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10  Schlussbemerkungen

Die Autorin bezieht sich auf die unter 3. erklärten wissenschaftlichen Fragestellungen und Arbeitshypothesen und schätzt ein:

1.

Zur selbstständigen Fachinformationsgewinnung in der theoretischen Berufsausbildung bieten sich Handlungsanleitungen als methodische Orientierungshilfen an.

 

Sie gewährleisten eine didaktische Nutzerführung auf der Basis von Aufgabenstellungen und Leitfragen erfolgen. Klarer Strukturiert und kürzer gefasst als Leittexte, setzen sie den sicheren Umgang mit selbigen voraus. Lehrender und Lernender erfahren je nach Hand­lungsstufe definierte Aufgaben mit dem Ziel der weitestgehend autonomen Fachinforma­tionsgewinnung und der Algorithmisierung von Strategien.

 

Handlungsanleitungen ermöglichen:

 

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fächerübergreifenden Unterricht

 

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den Bezug zur Berufspraxis

 

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Differenzierung entsprechend der Zugangsvoraussetzungen

 

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durch Handlungsorientierung die Entwicklung von Selbstständigkeit

 

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lebenslanges Lernen

 

Der Lernende wird befähigt, sein weiteres Arbeitsleben als Prozess betrachtend, Schlüs­selqualifikationen zu realisieren und Handlungskompetenz in den involvierten Dimensio­nen zu entwickeln.

 

2.

Das Niveau der selbstständigen Fachinformationsgewinnung mittels digitaler Medien richtet sich am Ausbildungsstand in der dreijährigen Berufsausbildung zum Gärtner/zur Gärtnerin aus.

 

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Auszubildende des 1. Ausbildungsjahres (Grundstufe) können selbstständig Fachin­formationen in Nutzung einer Datenbank-CD-ROM erschließen. Gartenbaulich fun­dierte Datenbank-CD-ROM sind gegenwärtig vornehmlich zur Speicherung botani­scher Informationen auf dem Markt und gestatten das Training botanischer Taxono­mien und Begrifflichkeiten. Sie sind lexikalisch angelegt, besitzen definierte Daten­mengen und Befehle und sind so vom Nutzer leicht zu durchdringen. Die Handlungs­anleitungen dienen der Befähigung der Lernenden zur selbstständigen Beschaffung, Bewertung, Auswahl, Speicherung und Anwendung der Fachinformationen und sind auf bestimmte berufliche Aufgaben bezogen.


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Daneben existieren CD-ROM mit interaktiver Ausrichtung, die vornehmlich der Prü­fungsvorbereitung dienen und den weiterführenden Klassenstufen vorbehalten bleiben sollten. Eine Listung mit aktuell empfehlenswerten Datenbank-CD-ROM bietet Anlage 25.

 

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Auszubildende des 2. Ausbildungsjahres (Fachstufe I) sind in der Lage selbstständig Fachinformationen in Nutzung einer Katalog-CD-ROM zu erschließen. Diese, vor­nehmlich der Werbung dienenden Datenträger, stellen Sortimente vor und repräsen­tie­ren Anwendungen der dargebotenen Artikel. Katalog-CD-ROM sind ihrer Ausrich­tung auf einen potentiellen Kunden- und Käuferkreis wegen nur in zweiter Linie Trä­ger von Fachinformationen, stellen jedoch preiswerte Alternativen zur Datenbank-CD-ROM dar. Die Handlungsanleitungen dienen der Befähigung der Lernenden zur selbstständigen Informationssuche, -wichtung und -selektion. Eine Listung mit aktuell empfehlenswerten Katalog-CD-ROM bietet Anlage 25. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass CD-ROM zu Werbezwecken nur geringe Amortisationszeiten be­sitzen.

 

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Auszubildende des 3. Ausbildungsjahres (Fachstufe II) erschließen selbstständig Fach­informationen in Nutzung des Internet. Um die Kommunikationsmöglichkeiten der globalen Netze nutzen zu können, müssen Quellenhinweise erstellt, eine Orientierung zur Auffindung der gewünschten Informationen gewährt und Bewertungskriterien entwickelt werden. Der Lernende muss Informationen suchen, vergleichen, wichten und selektieren und dabei Innovationen zur selbstständigen Fachinformationsgewinnung über digitale Medien entwickeln. Durch Änderung und Schließung von Ad­ressen entwickeln sich dasSuchen im Netz trotz bester Strategie zur Sackgasse, was auf den Nutzer demotivierend wirkt. Eine Listung mit aktuell empfehlenswerten Ad­resseinträgen bietet der Anlage 24 (Stand: 1. Februar 2003).

 

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Adäquat zur Suche über vorgegebene Adresseinträge rangiert die Arbeit mit Suchma­schinen. Die Handlungsanleitung zum Umgang mit Suchmaschinen sollte für den Nut­zer durch eine Kriterienbildung zum Suchvorgang aufgewertet werden.


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3.

Handlungsanleitungen, die mit einem phantasievollem und aussagefähigen Layout eröff­nen, erwecken Neugierde und motivieren im Sinne der Nutzung. Die Verfasserin entwi­ckelte für die Handlungsanleitungen im Bildungsgang zum Gärtner/zur Gärtnerin den „Grünen Daumen“ als Logo und bewirkte damit die Wiedererkennung und Rekognition durch den Lernenden.

 

Handlungsanleitungen sind prozess- und ergebnisorientiert und bedürfen optimaler mate­riell-technischer Voraussetzungen und definierter Nutzer. Sie sollten im Eröffnungsteil klare Aussagen zu Einsatz- und Nutzungsvoraussetzungen treffen und die Gliederung vor­stellen:

 

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Ziel: vorweggenommenes Ergebnis in Vorgabe einer obligaten Informationsquelle und bei Verwendung der Handlungsanleitung

 

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Aufgabe: Formulierung der Aufgabenstellung als Lerninhalt eines Lerngebietes und in Bezug auf das Ausbildungsjahr

 

Teil 1-

Allgemeine Handlungsanleitung zum Kennen lernen des Datenträgers oder Netzes und zum Erlernen einer Schrittfolge

 

Teil 2 -

Übung und Kontrolle

 

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Adressatenkreis: auf erfolgsorientierte Nutzung ausgelegte Empfehlung zu Qualifika­tionsniveau, Beruf, Fachrichtung, Lehrjahr

 

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Lerngebiet: Einordnung der Fachinformationsgewinnung in Rahmenlehrplan und Aus­bildungsjahr

 

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Themenkomplex: Vorschlag eines Stundenthemas innerhalb des Lerngebietes

 

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Nutzungsvoraussetzungen: Bestimmung der kognitiven und psychomotorischen Vor­aussetzungen der Lernenden im Hinblick auf die Realisierbarkeit der selbstständigen Fachinformationsgewinnung

Je treffender im „Allgemeinen Teil“ der Handlungsanleitung die Identifikation des Lernenden mit der Problematik und seine Anleitung über Leitfragen gelingt, desto erfolgreicher ist der Schluss auf Handlungsalgorithmen bei vergleichbaren Prozessen. Der Lernende erfährt die Kausalität zwischen Medienkompetenz und fachlicher Nutzung und zeigt Grenzen der Nut­zung selbst auf. Im Prozess der selbstständigen Fachinformationsgewinnung mittels digitaler Medien kommen dem Lehrenden organisatorische, moderierend-tutorielle und administrative Aufgaben zu.


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Im anschließenden „Übungs- und Kontrollteil“ bildet der Lernenden den angelernten Al­gorithmus auf eine fiktive Problemsituation ab. Da der Wissenserwerb über digitale Medien methodisch-didaktisches Instrumentarium des Lehrenden ist und in den laufenden Fachunterricht eingebunden wird, kann der Lernende ein Netzwerk aus Erfahrungen, neu erworbenen Kenntnissen, Begriffen und Fähigkeiten anlegen. Der Übungs- und Kontrollteil ist generell ergebnisorientiert und abrechenbar anzulegen, um die Motivation des Lernenden zu wahren.

Der Lehrende wirkt als Koordinator, Kontrolleur und Lernberater.

5.

Die Erprobungen haben bewiesen, dass bei klarer Formulierung und Strukturierung der Schrittfolge Handlungsanleitungen für Auszubildende mit differenzierten Zugangsvoraus­setzungen zur Berufsausbildung realisierbar sind. Divergierenden Einzelleistungen werden im Klassenverband weitestgehend selbstständig und innerhalb des Zeitlimits kompensiert. Überforderungen sind vom Fachlehrer durch ein geeignetes Unterrichtsregime rela­tivierbar, Unterforderungen können durch fakultative Räume in der Handlungsanleitung ausgeglichen werden.


Die Autorin resümiert abschließend, dass Handlungsanleitungen als ein methodisch-didak­tisches Instrumentarium handlungsorientierten Unterricht bereichern können. Die Lernenden zeigen sich neuen Wegen der Informationsgewinnung gegenüber generell aufgeschlossen und interessiert, sind kooperativ und um Kreativität bemüht. Sie vertiefen erworbene Problemlö­sestrategien und entwickeln das Vermögen weiter, planvoll zu beobachten, zu beschreiben, zu analysieren, zu ordnen und zu synthetisieren. In Entwicklung der Kreativität, dem Vermögen zur Selbstorganisation und der Bereitschaft zur aufgeschlossenen Auseinandersetzung mit disziplinären und interdisziplinären Novitäten, gelingt es ihnen zunehmend, ihr Leben selbst­bestimmt und verantwortlich zu führen.

Doch auch in den Modalitäten der Unterrichtsgestaltung ist die richtige Dosierung das Maß der Dinge. Generalisierung intendiert nicht selten Überstrapazierung und reflektiert in dieser Ausprägung negative Motivation. Im Prozess der beruflichen Qualifikation ist durch den Leh­renden das breite Spektrum methodisch-didaktischer Gestaltungsspielräume auszuschöpfen, um auch perspektivisch dem Lernenden einen anspruchsvollen und abwechslungsreichen Un­terricht zu garantieren.


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26.04.2004