1. EINLEITUNG

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Zu den herausragenden Leistungen der Gehirne höherer Vertebraten zählt ihre Lernfähigkeit. Diese Lernprozesse lassen sich mit deutlichen neuroanatomischen Veränderungen der Hirnstruktur korrelieren(Changeux and Danchin 1976) (zur Übersicht siehe: Shepherd 1994; Kandel et al. 2000). Das Gesangssystem der Vögel stellt in diesem Zusammenhang eines der wesentlichen, etablierten Modelle zur Untersuchung der zugrunde liegenden Prozesse dar (Gurney and Konishi 1980; Nordeen et al. 1989; Nottebohm 1989; Devoogd et al. 1993; MacDougall-Shackleton et al. 1998a; Airey and DeVoogd 2000; Garamszegi and Eens 2004). Es wurden bei Singvögeln beispielsweise Korrelationen zwischen jahreszeitlich bedingten Verhaltensveränderungen und Umbildungen auf neuronaler Ebene beobachtet (Nottebohm 1981; Nottebohm et al. 1986; Tramontin et al. 1999; Ball et al. 2002) und Zusammenhänge zwischen Lernprozessen und morphologischer Umstrukturierung gezeigt (Konishi 1985; Bottjer et al. 1986; Herrmann and Bischof 1986; Nordeen and Nordeen 1988b; Marler 1991b; Marler 1992; Wallhäusser-Franke et al. 1995; MacDougall-Shackleton et al. 1998b; Nixdorf-Bergweiler et al. 1995b; Nixdorf-Bergweiler 1998). Singvögel haben eine angeborene Disposition für ihren arteigenen Gesang (Marler 1991a) und einige Komponenten des Gesangs sind angeboren (Konishi 1965a; Konishi 1965b; Price 1979; Marler 1991a; Braaten and Reynolds 1999), doch um einen normalen arttypischen Gesang äußern zu können, müssen Singvögel diesen arttypischen Gesang zunächst hören und lernen (Thorpe 1958; Thorpe 1961; Eales 1987; Slater et al. 1988; Clayton 1989; Jones et al. 1996). Dies geschieht während einer sensiblen Phase während der Entwicklung von einem Tutor (Marler and Peters 1987; Eales 1989; Houx and Ten Cate 1998). Für das Gesangslernen der meisten Singvögel werden zwei Phasen unterschieden (Marler 1970; Konishi 1985):

Wie wichtig diese auditorische Rückkopplung für eine korrekte Gesangsentwicklung ist, belegen zahlreiche Studien (Konishi 1965a; Burek et al. 1991; Schmidt 1996; Doupe 1997; Doupe et al. 1999; Hessler and Doupe 1999; Leonardo and Konishi 1999; Bottjer et al. 2000; Brainard and Doupe 2000a; Rosen and Mooney 2000), die zeigen, dass Vögel, die als Jungtiere vertäubt wurden, niemals einen normalen Gesang entwickeln, auch wenn sie vor der Vertäubung ein reichhaltiges auditorisches Angebot hatten.

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Die Gesangsentwicklung der Singvögel beginnt bei den meisten Arten bereits in früher Jugend und dauert zum Teil bis ins Adultstadium an. Mit Eintritt der Geschlechtsreife wird der Balzgesang bei der Partnerwahl eingesetzt. Man unterscheidet zwischen Vogelarten, die noch im Adultstadium Gesang lernen und diesen Gesang sogar jedes Jahr wieder erneuern und erweitern können (sogenannte „open-ended-learners”), und Arten, die den Gesang, wenn er einmal manifestiert ist, nicht mehr verändern (sogenannte „age-limited-learners”). Zu den „open-ended-learners” werden unter anderem Kanarienvögel (Serinus canaria) und Stare (Sturnus vulgaris) gezählt, zu den „age-limited-learners” gehören zum Beispiel Zebrafinken (Taeniopygia guttata). „Age-limited-learners” lernen den arttypischen Gesang in einem bestimmten, altersabhängigen Stadium ihrer Entwicklung. Wenn dieser Zeitraum, der auch als sensible Phase beschrieben wird, beendet ist und die Tiere adult geworden sind, wird der Gesang nicht mehr verändert.

Seit 1976 ist bekannt, dass für die Kontrolle des Gesangsverhaltens ein neuronales Netzwerk im Vorderhirn der Singvögel verantwortlich ist (Nottebohm and Arnold 1976). Dieses neuronale Netzwerk, das auch als neuronales Gesangssystem bezeichnet wird, besteht aus einer Anzahl identifizierter Gehirnregionen, die miteinander verschaltet sind. Das neuronale Gesangssystem ist plastisch und verändert sich während des Gesangslernens (Alvarez-Buylla and Kirn 1997; Clayton 1997; Nordeen and Nordeen 1997). Da sowohl die Struktur als auch die Funktion des Gesangssystems experimentell beeinflusst werden können (Nottebohm et al. 1976; DeVoogd and Nottebohm 1981a; Canady et al. 1988; Rollenhagen and Bischof 1991; Kafitz et al. 1992; Wallhäusser-Franke et al. 1995), ist dieses System geeignet zur Untersuchung der Beziehung zwischen Neuronenentwicklung und deren Auswirkung auf die Vokalisation (Stocker et

al. 1994). Struktur (neuronales Netzwerk) und Funktion (Gesang) können direkt miteinander in Beziehung gesetzt werden.

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In der vorliegenden Studie soll am Beispiel des Zebrafinken untersucht werden, welchen Einfluss das Gesangslernen auf anatomische Eigenschaften von Gesangsarealen hat.

1.1. Gesangslernen bei Zebrafinken

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf Untersuchungen an Zebrafinken. Diese äußern, verglichen mit anderen Singvögeln, einen recht einfachen stereotypen Gesang, dessen Erwerb auf einen klar abgegrenzten Zeitraum beschränkt ist und zudem ausschließlich von Männchen vorgetragen wird. Bei Eintritt der Geschlechtsreife benutzen sie ihren Gesang, um Weibchen zu umwerben. Die Paarungsbereitschaft der Zebrafinkenweibchen ist unter anderem davon abhängig, ob zum einen das Männchen in der Lage ist, arttypischen Gesang vorzutragen, und zum anderen, ob das Weibchen diesen Gesang auch als arteigen erkennen kann. Dies bedeutet, dass weibliche Zebrafinken, obwohl sie selbst lediglich angeborene einfache Kontaktrufe äußern, auch das arteigene Gesangsmuster erkennen können müssen. Dabei ist das Gesangsmuster nicht genetisch manifestiert, sondern muss von Männchen und Weibchen erlernt werden (Miller 1979; Cynx and Nottebohm 1992). Wie die meisten Singvögel (Immelmann 1969; Price 1979; Bottjer et al. 1986) sind auch Zebrafinken (Konishi 1965b; Immelmann 1969; Slater et al. 1988; Böhner 1990) darauf angewiesen, während ihrer Gesangsentwicklung Gesang von einem geeigneten Tutor (in der Regel dem Vater) zu hören. Eine Besonderheit bei Zebrafinken ist, dass bei ihnen die Phasen des sensorischen und sensomotorischen Lernens überlappen (Abbildung 1). Bei Zebrafinken findet die Hauptphase des sensorischen Lernens sowohl bei Männchen als auch bei Weibchen in den ersten Lebenswochen statt und klingt zwischen dem 35. und 60. Tag ab (Böhner 1990). In dieser Zeit hören normal aufgezogene Jungtiere akustische Vorbilder - in der Regel den Vater - und nehmen dessen Gesang im Gedächtnis als Sollmuster auf. Nur bei Zebrafinkenmännchen kommt es zu der zweiten, der sensomotorischen Phase des Gesangslernens. Diese beginnt zwischen dem 30. und 40. Tag und dauert ungefähr bis zum 80. Tag (Nottebohm 1993). In dieser Zeit

passt das Männchen seine eigene Vokalisation über auditorische Rückkopplung an das während der Gedächtnisbildung im Gehirn niedergelegte Sollmuster an. Mit etwa 90 Tagen ist der Gesangserwerb bei Zebrafinken abgeschlossen (Böhner 1991).

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Abb. 1: Zeitlicher Ablauf des Gesangslernens: Die Phase, in der das sensorische Lernen sowohl bei Männchen als auch bei Weibchen stattfindet, dauert etwa vom 10. bis zum 60. Tag. Dieses sensorische Lernen überschneidet sich bei Männchen teilweise mit dem sensomotorischen Lernen, das ungefähr zwischen dem 30. und 100. Tag stattfindet.

1.2. Struktur des Gesangs bei Zebrafinken

Der Gesang des Zebrafinken lässt sich in Strophen, Motive und Elemente untergliedern. Ein Element stellt die kleinste Einheit des Gesangs dar. Jedes Männchen hat ein Repertoire von ungefähr sechs bis zehn Elementen (Price 1979), die in der akustischen Struktur und Dauer (0,05 - 0,11 Sekunden) variieren und durch kurze Pausen (ungefähr zehn Millisekunden) voneinander getrennt sind (Sossinka and Böhner 1980). Elemente werden in einer stereotypen Reihenfolge zu Motiven zusammengefasst (siehe dazu: (Price 1979; Sossinka and Böhner 1980; Cynx 1990; Zann 1996; MacDougall-Shackleton et al. 1998b); Abbildung 2). Männchen präsentieren diese Motive mit einer variierenden Anzahl von Einleitungselementen. Manchmal werden diese Einleitungselemente auch in die Motive mit aufgenommen. Wenn einer Abfolge von Einleitungselementen und Motiven eine Pause von mehr als einer Sekunde folgt, wird diese Abfolge Strophe genannt (Slater 1974). Die Anzahl der Motive pro Strophe variiert je nach der Motivation des Vogels (Sossinka and Böhner 1980; Zann 1996). Man

unterscheidet zwischen an Weibchen gerichtetem Gesang (Balzgesang) und ungerichtet vorgetragenemGesang. Der gerichtete Gesang (zwei - fünf Sekunden) ist länger als der ungerichtete Gesang (ein - zwei Sekunden) und besitzt eine höhere Anzahl an Motiven pro Strophe sowie mehr einleitende Elemente (Slater 1974; Sossinka and Böhner 1980; Bischof et al. 1981; Böhner et al. 1992). Außer dem auf Verhaltensebene bekannten Unterschieden zwischen gerichtetem und ungerichtetem Gesang sind auch Unterschiede in der Aktivität verschiedener Gehirnareale bekannt (Jarvis et al. 1998).

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Abb. 2: Sonagramm einer Strophe aus dem Gesang eines adulten, sozial aufgezogenen Zebrafinkenmännchens (modifiziert nach Nixdorf-Bergweiler et al. 1999a).

Abkürzungen: f: Frequenz, kHz: Kilohertz, t: Zeit, s: Sekunden.

1.3. Gesangsentwicklung bei Zebrafinken

Die Vokalisation der Zebrafinkenmännchen kann in mehrere Entwicklungsstufen unterteilt werden. Bereits ab dem dritten Lebenstag werden Bettelrufe geäußert (Immelmann 1969). Stimmfühlungslaute werden zwischen dem 18. und 28. Tag mit variablen Strukturen und in unregelmäßigen Intervallen vorgetragen. Zwischen dem 20. und 30. Tag tritt erstmals Gesang auf (Böhner 1991). Dieser wird als Jugendgesang bezeichnet. Der Jugendgesang entwickelt sich ungefähr ab dem 30. Tag - aus den zuvor eher einzeln vorgetragenen Rufen - und ist teilweise bereits mit Elementen des Adultgesangs durchsetzt (Arnold 1975). Die Variabilität dieses Jugendgesanges wird bis zum 60. Tag kontinuierlich reduziert, und ab diesem Zeitpunkt sind fast alle Elemente des Adultgesanges vorhanden (Slater et al. 1988). Mit ungefähr 60 Tagen erreicht die Gesangsaktivität das Niveau adulter Tiere (Böhner 1991). Die Ausbildung der Frequenz-Zeit-Struktur der einzelnen Gesangselemente ist zwischen dem 60. und 90. Tag weitgehend abgeschlossen (Böhner 1991). Die Festlegung der Elemente zu starren Elementsequenzen (Motiven), die für den Adultgesang kennzeichnend sind, vollzieht sich zwischen dem 75. und 105. Tag (Böhner 1991). Aus einem anfangs sehr variablen plastischen Jugendgesang hat sich ein stereotypes Gesangsmuster entwickelt (Immelmann 1969; Böhner 1981), das Zebrafinken ihr ganzes Leben lang beibehalten.

1.4. Das neuronale Gesangssystem

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Für die Kontrolle des Gesangsverhaltens ist ein neuronales Netzwerk im Vorderhirn der Singvögel verantwortlich (Nottebohm and Arnold 1976). Es besteht aus einer Anzahl identifizierter Gehirnregionen, die miteinander verschaltet sind (Abbildung 3). Bei den Gehirnregionen, die auch als Gesangsareale bezeichnet werden, handelt es sich um anatomisch abgrenzbare Zellansammlungen. Das neuronale Gesangssystem ist plastisch und verändert sich während des Gesangslernens in anatomischer, neurochemischer und molekularer Hinsicht (Alvarez-Buylla and Kirn 1997; Clayton 1997; Nordeen and Nordeen 1997).

Abb. 3: Schematische Darstellung zur Lage der Gesangsareale beim Zebrafinkenmännchen; Sagittalansicht (Abkürzungen: DLM: Nucleus dorsolateralis medialis des anterioren Thalamus, DM: Dorsomedialer Teil des Nucleus intercollicularis, DMP: Posteriorer Anteil des dorsomedialen Nucleus des Thalamus, LMAN: Nucleus lateralis magnocellularis nidopallii anterioris, MMAN: Nucleus medialis magnocellularis nidopallii anterioris, NIf: Nucleus interfacialis nidopallii, nAM: Nucleus ambiguus, nRAm: Nucleus retroambigualis, nXII: Nucleus nervi hypoglossi, Ov: Nucleus ovoidalis, RA: Nucleus robustus arcopallii, StM: Striatum mediale, Uva: Nucleus uvaeformis; d: dorsal, r: rostral).

1.4.1. Kerngebiete des Gesangssystems

Die im Folgenden aufgeführten Gehirnareale werden entlang der Projektion der „anterioren Vorderhirnschleife" beschrieben, auf welche im Anschluss (Abschnitt 1.4.2.) noch im Detail eingegangen wird. Die in dieser Arbeit verwendeten Namen und Abkürzungen richten sich nach der neu eingeführten Nomenklatur (Reiner et al. 2004). Die bisher für Vögel verwendete Nomenklatur ist überarbeitet worden, um sie an die Säugerliteratur anzugleichen. Hierbei wurde darauf geachtet etablierte Abkürzungen weitestgehend beizubehalten.

1.4.1.1. HVC

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Der HVC ist eine telencephale Gesangsregion und wurde 1976 von Nottebohm und seinen Mitarbeitern (Nottebohm et al. 1976) identifiziert, wobei angenommen wurde, dass sich diese Struktur im Hyperpallium (ehemals Hyperstriatum) befindet, daher der ursprüngliche Name Hyperstriatum ventrale pars caudalis (HVc). Später wurde jedoch klar, dass sich der HVc nicht im Hyperpallium, sondern im Nidopalliumbefindet (Paton et al. 1981). Um die ursprüngliche Abkürzung erhalten zu können, schlug Nottebohm 1987 eine Umbenennung in „high(er) vocal center” (HVC) vor (Nottebohm 1987). Nach der neu überarbeiteten Nomenklatur wird das Acronym HVC verwendet (Reiner et al. 2004). Der HVC ist sowohl am Gesangslernen junger Vögel (Nottebohm 1993) als auch an der Gesangsproduktion adulter Vögel beteiligt (Nottebohm et al. 1976; McCasland and Konishi 1981; Vu et al. 1994; Ward et al. 1998). Bei der motorischen Kontrolle nimmt er innerhalb des neuronalen Netzwerkes des Gesangssystems eine Schlüsselposition ein (Vu et al. 1994). Er steuert während des Singens die zeitliche Abfolge der einzelnen Silben und Motive (Vu et al. 1994). Das HVC-Volumen nimmt bei Männchen während der Gesangsentwicklungsphase zu. Diese Volumenzunahme soll sowohl durch Einwanderung als auch durch lokale Neubildung von Neuronen begründet sein (Bottjer et al. 1985; Nottebohm 1985; Bottjer et al. 1986; Nordeen and Nordeen 1988a; Nordeen and Nordeen 1988b; Alvarez-Buylla et al. 1990b). Die Entwicklung des HVC ist bei männlichen und weiblichen Zebrafinken sehr unterschiedlich. Juvenile, erst zehn Tage alte Zebrafinken weisen bezüglich des HVC-Volumens und der Neuronenanzahl noch keine geschlechtsspezifischen Unterschiede auf (Kirn and DeVoogd 1989). Doch während das Volumen im weiteren Entwicklungsverlauf bei Weibchen bis zum 40. Tag schrumpft, steigt es bei Männchen bis zum 20. Tag auf das Dreifache an und beträgt im Alter von 40 Tagen schon 91 % des adulten Kernvolumens (Nixdorf-Bergweiler 1996). Das adulte Kernvolumen ist mit 60 Tagen erreicht und ist dreieinhalbmal größer als das Volumen zehntägiger Tiere (Nixdorf-Bergweiler 1996). Auch die Neuronenanzahl ist im HVC bei zehntägigen Zebrafinkenmännchen und Zebrafinkenweibchen noch gleich (Kirn and DeVoogd 1989). Zwischen dem 20. und 40. Lebenstag ist jedoch die Anzahl pyknotischer Zellen bei Weibchen mehr als doppelt so

hoch als bei Männchen (Kirn and DeVoogd 1989). Bei Männchen steigt die Neuronenanzahl (trotz Zelltod) zwischen dem 25. und 30. Lebenstag um ein Drittel an (Bottjer et al. 1986). Bei männlichen Zebrafinken dauert die sensible Phase für das Gesangslernen vom 10. - 65. Tag (Immelmann 1969; Price 1979; Eales 1985). In diesem Zeitraum verdoppelt sich bei Männchen die Neuronenanzahl im HVC (Kirn and DeVoogd 1989).

Der HVC erhält auditorische Informationen über direkte (Fortune and Margoliash 1992) und indirekte (Kelley and Nottebohm 1979) Verbindungen aus dem komplexen Gebiet „field L“, einem nidopallialem Hirnareal im caudalen Telencephalon, das bei Vögeln die primäre Endstation der Höhrbahn darstellt (Kelley and Nottebohm 1979; Saini and Leppelsack 1981; Ehret 1996; Vates et al. 1996), (Abbildung 3, siehe dazu auch Abschnitt 1.4.2.). Vom HVC ausgehend ziehen innerhalb des Gesangssystems direkte afferente Fasern in den Nucleus robustus arcopallii (RA) und in die Area–X (Nottebohm et al. 1982; Bottjer et al. 1984; Mooney and Rao 1994; Spiro et al. 1999).

1.4.1.2. Area-X

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Die Area-X ist im medialen Teil des Striatums (Striatum mediale; StM) gelegen. Aufgrund ihrer neurochemischen, anatomischen, entwicklungsbiologischen und physiologischen Eigenschaften ist die Area-X mit den Basalganglien der Säuger vergleichbar (Bottjer and Johnson 1997; Luo and Perkel 1999; Perkel and Farries 2000).Obwohl die Area-X eher an der Gedächtnisbildung als an der Gesangsproduktion beteiligt zu sein scheint (Scharff and Nottebohm 1991), konnte sie bisher nur bei den Männchen nachgewiesen werden (Arnold et al. 1986). Während der Entwicklung nimmt das Volumen der Area-X bei Männchen zu. Mit 40 Tagen ist das Volumen auf das vierfache Volumen von zehn Tage alten Männchen angestiegen und hat die Größe von adulten Tieren erreicht (Nixdorf-Bergweiler 1996). Die Area-X ist das größte Kerngebiet des Gesangssystems bei adulten Männchen (Nottebohm and Arnold 1976; Ryan and Arnold 1981). Sie wird sowohl vom HVC (Mooney and Rao 1994) als auch vom Nucleus lateralis magnocellularis nidopallii anterioris (LMAN) innerviert (Nixdorf-Bergweiler et al. 1995a; Vates and Nottebohm 1995; Luo et al. 2001) und projiziert in den Nucleus dorsolateralis medialis des anterioren Thalamus (DLM).

1.4.1.3. Nucleus dorsolateralis medialis des anterioren Thalamus (DLM)

Beim Zebrafinken wurde der Nucleus dorsolateralis medialis des anterioren Thalamus(DLM) erstmals von Bottjer und Mitarbeitern (Bottjer et al. 1989) als separater Kern dorsal des Nucleus ovoidalis (Ov) beschrieben. Aufgrund der Zugehörigkeit des DLM zur „anterioren Vorderhirnschleife" (siehe Abschnitt 1.4.2.2.) (Bottjer et al. 1989; Williams 1989) wird er mit dem frühen Gesangserwerb in Verbindung gebracht. Durch besonders große Somata hebt sich der DLM im Nissl-gefärbten Präparat deutlich vom umliegenden Gewebe ab (Bottjer et al. 1989). Während das DLM-Volumen bei Männchen im Entwicklungsverlauf abnimmt, bleibt die Neuronenanzahl des DLM konstant und die Neuronendichte nimmt zu (Johnson and Bottjer 1992). Der DLM erhält Projektionen aus der Area-X und projiziert seinerseits in den Nucleus lateralis magnocellularis nidopallii anterioris (LMAN) (Bottjer et al. 1989). Außerdem projizieren Neurone des RA in den DLM (Wild 1993b; Wild 1993a; Vates et al. 1997). Diese Verbindungen sind topografisch organisiert (Johnson et al. 1995; Vates and Nottebohm 1995; Luo et al. 1999).

1.4.1.4. Nucleus lateralis magnocellularis nidopallii anterioris (LMAN)

Arnold und seine Mitarbeiter beschrieben erstmals 1976 die im anterioren Vorderhirn gelegene Hirnkernregion Nucleus magnocellularis nidopallii anterioris (MAN) (Arnold et al. 1976). Der MAN konnte bei Zebrafinken und weiteren Singvogelarten nachgewiesen werden, fehlt jedoch bei Nicht-Singvögeln, wie beispielsweise Hühnern und Tauben (Arnold et al. 1976). Studien an Kanarienvögeln zeigten wie der MAN aufgebaut und in das Gesangssystem der Singvögel integriert ist (Nottebohm et al. 1982; Okuhata and Saito 1987). An Zebrafinken wurde der MAN zunächst mittels Läsionsstudien untersucht (Bottjer et al. 1984). Später wurde die Morphologie des MAN und dessen Verbindungen im Detail analysiert (Bottjer et al. 1989). Diese Untersuchungen ergaben, dass sich der MAN aus einem medialen (MMAN) und einem lateralen (LMAN) Teil zusammensetzt. Diese beiden Teile sind durch nidopalliales Gewebe voneinander

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getrennt. Sie unterscheiden sich sowohl bezüglich ihrer Morphologie als auch hinsichtlich ihrer Einbindung in das Gesangssystem. Während der MMAN in den HVC projiziert (Bottjer et al. 1984; Foster et al. 1997; Vates et al. 1997) und an der Gesangsproduktion beteiligt ist (Foster and Bottjer 1993; Foster et al. 1997), spielt der LMAN eine entscheidende Rolle beim Gesangserwerb (Bottjer et al. 1984; Sohrabji et al. 1990; Scharff and Nottebohm 1991; Johnson 1998; Iyengar and Bottjer 2002b; Iyengar and Bottjer 2002a). Das zeigten Versuche, in denen der LMAN juveniler Männchen, die den Gesang noch nicht gelernt hatten, zerstört wurde. Diese LMAN läsionierten Männchen waren nicht mehr in der Lage, den arttypischen Gesang zu lernen (Johnson 1998). Für die adulte Gesangsproduktion schien der LMAN zunächst von geringer Bedeutung zu sein, da LMAN-Läsionen bei adulten Zebrafinkenmännchen mit normal ausgeprägtem Gesang vorerst keinen offensichtlichen Einfluss auf den Gesang hatten (Bottjer and Arnold 1984; Bottjer et al. 1984; Sohrabji et al. 1990; Scharff and Nottebohm 1991; Halsema and Bottjer 1992; Nordeen and Nordeen 1993). Spätere Versuche zeigten demgegenüber, dass der LMAN auch bei adulten Tieren eine Rolle bei der Gesangsproduktion spielt. So konnte in Untersuchungen, in denen der LMAN bilateral läsioniert wurde, eine Veränderung der Gesangsgeschwindigkeit beobachtet werden. Männchen, denen der LMAN läsioniert worden war, sangen mehr als 16 % schneller als Männchen mit intaktem LMAN (Williams and Metha 1999). Wurden adulte Männchen zunächst vertäubt und dann der LMAN bilateral läsioniert, blieben Veränderungen des Gesangs aus (Brainard and Doupe 1997; Brainard and Doupe 2000a; Brainard and Doupe 2000b). Außerdem zeigten elektrophysiologische Untersuchungen am LMAN adulter Tiere während der Gesangsproduktion aktive Neurone im LMAN (Hessler and Doupe 1997). Darüber hinaus ist bekannt, dass der LMAN adulter Männchen bei der Diskriminierung zwischen eigenem Gesang (bird own song; BOS) und dem Gesang eines anderen Zebrafinken beteiligt ist (Scharff et al. 1998).

Morphologische Untersuchungen am LMAN zeigten, dass sich das LMAN-Gesamtvolumen während der Ontogenese verkleinert (Bottjer et al. 1985; Nordeen and Nordeen 1988a; Bottjer and Sengelaub 1989; Burek et al. 1991; Korsia and Bottjer 1991; Nixdorf-Bergweiler 1996). Diese Reduktion findet bei Männchen und Weibchen gleichermaßen statt (Nixdorf-Bergweiler 1996). Auf zellulärer Ebene verläuft die Entwicklung des LMAN bei Männchen und Weibchen ab dem 40. Tag unterschiedlich: während bei Männchen die Zellgröße zwischen dem 40. und 60. Tag um ungefähr 40 % ansteigt und dadurch die Größe von adulten Tieren erreicht hat, nimmt bei Weibchen die Zellgröße zwischen dem 40. und 60. Tag um etwa 60 % ab (Nixdorf-Bergweiler 1998). Die Somata adulter Männchen sind ungefähr dreimal größer als die adulter Weibchen (Nordeen et al. 1987a; Nixdorf-Bergweiler 1998).

Der LMAN wird vom DLM innerviert (Bottjer et al. 1989; Johnson et al. 1995). Vom LMAN aus gibt es sowohl direkte Afferenzen in den Nucleus robustus arcopallii (RA) (Nottebohm et al. 1982; Bottjer et al. 1989) als auch Projektionen zurück in die Area-X (Nixdorf-Bergweiler et al. 1995a; Vates and Nottebohm 1995; Iyengar et al. 1999; Luo et al. 2001).

1.4.1.5. Nucleus robustus arcopallii (RA)

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Ebenso wie der HVC und der MAN wurde auch der Nucleus robustus arcopallii (RA) 1976 von Nottebohm und Mitarbeitern identifiziert und benannt ((Nottebohm et al. 1976) damals als: Nucleus robustus archistriatalis). Wie der Name schon sagt, ist der RA im Arcopallium gelegen. Bereits bei fünf Tage alten Zebrafinken ist er durch seine Neuronendichte deutlich vom umliegenden arcopallialem Gewebe zu unterscheiden. Der Ablauf der RA-Entwicklung ist entscheidend für die Ausbildung eines korrekten Gesangs (Akutagawa and Konishi 1994), da der RA sowohl indirekt am Gesangslernen junger Vögel (Nottebohm 1993) als auch direkt an der Gesangsproduktion adulter Vögel beteiligt ist (Nottebohm et al. 1976; McCasland and Konishi 1981). Das Gesangslernen der Vögel in der sensiblen Phase steht in engem Zusammenhang mit der Plastizität von Synapsen im RA (Sakaguchi 1997). Ist das Gesangssystem erst einmal voll ausgebildet, bewirken kurzfristige Störungen an RA-Neuronen adulter Männchen lediglich eine Störung der gerade gesungenen Silbe, sie haben jedoch keine Auswirkungen auf die Anordnung oder Reihenfolge der Silben (Vu et al. 1994). Der RA generiert ein phasisches und zeitlich präzises neuronales Signal, welches während des Singens die Motoneurone, die die Vokalisation und Respiration beeinflussen, steuert (Spiro et al. 1999).

Die RA-Volumenentwicklung verläuft bei Männchen und Weibchen unterschiedlich: Während bei Männchen das RA-Volumen innerhalb der Gesangsentwicklung bis etwa zum 70. Tag zunimmt, wird es bei Weibchen rückgebildet (Bottjer et al. 1985; Konishi and Akutagawa 1985; Bottjer et al. 1986; Nordeen and Nordeen 1988a; Kirn and DeVoogd 1989; Nixdorf-Bergweiler 1996). Das RA-Volumen bei Weibchen schrumpft zwischen dem 20. und dem 40. bis 45. Tag um die Hälfte (Konishi and Akutagawa 1985; Konishi and Akutagawa 1987; Nordeen and Nordeen 1988a; Kirn and DeVoogd 1989; Nixdorf-Bergweiler 1996). Die Neuronenanzahl im RA ist vor Beginn des Gesangslernens bei juvenilen Männchen und Weibchen gleich. Während jedoch die Neuronenanzahl im RA bei Männchen während der Gesangsentwicklung konstant bleibt, nimmt sie bei Weibchen, bedingt durch Apoptose, stark ab (Konishi and Akutagawa 1985; Kirn and DeVoogd 1989; Nordeen and Nordeen 1996).

Der RA stellt den Ausgang des telencephalen Gesangssystems der Singvögel dar (Vicario and Raksin 2000). Er erhält Eingänge vom HVC und vom LMAN (Nottebohm et al. 1982; Bottjer et al. 1989; Kubota and Saito 1991; Mooney and Konishi 1991). Der RA projiziert seinerseits zu Gebieten des Hirnstamms, die in die Kontrolle der Syrinx – dem lauterzeugenden Organ der Vögel - und der Respiration involviert sind (Vicario 1991; Vicario 1993; Wild 1993a; Wild 1993b; Vicario 1994; Wild 1994; Spiro et al. 1999). Projektionsneurone aus dem ventralen Bereich des RA projizieren zu den hypoglossalen Motoneuronen (Vicario 1993), die die Muskeln der Syrinx innervieren. Projektionsneurone aus dem dorsalen Teil des RA projizieren entweder direkt oder indirekt über den „dorsomedialen" Teil des Nucleus intercollicularis (DM) zum Nucleus ambiguus / Nucleus retroambigualis (nAM / nRAm), der den Larynx und die expiratorischen Motoneurone ansteuert (Spiro et al. 1999). Außerdem projizieren Neurone aus dem dorsalen Teil des RA in den posterioren Anteil des dorsomedialen Nucleus des Thalamus (DMP) (Vates et al. 1997; Iyengar et al. 1999; Li et al. 1999) und auch in den DLM (Wild 1993b; Vates et al. 1997) (siehe auch Abschnitt 1.4.2.1.).

1.4.1.6. Nucleus nervi hypoglossi (nXII)

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Der Nucleus nervi hypoglossi (nXII) ist im Hirnstamm der Vögel gelegen. Er spielt eine entscheidende Rolle bei der Vokalisation, da er die Syrinx innerviert (siehe Tabelle 1). Der nXII wird vom RA direkt und indirekt über den DM innerviert. Diese Projektionen vom RA zum nXII sind topografisch organisiert. Es projizieren einerseits Fasern aus dem dorsalen Teil des RA in den DM und von dort zum nXII (Vicario 1993), während andererseits Fasern aus dem ventralen Teil des RA direktden nXII innervieren (Vicario 1993; Wild 1993a; Wild 1993b; Vicario 1994; Wild 1994; Spiro et al. 1999). Der nXII seinerseits projiziert direkt zur Syrinx.

1.4.1.7. Überblick zur Lokalisation und Funktion der vorgestellten Gesangsareale

Die Funktionen der beschriebenen Gehirnareale lassen sich, wie in Tabelle 1 dargestellt, zusammenfassen.

Tab. 1: Überblick zur Lokalisation und zu bisher bekannten Funktionen der Gesangsareale HVC, Area-X, DLM, LMAN und RA und des nXII im Zebrafinken.

 

Lokalisation

Funktion

HVC

Nidopallium

beteiligt am Gesangslernen und der Gesangsproduktion;
steuert zeitliche Abfolge der einzelnen Silben & Motive

Area-X

Striatum

beteiligt an der Gedächtnisbildung

DLM

anteriorer Thalamus

beteiligt am frühen Gesangserwerb

LMAN

anteriores Nidopallium

beteiligt am frühen Gesangserwerb und an der
auditorischen Rückkopplung

RA

Arcopallium

beteiligt an der Gesangsproduktion;
steuert Motoneurone für Respiration & Vokalisation

nXII

Hirnstamm

innerviert die Syrinx

1.4.2. Konnektivitäten innerhalb des Gesangssystems

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Das neuronale Gesangssystem der Singvögel erhält auditorische Informationen aus dem „field L“, einem nidopallialem Hirnareal im caudalen Telencephalon, das bei Vögeln die primäre Endstation der Höhrbahn darstellt (Kelley and Nottebohm 1979; Saini and Leppelsack 1981; Ehret 1996; Vates et al. 1996; Janata and Margoliash 1999; Gehr et al. 2000). Das „field L“ besteht aus fünf verschiedenen Untereinheiten, die als L1, L2a, L2b, L3, und L bezeichnet werden (Fortune and Margoliash 1992).Das „field L“ selbst wird nicht zum Gesangssystem gezählt, wohl aber projizieren Neurone vom „field L“ in den HVC (Fortune and Margoliash 1992; Fortune and Margoliash 1995; Vates et al. 1996; Mello et al. 1998) und in den RA (Vates et al. 1996).

Innerhalb des Gesangssystems unterscheidet man zwei Hauptnetzwerke, die an dem Gesangsverhalten maßgeblich beteiligt sind. Eine „prämotorische Bahn” (siehe Abschnitt 1.4.2.1. und Abbildung 4), die für die Produktion des Gesangs wichtig ist, und eine „anteriore Vorderhirnschleife” (siehe Abschnitt 1.4.2.2. und Abbildung 4), die mit Lernprozessen bezüglich des Gesangsverhaltens in Verbindung gebracht wird.

1.4.2.1. Die „prämotorische Bahn”

Die „prämotorische Bahn" kontrolliert Gehirnareale des Vorderhirns, des Mittelhirns und des Hirnstamms, die wiederum die Muskeln des Stimmapparates und der Respiration regulieren. Die Projektionen der „prämotorischen Bahn" verlaufen vom Kerngebiet des Nucleus uvaeformis (Uva) im Thalamus zum Nucleus interfacialis nidopallii (NIf) im Nidopallium über den HVC im Telencephalon zum RA (zur Übersicht siehe (Margoliash 1997)). Der RA schließlich projiziert zu Kerngebieten des Zwischenhirns (DLM (Wild 1993b; Vates et al. 1997)), des Mittelhirns (DMP (Foster and Bottjer 1992; Foster et al. 1997), DM (Vicario 1991)) und des Hirnstamms (nXII (Vicario and Nottebohm 1988), nAM, nRAm (Wild 1993a; Wild 1993b)). Während der nRAm für die Respiration relevante Muskeln innerviert, innerviert der nXII die Syrinx, das lauterzeugende Organ der Vögel (Wild 1997). Die „prämotorische Bahn” ist das ganze Leben hindurch maßgeblich an der Gesangsproduktion beteiligt (Arnold et al. 1976; Nottebohm et al. 1976; Nottebohm et al. 1982).

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1.4.2.2. Die „anteriore Vorderhirnschleife”

Vom HVC ausgehend gibt es neben der direkt zum RA projizierenden „prämotorischen Bahn” noch eine indirekte Verbindung zum RA, die auch als „anteriore Vorderhirnschleife” (anterior forebrain pathway; AFP) bezeichnet wird (Nottebohm et al. 1982; Okuhata and Saito 1987; Bottjer et al. 1989; Williams et al. 1989; Doya and Sejnowski 1995; Vates and Nottebohm 1995). Diese AFP verläuft vom HVC ausgehend über die Area-X, den DLM und den LMAN zum RA; weiterhin ziehen Fasern vom LMAN ausgehend auch in die Area-X(Nixdorf-Bergweiler et al. 1995a; Vates and Nottebohm 1995) (Abbildung 4). Die Verbindungen vom LMAN über die Area-X zum DLM (Vates and Nottebohm 1995; Luo et al. 1999) und vom DLM über den LMAN zum RA (Johnson and Bottjer 1994; Johnson et al. 1995; Luo et al. 1999) sind topografisch organisiert (Luo et al. 2001; Iyengar and Bottjer 2002a). Die anatomischen Verbindungen der AFP sind ungefähr ab dem 20. Lebenstag erstellt (Mooney and Rao 1994).

Derzeit wird der Begriff AFP in der aktuellen Literatur nicht einheitlich gebraucht. So wird die AFP einerseits einschließlich der Kerngebiete HVC und RA beschrieben (Farries 2004, Reiner et al. 2004) und andererseits ohne diese (Brainard 2004, Doupe et al. 2004, Konishi 2004). In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff der AFP einschließlich der Projektionswege vom HVC zur Area-X und vom LMAN zum RA verwendet.

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Abb. 4: Selektive schematische Darstellung der Kerngebiete des Gesangssystems eines adulten Zebrafinkenmännchens; Sagittalansicht; blaue Projektionen: prämotorische Bahn; rote Projektionen: anteriore Vorderhirnschleife (Abkürzungen: DLM: Nucleus dorsolateralis medialis des anterioren Thalamus, DM: Dorsomedialer Teil des Nucleus intercollicularis, LMAN: Nucleus lateralis magnocellularis nidopallii anterioris, nAM: Nucleus ambiguus, nRAm: Nucleus retroambigualis, nXII: Nucleus nervi hypoglossi, RA: Nucleus robustus arcopallii, StM:Striatum mediale; d: dorsal, r: rostral).

Funktionell wird die AFP mehr dem Gesangslernen und weniger der Gesangsproduktion zugeordnet (Bottjer et al. 1984; Sohrabji et al. 1990; Scharff and Nottebohm 1991; Brainard and Doupe 2000b). Es ist bekannt, dass die AFP für die Lautäußerung junger Zebrafinken während der Gesangslernphase notwendig ist, nicht jedoch für adulte Vögel, um bereits erlernten Gesang vorzutragen (Bottjer et al. 1984; Sohrabji et al. 1989; Scharff and Nottebohm 1991). Des Weiteren ist bekannt, dass die AFP beim Erkennen von arteigenem Gesang eine Rolle spielt (Doupe and Solis 1997; Margoliash 1997; Scharff et al. 1998; Solis and Doupe 2000). Die AFP könnte bei der Gedächtnisbildung eine Rolle spielen, welche auch bei Weibchen eine Funktion bei der Abspeicherung eines Gesangsmusters haben könnte. Allerdings sind die meisten an der AFP beteiligten Hirnareale sexualdimorph ausgebildet. So sinddie Areale HVC und

RA bei Weibchen kleiner als bei Männchen und die im StM gelegene Region Area-X ist nur bei Männchen darstellbar (Nottebohm and Arnold 1976). Bei Weibchen gibt es im StM keine klar umgrenzte Kernregion. Einzig der LMAN ist bei Weibchen gleich groß wie bei Männchen (Nixdorf-Bergweiler 1996; Hamilton et al. 1998). Auch ist zur Zeit noch nicht eindeutig geklärt, ob die Projektionen der AFP bei Männchen und Weibchen gleich verlaufen.

1.5. Morphologische Korrelate neuronaler Plastizität

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Das Gesangslernen bei Vögeln ist ein etabliertes Modell, um Mechanismen zu untersuchen, die an Lernprozessen beteiligt sind (Gurney and Konishi 1980; Nordeen et al. 1989; Nottebohm 1989; DeVoogd et al. 1993; MacDougall-Shackleton et al. 1998a; Airey and DeVoogd 2000). Im Folgenden werden zwei Ansätze zur Untersuchung von KorrelationenzwischenVerhaltensebene und morphologischer Ebene während Lernprozessen vorgestellt.In Abschnitt 1.5.1. wird die sexualdimorphe Gesangsentwicklung und in Abschnitt 1.5.2. die veränderte Gesangsentwicklung nach deprivierter Aufzucht beschrieben.

1.5.1. Sexualdimorphismus

Bei Zebrafinken, wie auch bei vielen anderen Singvogelarten, wird der Gesang ausschließlich von Männchen vorgetragen. Für diesen auf Verhaltensebene stark ausgeprägten Sexualdimorphismus sind Korrelate auf neuronaler Ebene bekannt. Es gibt zum Beispiel geschlechtsspezifische Unterschiede innerhalb des neuronalen Gesangssystems bezüglich der Verschaltung einzelner Gesangsareale. Die prämotorische Bahn, von der man weiß, dass sie maßgeblich an der Gesangsproduktion beteiligt ist (Arnold et al. 1976; Nottebohm et al. 1976; Nottebohm et al. 1982), ist bei Zebrafinkenweibchen nicht so ausgebildet wie bei Männchen. Bei Weibchen wird die zur prämotorischen Bahn gezählte Projektion vom HVC zum RA nicht ausgebildet (Nottebohm and Arnold 1976; Konishi and Akutagawa 1985; Williams 1985; Mooney and Rao 1994). Diese Verbindung erfolgt bei Männchen ab dem 35. Tag (Konishi and Akutagawa 1985). Bei adulten Weibchen enden die vom HVC ausziehenden Faserbündel „blind" vor dem RA, ohne diesen zu innervieren (Mooney and Rao 1994). Im Gegensatz dazu postulieren Wang und Mitarbeiter anhand einer Studie mit spannungssensitiven Farbstoffen, dass eine Verbindung zwischen HVC und RA bei Zebrafinkenweibchen existiert (Wang et al. 1999). Allerdings können die Autoren keine Aussage darüber treffen, ob diese Verbindung direkter oder indirekter Natur ist.

Der Kontaktruf, der von Zebrafinkenmännchen und -weibchen geäußert wird, unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern (Zann 1984; Zann 1985). Während der Kontaktruf der Weibchen angeboren ist, enthält der der Männchen auch erlernte, frequenzmodulierte Komponenten. Diese werden durch Modulationdes expiratorischen Luftstroms erzeugt (Simpson and Vicario 1990) und erfolgen unter Kontrolle der Gesangsareale HVC und RA (Simpson and Vicario 1990). Nach Läsionen des HVC und / oder des RA äußern Männchen nur noch unmodulierte Kontaktrufe, wie sie für Weibchen typisch sind (Simpson and Vicario 1990). Weibchen benötigen für die Erzeugung von Kontaktrufen die telencephale Verbindung zwischen HVC und RA nicht (Simpson and Vicario 1990).

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Darüber hinaus unterscheiden sich Zebrafinkenmännchen und -weibchen durch die Ausbildung der zum Gesangssystem gezählten Gehirnareale. Die meisten Gesangsareale der Männchen sind größer als die der Weibchen (Nottebohm and Arnold 1976; Nixdorf-Bergweiler 1996) (Abbildung 5). Auch verfügen die Gesangsareale der männlichen Tiere über größere Neurone (Nordeen et al. 1987a; Nordeen et al. 1987b; Nixdorf-Bergweiler 1998) und über einen größeren Anteil androgen-akkumulierender Zellen (Arnold 1980b; Arnold 1980a; Gurney 1981). Ebenso treten in der Dendritenmorphologie (DeVoogd and Nottebohm 1981b; Nixdorf et al. 1989b) und in der Anzahl und Ausbildung der synaptischen Kontakte geschlechtsspezifische Unterschiede auf (Nixdorf-Bergweiler 2001).

Abb. 5: Vergleich der Volumenentwicklung der Gesangsareale LMAN (A), HVC (B), RA (C) und Area-X (D) zwischen Zebrafinkenmännchen und Zebrafinkenweibchen im Zeitraum von zehn bis 100 Tagen. Dargestellt sind die Mittelwerte ± Standardfehler. Während die Entwicklung des LMAN-Volumens bei Männchen und Weibchen sehr ähnlich verläuft, ist sie in den Gesangsarealen HVC und RA sehr unterschiedlich. Zudem ist die Area-X nur bei Männchen nachweisbar (verändert nach Nixdorf-Bergweiler 1996).

Ausschlaggebend für das sexualdimorph geprägte Verhältnis bei Zebrafinken ist die An- oder Abwesenheit von Steroidhormonen während der Entwicklung. Werden Zebrafinkenweibchen bald nach dem Schlüpfen mit Steroidhormonen behandelt, entwickeln sie Gesangsareale, die denen von Männchen mehr ähneln als denen unbehandelter Weibchen (Gurney 1981; Gurney 1982; Nordeen et al. 1987a; Nordeen et al. 1987b). Durch Hormongabe können Weibchen männchentypische Kontaktrufe mit frequenzmoduliertem Anteil äußern (Simpson and Vicario 1990; Simpson and Vicario 1991a). Bei diesen hormonbehandelten Weibchen ist auch die Projektion vom HVC zum RA ähnlich ausgebildet wie bei den Männchen (Simpson and Vicario 1991b). Nach

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bilateraler HVC-Läsion dieser hormonbehandelten Weibchen äußerten diese wieder nur weibchentypische Kontaktrufe (Simpson and Vicario 1991b). Wird die Testosteronbehandlung bei adulten Zebrafinkenweibchen fortgesetzt, beginnen diese sogar zu singen (Gurney 1982; Pohl-Apel and Sossinka 1984; Simpson and Vicario 1991a).

1.5.2. Auswirkungen von Deprivationen

Einen weiteren Ansatz zur Untersuchung von verhaltensbezogenen und neuronanatomischen Veränderungen bei der Gesangsentwicklung von Zebrafinken stellen Deprivationen dar. Diese können mit verschiedenen Untersuchungsansätzen wie Vertäubung, Läsion oder Isolation induziert werden.

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All diese Deprivationsformen haben bei Zebrafinken Veränderungen in der Gesangsentwicklung zur Folge.

Vertäubung

Versuchsansätze, in denen adulte Zebrafinkenmännchen vertäubt werden, machen deutlich, dass der Gesang adulter Zebrafinkenmännchen doch nicht so unveränderlich ist, wie zunächst angenommen wurde, und offenbar einer auditorischen Rückkopplung bedarf. Diese vertäubten Tiere verändern nach ungefähr ein bis vier Monaten ihren Gesang (Nordeen and Nordeen 1992). Interessant sind in diesem Zusammenhang die Parallelen zwischen dem Gesangserwerb bei Vögeln und dem Spracherwerb beim Menschen (Rehkämper and Zilles 1991; Saito and Maekawa 1993; Doupe and Kuhl 1999; Farries and Perkel 2000; Perkel and Farries 2000). Beispielsweise führt Taubheit sowohl bei Menschen als auch bei Singvögeln zu einer gestörten Sprach- beziehungsweise Gesangsentwicklung, was auf die Notwendigkeit einer auditorischen Rückkopplung schließen lässt (Brainard and Doupe 2000b). Wie lange es dauert, bis sich der Gesang adult vertäubter Zebrafinkenmännchen ändert, ist abhängig vom Alter und der Gesangserfahrung dieser Tiere (Lombardino and Nottebohm 2000). Wird der Vergleich des eigenen Gesangs mit dem erlernten Gesangsmuster nicht durch Vertäubung, sondern durch das Vorspielen von lauten Geräuschen verhindert, können dadurch entstandene Veränderungen im Gesang wieder rückgängiggemacht werden (Leonardo and Konishi 1999). Neuronale Veränderungen nach Vertäubung juveniler Zebrafinkenmännchen sind im Gesangssystem bezüglich der Projektionen vom LMAN zum RA bekannt (Iyengar and Bottjer 2002b). Außerdem ist bei adult vertäubten Männchen eine starke Reduzierung der ZENK Expression im RA beobachtet worden (Whitney and Johnson 2003). ZENK ist ein „Zinkfinger”-Protein, dessen Expression mit Lern- und Gedächtnisprozessen in Zusammenhang steht.

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Läsion

Einen konkreten Zusammenhang zwischen morphologischen Strukturen des Gesangssystems und dem Gesangserwerb machen Läsionsversuche deutlich. Läsionen des Gesangsareals LMAN bei juvenilen Zebrafinkenmännchen haben zur Folge, dass diese Tiere keinen normalen arttypischen Gesang erlernen können (Bottjer et al. 1984; Scharff and Nottebohm 1991). Dies trifft auch bei Zebrafinken zu, die zunächst gesangsdeprivert aufgezogen werden und denen erst adult der LMAN läsioniert wird. Auch diese Tiere sind trotz der durch die Aufzuchtbedingungen ausgedehnten sensiblen Phase für den Gesangserwerb nicht in der Lage, arttypischen

Gesang zu erlernen (Morrison and Nottebohm 1993). Diese Ergebnisse weisen auf eine Beteiligung des LMAN am Gesangslernen hin.Die Area-X scheint ebenfalls an der juvenilen Gesangsentwicklung beteiligt zu sein, da deren Läsion bei juvenilen Zebrafinkenmännchen die Gesangsentwicklung stört (Sohrabji et al. 1990). Vergleichende Untersuchungen mit Läsionen der Area-X oder des LMAN bei juvenilen Tieren und anschließende Untersuchungen der Gesangsentwicklung zeigen, dass LMAN läsionierte Männchen einen monotonen Gesang äußern, in dem nur ein oder wenige Elemente immer wieder wiederholt werden, während Area-X läsionierte Männchen mehrere ungewöhnlich lange Elemente äußern, die sehr variabel sind. In Area-X läsionierten Tieren wird, im Gegensatz zu LMAN läsionierten Tieren, nie eine Stabilität im Gesang erreicht (Scharff and Nottebohm 1991). Verhaltenstests mit Area-X und LMAN läsionierten Tieren zeigen, dass diese Tiere zwar zwischen arteigenem und artfremdem Gesang zu unterscheiden vermögen, ihren eigenen Gesang allerdings nicht erkennen können (Scharff et al. 1998). Weiterhin ist aus Läsionsversuchen die Beteiligung des HVC und des RA an den Kontaktrufen der Zebrafinkenmännchen bekannt. Während HVC und RA-Läsionen bei Zebrafinkenweibchen keinen Einfluss auf die von ihnen geäußerten, angeborenen Kontaktrufe haben, fällt bei Zebrafinkenmännchen der für sie typische erlernte, frequenzmodulierte Teil des Kontakrufes weg(Simpson and Vicario 1990).

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Isolation

Aus Versuchen, in denen Zebrafinken durch eine andere Vogelart aufgezogen wurden, oder in denen ihnen während der Entwicklung ein geeigneter Tutor vorenthalten wurde, ist bekannt, dass für das Gesangslernen eine sensible Phase während der Entwicklung existiert (Immelmann 1969; Slater 1983; Eales 1985; Zann 1985; Eales 1987). Diese sensible Phase kann bei mangelndem Angebot eines geeigneten Tutors zeitlich ausgedehnt werden (Eales 1987; Jones et al. 1996). Für Männchen bedeutet das, dass sie im Adultstadium bei Angebot eines entsprechenden Tutors ihren Gesang noch modifizieren können (Eales 1985; Eales 1987; Morrison and Nottebohm 1993; Jones et al. 1996). Wenn Zebrafinkenmännchen durch das Entfernen adulter Männchen gesangsdepriviert aufgezogenen werden, dann entwickeln sie einen Gesang, der sich von dem in normalem sozialen Umfeld aufgezogener Tiere unterscheidet (Price 1979;

Eales 1985; Jones et al. 1996). Der Gesang, den isoliert aufgezogene Zebrafinkenmännchen entwickeln, unterscheidet sich von dem Gesang sozial aufgezogener Männchen hinsichtlich der Frequenz-Zeit-Struktur. Die Strophen dieses „isolierten Gesanges” sind länger, die Motivlängen sind nicht konstant, die einzelnen Motive bestehen nur aus wenigen Elementen, und diese Elemente weisen andere Charakteristika auf als die eines normalen Zebrafinkengesangs (Eales 1985; Williams and Staples 1992; Morrison and Nottebohm 1993; Volman and Khanna 1995; Jones et al. 1996; Bolhuis et al. 1999).Auf direkte Zusammenhänge zwischen Änderungen im Verhalten und Änderungen in den morphologischen Strukturen des Gesangssystems weisen Vergleiche zwischen sozial und gesangsdepriviert aufgezogenen Zebrafinken hin. Bei gesangsdeprivierten Tieren ist die Dichte der dendritischen Dornen („spines") in spezifischen Arealen größer als bei sozial aufgezogenen Tieren (Wallhäusser-Franke et al. 1995). Ein Umstand, der nicht in einer Erhöhung der „spine"-Dichten der gesangsdeprivierten Tiere begründet ist, sondern in einer fehlenden Reduktion der „spines" während der Entwicklung wie es auch in anderen Systemen beobachtet werden kann (Wallhäusser and Scheich 1987; Rollenhagen and Bischof 1991; Wallhäusser-Franke et al. 1995; Bock and Braun 1999). Auch findet sich bei den gesangsdeprivierten Tieren eine verringerte Expression von Proteinen, die an synaptischer Plastizität beteiligt sind, wie beispielsweise der Proteinkinase C (PKc) (Sakaguchi and Yamaguchi 1997).

1.6. Ziel der Arbeit

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Grundlage der vorliegenden Arbeit ist die Tatsache, dass sich das Gesangslernen bei Zebrafinken aus zwei Phasen zusammensetzt. In einer wird das arteigene Gesangsmuster als Sollmuster im Gedächtnis abgespeichert. Dies ist ein Prozess, der auch bei Zebrafinkenweibchen stattfindet, obwohl diese nicht singen lernen. In der anderen Phase wird die eigene Vokalisation an das im Gedächtnis gespeicherte Gesangsmuster angepasst. Dieser Prozess findet nur bei Zebrafinkenmännchen statt. Weitere Grundlage ist, dass gesangsdepriviert aufgezogene Zebrafinkenmännchen, im Vergleich zu sozial aufgezogenen Tieren einen veränderten Gesang äußern. Es gibt Evidenzen, welche Gehirnareale und Konnektivitäten an der Gesangsproduktion und welche am Gesangslernen beteiligt sind. Größtenteils unbekannt ist hingegen, welche morphologischen Veränderungen diesen Verhaltensveränderungen zugrunde liegen. Durch den ausgeprägten Sexualdimorphismus in ihrem Gesangsverhalten und durch die Möglichkeit, mit Deprivation ihr Verhalten und ihr neuronales Gesangssystem beeinflussen zu können, bieten Zebrafinken ideale Untersuchungsansätze zur Korrelation von Veränderungen auf Verhaltensebene und auf neuronaler Ebene. Hierzu werden im Rahmen der dargelegten Arbeit folgende Aspekte untersucht:


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23.11.2005