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Vorwort

„Es ist die Wirklichkeit, welche die Möglichkeiten weckt, und nichts wäre so verkehrt, wie das zu leugnen. Trotzdem werden es in der Summe oder im Durchschnitt immer die gleichen Möglichkeiten bleiben, die sich wiederholen, so lange bis ein Mensch kommt, dem eine wirkliche Sache nicht mehr bedeutet als eine gedachte. Er ist es, der den neuen Möglichkeiten erst ihren Sinn und ihre Bestimmung gibt, und er erweckt sie“ (Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften).

Im Rückblick gesehen begann ich mich für den Zusammenhang zwischen Kulturwissenschaften, Sozialwissenschaften und Naturwissenschaften in dem Augenblick zu interessieren, als ich ein noch unbestimmtes Gefühl dafür entwickelte, dass es nicht nur Wissenschaft, sondern Wissenschaften gibt. Als Studentin entschied ich mich aus einem kognitiven Sicherheitsbedürfnis heraus für die Naturwissenschaft. Die Hoffnung, damit auf einer soliden, „objektiven“ Basis zu stehen, wurde bald enttäuscht, ohne dass damit schon Alternativen in Sicht gewesen wären. Schließlich entstand im Laufe meines Molekularbiologiestudiums auch ein immer dringlicher werdendes Legitimationsproblem: Qui bono? fragte ich mich, während ich die technischen Details der Agrobakterium tumefaciens Methode zur Erzeugung transgener Pflanzen mit den Möglichkeiten der DNA Kanone verglich.

In dieser Situation lernte ich Univ. Prof. Marina Fischer-Kowalski kennen, die damals, 1991, gerade dabei war, am Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der Universitäten Graz, Innsbruck, Klagenfurt und Wien eine Arbeitsgruppe „Umwelt“ aufzubauen, aus der später die Abteilung Soziale Ökologie des IFF werden sollte. Marinas Einladung, Mitglied dieser Arbeitsgruppe zu werden, bin ich gerne gefolgt, auch weil ich darin eine Möglichkeit sah, meinen alten Wunsch nach dem „großen Blick“ noch einmal und diesmal professioneller aufzugreifen. Marina hat mich seither, mit der ihr eigenen Mischung aus intellektueller Schärfe, emotionaler Wärme und scheinbar unerschöpflicher Energie gefördert, gefordert, begleitet und unterstützt. Sie hatte die Geduld, einer Naturwissenschaftlerin Verständnis für soziale Prozesse und theoretische Soziologie zu vermitteln und mir dabei dennoch intellektuelle Freiheit zu lassen. Sie hat mir in unzähligen Gesprächen inhaltliche Anregungen gegeben und mich mehr als einmal aus einer gedanklichen Sackgasse herausgeholt.

Robert Musil sagt im Mann ohne Eigenschaften „Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch Möglichkeitssinn geben“. Was er damit genau meinte, ist obigem Zitat zu entnehmen, das ich eigens für Marina ausgewählt habe. Marina Fischer-Kowalski hat nämlich einen ausgeprägten Möglichkeitssinn, und ihre Risikobereitschaft, diesem zu folgen, und nicht dem Wirklichkeitssinn, hat meine wissenschaftliche Entwicklung in den letzten zehn Jahren ermöglicht. Dafür danke ich dir Marina.

Interdisziplinäre Arbeiten stehen nicht nur vor konzeptuellen Problemen, sondern vor allem auch vor institutionellen. Univ. Prof. Thomas Macho danke ich dafür, dass er mir für dieses [Seite 8↓]interdisziplinäre Dissertationsvorhaben eine akademische Heimat geboten hat, die ich damals in Österreich nicht gefunden habe.

Begreift man Interdisziplinarität nicht nur als Schlagwort, so wird schnell klar, dass eine Überbrückung von Natur- und Humanwissenschaften nicht von Einzelpersonen, sondern nur von einem Team geleistet werden kann. Der Boden, auf dem die vorliegende Arbeit wachsen konnte, wurde vom Wiener Team Soziale Ökologie in vielen Jahren intensiver Zusammenarbeit bereitet.

Ich danke allen KollegInnen und FreundInnen der Abteilung Soziale Ökologie, ohne sie hier alle aufzuzählen. Mein besonderer Dank gilt Willi Bruckner, Fridolin Krausmann, Helmut Haberl und Verena Winiwarter, mit denen ich zu verschiedenen Zeiten besonders intensive und fruchtbare Phasen der Zusammenarbeit erlebte, und die mich immer wieder in kritischen Situationen unterstützten; und ich danke Barbara Smetschka, ohne deren kenntnisreiche und geduldige Hilfe in der Schlussphase ich meine Dissertation niemals hätte abschließen können.

Mit einem Mitglied des Teams verbindet mich eine besondere Beziehung. Heinz Schandl wurde mir 1995 als Zimmerkollege zugeteilt und ich habe bald erkannt, was für ein Glücksfall das war. Als Soziologe mit einem ausgeprägten Verständnis für Naturwissenschaften konnte er mit Leichtigkeit an meine Überlegungen anschließen und mir immer wieder neue Blickwinkel eröffnen. Heinz hat mir die Feinheiten soziologischen Denkens und der Reflexion sozialer Prozesse beigebracht. Als glänzender Lehrender hat er mir im Rahmen vieler gemeinsamer Lehrveranstaltungen gezeigt, wie Gruppen­kommuni­kation funktionieren kann und mir dadurch die Entwicklung eines professionellen Lehrprofils ermöglicht. Nirgendwo habe ich deutlicher erfahren, wie fruchtbar interdisziplinäre Kooperationen sein können, als in der jahrelangen intensiven Zusammenarbeit mit Heinz Schandl. Dafür und für deine Freundschaft danke ich dir, Heinz.

Für intensive Diskussionen, Hinweise auf Literatur, Ermutigungen und für ihr anhaltendes Interesse an meiner Arbeit danke ich folgenden Personen: Prof. Ted Benton, Essex, Prof. Faye Duchin, Troy, New York, Prof. John Bellamy Foster, Eugene, Oregon, Prof. Joop Goudsblom, Amsterdam, Prof. John Gowdy, Troy, New York, Prof. Joan Martinez-Alier, Barcelona, Prof. Jürgen Pelikan, Wien, Prof. Eugene Rosa, Pullman, Washington und Prof. Rolf Peter Sieferle, St. Gallen.

Aurora, Cornel, Harald, Martin, Michi, Peter, Pier-Paolo und Ulli danke ich für Unterstützung, Interesse und Wohlwollen vielfältigster Art.

Schließlich danke ich meinem Mann Fritz Kragler dafür, dass er mich im Sommer 2001 durch die schwierigste Phase dieses Dissertationsvorhabens so liebevoll begleitet hat.

Helga Weisz

Wien, Dezember 2001


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07.01.2005