1 Einleitung

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Die Reproduktions- und Menstruationsgeschichte sowie die Einnahme von Sexualhormonen (orale Kontrazeptiva ebenso wie Hormonersatzpräparate) von Frauen stehen in engem Zusammenhang mit dem Erkrankungsrisiko für Krebs und verschiedene andere chronische Erkrankungen.

Unter den malignen Erkrankungen wird in der Literatur vor allem der Einfluß der oben genannten Faktoren auf die Entstehung von Mamma-, Ovarial- und Uteruskarzinomen, sowie seit einigen Jahren auch auf kolorektale Karzinome diskutiert. Unter den übrigen chronischen Erkrankungen wird hauptsächlich der Einfluß auf die Entstehung von kardiovaskulären Krankheiten und Schlaganfällen untersucht. Ein weiterer Zusammenhang besteht möglicherweise mit der Ätiologie des Morbus Alzheimer.

Nach Ablauf vieler langjähriger Studien können eine frühe Menarche, eine späte Menopause, ein höheres Alter bei der ersten Geburt (>30) und Kinderlosigkeit heute als etablierte Risikofaktoren für Mammakarzinome gelten. Aber auch der mögliche risikoerhöhende Einfluß

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von weiteren Geburten in höherem Alter, einer großen Anzahl von Kindern, der Einnahme von Hormonersatzpräparaten, und möglicherweise auch von oralen Kontrazeptiva auf die Entstehung von Mammakarzinomen wird vielfach diskutiert. Hingegen werden orale Kontrazeptiva bei Entartungen des Uterus und der Ovarien als protektiver Faktor gewertet.

Hinsichtlich der Hormonersatztherapie (HRT) ist die Datenlage vielschichtig und zum Teil sehr kontrovers. Die Reduzierung des Erkrankungsrisikos für Osteoporose durch HRT gilt in weiten Teilen als gesichert. Der vermutete protektive Einfluß der HRT auf die Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen scheint sich nach jüngsten Studienergebnissen nicht zu bestätigen. Dagegen gilt im Hinblick auf die Entstehung von Kolonkarzinomen und M.Alzheimer ein protektiver Einfluß der HRT weiterhin als möglich.

Andererseits kann es, abhängig von der Art der HRT, möglicherweise zu einer Erhöhung des Risikos für Uteruskarzinome und Brustkrebs kommen.

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Die Kenntnis der reproduktiven Vergangenheit, der Menstruationsgeschichte und der Hormoneinnahme einer Frau ist daher für die Abschätzung der Effekte weiterer Einflußfaktoren auf die Entstehung der oben genannten Krebsarten und anderen chronischen Erkrankungen unerläßlich.

Seit 1992 wird im Rahmen des Programms „Europa gegen den Krebs“ eine europaweite prospektive Kohortenstudie durchgeführt, die „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“, kurz EPIC.

Die Studie wurde von einer Arbeitsgruppe der International Agency for Research on Cancer (IARC), dem Krebsforschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation (WHO), initiiert. Die beiden deutschen Teilbeiträge werden in Potsdam und Heidelberg durchgeführt, mit ca. 27.500 bzw. 25.500 Personen. Ziel ist die Erkennung von Zusammenhängen zwischen Ernährung und Krebserkrankungen und anderen chronischen Krankheiten.

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Voraussetzung für die Erfüllung dieses Zieles ist die Kenntnis und Berücksichtigung anderer, sowohl etablierter als auch vermuteter Risikofaktoren auf die Entstehung dieser Krankheiten und damit unter anderem die Berücksichtigung der Reproduktionsgeschichte.

Ziel dieser Arbeit ist es, vor dem Hintergrund der zu erwartenden Unterschiede zwischen den beiden deutschen Kohorten die reproduktiven Daten aus Potsdam und Heidelberg zu beschreiben, die Unterschiede darzustellen und auf ihre Alters- und Ausbildungsabhängigkeit hin zu untersuchen. Im Einzelnen sollen die Faktoren Alter bei Menarche, Alter bei Eintritt in die Menopause, Anzahl an Kindern, Alter bei Geburt, Dauer des Stillens, Einnahme oraler Kontrazeptiva und Einnahme von Hormonersatzpräparaten in beiden Kohorten beschrieben und in Abhängigkeit vom Geburtsjahr der Frauen, vom Kalenderjahr und vom Ausbildungsniveau untersucht werden. Anschließend sollen die Unterschiede zwischen beiden Gruppen dargestellt werden und auf mögliche, daraus resultierende Probleme für spätere Analysen zum Zusammenhang von Ernährungsfaktoren und Krebserkrankungen eingegangen werden.

In die vorliegende Untersuchung einbezogen sind 16.630 Frauen im Alter von 35 bis 70 Jahren innerhalb der Potsdamer Kohorte und 13.615 Frauen im Alter von 35 bis 65 Jahren innerhalb der Heidelberger Kohorte. Die zur Verfügung stehenden Variablen umfassen Daten zur Menstruationsgeschichte (Menarche, Menopause, Zykluslänge), Daten zur Anzahl und zum Alter bei vollendeten und nicht vollendeten Schwangerschaften, Daten zur Stillpraxis und Informationen zum Alter bei Beginn und Dauer der Einnahme oraler Kontrazeptiva sowie von Hormonersatzpräparaten. Zusätzlich liegen Daten zum Ausbildungsniveau, zur Erwerbstätigkeit, zum Body Mass Index (Körpergewicht/Größe in Metern zum Quadrat) sowie zur Lebens- und Gesundheitszufriedenheit vor.

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Die Auswertung der Daten wurde anhand der Methoden der deskriptiven Statistik und der Durchführung von Signifikanztests und Korrelationsanalysen durchgeführt.


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25.05.2005