III  DIE RESSOURCE HUMANKAPITAL: BEGRIFF, EIGENSCHAFTEN, FOLGERUNGEN

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Im Folgenden werden die Defizite bei der Regelung der Induzierung und Bindung von Humankapital untersucht. In Kapitel III,1 und III,2 werden in einem ersten Schritt – nach ihrer grundlegenden Einordnung im sozio-ökonomischen Kontext – Humankapital und seine konstitutiven Bestandteile analysiert. In Kapitel III,3 werden die Institute dieser Regelung von Humankapital als Produktionsfaktor analysiert und es wird eine Bestandsaufnahme der Defizite vorgenommen. In Kapitel III,5 werden auf Grundlage der Ausführungen und Ergebnisse der vorherigen Kapitel die Thesen der Arbeit zusammengefasst.

III.1  Die Ressource Humankapital in der sich wandelnden Unternehmung der Informationsgesellschaft

III.1.1  Die klassische Unternehmung, deren Kapitalstruktur und Governance

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Die Unternehmenskapitalstruktur der Vor-Informationsgesellschaft, der Industriegesellschaft, wurde primär durch Finanz- und Sachkapital definiert. Die kritische Ressource war jenes physische Kapital der austauschbaren Arbeitnehmer. Die klassische Theorie ging vom Einzelunternehmer aus: Eigentümer und Kapitalgeber waren in der Unternehmerpersönlichkeit vereint:222 Eigentum und Kontrolle, Risikoübernahme, Verfügungsmacht, Gewinnansprüche und alle weiteren Faktoren bündelten sich hier223 und waren durch Gewinnmaximierung motiviert.224

Aus wachsendem Kapitalbedarf heraus entwickelten sich zahlreiche, anfangs noch eigentümergeführte Unternehmungen in Gesellschaftsformen der Aktiengesellschaft mit der Trennung von Kapital und Management.225 Zusätzlich entwickelte sich im Rahmen des Generationenwechsels Bedarf an unternehmerischem Talent.226 Die so genannte Modern Business Enterprise entstand227 und war unter anderem durch folgende Hauptmerkmale charakterisiert: Trennung von Eigentum und Kontrolle, hohes Maß an vertikaler Integration, durch die Eigentümerschaft an kritischen Vermögensgegenständen (hier noch Finanz- und Sachvermögen) relativ eindeutig definierte Grenzen der Unternehmung und aufgrund der Größe häufig eine hierarchisch pyramidale Organisationsform.

Die Führung und Kontrolle von Organisationen dieser Art beruht entscheidend auf dem Faktor des Eigentums: Die Führungskräfte kontrollieren die relevanten Unternehmensvermögensgegenstände und zwar auf Grund ihrer Organstellung in der juristische Person, die Eigentümerin dieser Gegenstände ist; sie selbst werden aber von den Eigentümern eben der juristischen Person kontrolliert.228

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Die Quelle der Macht des Managements ergibt sich aus dieser Verfügungsgewalt über die Vermögensgegenstände des Unternehmens, kombiniert mit der hierarchisch-pyramidalen Organisationsform der Unternehmung. Die hinzutretende Kontrollmacht der Anteilseigner der Unternehmung führt dann notwendigerweise zur Entwicklung einer komplexen Governance-Struktur.

Grundlage der sich entwickelnden Corporate-Governance-Debatte ist das Werk „The Modern Corporation and Private Property“ von Berle und Means229 mit dem Schwerpunkt der Analyse der Trennung von Eigentümerschaft und Kontrolle in großen Unternehmen. Die sich ausweitende Corporate-Governance-Debatte wurde von drei Hauptelementen der finanzkapitalgeprägten Modern Business Enterprise bestimmt230:

Erstens durch die Frage nach der Zuteilung von Gewinnen: Die Unternehmen waren durch die Eigentümerschaft an relevanten Vermögensgegenständen ausreichend eindeutig definiert. Die legalen Grenzen der Unternehmung konnten entlang dieser Vermögensgegenstände gezogen werden und stimmten mit den wirtschaftlichen Grenzen überein. Die Problematik liegt jedoch in der Frage, wie innerhalb dieser Grenzen die Gewinne zu welchen Quoten verteilt werden sollen.

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Zweitens benötigte, wie ausgeführt, die Unternehmung zusätzliche Investition in Form von Finanzkapital in Verbindung mit voller Risikoübernahme: Die Praxis der Trennung von Eigentum und Kontrolle weitete sich aus, es wurden zunehmend Außenstehende Eigentümer an der Unternehmung. Hierbei bewährte sich die Aktiengesellschaft als Rechtsform. Durch die Zerlegung des Eigentums in kleine, variable und stückelbare Anteile mit relativ begrenzten Pflichten und Risiken für die Anteilseigner, entsprechend den von ihnen gehaltenen Anteilsmengen, wurde eine schnelle und weit gestreute Veräußerung ermöglicht.231

Hieraus ergibt sich das dritte Element der wachsenden Agency-Probleme: War der ursprüngliche Eigentümer der klassischen kapitalistischen Unternehmung noch zugleich der Unternehmer und erbrachte die notwendigen Managementleistungen, so waren die neuen Eigentümer nicht notwendigerweise mit unternehmerischen Fähigkeiten ausgestattet.232 Die zunehmende Machtkonzentration bei den eingesetzten Führungskräften an der Spitze der Organisationspyramide, dem Management, einerseits und die Trennung von Eigentum und Kontrolle andererseits führen zu Agency-Problemen zwischen den Shareholdern und den Managern.

Diese Probleme zählen auch noch heute zu den wichtigsten Fragestellungen der Corporate-Governance-Debatte. Wenn auch mit geänderter Bedeutung, ist Finanzkapital weiterhin notwendiger Bestandteil der Kapitalstruktur der Unternehmung, und somit ist die Frage der angemessenen Interessenberücksichtigung der Finanzkapitalgeber aktuell weiterhin von großer Relevanz.233

III.1.2 Der Wandel zur humankapitalintensiven Unternehmung

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Die Komplexität der Anforderungen an ein Corporate-Governance-System ist mit der veränderten Natur der Unternehmung gestiegen: Die angewachsene Bedeutung von Humankapital in Relation zu physischem Kapital stellt eine dramatische Entwicklung dar234 und wird als ein Indikator für den Wandel von der Industriegesellschaft zu einer modernen Informationsgesellschaft angesehen.235 Wissen – und das daraus folgende Humankapital – ist zu einem der wichtigsten Produktionsfaktoren geworden.236

Die Informations- beziehungsweise Wissensgesellschaft237 mit globalen Märkten verleiht der Ressourcde Humankapital zunehmende Bedeutung, basierend auf dem exponentialen Anstieg der Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft sowie den daraus folgenden technischen Möglichkeiten.238 Von einer Wissensgesellschaft kann gesprochen werden, „wenn die Strukturen und Prozesse der materiellen und symbolischen Reproduktion einer Gesellschaft so von wissensabhängigen Operationen durchdrungen sind, dass Informationsverarbeitung, symbolische Analyse, und Expertensysteme gegenüber anderen Faktoren der Reproduktion vorrangig werden.“239 Wissen und spezifische Fähigkeiten werden auf dem Weltgipfel über die Informationsgesellschaft als wesentliche Instrumente für wirtschaftliche Entwicklung angesehen: „Die globale Geschäftswelt sieht ihre Aufgabe darin, die Entwicklung einer wahrhaft weltweiten Informationsgesellschaft zu beschleunigen, die wirtschaftliches Wachstum und sozialen Wohlstand für alle fördern kann. Sie ist der Ansicht, dass auf Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) beruhende Fähigkeiten als ein wesentliches Werkzeug dienen können für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, Verbreitung von Wissen, gesellschaftliche Interaktion und Meinungsfreiheit, insbesondere in den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt.“240

Zur Bedeutung des Humankapitals sind hierzu insbesondere die Arbeiten von Goldin241 und Abramowitz242 zu vergleichen: „In the nineteenth century, technological progress was heavily biased in a physical capital-using bias direction. (...) In the twentieth century, however, the physical capital-using bias weakened; it may have disappeared altogether. The bias shifted in an intangible (human and knowledge) capital-using direction and produced the substantial contribution of education and other intangible capital to this century productivity growth.“

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Nach Goldin und Katz243 sowie Abramowitz und David244 hat sich der Beitrag der Humankapital-Akkumulation zum Wachstumsprozess in der Periode von 1890 bis 1999 nahezu verdoppelt. Goldin und Katz245 zeigen, dass die Wachstumsrate der Ausbildungsproduktivität im Zeitraum von 1890 bis 1915 bei 0.29 Prozent pro Jahr lag, ein Beitrag von circa 11 Prozent der 1.8 Prozent jährlichen Wachstumsrate des Output per Capita in dieser Periode. In der Periode von 1915 bis 1999 lag die Wachstumsrate der Ausbildungsproduktivität bei 0.53 Prozent pro Jahr, ein Beitrag von circa 20 Prozent der jährlichen Wachstumsrate von 1.8 Prozent des Output per Capita in dieser Periode.

Abramowitz und David246 zeigen in ihrer Arbeit auch, dass sich der Anteil des Wachstums des Output per Capita, welcher direkt dem Beitrag der Akkumulation von physischem Kapital zugerechnet werden kann, verringert hat von durchschnittlich 56 Prozent in der Periode von 1800 bis 1890 auf 31 Prozent in der Periode von 1890 bis 1927 und 21 Prozent in der Periode von 1929 bis 1966.

So zeigt auch Denison,247 dass der Beitrag der Akkumulation von physischem Kapital abnehmend bei 22 Prozent des Wachstums der Output per Capita in der Periode von 1909 bis 1929 und bei 9 Prozent in der Periode von 1929 bis 1957 liegt. Demgegenüber liegt in diesen Perioden der Anteil der Akkumulation des Humankapitals zunehmend bei 15 Prozent und 21 Prozent.248

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Die damit einhergehende Veränderung der Natur der Unternehmung und die Anforderungen von Märkten durch den globalen Handel, die Verfügbarkeit von Finanzierungen aufgrund globaler Finanzmärkte verleihen dem Humankapital als kritischer Ressource in Relation zu Finanz- und Sachkapital eine immens hohe Bedeutung.249 Die Quelle von Produktivität und Wachstum liegt in der Verarbeitung von Wissen,250 Humankapital ist zu einer der wichtigsten Quellen der Unternehmensgewinne geworden.251

Schon Alfred Marshall betont in seinem zukunftsweisenden Werk „Principles of Economics“:252 „Capital consists in a great part of knowledge and organisation“. Da Humankapital jedoch bezüglich seiner Eigenschaften, insbesondere seiner Property-Rights-Gestaltung stark problematisch ist – es können keine oder nur eingeschränkte Eigentumsrechte vertraglich annähernd geregelt werden253 –, müssen Einfluss und Macht über Humankapital mittels anderer Mechanismen als Eigentum erlangt werden.

Hiermit gehen zahlreiche Konsequenzen einher: Die klassischen Organisations-strukturen erweisen sich nicht mehr als funktional, da die auf Eigentum von Vermögen ausgerichteten Führungs- und Kontrollsysteme geschwächt beziehungsweise im Extremfall wirkungslos werden. Notwendig für einen effizienten Einsatz sind entsprechende Organisationsformen.254

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Ein Ergebnis ist das teilweise Auseinanderbrechen vertikal integrierter Unternehmungen,255 stark pyramidale Hierarchien lösen sich zugunsten flacher Strukturen und breiter Netzwerke auf, und Macht dezentralisiert sich von der Spitze.256 Die Unternehmen sehen sich einem Wettbewerb ausgesetzt, der nicht mehr über die ehemals kritische Ressource Finanzkapital entschieden wird: Finanzkapitalintensität und dessen Verfügbarkeit sind ein lediglich hinreichendes Kriterium für wirtschaftlichen Erfolg in wettbewerbsintensiver gewordenen Märkten mit zunehmend idealen globalen Finanzmärkten. Notwendig ist die Entwicklung von Innovationen, die ihre Quelle in Humankapital haben.

Die Bedeutung von Humankapital für eine Unternehmung ist als Produktionsfaktor grundsätzlich gegeben, jedoch ist die Bewertung über die Zeit veränderlich. Der unter anderem durch Humankapital geschaffene Wert hängt sowohl von den Eigenschaften einer Unternehmung als auch von jenen des Humankapitals ab. Der Wert und die Bedeutung des Humankapitals für die Unternehmung hängen von dem Grad der Komplementarität zwischen den Humankapitaleigenschaften und denen der Unternehmung ab. Die Veränderungen der Unternehmenseigenschaften über die Zeit hinweg resultieren in Wertveränderungen des Humankapitals. 257

Diese Interaktion zwischen der Strategie der Unternehmung und den Anreizen der Humankapitalträger ist Ausdruck des spezifischen Corporate-Governance-Systems, welches die Grenzen und Organisation der Unternehmung bestimmt. Die Bedeutung des Humankapitals kann insofern nicht als firmenspezifisch angesehen werden, als es nur in einer Unternehmung wertvoll ist beziehungsweise jenseits der Unternehmung keinen Wert hat. Nach diesem Grad der Wertabhängigkeit des Humankapitals von einer Unternehmung wird in der Literatur häufig die Spezifität des Humankapitals definiert.258 Diesem Ansatz folgend ist das firmenspezifische Humankapital für die Unternehmung einerseits von hoher Bedeutung, andererseits ist der Humankapitalinvestor einem großen Risiko ausgesetzt, zum Beispiel gegenüber der Hold-Up-Gefahr.259

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Es kann mit dem Ansatz von Lazear260 vermutet werden, dass es diese Spezifität über die Zeit und die daraus folgende Bedeutung nicht gibt, sondern dass Humankapital als ein Portfolio anzusehen ist, und unterschiedliche Unternehmen unterschiedliche Portfolios unterschiedlich hoch bewerten. Der Wert des Humankapitals hängt damit von der längerfristigen Unternehmensstrategie ab und auf individueller Seite zusätzlich von der alternativen Verwendung beziehungsweise Fähigkeit zur alternativen Verwendung.261

III.2 Exkurs: Wissen als konstitutiver Bestandteil der Ressource
Humankapital

III.2.1  Definition des Begriffs Humankapital

Humankapital bezeichnet die Produktionskapazitäten von Menschen in ihrer Eigenschaft als einkommenschaffende Wirtschaftssubjekte.262 Die folgende Definition beschreibt die den Produktionskapazitäten zugrunde liegenden Faktoren:

Humankapital ist das im Menschen gebundene Wissen,263 welches auch als seine Fähigkeiten, Kenntnisse und Beziehungen umschrieben werden kann. Es wird von einer Kapitalisierung des Wissens ausgegangen.264 Einer Analyse des Humankapitals und der Bindung und Induzierung von Humankapitalinvestitionen geht damit die nähere Untersuchung von Wissen als dessen Basis voraus. Dieses Wissen soll in seinen spezifischen Ausprägungen und Definitionsformen näher analysiert werden, obgleich sich in der Literatur Ansätze finden, die Humankapital als bestimmte Form des Wissens erachten, die ohne eine wissenschaftliche Weiterentwicklung nicht systematisiert werden kann.265 Den vorherrschenden Ansätzen entsprechend wird jedoch im Folgenden eine Systematisierung angestrebt.

III.2.2 Definition des Begriffs Wissen

III.2.2.1  Wissensformen und Definitionen in der Literatur

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Wissen als Grundlage des Humankapitals tritt in unterschiedlichen Formen auf und ist immer auch ein zentrales Element innerhalb der verschiedenen Wechselspiele von Herrschaft und politischer Macht.266 In der Literatur finden sich zahlreiche, zum Teil sehr unterschiedliche Vorstellungen, wie dieses Wissen näher beschrieben und systematisiert werden kann.267 Zwei Hauptkategorien des Wissens bilden das individuelle und das kollektive Wissen. Grundlage des kollektiven Wissens ist das individuelle Wissen, gewonnen durch individuelles Lernen.268 Lernprozesse innerhalb von Organisationen sind nicht die Summe des individuellen Lernens, sondern der Transfer des individuellen Wissens zur Erweiterung beziehungsweise Veränderung der kollektiven, organisationalen Wissensbasis.269 Ist das Wissen kodifiziert, so ist es physisch, insbesondere auch physisch-nicht-humangebunden, gespeichert und unterliegt den Eigenschaften von Daten. Derartig gespeicherte Daten unterliegen nicht direkt der Humankapitalproblematik und werden aus diesem Grunde nicht weiter behandelt. Wissen über Verfügung und Nutzung dieser Daten wird im Verlauf der Arbeit betrachtet.

Ist es jedoch nicht kodifiziert – wie im Fall des für diese Untersuchung relevanten Wissens –, so ist es individuell im Menschen gebunden und stellt in der Summe den Humankapitalstock einer Organisation dar und unterliegt der Humankapitalproblematik.270

Die erste moderne Einteilung kollektiven Wissens stammt von Max Scheler. Die Soziologen Scheler271 und Mannheim272 begründeten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Wissenssoziologie. Anders als bei den philosophischen Diskursen, die um die Frage nach der Wahrheit von Wissen zentriert sind, stand jetzt die Art und Weise im Vordergrund: Wie reguliert ein Kollektiv, zum Beispiel eine Gesellschaft oder eine Organisation, das Wissen? Nach Scheler ist Wissen der individuellen Erfahrung vorgegeben und diese wiederum in eine gesellschaftliche Sinnordnung eingebettet. Die Sinnordnung eines Kollektivs war damit eine Art Speichermedium für das objektiv vorliegende Wissen der Gesellschaft.

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In der Literatur finden sich zahlreiche Versuche, Wissen zu kategorisieren und zu definieren. Im Folgenden soll ein Überblick über die Vielzahl der Ansätze gegeben werden: Scheler unterscheidet die drei Kategorien Erlösungswissen, Bildungswissen und Herrschafts- beziehungsweise Leistungswissen. Die allgemeine Unterscheidung der neueren Literatur gliedert organisationales Wissen273 in Regel- und Faktenwissen.274

Mit Kluwe275 können folgende Wissenstypen unterschieden werden: Das deklarative Wissen bezeichnet die Kenntnisse des Menschen über die Realität, das heißt über Sachverhalte, Vorgänge, Personen und Objekte. Deklaratives Wissen ist zwar interindividuell unterschiedlich repräsentiert, grundsätzlich aber verbalisierbar. Das prozedurale Wissen umfasst die verfügbaren geistigen Operationen und Prozesse zur Verarbeitung von Informationen. Derartige Prozesse liegen in Form diverser Produktionsregeln und Produktionssysteme vor wie Abstrahieren, Speichern, Wiedererkennen, Verknüpfen und anderem und sind nicht verbalisierbar. Schließlich identifiziert Kluwe das Metawissen als Wissen über Wissen.

Weitere Unterscheidungen von Wissen finden sich unter anderem bei Ryle276 mit Knowing How und Knowing That, Jaenicke277 mit Fakten-, Universal- und Praxiswissen, Polanyi278 mit explizitem und implizitem Wissen sowie bei Anderson279 mit declarative Knowledge und procedurale Knowledge.

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Spinner280 unterscheidet zwischen allgemeinem und besonderem Wissen: Das allgemeine Wissen kann untergliedert werden in theoretisches Wissen, Anwendungswissen, technologisches Wissen, kommerzielles Wissen und Metawissen. Das besondere Wissen wird untergliedert in das Alltagswissen, Erfahrungswissen und Ereigniswissen.

Schließlich sollen noch die vier Begriffseinteilungen von Sackmann281 genannt werden: Dictionary Knowledge als ein Situationswissen, das in Kollektiven allgemein geltende Beschreibungen für Situationen und Problemstellungen bezeichnet; Directory Knowledge als ein Erklärungswissen, das die in Kollektiven übliche Praxis bezeichnet, Ursache-Wirkungsketten zu bilden. Interpretationen finden vor dem Hintergrund der kulturell spezifisch geprägten Erklärungsschemata statt. Recipe Knowledge als das Rezeptwissen, welches die kollektiv-gebräuchlichen Empfehlungen, Vorschriften und Lösungsalgorithmen für anstehende Probleme umfasst. Axiomatic Knowledge als das Basiswissen eines Kollektivs, welches die grundlegenden Prämissen kollektiven Handelns umfasst, die als Letztbegründungen dienen beziehungsweise dienen können.

Hinsichtlich der Anwendung kann zwischen allgemeinem wissenschaftlichen Wissen und hochspezifisch anwendbarem idiosynkratischem Wissen, welches als Nebenprodukt einer Tätigkeit entsteht, unterschieden werden.282

III.2.2.2  Hauptkategorien von Wissen

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Folgende Einteilung erscheint für das Verständnis des dem Humankapital zugrunde liegenden Wissens sinnvoll: explizites Wissen, implizites Wissen sowie soziales Wissen und holistisches Wissen.283

III.2.2.2.1  Implizites Wissen

Implizites Wissen beinhaltet die zahlreichen Aspekte des Wissens von Individuen und Organisationen, die nicht in Worte gefasst sind und möglicherweise von ihrer Qualität her auch nicht in Worte gefasst werden können.284 Dieses Wissen liegt dem Handeln latent als so genanntes embodied Knowledge zugrunde.285 Die Weitergabe dieses Wissens erfolgt über Sozialisierungsprozesse, als weiterhin implizites Wissen, oder über die so genannte Externalisierung, nach Transformierung in explizites Wissen, der so genannten Wissenskonversion.286 Der Sozialisierungsprozess findet durch gemeinsame Übung, Beobachtung und Imitation statt. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, das Ausüben gemeinsamer Tätigkeiten, Verhaltensweisen und Rituale sind Vorraussetzungen der Sozialisierung, Mentoring unterstützt dieselbe. Die Entscheidung über den Zugang287 zu den Konvertierungsprozessen und die gezielte Sozialisierung bestimmen den Grad der Wissenskultivierung und schließlich die daraus folgende Handlungsfähigkeit.288

In einer ähnlichen Bedeutung verwendet Giddens289 den Begriff der Knowledgeability, mit dem in erster Linie so genanntes praktisches Wissen bezeichnet wird, welches sich im Handeln bewährt und nicht notwendig diskursiv verfügbar sein muss. Wissen ist also eine anthropologische Bedingung für Handeln generell. Praktisches Wissen ist zudem eine Bedingung für die so genannte reflexive Steuerung (reflexive monitoring) von Handeln.

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Gerade dieses eng am Handeln orientierte Wissenskonzept hebt einerseits die Bedeutung von Wissen als Handlungsbefähigung, -möglichkeit und -macht, andererseits die Bindung an das Individuum hervor. Diese Eigenschaften erweisen sich im so genannten Autoimmunisierungprozess des zentralen Humankapitals, dem Management, als besonders bedeutsam.290

Damit einher geht die notwendige Gestaltung eines Corporate-Governance-Systems, welches einerseits durch geeignete Rahmenbedingungen diese Potenziale in Form von Humankapital der Organisation zur Verfügung stellt, denn: „die Definiton von Wissen als Handlungsvermögen signalisiert zudem, dass die Realisierung oder Anwendung von Wissen immer unter bestimmten sozialen und kognitiven Rahmenbedingungen stattfindet. Wissen transportiert damit nicht unbedingt konkrete Handlungschancen, sondern ist immer noch von einer aktiven Ausarbeitung oder Interpretation dieses Potenzials abhängig.“291 Andererseits ist infolge des Kontrollproblems der damit verbundenen Autoimmunisierung Rechnung zu tragen.

Dieses praktische, dem Handeln implizite Wissen besitzt unter anderem durch die Befähigung zur Orientierung und Verständigung einen besonderen Ressourcencharakter. In Kopplung an Erlebnisse und Erfahrungen können so Verhaltensmuster und Routinen ausgebildet werden, die selber Teil der Wertschöpfung der Organisation sind beziehungsweise dazu beitragen.

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Einsatz und Explizierung sind funktional von Individualinteressen abhängig. Diese Interessen sinnvoll aufeinander abzustimmen, ist eine Aufgabe eines geeigneten Corporate-Governance-Systems.

III.2.2.2.2 Explizites Wissen

Das explizite Wissen kann auch in Diskursen ausgedrückt werden, weshalb es, freier in der Beeinflussung von Meinungen innerhalb sozialer Beziehungen angewandt, auch als diskursives Wissen bezeichnet wird. Explizites Wissen kann artikuliert, transferiert und in Medien gespeichert werden, es ist nicht notwendig an ein Individuum gebunden. Auf den Transfer, dessen Probleme und Kosten in Abhängigkeit von der Spezifität des Wissens wird im Verlauf der Arbeit gesondert eingegangen.292 Wenn das explizite Wissen auch nicht notwendig im Menschen gebunden ist – in diesem Fall handelt es sich nicht direkt um Humankapital, sondern zählt als Daten zu den immateriellen Vermögensgegenständen wie zum Beispiel Datenbanken und ist nicht direkt Teil der Analyse –, so ist doch vielmehr der Umgang mit dem expliziten Wissen und der damit verbundene Zugang zu Informationen dem Menschen eigen und stellt damit einen wichtigen Teil des Humankapitals dar.293

III.2.2.2.3 Soziales Wissen

Das soziale Wissen kann in zwei Bereiche unterteilt werden: in das Wissen um das soziale System294 und das Wissen um sozialbezogene Information295. Ersteres hat seinen Schwerpunkt im sozialen Beziehungsgeflecht innerhalb der Dialektik von Kontrolle und Kommunikation. Letzteres ist auf das Individuum und seine Eigenschaften, wie zum Beispiel seine Verhaltensmuster und deren Beeinflussung, bezogen.

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Zum sozialen Wissen wird das Wissen über Netzwerke, Interessen- und Machtverteilung sowie Entscheidungsprozesse gerechnet. In Abhängigkeit von der Position in der Organisation steht der Zugang zu diesem Wissen und damit die Fähigkeit, dynamische Prozesse zielorientiert zu steuern. Der durch die Corporate-Governance-Struktur gegebene Platz des Individuums im Netzwerk der Kommunikation und die damit verbundene Unabhängigkeit bestimmen die Kontrolle und Fremdsteuerung des Individuums, welche wiederum Einfluss auf seine Humankapitalinvestition haben.296 Auf die Gestaltungsmöglichkeiten wird im Verlauf der Arbeit eingegangen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Institut Zugang in Kapitel IV,2.3.2, Abschnitt b).

III.2.2.2.4 Holistisches Wissen

Holistisches Wissen durchschaut die Gesamtheit eines Systems und Erkenntnisse daraus. Auf der Grundlage von holistischem Wissen können gezielte strategische Ausrichtungen vorgenommen werden.

Entscheidend für die Handlungsfähigkeit ist die unterschiedliche Distribution von Wissen: Verschiedene Individuen haben einen jeweils unterschiedlichen Zugang zu Wissen und zu Systemen und weisen zudem unterschiedliche Internalisierungsgrade dieses Wissens auf. Besonders deutlich wird dies dort, wo hohe Eintrittsbarrieren zu bestimmten Formen des Expertenwissens bestehen. Nur wer die erforderlichen Vorkenntnisse dazu bereits verinnerlicht hat, erhält Zugang zu den darauf aufbauenden komplexeren System- und Kausalzusammenhängen. Dieses Wissen, welches durch Ansammlung und Analyse von Wissen produziert wird, beinhaltet auch Erfahrungswissen.

III.2.3 Spezifische Eigenschaften von Wissen

III.2.3.1  Die Dimension der Spezifität

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Eine weitere Unterscheidung des Wissens kann hinsichtlich seiner Spezifität297 vorgenommen werden. Aus transaktionskostenökonomischer Sicht erscheint die Definition über die Transferkosten sinnvoll:298

Spezifisches Wissen ist jenes Wissen, dessen Transfer unter den Agenten kostenintensiv ist.299 Demgegenüber ist der Transfer von allgemeinem Wissen unter den Agenten nicht kostenintensiv. Die Kosten des Transfers hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel der Natur und Form des Wissens, dem organisationalen Umfeld mit der spezifischen Governance-Struktur, der Technologie der Wissensspeicherung und Weitergabe sowie der Natur der Interaktion der Individuen, der Agenten. Deutlich ist die wechselseitige Beeinflussung der genannten Faktoren.

Transfer von Wissen zielt hier auf handlungsorientierten effektiven Transfer, nicht allein auf Kommunikation von Wissen in Form von Daten und Information. Handlungsorientierter Transfer impliziert Speicherungs- und Verarbeitungskapazität sowie Input/Output-Kanäle des menschlichen Gehirns.300

III.2.3.2 Soziale und wirtschaftliche Positionierung des Wissensträgers

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Wissen kann zur Durchsetzung eigener Interessen instrumentalisiert werden. Derjenige, der über Wissen verfügt, kann es für die Verbesserung seiner sozialen und wirtschaftlichen Situation einsetzen. Wissen, genauer „unique human capital“, kann als nicht auf Vertrag oder Eigentumsrechten basierende Quelle der Handlungs- und Gestaltungsmacht bezeichnet werden.301

Der klassisch zu nennenden Macht-Definition von Max Weber302 folgend, bedeutet Macht jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstände durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht. In diesem Sinn stellt Macht eine Residualgröße aus Macht und Gegenmacht, bezogen auf das Wissen auch immer auf einen qualitativen oder quantitativen Wissensvorsprung dar. Macht kann weiter auch definiert werden als die „Beziehung zwischen Menschen, welche, auf der Basis von Produktion und Erfahrungen, den Willen von Menschen beeinflussen, unter der potentiellen oder tatsächlichen Anwendung von Gewalt, physischer oder symbolischer.“303

In diesem Sinn ist, der Property-Rights-Theorie304 folgend, Macht vom Preismechanismus zu unterscheiden, denn sie beinhaltet gerade die Ausübung von Rechten, die nicht vertragsfähig sind, die so genannten Residualrechte der Kontrolle.

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Zusätzlich entscheidet die Stärke der Abhängigkeit des einen Mitglieds vom anderen über die Größe der Macht: „Es will scheinen, dass Macht, jemanden zu kontrollieren oder zu beeinflussen, in der Kontrolle über die Dinge liegt, die jener schätzt (...). Macht hat ihren Ursprung in der Abhängigkeit des Anderen.“305

Crozier und Friedberg haben in ihrer breiten Studie über Macht in Organisationen306 die Allgegenwärtigkeit des Phänomens Macht in Organisationen herausgearbeitet: „Macht ist (...) eine unausweichliche, nicht aus der Welt zu schaffende Dimension des Werdens wie des Bestehens, der Bewegung wie der Stabilität, mit einem Wort sozialen Handelns überhaupt.“307

Wissen und Macht stehen im Allgemeinen und im Besonderen in Organisationen auf das Engste in wechselseitiger Beziehung.308 Zugleich sind Wissen und Macht jeweils Medium und Produkt:309 Durch das Medium Wissen kann neues Wissen als Produkt generiert werden. Analog generiert Macht wieder Macht.

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Die Identität von Wissen und Macht sehen Crozier und Friedberg in vier Machtquellen, die zugleich Wissensformen sind: erstens im spezifischen Sachwissen und der funktionalen Spezialisierung; zweitens in der Kontrolle von Informationen und Kommunikationskanälen; drittens in den speziellen Beziehungen zwischen der Organisation und der Umwelt und viertens in den organisatorischen Regeln.310

Die Notwendigkeit, das Problem der Macht im Sinn von Max Weber einzubeziehen, wird deutlich, indem betont wird, dass alle vier Machtquellen zugleich Ausprägungen von Humankapital darstellen, das heißt in Menschen gebundenes Wissen. Damit wurde zugleich gezeigt, dass die Ressource Humankapital einen Machtfaktor darstellt.

Motive für die Machtausübung, die Herrschaft über Dritte, liegen im organisationalen Kontext unter anderem im Willen der Organisationsmitglieder, ihre eigenen Ziele durchzusetzen und sich insbesondere gegen Kontrolle durch Dritte und/oder Regelwerke zu immunisieren, der so genannte Autoimmunisierungsprozess.311 Ziel kann die Absicherung einer bestehenden Vorteilssituation oder die Erlangung neuer sozialer und wirtschaftlicher Vorteile sein.312 Insbesondere bietet Macht den Schutz und die Pflege von beziehungsspezifischen Investitionen, Formen von Humankapital, in einem Umfeld von unvollständigen Verträgen.313 Je kleiner der verbleibende regelbare Bereich ist, desto wichtiger ist die Rolle der Residualrechte der Kontrolle und demzufolge die Macht. Mit der abgeleiteten Identität von Wissen beziehungsweise Humankapital und Macht und der Möglichkeit der Instrumentalisierung von Wissen als Machtfaktor besteht die Gefahr des dysfunktionalen Machtmissbrauchs und Machtstrebens. Dieses kann zum Beispiel wertsteigernde Transaktionen verhindern und zu suboptimalen Humankapitalinvestitionen entlang des individuellen politischen Kalküls, in Abgrenzung zum unternehmensausgerichteten Kalkül, führen.314

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Hierbei ist die Geheimhaltung des Wissens relevant: „Das Ideal der offenen, allgemein zugänglichen Kommunikation ist so alt wie die Anfänge der Wissenschaft in der Antike. (...) Der Erwerb von solchem Wissen setzte privilegierten Zugang voraus und versprach Privilegien.“315 Die Spannung zwischen Wissensweitergabe und Wissensgeheimhaltung, unter anderem aus Machtmotiven, besteht fort.316

Den Machteigenschaften von Wissen und deren Implikationen ist in einem Corporate-Governance-Ansatz Rechnung zu tragen. Inwieweit dieser Mechanismus zum Zwecke der Induzierung und Bindung von Humankapital genutzt werden könnte, wird im Rahmen der Ausführungen in Kapitel IV der vorliegenden Arbeit analysiert.

III.2.3.3 Wissen und Entscheidungskompetenz

Es ist gezeigt worden,317 dass die Wissensform, deren Generierung und Anwendung beziehungsweise Nutzung, immer auch eine Funktion der individuellen Position in der Organisationsstruktur und den daraus folgenden Kompetenzen ist. Demzufolge ist die Entscheidung über Kompetenzen zugleich eine Entscheidung über die Zuteilung und Verteilung von Wissen.

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Schon Hayek318 betonte die Bedeutung von Wissen und dessen Zuteilung und Verteilung in einer gut funktionierenden Wirtschaft: „The economic problem of society is (...) not merely a problem of how to allocate given resources – if given is taken to mean given to a singel mind (...). It is rather a problem of how to secure the best use of resources known to any of the members of society, (…) a problem of the utilization of knowledge which is not given to anyone in its totality.“319

Die Erkenntnis der kompetenzabhängigen Wissensgenerierung und Wissensnutzung einerseits und die wissensabhängige Entscheidungskompetenz andererseits, diese wechselseitige Beeinflussung, führt bei Hayek zu der Kernaussage, dass die Leistungsentwicklung einer Organisation von der Zuordnung von Entscheidungskompetenz zu entscheidungsrelevantem Wissen und umgekehrt abhängt.

Eine zunehmende Wissensgenerierung und deren Verbreitung in der Gesellschaft ist der Natur des Wissens entsprechend notwendigerweise mit dezentralen Strukturen verbunden: „If we (...) agree that the economic problem of society is mainly one of rapid adaptation to changes in the particular circumstances of time and place, (…) decisions must be left to the people who are familiar with these circumstances, who know directly of the relevant changes and of the resources immediately available to meet them. We cannot expect that this knowledge to a central board which, after integrating all knowledge, issues its orders. We must solve it by some form of decentralisation.”320

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Analog zu anderen Ressourcen erfolgt die effiziente Verschiebung von Entscheidungsrechten zu Agenten mit relevantem Wissen und vice versa, auf Märkten zum Beispiel über Preis- und andere Mechanismen.321 Die Analyse dieser Mechanismen auf Märkten gibt erkenntnisreiche Einblicke in organisationale Mechanismen und Probleme.

Als ein Ergebnis lässt sich zusammenfassen, dass die Organisationsstruktur mittels der Entscheidungskompetenzen die Wissensformen beeinflusst und vice versa die Verteilung von Wissen die Organisationsstrukur beeinflusst.

Damit stellt sich die Frage, inwieweit ein geeignetes Corporate-Governance-System die Generierung und Verteilung von Wissen und damit auch, wie gezeigt wurde, von Humankapital beeinflussen kann, wobei hier die Ansammlung und Bindung von Wissen und Humankapital eingeschlossen ist.

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Diese Fragen und die zugrunde liegenden Mechanismen sollen im folgenden Kapitel III,2 analysiert und, mit den daraus folgenden Ergebnissen, in Kapitel IV weiter einbezogen werden.

III.2.3.4  Kapazitätsgrenzen, Transmission und Bindung von Wissen

Vor der Analyse der Besonderheiten von Humankapitalinvestitonen als Unternehmensressource und Produktionsfaktor im Kontext spezieller Corporate-Governance-Ansätze soll auf die damit verbundenen grundlegenden Phänomene der Wissensteilung und -weitergabe eingegangen werden.

Wertgenerierung hängt positiv vom Ausmaß der Wissensteilung und Wissensweitergabe, der so genannten Transmission ab,322 wobei jedoch die Organisationskomplexität mit steigender Wissensdiffusion anwächst.323

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Die Instrumentalisierung von Wissen als Machtfaktor und Wertfaktor stellt jedoch einen Filter für Informationen und Wissen dar. Nicht das notwendige und maximal mögliche Wissen wird in den (Produktions-) Prozess eingebracht, sondern der hinsichtlich des individuellen Nutzens gefilterte Anteil. Der Prozess der Wissensteilung, der auch immer ein Transferprozess ist, verläuft zeitintensiv und weder automatisch noch im freien Fluss, und stellt damit einen kostenintensiven Prozess dar.324

In ihrer empirischen Studie über Determinanten der Wissensteilung innerhalb von Organisationen, die zugleich immer eine Form der spezifischen Humankapitalinvestition ist, kommen Blackler und McDonald325 zu folgendem Ergebnis: Innerhalb des komplexen Prozesses der Wissensteilung entscheiden die Organisationsteilnehmer sehr genau, welches Wissen mit wem geteilt wird, wenn es überhaupt geteilt wird. Wissen wird als ein „wertvolles Gut“326 eingeschätzt. Überlegungen zur Wissensteilung erfolgen aus Sicht eines „gesunden Egoismus“.327 Dies beinhaltet Filterprozesse. Blackler und McDonald prägen hierfür den Begriff der „psychosozialen Filter“,328 der Wissensaufnahme (Knowledge Inputs) und Wissensweitergabe (Knowledge Outputs) bezüglich folgender Kriterien: Erstens bezüglich der Auswahl der Qualität des Wissens: Ist das Wissen, die Information, wahr oder falsch,329 liegt Wahrhaftigkeit vor.330 Zweitens bezüglich der Quantität des Wissens: Wird das gesamte Wissen in den Prozess eingebracht oder wird Wissen zurückgehalten?331 Drittens bezüglich des Zeitpunktes der Wissenseinbringung in den Prozess: Der Wert des Wissens, der Informationen ist eng an die zeitliche Einordnung gebunden. Schließlich bezüglich der Zugehörigkeit innerhalb der Organisation: Hierüber erfolgt eine indirekte Steuerung der Wissenszuteilung und Wissensverteilung. In empirischen Studien332 wurde gezeigt, dass diese Transmission von Wissen und Information erstens von Macht abhängt und zweitens durch Macht, Status des Empfängers und durch die erwartete Belohnung positiv beeinflusst wird. Aus lerntheoretischer Sicht kann Wissenstransmission, Wissensfreigabe und die damit verbundene Humankapitalinvestition als ein Lernprozess moduliert werden.333

Die Induzierung und Bindung von Humankapitalinvestitionen beinhaltet damit unter anderem die Schaffung von Anreizen zum Lernen im System durch eine geeignete Corporate-Governance-Struktur.

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Die Notwendigkeit, Anreizen zum Lernen im System unter den ausgeführten Bedingungen zu schaffen, wird in die Ausführungen in Kapitel IV einbezogen.

Die Wissensteilung und Transmission – die Humankapitalbereitstellung – stellen durch die erhöhte Wertgenerierung eine Art der „kooperativen Investition“ dar.334

Hierauf aufbauend werden in Kapitel IV,2.2 die Anreize für Wissensteilung und Transmission in Form von Humankapitalinvestitionen analysiert, insbesondere im Zusammenhang mit den Möglichkeiten aus der Property-Rights-Gestaltung.335

III.3 Humankapitalinvestition

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Der Begriff der Humankapitalinvestition ist in der neueren Literatur ein verbreiteter Begriff.336 Humankapital kann durch eine individuelle Investitionsentscheidung geschaffen werden.337 Der Begriff der Humankapitalinvestition ist jedoch häufig zweideutig, beziehungsweise wird er in zwei unterschiedlichen Definitionen verwendet:338 erstens als Investition in das Humankapital eines Individuums und zweitens als Investition von Humankapital durch ein Individuum.

III.3.1  Investition in das Humankapital eines Individuums

Die Investition in das Humankapital eines Individuums kann definiert werden als Investition in den Humankapitalbestand des Individuums mit dem Ziel, diesen zu erhöhen. Infolge dieser Wissenserweiterung ist eine höhere „Verzinsung“ des Humankapitals innerhalb des Produktionsprozesses zu erwarten, aus der zum Beispiel höhere Leistung und Effizienz resultieren können. Investition in Humankapital kann folgendermaßen differenziert werden: erstens als Investition von physischem Kapital (Finanz- und Sachkapital) durch einen Dritten, zum Beispiel den Arbeitgeber, in einen Menschen zur Ausbildung und Schaffung von spezifischem, anwendungsorientiertem Wissen.339 Diese Ausbildung erhöht die zukünftige Arbeitsproduktivität, ist allerdings im Menschen spezifisch gebunden.340

Investition in Humankapital kann zweitens auch definiert werden als die private Investitionsentscheidung durch den Humankapitalträger.341 Der Bestand an Humankapital hängt von den Ressourcen ab, die vom Individuum für die Ausbildung oder anderweitige Humankapitalbildung342 aufgewendet werden.

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In diesem Sinn kann jeder optimal investieren und seinen Nutzen maximieren, indem er seine eigenen Kenntnisse über seine persönlichen Fähigkeiten und über die Menge der tatsächlich erwarteten Marktpreise für Güter und Dienstleistungen in Rechnung zieht und sein Verhalten entsprechend gestaltet.343

Grundlage hierfür ist das Recht der Selbstbestimmung, welches als effizienzförderliche Vorkehrung verstanden werden kann, indem angenommen wird, dass jeder seine eigenen Präferenzen und Fähigkeiten besser als Dritte kennt.

Die hieraus folgenden Konsequenzen und Probleme werden im weiteren Verlauf der Arbeit thematisiert.

III.3.2 Investition von Humankapital durch ein Individuum

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Bei der Investition durch den Humankapitalträger selbst,344 zum Beispiel den Manager, wird der Aspekt der Bereitstellung von Humankapitalbeständen betont:

In einem ersten Schritt wird die Akkumulation eines Humankapitalbestandes betrachtet: die Aneignung von spezifischem Wissen und neuen Fähigkeiten – mit oder ohne kurzfristigen Verzicht auf Konsum und/oder Einkommen – mit dem Ziel, das zukünftige Einkommen zu erhöhen,345 sowie der Aufbau von spezifischen Beziehungsnetzwerken.346

Damit wird Humankapitalakkumulation „typischerweise als Aktivität von ihr Eigeninteresse verfolgenden Personen verstanden. Im Hinblick auf Arbeitsplatzsuche und Wanderung liegt diese Auffassung nahe, jedoch befinden sich in vielen Ländern Gesundheitswesen, Bildungswesen, Informationsgewinnung und Berufsausbildung entweder vollständig oder teilweise in den Händen des Staates.“347

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In einem zweiten Schritt werden – in Abgrenzung zu der Investition in ein Individuum – die Einbringung des Humankapitals in den spezifischen Produktionsprozess und die Bereitstellung des Kapitals beziehungsweise die Investition mit der Absicht der Verzinsung und „Rückzahlung“348 betrachtet.

Damit wird zugleich die Interdependenz der Möglichkeiten eines Individuums von den staatlich zugrunde liegenden Sozialinvestitionen einerseits deutlich. Andererseits sind diese Investitionen dann relativ spezifisch an das Arbeitsvertragsverhältnis gebunden.349 Die Besonderheit des Humankapitals ergibt sich aus seinem Wert außerhalb des originären Vertragsverhältnisses.350 Ist das Humankapital spezifisch im Hinblick auf ein Unternehmen akkumuliert worden und ist diese Akkumulation mit Investitionskosten für den Humankapitalträger verbunden, so versagt die neoklassische Logik.351 Die Neue Institutionsökonomik dagegen stellt unter anderem die aus den transaktionsspezifischen Investitionen, in Verbindung mit asymmetrischer Information, resultierenden Fragen in den Mittelpunkt der Analyse. Humankapitalinvestitionen mit dem Faktor Humankapital stellen spezifische Investitionen dar:352 Humankapitalspezifität ergibt sich „aus Learning-by-Doing, d. h. Investitionen in Gestalt der Erlernung von Fertigkeiten, die für ein bestimmtes Arbeitsverhältnis spezifisch sind.“353 Der Fall der spezifischen (Humankapital-) Investition mit dem Ziel, Leistung zu erbringen, bevor sie vollständig entgolten wird, ermöglicht in besonderem Maße opportunistisches Verhalten. Die Zuweisung von Eigentum betrifft hierbei die spezifische Investition und somit die Effizienz.354 Diese und weitere kritische Punkte werden im Verlauf der Arbeit einbezogen. Insbesondere werden im folgenden Kapitel III,4 die Defizite im Umgang mit Humankapital aufgezeigt und in Kapitel III,5 die Rolle des betrachteten primären Humankapitals, dem Management, innerhalb der Interessenkonflikte herausgearbeitet.

III.3.3 Humankapital: Investitionskalkül

Humankapitalinvestitionen und dauerhafte Humankapitalbindung unterliegen spezifischen Investitionskalkülen der Humankapitalinvestoren.355 Dem Wissenstransfer und der Wissensoffenlegung durch die Wissensträger kommt aufgrund einer weiteren spezifischen Eigenschaft des Humankapitals eine besondere Bedeutung zu:356

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Die Akkumulation von Humankapital unterscheidet sich grundsätzlich von der von physischem Kapital. Das in ihm gebundene Wissen, die Informationen und Beziehungsnetzwerke sind Teil seiner Individualität. Die Akkumulation auf individueller Ebene ist durch physiologische Beschränkungen der Gehirnkapazität einem abnehmenden marginalen Grenznutzen unterworfen.

So ist die Akkumulation von Humankapital und physischem Kapital hinsichtlich von Quantität und Qualität diametral voneinander verschieden: Der Nutzen auf die Investition ist demzufolge maximiert, wenn der marginale Grenznutzen unter den Individuen im Sinn des Open-Source-Models angeglichen wird.357 Der aggregierte Bestand an Humankapital würde demzufolge umso größer sein, je weiter dessen Akkumulation unter den Individuen verteilt wäre.358 Unter der Bedingung der notwendigen Humankapitalakkumulation durch Arbeitnehmer in einer Unternehmung, insbesondere unter Finanzkapitalaufwand, versagt die simple neoklassische Logik.359

Diese in einer Organisation homogene Akkumulation von Humankapital ist notwendigerweise mit Wissenstransmission, insbesondere über die Zeit hinweg, verbunden. Hierbei greift jedoch individuelles Investitionskalkül. Den damit auftretenden problematischen Eigenschaften360 hat ein spezifisches Corporate-Governance-System Rechnung zu tragen.

III.4 Verfügungsrechtliche Regelung der Ressource Humankapital:
Gestaltungseigenschaften und Defizite

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Ziel des folgenden Kapitels ist die Analyse der Sicherung von Rechten an der Ressource Humankapital zur Schaffung und Erhaltung von Anreizen für die Induzierung und Bindung von Humankapitalinvestitionen vor dem Hintergrund der Trennung von Eigentum und Kontrolle.361

An dieser Stelle sei explizit auf die oben362 vorgenommene Differenzierung und begriffliche Definition hingewiesen: Es kann zwischen dem zentralen Humankapital oder Primärhumankapital, dem so genannten Topmanagement, und dem Sekundärhumankapital unterschieden werden. Hinsichtlich der zentralen Problematik der Trennung von Eigentum und Kontrolle liegt der Schwerpunkt im Verlauf der Arbeit auf dem entscheidenden zentralen Humankapital.363 Das sekundäre Humankapital sei, unter anderem aufgrund der geringeren Freiheitsgrade und der Ableitung über das zentrale Humankapital, als über den relationalen Vertrag regelbar angenommen. Von einer weiteren Analyse an dieser Stelle wird abgesehen.

Kann das Ziel der Hci-Corporate-Governance mittels der verfügungsrechtlichen Gestaltung vom zentralen Humankapital erreicht werden? Abgeleitet aus der Institution des idealtypischen liberalen Staates werden auch in einer Institution wie einer Unternehmung die elementaren konstitutionellen Regeln auf das Prinzip der Unverletzlichkeit individueller Verfügungsrechte gegründet. Dieses Prinzip verlangt eine elementare Rechtsordnung und einen Durchsetzungsmechanismus zur Sicherung ihrer Einhaltung. Grundsätzlich zu regeln sind die Verfügungsrechte der Einzelnen gemäß den allgemeinen Grundsätzen des Privateigentums, die einverständliche Übertragung dieser Rechte gemäß dem Grundsatz der Vertragsfreiheit sowie die Haftung aufgrund vertraglicher Verpflichtungen. Im Folgenden werden diese Grundsätze auf ihre Anwendbarkeit hinsichtlich der Ressource Humankapital in einer Unternehmung geprüft. Es werden insbesondere die bestehenden funktionalen Defizite von absoluten/relativen Verfügungsrechten und die bestehenden Überwachungs- und Durchsetzungsmechanismen in Corporate-Governance-Systemen aufgezeigt.

III.4.1  Absolute Verfügungsrechte: Eigentum zur Regelung der Ressource Humankapital

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Ist die Rolle des Humankapitals für die Entwicklung von Governance-Strukturen für humankapitalintensive Unternehmen zentral, stellt sich die Frage, ob – wie beim physischen Kapital – auch am Humankapital Eigentum begründet werden kann.364 Grundsätzlich ist in einer Welt ohne Leibeigenschaft das Individuum Eigentümer seines Humankapitals.365 Ökonomisch und rechtswissenschaftlich erweist sich der Eigentumsstatus von Humankapital jedoch als sehr problematisch. Die Diskussion über das Eigentum von Humankapital entwickelt sich im Rahmen der Debatten über geistiges Eigentum an sich, immaterielle Rechte und Intellectual Property Rights.366 Der Schutz des geistigen Eigentums ist ein Problem, das sich international stellt. Es hat unterschiedliche philosophische und ökonomische Wurzeln.

Im Folgenden soll nun, ausgehend von einem kurzen rechtshistorischen Exkurs, der Status von Humankapital hinsichtlich seiner absoluten Verfügungsrechte analysiert werden.

III.4.1.1  Rechtshistorischer Exkurs

Das geistige Eigentum, zu dem auch das Eigentum an Humankapital gehört, ist rechtsgeschichtlich noch sehr jung. Erst im 18. und 19. Jahrhundert wurde es im westlichen Europa und den USA Bestandteil der Rechtsentwicklung, Rechte an Immateriellem anzuerkennen und zu schützen.367

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Die rechtstheoretischen Grundlagen sind gelegt, doch die Praxis der Informationsgesellschaft stellt neue Herausforderungen.368 Im Allgemeinen stehen die Gesetzgeber weltweit vor der Herausforderung, einen gerechten Ausgleich zu finden zwischen den Interessen der Urheber von geistigen Werken und der Rechteinhaber von Wissen und Informationen einerseits und den Interessen der Nutzer beziehungsweise den Belangen des Gemeinwohls andererseits.369

So ist neben anderen internationalen Vereinbarungen – wie der Berner Konvention, WIPO Urheberrechtsvertrag, das Abkommen über Trade Related Aspects of Intellectual Property (TRIPS) und zahlreichen anderen EU-Richtlinien – das Urhebergesetz zur Verhinderung von Raubkopien DMCA (Digital Millenium Copyright Act) mit seiner so genannten Umgehungsklausel370 sehr umstritten. Die neuen Entwicklungen der Technik und des Rechts könnten das Gemeinwohl in Gefahr bringen, indem sie den Inhalteanbietern die totale Kontrolle über das geistige Eigentum gewähren. Das Problem des geistigen Eigentums von Humankapital in organisationalem Kontext kann als Spezialfall untersucht werden.

III.4.1.2 Eigentum an Humankapital

Im Folgenden soll Eigentum371 von Humankapital analysiert werden.372 „Eigentumsrechte an Humankapital sind, ebenso wie Eigentumsrechte an Information,373 aus offensichtlichen Gründen schwer zu etablieren und zu schützen, und demzufolge angreifbar.“374 Das Individuum ist grundsätzlich Eigentümer seines Humankapitals, genauso wie es Eigentümer seiner Arbeitskraft ist.375 Üblicherweise können die Eigentumsverhältnisse von Vermögenswerten gestaltet werden, das Recht des Eigentums an einer Sache impliziert das Recht des Gebrauches, das Recht der Veränderung von Aussehen und Substanz sowie das Recht der Übertragung aller oder einzelner Rechte daran.376

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Die Spezifika der Humankapitalgrundelemente Wissen, Informationen und Beziehungen implizieren zahlreiche kritische Eigenschaften von Humankapital hinsichtlich der Eigentumsrechte, insbesondere als Ressource und Produktionsfaktor.

Theoretisch ist der Humankapitalträger Eigentümer von Humankapital. Die üblichen Mechanismen von Eigentum stellen sich jedoch als wirkungslos dar, die Rechte des Eigentums existieren rein theoretisch.377 Die grundlegendste Implikation der spezifischen Eigenschaften der Ressource liegt in der relativen Wirkungslosigkeit des wesentlichen Mechanismus des Rechts, dem Eigentum.

Für eine systematische grundlegende Prüfung des Eigentumsbegriffs im Fall Humankapital wird im Folgenden, von dem allgemeinen verfügungsrechtlichen Bereich der Menschenrechte378 ausgehend, zuerst der allgemeine Begriff der uneingeschränkten Eigentumsrechte herangezogen und danach der Spezialfall der immateriellen Rechte.

III.4.1.2.1  Vom Eigentum an Sachen zum Eigentum am Humankapital

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Ausgangspunkt ist das Eigentum an körperlichen Gegenständen, d.h. Sachen. Zusammen mit Forderungen und Immaterialgütern bilden Sachen die Klasse der Vermögensgegenstände. Es ist nun zu fragen, ob man vom Sacheigentum allgemeine Aussagen zum Eigentum an anderen Vermögensgegenständen, und damit auch am Humankapital, machen kann. Das Sacheigentum läßt sich als Bündel von drei Rechtspositionen begreifen, nämlich (1) das Recht die Sache zu nutzen und gegebenenfalls zu verbrauchen und in den Gegenstand des Eigentumsrechts gegebenenfalls zu verändern, (2) das Recht, andere von der Nutzung auszuschließen und Störungen abzuwehren, und (3) das Verfügungsrecht. Eigentum kann definiert werden als die „einzige und despotische Herrschaft, die ein Mensch beansprucht und über die äußerlichen Dinge der Welt ausübt, wobei er das Recht jedes anderen Individuums ausschließt.“379

1. Das Recht des Gebrauches des Vermögensgegenstandes

A: Der Humankapitalträger ist der Humankapitalinvestor: Der Träger von Humankapital kann sein Humankapital gebrauchen im Sinn der funktionalen Verwendung von Wissen, Informationen und Beziehungen. Ist das Humankapital spezifisch durch den Humankapitalträger akkumuliert worden und entfällt die ursprüngliche Verwendungsmöglichkeit, so ist der Wert des Humankapitals gesunken, die Eigentumsfrage könnte davon jedoch unberührt bleiben: Eigentümer ist der Humankapitalträger. Jedoch erst dem Spezialitätsprinzip zufolge, die genaue Spezifizierung des Vermögensgegenstandes, kann die Ausschlussbarkeit gegeben sein. Humankapital ist seiner Natur nach nicht genau zu spezifizieren.380 Dem Tatbestand der mangelnden Ausschlussbarkeit381 Dritter des zur Verfügung gestellten Humankapitals folgt, dass dem Eigentümer in diesem Fall keine ausschließliche Verfügungsgewalt gegeben ist.

B: Der Humankapitalträger ist nicht der Humankapitalinvestor: Investiert eine dritte Partei, zum Beispiel die Organisation, in das Humankapital des Humankapitalträgers, so ist der unmittelbare Gebrauch des Humankapitals durch den Kapitaleigentümer, den Investor, nicht gegeben. Mit Aufnahme von Wissen, Informationen und Beziehungen geht dieses Humankapital in das Eigentum des Humankapitalträgers über, gemäß dem Grundsatz der Selbstbestimmung des Individuums.382 Der Gebrauch ist vom Willen des Humankapitalträgers abhängig. Demgegenüber kann allenfalls die Steuerung der Unterlassung des Gebrauches stehen, in Form von kodifiziertem patent- und urheberrechtlich geschütztem Wissen.383 Unter der Prämisse, dass relevantes Humankapital nur zu geringen Teilen aus kodifiziertem Wissen besteht,384 kann das Recht auf Erwirkung der Unterlassung die Defizite im Bereich des Gebrauchsrechts nicht ausgleichen.

2. Das Recht, den Vermögensgegenstand in Aussehen und Substanz zu verändern

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A: Der Humankapitalträger ist der Humankapitalinvestor: Grundsätzlich und laut Humankapitalinvestition kann der Humankapitalträger gemäß seiner Investitionstätigkeiten die Substanz des Humankapitals ändern. Erlernung und Korrektur von Wissen, Aufnahme und Korrektur von Informationen und Beziehungen können als Beispiele herangezogen werden.

B: Der Humankapitalträger ist nicht der Humankapitalinvestor: Grundsätzlich und laut Humankapitalinvestition kann der Humankapitalinvestor gemäß seiner Investitionstätigkeiten in das Individuum die Substanz des Humankapitals ändern, zum Beispiel durch Lehren und Korrigieren von Wissen, Weitergabe und Korrigieren von Informationen und Beziehungen. Die Verifizierung dieser Investition hinsichtlich des Ergebnisses ist nur sehr eingeschränkt und zum Teil nicht möglich.

3. Das Recht, den Vermögensgegenstand respektive die Rechte an ihm zu übertragen/zu verkaufen

A: Der Humankapitalträger ist der Humankapitalinvestor: Grundsätzlich besteht für den Humankapitalträger und Eigentümer das Recht, Wissen, Informationen und Beziehungen auf Dritte zu übertragen. Die Spezifizierung und Verifizierung385 ist jedoch eingeschränkt und zum Teil nicht möglich. Aufgrund der daraus folgenden mangelnden Ausschlussmöglichkeiten,386 mit Ausnahme des geringen Anteils von kodifiziertem und immateriell-rechtlich geschütztem Humankapital, besteht grundsätzlich eine gewisse freie Zugänglichkeit (open access). In diesem Fall greift der Eigentumsbegriff nicht, die Rechtsdurchsetzung ist zweifelhaft. Wie in den Ausführungen zu immateriellem Recht aufgezeigt werden wird, ist auch im Fall des spezifizierten und kodifizierten Humankapitals die rechtliche Sicherung nicht immer gegeben.

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B: Der Humankapitalträger ist nicht der Humankapitalinvestor: Wissen, Informationen und Beziehungen können grundsätzlich mit Recht übertragen werden. Ein Verkauf dieser Rechte an Wissen, Informationen und Beziehungen erscheint nur im Fall einer gegebenen Ausschlussmöglichkeit ökonomisch nachvollziehbar, wie zum Beispiel bei Patenten oder Nachrichten in Medienträgern gebunden.387

Humankapital ist jedoch in Menschen gebundenes Wissen, Informationen, Beziehungen. Ist Humankapital damit einmal durch einen Investor in einem Individuum gebunden, so ist gemäß dem Grundsatz der Selbstbestimmung das Individuum der Eigentümer. Damit hat der Investor ab dem Zeitpunkt der Bindung von Humankapital im Individuum keine Eigentumsrechte am Humankapital, kein praktikables Recht, dieses Humankapital an Dritte zu übertragen oder zu veräußern.

Die Summe des in den Mitarbeitern einer Organisation gebundenen Humankapitals stellt einen Wert dar und kann für einen Verkauf von Bedeutung sein. Das Recht am Humankapital selbst liegt jedoch beim Träger des Humankapitals, er kann nicht von der freien Entscheidung über das Humankapital ausgeschlossen werden. Die Rechte an Humankapital, als in einem Menschen gebundenes Wissen, lassen sich nicht oder nur sehr eingeschränkt verkaufen.388

4. Das Recht, die Erträge aus diesem Verkauf einzubehalten, ist nicht anwendbar

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A: Der Humankapitalträger ist der Humankapitalinvestor: Der Humankapitalträger hat das theoretische Recht, faktisch ist dieses aufgrund der genannten Defizite im Bereich Spezifizierung und Ausschluss nicht durchzusetzen.389

B: Der Humankapitalträger ist nicht der Humankapitalinvestor: In Schlussfolgerung von (03) sind in den Fällen des Humankapitals keine direkten Veräußerungen möglich, woraus sich auch keine Erträge ergeben. Die Zuweisung der Property Rights390 einerseits und die Verfizierung391 des Humankapitals andererseits könnten nicht eindeutig durchzuführen sein, es könnte weiterhin eine mangelnde Ausschlussbarkeit der Humankapitalnutzung gegenüber weiterer Verwendung bestehen.

Aus der Analyse ist deutlich geworden, dass die Anwendung des Begriffs der uneingeschränkten Eigentumsrechte auf Humankapital für ein besseres Problemverständnis von Bedeutung ist. Die festgestellten Defizite könnten den Schluss zulassen, dass der Eigentumsbegriff im Bereich Humankapital nicht greift. Es könnte die moderne Art der Verfügungsrechte, die immateriellen Rechte, auf den Vermögensgegenstand Humankapital anwendbar sein, was im Folgenden geprüft werden soll.

III.4.1.2.2 Immaterielle Rechte

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Es liegt nahe, zuerst die moderne Form der Verfügungsrechte, die immateriellen Rechte zu prüfen, denn die immateriellen Rechte umfassen geistiges Eigentum, Urheberrechte, Handelsmarken, Geschäftsgeheimnisse und Patente. Der Begriff geistiges Eigentum ist in der wissenschaftlichen Literatur umstritten,392 es wird häufig der Begriff immaterielles Recht vorgezogen, da das schutzwürdige Gut wesensverschieden von einem wohl definierten materiellen Gut, einer Sache ist. Humankapital lässt sich ebenso wie die Gegenstände der immateriellen Rechte nicht leicht messen und/oder überwachen, stellt ebenfalls ein „geistiges Gut“ dar. Die Eigentumsfragen im Fall des „geistigen Guts“ Humankapital könnten demzufolge den Fragen des Urheberrechts nahe stehen, sind jedoch in wesentlichen Punkten davon verschieden:

Das Urheberrecht sichert Eigentumsrechte an geistigen Werken. Diese sind als explizierte Werke im Allgemeinen vom Schöpfer und geistigen Eigentümer physisch getrennt und grundsätzlich zu spezifizieren, wenn auch nur schwer zu messen und zu überwachen.393 Humankapital ist im Menschen gebunden, es ist nicht eindeutig zu definieren und als solches zu verifizieren und demzufolge auch schwer zu messen und zu überwachen.

Urheberrechte sichern Ergebnisse geistiger Leistung, demgegenüber stellt Humankapital potenzielle geistige Leistung und potenzielle Kapazität –gebunden in Wissen, Informationen und Beziehungen – selbst dar.

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Die immateriellen Rechte haben denselben Zweck wie Rechte im materiellen Bereich: Der Inhaber des Rechts soll gegen die unbefugte Nutzung seines Eigentums geschützt werden. Die kontinuierliche Angleichung der Normen des immateriellen Rechts an die technische Entwicklung, zum Beispiel im Bereich der digitalen Musikdateien, erfasst grundsätzlich den Zweck des Schutzes von Privateigentum mit der Folge von Anreiz- und Kontrolleffekt. Vermehrte Auseinandersetzungen über Eigentumsfragen und insbesondere Verletzungen von Eigentumsrechten können als Folge der Ausschlusskosten gesehen werden. Defizite im Bereich des immateriellen Rechts haben zwei Gründe:

Die Ausarbeitung und Angleichung der Rechtsnormen steht in der Entwicklungsgeschwindigkeit der technischen Entwicklung nach. Mediale Verwertungsmöglichkeiten stellen neue Anforderungen an die Ausarbeitung von Normen des immateriellen Rechts. Der Rechtsbegriff als solcher ist jedoch weiterhin anwendbar.

Zweitens stellen die Ausschlusskosten eine Hürde des immateriellen Rechts dar: Die Kosten der Spezifikation und Zuweisung sowie die Kosten der Überwachung und Zuweisung: Diese Ausschlusskosten sind zum Teil unerschwinglich hoch und führen zu Effizienzproblemen.

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Der Rechtsbegriff des immateriellen Rechts könnte im Fall des Humankapitals jedoch zu kurz greifen: Das zur Verfügung gestellte Humankapital – Wissen, Information, Beziehungen – unterliegt weder dem Ausschlussprinzip noch dem Spezialitätsprinzip, die Ausschlusskosten laufen gegen unendlich. Die Güter des Bereichs immaterieller Rechte sind zwar wesensverschieden von Sachen, die Prinzipien des Privateigentums können jedoch, unter Anwendung des Begriffs immaterielles Recht, auf dieser Güter angewendet werden: So besteht zum Beispiel das Recht des Eigentums an einem Urheberrecht ebenfalls am Recht des Gebrauchs, dem Recht der Veränderung und dem Recht der Übertragung.

Wie oben gezeigt worden ist, könnten sich diese Rechtsbegriffe jedoch als nicht auf Humankapital anwendbar erweisen.

III.4.1.3 Rechtsinstitut Eigentum: Defizite und Konsequenzen der mangelnden Wirksamkeit

Frei übertragbares Privateigentum stellt einen integralen Bestandteil eines funktionierenden Marktsystems dar. Verfügungsrechtliche Defizite, die diesen Tausch in einer Wirtschaft behindern, wirken sich effizienzmindernd aus,394 indem folgende Mechanismen unwirksam sein könnten und als eine Konsequenz der Tatbestand der Rechtsunsicherheit folgen könnte:

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Diese Eigentümerschaft an Vermögen und Entscheidungsrechten gibt einem Eigentümer die legitime Kontrolle und Handlungsmacht über den Nutzen eines Vermögens. Die Handlungsmacht hängt von der Größe des Residualrechts der Kontrolle ab. Mangels Festschreibung eindeutiger Eigentumsverhältnisse kann jedoch keine Kontrolle und Handlungsmacht über diesen Mechanismus ausgeübt werden:399 Der Eigentumsmechanismus könnte sich als relativ wirkungslos erweisen.

Insbesondere auf die Defizite, die aus diesem Tatbestand im Zusammenhang von Verfügungsrechten und Verträgen folgen, wird im nächsten Abschnitt „Relative Verfügungsrechte“ hingewiesen.

Die Anwendung des Begriffes Eigentums auf Humankapital könnte damit zu kurz greifen: Eigentum zur Regelung der Ressource Humankapital weist funktionale Defizite auf und könnte im Ergebnis hinsichtlich seiner Anreiz- und Kontrolleffekte relativ wirkungslos sein.400 Auf die Konsequenzen dieser Defizite wird im Rahmen der Thesenerläuterung in Kapitel III,5 eingegangen.

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Wenn die Anwendung des Eigentumsbegriffs nicht ausreichen sollte, könnte Humankapital über den Vertrag geregelt werden, was im Folgenden zu analysieren ist.

III.4.2 Relative Verfügungsrechte: Vertrag zur Regelung der Ressource
Humankapital

Im vorangehenden Abschnitt wurden die Defizite im Bereich der absoluten Verfügungsrechte mit der möglichen Konsequenz einer relativen Wirkungslosigkeit von Anreiz- und Kontrolleffekten aufgezeigt.

Wenn der absolute Eigentumsbegriff nicht für eine Regelung und Gestaltung von Humankapitalinvestitionen ausreichen sollte, stellt sich die Frage nach vertragstheoretischen Gestaltungsfaktoren. Im Folgenden soll die Frage geprüft werden, ob der einfache Vertrag, der relationale Vertrag oder die vertragliche Regelung innerhalb von Corporate-Governance-Systemen zielführend sein könnten.

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Die eng mit Eigentum verbundenen Entscheidungsrechte und deren Zuweisung sind in modernen Gesellschaften per Gesetzgebung geregelt. Sind diese Entscheidungsrechte einmal zugeordnet, so werden sie regulär neugeordnet durch Verträge, Kauf und Verkauf und durch Zuweisungen.401

III.4.2.1  Humankapital als direkter Vertragsgegenstand

Verträge und vertragliche Lösungen spielen in der modernen Institutionenökonomik eine tragende Rolle.402 Wenn der Literatur zufolge der Vertrag auch ein mehrdeutiger Begriff ist,403 sowohl in der Wirtschafts- als auch in der Rechtswissenschaft, kann jedoch einheitlich der klassische, vollständige Vertrag von dem relationalen Vertrag unterschieden werden. Beide Vertragsformen stellen verschiedene Pole von relationalen Verträgen dar.404 Der vollständige Vertrag als Idealtypus des klassischen Vertrages ist durch die problemlose Durchsetzung, vollständige Formulierung und Nachprüfbarkeit aller möglichen Kontingenzen, wie es Arrow und Debreu in ihrer Zeit-Zustands-Präferenztheorie annehmen, sowie die Vernachlässigung jeder persönlichen Beziehung gekennzeichnet:405 Vollständige Verträge sind explizit vereinbarte Verträge mit symmetrischer Information. Sie sind in einem im Vorhinein eindeutig definierten Sinn verbindlich, gleichgültig ob es sich dabei um formale (schriftlich abgefasste) oder informelle (mündliche) Vereinbarungen handelt. Sie können langfristig oder kurzfristig sein, Standardform haben oder komplex sein. Sie werden mit Hilfe Dritter durchgesetzt, das heißt ihre relevante Information ist durch die Gerichte überprüfbar.406 Werden Verträge, im Rechtssinn des Wortes oder nicht, grundsätzlich zu einem Problem, wenn man sich von dem theoretischen, kontingenten Vertragsmodell entfernt, so verschärft sich das Problem angesichts des Vertragsgegenstandes Humankapital um ein Vielfaches. Im Folgenden werden die Defizite der vertraglichen Gestaltung von Humankapital, insbesondere unter der Prämisse der Existenz von Transaktionskosten, asymmetrischer Information und transaktionsspezifischen Investitionen aufgezeigt.

Die direkte vertragliche Regelung von Humankapitalinvestitionen durch vollständige Verträge ist im zweifachen Sinn ein rein theoretisches Konstrukt.

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Des Rechtsinstitut Eigentum ist nur bedingt wirksam: Humankapitalinvestitionen stellen zwar eine Ressource dar, Humankapital ist ein wesentlicher Teil der Kapitalstruktur eines Unternehmens und ein wesentlicher Vermögenswert des Individuums; Humankapital weist jedoch, wie im vorhergehenden Abschnitt gezeigt wurde, große Defizite im Bereich der Property Rights auf.

In der Realität sind Verträge unvollständig, die Vertragspartner sind mit einer ungewissen Zukunft, unvollständiger Information und Transaktionskosten konfrontiert. Im Hinblick auf die Transaktionskosten407 kann es sogar durchaus zweckmäßig sein, einen Vertrag unvollständig zu belassen.408 In einer Welt mit Friktionen entstehen Vertragsprobleme infolge asymmetrischer Informationen.

Die Probleme aus den spezifischen Investitionen und asymmetrischen Informationen ergeben sich aus der Existenz der Transaktionskosten und dem zeitlichen Abstand zwischen Vertragsschluss und Leistung.

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Humankapitalinvestitionen, als in hohem Grade spezifische Investitionen, stellen Vorleistungen dar, die erbracht werden müssen, damit Hauptleistungen erbracht werden können, die wiederum entgolten werden. Opportunistisches Verhalten, sowohl ex ante als auch ex post bezüglich des Vertragsabschlusses, könnte grundsätzlich folgen aus: der zeitlichen Verschiebung, dem zeitlichen Auseinanderfallen von Leistung und Gegenleistung und den Defizite im Bereich der absoluten Verfügungsrechte an Humankapital.

Die Bereiche der Vertragsprobleme können folgendermaßen unterschieden werden: Die Phase vor Vertragsschluss beinhaltet die Probleme der so genannten adversen Selektion, und die Phase nach Vertragsschluss beinhaltet die Probleme des moralischen Risikos.

Die Vertragspartner sind entsprechend der Höhe der spezifischen Investitionen in das Vertragsverhältnis „eingesperrt“.409 Hieraus folgt die Gefahr des Hold-Up in Form der Enteignung der Quasierente des Vertragspartners. Im Folgenden soll nach Opportunismus vor und nach Vertragsschluss unterschieden werden. Zugleich soll das Rechtsinstitut Vertrag, der die Kontrolle über humane Ressourcen, die „Kontrolle über den Menschen“, zum Gegenstand hat, hinsichtlich seiner Anwendbarkeit auf Humankapital weiter geprüft werden.

III.4.2.1.1  Die Form des Arbeits- und des Dienstleistungsvertrages

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Gegenstand des Arbeitsvertrages sind Dienstleistungen, die nach Anweisung erbracht werden, Gegenstand des Dienstleistungsvertrages sind Dienstleistungen, die nicht nach Anweisung erbracht werden. Gemeinsam ist den Vertragsformen, dass die Vertragspartner mit opportunistischem Verhalten konfrontiert werden können, die Verletzlichkeit gegenüber Opportunismus ist bei dem Vertragsgegenstand Humankapital sehr groß.

Die Kombination einer spezifischen Investition, dem Humankapital mit seinen problemverschärfenden Spezifika,410 in Verbindung mit unvollständigen Verträgen, aufgrund der eingeschränkten Rationalität, ermöglicht die Durchsetzung der eigenen Interessen, notfalls mit List, ermöglicht Opportunismus in hohem Grade.411

Die Verletzlichkeit von spezifischen Investitionen in Form von Humankapital ist ausgesprochen hoch.412 Auch ist jene Verletzlichkeit gegenüber Ex-post-Verhandlungen, vor dem Hintergrund der unvollständigen Verträge, die Basis des Property-Rights-Ansatzes zur Eigentümerschaft.413

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Insbesondere Verträge im Bereich Humankapital sind anfällig für Informationsasymmetrien und verletzlich gegenüber Opportunismus, wie zum Beispiel dem Hold-Up.414 Im Fall des Humankapitals erhalten strategische Betrachtungen Bedeutung, Opportunismus ist die Handlungsbedingung.415 Hierbei kann Opportunismus vor Vertragsschluss und Opportunismus nach Vertragsschluss unterschieden werden.

Aufgrund der hohen Komplexität des Vertragsgegenstandes und der notwendigen hohen Anzahl von Handlungs-Freiheitsgraden könnte davon ausgegangen werden, dass eine klassische direkte vertragliche Regelung mittels des Arbeits- und des Dienstleitungsvertrages nicht für das zentrale Humankapital in Betracht kommt.

III.4.2.1.2 Mögliche Optimierung durch die Vertragstheorie der relationalen
Verträge

Im Zusammenhang mit der Vertragsfähigkeit von Humankapital liegt unser Hauptaugenmerk auf Situationen, in denen Investitionen nicht durch Dritte verifiziert werden können und in denen infolge transaktionspezifischer Investitionen eine zweiseitige Abhängigkeit der Vertragsparteien gegeben ist. Es ist mit der Neuen Institutionsökonomik von einer fundamentalen Transformation gesprochen werden.416 Im Arbeitsmarkt erfolgt sie zum Beispiel dann, wenn ursprünglich ungelernte Arbeiter gezwungen sind, mit der Zeit firmenspezifisches Humankapital zu erwerben, und das Unternehmen in steigendem Maße von der Verfügbarkeit von Arbeitskräften mit solchem Kapital abhängig ist:417 „Was (...) zunächst ein Bieter-Prozess mit einer großen Anzahl von Teilnehmern war, wird in der Folge effektiv zu einer Situation bilateralen Angebotes. Diese fundamentale Transformation hat tiefgreifende Folgen für den Vertrag.“418

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Für die Tatsache, dass dieser Aspekt so lange unbeachtet blieb, werden drei Gründe genannt,419 deren Betrachtung für die Humankapitalproblematik von Erkenntnisinteresse ist und die Humankapitalinvestition als eine fundamentale Transformation verdeutlicht: „dass solche Transformationen im Zusammenhang mit erschöpfenden, ein für alle Male abgeschlossenen Verträgen nicht vorkommen“, „dass die Transformation bei Abwesenheit von Opportunismus nicht zustande kommt“, „selbst wenn begrenzte Rationalität und Opportunismus zugestanden werden, tritt die fundamentale Transformation nur im Verein mit einer Bedingung der Faktorspezifität auf, einem Aspekt des Vertrages, der erst in jüngerer Zeit herausgearbeitet wurde.“420 Jene Faktorspezifität ist im betrachteten Fall des Faktors Humankapital sehr groß, die Bedeutung nimmt, wie oben ausgeführt, stetig zu.

Durchsetzbare Verträge als Grundlage von Investitionsanreizen können auch aus diesem Grund nicht geschrieben werden. Die Charakterisierung der nicht direkten Vertragsfähigkeit von Humankapital wird geradezu durch die Definition von relationalen Verträgen vorgenommen: „Ein Vertrag ist insoweit relational, als die Vertragspartner nicht imstande sind, wichtige Bestandteile ihrer Vereinbarung auf wohldefinierte Verpflichtungen zu reduzieren.“421

III.4.2.1.3 Konsequenzen des mangelnden Rechtsschutzes durch den Vertrag

Relative Nichtvertragsfähigkeit von Humankapital

Den obigen Ausführungen zufolge ist die Vertragsschließung mit einem Anbieter von Humankapital nicht oder nur begrenzt möglich, da die Erfüllung nicht verifizierbar ist, es könnte eine Non-Contractible-Quality vorliegen.422 Eine weitere wissenschaftliche Diskussion des Property-Rights-Ansatzes erscheint dennoch für die Frage der Humankapitalinduzierung erkenntnisreich, da hier von der Prämisse einer Verletzlichkeit von spezifischen Investitionen, so auch Humankapitalinvestitionen, gegenüber Neuverhandlungen bei unvollständigen Verträgen ausgegangen wird.423

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Mit der Wirkungslosigkeit des Eigentumsmechanismus ist auch die Frage der optimalen Zuteilung von Humankapital-Vermögenseigentümerschaft im Rahmen der Vertragsmodelle der Property-Rights-Theorie424 hinfällig.

Eine weitere Diskussion der Übertragung und Anwendung der Theorien und deren Erkenntnissen für die Induzierung und Bindung von Humankapitalinvestitionen erfolgt in Kapitel IV. Durch die Unwirksamkeit von Eigentumsmechanismen fällt jedoch zusätzlich ein übliches Substitut des Vertrages hinsichtlich der Kontrolle sowie Entscheidung von und über Humankapital aus.

Dem klassischen Property-Rights-Ansatz425 zufolge werden Entscheidungen, die ex ante nicht geregelt werden können, ex post regelbar über das Residualrecht. Die Größe des Residualrechts der Kontrolle hängt davon ab, wie sehr bedeutende Eventualitäten im Vertrag unspezifiziert geblieben und Handlungsfreiheitsgrade offen gelassen worden sind.426 Es gibt allerdings Fälle, in denen Entscheidungen ex post nicht regelbar sind und ausschließlich über den Transfer von Eigentümerschaft geregelt werden können.427 In diesem Fall kann Eigentum beziehungsweise der Austausch von Eigentum ein Substitut für einen Vertrag darstellen.428 Dieses Substitut besteht hinsichtlich des Vermögensgegenstandes Humankapital nicht.

Relative Nichtveräußerbarkeit

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Die spezifischen Eigenschaften von Humankapital und Wissen stellen eine extreme Form der Nichtveräußerbarkeit dar.429 Die Veräußerbarkeit von Rechten erfüllt jedoch in Märkten und Organisationen eine besondere Funktion und wird im Folgenden für ein besseres Verständnis dieser notwendigen Funktionen erläutert. Grundsätzlich ist die Veräußerbarkeit an sich eine effektive Kombination von zwei Rechten:430 dem Recht, Rechte zu verkaufen oder zu transferieren, und dem Recht, den aus dem Austausch stammenden Ertrag zu erhalten. Veräußerbarkeit ist damit nicht nur eine notwendige Bedingung des Austausches, sondern auch die Grundlage von Märkten und Organisationen, indem es ein Instrument ist, durch welches insbesondere Wissen mit Entscheidungsrechten und Kontrollentscheidungsträgern verbunden wird.

Die freiwillige Veräußerung stellt sicher, dass die Entscheidungsrechte durch jene erlangt werden, die diese Rechte am höchsten bewerten. Damit löst Veräußerbarkeit ein elementares Kontrollproblem, denn durch die Verknüpfung von Entscheidungsrechten mit Rechten an deren Kapitalwert, sorgt die Veräußerbarkeit sowohl für Leistungsmessung als auch für die Belohnung beziehungsweise Sanktion der individuellen Entscheidungsträger. Das motiviert, die Rechte effizient zu nutzen. Menschliches Verhalten und Ressourcenfluss werden somit gesteuert.

Wie oben ausgeführt, lassen sich die Rechte an Humankapital nicht oder nur sehr eingeschränkt festschreiben und veräußern.431 Humankapitalträger als Vermögensträger erhalten zum Beispiel, wenn überhaupt praktikabel, nicht oder nur sehr eingeschränkt das Recht ihr Humankapital, Wissen, Netzwerkposition oder Ähnliches unter ihrer Kontrolle zu veräußern und den Ertrag zu erhalten.432 Damit sind Substitute für die Veräußerbarkeit in Form von expliziten Anweisungen und der Schaffung von geeigneten Mechanismen notwendig. Das Fehlen der Eigenschaft Veräußerbarkeit ist eine weitere problemverschärfende Implikation der Humankapitaleigenschaften und könnte damit notwendigerweise ein spezifisches substitutschaffendes Corporate-Governance-System erfordern.

↓77

Mit den Defiziten aus den Instituten Vertrag und Eigentum folgen entsprechende Defizite der bedeutsamen Residualrechte der Kontrolle. Verträge jedoch sind unvollständig433 und spezifizieren dementsprechend nicht alle Rechte und Pflichten für alle Eventualitäten. Hier greifen die so genannten Residualrechte der Kontrolle, die das Gesetz durch legale Mechanismen, wie den Mechanismus des Eigentums, ermöglicht434: Eigentum ist implizit mit Residualansprüchen verbunden.435

III.4.2.2  Defizite der verfügungsrechtlichen Regelung: Resümee

Im Fall der Regelung von Humankapital und Humankapitalinvestitionen sind die Vertragspartner aufgrund transaktionsspezifischer Investitionen in ihrem gegenseitigen Vertragsverhältnis „eingesperrt“.436 Verfügungsrechtliche Regelungen der Ressource Humankapital bieten den Vertragspartnern keinen ausreichenden Rechtsschutz. Das Institut des relationalen Vertrages lässt bewusst Freiheitsgrade in einer Vereinbarung, da eingeschränkte Rationalität und hohe Transaktionskosten es unmöglich machen sich ex ante auf alle zukünftigen Kontingenzen zu einigen und/oder die gesamte relevante Information für Dritte, wie zum Beispiel Gerichte, verifizierbar zu machen. Die durch die Freiheitsgrade entstandenen Lücken können nicht durch das Vertragsrecht geschlossen werden, relationale Verträge sind nur sehr beschränkt durch das Recht garantiert.437

Als Konsequenz sind Ergänzungen in Form von Arrangements notwendig, die man als „außerrechtliche Sanktionen“ oder „Private Regelungen“438 bezeichnet: Überwachungs- und Durchsetzungssysteme werden für die Gestaltung der Vertragsbeziehungen benötigt, insbesondere mit dem Ziel, Opportunismus zu verhindern. Im Folgenden soll anhand bestehender Ansätze für derartige „Corporate-Governance-Systeme“ geprüft werden, inwieweit der Humankapitalproblematik adäquate Lösungen vorliegen.

III.4.3 Problemlösung: Regelung des Humankapitals über spezifische
Corporate-Governance-Strukturen

↓78

Unter dem Abschnitt „Verfügungsrechtliche Regelung der Ressource Humankapital“ wurden die Defizite in der direkten Zuordnung von Verfügungsrechten an Humankapital mit der Konsequenz der relativen Wirkungslosigkeit von Anreiz- und Kontrolleffekten mit seinen Implikationen aufgezeigt. Die verfügungsrechtlichen Defizite haben die Konsequenz, dass „die Erforschung des Vertrages entsprechend ausgedehnt wird: Von Rechtsregeln bis zu einer Beurteilung alternativer Überwachungs- und Durchsetzungssysteme, von denen die Gerichte nur eines sind.“439 Es erscheint sinnvoll, die Organisation als gegliederte Gruppen von Personen, die gemeinsame Ziele verfolgen,440 näher zu analysieren. Im Fall des humankapitalintensiven Unternehmens liegen die gemeinsamen Ziele, unter der Prämisse der positiven Korrelation von Humankapitalinvestition und ökonomischen Zielen,441 in der Sicherung der transaktionsspezifischen Humankapitalinvestitionen der Parteien um damit die Verzinsung der Humankapitalinvestitionen zu maximieren.442 Hierbei kommt der Sicherung der Humankapitalinvestition eine hohe Bedeutung zu, die eine notwendige Bedingung für die Induzierung und Bindung von weiteren Humankapitalinvestitionen ist. Positive Transaktionskosten und eingeschränkte Rationalität geben der Organisation eine besondere Bedeutung.443 Der Organisation kommt unter dem Aspekt einer ihrer Entstehungsgründe, Information ist kein freies Gut, eine wichtige Aufgabe zu: die Erzeugung, Übertragung und Glaubhaftmachung von Informationen.444 Information wiederum ist, wie gezeigt worden ist,445 ein wichtiger Bestandteil von Humankapital. Die Regelung der Ressourcen erfolgt in der Organisation mittels ihres Überwachungs- und Durchsetzungssystems. In Kapitel II,1 wurden im Rahmen der Diskussion von bestehenden Corporate-Governance-Ansätzen zwei effizienzsenkende gegenläufige Phänomene herausgestellt, denen ein System Rechnung tragen sollte: der Opportunismus des Managements einerseits, die reduzierten Anreizeffekte für Humankapitalinvestitionen infolge eingeschränkter Handlungsinstrumente andererseits. Unter der eingangs geforderten Einbeziehung der Managementperspektive liegt das Problem in der Suche derjenigen Instrumente, die das Ziel der optimierten Humankapitalinvestitionen erreichen, ohne zugleich unintendierte adverse Konsequenzen mit sich zu bringen.446

Auf Grund des bisher Gesagten kann festgestellt werden: Es existiert kein Hci-adäquater Corporate-Governance-Ansatz der explizit die simultane Betrachtung sowohl der Shareholderperspektive als auch der Managementperspektive zur Grundlage hat. Die Verfolgung eines modifizierten Ansatzes erscheint zielführend. Dementsprechend wird nach der Thesenzusammenfassung in Kapitel III,5 die Darstellung von Lösungsansätzen für ein Hci-Corporate-Governance- Unternehmen angestrebt.

III.5 Thesenzusammenfassung: Unterinvestition von Humankapital mit dem Ergebnis von Ineffizienzen

Folgendes Dilemma ergibt sich aus dem Interessenkonflikt zwischen Shareholder und Management: einerseits verstärkte Fähigkeit seitens des Managements sich externer Kontrolle zu entziehen, da aus Sicht der Shareholder Humankapital schwer kontrollierbar ist; andererseits keine maximale Humankapitalinvestition, da sich aus Sicht des Managements Rechte an Humankapital als nicht direkt sicherbar erweisen. Bei bestehender Auffassung der Unternehmung und seiner Ausprägung in Corporate-Governance-Systemen führt dies zu Ineffizienzen.

III.5.1  These

↓79

Die einseitige traditionelle Prinzipal-Agent-Theorie gibt keine Antwort auf das Berle-und-Means447-Problem, vielmehr erhöht die zunehmende Bedeutung von Humankapital die Autoimmunisierungsfähigkeit des Managements. Die Beziehung zwischen Finanziers und Management bleibt weiterhin durch hohe Transaktionsrisiken innerhalb des Wirtschaftslebens definiert.448 Gleichzeitig verhindert diese einseitige Shareholderperspektive einen optimierten Betrag der Induzierung und Bindung von Humankapital als Produktionsfaktor, indem die Sicherung der Humankapitalinvestoren-Interessen nicht explizit berücksichtigt wird. In der Konsequenz wird ein geringerer Nutzen der beiden Main-Stakeholder (Shareholder und Management) angenommen, der sich in geringerer Verzinsung des eingesetzten Kapitals ausdrückt.

III.5.2 Argumentationskette

Zunahme der Bedeutung von Humankapital als wettbewerbsentscheidendem Produktionsfaktor

Wie ausgeführt nimmt die Bedeutung von Humankapital als wettbewerbsentscheidendem Produktionsfaktor stark zu.449 Neben dem Sekundärhumankapital der Facharbeiter, welches über den klassischen Arbeitsvertrag geregelt ist, kommt dem zentralen Primärhumankapital des Managements innerhalb der Corporate-Governance-Systeme als Ressource große Bedeutung zu.

Ungeeignete Ansätze zur Regelung der Beziehung von Shareholder und Management

Die Modellannahme der ausschließlichen klassischen Prizipal-Agent-Beziehung ist ungeeignet und führt zu Ineffizienz, der Prinzipal-Agent-Ansatz scheint keine Antwort auf das Berle und Means beschriebene Problem der Trennung von Eigentum und Kontrolle zu sein:

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Der Agent ist fähig, sich durch Autoimmunisierung aktiv jeder ex ante geregelten Kontrolle zu entziehen. Jeder Ansatz, der versucht ex post Regelungen zur Kontrolle des Agenten zu entwerfen, geht von unzureichenden Annahmen aus. Damit bestehen Kontrollineffizienzen, deren Ursachen in den Modellannahmen gelegt worden sind. Der beabsichtigte Ursache-Wirkungsmechanismus ist ineffizient, da mit dem Prinzipal-Agent-Ansatz von einseitigen Annahmen ausgegangen wird. Es scheint sinnvoll, sich die einsichtsvolle450 Analogie von Berle und Means zu vergegenwärtigen: „Die Konzentration von wirtschaftlicher Macht, getrennt von Eigentümerschaft, hat, faktisch, wirtschaftliche Imperien geschaffen und diese Imperien der Hand einer neuen Form des Absolutismus ausgehändigt, die ‚Eigentümer‘ auf eine Position derjenigen verweisend, die die (Geld-) Mittel zur Verfügung stellen, mit welchen die neuen Hoheiten ihre Macht ausüben.“

Durch die relative Bedeutungszunahme von Humankapital haben sich auch die Machtverhältnisse weiter zugunsten des Managements verschoben, indem Residualmacht durch Eigentum im Verhältnis gesunken ist. Kontrollmechanismen, die von dem traditionellen PA-Ansatz ausgehen, werden hierdurch weiter funktional verzerrt und ineffizient. Der Versuch, die bestehenden Kontrollmechanismen zu verbessern, führt in eine Sackgasse, beziehungsweise wird er aufgrund der Fehlinterpretation der Situation ineffizient und wirkungslos bleiben. An dieser Stelle sei der Begriff der „Plastic Ressource“451 eingeführt und seine Bedeutung hinsichtlich der Kontrolle und dem notwendigen Monitoring erläutert: Kann das Anstreben einer optimalen Wirksamkeit qua natura des Humankapitals schon als nur von theoretischem Interesse, fernab von praktischer Umsetzung, angesehen werden, so sprechen damit auch die Kosten des Monitoring gegen eine Weiterverfolgung der bestehenden Ansätze: Humankapital kann als eine „Plastic Ressource“ angesehen werden: „Wir bezeichnen Ressourcen oder Investitions ‚plastic‘ um zum Ausdruck zu bringen, dass sie einen weiten Bereich von legitimen Entscheidungen durch den Nutzer der Ressource beinhalten, oder auch dass jemand die Entscheidung nur mit geringem Vertrauen beobachten und bewerten kann.“452 Diesem Ansatz folgend kann die Ressource Humankapital, insbesondere das mit hohen Freiheitsgraden angesehene zentrale Humankapital, als gegen unendlich ‚plastic‘ angesehen werden mit dementsprechend hohen Monitoring-Kosten einerseits, einem großen Ermessensspielraum hinsichtlich der Nutzung und hohem Grad der Autoimmunisierungsfähigkeit andererseits.453

↓81

Humankapitalinvestitionen als soziales Handeln stellen damit einen politischen Prozess dar. Politische Prozesse sind immer mit Macht verbunden – wobei Macht im Sinn von Handlungsmacht nicht notwendig negativ als vielmehr elementar-funktional attribuiert werden kann – und können nicht auf einen sachlich-rationalen Prozess reduziert werden.454 Politik in Unternehmen kann durch die Grundannahme definiert werden, dass „ein Unternehmen eine politische Koalition ist und dass der ‚Executiv‘ ein politischer Makler ist. Die Zusammensetzung der Unternehmung ist nicht gegeben, sie ist ausgehandelt. Die Ziele sind nicht gegeben, sie sind vereinbart.“455

Die unsichere Verteilung der Quasirenten der Humankapitalinvestoren einerseits sowie die Wertentwicklung des Humankapitalbestandes durch strategische Entscheidungen456 kann durch das Verhalten anderer Mitglieder der Koalition beeinträchtigt werden.457 Aus Sicht des Humankapitalinvestors können Abhängigkeiten für die Durchsetzung politischer Interessen genutzt werden. Insbesondere der Ressourcenaspekt des Humankapitals ist Grundlage für die Politisierung in Verbindung mit Opportunismus: „Politisches Verhalten wird definiert als Verhalten von Individuen (…), das einen Anspruch an das ressourcen-verteilende System der Organisation stellt.“458 Damit erfolgt das qualitative und quantitative Ausmaß einer Humankapitalinvestition nicht notwendigerweise und ausschließlich sachproblemorientiert, sondern entlang der Organisationsstruktur mit ihrer jeweiligen Machtverteilung: Strategische Betrachtungen erhalten Bedeutung, Opportunismus ist Handlungsbedingung.459 Es gilt: „Die Dynamiken von Macht, Herrschaft und kollektiver Wissensteilung sind nicht voneinander trennbar.“460 Macht entsteht dabei durch Kontrolle über wertvolle Ressourcen, so auch über Humankapital.461 Kontrolle über immaterielle Vermögenswerte,462 insbesondere Humankapital, scheint demnach eine größere Quelle der Macht zu sein als Kontrolle über physische Vermögensgegenstände: Es liegt eine erhöhte Autoimmunisierungsfähigkeit der Humankapitalträger vor. Im Fall des Humankapitals sind nahezu alle Rechte Residualrechte, das heißt sie sind nicht durch Vertrag regelbar.463 Opportunismus zeigt sich hierbei in Form von Bemühungen und Verhaltensmustern,464 die systemeigenen materiellen und humanen Ressourcen, insbesondere das eigene Humankapital sowie das Dritter, zur Erreichung der eigenen Ziele zu verwenden sowie zur Sicherung und Verbesserung der individuellen Existenzbedingungen.465

↓82

Die Effizienz der Unternehmensführung und der Unternehmung als Ganzes wird zusätzlich durch die Art und Weise, in der die Individuen ihre Humankapitalinvestitionen zu sichern beabsichtigen, beeinträchtigt:466 Die Humankapitalinvestition wird nicht länger entlang den Notwendigkeiten aus ökonomischen Effizienzkriterien getätigt, sondern als machtpolitisches Kalkül mit den daraus folgenden Verzerrungen betrachtet.467

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Die systemische Nichtbeachtung beziehungsweise Nichteinbeziehung der Managementperspektive führt zusätzlich zu suboptimalen Humankapitalinvestitionen durch das Management. Die Fehlinterpretation der Situation und der Verhaltensmechanismen verhindert systembedingt eine optimierte Hebung des Humankapitalpotenzials. Unter Beachtung der Bedeutung von Humankapital führt dies zu Ineffizienzen mit suboptimaler Produktivität und submaximalem Wachstum.

In der klassischen sowie der neoklassischen Wirtschaftstheorie ist Eigentum ein Datum. Es ist nicht Gegenstand der Analyse.468 Die drei fundamentalen Gesetze der Natur in der individualistischen Eigentumslehre nach dem Philosophen Hume liegen in der Stabilität des Besitzes, der einvernehmlichen Übertragung von Eigentum und der Vertragstreue.469

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Diese Lehren zog Hume aus der Feststellung, dass Instabilität der Verfügungsrechte über Güter, zusammen mit ihrer Knappheit, ein wesentliches Hindernis für sozialen Wohlstand bildet. Fehlentwicklungen im Bereich der verfügungsrechtlichen Sicherheit führen zu einer geringeren Leistungswilligkeit der Individuen. Der Eigentümer hat im Allgemeinen einen Anreiz, sich um sein Eigentum gemäß dem tatsächlichen oder erwarteten Marktwert zu kümmern.470 Dementsprechend stellt die Rechtssicherheit, insbesondere auch für die Investitionsbereitschaft eines Individuums, eine notwendige Grundlage dar, beziehungsweise korrelieren Quantität und Qualität der Investition mit dem Grad der Rechtssicherheit. Jede Form der Investition, und damit auch die Humankapitalinvestition, hat notwendigerweise eine vertragliche Grundlage unter Einbeziehung des Instituts Eigentum, Property-Rights.

In einer reinen Termingeschäftswirtschaft von Arrow und Debreu mit symmetrischer Information und vollkommener Voraussicht gibt es keinen Markt für Eigentum. Eigentum ist nicht von Bedeutung, da es in einer friktionslosen Welt mit Verträgen, die vollkommen erfüllt werden, keine Kontrollprobleme gibt.

In der realen Welt mit Transaktionskosten herrschen jedoch andere Bedingungen:471 Es herrscht Unsicherheit durch unvollkommene Voraussicht und asymmetrische Information. Für die Wirtschaftssubjekte ist es von größter Bedeutung, wer Eigentümer der Produktionsmittel und Ressourcen ist. Das Verhalten der Wirtschaftssubjekte richtet sich nach den Bedingungen der Eigentumsordnungen, die ihrerseits die ökonomischen Anreize bestimmten. In Kapitel III,4 wurden die Defizite in gerade diesen Bereichen herausgearbeitet:
Das bewährte Rechtsinstitut Eigentum ist hinsichtlich des Anreiz- und Kontrolleffektes nicht beziehungsweise nur sehr eingeschränkt wirksam. Die relativen verfügungsrechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten erweisen sich aufgrund der Spezifika des Vertragsgegenstandes Humankapital ebenfalls als sehr eingeschränkt und funktional mangelhaft.

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Als Ergebnis ist bei der verfügungsrechtlichen Gestaltung von Humankapital mit dem Ziel der Induzierung und Bindung von Humankapitalinvestitionen von dem Tatbestand der groben Rechtsunsicherheit und Kontrollunsicherheit für die Vertragspartner auszugehen.

Opportunismus und Hold-Up als Folge von spezifischen Investitionen unter der Prämisse der Rechtsunsicherheit finden sich insbesondere im Bereich Humankapital. So genannte Märkte für Humankapital sind in erhöhtem Maß anfällig für Informationsasymmetrien, verletzlich gegenüber Opportunismus und Hold-Up:472 Indem Humankapital für Wachstum signifikanter ist als Finanz- und Sachkapital, Wissen zu dem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden ist,473 ist nachzuvollziehen, dass insbesondere diese Bereiche durch Transaktionsrisiken gekennzeichnet sind.474

↓86

Humankapitalinvestoren, die dauerhafte unternehmensspezifische beziehungsweise transaktionsspezifische Investitionen475 vornehmen, binden sich an diese spezifische Unternehmung und sind damit von ihr abhängig und in dieser Eigenschaft in der Ausgangsbedingung gegenüber Opportunismus verwundbar. Der Großteil der spezifischen Vermögensgegenstände hat innerhalb der Unternehmung einen größeren Wert als bei alternativer externer Verwendung und ist dementsprechend verletzlich gegenüber Opportunismus, zum Beispiel in Form von opportunistischer Regel- und Strukturänderung.476 Hierzu zählen auch die Effekte der endogenen Determinierung von den Eigenschaften einer Unternehmung über die Zeit auf Management- (Primärhumankapitalträger-) Anreize im Angesicht von Moral-Hazard.477 Aufgrund dieser Verbindung zwischen Unternehmensorganisation und dem Wert des Humankapitals eines Managers beeinflusst die Internalisierung von Externalitäten die Ex-ante-Anreize, indem die Gegebenheiten der ex post getätigten Transaktionen geändert werden.478 Infolge transaktionsspezifischer Investitionen in Form von Humankapital kann damit häufig auch eine zweiseitige Abhängigkeit der Vertragspartner gegeben sein.479 Dies kann vorliegen, wenn das Management, als Primärhumankapitalträger,480 im Laufe der Zeit firmenspezifische Humankapitalinvestitionen tätigen muss und das Unternehmen in zunehmendem Maß von diesem Humankapital abhängig ist. Die Existenz von spezifischem Vermögen, hier Humankapital, ist von wesentlicher Bedeutung für die Beziehung zwischen der Unternehmung und dem Management, den Humankapitalinvestoren481.

Ein signifikanter Teil der Unternehmenserlöse, in einer Grenzwertbetrachtung der gesamte Erlös, ist eine Verzinsung des Humankapitals.482 Das Management tätigt zum Teil gezwungenermaßen substanzielle Investitionen, deren Wert nur erhalten werden kann, wenn sie für ihren Kapitalgeber kontinuierlich weiterarbeiten, das heißt Wenn eine einvernehmliche Vertragsbeziehung bestehen bleibt beziehungsweise ihnen die Rechte an definierten Erträgen gesichert sind. Diese firmenspezifischen Investitionen können in einer festen Beziehung zur Arbeit stehen, wie zum Beispiel die Aneignung von auf die Unternehmung spezialisierten Fähigkeiten oder Wissen.

Investitionen dieser Art sind grundsätzlich schwer zu schützen,483 schaffen das Potenzial des Opportunismus durch den Vertragspartner, Hold-Up, der in der Lage ist, deren Ertrag durch geringere Verzinsung oder ungünstigere Rahmenbedingungen zu erlangen. Ist das Wissen auf andere Tätigkeitsbereiche ausreichend übertragbar, so kann der Humankapitalträger das ursprüngliche Vertragsverhältnis brechen und mit dem in ihm gebundenen Humankapital in ein anderes Vertragsverhältnis treten. Ist das Wissen jedoch spezifisch und damit für den Humankapitalträger außerhalb des ursprünglichen Vertragsverhältnisses relativ nutzlos beziehungsweise der Transfer mit Nettokosten verbunden, so kann der Vertragspartner nach Investition durch den Humankapitalträger seinerseits das Vertragsverhältnis brechen.

↓87

Damit liegt in beiden Fällen der Investition das potenzielle Phänomen der Quasirente in Folge einer spezifischen Investition vor. Allgemeiner formuliert kann bei der Verteilung der durch spezifische Investitionen entstandenen Quasirenten und bei dem Aufbau von Humankapitalbeständen des Humankapitalinvestors opportunistisches Verhalten seitens anderer Mitglieder der so genannten Koalition auftreten:
Unter der Prämisse der eingeschränkten Möglichkeiten der verfügungsrechtlichen und institutionellen Sicherheiten erleiden Humankapitalinvestoren potenziell den Hold-Up ihres Mehrwertes aus den Humankapitalinvestitionen.

Eine wesentliche Rolle spielt zusätzlich die Konzentration der Kontrolle:484
Konzentrierte Kontrollrechte in der Hand eines einzigen Managers oder eines Kontrollgremiums reduzieren die Anreize der übrigen Beteiligten für spezifische Investitionen und unternehmerisches485 Verhalten im Sinn von Generierung, Transfer und Verwendung von Humankapital.486

Eine zusätzliche Problematik liegt im Wandel der Arbeitsbeziehungen, sowohl im Fall des Sekundär- als auch des Primärhumankapitals, wenn auch das Letztere davon tendenziell geringer betroffen ist: Die Natur der Arbeitsbeziehung verändert sich dergestalt, dass Arbeitsplatzsicherheit, Langzeitarbeitsanstellung und damit antizipierbare Karriereentwicklung zunehmend schwinden zugunsten größerer Flexibilität mit geringerer Arbeitsplatzverweildauer.487 In der Ausgangslage hatte tendenziell der Träger sein Humankapital in das Unternehmen investiert und als Verzinsung sowohl die Weiterentwicklung als auch eine entsprechende Bewertung erwartet. Parallel konnte die Organisation im Rahmen von dieser Humankapitalentwicklung von der langfristigen Bereitstellung durch den Humankapitalträger ausgehen.488 Die mit der veränderten Natur der Anstellungsbeziehung einhergehende beiderseitige Unsicherheit wird von beiden Vertragspartnern antizipiert und stellt ein Investitionshemmnis dar.489

↓88

Einer nachhaltigen Nutzung der Humankapitalpotenziale und des optimalen Betrags der Humankapitalinvestitionen liegen zwei Kriterien zugrunde: Als hinreichendes Kriterium muss erstens der Tatbestand der Investitionsfähigkeit erfüllt sein. Zweitens muss als notwendiges Kriterium die Sicherung der Investition und damit der Verzinsung erfüllt sein. Ist das notwendige Kriterium nicht erfüllt, antizipieren die Humankapitalinvestoren die Konsequenzen mit der Folge einer suboptimalen Investition, einer Unterinvestition aufgrund der eingeschränkten Investitionsbereitschaft.

Damit liegen der erfolgreichen Induzierung und Bindung von Humankapitalinvestitionen zwei zu erfüllende Kriterien zugrunde. Welche Konsequenzen haben die im vorherigen Kapitel III,4 dargestellten Defizite innerhalb der Gestaltung durch die Institute der Verfügungsrechte und der Unternehmung? Es herrscht Rechtsunsicherheit und Kontrollungleichgewichte bei der Gestaltung von Humankapitalinvestitionen und Opportunismus, und Hold-Up treten potenziell als Folge auf: Die Konsequenz ist Unterinvestition. Der Property-Rights-Theorie490 folgend sind gerade die kombinierten Investitionsanreize für Leistung und Vertrauen von der eindeutigen und gesicherten Zuweisung von den Property Rights abhängig.491 Die Auswirkungen werden vor dem Ergebnis einer empirischen Studie deutlich: „Ohne Vertrauen wird Wissen nicht (uneingeschränkt) geteilt.“492 Rechtssicherheit als Grundlage für Vertrauen besteht im Fall der Humankapitalinvestition nicht. Die Humankapitalträger antizipieren im Zusammenhang mit der spezifischen Investition die Gefahr des dargestellten Opportunismus und Hold-Up und kalkulieren jede Form der Humankapitalinvestition, um diese Verletzlichkeit zu verhindern beziehungsweise zu kompensieren. Es wird ein lediglich suboptimaler Betrag an Humankapitalinvestitionen getätigt, der grundsätzlich sowohl für sie als auch den Vertragspartner, in der Regel das Unternehmen als Ganzes beziehungsweise der Shareholder, weniger wertvoll ist. Mangelnde Residualrechte können damit die notwendige Weiterentwicklung der Unternehmung durch die Humankapitalträger, das Management, verhindern.493

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Der modernen Unternehmenstheorie zufolge tragen alle Faktoreigner, so auch die Eigner des Produktionsfaktors Humankapital, Risiko und müssen nichtkompensierte Verluste kompensieren. Damit haben die Eigner der Produktionsfaktoren berechtigtes Interesse, Kontrollrechte an dem Untenehmen zu besitzen. Die kritische Fragestellung liegt in der Sensitivität der Investition hinsichtlich der Entwicklung und des Vertauens zu dem Eigentum von Residualkontrollrechten.494

Humankapitalinvestoren werden in der Regel nicht in die Gruppe der Kapitalgeber der Unternehmung eingegliedert, mit der Folge, dass sie nicht an der Kontrolle der Unternehmung teilhaben. Darin besteht ein Großteil der Anreize der Unternehmung, den Investitionen ihrer Humankapitalträger mit Hold-Up zu begegnen.495 Die dem Risiko ausgesetzten Humankapitalinvestoren könnten demgegenüber durch spezifische Hci-Governance-Strukturen in ihrer Fähigkeit beeinflusst werden, mit den Problemen umzugehen,496 woraus ein optimierter Betrag an Humankapitalinvestition und Humankapitalbindung folgen könnte. Innerhalb eines spezifischen Corporate-Governance-Systems wird der Prozess der Verteilung von Quasirenten grundsätzlich durch die Institutionen der Eigentümerschaft, Kapitalstrukturen, Managementanreize,497 Wettbewerb, Organisationsform und anderes gestaltet werden.498 Demzufolge haben Eigentümer von unternehmenspezifischem Kapital großes Interesse, Kontrollrechte an dem Unternehmen zu besitzen:499

„Die Personen, die eine Koalition leiten und führen, sind zugleich die Eigentümer der koalitionsspezifischen Ressource. Die Eigentümer dieser Ressource haben bei einem Versagen der Koalition am meisten zu verlieren. Sie haben einen größeren Anreiz, die Koalition zu führen oder für deren Führung verantwortlich zu sein. Die so genannten Anteilseigner sind nicht weniger risikoscheu (als andere Koalitionspartner); vielmehr wollen die Eigentümer koalitionsspezifischer Ressourcen lieber in Führungspositionen sein als Eigentümer allgemeiner Ressourcen. Es stimmt zwar, dass Unsicherheit und Risiko vorhanden sind, aber Anteilseigner und Manager tragen dieses Risiko nicht, um dadurch motiviert zu werden. Das Risiko ist vielmehr unumgänglich gegeben, und diejenigen, die es tragen, haben größere Anreize, zu kontrollieren und zu führen.“500

↓90

Damit haben sowohl die Finanzkapitalisten, Shareholder, als auch die Humankapitalinvestoren, das Management, ein berechtigtes Interesse zu kontrollieren und zu führen. Die Frage stellt sich jedoch, wie Kontrolle – sowohl vom Individuum über sein Humankapital als auch von der Unternehmung über ihre Einheiten, die sich vollständig aus Humankapital zusammensetzen – erlangt und ausgeübt werden kann, wenn Recht und Verfügungsrechte nicht greifen, das Institut Eigentum nicht wirksam ist.501

Indem die Ressource Humankapital großer Rechtsunsicherheit mit der Folge des potenziellen oder tatsächlichen Opportunismus und Hold-Up ausgesetzt ist und bestehende Corporate-Governance-Systeme der gewachsenen Bedeutung von Humankapital nicht in ausreichendem Maße gerecht werden, besteht zunehmend der Tatbestand der Unterinvestition von Humankapital. Vor dem Hintergrund der in obigem Kapitel III,1 aufgezeigten Bedeutung von Humankapital werden die wechselseitigen Konsequenzen deutlich: geringere Möglichkeit der Wissensteilung und Weiterentwicklung, geringere Effizienz, geringeres Wachstum, geringere Wohlfahrt, um nur einige Aspekte zu nennen.

Überwindung des Interessenkonflikts durch Interessenbalance mit der Folge einer für beide Main-Stakeholder erhöhten Nutzenfunktion

Notwendig ist ein Hci-Corporate-Governance-Ansatz, der zur Optimierung der Effizienz einer humankapitalintensiven Unternehmung zwei Problemlösungen einander annähert: die Sicherung der Finanzkapitalisten-Interessen und die Sicherung der Humankapitalinvestoren-Interessen. Erst die Anerkennung des systeminhärenten Interessenkonflikts kann zu einem Lösungsansatz mit höherem Effizienzgrad führen.

III.5.3 Möglichkeiten der konkreten Optimierung

III.5.3.1  Verfügungsrechte: Eigentum und Vertrag

↓91

Die Defizite absoluter Verfügungsrechte – wie die des Eigentums – ergeben sich aus der mangelnden Übertragbarkeit der Position eines Eigentümers einer Sache auf einen ‚Eigentümer an Humankapital’. Auch eine rechtswissenschaftliche Erweiterung des Eigentumsbegriffs würde angesichts der erörterten Sachprobleme nicht weiterhelfen.

III.5.3.2 Ergebnis: Keine weitere Eruierung der Verfügungsrechte

Eine weitere Eruierung im Bereich der Verfügungsrechte selbst erscheint nicht zielführend. Die Verfügungsrechtstheorien, sowohl zu den absoluten Verfügungsrechten, dem Eigentum, als auch zu den relativen Verfügungsrechten, finden ihre Anwendungsgrenzen regelmäßig in den Spezifika der verfügungsrechtlich zu regelnden Ressource Humankapital. Die einschlägige Literatur gibt keine fundamentalen Einsichten in Verbesserungsmöglichkeiten bei der Gestaltung von Humankapitalinvestitionen.502 In der Literatur wird insbesondere auf die Notwendigkeit hingewiesen, verfügungsrechtliche Regelungen für eine ausreichende Rechtssicherheit mit Überwachungs- und Durchsetzungsstrukturen zu ergänzen. Für die Optimierung von Eigentums- und Vertragsverhältnissen ist die Art des Corporate-Governance-Systems von ausschlaggebender Bedeutung.503

Bestehende Erkenntnisse und Ansätze der Prinzipal-Agent-Theorie, den Theorien sich selbst durchsetzender Verträge und den Theorien relationaler Verträge, werden in die Hci-Corporate-Governance-Ansätze einbezogen.

III.5.3.3 Adäquate Corporate-Governance-Problemlösung

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Die bestehenden verfügungsrechtlichen Institute Eigentum und Vertrag mit ihren bestehenden qualitativen Möglichkeiten der Humankapitalgestaltung, im Sinn der Kontroll- und Anreizeffekte, sind um eine zielführende Corporate-Governance-Struktur zu ergänzen. Bestehende Corporate-Governance-Systeme werden der gewachsenen Bedeutung von Humankapital nicht ausreichend gerecht.

Die Aufgabe besteht darin, „eine Effizienz bewirkende Verfassung für einen relationalen Vertrag zu finden“,504 eine Verfassung, die das Ziel der maximalen Induzierung und Bindung von Humankapitalinvestitionen unter Beachtung der eingeschränkten verfügungsrechtlichen Möglichkeiten mit der minimalen Summe an Transaktionskosten zu erreichen verspricht.

Dem Entwickeln einer theoretischen, der Humankapitalproblematik adäquaten Corporate-Governance-Lösung, folgt die mit Widrigkeiten verbundene praktische Umsetzung in einer entsprechenden Organisationsform. Praktisch müsste die alle Ressourcen und Güter umfassende Verfügungsrechtsstruktur einer Unternehmung festgelegt werden,505 um effiziente Anreize für die einzelnen Beteiligten, insbesondere die potenziellen Humankapitalinvestoren, zu schaffen: „Dabei sind Transaktionskosten tunlichst einzusparen, und die Struktur muss im Ergebnis genügend flexibel sein, um die ex post entstehenden Kosten der Fehlanpassung, des Feilschens, der im nachhinein auftretenden Streitigkeiten, Kautionen usw. in Grenzen zu halten.“506

↓93

Hierbei korreliert der Grad an Glaubwürdigkeit, Transparenz und Rechtssicherheit positiv mit der Bereitschaft für die Investition und der Haltung der Investition seitens der Humankapitalinvestoren.507 Die Tatsache, dass Organisationspolitik immer auch ein kollektiver Prozess ist, und die Ungewissheit über die zukünftige Wirtschaftslage vergrößern darüber hinaus die Probleme bei der Entwicklung und Findung einer optimalen Corporate-Governance-Lösung.508 Für die Entwicklung eines hci-adäquaten Coporate-Governance-Systems ist die Häufigkeit der Transaktionen zwischen den Parteien und ihrer spezifischen Investitionen, dem Humankapital, bestimmend.509 Hinsichtlich des klassischen Ausgangsproblems, Trennung von Kapital und Kontrolle, könnte eine Optimierung verfolgt werden:510 Theoretisch könnte weiterhin die ultimative Kontrolle seitens der Shareholder über das Management bestehen. Hiervon ausgehend könnten die Mechanismen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit analysiert und optimiert werden. Dieser Ansatz würde jedoch eine Weiterführung im Sinn der traditionellen Prinzipal-Agent-Theorie darstellen, deren Erkenntnisse wichtige Einsichten bringen, jedoch unter Umständen nicht ausreichend den geänderten Umständen Rechnung tragen. Vor dem Hintergrund der Differenzierung zweier Perspektiven, Shareholder und Management, erscheint jedoch ein moderner Ansatz im Bereich der Hci-Unternehmung sinnvoll.

Die Frage nach der Gültigkeit der so genannten Goldenen Regel des Kapitalismus – dort wo das Risiko liegt, liegt auch die Kontrolle – kann wie folgt beantwortet werden: „Die zweite und wesentlich radikalere Antwort liegt darin, einerseits die Aufgabe der Shareholderkontrolle zu akzeptieren andererseits jedoch die Abhängigkeit der Shareholder in Frage zu stellen.“511 Im Folgenden sollen Schlussfolgerungen für einen Hci-Corporate-Governance-Ansatz gezogen werden, der den Gedanken „Kapital sucht Management“ ergänzt um den Gedanken „Management sucht Kapital“.


Fußnoten und Endnoten

222  Siehe hierzu Ricketts (2002), S. 53 ff.

223  Marris (1968), S. 3.

224  Jensen und Meckling (1976), S. 329.

225  Berle und Means (1967), S. 119 ff.

226  Vergleiche Ricketts (2002), S. 80.

227  Siehe Chandler (1977).

228  Rajan und Zingalis (2000).

229  Berle und Means (1932).

230  Siehe Rajan und Zingalis (2000), S. 11 ff.

231  Siehe insbesondere Alchian und Demsetz (1972).

232  Siehe Ricketts (2002), S. 80.

233  Ebd., S. 262 ff.

234  Siehe Rajan und Zingalis (2000), S. 12.

235  Galor und Moav (2001), S. 5 und dort auch Anmerkung 8. Diesem Indikator vorgeschaltet ist die stetig zunehmende Arbeitsplatzabhängigkeit vom Grad der Bildung, siehe hierzu Mitch (1992), S. 14 ff.

236  Zur Bedeutung von Wissen und Humankapital für die Wirtschaft siehe die Ausführungen unten Kapitel III,2.

237  Zu möglichen begrifflichen Differenzierungen zwischen der Informations- und der Wissensgesellschaft siehe Weingart (2001), S. 11 ff. Lane (1966), S. 650, spricht von einer „knowledgeable society“; Bell (1973), S. 37, 213 f. spricht weitgehend synoym von „post-industrielle“, „professionelle“, „Informations-“ und „Wissensgesellschaft“. Siehe weiterführend zur Entwicklung von der Industrie- zur Informationsgesellschaft und deren soziokulturellen Folgen: Glotz (2003), S. 1-8; zu den politischen Konsequenzen siehe Becker (2003); zu Wissen als öffentlichem Gut und den Problemen des Weltgipfels über die Informationsgesellschaft Fücks (2003), S. 9-12.

238  Zu Wachstum, Differenzierung, Expansion und Identitätswandel der Wissenschaft siehe Weingart (2001), S. 87 ff.; zur Entwicklung der globalen Informationsgesellschaft siehe Castells (2000), S. 28-163.

239  Wilke (1998), S. 162.

240  Das Zitat ist entnommen worden der Erklärung der Wirtschaft zum Weltgipfel über die Informationsgesellschaft, abgegeben vom Koordinierungsausschuss der Wirtschaftsgesprächspartner (Coordinating Committee of Business Interlocutors – CCBI) am 19. November 2003 in Genf, siehe ICC (2003).

241  Goldin (2001).

242  Abramowitz (1993), S. 224.

243  Goldin und Katz (2001).

244  Abramowitz und David (2000), S. 220 ff.

245  Goldin und Katz (2001).

246  Abramowitz und David (2000), S. 220 ff.

247  Denison (1962), S. 270.

248  Zur wachsenden Bedeutung von Humankapital in Bezug auf das Wirtschaftswachstum vergleiche insbesondere Galor und Moav (2002), eine empirische Untersuchung zu Wachstum und Humankapital bei Bassani und Scarpetta (2001).

249  Zur Unternehmung in der Informationsgesellschaft, deren Kultur, Institutionen und Organisation siehe Castells (2000), S. 163 ff.

250  Castells (2000), S. 218.

251  Siehe Rajan und Zingalis (2000), S. 14 ff.

252  Marshall (1925), Buch IV, S. 38-39.

253  Siehe hierzu unten Kapitel III,3.

254  Vergleiche hierzu Ricketts (2002), S. 417 ff.

255  Siehe Rajan und Zingalis (2000), S. 12.

256  Die Tatsache der Dezentralisierung als Folge der Quantitäts-/Qualitätszunahme, Verbreitung und Bedeutungszunahme von Wissen wurde schon von Hayek (1945), S. 524, abgeleitet.

257  Vergleiche hierzu Mailath et al. (2002), S. 9 ff.

258  Vergleiche unten Kapitel III,2.3.1.

259  Siehe hierzu Ricketts (2002), S. 36-38 und S. 204.

260  Lazear (2003).

261  Siehe hierzu die Untersuchung von Mailath et al. (2003), S. 2-15.

262  Rosen (1987), S. 681.

263  Mailath et al. (2002), S. 3.

264  Siehe hierzu Weingart (2001), S. 171 ff.

265  Morrison und Wilhelm (2003), S. 2.

266  Siehe hierzu Weingart (2001), S. 127-170.

267  Muller und Subotzky (2001), S. 1 ff.; Schreyögg (1998), S. 118 ff.

268  Zur Differenzierung des quantitativen Zuwachses des Wissenssektors der Gesellschaft von der gesellschaftlichen Verbreitung des experimentalen Lernens als Handlungsmodus: Weingart (2001), S. 351 ff.

269  Siehe Schreyögg (1998), S. 188.

270  Hierbei kann mit Probst und Büchel (1994), S. 79, zum Beispiel die notwendige Weitergabe des Wissens blockiert und verzerrt werden, und Informationspathologien können auftreten, dort S. 61.

271  Scheler (1925).

272  Mannheim (1964).

273  Siehe Oberschulte (1994).

274  Siehe Berger und Luckmann (1966), Pautzke (1989), Rehäuser und Krcmar (1996).

275  Kluwe (1990).

276  Ryle (1949).

277  Jaenicke (2000).

278  Polanyi (1985).

279  Anderson (1983).

280  Spinner (1994), S. 79.

281  Sackmann (1993).

282  Jensen und Meckling (1990), S. 6.

283  Brown und Duguid (2001), S. 200 ff.; Schreyögg (1996), Robertson und Swan (1998), S. 598.

284  Polanyi (1985).

285  Siehe Schreyögg (1998), S. 191.

286  Siehe Nonaka und Takeuchi (1997), S. 85.

287  Siehe hierzu insbesondere in Kapitel IV,2.3.2, Abschnitt b) die Ausführungen über den Zugang als Anreiz für Induzierung und Bindung von Humankapitalinvestitionen.

288  Siehe Nonaka und Takeuchi (1997), S. 85; Schreyögg bezweifelt die Auffassung von Nonaka und Takeuchi (1997), dass implizites Wissen grundsätzlich in explizites Wissen überführt werden kann: „Zu eng ist häufig dieses Wissen mit individuellen Handlungsbezügen und Denkoperationen verknüpft.“ Schreyögg (1998), S. 191; siehe auch Barney (1991).

289  Giddens (1984), S. 21 ff.

290  Siehe hierzu insbesondere unten Kapitel III,4.

291  Stehr (1994), S. 211.

292  Siehe auch Jensen und Meckling (1990).

293  Im Rahmen der Diskussion von „Kontrolle“ im Verlauf der weiteren Arbeit erweist sich hinsichtlich der Machtausübung diese Wissensform als bedeutsam: Vor dem Hintergrund der sinkenden Bedeutung von Eigentum als Machtquelle kommt nach Crozier und Friedberg (1992), S. 50 ff., dem spezifischen Wissen und der Kontrolle von Informationen eine besondere Bedeutung als Machtquelle zu. Siehe hierzu die Ausführungen zu Zugang in Kapitel IV,2.3.2, Abschnitt b).

294  Siehe Coopey (1995).

295  Siehe Pfeffer (1992), S. 7.

296  Siehe hierzu auch Clegg (1989), Freemann (1979).

297  An dieser Stelle wird in einem ersten Schritt das spezifische Wissen definiert, die spezifische Investition wird unter Kapitel III,3. definiert.

298  Siehe Jensen und Meckling (1990), S. 1-9.

299  Zur möglichen Vorteilhaftigkeit einer nichtkomplexen Organisationsstruktur und der daraus folgenden Konzentration siehe Richter und Furubotn (1999), S. 168; zur damit verwandten Vorstellung der „Informationsverkeilung“ siehe Williamson (1975), S. 305.

300  Bei der so genannten Wissensdurchdringung können mit Hawkins (1994) der Lern-Level I (Korrektur bei der Abweichung von einer bestehenden Norm), der Lern-Level II (Korrektur der Norm selber) und der Lern-Level III (deutero-learning, Lernen zu lernen) unterschieden werden, die aufeinander aufbauen. Mit zunehmendem Lerngrad gewinnen Formen wie soziales Wissen und holistisches Wissen an Bedeutung. Argyris (1996) hebt in diesem Kontext die besondere Form des „double-loop-learnig“ hervor. Zu dieser Selbstreflexion und diesem Infragestellen der eigenen Annahmen und Verhaltensweisen sind nur wenige befähigt, holistisches Wissen ist Voraussetzung. Zum Aspekt des effektiven Transfers siehe auch Jensen und Meckling (1990).

301 Vergleiche Zingalis (1997), S. 13. Es handelt sich bei menschlichem Wissen nicht allein um die Repräsentation objektivierter Informationen, sondern ein wesentlicher Bestandteil ist die Verknüpfung von Ursache und Wirkung sowie die damit verbundene Bildung von Algorithmen und Heuristiken. Im Sinn von Bacon ergibt sich hieraus primär der Machtfaktor des Wissens. Vergleiche auch Bacon (1990), S. 2: „Wissen ist Macht“, diese aus den spezifischen Eigenschaften und Potenzialen abgeleitete Identität stellt eine Ursache für viele Probleme im Umgang mit Wissen dar.

302  Weber (1992), S. 80-96.

303  Castells (2000), S. 15.

304  Den Theorien von Grossman und Hart (1986) und Hart und Moore (1990) folgend.

305  Emerson (1967), S. 32. Scott (1985), S. 367, merkt dazu an: „Ein wesentlicher Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass er (...) anwendbar ist: auf Beziehungen zwischen Individuen ebenso wie auf die zwischen Gruppen und Organisationen.“ Demzufolge liegt das Phänomen „Wissen ist Macht“ nicht nur zwischen Individuen, sondern auch zwischen Gruppen und Organisationen vor.

306  Crozier und Friedberg (1982).

307  Crozier und Friedberg (1982), S. 82.

308  Blackler und McDonald (1999), S. 2: „Knowledge and power are intimately interrelated“.

309  Siehe Blackler und McDonald (1999), S. 3.

310  Crozier und Friederg (1982), S. 85.

311  Im Sinn von Hellwig (2000), S. 98.

312  Vergleiche hierzu die empirische Studie von Blackler und McDonald (1999) mit Beispielen für Gründe der Durchsetzung der eigenen Interessen.

313  Rajan und Zingalis (1998), S. 1.

314  Rajan und Zingalis (1997).

315  Weingart (2001), S. 221.

316  Siehe McMullin (1987), S. 14 ff.

317  Insbesondere .Kapitel III,2.2 der vorliegenden Arbeit.

318  Hayek (1945): „The Use of Knowledge in Society“.

319  Ebd., S. 519 ff.

320  Ebd., S. 524.

321  Ebd. und Jensen (1990), S. 9 ff.

322  Die Wichtigkeit der freien Wissensweitergabe und Wissensteilung wurde insbesondere in empirischen Studien herausgearbeitet von: Bhattacharya et al. (1992), Gandal und Scotchmer (1993) und d’Aspremont et al. (1995).

323  Morrison und Wilhelm (2003), S. 2.

324  Jensen (1990), S. 5; Blackler und McDonald (1999), S. 4.

325  Blackler und McDonald (1999), S. 7.

326  Ebd., S. 6 und S. 8.

327  Ebd., S. 7.

328  Ebd., S. 9.

329  Von einer philosophischen Diskussion von wahr und falsch wird abgesehen.

330  Wahrhaftigkeit im Sinn der Übereinstimmung von Wort und Gedanke beziehungsweise Überzeugung des Redenden. Das Vertrauen darauf besitzt in Organisationen eine große Bedeutung.

331  Zur Geheimhaltung von Wissen vergleiche Weingart (2001), S. 221, und besonders McMullin (1987), S. 14-23.

332  Huber (1991), Huber und Daft (1987).

333  Crozier und Friedberg (1987), Weingart (2001), S. 351.

334  Im Sinn von Che und Hausch (1997).

335  Im Sinn von Hart und Moore (1990), siehe auch Rosenkranz und Schmitz (1998).

336  Zum Beispiel Richter und Furubotn (1999), Ricketts (2002) und jeweils dort angegebene Literatur.

337  Siehe Richter und Furubotn (1999), S. 295: Die Autoren sprechen von der Möglichkeit, Sach- und Humankapital durch eine individuelle Investitionsentscheidung zu schaffen.

338  Siehe hierzu auch Wößmann (2000), S. 1.

339  Siehe schon bei Alfred Marshall, Marshall (1890/1922), S. 564, Principles of Economics: „The most valuable of all capital is that invested in human beings.“

340  Vergleiche Solow (1957), S. 317.

341  Morten und Poutvaare (2001), S. 3 ff.

342  Vergleiche hierzu Kapitel III,3.2.

343  Vergleiche Richter und Furubotn (1999), S. 91.

344  In diesem Sinn findet sich der Investitionsbegriff auch bei: Lau et al. (2001), Wößmann (2000) und Zingalis (2000), S. 14.

345  Siehe auch schon bei Adam Smith (1925), S. 118: Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations (zuerst 1776 veröffentlicht): „A man educated at expence of much labour and time to any of those employments which require extraordinary dexterity and skill, may be compared to (an) expensive machin(e). The work which he learns to perform, it must be expected, over and above the usual wages of common labor, will replace to him the whole expence of his education, which at least the ordinary profits of an equally valuable capital.“

346  Diese Definition von Humankapital folgt unter anderem der Definition bei Zingalis (2000), S. 12.

347  Blaug (1976), S. 830.

348  Eine hinsichtlich des Investitionsverhaltens erkenntnisreiche empirische Untersuchung findet sich bei: Bai und Wang (2001), S. 1-39. Die Autoren stellen in ihrer empirischen Arbeit „Uncertainty in Labor Productivity and Specific Human Capital Investition“ einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Faktoren fest. Die Arbeit der Autoren bietet insbesondere eine neue Wettbewerbserklärung der internationalen Unterschiede in den Anstellungspraktiken und deren vertraglicher Ausgestaltung. Hier sind an erster Stelle die US-japanischen Unterschiede in der Anstellungsstabilität und Humankapitalinvestition zu nennen (vergleiche hierzu insbesondere Abeglen (1958), Prendergast (1989) und Glaeser (1991) mit der Einführung der selbstdurchsetzenden multiplen Gleichgewichte. Zu den unterschiedlichen Specific-Humancapital-Investitionsraten siehe auch Mincer und Higuchi (1988), Hashimoto (1990). Die Wirkungsweise zwischen dem Faktor ULP (Uncertainty in Labor Productivity) und SHC(Specific Human Capital)-Investition hängt stark vom Ausgangsniveau ab: Spontan nachvollziehbar ist, dass ein extrem hoher ULP die SHC-Investition abschreckt und damit die Produktivität verringert. Das Modell bestätigt den negativen Zusammenhang von ULP und SHC-Investition, wenn das Ausgangslevel von ULP hoch ist. Ihr Modell zeigt auch, spontan nicht unbedingt nachvollziehbar, dass ein extrem niedriges Level von Unsicherheit die Produktivität verringert (Bai und Wang sehen hier Selbstzufriedenheit als eine Quelle der Ineffizienz).

349  Zur Bedeutung des damit verbundenen Risikos siehe auch Zingalis (2000), S. 32.

350  Zum Begriff der Spezifität vergleiche Kapitel III,2.3.

351  Vergleiche Richter und Furubotn (1999), S. 428 und 434 ff.

352 

Williamson (1985), S. 108 ff., unterscheidet vier Arten der Spezifität von Investitionen: 1) Standortspezifität 2) Sachkapitalspezifität 3) Humankapitalspezifität 4) Zweckgebundene Sachwerte; siehe auch Rajan und Zingalis (2000), S. 7 und dort Anmerkung 9: „Specific Investition can be with respect to the firm’s assets (the employee learns to use a specialized lathe or write in a specialized software language). Alternatively, it can be with respect to other employees (the secretary learns to work with his boss).“

Vergleiche hierzu auch Richter und Furubotn (1999), S. 143.

353  Joskow (1985), S. 38.

354  Holmström und Tirole (1989), S. 71.

355  Im Rahmen des innovativen unternehmerischen Handelns im Schumpeterschen Sinn, siehe Ricketts (2002), S. 65-69.

356  Siehe auch Rifkin (2000), S. 29.

357  Vergleiche hierzu die Diskussion des Modells der so genannten Open-Source-Production von informationsreichen Gütern, zum Beispiel medizinische Forschung und Software: Das Produkt wird geteilt, nicht verkauft. Siehe hierzu: The Economist Vol. 371, Nr. 8379, S. 16, und The Economist – Technology Quarterly 06-12-04, S. 15.

358  Siehe hierzu insbesondere Galor et al. (2002).

359  Richter und Furubotn (1999), S. 428.

360  Siehe die Ausführungen in Kapitel III, ??.

361  Im Sinn von Berle und Means (1932).

362  Siehe Kapitel II,1.

363  Siehe Ricketts (2002), S. 271-273.

364  Stone (2001), S. 1.

365  Richter und Furubotn (1999), S. 91.

366  Neben zahlreicher weiterführender Literatur zum Thema Intellectual Property Rights siehe auch: Castells (2000), S. 114, S. 120.

367  Im Jahr 1709 (Richter und Furubotn (1999), S. 90) verabschiedete die englische Regierung das erste Urhebergesetz der Geschichte: Statut of Anne (nach der damaligen Königin Anne Stuart). Das Ziel des Statutes war „Encouragement of Learned Men to Compose and Write Useful Books“. Mittel waren so genannte Autorenrechte mit dem Zweck, durch wirtschaftliche Sicherheit ein Fundament für Kreativität und Leistung zu setzen. Die Rechtssicherheit stellt einen Anreiz dar. Nach den USA im Jahre 1790 (Richter und Furubotn (1999), S. 90) wurde auch in Frankreich nach der Französischen Revolution das Autorenrecht im Jahre 1791 (Richter und Furubotn (1999), S. 90) entwickelt. Die Rechtsentwicklung in Deutschland stand der in England, den USA und Frankreich nach. Seit 1837 (Richter und Furubotn (1999), S. 90) gab es das Urheberrecht in Preußen und im gesamten Deutschen Reich erst seit seiner Gründung 1871. Das geistige Eigentum, Urheberrecht und Recht an Humankapital ist damit schon länger ein Thema der rechtswissenschaftlichen und interdisziplinären internationalen Diskussion: 1886 trat die erste internationale Konvention in Kraft, die „Berner Übereinkunft“. In dieser Konvention werden die Unterzeichnerstaaten verpflichtet, einen gewissen Rechtsschutz für geistige Schöpfungen einzuführen.

368  Eine frühe Reaktion ist die Gründung der World Intellectual Property Organization der Vereinten Nationen im Jahr 1967.

369  Zu den aktuellen Diskussionen zum Urhebervertragsgesetz und insbesondere den bestehenden Interessenkonflikten zwischen den Autoren – der Berufsgruppe der Urheber – und Verlagen siehe: Vogel (2004). Die Umsetzung zum Beispiel der EU-Durchsetzungsrichtlinie für geistiges Eigentum gilt in Deutschland seit dem 13. September 2003.

370  DMCA, Abschnitt 1201.

371  Zur Frage von Eigentum und dessen Struktur in einer Organisation vergleiche: Jensen (2000b).

372  Vergleiche auch die Rede der Deutschen Bundesjustizministerin, Brigitte Zypries, zur Eröffnung des deutsch-chinesischen Rechtsstaatsdialogs am 10. November 2003, siehe BMJ (2003).

373  In diesem Fall, ergänzend zu der in Menschen gebundenen Information, die unter Humankapital zu subsumieren wäre, die in anderen Formen gebundene Information, zum Beispiel elektronische Datenspeicher.

374  Ricketts (2002), S. 205.

375  Richter und Furubotn (1999), S. 373.

376  Ebd., S. 82.

377  Siehe Rajan und Zingalis (2000), S. 13 ff.

378  Der theoretische Eigentümer von Humankapital ist der Humankapitalträger selbst (Richter und Furubotn (1999), S. 373). Siehe zu den unterschiedlichen Auffassungen von Humankapitaleigentum und den daraus folgenden Rechtsstreitigkeiten: Closius und Schaffer (1984), Withmore (1990). Dieser Tatbestand ist notwendige Konsequenz einer Welt ohne Leibeigenschaft zum Beispiel gemäß den Grundsätzen des deutschen Grundgesetzes (siehe Art. 2 im Zusammenhang mit Art. 1 GG). In einem liberalen Staat ist das bestehende Recht auf Selbstbestimmung zu achten (Richter und Furubotn (1999), S. 91). „Obwohl die Erde und alle niederen Wesen allen Menschen gemeinsam gehören, so hat doch jeder Mensch ein Eigentum an seiner Person. Auf diese hat niemand ein Recht als nur er allein.“ (Locke (1967), II/§27, S. 218.). Der Humankapitalträger ist per definitionem Eigentümer an seiner Person. Damit ist er grundsätzlich auch Eigentümer an dem in ihm gebundenen Humankapital, sofern keine immateriellen Rechte dem entgegenstehen (vergleiche dazu unten die Ausführungen zu immateriellen Rechten). Im Rahmen der Diskussion der uneingeschränkten Eigentumsrechte wird jedoch deutlich, dass hierbei nicht der Begriff des frei übertragbaren Privateigentums (Locke (1967), II/§27, S. 218) angewendet werden kann. Fraglich ist damit, inwieweit die in den verschiedenen Kategorien verwendeten Rechtsbegriffe des Eigentums, einschließlich ihrer Funktionalität hinsichtlich der Anreizeffekte und Kontrolleffekte, auf die Ressource Humankapital anwendbar sind.

379  Blackstone (1825), S. 1.

380  Vergleiche die obigen Ausführungen zu Wissen.

381  Stone (2001), hierzu insbesondere: Closius und Schaffer (1984), Withmore (1990).

382  Vergleiche obige Ausführungen.

383  Vergleiche die folgenden Ausführungen zu immateriellem Recht.

384  Vergleiche die obigen Ausführungen zu Wissen.

385  Stone (2001).

386  Ebd., hierzu insbesondere: Closius und Schaffer (1984), Withmore (1990).

387  Vergleiche die folgenden Ausführungen zu immateriellem Recht.

388  Rajan und Zingalis (2000), S. 3.

389  Ausnahmen sind Fälle im Bereich immaterieller Rechte, wo Humankapital jedoch nicht eindeutig einzuordnen ist.

390  Rajan und Zingalis (2000), S. 14.

391  Stone (2001).

392  Richter und Furubotn (1999), S. 90.

393  Ebd.

394  Ebd., S. 86.

395  McPherson (1973), 133 ff.

396  Richter und Furubotn (1999), S. 81 und 86.

397  Ebd., S. 86.

398  Vergleiche auch Ricketts (2002), S. 116.

399  Siehe Schmitz (2001), S. 12.

400  Vergleiche hierzu auch die Schlussfolgerungen bei Rajan und Zingalis (2000), S. 14 ff.

401  Jensen und Meckling (1990), S. 10 ff.

402  Richter und Furubotn (1999), S. 155.

403  Llewellyn (1931), S. 708.

404  Macneil (1974), S. 738.

405  Richter und Furubotn (1999), S. 157 und S. 160.

406  Ebd., S. 160.

407  Vergleiche insbesondere Richter und Furubotn (1999), S. 47 ff.

408  Hadfield (1990), S. 927.

409  Richter und Furubotn (1999), S. 154.

410  Siehe oben Kapitel III,2, insbesondere 2.3.

411  Williamson (2000), S, 8 ff.

412  Siehe hierzu Ricketts (2002), S. 450 ff.

413  Ebd.

414  Ebd., S. 417.

415  Williamson (2000), S. 9.

416  Williamson (1985), S. 70.

417  Richter und Furubotn (1999), S. 174.

418  Williamson (1985), S. 70.

419  Williamson (1999), S. 174.

420  Ebd., S. 174.

421  Goetz/Scott (1982), S. 1091.

422  Im Sinn von Ricketts (2002), S. 450.

423  Ricketts (2002), S. 446.

424  Zum Beispiel Grossmann und Hart (1986).

425  Ebd.

426  Rajan und Zingalis (2000), S. 6.

427  Siehe zu diesem fortentwickelten Property-Rights-Ansatz: Hart und Holmström (2002), S. 33 ff.

428  Ricketts (2002), S. 116.

429  Jensen und Meckling (1990), S. 14.

430  Siehe Jensen und Meckling (1990), S. 12 ff.

431  Siehe oben Kapitel III,4.1 die Ausführungen zu Eigentum.

432  Jensen und Meckling (1990), S. 14.

433  Richter und Furubotn, (1999), S. 247.

434  Rajan und Zingalis (2000), S. 5.

435  Ricketts (2002), S. 114; Demsetz (1967).

436  Richter und Furubotn (1999), S. 185.

437  Ebd., S. 175.

438  Ebd.

439  Williamson (1983), S. 537.

440  Vergleiche Richter und Furubotn (1999), S. 8.

441  Siehe zur ökonomischen Bedeutung oben Kapitel III,3.

442  Vergleiche Richter und Furubotn (1999), S. 292.

443  Ebd., S. 136.

444  Ebd., S. 293.

445  Siehe oben Kapitel III.

446  Vergleiche Kirchner und Richter (2004), S. 4: Die Autoren sprechen sich ebenfalls für eine Betrachtung aus Sicht der Managementperspektive aus.

447  Im Sinn von Berle und Means (1932).

448  Ricketts (2002), S. 269.

449  Siehe Kapitel III,1 und zum Beispiel Rajan und Zingalis (2000), S. 12 ff., Ricketts (2002), S. 410, S. 417.

450  Berle und Means (1932), S. 116.

451  Im Sinn von Alchian und Woodward (1987), S. 110-136.

452  Ebd., S. 117.

453  Vergleiche Ricketts (2002), S. 283. Als Beispiel für eine „implastic Ressource“ wird Öl genannt.

454  Siehe hierzu zum Beispiel Mintzberg (1983), Pfeffer (1992) und French und Raven (1959), S. 117-134.

455  March (1962), S. 145.

456  Siehe Postlewaite et al. (2002), S. 3.

457  Vergleiche Richter und Furubotn (1999), S. 430.

458  Pettigrew (1973).

459  Siehe Williamson (2000), S. 9.

460  Blackler und McDonald (1999), S. 15; vergleiche insbesondere auch die empirische Studie zu Wissen und Macht bei: Robertson und Swan (1998), S. 548 ff.

461  Rajan und Zingalis (2000), S. 19.

462  Siehe auch Rifkin (2000), S. 98.

463  Vergleiche den obigen Abschnitt zu den Verfügungsrechten, sowie Rajan und Zingalis (2000), S. 19.

464  Zu den relevanten Attributen zur Beschreibung der Transaktionen zwischen den Parteien siehe Williamson (2002), S. 15.

465  Siehe insbesondere Bosetzky (1972), S. 382.

466  Siehe Richter und Furubotn (1999), S. 430, und vergleiche auch den obigen Abschnitt zum Machtfaktor Wissen.

467  Blackler und McDonald (1999), S. 1, sprechen von Wissensteilung in „not (...) a frictionless way“, vergleiche Eckert (2004), S. 321, Steinmann und Schreyögg (1981), S. 533.

468  Richter und Furubotn (1999), S. 80.

469  Hume (1739), S. 228.

470  Richter und Furubotn (1999), S. 85.

471  Vergleiche ebd., S. 81.

472  Siehe Ricketts (2002), S. 417-418.

473  Hiervon zu differenzieren sind weiterhin die Nicht-hci-Unternehmen, die jedoch nicht Gegenstand der Analyse sind.

474  Ricketts (2002), S. 417.

475  Vergleiche zum Beispiel Ricketts (2002), S. 407.

476  Ricketts (2002), S. 511, betrachtet diesen Fall auch im Kontext der „Public Policy and Economic Organisation“-Diskussion, in der unter anderem die humankapitalintensive Unternehmung mit ihren Investitionen als Ganzes dem potenziellen Opportunismus der Politik ausgesetzt ist.

477  Vergleiche Postlewaite et al. (2002), S. 3 ff.

478  Ebd., S. 9.

479  Richter und Furubotn, (1999), S. 174.

480  Betrachtet wird das Problem der Humankapitalinvestition durch das Management, Träger von Primärhumankapital im Rahmen der Problematik „Trennung von Kapital und Kontrolle“.

481  Vergleiche Ricketts (2002), S. 37.

482  Ebd.

483  Hansmann (1997), S. 6.

484  Zu den adversen Effekten von Kontrollzuweisung einerseits und Anreizen zu Humankapitalinvestitionen siehe Bolton und Scharfstein (1998), S. 107 ff.

485  Unternehmer im Schumpeterschen Sinn, siehe Ricketts (2002), S. 65-69.

486  Siehe Ricketts (2002), S. 236.

487  BLS (2000).

488  Vergleiche hierzu Stone (2001), S. 2 ff.

489  Stone (2001), S. 3 ff.

490  Siehe insbesondere Grossmann und Hart (1986).

491  Siehe hierzu Ricketts (2002), S. 119.

492  Blackler und McDonald (1999), S. 8.

493  Siehe hierzu das Beispiel bei Ricketts (2002), S. 286.

494  Vergleiche Ricketts (2002), S. 119.

495  Dies ist eine Basis der Argumentation pro Arbeitnehmereigentümerschaft, siehe auch Blair (1995).

496  Vergleiche Ricketts (2002), S. 350.

497  Hierbei ist explizit die drohende Fusion, Organisationsstrukturänderung mit der impliziten Wertveränderung als Anreiz zu nennen: siehe Postlewaite et al. (2002), S. 9.

498  Zingalis (2000), S. 4 ff.

499  Siehe Richter und Furubotn (1999), S. 430.

500  Alchian (1984), S. 12.

501  Rajan und Zingalis (2000), S. 19.

502  Siehe hierzu Richter und Furubotn (1999), S. 82 ff. und S. 137 ff. sowie die dort angegebene Literatur.

503  Vergleiche Richter und Furubotn (1999), S. 185.

504  Ebd., S. 182.

505  An dieser Stelle sei auf den die Lösungsfindung erschwerenden Dissens über die normativen Grundlagen in der wirtschaftswissenschaftlichen Diskussion hingewiesen bei: Blair (1995a), S. 12 ff., Blair (1995b), S. 16 ff., Kay und Silverston (1995), S. 84 ff.

506  Richter und Furubotn (1999), S. 182.

507  Vergleiche Ebd., S. 182 und 185.

508  Vergleiche Richter und Furubotn (1991), S. 24 ff.

509  Vergleiche Williamson (1985).

510  Vergleiche Ricketts (2002), S. 265.

511  Ricketts (2002), S. 265.



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04.09.2007