[Seite 67↓]

5.  Zusammenfassung

Die Bedeutung des Polymorphismus des NAT-Genotyps als eines eigenständigen Risikofaktors in der Ätiopathogenese des Mammakarzinoms ist derzeit Gegenstand kontroverser Diskussionen.

In dieser Studie sollte die Häufigkeit hereditärer Polymorphismen an den Genorten der NAT2 im Vergleich mit einer altersgematchten Kontrollgruppe untersucht werden.

Dies sollte zum einen die Frage nach einer möglichen Überrepräsentierung des Langsam- oder Schnell-Acetylierers bei Mammakarzinompatientinnen beantworten.

Zum anderen sollte überprüft werden, ob der NAT-Genotyp das Tumorrisiko bei Frauen mit bekannten Risikofaktoren (Menopausenstatus, Dauer der Menstruation, Alter) erhöht. Auch die Assoziation zwischen NAT-Genotyp und Nikotinabusus wurde dabei untersucht, sowie die Assoziation mit Blutgruppenmerkmalen.

Schliesslich sollte überprüft werden, ob der NAT-Genotyp mit bestimmten Merkmalen des Mammakarzinoms (Hormonrezeptorstatus, Grading, TNM-Stadium, Histologie) korreliert ist, d.h. es sollte untersucht werden, inwieweit ein bestimmter NAT-Genotyp modulierenden Einfluss auf die besondere Ausprägung bestimmter Tumormerkmale besitzt.

In Übereinstimmung mit der jüngeren Literatur (Ambrosone et al.1996, Hunter et al.1997 und Millikan et al.1998; Huang et al.1999) zeigte vorliegende Studie, dass eine signifikante Überrepräsentierung eines bestimmten NAT2-Genotyps beim Mammakarzinom nicht zu beobachten war.

Sie zeigte, dass der NAT2-Genotyp keinen unabhängigen Suszeptibilitatsfaktor in der Ätiopathogenese des Mammakarzinoms darstellt. Lediglich ein Trend zu einem leichten Überwiegen der schnellen Acetylierer bei Mammakarzinomfällen im Vergleich mit den nicht Tumor-erkrankten Kontrollen war erkennbar.


[Seite 68↓]

Auffallende Befunde dieser Arbeit stellen die nachweisliche Assoziation zwischen Tumorhistologie und Hormonrezeptorstatus einerseits und dem NAT2-Genotyp andererseits dar.

Danach prädisponiert der schnelle NAT2-Genotyp Frauen zu einem Mammakarzinom mit invasiv-lobulärer Histologie und mit positiven Hormonrezeptorstatus. Diese Befunde wiesen am ehesten auf Besonderheiten im Pathomechanismus der Karzinogenese des Brustkrebses hin, die weiterer Abklärung bedürfen.

In Verbindung mit dem zusätzlichen Risikofaktor Zigarettenrauchen war eine leichte Zunahme der Schnell-Acetylierer mit steigendem Zigarettenkonsum (PY) zu beobachten. Diese Assoziation war jedoch ohne statistische Signifikanz.

Auffallend war die hohe Frequenz der Schnell-Acetylierer bei Trägern der Blutgruppe B (n=21). Hierzu fehlen Vorbefunde aus der Literatur. Eine Wertung dieses Befundes erscheint schwierig.

Mit Rücksicht auf die in den letzten 5 Jahren sämtlich prospektiv durchgeführten, genotypischen Studien mit grossen Fallzahlen besteht ein überwiegender Konsens darüber, dass dem Polymorphismus des NAT-Genotyps als einem unabhängigen Risikofaktor in der Entstehung des Mammakarzinoms keine mit den beim Brustkrebs bekannten Risikofaktoren vergleichbare Bedeutung zukommt.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 3.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
23.07.2004