Weichert, Wilko : Fokal segmentale Glomerulosklerose und juxtaglomerulärer Apparat der hypertensiven “fawn-hooded“ Ratte

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Kapitel 1. Einleitung

1.1 Allgemein

Erkrankungen der Niere sind heute verantwortlich für einen Großteil der Gesamtmorbidität weltweit mit vorwiegendem Auftreten in den hochentwickelten Ländern der westlichen Welt. Erkrankungen der Niere spielen in Mortalitätsstatistiken nur eine untergeordnete Rolle im Vergleich zum Krebstod und zu den ischämischen Herzerkrankungen (aktuelle US-Daten: 35.000 Todesfälle/Jahr entfallen auf Nierenerkrankungen, hingegen 750.000/Jahr auf Herzerkrankungen und 400.000/Jahr auf Krebs). Die Signifikanz der Nierenerkrankung als solche liegt also weniger in der akuten Bedrohung des Lebens, die dank moderner Behandlungsstrategien wie Dialyse und Nierentransplantation minimiert werden konnte, sondern vielmehr in der massiven Einschränkung der Lebensqualität der von einer Niereninsuffizienz betroffenen Patienten und in den durch kostenintensivste Behandlungsstrategien hervorgerufenen immensen Belastungen für das Gesundheitssystem. Bei Betrachtung der Ursachen für substitutionsbedürftige Niereninsuffizienz findet man an erster Stelle der renalen Grundkrankheiten die heterogene Gruppe der Glomerulonephritiden mit 38,3%, gefolgt von den interstitiellen Nierenerkrankungen mit 23,3%, den Schädigungen der Niere bei Diabetes Mellitus (14,4%, stark ansteigend), den mit Hypertonie assoziierten vaskulären Nierenerkrankungen (8,6%) und den Zystennieren mit 8,5% (Prozentangaben aus dem Bericht der europäischen Gesellschaft für Dialyse und Transplantation). Bei der Mehrzahl der Krankheitsgruppen, die zur Niereninsuffizienz führen, steht also die Schädigung des Glomerulum (primär/sekundär und mit/ohne begleitende vaskuläre und interstitielle Veränderungen) ganz im Mittelpunkt des Geschehens.

1.2 Die fokal segmentale Glomerulosklerose beim Menschen

1.2.1 Klassifikation und Häufigkeit

Die fokal-segmentale Glomerulosklerose (FSGS) nimmt unter den glomerulären Schädigungen, die zu schweren Nierenerkrankungen führen, insofern eine Sonderstellung ein, als dass es sich bei ihr nicht um eine Krankheitsentität handelt. Vielmehr bietet eine große Gruppe heterogener Krankheitsbilder schließlich das pathologisch-anatomische Bild einer fokal segmentalen Glomerulosklerose. Seit der Erstbeschreibung der Morphologie der Erkrankung durch Arnold Rich [1957] und der Veröffentlichung von Churg und Koautoren [1970], die bereits das wissenschaftliche und klinische Interesse an der Erkrankung weckte, gab es zahlreiche Versuche die FSGS auf dem Boden morphologischer und funktioneller Unterschiede in verschiede Subkategorien einzuteilen und den Ursachen für die glomeruläre Schädigung auf die Spur zu kommen. In der aktuellen Literatur finden sich eine Reihe teils stark divergierender Klassifikationen. Hier sei in Tabelle 1 verkürzt die am weitesten akzeptierte Einteilung, entnommen aus D‘Agatis Übersicht zum Thema FSGS [1994], aufgeführt.


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Tabelle 1: Klassifikation der fokal segmentalen Glomerulosklerose. Unterstrichen sind FSGS-Formen, bei denen dem initial vorliegenden glomerulären Hypertonus pathogenetisch eine entscheidende Rolle zukommt.

(I) primäre (idiopathische) fokal-segmentale Glomerulosklerose einschließlich sogenannter zellulärer (vermehrter) Varianten, der „collapsing“ Glomerulopathie, der FSGS mit diffuser mesangialer Hyperzellularität, der FSGS mit sogenannten „tip lesions“ (Anheftung des Gefäßknäuls im Bereich des Harnpols) und der FSGS mit Glomerulomegalie

(II) sekundäre fokal-segmentale Glomerulosklerose

- bei Reduktion der funktionsfähigen renalen Masse (durch unilaterale Nierenagenesie, Oligomeganephronie, renale Dysplasie, chirurgische Resektionen, kortikale Nekrosen und grundsätzlich durch jedwede renale Erkrankung, die zum ausgeprägten Verlust funktionsfähiger Nephrone führt)

- bei initial normaler renaler Masse (Diabetes Mellitus, Hypertension, Adipositas per magna, zyanotische kongenitale Herzerkrankungen, Sichelzellkrankheit)

(III) morphologisches FSGS-„Muster“ auf dem Boden renaler Narbenbildung (durch eine Reihe von Glomerulonephritiden, durch EPH-Gestose, durch heriditere Nephropathien)

(IV) HIV-assoziierte Nephropathie

(V) Heroinnephropathie

Aus der Tabelle geht hervor, dass es unter den einzelnen Subgruppen teils erhebliche Überschneidungen gibt, wie auch Überschneidungen von FSGS und anderen Nierenerkrankungen eher die Regel denn die Ausnahme bilden. Aus diesem Grund ist die Angabe des prozentualen Anteils der FSGS als Ursache für Niereninsuffizienz außerordentlich schwierig. Um die Bedeutung und Häufigkeit der Erkrankung zu betonen, seien hier die prozentualen Anteile der histologischen Diagnose FSGS in Nierenbiopsien von Patienten mit nephrotischem Syndrom aufgeführt (Tabelle 2, entnommen aus [Cameron 1996]).

Tabelle 2: Anteil von Patienten mit der histologischen Diagnose FSGS an der Gesamtheit der Patienten mit nephrotischem Syndrom, bei denen eine Biopsie durchgeführt wurde.

Alter

0-15

15-19

20-30

30-40

40-50

50-60

>60

% FSGS

7

19

18

11

27

16

2

Wesentlich stärker vertreten ist die Erkrankung in der schwarzen Bevölkerung. Fast 2/3 aller nephrotischen Syndrome bei erwachsenen Schwarzen [Bakir et al. 1989] und 1/3 derselben bei schwarzen Kindern [Ingulli und Tejani 1991] gehen zu Lasten der FSGS. Des weiteren existieren einige sehr seltene familiäre Formen der Erkrankung [Felldin et al. 1995], von denen ein Teil Mutationen auf Chromosom 19q13 aufweist [Mathis et al. 1998]. Dem vermehrten Vorkommen der FSGS im Rahmen von HIV-Infektionen [Cohen 1998] und bei Heroinabusus [Rao et al. 1974] ist schon durch die gesonderte Aufnahme dieser beiden Krankheiten in die Klassifikation der FSGS Rechnung getragen worden. Des weiteren gibt es Hinweise für einen Anstieg der Inzidenzen für FSGS [D‘Agati 1994, Haas et al. 1995] in allen Altersgruppen in den letzten Jahren.


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1.2.2 Morphologie

Für die histologische Diagnose FSGS wird verlangt, dass nur ein Teil der Glomerula einer Niere betroffen ist (fokal) und neben den geschädigten Glomerula auch morphologisch „gesunde“ Glomerula vorliegen. In den betroffenen Glomerula wiederum ist auch nur ein variabler Teil des glomerulären Gefäßknäuels von der Sklerose betroffen (segmental), während der Rest lichtmikroskopisch normal erscheint. Ansonsten bietet die FSGS eine außerordentlich heterogene Morphologie. Man unterscheidet zwischen der „klassischen“ Läsion mit vom vaskulären Pol ausgehenden Anhaftungen des Gefäßknäuels an die Bowmanmembran, Kollaps von Kapillaren und Matrixeinlagerung, der zellulären Läsion mit Akzentuierung der endokapillären und extrakapillären Proliferation, den „tip lesions“, bei denen die primäre Anheftung im Bereich des Harnpols nahe des Abgangs des proximalen Tubulus zu finden ist und den „collapsing“ Sklerosen, bei denen eine Verkleinerung des Gefäßknäuels mit Kollaps der Kapillaren ohne apparente Anheftung an die Bowmankapsel vorliegt. Letztere Morphologie gilt als relativ typisch für HIV- und Heroin-assoziierte FSGS, kommt allerdings auch in der Gruppe der primären FSGS vor. Mischformen zwischen den einzelnen morphologischen Varianten sind häufig und lassen im Regelfall keinen sicheren Rückschluss auf die zugrunde liegende Erkrankung zu. Für ausführlichere Beschreibungen der morphologischen Details der menschlichen FSGS sei auf die Übersichten von D‘Agati [1994], Ichikawa und Fogo [1996] und Cameron [1996] verwiesen.

1.2.3 Pathogenese

Die genaue Ursache sowohl der primären als auch der sekundären Glomerulosklerosen ist bis heute unbekannt. Ebenso unbekannt ist trotz kontrovers geführter Diskussionen die Frage, ob die FSGS lediglich grundsätzlich eine fortgeschrittene Form der sogenannten „minimal change“ Krankheit (MCD) darstellt, oder ob es sich um zwei unabhängige Erkrankungen handelt (diskutiert in Mallick et al. 1997). Allerdings gibt es hinsichtlich der Pathogenese der Erkrankung eine Reihe von Hinweisen, die auf das komplexe Zusammenwirken hämodynamischer, serologischer, genetischer und viraler Faktoren bei einzelnen Formen hindeuten. Auf eine genetische Komponente deuten die erhöhte Erkrankungshäufigkeit in der schwarzen Bevölkerung und das Vorliegen heriditerer Formen hin. Eine direkte Beteiligung von Viren an der Pathogenese der Erkrankung ist bei der HIV-Nephropahie wahrscheinlich, wofür der Nachweis von HIV-Genom in glomerulären Zelltypen [Kimmel et al. 1993] und Befunde an verschiedenen Tiermodellen [Dickie et al. 1991, Poli et al. 1993] sprechen. Weiterhin ergaben sich Hinweise für eine Beteiligung von Wachstumsfaktoren an der Pathogenese der FSGS. So konnte nachgewiesen werden, dass das Vorliegen vergrößerter Glomerula bei Patienten mit einem erhöhtem Risiko für FSGS verknüpft ist [Vats et al. 1994]. Eine besondere Rolle kommt in diesem Zusammenhang wohl dem „Platled Derived Growth Factor“ (PDGF)[Johnson 1994, Tanaka et al. 1995] und dem „Transforming Growth Factor ß“ (TGFß)[Yamamoto et al. 1993, 1996, 1998] zu. Diese Hypothese ist um so attraktiver, als dass gezeigt werden konnte, dass die Expression dieser beiden Wachstumsfaktoren durch unterschiedliche Angiotensin II-Konzentrationen moduliert wird [Ketteler et al. 1995]. Des weiteren scheint bei der primären FSGS das Vorliegen eines von Lymphozyten produzierten, ca. 50 kDa großen, eventuell Zytokin-ähnlichen Faktors, der in der Lage ist, Podozyten direkt zu schädigen [Dantal et al. 1994, Savin et al. 1996], eine Rolle zu spielen. Für das Vorliegen eines Serumfaktors spricht auch die häufige Rekurrenz der Erkrankung im Nierentransplantat bei FSGS-Patienten. Worum es sich bei diesem Faktor handelt, was seine physiologische Funktion ist und warum er produziert wird, ist aber bis heute unbekannt. Von entscheidender Bedeutung für die Pathogenese von vielen sekundären, aber auch von der primären Form der FSGS ist eine initial vorliegende oder während der Erkrankung entstehende veränderte glomeruläre Hämodynamik, die zu einer Druckbelastung im Bereich des glomerulären Gefäßknäules und zu Anhaftungen desselben an die Bowmankapsel führt. Hinweise für diese Hypothese ergaben sich schon früh aus einer Vielzahl von Tierversuchen [Hostetter et al. 1981, Brenner 1985]. Vor allem Dysregulationen des Tonus der afferenten und efferenten Arteriole, die ein zu starkes Durchschlagen des systemischen Blutdrucks in die glomeruläre Strombahn bewirken, scheinen in diesem Zusammenhang von Bedeutung zu sein. Besondere Beachtung verdient dieser Mechanismus bei auf dem Boden des Verlustes von funktionsfähigem Nierengewebe entstehender FSGS, bei hypertensiv bedingter FSGS und bei der diabetischen FSGS, da es sich bei diesen Formen vermutlich um das primär wirksame pathogenetische Prinzip handelt. Grundsätzlich kann dieser Mechanismus aber auch bei jeder


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anderen Form der FSGS „aufgepfropft“ vorliegen und zu einer erheblichen Beschleunigung der Nierenschädigung führen. Die Ursachen dieser hämodynamischen Dysregulation am Glomerulum sind bis heute weitestgehend unbekannt.

1.2.4 Prognose und Therapie

Die Prognose der Erkrankung ist im Vergleich zu anderen glomerulären Erkrankungen schlecht. Sie ist abhängig von einer Reihe von Faktoren. So spielen der klinische Zustand, in dem der Patient sich präsentiert, seine ethnische Zugehörigkeit, das Ansprechen auf die Therapie, die histologische Variante und viele andere Faktoren eine Rolle. Zur ausführlichen Darstellung der einzelnen Subgruppen sei auf die Übersicht von Korbet [1998] verwiesen. Von den Patienten, die bei Erstdiagnose bereits eine Proteinurie > 3g/24h aufwiesen, wurden ca 50% im Verlauf von 6-8 Jahren niereninsuffizient. Bei Erwachsenen, die unter Standardtherapie eine Komplettremission entwickelten, führte die Erkrankung nur in 2% der Fälle zum Nierenversagen innerhalb von 5 Jahren (Kinder 14% nach 6,1 Jahren), wohingegen 52% der nicht auf die Therapie ansprechenden Erwachsenen nach 5 Jahren (bei Kindern 37% nach 6,1 Jahren) niereninsuffizient wurden [Korbet et al 1994, Korbet 1998]. Die Standardtherapie beschränkt sich auch heute noch auf die Gabe von Glukokortikoiden (zunächst hochdosiert, dann über Monate in abnehmender Dosierung), bei steroidresistenten Fällen und Rückfällen werden häufig zusätzlich Zytostatika verabreicht, allerdings mit eher geringem Erfolg. Ob der protektive Effekt dieser Medikamente allein über eine Suppression des Immunsystems vermittelt wird oder ob andere, noch unbekannte Wirkungsweisen eine Rolle spielen, ist unklar. In einigen Fällen brachte auch die wiederholte Anwendung der Plasmapherese und der Einsatz nichtsteroidaler Antirheumatika Besserung. Zusätzlich zur Anwendung kommen Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE)-Inhibitoren, deren renoprotektiver Effekt in einer Vielzahl von Studien belegt ist. Die Antwort auf die Frage, ob die Behandlung der FSGS mit AT II-Rezeptorantagonisten der Behandlung mit ACE-Hemmern gleichwertig oder überlegen ist, bleibt zu klären. Auch die Frage, warum der Einsatz von ACE-Hemmern im Vergleich zu anderen Antihypertensiva einen sehr viel größeren Erfolg aufwies, ist ungeklärt.

1.3 Die „fawn-hooded“ Ratte

1.3.1 Herkunft

Die „fawn-hooded“ (FH) Ratte entstand als ungeplante Kreuzung einer Reihe von Rattenstämmen (u.a. German-Brown, White-Lashley, Wistar und Long-Evans Ratten) in der Fakultät für Psychologie der Universität von Michigan, Ann Arbor, USA [Tschopp und Zucker 1972, Raymond und Dodds 1975]. Von dort wurde ein Teil der Tiere in den frühen 70er Jahren an das New York State Department of Health, Albany, USA verbracht und die Züchtung durch Geschwisterpaarung fortgeführt (FH/Wjd). Ein weiterer Teil der Tiere gelangte an das amerikanische Museum für nationale Geschichte in New York, wo die weitere zufällige Auszüchtung erfolgte. Die dort gehaltenen Tiere bildeten die Basis für einen in der Schweiz im Institut für biologische und medizinische Forschung in Fullinsdorf ebenfalls durch Auskreuzung fortgeführten Ableger. Von dort gelangte eine Kolonie der Tiere in die Unilever Forschungslaboratorien in Vlaardingen, Niederlande, wo der Stamm durch Auszucht bis 1990 fortgeführt wurde (FH/URL). 1981 fiel erstmals auf, dass die Tiere einen moderaten spontanen Hypertonus entwickelten und Proteinexkretion im Urin zeigten [Kuijpers 1981]. Auf der Basis von Blutdruckwerten und Proteinexkretion im Urin wurde jeweils eine Gruppe mit niedrigem Blutdruck und geringer Proteinexkretion und eine Gruppe mit hohem Bludruck und hoher Proteinexkretion gebildet [Provoost 1994] und Mitte der 80er Jahre durch Inzucht getrennt. Tiere beider Gruppen wurden 1990 an die Erasmus Universität Rotterdam verbracht und die Zucht wurde durch Geschwisterpaarung fortgeführt. Der Rattenstamm mit dem höheren Blutdruck erhielt den Namen FHH/EUR (in dieser Studie lediglich mit FHH bezeichnet), der Stamm mit dem niedrigeren Blutdruck den Namen FHL/EUR (in dieser Studie FHL). Für weitergehende Information zur Herkunft der „fawn-hooded“ Ratte sei noch auf Kuijpers [1986] und Magro und Koautoren [1986] verwiesen. Angemerkt sei auch, dass zur Zeit insgesamt noch mindestens 5 unterschiedliche FH-Stämme in der experimentellen Forschung


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Verwendung finden (FH-Ratten des amerikanischen Museums für nationale Geschichte, FH/Wjd, FH/URL, FHH/EUR, FHL/EUR und die nur teilweise verwandten FH/Iowa Reactive), die sich sowohl genetisch, physiologisch und verhaltenspsychologisch trotz naher Verwandtschaft in einigen Punkten unterscheiden [Provoost 1994, Overstreet und Rezvani 1996, Provoost et al. 1998]. In der vorliegenden Arbeit wurde soweit aus der Literatur ersichtlich immer die korrekte Stammbezeichnung verwendet, die durch Auszucht fortgeführten Linien der FH/URL bzw. der FH-Ratten des Museums für amerikanische Geschichte werden als FH-Ratten bezeichnet.

1.3.2 Systemischer Hypertonus

Schon 8 Wochen alte FH-Ratten wiesen einen systemischen Hochdruck auf, der im Alter weiter anstieg [Kuijpers und Gruys 1984, Kuijpers und de Jong 1986]. Die Hochdruckwerte schwankten zwischen 140 und 160 mmHg systolisch bei unterschiedlichen Messungen/Messmethoden und stiegen im Alter von einem Jahr bis auf Werte von über 220 mmHg systolisch an. Untersuchungen an FHH und FHL-Ratten zeigten systolische Werte von um die 150 mmHg für 8 Wochen und 16 Wochen alte FHH-Ratten und systolische Werte um 125 mmHg für 16 Wochen alte FHL-Ratten. Der systolische Blutdruck der FHL-Ratte ist also im Vergleich zu normotensiven Rattenstämmen immer noch leicht erhöht [Simons et al. 1993, van Dokkum et al. 1997,van Dokkum et al. 1998]. Die Ursache der Blutdruckerhöhung der FHH-Ratte ist bis heute unbekannt, obwohl einiges für eine ätiologisch noch unklare Aktivierung des Renin-Angiotensin-Systems (RAS) spricht. So fanden Jung und Koautoren [1993] eine Erhöhung der systemischen und intrarenalen Reninspiegel bei jungen FHH-Ratten. Einige ältere, allerdings an mit der FHH-Ratte lediglich verwandten FH/Wjd-Ratten durchgeführte Untersuchungen [Magro et al. 1982, Kuijpers und de Jong 1987] erbrachten bezüglich des RAS konträre Ergebnisse. Verschiedene hypertensive FH-Rattenstämme wiesen eine erhöhte tägliche Wasseraufnahme und eine erhöhte Urin- und Salzausscheidung auf [Gilboa et al. 1984, Provoost und de Keijzer 1989]. Des weiteren ließ sich bei FH/Wjd-Ratten eine verminderte Kallikreinausscheidung [Gilboa et al. 1984] im Urin nachweisen. In der gleichen Studie konnte auch gezeigt werden, dass die Plasmareninaktivität und die Plasma-Angiotensin II-Spiegel bei FH/Wjd-Ratten signifikant mit dem Vorliegen der aktivierten Form von Kallikrein und der Umwandlungsrate von inaktivem zu aktivem Kallikrein korrelieren. Jung und Koautoren [1995] berichteten außerdem über eine im Vergleich zu Kontrollratten vermehrte Expression von AT II1-Rezeptor und eine vermehrte renale Synthese von Angiotensinogen und Angiotensin-Converting-Enzyme bei FHH-Ratten. Zusätzlich ließen sich in FH/Wjd-Ratten erhöhte Noradrenalin und Dopaminspiegel im Urin feststellen [Magro et al. 1986]. Auf eine gesteigerte renale Prostaglandinsynthese wiesen Untersuchungen von de Keijzer und Koautoren [1992] hin, die im Vergleich zu Kontrollratten erhöhte Urinwerte für Thromboxan B2, für Prostaglandin E2 und Prostaglandin F1alpha bei FH-Ratten ergaben. Das Problem, wie diese verwirrende Vielfalt von Veränderungen vasoaktiver Substanzen bei FH-Rattenstämmen in ein schlüssiges Gesamtkonzept zu bringen ist, bleibt zunächst ungelöst, zu möglichen Erklärungsansätzen sei auf Kapitel 5 verwiesen.


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1.3.3 Pulmonaler Hypertonus

Sowohl in FH/Wjd-Ratten [Kentera et al. 1988], als auch in FH/Iowa Reactive-Ratten [Sato et al. 1992] wurde im Vergleich zu Kontrollstämmen ein erhöhter pulmonalarterieller Druck nachgewiesen, der einherging mit einer verminderten kardialen Auswurfleistung. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass sich der pulmonale Druck durch Sauerstoffexposition normalisieren ließ [Sato et al. 1992]. Ob der gestörten Autoregulation der Pulmonalgefäße und der unten ausführlich dargestellten Störung der renalen Hämodynamik ein gemeinsames pathophysiologisches Prinzip zugrunde liegt, bleibt zu klären.

1.3.4 Proteinexkretion im Urin

Schon früh konnte nachgewiesen werden, dass verschiedene FH-Rattenstämme eine signifikante Proteinurie aufwiesen, die mit dem Alter anstieg [Kreisberg und Karnovsky 1978, Urizar et al. 1984, Provoost und de Keijzer 1989] und die positiv mit der Höhe des systemischen Blutdrucks korreliert war. Für FHH-Ratten wurden Werte von um die 25mg/24h im Alter von 3 Wochen, über 54mg/24h im Alter von 11 Wochen gemessen, die bei zunehmendem Alter weiter auf Werte von über 200mg/24h anstiegen [Simons et al. 1993, van Dokkum et al. 1998]. Im Gegensatz dazu blieb die Proteinkonzentration im Urin von FHL-Ratten im Verlauf ihres Lebens konstant unter 10 mg/24h [van Dokkum et al. 1997, Provoost et al. 1998]. Simons und Koautoren [1993], ebenso wie Oliver und Koautoren [1994] bewiesen, dass es sich bei dem von FH-Ratten ausgeschiedenen Protein in erster Linie um Albumin handelt. Hierzu paßt auch die erhöhte Clearance für Ficoll bei FH-Ratten im Vergleich zu Kontroll stämmen [Oliver et al. 1994], die weniger auf eine Größenselektivitätsstörung, als auf eine Störung der Ladungsselektivität an der Basalmembran von hypertensiven FH-Ratten hindeutet.

1.3.5 Plättchendysfunktion

Eine leichte, kongenitale Blutungsneigung war die erste an FH-Ratten entdeckte Abnormalität [Raymond und Dodds 1975]. Die mild ausgeprägte, hämorrhagische Diathese konnte zurückgeführt werden auf verminderte thrombozytäre Konzentrationen von Serotonin, ADP und ATP [Tschopp und Weiss 1974, Sweeney und Needleman 1979] und eine verminderte Stimulierbarkeit der Ausschüttung von ADP, ATP und Serotonin. Weiter konnten Defekte im Bereich thrombozytärer membranöser Glykoproteine nachgewiesen werden [Kirchmaier et al. 1990]. Die Plättchendysfunktion der FH-Ratten ähnelt thrombozytären Störungen bei Patienten mit chronischen Nierenkrankheiten [Gawaz et al. 1993].

1.3.6 Zerebraler Stoffwechsel und Verhalten

Joseph [1978] beschrieb erstmals Abnormitäten im zerebralen Serotonin und Tryptophanstoffwechsel der FH-Ratten, was zu weiterführenden Studien [Daoust et al. 1991] und zur Nutzung der FH-Ratten als genetisches Modell für menschliche, auf Dysregulationen im Serotoninstoffwechsel beruhende psychiatrische Störungen wie Depression [Overstreet et al. 1992], Eßstörungen [Aulakh et al. 1988] und Angststörungen [Altemus et al. 1994] führte. Einer weiteren Nutzung der FH-Ratten in der experimentellen psychiatrischen Forschung lagen Beobachtungen zu Grunde, die darauf hindeuteten, dass es sich bei ihnen um ein Rattenmodell für Alkoholpräferenz und Sucht handeln könnte [Badishtov et al. 1995, McMillen und Williams 1995].


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1.3.7 Fokal segmentale Glomerulosklerose

Erstmals beschrieben wurden renale Schäden bei männlichen FH/Wjd-Ratten von Kreisberg und Karnovsky [1978]. Die Untersucher berichteten über eine bei zunehmendem Alter verstärkt auftretende FSGS und sich parallel dazu entwickelnde Proteinausscheidung im Urin von 3 bis 12 Monate alten Ratten. Diese Befunde bestätigten Magro und Rudovsky [1982]. Beide Studien stellten darüber hinaus fest, dass bei weiblichen FH-Ratten die Entwicklung der FSGS verzögert einsetzt, aber grundsätzlich nach den gleichen Gesetzmäßigkeiten abläuft. Dies impliziert einen protektiven Effekt von Östrogenen. Ein das Krankheitsgeschehen aggravierender Effekt von Androgenen schien unwahrscheinlich, da Gonadektomie den Krankheitsverlauf nicht beeinflusste [Provoost et al. 1998]. Urizar und Koautoren [1984] fanden schon in den Glomerula von 8 Wochen alten FH/Wjd Ratten Veränderungen im Sinne einer segmentalen, mesangialen Hyperplasie mit vermehrter Argyrophilie. Die pathologisch-anatomische Sequenz, die schließlich zur endgültigen Sklerosierung des Glomerulum führt, beschrieben Kriz und Koautoren [1996, 1998, 1999]. In diesen exzellenten morphologischen Studien zeigte sich, dass bei FHH-Ratten die Sklerose grundsätzlich am vaskulären Pol des Glomerulum beginnt, mit einer Aufweitung und Entfältelung eines Primärastes der afferenten Arteriole. Die dem erhöhten glomerulären Kapillardruck (siehe folgender Absatz) entgegenwirkenden Kräfte, wie die Verankerung der Basalmembran im Mesangium, und die von außen Gegendruck ausübenden podozytären Fußfortsätze sehen sich einer vermehrten Belastung ausgesetzt, was zu einer weiteren Entfältelung der Kapillaren und damit entsprechend dem Laplace‘schen Gesetz zu verstärkter Wandspannung führt. Die glomeruläre Basalmembran verliert ihre Verankerung im Mesangium und die Podozyten entwickeln aufgrund der hohen Druckbelastung Schädigungszeichen wie Simplifizierung ihrer Fußfortsätze und Vakuolenbildung und heben sich schließlich von der glomerulären Basalmembran ab. Die denudierte Basalmembran heftet sich in der Folge an das parietale Epithel der Bowmankapsel. Anstatt in den Harnraum wird von den angehefteten und teils noch perfundierten Kapillaren nun in das periglomeruläre Bindegewebe unter das parietale Epithel filtriert, was zur Bildung eines paraglomerulären Raumes und zum unvermeidlichen Fortschreiten der Sklerose führt. Unterstützt wird dieser Prozeß durch Matrixeinlagerungen im sklerotischen Bereich, durch Kollaps der Kapillaren und fortschreitenden Verlust von Podozyten an den Grenzen des sklerotischen Areals. Des weiteren breitet sich dieser paraglomeruläre Raum auch über die Grenzen des Glomerulum unter dem proximalen Tubulusepithel aus. Inwiefern dieser Mechanismus zu den auftretenden interstitiellen Schäden im Rahmen der FSGS beiträgt, bleibt zu klären. Interessant ist die Beobachtung, dass die Entwicklung von menschlicher FSGS nach einem ähnlichen Sequenzmuster abläuft [Kriz et al. 1998]. Während sich in immunhistologischen Studien bei 3 Wochen alten FH-Ratten keinerlei Ablagerungen im Glomerulum nachweisen ließen, zeigten 5 Wochen alte FH-Ratten entlang der glomerulären Kapillaren und im Mesangium Ablagerungen von IgA und IgG. Mit zunehmendem Alter ließen sich variabel zusätzliche Ablagerungen von IgM, C3 und Fibrinogen nachweisen, konzentriert vor allem in sklerotischen Arealen. Zusätzlich zeigten sich mit dem Alter zunehmende Ablagerungen von von Willebrandt-Faktor und Fibronektin [Urizar et al. 1984, Kuijpers und Gruys 1984]. Ob diese Ablagerungen initial pathogenetisch von Bedeutung sind, ist allerdings zweifelhaft, wahrscheinlicher ist, dass es sich um Ablagerungen handelt, die bei zunehmender Schädigung der Funktionseinheit aus glomerulärer Basalmembran, Podozyten und Endothelien durch Filtration in das Mesangium und die sklerotischen Areale gelangen, hier allerdings durch immunologische Mechanismen zur Aggravierung der Schäden beitragen können. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang noch, dass sich im Plasma von FH-Ratten nur vereinzelt Immunkomplexe und keine dsDNA-Antikörper nachweisen ließen. Zu Veränderungen der Zusammensetzung der Matrixkomponenten wie Kollagen und Laminin im Bereich sklerotischer Glomerula von FH-Rattenstämmen liegen keine Daten vor. In der durchschnittlichen Größe des glomerulären Gefäßknäules zeigten sich bei FHH- und FHL-Ratten im Vergleich zu anderen Rattenstämmen keine Unterschiede [Simons et al. 1993].


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1.3.8 Zusammenhang zwischen renaler Schädigung, Blutdruck und Proteinurie

In der FHH-Ratte besteht eine signifikante Korellation zwischen systolischem Blutdruck, UpV und der Entwicklung glomerulärer Läsionen [Simons et al 1994]. Ähnliche Befunde liegen auch für FH/URL Ratten vor [Kuijpers et al. 1986, Kuijpers und de Jong 1987]. Die Entwicklung von Nierenschädigung und Proteinurie der FH-Ratte wird durch unilaterale Nephrektomie (UNX) und durch eine proteinreiche Diät signifikant beschleunigt [de Keijzer und Provoost 1990, Simons et al. 1993]. Bei FH/Wjd Ratten zeigte sich im Vergleich zur FHH-Ratte nach UNX eine sich noch schneller entwickelnde Proteinurie. FHL-Ratten entwickelten zwar nach UNX ebenfalls eine geringe Proteinurie und leichte glomeruläre Schädigungen, diese blieben aber im Verlauf stabil. FH/Iowa Reactive entwickelten weder Proteinurie noch renale Schäden nach UNX. Der systolische Blutdruck blieb bei allen Stämmen trotz UNX konstant [Provoost et al. 1998]. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die ebenfalls untersuchten SHR-Ratten trotz exzessiv gesteigertem Blutdruck und UNX keinerlei glomeruläre Schäden und keine Proteinurie entwickelten. Transplantationsstudien zeigten, dass lediglich die renale Schädigung, nicht aber der erhöhte systemische Blutdruck mit den Nieren von FHH-Ratten wandern. Dies deutet auf eine intrarenale Ursache für die Entstehung der FSGS [Kouwenhoven et al. 1999].

1.3.9 Glomeruläre Hämodynamik

De Keijzer und Provoost [1992] wiesen erstmals eine gesteigerte glomeruläre Filtrationsrate (GFR) bei normalem effektiven renalen Plasmafluß (ERPF) bei FH-Ratten im Vergleich zu Wistar-Kontrollratten nach. Bei gleicher Anzahl von Glomerula ließen diese Befunde den Rückschluß auf eine erhöhte glomeruläre Filtrationsrate pro Einzelnephron (SNGFR) zu. Diese Befunde wurden durch Mikropunktionsstudien [Simons et al. 1993] bestätigt, die eine deutliche Erhöhung der SNGFR und des glomeruloären Druck (PGC) von 12 und 22 Wochen alten FHH-Ratten im Vergleich zu gleichalten FHL-Ratten und Wistar-Kontrollratten ergaben. Als Ursache für die Erhöhung fand sich eine erhöhte Resistance der efferenten Arteriole (RE) und eine im Verhältnis zum PGC zu niedrige Resistence der afferenten Arteriole (RA). Diese Kombination ließ ein ungehindertes Wirken des systemischen Drucks auf das glomeruläre Kapillarbett zu, bei ungenügender Kontrolle durch Tonuserhöhung an der afferenten Arteriole. Bestätigt wurden diese Ergebnisse durch Studien, die zeigten, dass der PGC der FHH-Ratte direkt mit der Höhe des systolischen Blutdrucks der Tiere korreliert [Simons et al. 1994]. Einen weiteren wichtigen Hinweis auf Dysregulationen im Bereich der afferenten Arteriole boten Experimente, die nach UNX an FHH-Ratten den erwarteten weiteren Anstieg des PGC aber im Gegensatz zum erwarteten protektiven Anstieg der RA einen Abfall derselben nachwiesen [Simons et al. 1993]. Verseput und Koautoren [1998] bestätigten diese Ergebnisse durch Messungen an 11 und 26 Monate alten FHH-Ratten. In der gleichen Studie berichteten die Autoren über eine in absoluten Werten mit anderen Rattenstämmen vergleichbare TGF-Aktivität bei unterschiedlichen Perfusionsdrücken am Glomerulum. In Anbetracht des bei FHH-Ratten vorliegenden glomerulären Hypertonus muß die Kontrolle des Tonus der afferenten Arteriole durch den TGF allerdings als ungenügend betrachtet werden [Verseput et al. 1998]. Durch Gabe von ACE-Hemmern ließ sich bei gleichzeitigem Abfall von RA und RE der PGC normalisieren. Weiter gestützt wurden diese Ergebnisse durch Studien von van Dokkum und Koautoren [1999], die bei FHH-Ratten eine gestörte Autoregulation von GFR und renalem Blutfluß (RBF) bei unterschiedlichen renalen Perfusionsdrücken aufzeigten. Während die an FHL-Ratten erhobenen Werte denen von Kontrollratten glichen, lagen bei FHH-Ratten ein erhöhter basaler RBF, eine erhöhte GFR und eine inadäquate Erhöhung des RBF und der Proteinurie bei Steigerung des renalen Perfusionsdruckes vor. Pathologische Werte für die Kontrolle von RBF und GFR fanden sich auch unter Salzbelastung und Salzentzug bei FHH-Ratten, nicht jedoch bei FHL-Ratten [van Dokkum et al. 1999]. In der gleichen Arbeit wiesen die Autoren durch Perfusion von isolierten Interlobulararterien von FHH- und FHL-Ratten eine gestörte myogene Kontraktionskomponente der Gefäße der FHH-Ratten nach. Durch Anheben des Perfusionsdruckes von 70 auf 120 mmg konnte bei FHH-Ratten eine Einengung des Lumens um nur 10% beobachtet werden, während die Gefäße von FHL-Ratten ihren Durchmesser bei gleichem Druckanstieg um über 15% verkleinerten. Hieraus schlossen die Autoren, dass eine gestörte myogene Antwort der präglomerulären Gefäße auf gesteigerten Perfusionsdruck bei FHH-Ratten maßgeblich an der


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Entstehung des glomerulären Hypertonus beteiligt sei [van Dokkum et al. 1999].

1.3.10 Entwicklung von renalen Schädigungen im Zusammenhang mit Manipulationen des Blutdruckes

Die naheliegende Vermutung, dass die Erhöhung des Blutdruckes der FH-Ratten ebenfalls auf der oben erwähnten Störung des Serotoninstoffwechsels beruht, erscheint unwahrscheinlich, da sich durch Behandlung mit Serotoninrezeptorantagonisten weder der Blutdruck noch das UpV normalisieren ließen [Weening et al. 1990]. Eine Reihe von Versuchen beschäftigte sich mit der Frage, ob gängige antihypertensive Medikamente einen Einfluß auf Blutdruck, UpV und glomeruläre Schädigung bei der FHH-Ratte und verwandten Rattenstämmen zeigen. Bei Experimenten an FH/Wjd Ratten [Magro et al. 1986] zeigte sich, dass die Blutdruckkontrolle mit ACE-Inhibitoren im Hinblick auf eine Normalisierung des Hypertonus effektiver war als die Behandlung mit Furosemid oder Nifedipin. Diese Ergebnisse bestätigten Westenend und Koautoren [1992] an FH-Ratten und Verseput und Koautoren [1998, 2000] an FHH-Ratten. Die letztgenannten Studien zeigten darüber hinaus, dass durch rechtzeitiges Einsetzen der Behandlung mit ACE-Hemmern die Entstehung von glomerulären Schädigungen vollständig verhindert werden kann. Die Autoren beobachteten unter der Behandlung mit ACE-Inhibitoren eine Normalisierung des systemischen Druckes ebenso wie des PGC. Kurzzeitbehandlung mit ACE-Hemmern (2 Wochen) verzögerte allerdings nur das Auftreten der FSGS um den entsprechenden Behandlungszeitraum. Auch konnte durch ACE-Inhibitorenbehandlung bei Ratten mit schon manifester FSGS das weitere Fortschreiten der Erkrankung nicht verhindert, wohl aber verzögert werden. Die Beobachtung, dass zwar neben den ACE-Hemmern eine Reihe weiterer Antihypertensiva zu einer adäquaten Blutdrucksenkung in FHH-Ratten führte, aber einen im Vergleich zu den ACE-Inhibitoren erheblich geringeren Schutz vor der Entstehung glomerulärer Schädigung bot, legte die Vermutung nahe, dass andere, vermutlich direkt an der Niere zur Wirkung kommende Effekte der ACE-Inhibitoren zum Tragen kommen müssen. Gestützt wurde diese Vermutung durch Beobachtungen an mit ACE-Hemmern behandelten FHH-Ratten mit UNX, die zeigten, dass zwischen der Normalisierung des Blutdruckes und dem Rückgang des UpV durchschnittlich eine Woche verging [Simons et al. 1993, Oliver et al. 1994], wofür die Autoren einen zusätzlich zur Blutdrucksenkung auftretenden positiven Effekt auf die Ladungsselektivität der Filtrationsbarriere verantwortlich machten. Weitere Hinweise für zusätzlich renoprotektive Effekte von ACE-Hemmern ergaben sich bei Verseput und Koautoren [1997], die zeigen konnten, dass unterschiedliche Kombinationen von Antihypertensiva zwar eine vergleichbare Wirkung im Hinblick auf die Blutdrucksenkung erbrachten, aber die glomeruläre Schädigung (und die UpV) in sehr unterschiedlicher Weise beeinflusst wurde. Sie äußerten die Vermutung, dass der zusätzlich protektive Effekt von ACE-Hemmern auf einer Senkung intrarenaler Angiotensin II-Spiegel und einem normalisierenden Effekt auf die glomeruläre Hämodynamik beruhen könnte. Da sich bei Behandlung mit AT1-Rezeptorantagonisten und ACE-Hemmern vergleichbar positive Ergebnisse im Hinblick auf Nierenfunktion und Blutdruck ergaben [Mackenzie et al. 1995, Ziai et al. 1996], liegt die Annahme nahe, dass die aggravierenden Effekte des stimulierten RAS auf die renale Funktion der FHH-Ratte in erster Linie über den AT1-Rezeptor vermittelt werden. Weiterhin liegen Studien vor, die nicht den Effekt einer Blutdrucksenkung, sondern den Effekt einer Blutdrucksteigerung an FHH und FHL-Ratten untersuchten. Hierzu wurden FHH und FHL-Ratten unterschiedlichen Alters mit und ohne vorhergehende UNX mit dem NO-Inhibitor N(G)-Nitro-L-Argininmethylester (L-NAME) behandelt [Simons et al. 1994, van Dokkum et al. 1997, 1998, 1999]. Hierbei zeigte sich in den mit L-NAME behandelten Ratten im Vergleich zu nicht behandelten Kontrollen eine Abnahme von RBF,GFR und SNGFR bei gleichzeitiger Erhöhung von RA, RE, PGC und Blutdruck. Die Entwicklung einer massiven Proteinurie und das Entstehen von glomerulären Schädigungen erfolgte stark beschleunigt, FHH-Ratten mit Hochdosisbehandlung lebten kürzer als 11 Wochen. August Copenhagen x Irish (ACI) Ratten zeigten unter L-NAME-Applikation einen erheblich geringeren Anstieg von Albuminurie (UaV) und glomerulärer Schädigung als FHH-Ratten bei gleich stark ausgeprägter Blutdruckerhöhung. FHL-Ratten und FHH/ACI-gekreuzte Ratten wiesen zwar unter L-NAME Behandlung einen schnelleren Anstieg des UaV als ACI-Ratten auf, zeigten sich aber deutlich resistenter gegen die Blutdruckerhöhung als FHH-Ratten. Aus diesen Ergebnissen schlossen die Autoren auf eine vom Blutdruck unabhängige, heriditere Komponente bei der Entstehung der renalen Schädigung. Ein zusätzlich zur Blutdruckerhöhung direkt die Niere schädigender Effekt sollte durch Behandlung mit L-NAME bei gleichzeitiger Normalisierung des Blutdruckes durch ACE-Hemmer ausgeschlossen werden. Tatsächlich zeigten die entsprechend behandelten Tiere keine im Vergleich zu unbehandelten Kontrollen gesteigerte Entwicklung einer Albuminurie als Zeichen einer


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glomerulären Schädigung [van Dokkum et al. 1999]. Allerdings muß darauf hingewiesen werden, dass natürlich die weiter oben geschilderten, zusätzlich zur Blutdrucksenkung wirksamen renoprotektiven Effekte des ACE-Hemmers einen zusätzlich zur Blutdrucksteigerung schädigenden Effekt von L-NAME maskieren könnten. Die vielfältigen möglichen Interaktionen von RAS und NO lassen also keinen endgültigen Schluß im Bezug auf die Äthiologie der durch L-NAME-Wirkung verursachten Schädigung in der FHH/FHL-Ratte zu.

1.3.11 Genetik

Erste genetische Studien von La Vail [1981] charakterisierten die Gene, die die Farbe der FH-Ratte determinieren. Die Ocker(fawn)-Färbung des Kopfbereiches beruht auf dem homozygoten Vorhandensein des autosomal rezessiv vererbten Red-Eyed-Dilution-Genes [LaVail 1981, Prieur und Meyers 1984]. Ausgehend von diesen bekannten Genen führten Kreuzungsversuche von FHH und ACI-Ratten [Brown et al. 1996, 1998] zur Identifikation einiger signifikant mit der Entstehung von Bluthochdruck und renaler Schädigung bei der FHH-Ratte korrelierter Genloci. So fand sich auf Chromosom 1 ein Rf-1 genanntes für 50% der Varianzen der morphologischen Läsionen verantwortliches Gen. Ratten, die homozygot für Rf-1 waren, zeigten eine doppelt so hohe Albuminurie wie heterozygote Tiere. Eine Korrelation des Genes zur Höhe des Blutdruckes bestand nicht. Ein weiteres, allerdings schwächer mit UaV und renaler Schädigung korreliertes Gen (Rf-2) wurde ebenfalls auf Chromosom 1 nachgewiesen. Dieses Gen zeigte auch eine schwache Korrelation zur Höhe des Blutdruckes. Ein zusätzliches, ebenfalls auf Chromosom 1 gelegenes Bpfh-1 benanntes Gen zeigte eine starke Korrelation zur Höhe des Blutdrucks, nicht jedoch zur Höhe der Albuminurie oder zum morphologischen Sklerosescore. Die Autoren schlossen daraus, dass die Tendenz eine glomeruläre Schädigung zu entwickeln und die Neigung zum Hypertonus bei der FHH-Ratte genetisch unabhängig voneinander determiniert sein müßten. Ähnlich wie bei dem Risiko, eine FSGS zu entwickeln (siehe 1.3.7), ergaben sich zwischen männlichen und weiblichen Ratten allerdings auch genetische Unterschiede. So konnte bei weiblichen FHH-Ratten kein Zusammenhang zwischen dem homozygoten Auftreten von Rf-2 und der Höhe der Albuminurie festgestellt werden. Gleiches galt für den Zusammenhang von Bpfh-1 und Blutdruck. Stattdessen fand sich eine Korellation eines weiteren Genortes auf Chromosom 1 mit dem Auftreten von erhöhten Blutdruckwerten [Brown et al. 1998]. In weiterführenden Studien von Shiozawa und Koautoren [1998] bestätigten sich diese Ergebnisse. Zusätzlich konnten noch weitere Genorte auf Chromosom 3 (Rf-3), Chromosom 14 (Rf-4) und Chromosom 17 (Rf-5) nachgewiesen werden, die mit dem Auftreten von Albuminurie und renaler Schädigung korreliert waren. Auf Chromosom 17 fand sich außerdem ein Bpfh-2 genannter Locus, der Verbindung mit der Ausprägung des Hypertonus aufwies. Den stärksten Einfluß auf die Entwicklung einer Albuminurie hatte allerdings (analog zur Risikoverteilung für FSGS) Rf-1. Zwar entwickelten für Rf-1 homozygote Tiere, die gleichzeitig zumindest heterozygot für alle anderen Rf-Loci waren, keine Proteinurie, sobald allerdings zusätzlich zu Rf-1 zumindest auf einem weiteren Rf-Locus Homozygotie vorlag, ließen sich schwere renale Schädigungen nachweisen.

1.4 Der juxtaglomeruläre Apparat

1.4.1 Morphologie und Funktion

Mit dem Terminus „juxtaglomerulärer Apparat“ (JGA) wird eine Funktionseinheit des Nephrons von Säugetieren beschrieben. Der JGA besteht aus den Glomerulumgefäßen, dem extraglomerulären Mesangium und der Macula densa (MD). Unter Macula densa versteht man eine Gruppe von Epithelien im dicken Teil der aufsteigenden Henleschen Schleife (TAL), die sich sowohl morphologisch als auch funktionell vom übrigen Tubulusepithel im TAL unterscheidet. Die MD liegt in direkter Nachbarschaft zu afferenter und efferenter Arteriole am Gefäßpol des Glomerulum. Am JGA besteht somit der einzige direkte Kontakt zwischen den das einzelne Glomerulum versorgenden Gefäßen und dem aus demselben Glomerulum hervorgehenden Tubulussystem. Funktionell ließ sich nachweisen, dass es sich beim JGA um ein hochsensibles Meß- und Regelsystem zum Erhalt der Salzhomöostase und zur Regulation der renalen und systemischen Hämodynamik handelt. Es zeigte sich, dass


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Veränderungen der NaCl-Konzentrationen in der die MD passierenden Tubulusflüssigkeit zwei essentielle Effekte hervorrufen. So führt eine erhöhte NaCl-Konzentration an der MD zu einer Kontraktion der glatten Muskelzellen des Vas afferens und damit zu einem Abfall von glomerulärem Blutfluß, PGC und SNGFR des entsprechenden Glomerulum [Schnermann und Briggs 1992]. Hierdurch erniedrigt sich die Konzentration von NaCl an der MD des zugehörigen Nephrons. Umgekehrt führt ein Abfall der tubulären NaCl-Konzentration an der MD zu einer Relaxation der afferenten Arteriole und folglich zu einem Anstieg von SNGFR, PGC und zu nachfolgend höheren NaCl-Konzentrationen an der MD. Dieser negative Rückkopplungsmechanismus wird „tubuloglomerulärer Feedback“ (TGF) genannt. Die Regulation des Tonus der afferenten Arteriole durch sich ändernde NaCl-Konzentration erfolgt nicht linear, sondern zeigt die größte Sensitivität im Bereich physiologischer NaCl-Konzentrationen [Briggs et al. 1984]. Der TGF reagiert auf Erhöhungen und auf Erniedrigungen der Salzkonzentration an der MD mit gleicher Effektivität [Thomson und Blantz 1993]. Die Reaktionszeit des TGF auf veränderte Salzkonzentrationen an der MD liegt im Sekunden- bis Minutenbereich. Allerdings stellt sich bei längerfristigen Veränderungen der Salzkonzentrationen an der MD ein Resetting des TGF ein, was bedeutet, dass zwar die Regulationsamplituden des TGF erhalten bleiben, dieser aber nun, von einer höheren (oder niedrigeren) Salzkonzentration ausgehend, den Tonus der afferenten Arteriole reguliert. Funktionell bedeutet dies, dass der TGF in der Lage ist kurzfristige Schwankungen in Perfusionsdruck und GFR auf der Ebene der Einzelnephrone zu regulieren und somit unabhängig von kurzfristigen Blutdruckschwankungen und Perfusionsunregelmäßigkeiten im Nierenparenchym eine kontinuierliche Funktion der Niere sicherstellt [Übersicht in Schnermann 1998]. Die zweite Funktion des JGA ist die Regulation von Reninsynthese und Reninsekretion durch granulierte, glattmuskuläre Mediazellen im Bereich der afferenten Arteriole [Taugner et al. 1984]. Gesteuert wird auch dieser Regulationsmechanismus durch veränderte Salzkonzentrationen am MD-Segment des TAL. Geringe Salzkonzentrationen stimulieren die Reninsynthese und Sekretion. Hierbei wird nicht nur die Reninsynthese in den vorhandenen granulierten Zellen gesteigert, sondern es kommt zusätzlich noch zu einer reversiblen, metaplastischen Transformation von glattmuskulären Zellen der afferenten Arteriole in granulierte Zellen [Barajas 1979, 1997]. Hohe Salzkonzentrationen an der Macula densa führen umgekehrt zur Abnahme sowohl von lokal nachweisbarer Renin mRNA und von Renin-Protein als auch konsequenterweise zur Abnahme der Plasmareninaktivität (PRA). Die Regulation der Reninsynthese und der resultierenden Plasmareninspiegel, abhängig vom Salzgehalt an der MD, erfolgt erheblich langsamer als die Regulation des schnellen TGF. So findet sich bei Blockierung des distalen Salztransportes durch Furosemid erst nach 4 Stunden ein Anstieg der Renin mRNA-Spiegel in granulierten Muskelzellen [Chen et al. 1993]. Auch der Effekt einer verringerten Reninsynthese und Sekretion kommt erst mit Latenz zum Tragen, da der vorhandene Plasmareninpool als Puffer fungiert. Im Gegensatz zum TGF kommt es aber auch bei langfristigen Veränderungen der Salzkonzentration am distalen Nephron nicht zu einem Resetting des Mechanismus. So konnte gezeigt werden, dass Menschen, die sich sehr salzarm ernähren, lebenslang erhöhte Syntheseraten für Renin und erhöhte Plasmareninspiegel aufwiesen [Oliver et al. 1981]. Sinn dieser Regulation ist ein Erhalt von Salzhomöostase und Blutdruck auch bei dauerhaft veränderten Plasmasalzkonzentrationen und dauerhaft verändertem Perfusionsdruck der Niere aufgrund lokaler und systemischer Alterationen.

1.4.2 NO-Synthase im JGA

1.4.2.1 Morphologie

MD-Zellen exprimieren im Gegensatz zu umgebenden TAL-Zellen NO-Synthase 1 (NOS1)[Mundel et al. 1992, Wilcox et al. 1992]. Ausgehend von diesen ersten Befunden konnte das Vorhandensein von NOS1-Proteins in MD-Zellen durch Immunfluoreszenz, von NOS1-mRNA durch In situ-Hybridisierung und reverse Transkriptase-Polymerasekettenreaktion (RT-PCR) und von Enzymaktivität durch die Nikotinamid-Adenin-Dinukleotidphosphat (NADPH)-Diaphorasereaktion nachgewiesen werden [Bachmann und Mundel 1994, Tojo et al. 1994, Bachmann et al. 1995, Singh et al. 1996]. Ausgehend von dieser morphologischen Besonderheit stellte sich die Frage, welche Funktion im Rahmen der JGA-Regulationsmechanismen der NOS1 zukommt.


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1.4.2.2 NO und TGF

Bis heute ist nicht bis in alle Einzelheiten geklärt, welche intrazellulären und interzellulären Mechanismen am JGA für die Funktion des TGF verantwortlich sind. Eine zentrale Rolle bei der Signalübermittlung scheint das Adenosin einzunehmen [zur Übersicht: Schnermann 1998]. Hinzu kommen aber noch eine Reihe weiterer möglicher Modulatoren mit regulierendem Einfluß auf die TGF-Funktion. Zu diesen gehört nach heutigem Wissensstand auch das NO. So konnte gezeigt werden, dass es durch Zugabe von unspezifischen NO-Synthaseblockern zur luminalen Flüssigkeit sowohl in vivo als auch in vitro zu einer verstärkten TGF-Antwort auf veränderte Salzkonzentrationen kam [Ito und Ren 1993, Thorup und Persson 1994, Braam und Koomans 1995]. Bestätigt wurden diese Befunde durch ähnliche Ergebnisse mit selektiveren NOS1-Inhibitoren [Thorup et al. 1996, Welch und Wilcox 1997, Ichihara et al. 1998]. Durch Blockierung des Salztransports an der MD durch Furosemid ließ sich dieser verstärkende Effekt der NOS-Blockade auf die TGF-Ansprechbarkeit vollständig unterdrücken [Wilcox et al. 1992]. Aus den oben erwähnten Studien geht hervor, dass NO als Modulator fungiert, der in der Lage ist, die TGF-Antwort der afferenten Arteriole auf veränderte luminale Salzkonzentrationen abzupuffern und der zu einem Resetting des TGF-Mechanismus auf höhere mittlere Perfusionsdrücke am Glomerulum führen kann [hervorragende Übersichten in Wilcox 1998 und Welch et al. 1999].

1.4.2.3 NO und Reninsekretion

1.4.2.3.1 In vivo

Die Frage des Einflusses von NO auf das Renin-Angiotensinsystem war und ist Gegenstand intensivster Forschungsbemühungen. Die bisher vorliegende Flut von Ergebnissen ist im Detail noch sehr widersprüchlich. In vivo konnte sowohl bei verschiedenen Rattenstämmen, bei Kaninchen und Hunden, aber auch beim Menschen durch kurzzeitige Gabe von NO-Synthaseblockern ein Abfall der Plasmareninaktivität nachgewiesen werden [Persson et al. 1993, Goyer et al. 1994, Johnson und Freeman 1994, Navarro et al. 1994, Knoblich et al. 1996, Haynes et al. 1997). Chronische Behandlung mit unselektiven NO-Synthaseblockern (z.B. L-NAME) führten in anderen Studien zu einem Anstieg der PRA [Ribeiro et al. 1992, Zanchi et al. 1995]. Allerdings sei angemerkt, dass viele Autoren diesen Effekt eher auf die durch chronische NO-Blockade hervorgerufene, hypertensive Nierenschädigung als auf eine direkte NO-Blockade zurückführen [Yamada et al. 1996]. Des weiteren problematisch bleibt bei unselektiver NO-Synthaseblockierung in vivo die Unmöglichkeit zu unterscheiden, ob die beobachteten Änderungen der PRA auf die Blockade der MD-NOS (NOS1) oder der ebenfalls am JGA reichlich vorhandenen endothelialen NO-Synthase (NOS3) zurückzuführen sind. Deutlicher wurde der Effekt einer NO-Blockade auf die PRA durch Versuche an Ratten und Hunden mit aktiviertem RAS, erzeugt beispielsweise durch salzarme Diät, durch verminderten renalen Perfusionsdruck oder durch Behandlung mit ACE-Hemmern. Hier zeigte sich, dass eine NOS-Blockade in der Lage ist die im Normalfall eintretende Stimulierung des RAS signifikant zu vermindern [Naess et al. 1993, Persson et al. 1993, Deng et al. 1994, Knoblich et al. 1996, Beierwaltes 1997, Manning et al. 1997). Interesse weckte vor allem der Befund an Ratten und Menschen, dass auch die Stimulierung des RAS durch Furosemid durch NO-Blockade verhindert werden kann [Schricker et al. 1995, Lee et al. 1999], da dieser Effekt relativ eindeutig auf die Blockierung der MD-NOS zurückgeführt werden kann. Belegt wird diese Hypothese durch ähnliche Ergebnisse mit dem relativ selektiven NOS1-Inhibitor 7-Nitroindazol [Beierwaltes 1995, 1997]. Des weiteren zeigte sich, dass sich durch NOS-Blockade die renalen Renin-mRNA-Spiegel und der Reningehalt der Nieren von Ratten vermindern ließen [Schricker et al. 1994, Tharaux et al. 1997], bzw. dass bei Tieren, die unter RAS-stimulierenden Konditionen mit zusätzlicher NO-Blockade gehalten wurden, der erwartete Anstieg von Renin-mRNA und Proteingehalt ausblieb [Schricker et al. 1994, 1996, Tharaux et al. 1997]. Bei Mäusen mit Nullmutationen für NOS1, aber auch bei Mäusen mit Nullmutationen für NOS3 wurden verminderte renale Renin-mRNA und Proteinlevel beschrieben [Shesely et al. 1996, Wagner et al. 2000] Schwierig ist in diesem Zusammenhang die Unterscheidung zwischen direktem und indirektem Effekt einer NOS-Blockade auf das RAS. So führt beispielsweise ein Hypertonus (wie er bei NOS-Blockade vorliegt) per se zu einer Herunterregulierung des RAS. Allerdings zeigten Studien an Tieren


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mit NOS-Blockade, deren renaler Perfusionsdruck durch maschinelle Kontrolle konstant gehalten wurde, mit den oben geschilderten Resultaten vergleichbare Ergebnisse [Johnson und Freeman 1994]. Auch ließ sich keine klare Korrelation zwischen den durch NO-Blockade erhöhten Blutdruckwerten und dem Aktivierungsgrad des RAS herstellen [Schricker et al. 1996].

1.4.2.3.2 In vitro

Die bei in vivo Experimenten gewonnenen Erkentnisse werden ergänzt durch eine Vielzahl von in vitro Studien an isoliert perfundierten Nieren, isolierten JGA-Präparationen und Zellkulturen. So zeigte sich, dass an isoliert perfundierten Nieren die Zugabe eines NO-Donors zum Perfusat zu einer sofortigen dosisabhängigen Stimulation der Reninsekretion führte [Scholz und Kurtz 1993, Kurtz et al. 1998], wobei der Grad der Stimulation vom Perfusionsdruck abhing. In gleicher Weise wie bei in vivo Studien zeigte sich an isoliert perfundierten Nieren mit NO-Blockade eine verminderte Reninausschüttung [Gardes et al. 1992, Hackenthal et al. 1994]. Weniger klar sind die Ergebnisse an Zellkulturen, Nierenschnitten und isolierten afferenten Arteriolen. Einige Autoren berichten über inhibitorische Effekte von NO auf die Reninsekretion an Nierenschnitten und über stimulierte Reninsekretion unter NOS-Blockade [Henrich et al. 1988, Beierwaltes und Carretero 1992]. Die Untersuchungen an isolierten JGA-Präparationen mit intakter Macula densa wiederum zeigten zweierlei Effekt. Zum einen führt eine NOS-Blockade via Mikroperfusion des MD-Segments zu einer Inhibition und eine Zugabe von L-Arginin, dem Hauptsubstrat der NO-Synthase, zu einer Stimulation der Reninsekretion, zum anderen allerdings zeigte sich bei Zugabe von L-Arginin direkt an die afferente Arteriole eine Inhibition der Reninsekretion [He et al. 1995]. Diese Beobachtung legte den Rückschluß nahe, dass das im Endothel durch NOS3 gebildete und das von der MD-NOS1 synthetisierte NO unterschiedliche Effekte auf die Reninsekretion ausüben könnte. Eine Reihe von Experimenten an kultivierten Renin-synthetisierenden, granulierten Zellen ergaben keine eindeutigen Ergebnisse betreffs Stimulation vs. Inhibition des RAS durch NO [Kurtz et al. 1991, Schricker und Kurtz 1993, Greenberg et al. 1995].

1.4.2.3.3 Parallele Regulation von NOS1 und Renin

Weitere Hinweise zum Zusammenhang zwischen NO-Formation am JGA und Aktivierung des RAS ergaben sich aus Versuchsansätzen, die die MD-NOS Genexpression und Proteinkonzentration mit Renin m-RNA und Proteinkonzentration in der afferenten Arteriole in verschiedenen Tiermodellen verglichen. So führte eine über einen längeren Zeitraum durchgeführte Behandlung mit NOS-Blockern bei Ratten zu einer Abnahme von MD-NOS1 Protein- und Genexpression bei gleichzeitiger Verminderung der Renin mRNA und Proteinlevel [Bosse et al. 1995]. Eine parallele Erhöhung aller Parameter ließ sich im Bereich des JGA von Nieren mit Nierenarterienstenose nachweisen, wobei die jeweils nichtstenotische kontralaterale Niere eine gleichsinnige Verminderung aller NOS1 und Reninparameter aufwies [Bosse et al. 1995, Schricker et al 1995]. Vergleichbare Ergebnisse erbrachten Versuche an Tieren unter salzarmer/salzreicher Diät. Auch hier zeigte sich eine parallele Erniedrigung (salzreich) oder Erhöhung (salzarm) von NOS1 m-RNA/Protein und Renin mRNA/Protein [Bosse et al .1995, Schricker et al 1996]. Passend hierzu fanden Nishimura und Koautoren [1997] eine erhöhte Nitratkonzentration im Urin von Ratten, die mit einer salzarmen Diät behandelt wurden.

1.4.2.3.4 Signaltransduktion

Die Frage, wie die Freisetzung von NO schließlich zu einer Induktion bzw. Hemmung des RAS führt, ist noch nicht abschließend beantwortet. Gesichert ist, dass NO als potenter Stimulator der löslichen Guanylatzyklase (sGC) fungiert und so in der Lage ist, die intrazellulären Konzentrationen von cGMP zu erhöhen [Ignarro 1989, Moncada et al. 1991, Schmidt et al. 1993]. Außerdem wurde beobachtet, dass Inhibitoren der sGC sowohl die stimulierende als auch die inhibitorische Wirkung von NO auf das RAS blockieren ([gnarro 1989, Noble et al. 1994], was den Rückschluß zuließ, dass die Bildung von cGMP für die Wirkung von NO am JGA entscheidende Bedeutung hat. sGC ließ sich sowohl in den juxtaglomerulären granulierten Zellen als auch im extraglomerulären und intraglomerulären


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Mesangium nachweisen [Bachmann et al. 2000]. Der Zusammenhang zwischen erhöhten cGMP-Spiegeln und einer Aktivierung bzw. Inhibierung des RAS ist unklar und soll hier nur zusammenfassend kurz beschrieben werden [ausführlich diskutiert in Kurtz und Wagner 1998]. Der Effekt von cGMP-Analoga in in vitro Experimenten auf die Ausschüttung von Renin war abhängig von der Art der verwendeten Substanz, von der Konzentration und von der Dauer der Behandlung und reichte von inhibitorischer [Kurtz et al. 1986, Henrich et al. 1988, Kurtz et al. 1998, Ichihara et al. 1998] bis zu stimulatorischer [Takagi et al. 1988, Noble et al. 1994] Beeinflussung. Diese Beobachtungen legten nahe, dass es zumindest zwei mögliche Koppelungen von RAS und cGMP geben mußte. Es sei bemerkt, dass der Hauptaktivator für die Stimulation von Reninsynthese und Sekretion nach heutigem Kenntnisstand die Höhe des intrazellulären cAMP-Spiegels darstellt [Della Bruna et al. 1995, 1996]. Als Möglichkeit für eine inhibitorische Kontrollfunktion wurde die durch cGMP vermittelte Aktivierung von spezifischen cAMP-Phosphodiesterasen (vor allem cAMP-PDE2), die zu einer Absenkung der intrazellulären cAMP-Spiegel und damit zu einer Verminderung von Reninsynthese und Sekretion führt, postuliert. Weiterhin denkbar ist eine durch cGMP vermittelte Aktivierung von Proteinkinasen (G-Kinasen). Diese Hypothese wurde gestützt durch die Beobachtung, dass an isolierten, mit G-Kinase-Inhibitoren perfundierten Nieren eine Stimulation des RAS eintritt [Kurtz et al. 1998]. Wie eine Aktivierung von G-Kinasen zu einer Hemmung des RAS führt, blieb unklar. Auch für die stimulatorische Wirkung von cGMP auf das RAS gibt es mehrere denkbare Übermittlungswege. So gibt es neben durch cGMP aktivierbaren cAMP-PDEs auch durch cGMP inhibierbare cAMP-PDEs, vor allem cAMP-PDE3 [Beavo 1995]. Diese Theorie ist insofern attraktiv, als zum einen gezeigt werden konnte, dass PDE3 reichlich in renalen Gefäßen und vor allem in der afferenten Arteriole nachweisbar ist [Reinhardt et al. 1995, Kurtz und Wagner 1998] und dass zum anderen eine Hemmung von PDE3 zu einem Komplettausfall des stimulatorischen Effektes von NO auf das RAS führt [Chiu und Reid 1996]. Als weitere mögliche Signaltransduktionswege wurden die Aktivierung von A-Kinasen oder eine Reduktion des zytosolischen Kalziums der granulierten Zellen durch erhöhte cGMP-Spiegel postuliert. Die Folge wäre ebenfalls eine Aktivierung des RAS [Forte et al. 1992, Chao et al. 1994, Schnackenberg et al. 1997]. Es bleibt aber zu vermuten, dass die tatsächliche Signaltransduktion noch erheblich komplizierter ist als bisher angenommen und dass weitere, bisher nicht bekannte Mediatoren ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen. Ein neuerer Denkansatz in Bezug auf die Signaltransduktion geht von einer NO/Prostaglandin-Interaktion aus. Hierzu sei auf den Absatz NO und Prostaglandine verwiesen.

1.4.3 Prostaglandine im JGA

1.4.3.1 Morphologie

Harris und Mitarbeitern [1994] gelang erstmals der Nachweis von Cyclooxygenase-2 (COX-2) mRNA im Bereich des TAL in Tubulusepithelien, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Macula densa lagen. MD-Zellen selbst exprimierten ebenfalls COX-2 mRNA, allerdings in unstimuliertem Zustand auf einem niedrigeren Level. Die COX-2 gilt als induzierbare Isoform, die vor allem im Entzündungsgeschehen eine entscheidende Rolle spielt. Die Bildung von Prostaglandin G/H2 aus Arachidonsäure durch die Cyclooxygenase gilt als geschwindigkeitsbestimmender Schritt bei der Prostaglandinsynthese. Diese Befunde wurden mittels RT-PCR in der Ratte und mittels In situ-Hybridisierung im Kaninchen bestätigt [Guan et al. 1997, Schnermann 1998]. Auch auf der Proteinebene ließ sich COX-2 im TAL/MD-Bereich nachweisen (eigene Ergebnisse). Im Gegensatz zur COX-2 ließ sich die Cyclooxygenase 1 (COX-1) lediglich im Mesangium des Glomerulum, nicht aber im Bereich des JGA nachweisen [Yang et al. 1998]. Zur Frage der Expression von Prostaglandinrezeptoren im Bereich des JGA gibt es zur Zeit erst wenige Erkenntnisse. Die mRNA des Prostaglandin E2 Rezeptor vom EP4-Subtyp konnte im Bereich des Glomerulum nachgewiesen werden [Breyer et al 1993, 1996], außerdem fand sich EP3 -mRNA in MD-Zellen [Sugimoto et al. 1992]. Ebenfalls im Glomerulum konnten Thromboxanrezeptor-und Thromboxansynthase-mRNA nachgewiesen werden [Abe et al 1995]. Weiterführende Informationen finden sich in einer Übersicht zum Thema von Breyer und Breyer [2000].


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1.4.3.2 Prostaglandine und TGF

Die Beobachtung, dass ähnlich der NOS1 bei der COX-2 ebenfalls eine Regulation durch unterschiedliche Salzkonzentrationen an der MD stattfand [Harris et al. 1994], führte zu der Vermutung, dass die synthetisierten Prostaglandine eine Rolle bei der Regulation von TGF und/oder Reninsekretion spielen könnten. Tatsächlich zeigte sich, dass sich die vasokonstriktorische TGF-Komponente durch unspezifische COX-Blocker aufheben ließ [Schnermann et al. 1979]. Dieser Effekt wurde der Hemmwirkung auf die Thromboxanbildung zugesprochen. Wegen der hierzu nötigen hohen Dosen des Inhibitors und multipler möglicher Nebeneffekte der Behandlung ist die Aussagekraft dieses Versuchsansatzes allerdings begrenzt. Neuere Ergebnisse von Ichihara und Koautoren [1998, 1999] mit dem spezifischen COX-2-Inhibitor NS398 wiesen in eine andere Richtung. Unter Ruhekonditionen änderte sich der Durchmesser der afferenten Arteriole nach Zugabe von NS398 nicht. Wurde nun aber die Salzbeladung des distalen Tubulus entweder durch Erhöhung des Perfusionsdrucks oder durch Gabe von Acetazolamin erhöht, verstärkte die COX-2-Blockade die auftretende Vasokonstriktion der afferenten Arteriole signifikant. Durch Blockierung des MD-Salztransports durch Furosemid oder durch Papillektomie konnte dieser Effekt verhindert werden. Diese Ergebnisse wiesen ähnlich der NOS1-Wirkung auch für COX-2 auf eine modulierende Beteiligung des TGF im Sinne einer Attenuierung der TGF-Antwort auf verschiedene Salzkonzentrationen hin. Für mögliche Zusammenhänge zwischen NO und Prostaglandinen bei der Modulation des TGF sei auf den Absatz NO und Prostaglandine verwiesen.

1.4.3.3 Prostaglandine und Renin

Die Beobachtung, dass unter Salzrestriktion, unter Behandlung mit ACE-Hemmern und AT1-Rezeptorantagonisten und bei Mäusen mit Nullmutationen für den AT1-Rezeptor jeweils eine erhöhte Expression von MD und peri-MD COX-2-mRNA und Protein vorlag [Harris et al. 1994, Jensen und Kurtz 1997, Yang et al. 1998, Harris et al. 2000], legte, da es sich jeweils um Zustände mit bekanntermaßen aktiviertem RAS handelte, den Rückschluß nahe, dass zwischen der Regulation von Prostaglandinen an der MD und dem RAS ein Zusammenhang bestehen könnte. Für die zweite COX Isoform, die COX-1, konnte in Hemmversuchen keine Regulierung nachgewiesen werden [Traynor et al. 1999]. Passend zu diesen Ergebnissen konnte gezeigt werden, dass Prostaglandine, vor allem Prostaglandin E2 und Prostaglandin I2, in der Lage sind die Reninsekretion zu stimulieren [Larsson et al. 1974, Gerber et al. 1981, Jensen et al. 1996], eventuell über die Prostaglandin E2-Rezeptoren EP2 und EP4, deren Aktivierung zu einer Erhöhung der intrazellulären cAMP-Spiegel führt [weiterführende Informationen in Breyer und Breyer 2000]. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass MD COX-2-mRNA und Proteinspiegel unter negativer Kontrolle des Plasmaangiotensin II-Spiegels stehen [Cheng et al. 1999], was einem negativen Feedbackloop entspricht. Vermittelt wurde dieser Effekt über den AT1-Rezeptor. Bestätigt wurden diese Erkentnisse durch Versuche mit COX-Hemmern. So führte die Behandlung mit unspezifischen COX-Inhibitoren zu einem Komplettausfall der RAS-Aktivierung bei Tieren mit Salzrestriktion [Greenberg et al. 1993]. Nachfolgende Versuche zeigten, dass sich die RAS-Aktivierung bei Tieren, die mit ACE-Hemmern oder Salzrestriktion behandelt wurden, auch durch Administration eines selektiven COX-2-Inhibitors vollständig verhindern ließ [Harding et al. 1997, Wang et al. 1999, Traynor et al. 1999, Harris et al. 2000].

1.4.3.4 Interaktion von Prostaglandinen und NO am JGA

Die räumliche Nähe der Expression von COX-2 und NOS1 im Bereich der MD und ihre bei einigen Versuchsbedingungen gleichgerichtete Regulierung führte zu der Vermutung, dass zwischen beiden Enzymen ein funktioneller Zusammenhang bestehen könnte. Die COX-2 ist ein Enzym mit Heme-Domäne und benötigt für ihre Aktivierung Hydroperoxide [Smith und Marnett 1991]. NO wiederum ist ein Radikal, das mit Proteinen mit Heme-Domäne interagiert [Ignarro 1990]. Damit liegt die Möglichkeit einer Einflußnahme von in der MD gebildetem NO auf die MD- und peri-MD-COX-2 nahe. In


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Zellkulturen konnte des weiteren nachgewiesen werden, dass NO in der Lage ist in einer Reihe von unterschiedlichen Geweben die Prostaglandinproduktion zu stimulieren [Salvemini et al. 1994, 1995, Tetsuka et al. 1996], wenngleich auch gegensinnige Regulation in einigen Geweben beschrieben wurde [Habib et al. 1997]. Des weiteren konnte gezeigt werden, dass NO in vitro via Formation von Peroxinitriden COX-2 und ebenso COX-1 aktiviert [Landino et al. 1996]. In Zellkulturen von cTAL-Zellen ließ sich die Expression von COX-2 sowohl durch Zugabe von NO-Donoren als auch durch Zugabe von cGMP signifikant erhöhen, umgekehrt kam es durch Gabe von selektiven NOS1 und unselektiven NOS-Inhibitoren zu einem Abfall der COX-2-Expression [Cheng et al. 2000], was neben dem Peroxinitrit-Aktivierungsweg der COX-2 auch auf eine cGMP vermittelte Wirkung von NO auf die COX-2-Expression deutet. Wie diese Wirkung im einzelnen vermittelt wird, ist unbekannt. Des weiteren ließ sich an JGA Präparationen nachweisen, dass die TGF-Antwort auf einen erhöhten Perfusionsdruck, die jeweils durch NOS1- und COX-2-Inhibition verstärkt wird (siehe oben), sich nach Blockade von COX-2 durch zusätzliche Blockade von NOS1 nicht noch weiter verstärken ließ [Ichihara et al. 1999]. Hieraus schlossen die Autoren, dass COX-2 möglicherweise in der Signaltransduktion von MD-Salzgehalt/NO-Formation und Modulation des Durchmessers der afferenten Arteriole als Signalmittler fungiert. Zusätzlich fanden dieselben Autoren, dass bei COX-2-Blockade und Salzbeladung des distalen Nephrons sich durch Vorbehandlung mit selektiven NOS1-Inhibitoren eine über die NOS1-Inhibition hinausgehende verstärkte Konstriktion der afferenten Arteriole verhindern ließ [Ichihara et al. 1998]. Hinweise gibt es auch auf ein Zusammenwirken won NOS1 und COX-2 bei der Regulation des RAS. So ließ sich bei Ratten unter Salzrestriktion und unter Behandlung mit einem ACE-Hemmer, beides Zustände mit aktiviertem RAS, der zu erwartende Anstieg von COX-2-mRNA und Protein durch die Behandlung mit selektiven NOS1-Inhibitoren vollständig verhindern [Cheng et al. 2000, Harris et al. 2000].


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Fri Mar 1 15:59:09 2002