serotonin bewirkte eine relativ schwache Kontraktion (bis maximal ca. 5 mN). Dieser Effekt war nach Auswaschen von Serotonin vollständig reversibel. Die nachfolgende Gabe von 2 mM 4-AP hatte keinen Effekt auf das kontraktile Verhalten des Gefäßringes. In Anwesenheit von 2 mM 4-AP führte die Gabe von 2 µM Serotonin zu viel stärkeren Gefäßkontraktion als in Abwesenheit von 4-AP.

In Abb. 4.23 B ist zu sehen, dass die Gabe von 60 mM KCl auf einen Gefäßring (-)fat zu einer relativ starken Gefäßkontraktion (ca. 20 mN) führte. Der Effekt war nach Auswaschen von KCl vollständig reversibel. Die nachfolgende Applikation von 2 µM Serotonin bewirkte eine relativ starke Kontraktion, d.h. bis maximal ca. 14 mN. Dieser Effekt war nach Auswaschen von Serotonin vollständig reversibel. Die nachfolgende Gabe von 2 mM 4-AP hatte keinen Effekt auf das kontraktile Verhalten des Gefäßringes. In Anwesenheit von 4-AP führte die Gabe von 2 µM Serotonin nahezu unverändert zu einer Gefäßkontraktion auf ca. 15 mN. Die Gabe von 4-AP führte nicht zur Verstärkung der Serotonin-abhängigen Kontraktion.

Daraus konnte man den Schluss ziehen, dass der antikontraktile Effekt des perivaskulären Fettgewebes, der bei den Gefäßringen (+)fat vor Inkubation mit 2 mM 4-AP noch sichtbar war, durch Inkubation der Gefäßringe mit diesem Kaliumkanalblocker antagonisiert wurde.


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Abb. 4.23: Repräsentative Kontraktionsregistrierungen von Gefäßringen (-)fat und (+)fat nach Gabe von Serotonin in An- und Abwesenheit von 4-AP (2 mM). 4-AP verstärkte die Serotonin-abhängige Kontraktion des Gefäßringes (+)fat (A). Hingegen hatte 4-AP keinen Effekt auf die Serotonin-abhängige Kontraktion des Gefäßringes (-)fat (B). Serotonin induzierte geringere Kontraktionen im Gefäßring (+)fat als im Gefäßring (-)fat.

Abb. 4.24 zeigt die Auswertung der Experimente mit 4-AP (n=6). Es ist zu sehen, dass die verminderte Serotonin-abhängige Kontraktion von Gefäßringen (+)fat durch Gabe von 2 mM 4-AP nahezu vollständig aufgehoben wurde.


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Abb. 4.24: Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat und (+)fat durch Serotonin in An- und Abwesenheit von 4-AP (2 mM). 4-AP hatte keinen Effekt auf die Serotonin-abhängigen Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat (n=6, *, paarweiser Vergleich, p>0,05). 4-AP verstärkte Serotonin-abhängige Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat (n=6, *, paarweiser Vergleich, p<0,05). Serotonin induzierte schwächere Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat als von Gefäßringen (-)fat (n=6, **, p<0,05). 4-AP antagonisierte somit den antikontraktilen Effekt des periadventitiellen Fettgewebes. Die weißen Balken repräsentieren die Gefäßringe (+)fat, die schwarzen Balken die Gefäßringe (-)fat. Beide Gruppen wurden mit 2 µM Serotonin kontrahiert. An- und Abwesenheit der Substanzen sind mit + bzw - gekennzeichnet.

Um die Hypothese zu erhärten, dass KV-Kanäle den antikontraktilen Effekt des perivaskulären Fettgewebes vermitteln, wurde ein weiterer KV-Kanal-Blocker getestet, 3,4-Diaminopyridin (3,4-DAP).

Abb. 4.25 zeigt, dass 3,4-DAP den antikontraktilen Effekt des Fettgewebes in der Versuchsgruppe der Gefäßringe (+)fat antagonisierte. Dargestellt sind die kontraktilen Antworten der Gefäßringe (+fat) und (-)fat auf Serotonin in Ab- und Anwesenheit von 3,4-DAP. Es ist zu sehen, dass 1 mM 3,4-DAP keinen Effekt auf Serotonin-induzierte Kontraktionen in Gefäßringen (-)fat hatte. Hingegen verstärkte 1 mM 3,4-DAP Serotonin-abhängige Kontraktionen in Gefäßringen (+)fat. Die Serotonin-abhängigen Kontraktionen waren in Gefäßringen (+)fat schwächer [Seite 71↓]ausgeprägt als in Gefäßringen (-)fat. 3,4-DAP hob somit den antikontraktilen Effekts des perivaskulären Fettgewebes auf.

Abb. 4.25: Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat und (+)fat durch Serotonin in An- und Abwesenheit von 3,4-DAP (1 mM). 3,4-DAP hatte keinen Effekt auf die Serotonin-abhängigen Kontraktionen von Gefäßringen (-)fat (n=6, paarweiser Vergleich, p>0,05). 4-AP verstärkte Serotonin-abhängige Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat (n=6, p<0,05). Serotonin induzierte schwächere Kontraktionen von Gefäßringen (+)fat als von Gefäßringen (-)fat (p<0,05). Die weißen Balken repräsentieren die Gefäßringe (+)fat, die schwarzen Balken die Gefäßringe (-)fat. Beide Gruppen wurden mit 2 µM Serotonin kontrahiert. An- und Abwesenheit der Substanzen sind mit + bzw - gekennzeichnet.


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28.09.2005