1 Die Entwicklung des Internets in China

1.1 Statistiken über die Entwicklung des Internets in China

Das Internetverändert die Lebensweise und auch das Bibliothekswesen weltweit. Das Internet hat sich in den letzten Jahren in Deutschland in beeindruckender Weise entwickelt. Die Zahl der Internetnutzerinnen und –nutzer hat sich in 3 Jahren von rd. 14 Mio. Ende 1998 auf über 30 Mio. Ende 2001 mehr als verdoppelt. Alle Schulen waren bis Herbst 2001 mit einem Internetzugang ausgestattet, im Vergleich zu nur 15% nach einer von der Europäischen Union im Jahr 1998 veröffentlichten Untersuchung.1 Wie ist die Situation in China?

Im November 1997 hat das CNNIC (China Internet Network Information Center) zum ersten Mal Statistiken über die Entwicklung des Internets in China veröffentlicht.2 Nach dieser Statistik gab es in China bis zum 31. Oktober 1997 mehr als 290.000 PCs mit Internetzugang, 620.000 Internetbenutzer, 4.066 registrierte cn-Domains, 1.500 Websites und 18.64 Mbps-Bandbreite für internationale Outlets.

In einer zweiten Statistik vom Juli 1998 wurden für die Zeit bis zum 30. Juni 1998 bereits mehr als 542.000 PCs mit Internetzugang und 1.175.000 Internetbenutzer, 9.415 registrierte cn-Domains, 3.700 Websites und 84.64 Mbps-Bandbreite für internationale Outlets ausgewiesen.

Nach der dritten Statistik vom Januar 1999 gab es in China bis zum 31.Dezember 1998 mehr als 747.000 PCs mit Internetzugang und 2.1 Millionen Internetbenutzer, 18.396 registrierte cn-Domains, 5.300 Websites und 143.256 Mbps-Bandbreite für internationale Outlets.

Nach der vierten Statistik vom Juli 1999 schließlich gab es in China bis zum 30 Juni 1999 mehr als 1,47 Millionen PCs mit Internetzugang und 4 Millionen [Seite 18↓]Internetbenutzer, 29.045 registrierte cn-Domains, 9.906 Websites und 241Mbps-Bandbreite für internationale Outlets.

1.2 Chronologischer Überblick, unter Berücksichtigung der Zusammenarbeit mit Deutschland, Kanada und den USA

20. September 1987:

Professor Qian Tianbai 3, damals Professor in Peking und der zuständige Leiter des Projekts des CANET (Chinese Academic Network) verschickte die erste e-Mail, die den Text „Crossing the Great Wall to join the World“ enthielt. Dies wird allgemein als Beginn der Internetnutzung in China angesehen.4 Das CANET basierte auf einer E-mail-Verbindung zum amerikanischen Computer Science Network (CSN), welches bis 1993/94 in Zusammenarbeit mit der Universität Karlsruhe betrieben wurde. Es entstand ab 1986 als Kooperation zwischen dem ICA (Beijing Institute for Computer Applications) und der Universität Karlsruhe.

Dezember 1988:

Das Campus-Netz der Tsinghua Universität wird mit der „University of British Columbia“ in Kanada über ein sogenanntes X.25-Netzwerk verbunden, damit begann die Verwendung des X.400 Protokolls mit einem E-Mail Softwarepaket.

Mai 1989:

Das Chinese Research Network (CRN) wird über ein X.25-Netzwerk mit dem Deutschen Forschungsnetz (DFN) verbunden.

Oktober 1990:

Die Top-Level-Domain CN (für China) wird bei der DDN-NIC, ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Universität Karlsruhe, offiziell registriert5 und ist seit Januar 1991 in Gebrauch.6


[Seite 19↓]

2. März 1993 wurde ein 64K „dedicated circuit“ zum „Stanford Linear Accelerator Center“ offiziell eröffnet. Diese Verbindung wurde durch einen internationalen Satellitenkommunikationskanal, gemietet von AT&T, verknüpft.

1994 ist ein wichtiges Jahr in der Geschichte der Internet-Entwicklung.

20. April:

Die „National Computing and Networking Facility of China (NCFC)“ wird gegründet und über eine 64KB/s Verbindung (dedicated circuit) durch die „Sprint Co. of the United States“ an internationale Datennetze angeschlossen.7 Dadurch ist die direkte Verbindung zum Internet realisiert. Seit dieser Zeit ist China ein Internet-zugängliches Land. Die chinesische Presse-Gesellschaft würdigte den Internetzugang als eines der zehn wichtigsten wissenschaftlichen und technologischen Ereignisse Chinas.

15. Mai:

Das „High-Energy Physics Research Institute“ der CAS (Chinese Academy of Science) baut den ersten Webserver auf und stellt die ersten Web-Pages vor.

21. Mai:

„Das Computer Network Information Center“ hat in Zusammenarbeit mit CAS und der Karlsruher Universität China’s top Domain Name (CN) Servers eingerichtet.

September:

Die Chinesische Telecom und „Brown“ (später „U.S. Secretary of Commerce“ genannt) unterschrieb den „Sino-American Vertrag“. Mit diesem Vertrag wurden durch die Chinese Telecom zwei 64K dedicated circuits jeweils in Beijing und Shanghai eröffnet.

Oktober:

Die Arbeit am „China Education und Research Network (CERNET)“ beginnt. Das Projekt wird von der staatlichen Planungskommission (Guojia Jihua Weiyuanhui) finanziert und von der Staatlichen Bildungskommission (Guojia Jiaoyu Weiyuanhui) durchgeführt. Durch die fortgeschrittene Computer- und Netzwerkkommunikationstechnologien soll eine Basis für die landesweite Bildung und Forschung geschaffen werden, die meisten Colleges, Universitäten und Schulen [Seite 20↓]in ganz China verbindet. Dies soll durch die Konstruktion der Campus Networks geschehen, welches einen elektronischen Informationsaustausch innerhalb und zwischen den einzelnen Ausbildungseinrichtungen ermöglichen soll.

8. August 1995:

Das von CERNET aufgebaute Shuimu Qinghua BBS (Bulletin Board System)8 wird freigeschaltet. Es ist das erste virtuelle Kommunikationsforum9 Chinas.

1996:


[Seite 21↓]

11. Februar:

In der Anordnung Nr. 195 gibt der Staatsrat vorläufige Handlungsrichtlinien der Volksrepublik China für den Umgang mit dem Internet bzw. elektronischen Informationsnetzen heraus.

6. September:

Das „China Golden Bridge Network (ChinaGBN)“, eine 256K Standleitung (dedicated circuit), die China mit den USA verbindet, wird eingerichtet. ChinaGBN kündigt weiterhin an allgemeine Zugänge zum Internet einzurichten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf institutionellen Einrichtungen. Während für die großen Einrichtungen feste Standleitungen einrichtet werden, können sich Privatkunden über das normale Telefonnetzverbindungen in das Internet einwählen.

1997:

Das „Chinanet“ wird mit den drei anderen elektronischen Kommunikationsnetzen, dem „China Science Network“‚ dem „China Education and Research Network (CERNET)“ und dem „China Golden Bridge Network“ verbunden.

6. Januar 2000:

Mit der „Tongyuan Tibet Web Site“ wird die erste Webseite Chinas für ethnische Minderheiten online gestellt.

1.3 Die Halbjährige Umfrage über die Entwicklung des Internets in China im Vergleich mit Deutschland

Um diese Entwicklung deutlich zu machen, kann man die halbjährliche Umfrage über die Entwicklung des Internets in China darstellen. Die Umfrage analysiert die spezifische Situation in China und bietet einen Überblick über die Zugangs- und Nutzungsmöglichkeiten, Nutzerverhalten, und erfasst weitergehend die verschiedenen Nutzungsaspekte nach ihrer Beliebtheit. Die Information ist sowohl für die Entscheidungsträger der Regierung als auch für die kommerziellen Unternehmen von Interesse.

1.3.1 Umfang, Veranstalter und Methode der Umfrage

Die Statistik erfasst die folgenden Parameter:

  1. die gesamte Zahl des Hosts und der Internet Benutzer,[Seite 22↓]
  2. die Verteilung der Benutzer und die Informationsinfrastruktur,
  3. die Zahl der registrierten Domains,
  4. die internationale „Bandbreite“ des jeweiligen Netzes,
  5. die Gesamtzahl der Webseiten etc.10

Im Jahre 1997 wurde es vom „former informatization Office of state Council“ und „CNNIC Steering Committee“ beschlossen, dass eine Umfrage durch das CNNIC in Zusammenarbeit mit den anderen vier großen Network Organisationen Chinas11 durchgeführt werden sollte. An dieser Stelle soll darauf hingewiesen werden, dass die „Telecom Administration“, mit dem „Ministry of Information Industry“ (MII), und dem „State Informatization Office“ eine Dokument untergeschrieben hat, das entsprechende staatliche Organisationen auffordert, mit dem CNNIC zusammenzuarbeiten. Viele Organisationen, mit Webseiten und Medien, haben das CNNIC bisher unterstützt. Mit dieser Unterstützung konnten die Umfragen präziser und reibungsloser durchgeführt werden.12 Um eine Regelmäßigkeit der Erhebung zu gewährleisten, beschloss das CNNIC, die Umfrage im Januar und Juli jedes Jahres zu veröffentlichen. Von 1997 bis zum Januar 2003 hat CNNIC die Umfrage elf Mal durchgeführt und die Ergebnisse veröffentlicht. Die Berichte wurden sowohl innerhalb Chinas wie auch im Ausland weitreichend zitiert.

Gemäß der Statistikmethode13 und der internationalen Konvention integriert das CNNIC die bis dato bestehenden elf verschiedenen Umfragen. Sie übernahmen einige Methoden wie z.B. die automatische Online-Suche, Online-Umfrage und Sampling-Umfrage. Mit der Sampling-Umfrage wird versucht, die Gesamtzahl der chinesischen Internetnutzer, ihre Besonderheiten und das Verhältnis der Benutzung des Internets abzubilden. Da die Online-Umfrage die Situation der Internet-Benutzer und ihr Verhalten zu einigen beliebten Ausgaben vom Anfang Juni 2001 bis zum Ende Juni 2001 wiedergibt, hat das CNNIC die Online-Umfrage und die Sampling-Umfrage in Verbindung mit einigen berühmten inländischen Webseiten durchgeführt. Die Datenerhebung wird von größeren chinesischen ISPs (Internet Service Provider) [Seite 23↓]und CIPs (Catalogue in Print) unterstützt. Als Resultat der Online-Umfrage lagen 144.083 Antworten vor, von denen 78.342 in die Auswertung einbezogen werden konnten. Die Offline-Umfrage wurde als Telefoninterview im Sampling-Verfahren durchgeführt. Es wurden 4.828 Datensätze erhoben. Der absolute Fehler liegt unter 2%.

1.3.2 Die Ergebnisse der Umfrage

Anhand von zwei Reports, dem „Statistical Survey Report on the Development of Internet in China“ vom Juli 2001, abgeschlossen am 30. Juni 2001, und dem vom Januar 2003, wird diese Entwicklung analysiert.

1.3.2.1 Die Allgemeine Entwicklung: Computer Hosts, Internet-Benutzer, Registrierte cn-Domains

1.) Computer Hosts in China

Im Juli 2001: insgesamt ca. 10 Mio., von denen 1.630.000 „leased lines“ und 8.390.000 „dial-ups“ als Internetzugang verwenden. Bis zum Jan. 2003 ist die Zahl verdoppelt worden und zwar bis knapp 21 Mio. Computer Host.


[Seite 24↓]

Tabelle 114 Die Entwicklung der „Computer Hosts“ mit Internetanschluss

Date of Survey

Total Hosts

Leased Line Hosts

Dial-up Hosts

Oktober 1997

299.000

49.000

250.000

Juli 1998

542.000

82.000

460.000

Januar1999

747.000

117.000

630.000

Juli 1999

1.460.000

250.000

1.210.000

Januar2000

3.500.000

410.000

3.090.000

Juli 2000

6.500.000

1.010.000

5.490.000

Januar 2001

8.920.000

1.410.000

7.510.000

Juli 2001

10.020.000

1.630.000

8.390.000

Januar 2002

12.540.000

2.340.000

10.200.000

Das entspricht einer Verdopplungsrate bei den Hosts von etwa 10 Monaten.

Deutschland lag Ende 2001 bei der PC-Verbreitung mit 33 PCs je 100 Einwohner international im Mittelfeld. Nach vorliegenden Prognosen (BITKOM) soll die Penetrationsrate in Deutschland im Jahr 2004 bei etwa 45 PCs je 100 Einwohner liegen.15

2.) Internet-Benutzer16in China

Im Juli 2001 insgesamt 26 Mio. Die Zahl hat sich verdoppelt und betrug im Jan. 2003 schon 59 Mio.

Von diesen sind mehr als 4 Mio. (Juli 2001) und 20 Mio. (Jan. 2003) Benutzer über eine „leased line“17 und fast 18 Mio. (Juli 2001) und 40 Mio. (Juli 2001), durch „dial-up“ an das Internet angeschlossen. Etwa 4 Mio. Nutzer benutzten im Jahr 2001 beide Varianten und ca. 4 Mio. ISDN. Neben diesen gibt es noch eine weitere Mio. [Seite 25↓]Nutzer, die andere Geräte, z.B. mobile terminals oder information electrical appliances für den Zugang zum Internet einsetzen.

Tabelle 2 18: Die Entwicklung der Internetnutzer in China

Date of Survey

Total Users

Leased Line

Dial-up

Both

Oktober 1997

620.000

155.000

465.000

 

Juli 1998

1.175.000

325.000

850.000

 

Januar 1999

2.100.000

400.000

1.490.000

210.000

Juli 1999

4.000.000

760.000

2.560.000

680.000

Januar 2000

8.900.000

1.090.000

6.660.000

1.150.000

Juli 2000

16.900.000

2.580.000

11.760.000

2.560.000

Januar 2001

22.500.000

3.640.000

15.430.000

3.430.000

Juli 2001

26.500.000

4.540.000

17.930.000

4.030.000

Januar 2002

33.700.000

6.720.000

21.330.000

5.650.000

Das entspricht einer Verdopplungsrate bei den Nutzern von etwa 9 Monaten.

Deutschland nimmt in der ISDN-Verbreitung international einen Spitzenplatz ein. Jeder fünfte ISDN-Anschluss (20%) weltweit liegt in einem deutschen Haushalt oder Unternehmen. Angesichts des hohen Festnetz-Verbreitungsgrades (95% der Haushalt West, 92% der Haushalt Ost) verfügt Deutschland über ein hohes Internet-Potenzial.19

3.) Registrierte cn-Domains


[Seite 26↓]

Abbildung 6: AADN: Administration Area Domain Name20

4.) Die geographische Verteilung der WWW-Webseiten21

Die höchste Zahl an Websites wird für Peking angegeben (21,8%). Der Trend hält an. Bis zum Jan. 2003 war es 33% in Beijing. Es folgen die Provinz Kanton mit 14%, Shanghai mit 10,7% im Juli 2001 und 9% im Jan. 2003. Die weiteren Provinzen liegen alle unter 7%, wie z.B. die Küstenprovinz Jiangsu und Zhejiang im Osten mit 6% bzw. 5.3% bei denen auch nach zwei Jahren kein wesentlicher Zuwachs zu verzeichnen war. Im Westen und Nordwesten Chinas, den traditionellen Gebieten der chinesischen ethnischen Minderheiten, ist die Zahl deutlich geringer. So liegt der Anteil in den Autonomiegebieten Qinghai, Ningxia, Xinjiang und Tibet bei 2%.22 Die [Seite 27↓]Unausgeglichenheit der geographischen Verteilung des Internets bildet somit in gewisser Weise die Unterschiede in der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung innerhalb Chinas ab. In der heutigen globalen Informationsgesellschaft wird diese unausgeglichene Informationsverteilung die Weiterentwicklung der Gesellschaft voraussichtlich behindern.

Die gesamte Bandbreite der internationalen Standverbindung (leased international connection) lag bei 3.257 M im Juli 2001 und 9.380 M im Jahr 2003. Zu den Ländern, die direkt mit dem chinesischen Informationsnetz verbunden sind, zählen USA, Kanada, Australien, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Japan und Südkorea.

Tabelle 3: Die Entwicklung der „Bandwidth of Leased International Connections“

Date of Survey

The Total Bandwidth (M)

Oktober 1997

25

Juli 1998

85

Januar 1999

143

Juli 1999

241

Januar 2000

351

Juli 2000

1.234

Januar 2001

2.799

Juli 2001

3.257

Januar 2002

7.597

Das entspricht einer Verdopplungsrate bei der Bandbreite von etwa 6 Monaten.

Die genaue Verteilung der Bandbreite zwischen Internet-Verbindungen ist Folgende23:

CSTNET24 55M


[Seite 28↓]

CHINANET 2387M (5147M) Beijing 863M Shanghai 867M Guangzhou 657M

CERNET 117M (259M)

CHINAGBN 151M Beijing 51M Shanghai 49M Guangzhou 51M

UNINET 100M (1093M) Shanghai 47M Guangzhou 53M

CNCNET 355M (2469) Shanghai 200M Guangzhou 155M

CIETNET 2M

CMNET 90M (355) Beijing 45M Guangzhou 45M

CGWNET (Im Bau)

CSNET (Im Bau)

1.3.2.2 Persönliche Daten der Internetnutzer

Angaben zur Person der Benutzer:

  1. Geschlecht: 61,3% männlich, 38,7% weiblich. Der Frauenanteil ist leicht gestiegen (40,7% im Jahre 2003).

Abbildung 7: Geschlechtverteilung:


[Seite 29↓]

2.) Alter: Bis 2003 sind ca. 72% unter 30 Jahre alt.

Abbildung 8: Die Altersverteilung

3.) Familienstand: ledig 58,5%, verheiratet 41,5%. Dem entsprechen die Zahlen vom Jan. 2003.

Abbildung 9: Familienstand (ledig oder verheiratet)


[Seite 30↓]

4.) Der Bildungsstand: Grafik vom Juli 2001. Es gibt 2003 nur eine leichte Veränderung

Abbildung 10: Der Bildungsstand

Der typische Benutzer ist demnach männlich, ledig, jung und gut ausgebildet. Frauen sind nach wie vor unterrepräsentiert. Ihre Zahl nimmt jedoch stetig zu. Seit Juli 2000 ergab sich ein Zuwachs weiblicher Surfer von 25,3% auf 38,7%. Zum Vergleich: in Deutschland beträgt der Anteil der weiblichen Internetnutzer im Juni 2000 42%.25

In China sind mehr als 70% der Benutzer unter 30 Jahre alt. Das entspricht in etwas der Situation in Deutschland. Der Anteil der jungendlichen Nutzer liegt in China und in Deutschland jeweils bei ca. 15%. Dies erklärt sich daraus, dass die Berührungsängste bzw. Einstiegsstellen in diesen Altergruppen im Verhältnis geringer sind. Die Internet-Benutzer im „High School“-Alter sind in einem Jahr (im Jahr 2001) von 13% auf 28,8% gestiegen (im Jahr 2003 auf über 30%). In der Altersklasse zwischen 40-60 Jahren beträgt in China der Anteil der Nutzer nur etwa 10%, im Vergleich zu Deutschland 30%.


[Seite 31↓]

1.3.2.3  Die Benutzung und der Zugang

1.) Ort des Internet-Zugangs

Abbildung 11: Ort des Internet-Zugangs

Der Statistik nach sind die Orte des Internet-Zugangs in China vorwiegend das eigene Heim, das Büro, die Universität, Schule und das Internet-Cafe. Die Angaben (mehrere Angaben waren möglich) privat (Heim) und im Büro liegen bei 61% bzw. 45%. In Deutschland liegen diese Werte bei 68% und 44%. Die Zugangsvariante Universität und Schule wird scheinbar geringer genutzt. Nur 18% in China und 22% in Deutschland greifen auf diese Variante zurück.26 Das Internet-Cafe als Zugangsmöglichkeit etabliert sich in China, vorwiegend in den großen Städten oder in der Nähe der Universitäten mit zunehmender Tendenz. Lag die Nutzung der Internet Cafes nach der Statistik im Januar des Jahres 1999 nur bei 3%, ist sie bis Juli 2001 schon auf 15% und im Januar 2003 auf knapp 20% gestiegen. In Deutschland liegt dieser Wert jedoch deutlich höher als in China: hier nutzten 31% der Benutzer diese Zugangsmöglichkeit. Der prozentuale Anteil des Zugangs über Handy bzw. Laptop ist in Deutschland vergleichsweise hoch, bei ca. 20%. In China liegt dieser Wert dagegen bei 0,2%. Die Zahl der Mobiltelefone in China ist bei 0,5% [Seite 32↓](2003), mit steigender Tendenz, relativ hoch. Laptops dagegen sind wenig verbreitet. Wichtig zu erwähnen ist, dass es im Juli 2001 noch keine Angabe über die Internet Zugangsmöglichkeit in Öffentlichen Bibliotheken gab. Anfang 2003 betrug diese aber schon 0,6%. Das bedeutet, dass sich die Ausstattung mit Internetzugängen in den Bibliotheken verbessert hat.

2.) Die Kosten des Internet-Surfens (Mehrfachnennung möglich)27:

Abbildung 12: Die Kostenanteile der Internetnutzer

Der Statistik nach wurden im Januar 1999 in 26% der Fälle die Kosten des Internet-Zugangs vom jeweiligen Arbeitgeber übernommen. 45% der Nutzungen wurden privat bezahlt. Zwei Jahre später lag der Arbeitgeberwert bei 13% und der der privaten Kostenübernahme bei mehr als 70%. Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits ist die Zahl der privaten Internetnutzer gestiegen. Andererseits sind die Kosten für den Internet-Zugang gesunken, was bedeutet, dass ein privater Zugang für immer mehr Personen erschwinglich wird.

3.) e-Mail-Account

In den beiden Statistiken von 1999 gab es keine Angaben zu e-Mail-Accounts in China. Die Statistik vom Januar 2000 gibt eine Anzahl von 35,6 Mio. an, wovon 27 Mio. kostenlose e-Mail-Accounts sind. Durchschnittlich bewegen sich auf jede Account 21 eingehende und 10 ausgehende e-Mails pro Woche. Nach der Statistik vom Juli 2001 wurden durchschnittlich 13 e-Mails pro Woche erhalten und 8 verschickt. Im Juli 2000 waren für China 65 Mio. e-Mail-Accounts erfasst. Der Anteil [Seite 33↓]der kostenlosen e-Mail-Accounts lag bei 90%. Im Durchschnitt kamen 3,2 Accounts auf einen Nutzer (Januar 2001), im Juli waren es noch 2,6. Wie hoch der Anteil an sogenannten Spam e-Mails ist und wie sehr sich e-Mail-Diskussionslisten auf diese Werte auswirken, wurde leider nicht angegeben. Bis 2003 hatten 24% der Internetbenutzer eine eigene Homepage.

4.) Top-Internet-Nutzungsfelder

Als hauptsächliche Nutzungsinteressen werden private und berufliche Kommunikation sowie Recherchen angegeben. In Deutschland gehören die Themenbereiche „Multimedia-Informationen“, „Nachrichten“ und „Reise und Touristik“ zu den am meisten nachgefragten Themen. Knapp die Hälfte der Surfer interessiert sich dafür. In China sind die Bereiche der Hauptnutzung “e-Mail (75%)“, „Suchmaschinen (51%)“, „Software downloading and uploading (44%)“. Der Anteil des „Internet-Chattings‘ liegt relativ hoch (23%), während touristische Informations-Angebote weniger genutzt werden (in China zu 13% und in Deutschland zu 45%). Der Prozentsatz für Online-Education betrug 2003 11%.

1.3.2.4 In welcher Sprache wurden die Informationen aus dem Internet gelesen?

Die Informationen waren überwiegend in chinesischer Sprache (79%). Das erklärt sich aus den großen Unterschieden zwischen der chinesischen und den lateinisch-westlichen Sprachen. Dieser Aspekt ist bei Entwicklung von Internet-Informations-Angeboten durch Bibliotheken sehr relevant. Krempien schreibt hierzu: „Eines der grundlegenden Hindernisse globaler Kommunikation, mangelnde Sprachfertigkeit, wird vorläufig auch vom Internet nicht überwunden“.28 Nach meinen Untersuchungen wurden z.B. die meisten Homepages der Bibliotheken nur auf Chinesisch – d.h. ohne eine englischsprachige Version dargestellt. Gab es fremdsprachige Versionen, so enthielten diese nur allgemeine Informationen. Detaillierte Informationsangebote auf Englisch gibt es so gut wie nicht.29 Aber gerade im Internet dominieren englischsprachige Informationen. Das ist auch einer der Gründe dafür, dass [Seite 34↓]chinesische Digitale Bibliotheken notwendig und gefragt sind, da man dort ausreichend chinesischsprachige Informationen erhalten kann (das wird an anderer Stelle noch näher dargestellt).30

1.3.2.5 Meinungen der Nutzer zum Internet

1.) Hauptproblem Geschwindigkeit

43% aller Nutzer sind der Meinung, dass die Übertragungsgeschwindigkeit im Internet zu gering ist. Besonders bei einer „dial-up“-Verbindung über das Telefonnetz sind die Response-Zeiten sehr schlecht. Dies betrifft in erster Linie die Nutzung in der eigenen Wohnung. Die Hauptnutzungszeit in China liegt zwischen 20 und 21 Uhr (77%). Wenn zu dieser Zeit (nach der Zeitverschiebung ist es hier in Deutschland 14 und 15 Uhr) die chinesischen Homepages recherchiert werden, sind die Responsezeiten höher. Darin lässt sich eine Ursache dafür sehen, weshalb viele Leute die Internetzugänge an ihren Arbeitsplätzen nutzen. Ca. 30% der Nutzer besuchen das Internet zwischen 10 und 13 Uhr, d.h. während der Arbeitszeit. Dieses Problem scheint es in Deutschland weniger zu geben, da 68% der Nutzer zu Hause online sind.

2.) Hohe Kosten zur Internetnutzung

20% der Nutzer schätzen die Nutzungskosten für das Internet als hoch ein, obwohl der Preis durch die Verbreitung und die Verbesserung der „Bandbreite“ stark gefallen ist. Der Statistik der CNNIC nach haben fast 36% der Nutzer weniger als RMB 50 monatlich ausgegeben, (7€), 32% zwischen 50 und 100, (7-14€). Die Zahl der Nutzer die mehr als RMB 200 (27€) ausgeben ist sehr gering. Vor dem Hintergrund eines monatlichen Einkommens der Hälfte der chinesischen Internet-Nutzer von unter RMB 1.000 (135€) sind die Ausgaben im Internet durchaus als beträchtlich einzuschätzen. In Deutschland ist jetzt fast jeder Zweite online. 46 Prozent der Bevölkerung zwischen 14 und 69 Jahren nutzt das Internet regelmäßig, 61% verfügen über einen Internetzugang. Der entsprechende prozentuale Anteil in China ist deutlich niedriger. Das geringe Einkommen und die relativ hohen Zugangskosten erklären dies.

In Deutschland haben 57% der Internet-Nutzer im Jahr 1999 Produkte oder Dienstleistungen online gekauft beziehungsweise kostenpflichtig in Anspruch [Seite 35↓]genommen. Der durch e-Commerce erzielte Umsatz betrug in Deutschland im Jahr 2001 rd. 20 Mrd. €, das bedeutete Platz eins in Europa (Europa insgesamt rd. 69 Mrd. €, darunter Großbritannien ca. 19 Mrd. €, Frankreich rd. 7 Mrd. €).31 In China liegt der Anteil der Nutzer, die Online konsumieren, bei 32%. Bücher und Zeitschriften haben bereits einen Anteil von 59% der Produkte, die online gekauft wurden. Das ist ein interessantes Phänomen. Die Bibliotheken und Buchhändler haben vermutlich dadurch dazu beigetragen, da sie auf eigenen Homepages neue Bücher vorstellen. 43% der Nutzer meinen die Werbung durchs Internet ist die effektivste Form. Ein umfassendes e-Commerce-System wird aber erst in 3 bis 5 Jahren erwartet.

Die Entwicklung des Internets hat auch die Informations- und Softwareindustrie beeinflusst.

1.4 Die Entwicklung der Informationsindustrie und Softwareindustrie

In den vergangenen fünf Jahren wuchs Chinas Informationsindustrie dreimal so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt. 210 Mio. Chinesen, d.h. 19% der Bevölkerung, sind heute an das Telefonnetz angeschlossen, Sowohl nach dem Umfang des normalen Telefonnetzes als auch des Netzes mobiler Telefone steht China jetzt an zweiter Stelle in der Welt. China wird das Telefonnetz verbessern und weiter entwickeln. Im Jahr 2001 fand im Rahmen der COMDEX-Messe in den USA ein Symposium unter dem Titel „Risikoinvestition und die Zukunft der neuen Ökonomie Chinas“ statt, das gemeinsam vom Staatlichen Informationszentrum Chinas und einer Gruppe amerikanischer Geschäftsleute veranstaltet wurde. Nach den Angaben des stellvertretenden Vorsitzenden des ständigen Ausschusses des Informationszentrums wird Chinas Computernetzumfang innerhalb der nächsten fünf Jahre an die erste Stelle der Welt aufrücken. 36% der Chinesen würden dann an das Telefonnetz angeschlossen sein, und der jährliche Zuwachs des Informationsservices würde mehr als 30% betragen.32


[Seite 36↓]

Die Branche für Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) ist in Deutschland zu einem führenden Wirtschaftszweig geworden, der mit zeitweise zweistelligen jährlichen Zuwachsraten entscheidende Impulse für Wirtschaftwachstum und Beschäftigung geschaffen hat. Sie beschäftigt über 800.000 Menschen.33 In den letzten Jahren ist die chinesische Softwareindustrie mit zweistelligen Zuwachsraten gestiegen. Anfang 2001 gab es in China 5.000 Software Firmen. 470.000 Personen arbeiten im Bereich der Forschung und Entwicklung von Software. Im Jahr 1999 exportierte die chinesische Softwareindustrie Produkte im Wert von 14,6 Mrd. Yuan (US$ 1,8 Mrd.).34Dennoch ist der allgemeine Umfang der landesweiten Software Industrie noch recht gering. Die einheimischen Software Firmen sind klein und haben im Durchschnitt weniger als 50 Mitarbeiter. Das meistverbreitete Betriebssystem in China ist Microsoft Windows. Es besteht die Gefahr, dass eine Öffnung des chinesischen Marktes für ausländische Software-Anbieter keinen Raum mehr für einheimische Produzenten lässt.

Ein Beispiel für den Boom in der Software Industrie ist Indien, das einem Bericht von der Weltbank zufolge weltweit die Spitzenposition bezüglich des Umfangs, der Qualität, des Umsatzes und des Exports von Software Produkten einnimmt. Einer indischen Statistik nach stieg der Export von US$ 4 Mio. im Jahr 1980 auf über US$ 1,7 Mrd. im Jahr 1998.35

Nicht nur die Zentralregierung, sondern auch die Provinzregierungen und Regierungsbehörden der Autonomen Gebiete haben entsprechende Projekte für die Entwicklung der Digitalen Bibliothek. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die allgemeine Verfügbarkeit des Internets. In der Provinz Jiangsu an der Ostküste, wurde ein neues Projekt begonnen, in dessen Rahmen jeder Familie das Internet zugänglich gemacht werden soll. Ihr Ziel ist es, die gesamte Provinz mit einem „broadband system“ zu verkabeln. Bislang hat die Provinzregierung in dieses Projekt 2,6 Mrd. Yuan (ca. 325 Mio. US$) investiert. Nach Abschluss des Projekts sollen 6,7 Mio. Haushalte mit einem Zugang zum Internet ausgestattet sein.36


[Seite 37↓]

China sollte sich in größerem Maße auf politischer und ökonomischer Ebene für den Ausbau der einheimischen Softwareindustrie engagieren. Der Schwerpunkt liegt auf der Innovation der Technologien, der Ausbildung von Kompetenzen und der Verbesserung des Services. Die Regierung sollte umfassend gegen die Softwarepiraterie vorgehen. Sie sollte internationale Kooperation der Unternehmen fördern und unterstützen. Universitäten und Forschungsinstitute sollten die Ausbildung in diesem Bereich verbessern, damit sich die Medienkompetenzen der Studierende im Umgang mit den modernen Technologien verbessert.

1.5 Anfang des Aufbaus des Internets 2: das Projekt NSFCNET (Natural Science Foundation of China)

1.5.1 Über das Projekt NSFCNET

Im Dezember 1999 wurde in China das Projekt NSFCNET begonnen. Das Projekt wird als Kooperation der Tshinghua Universität, dem Netzzentrum der chinesischen Akademie, der Peking Universität, der Universität für Post und Kommunikation (Beijing Youdian Daxue) und der Universität der „Aeronautics and Astronautics“ in Peking (Beijing Hangtian Hangkong Daxue) durchgeführt. Die Ziele des Projekts sind:

  1. ein erstes wissenschaftliches Test-Netzzentrum in Zusammenarbeit mit DWDM ( D ense W avelength D ivision M ultiplexing)37 aufzubauen[Seite 38↓]
  2. die Schlüsseltechnologien und theoretischen Grundlagen der nächsten Generation des Internets zu erforschen
  3. einige Anwendungssysteme als „Testbed“ für das Internet 2 anzubieten.

Ein spezielles Zentrum wird für diesen Zweck errichtet werden. Die Tshinghua Universität ist zuständig für den Aufbau des „Forschungszentrums der nächsten Generationen des Internets“. Das Gebäude wird eine Größe von über 30.000 m² haben. Herr Li Jiacheng (Li Ka-shing)38 hat am 22. Sept. 2000 im Rahmen einer Förderung 10 Mio. US$ für dieses Projekt bereitgestellt.39 Das chinesische Bildungsministerium hat darüber hinaus eine Investition von 5 Mio. US$ angekündigt. Weitere finanzielle Unterstützung kommt von der „staatlichen Stiftung der Naturwissenschaft“ (Guojia Ziran Kexue Jijin). Die Stiftung hat 20 Mio. Yuan (umgerechnet ca. 2,5 Mio. US$) bereitgestellt. Zuvor hatte die Stiftung für ein anderes Projekt maximal 5 Mio. Yuan ausgegeben.40


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Abbildung 13: Die Struktur über NSFCNET41

1.5.2 Internationale Kooperation und Zusammenarbeit während des Aufbaus des Internets 2

Das chinesische Telekommunikationsunternehmen „China Wangtong“ hat eine internationale 10M Verbindung für das NSFCNET verlegt, mit der das NSFCNET mit dem amerikanischen STAR TAP verknüpft ist. Eine andere Telekomfirma „China Liantong“, hat über eine weitere 10M Verbindung einen zusätzlichen Anschluss an das japanische APAN, und an das amerikanische STAR TAP42 geschaffen.

Im September 2000 unterschrieben Nokia und die Tsinghua Universität einen Vertrag, um die Zusammenarbeit bei der Entwicklung für das Internet 2 zu intensivieren.


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Außerdem wurden durch die Experten, die für das Projekt NSFCNET zuständig sind, weitere Kontakte mit ausländischen Unternehmen geknüpft. Sie besuchten die USA, Japan, Korea und die Europäische Union (EU), um sich über die Entwicklung des Internets 2 aktuell zu informieren. Außerdem haben sie vier internationale Seminare organisiert: CANS 1999, CANS 2000, CANS 2001, und APAN 2000. An weiteren Seminaren und Konferenzen nahmen sie auch teil und berichten von der Situation in China, z.B. bei IWS 2000 und IWS 2001. Dieser Formen des Forschungsaustausches sind wichtig für die internationalen Kooperationen.43

1.6 Zusammenfassung

Das Internet ist nicht nur wirtschaftlich oder verwaltungstechnisch für das e-Government von großer Bedeutung für China, sondern auch für die Entwicklung der Digitalen Bibliotheken und des modernen Bibliothekswesens. Wegen des Internets wird, im Vergleich zu traditionalen Bibliotheken, z.B. auch das Thema „Knowledge management“ diskutiert. „Für die Suche nach themenbezogenen Informationen wird das Internet sehr rasch zu einer ständig wachsenden Fundgrube werden. ... Wir erhoffen uns von der sich entwickelnden globalen Vernetzung eine raschere und vereinfachte Kommunikation, schnell anwachsende aktuelle Information und, damit verbunden, den direkten Austausch von Angebot und Nachfrage mit den Wissenschaftlern“.44

Unabhängige Schätzungen erwarten für 2010 mehr als 600 Mio. Teilnehmer in Netzen der dritten Mobilfunkgeneration weltweit, davon etwa 30 Mio. in Deutschland.45 Bei einer so schnell steigenden Nutzung des Internets, stellt sich die Frage nach der Rolle der Bibliothek. Die Politik jeder Regierung unterstützt deshalb im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles, was den zügigen wirtschaftlichen Erfolg dieser neuen Technologien und Dienste fördert. Derzeit werden von Deutschland IuK-Projekte mit einem Volumen von insgesamt 133 Mio. € durchgeführt. Weitere, mit einem Volumen von 50 Mio. €, sind zugesagt. Die Bundesregierung wird ein neues Förderprogramm „IT-Forschung 2006“ in den Jahren 2002 bis 2006 Projektmittel im [Seite 41↓]Umfang von ca. 1,5 Mrd. €, sowie im gleichen Umfang Mittel für die institutionelle Förderung in diesem Bereich zur Verfügung stellen.46 Wird diese starke Entwicklung des Internets die Bibliothek vernichten oder verstärken? Die Rolle der Bibliotheken sollte es sein, die nachgewiesenen Dokumente bereitzuhalten oder zu beschaffen. „Mit dem Aufkommen des Internets wird von den Bibliotheken erwartet, sich aktiv in die Informationsbeschaffung einzuschalten“.47

„Libraries and librarians need to undergo change if they are to remain relevant in a world in which, on the one hand, information seekers who once relied on the library are turning to alternatives resources; and, on the other hand, technological advances enable library workers with lesser education to accomplish work traditionally reserved for librarians. How reference librarians are responding to these trends by moving the desk (and themselves) onto the Web to provide point-of-need service,…”.48

Die Möglichkeiten des Internets und digitalen Bibliotheksangebote beeinflussen stark die Entwicklung, z.B. der sogenannten virtual, digital oder auch live reference desks. Im Jahr 2000 boten wenige mutige Bibliotheken digital reference services an, 2001 waren es bereits hundert. Mehr als 24 Softwareprodukte sind in diesem Bereich im Einsatz.49 Das ist nur ein Beispiel für den Einfluss des Internets.

Hier liegen gleichzeitig die Herausforderungen50 und Chancen. Bibliotheken sollten diese Chance wahrnehmen, um Digitale Bibliotheken aufzubauen und den Service der Bibliotheken zu verbessern.


Fußnoten und Endnoten

1 Informationsgesellschaft Deutschland: Innovation und Arbeitsplätze in der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts- Fortschrittsbericht zum Aktionsprogramm der Bundesregierung. Herausgegeben vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und Bundesministerium für Bildung und Forschung. -.Bonn: 2002. VISOMEDIA: 5. (wird in den Folgenden Fußnoten als „Fortschrittsbericht“ bezeichnet).

2  http://www.cnnic.cn. 13.08.01.

3 Mehr zu Qian Tianbai unter der URL: http://www.canet.cn

4 Da sich keine anderen Hinweise für den chronologischen Überblick ergeben haben, siehe die Quelle: http://202.84.17.11/english/china_abc/internet.htm. 15.01.04.

5 Als ein Network-Center für ARPANET von Amerikas “Department of Defense“ war DDN-NIC damals zuständig für den weltweiten Vertrieb der Internet Domains und damit der IP-Adressen. Seit Oktober 1990 ist Chinas Lücke im Internet somit gefüllt.

6 vgl. Qian, Tianbai: „CANET Introduction“. http.//www.ibiblio.org/oub/packages/ccic/cnd/cnd-china/china/CANET.intro, 25.09.03.

7  http://www.inasan.rssi.ru/~colloq/PUBLICATION/guo/node3.html. 21.09.03.

8 Chinese-language BBSs exist in large numbers both inside and outside mainland China. In China, many commercial portal sites, official media web-sites and university web-sites maintain BBSs. BBSs are usually organized around thematic categories, such as sports, music, education, science and technology, art and literature,news, politics and the like. It is hard to know exactly what kind of people visit or post messages in these forums. In general, all BBSs publish some posting politics, those in China, however, are subject to more restrictive regulations, while BBSs in China face more censorship. But the possibility of anonymity in computer-mediated communication sometimes lowers the level of responsibility, BBSs are supposed as the ideals of a democratic forum. Popular Chinese-language forums maintain a level of lively discussion. When filters are used for censorship, users have strategies to bypass them. For example, in May 2000, in the online protest surrounding the death of a Beijing University student, it quickly became clear that posts containing the character for “Beida” (Beijing University) would be blocked. Users beat the filters by inserting punctuation or other symbols between the two Chinese characters for “Beida”, posting messages with phrases like “Bei.da” or “Bei2da”. Generally speaking, a popular Chinese-language BBS has 50 to 100 posts daily. They cover a wide range of issues, so much so that they may be used as a weathervane for current affairs in or related to China. The themes are for example criticisms of government corruption and other social problems, economic development, international politics, particularly US-China relations, Japan-China relations, and the Taiwan issue. Mehr dazu siehe: Yang, Guobin (University of Hawaii at Manoa, USA). „The Internet and the rise of a transnational Chinese cultural sphere“. In: Media, Culture & Society. -. London: SAGE publications, 2003 : Vol: 25: 469-490.

9 URL:Die BBS von Beijing Universität: http://bbs.pku.edu.cn/, Die Tsinghua Universität: http://www.tsinghua.edu.cn, beide nur auf chinesisch. 27.09.03.

10  http://www.cnnic.net.cn/develst/rep200107-e.shtml, 13.08.01.

11 Leider ohne genaue Angaben vom INNIC.

12  http://www.cnnic.net.cn/develst/e-index.shtml, 27.09.03.

13 über die Survey Method: http://www.cnnic.net.cn/develst/2003-1e/555.shtml, 25.09.03.

14 China Internet Network Information Center. The 9th Survey Report on the Development of China’s Internet (2002/1). http://www.cnnic.net.cn/develst/2002-1. 21.09.03.

15 Fortschrittsbericht: 13.

16 Nach der Definition des CNNIC ist ein Nutzer jemand, der mindestens eine Stunde pro Woche das Internet benutzt.

17 

Leased line users refers to the users of LAN, which connects the Ethernet, Vgl:

http://www.cnnic.net.cn/develst/2003-1e/444.shtml, 27.09.03.

18 China Internet Network Information Center. The 9th Survey Report on the Development of China’s Internet (2002/1). http://www.cnnic.net.cn/develst/2002-1, 21.09.03.

19 Fortschrittsbericht: 13

20 Dies hat sich bis zum Jan. 2003 kaum geändert. Stand aller Grafiken: Juli 2001. Bis zum Jan. 2003 wurden ca. 180.000 Domains unter „cn“ registriert.

21 China Internet Network Information Center. The 9th Survey Report on the Development of China’s Internet (2002/1). http://www.cnnic.net.cn/develst/2002-1, 21.09.03. (Die folgenden Grafike sind aus dieser Quelle, wenn nicht extra geschildert wurden).

22 Nach der Flächenverteilung belegt Xinjiang allein schon ein Sechstel des gesamten Staatsgebietes. „China ist ein relativ dicht bevölkertes Land der Welt. Die Bevölkerungsdichte beträgt im Durchschnitt 133 Menschen pro Quadratkilometer. Die Bevölkerung ist jedoch sehr ungleichmäßig verteilt. In den küstennahen Ballungsgebieten leben über 400 Menschen pro Quadratkilometer und in Zentralchina mehr als 200, während der Westen mit seinen Hochebenen mit knapp zehn nur dünn besiedelt ist“. „China 2002“:.38.

23 Die Zahlen in Klammern sind aus dem Jahr 2003, die nicht in Klammern gesetzten, sind vom Juli 2001. Ist keine Zahl in Klammern vorhanden gab es keinen nennenswerten Zuwachs.

24 Alle Abkürzungen im Abkürzungsverzeichnis. „Among these ten major Internet networks, the CSTNET, CERNET, CIETNET and CGWNET are non-profit networks and the other six are commercial networks”. Daten aus: Cheng, Huanwen. „Chinas Opening for Information Transfer“: 5. In: “Spannungsfeld internationaler Informationstransfer – Chancen und Risiken globaler Vernetzung, Internet”. Seminar im Amerikahaus Berlin, 21-22.02. 02.

25 „Internet in Deutschland“. In: Deutschland. D Nr.3/2001 Juni/Juli. S. 50-51. Der Inhalt ist von der Webseite www.magazine-deutschland.de erhältlich.

26 Derzeit besuchen 9% der Chinesen im Alter von 18 bis 22 die Hochschulen. Einem Plan des Bildungsministeriums nach wird diese Zahl 15% bis zum Jahr 2010 erreichen. Siehe „China 2002“: 155.

27 Die Zahlen blieben 2003 fast gleich.

28 Krempien, a.a.O.: 21.

29 Auf diesen Zusammenhang werde ich bei der Auflisten der Internet/IP-Adressen von chinesischen Bibliotheken hinweisen: Anhang 4: Bibliotheksliste-Webseite der chinesischen Bibliotheken im Internet.

30 s.o.

31 Fortschrittsbericht: 5 und 16.

32 „2005: Chinas IT-Netz-Umfang weltweit an der Spitze“, http://210.77.134.148/pls/wcm/Show_Text_g?info_id=4930&p_qry=$internet. 12.02.02.

33 Fortschrittsbericht: 5.

34 China Daily, am 02.12.2001.

35 s.o.

36 “New Project for Internet Expansion in E. China”, http://www.edu.cn/20020129/3019159.shtml, 11.02 02.

37 “an optical technology used to increase bandwidth over existing fiber optic bachbone. DWDM works by combining and transmitting multiple signals simultaneously at different wavelengths on the same fiber. In effect, one fiber is transformed into multiple virtual fibers. So, if you were to multiplex eight OC -48 signals into one fiber, you would increase the carrying capacity of that fiber from 2.5 Gb/s to 20 Gb/s. Currently, because of DWDM, single fibers have been able to transmit data at speeds up to 400Gb/s. A key advantage to DWDM is that it's protocol- and bit rate-independent. DWDM-based networks can transmit data in IP, ATM , SONET/ SDH, and Ethernet, and handle bit rates between 100 Mb/s and 2.5 Gb/s. Therefore, DWDM-based networks can carry different types of traffic at different speeds over an optical channel. From a QoS standpoint, DWDM-based networks create a lower cost way to quickly respond to customers' bandwidth demands and protocol changes”. Mehr dazu siehe: http://www.webopedia.com/TERM/D/DWDM.html, 18.03.04.

38 Li Jiacheng, 75 Jahre alt, stammte aus Guangdong, ist der wichtigste Industrielle in Hongkong. Er ist auf dem vierten Platz beim „2003 Chinamoney real estate influence list“. Siehe: http://www.hurun.net/reallisten.htm, 20.02.04.

39  http://www.edu.cn/20010829/209660shtl, 08.02.02.

40 Das chinesische Internet 2 ist im Aufbau, http://www.edu.cn/20011025/3006592.shtml, 08.02.02.

41  http://www.cn.apan.net/nsfcmap.htm, 20.02.04.

42 The Science, Technology, and Research Transit Access Point, or STAR TAP, is a persistent infrastructure funded by the National Science Foundation (awards ANI-9712283 and ANI-9980480) to facilitate the long-term interconnection and interoperability of advanced international networking. Siehe: http://www.startap.net/startap/ABOUT/, 20.02.04.

43 Der Bericht des Projekts NSFCNET http://www.edu.cn/20010829/209758.shtml; 20. 02.02.

44 Krempien, a.a.O.: 21, 22.

45 Fortschrittsbericht, a.a.O.: 34.

46 s.o.: 42, 55.

47 Krempien,a.a.O.: 20.

48 Lipow, Anne. „Making Virtual Reference A Reality”. Workshop on 19.03.2004 im The Information Resource Center of the U.S. Embassy, in cooperation with the "Förderkreis für West-Ost-Informationstransfer", Siehe:
www.usembassy.de/berlin/irc/lipow, 26.03.04.

49 Lüdtke, Helga. „Secret Patrons, Invisible Users: Digital Reference @ Your Library – Fundstücke einer nicht nur virtuellen Erkundung in den USA“. BuB 56 (2004) 3: 202-210.

50 Wie Krempien meint: „Nach 35 Jahren Tätigkeit und Erfahrung im ostasienbezogenen Bibliothekswesen in Deutschland sehe ich den Möglichkeiten des Internets mit Neugier und Interesse entgegen. Ich kann aber die Version für die zukünftigen Aufgaben von Bibliothekaren als ‚Navigator’ im Internet nur bedingt nachvollziehen“. Krempien, a.a.O.: 20.



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11.08.2004