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Einleitung

Bei der bibliothekarischen Grundversorgung einer Bevölkerung gilt seit längerem als Richtgröße das Angebot von 2 Medieneinheiten pro Einwohner. In Deutschland wurde diese Zielvorgabe beispielsweise im Bibliotheksplan 1973 veröffentlicht, also in einer Zeit in der es noch kein Internet gab. Aus bibliothekswissenschaftlicher Sicht ist dies ein interessanter Erfahrungswert, der allerdings bislang keine fundierte theoretische Begründung gefunden hat.

Daraus ergeben sich folgende Fragen: Welchen Einfluss hat:

  1. der Anteil der Alphabetisierung in einem Land auf diesen Wert,
  2. die Bevölkerungsdichte,
  3. die historisch gewachsene Kulturlandschaft,
  4. die Qualität der Angebote,
  5. die Kosten zum Betrieb einer Bibliothek,
  6. die Verfügbarkeit von Computern mit bzw. ohne Internetanschluss,
  7. die Verfügbarkeit von Telefonanschlüssen,
  8. der Anteil an Wissenschaftlern in diesem Land,
  9. die wirtschaftliche und kulturelle Dynamik des Landes
  10. die Digitalisierung und insbesondere das Internet?

Diese Fragen sind in besonderem Maße für ein Land wie China wichtig, das zur Zeit einen beeindruckenden Aufschwung erlebt, der mit einer adäquaten Informationsversorgung und einem zeitgemäßen Wissensmanagement, und insbesondere mit einer ökonomisch ausgewogenen Informationslogistik einhergehen muss. So kann man ohne Zweifel beobachten, dass neben den Informationen die in diesem Land wirksam werden, auch die modernen Informationstechnologien Platz greifen. Bildung und Wissenschaft konnten bisher erfahrungsgemäß nur mit einem leistungsfähigen Bibliothekssystem ermöglicht werden, das auf die besonderen Bedürfnisse des Landes abzustimmen war. Daraus ergibt sich auch die Frage, wie weit Parallelen mit anderen industrialisierten Staaten aufschlussreich sein können.

Als gesichert kann bereits angenommen werden, dass Entwicklungsländer nicht die gleiche Evolution durchlaufen werden, die die bereits hochindustrialisierten Länder hinter sich haben, weil die Digitalisierung der Information hier völlig neue Voraussetzungen geschaffen hat. Das Schlagwort vom „überholen ohne einzuholen“ [Seite 2↓]hat hier eine eigene Bedeutung. Trotzdem ist zu prüfen, welche Entwicklungslinien identisch sind und welche durch die allgemein beobachtbare digitale Konvergenz beeinflusst werden.

Es ist zunächst einleuchtend, dass ein Land, in dem nur ein sehr geringer Prozentsatz an Menschen lesen, schreiben und rechnen kann, weniger Bücher braucht, als ein Land in dem fast alle erwachsenen Bewohner täglich lesen. Überspitzt könnte man sogar die Hypothese aufstellen, dass ein Land in dem es nur Analphabeten gibt, keine Bibliotheken gebraucht werden. Doch abgesehen davon, dass es so extrem unterentwickelte Staaten kaum geben kann, würden diese so auch nie zu einer Alphabetisierung gelangen. Es ist somit zunächst gleichgültig, ob man Bibliotheken zur Alphabetisierung oder zur Vermeidung von Analphabetentum einsetzt, da jede neu heranwachsende Generation wieder lesen und schreiben lernen muss. Es ist somit eine Frage, ob die Zahl an zwei Büchern pro Kopf in Ländern mit hohem Analphabetenanteil niedriger liegen muss, wenn dieser Anteil möglichst rasch abgebaut werden soll.

Wie weit Bücher im Privatbesitz, in Wissenschaftlichen Bibliotheken (WB) oder im allgemein verfügbaren Angebot einer Öffentlichen Bibliothek (ÖB) sein müssen, ist:

  1. eine Frage der Reproduktionskosten,
  2. eine Frage der Personalkosten und der Rationalisierung in Bibliotheken und
  3. eine Frage der Archivierungssicherheit.

Die letzte Frage lässt sich zunächst am einfachsten beantworten, weil man in erster Näherung von einer einfachen Relation ausgehen kann. Je mehr Kopien einer Publikation in dieser Welt vorliegen, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie auch über längere Zeit überlebt. Darum hat man in früherer Zeit Bücher und andere Schriften mit hohem Aufwand geschützt, weil sie Raritäten waren. Dagegen geht man heute mit unzähligen Publikationen geradezu leichtfertig um, wenn man annimmt, dass sie tausend- oder millionenfach existieren. Dies kann allerdings sehr verführerisch sein, weil schon so manches Dokument auf diese Weise unbewusst zur Rarität wurde. Insofern muss sich die Bibliothekswissenschaft diesem Problem verstärkt zuwenden, bei dem eine Reihe von Faktoren zu berücksichtigen sind. Publikationszahl, Haltbarkeit des Informationsträgers, Möglichkeiten der Reproduktion, Bedeutung für die Nachwelt, Gefährdung des Bestandes, Authentizität, rechtliche Bedingungen, Verantwortlichkeiten, etc. gehen hier mit ein, [Seite 3↓]und sind als eine Frage der jeweiligen „Nationalökonomie des Geistes“1 einzuschätzen.

Die Produktion von Informationsträgern ist im Laufe der Jahrhunderte immer preiswerter und auch vielseitiger geworden, nachdem Holz- Ton- und Wachstafeln vom Papyrus und Pergament, und später insbesondere durch das Papier abgelöst worden war. Es ist eine interessante Frage, ob sich das Christentum oder auch die chinesische Kultur in dieser Form entwickelt hätte, wie wir es im historischen Rückblick beobachten, wenn die Erfindung des Papiers in China nicht ein Jahrtausend lang geheim gehalten worden wäre. Da sich anderenfalls die Vervielfältigung des Wissens sehr viel rascher hätte ausbreiten können.

Die in Europa typischen Klosterbibliotheken, die Bücher wie Kunstschätze behandelten, weil sie wahre Kostbarkeiten waren, und deren Pergament lange Zeit einen stark limitierenden Faktor bildeten, hätten sich zweifellos anders gestaltet, wenn man schon früher einen weitaus preiswerteren Beschreibstoff hätte nutzen können. Damit wären aller Wahrscheinlichkeit nach die Bibliotheken im Abendland weniger solitär gewesen, und der Analphabetismus, der im Mittelalter, gegenüber der Römerzeit, anstieg, hätte sich eher verringert.

Das zwanzigste Jahrhundert hat dann durch seine Vielzahl an Neuen Medien, die gleichzeitig eine Miniaturisierung der Informationsspeicher mit sich brachte, die Speicherung von Information immer billiger gemacht, so dass die Verbreitung von Publikationen immer einfacher wurde, bis hin zur Digitalisierung in der nun fast ohne Zeitverzug eine Publikation über die gesamte Erde in Millionenhöhe verbreitet werden kann. Wenn man in diesem Zusammenhang von Publikationen in Millionenhöhe spricht, kann dies nicht mehr mit der Auflage von Büchern gleichgesetzt werden, sondern nur noch als Zahl der Aufrufe von Webseiten. Daneben konnte aber auch die Papierproduktion so weit industrialisiert werden, dass sogar bedruckte Bücher in Millionenhöhe erscheinen.

Wir beobachten damit einerseits eine immer stärkeres Anwachsen verfügbarer publizierter Information in privaten Haushalten, wie auch in immer mehr Bibliotheken in dieser Welt.


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Waren früher Bibliotheken ein Privileg einer kleinen intellektuellen Elite, die nicht selten auf die Staatsregierung begrenzt blieb, so müssen wir heute von einigen hundert Millionen Architekten, Ärzten, Ingenieuren, Juristen, Studierenden oder wissenschaftlich Tätigen ausgehen, die größere eigene Bestände an Publikationen ansammeln.

Historisch begann die Kumulation von Publikationen in Hauptstädten oder Regierungsbezirken aus zwei Gründen:

  1. weil sich dort die geistige Elite zwangsläufig konzentrierte
  2. weil das Publikationswesen fast ebenso zwangsläufig die Abgabe eines Pflichtexemplars erforderte – einerseits zum Schutz von Urheberrechten und andererseits zur Überwachung dessen, was da in einem Lande an Information verbreitet wurde.

Aus solchen ersten zentralen Archivsammlungen, wie beispielsweise schon in Alexandria, haben sich viel später in fast allen Ländern Nationalbibliotheken gebildet, die aber nur wenig zur allgemeinen Informationsversorgung der jeweiligen Bevölkerung beitragen konnten. Sie waren eher der Versuch das Wissen des eigenen Landes, und soweit möglich auch das der Welt zu erfassen.

Damit wird erreicht, überflüssige Doppelarbeit zu verhindern und im Wissenswettbewerb die eigenen Stärken zu erkennen. Weitgehend unterschätzt wird dabei meist die beobachtbare Tatsache, dass der größte Einsparungsfaktor einer Bibliothek darin liegt, zu erkennen, was man nicht zu erforschen oder auch nicht zu lesen braucht, weil man rasch sieht, was noch sinnvoller zu tun oder zu studieren wäre.

Mit der wachsenden Wissenschaft sind in den industrialisierten Ländern neben den Nationalbibliotheken immer mehr Universitätsbibliotheken und Spezialbibliotheken entstanden, die sich überall dort ausbreiteten, wo wissenschaftliche Zentren entstanden. Sie setzten aber voraus, dass genügend Kinder lesen, schreiben und rechnen lernen, damit eine ausreichende Zahl an Wissenschaftlern entstehen konnte.

Geht man beispielsweise von deutschen Verhältnissen aus, bei denen die Gründung einer ÖB bei etwa 10.000 Medieneinheiten beginnt, und damit bei einer Bevölkerung von rund 5.000 Einwohnern in der Umgebung dieser Bibliothek, so wird diese Bibliothek statistisch betrachtet von etwa 10%, d.h. 500 Personen regelmäßig besucht. Das ist zunächst in erster Linie der Anteil an Kindern und Jugendlichen, die damit ihren Lesebedarf decken.


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Jeder Bibliotheksbenutzer hat damit eine jeweilige Auswahl von eins zu zwanzig, bzw. bei der Ausleihe von zwei Medien gleichzeitig, von 1 zu 10. Andererseits kann er über kurz oder lang aus zehntausend Informationsmedien, seiner individuellen Begabung folgend, das ausleihen, was ihn persönlich interessiert. Er kann damit seine Begabungen nicht nur erkennen, sondern auch selbst fördern, wenn man nicht davon ausgeht, dass alle Menschen das Selbe lesen müssen, wie es in der Geschichte immer wieder aus ideologischen Gründen erzwungen werden sollte.

Die Lesedifferenzierung setzt allerdings erst bei einem bestimmten Alter der Kinder ein, nämlich dann, wenn sie zu Jugendlichen werden. Betrachtet man die Verbreitung von Kinder- und Jugendbüchern, wie Harry Potter, von Joanne K. Rawlings, oder die Fünf Freunde von Enid Blyton, so wird an deren ubiquitärer Verbreitung deutlich, dass die Phantasien und Bedürfnisse auf diesem Gebiet weltweit stark übereinstimmen. Bücher dieser Art erfüllen daher zwei Funktionen. Sie machen den jungen Lesern deutlich, wie weit ihre Phantasien und Vorstellungen von dieser Welt mit denen anderer Menschen übereinstimmen, und sie gewinnen bei solch leichter Lektüre ein gewisses Maß an notwendiger Leseperfektion.

Ein gleicher Bestand in privaten Bibliotheken, wäre zunächst rein rechnerisch um den Faktor 5.000 teurer als die 2 Bücher pro Kopf. Sogar dann, wenn nur 10 Prozent der Bevölkerung eine Bibliothek mit durchschnittlich 2.000 Bänden besäßen, läge die Einsparung noch immer bei dem Hundertfachen.

Nun darf man nicht vergessen, dass die Verwaltung, Ausleihe und Archivierung einer solchen Öffentlichen Bibliothek, bezogen auf den jeweiligen Buchpreis, die Bestandskosten einer heutigen ÖB etwa um das Fünffache erhöht, so dass die Einsparung von einhundert etwa auf das Zwanzigfache sinkt. Dies ist aber noch immer ein unübersehbarer Rationalisierungseffekt in der Informationsversorgung eines Staates. Bei einer solchen Rationalisierung des Informationsangebots darf auch nicht übersehen werden, dass Bücher in ÖBs etwa fünfzig mal ausgeliehen werden, und damit eine weitaus bessere Ausschöpfung der vorhandenen Informationsressource Papier bedeutet, als ein Buch, das in privatem Besitz nur ein, zwei oder drei mal gelesen wird. Hinzu kommt, dass Länder mit geringeren Personalkosten günstiger abschneiden, und solche mit höheren Personalkosten ein zunehmendes Potential an Automatisierung im sog. Self-Service-Bereich besitzen. Der wohl wichtigste Faktor, der auch in Zukunft noch für die Etablierung von ÖBs spricht, ist die fachliche Beratung und Betreuung der Leser.


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Ohne Zweifel führt die gravierende Verbilligung der Informationsspeicherung und ‑übertragung durch die digitalen Medien dazu, dass nicht nur immer mehr Bibliotheken entstehen und auch wirtschaftlich betrieben werden können, sondern, dass auch immer mehr private Haushalte sich eigene Informationssammlungen leisten können. Wenn beispielsweise ganze Bibliotheken in Form von Textsammlungen auf einer CD-ROM oder auch umfangreiche multimediale Lexika für wenige Cent vertrieben werden können, so gibt es auch aus bibliothekswissenschaftlicher Sicht keinen Grund, eine solche Entwicklung bremsen zu wollen. Im Gegenteil, sie ist zu fördern und in die Bibliotheksplanung mit einzubeziehen, denn sie setzt voraus, dass in solchen privaten Haushalten auch Computer zur Nutzung solcher Bibliotheken und Lexika stehen müssen. Diese Computer können aber wiederum zur Nutzung der Bibliothek eingesetzt werden.

Insofern hat in einem solchen Szenario die Bibliothek zwei Funktionen:

  1. eine Funktion für alle die, die sich noch keinen eigenen Computer leisten können und eine allgemeine literacy erwerben müssen,
  2. eine Funktion für alle die, die Beratung in dieser modernen multimedialen Landschaft brauchen und damit auch eine Computer- und multimedia literacy erwerben müssen.

Bei einem allgemeinen Wachstum der Literatur von 3,5% jährlich, und damit einer Verdopplungsrate von zwanzig Jahren, müsste eine ÖB mit nur 10.000 Bänden jährlich 350 Neuerwerbungen verzeichnen. Die Beobachtungen im Bibliothekswesen lassen allerdings eher geraten erscheinen, dass das Wachstum einer Bibliothek nur halb so rasch fortschreitet, weil die andere Hälfte des Wachstums aus informationslogistischen Überlegungen auf Bibliotheksneugründungen übergehen sollte, damit der Zugang möglichst allgemein erleichtert wird. Geht man daher von 175 jährlichen Neuerwerbungen für 500 Benutzer aus, und davon, dass ein Buch durchschnittlich zehn mal pro Jahr ausgeliehen werden kann, so stehen etwa 1.750 Ausleihmöglichkeiten den 500 Benutzern mit beispielsweise je 20 Ausleihen gegenüber, wenn man als Durchschnitt 10 Ausleihen pro Jahr mit je zwei Büchern annimmt. Damit könnte jeder Benutzer 11 Prozent der Neuerwerbungen ausleihen und hätte somit bei der neuesten Literatur eine Selektionsmöglichkeit von etwa 1 zu 10.

Mit fortschreitendem Alter und zunehmender Spezialisierung wächst der Bedarf an Fach- bzw. wissenschaftlicher Spezialliteratur in einer Bevölkerung, so dass bei einer Annahme eines Anteils von etwa 1% Wissenschaftlern, wie in Deutschland, diese mit etwa weiteren 2 Büchern pro Kopf aus Wissenschaftlichen Bibliotheken versorgt [Seite 7↓]werden, was mit etwa 200 Büchern pro Wissenschaftler zu Buche schlägt. Bezogen auf die akademisch ausgebildete Bevölkerung mit Architekten, Ärzten, Höheren Verwaltungsbeamten, Ingenieuren, Juristen, etc. steigt allerdings die Nutzungsdichte dieses Medienangebots einer Bibliothek erheblich.

Die hier gemachten Ausführungen soll daher zur Überprüfung der Arbeitshypothese führen, inwieweit eine Allgemeinversorgung einer Bevölkerung mit etwa zwei Medieneinheiten pro Kopf weitgehend unabhängig vom Alphabetisierungsgrad eines Landes ist, und in welchem Maß die Zunahme an Akademikern Anlass für einen steigenden Bedarf ist.

Betrachtet man dabei Statistiken zu Analphabeten, Ärzten, Bibliotheken, Computerbesitzern, Internetnutzern und -nutzung, so zeigen sich rasch erhebliche Diskrepanzen, die nur durch eine Modellbildung in sinnvolle Relationen gebracht werden können.

Wenn man beispielsweise von 500.000 Bibliotheken auf der gesamten Erde ausgeht in denen etwa 10 Mrd. Medieneinheiten befinden, so entspräche dies bei einer Weltbevölkerung von etwa 5 Mrd. Menschen zwei Medieneinheiten pro Kopf, und 20.000 Medieneinheiten pro Bibliothek. Bedenkt man, dass hier kleine ÖBs mit nur 2.000 Büchern ebenso eingeschlossen sind, wie die 100.000 Schulbibliotheken der USA oder auch die dortige Library of Congress (LC) mit mehr als 100 Mio. Einheiten, so erscheint dies durchaus realistisch.

Auch die Zahl von rund hundert Millionen Buchtiteln insgesamt erscheint realistisch, wenn man bedenkt, dass bei der LC etwa 20 Prozent der Medieneinheiten Bücher sind. Eine solche Annahme führt dementsprechend zu der Folgerung, dass ein durchschnittliches publiziertes Buch in etwa 100 Bibliotheken dieser Welt steht. Wobei einige wenige Bücher sicher tausendfach und viele andere nur einige wenige Male archiviert werden.

Sicher ließe sich auch eine noch höhere Zahl an Bibliotheken auf dieser Erde annehmen, wenn man kleinere Leseangebote mit in die Betrachtung einbeziehen würde, die wir dann allerdings kaum noch als Bibliotheken bezeichnen können. Entsprechend schwanken auch die Angaben über die Zahl der Bibliotheken in China zwischen einigen wenigen Tausend und Zweihunderttausend. Die Angabe, ein Land habe eintausend oder auch zweitausend Bibliotheken hängt sehr stark davon ab, ob man bei einer Stadtbibliothek mit zehn Zweigbibliotheken von einer oder von elf Bibliotheken spricht.


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Bewertet man Bibliotheken vorwiegend nach ihren Ausleihzahlen, so wird diese Angabe mit zunehmenden Freihandbeständen und verlängerten Öffnungszeiten weniger aussagekräftig. Insbesondere in Wissenschaftlichen Bibliotheken beobachtet man, wie bereits in der aufsehenerregenden Pittsburgh-Study der siebziger Jahre gezeigt wurde, dass etwa 40% aller neu erworbenen Bücher innerhalb von 7 Jahren nie ausgeliehen wurden. Durch den immer häufiger werdenden Zugriff auf digital gespeicherte Volltexte, e-Journals und OPACs über Terminals wird nun auch die Zahl an persönlichen Besuchen in Bibliotheken immer weniger aussagekräftig.


Fußnoten und Endnoten

1 Harnack, A.: Die Professur für Bibliothekswissenschaften in Preußen. Vossische Zeitung 27.7.1921:218-220.



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11.08.2004