6 Zusammenfassung

↓90

In den hier dargestellten Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass verschiedene Zelltypen aus der Epidermis (Keratinozyten, Melanozyten) und Dermis (Fibroblasten, mikrovaskuläre Endothelzellen) menschlicher Haut alle Komponenten des Renin-Angiotensin-Systems, also Angiotensinogen, Renin, ACE, AT1- und AT2-Rezeptoren exprimieren. Einzige Ausnahme: Melanozyten exprimieren keine AT2-Rezeptoren. Da also alle Komponenten des RAS in enger Lokalisation vorhanden sind, kann man davon ausgehen, dass in humaner Haut ein Gewebe-RAS vorhanden ist und dass humane Haut in der Lage ist, unabhängig von der Zufuhr zusätzlicher Komponenten und von regulatorischen Einflüssen aus der Zirkulation, Angiotensin II zu bilden. Die autonome Bildung von Ang II konnte im Rahmen dieser Arbeit direkt in Keratinozyten gezeigt werden und war durch IL-6 und EGF stimulierbar.

↓91

Die Arbeiten zeigten außerdem eine starke Expression der RAS-Komponenten in Spinaliomen und eine verminderte Expression in Basaliomen. In psoriatisch veränderter Haut war das Anfärbungsmuster innerhalb der Epidermis gegenüber normaler Haut verändert; im Gegensatz zur homogenen Expression aller untersuchten Komponenten in normaler Epidermis war in psoriatischen Läsionen die Expression im Bereich der oberen Schichten, insbesondere im Bereich des Stratum granulosum, vermindert. Außerdem zeigten die Infiltratzellen in den Papillenspitzen ein deutliches, positives Signal bei Inkubation mit allen verwendeten Antikörpern.

Aus diesen Ergebnissen lässt sich schließen, dass humane Haut ein komplettes, lokales RAS besitzt. Ang II kann in verschiedenen Zellen der Haut an spezifische Rezeptoren binden und so auf physiologische und pathophysiologische kutane Prozesse Einfluss nehmen. Zu den physiologischen Prozessen könnte die Regulation der Keratinozyten-Proliferation und -Differenzierung gehören. Bezüglich der pathophysiologischen Bedeutung ergaben sich deutliche Hinweise auf eine Fehlregulation des kutanen RAS in der Epidermis psoriatisch veränderter Haut. Dies könnte ein Hinweis auf eine pathogenetische Rolle des RAS für die gestörte Keratinozyten-Proliferation und -Differenzierung im Rahmen einer Psoriasis vulgaris sein. Das Expressionsmuster in den untersuchten Tumoren war uneinheitlich (Basaliom: verminderte Expression; Spinaliom: starke Expression), so dass eine Interpretation der Bedeutung des RAS für kutane Tumore ohne weitere Untersuchungen noch kaum möglich erscheint.

Mit den Ergebnissen dieser Arbeit wurde die Existenz eines kompletten hormonellen Systems, des Renin-Angiotensin-Systems, in humaner Haut belegt. Diese neue Erkenntnis sollte zum weiteren Verständnis physiologischer und pathophysiologischer Mechanismen in der Haut beitragen und möglicherweise zur Aufklärung pathogenetischer Zusammenhänge im Rahmen verschiedener Dermatosen wie z. B. der Psoriasis vulgaris führen.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
20.09.2006