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5  Einflüsse auf ein Modell für die Weiterentwicklung des chinesischen Bibliothekswesens: Drei wichtige Faktoren

5.1 Das Bibliotheksgesetz

5.1.1 Historischer Überblick

Das erste Bibliotheksgesetz Chinas, die "Allgemeinordnung der Jingshi Bibliothek und Provinzbibliotheken" (Jingshi ji Gesheng Tushuguan Tongxing Zhangcheng), erlassen im Namen der Regierung, entstand im Jahre 1910, während der letzten chinesischen Kaiserdynastie der Qing-Dynastie (1644-1911).1 Weitere Bibliotheksgesetze wurden 1915 von der „Beiyang-Regierung“ (1911-1927) und von der „Guomin-Regierung“(1927-1949) erlassen.2 Nach der Gründung des neuen Chinas 1949 wurden verschiedene Bibliotheksordnungen entwickelt. Der Staatsrat erteilte 1951 einen Befehl zum „Schutz der wertvollen Altertümer“. Im Jahre 1955 folgte die „Anordnung der Verstärkung und Verbesserung der Bibliotheksarbeit“ und 1982 die „Arbeitsregelung der Provinz- und Stadtbibliothek“ vom Kulturministerium. In den Jahren 1949-1999 wurden 80 verschiedene Vorschriften oder Regeln vom Staatsrat und den Ministerien erlassen und veröffentlicht.3

5.1.2 Erfordernisse für ein chinesisches Bibliotheksgesetz

Bis heute gibt es in China kein allgemein gültiges Bibliotheksgesetz. Seit sich China 1978 dem Westen wirtschaftlich öffnete, wurden über 400 Gesetze vom Staat neu [Seite 204↓]erlassen.4 Die Gesetze beziehen sich zum großen Teil auf die Wirtschaftlichkeit. Es wurde allerdings weitgehend übersehen, Gesetze im Kulturbereich zu entwickeln.

Während der Entwickelung des Bibliothekswesens wird es immer notwendiger, ein Bibliotheksgesetz zu haben. Die Bibliothek ist eine der wichtigsten Teile der Informations-Infrastruktur des Staates für das Kultur- und Bildungswesen. Sie ist die wichtigste Kultureinrichtung. Sie bietet Unterstützung für Wissenschaft und Forschung an. Sie spielt eine große Rolle während des lebenslangen Lernens. Sie ist das wichtigste öffentliche Informationszentrum. Außerdem fördert die Bibliothek die Anwendung der neuen Technologien. Sie ist ein entscheidender Faktor für die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien. Die Bibliothek kann aber in der gegenwärtigen Situation diese Funktionen nur ausüben, wenn sie durch ein Gesetz gestützt wird. Daher ist für China der Erlass eines Bibliotheksgesetzes von größter Bedeutung.

1.) Anwendung des Bibliotheksgesetzs für die Verwaltung. Hier mangelt es an Koordination und Zusammenarbeit. Öffentliche Bibliotheken, Wissenschaftliche Bibliotheken, Schulbibliotheken und andere Bibliotheken werden in China von verschiedenen Behörden verwaltet. Es gibt auch keine Zusammenarbeit zwischen den Bibliotheken. Dies verursacht meist eine Verschwendungen an Informationsressourcen, Personalkräften und Sachmitteln und verhindert die Netzwerkbildung. Jede Bibliothek bemühte sich möglichst umfassend zu arbeiten. Folglich befindet sich manche Literatur in fast allen Bibliotheken, einige Publikationen werden aber von keiner einzigen erworben, z.B das sehr teure „ Siku Quanshu “, das als chinesische Enzyklopädie angesehen wird, wurde von vier Bibliotheken in der gleichen Region erworben, aber die „Chinesische Statistik“ aus den 1990er Jahren [Seite 205↓] nicht vollständig. 5 Katalogisierung und Klassifikation sind nicht einheitlich. Zusammen mit der jetzigen uneinheitlichen Entwicklung führt diese bei der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung zu vielen Schwierigkeiten. Ohne ein Bibliotheksgesetz sind diese Probleme nicht lösbar. 6

2.) Finanzierung der Bibliotheken. Ohne Gesetz erhalten die Bibliotheken von den zuständigen Behörden nicht die abgesicherten finanziellen Mittel und haben keine Plannungssicherkeit. Die Bibliothek muss sich selber um ihre finanziellen Mittel kümmern. Davon sind besonders Öffentlichen Bibliotheken betroffen. Öffentliche Bibliotheken befinden sich meistens in den besten Lagen (im Zentrum oder an Geschäftsstraßen, wo viele Menschen wohnen). Sie haben die Funktionen einer Bibliothek aufgegeben, vermieten ihre Räume oder wandeln die Lesesäle zu Büroflächen, Diskotheken oder Fitnesräumen um, mit dem Ziel Geld zu verdienen, damit die Bibliothekare und die Bibliotheken überleben können.

5.1.3 Die Vorbildwirkung ausländischer Bibliotheksgesetze

5.1.3.1 Ausländische Bibliotheksgesetze als Vorbild

Das erste Bibliotheksgesetz wurde 1850 in Großbritannien erlassen.7 Es wurde zum Vorbild für weitere Gesetze. In den Vereinigten Staaten folgen bis 1890 in damals 29 Bundesstaaten weitere Bibliotheksgesetze. Die Bibliotheksgesetze in Großbritannien und den USA entwickelten sich sehr verschieden und wurden den Gegebenheiten angepasst. In den Vereinigten Staaten waren es in erster Linie Gesetze der Bundesstaaten, die aber in konkurrierender Form durch Zuwendungen von der Bundesebene unterstützt wurden. Das heißt, eine weitgehende und großzügige Unterstützung durch das Bundesland konnte auch eine Förderung durch [Seite 206↓]den Bund nach sich ziehen. Gegenwärtig hat sich die Situation verkehrt, da die private Seite der Informationstechnologie versucht, die Informationsversorgung der Bürger auf eine private, kostendeckende Ebene zu stellen. In diesem Falle haben einigen Länder z.B. Maryland schon eine solche Gesetzesinitiative eingebracht, die eine Entsprechung auf Bundesebene finden soll, um den allgemeinen freien Zugang zu den Informationen in den USA einzuschränken.8

Auch in Großbritannien wurde das Bibliotheksgesetz 1964 im „Public Libraries and Museums Act“ reformiert und machte damit die stürmische Entwicklung der Öffentlichen Bibliothek möglich.9 Durch dieses Gesetz wurde die Öffentliche Bibliothek in die Verantwortung der Kommunen und der lokalen Gebietskörperschaften gestellt. Damit verschwanden viele kleine Bibliotheken und es bildeten sich große öffentliche Bibliothekssysteme. Mit der Verarmung der lokalen Gebieten durch die Ende der siebziger Jahre einsetzende Zentralisierung verloren aber die großen öffentlichen Bibliothekssysteme einen Teil ihrer gesetzlich garantierten Unterstützung.

Das zeigt deutlich, dass die Gesetzgebung hilfreich ist und auch verhindert, dass Bibliotheken völlig verschwinden oder dass ihre Funktionen nicht mehr wahrgenommen werden. In welchem Ausmaß jedoch diese Funktionen finanziell abgesichert sind, kann ein Bibliotheksgesetz nicht garantieren. Ein gutes Beispiel dafür ist die ehemalige DDR, die über ein sehr gutes und ausführliches Bibliotheksgesetz verfügte. Aber auch dieses Gesetz konnte nicht ausreichende Mittel garantieren, so fehlte es z.B. an der Sicherung der Gebäude und auch die Bücherbusse konnten z.T. wegen fehlendem Treibstoff ihre Routen nicht abfahren.

In Japan gibt es 200 verschiedene Vorschriften, Ordnungen, auf dem Gebiet des Bibliothekswesens. Drei Bibliotheksgesetze, das allgemeine „Bibliotheksgesetz“, das „Schulbibliotheksgesetz“ und das „National Bibliotheksgesetz“ sollen die Bibliotheksverwaltung sichern.10 1920 erließ in Dänemark ein Bibliotheksgesetz. [Seite 207↓]Weitere Bibliotheksgesetze wurden 1946 in Polen, 1955 in Korea, 1964 im Iran und 1969 in Kanada erlassen. Das beste und umfassendste Bibliotheksgesetz, das in Europa vor dem Zweiten Weltkrieg erlassen wurde, war wohl das Bibliotheksgesetz der Tschechischen Republik in den ersten Jahren dieser jungen Republik. Es verfolgte zwei Ziele. Zum ersten sollten die Bürger dieses Staates sich als Nation empfinden, das heißt, die Bibliotheken und die Literatur sollten ihre Gemeinschaft stiftende Bindung entfalten. Zweitens dienten die Bibliotheken der Fortbildung. Sie sollten die Begabungen der Bürger entwickeln und damit zum Gemeinwohl beitragen. Diese Strukturen sind heute noch in der tschechischen Republik lebendig. Dieser kleine Staat hat in Prag mehrere Bibliotheken renoviert und neu aufgebaut und die Bibliothek in Liberec gehört mit dem „Bau der Versöhnung“ zu den schönsten neuen Bibliotheken auf diesem Kontinent. Man kann es zwar nicht beweisen, dass Bibliotheken dazu beigetragen haben, aber von allen Beitrittsländern der EU ist die tschechische Republik gemessen an Geldwert und Bruttosozialprodukt die erfolgreichste.

Insgesamt gibt es bisher mehr als 250 Bibliotheksgesetze in 60 Ländern weltweit.11

Deutschland hat kein Bibliotheksgesetz aber eine Reihe von Rechts- und Verwaltungsvorschriften. „Von Bedeutung sind dabei sowohl die verschiedenen Aussagen im Grundgesetz und in den Landesverfassung als auch Rechtsvorschriften, die sich daraus ableiten und die für die Ausübung der verschiedenen bibliothekarischen Aufgaben heranzuziehen sind“.12

IFLA und UNESCO betonen die Notwendigkeit, ein Bibliotheksgesetz zu erlassen. Einem Memorandum der IFLA aus dem Jahre 1955 nach „sollte ein Bibliotheksgesetz in jedem Land erlassen werden“. Im gleichen Jahr fand das Bibliotheksseminar der UNESCO in New Deli, in Indien, statt, mit dem Thema Bibliotheksgesetzgebung. Auch an der 45. IFLA-Konferenz 1979 in Kopenhagen stand das Thema im Mittelpunkt.13


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5.1.3.2  Aspekte des Bibliotheksgesetzes

1.) Die freie Zugänglichkeit der Information

Die Bibliothek und das Bibliotheksnetz sind verpflichtet, ihren Service der Gesellschaft frei anzubieten. Das Bibliotheksgesetz sollte sichern, dass die Informationen den Nutzern unbegrenzt zugänglich sind. Dieses Prinzip ist der Grundstein für die Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft. Die Erwerbung und Verbreitung der Information hängt von der Qualität der Materialien und dem Bedarf der Nutzer ab. Freie Zugänglichkeit zu Information bezieht sich auch auf die Materialien und Information mehrerer Inhalte, Sprachen und Trägerformen.

2.) Prinzip der Erwerbung

In einer Bibliothek basiert die Erwerbung auf der unabhängigen Entscheidung der Bibliothekare. Dies sollte nicht von der Politik, der Religion oder von Geldgebern beeinflusst werden. Die Bibliothekare sollten sich aber von der Kultur, Bildung und dem Informationsbedarf leiten lassen. Die Erwerbungspolitik sollte regelmäßig überprüft werden, damit sie den veränderten Bedarf und die Chancengleichheit widerspiegeln. Die Erwerbung ist ein transparenter Prozess. Daher sollte die Erwerbungspolitik offengelegt werden. Die Bibliothek sollte auch die Materialien und Informationen der Minderheiten mit deren eigener Sprache anbieten und damit diese nicht benachteiligen. Ihre Kultur und ihr Erbe darf ihnen in der Bibliothek nicht vorenthalten werden.

In Deutschland gibt es zahlreiche Vorschriften oder rechtlich verbindliche Aussagen für die Erwerbung. Z.B. „Geschäftsverkehr zwischen wissenschaftlichen Bibliotheken und Buchhandel“, „Dreiländer-Sammelrevers“ für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Für internationale Publikationen gibt es das „Gesetz zu dem Übereinkommen der Vereinten Nationen vom 11. April 1980 über den internationalen Warenkauf ... vom 5. Juli 1989“ (BGBl. T. II, S.586) und das «Zollgesetz», zuletzt geändert durch das Gesetz vom 31. August 1990 (BGBl. T. II, S.889)“.14Diese konkreten Vorschriften und Gesetze sichern die freie Erwerbung der Bibliotheken.

3.) Finanzielle Unterstützung

Der überwiegende Teil der Bibliotheken befindet sich in öffentlicher Trägerschaft. Deshalb sollten sie auch mit öffentlichen Mitteln finanziert werden. Die Bewilligung [Seite 209↓]der finanziellen Mittel für die Bibliotheken sollte nicht von Politik, Religion und anderen Faktoren abhängig sein. Die Art der Bibliothek (Nationalbibliothek, Universitätsbibliothek, Öffentliche Bibliothek) und die Verwaltungsebene sollten den Service definieren, den man von dieser Bibliothek erwartet und dem entsprechend sollten die Ressourcen (Sachmittel, Technologien und Personal) zur Verfügung stehen. Zwischen den Verwaltungsbehörden und Bibliotheken sollte eine organisatorische Struktur, den rationellen Einsatz der verfügbaren Mittel absichern. Dazu braucht man für verschiedene Bibliotheken geeignete Bewertungs- und Kontrollstandards. Bei der Bewilligung der Mittel muss nicht nur die Fortbildung der Bibliothekare im Einsatz der neuen Technologien und sondern auch der Nutzer berücksichtigt werden, damit der neue Service und die neuen Angebote sinnvoll genutzt werden können.

Neben dem verfügbaren Geld erhält die Bibliothek auch andere materielle Unterstützung. Es handelt sich z.B. um Steuerfreiheit, niedrigere Post- und Telekommunikationskosten sowie günstige Urheberabgaben. Für den Aufbau und Ausbau der Bibliotheken, die Ausstattung der Informationsinfrastruktur, sollte die Bibliothek eine besondere Unterstützung bekommen. Heute wird gefordert, dass sich eine Bibliothek auch noch um andere Quellen der finanziellen Unterstützung bemühen sollte. Die staatliche Unterstützung muss aber die wichtigste Quelle für Bibliotheken sein, wenn der Staat ein volkswirtschaftliches Interesse an Bildung und Forschung hat.

4.) Das Bibliotheksgesetz im Rahmen verwandter Gesetzgebung

Auch wenn kein Bibliotheksgesetz vorhanden ist, enthält z.B. die Verfassung demokratischer Staaten das Recht auf den freien Zugang zu den Informationen. Dieser freie Zugang zu den Informationen wird heute zum Urheberrecht in Beziehung gesetzt. Das heißt, dass der freie Zugang zu den Informationen mit dem Recht des Urhebers in Einklang gebracht werden muß. Dies ist besonders wichtig im Zeitalter elektronischer Informationen, deren Zugang unendlich sein kann.15 - Hier soll keine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Entwürfen zum Urheberrecht stattfinden, wie sie jetzt aus Europa vorliegen. Es soll auch nicht die Diskussion um das amerikanische Urheberrecht mit seinen Grundsätzen des fair dealing und fair use wiedergegeben werden. Aber es ist für China unerläßlich, sich mit dem Urheberrecht [Seite 210↓]auseinander zu setzen, damit China im internationalen Rahmen als ein verläßlicher Partner gelten kann.

Viele Gesetze und Regeln, die mit dem Bibliotheksgesetz zu tun haben, müssen beim Errichten eines neuen Bibliotheksgesetzes berücksichtigt werden. Vor allem die Verfassung, weil sie die allgemeinen Regelungen über die Funktionen und Aufgaben der Bibliotheken enthält. Das Urheberrecht spielt dabei auch eine große Rolle. Die meisten Copyrights erlauben Bibliotheken die geistigen Produkte kostenlos zu benutzen. Manche Regelungen von wichtigen internationalen Einrichtungen sollten befolgt werden, darunter zählten das Menschenrecht, die Schutzregelung der Vereinigten Staaten über Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, die Schutzregel der EU über Minderheiten, und das Urheberrecht der IFLA, sowie der Bericht der EU über das Exemplarrecht elektronischer Produktionen und viele andere. Nach dem Beitritt zur WTO sind solche international anerkannten Regeln für China von immer größerer Bedeutung geworden.

5.) Ausbildung der Leser im Rahmen der Gesetzbegung

Ein Pflicht Lehrprogramm sollte im Bibliotheksgesetz wie auch ein Service für Sondernutzer verankert werden. Die besten Bedingungen und Methoden eines Zugangs zu Bibliotheken sollten angeboten werden, so sollte der Zugang für Behinderte beim Bau der Bibliothek berücksichtigt werden.

Die Ausbildung der Bibliothekare sollte ebenfalls im Bibliotheksgesetz verankert werden. Ausreichend ausgebildete Fachleuten sind der wichtigste Faktor einer gut funktionierenden Bibliothek. Dazu gehört auch die Weiterbildung, Austauschprogramme und die Qualifizierung der Bibliothekare.

5.1.4 Das Bibliotheksgesetz in Taiwan und regionale Bibliotheksgesetze im Kernland China

Am 4. Januar 2001 nach einer Verbreitungszeit von 1966 bis 2001 ist das taiwanesische Bibliotheksgesetz in Kraft getreten. Vor dem richtigen Gesetz gab es in Taiwan drei Entwürfe: den sogenannten "Entwurf 76", "Entwurf 92" und "Entwurf 99", die auf japanischen und koreanischen Bibliotheksgesetzen beruhte.16


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Da das taiwanesische Bildungsministerium für das Bibliothekswesen zuständig ist, wurden die Entwürfe durch das Ministerium überwacht, das auch das endgültige Gesetz aus bildungspolitischer Sicht erarbeitet hat, und zwei Punkten besonderer Bedeutung widmet: juristisch gesicherte gemeinsame Nutzung von Ressourcen und strenge Vorschriften des Exemplarrechtes. Zwei Exemplare jeder Veröffentlichung sind der staatlichen Zentralbibliothek abzuliefen. Als Strafmaßnahme bei Zuwiderhandlung wird ansonsten das zehnfache des entsprechenden Preises den Verlagen als Strafkosten abverlangt, bis die eingeforderten zwei Exemplare in der Bibliothek eingegangen sind.

Das zukünftige Bibliotheksgesetz könnte auch von regional ähnlichen Bibliotheksgesetzen oder Regelungen lernen.

In Shanghai: Das erste regionale Öffentliche Bibliotheksgesetz entstand am 28. November 1996 in Shanghai: "Die Verwaltungsregel der Öffentlichen Bibliotheken in Shanghai" ist seit dem 1. Januar 1997 in Kraft. Es hat die Entwicklung des Bibliothekswesens in Shanghai gefördert.17

In Shenzhen: Am 15. Juli 1997 wurden die "Bibliotheksvorschriften in der wirtschaftlichen Sonderzone in Shenzhen" von der Stadtregierung verabschiedet und traten am 1. Oktober in Kraft. Im Jahre 1998 wurden die Bibliotheken von Shanghai und Shenzhen als die besten in ganz China ausgezeichnet.18


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5.1.5  Voraussetzung für ein chinesisches Bibliotheksgesetz

5.1.5.1 Das Gesetz sollte einen Service und eine Verbesserung für Sonderlesegruppen (Sondernutzer, im Sinne von "benachteiligten Gruppen"/"Randgruppen") der Bibliothek garantieren.

1.) für Behinderte:

1996 wurden alle großen und mittleren Stadtbibliotheken aufgefordert, Lesestoffe für Blinde anzubieten. Im Jahr 2000 wurden in allen Provinzbibliotheken veranlasst, Lesesäle für Blinde aufzubauen. Eine Bibliothek muss für Behinderte zugänglich sein, das muss beim Ausbau bzw. Neubau eines Bibliotheksgebäudes berücksichtigt werden. Leider werde dies in der Praxis nicht oft durchgeführt.

2.) für Jugendliche:

Zu Beginn der 1980er Jahren gab es in 95% der Öffentlichen Bibliotheken keine speziellen Einrichtungen für Jugendliche. Nur ganz wenige Großstädte besaßen eine Kinder- und Jungendbibliothek mit insgesamt 1.600 Leseplätze. Diese Situation hat sich in den letzten 20 Jahren geändert. Bis 1999 wurden Kinder- und Jugendlesesäle in den meisten Öffentlichen Bibliotheken eingerichtet mit insgesamt 126.000 Leseplätze. Außerdem gibt es noch 81 Kinder- und Jugendbibliotheken. Die gesamten Ausgaben für Kinder- und Jugendbibliotheken und für die Erwerbungen im Jahr 1999 haben sich im Vergleich mit dem Jahr 1993 um das 7,5fache bzw. 8,4fache erhöht.19

3.) für Gefangene:

Auch Strafgefangene müssen lesen und über Bücher verfügen können. Das ist nicht nur gut für die Gefangenen selbst, sondern auch wichtig für die Verbesserung der Haftbedingungen, da die Gefangenen durch das Lesen geistige Bildung erhalten. In China wurde deshalb normalerweise in Gefängnissen eine Bibliothek oder ein Lesesaal eingerichtet. Andere Bibliotheken haben Bücher oder Zeitschriften an Gefängnisse verschenkt. So ist es eine regelmäßige Aktivität der Provinzbibliothek [Seite 213↓]Kanton z.B., ihre Bestände an Gefängnisse zu verschenken. Sie sind bei den Gefangenen sehr gefragt. Die Rolle der Einrichtung des Lesesaals oder der Bibliothek im Gefängnis sollte durch das Bibliotheksgesetz gesichert werden.

4.) für manche Spezialbereiche wie Gerichte:

Im April 1997 wurde vom Höchsten Gericht Chinas gefordert, dass Dokumentationen und Bibliotheken in den Gerichten aller Ebenen einzurichten und auszubauen. Sie sind ebenso bedeutsam wie etwa Bibliotheken in Grundschulen. Im August 2000 wurde diese Forderung wiederholt, denn Gerichtsbibliotheken stellen die Grundvoraussetzung für den Ausbau des Rechtssystems dar. Die Sammlung, Einordnung, Verwaltung und die Nutzung der Materialien sind nicht nur für den Prozess selbst wichtig, sondern auch für die Transparenz des Prozesses (sifa gongkai) notwendig. Dem japanische Gerichtsgesetz zufolge gehört z.B. die Bibliothek vom Höchsten Gericht Japans zur staatlichen Kongressbibliothek. Die Auswahl und Funktion des Generaldirektors der Bibliothek wurde im Gesetz vorgeschrieben.20 Dies wurde als eines der wichtigsten Ziele des Bibliotheksgesetzes angesehen.

5.1.5.2 Zwei berücksichtigte Aspekte

Das Gesetz als Hilfe für die Weiterentwicklung kann nur ein Faktor für die Weiterentwicklung des chinesischen Bibliothekswesens sein, ohne dass zu hohe Erwartungen daran geknüpft werden.

1.) China hofft, auf Dauer von Europa und den USA zu lernen. Wichtiger für China ist aber, was es momentan erreichen kann. China ist nicht in der Lage, den heutigen Stand Westeuropas oder der USA in kurzer Zeit einzuholen. Außerdem unterschiedet sich sein kulturelles und soziales Umfeld von Westeuropas und der USA.

2.) das soziale Umfeld und die wirtschaftliche Entwicklung sind zwei wichtige Faktoren für das Bibliothekswesen. In China kennen viele Leute nicht die Bedeutung der Bibliothek und der Information. Die Werbung für Bibliotheken ist eine langfristige Aufgabe. Der wirtschaftliche Standard in West- und Ostchina ist sehr verschieden. Selbst wenn das Gesetz in den östlichen Provinzen, die an der Küste liegen, gut [Seite 214↓]funktioniert, heißt es aber noch nicht unbedingt, dass das auch auf Westchina zutrifft. Ein Gesetz allein kann die Entwicklung der Bibliotheken nicht garantieren, sondern nur die allgemeine Weiterentwicklung ganz Chinas fördern.

5.1.6 Gründe für ein fehlendes Bibliotheksgesetz in China

Das fehlendes Bibliotheksgesetz ist in der Besonderheit der chinesischen Politik begründet. Der Aufbau oder Erlass von Gesetzen in China ist seit Jahren vernachlässigt worden. Das heißt, es gab und gibt zwar nicht viele Gesetze, sondern verschiedenen Ordnungen oder Regelungen, die aber tatsätzlich keine Gesetze sind.

In China unterstehen die Bibliotheken unterschiedlichen Organisation. Die einzelne zuständige Organisation kann nicht über andere Organisationen ein allgemeines Gesetz erlassen. Aus diesem Grund gibt es lediglich eine "Ordnung für Hochschulbibliotheken", die vom Bildungsministerium erlassen wurde, "eine Arbeitsordnung der Provinz- und Stadtbibliotheken" des Kulturministeriums und eine "Vorläufige Vorschrift der Bibliotheks- und Informationsarbeit der Academia Sinica". Diese gelten nur in ihrem eingeschränkten Bereich.21

Die Administration, die für Bibliotheken zuständig ist, ist nicht bereit, ein nationales Bibliotheksgesetz bei der Kommission des Volkskongresses zu beantragen. Ohne eine verbindliche Pflicht ist es für die Verwaltung und die Behörden leichter nach eigenem Ermessen Bibliotheken zu verwalten.

Das größte Hindernis bei der Durchsetzung eines Bibliotheksgesetzes sind die Behörden. Diese negativen politischen Rahmenbedingungen verhindern ein Bibliotheksgesetz und damit eine positive Entwicklung des Bibliothekswesens. Daher müsste notwendigerweise Werbung für die Bibliotheken in die Öffentlichkeit getragen werden. Es sollte nicht allein die Fachzeitschriften, sondern auch Veröffentlichungen in allgemeinen Zeitschriften und Zeitungen die Bürger über diese Notwendigkeit [Seite 215↓]informieren. Wenn die Gesellschaft erkannt hat, wie wichtig Bibliotheken für den Fortschritt sind, dann wird auch eine Gesetzgebung diese Entwicklung absichern. Daher zeigt sich, dass Bibliotheksgesetze nur unter einer bestimmten Struktur erfolgreich sind, wie es z.B. Regionale Library Boards in den angelsächsischen Ländern und in Australien möglich ist, die die bibliothekarische Arbeit koordinieren und evaluieren. Obwohl aber das Bibliotheksgesetz im Jahre 1993 in den Arbeitsplan des chinesischen Kulturministeriums aufgenommen wurde, ist der Weg zu seiner Realisierung noch sehr weit.

Wie oben dargelegt wurde, hat China seit 1979 eine ganze Reihe von Gesetzen und Richtlinien erlassen, z.B. auch für den Umweltschutz. Doch erst vor 15 Jahren konnte mit der Schaffung eines Ministeriums das Gesetz in den komplexen Zusammenhängen von Schadstoffbekämpfung und Naturschutz wirksam werden. Dennoch bleibt es weiterhin schwierig, die Vorschriften umzusetzen. Die Umweltprobleme sind in China immer größer geworden.22 Das Rechtssystem in China ist alles andere als vollkommen. Aus verschiedenen Gründen werden Chinas Gesetze gar nicht oder nicht streng genug angewandt. Man muss nicht nur um die Erlassung des chinesischen Bibliotheksgesetzes, sondern auch um die Realisierung kämpfen. Die Schaffung des Bibliotheksgesetzes geht mit der Verbesserung des Rechts- und Regierungssystems einher, denn gute Gesetze bleiben erfolglos, solange es der politischen Führung am Willen oder an Mitteln zu ihrer Durchsetzung fehlt.

5.1.7 Weiterentwicklung

Bezüglich der Grundversorgung einer Bevölkerung wie China mit allen wichtigen Publikationen hat sich gezeigt, dass diese heute längst nicht mehr nur in gedruckter Form erfolgen kann. Insbesondere im wissenschaftlichen Bereich sind e-Books, e-Journals und online verfügbare Datenbanken unverzichtbar, um im internationalen wissenschaftlichen Wettbewerb mitzuhalten. Dabei können durchaus thematische [Seite 216↓]Schwerpunkte geschaffen werden, um nicht unbedingt auf allen Fachgebieten das gesamte Publikationsaufkommen importieren zu müssen.

Insbesondere bei vielen Unterentwickelten Ländern zeigt sich immer deutlicher die Notwendigkeit, sich in der Wissenschaft auf bestimmte Schwerpunkte zu konzentrieren, um sich dort entsprechend auch an der Weltspitze zu profilieren.

Im Bereich der Öffentlichen Bibliotheken spielen dagegen gedruckte Bücher eine noch weitaus größere Rolle. Für deutsche Verhältnisse kann man in erster Näherung feststellen, dass die Benutzung von Büchern in Öffentlichen Bibliotheken um den Faktor zehn höher liegt als in Wissenschaftlichen Bibliotheken.23 Dies dürfte aber erfahrungsgemäß kein lokal deutsches Phänomen sein, sondern vielmehr eine Frage des Lesebedarfs, denn ohne Zweifel haben ÖBs Bestände, die eine weitaus größere Leserschaft als Zielgruppe haben, als wir dies bei WBs beobachten. In erster Näherung sprechen daher die internationalen Erfahrungen dafür, dass auch in China als grobe Zielmarke die Zahl von zwei Büchern pro Kopf anzustreben ist. Neben diesen gedruckten Angeboten, werden aber auch in den ÖBs Computer, Datenbanken und Multimediaangebote eine wachsende Rolle spielen, wobei es nicht ganz unwichtig ist, ob die Trennung zwischen ÖBs und WBs in so differenzierter Form geschieht, wie das in Deutschland der Fall ist, oder in etwas stärker abgeschwächter Form, wie wir es aus angloamerikanischen Ländern kennen, wo die Public Libraries im Bereich der Fachliteratur durchaus einen Teil der Wissenschaftlichen Bibliotheken übernehmen. Einen solchen Trend beobachten wir allerdings auch in Deutschland, wo der Anteil an Fachbüchern in den ÖBs seit Jahren stetig steigt.

Dass die Zahl der Bücher pro Kopf der Bevölkerung international betrachtet nur sehr begrenzt von der jeweiligen Alphabetisierung abhängt, und weit mehr von den finanziellen Mitteln eines Staates, lässt sich leicht einsehen, wenn man bedenkt, dass Länder mit einer hohen Rate an Analphabeten dringend Bücher brauchen, um diesen Notstand zu beseitigen, während in Ländern mit geringem Anteil an Analphabeten, die jeweils neu heranwachsenden Generationen möglichst rasch an das Buch herangeführt werden müssen. Im Hinblick auf die ÖBs erscheint daher ein [Seite 217↓]Wert von 2 Büchern pro Kopf in erster Näherung vernünftig. Alle weiteren Informationsbedürfnisse sind dagegen eher von WBs abzudecken.

Auch die Bevölkerungsdichte spielt dabei nur in begrenztem Rahmen eine Rolle, weil schon Dörfer oder Gemeinden mit einem Einzugsbereich von 5.000 Einwohnern zur Bildung einer Bibliothek Anlass geben. Gerade solche quasi One-Person-Libraries können heute, dank der zunehmenden Digitalisierung, den Bedarf an weitergehenden Informationen auf elektronischem Wege abdecken.

Wie stark die jeweilige historisch gewachsene Kulturlandschaft einen Einfluss auf das Bibliothekswesen hat, zeigt sich gerade an dem Vergleich zwischen dem Bibliothekswesen Deutschlands und Chinas sehr schön, weil dieses große Land mit einer eigenen und sehr alten Kultur eindeutige Charakteristika aufweist, die aber trotzdem, und immer deutlich Sichtbar, auch die internationalen Entwicklungen in sein Bibliothekswesen integrieren muss, weil Bibliotheken grundsätzlich, und die Digitale Bibliothek insbesondere, das Wissen dieser Welt synoptisch darbieten muss.

Auch wenn die Synopse des menschlichen Wissens in Bibliotheken weder durch ideologische noch religiöse Schranken behindert werden darf, so bedeutet dies nicht, dass sie nicht die Aufgabe hätten, auf die Qualität ihres Angebotes zu achten.

Bibliotheken waren und sind ökonomisch im Sinne der Volkswirtschaft, solange die Buch- und Zeitschriftenpreise hoch und die Personalkosten in den Bibliotheken vergleichsweise niedrig sind. Außerdem darf die Nähe zu den Lesern nicht vernachlässigt werden, da die Kosten für den Zugriff auf ein Buch mit wachsender Entfernung in mehrfacher Hinsicht steigt.

Bei steigenden Personalkosten müssen Bibliotheken durch massive Rationalisierung ihre Wirtschaftlichkeit erhalten. Sie haben dies international betrachtet durch das gesamte letzte Jahrhundert hindurch erfolgreich betrieben.

Was die Buch- und Zeitschriftenpreise anbelangt, so muss man deutlich unterscheiden, zwischen ÖBs und WBs. Während Bücher in WBs vergleichsweise preiswerter werden, bezüglich der allgemeinen Lebenskosten bzw. des sogenannten Warenkorbs, steigen die Preise von wissenschaftlichen Büchern und insbesondere [Seite 218↓]die von Zeitschriften zur Zeit erheblich an. Insofern ist die volkswirtschaftliche Bedeutung von Bibliotheken keineswegs gefährdet.

Länder, am Beginn der Industrialisierung haben im wissenschaftlichen Bereich im allgemeinen mit einem sehr zentralisierten Bibliothekswesen (meist mit einer landesweiten Zentral- oder Nationalbibliothek) begonnen, um dann mit der Ausbreitung von immer mehr Universitätsbibliotheken ein ganzes Informationsversorgungsnetz zu knüpfen. Deutschland ist in diesem Zusammenhang mit seinen sogenannten Sondersammelgebieten ein besonders eigens, aber auch interessantes Beispiel.

Diese Vernetzung von Bibliotheken gewinnt nun durch die Konzeption der Digitalen Bibliothek, bei der Dokumente zunehmend rasch und preiswert per Internet ausgetauscht werden, an Bedeutung. Dass ein Land wie China, mit seiner beeindruckenden geografischen Ausdehnung, an dieser Entwicklung besonders partizipieren kann, liegt auf der Hand.


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5.2  Gemeinsame Nutzung von Informationen

5.2.1 Die Notwendigkeit der gemeinsamen Nutzung von Informationen

5.2.1.1 Die Preissteigerung von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen

Wie auch in anderen Ländern ist der Buchpreis in China sehr gestiegen. Einer Statistik von der „Xinhua Buchhandlung“ zufolge ist der Preis von 1985 bis 1989 um fast 200% gestiegen. Von 1990 bis 1991 stieg er um weitere 10%. Seit 1988 beträgt die Steigerungsrate für Zeitschriften 30 bis 40%. Deshalb haben fast alle Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen nicht genügend Geld für die Erwerbung. Selbst die Nationalbibliothek Chinas konnte im Jahr 1995 30% weniger ausländische Zeitschriften kaufen als im Vorjahr. In den deutschen Universitätsbibliotheken ist auch aufgrund der Preissteigerungen der Anteil ausländischer Literatur von etwa 57% (1990) auf 37% (1995) zurückgegangen.24 „Das Informations- und Dokumentationszentrum der Academia Sinica“ ist auch ein gutes Beispiel dafür.25

Tabelle 13: Die Erwerbung ausländischer Literaturen im Jahre 1980 und 1994

Jahrgang

importierte Zeitschriften

importierte Bücher

Kosten(CN Yuan)

1980

5.377Titel

7.245Exemplare

1,45 Mio.

1994

1.522 Titel

1.381 Exemplare

7,89 Mio.

In der Tabelle sieht man, dass sich das Verhältnis zwischen der Erwerbung und den Kosten in 15 Jahren sehr geändert hat. 1994 konnte nur ein Fünftel der Bestände von 1980 gekauft werden, trotzdem betrugen die Kosten schon über das Fünffache von 1980. Wären 1994 so viele Medieneinheiten wie 1980 erworben worden, hätten [Seite 220↓]40 Mio. Yuan ausgeben werden müssen, was zu einer unglaublich großen finanziellen Belastung geführt hätte.

Die folgende Tabelle zeigt den durchschnittlichen Preis und die Steigerungsrate der Bücher, die 1991-1995 von der Anyang Stadtbibliothek (in der Provinz Henan) erworben wurden:

Tabelle 14: Die Preissteigerungsstatistik der Anyang Bibliothek

Jahrgang

Preis jedes Buches (durchschnittlich CN Yuan)

Steigerungsrate (%)

1991

7,64

 

1992

8,74

14

1993

10,42

19

1994

11,99

15

1995

16,31

36

Die durchschnittliche Preissteigerungsrate betrug 21%. Bei Zeitschriften lag sie sogar bei 37%. Einer Statistik von „Guangming Daily“ (Guangming Ribao) nach stiegen die meisten Preise der 150 bedeutendsten Zeitschriften. Vor allem die geisteswissenschaftlichen Zeitschriften wie z.B. der „Romanist“ sind davon betroffen. Ihre Preissteigerungsrate betrug 88%.

Tabelle 15: Die Erwerbungen zwischen 1992-1995 an der Anyang Bibliothek

Jahrgang

Erwerbung (Titel)

Erwerbung (Exemplare)

1992

2.258

4.819

1993

1.616

3.363

1994

1.564

2.947

1995

949

1.841

Die Stadt Anyang hat 500.000 Einwohner. Auf einen Einwohner entfiel im Jahr 1994 nur 0,0059 neue Bücher. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Durchschnitt (0,4 Neuerwerbungen/Kopf/Jahr). Die Stadtbibliothek enthält 300.000 Bestände, die aber meist vor 1991 erworben werden. Seitdem wurden weniger als 50.000 Exemplare (in China oft Bücher und Zeitschriften) erworben. Im Vergleich mit Deutschland ist die Situation schlecht. Einer Untersuchung an der Universitäts- und Stadtbibliothek in Köln nach konnten 75% der Bestellungen, die die Literatur aus den Jahren vor 1950 betrafen, positiv erledigt werden, während es bei der Literatur von 1990-1994 nur [Seite 221↓]noch 47% waren.26 Mit so einer geringen Zahl an Beständen kann die Anyang Bibliothek natürlich keine Leser anziehen. Die Stadt Anyang und ihre fünf Umkreise haben insgesamt 5,18 Mio. Einwohner. Neben der Stadtbibliothek existieren dort 5 Kreisbibliotheken, dass bedeutet, dass auf 863.000 Einwohner eine Bibliothek kommt.

1999 wurden in China 14.831 Buchtitel, 8.187 Zeitschriften und über 2.000 Zeitungen veröffentlicht. Wenn die Anyang Stadtbibliothek nur 10% davon erwerben wollte, müsste sie 10.000 Bücher, 1.000 Zeitschriften und 200 Zeitungen kaufen. Wenn sie 3 Exemplare von jedem neu erschienenen Inforamtionsmedium kaufen würde, müsste sie 123 Mio. CN Yuan ausgeben, bei einem durchschnittlichen Preis von 41 Yuan pro Buch 1999. Analog dazu wären es 354.000 Yuan für Zeitschriften, wenn eine Zeitschrift durchschnittlich 118 Yuan pro Jahr kostet, und 15.900 Yuan für Zeitungen, bei einem Preis von 266 Yuan pro Jahr. Insgesamt würde sie 174,36 Mio. Yuan benötigen. Aber tatsächlich standen ihr 26.000 Yuan zur Verfügung.27


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5.2.1.2  Doppelerwerbungen

Die Aufgaben der verschiedenen Bibliotheken sind sehr verschieden. Der Aufbau der Bestände richtet sich nach diesen Aufgaben, die einen gemeinsamen Aufbau der Bestände verschiedener Bibliotheken nach sich ziehen sollte. In China werden aber gleiche Titel in ähnlichen Bibliotheken erworben. Zum Beispiel kauft die Zweigbibliothek oft die gleichen Zeitschriften wie die zentrale Universitätsbibliothek. Die Rate der Mehrfachanschaffungen beträgt insgesamt sogar 80%. Es existieren durchschnittlich 8 Exemplare eines importierten Titels. Über die Hälfte der Zeitschriften werden sowohl in der Nationalbibliothek als auch dem chinesischen „Institut für Information der Wissenschaft und Technologien“ (Zhongguo Keji Qingbao Shuo) erworben. Die gleichen Konferenz-Berichte wurden ebenfalls in beiden Bibliotheken erworben.28 Die wiederholte Erwerbung ist ein großes Problem für den immer teuerer werdenden Papier- und Buchmarkt. Der Erwerbungsteil der Gesamtmittel ist weniger geworden. 1980 war ein Jahr der bedeutenden Steigerung für den Etat der Öffentlichen Bibliotheken. Insgesamt wird er mit 54 Mio. Yuan (ca. 6 Mio. US$) angegeben (darin auch für die NBC). Sie verwendet 62,7% ihres Gesamtetats für den Erwerbungsetat.29 Der Statistik nach betrug 1996 die Gesamtausgabe für Erwerbungen in den Öffentlichen Bibliotheken 196 Mio. Yuan (24 Mio. US$) und damit weniger als 30% der gesamten staatlichen Finanzleistungen für Bibliotheken. Die Rest der Finanzleistungen (74%) waren veranschlagt für Personalkosten, Renovierung der Gebäude und Sachmittel.30 Selbst eine kleine Bibliothek ist immer bemüht, ihren Bestand möglichst vollständig aufzubauen. Die Ursache liegt in der Wertung des möglichst umfassenden Bestandes, als ein wesentliches Kriterium für den Entwicklungstand einer Bibliothek, unabhängig von ihrer Größe und Funktion.


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„Inzwischen macht man sich auch Gedanken, wie man die Erwerbung durch regionale Zusammenarbeit verbessern kann. Man gründet gemeinsame Erwerbungskomitees mehreren Bibliotheken, und bestimmte spezielle Sammelgebiete für die Region. Vorschläge dazu beziehen sich sowohl auf eine Organisierung nach Bibliotheksgruppen oder nach fachspezifischen Gesichtspunkten. Zumeist scheint sich diese Koordination aber mehr auf dem Papier zu befinden, als dass sie schon Realität ist“.31 Diese Situation hat sich nach Bemühungen von der Regierung und Bibliotheken etwas verbessert.

5.2.1.3 Mangelnde Informationsressourcen

Der Gesamtbestand in China wird auf 2 Mrd. Bücher und Zeitschriften geschätzt. Pro Kopf stehen weniger als zwei Bücher bzw. Zeitschriften zur Verfügung. 10% des Gesamtbestandes machen ausländische Titel aus. China importiert jährlich ca. 100.000 Buchtitel und 30.000 Zeitschriftentitel. Auch Datenbanken sind eine wichtige Informationsquelle. China hat ca. 1.000 Datenbanken ins Internet gestellt, 10% der weltweiten Datenbanken. Vom Inhalt her machen die chinesischen Datenbanken aber nur 1% der weltweiten Datenbankproduktion aus. Selbst von diesen wenigen Datenbanken werden nur 10% regelmäßig aktualisiert und oft benutzt. Die Relation der inländischen zu den ausländischen Datenbanken, die Chinesen benutzen, beträgt 1:19. Fremdsprachen Kenntnisse sind aber wenig verbreitet, weniger als ein Drittel der Internetnutzer haben keine Schwierigkeiten, fremdsprachige Datenbanken zu verwenden. Deshalb beklagt fast die Hälfte der chinesischen Internetnutzer, dass es zu wenige chinesischsprachige Inhalte im Internet gibt.32

Eine ausgewogene Informationsversorgung in den Regionen ist nicht gegeben.Die ersten zehn Provinzen und Städte mit besserer Informationsversorgung sind Beijing, Shanghai, Hubei, Jiangsu, Gongdong, Liaoning, Tianjin, Zejing, Fujian und Sichuan. Sie sind auch wirtschaftlich stärker entwickelt als andere Orte und befinden sich meistens im Osten. Die Rate der Informationsressourcen in Ost- Mittel- und [Seite 224↓]Westchina beträgt 14,6; 4,9 bzw. 1. Das ist auch von Fach zu Fach verschieden. So fehlt für fast die Hälfte der 270 Fächer Literatur.33

5.2.1.4 Niedrige Nutzungsfrequenz

Die Erwerbung kostet also immer mehr Geld. Die Bestände werden aber nicht mit steigender Tendenz genutzt. Unter Benutzung ist hier die Registrierung einer Ausleihe gemeint, einer Kopie, einer Online-Recherche, also alles was man auf einem Protokoll nachweisen und analysieren kann. Wie aber schon gezeigt wurde, wird die meiste ausländische Literatur, insbesondere Zeitschriften, nicht ausgeliehen. So ist diese Statistik sehr niedrig, weil der Leser die Zeitschriften nur im Lesesaal durchblättert, was ja auch eine Art von Benutzung ist. Es wird geschätzt, dass die Hälfte des Bestandes der Spezialbibliotheken34 und ca. 70% des Bestandes der Öffentlichen Bibliotheken überhaupt nicht oder nur wenig genutzt werden. Das betrifft vor allem die fremdsprachigen Bücher und Zeitschriften. Fast 70% davon werden nicht genutzt.35 Zum Beispiel kauft die Bibliothek an der medizinischen Hochschule in Wenzhou, in der Provinz Zhejiang, jährlich ca. 1.000 fremdsprachige Exemplare. [Seite 225↓]Nur 10% davon werden benutzt. Die folgende Tabelle beinhaltet die statistischen Benutzungsdaten der Bibliotheken in Henan im Jahr 1999:36

Tabelle 16: Die Statistischen Benutzungsdaten der Bibliotheken in Henan im Jahr 1999

 

Zahl

Bestände (Exemplare)

benutzt

Provinzbibliothek

1

2,48 Mio.

0,4 Mio.

Stadtbibliotheken

16

4,52 Mio.

2,0 Mio.

Kreisbibliotheken

116

4,90 Mio.

4,8 Mio.

Insgesamt

133

20 Mio.

72 Mio.

In der Provinzbibliothek werden nur 20% der Bestände und in Stadtbibliotheken ca. 50% genutzt.

5.2.2 Notwendige Schritte um Informationen gemeinsam zu nutzen

5.2.2.1 Bei der Erwerbung und Angebotsservice

5.2.2.1.1 Erwerbung

Teure und gefragte Titel sollten als Mehrfachexemplare beschafft werden.

Teure aber nicht nachgefragte Titel sollten nur in einen Exemplar vorhanden sein. Sie sollten von der zentralen Bibliothek erworben werden.

Spezielle Titel sollten von Spezialbibliotheken und entsprechenden Einrichtungen erworben werden.37


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5.2.2.1.2  Angebotsservice

Bestände und Ressource im Internet: Bibliotheken können mit unter sehr gefragte Titel nicht anbieten, weil ihre Bestände immer begrenzt sind. Als Aushilfe sollte deshalb das Internet zur Verfügung stellen.

Fachinformationszentren und Spezialbibliotheken sollten einige Grundwerke der Spezialliteratur anbieten. Darüber hinausgehende Werke der Spezialliteratur könnten im Internet angeboten werden.

Wenn man Materialien sucht, sollte man wie folgt vorgehen: Fachinformationszentrum oder Spezialbibliothek, Zentrum vor Ort, Zentralbibliothek Chinas und dann ausländischer Literatur, um Zeit und Geld zu sparen.38

5.2.2.2 Programme zur gemeinsamen Nutzung von Informationsressourcen

China hat im September 1957 ein „Dokumentationskoordinierungsprogramm“ ins Leben gerufen. In Peking und Shanghai wurden zwei Zentralbibliothekskommissionen eingerichtet, die die Zusammenarbeit der Informationsressourcen innerhalb Chinas koordinieren sollten. Auf Grund der kulturellen Revolution wurde die Arbeit im Jahre 1966 unterbrochen. In den 80er Jahren wurde die Zusammenarbeit wieder aufgenommen und eine neue Koordinierungskommission eingerichtet. Die Koordinierungskommission half bei der Automatisierung und dem Aufbau der Bibliotheksdatenbanken. Auf Grund der Einschränkung des Verwaltungssystems wurde die Zusammenarbeit von Seiten der Bibliotheken noch nicht aufgenommen. Im Januar 1999 wurde ein neues Konzept über die „Zusammenarbeit der Informationsressourcen Chinas“, das von der Nationalbibliothek Chinas organisiert wurde, unterzeichnet. Unter den Unterzeichnenden befanden sich 120 Bibliotheken, darunter 43 Öffentlichen Bibliotheken. Seit den Abschluss dieses Vertrags läuft die Zusammenarbeit besser.

Shanghai bietet dafür ein gutes Beispiel. Im Jahre 1994 wurde von 19 wissenschaftlichen Bibliotheken das „Shanghaier Informationsressourcennetz (SIRN) (Shanghai Xinxi Ziyuanwan) ins Leben gerufen. Es hat die Aufgabe, die Erwerbung und die Fernleihen zu koordinieren und Weiterbildungen anzubieten. Bis zum Mai [Seite 227↓]1998 stieg die Mitgliederanzahl auf 30 an, darunter befinden sich fast alle wissenschaftlichen Universitäts- und Öffentlichen Groß- und Mittelbibliotheken in und um Shanghai. Durch die verbesserte Koordinierung konnte folgendes erzielt werden:

Bibliotheken erwarben weniger Dubletten (Bücher, die schon mehrfach erworben worden sind). Dadurch konnten im Jahre 2000 1,06 Mio. Yuan gespart werden. Die Zahl der fremdsprachigen Zeitschriften stieg auf 900 Titel.

Es wird eine Online-Fernleihe und von der Universität ein Magister-Aufbaustudium des Faches Bibliothekswissenschaft für Mitglieder angeboten.

Shanghai ist die größte Stadt Chinas und hat 13 Mio. Einwohner. Shanghai könnte sich zu einem Zentrum Chinas für Ökonomie, Finanzwesen, Handel und Verkehr entwickeln. Dazu wird ein gut funktionierendes Bibliothekssystem benötigt. 2001 hatte Shanghai 35 Öffentlichen Bibliotheken mit insgesamt 20 Mio. Medieneinheiten. Sie werden allen durch eine Computersoftware verwaltet. 70% von ihnen bieten einen Internet Service an. An den 31 Universitäten in Shanghai studieren 200.000 Studierende. Die 31 Universitätsbibliotheken besitzen insgesamt 30 Mio. Medieneinheiten. Außerdem kommen noch 12 wissenschaftliche Bibliotheken hinzu. Die Koordination ist notwendig für die Zusammenarbeit zwischen den 78 Bibliotheken mit insgesamt 60 Mio. Medieneinheiten.39 Durch diese Zusammenarbeit vereinigen die Bibliotheken ihre Bibliographien mittels des Internets. UACN-UC (central) und UYCN-UC (member) machen das vereinigte Bibliographie-Zentrum aus.

2001 hat das Institut für Bibliothekswissenschaft der Peking Universität eine Umfrage über „the cooperative development and sharing of information resources in Chinese libraries in the network environment“ gemacht. 51% der zugeschickten Fragebögen wurden von 30 Provinzen sowie von Öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken zurückgeschickt. Dieser Umfrage nach haben 88% der Bibliotheken eine Fernleihe.

45% der Bibliotheken bieten diesen Service per Post, 28% per Post und Fax; 15% per Post und Email an.


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28% der Kosten wurden von der Bibliothek bezahlt, 41% von Lesern,31% von Bibliotheken und Lesern. 45% der Bibliotheken sind der Meinung, dass die Fernleihe langsam ist und 15% sind die Kosten zu hoch.

55% der Bibliotheken haben Zugang zu bibliographischen Informationen der anderen Bibliotheken Mittels des OPACs, 24% durch gedruckte Biobliographien oder Karteien, 13% durch das Telefon oder über Datenbanken.

Vergleicherweise ist die Zusammenarbeit der Bibliotheken auf dem Gebiet der Fernleihe am weitesten entwickelt und zwar durch das Internet und die Vermittlungswege der Bibliographien.40

Das vereinigte chinesische bibliographische Zentrum wurde im Oktober 1997 gegründet. Nach sechs Monaten gab es schon 55 Mitglieder und enthielt 800.000 bibliographische Angaben.

Die sogenannte Virtuelle Bibliothek wurde im Juli 1998 von der chinesischen Nationalbibliothek ins Leben gerufen, in der man 150.000 Titel mit über 30 Mio. Seiten online lesen kann. Bis Ende 1998 wurden diese Informationen von ca. 11 Mio. Benutzern in 80 Ländern abgerufen.

„Das chinesische Zeitschriften-Netz“ wurde im Juni 1999 gegründet. Über 6.600 chinesische und ausländische Zeitschriften wurden ins Internet gestellt und können so genutzt werden.

China arbeitet auch mit ausländischen Bibliotheks- und Informationsorganisationen zusammen z.B. mit dem OCLC. Die Tsinghua Universität arbeitet mit dem amerikanischen Ingenieur-Informationszentrum zusammen und darf daher seit 1971 alle ihrer Patentdokumente benutzen. Sie bietet ihren Benutzern diese im Internet an.41


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5.3 Institutionelle Ausbildung für die Bibliothekswissenschaft in China42

5.3.1 Von 1920 bis 1990: Gründung und Weiterentwicklung

Die erste bibliothekarische Ausbildungsstätte „Boone Library School“ wurde 1920, nach dem amerikanischen Bibliotheksbildungsmodell, von Miss Mary Elisabeth Wood (1861-1931, ihr chinesischer Name lautet WEI Lihua) und ihrem Studierende Sheng Zurong (1884-1977) in Wuchang (heute Wuhan in der Provinz Hubei) gegründet. Diese wurde später in “Wenhua Institut für Bibliothekswissenschaft„ umbenannt und innerhalb der Wuhan Universität angesiedelt.43 Außerdem wurde durch Miss Mary Elisabeth Woods Bemühungen und Einflussnahme der chinesische Bibliotheksverein in Shanghai gegründet, der die Entwicklung des chinesischen Bibliothekswesens im 20. Jahrhundert weitgehend beeinflusst hat.44

Das Fach Bibliothekswissenschaft wurde 1947 an der Beijing Universität eingerichtet. Bis zur Gründung des neuen China (1949) wurde das Fach zwar noch an weiteren Fakultäten etabliert, z.B. an der Beijing University, Shanghai University, Jilin University. Aber nur an der Wuhan und der Beijing Universität blieb das Fach bestehen. In der Kulturrevolution wurde der Lehrbetrieb an vielen Universitäten und Fachhochschulen unterbrochen oder komplett eingestellt. Betroffen war damit auch das Fach Bibliothekswissenschaft. In der Beijing und der Wuhan Universität, die während der Kulturrevolution die beiden einzigen Bildungseinrichtungen für Bibliothekswissenschaft waren, ist der Lehrbetrieb des Faches komplett oder teilweise unterbrochen worden.


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Nach der Kulturrevolution ist Wissen und Lernen wieder wichtig geworden. Bibliotheken wurden wieder aufgebaut, aber es mangelte an Fachkräften. „Wie in den vorhergehenden Ausführungen schon dargelegt, wird von chinesischer Seite die fehlende Hochschulbildung und bibliothekarische Ausbildung als gegenwärtiges Hauptproblem für die weitere Entwicklung der Bibliotheken angesehen.“, schreibt C. Lux dazu.45 1977 und 1979 wurden sowohl an der Wuhan als auch der Beijing Universität wieder Studierende für das Fach im Diplom- und Magisterstudium aufgenommen.

Von 1978 bis 1984 wurde das Fach an 13 Universitäten eingerichtet. Der Magister wird außer an der Wuhan und Beijing Universität auch an der Bibliothek der Academia Sinica und der Zhongshan Universität angeboten. Bis 1990 wurde das Fach Bibliothekswissenschaft an 30 Universitäten eingerichtet. Das größte Institut für „Library and Information Science“ an der Wuhan Universität hat vier Fächer mit Diplomabschluss, nämlich „Bibliothekswissenschaft, „Science and Technology Information“, „Archivwissenschaft“ und „Buch“. Zwei Fächer für Master „Bibliothekswissenschaft“ und „Science and Technology Information“ und ein Fach „Information“ für den Doktortitel. Das Institut hat insgesamt 121 Mitarbeiter, davon sind 27 Professoren sowie Assistenzprofessoren und 43 Dozenten. Unter den über 600 Studierenden haben bereits 55 den Master erzielt und fünf schreiben an ihrer Dissertationen.

Neben der direkten Hochschulausbildung gibt es auch das Fernstudium, für das zwischen 1980 und 1990 über 6.000 Studierende angemeldet waren. Den Fernlehrgang führt die Nationalbibliothek für das ganze Land durch, daneben bieten die großen Universitäten (Wuhan Universität, Zhongshan Universität und Peking Universität) Kurse von zwei Jahren an. Der Inhalt dieser Ausbildung umfasst die Fächer Katalogisierung, Klassifikation, Materialorganisation- und Lagerung, Benutzerdienste, sowie die Anwendung der neuen Technologien in der Bibliothek. Die Anschlussprüfungen finden in Beijing statt oder in den Städten, wo die Universität sich befinden. Dieser Fernstudiengang spielt eine große Rolle, besonders da China ein riesiges Land ist und die Ausbildungschancen in der Stadt und auf dem Land nicht gleich sind.


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5.3.2  Die Entwicklung seit 1990: Die Veränderungen und die Zukunft

Seit 1990 erfuhr das Fach Bibliothekswissenschaft so wie auch anderen Ländern große Veränderungen. Die Gründe sind nicht nur in den USA oder Europa, sondern auch in China selbst zu suchen, und liegen hauptsächlich in der raschen sozialen Wandlung innerhalb der chinesischen Gesellschaft. Die Veränderungen sind folgende:

5.3.2.1 Die Veränderungen des Faches

1.) Die Umbenennung des Faches

Vor den 90er Jahren hieß das Fach „Library Science“ (auf Chinesisch: Tushuguan Xue) oder „Library and Information Science” (Tushu Qingbao Xue). Ende der 80er Jahre wurde die Studienfachbezeichnung in „Integration der Fächer Bibliothekswissenschaft, Information und Archivwissenschaft“ ungeändert. Die drei Fächer hatten eigene Lehrveranstaltungen, Vorlesungen und Seminare, die von allen Studierenden der drei Fächer besucht werden sollten. Aber sie hatten auch viele allgemeine Vorlesungen und Seminare z.B. „Grundkenntnisse der Bibliothekswissenschaft“, „Bibliographie“, „Chinesische Auskunftsmittel“. Außerdem wurden immer mehr Lehrveranstaltungen für Wirtschaft und Informatik hinzugefügt

z.B. „Moderne Technologien und Bibliotheken“. 1992 wurde die Bezeichnung für das Fach zuerst in der Beijing Universität geändert – von „Department of Library and Information Science“ zu „Department of Information Management“. Wegen des großen Einflusses dieser herausragenden Universität wurden in den nächsten drei Jahren, bis zum März 1995, die Namen des Studienfaches in den 26 „Departments“46 geändert, entweder in „Department of Document and Information Management“ oder in „Department of Information Industry“.


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2.) Die Integration mit anderen Fächern oder Institutionen

Ein Trend an den chinesischen Hochschulen ist, dass sich mehrere Departments zu einem Institut miteinander verbinden (auf Chinesisch heißt es „Yuanxi Hebing“). Ob diese Verbindung positiv oder negativ für die Entwicklung des Faches ist, kann man heute noch nicht beurteilen, aber es scheinen sich eher negative Auswirkungen abzuzeichnen. Das Department of Information Management an der Pädagogischen Huadong-Universität (Huadong Normal University) ist bemüht, eine Verbindung mit der „Institution of International Business“ herzustellen. Die „Institution of Library and Information“ an der Wuhan Universität, die größte Institution für Bibliothekswissenschaft Chinas, wurde mit der „Institution of News“ (Xinwen Xueyuan) verbunden und heißt seitdem „Institution of Massmedia and Knowledge Information Management“ (Dazong Chuanbo yu Zhishi Xinxi Guangli). Sie erhofften sich, dass dieser Verbund mit diesem starken Fach oder zumindest mit dem Institut die Bibliothekswissenschaft stärken wird. Doch schien sich dieser Wunsch nach einem Verbund nicht zu erfüllen, weil man das Fach Bibliothekswissenschaft für vergleichsweise unwichtig hält, und seine Position daher schwach ist.

5.3.2.2 Die Veränderung der Studiengänge

1.) Die Anzahl der bibliothekswissenschaftlichen Ausbildungseinrichtungen hat insgesamt abgenommen. Dies geschah sowohl in den USA, auch in China und anderen Ländern. Seit 1998 ist die Zahl der Hochschulen mit einem Diplomstudiengang für Bibliothekswissenschaft von 50 auf 20 gesunken. An einigen Hochschulen wird das Fach zwar noch angeboten, aber es ist ein Auslaufmodell, weil keine Immatrikulation mehr möglich ist. Deshalb ist die Anzahl der Studierenden für Bibliothekswissenschaft wesentlich geringer geworden.

2.) Andererseits wurde das Niveau für die Ausbildung angehoben. Die Hochschulen mit einer Masterausbildung in Bibliothekswissenschaft wurden von 18 auf 31 erhöht und jene für die Erwerbung des Doktortitels von zwei auf sechs. Es besteht also Nachfrage an Fachleuten mit einer höheren Ausbildung in diesem Bereich.


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5.3.2.3  Gründe der Veränderungen

1.) Seit den 80er Jahren wurde das Fach in vielen Hochschulen eingerichtet. Bis zum Anfang der 90er Jahre wurde das Problem der mangelnden Fachleute als Folge der Kulturrevolution langsam gelöst. Bis 1998 gab es ca. 10.000 Studierende im Studiengang Bibliothekswissenschaft. 1980 gab es insgesamt nur ein wenig mehr als 1.000 Studierenden.47 Nach fast 20 Jahren ist die Studierendenzahl um das zehnfache gestiegen. Jedes Jahr schließen ca. 2.000 das Studium ab. Die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter ist seit Anfang der 80er Jahre von ungefähr 100 auf 1.000 gestiegen.48

2.) Die fortschreitende Entwicklung der Marktwirtschaft dagegen führt wieder zu sinkenden Studierendenzahlen und einem Qualitätsabfall. Die Regierung hat innerhalb der Zeit des Wandels die Entwicklung der kulturellen Einrichtungen wie Bibliotheken finanziell nicht gesichert. Einige Fachleute sind in andere Bereiche mit größeren Verdienstmöglichkeiten abgewandert. Der Beruf des Bibliothekars verliert dadurch seine Anziehungskraft. Daher haben auch immer weniger Studierende das Fach als Perspektive für ihre zukünftige Arbeit ausgewählt. Einige junge Dozenten sind in die USA oder nach Europa gegangen. Nach Schätzungen von Herrn Prof. CHENG Huanwen arbeiten zurzeit mindestens zehn Dozenten an Instituten für Bibliothekswissenschaft in den USA (ausgenommen sind dabei diejenigen, die in den USA das Fach studiert haben und danach dort geblieben sind).

3.) Seit Mitte der 90er Jahren wurde eine wichtige Reform in den chinesischen Universitäten und Hochschulen umgesetzt, nämlich die Einführung der Studiengebühren. Das heißt, dass Studierende in China für ihre Ausbildung bezahlen müssen. Nach der Universitätsausbildung dürfen sie sich nun die Arbeit selbst auswählen, was zuvor nicht möglich gewesen ist. Diese zwei Veränderungen an den chinesischen Hochschulen haben allgemeine Auswirkungen für das Fach. Die Studierenden fordern eine zukünftig gut bezahlte Arbeit. Die notwendige Eigeninvestition in ihre Ausbildung verstärkt diesen Anspruch. Die Studierenden der [Seite 234↓]Bibliothekswissenschaft haben später auch die Möglichkeit, nicht nur als Bibliothekare zu arbeiten, sondern ebenso in anderen Berufsfeldern. Einer Statistik nach arbeiteten 90% der Studierende des Instituts für Bibliothekswissenschaft der Beijing Universität nach dem Studium von 1986 bis 1988 in verschiedenen Bibliotheken. Zwischen 1990 bis 1992 waren es nur noch 22% und 1994 nur 16%. In China haben junge Menschen immer noch weniger Chancen, sich in der Universität weiter zu bilden. An Hochschulen hingegen ist es momentan noch nicht problematisch, exzellente junge Leute zu rekrutieren. Die Steigerung der Anziehungskraft der bibliothekarischen Ausbildung auf jungen Menschen kann nur über eine Qualitätssicherung geschehen.

5.3.3 Bibliothekar als Beruf in China

Wenn man von bibliothekarischerAusbildung redet, sollte man auch das Image des Berufs im Blick haben. Dieses wirkt auch auf die Studierende des Faches Bibliothekswissenschaft, und beeinflusst die jungen Leute dahingehend, ob sie das Fach als Hauptstudium für drei oder vier Jahre studieren möchten. Eine gute Ausbildung und ein angesehener Beruf später sind zwei wichtige Aspekte für die Weiterentwicklung des Bibliothekswesens.

5.3.3.1 Das soziale Ansehen als Bibliothekar

Es scheint so, dass die soziale Stellung der Bibliothekare vor dem Jahre 1949 besser als heute war. Im Zeitraum: Juli 1926 - November 1927 wurde auf der Grundlage des Einkommens über die unterschiedlichen sozialen Stufen hinweg,, eine Umfrage durchgeführt.49 Es wurden 1.312 Befragte in 31 Berufen befragt. Damals verdiente man als Bibliothekar mit 100 Silber besser als ein hoher Angestellter (Einkommen 90 Silber monatlich), hochrangiger Lehrer (80 Silber) und Pfarrer (35-65 Silber). Im [Seite 235↓]Vergleich verdiente ein Arzt 125, ein Universitätsprofessor 280 Silber (Sie gehörten zu der höchsten Stufe).50

70 Jahre später wurde eine ähnliche Untersuchung vom Institut der Sozialwissenschaft der Tsinghua Universität durchgeführt: „Untersuchung über Berufsprestige in und um die Region Peking (1997-1998)“. Das Berufsprestige als Bibliothekar ist auf dem 58. Platz sogar schlechter als das des Friseurmeisters (36. Platz) oder des Kochs im Restaurant (45. Platz).51 Das ist einer der Gründe, warum die Studierenden, nach dem Bibliotheksstudium nicht gern in einer Bibliothek arbeiten.

Das bedeutet, dass Bibliothekare von der Gesellschaft noch nicht richtig gewertet werden und spiegelt die Bedeutung und Wichtigkeit der Bibliothek für die Massen wider. Aber wenn der Beruf von Bibliothekaren selbst nicht gut eingeschätzt wird, verschlimmert sich die Situation.

5.3.3.2 Wie bewerten Bibliothekarinnen und Bibliothekare ihre Arbeit?

Eine Untersuchung wurde 1996 unter Mitarbeitern in Universitäts- und Hochschulbibliotheken durchgeführt. Das Ergebnis ist nicht optimistisch. Fast die Hälfte der Befragten hofften, die Bibliotheken zu verlassen. 21% Befragte sind in den Bibliotheken geblieben, weil sie keine andere Wahl hatten. 32% der Befragten arbeiten in den Bibliotheken, weil sie Bibliothekswissenschaft im Hauptstudium studiert haben. Ein Viertel der Befragten arbeitet in den Bibliotheken, weil sie sich selbst verwirklichen möchten. 73% der Befragten wollten nicht, dass ihre Kinder auch in der Bibliothek arbeiten. Nur 12% bejahten ihren Beruf.52


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5.3.3.3  Geschlechterverteilung in den Bibliotheken

Wie die nachfolgende Tabelle zeigt, arbeiten in chinesischen Bibliotheken mehr Frauen als Männer. In China gilt es auch wie in Deutschland als eine typische Tätigkeit für Frauen.

Tabelle 17: Anteil der Bibliothekare und Bibliothekarinnen an den Hochschulbibliotheken in und um Guangzhou, in der Provinz Kanton (bis 29.09.2002)53

Bibliothek in

Männlich

Weiblich

Weiblich in%

Zhongshan Universität

33

136

80,47%

Huanan TU

27

99

78,57%

Hua Nan Normal Universität

27

65

70,65%

Hua Nan Uni. Für Agra.

14

46

76,67%

Ji Nan Uni.

10

66

86,84%

Guangzhou Uni.

33

89

72,95%

Durchschnitt

144

501

77,67%


Fußnoten und Endnoten

1 Wang, Zhenming und Kang, Jun. „Das Prozess der taiwanesischen Bibliotheksgesetzes“. Bibliotheksarbeit und Forschung 1 (2002): 1-4.

2 Liang, Pin. „Kurze Geschichte des Bibliotheksgesetzes „. Bibliotheksjournal von Henan 11 (2001): 76-79.

3 s.o.

4 „Seit 1979 hat sich das Rechtssystem umfassend und schnell entwickelt. Bis Ende 2001 haben der National Volkskongress und dessen Ständiger Ausschuss über 400 Gesetze und rechtliche Bestimmungen ausgearbeitet, der Staatsrat hat fast 1.000 Verwaltungsverordnungen erlassen, die lokalen Volkskongresse haben mehr als 10.000 lokale rechtliche Bestimmungen berühren die verschiedenen Bereiche wie die Politik, die Wirtschaft und die Gesellschaft, und ein relativ vollständiges Rechtssystem hat sich in China im Wesentlichen herausgebildet“. „China 2002“, a.a.O.: 51.

5 Kang, Anyu. “Shouting ‘finish class’ for keeping copy system”. Bibliothekaufbau 6 (2001): 10-12.

6 Jin, Aihong/Li, Feng. “Das Bibliotheksgesetz in China“. Bibliothekstheorie und Praxis 6 (2001): 12-14,33.

7 Liang, Pin. „Kurze Geschichte des Bibliotheksgesetzes „. Bibliotheksjournal von Henan 11 (2001): 76-79.

8 vergleiche dazu: Kadlecova, Ivana und Elisabeth Simon: Elektronische Informationen Möglichkeiten und Formen der Wissensorganisation am Beispiel von Konsortien. Berlin 2003: 66 f.

9 Simon, Elisabeth: Bibliothekswesen in England 1985: 18 ff

10 Liang, Pin. „Kurze Geschichte des Bibliotheksgesetzes „. Bibliotheksjournal von Henan 11 (2001): 76-79.

11 s.o.

12 Ewert/Umstätter, a.a.O.: 125.

13 Liang, Pin. „Kurze Geschichte des Bibliotheksgesetzes „. Bibliotheksjournal von Henan 11 (2001): 76-79.

14 Ewert/Umstätter, a.a.O.: 126 und 127.

15 siehe Kadlecova Ivana und Elisabeth Simon: a.a.O.: 2003: 63

16 vgl. Sun, Liping/Lu, Haiyan. „Rückblick zu dem Bibliotheksgesetz in Taiwan“. Journal of academic Libraries 6 (2001): 25-29 und 33.

17 Sun, Jilin. „Das Bibliothekswesen während der neunten Fünfjährigen Plan in Shanghai“. Library Journal 1 (2001): 1-3 und 13.

18 Jin, Aihong/Li, Feng. “Das Bibliotheksgesetz in China“. Bibliothekstheorie und Praxis 6 (2001): 12-14,33.

19 Jahrbuch chinesischer Bibliotheken 2001. Beijing Bibliothek Verlag.2001: 357 und 361, und Jahrbuch chinesischer Bibliotheken 1999, Beijing Bibliothek Verlag 1999: 260

20 vgl. Japan, Gerichtsgesetz. In: Japanischer Bibliotheksverein, Überblick der Gesetze und Vorschriften. 1992: 661.

21 Pei, Hongyan/Lai,Xiangrong. Forschung über das chinesische Bibliotheksgesetz in den letzten zehn Jahren. The Journal of the Library Science in China 5 (2000): 76-80.

22 Mehr dazu siehe: Becher, Jasper. „China: Der wilde Boom - Chinas 1.000 Sorgen“. National Geographic Deutschland. März (2004). S. 114-141. Inhalt erhältlich auch vom: www.nationalgeographic.de/links.

23 Umstätter, W. und Rehm, M.: Bibliothek und Evolution. Nachr. f. Dok. 35 (6) S.237-249 (1984).

24 Ewert/Umstätter, a.a.O.: 112.

25 vgl. Liang, Lingfang. „Informationsressourcen in den Bibliotheken“. Dokumentsaufbau. 11 (2000):23-25.

26 Ewert/Umstätter,a.a.O.: 112.

27 Zhao, xiujian/Zhan, Xiujian. „Forschung über die allgemeine Effektiven der Anyang Stadtbibliothek“. Henan wissenschaftliche Zeitschrift der Bibliotheken 11(2001): 9-12.

28 Vgl.: Sun, Yong/Wang. Weihua: Gemeinsamer Aufbau und gemeinsame Nutzung der Informationsressourcen im Internet. Moderne Technologien der Bibliothek 6 (2001): 25-30.

29 Lux, Claudia. a.a.O.: 71.

30 vgl. Sun, Yong/Wang. Weihua: Gemeinsamer Aufbau und gemeinsame Nutzung der Informationsressourcen im Internet. Moderne Technologien der Bibliothek 6 (2001): 25-30.

31 Lux, Claudia. a.a.O.: 77.

32 Sun, Yong/Wang. Weihua: Gemeinsamer Aufbau und gemeinsame Nutzung der Informationsressourcen im Internet. Moderne Technologien der Bibliothek 6 (2001): 25-30.

33 s.o.

34 Spezialbibliothek heißt in China mehr das Bibliothekssystem der chinesischen Akademie der Wissenschaften (Academia Sinica) und anderer. Die Bibliothek der Academia Sinica wurde am 28. April 1950, kurz nach der Gründung des neuen China, in Beijing gegründet und hat sich inzwischen zu einem Bibliothekssystem entwickelt, dem über 140 Bibliotheken und Informationsstellen angehören. Die anderen gehören zum großen Teil zu den verschiedenen zentralen und regionalen technischen und medizinischen Forschungsinstituten, welche Ministerien, Provinzregierungen, großen Industrieunternehmen oder Krankenhäusern unterstellt sind. Vgl.: Lux, a.a.O.: 54, 61.

35 Sun, Yong/Wang. Weihua: Gemeinsamer Aufbau und gemeinsame Nutzung der Informationsressourcen im Internet. Moderne Technologien der Bibliothek 6 (2001): 25-30.

36 vgl. Feng, Nanxin/ZhanXiaofang: Transfer der Öffentlichen Bibliotheken im 21. Jahrhundert. Henan Wissenschaftliche Zeitschrift der Bibliotheken 2 (2001): 6-8.

37 Sun, Yong/Wang. Weihua: Gemeinsamer Aufbau und gemeinsame Nutzung der Informationsressourcen im Internet. Moderne Technologien der Bibliothek 6 (2001): 25-30.

38 s.o.

39 Ma, Yuanliang (Direktor der Shanghai Bibliothek)/ Sun, Jiling. „Inter-Library Kooperation und gemeinsame Nutzung der Ressourcen der Bibliotheken in und um Shanghai Region“. Library Journal. 1 (2002):31-33.

40 Gao, Bo. “A Report of the Questionnaire about the Cooperative Development and Information sharing of Information in the networking environment”. The Journal of the library science in china 7 (2001) Vol.27 No. 134: 48-52.

41 Sun, Yong/Wang, Weihua: Gemeinsamer Aufbau und gemeinsame Nutzung der Informationsressourcen im Internet. Moderne Technologien der Bibliothek 6 (2001): 25-30.

42 Alle Angaben über diesen Teil auch der Beitrag von Cheng Huanwen, siehe die nächste Fußnoten, solange nicht anders angegeben.

43 Cheng, Huanwen. „Die Entwicklung und Zukunft der Ausbildung für Bibliothekswissenschaft und Information seit den 80er Jahren in der V. R. China“. Mitgebracht von Huanwen Cheng im Feb. 2002, als er am internationalen Seminar im Amerikahaus teilnahm.

44 Cheng, Huanwen. „Der Geist der „Wenhua“—Rede bei der 80. Geburtstagsfeier des „Wenhua“. Bibliotheksbau 6 (2001): 101-102.

45 Lux,Claudia. a.a.O.: 68.

46 Das entspricht in etwa der deutschen Bezeichnung „Institut“.

47 Lux,Claudia. a.a.O.: 68.

48 Liu, Xiaochun/Fang, Ping. „A Comparative Study of Reform and Development of Library and Information Education”. The Journal of the Library Science in China 3 (2000) Vol.26 No.126: 67-71.

49 Wu, Jianyong. „Eine Soziale Untersuchung in Peking Anfang der ‚Mingguo‘“. Peking Sozialwissenschaft 1 (2000).

50 s.o.

51 Li, Qiang. „Die Bewertung des Berufsansehens bei der Sozialwendung“. Chinesische Sozialwissenschaft 4 (2000).

52 Lei, Yongli. „Bibliothekare, eine schwache Gruppe in der Informationsgesellschaft“. Buch und Information 4 (2001).

53 Dan, Bixiao. „Berufsaussicht der Bibliothekarinnen im 21 Jahrhundert“. Library Tribune 4 (2003) Vol.23 No. 2: 9 und 93.



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11.08.2004