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2  Die chinesische Digitale Bibliothek

2.1 Allgemeine Einführung

In China wurden elektronische Lesesäle (Dianzi Yuelanshi)1 als der Anfang der Digitalen Bibliothek angesehen. An der Beijing Universitätsbibliothek im Oktober 1993, an der Tsinghua Universitätsbibliothek im September 1994 und an der Beijing Bibliothek im März 1995 wurden erstmalig elektronische Lesesäle eingerichtet. Die Beijing Bibliothek erwarb zwischen 1995 und 1998 für 5,84 Mio. Yuan 30 fremdsprachige und 13 chinesischsprachige CD-ROM Datenbanken. Es gab noch insgesamt 65 geschenkte inländische und ausländische CD-ROM Datenbanken. Bis zur Gegenwart wurden elektronische Lesesäle in allen mittel- und großen Bibliotheken eingerichtet. Seit 1995 begann China die Entwicklung Digitaler Bibliotheken im Ausland zu beachten, Forschungsprojekte zu entwickeln und daraus Konsequenzen zu ziehen.

2.1.1 Die Forschungsprojekte und die Testphase

2.1.1.1 Forschungsprojekte unter Leitung der Nationalbibliothek und des Bildungsministeriums

Um die Probleme und die Standards der neuen Technologien zu erforschen werden drei Forschungsprojekte durchgeführt.

Forschungen zur Digitalen Bibliothek in Zhong Guan Cun – dem „Dorf des Mittleren Passes“, bekannt als Chinas Silicon Valley. Hier befinden sich die drei renommiertesten Universitäten des Landes: Tshinghua Universität, Beijing Universität und Renmin Universität, sowie zahlreiche Institute der Academia Sinica. Seit Deng Xiaoping im Jahr 1978 den Startschuss zu Reform und Öffnung des Riesenreiches gab, haben sich um diese Forschungsstätten herum über 9.000 Computerhersteller, Internet-Firmen und Software-Produzenten angesiedelt. „Von Zhong Guan Cun aus setzt China zum Großen Sprung in die Zukunft an. Es will [Seite 43↓]seinen Ruf als Produzent billiger Spielzeuge, Textilien und Haushaltsgeräte abstreifen, sich in einer höheren Liga etablieren - auf dem Weltmarkt der Informationstechnik.“2 Dieses Forschungsprojekt begann im Juli 1999, wurde von der NBC geleitet, und war eine Kooperation zwischen der Beijing Universität, Tsinghua Universität, und „Academia Sinica“ in Beijing.

In Planung ist die Digitale Bibliothek des Bildungsministeriums, als Kooperation der Peking Universität, der Tsinghua Universität und der Shanghai Jiaotong Universität. Daneben existiert der strategische Entwicklungsplan für eine Digitale Bibliothek in China. Dies ist ein „staatlicher 863 Plan“.3 Zielgerichtete Forschungsaktivitäten sichern langfristig Chinas Wettbewerbsfähigkeit. Im Zentrum des Plans stehen Forschungen wie praktische Durchführung und Urheberrecht.4

2.1.1.2 Die Testphase und die “Digital Library Federation“

Als Testphase für die Digitale Bibliothek in China war der Zeitraum 1996 bis 2000 vorgesehen. Das Projekt „Chinese Pilot Digital Library” 5 wurde 1996 von der Nationalbibliothek Chinas mit Förderung des Chinesischen Kulturministeriums begonnen. 6 Im Jahre 1997 hat die chinesische staatliche Planungs- und Entwicklungskommission diesem Projekt, welches als das wichtigste Projekt auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technologie gilt, zugestimmt. Für die Durchführung des [Seite 44↓]Projektes ist die Nationalbibliothek zuständig. An dem Projekt nahmen zunächst fünf und mittlerweile sieben Provinz- und Stadtbibliotheken teil:

Am 5.April 2000 traf sich das von der „Digital Library Federation“ organisierte Konsortium zum ersten Mal in der NBC in Peking. Das wird als eigentlicher Beginn des Aufbaus der „Digitalen Bibliothek“ in China angesehen. Das Konsortiumsbüro befindet sich in der NBC. Die offizielle Bezeichnung lautet: „Das Verwaltungszentrum der chinesischen Digitalen Bibliothek“. Die Föderation hat bisher 60 Mitglieder, mit steigender Tendenz.10


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2.1.2  Teilnehmer des Projektes: Analyse der fünf ausgewählten Digitalen Bibliotheken11

1.) Die Digitale Bibliothek China12 wird von der NBC und der Firma der NBC (Beijing Wenjin Tushu jishu Gongsi) aufgebaut und verwaltet. Seit April 2000 ist das Angebot zugänglich.13

2.) Die Digitale Bibliothek „Super-Star“ (Chaoxing http://www.ssreader.com, www.zslib.com.cn), wird von der Firma „Century Super-Star“ in Beijing und der Zhongshan Provinzbibliothek der Kanton zusammen entwickelt und verwaltet. 14 Das Projekt gehört zu dem staatlichen „863 Plan“. Seit Juni 2000 ist das Angebot zugänglich.

3.) Die Digital Bibliothek Shanghai15 wurde von der Shanghai Bibliothek aufgebaut. Sie enthält die Bilderbüchersammlung und Büchersammlung von Shanghai, wertvolle historische Sammlungen, wissenschaftliche Conference Papers, chinesische Zeitschriften, die Minguo (1912 - 1949) Büchersammlung, westliche Zeitschriften, wissenschaftliche und technologische Dokumente. Die digitalisierten Bestände umfassen 200 GB.

4.) „Reader Home“ (Shusheng zijia) Digitale Bibliothek (http://www.21dmedia.com), wurde von der Pekinger Firma „Reader Home“ gebaut. Sie ist zuständig für die Entwicklung der „China Information Ressource Plattform Core Techonology“, die vom Staat finanziell unterstützt wurde.

5) „Chinese Pilot Digital Library“.

Suchmaschinen, Navigator und Dienstleistungen sollen wie folgt analysiert werden.

Die fünf ausgewählten Digitalen Bibliotheken sind:


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A: Die Digitale Bibliothek China;

B: Die Digitale Bibliothek “Super-Star”;

C: Die Digitale Bibliothek Shanghai;

D: Das chinesische Pilotprojekt Digitale Bibliothek;

E: Reader-Home Digitale Bibliothek, Peking.

(die A, B, ... und E in den nachfolgenden Tabellen bedeuten die fünf genannten Digitalen Bibliotheken.)

Tabelle 4: Die digitalisierten Datenmengen (mit digitalisierten Grund- und Sonderbestand, Stand: September. 2001)16

 

Grundbestand

Sonderbestand

Datenmenge

DB China

200.000

100.000

3 TB

DB Super-Star

210.000

60.000

3,1 TB

DB Shanghai

50.000

90.000

200 GB

Pilotprojekt DB

k.A.

30.000

900 GB

DB Reader-Home

50.000

0

200 GB

(1 TB = 1.000 GB = TerraByte)

2.1.2.1 Vergleich der Suchmaschinen

In der chinesischen Digitalen Bibliothek kann man nach Fachgebiet, Titel, Autor und Schlagwort recherchieren. Sie bieten die Verwendung logischer Funktionen an, also Boolsche Verknüpfungen wie AND, OR bzw. NOT, sowie häufig eine Volltextanzeige.

Die Suchmaschine der Shanghai Bibliothek ist ein sehr gutes System. Es wurde mit XML erstellt und bietet Volltext an. Man kann von Datenbank zu Datenbank wechseln. Die unterschiedlichen Typen der Dokumente können auf der gleichen Seite angezeigt werden. Das Interface gilt als sehr benutzerfreundlich. Lese- und Download-Optionen werden gut erklärt.

Die Suchmaschine der Digitalen Bibliothek „Super-Star“ ist ein effektives und praktisches System. Die Metadaten wurden nach dem chinesischen DC (Dublin [Seite 47↓]Core)-Format indiziert. Die Plattform ist das TRS (Volltext Recherche System), bei dem eine hohe Retrieval-Geschwindigkeit erreicht wird.

Die Suchmaschine der chinesischen Digitalen Bibliothek verwendet eine bibliographische Datenstruktur. Man kann über die Suchfelder Titel, Autor, Schlagwort und Signatur das entsprechende Dokument ermitteln. Es gibt jedoch keine Volltextausgabe. Dasselbe gilt für das Suchsystem der „Reader- Home“-Digital Library.

Das chinesische Pilotprojekt Digitale Bibliothek verwendet XML-Metadaten. Man kann Datenbank übergreifend suchen. Ihm fehlt aber die Möglichkeit zum Einsatz Boolscher Operatoren. Als Voraussetzung ist für die Software-Oberfläche mindestens Windows 98 notwendig.

Die Zhongshan Provinzbibliothek Kanton hat die Leistung der Suchmaschinen der fünf Digitalen Bibliotheken geprüft:

Tabelle 5: Die Ergebnisse über Suchmaschinen

 

Volltext

Bank zu Bank

Metadaten Records

Dauer der Recherche

Navigator zum Originaltext

A

Nein

Nein

200

3 Min.

Ja

B

Ja

Ja

2.100

3

Ja

C

Ja

Ja

k.A.

4

Ja

D

Nein

Ja

500

6

Ja

E

Ja

Nein

k.A.

4

ja

(Bei den Metadaten Records: Angaben in Tausend)


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2.1.2.2  Vergleich der Navigatoren

Tabelle 6: Vergleich der Navigatoren

 

Urheberschutz

Online-Lesen

Download

OCR (Optical Charakter Recognition)

Vergrößern/

verkleinern

der Seiten

A

Ja

Ja

Ja

Ja

Ja

B

Ja

Ja

Ja

Ja

Ja

C

Nein

k.A.

k.A.

k.A.

k.A.

D

Nein

k.A.

k.A.

k.A.

k.A.

E

Ja

Ja

Ja

nein

Ja

Diese im Allgemeinen als Internet-Browser bezeichneten Programme haben gewisse eigene Eigenschaften. So ist der Navigator der Digitalen Bibliothek „Super-Star“ von Fachleuten und Nutzern geschätzt und hat folgende Besonderheiten:

Analog zu den Lesegewohnheiten zeigt der Navigator das Inhaltsverzeichnis und bietet die Möglichkeit zum Blättern der Seiten. Die Seiten können nach Bedarf vergrößert und verkleinert werden. Man kann den Text auf der Webseite lesen und gleichzeitig herunterladen. Er verwendet ein integriertes chinesisches OCR-System. Die Nutzer können so die Text-Images in Dokument-Texte umwandeln. Man kann neben den Beständen der Digital Library „Super-Star“ auch in den Bestände von der Zhongshan Provinzbibliothek Kanton, des Informationszentrums der Provinz Heilongjiang und der Beifang Jiaotong Universität in Peking recherchieren. Diese Einrichtungen verwenden ebenfalls die Technologien der Digital Library „Super-Star“.

In allen Fällen gilt ein Urheberrecht zu Veröffentlichungen im Internet, welches die Möglichkeiten des Downloads und Copyright-Fragen regelt. Es gibt einen staatlichen Standard für elektronische Bücher. Alle genannten Navigatoren müssen an diesen Standard angepasst werden


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2.1.2.3  Vergleich der Dienstleistungen

Die chinesische Digitale Bibliothek begann mit der Digitalisierung von Beständen im Jahre 1996. Gleichzeitig wurden Online-Dienstleistungen durch die Bibliothek eingeführt. Nach der Statistik der CNNIC sind die häufigsten über das Internet verkauften Produkte Bücher oder Zeitschriften.17 Die Digitale Bibliothek spielte bei der Entwicklung dieses Marktes eine große Rolle. Die Digitalen Bibliotheken haben auf ihrer Homepage wichtige neue Bücher oder Bücher zu neuen Themen vorgestellt und empfohlen. Sie haben auch Aktivitäten, wie z.B. das „Online Reading“ organisiert und unterstützt.

Die Digitale Bibliothek hat das Dienstleistungsangebot der Bibliothek revolutioniert. Durch die umfangreichen Bestände der Digitalen Bibliothek, die durch das Internet jetzt zugänglich sind, können die Benutzer die Informationen jetzt schneller und effektiver erhalten. Außerdem ist die Kooperation zwischen den Bibliotheken verstärkt worden, z.B. arbeitet die Shanghai Stadtbibliothek mittlerweile eng mit den Universitäten in Shanghai zusammen. Über das Internet bietet sie Betreuung und Hilfe an. Das heißt, Spezialisten beantworten Fragen, wo und wie der Nutzer die gewünschte Information erhalten kann. Diese Dienstleistung erhielt nicht zuletzt dadurch einen sehr guten Ruf, dass die Antwort nicht nur aus einem Titel oder dem Abstrakt besteht, wie es in den traditionellen Katalogen und Datenbanken zu finden war, sondern im Volltext, der heruntergeladen werden kann.18


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2.2  Begriffsbestimmung und Diskussion in China

2.2.1 Der Begriff der Digitalen Bibliothek in der chinesischen Fachdiskussion, im internationalen Vergleich

Es gibt keine einheitliche Begriffsbestimmung für „Digitale Bibliothek“. Dem entsprechend gibt es auch keine Standards für den Aufbau oder das Konzept einer Digitalen Bibliothek.19 Wenn „Super-Star“ große digitale Bestände gescannt und aufgebaut hat, so würden manche Fachleute z.B. aus Peking darunter keine Digitale Bibliothek verstehen.20 Man sollte daher in Zukunft die verschiedenen Modelle der Digitalen Bibliothek zur Diskussion stellen. Dazu gehört z.B. auch das Modell einer zukünftigen Bibliothek, die neben einem digitalen Bestand aus Materialien die gescannt sind, auch e-Books und Multimedia enthält.21 „In der Digitalen Bibliothek [Seite 51↓]lässt sich die Menge an Daten, zu denen Informationen, Redundanzen und Rauschen gehören, mit dem Bit als exakt messbarer Größe leichter bestimmten als bisher. Das bei ihr die Ausgabe auf bedrucktem Papier für absehbare Zeit dominieren wird, liegt daran, dass das Buch mit seinen gebundenen Papierseiten die benutzerfreundliche Ergänzung zum Bildschirm oder Mikrofichelesegerät ist und bleibt. Die Frage, ob eine Digitale Bibliothek eigentlich nichts andere ist, als ein Rechenzentrum bzw. ein Host, ist nahe liegend..... .22

Es sind zurzeit in den Bibliotheken in China nicht genügend Kapazitäten vorhanden, um in den Bibliotheken Multimedia-Ressource-Datenbanken aufzubauen. Die Digitale Bibliothek ist auch kein Verlag für elektronische Medien. Sie verfügt daneben nicht über ausreichende Finanzmittel, um solche Medienbanken aufzubauen. Die Bestände der zukünftigen Digitalen Bibliotheken werden sich vorwiegend auf zwei Arten von Medien beschränken, gescannte oder digital erstellte Bücher und elektronische Zeitschriften. Die Gründe dafür sind folgende: Die Schrift ist seit je die Hauptform für den Informationsaustausch, auch wenn sich in der Menschheitsgeschichte die Trägermaterialien immer wieder verändert haben, von den Tierknochen oder Pergamenten vor tausend Jahren zum heutigen Papier, Mikrofilm und letztlich sogar zu den e-Books. Auch wenn mittlerweile die elektronische Form zu einem Paradigmenwechsel bei den Trägermaterialien führt, bleibt doch der Inhalt von dieser Entwicklung weitgehend unberührt.23 Es ist unwahrscheinlich, dass Audio- und Video-Formen die herkömmlichen Textformen und Schriftdarstellungen ersetzen werden. Das Scannen von Büchern und Zeitschriftenartikeln gehört heute zum Bibliotheksalltag in vielen Ländern, z.B. in Deutschland, weil die elektronische Übermittelung von Dokumenten gerade auch über weite Entfernungen sicherer und billiger ist. Daher wird der Einsatz dieser [Seite 52↓]Digitalen Ressourcen in China als einem großen Land mit starkem Stadt-Land-Gefälle zunehmen. Es wird aber die herkömmlichen Texte in Buchform nicht verdrängen. Sie sind mit dem „unbewaffneten“ Auge lesbar, unabhängig von Hard- und Software und gegenwärtig immer noch die einfachste Form der Wissenspräsentation.

Die Digitale Bibliothek muss auf den Bedarf des Nutzers ausgerichtet sein. Sie ist keine Infrastruktur für Technologien sondern für Menschen und sollte daher auch kein Szenarium von speziellen Datenbanken sein. Sie sollte im Gegenteil eine optimierte, allgemeine und praxisnahe Bibliothek sein, die den Benutzern in ausreichendem Maß die Informationen anbietet, die sie benötigen, unter Ausnutzung der digitalen Möglichkeiten.

Die politische Struktur in China beeinflusst die Verwaltung aller chinesischen Bibliotheken. Die Nationalbibliothek Chinas und alle Öffentlichen Bibliotheken (Provinzbibliothek, Stadtbibliothek und Bezirksbibliothek) unterstehen der Bibliotheksabteilung des Kulturministeriums. Diese Struktur finden wir in Abwandlungen in allen Ländern Ost- und Mitteleuropas- mit Ausnahme Deutschlands. Auch Frankreich hatte eine ähnliche Struktur, die sich aber seit vielen Jahren in einem Reformprozess befindet.24 Die Universitätsbibliotheken in China dagegen gehören jeweils zum staatlichen Bildungsministerium oder eigenen Ministerien. Die Universitätsbibliothek für Forstwissenschaft und Fischerei wird beispielsweise vom Forst- und Fischereiministerium verwaltet. Die wissenschaftlichen oder Forschungsbibliotheken gehören wiederum zur „Academia Sinica“. Diese politischen und administrativen Rahmenbedingungen erschweren eine Zusammenarbeit, die die Grundbedingung für eine Digitale Bibliothek und eine dauerhafte Kooperation sind. Diese ministerielle Abhängigkeit kann auch die Zusammenarbeit erschweren, weil die Bibliotheken nicht selbstständig, sondern an die Weisung des jeweiligen Ministeriums gebunden sind. Es könnte aber auch genau das Gegenteil eintreten, wenn die politische Infrastruktur eine solche Zusammenarbeit vorsähe, würde dies die Kooperation sehr fördern. Der Grad der Zusammenarbeit ist also weitgehend von den politischen Rahmenbedingungen abhängig.


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Die Weiterentwicklung des chinesischen Bibliothekswesens ist ohne Zustimmung des Kulturministeriums in Peking und der Provinzialverwaltung nicht möglich. Das bedeutet, dass die Lobby- und Informationsarbeit zur Modellhaften Digitalen Bibliothek von grundlegender Bedeutung ist. Ihre Umsetzung ist aber schwierig, weil, wie schon oben gezeigt wurde, bislang, kein allgemeiner Konsens zum Begriff der „Digitalen Bibliothek“ existiert. Da verschiedene Vorstellungen bzw. Modelle existieren, fällt es dem Kulturministerium ausgesprochen schwer, sich für ein Modell zu entscheiden.

Es ergeben sich folgende Fragen:

  1. Können wir es als eine Digitale Bibliothek bezeichnen, wenn man nur die Bestände der Bibliothek einscannt?25 Ab wann kann man hierbei von Multimedia sprechen?26
  2. Reicht es aus, wenn nur eine Digitale Bibliothek für ganz China aufgebaut wird? Oder sollte in jeder Provinz ein solches Projekt durchgeführt werden?
  3. Was ist wichtiger, digitalisierte Grundbestände oder Sonderbestände aufzubauen?

Zu 1. Die sogenannte Digitale Bibliothek kann nicht als bereits vollständig digitalisierte Bibliothek oder auch als Virtuelle Bibliothek verstanden werden. Sie hat vielmehr die Digitalisierung von Beständen, aber auch die Nutzung bereits digitalisierter Bestände im Zentrum ihrer Überlegungen. Insofern ist das Scannen [Seite 54↓]eigener Bestände, in Absprache mit anderen Bibliotheken durchaus ein wichtiges Element der Digitalen Bibliothek, sowie die Nutzung eigener und fremder Rechnerkapazitäten über ausreichend Terminals. Von Multimedia sprechen wir, wenn nicht nur Texte, sondern auch Bilder (still videos), Bewegtbilder, Tondokumente oder auch Computerprogramme mit integriert sind. Mulitmediaangebote im Rahmen der Digitalen Bibliothek sind damit immer weniger ein Konglomerat verschiedener Medien, als vielmehr die Zusammenführung verschiedener Informationsmedien in der sogenannten digitalen Konvergenz, unter Nutzung einer einheitlichen binären Schrift.

Zu 2. Ob man innerhalb Chinas von einer Digitalen Bibliothek oder von vielen spricht ist eine organisatorische Frage, die von der Vernetzung und der Zusammenarbeit abhängt. Im Grundsatz muss das Ziel der Digitalen Bibliothek die Weiterentwicklung der internationalen Zusammenarbeit aller Bibliotheken weltweit zu einer globalen Digitalen Bibliothek sein, weil es um die Sicherung des publizierten Wissens der Menschheit geht.

Zu 3. Was, wann und mit welchem Aufwand digitalisiert werden muss hängt vom Bedarf, von der Gefährdung, dem finanziellen und zeitlichen Aufwand und nicht zuletzt von den vorhandenen technischen Voraussetzungen ab. Die Erfahrung zeigt, dass sich in einigen Bereichen Geldgeber finden, die an bestimmten Beständen besonders interessiert sind und dafür Projektgelder zur Verfügung stellen, diese komplett verfügbar zu machen. In anderen Bereichen ist es aber sehr viel sinnvoller, gezielt einzelne Werke oder auch nur Teile davon zu digitalisieren, weil eine Digitalisierung aller gedruckten Werke dieser Welt weder finanzierbar, noch sinnvoll ist.

Daraus folgen weitere Fragen:

2.2.2 Welche Bestände wurden und werden digitalisiert?

Die Library of Congress in Amerika hatte 1995 einen Bestand von 107 Mio. Titeln. Dieser wächst z.Z. jährlich um rund 500.000 Titel. Digitalisiert wurden seit dem Beginn des „Digital Library“-Projekts im Oktober 199427 nur 200.000 Titel. Das [Seite 55↓]langfristige Ziel lag zu diesem Zeitpunkt bei 5 Mio. digitalisierter Titel bis zum Jahr 2004. Dieser Anteil ist verhältnismäßig klein, nur weniger als ein Zwanzigstel des Gesamtbestandes.28

In Japan begann das Projekt der Digitalen Bibliothek 1993. Bis zum Februar 1997 beteiligten sich die Japanische National Diet Library (NDL) in Tokio und 27 Öffentlichen Bibliotheken an dem Projekt.29 Bis dato wurden ca. 10 Mio. Seiten digitalisiert.30 Die Zahl der bibliographischen Einträge im Gesamtkatalog lag bei 7,6 Mio., im Jahr 2000 waren es 8,8 Mio. In das Projekt wurden 400 Mio. US$ von der japanischen Regierung investiert. Die erste Projektsphase wurde 2002 fertig gestellt.31 Als Vergleichswert soll hier die französische Situation genannt werden. Zum gleichen Zeitpunkt lagen dort 3 TB an digitalisierten Dokumenten und 8,3 Mio. bibliographische Nachweise vor.32

Die größte chinesische Datenbank mit digitalisierten Dokumenten ist die Digitale Bibliothek „Super-Star“ in der bis zum Jahr 2001 eine Datenmenge in der Größenordnung von 3,1 TB verfügbar war. In der Digitalen Bibliothek der NBC ist ein Datenvolumen von 3 TB erfasst. In der Shanghai-Digitale Bibliothek sind es 200 GB. Die Werte der anderen zwei Digitalen Bibliotheken „Reader-Home“ und „Test“ liegen bei jeweils 900 GB und 200 GB.33


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Der Gesamtbestand der chinesischen Nationalbibliothek lag 1999 bei 22 Mio. Medieneinheiten, unter diesen 5,66 Mio. chinesische Bücher.34 Im gleichem Jahr wurde die NBC-Webseite 104 Mio. mal besucht - die Zahl der Besucher in der Bibliothek lag bei ca. 2,7 Mio.. Im Jahr 2001 erfolgten auf die Webseiten der NBC zwischen 150.000 und 200.000 Zugriffe pro Tag, obwohl erst in geringem Maße digitalisierte Materialien angeboten wurde.35 Ende 2001 lagen 30 Mio. Seiten bzw. 150.000 Bücher digitalisiert vor. Die NBC bietet kostenlosen Zugriff auf die digitalisierten Bestände an.36 Der ehemalige Vize-Direktor der NBC vertritt die Auffassung, dass eine einzelne Bibliothek mit einigen digitalisierten Materialien keine richtige „Digitale Bibliothek“ darstellt. Eine Digitale Bibliothek ist erst durch eine landesweite Verknüpfung der digitalen Bestände vieler Bibliotheken gegeben. Das bedeutet, dass sich alle Einrichtungen, die an Digitalisierungsvorhaben beteiligen bzw. diese durchführen, einen gemeinsamen Standard für die Digitalisierung vereinbaren und ihre Zusammenarbeit generell vertiefen müssen.37 Die Aufgabe der chinesischen Digitalen Bibliothek ist es, bis zum Jahr 2005 mindestens 10 [Seite 57↓]Informationsbanken mit insgesamt nicht weniger als 20 TB zu digitalisieren. Dieser Datenbestand würde durch einige ausländische Datenbanken ergänzt werden.38

Die Frage, welche Materialien digitalisiert werden sollten, ist von großer Bedeutung für die zukünftige Planung. Die Nutzung spielte bei dieser Überlegung eine große Rolle. Eine starke Nutzung auch über den Einzugsbereich der Bibliothek hinaus spricht für eine Digitalisierung, da die Dokumente dann leichter vermittelt werden können. Es ist für die Bibliothek schwierig zu entscheiden, ob bestimmte Materialien für eine Digitalisierung relevant sind. Man weiß heute, dass es nicht möglich sein wird, den Gesamtbestand einer Bibliothek zu digitalisieren, so dass Entscheidungen, welche Bestände und Dokumente digitalisiert werden sollen, von der Bibliothek getroffen werden müssen. Aber auch diese digitalen Bestände müssen systematisch erschlossen und benutzerfreundlich angeboten werden.

Eine weitere Frage ist, wie viele Informationen gibt es bislang nur in elektronischer Form? Der elektronische Markt ist bislang bei weitem nicht so gut entwickelt wie der Markt für Printprodukte. Einer Statistik aus dem Jahr 2000 zufolge gab es in China 400 Arten von elektronischen Publikationen.39 Bei Printprodukten bringt zurzeit ein Titel dem Verlag nur dann einen finanziellen Gewinn, wenn er mindestens eine zweite Auflage erreicht.40 Angesichts dieser Marktsituation kann daher nicht entschieden werden, ob aus Kostengründen die elektronischen Ausgaben von Handbüchern, Nachschlagewerken, Wörterbüchern, Jahresstatistiken, Zeitschriften den Printausgaben vorgezogen werden.


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2.2.3  Digitalisierung der Grundbestände und Sonderbestände

2.2.3.1 Verschiedene Konzepte der Digitalisierungsprojekte in China, im Vergleichen zu ausländischen Bemühungen

Bei der allgemeinen Betrachtung von Beständen ergibt sich vorrangig eine besondere Bedeutung der Digitalisierung für Spezialbestände, wie auch in anderen Ländern z.B. Deutschland. China hat zunächst viel Wert auf die Digitalisierung von Spezialbeständen gelegt. Mittlerweile kam man zu der Erkenntnis, dass dies - auch im Vergleich mit den oben genannten Zielen - nicht ausreicht. Auf die Digitale Bibliothek wurde in China nicht wie erwartet zugegriffen, obwohl die Bibliothek (z.B. „Super-Star“) ausreichende digitalisierte Spezialbstände besitzt. Dies mag auch an den Benutzern der Spezialbestände liegen. In der Grundstruktur muss die Digitale Bibliothek der universellen und traditionellen Bibliothek ähnlich sein und zwar mit allgemeinen digitalen bzw. digitalisierten Beständen und Spezialbeständen. Dazu gehören Bücher, Zeitschriften und verschiedene Sammlungen auf die allgemein zugegriffen werden sollte, damit die Bedürfnisse des allgemeinen Nutzers erfüllt werden können. In der Digitalen Bibliothek sind die Spezialbestände in den universalen Beständen enthalten, und können durch die Indizierung der Metadaten sichtbar gemacht werden. Eine gesonderte Bearbeitung ist nicht notwendig wohl eine gesonderte Erschließung für die Benutzer.

Jedes Land hat bei der Digitalisierung seine eigene Vorgehensweise entwickelt, die von einer Reihe von Faktoren abhängt, der Landesgröße, der Zugänglichkeit der Bestände, der Größe der Bestände, der Mittel, die zur Verfügung stehen und der Nutzer, die auf die digitalisierten Bestände zugreifen. Wie oben schon angedeutet, ergibt sich für China eine besondere Situation (geographisch und politisch) durch die Größe und Verteilung der chinesisch sprechenden Kommunen. Daher ist die Entwicklung der chinesischen Digitalen Bibliothek sehr vorangetrieben worden, was sogar angesichts der knappen Mittel, die dafür zur Verfügung standen, auch ausländische Beobachter erstaunt hat.41 So hat die chinesische Digitale Bibliothek [Seite 59↓]bis heute erreicht, dass dem allgemeinen Nutzer ein Online-Service zur Verfügung steht im Gegensatz zu anderen Ländern z.B. Deutschland,42 die ihren Nutzern in erster Linie Spezialdatenbanken anbieten und daher ihre Dienste auf eine ganz bestimmte Nutzerschicht zuschneiden, will China die Digitalisierung für die Informationsversorgung breiter Bevölkerungsschichten nutzen. Ein Urteil über die Qualität dieser Entscheidung hängt von den Informationsressourcen des jeweiligen Landes ab. Das zeigt sich schon im Ansatz, die Digitale Bibliothek für die schlichte Alphabetisierung zu nutzen. Solch ein Ansatz wäre für andere Länder undenkbar. Einer Statistik (Jahrgang 1989-1994) nach hat Deutschland 1,58 Bücher pro Kopf in Öffentlichen Bibliotheken, Großbritannien 2,23, Niederland 2,87, Japan 1,29, Hongkong 0,69 und China dagegen 0,26.43 In Deutschland stehen daher mehr Bücher und Bestände zur Verfügung als in China, in der die Bestandsgröße pro Kopf ungleich niedriger ist. Deshalb wird die Digitalisierung der Allgemeinbestände als wichtiger angesehen.

Die Digitale Bibliothek soll zur sozialen, kulturellen und wissenschaftlichen Entwicklung Chinas beitragen. Die im Dezember 2000 durchgeführte Untersuchung des „China Netz Information Centers –CNNIC“ fand auf die Frage, was möchte der Nutzer durch das Internet bekommen heraus, dass es in erster Linie Bücher und Zeitschriften sind, die er lesen will. Der Erfolg einer Digitalen Bibliothek wird daher davon abhängen, wie viele elektronische Bücher die Digitale Bibliothek den Nutzern anbieten kann.

Die Zhongshan Provinzbibliothek Kanton hat eine Umfrage durchgeführt, in dem sie ein paar Themen oder Schlagworte angab und untersucht,

  1. Wie viel gewünschte Informationen wurden herausgefunden

  1. Wie viel Volltext wurde angeboten
  2. Wie hoch war der entsprechende Zufriedenheitsgrad der Nutzer.

Die Ergebnisse sind wie folgt:

  1. In der „chinesischen Digitalen Bibliothek“ wurden 70% der gesuchten Schlagworte oder Themen gefunden. „Super-Star“ stand mit 89% an der ersten Stelle, während „Pilot“ 60% und „Reader-Home“ 44% darunter lagen.
  2. Das Angebot der „chinesischen Digitalen Bibliothek“ umfasst 2.228 Volltexte, das von „Super-Star“ 7.812, „Pilot“ und „Reader-Home“ bieten 1.526 bzw. 857 Volltexte.
  3. 61% der Benutzer sind mit der „chinesischen Digitalen Bibliothek“ zufrieden. Bei „Super-Star“ sind es 81%, bei „Pilot“ 54% und „Reader-Home“ 29%.

Hier wird deutlich, dass die Dienstleistung der Digitale Bibliothek „Super-Star“, die von der Zhongshan Provinzbibliothek Kanton und der Firma „Super-Star“ zusammen aufgebaut wurde, den Spitzenplatz belegt. Einige Digitale Bibliotheken haben zwar größere Spezialbestände und effektivere Suchmaschinen, aber keine besitzt so umfangreiche Allgemeinbestände wie die Digitale Bibliothek „Super-Star“. Sie erfasste Anfang 2004 insgesamt 900.000 Titel e-Books, 15 Mio. Zeitschriftsaufsätze, 120.000 Dissertationen und Magisterarbeiten, 160.000 Beiträge von wissenschaftlichen Konferenzen und 14.000 Titel fremdsprachigen Zeitschriften.44

Die Digitale Bibliothek sollte dabei keine Zusammenfassung von Datenbanken sondern vielmehr muss auf den Benutzer zugeschnitten sein und ihm ausreichende Informationen und einen optimalen Zugang zu ihnen bieten.

2.2.3.2 Die Integration der Grundbestände

Ohne Grundbestände sind die chinesischen Digitalen Bibliotheken und die Digitale Bibliothek „Super-Star“ nicht für eine breite Nutzerschicht relevant. Wie werden nun diese digitalen Grundbestände aufgebaut? Es gibt zurzeit in China staatliche und halbstaatliche Unternehmen, die Informationen digitalisiert haben, das sind z.B. „Digitale Bibliothek China“ ‘, „Peking Super-Star “, „Tsinghua Tongfang“, „Congqing Weipu“, „Renda Kopier Gesellschaft“. Insgesamt haben sie mehr als 400.000 Titel und mehr als 10 Mio. Beiträge aus Zeitschriften erfasst. Die Speicherkapazität der [Seite 61↓]Daten ist 8 Tetrabyte. So entsteht die größte digitalisierte chinesischsprachige Datensammlung der Welt. Im Dezember 2001 begann die zweite Phase des Bauprojektes der Nationalbibliothek. Eng damit verbunden wird in den kommenden fünf Jahren während des Ausbaus eine Ressourcenbank von Dateninformationen, die über ein Volumen von 20 TB verfügt, errichtet, damit sich der Zustand, dass es momentan im Internet an chinesischsprachigen Informationen mangelt, ändert. Gegenwärtig kann das Zentrum für Netzwerkinformationen der Nationalbibliothek den Lesern im Internet Informationsdienste mit einer Speicherkapazität von 1.000 MB anbieten. Die Benutzer können kostenlos berühmte chinesische Klassiker und allgemeinbildende Bücher im Internet lesen.45

Gibt es Möglichkeiten der technischen Integration von Daten, auch wenn verschiedenen Datenformate und Navigator-Systeme verwendet werden? Die Antwort ist erfreulich. Die Zhongshan Provinzbibliothek Kanton hat durch neuere Entwicklungen schon den Entwurf der integrierten Technologie erfolgreich realisiert. Auf dieser Plattform können verschiedene Digitale Bibliotheken integriert werden. Für die Benutzer ist es einfach. Nach der Installation der „CD Digitale Bibliothek Kanton“ auf ihrem eigenen Computer, können sie die Bücher und Zeitschriften online lesen. Für den Download ist der Kauf einer „Reader-Card“ notwendig. Dieser Aspekt betrifft das Thema Urheberschutz in der Digitalen Bibliothek, welches noch an anderer Stelle näher betrachtet wird.

2.2.3.3 Der Aufbau von Sonderbeständen

Auf der Basis digitalisierter Grundbestände sollte der Aufbau von spezialisierten Beständen erfolgen.

Das „Pilotprojekt Digitale Bibliothek“ enthält fünf spezielle Datenbanken. Ein großer Teil von ihnen will das kulturelle Erbe zugänglich machen. Die fünf Datenbanken sind:

1.) Klassische chinesische Gedichte

Diese Datenbank umfasst 36 illustrierte Gedichte der Ming-Dynastie (1368-1644), aus Büchern im Bestand der Nationalbibliothek. In dieser Datenbank sind zu jedem Dichter Abbildungen, Anmerkungen, Fußnoten, Erklärungen im heutigen Chinesisch und eine Tonspur mit einer Lesung des Textes mit Musik erfasst. Für manche ist [Seite 62↓]noch die traditionellen Sing-Lesung eingebunden. Diese Datenbank wurde ein „Wasserzeichen“ beigefügt, um Verstößen gegen das Copyright vorzubeugen.

2.) Klassische chinesische Architektur

Diese Datenbank zeigt die chinesische Mauer und die Paläste, Tempel, Pavillons, sowie den islamischen Architekturstil aus verschiedenen Dynastien.

Zu jedem Gebäude gibt es Erklärungen und Abbildungen.

3.) Die verbotene Stadt in Peking

Diese Datenbank stellt die Architektur von der verbotenen Stadt und die wertvollen Sammlungen vor. Sie enthält ebenfalls zahlreiche Abbildungen und Erklärungen.

4.) Die Welt des Meeres

Diese Datenbank hat momentan nur zwei Teile: Geologie und Zoologie des Meeres. Es gibt zahlreiche farbige Abbildungen.

5.) Die Struktur des Weltalls

Hier werden die Erkenntnisse der Weltraumforschung reich illustriert präsentiert.

Diese fünf Datenbanken haben Links zu staatlichen biographischen Datenbanken und zum SGML-basierten elektronischen „Lexikon“ des Lexikon-Verlags, über das man auf verschiedenen anderen Plattformen und in weiteren Datenbanken recherchieren kann. So kann z.B. der Begriff „die chinesische Mauer“ als Lexikoneintrag aufgerufen und über einen Link in der Datenbank „klassische chinesische Architektur“ abgerufen werden, um an dieser Stelle spezifische Informationen zur Architektur zu erhalten.

Die Zhongshan Provinzbibliothek Kanton baut einige weitere Angebote auf, z.B. die Volltextdatenbank von Sun Zhongshan, die Wissensbank des chinesischen Nachschlagewerks (Zhongguo Cihai Zhishiku), eine regionale Dokumentation, die Datenbank des Haus- und Grundbesitzes vom Perlenfluss-Delta (Zhujiang Shanjiaozhou Fangdichan).


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2.3  Die Digitalisierung der chinesischen historischen Sammlung, mit Berücksichtigung von Projekten außerhalb der V.R. China

2.3.1 Die Bedeutung der Digitalisierung der chinesischen historischen Sammlungen

Eine erwähnenswerte Aktivität der chinesischen Digitalen Bibliotheken ist die Digitalisierung ihrer historischen Sammlung. Unter dem Begriff „chinesische klassische Werke“ versteht man die Manuskripte und verschiedenen Formen von Datenträgern, die vor dem Jahr 1911, dem Jahr der chinesischen demokratischen Revolution, erstellt wurden. Es gibt insgesamt ca. 130.000 Buchtitel und über 10 Mio. Hefte.46 Die meisten befinden sich in den verschiedenen Bibliotheken und Forschungseinrichtungen Chinas, einige bei privaten Sammlern und im Ausland.

Neben den in der chinesischen Sprache verfassten Werken, welche den Hauptteil der Bestände ausmachen, gibt es weiterhin Werke, die in Sprachen ethnischer Minderheiten verfasst sind. Diese Kulturen haben z.T. eine sehr lange Tradition z.B. gibt es Dokumente in Tibetisch seit dem 7. Jahrhundert, in Mongolisch seit dem 12. Jahrhundert oder in Yi47 seit über 2.000 Jahren. Außerdem gibt es auf Chinesisch verfasste Werke, in deren Zentrum Kultur und Sprache ethnischer Minderheiten stehen.48 Die Nationalbibliothek Chinas hat über 100.000 Hefte der historischen Sammlungen, die in 26 Sprachen verfasst sind. Die genaue Zahl der historischen tibetischen oder mongolischen Sammlungen ist schwer abzuschätzen. Vermutlich gibt es allein in den Mandschurischen Archiven 1,5 Mio. Titel, darunter 17.000 historische mongolische Sammlungen.49 Die Erfassung der historischen [Seite 64↓]Sammlungen der ethnischen Minderheiten wurde noch nicht umfassend durchgeführt, viele sind noch nicht in den offiziellen dokumentarischen Einrichtungen erfasst. Es gibt bislang keinen einheitlichen Standard für die Bearbeitung. Die Klassifikationen sind z.B. unterschiedlich. Eine Organisation zur Koordination der Zusammenarbeit wurde 1983 speziell eingerichtet, jedoch gab es bislang keine nennenswerten Verbesserungen.

Die alten chinesischen Gelehrten legten nicht viel Wert auf den Unterschied zwischen Literatur, Geschichte und Philosophie. Dies ist eine Besonderheit der chinesischen historischen Sammlungen. Ein Werk behandelt oft gleichzeitig literarische, historische und philosophische Themen, die Inhalte sind ausgesprochen heterogen. Das kompliziert die nachträgliche Erschließung ungemein. Die Digitalisierung der historischen Sammlungen bietet eine Lösung, da die Volltexte recherchierbar werden.

Ein weiterer Vorteil der Digitalisierung liegt in der Bewahrung der Bestände. Viele ältere Titel können aufgrund ihres Zustandes nicht mehr an Leser ausgegeben werden. Eine digitalisierte Version schafft hier Abhilfe. Zum Teil wurden in den Vergangenheiten von bestimmten „Rare-Book“-Titeln Reprints oder Faksimiles durch chinesische Bibliotheken angefertigt, um diese Titel für zukünftige Generationen zu erhalten. So wurde z.B. zweimal 797 Hefte der berühmten „Yongle Encyclopedia“ (Yongle Dadian), insgesamt 810 Hefte (Scroll, jüan),50 aus dem Bestand der Nationalbibliothek China durch „Zhonghua Book Press“ (Zhonghus Shuju) 1960 und [Seite 65↓]1985 nachgedruckt.51 Ähnliche Bearbeitungen wurden auch von der Shanghai Bibliothek seit den 50er und 60er Jahren, der Nanjing Bibliothek, zusammen mit der „Shanghai Buchhandlung“ (Shanghai Shuju) und der Tianjin Bibliothek, zusammen mit „Tianjin historische Werke Verlag“ (Tianjin Shuju), durchgeführt.

Diese Bearbeitungsform war allerdings für eine flächendeckende Bestandssicherung zu teuer und wurde nur in Einzelfällen angewendet. Aus diesem Grund hat China im Januar 1985 das „Dokumentationsmikrofiche- und Kopien-Zentrum chinesischer Bibliotheken“ eingerichtet. Sein Ziel ist es, die historischen Sammlungen, vom Zerfall bedrohter Bücher sowie Werke, die vor dem Jahr 1949 zu erhalten. Das neue China wurde im Jahr 1949 von Mao Zedong gegründet. Man trennt deshalb nicht 1950 sondern 1949. Im Jahr 1996 gab es 21 Bibliotheken, die an diesem Projekt beteiligt waren. Bis Ende 1995 wurden 2.300 historische Sammlungen und über 1.106 klassische Gemälde fotografiert.52

Das Mikrofiche-System ist zwar billig aber wenig benutzerfreundlich.

Die UNESCO hat im Jahr 1992 den „World Memory Plan“ gestartet, um das kulturelle Erbe der Menschheit zu erhalten und stärker als bisher öffentlich zugänglich zu machen. Auf diese Grundlage wurde der Einsatz neuer Technologien vorangetrieben. In den USA begann man schon früh, nämlich im Jahr 1978, mit der computerunterstützten Erstellung von Indices zu chinesischen historischen Sammlungen. Auch Japan forscht seit den 80er Jahren an Automatisierungssystemen für japanische historische Sammlungen. China begann in der Mitte der 1980er Jahre mit der Digitalisierung von chinesischen historischen Sammlungen.


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2.3.2  Projekte in Taiwan, Hongkong und Kernland China53

2.3.2.1 In Taiwan

1.) Es gibt eine chinesische Volltextdatenbank bei der Academia Sinica, dem zentralen Forschungsinstitut zur chinesischsprachigen Kulturgeschichte (http://www.sinica.edu.tw). Diese Datenbank wird weltweit von Sinologen hoch geschätzt.

2.) Unter anderem betreibt die Akademie eine Bambus-, Seide- und Steinbuch-Datenbank (http://satum.ihp.sinica.edu.tw/~wenwu/search.htm). Sie umfasst über 40 Werke mit insgesamt 340 Mio. Schriftzeichen im Volltext.

3.) Die „Taiwan Universität“ entwickelte ein Datenerschließungssystem für historischen Sammlungen, http://pegasus.csie.ntu.edu.tw. Der Schwerpunkt dieses Projektes liegt in der taiwanesischen Geschichte und der Sicherung entsprechender Quellen.

4.) Das Forschungszentrum für Buddhismus an der Taiwan Universität unterhält eine Buddhismus Datenbank, http://ccbs.ntu.edu.tw/nisc/cbs--exp.htm.

5.) An der Yuanzhi Universität gibt es ein Multimedia-Netz-System, in dem nicht nur die Volltextdigitalisierung chinesischer Werke, sondern auch die weitergehende Erschließung und Recherchierbarkeit im Internet nach den Feldern wie Keyword, Gedichtsatz (wenn man einen Satz von einem Gedicht sucht), Autoren, Ort, Volltext usw. http://cls.admin.yzu.edu.tw möglich ist.

6.) Das Nationalmuseum in Taiwan bietet eine Volltextdatenbank der historischen Sammlungen, (http://www.lib.tku.edu.tw/online/intro/oldbook.htm).

7.) Ein Volltext-Erschließungs-System (http://www.temet.com.tw), für medizinische historische Sammlungen, wurde von 1989 bis 1990 vom „Gaoxiong City Chinese Medicine Hospital“ fertig gestellt.

Außerdem gibt es noch elektronische Bücher, die man im Internet lesen kann: „Ausgewählte chinesische Gedichte“ und „Ausgewählte Chinesische Literatur“ wurden vom Institut für Mathematik der „National Central University“ Taiwan in das Netz gestellt. http://www.ncu.edu.tw.


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2.3.2.2  In Hongkong

Seit 1988 baut das „Chinese Ancient Text Centre“ (http://www.chant.org) der „Chinese University of Hong Kong“ Datenbanken zu den chinesischen historischen Sammlungen auf. Anfang 2000 enthielt die Datenbank über 30 Mio. Schriftzeichen. Werke mit einem Gesamtumfang von über 11 Mio. Schriftzeichen sind über das Internet zugänglich. Die Datenbanken sind:

1.) Datenbank zu Qin und Han Dynastien (221 v. Chr. –220 n. Chr.). Sie enthält klassische Werke von 103 Heften und ca. 9 Mio. Schriftzeichen. Diese Datenbank wurde im Jahr 1991 entwickelt. Seit 1992 erscheint sie sowohl als CD-ROM- wie auch als Printausgabe.

2.) Datenbank zu Weijin und Nanbeichao Dynastien (220 – 589). Von 1991 bis 1995 wurden über 1.000 Titel historischer Sammlungen mit über 24 Mio. Schriftzeichen erschlossen. Ein großer Teil dieser Dokumente ist auch über das Internet verfügbar. Diese Datenbank wurde speziell für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Literatur, Philosophie, Geschichte und Sprache dieser Dynastien konzipiert.

3.) Wenyuange Sikuqianshu (Complete Collection of the Four Branches of Literature)54 - elektronische Version. Dies ist bis heute die größte elektronische Datensammlung. Sie enthält zwei Versionen: den Originaltext mit Titel Erschließung auf 167 CD-ROM; und den Originaltext mit Volltexterschließung auf 183 CD-ROM. In der elektronischen Version kann man nach dem Titel, Autor und manchen Schriftzeichen im Volltext recherchieren.

Weiterhin gibt es noch eine Datenbank zu Bambus- und Seidenbüchern.


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2.3.2.3  In Kernland China

1.) Von der Stadtbibliothek Shanghai wurden CD-ROM-Ausgaben historischer Sammlungen erstellt. Eine 1997 beschlossene Planung der Shanghai Library sah vor, in den kommenden fünf Jahren weitere 178.000 Hefte, über 5 Mio. Seiten historischer Sammlungen zu digitalisieren. Bis Juni 1998 hatte die Bibliothek 760 Titel und 250.000 Seiten Volltext digitalisiert, von denen viele sehr wertvoll und selten sind. Zurzeit arbeitet die Bibliothek daran, die digitalisierten Volltexte auch im Internet verfügbar zu machen.

2.) Elektronische Bücher chinesischer historischen Sammlungen auf dem Gebiet der Medizin werden von der Firma „Hongyu IT“ in Changsha, Provinz Hunan erstellt. Zum ersten Mal wurden hierbei die umfangreichen chinesischen medizinischen Sammlungen systematisch geordnet. Man kann nach Keywords und Kernsätzen recherchieren.

3.) Eine Volltextdatenbank der wichtigsten historischen Sammlungen, (Guoxue Baodian) wurde 1999 vom „elektronischen Dokumentationszentrum Peking Hanhai“ fertig gestellt. Diese Datenbank enthält wichtige chinesische (80%) und fremdsprachige historischen Sammlungen mit über 80 Mio. Schriftzeichen. Es verwendet die UCDOS Plattform zur Darstellung der chinesischen Schriftzeichen und enthält 6.763 Schriftzeichen vom „GuoBiao-Chinese-Code“. So können auch sehr selten benutzte Schriftzeichen von klassischen Werken aufgezeigt und ausgedruckt werden.

4.) “Die Fünfundzwanzig-Dynastien-Geschichte“(Ershiwu Shi) liegt digitalisiert im Volltext vor. Das System wurde von Dr. Yuan Lin von der „Shaanxi Normal University“ im Juni 1999 beendet. Eine ähnliche Datenbank gibt es auch in Taiwan, diese aber wegen der Unterschiede des verwendeten chinesischen Codes und der langsamen Übertragungsgeschwindigkeiten durchs Internet im Kernland China selten benutzt wird.

5.) Der Volltext zu „Complete Collection of the Four Branches of Literature „(Siku Quanshu) http://www.zg169.net/skqs/), wurde von der Firma „Huiwen IT“ in Jinan, Provinz Shandong erstellt. Das Angebot enthält alle Dokumentationen aus „Shi Ku Quan Shu“, mit einem Umfang von insgesamt über 30.000 Heften und 2 Mio. Seiten. Neben dem Volltext gibt es die Möglichkeit zur Recherche unter verschiedenen Aspekten, so z.B. nach dem Titel, Autor, Signatur, und bestimmten Seite. Diese [Seite 69↓]Ausgabe gewann einen Preis bei dem Wettbewerbe der Multimedia CD-ROMs in China und befindet sich im chinesischen Nationalmuseum in Peking.

6.) Die Sammlung der „Rubbing from inscription ancient bronzes and stone tablets“ befindet sich in elektronischer Form im Bestand der Peking Universität (http://www.lib.pku.edu.cn). Insgesamt besitzt die Peking Universität 1,6 Mio. historische Sammlungen, darunter über 50.000 „Rubbings“, womit sie an der Spitze der wissenschaftlichen Bibliotheken Chinas steht. Im September 1999 wurde das „Institute of Digital Library Peking University“ (URL: http://www.idl.pku.edu.cn/) von CALIS (China Academic Library and Information Science), der Pekinger Universitätsbibliothek und dem „Zentrum für Informatik der Peking Universität“ gegründet, um an einem Digital Bibliothekssystem zu arbeiten. Bei der Erschließung dieser Sammlung wurde mit „New Zealand Digital Library Project“ zusammengearbeitet. Es wurden „RBDL55 Rarebook Metadata Version 1.0“ und „RBDL Rubbling Metadata Version 1.0“ angewendet.56 Die Texte sind nun über das Internetangebot der Peking Universität weltweit zugänglich.57

2.3.3 Digitalisierung der historischen Sammlungen: Leser und Nutzer

Die Erforschung und Bearbeitung der historischen Sammlungen ist eine sehr spezielle Arbeit. Die Werke haben einen relativ eingeschränkten Benutzerkreis. Sie sind nicht so verbreitet wie chinesische klassische Malerei und Kalligraphie. So stellt sich die Frage, wer ist die Zielgruppe für die digitalisierten historischen Sammlungen? Sie setzt sich zusammen aus

  1. Spezialisten und Forschern auf dem Gebiet der klassischen chinesischen Literatur;
  2. Sammlern der historischen Sammlungen;
  3. der Lesern, die sich für traditionelle Kulturen interessieren.


[Seite 70↓]

Die Zielgruppen und ihre Erwartungen

a) Spezialisten und Forscher:

Diese Gruppe verlangt eine vielseitige bibliographische Erschließung Die Suchfunktion sollte nicht nur auf Titel, Autor und der Kategorie beschränkt sein, sondern auch Kriterien wie Vision, Überarbeitung, Dynastien berücksichtigen. Das Angebot von Volltexten ist notwendig.

Begleitend empfiehlt es sich BBS oder Mailinglisten aufzubauen, um damit den wissenschaftlichen Diskurs zwischen Bibliotheken und Lesern zu unterstützen.

Neben dem eigentlichen Text sind Rückschlüsse über Materialstrukturen, Tinte u.ä. bei der wissenschaftlichen Analyse der Werke entscheidend. Um diese weitgehend abzubilden, ist der ImageScan das beste Digitalisierungsmittel.

Zum Angebot sollte eine entsprechende Webseite aufgebaut werden, in der die einzelnen Teile des Werkes vernetzt sind. Einerseits verlinken die elektronische Vision von Wörterbüchern, Nachschlagewerke und elektronische Datenbanken miteinander und werden andererseits mit anderen Webseiten zu anderen historischen Sammlungen vernetzt.

b) Sammler und Leser

Ein großer Teil der Benutzer, die diese Angebote über das Internet nutzen, gehört zu den Lesern und Sammlern mit einem generellen Interesse für traditionelle Kulturen. Die Webseiten zu den historischen Sammlungen sollen nicht nur Original-Texte und -Bilder zeigen, sowie gut funktionierende bibliographische Erschießungen und Verweise anbieten, sondern auch Informationen und Materialien zu allgemeinen Einführungen in den historischen Sammlungen präsentieren.

Die Werke sollten möglichst parallel zum durchsuchbaren Volltext auch als Bilddateien angeboten werden. Die chinesischen historischen Sammlungen gelten als gemischte Kunstwerke. Nicht nur der Inhalt der Texte, sondern auch Kalligraphie, Zeichnungen, Stempel, historische Bilder, die Handschrift der Persönlichkeiten bzw. die Druckkunst sind für den Benutzer von Interesse und für den Forscher wichtig. Das ist ein wesentlicher Aspekt, wenn es um die Abbildung der traditionellen Kulturen und deren Bewahrung geht.


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Zusammenfassung:

Die Digitalisierung verfolgt nicht nur das Ziel, die alten Materialien zu digitalisieren, um sie im Computer lesbar und im Internet verfügbar zu machen, sondern soll zusätzlich die Nutzbarkeit und Nutzungsintensität dieser alten Werke verbessern. Dieser Anspruch steht hinter der Digitalisierung der historischen Sammlungen. Digitalisierung ist nicht nur im Bereich der Forschung wichtig, sondern auch für die normalen Nutzer sinnvoll. Historische Sammlungen sind Zeugnisse der Geschichte. Multimedia und die Digitalisierung der historischen Sammlungen können das kulturelle Erbe zugänglich machen und werden auch die Vermittlung der Geschichte in Schulen und Universitäten erleichtern und vertiefen.58

Weitere Gesichtspunkte sind der Bestandserhalt und die Kosten. Der Prozess des Scannens während der Digitalisierung schadet dem Material trotz technischer Fortschritte. Daher soll wiederholtes Scannen vermieden werden, was sich als Anspruch schon allein aus Kostengründen ergibt. Um die Kosten zu verringern, ist eine Zusammenarbeit zwischen Anbietern und Kunden notwendig. Das heißt, es können Bibliotheken zusammenarbeiten, aber auch die Kooperation zwischen den IT-Firmen und der Bibliothek ist möglich, um die Datenmenge zu erhöhen und damit den Aufwand geringer zu gestalten.59

2.3.4 Zwei typische Digitalisierungen der chinesischen historischen Sammlungen

Typisch bei der Digitalisierung der chinesischen historischen Sammlungen ist die Vorgehensweise bei Leishu und Jiaqu (Familienstammbuch), die als Beispiel für die Digitalisierung an chinesischen Bibliotheken dienen mögen.


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3.4.1 Digitalisierung der „Lei Shu“–Sammlungen60

Die „Lei Shu“-Sammlungen gelten als die sogenannte „klassische chinesische Enzyklopädie“ und sind die weltweit berühmtesten chinesischen historischen Sammlungen. Sie bestehen aus Textabschnitten aus einer Reihe von Werken, die in dieser Sammlung zu einem einzigen großen Werk zusammengefasst werden. „Lei-Shu“ bedeutet in der Übersetzung „classified books.“ Der Inhalt der „Lei Shu“ ist umfangreich und deckt alle möglichen Bereiche der Forschung ab. Für die Sammlung wurden Materialien direkt aus den Texten extrahiert (zitiert) und nach Themen geordnet. „Original“, „umfangreich“ und „klassifiziert“ sind die drei wichtigen Eigenschaften der„Lei Shu“. Die „Lei Shu“ sind nur schwer mit westlichen Nachschlagwerken zu vergleichen. Die spezifische Kategorienauswahl, die nicht mehr auf heutige Ansprüche übertragbar ist, behindert bislang eine umfassende Nutzung. Durch Digitalisierung könnte dieses Problem gut gelöst werden.61

Das größte und wichtigste „Lei Shu“ – „Gujin Tushu Jicheng“ - gab es schon in elektronischer Version. Aber es reicht nicht aus, nur ein Werk digital zu erschließen. Der große Vorteil der „Lei Shu“ liegt in der Umfänglichkeit und Systematik. Nur wenn die verschiedenen „Lei Shu“-Sammlungen digitalisiert und in einer Datenbank erschlossen werden, kann dieser Vorteil genutzt werden.

Welche „Lei Shu“ sollten und könnten digitalisiert werden?

1.) Werke aus der Zeit vor der Song-Dynastie (960-1279) 62


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Es ist nicht möglich und auch nicht notwendig, alle „Lei Shu“ zu digitalisieren. Die „Lei Shu“ aus der Zeit vor der Song-Dynastie sollten aber in ihrer Gesamtheit erschlossen und digitalisiert werden, weil sie einzigartige Materialien enthalten. Nach der Song Zeit entstanden viele „Lei Shu“, mit hoher Redundanz, deren Nutzungswert bzw. Originalität entsprechend geringer ist.

2.) Mittlere und kleine spezielle „Lei Shu“.

Man hat für lange Zeit nicht viel Wert auf die mittleren und kleinen „Lei Shu“ gelegt. Wegen ihrer Besonderheit sind solche speziellen Werke aber von großer Bedeutung. Ein Beispiel ist die von Hand geschriebene „Lei Shu“ von Dun Huang 63 über [Seite 74↓]Buddhismus mit mehreren Abbildungen. Diese Lei Shu sind für die Forschung über ein bestimmtes Thema, z.B. das soziale Verhältnis zu Song Zeit, von sehr großer Bedeutung.

Abbildung 14: Drei Bilder von den Dunhuang-Grotten64

Die Datenbank von „Lei Shu“ sollte nicht einfach eine Zusammenstellung der verschiedenen Werke, sondern auch eine Überarbeitung der Inhalte (zum Beispiel eine Extraktion der Zahle, Standpunkte und Argumente) beinhalten. Eine darauf basierende Erschließung ist in der Nutzung sehr effektiv und schnell.

2.3.4.1 Die Digitalisierung der Familienstammbücher (Jiapu)65

Die chinesischen Familienstammbücher sind historisch und kulturell von großer Bedeutung. Es ist seit langem ein wichtiges Ziel, diese in möglichst großer Zahl in Bibliotheken zu sammeln.

In China hat sich das Familienstammbuch seit der Song-Dynastie dahingehend verändert, dass es nicht nur vom kaiserlichen Hof, sondern auch von normalen Familien privat geführt wurde. Die verschiedenen Dynastien legten viel Wert auf die Bearbeitung des Familienstammbuchs. Daher sind diese Bücher wichtige Quellen für die Forschungen auf dem Gebiet der sozialen, ökonomischen und kulturellen Entwicklung in China.

Wie viele Familienstammbücher bis heute erhalten sind, weiß man nicht genau. Der Tradition nach musste es alle 30 Jahren „klein“ und alle 60 Jahren „groß“ wieder bearbeitet werden. Das alte Stammbuch musste dann vernichtet werden, wenn es das neue erstellt war. Aus diesem Grund gibt es - trotz der langen Tradition - nicht [Seite 75↓]viele erhaltene alte Stammbücher. Vermutlich gibt es heute ca. 50.000 Titel chinesischer Stammbücher, von denen sich ca. 30.000 in China und 20.000 im Ausland befinden.

In China hat die Shanghai Stadtbibliothek die meisten Stammbücher (vor 1949) mit 11.700 Titeln und über 100.000 Exemplaren. Die meisten Dokumente stammen aus der Qing-Dynastie (1644-1911) und Mingguo (1912-1927). 200 weitere, sehr wertvolle Exemplare stammen aus der Ming Dynastie (1368-1644). Die Stammbuch-Sammlung der Nationalbibliothek Chinas umfasst 3.006 Titel. Sie sind von besserer Qualität. 2 davon sind aus der Song Dynastie und 322 aus Yuan (1260-1368) und Ming Dynastie. Andere bedeutende Besitzer von Stammbüchern sind z.B. die Provinzbibliothek Hunan und An’hui, der Pavillion der „Himmel Eins“ (Tianyige), Jilin Universitätsbibliothek und die Zweigbibliothek im „Institut für Geschichte“ der „Academia Sinica“.

In Taiwan hat die Bibliothek des „Museums der Verbotenen Stadt“ (Gugong Bowuyuan)fast 10.000 Titel in ihrem Bestand. Ein Drittel davon stammt von Taiwan und zwei Drittel vom Kernland. Außerdem besitzen Taiwans „Zentralakademie“(Zhongyang Yanjiuyuan) und die „Zentralbibliothek“(Zhongyang Tushuguan) einige Stammbücher. In Hongkong besitzt die Hongkonger Universitätsbibliothek 374 Titel, von denen die meisten nach 1949 erstellt wurden.

In den USA befinden sich fast 180.000 Exemplare von chinesischen Stammbüchern im Bestand der „Utah State University Library“, die 1894 eingerichtet wurde. Die „Library of Congress“, die die umfangreichste Sammlung an chinesischen Materialien außerhalb Chinas hat, besitzt ebenfalls 500 chinesischen Stammbücher. Weitere Stammbücher befinden sich in den Beständen der Ostasien Bibliothek der Columbia Universität und der Yanjing Bibliothek an der Harvard Universität. Auch in Japan gibt es nennenswerte Bestände. Weitere chinesische Stammbücher befinden sich in privaten Sammlungen.

Die Digitalisierung führt zu einer breiten Zugänglichkeit im Internet. Es gibt mehr als 20 Arten von Editorsoftware für Stammbücher, z.B. Ancestral Quest v3.0.10 und Fzip Family Tree 1.6. Ausgewählte WWW-Ressourcen zum Thema sind:

http://cat898.com/jiapu/cxto.asp

http://chengs.at.china.com

http://lxmqzf.163.net

http://china-stemmata.com


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http://chineseroots.com/xun-gen/cjver/main.jsp

Diese Angebote bieten Zugang zu mehr als 30.000 Stammbücher unter 1.000 chinesischen Familiennamen an. Durch diese Internetangebote kann man nach Familiengeschichte und -ursprung suchen oder auch ein eigenes Online-Familienstammbuch aufbauen.

2.3.5 Digitalisierung historischer Sammlungen von Minderheiten

2.3.5.1 Die Besonderheiten historischer Sammlungen der Minderheiten

1.) Der Inhalt dieser Werke ist meist religiös (Buddhismus, Islam und auch Naturreligionen).66

2.) Die Minderheiten bewohnten Grenzgebiete oder abgelegene Regionen des Landes. Die Technik des Druckens stammte in China aus der Zeit der Song-Dynastie (960-1297) und wurde von den Minderheiten nur zögerlich angenommen. Daher gab es weniger Printausgaben. Die meisten Dokumente sind Manuskripte. Häufig sind sie nicht datiert.

3.) Nicht nur die schriftlichen Dokumente, sondern auch mündlichen Überlieferungen sind von großer Bedeutung. Manche Minderheiten besaßen keine eigene Schrift und haben deshalb auch keine gedruckten Dokumente. Ihre Dokumente „mündlichen Überlieferungen“ sind als Transkriptionen erhalten. Auch wenn manche Minderheiten eigenen Sprachen entwickelt haben, besitzen sie auch große Mengen mündlichen Überlieferungen. Diese oralen Dokumente sind sehr wichtig und von großem Nutzen.

4.) Zur genauen Zahl der historischen Sammlungen der Minderheiten gibt es keine präzisen Angaben. Im Vergleich zu den historischen chinesischsprachigen [Seite 77↓]Dokumenten sind die in den Sprachen der Minderheiten verfassten historischen Sammlungen in noch größerer Zahl verloren gegangen. Es gab zwar in der Geschichte mehrfach Verbote und auch Vernichtungsaktionen im Bezug auf die historischen Sammlungen der Han-Chinesen, aber es gab auf der anderen Seite auch die Tradition, diese historischen Sammlungen zu jeder Blütezeit zu rekonstruieren.67 Diese Arbeit wurde von Fachleuten und Gelehrten organisiert und durchgeführt. Die Dokumente der Minderheiten hatten leider ein anderes Schicksal. Wegen der drastischen historischen Änderungen, den ständigen ethnischen Konflikten in der Geschichte, der ethnischen Wanderungsprozesse und durch Unfälle sind die historischen Sammlungen der Minderheiten teilweise oder auch vollständig verloren gegangen. Auch aus diesem Grund weiß man bis heute nicht, wie viel historische Sammlungen der Minderheit erhalten sind. Es gibt Untersuchung z.B. zur Zahl der tibetischen oder auch mongolischen Dokumente, aber nicht wenige der historischen Sammlungen befinden sich in Privatbesitz und sind daher nicht in Bibliotheken oder Dokumentationseinrichtungen erfasst.

Eine Voraussetzung für die Digitalisierung der historischen Sammlungen der Minderheiten wären daher Bibliographien der historischen Sammlungen.


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2.3.5.2  Die Bibliographien, die in Kernland China erfasst wurden.

1.) Die erste Nationalbibliographie: „Vereinigte Bibliographie der Mongolischen historischen Sammlungen“ (Menggu Wenxian Lianhe Mulu), wurde im Oktober 1979 vom „Volksverlag der Innern Mongolei“ (Leimenggu Renmin Chubanshe ) veröffentlicht. Sie enthält Nachweise zu 1500 Buchtitel und über 7.000 Exemplare von 66 Bibliotheken aus 21 Provinzen Chinas.

2.) Die „Gesamtbibliographie der alten mongolischen Dokumenten Chinas“ (Zhongguo Menggu Wenxian Zongmu) (3 Bände), wurde von der „Peking University Press“ im Mai 2000 veröffentlicht. Sie enthält Nachweise zu mongolischen Dokumenten(darunter auch Zeitungen), die vor 1949 erschienen waren aus dem Bestand von 180 Einrichtungen und 80 Privatbesitzern. Parallel zur Buchausgabe wurde auch die Bibliographiedatenbank aufgebaut.

3.) „Vereinigte Bibliographie der Mandschurischen Bücher und Materialien in und um Peking“ (Beijing ji Zhoubian Diqu Manwen Lianhe Mulu) von 1979. Die auf dieser Bibliographie basierende „Vereinigten Bibliographie der Mandschurischen Bücher und Materialien Chinas“ wurde im Juli 1991 vom „Bibliographischen Dokument Verlag“ (Shumu Wenxian Chubanshe) veröffentlicht. Sie enthält Nachweise zu 10.150 Dokumenttitel und 693 Abbildungen von 48 Einrichtungen aus 17 Provinzen. Damit deckt sie fast das gesamte Mandschurische Schrifttum der Qing-Dynastie ab. Sie bietet mehrere Erschließungsmöglichkeiten an und ist von hohem Wert für die Forschung.

Darüber hinaus wurden noch zwei Bibliographien erstellt: 4.) Die „Vereinigte Bibliographie der tibetischen historischen Sammlungen“ (Zangwen Guji Lianhe Mulu) wurde in September 1997 begonnen und soll bis 2007 abgeschlossen sein.

5.) Das „Abstract der Gesamtbibliographie der historischen Sammlungen der chinesischen Minderheiten“ wurde im Mai 1996 angefangen und ist ein Schwerpunktprojekt im Zeitraum des „Neuen Fünfjahresplans“.

Der Schwerpunkt bei der Bearbeitung der historischen Sammlungen liegt ebenfalls im Bereich der Standardisierung und Automatisierung. Eine einheitliche [Seite 79↓]Bibliographierung und Klassifikation ist sinnvoll. Außerdem ist es nötig, bibliographische Datenbanken und Volltextdatenbanken aufzubauen.68

Nachdem die „Tibet Bibliothek“ 1996 eröffnet wurde, kam auch die Katalogisierung der tibetischen alten und zeitgenössischen Dokumente zum Abschluss. Dem „Internationalen Tibetischen Katalogisierungsstandard“ wurde 1997 international zugestimmt. Dieser Standard enthält ein „177 Code Set“ und damit all die tibetischen und häufig gebrauchten Codes. Dies ist der erste Standard für eine Minderheitensprache Chinas. Ein mongolisches Code Set wurde in der Folge eingeführt.69

2.4 Welche Aktivitäten des chinesischen Bibliothekswesens kann man unter dem Aspekt der Digitalisierung im Internet finden?

2.4.1 Die Vernetzung und die Digitalisierung

Hier wurden nur die drei wichtigsten Bibliotheken im Bezug auf Vernetzung und Digitalisierung präsentiert. Darüber hinaus sind die meisten Universitätsbibliotheken, Forschungsbibliotheken, Öffentlichen Bibliotheken und einige Bibliotheken in der Armee und in Grund- und Mittelschulen im Internet vertreten, die im Anhang 4 aufgelistet werden.

1.) Die Nationalbibliothek von China (NBC) (http://www.nlc.org.cn)

Die Nationalbibliothek von China hat in der Mitte der 70er Jahre mit ihrer Bibliotheksautomation begonnen. Im Jahr 1989 wurden ein Großrechner, ein integriertes Bibliotheksverwaltungssystem für die Entwicklung und die Verwendung der Bibliotheksautomation in Betrieb genommen. Gemäß dem „Vernetzungsentwicklungsplan 1997-2000“ konzentriert sich die NBC seit 1995 auf Einrichtung und Ausbau des Netzwerks, die Entwicklung der Software und der Datenverarbeitungsprozesse.

Mit der fortgeschrittenen „Gigabit Ethernet“ Technologie benutzt die NBC 1673 Schwingungsknoten, um alle Subsysteme in der Bibliothek zu verbinden. Wenn man [Seite 80↓]die NBC-Homepage öffnet, ist man über die 100 MB Standleitung mit dem State Council, der Peking Universität und der Tsinghua Universität verbunden, außerdem über eine Schnelllinie, (die „Chinesische Telekom“ hat eine speziale Leitung für die NBC eingerichtet) auch mit ChinaNet, CERNET (China Education and Research Network), CSTNet (China Science and Technology Network), Peking Kabel TV Network und das Nationalkabel TV Network. Damit ist NBC das Zentrum der „Network Information Resources“.

Die NBC hat ein Zentrum für Dokumentationsdigitalisierung eingerichtet, dessen Aufgabe die Digitalisierung der Bibliothekssammlungen, die Erstellung der bibliographischen Datenbanken sowie der Volltext- und der Schlagwort-Datenbanken ist. Die NBC hat mit anderen Organisationen zusammengearbeitet und hat einige Forschungsprojekte vollendet, wie z.B. “Characteristics-Based Multimedia Information Retrieval System“ und „SGML Library Applications“, und ist momentan verantwortlich für einige R&D Projekte wie z.B. „China National Digital Library“ und „Knowledge Network - Digital Library Systems Engineering“.

Seit 1987 registriert sie alle inländischen elektronischen Publikationen.70 Sie fungiert darüber hinaus als das „Nationale Informationsnetzwerk“. Die NBC hat mit 90 inländischen Bibliotheken einen digitalisierten Bibliotheksverbund gebildet, der hilft, die Entwicklung und Anwendung digitalisierter öffentlicher Informationsdienste voranzutreiben.71 Mit den Datenbanken und den elektronischen Publikationen für Sozial- und Naturwissenschaften ist NBC eine der größten elektronischen Informationsquellen in China. NBC bietet elektronische Informationsdienste an, wie z.B. Internet Navigation, Volltext-Bücher Online und den Zugang zu den OPACs.72

2.) Die Tsinghua Universitätsbibliothek (http://www.lib.tsinghua.edu.cn/english/)

Die Tsinghua Universität in Beijing ist eine der besten Universitäten Chinas. Ihre Stärke liegt in der wissenschaftlichen Forschung und der technologischen Entwicklung. Im Jahr 1994 hat die Tsinghua Universität das OCLC-Servicezentrum in [Seite 81↓]China eingerichtet. Damit bietet die Tsinghua Universität den chinesischen Bibliotheken und Informationszentren den Zugang zu „Firstsearch“ und andere Dienste des OCLC an. Das Zentrum CERNET (China Education und Research Net) befindet sich in der Tsinghua Universität, der „Internet arm“ für die Institutionen Chinas ist. 108 Universitäten (Stand: 1996) wurden über Links mit CERNET verbunden. Die meisten der mehr als 1.000 chinesischen Universitäten und Colleges erwarten bis 2000 ebenfalls angeschlossen zu sein. K. Wayne Smith, OCLC Präsident und CEO nennt das strategische Bündnis „einen bedeutenden Meilenstein in der Geschichte der OCLC“.73

Das System der Digitalen Bibliothek der Tsinghua Universität, welches in Zusammenarbeit mit IBM entwickelt wurde, gehört zu den ersten derartigen Systemen in China. Es wurde ein Online-Service-System für Magisterarbeiten, Dissertationen der chinesischen Universitäten entwickelt und aufgebaut, mit dem über 10.000 Papers von über 100 Universitäten digital zugänglich gemacht wurden. Die Dokumente können im Volltext recherchiert werden.74

3.) Die Peking Universität Bibliothek (http://www.lib.pku.edu.cn)

Die traditionsreiche Peking Universität ist eine wichtigsten chinesischen Universitäten. Im Internet kann man über die Homepage und den OPAC bzw. einen Telnet-Zugang zahlreiche Materialien auf chinesisch und in westlichen Sprachen finden. Sie bietet darüber hinaus Links zu den Informationsressourcen anderer Online-Bibliotheken, e-Journals Media und verschiedene Organisationen an. Sie entwickelte viele Datenbanken, beispielsweise das „Chinesische Bibliotheksverzeichnis“ (Zhongguo Tushuguan Minglu), „Abstract für die Dissertationen und Magisterarbeiten der Peking Universität“ (Beijing Daxue Boshi Shuoshi Lunwen Wenzai) und „Zeitschriftenkatalog (1900-1949)“ (Qikan Mulu), die in der Bibliothek der Peking Universität vorhanden sind.75


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2.4.2 Ressourcen – im Internetangebot chinesischer Bibliotheken

2.4.2.1 Electronic Indexing und Abstracting

Index für Chinesische Periodika seit 1995-

Die Shanghai Stadtbibliothek hat die elektronische Version des Indexes erstellt.

Index zu Chinesischen Dissertationen - CD-ROM

Diese CD-ROM Datenbank enthält einen Index zu 60.000 Dissertationen und Magisterarbeiten von den wichtigen Universitäten in Taiwan, Kernland China, Hong Kong, USA und Kanada aus dem Zeitraum 1960 bis heute.

Informationsdatenbank für Chinesische Ausbildung.

Sie enthält Informationen über chinesische Universitäten, Professoren und Forschungsprojekte.

Who’s who in China

Sie enthält biographische Informationen zur gegenwärtigen chinesischen Politik. Es kann nach Namen, Titeln, Institutionen und geographische Bereichen gesucht werden.

Volltextdatenbank des "People’s Daily“ ( Renmin Ribao )

Renmin Ribao“ist die wichtigste Tageszeitung in Kernland China. Die Datenbank enthält alle Seiten der Zeitung vom 15. Mai 1946 bis zum 31. Dezember 1992. Ein großer Nachteil ist leider der bislang fehlende Index.

Volltextdatenbank "China Daily“ ( Zhongguo Ribao )

Zhongguo Ribao“ ist die wichtigste englischsprachige Zeitung in Kernland China. Sie erscheint seit 1994 und es kann sowohl über einen Index wie auch über Felder recherchiert werden.


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2.4.2.2  Die chinesischen Online-Kataloge

Es gibt zurzeit zwei Online-Katalogisierungszentren in China: eines an der Nationalbibliothek Chinas und das andere am CALIS (China Academic Libraries and Information System). Das Zentrum an der NBC besteht aus zwei Teilen: das Zentrum und seine Mitgliedsbibliotheken. Das Zentrum am CALIS besteht aus drei Teilen: das Zentrum für ganz China, das kleine Zentrum vor Ort (für die Region), und das für die Mitgliedsbibliotheken. Die Aufgaben und Funktionen des Zentrums und seiner Mitglieder sind anderen Ländern (wie z.B. den USA) ähnlich.76

Die Online-Katalogisierung hat sich in China entwickelt. Dabei sind aber viele Probleme aufgetreten, die im Folgenden erläutert werden. Die Katalogisierungssysteme sind nicht einheitlich. Über hundert solche Systeme wurden in China selbst entwickelt. Die meisten chinesischen Bibliotheken benutzen das Katalogisierungssystem ILAS, das von der Shenzhen Bibliothek entwickelt wurde; WXGJXT, das von einer Firma in Dalian entwickelt wurde; GLIS, das von einer Firma in Beijing entwickelt wurde; und MELINETS, das von der „Post Communications University Beijing“ (Beijing Youdian Daxue) entwickelt wurde. Manche Bibliotheken haben eigene Katalogisierungssysteme entwickelt. Aber diese Systeme haben meistens Probleme mit der Vernetzung, der Integrierung und der Standardisierung. Viele chinesische Bibliotheken haben Online-Kataloge, allerdings sind nur wenige von diesen als Online-Verbundkatalog (Nianji Mulu) wie z.B:

Nationale Verbund-Kataloge über Colleges und die Universitäten in China 1978-1987(Zhongguo Gaoxiao Huisuo Nianji Mulu), online zugänglich.

Katalog der Kommission der Hochschul- und Universitätsbibliotheken in Peking 1993- (Beijing Gaoxiao Gushuguan Weiyuanhui Mulu)

Dieser bietet bibliographische Informationen für Bücher an, die im Bereich Peking erschienen sind.

Katalog der Bibliothek der „Hong Kong Universität für Wissenschaft und Technologie“ (Xianggang Kejidaxue Tushuguan Mulu)


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Die Bibliothek hat die chinesischen Bücher, die über das System der OCLC/CJK zugänglich sind, katalogisiert. Der OPAC baut auf dem INNOPAC-System auf, mit welchem man auf Chinesisch lesen kann.77

2.4.2.3 Chinesische elektronische Datenbanken

Für die Geisteswissenschaften:

Geschichte der Fünfundzwanzig Dynastien ( Ershiwu Shi )

Sie ist eine Volltextdatenbank der vollständigen Geschichte der 25 chinesischen Dynastien (21. Jh. v. Chr. bis 1911 n. Chr.) und wurde von der Chinesischen Akademie in Taiwan erstellt.

Dreihundert Gedichte der Tang-Dynastie ( Tangshi sanbaishou )

Eine Volltextdatenbank mit sehr bekannten 300 Gedichten aus der Tang-Dynastie (618-907).

Für die Sozialwissenschaften

Chinesische Rechte und die Regelungen auf CD-ROM

Enthält die Informationen über die chinesischen Rechtssprechung und rechtliche Verordnungen.

Geschichte der Beziehungen zwischen KMT (in Kernland China) und CCP (in Taiwan)( Guogong Liangdang Lishi )

Teng Hsiao-Ping’s78 Theorie über der Aufbau des Sozialismus mit den chinesischen Besonderheiten. Beide sind eher zu den kleineren Datenbanken zu zählen.

Für die Naturwissenschaften


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Chinesische Chemical Abstracts

Die chinesisch-englische Datenbank enthält die Aufsätze, Abstracts, Patente, Konferenzberichte und Dissertationen zur Chemie, die in China veröffentlicht sind. Sie wird jedes Jahr neu aufgelegt.

Index zu der chinesischen wissenschaftlichen und technologischen Literatur

Die Datenbank erschließt mehr als 5.000 Zeitschriften von China, Taiwan und Hong Kong. Der Index erscheint alle zwei Jahre. Mehr als 260.000 Datensätze werden jedes Jahr ergänzt.

2.4.2.4 Die chinesischen medizinischen Volltextdatenbanken79

Nicht zuletzt weil die chinesische Medizin im Vergleich zur westlichen Medizin eine sehr lange Geschichte von 3.000 Jahren hat, wurden und werden viele Datenbanken zu diesem bestimmten Thema aufgebaut. Diese sollen hier gesondert aufgezählt werden.

1.)„China Medicine Knowledge Datenbank-CHKD“ (Zhongguo yiyuan zhishi cangku) Volltextdatenbank, entwickelt in Zusammenarbeit mit der Firma „Tsinghua Tongfang Co.“ und dem „elektronischen Zeitschriftenverlag der Akademie der Sinia“ (Zhongguo Kexueyuan Dianzi Qikan Chubanse). Diese Datenbank erfasst über 1.100 Zeitschriften und über 10.000 Dissertationen und Magisterarbeiten. Die CHKD Standard Version umfasst verschiedene medizinische Dokumente mit über 1,3 Mio. Artikeln. Sie wird täglich um ca. 1.000 Artikel bzw. jährlich um 300.000 erweitert.

2.) Congqing Weipu Volltextdatenbank. Sie wird vom „Cong Qing Weipu Information Co.“ bearbeitet und erfasst „wissenschaftliche technologische Zeitschriften“ (Zhongguo Keji Qikan Shujuku), „fremdsprachige Zeitschriften Datenbank“ und „Weipu Berichte“.

3.) Wangfang Volltextdatenbank, die von der „Wangfang Datenbank Lt. Co.“ erstellt wird. Das medizinische Informationssystem enthält Artikel aus den Bereichen Biologie und Medizin aller Art,, z.B. aus Zeitschriften, Magister- und Doktorarbeiten und aus Berichten zu wissenschaftlichen Konferenzen.

4.) Die Digitale Bibliothek “Super-Star” (Chaoxing). Diese wird von der „Beijing Chaosheng Information Technologien Firma“ (Beijing Chaoxing Xinxi Keji Gongsi)80 [Seite 86↓]finanziert und erstellt. Die Firma ist in den Bereichen Lesen, Downloading und der Erstellung von Book-CD-ROMs aktiv. Sie ist das „Modellprojekt Digitale Bibliothek der staatlichen 863 Projekt (Guojia 863 Jihua Shuzi Tushuguan Shijfan Gongcheng)“. Sie wird in der Nationalbibliothek China, Zhongshan Provinzbibliothek Kanton und der Bibliothek der California University, San Diego District, USA gepflegt. Sie enthält über 70 Mio. Seiten und wird täglich um ca. 300.000 Seiten ergänzt. Bibliotheksbenutzer erhalten mit ihrer Leserkarte den Zugang zu den Inhalten. Die Zahl der Zugriffe liegt bei etwa 250.000 pro Tag.

5.) Shusheng Zijia Volltextdatenbank. Sie wird von der "Beijing Shu Sheng Digital Technologien Co." aufgebaut und ist in 20 spezielle Bereiche gegliedert.

6.) Die Teil-Digitale Bibliothek der Nationalbibliothek Chinas. Die enthält 200.000 Bände digitalisierter Bücher, über 8.000 elektronische chinesische und englische Zeitschriften und mehr als 4.000 Multi Media CD-ROMs.

7.) Die Teil-Digitale Bibliothek der „Shanghai Bibliothek“.

2.4.3 Die Qualität der chinesischen Datenbank

Die chinesischen Datenbanken sind häufig nicht umfangreich bzw. aktuell genug, um für einen großen Nutzerkreis als relevant zu erscheinen. Von der Gesamtzahl der international produzierten Datenbanken stammt nur ein sehr geringer Teil aus China. Einer Statistik nach wurden für China 1995 ca. 700 Datenbanken nachgewiesen, während es in den USA 1989 allein auf kommerziellen Sektor schon 4.000 gab, mit einer hohen Nutzung. Bis 1990 stellte Japan 1910 Datenbank mit einem Umsatzvolumen von US$ 520 Mio. zur Verfügung.81


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Die in China aufgebauten Datenbanken enthalten vergleichsweise wenige Datensätze. 65% der Datenbanken haben einen Zuwachs geringer als 10.000 Einträge/Jahr, 72% der Datenbanken weniger als 100.000r. Es gibt noch keinen jährlich über 1 Mio. In Frankreich haben dagegen nur 32% der Datenbanken weniger als 25.000 Daten-Aufnahmen im Jahr.82

Der internationale Datenbankmarkt wird durch die Datenbankangebote aus Nord-Amerika dominiert (64%). Es folgen aus dem Westeuropa (28%), 4% aus Asien, 2% aus Ozeanien, und jeweils 1% aus Afrika und Süd-Amerika. Insgesamt stammen nur 5% der Datenbanken aus Entwicklungsländern. Im asiatischen Raum sind Japan (143 Datenbanken) und Korea (132) führend. Aus China stammen nur 4 Datenbanken, die Zugang zum internationalen Markt gefunden haben.83

Eine wichtige Aktivität der Informationsgesellschaft ist der Aufbau von Datenbanken. Gute Qualität und ausreichende Quantität von Datenbanken gehören zu den wichtigsten Ausstattungsmerkmalen der Bibliothek. Ohne diese kann die Bibliothek den Benutzern keine besseren Service und besseren Zugang Information anbieten. Hier besteht in China ein großer Bedarf.


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2.5  Juristische, ökonomische und technologische Rahmenbedingungen für den Aufbau Digitaler Bibliotheken

2.5.1 Die Juristische Rahmenbedingungen

2.5.1.1 Urheberschutz in China

Der Schutz des Urhebers wird in China juristisch und auch administrativ durchgesetzt. Wegen der Öffnungspolitik und wirtschaftlichen Reform seit 1979 ist der Bedarf des Urheberschutzes gestiegen. Seit 1993 wurden in Beijing, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen (eine wirtschaftlichen Sonderzone) Urheberschutz-Abteilung in Gerichten auf allen administrativen Ebenen (Provinz, Stadt, Kreis) eingerichtet. Diese Aktivitäten haben den Urheberschutz verbessert. Außerhalb des Gerichts gibt es einen administrativen Schutz, der vielleicht typisch chinesisch ist. Copyright-Schutz-Koordinator- und Überwachungsorgane wurden im Staatsrat, dem Obersten Regierungsorgan Chinas, und in den örtlichen Regierungsorganen in den Provinzen und regierungsunmittelbaren Städten eingerichtet. Außerdem existieren administrative Organe für den Patent- und Markenschutz. Aufgrund dieser Tätigkeiten wurden z.B. bis zum 27.August 2000 über 100 gefälschte CD-Produktionen vernichtet.84

Copyright, Patentschutz und Markenschutz machen grundsätzlich den Urheberschutz aus. Die Volksrepublik China hat dazu drei Gesetze erlassen. Außerdem gibt es zahlreiche Vorschriften und Ordnungen von verschiedenen Ministerien und Verwaltungsorganen, z.B. über Softwareschutz, Copyrightzollschutz, internationaler Copyrightschutz. Einige internationale Vorschriften und Gesetze wurde von China bereits unterschrieben bzw. anerkannt. Dennoch ist die Situation des Urheberschutzes in China nicht optimal. Die Wachstumssrate der Softwareindustrie in China ist zwar höher als im Weltdurchschnitt,85 aber das Phänomen der [Seite 89↓]Raubkopien entwickelt sich rasch und hat daher diese neue Industrie sehr behindert.86 Die Regierungsmaßnahmen haben die Entwicklung eines Marktes von Raubkopien nicht maßgeblich eingeschränkt. Der steigende Bedarf an Software wird auch von einem „Schwarzen Markt“ mit Fälschungen befriedigt. Das Urheberbewusstsein, Fälschungen zu erwerben und einzusetzen ist nicht besonders ausgeprägt. Dieses ist auch eine Forderung an die Universitäten und Hochschulen, die außerdem gehalten sind, administratives Personal zur Einhaltung des Urheberschutzes auszubilden.

2.5.1.2 Juristische Probleme der Datenbank, Multimedia und des Internets

1.) Datenbank: Das chinesische Copyright wurde zwar Anfang der 1990er Jahre Gesetz, enthält aber noch nicht den Schutz von Datenbanken. Das heißt, Datenbanken werden nicht direkt vom Copyrightschutzgesetz geschützt. Ein Schutz von Datenbanken ist aus drei Gründen notwendig:

Eine Datenbank ist eine editierte Produktion, wenn alle Daten dieser Datenbank urheberrechtlich geschützt sind.

Eine ausländische Datenbank ist geschützt, selbst wenn einzelne Daten nicht geschützt sind. Die Auswahl und Organisation gilt als geistiges Eigentum.

Ein neues Problem der speziellen chinesischen Datenbanken ist die Festlegung des Schutzzeitraums. Datenbanken werden ständig bearbeitet. Ein Schutzzeitraum wird deshalb nicht festgelegt. Das verhindert die Bearbeitung der Datenbank. Dies ist auch ein Grund, warum nicht alle chinesischen Datenbanken immer aktuell sind.

2.) Multimediaprodukte: In chinesischen Gesetzen findet man keine Begriffs- und Typeneinordnung für „Multimediaprodukte“. Es gibt auch unterschiedliche Meinungen darüber. Einerseits ist ein Multimediaprodukt ein editiertes Produkt. Andererseits ist es eine Datenbank, weil es entweder durch oder mit einer solchen verbunden ist. In [Seite 90↓]den amerikanischen Gesetzen wird ein Multimediaprodukt als audiovisuelles Produkt angesehen, dessen Digitalisierung als Kopiervorgang gilt.

3.) Elektronische Zeitschriften (e-Journals): Urheberrechtliche Fragen sind für den Online-Zugang der elektronischen Zeitschriften in China noch ungeklärt. Da das chinesische Urheberrecht das Werk eines Autors schützt, aber die Art der Veröffentlichung dabei keine Rolle spielt, ist der urheberrechtliche Schutz umstritten. Davon unberührt bleibt die weitgehend ungeklärte juristische Situation des Zugangs zu elektronischen Zeitschriften.

4.) Nachrichten im Internet (Die Internetkontrolle in China): Dem chinesischen „Copyright Law“ nach sind alle Nachrichten, die durch Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen verbreitet werden nicht geschützt. Durch die rasche Entwicklung der Nachrichten im Internet hat der chinesische Staatsrat, zusammen mit dem Ministerium der Informationsindustrie, am 7. Nov. 2000 eine spezielle Vorschrift erlassen, um dies zu kontrollieren. Dieser Vorschrift nach haben nur die dem chinesischen Copyright Law folgenden Nachrichtenagenturen das Recht, Nachrichten im Internet zu verbreiten. Einige Internet-Anbieter, die die entsprechende Herausforderungen, z.B. mit geeigneter Organisation, ausreichender Finanzierung, entsprechendem Personal und guter technische Ausstattung, erfüllen, können Nachrichten im Internet veröffentlichen. Aber sie müssen registriert sein und eine Erlaubnis von der Regierung dazu haben. Eine Verbreitung ist auch erlaubt, wenn die Nachrichten schon zugelassen sind und die Nachrichtenquelle genannt wird. Das heißt, sie dürfen keine eigenen oder nicht zugelassenen Nachrichten im Internet veröffentlichen. Bei ausländischen Links, oder Nachrichten von ausländischen Nachrichtenagenturen und Internet-Anbieter, ist die Kontrolle noch strenger. Sie müssen vom Nachrichtenbüro im Staatsrat in Beijing zugelassen werden.87


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2.5.1.3  Urheberschutz der Digitalen Bibliotheken

Der Urheberschutz stellt bei der Digitalisierung der Bestände ein großes Problem dar. Nur eine Lösung dieses Problems kann die Weiterentwicklung der Digitalen Bibliothek fördern. In diesem Sinne ähnelt die Digitalisierung dem Kopiervorgang, der auch durch das Urheberrecht eingeschränkt ist. Die Library of Congress und anderen Bibliotheken in den USA und auch die Nationalbibliothek in Japan begannen diejenigen Beständen zu digitalisieren, deren Copyright aus zeitlichen Gründen abgelaufen war. Das Urheberrecht für die Digitale Bibliothek in China liegt erst im Entwurf vor. Es unterscheidet sich wesentlich vom europäischen und auch vom japanischen.88 Die Bibliotheken zahlen der Organisation, die das Copyright verwaltet, eine Gebühr, damit ist das Copyright abgegolten.89 Das Urheberschutz-Zentrum schreibt einen Rahmen-Urhebervertrag vor, der dann mit den Verlagen oder Autoren geschlossen wird.

Abbildung 15: Urheberschutz in Digitalen Bibliotheken


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Die Digitale Bibliothek „Super-Star“ verkauft die Reader-Card, die vom chinesischen Urheberschutzzentrum verwaltet werden, zum Download und Ausdruck. Eine für ein Jahr gültige Card kostet 100 RMB. In diesem Jahr darf man alle digitalisierten Bücher, die die Digitale Bibliothek „Super-Star“ besitzt, herunterladen oder CD-ROMs herstellen.90 10% des Verdienstes geht an die Autoren und 5% an die Verlage. Die Bibliothek schließt einen Vertrag mit dem chinesischen Urheberzentrum, das die Gelder verwaltet und weiterleitet.91 So verfährt auch die „China Digital Library“. Das Modell für das Urheberrecht der Digitalen Bibliotheken ist vom staatlichen Urheberrechtsamt und den Nutzern anerkannt.

Die chinesischen Digitalen Bibliotheken machen mit den Autoren oder den Verlagen auch direkte Verträge. Die Bibliotheken zahlen den Autoren oder den Verlagen die Gelder für die Benutzung und Lektüre der Werke im Internet. Dadurch kontrollieren die Bibliotheken die Daten, das Downloaden, Ausdrucken und Kopieren. Bisher gibt es keine Klagen gegen die Bibliotheken wegen Verletzung des Urheberrechtes von Seiten der Autoren oder Verlage.


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2.5.2  Finanzielle Unterstützung für Digitalen Bibliotheken

Bei der wirtschaftlichen Betrachtung des Projektes Digitale Bibliothek müssen verschiedene Gesichtspunkte beachtet werden.

2.5.2.1 Finanzielle Situation der Digitalen Bibliotheken

Im Zusammenhang mit der Finanzierung muss der soziale Nutzen der Digitalen Bibliothek betrachtet werden. In erster Linie ist die Digitale Bibliothek ein soziales Projekt. Sie soll den Zugang zu den Informationen für alle ermöglichen, auch wenn aus Gründen des Urheberschutzes bestimmte Beschränkungen gegeben sind. Diese soziale Ebene spielt auch im internationalen Vergleich eine große Rolle. So wird ein Digitalisierungsprojekt in Deutschland von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt. Dieses dient in erster Linie einem verbesserten Zugang zur Forschungsliteratur. In der Digitalen Bibliothek „Superstar“ ist das normale Lesen z.B. chinesischer klassischer Werke kostenlos, die hier als traditionell Bibliothek dient. Aber wenn man ein neu erschienenes Buch z.B. einen Roman lesen will, muss man eine obengenannte Lesekarte kaufen. Da die Digitale Bibliothek „Super-Star“ genügend attraktive bzw. relevante digitale Bestände anbietet, wurden die Lesekarten nicht schlecht verkauft. Bis zum Jahr 2001 waren es 10.000– 20.000 Stück, zu je RMB 100 bzw. 30 pro Karte und Jahr. Die Lesekartenbesitzer sind meist junge Leute, z.B. Studierende. Die Karten sind auch außerhalb des Campus erhältlich.

Die damit erzielten Einkünfte reichen für die selbständige Finanzierung einer Digitalen Bibliothek nicht aus. Für eine professionelle Digitalisierung benötigt man eine gute Ausstattung. Die Digital Bibliothek „Super-Star“ hat z.B. eine leistungsfähige Scanneraustattung. Damit kann sie 80 Mio. Seiten jährlich scannen. Eine Beispielrechnung soll anhand der Nutzung des Kabelfernsehens in China ausgeführt werden. In China gibt es 80 Mio. Kabelfernsehennutzer.92 Wenn 5% davon die Informationsdienstleistung „Digitale Bibliothek“ als Mitglieder mit 60 Yuan Mitgliedergebühren jährlich fördern würden, würde die Regierung 240 Mio. Yuan im [Seite 94↓]Jahr93 bekommen, mit denen das Projekt sich weiter fortentwickeln könnte. Die Digitale Bibliothek kann nicht ökonomisch selbständig sein. Das verbietet sich schon dadurch, dass die Digitale Bibliothek zur Alphabetisierung und Informatisierung breiter, armer Bevölkerungsschichten eingesetzt wird. Daher ist die Digitale Bibliothek auf öffentliche Mittel angewiesen.

2.5.2.2 Finanzielle Unterstützung durch die Regierung

Einer Statistik nach hat die amerikanische Regierung die Forschung und den Aufbau Digitaler Bibliotheken mit über 80 Mio. US$ unterstützt. Russland plant, eine Investition in Höhe von 20 Mio. Rubel jährlich für den Zeitraum 1999 bis 2004 dafür auszugeben, obwohl ihre allgemeine ökonomische Lage noch nicht so gut ist. Japan hat 1,5 Mrd. Yen investiert und wird mit weiteren 40 Mio. US$ den Neubau der japanischen „Kongressbibliothek“ finanzieren, in dem ein Dokumentenzentrum Asiens eingerichtet wird.94

Die Nationalbibliothek China hat bis zum Jahr 2001 RMB 95 82 Mio.(ca. 10 Mio. US Dollar) für das Digital Library Projekt erhalten. Die Zhongshan Provinzbibliothek Kanton wurde mit RMB 14 Mio. (ca. 1,7 Mio. US$) von der Provinz unterstützt. Mit diesen Mitteln haben die beiden Bibliotheken das Projekt fortgesetzt.96

Das Projekt chinesische Digitale Bibliothek gilt als ein „Kernprojekt“ des „Zehnten Fünfjahresplans“ Chinas.97 Noch mehr Wert wird auf den Ausbau der Nationalbibliothek Chinas gelegt. Ein Schwerpunkt beim weiteren Ausbau der NBC ist die Einrichtung der Digitalen Bibliothek. Die Regierung wird 1 Mrd. Yuan für dieses Projekt bereitstellen. Die Gebäude werden auf eine Fläche von 70.000 m² erweitert [Seite 95↓]und die NBC wird dann mit 240.000 m² Gesamtfläche zu den drei größten Bibliotheken der Welt gehören.98

Man sieht aber hier die Schwierigkeiten, weil die Investitionen in das Bildungswesen, bezogen auf das Brutto Inlandsprodukt (GDP - Gross Domestic Product) niedrig sind.

Im Jahr 2000 sollen die Investitionen im Bildungswesen auf 4% GDP steigen. Tatsächlich wurden in den vergangenen 20 Jahren nur durchschnittlich 2% erreicht. Weltweit liegt der durchschnittliche Wert bei 5,2%. Inzwischen sind die Investitionen in 46 Entwicklungsländern von 3,4% auf 5,5% gestiegen, z.B. beträgt die Rate in Indien und Thailand 3,5% und 3,7%. Die Proportion der inländischen Investitionen in China liegt bei 42%, und ist damit viel höher als in den USA, wo sie nur 18% beträgt. Aber die Investition gehen nicht in das Bildungswesen, was auf Platz 96 in der Welt liegt.99 In Deutschland werden hohe Geldsummen in die Bildung investiert. Im gesamten Bundesgebiet wurde 1996 allein von den öffentlichen Haushalten rund 160 Mrd. DM für Schulen und Hochschulen einschließlich der Förderungsmaßnahmen für Schüler und Studierende aufgewendet.100

Alle Bibliotheken benötigten Mittel zur Fortführung ihrer Projekte. Außerdem versuchen sie private Mittel einzuwerben (z.B. bei Unternehmen) und Förderungen ausländischer Institutionen als Drittmittel zu erhalten.


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2.5.2.3  Die Entwicklung der Wirtschaft in China: Finanzielle Möglichkeit für die Digitale Bibliothek

Im Jahr 1978 öffnete China sich politisch dem Westen. Seit dieser Zeit hat sich die Wirtschaft in China

rasch entwickelt. GDP betrug im Jahr 1999 7.940 Mrd. Yuan, umgerechnet ca. 1.000 Mrd. US$.101

Darunter waren:

Stadt Peking: 201,13 Mrd. Yuan (ca. 25 Mrd. US$)

Stadt Shanghai: 368,82 Mrd. Yuan (ca. 46 Mrd. US$)

Provinz Guangdong (Kanton): 791,91 Mrd. Yuan (ca. 99 Mrd. US$, die größte)

Autonome Gebiet Tibet: 9,12 Mrd. Yuan (ca. 1,1 Mrd. US$, die wenigste) 102

Parallel zu diesen ökonomischen Entwicklungen haben sich die Vorraussetzungen für Forschung, Technologie, Bildung verbessert. Der Anteil der Ausgaben zu GDP für Forschungen und Entwicklungen betrug im Jahr:

1995: 0,60%,

1996: 0,60%,

1997: 0,65%,

1998: 0,69% 103

Der Anteil ist im Vergleich zu den westlichen Ländern noch zu klein. China muss als ein Entwicklungsland die ökonomische Lage weiter verbessern, um das kulturelle und wissenschaftliche

Umfeld und damit auch die Digitalen Bibliotheken auf- und auszubauen.104 Davon ist auch die Anzahl und Entwicklung der Öffentlichen Bibliotheken in China betroffen.


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Die Anzahl der Öffentlichen Bibliotheken betrug wie folgt:

1990: 2.527

1995: 2.615

1996: 2.631

1997: 2.661

1998: 2.731 105

Ökonomische und kulturelle Entwicklung bedingen sich gegenseitig. Es ist eine Lehre aus der Zeit der „Kulturrevolution“ (1966-1976), dass die Weiterentwicklung der Wirtschaft in Wechselwirkung mit der kulturellen Entwicklung steht. Ein Wirtschaftswachstum ist ohne einen kulturellen Ausbau der Gesellschaft nicht denkbar. Dieses belegen Entwicklung der Bibliotheken und der Informatisierung der Gesellschaft eindrucksvoll. Die wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten ist auch durch die Entwicklung des Bibliotheks- und Informationssektors bedingt. Wissens- und Informationsgesellschaft sind ohne Zugang und Nutzung der diversen Informationsquellen nicht denkbar und sie werden auch die wirtschaftliche Entwicklung der Zukunft bestimmen. Aber auch historische Beispiel können herangezogen. Die stürmische Entwicklung der Industriegesellschaft Ende des 19 Jahrhunderts bis zum I. Weltkrieg in Deutschland war auch von einer kulturellen Blüte in Philosophie und Geschichte, Malerei, Architektur begleitet.


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2.5.3  Technologische Probleme des chinesischen Bibliothekswesens: Format und Standard

Allgemeine technische Probleme bei der Digitalisierung:

2.5.3.1 Die Annahme der chinesischen MARC (CNMARC) und SGML in den chinesischen Bibliotheken

Die Annahme der chinesischen MARC (CNMARC), die von der Nationalbibliothek Chinas eingeleitet worden ist, ist ein erfolgreicher Schritt zur Automation der chinesischen bibliographischen Katalogisierung.106 Mit der Einführung von MARC treten aber neue spezifische Probleme auf, wie z.B. die umständliche Feldgestaltung und Verdoppelung (cumbersome fieldsetting and duplicated contents) des Inhalts. Die verschiedenen Typen von MARC können zwar theoretisch ausgetauscht werden, in der Praxis erweist sich dies als schwieriges Unternehmen.

Verschiedene Anwendungen von MARC In China107:

2.5.3.1.1 Für neuerschienene Bücher

CNMARC wurde von der NBC produziert. Die Testaufnahmen wurden im Jahr 1988 erlassen. Seit 1989 wurde CN MARC offiziell an alle Bibliotheken in China verteilt. Die Aufnahmen wurden seitdem monatlich auf Diskette herausgegeben. Jährlich wurden 50.000 bis 55.000 Aufnahmen hergestellt.

Die SL MARC wurde von der „Shen Lian Akademischen Bibliothek Shanghai“ produziert. Diese Organisation verbindet seit 1989 einige Universitäten und Hochschulen. Die Mitgliederanzahl in und um Shanghai stieg auf ca. 80. Die SL MARC enthält 60.000 Aufnahmen.

Die Guangdong MARC wurde 1999 von der Shenzhen Universität hergestellt. Die Daten sind auf Disk und auf Dial-in Anschluss erhältlich. Ca. 50 Bibliotheken, vor [Seite 99↓]allem akademische, können die Datenbank mitbenutzen. Sie weist 30.000-35.000 Aufnahmen nach.

TL MARC gehört zu der „Tu Lian Firma“. Sie ist in einer kooperativen Akquisitionsgruppe, die aus über 30 akademischen Bibliotheken besteht. Die Daten wurden bis 1994 von der Peking Universitätsbibliothek (PUL) und der Tsinghua Universitätsbibliothek (TUL) eingegeben. Die PUL ist für die Bücher der Sozial- und Geisteswissenschaften zuständig, während die TUL Naturwissenschaften und Technologien. Ca. 5.000 Aufnahmen sind per Disk oderTelefonanschlußerhältlich.

Für Bücher, vor dem Einsatz der MARC Datenbank, sind vier retrospektive Konversionsprojekte in Betrieb.

Bücher, die zwischen 1978 und 1987 erschienen sind, werden von einer Verbund bestehend aus 29 Universitätsbibliotheken bearbeitet. Mehr als 50.000 wurden konvertiert und in die Datenbank eingepflegt. Die Peking Universitätsbibliothek ist für das Projekt Koordinator und Leiter.

Bücher, die von 1911 bis 1949 erschienen sind, wurden von der NBC mit MARC und der Unterstützung von OCLC katalogisiert.

Die Sammlung chinesischer historischer Bücher wird im Verbund der Peking Universitätsbibliothek, die Bibliothek der Academia Sinica, und die Liaoning Provinzbibliothek erfasst. Es ist ein kooperatives Projekt mit der "Research Libraries Group (RLG)“, USA.

Ein weiteres Projekt wurde von drei Öffentlichen Bibliotheken der Shenzhen, Nanjing und der Hunan Provinzbibliothek durchgeführt. Die Datenmenge der Datenbank ist aber unklar.

2.5.3.1.2 Für Zeitschriften

Die NBC hat bisher ca. 13.000 MARC Titelaufnahmen für beide Zeitschriftenbereiche der Natur- und Sozialwissenschaften. Das ISDS Zentrum Chinas hat ca. 6.000 MARC Titelaufnahmen für aktuelle Zeitschriften der Sozialwissenschaft. Die Shanghai Bibliothek hat ca. 11.000 MARC Titelaufnahmen für Sozialwissenschaftliche Zeitschriften. Das Institut für Sci/Tech Information Chinas (ISTIC) hat ca. 10.021 MARC Aufnahmen für wissenschaftliche und technologische Zeitschriften. Darüber hinaus haben manche chinesische Bibliotheken eine eigene MARC Datenbank, die auch Zeitschriftentitel enthält.


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Seit 1994 ist SGML nationaler Standard in China. Im Bereich der Presse ist SGML bei der Informationsversorgung bestimmend. Die chinesischen Bibliotheken bieten hingegen dem Nutzer beim Zugang zu den Daten das MARC Format an. Titel, Autor, Klassifikation und Schlag- bzw. Stichwort geben dem Nutzer die Grundinformation, einen Zugriff auf den Inhalt der Dokumente erhält er nicht. Das MARC Format ist für das Angebot umfangreicher Datenbestände von Bibliotheken im Internet nicht ausreichend. Die Alternative wäre eine umfassende Umstellung auf SGML. Das “Forschungszentrum für Informationstechnologien“ der NBC hat ein SGML-basiertes System für den Einsatz in chinesischen Bibliotheken entwickelt, das seit Februar 1998 in der NBC angewendet wird.

2.5.3.2 Standardisierung und verschiedene Formate

Manche Bibliotheken haben zwar eigene bibliographische Datenbanken aufgebaut, aber die Datenstrukturen sind unterschiedlich. Sie haben eigene Formate aber keinen Datenkonversionsanschluss zum MARC-Standard. Der Online Datenaustausch ist daher schwierig. Dies behindert die Entwicklung der Online-Katalogisierung erheblich. Zum Beispiel benutzen die Beijing- und Tshinghua Universität das USMARC Format, das „Dokuments- und Informationszentrum der Academia Sinica“ dagegen das CNMARC.108 Die Kompatibilität zwischen beiden Systeme ist nicht in ausreichendem Maß gegeben. Um diese Situation zu verändern, sollten die folgenden Standards genutzt werden:


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Standard für die Titelaufnahme: „Aufnahme für fremdsprachige Dokumente“;

Das maschinenlesbare Aufnahme-Format: US-MARC;

Sacherschließungsordnung: LCSH (aus den USA);

Klassifikation: „Die chinesische bibliothekarische Klassifikation“;

Information retrieval: Z39.50;109

Datentransport: ISO 2709 Format.

Es wäre sinnvoll, dass der Aufbau des Standardsystems, durch den Ausbau der chinesischen Software Plattform und unter der Förderung der internationalen Austauschen und Intergierung intensiviert wird. Die Entwicklung der Informationsindustrie in den USA und in Europa hat gezeigt, dass die Vorraussetzung zur Entwicklung einer hochentwickelten Technologie u.a. ein Ergebnis von wirtschaftlicher Freizügigkeit ist. Als Folge des Beitritts zu WTO hat China die Märkte geöffnet. China kann nicht durch die Handelsbarrieren, sondern vielmehr durch die Eingliederung lokaler Standards in den Weltstandard die chinesischen Unternehmen schützen.


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2.5.3.3  Maschinenlesbare Daten und ihre Quellen in China

  1. CD-ROM. Benutzt werden das BiblioFile-System von der „Library of Congress“ und CatCD von OCLC. Für alle veröffentlichten CD-ROMs wird das USMARC Format benutzt. Die Qualität ist relativ hoch und die Datenmenge ist groß. Neuausgaben gibt es alle drei oder sechs Monate.
  2. Online Fremddatenübernahme. Dafür wurde die von OCLC betreute Datenbank „WorldCat“ benutzt. Mit der Retrievalsoftware vom OCLC können die zu übernehmenden Daten ermittelt werden. Der Vorteil ist, dass die Datenbank aktuell erneuert wird, um den Bibliotheken eine schnellstmögliche Übernahme bzw. Verarbeitung der Daten zu ermöglichen.
  3. Kostenlose Downloads vom Internet. Die Zahl der kostenlos nutzbaren bibliographischen Datenbanken im Internet nimmt ständig zu. Aus den OPACs können Bibliotheken über das WWW oder eine Z39.50-Schnittstelle die bibliographischen Daten übernehmen. Manche vom Ausland importierte Rechnersysteme z.B. SRISI in der Beijing Universitätsbibliothek, INNOPAC in der Huadong (Ostchina) Normal Universität und HORIZON in der Shanghai Jiaotong Universität, haben eine integrierte Importfunktion für im MARC-Format vorliegende bibliographischen Daten. Durch diese OPACs können Bibliotheken diese Daten kostenlos herunterladen.
  4. Offline-Datenbanken. Einige große Bibliotheken haben bibliographischen Datenbank aufgebaut und bieten diese nun offline kleineren Bibliotheken zur Nutzung an. Der Preis dieser Angebote ist geringer als der entsprechender Datenangebote aus dem Ausland. Die Verarbeitung der Daten in den großen Bibliotheken erfolgt sehr sorgfältig. Die Daten sind entsprechend von guter Qualität.

Wenn mehrere Bibliotheken und Informations- Dokumentationseinrichtungen zusammenarbeiten müssen, ist die Entwicklung eines Standards notwendig. Sowohl die Qualität der Informationsbanken, als auch die Effektivität der Information Retrieval hängen davon ab, inwieweit Einrichtungen eigene Informationen nach dem Standard digital erschließen. Es gibt verschiedene internationale Standards wie z.B. SGML/XML, URN; CORBA (Common Object Request Broker Architecture) und Standards für Metabanken. Eine Anpassung an diese Standards ist für das Chinesische Bibliothekswesen empfehlenswert, jedoch sollten die daneben Besonderheiten der chinesischen Bestände berücksichtigt werden.


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2.5.3.4  Metadatenforschung in China

Das Metadatenforschungsprojekt gehört zu dem Projekt „Digitale Bibliothek“ an der Pekinger Universitätsbibliothek. Der Entwurf des Standardrahmens wurde im Januar 2001 gefertigt und im Juli revidiert und ist jetzt das Standard-Dokument für die Digitale Bibliothek der Pekinger Universitätsbibliothek. Im Vorfeld dieser Arbeit wurden acht ausländische Metadatenstandards und der taiwanesische Standard studiert. Am 7-9. Mai 2001 fand das erste internationale Seminar "Forschung und Verwendung der chinesischen Metadaten" in der Stadtbibliothek von Shanghai statt. Die zwei Diskussionsthemen waren: Standarisierung der Metadaten sowie Entwicklung und Forschung der Metadaten. Mehr als 80 Fachleute aus den USA, Australien, Japan, Taiwan und Festland China haben an diesem Seminar teilgenommen.110

Der Standard der Pekinger Universitätsbibliothek wird folgende Funktionen besitzen:


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Die Struktur und Elemente der Metadaten

1.) Description-Metadaten: (Hier ist das Beispiel für Metadaten der "Chinese Stone Rubbings Project" zu nennen).111 Sie enthält:

2.) Administration-Metadaten:

Die Klassifikation richtet nach OAIS (Open Archive Information System). Es enthält 4 Elemente:

3.) Application-Metadata: GIS (Geographical Information System) Metadaten: spatial and temportal.

Von semantischen Regeln oder syntaktischen Strukturen aus wurde der Standardrahmen XML verwendet und empfohlen, RDF oder XML Schema oder DTD anzuwenden.

An der Pekinger Universität gibt es zudem drei im Aufbau befindliche Metadatenstandards: den Metadatenstandard für Kartographen (Yutu); für Magisterarbeiten und Dissertationen sowie für das „Tunhuang Manuscript Project“ (in Zusammenarbeit mit der British Library).112


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An der Zhongshan Provinzbibliothek wurde "Digitalisierten chinesischen Ressourcen Volltext Allgemein Format" für die Digitale Bibliothek der Provinz Kanton, zusammen mit der "Century Super-Star Firma in Peking", entwickelt. Es enthält 15 Elemente. Zusammen mit der sogenannten „Record Controll Number“ sind es insgesamt 16 Elemente. Mit chinesischem DC wurden Metadaten erstellt. Der „Search Engineer“ betrifft hingegen die Volltext-Erschließung durch TRS (Text Retrieval System).113 Die Anwendung dieses Formats ist wichtig für den internationalen Austausch der chinesischsprachigen Ressourcen.

In der Digitalen Bibliothek Shanghai wurde IBM DL2.4 als Plattform verwendet. DC ist das Core Element. Durch XML/RDF wurden verschiedenen Metadaten zusammengestellt und so der Austausch zwischen Metadaten verbessert.

2.5.3.5 Forschung chinesischer Metadaten in den USA

Eine ideale Methode des Aufbaus chinesischsprachiger Ressourcen im Internet ist die Anwendung der internationalen Metadatenstandards wie z.B. DC, HTML/SGML/XML und MARC21. Entsprechende Software musste entwickelt werden, damit die chinesischen Schriftzeichen auf dem Bildschirm gezeigt bzw. eingelesen werden können, ohne die spezielle chinesische Software extra installieren zu müssen. Ein solches Projekt zwischen China und den USA wurde gefordert. Einer Statistik nach gibt es in den USA ca. 4000 chinesisch-amerikanische Bibliothekare und ca. 800 Ostasienbibliotheken.114 In der Ostasienbibliothek an der [Seite 106↓]Berkeley-University of California ist z.B. der "Internationale bibliographische Austausch von Metadaten" ein Schwerpunkt. Auf dem Owen Campus ist der "Aufbau des globalen Internets chinesischer Bibliotheken durch Metadaten" ein Diskussionsthema geworden.

2.5.4 Technische Probleme für die Digitalisierung chinesischer historischer Sammlungen

2.5.4.1 Was kann man von der Digitalisierung historischer Sammlungen erwarten? – Grundlegende Aspekte

1.) OCR Technologie für chinesische Schriftzeichen. Chinesische Schriften sollten nicht als Bild, sondern codiert gespeichert werden. Werden die Werken nach dem Scannen in maschinenlesbare Textform umgewandelt, ist der Einsatz von OCR Technologie notwendig. Seit den 90er Jahren wird ein chinesisches OCR-System verwendet, welches u.a. bei der Digitalisierung von „Complete Collection of Four Branches of Literatures“(Si Ku Quan Shu) zum Einsatz kam.

2.) Hyperlinks. Ein wichtiger Vorteil der digitalisierten Bücher gegenüber der klassischen Buchform ist, dass sie als Hypertext verarbeitet werden können. Diese Hyperlinks, z.B. zwischen Texten und Quellen, verschiedenen Quellen, und entsprechenden Hintergrundkenntnissen ermöglichen ein neues Rezeptionsverhalten: der Text kann nun technisch gezielt und unter bestimmten Gesichtspunkten konzentriert gelesen werden.

3.) Starke Erschließungsfunktion. Die historischen Sammlungen werden heute eher selten systematisch linear durchgelesen, sondern weitgehend unter besonderen Fragestellungen betrachtet. Dies macht eine Tiefenerschließung notwendig. Mit neuen Speicher- und automatischen Indexierungsmöglichkeiten kann dieses Ziel erreicht werden.

4.) Forschungsunterstützungsfunktion. Ein Ziel der Digitalisierung ist, wissenschaftliche Forschung zu optimieren und neue Forschungsfelder bzw. Analysemöglichkeiten z.B. in den Bereichen Statistik, dem Vergleichen [Seite 107↓]verschiedener Auflagen, References, Wörterbuch, historische Jahrgänge, historischer Landkarte zu erschließen.115

Es ist schwierig, Multimedia-Datenbanken aufzubauen. Die heutigen Multimediatechnologien sind bislang für die Digitalisierung chinesischer klassischen Kalligraphie und Malerei nur unzureichend geeignet. Selbst bei erfolgreicher Auflösung ist das Retrieval schwierig.116

2.5.4.2 Welche Erfolge und Aussichten gibt es bislang in diesem Zusammenhang?

1.) Entwicklung des Unterstützungssystems für die wissenschaftliche Erforschung

Ein Ziel der Digitalisierung der historischen Sammlungen ist es, die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der klassischen Literaturen zu verbessern. An einem intelligenten Unterstützungssystem wird an der Beijing Universität gearbeitet. Mit diesem System können die Wörtern automatisch gefiltert und in ein Wörterbuch integriert werden, wodurch auch automatische Übersetzungen möglich werden. Dieses System arbeitet daneben mit automatischer Lauterschrift. Es ist daher möglich, die digitalisierten Texte über ein Sprachmodul akustisch ausgeben zu lassen. Die Entwicklung des Unterstützungssystems eröffnet neue Methoden für die wissenschaftliche Untersuchung der historischen Sammlungen.


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2.) Digitalisierung der großen Nachschlagewerke (Erschließungswerke)

Seit 1949 wurden einige umfangreichen Nachschlagewerken entwickelt. Darunter sind das „Wortherkunft (Ci Yuan); „Eine Reihe von chinesischen historischen Sammlungen“ (Zhongguo Guji Dacheng); „Bibliographie der chinesischen historischen Sammlungen“(Zhongguo Guji Mulu); „Vereinigte Bibliographie der chinesischen Medizin“ (Zhongguo Yaodian Lianhe Mulu); „Sammlung der chinesischen historischen Landkarten“ (Zhongguo Guyutu Ji). Diese Nachschlagewerke sind wichtige Schlüssel bei der Nutzung der historischen Sammlungen. Eine integrative Digitalisierung ist bislang aus Urheberrechtsgründen noch nicht möglich, erscheint aber sehr sinnvoll.

3.) Aufbau der bibliographischen Datenbank

1993 wurde die Arbeit an der „Gesamtbibliographie der chinesischen historischen Sammlungen“ (Zhongguo Guji Zongmu)begonnen, welche von der chinesischen Regierung organisiert wird. Analog dazu sollten die Daten in einer Datenbank gesammelt, also digital erfasst werden. Dies ist technologisch problemlos zu bewerkstelligen. Die Schwierigkeiten liegen aber auf der organisatorischen Ebene. Es gibt weder Regeln für den Aufbau einer solchen Datenbank noch die Koordination einer bezüglichen Zusammenarbeit. Notwendig wären Regelungen in Form einer einheitlichen Klassifikation, die einheitliche Regelung der Katalogisierung und eine Abstimmung der verwendeten Softwaresysteme. Diese Regelungen und Standards befinden sich in der Aufbauphase. Der Aufbau einer solch umfangreichen Datenbank erfordert eine Vernetzung und Kooperation aller Bibliotheken, die historischen Sammlungen besitzen. Der Aufbau einer solchen Struktur gestaltet sich, genau wie die Entwicklung von Standards und Regelungen, als sehr schwierig.

4.) Entwicklung eines Systems für die Digitalisierung

Es gibt verschiedene nutzbare Softwarevarianten, z.B. OCR-Software, Korrektur-Software, Indexierungs-und Erschließungssoftware, sowie für die Forschung entwickelte Unterstützungssoftware. Es gibt darüber hinaus zwar Software, die speziell für die Digitalisierung einzelner Werke entwickelt wurden, aber diese sind meistens nur eine für diesen konkreten Fall entwickelte Lösung, und nicht als allgemeingebräuchliche Werkzeuge für die Digitalisierung anwendbar. Daher kam es in der Vergangenheit häufig zu Doppelentwicklungen von Softwarestrukturen. Ein allgemeines übergreifendes Unterstützungssystem sollte daher dringend entwickelt werden, um die Digitalisierung zu beschleunigen.


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2.5.5  Sprachprobleme bei der elektronischen Umsetzung

2.5.5.1 Die chinesische Sprache

Die Aussprachen des Chinesisch sind zwar sehr unterschiedlich (China hat viele Dialekte), aber die Schrift ist gleich, weil Chinesisch eine Bildzeichen-Sprache ist. Die Pekinger können auf der Straße in Kanton kaum etwas verstehen, aber sie können überall ohne Probleme lesen. Die ethnischen Minderheiten haben eigene Sprachen. Sie werden in ihren eigenen Gebieten genutzt. Chinesisch (Mandarin) ist in China die offizielle Amtsprache. Es werden z.B. in Tibet, in der inneren Mongolei, Straßenschilder etc. in zwei Sprachen, chinesisch und tibetisch, in manschen Fällen auch in mongolisch angebracht. Die einheitliche Sprache wurde kritisiert, weil sie weniger als sprachliches Erbe und noch weit weniger als kulturelles Erbe angesehen wird. Aber die einheitliche Sprache hat auch einen Vorteil. Ihre Verwendung ist leichter für die inländische Kommunikation. Es gibt daher auch einen großen Markt für die Digitalen Bibliotheken, weil es keine Probleme im Internet mit dem chinesischen Informationstransfer und der Kommunikation gibt.

2.5.5.2 Chinesische Sprache im Ausland

Es wird vermutet, dass es in der Welt über 1,5 Mrd. Leute die chinesische Sprache nicht nur kennen, sondern alltäglich benutzen, nicht nur in der V.R. China, Taiwan, Hongkong, Singapur (70% der Bevölkerung in Singapur sind chinesisch oder stammten aus China), sondern auch in anderen Ländern.

China ist ein zunehmend wichtiger Wirtschaftspartner für das Ausland. Wegen dieser Partnerschaft gibt es immer mehr Leute, Chinesisch als Fremdsprache lernen wollen. Besonders in Asien ist Chinesisch eine wichtige Sprache geworden, durch die Sprache können die Leute die chinesische Kultur besser kennen lernen. In Japan und Korea ist Chinesisch die zweite Fremdsprache geworden, hinter der ersten Fremdsprache Englisch. In Japan bieten fast alle 500 Universitäten und Hochschulen Chinesisch an. 85 Universitäten davon haben das Fach Chinesisch. Darüber hinaus lernen auch in Thailand, Malaysia, den Philippinen und Indonesien immer mehr junge Leute Chinesisch. Das chinesische Bildungsministerium hat seit Jahren mit [Seite 110↓]verschiedenen Ländern zusammengearbeitet, um dort die Lehrbücher für die Chinesischschule oder für die Institute der Chinesischen Sprache an den Universitäten zu verfassen, z.B. in Singapur und in Vietnam. Mit der Thailändischen Regierung wurde ein Chinesischzentrum an der Queen Universität, in Thailand eingerichtet, die mit 10 Mio. Yuan117 von der chinesischen Seite finanziert wurde. Außerdem werden auch chinesische Lehrkräfte ins Ausland geschickt. Darunter sind über 150 Lehrkräfte von der chinesischen Regierung nach Japan, Korea, Thailand, Vietnam und weitere Staaten gesandt worden.

In den USA gibt es an mehr als 1000 Universitäten und Hochschulen mit Lehrveranstaltungen für „Chinesisch als Fremdsprache“. Sie sind meistens am fremdsprachlichen Institut untergebracht. Manche sind im Institut für Ostasien-Studien in den Forschungsuniversitäten wie z.B. Harvard. In Kanada nimmt Chinesisch nach Englisch und Französisch den 3. Platz ein.118

Viele asiatische Studierende kommen nach China zum Studium. Ihre Zahl betrug im Jahr 2000 30.000, was 71% der ausländischen Studierenden in China ausmachte. Von den fünf Spitzenländer befinden sich drei in Asien. An erster Stelle Japan, gefolgt von Korea und Indonesien.

Ähnlich der amerikanischen TOEFLE (Test of English as Foreign Language) und GRE (General Research Exam) gibt es auch eine Prüfung für die ausländischen Studierenden in China: HSK (Hanyu Shuiping Kaoshi, auf Englisch: Chinese Level Test). Es gibt 55 Prüfungsorte in 24 Ländern weltweit, davon 24 Standorte in den 9 Länden Asiens. Seit 11 Jahren haben 40.000 Studierende an der HSK teilgenommen, 87% kamen aus Asien.


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2.5.5.3  Der Chinesische Sprach-Code

2.5.5.3.1 Chinesisch auf dem Bildschirm

Die chinesische Sprache wird mit Sinnzeichen geschrieben, die auf dem Computer als 2-Byte-Zeichen (2 ASCII nebeneinander ergeben ein chinesisches Zeichen) dargestellt werden. Die chinesischen Versionen der weltweit verbreiteten Betriebssysteme können diese 2-Byte-Zeichen interpretieren und darstellen. Nicht-chinesische Betriebssysteme brauchen eine Systemerweiterung, die zum Betrachten der Zeichen jedes Mal geladen werden muss, oder einen speziellen Zeichensatz. Da die Codierung der 2-Byte-Zeichen in der V.R. China, Taiwan und Hong Kong nicht einheitlich ist, braucht man für jeden Code eine eigene Erweiterung.

Es gibt chinesische Versionen von Windows, sowohl im GB-, als auch im BIG5-Code. Sie wurden für den chinesischen Markt in der V.R. China, Taiwan und Hongkong entworfen, sind aber auch über deutsche Händler erhältlich. Wenn Chinesisch die einzige Sprache ist, die auf dem PC verwendet, ist man am besten mit einer chinesischen Version von Windows bedient. Aber auch mit chinesischem Windows können nicht alle chinesischsprachigen Ressourcen des Internets gelesen werden, denn die Codes der Volksrepublik und Taiwans sind nicht miteinander kompatibel. Um Webseiten in der jeweils anderen Kodierung zu lesen, muss trotzdem noch eine Zusatzsoftware verwendet werden. Sie sollten sowohl die chinesischen Zeichensätze installieren, um chinesische Seiten im Internet schnell und klar lesen zu können, als auch eine Zusatzsoftware installieren, um selber chinesische Texte verfassen zu können und gespeicherte Texte auszudrucken.119


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2.5.5.3.2  Der Entwurf der Unicode120 (Unihan 121)

Das Bearbeitungssystem für chinesische Informationen ist ein entscheidender Faktor für den Aufbau der chinesischen Digitalen Bibliothek. Dieses System umfasst den Systemskern, den Anwendungsprozess und die Schnittstelle (Interface) zwischen Menschen und Rechnern. Die Technologien des chinesischen Bearbeitungssystems werden aber noch nicht gut entwickelt. Es gibt folgende Probleme:

Wie oben bereits genannt, gibt es bisher drei chinesische Austauschformate (Exchange Codings): GB, Big5 und CCCII.

1.) GB Coding, GB2312-80, (Guo Biao Coding, auf Englisch: National Standard Coding.) wurde 1981 von der V.R. China veröffentlicht und im Betrieb genommen. Er hat 6.763 chinesische Kurzzeichen122 (2-Byte-Coding). Dieses Format wird landesweit verwendet. Durch die rasche Entwicklung der digitalisierten Informationen und Vernetzung wird der Coding-Umfang mit weniger als 10.000 Schriftzeichen immer unbrauchbarer. Mircosoft hat 1995 in der Chinesischen Version von Windows 95 „GBK“ entwickelt. Was eigentlich eine erweiterte Codierung der GB ist. Sie unterstützt deshalb alle Zeichen mit „Standard GB13000.1“. Sie hat 20.902 Chinesische Zeichen und darüber hinaus noch einige Nicht-chinesiche Codings. [Seite 113↓]Einige elektronische Publikationen, wie z.B. die größte Tagszeitung Chinas „People Daily“ (Renmin Ribao), haben GBK im Internet verwendet. Diese Coding wird zwar immer mehr genutzt, aber für die Digitale Bibliothek gilt der Einsatz von GBK noch mit Einschränkungen.

20.000 chinesisch Zeichen sind eigentlich immer noch zu wenig;

GBK hat leider keine Schrift-Codings von chinesischen Minderheiten;

nur mit Windows kann dann GBK verwendet werden;

es tauchen Fehler mit der erweiterten GBK auf, wenn man mit der chinesischen Tastatur tippt. Es gibt bisher noch kein effektives „Input“.

2.) Big5 wurde in den 70er Jahren von Taiwan entwickelt, mit 13.000 chinesischen Langezeichen123 (2-Byte-Coding). Im Dezember 1979 wurde CCCII von Taipei entwickelt, mit 53.000 Zeichen, darunter Langezeichen, Kurzzeichen, sehr selten genutzte chinesische Zeichen und auch Japanisch und Koreanisch (3-Byte). Vor allem benutzten taiwanesische Bibliotheken diese Codingsystem für Bibliographien wegen den umfangreichen Schriftzeichen. Das vereinfachte Codingsystem vom CCCII heißt EACC, mit 16.000 Zeichen. Es wird in den USA, Großbritannien und Australien für chinesische Bibliographien verwendet, u. a. in OCLC, der Library of Congress, Washington und der British Library, London.

Die gleichzeitig angewendeten vier Codingsysteme sind offenbar ein Hindernis für den Aufbau der chinesischen Digitalen Bibliotheken. Die möglichst einfache Umwandelung zwischen den vier Systemen stellt ein grundsätzliches Forschungsprojekt für ganze chinesische Welt dar.


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2.5.5.3.3  Mehrsprachiger Software-Plattform

Als Ausgangsschwierigkeit stellte sich die Auswahl eines geeigneten Codierungssystems zur Darstellung der chinesischen Schriftzeichen auf dem Computer dar. Das Fehlen eines solchen Code-Sets war lange Zeit ein großes Hindernis bei der Digitalisierung. Zwei Faktoren müssen bei der Entwicklung eines solchen Sets bedacht werden: erstens ob die Zahl der chinesisch Zeichen im Code Set ausreichend sind und zweitens ob das Codesystem des „Code Set International Standards“ entspricht oder integriert werden kann. Das System GB2312 hat für die Ansprüche an die Digitalisierung zu wenig Zeichen. Das GBK-System entspricht aber nicht internationalem Standard. Nach Überlegungen und Praxistests wurde das Code-Set ISO/IEC 10646 angenommen. Mit dem konnten die digitalisierten Produkte auf verschiedenen Plattformen bearbeitet und international benutzt werden.

Wie wir oben gesehen haben, erfolgt die Speicherung des Chinesischen im Doppel-Byte Format, während bei der Speicherung des Englischen nur eine Byte benötigt wird. Eine spezielle Software befähigt Computer auf „chinesisch zu sprechen“. Zwei verbreitete Software-Systeme, die dieses unter Microsoft Windows umsetzen sind „Twinbridge“ und „Chinesestar“. Beide Systeme kann man automatisch „at boot time“ laden oder als normale Windows-Oberfläche anwenden. Sie unterstützen die Kodesätze von GB und BIG-5, so dass eine Einsatzmöglichkeit gegeben ist. Der Unterschied zwischen GB und BIG-5 entspricht dem zwischen den zwei chinesischen Dialekten. Obwohl sie eine gleiche Sprache sind, haben sie eine andere Darstellung. Um eine Umsetzung der Darstellungsformen in das Codesystem der Computer-Sprache zu ermöglichen, ist es notwendig, einen Standard aufzustellen. Ein Unicode-Konsortium hat einen Allgemeinstandard für chinesische Schriftzeichen entwickelt. Die „Han-Unifiction“ beinhaltet alle chinesischen Schriftzeichen in Mandarin, Japanisch und Koreanisch. Leider wird das „Unicode“-System nicht in großem Rahmen eingesetzt. BIG-5 bleibt bislang das beherrschende Codesystem für die Darstellung chinesischer Schriftzeichen.124


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Wie die Darstellung der Informationen auf Englisch und Chinesisch realisiert werden kann, ist ein technologisches Problem, das das Bibliotheksprojekt lösen muss. Die Informationsangebote von Bibliotheken im Internet stellen eine zunehmend wichtige Informationsquelle dar. Sie werden nicht nur von denen im Ausland studierenden und lebenden Chinesen genutzt, die nur unter Schwierigkeiten die chinesischen Materialien erhalten. Es gibt auch außerhalb der V.R. China große chinesische Kommunen, z.B. Singapur. Bis Ende 1998 bietet die NBC 240 GB digitalisierte Informationsdienstleistungen im Internet an, auf die pro Jahr über eine Mio. Mal zugegriffen wurde, seit 1999 erfolgen mehr als 200.000 Zugriffe täglich. Das zeigt, dass der Informationsbedarf und Anspruch an das Netz noch nicht erfüllt werden konnte.

Über die Auswahl mehrsprachiger Software-Plattformen gibt es leider noch keine Software Plattform, die in ausreichendem Maße den Anspruch erfüllt, einen flexiblen Austausch z.B. zwischen Chinesisch, Japanisch, Russisch und westlichen Sprachen zu gewährleisten. Die bisherig existierenden Systeme sind leider noch sehr fehlerhaft. Ein internationaler Standard für die größte Gruppe der Schriftzeichen liegt zwar schon vor, ist aber bislang noch nicht in ein entsprechendes Anwendungssystem umgesetzt worden. Weiterhin gibt es keine passende Computer-Software für die Sprachen der chinesischen Minderheiten.

2.5.5.4 Herstellung von chinesischsprachigen Webseiten im Internet

Die Bibliothekare in Hongkong, Taiwan, und Singapur haben frühzeitig die Bedeutung Digitaler Bibliotheken erkannt. In Hongkong begann 1995 die elektronische Speicherung und Erfassung von Bildgut in den Hongkonger Universitätsbibliotheken als Forschungsprojekt. Auch Taiwan hat ein angelegtes Projekt Digitaler Bibliothek. Taiwanesen haben Ende der vierzigen Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht nur die Schätze der Verbotenen Stadt in Peking nach Taiwan mitgenommen, sondern auch wertvolle Bücher, die dort gut aufbewahrt wurden. Im Jahr 1994 wurde ein „Asien-Pazifik Intelligent Informationsservice Center“ geplant. Die geplanten Kosten für diesen Plan betrugen 10 Mio. US Dollar.125


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Singapur hat im gleichen Jahr den „Entwicklungsplan der Bibliotheken 2000“ entworfen. Alle Öffentlichen Bibliotheken und mehr als 500 wissenschaftlichen Fachdatenbanken sollen im einen grenzübergreifenden elektronischen Bibliotheksnetz integriert werden. Im März 1996 hat Singapur eine „Kommission für das chinesische internationale Netz“ gegründet. Ihr Ziel ist es, Singapur zum Entwicklungszentrum des chinesischen Internets auszubauen. Singapur müsste bei wachsender Bedeutung des chinesischen Internets dafür bereit sein.126

Das Nachbarland Japan hat sich seit Jahrhunderten für die chinesische Kultur interessiert und viele chinesische Bücher gesammelt. Es wird behauptet, dass wenn China die Digitalen Bibliotheken nicht entwickeln würde, würde man erst durch die Digitalen Bibliotheken von Japan, Singapur, Hongkong oder Taiwan die benötigten Informationen herausfinden. Übrigens gibt es viele „Chinese Study“-Bereiche,127 mit umfangreichen chinesischen Sammlungen der (Ost)Asienabteilungen oder der Bibliotheken, und ausgezeichneten Sinologen in den USA, Kanada und in Ländern der EU. China sollte mit diesen Ländern und Fachleuten zusammenarbeiten.

Zurzeit stehen in der Welt zu wenig chinesischsprachige Webseiten zur Verfügung. Beispielsweise erscheinen zwei Drittel des Internetinhalts nur in englischer Sprache. Einer aktuellen spanischen Statistik zufolge werden die folgenden 10 Sprachen der Reihenfolge nach im Internet am häufigsten angewendet: Englisch, Japanisch, Deutsch, Chinesisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Italienisch, Portugiesisch und Koreanisch. Es gibt gegenwärtig 214 Mio. englische Pages (was 68% des Gesamtinhalts des Internets ausmacht), 18,33 Mio. japanische (5,8%), 18 Mio. deutsche (5,7%), 12 Mio. chinesische (3,8%) und 9,26 Mio. französische (2,9%).128


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2.6  Das Modell Digitaler Bibliotheken – Aufbau und Entwicklung

2.6.1 Der Einsatz der Digitalen Bibliothek für die Alphabetisierung

China legt viel Wert auf den Aufbau der Digitalen Bibliothek, weil die Regierung der Meinung ist, dass Digitale Bibliotheken beim Kampf gegen den Analphabetismus eine große Rolle spielen. Rund 113 Mio. Kinder weltweit wachsen nach Schätzungen der UNESCO ohne Schulbildung auf. 60% davon seien Mädchen, gab die Deutsche UNESCO-Kommission 2002 in Bonn bekannt. 150 Mio. Kinder würden die Schule vorzeitig abbrechen. Die Zahl der erwachsenen Analphabeten werden weltweit auf etwas 877 Mio. geschätzt, überwiegend in den Entwicklungsländern.129

Nach dem ersten Opiumkrieg (1840-1842)130 geriet China in den Zustand allgemeiner Verarmung. In den folgenden 100 Jahren gab es nirgendwo in der Welt so viele Naturkatastrophen (z.B. häufige Überschwemmungen des Gelben-Flusses) und Kriege131 wie in China. Während der zehn Jahren der Kulturrevolution (Mai 1966 - Oktober 1976) wurden viele Hochschulen bzw. Universitäten zerstört und zahlreiche [Seite 118↓]Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter wurden zur Emigration aus dem Land gezwungen oder mussten ihren Beruf aufgeben. Die Folgen dieser Ereignisse sind bis heute spürbar. Insgesamt können über 16% der Bevölkerung (über 14 Jahre alt) nur schlecht oder gar nicht lesen und schreiben. Bei Männern liegt der Anteil bei 9%, bei den Frauen bei 23%.132 Das bedeutet, dass in China fast ein Viertel der Frauen Analphabeten sind! Einer Untersuchung nach, die von der „chinesischen Gesellschaft für Wissenschaft und Technologie“ durchgeführt wurde, haben in China nur 14% der Bevölkerung wissenschaftliche Grundkenntnisse.133

Der größte Teil der Bevölkerung weiß wenig zum Beispiel über „black hole in space“, über „Big Bang“ oder auch die „theory of evolution“. Die Betroffenen leben auf dem Land, meist in westlichen Regionen, aber auch in Provinzstädten. Wenn eine Familie auf dem Land die Kosten für die Bildung nur für ein Kind aufbringen kann, wird normalerweise der Sohn in die Schule geschickt. Dies hat zwar mit der alten chinesischen traditionalen Einstellung zu tun, aber der Hauptgrund des mangelnden Schulbesuches liegt an der Armut der Landbevölkerung.

Universitäts- und Hochschulstudierenden haben einen Anteil von nur 4%, China ist damit auf dem 80. Platz in der Welt. Der Durchschnittswert in der Welt ist 18%. Indien 6%, Ägypten 17%, Thailand 19%, Deutschland 30%,134 und Südkorea sogar 48%. Die Quote der Schüler in der Mitteschule ist in China 56% (Durchschnittwert in der Welt 61%), damit Platz 54. Es gibt 27 Universitätsstudierende pro 10.000 Einwohner (Statistik 1998), während es 56 in Indien, 500 in den USA und 700 in Kanada sind (Statistik 1995). Es gibt in China 8,4 wissenschaftliche Forscher auf 10.000 Arbeiter, während es in Japan 80 und in den USA 74 sind. Die durchschnittliche Bildungszeit in China beträgt 7 Jahre, während es in den Industrieländern 15 Jahre sind. Die Schulpflicht in Deutschland beträgt 12 Jahre, 135 und in China 9.


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Im Jahr 1995 wurde in China nur 0,5% des GDP für den Forschung- und Entwicklungsplan investiert. 1996 lag die Zahl der chinesischen wissenschaftlichen Forscher auf dem 4. Platz in der Welt, während die Wettbewerbsfähigkeit der wissenschaftlichen Forschung und die Patente auf dem 23. bzw. 28. liegen. Bis 1998 wurden innerhalb Chinas 115.900 Patente beantragt, darunter nur 3000 im Ausland. Das Patentrecht wird in China selten angewendet. Das heißt, 110.000 Patente wurden fast verschenkt.136

Es erscheint widersprüchlich, wenn China bei einem solch hohen Anteil von Analphabeten von der Modernisierung redet. China kämpft seit über ein Jahrhundert gegen den Analphabetismus. Die nicht ausgeglichene wirtschaftliche Entwicklung wird z.B. die Kluft in der Ausbildung und auch der Kultur zwischen Ostchina und dem unterentwickelten Westchina noch vergrößern. In den letzten Jahren wurden zwar mehrere Millionen Yuan in Westchina investiert und einige Fortschritte erzielt. So gibt es Ende 2001 auf dem Land in Westchina 633.800 Schulen mit insgesamt 91 Mio. Schulabgängern. Aber die Mittel sind noch immer unzureichend. China wird weiterhin 300 Mio. Yuan in Westchina investieren, um das Bildungssystem in 186 sehr armen Gebieten zu verbessern. Dazu gehören auch die Autonomieregionen Xinjiang und Tibet.137

Im Rahmen dieser Programme werden nicht nur Grundschulen, sondern auch Bibliotheken, Museen aufgebaut. Inwieweit sich hier Einsatzfelder für die Digitale Bibliothek ergeben, ist mittlerweile ein Diskussionsthema geworden. Da die technische Ausstattung der einzelnen Haushalte (z.B. mit Telefon, Fernsehern, Computern) insgesamt eher gering ist, erscheint es sinnvoll, regional zentrale Nutzungspunkte für die Digitale Bibliothek zu schaffen. Gerade aus diesem Grund ist die Digitale Bibliothek für viele Millionen Menschen in den unterentwickelten westlichen Regionen Chinas wichtiger als in anderen Gebieten. „Die chinesische Stiftung für Jugendliche“ (Zhongguo Qingshaonian Jijinhui) hat mit einem landesweiten Programm angefangen, ein elektronisches Bibliotheksnetzwerk im Land aufzubauen und Computers, CD und Satelliteservice in Form eines e-[Seite 120↓]Informationszentrums zu finanzieren. Im Rahmen dieses Programms werden 10.000 e-Bibliotheken oder Informationszentren in 1000 Kreisen in ganz China eingerichtet. Die erste e-Bibliothek wurde im Oktober 2000 in der Stadtgemeinde Hongqiao, in Wenzhou von der Provinz Zhejiang eröffnet.138

Am 12. August 2001 fand die Konferenz “Aufbau der öffentlichen Ressourcen im Internet für Fernstudien-Programme” in Peking statt. Das Ziel ist es, die Ressourcen an Universitäten zu digitalisieren, ins Netz zu erstellen und öffentlich zugänglich zu machen. Das heißt, die Ressourcen sollten nicht nur für die wissenschaftlichen Zwecke, innerhalb des Campus, sondern möglichst auch öffentlich zur Verfügung gestellt werden. Durch die digitalisierten Ressourcen können die Universitäten dazu beitragen, die Grundkenntnisse der allgemeinen Bevölkerung zu verbessern.139 Das Projekt wurde vom chinesischen Bildungsministerium gefördert und begann im November 2001. 17 Universitäten z.B. die Zhongshan Universität haben daran teilgenommen. Die Digitalisierung der Sammlung des Universitätsmuseums begann schon früher. Die Zahl der Universitätsmuseen, die in dieses Projekt eingebunden sind, ist von 57 im Jahr 1997 auf mehr als 100 im Jahr 2001 gestiegen. Ein erfolgreiches Beispiel ist die „The Digital Museum of Biology Zhongshan University“.140

Die Öffnung und die besseren Zugangsmöglichkeiten zu den Informationsquellen für den Aufbau einer Wissensgesellschaft sind notwendig. Erst aber fraglich, ob damit [Seite 121↓]Fortschritte in der Alphabetisierung erreicht werden können. Lesefähigkeit ist eine Grundvoraussetzung zum Erwerb der Medien Kompetenz. Eine Alphabetisierung erfordert anderen Maßnahmen, so wie sie Anfang der 80er Jahren des letzten Jahrhunderts von den USA eingesetzt werden, als deutlich wurde, wie hoch der Anteil der Analphabeten in den USA war. Eine große Rolle bei diesen Kampagnen spielen die Öffentlichen Bibliotheken, die auch vor Ort in China mit dem Angebot von geeignetem Lesestoff eingesetzt werden sollten.

2.6.2 Das Modell zum Aufbau der chinesischen Digitalen Bibliothek

Die Entwicklung des Bibliothekswesens ist von den sozialen und kulturellen Bedingungen in einem Land abhängig. China ist verglichen mit den europäischen Ländern wie z.B. Deutschland ein sehr großes Land. Die Landesfläche beträgt 9,6 Mio. qkm.141 Es zeigte sich, dass sich bei der Entwicklung eines solchen Projektes die Erfahrungen des Auslandes nicht direkt übernehmen lassen. Die Summe, die in den USA in den Jahren zwischen 1994 und 2000 in den Aufbau der Digitalen Bibliotheken investiert wurden, lag bei ca. 3,64 Mrd. US$.142 China ist ein Entwicklungsland. Für das Projekt stehen keine ausreichenden finanziellen Mittel zur Verfügung. Dazu behindern der Mangel an Fachleuten sowie die nicht gut entwickelte Infrastruktur den landesweiten Aufbau des Projektes. Vielmehr müssen die Planungen den regionalen und sozialen Bedingungen angepasst werden.

Dieses trifft aber auch auf die geographischen und historischen Bedingungen zu. Es bestehen große wirtschaftliche und kulturelle Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen Chinas. Die ländlichen Regionen und die Stadt entwickeln sich auch sehr unterschiedlich.143 Diese Tendenz hält nach wie vor an. China muss die sehr [Seite 122↓]unterschiedlichen Entwicklungsstufen innerhalb des Landes berücksichtigen. Das bedeutet, dass China nicht über Nacht Digitale Bibliotheken im gesamten Land aufbauen kann. Ein berühmtes „Motto“ bzw. eine Theorie von Deng Xiaoping (1905-1997), der als „Chef-Ingenieur“ der chinesischen Wirtschaftsreformen bezeichnet wird, lautet: „Mo Zhe shi to guo he“ (Man spürt den Stein und quert den Fluss). Die umfangreichen Wirtschaftsreformen begannen mit den vier Sonderzonen an den Küsten Ostchinas. Seit 1978 verändert sich China schnell und ständig; der Wandel vollzieht sich jedoch weniger als ein Bruch, wie es z.B. in der ehemaligen UdSSR und Osteuropa geschehen ist. Dengs Theorie nach muss man in Bereichen, in denen man keine Erfahrung hat, vorsichtig sein. Er wollte nicht, dass im Ausland bestehende Strukturen einfach nach China importiert werden; vielmehr sollten eigene Erfahrungen gemacht werden und als Grundlage für weitere Schritte gelten. Diese Theorie hat heute auch Einfluss auf den Aufbau der Digitalen Bibliothek. Bis zum April 2000 hat China mit verschiedenen Projekten begonnen, mit denen grundlegende Fragen geklärt und Erfahrungen gemacht werden können. Nach fünfjähriger Forschung und Praxis könnte man auf dieser Basis ein Modell für die Zukunft entwerfen.

2.6.2.1 Die strategische Konzeption

Die Strategie sieht den Aufbau eines zentralen nationalen Netzwerkes vor, verbunden mit einigen großen und wichtigen Bibliotheken.

Das zentrale nationale Netzwerk setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen.

Aus einigen großen Bibliotheken, die als Hauptbibliotheken ausgewählt und mit moderner Netztechnologie miteinander verbunden werden;

dem Gesamtbestand an Information in diesen Hauptbibliotheken;

einem noch zu erstellenden nationalen Verbundkatalog und der Digitalisierung wichtiger Dokumente;

der Bereitstellung von Materialien über das Internet/WWW (international).


[Seite 123↓]

Ihre Aufgaben:

Ein zentraler Aspekt und zugleich eine der schwierigsten Aufgaben ist die Digitalisierung wertvoller Dokumente von nationaler Bedeutung. Dazu gehören:

Die Definition, Weiterentwicklung und Durchsetzung von Standards.

Der Aufbau kooperativer Arbeitsdatensammlungen, z.B. bibliographischer Datenbanken. Bei diesem Aspekt können Erfahrungen von OCLC übernommen werden. China verfügt über CN-MARC Daten. Diese könnten über das Netz ausgetauscht werden. So besteht einerseits die Möglichkeit, dass die Mitglieder die Daten aus dem Netz herunterladen, andererseits bieten sie ihre Daten im Netz anderen Mitgliedern zur Nutzung an.

Die Kosten für die Internet-Nutzung sind in China verhältnismäßig hoch. An das System angeschlossene Institutionen können über das zentrale Netz auf das Internet zugreifen, was ein Kostenersparnis für diese Einrichtungen zur Folge hat.

Strukturelle Bedingungen:

Verwaltungsorganisation: Die Öffentlichen Bibliotheken, Universitätsbibliotheken und Forschungsbibliotheken haben in China jeweils ein eigenes Verwaltungssystem. Eine Kooperation zwischen diesen Einrichtungen findet bislang nicht statt. Daher ist es notwendig, eine Organisationsstruktur aufzubauen, in der alle Bibliotheken landesweit koordiniert werden können.

Zentralbibliotheken: China ist ein großes Land mit einer regional sehr ungleichen Literaturversorgung. Zur Kompensation dieser Situation werden einige zentrale Bibliotheken als Anbieter im Netz agieren. Sie befinden sich in der Gesamtstruktur auf einer identischen Ebene und erfüllen jeweils die gleichen Aufgaben und Funktionen. Die Voraussetzungen dafür sind, eine gewisse Mindestgröße. Die Sammlungen dieser Bibliotheken müssen möglichst alle relevanten Bestände in China abdecken.

Zukunftstauglichkeit: die Einrichtungen müssen sowohl im Bereich der Infrastruktur wie auch der Qualifikation des Personals dem aktuellen internationalen Standard entsprechen. Der Entwicklungstand der Bibliotheken ist wie der Wirtschaft regional sehr unterschiedlich. Während einige Bibliotheken sehr modern und zukunftstauglich ausgestattet sind, verfügen andere kaum über Erwerbungsmittel. Daher sollten die besonders gut ausgestatteten Bibliotheken in Kanton und Shanghai zentrale Fragen, [Seite 124↓]Aufgaben und Verantwortung übernehmen und damit die Arbeit der Nationalbibliothek Chinas ergänzen.

Geographische Angleichung: Es sind verstärkt Investitionen in den weniger entwickelten Landesteilen Chinas vonnöten zu denen z.B. die Bergregionen, die westlichen Regionen, und einige von ethnischen Minderheiten bewohnte Regionen zählen.

Zahlreiche Bibliotheken mittlerer und kleiner Größe nutzen bereits einerseits die Serviceangebote des Hauptnetzes und bringen sich andererseits als Zuarbeiter in diese Struktur ein.

Die Netzinfrastruktur zwischen den verschiedenen Bibliotheken:

Das „Backbone Network“: Ein Unternetz wird z.B. von „ChinaNet“ zu mieten sein und ausschließlich für Bibliotheken zur Verfügung gestellt.

Zwischen den Hauptbibliotheken bestehen:

Zwischen Hauptbibliotheken und den mittelgroßen bzw. kleinen Bibliotheken bestehen:

2.6.2.2 Die Notwendigkeit der Zusammenarbeit

Bei dem zukünftigen Aufbau der Digitalen Bibliotheken ist eine weitere zu beachten: Zusammenarbeit der Nationalen, Öffentlichen, Wissenschaftlichen Bibliotheken und IT-Firmen.

Nach den Erfahrungen der amerikanischen und europäischen Digitalen Bibliotheken ist der Aufbau dieser eine umfassende und permanente Aufgabe. Es bedarf nicht nur der Bibliotheken und Informationseinrichtungen, sondern auch des Besitzes der Informationsbestände. Nach einem gegebenen Standard der Digitalisierung bearbeitet und indexiert jede eigene Einrichtung ihre Ressourcen. Gleichzeitig werden Metadaten an das Digitale Bibliothekszentrum gesandt. Diese [Seite 125↓]Zusammenarbeit erhöht die Motivation und hat den Vorteil, dass auf der einen Seite Universitäten und Firmen die Technologien und Finanzunterstützungen und auf der anderen Bibliotheken die Informationen und die Erfahrungen des Personals einbringen. Die Zusammenarbeit orientiert sich am Bedarf der potentiellen Nutzer. Es ist auf diese Art möglich, eine umfassende Informationsbank zu schaffen und sowohl kostenlos Inhalte anzubieten als auch die kommerziellen Märkte zu erschließen.

Beim Aufbau der chinesischen Digitalen Bibliothek arbeiten die Bibliotheken aktiv mit IT Unternehmen und öffentlichen Telekommunikationsunternehmen wie „China Telekom“ zusammen. Die erfolgreiche Kooperation zwischen der Provinzbibliothek Kanton und der „Super-Star Information Technology Co. Ltd“ ist ein Beispiel dafür: „Super-Star“ besitzt die Erfahrungen mit dem aktuellen Stand der Technologie, die Bibliothek hat die Ressourcen und die Erfahrungen bei der Automatisierung. In China verdient ein Bibliothekar nicht viel. Ehemalige IT-Mitarbeiter im Bibliothekswesen sind Mitarbeiter von IT-Firmen geworden. Die Bibliothek sollte mit den IT Unternehmen zusammenarbeiten, um die Digitale Bibliothek schnell aufzubauen. Es wurde daher das auf dem Dublin Core basierende „Digital Chinesisch Volltext Dokument Format“ entwickelt, das entsprechend dem Bedarf der Bibliotheken, eine chinesischsprachigen Software-Plattform darstellt, die das Resultat einer Kooperation zwischen Bibliotheken und IT Firmen ist. Unter IT-Unternehmen werden die selbstständigen oder halbstaatlichen Unternehmen wie z.B. „Super-Star“, oder IT Firmen innerhalb von Bibliotheken, z.B. „Digitale Bibliothek China“ an der NBC, „Tsinghua Tongfang“ an der Tsinghua Universität, „Congqing Weipu“, „Renda Kopier Gesellschaft“ an der Renmin Universität Peking verstanden.

2.7 Nachteile und Einschränkungen der Digitalen Bibliothek

Digitalisierung und Vernetzung sind der bestimmende Trend in der heutigen Gesellschaft. Seit vielen Jahren will China daran teilnehmen und will den Einsatz verstärken. Aber nach ein paar Jahren Praxis sind auch Nachteile und Einschränkungen der Digitalen Bibliotheken offensichtlich geworden, die von inländischen und ausländischen Fachleuten schon antizipiert wurden.


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2.7.1  Die materielle Kurzlebigkeit der Informationsträger

Die Haltbarkeitserwartungen von einer der Diskette ist nur 5 bis 10 Jahren, von einer CD-ROM ist 20 bis 50 Jahren angegeben. Die Lebensdauer dieser Datenträger ist also um ein hohes Maß geringer als die von Papier oder Mikrofilm.144 Um eine dauerhafte Sicherung der Information zu gewährleisten, ist ein ständiges Umkopieren notwendig. Die Hoffnung, dass die Information durch Digitalisierung immer bewahrt werden könnten, kehrt sich in ihr Gegenteil um. Das Hauptaugenmerk bei der technischen Entwicklung der elektronischen Informationsmedien liegt bislang mehr auf den Ausbau der Übertragungs- und Rechengeschwindigkeiten und der Vergrößerung der mehr oder weniger temporären Speichermöglichkeiten, aber kaum darauf, wie man Information über längere Zeiträume effektiv sichern und verfügbar halten kann.

2.7.2 Schwierigkeit der Aufbewahrung während der schnellen Entwicklung des PCs und der Software

Klassische Informationsträger können immer noch ohne technische Hilfsmittel erkannt werden, obwohl ihre Art sich von Pergamon, ägyptischen Papyrus, chinesischen Holzdrucken, bis zum heutige maschinellen Buchdruck veränderten. Die Inhalte sind noch immer ohne Zuhilfenahme von technischen Geräten lesbar. Aber wenn dieses Material digitalisiert worden ist, sind die Inhalte in das Binärsystem und letztlich in aus 0 und 1 bestehende Zahlenkolonnen umgewandelt, benötigt man zum Rückübersetzen in eine für den Menschen lesbare Form einen Computer. Eine Rekonstruktion ohne die entsprechende Software ist dagegen nahezu unmöglich.

Für die letzten 20 Jahren lässt sich eine rasante Entwicklung im Bereich der EDV und elektronischen Vernetzung feststellen. Diese schnelle Entwicklung ist auch in hohem Ausmaß im Bibliothekswesen spürbar: heute dominieren statt Zettel-Kataloge elektronische OPACs. Doch sowohl Computer-Technik wie auch Software veralten quasi auch über Nacht. Ohne eine spezifische Hardware sind bestimmte maschinenlesbare Daten nicht mehr abzurufen. Seit 1994 sammelt und archiviert das [Seite 127↓]amerikanische Archiv-Amt die Regierungsdokumentationen auf CD ROM. Allein eine Abteilung für Verwaltung könnte auf 40.000 bis 50.000 Disketten kommen. Der Direktor der „Library of Congress“ Dr. Billington hat im Jahr 2000 bei einem TV-Interview geäußert, dass er, wenn er wählen könnte, die Printausgaben den elektronischen Materialien vorziehen würde.145

Japan – ein Hauptproduzent von elektronischen Büchern und Zeitschriften führenden Land –verkauft sehr viele elektronische Produkten (e-Books und e-Zeitschriften). Auf der anderen Seit werden nur sehr wenige elektronischen Produkte (z.B. e-Books) in den japanischen Bibliotheken erworben. Sie haben z.B. ständig viele deutschen Bücher und Zeitschriften in Papierform erworben. Das bedeutet, dass sie sich der Problematik der Bewahrung elektronischer Publikationen durchaus bewusst sind und in dieser Form darauf reagieren.146 Seit 1995 bewahrt die Library of Congress - sofern verfügbar – die nicht-elektronischen Ausgaben gemeinsam mit den elektronischen Publikationen.

2.7.3 Datenverlust während der Digitalisierung

Für den Nutzer elektronischer Publikationen ist es schwer einzuschätzen, in welchem Umfang bei der Digitalisierung Daten verloren gegangen oder Fehler entstanden sind. Es ist aber bekannt, dass bei jeder Übertragung von Daten von einem Medium auf ein anderes von gewissen Verlusten ausgegangen werden muss. Dieses ist z.B. auch aus dem Bereich der Übersetzung von Texten aus einer Sprache in eine andere bekannt. Bei den chinesischen Werken ist ein solcher Verlust vielleicht etwas geringer, da sich das Chinesische, sowohl als Schrift als auch in der Aussprache, seit fünf Tausend Jahren zwar ständig verändert, aber diese Veränderung im klassischen Chinesisch Lesbarkeit und Verständlichkeit wenig beeinflusst hat. Die antiken chinesischen Philosophischen Werke, z.B. von Konfuzius, der im 5. Jahrtausend vor Christi gelebt hat, sind heute immer noch lesbar. Das Erlernen sowohl des modernen wie auch des klassischen Chinesisch ist für alle Schüler in China obligatorisch. In den Lehrbüchern für die chinesische Sprache werden moderne und klassische [Seite 128↓]Werke parallel vermittelt. Das heißt, es ist nicht so schwierig für einen Chinesen, der das Abitur gemacht hat, die klassischen Werke zu lesen und sie zu verstehen. Eine Rezeption der Originalquellen ist also immer noch ohne Abstriche möglich.

Die Veränderung der Informationsträger, oder genauer gesagt die Digitalisierung der klassischen Werken stellen die Bibliothek vor ein neues Problem: Es ist unmöglich die chinesische Literatur vollständig zu erfassen. Das Problem ist, dass dabei Inhalte verloren gehen, die für bestimmte Nutzer durchaus relevant wären.

2.7.4 Mittelbares und unmittelbares Lesen

Die digitalisierten Materialien kann – im Gegensatz zum Printprodukt - man nicht unmittelbar, also ohne Hilfsmittel lesen. Man benötigt immer eine bestimmte „Maschine“: in der Regel ein Lesegerät mit einem Display. Dies führt zu einem Bruch mit herkömmlichen Lesegewohnheiten, der sich offensichtlich nicht wie prophezeit vollzieht. Schon vor 20 Jahren wurde angesichts der neuen Technologien die „Papierlose Gesellschaft“ ausgerufen. Tatsache ist aber, dass das Verlagswesen sich ebenfalls expansiv schnell entwickelt und die Zahl der Druckwerke, trotz Automatisierung, Digitalisierung und Vernetzung, ununterbrochen zunimmt.

Darüber hinaus bedeutet Lesen nicht nur reine Informationsaufnahme sondern auch ein Leseerlebnis. Diese Funktion bedienen besonders die Öffentlichen Bibliotheken. In China haben sie alle große Lesesäle für Zeitungen und Zeitschriften. Besonders in Kanton, wo es so viele Wanderarbeiter gibt, ist dies eine wichtige Funktion der Öffentlichen Bibliothek. Die Wanderarbeiter kommen aus den westlichen oder nördlichen ärmeren Regionen Chinas. Sie haben zum Wirtschaftsboom im östlichen Küstenbereich beigetragen. Sie arbeiten viel, verdienen aber wenig. Die Arbeitsbedingungen für sie sind hart. Viele können es sich nicht leisten eine Zeitung oder Zeitschrift käuflich zu erwerben. Ihr Informationsbedürfnis können sie nur in der Bibliothek befriedigen. Ihre Lesegewohnheiten sind in hohem Maß auf die Papiermaterialien ausgerichtet. Die Bibliothek muss das berücksichtigen, und die Papierformen weiter erwerben, um diese Nutzergruppen zu erreichen.


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2.7.5  Feuer in Bibliotheken und Computerviren in Digitalen Bibliotheken

Im Mai 1997 besuchte ich ein bekanntes privates „Büchersammlungsgebäude“ „Tian Yi Ge“ (Tian Yi Pavillon oder Haus), das sich in der Stadt Ningbo, Provinz Zhejiang befindet. Diese Büchersammlung gehörte zu einer der vier berühmten privaten Büchersammlungen aus der Ming-Dynastie. Das Haus (mit Lesesaal und das Magazin) ist bis heute gut erhalten. Das ist auch ein der ersten, die von der chinesischen Regierung in die kulturelle Erbeschutzliste aufgenommen wurde. Der Besitzer war FAN Qin (1506-1585), ein Hochbeamter und Wissenschaftler aus der Ming-Dynastie. Er hat alle Möglichkeiten ausgenutzt, um Bücher zu sammeln und zu kaufen. Die Bibliothek war nicht öffentlich und nur für ein paar nahe Verwandten und Freunden Zugänglich. Deshalb gab es einen Lesesaal mit sehr strengen Bedingungen für die Nutzer (z.B. kein Zugang für Frauen).

Das Haus wurde im Jahr 1566, zu Zeiten der Ming-Dynastie, nach fünfjähriger Bauzeit fertiggestellt. Der Name stammte aus einem Satz aus dem „ Yi Jing “: „ Tian Yi sheng shui, Di liu cheng zi“, was „Haus des Wassers“ bedeutet. Tian Yi Ge wurde aus Holz gebaut und erstreckt sich über zwei Stockwerke. Die Bücher wurden nur im oberen Stockwerk aufbewahrt. Die zehn Bücherregale sind in der Mitte des Raums aufgestellt, um der Feuchtigkeit der Wände zu entgehen. Türen und Fenster sorgen für eine gute Luftzirkulation. Unter jedem Regal wurde ein spezieller Stein gelegt, auf Chinesisch heißen sie Yingshi, um die Feuchtigkeit zu absorbieren. In den Regalen liegen Kräuter, Yunchao genannt, welche die Insekten vertreiben. Vor dem Gebäude gibt es einen kleinen Teich, zum einen aus ästhetischen Gründen, zum anderen als Feuerschutz. Der Bücherbesitzer hat seine Hoffnung, dass die Bücher ewig bewahrt werden, nicht nur in der Auswahl des Namens zum Ausdruck gebracht. Bei der Architektur, dem Ausbau und Umbau des Gebäudes wurde immer der Brandschutz berücksichtigt. So wurde das Haus z.B. nicht mit dem Familienhaus zusammen gebaut, sondern ist alleineinstehend in einem anderen Hof gelegen. Eine zusätzliche Mauer wurde gebaut, um ein Übergreifen möglichen Feuers von außen zu verhindern. Tian Yi Ge’s Architektur und Schutzvorrichtungen waren damals erstklassig. Nach ca. 200 Jahren hat der Kaiser Qiang Long aus der Qing-Dynastie [Seite 130↓]diese Architektur übernommen, um eine umfangreiche Enzyklopädie, die „Si Ku Quan Shi“ heißt, darin aufzubewahren.147

Eine große Bedrohung für viele Bibliotheken ist das Feuer. Viele Büchersammlungen in China wurden während des Krieges oder bei Unfällen durch Brände vernichtet. Diese private Büchersammlung von 70.000 Rollen ist bis zum Ende der Ming-Dynastie gut erhalten,148 weil sie einen guten Namen besitzt: Wasser gegen Feuer. Nicht nur in China haben Bibliotheken seit Jahrhunderten gegen das Problem von Bränden gekämpft. Die älteste Bibliothek in Alexandria, in Ägypten, die im April 2003 wieder eröffnet wurde,149 war einem Brand zum Opfer gefallen.

Der Brand ist also für traditionelle Bibliotheken eine große Gefährdung. Heutzutage machen Digitalisierung und Vernetzung die Informationserschließung viel leichter und effektiver. Gleichzeitig entstand eine neue Art von Gefährdung der Bestände. Ein Brand kann die Digitale Bibliothek nicht mehr zerstören. Jedoch kann ein Computervirus zu einer ähnlichen Gefährdung werden. Bis 1996 wurden schon mehr als 4.000 Viren entdeckt. Ihre Zahl wächst jährlich um 12,5%.150 Digitalisierte Materialien werden nicht direkt gelesen, sondern bedürfen eines Lesesystems aus Rechner, Monitor, Strom, etc. Diese Hard- und Software ist z.T. sehr empfindlich gegen äußere, z.B. klimatische Einflüsse. Wenn diese Probleme nicht ausreichend berücksichtigt werden, wird die digitalisierte Information bzw. der Zugriff auf diese entsprechend gefährdet, wie die klassische Bibliothek durch Feuer. Diese Gefährdung während und nach der Digitalisierung sollte nicht übersehen werden.


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Fußnoten und Endnoten

1 Unter dem Wort „elektronischer Lesersaal“ versteht man, dass eine Bibliothek den Lesern elektronische und virtuelle Datenbanken, e-Journals zur Verfügung stellt. Mehr dazu siehe: http://www.lib.tsinghua.edu.cn/english/electronic.html. 16.01.04

2 Lorenz, Andreas. „Siegeszug der Himmelsreiher“. Der Spiegel 19 (2002): 198.

3 „Seit den 80er Jahren investieren viele Länder hohen Geldsummen in die High-Tech und betrachten sie als wichtigen Bestandteil ihrer staatlichen Entwicklungsstrategien. Im März 1986 wurde auch in China ein Entwicklung für High-Tech aufgestellt, bekannt auch als Plan 863....“, mehr dazu siehe: http://de.chinabroadcast.cn/21/2003/12/12/1@1370.htm

4 Sun, Chengjian/Liu, Gang. „Anfang und Entwicklung des Aufbaus der chinesischen Digitalbibliotheken“. Zeitschrift der Nationalbibliothek 3 (2000): 10-16.

5  http://www.nlc.gov.cn/dlib/dle1.htm, 26. 03. 02.

6 Eine chinesische Delegation, die auch vom chinesische Kulturministerium organisiert und finanziert wurde, hat eine Studienreise, unter dem Thema „Digital Libraries„ im Nov. 2000 in Deutschland, Frankreich und Großbritannien gemacht. Die Programm in Berlin wurde vom EDBI organisiert. Siehe: die Unterlagen vom EDBI.

7 Die Provinz Liaoning befindet sich nördlich von Peking.

8 Nanjing war die Hauptstadt Chinas von der Jiangjieshi Regierung (1927 – 1949), heute die Hauptstadt der Provinz Jiangsu.

9 Shenzhen liegt im südlichen Kanton, gegenüber Hongkong.

10 „Der erste Arbeitsplan der chinesischen Digitalen Bibliotheken (2000 - 2005)“, http://www.d-library.com.cn/go/union.htm, 26.03.02

11 Aus einem Aufsatz von Mo, Shaoqiang. „Modell und Vergleich des Aufbaus chinesischer Digitaler Bibliotheken“. Mo Shanqiang ist der Leiter der Abteilung der Automatisierung an der Provinzbibliothek Kanton. Seinen Aufsatz erhielt ich im Sommer 2001 in Kanton.

12  http://www.d-library.cn/index.php, Diese Webseite ist leider nicht mehr aktuell. 16.01.04.

13 Datenmenge siehe Tabelle 4 auf der nächster Seite.

14 Wie ist die Bibliothek auf die Idee gekommen, mit einer Firma zusammenarbeiten? Mehr dazu sieh: Mo, Shaoqiang. „Ich gebe der Bibliothek meine goldene Zeiten“. Library Tribune 6 (2003): 48-52.

15  http://www.digilib.sh.cn , URL nicht zugänglich, 16.01.04.

16 Die Daten werden von mir im Laufe der Arbeit ermittelt und immer wieder aktualisiert.

17 Siehe http:// www.cnnic.cn/develst/rep200107-e.shtml, 10. 11. 01.

18 „Die Digitale Bibliothek beinhaltet in Gegensatz zur klassischen Bibliothek nicht nur gedruckte Bücher bzw. andere analog gespeicherte und publizierte Dokumente. Sie ist durch die wesentliche Erweiterung um binäre Informationen gekennzeichnet. In Gegensatz zur klassischen Dokumentation weist sie die Dokumente nicht nur bibliographisch nach, sondern stellt sie auch im Volltext zur Verfügung.“ Siehe: Ewert, Gisela; Umstätter, Walther: Lehrbuch der Bibliotheksverwaltung - Auf der Grundlage des Werkes von Wilhelm Krabbe und Wilhelm Martin Luther völlig neu bearbeitet. (Stuttgart): Hiersemann, 1997: 13. (Zitaten aus diesem Buch wird später im Fußnoten als “Ewert/Umstätter” gekenntzeichnet)

19 Solche Fachdiskussion existiert auch in den USA: „Nonetheless, referring to the digital library generically masks the fact that digital libraries exist in diverse forms and with quite different functions, priorities, and aims. As individual programs have matured, each has developed is own personality, reflecting the circumstances of is birth, its environment, its caretakers, and its leaders”. Preface. “Because startup digital libraries are fundamentally experimental, it is difficult to summarize what they do.” Greenstein, a.a.O.: 9.

20 Der Meinung aus Kanton ist aber gerade umgekehrt.

21 Vergleiche dazu: Klaus Meyer, Klaus. „Entwicklungsstand und Einsatz von E-Books in öffentlichen Bibliotheken“. Bertelsmann Stiftung Bereich Öffentliche Bibliotheken. (2000):30. „Not all digital libraries focus primarily on digitally reformatting analog items in their collections and distributing them online. Harvard and NYU, while possessing digitisation capacity, focus principally on providing systems environments and infrastructure capable of managing digital assets as may be acquired of used within their host institution. The CDL is similarly focused but is actively assessing funding and business models that may support more investment in digitisation. Michigan has focused both on digitisation and on the development of access systems. Indiana stressed digitization in the context of teaching and learning. Virginia, on the other hand, emphasizes innovative use of information technology (IT) in support of research and teaching. Its main focus is consequently user services, with collections and system development playing a supporting role”. Greenstein, a.a.O.: 2.

22 Ewert/Umstätter,a.a.O.: 13.

23 So meinten auch die deutschen Kollegen: „Trotzdem sind Rechenzentren und Bibliotheken nicht identisch. Während Rechenzentren in erster Linie die Aufgabe übernehmen, Hard- und Software bereitzustellen und zu verwalten, konzentrieren sich Bibliotheken auf die Verwaltung der Inhalte von Datenbanken“. Ewert/Umstätter,a.a.O.: 14.

24 Siehe: Simon, Elisabeth: Bibliothekswesen in Frankreich – Eine Einführung. (Berlin), 1986, 89 S.

25 Die Situation in den USA: „In the year 2000, digital conversion costs for member libraries ranged between $38,000 and $1,145,000; the average spending on all aspects of digital library programs was $4,341,798 ($2,641,798 if the costs of acquiring access to commercial electronic content are excluded). Fewer than half of the DLF libraries surveyed invest primarily in digital reformatting programs. Most have oriented themselves toward the development of technical infrastructure and of various reference and other enduser services”. Greenstein,a.a.O.: 2.

26 „Durch die multimedialen Möglichkeiten der heutigen PCs hat sich der Begriff ‚Virtual Library’ ausgebreitet. Dieser soll deutlich machen, dass wir heute in der Lage sind, Teile von Bibliotheken komplett digitalisiert auf dem Bildschirm darzustellen, so dass der Benutzer am PC die Möglichkeit hat, sich navigierend durch eine Bibliothek hindurch zu bewegen und dort gewissermaßen in die Regale und in die Bücher einzutauchen. Im Interesse einer präzisen Terminologie definieren wir die Virtuelle, ebenso wie die Elektronische Bibliothek, als Teilbereiche der Digitalen Bibliothek“. Ewert/Umstätter,a.a.O.: 14.

27 Dieses und entsprechende Projekte in den USA haben der Digitalen Bibliothek ihren Namen gegeben. Damit hat die Digitale Bibliothek sozusagen 1963 mit dem Weinberg Report ihren Anfang genommen, als man damit begann, die ersten Bibliografien zu digitalisieren. Entsprechende Projekte z.B. in England liefen unter dem Namen Hybrid Library, was allerdings den zentralen Gedanken der Digitalisierung nicht deutlich genug werden lässt.

28 Huang, Zongzhong. „Virtuelle Bibliothek und traditionelle Bibliothek des 21. Jahrhunderts“. –Collected Theses on Digital Library. -. Changchun: Dongbei Universität Verlag, 1997: 38-52.

29 Die Teilnehmerzahl der Öffentlichen Bibliotheken ist auch immer aktualisiert.

30 Sheng, Xiaoping/Yu, Puyang. „Der Vergleich über die chinesische und ausländische Digitale Bibliothek“. Theorie und Praxis der Bibliothek (2) 2000: 3-5.

31 Sun, Chengjian/Liu, Gang. „Anfang und Entwickelung des Aufbaus chinesischer Digitalen Bibliotheken. Zeitschrift der Nationalbibliothek (3) 2000: 10-16.

32 s.o.

33 Mo, Shaoqiang, Leiter der Abteilung der Automatisierung an der Provinzbibliothek Kanton: Das Modell und das Vergleich des Aufbaues der chinesischen Digital Bibliothek, den Artikel erhielt ich von ihm im Sommer 2001.

34 “Die Nationalbibliothek ist die größte Bibliothek in Asien. Die Zahl der chinesischen Schriften in ihrer Sammlung nimmt den ersten Platz der Welt ein“. „China 2002“,a.a.O.: 187.

35 

How Far Is the Digital Library? http://210.77.134.148/pls/wcm/Show_Text?info_id=7290&p_qry=libraryTitle]

(21DNN.com 02/08/2001), 12.03.01

36 Zhang, Weiyun. „ Die Chinesische Digitale Bibliothek: Ein nicht leichte Auswahl“. Zeitschrift der Nationalbibliothek 2 (2000): 19-25. Vgl.: “Gegenwärtig kann das Zentrum für Netzwerkinformationen der Nationalbibliothek den Lesern im Internet Informationsdienste mit einer Speicherkapazität von 1.000 MB anbieten. Die Benutzer können kostenlos berühmte chinesische Klassiker und Bücher über allgemeine Kenntnisse im Internet lesen“.: „China 2002“, a.a.O.: 189.

37 

How Far Is the Digital Library? http://210.77.134.148/pls/wcm/Show_Text?info_id=7290&p_qry=libraryTitle]

(21DNN.com 02/08/2001), 12.03.01.

38 Sun, Chengjian/Liu Gang. „Anfang und Entwicklung des Aufbaus der chinesischen Digitalen Bibliotheken“. Zeitschrift der Nationalbibliothek (3) 2000: 10-16.

39 Wang, Chun. „Die heutige Situation der chinesischen Digitalen Bibliothek, der digitalisierten Ressourcen und der Netzwerke“. The Journal of the library Science in China 6 (2001) :79-80.

40 Saur, Klaus G.: Das deutsche Verlagswesen, Vorlesung, am 01.02.02, im Institut für Bibliothekswissenschaft.

41 Amerikanische Kollegen, die die Provinzbibliothek Kanton besucht haben. Erfahren vom Interview mit Mo Shaoqiang, der für die „Super-Star Digital Library zuständig ist.

42 hier das DFG Projekt angeben mit einem gemeinsamen Portal für die Spezialbibliotheken mit Sondersammelgebieten, und mit Frankreich, Bibliotheksdienst 12 (2001).

43 “Cultural Aktivities, Table 1: Newspapers, books and libraries”, Material von Herrn W. Umstättter am 28.11.02. Vlg.: Shang, Zhuang. „Nutzung der öffentlichen Bibliotheken“. Theorie und Praxis der Bibliothek 1 (2002): 31-33.

44 Siehe http://www.zslib.com.cn, 20.01.04.

45 „China 2002“, a.a.O.: 189-190.

46 Wang, Shiwei. „Rückblick und Weiterentwicklung der Überarbeiten der chinesischen historischen Sammlung“. Library Journal 7 (2000): 15-17.

47 18 chinesische nationale Minderheiten gehören zu den Nationalitäten, deren Bevölkerungszahl über eine Million liegt. Tibeter, Mongolen und Yi gehören dazu. „China 2002“ a.a.O.: 41.

48 Heute benutzen die Hui-Nationalität und die Mandschuren die Han-chinesische Sprache. Die übrigen 53 Nationalitäten haben eigene Sprachen und 21 Nationalitäten auch eigene Schriften, sie verwenden insgesamt 27 Schriften. „China 2002“ a.a.O.: 44.

49 Bao, Heping. “Wissenschaftliche Verwaltung und Nutzung der historischen Sammlungen der ethnischen Minderheiten.(Scientific Management and Development of Ancient Documents of Ethnic Minorities)”. The Journal of the Library Science in China: 44-46 und 54

50 “Under the Ming Dynasty, Yongle Encyclopedia was complied in 1407. A compendium of quotations form books that existed during the Yongle period (1403-1425), this was the largest encyclopedia in China, consisting of 11.919 scrolls. Information on different branches of knowledge was grouped under catchwords to offer a subject approach. The imperial library of the Ming dynasty surpassed all its predecessors in number of holdings. Three-tenths of them were printed books, while the remaining seven tenths were manuscripts made by scribes, totalling 43.200 scrolls. Additionally, there were thousands of scrolls of the annals and chronicles of Ming emperors compiled by the imperial historiographer, which should beaded to that number. Siehe: Lin, Sharon Chien a.a.O.: 3.

51 Wang, Shiwei. „Rückblick und Weiterentwicklung der Überarbeiten der chinesischen historischen Sammlungen“. Library Journal7 (2000): 15-17.

52 s.o.

53 Yang, Zhaoxia. „Digitalisierten Ressourcen der klassischen Werken“. Universitätsbibliothek Journal 3 (2000): 15-19.

54 “The emperor Qianlong of the Qing dynasty desired to build a national library holding a copy of every standard work in existence. In 1773, scholars were ordered to collect very rare and out-of-print materials listed in the Yongle Encyclopedia. Immediately, a more comprehensive project followed. The compilation of the Complete Collection of the Four Branches of Literature, covering a series of 3,500 titles in 36,000 handwritten volumes of China’s most important books, lasted ten years (1773-1782). The original set of this monumental repository of Chinese civilization was housed in the Imperail Palace Library Wenyuange”. Lin, Sharon Chien a.a.O.: 5.

55 Mehr über Reformed Baptist Disscussion List siehe: http://www.rblist.org/, 29.04.04.

56 Siehe: http://162.105.138.223/rarebook/input/, 17.05.02.

57 

58 Im Vergleich mit amerikanischen Digitalen Bibliotheken: „Some digital library programs emphasize services over collection. But almost half of the DLF members digitize selected rare, special, and other collections as a means of encouraging access to and use of those collections by scholars, students, and a broader public”. Greenstein a.a.O.: 30.

59 Sun, Jilin. „Über die Digitalisierung der historischen Sammlungen“. Library Journal 7 (2000). Vol.19 No.: 17 und 18-19. (Er arbeitet beim „Shanghai Institut für technologische und wissenschaftliche Informationen“, in der Shanghai Bibliothek).

60 Li, Guo Xin. “Progress und Aufgaben der Digitalisierung der chinesischen historischen Sammlungen“. Journal of Research Libraries 1 (2002): 21-25 und 41.

61 Im Vergleich zu den USA: „Some emphasize the digital library as a collection development arm. CDL, Cornell, Harvard, NYU, and Stanford, for example, are exploring means of archiving selectively those scholarly materials that are uniquely available in electronic form. Michigan, Cornell, and Yale are using or have used digital library techniques to develop and manage fragile printed materials. There, digital surrogates are created for fragile books and used to develop print and online access copies to save wear and tear on the originals”. Greenstein a.a.O.:29.

62 „Es gab schließlich eine Nördliche und eine Südliche Song-Dynastie. In der Zeit der Südliche Song-Dynastie wurde die zentrale Macht nach Süden verlegt, wodurch die wirtschaftliche Erschließung in Südchina in großem Umfang vorangetrieben wurde. Die Wissenschaft und Technik, vor allem Astronomie und Drucktechnik, standen in der Song-Dynastie an der Spitze der Welt. Bi Sheng erfand die Drucktechnik mit beweglichen Lettern und vollzog damit eine große Revolution in der Geschichte der Drucktechnik“. S.: „China 2002“ a.a.O.: 6.

63 “Als der taoistische Priester Wang Yuanlu am 22.Juni 1900 Sand aus Höhle 16 entfernte, entdeckte er an der nördlichen Wand des Korridors die berühmte Bibliothekshöhle von Dunhuang (jetzt Höhle 17). Sie enthielt eine große Anzahl von Schriftrollen mit buddhistischen Texten, alte administrative Papiere, Webarbeiten und Malereien. Es handelt sich um mehr als 45 000 Stücke die in der Zeit vom 3. bis zum 11. Jahrhundert entstanden von Politik, Ökonomie, Militärwesens, Kultur, Religion, Literatur, Musik, Tanz, Kalligrafie, Architektur und Medizin. Von diesem Zeitpunkt an wurde Dunhuang in der ganzen Welt bekannt. Weil aber in der späten Qing-Dynastie Korruption und Ineffizienz herrschten, wurden viele Schätze der Bibliothekshöhle nach London, Paris und in andere Städte gebracht. ...Es gibt mehr als 570 Höhlen und mehr als 60.000 Quadratmeter bemalter Wandfläche und etwa 3 000 bemalte Figuren enthalten. ....Die im Jahr 1943 gegründete „Akademie in Dunhuang“ organisierte internationale Forschungsseminare (z.B. im Jahr 1987, 1990, 1994), an der auch Deutschland aktiv teilgenommen und Beiträge präsentiert hat.“ Mehr Info. Siehe: http://www.rostock.igd.fhg.de/dunhuang/dunhuang/dunhuangG.html. 20.01.04. Vgl.: „Die Chinesische Nationalbibliothek verfügt über mehr als 260 000 Raritäten aus alten China, darunter in den Dunhuang-Grotten entdeckte Bücher“. Mehr sieh: http://www.china-embassy.ch/ger720535.html, 20.01.04. Vlg.: „Die Nationalbibliothek China....hat über tausend Bände von Schriften aus den Dunhuang-Grotten - ca. ein Drittel der Sammlung dieser Schriften im ganzen Land“. „China 2002“, a.a.O.: 188.

64  http://de.clearharmony.net/articles/200310/12535.html, 20.01.04.

65 Alle Zahle aus: Huang, Haiming. „Sammlung und Nutzung der Familienstammbücher“. Library Tribune. 12 (2001): 88-90 und 101. Vgl.: www.http://china.stemmata.com, 12.06.02.

66 „Der Buddhismus wurde um das 1. Jahrhundert in China eingeführt und nach dem 4.Jahrhundert weit verbreitet. Er entwickelte sich dann in China zur einflussreichsten Religion. Der Lamaismus ist eine Richtung des chinesischen Buddhismus. Sein Verbreitungsgebiet liegt hauptsächlich in Tibet und der Inneren Mongolei. Heute gibt es im ganzen Land mehr als 13 000 buddhistische Tempel und Klöster. Der Islam fand etwa Mitte des 7. Jahrhunderts Einzug in China. In der Yuan-Dynastie (1271-1368) hatte er einen großen Aufschwung. Heute gibt es im ganzen Land rund 30 000 islamische Moscheen“. S.: „China 2002“ a.a.O.: 47.

67 Vlg. Zu dem Fußnoten über „Siku Quanshu“, unter der Führung vom Kaiser Qianlong der Qing-Dynastie.

68 Bao, Heping/Wang, Xueyan. “Bibliographische Kontrolle der historischen Sammlungen der chinesischen Minderheiten“. Library Journal 3 (2002): 21-24.

69 Hu, Jingbo. „Die Zusammenarbeit der Bibliotheken in Minderheitsregionen“. Library Tribune 12 (2001): 14-17.

70 Vom Amt für Presse und Publikationen genehmigt, geben zur Zeit landesweit 36 Unternehmen über 200 Titel elektronischer Publikationen heraus. „China 2002“a.a.O.: 186.

71 “China 2002” a.a.O.: 189.

72  http://www.nlc.gov.cn/Brochure.html. 04.04.00.

73  http://www.oclc.org/oclc.new/n221/interna.htm#int1. 11.08.02.

74 Wang, Chun. „Die heutige Situation der chinesischen Digitalbibliothek, der digitalisierten Ressourcen und der Netzwerken“. The Journal of the library Science in China 6 (2001): 79-80.

75 Zhou, Peter. “Electronic resources for Chinese studies in a global context”. The Electronic Library 2 (1996) Vol. 4 No.1:31.

76 Fang, Weiming. “A Overview Offline Cataloguing of our Country”. Bibliotheksaufbau 2 (2001): 28-30.

77 Zhou, Peter. “Electronic resources for Chinese studies in a global context”. The Electronic Library 2 (1996) Vol. 4 No.1: 27-31.

78 Deng Xianping, war unter Mao der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei China und wurde nach der Kulturrevolution wieder in führende Positionen eingesetzt. Nach 1979 wurden unter seiner Führung die Richtlinie „Reform und Öffnung“ eingeleitet und die Schwerpunkte der Arbeit auf die Modernisierung und den Aufbau verlagert. Seither hat sich China tiefgreifend verändert. „China 2002“a.a.O.: 10.

79 Chen, Xiaozong. „Die Digitalisierung in den medizinischen Bibliotheken“. Library Tribune 6 (2003). Vol. 23 No. 3: 77-78 und 138.

80 Die Firma wurde 1993 gegründet und am 27. Jan. 2000 den Name „ Superstar Information Technology Co., Ltd“ (Beijing Shiji Chaoxing Xinxi Jishu Fazhang youxian Gongsi) umbenannt. Bis 2002 hat die Firma 300 Mitarbeiter, mit durchschnittlichen Alter unter 25. Mehr dazu: Super-star Digitale Bibliothek, Materialien vom Prof. Cheng Huanwen, 2002.

81 Xia, Xu/Li, Jiankang/Ge, Chi: „Die Entwicklung der chinesischen Universitätsbibliotheken nach dem Beitritt zu WTO“. Library Tribune 8 (2002) Vol. 22 No. 4: 3-6 und 128.

82 s.o.

83 s.o.

84 Rao, Yan. „Situation und Problem des Urheberschutzes von Informationsressourcen“. Researches in Library Science 1 (2001): 73-76.

85 Volkstageszeitung (Renmin Ribao): 30.Aug. 2000. und vgl. „Die Informationsindustrie ist heute die wichtigste Grundlagenindustrie Chinas geworden. In Bezug auf Produktionswert, Umsatz und Gewinn hat sie alle traditionellen Industriezweige übertroffen. Damit hat sie den ersten Platz eingenommen und den größten Beitrag für die Entwicklung der Volkeswirtschaft geleistet“. „China 2002“ a.a.O.: 115.

86 Das war und ist auch immer noch die größte Problem beim Beitritt zum und mit WTO.

87 Qiu, Junping/Ma, Haiqun. “Protection of Intellectual Property of Internet Recourses: a Comparative study of China und USA”. The journal of the library science in China 6 (2001) Vol. 27 No. 136: 18-22. Wegen dieser Kontrolle sind BBSs in China populär geworden. Viele Nachrichten, die nicht durch die Regierungsquellen bekommt können, werden durch BBSs verbreitet. Vlg.: Fußnoten über BBS im Kapital 1 “Internet”.

88 Eisuke, Naito: “Copyright problems and experiences at and of NASCIS”, vorgestellt während einder Konferenz Nov. 2001, organisiert vom EDBI (ehemaliges Deutsches Bibliotheksinstitut). Materialien von E. Simon.

89 Qiu, Junping/Ma, Haiqun. “Protection of Intelletual Property of Internet Recourses: a Comparative study of China und USA”. The journal of the library science in China 6 (2001) Vol. 27 No. 136: 18-22.

90 Das darf nur für wissenschaftliche Nutzung oder Ausbildung sein, i. e. sogenannten „Fair use“.

91 „Superstar Digitale Bibliothek“, Material vom Cheng Huanwen.

92 Dem 10. Fünfjahresplan nach sollen bis 2005 40% der Haushalte im ganzen Land dann Kabelfernsehen empfangen können. „China 2002“ a.a.O.: 92.

93 „Der erste Arbeitsplan der chinesischen Digitalbibliotheken (2000—2005)“. http://www.d-library.com.cn/go/union.htm. 26.03.02.

94 s.o.

95 Abkürzung für die chinesische Währung, die auf Chinesisch „Renminbi“ oder „Yuan“ heisst.

96 Interview mit Mo Shaoqiang; Leiter der Abteilung der Automatisierung an der Provinzbibliothek Kanton. August 2001.

97 Die sozialistische Marktwirtschaft Chinas entwickelt sich gemäß dem festgelegten Plan zügig. Der 10. Fünfjahresplan beträgt den Zeitraum vom 2001 bis zum 2005. „China 2002“a.a.O.: 91.

98 “China plans to Invest 1 Billion Yuan for Digital Library Construction”. International Conference, http://www.edu.cn/20020208/3020191.shtml. 08.02.02. Vgl.: „China 2002“ a.a.O.: 189.

99 Long, Xiaotong. „Schwierigkeiten bei der Informationsmodernisierung“. Library 6 (2001): 34-37.

100 Tatsachen über Deutschland 1999, a.a.O. 426.

101 Dem 10. Fünfjahresplan folge soll das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2005 sich, nach Preisen von 2000 gerechnet, auf 12.500 Mrd. Yuan belaufen, das wäre 9.400 Yuan pro Kopf der Bevölkerung. „China 2002“a.a.O.: 91.

102 China statistical yearbook 1999, a.a.O.: 63.

103 s.o.: 675.

104 Im Jahr 2005 soll das Budget für Forschungen und Entwicklungen bei über 1,5% des Bruttoinlandprodukts liegen. Die Einschulungsrate in die Grundstufe der Mittelschulen soll bei über 90% liegen und die in Oberstufe der Mittelschulen und in die Hochschulen jeweils bei rund 60% und 15%. „China 2002“a.a.O.: 92.

105 China statistical yearbook 1999, a.a.O.: 702.

106 Du, Ke. „A Brief Account of Librarianship in China“. IFLA Journal 22 (1996):2.

107 Foster Jia Zhang/Qiang Zhu. „Chinese Information Market-Building Chinese Bibliographic Information Networks”. Material von Herrn Umstätter.

108 The maturing digital library’s approach to standards setting is shaped by nascent aspirations for a more deeply networked future. ...Indiana, for example, is thinking hard about how to afford the technical development work it requires to integrate the diverse systems environments and data content in use across its various porjects....By late 1999, Michigan’s Digital Library Production Service had launched a key project-to build an access system capable of providing user access to the numerous and heterogeneous digital objects that were being supplied through various digital reformatting and other content development initiatives. The fruits of that effort are available in its Digital Library Extension Service (DLXA) system. By mid-2002,Michigan was supplying support and software for that system to 27 digital library efforts around the world. Greenstein. a.a.O.: 13 und 15 und 16.

109 “Z39.50 is a national and international (ISO 23950) standard defining a protocol for computer-to-computer information retrieval. Z39.50 makes it possible for a user in one system to search and retrieve information from other computer systems (that have also implemented Z39.50) without knowing the search syntax that is used by those other systems. Z39.50 was originally approved by the National Information Standards Organization (NISO) in 1988”. Mehr dazu siehe: „About the Z39.50 Gateway“: http://lcweb.loc.gov/z3950/gateway.html#about, 20.03.04.

110 Xiao, Long. „Standardrahmen chinesischer Metadaten und die Anwendung“. Journal Academic Libraries 5 (2001): 29-35.

111 Hu, Haifan. “Design und Struktur der Metadatenstandard chinesischer Rare Book Digitale Bibliothek der Peking Universität“: Library Journal 8 (2001): 14-18.

112 Das “British Museum” hat eine „ Department of oriental printed books and manuscripts“. 1957 wurde ein Buch title “Descriptive Catalogue of the Chinese manuscripts from Tunhuang in the british Museum” von Lionel Giles in London erschienen. Mehr Info. Siehe: http://www.cckf.org/PrincetonWorkshop/Victor%20Mair.doc, 04.02.04.

113 Die Superstar Firma hat die auf Scannern basierte Digitale Bibliothek aufgebaut. Es ist preiswert und die Bücher können original behalten. Der großte Nachteil war aber, dass man keine Volltext bekommen kann. Zusammenarbeit mit der Tshinghua Universität in Beijing haben sie ein „Volltext Retrival System (with Pictures)“ entwickelt. Durch Scannern, OCR (Optical Charackter Recognition) und die Location Recognition des Texts kann man nach Titel, Autor, Verlag, und Klassifikation den Volltext auf Web Seite bekommen, mit der Zeige der Seiteanzahl. Mehr Info siehe: die kurze Vorstellung des „Volltext Retrieval Systems“. Materialien vom Prof. Cheng Huanwen.

114 Guo, Hongcang. „Chinesisch-Amerikanische Bibliothekare und ihre Bibliotheksorganisationen in den USA“. Library Journal 11 (2001): 60-62 und 12.

115 So ist auch die Meinung der amerikanischen Kollegen. „At least initially, the digital library exploits the Internet as an additional means of delivering traditional services, notably access to the library catalog and to some reference materials and scholarly journals”. Sieh.: Greenstein, a.a.O.: 9.

116 Lu, Benfu/Zhou, Junlan. „Digitizing and Networking-The Scheme and Practice of Establishing”. The Cass Electronic Library. INSPEL 31(1996)4, pp. 347-356.

117 Die hier und nächsten Absatz gewährten Zahlen kommen aus der Zeitschrift: China Scholars Abords, „HSK für die internationalen Zusammenarbeiten und die Kommunikationen“. (2001), H. 11: 30-31. Inhalt erhältlich auch: http://www.chisa.edu.cn

118 The Epoch Times, Berlin. 30.01.03.

119 Die letzten zwei Absätze aus: http://www.chinalink.de/sprache/comp/main.html, 09.02.00.

120 Qiang Zili/Miao Lin. “Andenken über den Aufbau der chinesischen Digitalen Bibliotheken“. University Library Journal1 (2000): 3-6.

121 China ist ein von 56 Nationalitäten bevölkertes Land. Die Han bilden die überwiegende Mehrheit (91.6% der gesamten Bevölkerung). Aus diesen Grund heisst Chinesisch auch „Han Yu (Sprache)“ und die Chinesen auch „Han-Ren“. Die Han-Nationalität ist in ganz China verbreitet, sie konzentriert sich jedoch hauptsächlich auf die Mittel- und Unterläufe des Gelben Flusses, des Yangtse und des Perlflusses sowie auf die Nordostchinesische Ebene. Mehr Info. Siehe: „China 2002“ a.a.O.: 41.

122 „Viele Ausländer haben den Eindruck, dass es unzählige chinesische Schriftzeichen gibt. In Wirklichkeit jedoch sind die allgemein gebrauchten Schriftzeichen nicht so zahlreichen. Einer Untersuchung über die in Büchern und Zeitungen gebräuchlichen Schriftzeichen zufolge gibt es nur etwa 3.000, die eine Häufigkeitsrate von 99% der vorgekommenen Schriftzeichen aufweisen“. S.: „China 2002“ a.a.O.: 44. Das trifft aber nicht auf historische Werke zu.

123 Die komplizierte chinesisch Zeichen heißen Langezeichen, die vor allem in Taiwan und zum Teil in Hongkong genutzt werden. Die vereinfachte chinesisch Zeichen (seit 1958) heißen Kurzzeichen, die in VR China, Singapur verwendet werden.

124 Chou, Yu-lan Margaret. “Accessing Chinese Resources on the Internet. Microcomputer for Information Management”: Global Internetworking for Libraries 12(3) (1994): 171-187.

125 Der Aufbau der chinesischen Digitalen Bibliotheken, Interview mit Xu Wenbo, Kulturministerium Chinas, Xu Wenbo ist Vize-Chef des Kulturministerium und zuständig für das Projekt chinesischer Digitale Bibliothek. http://library.hf.ah.cn/d-lib/xuwenbo.htm, 22.11.01.

126 s.o.

127 Nähere Information in Deutschland siehe: http://www.sino.uni-heidelberg.de/igcs/index.html, 30.05.00.

128 „Die Globalisierung des Internet-Geschäfts braucht mehrsprachige Websites“, http://210.77.134.148/pls/wcm/Show_Text_g?info_id=2540&p_qry=internet china, auf Englisch. 07.03 01.

129 Akribie-Rundbrief. 28.01.03: 5.

130 „Am Anfang des 19. Jahrhunderts verfiel die Qing-Dynastie zusehends. Großbritannien exportierte während dieser Zeit große Menge von Opium nach China, während die Qing-Regierung versuchte, dies zu verbieten. Um den Handel mit dem Opium zu sichern, entfachte Großbritannien im Jahr 1840 einen Aggressionskrieg gegen China. Schließlich wurde die Qing-Regierung in die Knie gezwungen und unterzeichnete mit der britischen Regierung den „Vertrag von Nanjing“, der Schmach und Schande über die chinesische Nation brachte. Nach dem Opiumkrieg zwangen Großbritannien, die USA, Frankreich, Russland, Japan und andere Staaten der Qing-Regierung verschiedene ungleiche Verträge auf. China begann sich Schritt für Schritt in ein halbkolonial-halbfeudales Land zu verwandeln“. „China 2002“ a.a.O.: 7 und 8.

131 Von 1840 bis 1949 führte China viele Kriege mit anderen Staaten. Auch Bürgerkriege zwischen verschiedenen Machthabern Chinas und Bauernaufstände erschütterten das Land. Darunter waren z.B. der zweite Opiumkrieg (1856-1861), der Japanisch-Russische Krieg (1894-1895) aber auf Chinas Territorium (Manchurei), der Boxer-Aufstand (1899), der Japanisch-Chinesische Krieg (1937-1945), und der Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Guomingdang (1927-1949).

132 Chinese Statistical Yearbook 1999, a.a.O.: 221.

133 “China to enlighten the scientifically Illiterate”. http://www.edu.cn/20020129/3019139.shtml. 11.02.02

134 “So stieg seit 1960 der Anteil der Studienanfänger am Altersjahrgang von acht auf über 30 Prozent”. Tatsachen über Deutschland, 1999, a.a.O.: 437.

135 s.o.: 427.

136 Long, Xiaotong. „Schwierigkeiten bei der Informationsmodernisierung“. Library 6 (2001): 34-37.

137 “Government to Increase Loans for Education in Western China”. Peoples Daily (Renmin Ribao) http://www.edu.cn/20020129/3019112.shtml, 08.02.02.

138 “China's First Rural E-Library Opens”. Xinhua 30.10.00. http://210.77.134.148/pls/wcm/Show_Text?info_id=7290&p_qry=libraryTitle, 12.03.01.

139 “Statistischen Angaben zufolge lernen jetzt landesweit über 200.000 Chinesen durch das Fernbildungsnetz, und diese Zahl dürfte in drei Jahren eine Million erreichen. ...Die Anwendung der Breitbandtechnik fördert die Bildung durch das Netzwerk. Das Chinesische Bildungsfernsehen verfügt über eine satellitengestützte, durch Multimedien übertragbare Plattform und ist in der Lage, acht Fernsehprogramme, acht Laut Programme und mehr als 20 IP-Digital-Rundfunkprogramme zu senden. Das Satellitennetz hat sich mit dem CERNet, dem frühesten Internet in China, verbunden, wodurch ein modernes Fernbildungsnetz entstanden ist“. „China 2002“: 161 und 162.

140 Mehr Info. Siehe: http://www.zsu.edu.cn/sw/, 13.02.02.

141 China ist flächenmäßig nach Russland und Kanada das drittgrößte Land der Erde. „China 2002“, a.a.O.: 11.

142 Yang, Lingxue. “National Library Backbone Network: a strategic Starting point for Chinese digital Library”. The Journal of the library Science in China 3 (2000): 38-41.

143 Vergleiche dazu: Cheng Huanwen: China‘s Opening for Information Transfer der auf die großen Unterschiede beim Gebrauch des Internets hinwies und zwar zwischen den Städten an der Küste und dem Landesinneren. In: Proceedings des internationalen Seminars.“Informationstransfer West- und Ost“, Berlin: Amerikahaus 2002.

144 Ewert/ Umstätter a.a.O.: 81.

145 Cheng, Huanwen: „Trends—die Digitale Bibliothek“. Library Tribune 4 (2001): 17.

146 Prof. Saur, Vortrag, Das deutsche Verlagswesen, 1. Feb. 2002 im Institut für Bibliothekswissenschaft.

147 Zhang, Yulan/Liu, Ying. „Die Geschichte über Tian Yi Ge“. Theorie und Praxis der Bibliotheken 1 (2002): 65-66.

148 Danach ist er durch die Kriege verloren gegangen. Nach 1949 bekam die Regierung den verlorenen Bestand zum Teil zurück. Quelle s.o.

149 Dr. Shawky Salem (aus Alexandria ): The Alexandria Library, bei der Tagung aus Förderkreis für den West- Ost- Informationstransfer e. V.: “ Spannungsfeld: Internationaler Informationstransfer—Chancen und Risiken globaler Vernetzung. im Amerikahaus, 21.-22. 02.02.

150 Huang, Zongzhong. „Virtuelle Bibliothek und traditionelle Bibliothek des 21. Jahrhunderts“. – Collected Theses on Digital Library, Dongbei Universität Verlag, 1997: 38-52.



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11.08.2004