3 Die Öffentlichen Bibliotheken in China

3.1 Die Entwicklung der Öffentlichen Bibliotheken Chinas in den letzten 20 Jahren

Die Nationalbibliothek wird in China als „Öffentliche Bibliothek“ angesehen.1 Mit einer Sammlungen von 22 Mio. Exemplaren ist die NBC die größte Bibliothek in Asien. China hat mehr als 1.100 Universitäts- und Hochschulbibliotheken. Das chinesische Bibliothekssystem umfasst außerdem Bibliotheken in den wissenschaftlichen Forschungsinstitutionen (davon über 8.000 mittelgroße und große Bibliotheken), Bibliotheken der Gewerkschaften, Bibliotheken der verschiedenen Organe und Gemeinschaften, Bibliotheken in der Armee und Bibliotheken in Grund- und Mittelschulen, sowie in Bezirken, Gemeinden, Unternehmen und Wohnblöcken.2 Wegen der Besonderheit3 der Nationalbibliothek wird sie hier nicht in erster Linie als Öffentliche Bibliothek dargestellt. Neben der NBC spielen die 30 Bibliotheken der Provinzen, der regierungsummittelbaren Städte, sowie der autonomen Gebiete, gemeinsam mit Großstadtbibliotheken und zahlreichen Bezirks- und Kreisbibliotheken, Gemeinde- und Dorfbibliotheken eine große Rolle im öffentlichen Bereich. Diese werden im folgenden dargestellt.4


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Abbildung 16: Die Nationalbibliothek Chinas(Die Schriftzeichen bedeuten „NBC“)5

3.1.1 Förderungen und Investitionen von der Regierung

„Der moderne Bibliotheksbau hat die Aufgabe, die Realisierung der bibliothekarischen Funktionen zu gewährleisten. Aus diesem Grunde müssen für gedruckte, geschriebene und audiovisuelle Dokumente, ebenso wie für Bibliotheksbenutzer und Bibliothekspersonal geeignete Räumlichkeiten bereitgestellt und zweckentsprechend ausgestattet werden“.6 Das chinesische Kulturministerium hat in den Jahren 1994 bis 1998 den Ausbau Öffentlicher Bibliotheken gefördert. Die Gebäudefläche ist ein wichtiges Kriterium bei der Entwicklung des Bibliothekswesens. Einer Statistik nach ist das Investitionsvolumen in den Neu- und Ausbau Öffentlicher Bibliotheken von 50 Mio. im Jahr 1979 auf 1,15 Mrd. Yuan in den 1990er Jahren gestiegen. Die „Perlen-Fluss-Delta“ (Zhujiang Shanjiaozhou) hat mehr Gelder die Bibliotheken ausgegeben. Allein für die Zentralbibliothek Shenzhen hatte die Regierung eine Summe von 80 Mio. Yuan (umgerechnet ca. 10 Mio. US$) geplant. Das ist in dieser Höhe ein Einzelfall. Meist kosten neue Bibliotheken um die 2.025 Yuan/m², im „Perlen-Fluss-Delta“ sind es 2.600-2.800 Yuan/m².7 In Deutschland hat z.B. der Umbau der Spandauer Bibliothek in der Carl-Schurz-[Seite 133↓]Strasse in Berlin-Spandau (die Neueröffnung war am 6. März 2001) 2,5 Mio. Euro gekostet.8

Ein weiteres Beispiel ist die Shantou 9 Stadtbibliothek. Vor 1995 war die alte Bibliothek in einem Gebäude von nur 2.000 m² untergebracht. Sie konnte damit den Bedarf der Leser und auch den Platzbedarf für die Bestände nicht abdecken. Der Neubau der Bibliothek wurde 1995 begonnen. Das Gebäude mit einer Gesamtnutzfläche von 28.000 m² wurde für einen Bestand von 1,5 Mio. Medieneinheiten konzipiert. Sie hat 14 Stockwerke, mit 1.500 Arbeitsplätzen in den Lesesälen und kann täglich 4.000 Besucher versorgen. Das Hauptbauprojekt wurde 1997 vollendet. Die Kosten beliefen sich 2001 auf ca. 53 Mio. Yuan. Im August 2002 spendete der berühmte Hongkonger Unternehmer Lin Baixin, welcher aus Shantou stammt, 40 Mio. Yuan für den Neubau. Die neue Bibliothek wird 2003 eröffnet. Im Jahr 2001 wurde die Bibliothek von der örtlichen Regierung mit 2 Mio. Yuan unterstützt, von denen ca. 600.000 Yuan auf den Erwerbungsbereich entfallen. Die Bestände umfassten 2001 450.000 Medieneinheiten, darunter 20.000 fadengeheftete Frühdrucke, 1.000 Zeitschriften- und Zeitungstitel und sowie über 3.000 spezielle „Chaoshan10-Sammlulngen.11


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3.1.2  Der Neu- und Ausbau der Bibliotheken

Bis zum Jahr 1958 hatte China 29 Provinzbibliotheken (mit Ausnahme von Tibet). „Nur sieben Bibliotheken der Provinzebene sind nach der Gründung der Volksrepublik aufgebaut worden, alle anderen wurden Anfang bis Mitte des 20. Jhs. errichtet“.12 Für eine Bibliothek, die Freihandbestände in der Größenordnung von 500.000 Bänden besitzt, sollten 3.000 m² Fläche zur Verfügung stehen.13 Danach hatten fast alle Bibliotheken nicht genug Fläche. Die im Jahr 1952 gegründete „Shanghai Bibliothek“ besitzt eine Sammlungen von 7. Mio. Medieneinheiten, besaß aber nur eine Fläche von 22.000 m².14 Von 1949 bis 1980 wurden nur drei Provinzbibliotheken (Jinling, Heilongjiang und Shanxi) neu gebaut. Die Flächen von diesen drei betrug insgesamt nur 20.000 m². Seit den 1980er Jahren hat China den Neu- und Ausbau der Bibliotheken intensiviert. Seither entstanden in ca. zwanzig Provinzen neue Provinz- und Hauptstadtbibliotheken. Die Flächen betragen zwischen 11.000 m² für die kleinste und 83.000 m² für die größte Bibliothek. Der überwiegende Teil dieser Projekte wurde mit einer Fläche zwischen 20.000 und 30.000 m² konzipiert. Die neue Wuhan Stadtbibliothek ist 33.000 m² groß, was einem Sechsfachen der alten Fläche entspricht. Sie verfügt über 2.100 Leseplätze und einen Bestand von 3,5 Mio. Medieneinheiten und ist damit die größte Stadtbibliothek aller Provinzhauptstädte Chinas.15 Die durchschnittliche Baufläche der Bibliotheken in Hongkong16 entspricht nur etwa einem Viertel oder der Hälfte der in Guangzhou17 üblichen Baufläche. Aber die Gesamtzahl der Bibliotheken liegt drei- [Seite 135↓]bis vierfach höher als in Guangzhou. In „Gangjiu Qu18 gibt es z.B. eine Zentralbibliothek, eine Kunstbibliothek, mehrere kleinere Bibliotheken und acht Mobilbibliotheken, insgesamt 35 Bibliotheken. In dieser Region kommt eine Bibliothek auf 200.000 Einwohner.19

Abbildung 17: Hongkong Public Liraries 20

Einige der neuen Bibliotheksgebäude übernahmen die Rolle einer zentralen kulturellen Einrichtung und damit gleichzeitig einer gewissen Symbolfunktion. Die Zahl der Bibliotheksbesuche verbesserte sich dadurch, wie in Deutschland. Die jährlichen Besucherzahlen bei der Spandauer Stadtbibliothek sind, seit sie neu gebaut wurde, um ein Drittel auf mehr als 320.000 gestiegen.21 Die neue Shanghai Zentrale Bibliothek (Shanghai Zhongxin Tushuguan) ist eine der beliebtesten kulturellen Einrichtungen in der Statd und verzeichnet einen Zulauf von 8.000 bis 10.000 Besuchern täglich. Die neue Zhejiang Provinzbibliothek in Hangzhou ist um das 12fache größer als das alte Gebäude und wurde im Jahr 1999 1,2 Mio. mal besucht.


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Abbildung 18: Shanghai Bibliothek22

Der Neu- und Ausbau öffentlicher bibliothekarischer Einrichtungen betraf neben großen Öffentlichen Bibliotheken auch zahlreiche Bezirks- und kleinere Gemeindebibliotheken. Bis zum Ende 1998 gab es allein in Peking 23 Bezirksbibliotheken und 421 Wohnblock- bzw. Stadtviertelbibliotheken.23 Shanghai hat 2 Stadtbibliotheken,24 33 Bezirksbibliotheken und 316 Dorfbibliotheken. Das heißt, es gibt eine öffentliche bibliothekarische Einrichtung auf 37.000 Einwohner bzw. 3,7 Medieneinheiten pro Kopf.25 Außerhalb der großen Städte wurden kleinere Bibliotheken in 40.000 Dörfern eingerichtet. In der Provinz Jiangsu wurde die „Bibliothek mit einem Bestand von 10.000 Medieneinheiten“ 26 geplant, ein wichtiger Bestandteil des Aufbauprogramms „Kultivierte Provinz“ (Jiangsu wird als „Wenhua [Seite 137↓] Dasheng“ bezeichnet).27 Seither wurden 851 dieser Bibliotheken gegründet, also in etwa 40% der Dörfer. Auch in Shenzhen wurden 105 dieser Bibliotheken in 127 Dörfern eingerichtet.28

Dem Auf- und Ausbau und der Weiterentwicklung der Bibliotheken wird auf der untersten Organisationsebene, z.B. bei Gemeindebibliotheken bzw. Bibliotheken in ländlichen Gebieten, Bezirkbibliotheken, Kinder- und Jugendbibliotheken oder auch Schulbibliotheken die gleiche Bedeutung zuzumessen, wie der Digitalisierung und Vernetzung der großen Bibliotheken. Dieser Aspekt ist Teil der Richtlinien, welche die weitere Entwicklung des Bibliothekswesens in China bestimmen. Konkret bedeutet das für die ländlichen Regionen, dass 2010 auf 40.000 Einwohner eine Bibliothek mit 500 m² Nutzfläche und 50.000 Bestandseinheiten käme. Aktuell ist gerade das Projekt „Informationsressource - gemeinsame Nutzung“ (Wenhua Xinxi Ziyuan Gongxiang) gestartet, in dessen Rahmen auch für die Bevölkerung in den ländlichen Regionen, trotz der z.T. mangelhaften Bestände in den Gemeindebibliotheken, über den Anschluss an ein elektronisches Informationsnetzwerk die Versorgung mit aktuellen Informationen gewährleistet werden soll.29

Nicht nur in Han-Gebieten, sondern auch in Minderheitengebieten wurden Bibliotheken neu gebaut. In China leben 55 sogenannte Minderheiten, mit 90 Mio. Menschen (was 8,1% der Gesamtbevölkerung Chinas ausmacht). Ihr Siedlungsgebiet umfasst 64% der Fläche Chinas. 1996 gab es in China 2.661 Öffentliche Bibliotheken (ohne Bezirks- und Dorfbibliotheken), davon war 596 Bibliotheken auf die Versagung von Minderheiten eingstellt. Das heißt, auf 400.000 Einwohner kommt eine öffentliche bibliothekarische Einrichtung. Bei den [Seite 138↓]Minderheiten liegt das Verhältnis bei 150.000 Einwohner pro Bibliothek.30 Wegen der Besonderheit von Tibet wird diese Region hier als ein Beispiel dargestellt. Betrachtet werden auch die Universitätsbibliotheken.

3.1.3 Beispiel: Die Bibliotheken in Tibet

1958 wurde die Provinzbibliothek im autonomen Gebiet Ningxia eingerichtet.31 Dann erbaute die chinesische Regierung 29 Öffentliche Bibliotheken auf der Provinzebene in 30 Provinzen und autonomen Gebieten. Der nächste Schritt geschah erst nach fast 40 Jahren. Vor 1996 besaß Tibet keine Provinzbibliothek. Erst am 1. Juli diesen Jahres wurde die „Tibet Bibliothek“ eröffnet. Aus politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und geschichtlichen Gründen ist das Bibliothekswesen in Tibet, im Vergleich zu anderen Provinzen Chinas, stark unterentwickelt. Eine Erhebung betrachtete die sechs relativ großen Bibliotheken: Tibet Bibliothek, Tibet Universitätsbibliothek, Tibet Bibliothek der Akademie der Sozialwissenschaft, Tibet KP (Kommunistische Partei) Kollegsbibliothek, Tibet Medizinische Universitätsbibliothek und Tibet Universitätsbibliothek für Agrar- und Viehwirtschaft anhand der Zahl ihrer Mitarbeiter, ihres Bestandes, der Bauflächen, der Modernität ihrer Ausstattung und ihrer Dienstleistung. Die sechs Bibliotheken haben insgesamt 106 Mitarbeiter. 42 davon arbeiten an der Tibet Bibliothek. Zwei Bibliotheken haben weniger als 10 Mitarbeiter. Nur 5 von der 106 Mitarbeiter haben einen Abschluss für das Fachgebiet Bibliothekswissenschaft, 25 Mitarbeiter haben eine einjährige Fachausbildung. Es fehlen Fachleute in den Bibliotheken. Die ethnische Struktur der Mitarbeiter weist 88 Mitarbeiter tibetischer Herkunft und 18 Han-chinesischer Herkunft auf. Eine Besonderheit sind die klassischen tibetischen Sammlungen, die meisten sind Holzschnitte manche bestehen auch aus Gold oder Silber. Sie sind sehr wertvoll für die Tibet-Forschung.


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Tabelle 7: Die sechs Bibliotheken in Tibet.32

 

Bestand (Exemplare)

Baufläche (m²)

Tibet Bibliothek

590.000

11.000

Tibet UB

220.000

4.754

B. der Akademie Sozialwiss.

240.000

4.205

KP KollegsB

70.000

2.721

Medizinisch UB

20.000

1.500

Agrar- und Viehwiss. UB.

300.000

4.000

Daran ist zu erkennen, dass Bibliotheken zwar in Tibet aufgebaut wurden, ihre Situation aber alles andere als optimal ist. Es gibt noch viel aufzubauen: Vergrößerung der Bestände und die Ausbildung von Fachkräften.

3.2 Das Verwaltungssystem in Öffentlichen Bibliotheken

3.2.1 Zusammenarbeit zwischen Zentral- und Bezirksbibliotheken

„Im Prinzip haben die Provinzbibliotheken gegenüber den Kreis- oder Stadtbibliotheken keine Leitungsaufgaben zu erfüllen. Die Kreis- und Stadtbibliotheken agieren selbstständig“.33Auf der Provinzebene ist die gleiche Situation. „Although under the jurisdiction of the Ministry of Culture (MOC) in principle, they are not centrally controlled. Public libraries are largely self-governed and financed through the Bureau of Culture at the corresponding governmental level“.34Die Provinzbibliotheken unterstehen den Kulturabteilungen der Provinzregierung. Die Stadtbibliothek wird von der Stadt verwaltet, während die Bezirksbibliothek dem Bezirk direkt untersteht. Beide Einrichtungen haben quasi nichts miteinander zu tun. Die Öffentlichen Bibliotheken agieren völlig unabhängig voneinander, was einen Unterschied zum europäischen Verwaltungssystem darstellt, [Seite 140↓]die meist in einem kommunalen Netz miteinander verbunden sind. Dieses System wurde aber von Seiten der Wissenschaftler kritisiert,35 weil dies eine Vielzahl von Schwierigkeiten in der elektronischen Gesellschaft mit sich bringt, z.B. bei der gemeinsamen Nutzung von Informationen, Zusammenarbeit, Kooperation und Koordination. Bei der Koordination geht es in erster Linie um eine einheitliche Verwaltung der Bibliotheken der unterschiedlichen Form, die bis jetzt noch jeweils anderen Leitungsorganen untergeordnet sind.

In den chinesischen Öffentlichen Bibliotheken gibt es keine direkten Verwaltungsbeziehungen zwischen Zentral- und Bezirksbibliotheken. China überlegt daher, das Verwaltungsmodell der Zentral- und Bezirksbibliotheken, wie es in den USA, Taiwan, Hongkong und anderen Ländern vorhanden ist, zu übernehmen und darauf ein neues Modell aufzubauen. Das System würde bedeuten, dass einer großen Zentralbibliothek kleinere Bezirksbibliotheken zugeordnet werden. Planungs- und Verwaltungsentscheidungen wie z.B. Größe, Bestand und Personal obliegen der Zentralbibliothek. Erwerbung und Katalogisierung werden zentral gesteuert. Das würde sich von der Öffentlichen Bibliotheken unterscheiden, die ihre Erwerbung nach den Unterschiede der Kommune trifft. Die Bibliothekskarte der Nutzer gilt in allen zusammengehörigen Einrichtungen. Ein solches Verwaltungsmodell würde die Entwicklung des chinesischen Bibliothekswesens positiv beeinflussen. Eine umfassende Abdeckung des gesamten Staatsgebietes mit Bibliotheken könnte so erreicht werden. Über kooperative Erwerbungspolitik könnte die Zahl der Dubletten verringert werden. Da über die Katalogisierung im Verbund Kapazitäten frei würden, könnten die Bereiche Service und Beratung ausgebaut werden. Automatisierung, Vernetzung und Digitalisierung würden besser koordiniert.

Dieses kooperative Verwaltungsmodell wurde bereits in einigen großen Städten eingeführt. So können z.B. in Shanghai die Leser seit 2001 mit einer Leserkarte nicht nur in der Zentralbibliothek sondern auch in anderen Bezirksbibliotheken Bücher [Seite 141↓]ausleihen und zurückgeben. Ein vergleichbares System wird auch bald in Guangzhou etabliert.36

3.2.2 Vergleich des Verwaltungssystems mit den USA und den Universitätsbibliotheken

3.2.2.1 Kooperation und Koordination

Die Verwaltung kann durch Kooperation und Koordination verbessert werden. In den USA spielen die Verbände ALA (American Library Association) und ARL (Association Research Library) bei der nationalen und regionalen Zusammenarbeit eine große Rolle. Die im Jahr 1977 gegründete OCLC besaß bereits 20 Jahre später 25.000 Mitgliedsbibliotheken, die sich in 65 Ländern befinden (zur Zeit sind es 41.000 kooperierende Bibliotheken in 82 Ländern37). Das im Jahr 1997 gegründete "Institute of Museum and Library Services" hat mit seinen finanziellen Unterstützungen die Entwicklung des amerikanischen Bibliothekswesens vorangetrieben.

Unter der Verwaltung der Zentralregierung besitzt China ein Verwaltungssystem für Bibliothekswesen und Information. Es besteht aus drei Subsystemen, dem Informationssystem, dem Archivssystem und dem Bibliothekssystem. Innerhalb jedes Systems existiert eine vertikale Hierarchie der administrativen Ebenen, nämlich die Zentral-, die Lokal- und die Basisebene. Wegen dieses komplizierten Verwaltungssystems und der Tradition (chinesische Bibliotheken konzentrieren sich auf den Aufbau des individuellen Bestandes mehr als auf die Kooperation und den Service)38 ist eine Einrichtung für Kooperation und Koordination in China notwendig. Am 9. Juli 197939 wurde der chinesische Bibliotheksverband (Zhongguo Tushuguang Xuehui) gegründet. Seine Zielsetzungen sind:

In der Praxis aber spielt der chinesische Bibliotheksverband seit 30 Jahren leider keine große Rolle bei der nationalen Zusammenarbeit. Ihm fehlt dafür die gesetzliche und administrative Unterstützung. Die Koordinationskommission der Hochschulen und Universitäten sowie des Bildungsministeriums ähnelt der von ARL. Es gibt auch Erwerbungs- und Katalogisierungszentren in Peking, Shanghai, Jiangsu und Kanton. Aber sie spielen eine geringe Rolle.

3.2.2.2 Die administrative Zusammenarbeit zwischen Erwerbung und Katalogisierung

Die heutzutage in chinesischen Bibliotheken genutzten Katalogdaten wurden und werden zum Teil direkt von ausländischen Katalogdatenquellen übernommen. Dabei werden benutzt:

Im Vergleichen dieser drei Datenbankenquellen ist die OCLC als umfangreichste bekannt, da man bei ihr „auf eine Datenbank mit 47 Mio. Katalogisate[n] zugreifen“ kann, und ihr „Umfang alle 15 sec. weiter steigt“.41 In China gibt es zwar 22 OCLC Mitglieder, aber die bibliographische Qualität von chinesischen Mitgliedern ist nicht hervorragend. Ein Grund dafür ist, dass sich die Mitglieder untereinander unterscheiden. Dagegen ist die Datenqualität von LC sehr gut. Leider wird die Datenbankenquelle von RLIN nicht von vielen chinesischen Bibliotheken genutzt.


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Die inländischen bibliographischen Datenquellen sind:42

Das Online-Katalogisierungszentrum der Nationalbibliothek Chinas;

Bibliographische Datenbanken innerhalb des Bereiches der chinesischen Akademie;

CALIS (China Academy Library and Information System), eine Bibliographische Datenbank innerhalb der chinesischen Universitäten (Zusammenfassung der bibliographischen Daten aus 124 Universitäten, sie ist daher umfangreich und von guter Qualität);

bibliographische Datenbank des Pekinger Bibliothekskonsortiums;

bibliographische Datenbank des Shenzhen Bibliothekskonsortiums;

bibliographische Datenbank des Shanghai Bibliothekskonsortiums.

Die Erwerbungs- und Katalogisierungsabteilung wurden in den meisten amerikanischen Bibliotheken vereinigt, weil Bibliotheken die Katalogisierungsdaten von externen Anbietern kaufen können. Die Funktion der Katalogisierungsabteilung verändert sich inzwischen. Sie bewahren, schützen und koordinieren der Katalogisierungsdaten. In China sind die beiden Abteilungen getrennt, weil die Katalogisierungsdaten in den Bibliotheken nicht vorhanden waren. Aber wegen den internationalen Anbietern von Katalogdaten und der nationalen Kooperation bei der Katalogisierung werden die Abteilungen für Erwerbung und Katalogisierung zusammengeführt.

3.2.2.3 Die Trennung der Ausleihstelle und des Lesesaals

In den chinesischen Bibliotheken werden Ausleihesaal und Lesesaal getrennt. In den Ausleihstellen kann man nicht lesen. Dort stehen keine Stühle zur Verfügung. Die Ausleihstelle und Lesesaal werden nicht rational geteilt.

Die Ausleihstellen werden:

Die Lesesäle werden:

So entstanden z.B. in der Wuhan 43 Universitätsbibliothek, eine der größten Universitätsbibliothek Chinas, 17 Lesesäle. Solche Trennungen bringen einen hohen Erwerbungs- und Personalaufwand und Wege für den Leser mit.

1.) Ein chinesischsprachiges Buch muss in mindestens 2 Exemplaren erworben werden: eines für den Lesesaal und eines für die Ausleihstelle. (in der Universitätsbibliothek 3 Exemplare, da der Lesesaal für Studierende und der Lehrerlesesaal getrennt sind)

2.) Es werden auch mindesten 2 bis 3 Personen benötigt, um die zwei bis drei Lesesäle zu betreuen, während anderenfalls nur eine Person für einen gemeinsamen Lesesaal gebraucht würde. Nach der Ordnung der Shaanxi Provinz wird nur eine Person für einen Bestand von 10.000 bis 13.000 Medieneinheiten eingestellt, und 60% der Bibliotheken in Shaanxi haben überflüssiges Personal. Einige Bibliotheken mit einem Bestand von 10.000 Medieneinheiten beschäftigen aber 11 Personen.44 Ein Grund dafür ist die Trennung zwischen Ausleihstelle und Lesesaal. Andere Gründe für das überflüssige Personal in chinesischen Bibliotheken sind wie folgt: wegen der sozialen Wende in China wurden und werden viele Arbeitskräfte von staatlichen Unternehmen entlassen. Sie wurden von anderen kulturellen Einrichtungen wie Bibliotheken wieder eingestellt. Dort kriegen sie weniger Geld, sind aber nicht arbeitslos. Ein großer Teil dieses Personals hat keine Bibliothekarsausbildung.

3.) Die Situation ist nicht optimal für die Leser, die für ein bestimmtes Thema in verschiedene Lesesäle gehen müssen. Es gibt in den amerikanischen Universitätsbibliotheken nur einen gemeinsamen Lesesaal, abgesehen von Sondersammlungen und den aktuellen Zeitschriften. Ein Lesesaal beträgt zwischen 1.000 bis 2.000 m². In China sind es hingegen 50 bis 500 m². Wenn pro Leseplatz [Seite 145↓]2,80 m² anzusetzen sind, steht der Lesesaal in China normalerweise nur 20 bis 40 Benutzern zur Verfügung. Aber die chinesischen Bibliotheken versorgen mehr Einwohner, so ist die Lesesaalsfläche nicht ausreichend. Man hat schon den Eindruck, dass die Lesesäle dort immer besetzt sind. Wenn Ausleihstelle und Lesesaal nicht getrennt wären, könnte die eingeschränkten Räumlichkeiten rationeller benutzt werden.

3.3 Die Erwerbung in Öffentlichen Bibliotheken

„Die Umsetzung der Erwerbungsprofile in der praktischen Erwerbungsarbeit erfolgt gegenwärtig mit Hilfe von fünf Erwerbungsarten (auch als ‚Beschaffungswege’ bezeichnet). Es sind dies: Kauf, Tausch, Geschenk, Pflichtexemplar, Miete“.45 So verhält es sich auch in den chinesischen Bibliotheken. Da Kauf die wichtigste und zumeist auch quantitativ häufigste Beschaffungsart in allen Bibliotheksarten ist, werden im Folgenden die Erwerbungsmittel dargestellt.

3.3.1 Die Erwerbungsmittel

3.3.1.1 Mangel an Erwerbungsgeldern

Die Erwerbungskosten in den 2.675 chinesischen Öffentlichen Bibliotheken liegen im Durchschnitt bei 0,24 Yuan/pro Kopf. Ein Drittel der Öffentlichen Bibliotheken (756) haben keinen regelmäßigen Erwerbungsetat. Die Medienerwerbung liegt bei 0,3 Medien/pro Kopf.46 Nach der im Juni 1995 vom Kulturministerium erlassenen "Öffentlichen Bibliotheksordnung" sollten alle Provinzbibliotheken so viele Titel erworben haben, dass sie mindestens 25% der in diesem Jahr inländische erschienenen Publikationen in ihren Bestand aufnehmen. Ausgegangen wurde von 100.000 Titeln in China jährlich (Im Jahr 1998 war es 131.000 Buchtitel und 1999 [Seite 146↓]148.00047). Das heißt z.B.,dass in der Provinzbibliothek Shaanxi 25.000 Titel im Jahr erworben werden sollten. Tatsächlich hat die Bibliothek aber nur 6.000 bis 8.000 Bücher (ohne Zeitschriften) gekauft. Wenn jeder Titel in 3 Exemplaren vorhanden ist, wurden eigentlich nur 2.000 bis 3.000 Titel erworben. Die Kluft zwischen Soll-Wert und Ist-Wert tritt hier sehr deutlich hervor.48 1998 gab es insgesamt ca. 6 Mrd. Bücher auf dem chinesischen Markt. Von Öffentlichen Bibliotheken wurden aber insgesamt nur weniger als 9 Mio. gekauft, was 0,15% ausmachte. 49

Armut ist eine Ursache dafür, dass eine umfassende Schulausbildung nicht in ausreichendem Maße gewährleistet werden kann, so dass die Analphabetenrate relativ hoch ist. Bibliotheken könnten an diesem Punkt über Alphabetisierungsprogramme kompensierend eingreifen. Da flächendeckend nur unzureichende Erwerbungsmöglichkeiten gegeben sind, bleiben diese Ziele im Moment illusorisch.

3.3.1.2 Unterschiede der Erwerbungsmittel zwischen Ost- und Westchina

Für Ost- und Westchina lassen sich unterschiedliche Entwicklungsphasen erkennen. Dem staatlichen Jahrbuch für Statistik nach versteht man unter "Westchina" die folgenden 11 Provinzen und autonomen Gebieten, die sich in West- oder Südwestchina befinden: Sichuan, Guizhou, Yunnan, Xizang (Tibet), Shaanxi, Gansu, Ningxia, Qinghai, Xinjiang, inneren Mongolei und Guangxi.50 Die Entwicklungsquote (Tempo) in Ostchina ist deutlich höher als in Westchina. Den Statistiken nach lag sie zwischen 1979 und 1998 in Ostchina 4,1% höher als in Westchina. Das Einkommen in Ostchina ist daher höher als in Westchina. Das Jahreseinkommen eines Bauern in Ostchina zum Beispiel liegt mit durchschnittlich 3.600 Yuan (400 US$), dreimal höher als das eines Bauern in Westchina. 90% der ärmsten Einwohner leben in Westchina. [Seite 147↓]Das BIP von Westchina beträgt nur 15% verglichen mit dem ganz Chinas. Die ausländischen Investitionen betrugen 87% in Ostchina und nur 3% in Westchina (Statistik von 1997). Es fehlt in Westchina an Investitionen im Bildungswesen.51

Westchina hat eine große Fläche mit einer hohen Bevölkerungsanzahl, wunderschönen Landschaften und reichen Bodenschätzen. Wegen historischen, wirtschaftlichen und geographischen Einschränkungen ist dieses Gebiet aber unterentwickelt. Beeinflusst wurde dadurch auch das Bibliothekswesen. Insgesamt 190 Kreise in China besitzen nur eine Bibliothek. Zwar besitzen 82 Kreise mehrere Bibliothekseinrichtungen, sie verfügen jedoch über keine großen Flächenkapazitäten zur Aufstellung von Büchern. Diese Kreise befinden sich überwiegend in Westchina.52 Fünf Provinzbibliotheken in Nordwestchina erwarben 1996 64.000 Bücher, während die Provinzbibliothek Kanton allein 96.000 Bücher kaufte.53

Anmerkungen:

Insgesamt erwarben 1985 die Öffentlichen Bibliotheken Chinas (ausgenommen von Bezirks- und Dorfbibliotheken) 1.541 Mio. Bücher, im Gegensatz dazu waren es 1999 nur 678 Mio.54 Am schlimmsten stellt sich die Situation für einige Bibliotheken in der Provinz Shaanxi dar. 1999 haben 46% der Bibliotheken in Shaanxi keine Bücher gekauft. Insgesamt gibt es in dieser Provinz 121 Öffentliche Bibliotheken und 33 Mio. Einwohner55, was bedeutet, dass eine Öffentliche Bibliothek knapp 400.000 Einwohner versorgt. In Shaanxi wurden durchschnittlich 1.231 Bücher pro Bibliothek im Jahr gekauft, was etwa der Hälfte der Erwerbungen pro Bibliothek im landesweiten Durchschnitt (2.376 Bücher pro Bibliothek) entspricht. Die finanziellen [Seite 148↓]Mittel für Bücher betragen in Shaanxi pro Kopf 0,09 Yuan (im Durchschnitt sind es in China 0,24 Yuan pro Kopf). Die Zahl, der Bibliotheken die keine Neuerwerbungen tätigen können, stieg von 19 im Jahr 1991 auf 56 im Jahr 1999, was fast der Hälfte der Öffentlichen Bibliotheken in Shaanxi entspricht. Die Kreisbibliothek in Wutai hat seit acht Jahren keine Bücher gekauft.56 Im Jahr 1994 betrug Erwerbungsmittel für allen Regional- und Kreisbibliotheken von Shaanxi insgesamt 590.000 Yuan (ca. 74.000 US$), für die Provinzbibliothek waren es 700.000 Yuan (ca. 85.000 US$), insgesamt waren es 1,29 Mio. Yuan. Das entspricht dem, was die Foshan Stadtbibliothek (in der Provinz Kanton) für die Erwerbung ausgegeben hat. Im gleichen Jahr beliefen sich die Mittel für die Erwerbung der Provinzbibliothek in Kanton auf 4 Mio. Yuan, die bis zum Jahr 1998 sich auf 8 Mio. Yuan erhöhen. Die Provinzbibliothek Shaanxis hatte aber nur 700.000 Yuan zur Verfügung. Es gab dort keine Änderung seit 10 Jahren. Für die Regionsbibliothek stehen noch geringere finanzielle Mittel zur Verfügung. Fünf Regionsbibliotheken hatten 15.000-90.000 Yuan Erwerbungsgelder.57 Zum Vergleich: in Berlin standen für den Stadtteil Spandau 2004, nachdem der Etat 2003 bis auf 120.000 Euro gekürzt worden war, für die Hauptstelle, die sechs Spandauer Stadtbibliotheken und den Bücherbus 190.000 Euro zur Verfügung.58 Shaanxi ist eine berühmte Kulturprovinz in China. In der Geschichte haben 12 Kaiserdynastien ihre Hauptstadt in Shaanxi gehabt. Heute befinden sich hier auch zahlreiche Universitäten und Forschungseinrichtungen. Durch die geringen Mittel ist die Provinz nicht in der Lage, den Bedarf an Informationen zu decken.

Guangzhou ist mit 4,4 Mio. Einwohner59 die zentrale Stadt im Perlen-Fluss-Delta bzw. in Südchina. Das BIP beträgt pro Kopf 33.500 Yuan (umgerechnet 4.000 US$), das Jahreswachstum beträgt 13%, damit befindet es sich an der Spitze der großen Städte Chinas. Das Budget der Öffentlichen Bibliotheken (eine Stadtbibliothek, eine Jungend- und Kinderbibliothek und 13 Bezirks- und Kreisbibliotheken) lag 2000 bei [Seite 149↓]insgesamt 23 Mio. Yuan (eine Steigerung von 3,5 Mio. im Vergleich zu 1999), wovon 13 Mio. Yuan für Neuerwerbungen zur Verfügung standen. Aber die Mittel wurden unter den Einrichtungen ungleich aufgeteilt. Die Stadtbibliothek „Guangzhou Bibliothek“ bekam 8 Mio. Yuan für Neuerwerbungen, von denen 46.000 Bücher, 118.000 Zeitschriften, 9.700 AV-Medien und 1.400 elektronische Publikationen angeschafft wurden. Für die Bezirk- und Kreisbibliotheken gab es jeweils Mittel zwischen 100.000 Yuan und 500.000 Yuan. Die beste Verteilungsrate betrug 1,25 Yuan pro Kopf, die schlechteste 0,31 Yuan pro Kopf.60 Die Mittelverteilung wird nicht staatlich geregelt. Für wen welche Mittel verfügbar ist, hängt von der ökonomischen Lage und der Führungsschicht der jeweiligen Region ab. Bibliotheken müssen jedes Jahr die Mittel bei ihren zuständigen Regierungen (entweder Stadtregierung oder Bezirksregierung etc.) beantragen. „um nicht von dem Wohl und Wehe einzelner Funktionäre abzuhängen“,61 versuchen die Bibliotheken eine entsprechende feste Berechnungsbasis zu erreichen, und diese an der wirtschaftlichen Entwicklung zu orientieren.


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3.3.1.3  Sicherung der Erwerbungsmittel in unterentwickelten Regionen Chinas

Eine wichtige Herausforderung der Entwicklung des Bibliothekswesens ist die wirtschaftliche Lage. Trotz der relativ schlechten wirtschaftlichen Lage aber können sich einige Bibliotheken auch gut entwickeln, wenn man mehr Wert auf Bibliotheken legt. Ein Beispiel dafür ist die Provinz Guangxi.

Guangxi gehört zu den wirtschaftlich und kulturell unterentwickelten Provinzen in China. 1980 hat diese Provinz das Ziel "jeder Kreis hat eine Bibliothek" erreicht. Sie ist damit eine der fünf Regionen in China, die dieses Ziel als erste erreicht haben. Im Jahr 2000 erreichte sie dazu das Ziel "jede Gemeinde hat eine Bibliothek". Das haben in China nur wenige Provinzen erreicht.62

Einer Statistik aus dem Jahre 2000 nach betrug die Gesamtfläche der Öffentlichen Bibliotheken auf der Kreis-, Stadt- und Provinzebene ca. 200.000 m². Die Gesamtbestände lagen bei 13 Mio. Medieneinheiten. Insgesamt sind 1.500 Mitarbeiter angestellt. Die Stadtbibliothek in Nanning errichtete ihren Neubau, mit einer Fläche 11.000 m². Die Stadtbibliothek in Beihai beendete 1999 ihr Neubau-Projekt, mit einer Fläche von 18.000 m².

Die finanziellen Mittel, die von der Regierung für Bibliotheken ausgegeben werden, verdeutlicht die folgende Tabelle:

Tabelle 8: Die Erwerbungsmittel zwischen 1994 und 2000 in Öffentlichen Bibliotheken in Guangxi

Jahrgang

Mittel (Mio. Yuan)

(davon) Erwerbungsmittel

1994

11

2,69

1995

13

4,01

1997

19

4,66

1998

26

5,19

2000

29

8,01

Die Steigerung der finanziellen Zuwendungen entspricht aber nicht automatisch einer Steigerung der erworbenen Medien. Im Jahre 1992 wurden 300.000 neue Bücher gekauft. Im Jahre 2000 waren es nur 200.000.


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Warum konnte sich das Bibliothekswesen in einer relativ unterentwickelten Provinz trotz aller Schwierigkeiten so gut entwickeln? Ein Grund liegt darin, dass die örtliche Regierung Wert auf Bibliotheken legt. Ein anderer Grund ist, dass die Regierung effektive Maßnahmen zur Durchführung eines Bibliotheksplanes besitzt. Der dritte Grund liegt in der Bewertung der Bibliotheken in China. Vom chinesischen Kulturministerium werden Öffentliche Bibliotheken alle vier Jahre bewertet. Die Bibliotheken werden nach ihrer Leistungsfähigkeit beurteilt, daraus entsteht eine Rangliste. In der Provinz Guangxi gibt es übrigens ein eigenes Bewertungssystem. Die Bibliotheken werden jedes Jahr oder alle zwei Jahren bewertet. Diese Bewertung bezieht sich auf Mittel, Fläche und Fachkräfte.

In Guangxi ist die Koordination noch wichtiger, weil sich die Region in einer schlechten wirtschaftlichen Lage befindet. Es stehen wenig Mittel zur Verfügung. „Als Orientierung für den Bestandsaufbau dienen die Erwerbungsprofile, die jede Bibliothek gemäß ihren historischen, örtlichen und fachspezifischen Bedingungen sorgfältig erarbeiten sollte“.63 Die Bibliotheken haben eigene Erwerbungsschwerpunkte, und die Bestände sind nach dem Schwerpunkt mehr oder weniger ausgerichtet. Liuzhou ist die wichtigste Industriestadt. Deshalb besitzt die Stadtbibliothek Liuzhou den Erwerbungsschwerpunkt Industrie. Bei der Touristenstadt Guilin ist es der Tourismus.

3.3.2 Die Erwerbungsmethode64

Der Buchmarkt in China ist – im Gegensatz zu anderen Bereichen der Wirtschaft – noch nicht geöffnet. Die Erwerbungspolitik der Bibliotheken ist deshalb durch die Planwirtschaft geprägt. Die Auswahl der Bücher erfolgt anhand von Bibliographien. Die Erwerbung von Büchern darf nur über bestimmte als Buchhandlung berechtigte Agenturen erfolgen. Diese Art der Erwerbung fand manchmal auch in anderen Ländern z.B. Kasachestan statt. Die Planwirtschaft führt zu einigen Einschränkungen im Servicebereich. Die Bibliotheken unterhalten eine „freundschaftliche Beziehung“ mit den Agenturen, die allerdings keine juristische Basis hat. Probleme zwischen [Seite 152↓]beiden Parteien entstehen, z.B. wenn die Agentur eine Bestellung nicht in vollem Umfang liefert, Bücher zu spät oder gar nicht ankommen oder wenn die Bibliothek die Fehllieferungen umtauschen möchte. In diesen Fällen haben die Bibliotheken nur geringe rechtliche Handlungsmöglichkeiten. Dadurch wird der Bestandsaufbau der Bibliotheken in hohem Maße behindert.

Auf dem Buchmarkt finden sich seit kurzer Zeit einige wenige private Anbieter, deren Möglichkeiten jedoch im Vergleich zu den staatlichen Einrichtungen sehr eingeschränkt sind.65 Auch lässt sich ein gewisses grundsätzliches Ressentiment der Bibliotheken gegenüber privaten Buchhändlern feststellen. Dennoch gibt es einige Bibliotheken, die bereits Erwerbungsaufgaben an private Anbieter übertragen haben. Dies bietet den Bibliotheken folgende Vorteile:

Die Bibliothek kann nicht nur zwischen den staatlichen, sondern auch unter den privaten Agenturen nach einem Anbieter suchen, der ihren Ansprüchen entspricht.

Die Agenturen stehen untereinander in Konkurrenz und müssen daher versuchen, über Verbesserung des Services bzw. die Optimierung des Preis-Leistungs-Verhältnisses, den Marktanteil zu gewinnen. Die Bibliotheken profitieren von dieser Situation dahingehend, dass sie Kosten sparen und gleichzeitig die Leistungsqualität erhöhen.

Das Problem der Korruption würde kontrollierbarer werden. Bevor eine freie Auftragsvergabe möglich war, gab es Fälle, bei denen Agenturen über untransparente Wege zu Aufträgen gekommen sind. Diese haben wiederum die vereinbarte Leistung nicht erbracht und die bestellten Bücher nicht termingerecht an die Bibliothek geliefert. Wenn die Auftragsvergabe öffentlich erfolgt, wird die Gefahr dieser Form der Korruption verringert. Beim Erwerb großer Datenbanken bzw. teurer Buchbestände muss der Auftrag von einer Kommission beschlossen werden, d.h. die Entscheidung für einen bestimmten Anbieter liegt nicht länger in Händen einer Einzelperson, was wiederum das Risiko von Korruption reduziert.

Die Zusammenarbeit zwischen Bibliothek und Agentur besitzt eine rechtliche Grundlage, und Verträge, die nicht eingehalten werden, können eingeklagt werden. Die Bibliotheken haben nun eine bessere rechtliche Absicherung.


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3.4 Die Öffentlichkeitsarbeit in Öffentlichen Bibliotheken: Die Öffentlichen Bibliothek als kulturelle Einrichtung

Im Allgemeinen muss sich die Öffentlichkeitsarbeit der Öffentlichen Bibliotheken nun auf zwei Ebene bewegen. Erstens gegenüber den leitenden Regierungsstellen und zweitens für die Bibliotheksbenutzer. Das ist auch in China der Fall. Die „mangelnde Unterstützung der Bibliotheken durch die leitenden Regierungsstellen, vor allen Dingen durch die Kulturämter,“ kann „auf das bestehende Unverständnis für das Anliegen der Bibliotheken in den Leitungen und Abteilungen der Verwaltung“ zurückgeführt werden, schreibt C. Lux mit Bezug auf Shi Ruo, und fährt weiter fort: Diese Verwaltungsorgane sehen mit ihrem einseitigen Blick auf die Wirtschaftsergebnisse keinen Sinn in den Kosten der Bibliotheken. Sie meinen, dass Bibliotheken nichts anderes tun, als Bücher auszuleihen. Sie wissen nichts von der Bedeutung der Bibliotheken für ihre eigenen Planungen oder den Städtebau und setzen sie daher an die letzte Stelle ihrer Prioritätenliste. Auch in den Kulturabteilungen hält man alles andere wie Film, Theater und selbst die Museen für wichtiger als die Bibliotheken.66 Daher gibt es noch immer kein Bibliotheksgesetz. Die finanzielle Unterstützung ist also nicht gesetzlich gesichert. Wegen der oben gezeigten politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen und des Verwaltungssystems ist die Unterstützung von Seiten der Regierung wichtig für die Entwicklung des Bibliothekswesens in China.


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3.4.1  Bibliotheken und die leitenden Führungsstellen

Mao Zedong hat in der Pekinger Universitätsbibliothek als studentische Hilfskraft gearbeitet, als er dort als Gaststudent studierte. Im Jan. 1912 wurde die Hunan Bibliothek als „Provinzbibliothek“ bezeichnet. Von diesem Sommer bis zum Frühling 1913 hat Mao Zedong diese Bibliothek zum Selbststudium genutzt. Er hat nach einigen Jahren gesagt: „In meiner Ausbildung habe ich am meisten in dem halben Jahr an der Hunan Bibliothek gelernt“.67 Er hat lebenslang Bibliotheken gebraucht, u. a. seltene Bücher ausgeliehen. Nach der Gründung des neuen Chinas hat er jedoch keine Bibliothek mehr betreten. Für Ausleihen beauftragte er seine Sekretäre.

Deng Xiaoping hat die Namen für zwei Bibliotheken geschrieben (mit seiner Kalligraphie), eine ist in Peking, die andere ist die Provinzbibliothek in Kanton (Guangdongshen Zhongshan Tushuguang).

Jiang Zemin 68 hat seit seiner Führung ab 1989 Wert auf die Entwicklung des Bibliothekswesens in China gelegt. Er hat verschiedene Bibliotheken besichtigt, die Namen der Bibliotheken geschrieben und seine Grußworte zu wichtigen Ereignissen der Bibliotheken geschrieben und geschickt.

1.) Besichtigung von Bibliotheken:

Am 18. Juli 1989, kurz nach seiner Amtseinführung, hat er das zweite Institut für Fremdsprachen in Peking und seine Bibliothek inspiziert. Am 20. Juni 1990 inspizierte er die Shantou Universitätsbibliothek, in der Provinz Kanton. Er besichtigte den PC-Saal und Lesehallen und unterhielt sich mit den Studierenden, die gerade dort lasen. Am 25. Dez. des gleichen Jahres besichtigte er das Minderheiteninstitut in der Provinz Guizhou und dessen Bibliothek. Dort führte er ein Gespräch mit Lehrern und Studierenden. Am 22. Dez. 1998 inspizierte er mit Li Lanqing, dem für das Kulturministerium zuständige Vizeministerpräsident, die Nationalbibliothek in Peking. Sie haben in der Bibliothek den ganzen Nachmittag verbracht. Der [Seite 155↓]Inspektionsschwerpunkt war die Modernisierung und Digitalisierung der chinesischen Bibliotheken.

2.) Kaligraphie der Namen für Bibliotheken:

Die chinesische Kaligraphie hat eine lange Geschichte. Die Kaligraphie von bedeutenden Persönlichkeiten werden als kulturelles Ereignis angesehen. Am ersten Juni 1992 eröffnete die neue Kinder- und Jungendbibliothek in Changsha, in der Provinz Hunan 69, die als die größte Kinder- und Jungendbibliothek Chinas gilt. Jiang Zemin schrieb den Namen für die Bibliothek. Am 20. Juli 1993 schrieb er den Name für die Qinghai 70 Bibliothek, die sich in Westchina befindet. Am 18. März 1999 schrieb er den Namen für die neue Öffentliche Bibliothek in Xinjiang 71 (Tibet), wo die Minderheit der Uiguren lebt. Am 16. April 1999 änderte sich der Name der "Peking Bibliothek" zur "Nationalbibliothek Chinas" (NBC). Jiang Zemin legte den neuen Name für die NBC fest.

3.) Grußworte an die Bibliotheken:

Am 23. Juli 1992 hatte die Shanghai Bibliothek ihren 40. Geburtstag. Jiang Zemin schrieb das Grußwort zum Fest. Am 21. Dezember des gleichen Jahres hatte die Pekinger Universitätsbibliothek ihren 90. Geburtstag, auch dazu schrieb er das Grußwort. Am 29. Oktober 1996 schrieb er mit dem Ministerpräsident Li Peng zusammen das Grußwort für die bald fertige neue Stadtbibliothek in Shanghai. Am 15. Okt. 1999 schrieb er, mit den anderen drei Ministerpräsidenten bzw. Vizeministerpräsidenten zusammen, das Grußwort für die Peking Bibliothek (später: NBC) zu ihrem 85. Geburtstag.

Man wird feststellen, dass er fast jedes Jahr einen Blick auf die Bibliothek geworfen hat.72 Die Provinzbibliothek Kanton hat auch eine sehr gute Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Sie bietet seit zehn Jahren das Heft: „Referenz für strategische [Seite 156↓]Entscheidungen“ speziell für die führende Schicht überwiegend Kantons aber auch ganz Chinas an. Das Heft geht viermal in der Woche zu den entsprechenden Behörden und bedeutenden Persönlichkeiten z.B. Gouverneur der Provinz, Bürgermeister, wird aber auch veröffentlicht. Es enthält zahlreiche Aufsätze über China, die aus verschiedenen ausländischen Zeitungen und Zeitschriften, die nicht in China veröffentlicht werden dürfen, aber in der Bibliothek vorhanden sind. Diese Information ist wichtig für die Politiker, eine richtige strategischen Entscheidung zu treffen. Aus dieser Sicht wird das kleine Heft geschätzt. Es ist eine erfolgreiche Publikation der Bibliotheken und eine wirksame Werbung. Wegen der engen Beziehungen mit den Regierungen auf der Provinz und kommunalen Ebene hat die Provinzbibliothek 500 Mio. Yuan (umgerechnet ca. 50 Mio. Euro) für den Neu- und Ausbau bekommen.73

Es ist einerseits natürlich wichtig für die Bibliothek, eine gute Öffentlichkeitsarbeit zu machen, damit sie mit den Führungsstellen eine enge Beziehung aufbauen kann, andererseits bietet das keine ausreichende Sicherheit. Aus diesem Grund ist der Erlass des Bibliotheksgesetzes sehr wichtig.74

Außerdem weiß die Bevölkerung immer noch zu wenig über die Arbeit von Bibliotheken und die Möglichkeiten der Nutzung, und kann daher auch keine Unterstützung für die Bibliothek sein.


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3.4.2  „Bibliothekswoche“ in China

Um die Bevölkerung in höherem Maß für die Benutzung von Öffentlichen Bibliotheken zu sensibilisieren, ist die Öffentlichkeitsarbeit immer noch wichtig für die Bibliotheken.75 Seit 1989 wird von der Abteilung für Bibliothekswesen im chinesischen Kulturministerium die „Bibliothekswoche“, jeweils in der letzten Woche im Mai festgelegt. Jedes Jahr hat diese Veranstaltung ein bestimmtes Thema. Die Öffentlichen Bibliotheken organisieren unter dem jeweiligen Motto eine Reihe von Programmen, z.B. Ausstellungen, Vorträge und Beratungen. Das Ziel ist es, den Service der Bibliotheken darzustellen, um dadurch potenzielle Bibliotheksnutzer anzuziehen.

Die Dalian Stadtbibliothek ist die erste „Abend-Bibliothek“. Sie ist täglich im Jahr (365 Tage) von 9 bis 22 Uhr geöffnet. Seitdem diese Bibliothek in Mai 1999 eröffnet wurde, verzeichnet sie 3000 bis 5000 Leser täglich.76 Die Öffnungszeit der Shantou Stadtbibliothek entspricht 60 Stunden in der Woche. Die Bibliothek ist auch an sämtlichen Ferien- und Feiertagen geöffnet. Jährlich werden über 1 Mio. Besuche verzeichnet.77 Die Öffentlichen Bibliotheken im Guangzhou und die Umgebung haben ihre Öffentlichkeitsarbeit verstärkt auf Arbeitslosen, Wanderarbeiter, Studierende, Rentner, also die sozial schwächeren Gruppe der Gesellschaft ausgerichtet. Der Statistik nach liegen die Besuchszahlen für diese Einrichtungen bei 3,24 Mio./Jahr. 80% der Klientel zählen zu diesen „schwächeren Gruppen“. Die Auflage „Ordentlich gekleidet zu sein“, also eine festgelegte Kleiderordnung, wurde parallel dazu in der Provinzbibliothek eingeführt, was auf Kritik stieß. Ein Leser meinte, dass manche Wanderarbeiter vielleicht nicht gut gekleidet sind, aber dennoch sehr gern lesen würden. Sollen diese vom Bibliotheksbesuch [Seite 158↓]ausgeschlossen werden? Das Hinweisschild wurde wenig später entfernt. Die schwächeren Gruppen der Gesellschaft haben so ebenfalls ihren Platz in der Bibliothek gefunden.78

Manche Bibliotheken bieten Sonderdienstleistungen an. Die „Guangzhou Stadtbibliothek“ betreibt eine sogenannte „Mobilbibliothek“, oder Bücherbus, wie es in Deutschland heißt. Die Stadtregierung hat 900.000 Yuan in diese Mobilbibliothek investiert, um die Aspekte wie Online Aus- und Rückleihe, Klimaanlagen u.ä. zu verbessern. Diese Mobilbibliothek mit 5.000 neuen Büchern und Zeitschriften konzentriert sich auf Überlanddienste und die bibliothekarische Grundversorgung von Armee und Schulen.79

Seit Dezember 2000 wurde ein neues Projekt - der „Alle-Lesen-Monat“ (eine Leseforderung) - in China eingeführt. Während diesem Monat werden die „Lieblingsbibliothek der Leser“ und „ausgezeichnete Lesen-Familie“ gekürt. Im Jahr 2000 haben 100.000 Leser an der Wahl der „Lieblingsbibliothek“ teilgenommen. Auch die Provinzbibliothek Kanton war unter den genannten Einrichtungen.

Besonders in der „vernetzten Gesellschaft“ wird die Notwendigkeit zur Weiterführung der „Bibliothekswoche“ deutlich. Nach der generellen Verbesserung des Zugangs und der Ausstattung mit Computer und Internet und der damit verbundenen Zunahme der elektronischen Publikationen, ist die Nutzung von Printerzeugnissen in den Bibliotheken rückläufig. Eine Umfrage zu den Lesegewohnheiten der Pekinger Bevölkerung im Alter zwischen 14 und 70 von der Zeitschrift „Redakteur und Presse“ (Bianji yu Chuban) aus dem Jahr 2000, brachte das Ergebnis, dass die Anzahl der Leser fast der Hälfte der Einwohnerzahl Pekings80 entspricht (48,7%, mehr als 3 Mio. Leser). In der folgenden Tabelle findet sich eine genauere Darstellung der Ergebnisse.81


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Tabelle 9: Die Pekinger Leser mit Zeitungen, Zeitschriften und die Nutzung des Internets

 

Leser

Anteil der Einwohner (Peking)

Zeiten

Zu- und Abnahme (+, -)

Zeitungen

    

1999

k. A.

k. A.

60– 75 min.

- 5,8%

2000

4 Mio.

64%

50– 71 min.

- 4 – - 10%

Zeitschriften

    

1999

k. A.

k. A.

k. A.

- 3,8%

2000

3 Mio.

45%

k. A.

k. A.

Internet

    

1999

442.000

k. A.

12,4 min.

k. A.

2000

739.000

11,2%

16,8 min.

+ 45%

Nach einer weiteren Statistik in Taiwan sind die Ausgaben für Bücher in den Jahren 1996 bis 1998 rückläufig. Der Anteil der Familien, die einen PC besitzen, betrug im Jahr 1998 54%. Die Ausleihzahlen der Bibliotheken sind von 61.800 Titel im Jahr 1996 auf 59.100 im Jahr 1997 und 57.900 im Jahre 1998 gesunken.82

Wenn man heutzutage viel Information im Internet kostenlos und schnell finden kann, geht man seltener in die Bibliothek. Aber die neue Technologie bringt Bibliotheken auch die neue Möglichkeit, ihren Service zu verbessern, z.B. die elektronische Beratung durch Spezialisten im Internetangebot. Dieser neue Service wurde in einigen großen chinesischen Bibliothekseinrichtungen eingerichtet. Das Nutzerecho darauf ist sehr stark. In der Zhongshan Provinzbibliothek Kanton wurde dieser Service im August 2001 in Betrieb genommen. Bisher verzeichnete die Bibliothek 120.000 Anfragen, was etwa 700 pro Tag entspricht. Etwa 30% der Anfragen sind Wünsche nach einem Artikel in den Zeitschriften.83


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3.4.3  Öffentlichkeitsarbeit mit Internet und Digitaler Bibliothek am Beispiel der Webseite

Mit Werbung die Bibliotheken und ihre Dienste bekannter zu machen, ist eine klassische Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit einer Bibliothek. „Die Bibliotheken sollten daher in Radio, Fernsehen und in Zeitungen für sich werben und die Menschen über die Möglichkeiten, die eine Bibliothek bietet, informieren. Alle Bibliotheken bieten Ausstellungen und Veranstaltungen, wie Dichterlesungen usw. an und führen Benutzerschulungen durch. Kleine Stadtteil- und Gemeindebibliotheken dienen als Treffpunkt für alte Menschen und Kinder und sehen darin auch ihre Aufgabe“.84 Seit der gesellschaftlichen Integration des Internets und der Zunahme Digitaler Bibliotheken, gibt es auch mehr Möglichkeiten, um solche Öffentlichkeitsarbeit zu verbreiten und verbessern. Dazu gehören die Webseite der Bibliotheken. Wie die Webseite beschaffen sein sollte, wird diskutiert, damit die Benutzer bzw. zukünftige Benutzer nicht nur die OPACs nutzen können, sondern weitere Möglichkeiten haben:

Allgemeininformation über die Bibliothek (Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten usw.).

Nachrichten und Bulletin. Manche Bibliotheken berichten nicht nur über sich selber, sondern auch über nationale und internationale Nachrichten.

Online-Benutzer-Bildung. Manche Bibliotheken haben z.B. die Rubriken FAQ (Frequently asked Questions) wie die Shanghai Stadtbibliothek, sowie einen Internet-Einstieg für Nutzer, die keine Internet Grundkenntnis besitzen, aber ansonsten mit den Bedingungen einer Bibliothek vertraut sind.

E-Journal-Lesung und D-Library. Obwohl die modernisierte Ausstattung in Öffentlichen Bibliotheken noch nicht optimal ist (Nur 28,6% der chinesischen Öffentlichen Bibliotheken bieten e-Journals an, hingegen aber 65% der Universitätsbibliotheken),85 ist dieses Angebot von immer größerer Bedeutung.

„Links“ verlinkt die wichtigen Internetadressen zu anderen inländischen und ausländischen Bibliotheken und auch anderen Webseiten aus der eigenen Regionen.

„OPAC“: Die Qualität der bibliographischen Daten mittels MARC, das Wiederauffinden und das benutzerfreundliche Interface.


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CD-ROM Datenbank und Online Datenbank: Die meisten Provinzbibliotheken bieten CD-ROM-Datenbanken an. Manche Dienste sind kostenpflichtig. (Unterschied zwischen Öffentlichen Bibliotheken und Universitätsbibliotheken. 2,9% der Öffentlichen Bibliotheken bieten Online-Datenbanken an, hingegen 30% der Universitätsbibliotheken).86

Spezielle Datenbanken, welche die Bibliotheken selbst erstellt haben, sind hingegen meistens kostenlos.

Organisation und Ordnung der Information im Internet.

Referenz, Auskunftsgeber und onlinebasierte Fernleihe.

Die Informationen, welche die chinesischen Bibliotheken den Nutzern anbieten, beziehen sich zumeist nur auf die Bibliothek selbst. Aber eine der wichtigsten Aufgaben der Öffentlichen Bibliothek ist es, auch Informationen über die Region anzubieten. Es wäre besser, wenn die Bibliothek auch wirtschaftliche und kulturelle Information präsentieren würde. Amerikanische Bibliotheken bieten als Service u.a. die Wettervorhersage oder Daten von Flugverbindungen an. Wenn ein Benutzer einen Arbeitsplatz sucht, kann er die Information auch in der Bibliothek bekommen. Wenn er an der Universität studieren möchte, kann er über die Bibliothek die Bewerbungsunterlagen erhalten.

3.5 Der Service in den Öffentlichen Bibliotheken

An dieser Stelle werden nicht die traditionellen Dienste von Bibliotheken dargestellt, sondern die Aktivitäten und Serviceangebote, die für das heutige China wichtig und auch relativ neu sind. Seit einigen Jahren wurde ein neuer Service für sogenannte „Randgruppe“ in den Öffentlichen Bibliotheken angefangen, nämlich für arme Leute, Wanderarbeiter, ältere Leute usw. Da diese Randgruppen in China eine große Zahl darstellt und auch ständig steigt, ist dieser Service in chinesischen Bibliotheken von besonderer Bedeutung.


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3.5.1  Die armen Leute

3.5.1.1 Die „absolut arme“ Schicht und die Hilfsprogramme

30 Mio. Chinesen auf dem Land leben am Existenzminimum, sie haben Probleme ausreichend Nahrung und Kleidung zu erhalten. Ca. 15 Mio. haben ein jährliches Einkommen von unter 500 Yuan (ca. 60 Euro). Sie werden als „absolut arm“ bezeichnet und befinden sich meist in Westchina und den Minderheitengebieten. Die Pro-Kopf-Bruttosinlandsprodukt in der Provinz Guizhou 87 im Jahr 1999 betrug nur 1.247 US$. Guizhou ist aber noch nicht die ärmste Provinz Chinas. Nach dem gegenwärtigen Umrechnungskurs betrug im Jahr 2000 das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt 800 US$.88 Der Durchschnitt in den Entwicklungsländern liegt dagegen bei 1.790. Im Jahr 1997 lag das verfügbare Einkommen eines westdeutschen Vier-Personen-Arbeitnehmer-Haushalts mit mittleren Einkommen bei monatlich 5.725 DM.89 Der Lebensstandard hängt von der Höhe des Einkommens und der Preise ab (z.B. sind die Lebensmittel in China viel billiger als in Deutschland). Daher ist der Einkommensunterschied zwar nicht so groß wie er bei 800 Euro pro Jahr in China und ca. 700 Euro im Monat in Deutschland erscheint, er ist aber doch erheblich.

Seit 1997 gibt es ein “Existenzsicherungsprogramm“ für arme Bevölkerungsschichten, das bis September 1999 in 600 Städten eingeführt wurde. Die Definition des Existenzminimums steht in Abhängigkeit zu Inflation und wird entsprechend angepasst. Z.B. stieg der Wert in Beijing von 175 auf 285 CNY monatlich und in Guangzhou von 200 auf 300. Man geht von 16 Mio. Menschen aus, die mit ihren Einkommen unter dem Existenzminimum liegen. Bis Januar 2002 wurden aber nur ca. 12 Mio. von diesen in das Versorgungsprogramm einbezogen. Mindestens weitere 4 Mio. arme Leute benötigen Unterstützung durch den Staat. Die [Seite 163↓]chinesische Regierung bemüht sich, ihnen bis zum Juni 2002 diese Hilfe zu geben.90 „Die chinesische Armutshilfestiftung“ (Zhongguo Fuping Jijinhui) hat im Jahr 2002 mehr als 50 Mio. Yuan (ca. 6 Mio. Euro) für Hilfsprojekte gespendet. Damit konnte jedoch nur 400.000 Menschen geholfen werden.91 Der Kampf gegen die Armut dauert noch an.

In den Städten steigt die Zahl der Arbeitslosen. Obwohl die registrierte Zahl der Arbeitslosen von der Regierung nur 3,1% betrug (in der Städten, Stand 1999)92, wird diese Zahl aber von ausländischen Beobachtern erheblich höher geschätzt. Das betrifft vor allem ältere Arbeitnehmer. Es sind davon nicht nur kleinere Randgruppen der Gesellschaft betroffen, die Problematik ist gesamtgesellschaftlich, weshalb auch gesamtgesellschaftliche Lösungen zu entwickeln sind. Die „absolut arme“ Schicht der chinesischen Bevölkerung befindet sich überwiegend auf dem Land, da es große Unterschiede zwischen der Stadt und dem Land gibt.

3.5.1.2 Wirtschaftliche Unterschiede zwischen der Stadt und dem Land

China hat sozusagen zwei soziale Sicherungssysteme, die ihren Aufgabenbereich nach „Land“ und „Stadt“ differenzieren. Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist während des raschen sozialen Wandels immer größer geworden. Das durchschnittliche Einkommen pro Kopf in der Stadt war im Jahr 2001 um das 2,9 Fache höher als auf dem Land. Im Jahr 1993 war es das 1,7 Fache.93 Eine Altersversorgung, Kranken- und Arbeitslosenversicherung gibt es nur für Stadtbewohner. Zwischen Stadt und Land gibt es keine Gleichberechtigung.

Einer Statistik nach haben die chinesischen Bauern im Zeitraum von 1952 bis 1978 ein Leistungsvolumen von insgesamt 632 Mrd. CNY erbracht (plus Steuer sind es insgesamt 726 Mrd. CNY). Die Regierung hat im Gegenzug dazu für die [Seite 164↓]Landwirtschaft ca. 173 Mrd. CNY ausgegeben.94 Die Bauern haben zur Entwicklung Chinas viel beigetragen, aber nur wenig von den öffentlichen Angeboten, wie z.B. von Bibliotheken profitiert.

Die ökonomische Lage und der Lebensstandard in den Städten und auf dem Land sind sehr unterschiedlich. Aus dieser Tabelle geht hervor, dass die Einkommen der chinesischen Bauern vom Niveau nicht über die Hälfte des in Städten üblichen Durchschnittseinkommens liegen.

Tabelle 10: Unterschiedliche Erwerbungsmittel und Einkommen zwischen Stadt und Land.95

Jahrgang

Stadt

Land

 

Yuan für Bücher/Kopf

Einkommen

Yuan für Bücher/Kopf

Einkommen

1996

28,8

4.377

13,2

1.926

1997

29,4

5.093

14,4

2.090

1998

31,0

5.189

16,1

2.164

Die Bestandsverteilung der Bibliotheken differiert gravierend zwischen Stadt und Land (0,66 Bücher pro Kopf/Stadt, auf dem Land 0,15 pro Kopf). Diese bibliotheksstrukturellen Unterschiede werden auch in der technischen Infrastruktur deutlich. Noch im Jahr 1998 waren Computer auf dem Land kaum vorhaben. 63 Mio. von 87 Mio. Telefongeräten befinden sich in den Städten. Das heißt, dass 62,3% der Bevölkerung nur über 25% der Kommunikationsmittel verfügen.96

Eine weitere Seite des Problems ist, dass die Arbeitskräfte auf dem Land überflüssig sind. Die Zahl der Wanderarbeiter in den Städten ist seit den 1990ern enorm angestiegen, was nicht nur für die Regierung sondern auch für die Sozialwissenschaftler plötzlich ein großes Problem und Forschungsthema geworden ist.


[Seite 165↓]

3.5.2  Die Wanderarbeiter

Der Statistik nach leben 62,3 Prozent der Bevölkerung Chinas auf dem Land.97 Die Migrationsrichtung führt vom Land in die Stadt, dabei ist die Gesamtzahl der Migranten steigend. Ihre Zahl beträgt ca. 100 Mio. Es wird geschätzt, dass in den nächsten zehn Jahren ca. 200 Mio. Bauern in die Städte emigrieren. Allein in der Provinz Guangdong sind es aktuell ca. 10 Mio. Binnenmigranten; in und um der Hauptstadt Guangzhou sind es 4 Mio. Die Stadt Changan in der Region Dongguan, hat 700.000 Einwohner. Die ursprüngliche Einwohnerzahl der Stadt lag bei 30.000, die anderen sind Zuwanderer aus dem Umland.98

In der Regel üben die Migranten minderbezahlte Hilfsarbeiten in den Städten aus. Ein psychologisches Problem für sie ergibt sich aus der Entwurzelung. Sie sind häufig illegal beschäftigt, können also keine Unterstützung vom chinesischen Arbeitsverband erwarten und sind manchmal sogar ohne Sozialabsicherung, z.B. ohne Arbeitslosen- oder Krankenversicherung. „In der Zeit der Planwirtschaft trug die Regierung die Kosten für die soziale Wohlfahrt, wie für Renten und medizinische Versorgung für öffentliche Bedienstete, Arbeiter und Angestellte in allen staatseigenen Unternehmen und Institutionen. Wer von einem Staatsbetrieb beschäftigt wurde, war lebenslang abgesichert, auch wenn es sich um ein Absicherungssystem auf einem niedrigen Stand handelte. Mit der raschen Änderungen in China kann die Regierung das aber nicht mehr leisten, weil nun z.B. die Zahl der Rentner sich ständig erhöht. Seit 1990 fördert China die Reform der Renten-, Arbeitslosen-, und Krankenversicherung tatkräftig“.99 Wanderarbeiter sind überdurchschnittlich oft von Kriminalität betroffen. Auch die Ein-Kind Politik100 der [Seite 166↓]Regierung greift aufgrund der Unübersichtlichkeit der Lebens- und Arbeitsverhältnisse dieser Bevölkerungsgruppe kaum. Dies bedeutet, dass die Familien häufig mehrere Kinder haben, für die eine ausreichende Schulbildung nicht gewährleistet werden können.101

3.5.3 Die Gruppe der über 60-Jährigen

Heutzutage hat China noch eine junge Gesellschaft. Die Alterszusammensetzung der Bevölkerung sieht so aus: bis 14 Jahre 23,5%, von 15 bis 64 Jahre 70,4% und ab 65 Jahre 7,1%.102 Dieser geringe Prozentsatz aber ist in China nicht klein, wenn man bedenkt, dass China insgesamt eine Bevölkerung von 1,3 Mrd. Menschen hat. Bis zum Okt. 1999 hatte China 126 Mio. alte Menschen über 60 Jahre. Das heißt, China ist eine Gesellschaft mit vielen alten Menschen. Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts wird die Anzahl alter Menschen auf 400 Mio. geschätzt.103

Für einen Großteil dieser Personen bedeutet die Pensionierung den Verlust einer, den Tag ausfüllenden Tätigkeit. Die Zahl der Mehrgenerationenhaushalte nimmt ab. Dies bedeutet für die Pensionäre, dass sie auf der einen Seite über ein hohes Maß an Freizeit verfügen, auf der anderen sich jedoch sehr einsam fühlen. Es entspricht der chinesischen Tradition, dass sich die jüngere Generation um die alten Leute kümmert, was in zunehmendem Maß nicht mehr möglich ist. Die Aufgabe der Bibliothek ist es nun, diese Bevölkerungsgruppe mit neuen, speziell auf ihre Ansprüche zugeschnittenen Angeboten zu versorgen.

3.5.4 Behinderte

Laut Statistik gibt es in China 60 Mio. Behinderte, darunter sind zum Beispiel 8,77 Mio. Blinde. Sie können nur mit starken Beeinträchtigungen in die Schule gehen, [Seite 167↓]eine Arbeit finden bzw. ein selbstständiges Leben führen. Einer vom „Chinesischen Behindertenverband“ (Zhongguo Canjiren Lianhehui) erhobenen Statistik nach haben über 30.000 Behinderte ihren Arbeitsplatz aufgrund ihrer Behinderung verloren.104Bezüglich der Arbeit mit Behinderten in europäischen Bibliotheken wird dagegen viel getan. Hier sie nur auf die Tagung mit dem Titel „Bibliohtek – Behinderte – örtliche Situation“ hingewiesen, bie der man zahlreiche ausgezeichnete Beispiele zur sozialen Bibliotheksarbeit in Deutschland, Polen, Schweden und Dänemark findet. Durch diese Arbeit versucht man, Verständnis für Behinderte zu schaffen und Erleichterung bei deren Lebensumständen zu erreichen.105

3.5.5 Maßnahmen des Sonderservices für diese Gruppen der Gesellschaft: von der Regierung und den Bibliotheken

Ein Ziel des verbesserten Sozialsystems ist, den Unterschied zwischen arm und reich zu kontrollieren und zu verringern. Sich um sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen zu kümmern ist daher die Aufgabe einer jeden Regierung. Nach 25 Jahren der Wirtschaftsreform müssen die negativen Folgen repariert werden. Die chinesische Regierung will eine Politik verfolgen, bei der „die Menschen zuerst kommen“ und die Kluft zwischen arm und reich überbrückt wird. Vor allem die Landwirtschaft sollte wieder „allerhöchste Priorität“ erhalten. Der weit verbreiteten illegalen Beschlagnahmung von Ackerland für Industrialisierungs- und Immobilienprojekte soll entgegengewirkt werden. China will innerhalb von fünf Jahren den Bauern, die drei Viertel der 1,3 Mrd. Chinesen ausmachen, die Agrarsteuern entlassen. Die Regierung wird die Konjunkturprogramme in Peking um ein Fünftel kürzen und das Geld in die Landwirtschaft umleiten, damit die soziale Infrastruktur [Seite 168↓]ausgebaut werden kann, auch die hilft den anderen Verlierern der Wirtschaftsreformen z.B. den Wanderarbeitern.106

Die Einrichtung sozialer Programme stellt eine große zivilisatorische Errungenschaft dar. Das bedeutet nicht nur, dass die armen Leute Sozialhilfe vom Staat bekommen, sondern auch, dass sie die gleichen Informationsrechte haben, z.B. als Zugriff auf den Bibliotheksserver. Das ist besonders wichtig in der Informationsgesellschaft. Die chinesische Regierung sollte das nicht übersehen. Es hängt einerseits von umfangreichen Reformen des Verwaltungssystems Chinas ab, (Es gibt in China z.B. selten Ermäßigung für Studierende, Pensionierte ord Arbeitslose), aber andererseits auch von eigenen Bereichen. Das heißt, Bibliotheken sollen und können ihren Teil dazu beitragen.

1.) Bibliotheksbau und Ausleihe:

Bibliotheksneu- und –umbauten sollten behindertengerecht sein. Der Lesesaal für Behinderte und alte Leute sollte sich im Erdgeschoss befinden, damit ein leichter Zugang gewährleistet werden kann. Auch eine externe Bestell- und Ausleihmöglichkeit mit Frei-Haus-Lieferung von Medien sollte eingerichtet werden. Die Ausleihbestimmungen für diese Personen sollten dahingehend angepasst werden, dass sie Bücher länger als normale Leser ausleihen dürfen und möglichst keine Gebühren zahlen müssen.

2.) Informationsservice:

Insgesamt wird für diese Bevölkerungsgruppen aufgrund ihrer ökonomisch eingeschränkten Situation bzw. ihrer körperlichen Behinderungen ein schlechter Zugang zu Informationen verzeichnet. Insofern scheint das Angebot von speziell auf diese Klientel zugeschnittenen Informationsdienstleistungen sinnvoll, z.B.:

- Juristische Beratung

Gerade die ökonomisch schlechter gestellten Bevölkerungsgruppen verfügen häufig über geringe juristische Kenntnisse. Um sie über ihre Rechte und Verpflichtungen ausreichend aufzuklären, scheint die Einrichtung einer Rechtsberatung sinnvoll.

- Arbeitsvermittlung:


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In China gibt es bislang kein umfangreiches funktionierendes soziales Sicherungssystem für Arbeitslose. Ende 2001 betrug die Zahl der versicherten Arbeitslosen im ganzen Land 104 Mio., während die Zahl der Empfänger von Arbeitslosengeld nur 3 Mio. betrug. Um die Widersprüche bei der Arbeitsplatzbeschaffung zu entschärfen, begann die chinesische Regierung 1993 eine Arbeitsmarktpolitik einzuführen. Angesichts der Tatsache, dass in den letzten Jahren viele Mitarbeiter staatlicher Unternehmen aufgrund der Regulierung der Unternehmensstruktur entlassen wurden, fördert die Regierung die Aufnahme einer neuen Beschäftigung.107 Die riesige Bevölkerung stellt ein großes Problem für die Beschäftigung dar, auch hier könnte die Bibliothek – vorerst – die Position eines Arbeitsinformations- und –Vermittlungszentrums übernehmen.

- Medizinische Informationsdienste:

Ein großer Teil dieser Bevölkerungsgruppe ist nicht krankenversichert und kann sich daher eine medizinische Behandlung nicht oder nur unzureichend leisten. Besonders im Bereich der Prophylaxe könnte die Bibliothek aktiv werden. Auch die Information der Betroffenen zu bestimmten Gesundheitsförderungsprogramme ist denkbar und sinnvoll.

3.) Seminare:

Bibliotheken könnten in Kooperation mit dem Behindertenverein und dem Pensionärsverband, ein spezielles Seminarprogramm entwickeln. Denkbar wäre z.B. eine Art Volkshochschulprogramm.


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3.6  Zwei Beispiele aus der Praxis

Die Nanshan Bibliothek in Shenzhen ist ein gutes Beispiel für eine Stadtbibliothek in einer Region mit vielen Zuwanderern. Nanshan ist 151 km² groß und hat ca. 800.000 Einwohner. Von diesen sind mehr als 620.000 zugewandert. Nanshan ist der größte Bezirk der Stadt Shenzhen. Im März 1997 wurde die Nanshan Bibliothek eröffnet. Die Bibliotheksbestände umfassten 210.000 Bücher, 1.600 Zeitschriftentitel (davon ausländische 48 Titel) und über 3.000 Multimediaobjekte (Stand: 2001). Die Bestände wachsen jährlich um 20.000 bis 30.000 Medieneinheiten. 2001 konnte die Bibliothek über 7.000 Leserkarten ausgeben. Die Besucherzahl lag im ersten Jahr bei 220.000 Personen. Bis 2001 stieg die Zahl auf 1 Mio./Jahr. Es gibt 24 Bibliothekare und Mitarbeiter mit einem durchschnittlichen Alter von 29 Jahren.

Die Besonderheiten dieser Bibliothek sind folgende:

1.) Es gibt keine Magazine, daher sind alle Bücher, Zeitschriften und Zeitungen sozusagen als Freihandbestände zugänglich. Die Notwendigkeit, Bibliotheksbestände zu magazinieren und dauerhaft zu archivieren, bleibt auch in China unbestritten. Einem Artikel nach werden fast die Hälfte der Gesamtbestand in Öffentlichen Bibliothek magaziniert. Es gab 1998 in Öffentlichen Bibliotheken insgesamt 390 Mio. Bestände. Das heißt, fast 200 Mio. Bestände waren in chinesischen Bibliotheken nicht als Freihandbestand zugänglich.108 Für die Informationsversorgung ist das eine große Verschwendung. Diese Aufgabe kann z.B. von zentralen Speicherbibliotheken oder regionalen Ausweichmagazinen übernommen werden.109 Kein eigenes Magazin in einer solchen Bibliothek zu brauchen hat die beiden Vorteile, dass alle Bestände besser genutzt werden können, besonders wenn diese gerade neu erworben wurden und dass die Bibliothek mehr Raum für die Benutzer zur Verfügung stellen kann.

2.) Für den Besuch der Bibliothek ist keine gesonderte Anmeldung notwendig. Eine Anmeldung ist auch ohne jeden Ausweis, z.B. Meldebescheinigung110, möglich.


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3.) Die Bibliothek öffnet 365 Tage im Jahr. Die Verlängerung der Ausleihen ist über eine 24-Stunden Hotline bzw. über das Internet möglich.

4.) Die Verwaltungsstrukturen differieren im Vergleich zu anderen Einrichtungen. Für Sicherheit, Reinigung, Gartenbau u.ä. ist eine externe Firma zuständig, damit sich das Personal der Bibliothek auf die fachlichen Tätigkeiten konzentrieren kann.

5.) Die Bibliothek bietet einen besonderen Lieferservice für Polizei, Schulen und Firmen. Ähnliche Angebote gibt es für ältere Leute und Behinderte. Diese können weiterhin kostenlos das Internet und Multimediaangebote nutzen. Für Lehrer, Studierende und Schüler sind die Nutzungsgebühren für das Internet reduziert.

6.) Die regelmäßige Veranstaltung „Doktor Tribune“ ist in der Bibliothek fest etabliert. China hat seit einigen Jahren die Politik, die in China oder im Ausland gut ausgebildeten Arbeitskräfte ins Land zu holen oder dort zu behalten. Shenzhen hat dahingehend eine große Anziehungskraft. In Nanshan arbeiten über tausend Doktoren aus verschiedenen Fachgebieten. Seit 1998 gibt es wöchentliche Vorträge aus allen Fachrichtungen, die auf ein großes Publikumsinteresse stoßen. Seit 2001 werden die Vorträge live im Internet übertragen.

7.) Die Bibliothek arbeitet eng mit Schulen zusammen. Über 1.000 Schüler haben am Wochenende oder in Winter- und Sommerferien als freiwillige in der Bibliothek gearbeitet. Insofern sammeln diese auch praktische Erfahrungen mit der Bibliotheksöffentlicharbeit.111


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Die Changan Stadtbibliothek – eine für die Region relativ große Einrichtung – besitzt eine Nutzfläche von 30.000 m². Das örtliche Regierungsgebäude wurde in den 60er Jahren gebaut. Das modernste Gebäude der Stadt ist die Bibliothek, ein Ort, an dem sich die Wanderarbeiter weiterbilden können. Die Bibliothek als Einrichtung hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Gesellschaftsstruktur mit ihrem sehr hohen Anteil an Wanderarbeitern intern stabil und die lokale Wirtschaft prosperierend ist.112

3.7 Die Bedeutung der Kreis- und Kommunal (Gemeinde) -bibliotheken für China

Der Aufbau von kommunalen Bibliotheken ist ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung des Öffentlichen Bibliothekswesens. Trotz der starken Land-Stadt-Migration leben immer noch über die Hälfte der Bevölkerung auf dem Land. Der Verbesserung des Bibliothekswesens im ländlichen China muss eine generelle Verbesserung der Situation der Landbevölkerung vorangehen. Eine Einrichtung von Bibliotheken in den einzelnen Dörfern ist illusorisch. Bislang gelang es nicht einmal – trotz entsprechender Planungen – eine Bibliothek in jedem Kreis einzurichten. Die Vorteile der kleinen kommunalen Bibliotheken liegen besonders in der Nähe zum Leser, die eine leichtere Zugänglichkeit für diesen ermöglicht.113 Sie sollen in erster Linie direkt den Bedürfnissen der lokalen Produktion (z.B. Hilfestellungen für die ländliche Produktion) dienen. Sie leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur kulturellen Versorgung der Einwohner mehr als die großen zentralen Öffentlichen Bibliotheken.

3.7.1 Für die unterwickelten Regionen: Gemeindebibliotheken von Guangxi

1994 besaß Guangxi nur 50 Gemeindebibliotheken. 1998 gab es bereits 531. Bis zum Jahr 2000 erreichte die Zahl der Bibliotheken 1.342. Das heißt, 99% der Gemeinden haben eine Bibliothek. Die Bestände betragen insgesamt 7 Mio. [Seite 173↓]Exemplare. Jede Gemeindebibliothek hat durchschnittlich über 5.000 Medieneinheiten. Im Jahr 2000 betrug die Gesamtfläche der Gemeindebibliothek 120.000 m². Durchschnittlich hat jede Bibliothek 90 m².114

Zahlreichen Gemeindebibliotheken werden meisten von den Bauern besucht. Ihr Service und ihre Angebote wurden nach dem Bedarf der Bauern gestaltet. Es gibt in China ein „Xinghuo“-Projekt, um die Wissenschaft und Technologie einzuführen und zur Einwicklung der ländlichen Industrien beizutragen. Eine spezielle Organisation wurde 1986 eingerichtet, um die Arbeit der Öffentlichen Bibliotheken innerhalb der Provinz Guangxi zu koordinieren. Von den Bibliotheken wurden gefordert, einen Arbeitsplan mit genauen Maßnahmen zu entwickeln und die dafür zuständigen Arbeitskräfte bereitzustellen. Sie haben Seminare und spezielle Zeitschriften entwickelt, um die Erfahrungen auszutauschen. Die Bibliotheken haben die Sendung „Ein Buch in der Woche“ für das Fernsehen produziert. Darin stellten die Bibliotheken den Bauern jede Woche ein Buch vor, was für sie nützlich wäre. Diese Sendung war bei den Bauern sehr beliebt. Kurz nach der Sendung hat das Fernsehen über 100 Briefe von Bauern erhalten, die diese Sendung als ihre Lieblingssendung bezeichneten. Jedes Jahr gibt es in Bibliotheken die "Bauern-Leser-Ausstellungswoche". Durch eine solche Ausstellung wird der Service für die lesenden Bauern verbessert. Solche Programme konnten die Stellung der Bibliotheken innerhalb der Gesellschaft deutlich steigern und ihre Rolle für die Gesellschaft jedem Menschen verdeutlichen.

Bibliotheken haben auch zum Abbau der Analphabetenrate beigetragen. Im Jahr 2000 wurde die neujährige Schulpflicht in 69 Kreisen (71% der Gesamtbevölkerung) eingeführt.

3.7.2 Zwei Beispiele in Kanton

Dies hat auch große Bedeutung in entwickelten Regionen. Andere gute Beispiele in Kanton sind die Bezirkbibliothek Nanhai in der Stadt Foshan, und die Stadtbibliothek Puning. In Nanhai leben 1,8 Mio. Einwohner. Seit 1975 werden dort kommunale Bibliotheken aufgebaut, von denen es mittlerweile 16 gibt, was bedeutet, dass 80% [Seite 174↓]der Einzelkommunen mit einer Bibliothek ausgestattet sind. Auf jede Bibliothek kommen etwa 110.000 Einwohner, was mehr als das Doppelte der IFLA-Richtlinie mit 50.000 Einwohnern je Bibliothek darstellt. Die Hälfte dieser kommunalen Bibliotheken haben Bestände von mehr als 10.000 Medieneinheiten, einige haben mehr als 20.000 und vier davon mehr als 30.000. Seit 1996 finden die sogenannten „neuen Technologien“ in den Bibliotheken Anwendung. Die Verwaltungsarbeit der Bibliotheken wird seit 2002 vollständig elektronisch erledigt. In drei Bibliotheken wurden Multimedia-Lesesäle eingerichtet. Die Leserzahl beträgt zwischen 100 bis 200 täglich (z.T. bis 250). Die Hälfte der Bibliotheken hat Öffnungszeiten von 40 Stunden in der Woche, einige öffnen 80 Stunden. Die Gesamtfläche aller kommunalen Bibliotheken beträgt 5.000 m² auf den 410.000 Medieneinheiten, die von 33 Mitarbeiterrinnen und Mitarbeiter verwaltet werden.115

Auf- und Ausbau der kommunalen Bibliotheken stellen einen wichtigen Bestandteil zum Auf- und Ausbau der Kommune dar und gehören in eine Reihe mit örtlichen wirtschaftlichen und sozialen Projekten. Eine umfängliche finanzielle Unterstützung ist notwendig. In der kantonesischen Stadt Puning gab es bis 1997 keine finanzielle Absicherung der Stadtbibliothek über den städtischen Haushalt. Im Jahr 1996 bekam die Stadtbibliothek Puning einen Zuschuss von 210.000 CNY (ca. 25.000 Euro) von der örtlichen Regierung. Später unterstützte die Regierung mit zusätzlichen 700.000 CNY die Renovierung, den Aufbau des Multimedia-Lesesaals, die Anschaffung neuen Mobiliars und die Erwerbung. Seit 1997 bekommt die Bibliothek jährlich 200.000 CNY für Erwerbungen von der Regierung, ab 2000 wurde dieser Zuschuss um 15 Prozent erhöht. Die finanzielle Unterstützung wurde parallel dazu in den Öffentlichen Haushalt verankert. Eine gesicherte Finanzierung ist die Basis für die Entwicklung der Bibliothek. Die Bibliothek zählt zu den Grundbedarfseinrichtungen in China.116


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3.8  Die Bedeutung der kleinen Spezialbibliotheken für China

Was ist eigentlich eine Spezialbibliothek? Eine Definition lautet: „Eine Bibliothek, deren Informationsangebote auf das spezielle Interesse einer bestimmten Zielgruppe von Nutzern ausgerichtet ist, das außerhalb der Hochschul-, National-, Regional-, Schul- und zentralen Fachbibliotheken liegt.“117 Oder „ist eine wissenschaftliche Bibliothek, die Dokumente zu bestimmten Themen oder bestimmte Dokumentarten sammelt, aufbewahrt und zugänglich macht.“ 118 Es gibt aber eine Reihe von Kriterien, z.B. die Spezialisierung, die Organisationsform, der Personalumfang und andere. Auch solche Kriterien sind relativ, wie eine Betrachtung des besonderen Merkmals der Spezialisierung auf ein Fachgebiet zeigt. „Die Spezialbibliotheken unterschieden sich in wichtigen Punkten119 von den wissenschaftlichen Universalbibliotheken und von den Öffentlichen Bibliotheken“,120 obwohl heute diese Unterschiede vielfach verwischt oder gemildert sind.

Die Definition in China unterscheidet sich von diesen:

„There are two types of special libraries in China - libraries of the Academy of Sciences, libraries in the numerous research institutions under the Academy; and libraries in various ministries or commissions such as the ministries of geology, medicine, agriculture, and industry as well as in their numerous branches”.121

Claudia Lux hat in ihrem Buch die „wissenschaftliche Spezialbibliotheken“ dargestellt.122


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Für die oben genannten Fälle sagt man auf chinesische „Zhuanye Tushuguang“, was Spezialbibliothek bedeutet. Worum es sich hier handelt, ist die kleine Öffentliche Bibliothek für ein bestimmtes Thema z.B. die Schuhbibliothek in Wenzhou. Im Oktober 2001 eröffnete in der Wenzhou Stadtbibliothek, in der Provinz Zhejiang eine Schuhbibliothek. Sie ist die erste Schuhbibliothek in China und hat als kleine Spezialbibliothek Vorteile im Vergleich zu den großen Öffentlichen Bibliotheken.

Das Schuhmachen bildet heutzutage die traditionellste Kernindustrie in Wenzhou. Es gibt über 5000 Schuhfabriken. Die Jährliche Produktion (beläuft sich auf einen Produktionswert) in Höhe von 28 Mrd. Yuan (ca. US$ 3,5 Mrd.). Sie bringen der örtlichen Regierung 2 Mrd. Yuan Steuern (US$ 250 Mio.). Wenzhou liegt daher an der Spitze der Schuhindustrie Chinas. Die Entwicklung der örtlichen Wirtschaft zu unterstützen, ist Ziel der Öffentlichen Bibliotheken. Die Stadtbibliothek überlegte, wie sie zur Entwicklung der örtlichen Wirtschaft beitragen könnte. Seit 1999 arbeitet die Stadtbibliothek Wenzhous an dem Aufbau der Schuhspezialbibliothek. Dabei wird in zwei Schritten vorgegangen:

Zuerst werden fortlaufend verschiedene Materialien aus unterschiedlichen Medien über Schuhdesign gesammelt. Dazu wurde ein Lesesaal eröffnet und eine Informationsberatung gegründet. Als zweiter Schritt ist die Schaffung einer Digitalen Schuhbibliothek vorgesehen, damit nicht nur die Schuhmacher in Wenzhou, sondern auch in anderen Regionen oder sogar in anderen Ländern ihren Service anbieten könnten. Es wurde eine Forschungsabteilung für Schuhdesign ins Leben gerufen. Diese Abteilung ist für den Aufbau der Schuhdesign-Datenbank zuständig, mit zahlreichen Abbildern und Designdaten. Die Bibliothek hat langfristige Kooperationsbeziehungen mit über 200 Schuhfabriken. Sie bieten den Fabriken einem Mehrwert (value added) an. In der Bibliothek werden auch entsprechende Vorträge und Seminare gehalten. Für die Fabriken ist die Bibliothek nicht nur ein Informationszentrum, das ihre Designinspiration beflügeln kann, sondern auch ein Ausbildungszentrum. Diese Zusammenarbeit bringt sowohl Profit für die Fabriken als auch für die Bibliothek selber. Die Bibliothek ist daher in der Lage, ihren Service zu verbessern. Noch wichtiger ist, dass die Bibliothek durch diese Arbeit zur örtlichen Wirtschaftssteigerung beigetragen hat.

Die Anschaffung der Sammlung von Schuhmaterialien ist aber nicht einfach. Es gibt nicht viele Schuhpublikationen und ebenso wenig spezielle Schuhverlage. Die Publikationen, soweit es sie gibt, sind ziemlich treuer. Viele Materialien gehören zur [Seite 177↓]Grauen Literatur (nicht öffentlich zugängliche Publikationen), es ist deshalb schwierig, sie zu sammeln. Die Schuhbibliothek in Wenzhou hat viel geleistet. Nicht nur die allgemeine Spendenbereitschaft der Gesellschaft war groß, sondern auch die Anbieter von Schuhsausstellungen kooperierten zuvorkommend und fair, indem sie das Projekt mit umfangreichen Materialien unterstützten.123 Außerdem gibt es auch solche kleine Spezialbibliotheken für Bier, Mode und Verpackungsdesign in China.124

3.9 Zusammenfassung

„Bibliotheken sollten nicht isoliert betrachtet werden, sondern in einen umfassenden Bildungskontext integriert. Sie stellen einen wichtigen Bestandteil der Bildungsinfrastruktur dar und leisten einen unersetzlichen Beitrag zur Informationsversorgung von Wissenschaft und Forschung und der Bürgerinnen und Bürger aller Alters- und Sozialschichten. Bibliotheken sind die größten Leseförderer außerhalb der Schule und die wichtigsten Vermittler von Medienkompetenz“.125 Vielen Nutzern fehlt es beispielsweise an Grundkenntnissen im Umgang mit Webkatalogen, Suchmaschinen und Datenbanken. Diese neue digitale Serviceumgebung verlangt von Bibliotheken, dass die Sicht auf die Nutzerbedürfnisse radikal ändern und die Rolle des Auskunftspersonals entsprechend anpassen, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Die tragfähigen Konzepte können eine nachhaltige Entwicklung einleiten, an deren Ende China durch ein modernisiertes Bibliothekswesens den Kampf gegen Armut und Unwissenheit aufzunehmen vermag.

Außer den bekannten Funktionen der Öffentlichen Bibliotheken, z.B. „Die Öffentliche Bibliothek als Teil eines kommunalen Kulturmanagements und als Teil eines kommunalen Informationszentrums“,126 sind drei Funktionen davon in China von besonderer Bedeutung:

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Fußnoten und Endnoten

1 Wie in vielen anderen Ländern ist die Nationalbibliothek in China die größte Öffentlichen Bibliothek. Siehe: Lux, Claudia. Das Bibliothekswesen der Volksrepublik China. 1986 a.a.O.: 16.

2 „China 2002“a.a.O.: 188.

3 „The National Library of China is the Chinese counterpart of the Library of Congress. It is the depository library of publications in China and makes available its cataloging ot other librarries through cards, floppy disks, and magnetic tapes“. Siehe: Lin, Sharon Chien. Libraries and Librianship in China. 1998, a.a.O.: 46.

4 Vgl.: „The public libraries group consists of libraries from the national and provincial levels down to village and street libraries and reading rooms in rural areas. They also include libraries that cater to special groups of clientele such as children and national minorities“. Lin, Sharon Chien a.a.O.: 46.

5  http://www.nlc.gov.cn/, 06.03.04.

6 Ewert/Umstätter, a.a.O.: 29.

7 Xia, Guodong. “Die chinesische Bibliotheksarchitektur in den 1990er Jahren”. The Journal of the library science in China 9 (2001). Vol. 27 No. 135: 66-70.

8 „Stadtbibliothek schreibt Erfolgsgeschichte“: Berliner Morgenpost. 06.03.2004: 25.

9 Die Stadt Shantou liegt in der Region Ostkanton. Sie ist eine der fünf Wirtschaftssonderzonen Chinas, die seit der Reform- und Öffnungspolitik ab 1978 eingerichtet wurden. Shantou hat 1.2 Mio. Einwohner (4.7 Mio. mit Umland). Shantou ist u.a. Herkunftsort vieler Chinesen, die ins Ausland ausgewandert sind. Die Zahl der ausgewanderten Chaoshaner im Ausland wird auf ca. 10 Mio. geschätzt. Vgl.: Li, Yiping. „Wie könnten die Öffentlichen Bibliotheken die Service der elektronischen Zeitschriften verbessern“? Library Tribune 4 (2003) Vol. 23 No. 2: 51-53.

10 “Chaoshan” ist die Abkürzung für die Region Chaozhou und Shantou.

11 Li, Yiping. „Wie könnten die Öffentlichen Bibliotheken die Service der elektronischen Zeitschriften verbessern“? Library Tribune 4 (2003) Vol. 23 No. 2: 51-53.

12 Lux, Claudia. a.a.O.: 32.

13 Ewert/Umstätter, a.a.O.: 39.

14 Lux, Claudia. a.a.O.: 31.

15 Wu, Jianzhong. „Rückblick und Weitblick der chinesischen öffentlichen Bibliotheken“. Lifelong Education and Libraries, International Scholarly Journal with international editorial board 3 (2002).Graduate school of Education, Kyoto University Japan, Number 2: 29-41.

16 Hongkong befindet sich an der südostchinesischen Küste östlich der Mündung des Perlflusses. Es grenzt an die Stadt Shenzhen in der Provinz Guangdong, hat eine Gesamtfläche von 1092 km². „China 2002“ a.a.O.: 28.

17 Guangzhou liegt in der Nähe von Hongkong, etwa eine Autostunde von dort.

18 Hongkong umfasst die Insel Hongkong, die Halbinsel Kowloon und die New Territories. „Gangjiuqu“ meint Kowloon und Insel Hongkong.

19 Lin, Chun. „Das Entwicklungsmodell der Öffentlichen Bibliotheken in China in dem 21. Jahrhundert“. Library Tribune 2 (2003) Vol. 23 No. 1: 108-110.

20  http://www.hkpl.gov.hk/, 06.03.04.

21 Berliner Morgenpost, 06.03.04: 25.

22  http://www.library.sh.cn/, 06.03.04.

23 Jahresbuch der chinesischen Bibliotheken 1999. (Beijing): Beijing Bibliothek Verlag, 2000: 44.

24 Vgl.: „The largest public library in China is Shanghai Library, which is next in size only to the National Library of China (In October 1995: 13 Mio. volumes). Pesently, it is operated in three levels-the city, the prefecture or county, and the village or town. Shanghai has 2 libraries at the city level.“ Lin, Sharon Chien, a.a.O.: 87.

25 Sun, Jiling. „Das Bibliothekswesen in Shanghai im Zeitraum 9. Fünfjahresplan“. Library Journal, 1 (2001): 2.

26 Zhou, Xiaopu. „Das chinesische Bibliothekswesen im 21. Jahrhundert“. Das Forum für Direktor der öffentlichen Bibliotheken im 21 Jahrhundert. (Beijing): Zentral Dokumentationsverlag 2000: 4.

27 Provinz Jiangsu liegt am Ostküsten Chinas. Sie hat 100.000 qkm Flächen, mit 74 Mio. Einwohnern, ist eine dicht gesiedelte Provinz. In der chinesischen Geschichte befanden sich viele kulturelle Städten und Zentren in diesem Gebiet.

28 Zhou, Xiaopu. „Das chinesische Bibliothekswesen im 21. Jahrhundert“. Das Forum für Direktor der öffentlichen Bibliotheken im 21 Jahrhundert. 2000, a.a.O.: 4.

29 Lu, Zibo. „Gedanken über die Entwicklung des Bibliothekswesens“. Library Tribune, 10 (2002) Vol. 22 No. 5: 18-21.

30 Li, Jiuqi. „Zwanzigjährige Entwicklung der chinesischen Minderheitenbibliothekswesen- Nachdenken im neuen Jahrhundert“: Library Journal, 1 (2001): 96.

31 Lux, Claudia. a.a.O.: 31.

32 Li, Juping/Zuo, Ma. „Die Entwicklung der Bibliotheken in Tibet“. Library Tribune 2 (2001): 55-56.

33 Lux, Claudia. a.a.O.: 41.

34 Lin, Sharon Chien, a.a.O.: 86.

35 Yu, Mindi: „Der Entwicklungstrend der Bibliothek im neuen Jahrhundert“. Library Journal 1 (2001): 5. Vgl.: “Sie sollen allerdings von den Provinzbibliotheken Hilfe und Unterstützung erhalten. Dafür hat die Provinzbibliothek in Wuhan eine extra Abteilung eingerichtet, die diese Aufgabe wahrnimmt, und die Provinz Fujian führte einen speziellen Kurs für Leiter von Kreisbibliotheken durch”. Lux, a.a.O.: 41.

36 Shi, Liping. „Gedenken für die Entwicklung der Öffentlichen Bibliotheken“. Library Tribune 2 (2003) Vol. 23 No. 1: 114-116.

37 Umstätter, Walther. „Der Einfluss von XML auf AACR und RAK“. S. 2.

38 Vgl.: Lin, Sharon Chien, a.a.O.: 217.

39 Lux, Claudia. a.a.O.: 64.

40 Lux, Claudia. a.a.O.: 67.

41 Umstätter. „Der Einfluss von XML auf AACR und RAK“: 2.

42 „Forschung über die OnlinekatalogisierungssSysteme im Ausland“. Journal of Academic Libraries 6 (2001): 10-13.

43 Wuhan ist die Hauptstadt von der Provinz Hubei. Sie ist die fünfte Großstadt Chinas mit 4.4 Mio. Einwohnern. „China 2002“, a.a.O.: 35.

44 Zhu, Yali. „Die Probleme der Öffentlichen Bibliotheken von Shaanxi“. Bibliothekstheorie und Praxis 1 (2001): 40-42.

45 Ewert/Umstätter, a.a.O.: 62.

46 Li, Zhaochun. „Gedenke über die Bibliotheksservice für Randgruppe“. Library Tribune 10 (2002) Vol.22 No. 5: 56-60.

47 Statistical Jearbook China 1999, a.a.O..

48 Zhu, Yali. „Die Situation der Öffentlichen Bibliotheken von Shaanxi“. „Bibliothekstheorie und Praxis“ 1 (2001): 40-42.

49 Kang, Anyu. „Shouting ‚finish class’ for keeping copy system“. Bibliotheksbau 6 (2001): 10-12.

50 Yao, Qian. „Sozialen Bedarfe und Bibliotheksentwicklungsstrategien im Westchina“. Library World 3 (2001): 11-16.

51 Cheng, Guoping. „Die Entwicklung des Bibliothekswesens in Westchina“. Library World 6 (2001): 25-28.

52 Luo, Zhiyoug. „Verbreitung und Verbesserung: Themen zur Entwicklung der öffentlichen Bibliotheken“. Library Journal 7 (2000): 44.

53 Pan, Yinsheng/Wu,Qiuluan. „Strategien zur Entwicklung der öffentlichen Bibliotheken in Nordwestchina-Nachdenken im neuen Jahrhundert“. Das chinesische Bibliothekswesen in 21 Jahrhundert, das Forum für Direktor der öffentlichen Bibliotheken im 21 Jahrhundert. 2000, a.a.O.: 322.

54 Zhou Xiaopu, Das chinesische Bibliothekswesen in 21 Jahrhundert, das Forum für Direktor der öffentlichen Bibliotheken im 21 Jahrhundert. 2000, a.a.O.: 13.

55 „China 2002“ a.a.O.: 22.

56 Li Xigai, „Schwer Mangel an den Büchergelder in Shaanxi“. Siehe: http://202.96.31.2/minsitry/whchanye/show.htm. 01.04.01.

57 Zhu Yali. “Probleme der Öffentlichen Bibliotheken von Shaanxi”. Bibliothekstheorie und Praxis. 1 (2001): 40-42.

58 Berliner Morgenpost, 06.03.04: 25.

59 „China 2002“ a.a.O.: 35.

60 Li, Yang. „Untersuchung und Analyse der öffentlichen Bibliotheken in Guangzhou“. Library Journal, 12 (2001) Vol.21 No.6: 78-80.

61 Lux, Claudia a.a.O.: 72.

62 Wang, Xieguang. „Die Entwicklung und Strategien der Öffentlichen Bibliotheken in Guangxi“. Library World 9 (2001): 43-50.

63 Ewert/Umstätter, a.a.O.: 61.

64 Liang, Xiaotian/Yu, Ling. „Praxis und Gedenke über die beauftragten Erwerbungsagenturen“. Library Tribune 12 (2002) Vol. 22 No. 6 : 52-53 und 112.

65 Liang, Xiaotian/Yu, Ling. „Praxis und Gedenke über die beauftragten Erwerbungsagenturen“. Library Tribune 12 (2002) Vol. 22 No. 6 : 52-53 und 112.

66 Lux, Claudia. a.a.O.: 38-39.

67  http://www.library.hn.cn/gqgm/gqgm10.htm, 06.03.04.

68 Jiang Zemin war Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas und zugleich Staatspräsident, an der Spitze hat er an der von Deng Xiaoping initiierten Reform- und Öffnungspolitik festgehalten. Mit ihm war das Führungskollektiv der dritten Generation Chinas. Vgl.: „China 2002“: 10.

69 Die Provinz Hunan ist 210.000 qkm groß mit 66 Mio. Einwohnern. ihre Hauptstadt ist Changsha. „China 2002“: 22.

70 Die Provinz Qinghai ist 720.000 qkm groß und mit 5.2 Mio. Einwohnern. s.o.

71 Das Uig. Aut. Gebiet Xinjiang ist 1,6 Mio. qkm groß, mit 18,7 Mio. Einwohnern und daher ein sehr dünn bevölkerndes Gebiet Chinas. s.o.

72 Alle Statistiken hier über Jiang Zemin und Bibliotheken siehe: Yuan, Hongsheng. „Die Inspektion von Jiang Zemin in der Nationalbibliothek“. Theorien und Praxis der Bibliothek 1 (2001): 21-25.

73 Telefonisches Gespräch am 12.11.03 mit dem Direktor der Provinzbibliothek Kanton Herrn Li Zhaochun, der Chefredakteur der Zeitschrift ist und langjährig als Chef die Öffentlichkeitsarbeitsabteilung geleitet hat..

74 wie an anderer Stelle dargestellt wird. (Siehe Kapitel 5).

75 Diese Aktivität findet man auch in: Kenya, Afrika. Siehe: Dissertation „University Libraries in Kenya—A study of their Practices and Performance“ von Joseph Muema Kavulya. Seine Verteidigung fand am 19.02.04. im Institut für Bibliothekswissenschaft an der Humboldt Universität zu Berlin statt.

76 Jahresbuch der chinesischen Bibliotheken 1999. (Beijing): Beijing Bibliothek Verlag, 2000: 101.

77 Zheng, Keyin. „Die Entwicklungsstrategien der Shantou Stadtbibliothek“. Library Tribune 2 (2003) Vol. 23 No. 1: 117-121.

78 „Schwächere Gruppe in der Bibliothek“. http://www.southcn.com/news_sh/200201150270.htm, 01.04. 01.

79 Li, Yang. „Untersuchung und Analyse der öffentlichen Bibliotheken in Guangzhou“. Library Journal 12 (2001) Vol.21 No.6: 78-80.

80 Beijing hat Ende 2001 7.6 Mio. Einwohner. „China 2002“: 35.

81 Yu, Guoming. „Untersuchung des Verhältnis der Pekinger bei der Wanderung zu Medien“. Nachrichten und Redakteur 11 (2000): 7.

82 „Mit Computer vergisst man Papier“? Shenzhen Commerzzeitung am 15.09.99.

83 Li, Yiping. „Wie könnten die Öffentlichen Bibliotheken die Service der elektronischen Zeitschriften verbessern“? Library Tribune 4 (2003) Vol. 23 No. 2:51-53.

84 Lux, Claudia. 39 und 104.

85 China Statistical Yearbook 1999, a.a.O.

86 s.o.

87 Provinz Guizhou hat 170.000 M² Fläche und Bevölkerungszahl beträgt 38 Mio. (Stand: Ende 2001). „China 2002“ a.a.O.: 23.

88 „China 2002“ a.a.O.: 134.

89 Tatsachen über Deutschland 1999. (Frankfurt/Main): Societäts-Verlag, 1999: 271.

90 Tan, Xiangjin. „Öffentliche Bibliotheken sollten mehr Aufmerksamkeit den Benachteiligten Gruppe geben“. Library Tribune 10 (2002) Vol. 22 No. 5: 22-23 und 65.

91 Neue Tiandi Zeitung, (eine chinesischsprachige Zeitung in Berlin) April. 2003.

92 China Statistical Yearbook 1999, a.a.O.: 133.

93 Neue Tiandi Zeitung, (eine chinesischsprachige Zeitung in Berlin) April. 2003.

94 Li, Zhaocun. „Gedenke über die Bibliotheksservice für Randgruppe“. Library Tribune 10 (2002) Vol.22 No. 5: 56-60.

95 Liao, Tengfang. „Entwicklung der Kreisbibliothek“. Journal Nationalbibliothek.3 (2001): 59-63.

96 China Statistical Yearbook 1999, a.a.O.:198.

97 „China 2002“,a.a.O.: 38.

98 Li, Zhaochun. „Gedenke über die Bibliotheksservice für Randgruppe“. Library Tribune 10 (2002) Vol.22 No. 5: 56-60.

99 Mehr Info. Sieh: „China 2002“: 139. Manche Wanderarbeiter sind von Arbeitsgebern versichert.

100 In China wird „Ein Kind von einem Ehepaar“ gefördert. Bei Ehepaaren auf dem Land ist unter gewissen Umständen ein zweites Kind gestattet. Keine Geburtskontrolle gilt für die bevölkerungsarmen Nationalitäten. Mehr Info. Sieh: „China 2002“, a.a.O.: 40.

101 Liu, Shiwen. „Randgruppe: neue Service der Bibliothek”. Henan Library Journal 6 (2001): 37-39.

102 „China 2002“ a.a.O.: 38.

103 Huang, Chaoxun. “Ältere Leser und die Service der Öffentlichen Bibliotheken”. Sichuan Library Science Journal 2 (2001).

104 Liu, Shiwen. „Randgruppe: neue Service der Bibliothek”. Henan Library Journal 6 (2001): 37-39.

105 Tagung „Bibliothek – Behinderte – örtliche Situation“, vom 13. –15. Oktober 2003 in Poznan /Polen. Bibliotheksdienst 37. Jg. (2003), H. 12: 1629-1630.

106 Erling, Johnny. „China: Sozialer Forschritt vor Wirtschaftswachsturm-Volkskongress eröffnet -Regierungschef Wen benennt Probleme des Landes in unerwarteter Deutlichkeit“. Berliner Morgenpost, 06.03.2004: 6.

107 „China 2002“ a.a.O.: 140.

108 Kang, Anyu. „Shouting ‚finish class’ for keeping copy system“. Bibliotheksbau 6 (2991): 10-12.

109 Vgl: Ewert/Umstätter a.a.O.: 42.

110 Die Meldungskontrolle war in China, besonders zu Mao-Zeit, sehr streng. Damals war jeder Besucher, der in China auch nur eine Woche übernachtete, verpflichte, sich bei einer Meldestelle einzufinden. Ohne die Meldebescheinigung konnte man nichts machen. Die Öffentlichen Bibliotheken in China haben von den Lesern lange Jahre gefordert ihre ID-Karte oder Meldebescheinigung vorzulegen, wenn sie einen Ausleihausweiss beantragen wollten. Die ID-Karten für die Wanderarbeiter wurden aber von den jeweiligen Provinzen ausgestellt. Aber jetzt in Shenzhen selbst wenn die Wanderarbeiter am Arbeitsort aus verschiedenen Gründen sich nicht gemeldet haben, sind sie auch berechtigt, eine solche Lesekarte zu bekommen. Diese Ausmaß von der Nanshan Bibliothek ist daher ein großer Fortschritt.

111 Shen, Yichun. „Erforschung über der Aufbau der modernen Bibliothek--Der Entwicklungsweg in der Nanshan Bibliothek seit fünf Jahren“. Library Tribune 10 (2002) Vol. 22 No. 5: 118-121.

112 Li, Zhaochun. „Gedenke über die Bibliotheksservice für Randgruppe“. Library Tribune 10 (2002) Vol.22 No. 5: 56-60.

113 Vgl.: „They act as links between towns, villages and rural areas“. Siehe: Lin, Sharon Chien, a.a.O.: 88.

114 Alle Zahle: Wang, Xieguang. „Die Entwicklung und Strategien der Öffentlichen Bibliotheken in Guangxi“. Library World 9 (2001): 43-50.

115 Chen, Zhidong. „Moderne Technologien und kommunale Bibliotheken in neuen Jahrhundert“. Library Tribune. 6 (2003) Vol. 23 No.3: 119-121.

116 Luo, Shaosha. „Entwicklungsstrategien der kommunalen Bibliotheken“. Library Tribune. 6 (2003) Vol. 23 No 3: 122 und 11.

117  http://www.ib.huberlin.de/%7Ewumsta/infopub/semiothes/lexicon/default/dz2.html, 12.03.04.

118  http://www.surendorfteam.de/TID-II2.pdf, 13.03.04.

119 Mehr dazu siehe: Laux, Wolfrudolf. „Spezialbibliotheken in Deutschland“. In: Symposium. a.a.O. 150.

120 s.o.

121 Hu, Junping. (Visiting Scholar from Beijing Document Service, Lancaster University Library, England) “Special Libraries in China: Present and Future” (in English). Materialien von W. Umstätter.

122 Lux, Claudia a.a.O.: 54-64.

123 Qiu, Yangping. „Der Aufbau der Schuhbibliothek in Wenzhou“. Library Journal 12 (2001): 25-27.

124 s.o.

125 „Bibliothek 2007: Aktueller Stand“. Bibliotheksdienst 37. Jg. (2003), H. 12: 1538.

126 Ewert/Umstätter. a.a.O.: 25.

127 Ewert/Umstätter, a.a.O.: 24.

128 Hu, Junping. (Visiting Scholar from Beijing Document Service, Lancaster University Library, England) “Special Libraries in China: Present and Future” (in English). Materialien von Herrn W. Umstätter.



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11.08.2004