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2  Zielstellung

Nach Herzog (1999) wird: „...die Schule der Zukunft durch ein neues Leitbild geprägt: Ne­ben den klassischen Grundfertigkeiten werden die Methoden moderner Wissensaneignung zentrale Bedeutung erlangen. Damit rückt zugleich die Fähigkeit zur Eigenverantwortung und zur Selbstorganisation der Lernenden in den Mittelpunkt, und die Aufgaben des Lehrers wer­den sich dadurch ebenfalls wandeln: Er wird nicht mehr nur Wissensvermittler, sondern im­mer mehr auch Moderator von selbstständigen und gruppenorientierten Lernprozessen wer­den.“ 9 )

Die Verfasserin greift den mit der Problemstellung korrelierenden Gedanken auf und regt die Diskussion spezieller Fragen der gärtnerischen Berufsausbildung an.

1.

Welche konkreten Anforderungen stellt die berufliche Praxis an den Facharbeiter der Zu­kunft?

2.

Ist der gegenwärtige Rahmenlehrplan für die Berufsausbildung zum Gärtner/zur Gärtnerin geeignet, diesen Anforderungen gerecht zu werden?

3.

Welche neuen methodischen Konzepte bietet die Berufsschule mit dem Ziel des „Lernen lernens“ an?

4.

Sind die Lehrenden methodisch-didaktisch und im Sinne des wissenschaftlichen Vorlaufs fortgebildet?

5.

Fühlt sich der zukünftige Facharbeiter ausreichend auf die anstehenden praktischen Forde­rungen vorbereitet, ist neben Wissens-, Könnens- und Werteerziehung auch die Hand­lungskompetenz durch Befähigung zur Selbstständigkeit und zum vernetzten Denken ge­fördert worden?


Die sich gegenwärtig in allen Bereichen der Gesellschaft vollziehenden, innen- und außenpo­litisch gegründeten, fundamentalen Veränderungen strahlen auch in die Berufsausbildung zum Gärtner/zur Gärtnerin und lassen neue Anforderungen erwachsen. Schon jetzt sind zu­nehmend Qualifikationen mit hohem Theorieverständnis, Flexibilität und Mobilität gefragt. Der Gärtner/die Gärtnerin der Gegenwart soll seine Umwelt verantwortungsbewusst wahr­nehmen, selbstständig agieren und auf sich schnell ändernde berufliche Situationen reagieren können. Diese Flexibilität im Wissen, Können und Werten kann nur durch stetes Training vernetzter Denkweisen und durch die Überzeugung zum lebenslangen Lernen erreicht wer­den.


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Berufliches Können definiert sich nicht allein im praktischen Vollzug einer Tätigkeit, sondern auch in der Fähigkeit, sich rasch und umfassend neuen Anforderungen stellen zu können. Der vehemente Berufswandel zwingt zur umfänglichen Vermittlung von Schlüsselqualifikationen.


Die Bildungsaufgabe der beruflichen Schulen ist deshalb neu zu definieren, sie ist an die Er­fordernisse einer sich dynamisch entwickelnden allgemeinen, technischen und wirtschaftli­chen Fachbildung anzupassen und hat den heutigen Bedürfnissen entsprechend die Hand­lungs-, Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz gleichermaßen und ganzheitlich zu fördern.


Den Berufsschulen kommt es zu, die Planung des Lernens, die Abstimmung der Lernorte, die Existenz und Qualität von Unterrichtsmedien und das didaktisch- methodische Vorgehen der Lehrkräfte zu überdenken und neu zu organisieren. Die noch immer vorherrschende hierarchi­sche und einseitig organisierte Vermittlungsstruktur des Frontalunterrichtes ermöglicht dem Lehrenden zwar die Umsetzung von Stofffülle, hält den Lernenden jedoch passiv und schließt die Entwicklung von Selbstständigkeit und letztendlich auch beruflichem Engagement aus.


Im späteren Erwerbsleben wird der Facharbeiter zwar die auf ihn wirkende Lawine der Infor­mationen wahrnehmen, jedoch in seinem Wissen stagnieren, da er nie befähigt wurde, in Selbstständigkeit aktiv zu Lernen und zu Handeln. Dieser Facharbeitertyp ist in unserer schnelllebigen Gesellschaft und im Zuge der europäischen Einigung nicht mehr zeitgemäß und bedarf dringend der Korrektur.

Viele Schulen besitzen bereits hervorragend ausgerüstete Computerkabinette, die jedoch nicht selten von demotiviertem Lehrpersonal genutzt werden. Mittlerweile liegt auch eine große Anzahl von Publikationen zum didaktisch begründeten Einsatz von computergestützten Me­dien vor, der berufsbildende Bereich ist jedoch in der Literatur eher unterrepräsentiert und speziell im Berufsfeld „Agrarwirtschaft“ gibt es nur wenige komplexe Veröffentlichungen zur praktischen Nutzung neuer Medien. Hier ist dringender Handlungsbedarf angezeigt.


Die Darstellungen resümierend, stellt sich die Verfasserin im Rahmen der vorliegenden Ar­beit das Ziel,auf Basis eines fachdidaktisch begründeten Konzeptes solche methodischen Orientierungshilfen für den gartenbaulichen Fachunterricht zu erarbeiten, die schrittweise die Befähigung der Lernenden zur selbstständigen Fachinformationsgewinnung entwickeln.


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Damit soll ein Beitrag zur Entwicklung der Methodenkompetenz geleistet werden.Die im nachfolgenden aufgeführten Teilaufgaben helfen der Verfasserin das Arbeitsthemazu unter­setzen, Arbeitspakete zu bündeln und das weiterführende Management abzuleiten:

1.

Analyse des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes zu Fragen der selbstständigen Fachin­formationsgewinnung in der Berufsausbildung zum Gärtner/zur Gärtnerin

2.

Recherche zu Erarbeitung und Darstellung von methodischen Orientierungshilfen zur selbstständigen Fachinformationsgewinnung

3.

Empfehlung eines Generalprinzips zur Entwicklung von methodischen Orientierungshil­fen durch den Lehrenden

4.

Theoretische Entwicklung spezieller methodischer Orientierungshilfen zur selbstständigen Fachinformationsgewinnung in der Berufsausbildung zum Gärtner/zur Gärtnerin

und

5.

Erprobung, Evaluierung und eventuell Korrektur der methodischen Orientierungshilfen als praxisrelevantes, methodisches Instrumentarium zur selbstständigen Fachinformati­onsgewinnung


In den Fachrichtungen des Gartenbaus soll eine anwendungsorientierte Ausbildung zur Ent­wicklung des unternehmerischen, marktorientierten Verhaltens beitragen und die zukünftigen Arbeitnehmer zum lebenslangen Lernen befähigen. Dabei sind die Nutzung moderner Infor­mations- und Kommunikationsmittel und -methoden, die Formulierung von fächer- und lern­ortübergreifenden Aufgabenstellungen sowie fachdidaktische Lösungen zur Umsetzung des Konzeptes des Handlungslernens vorgesehen.

Innovationen zur Herausbildung von Kompetenzen sind so anzulegen, dass sie in den euro­paweiten agrarpädagogischen Transformationsprozess integriert werden können.


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26.04.2004