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4  Ergebnisse

4.1 Diagnostik

4.1.1 Anamnese

Die Angaben über die Alters- und Geschlechtsverteilung wurden in 3.1 erwähnt.

Keiner der 119 Patienten hat beidseitigen Hörsturz. Symptomatisch haben alle Patienten einen plötzlichen Hörverlust, der einseitig ist. Die Auswertung der Hörsturzseite ist zwar nicht aufschlußreich, soll aber nicht unerwähnt bleiben. 53% der Patienten haben einen linksseitigen und 47% einen rechtsseitigen Hörsturz, wobei keine Unterschiede in der Geschlechtsverteilung zu vermerken waren.

Initial subjektive Schwindelerscheinungen geben 5 von 119 (4,2%) Patienten an, wobei die Schwindelanfälle als unspezifisch kurzfristige Unsicherheitsgefühle ausgedrückt werden.

Der einseitige Tinnitus auristrifft bei 102 von 119 ( 85,7% ) Patienten zu, und zwei ( 1,7% ) Patienten haben beidseitigen Tinnitus, den Tinnitus aurium.15 von 119 ( 12,6% ) Patienten geben bei ihrer Anamnese kein Ohrgeräusch an.

Abbildung 5 : Angaben über die Häufigkeit der Symptome


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4.1.2  Tonaudiometrie

Grundlage der gesamten audiologischen Diagnostik ist die Hörschwellenmessung. Alle weiteren Untersuchungen beruhen auf diesem Verfahren. Damit ist das Tonaudiogramm die am häufigsten durchgeführte Untersuchungsmethode der Audiometrie.

Sie ermöglicht es, den Sitz eines Hörschadens einzugrenzen, stellt aber auch die Grundlage für die quantitative Bewertung eines Hörschadens dar.

Den Bereich der akustischen Reize, die der Mensch ohne Schmerzempfindung wahrnimmt, bezeichnet man als Hörfeld. Es umfaßt den Bereich zwischen 20 Hz und 20 kHZ, wobei die Grenze im tieffrequenten Bereich durch den Übergang von Hör- zu Vibrationsempfindung gekennzeichnet ist. Den geringsten Pegel, bei dem ein Ton wahrgenommen wird , nennt man die Hörschwelle. Im tiefen Bereich sind wesentlich höhere Schallpegel erforderlich, damit der Ton wahrgenommen wird, als im Bereich zwischen 1 - 4 kHz ( BÖHME und WELZL-MÜLLER 1988 ).

Der empfindlichste Gipfel für die physiologische Hörschwelle liegt bei 2 kHz.

Jeder Patient wird bei der Aufnahme mit einer Tonaudiometrie-Untersuchung auf seine aktuelle Hörfähigkeit geprüft. Zur Prüfung zählen die Frequenzen von 125 Hz bis 12 kHz.

Die Unterteilung der Frequenzen in einzelne Bereiche wird unten angegeben.

Die Frequenzbereiche :

Der diagnostizierte Hörverlust wird in Dezibel ( dB ) gemessen und in unterschiedliche Gruppen unterteilt ( Tabelle 6 ).

Berücksichtigt werden Patienten, die einen Hörverlust von größer als 10 dB im Vergleich zum gesunden Ohr in der Audiometrie aufweisen. Ein Hörverlust von weniger als 10 dB

wird als Fehler akzeptiert und nicht als Ausfall registriert.


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Diese Kriterien gelten auch nach der Erholung des Hörvermögens nach der Therapie, d.h. Patienten, die einen Hörgewinn von mehr als 10 dB haben, werden in die Auswertung

eingebracht.

Die Hörverlustgrade beziehen sich auf die Mitteltonfrequenz, weil diese als empfindlichster Bereich für das menschliche Ohr im Hörfeld gilt und Konsequenzen im Hörbereich für den Patienten hat.

Tabelle 6 : Einteilung der Hörverluste in Gruppen

Gruppe

I

II

III

IV

Hörverlust in dB

bei 1 - 3 kHz

15 - 20

30 - 40

50 - 70

80 - 110

Patienten-Zahl (%)

13,3

35,2

36,2

15,3

Von den insgesamt 119 Hörsturzpatienten haben 105 Patienten einen Hörverlust von mindestens 15 dB im mittleren Frequenzbereich zwischen 1 kHz und 3 kHz.

Der Hörverlust im Mitteltonbereich beträgt für die Gruppe I 13,3% (14/105), für die Gruppe II 35,2% (37/105), für die Gruppe III 36,2% (38/105) und für die Gruppe IV 15,3% (16/105).

Der größte Anteil der Patienten befindet sich in den Gruppen II und III, insgesamt waren es 75 von 105. Der Hörverlust bei diesen Patienten liegt zwischen 30 dB und 70 dB.

Eine detaillierte Übersicht über den Umfang des Hörverlustes und der Altersverteilung ergeben die Abbildungen 5 und 6.

Der Hörverlust im Tieftonbereich beträgt für die Gruppe I 48% (57/119), für die Gruppe II 22% (26/119), für die Gruppe III 18% (21/119) und für die Gruppe IV 12% (14/119).

Im Tieftonbereich befindet sich die Mehrheit der Patienten in den Gruppen I und II, insgesamt waren es 83 von 119.

Der Hörverlust im Hochtonbereich beträgt für die Gruppe I 10% (12/119), Gruppe II 24% (28/119), Gruppe III 38% (45/119) und Gruppe IV 28% (34/119).

Die Gruppen III und IV beinhalten mit insgesamt 79 von 119 die meisten Patienten im Hochtonbereich.


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Die höchsten Hörverluste von 50 - 110 dB erkennt man im Hochtonbereich; im Mitteltonbereich liegen die Hörverluste zwischen 30 und 70 dB und betreffen mehr als zwei Drittel des Patientenguts.

Die kleinsten Hörverluste 15 - 40 dB sind im Tieftonbereich zu verzeichnen.

Abbildung 6 : Anzahl der Patienten mit Hörverlusten im Tiefton- , Mittelton- u. Hochtonbereich

Die Altersverteilung in diesen beiden Gruppen hat mit 53,3 % ( 56/105) bei den

40 bis 60-jährigen Patienten ihr Maximum.


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Abbildung 7 : Hörverlust im Mitteltonbereich bei den unterschiedlichen Altersgruppen

Das Hörverhalten wird während und nach der Therapie regelmäßig im Tonaudiogramm geprüft. Die vollständige Beurteilung wird nach der Therapie im Kapitel „Remissionsverhalten“ erörtert.

4.1.3 Stapediusreflex

Die Untersuchungen des Stapediusreflexes ergeben bei 82 von 119 ( 69% ) Patienten eine regelrechte Auslösbarkeit ipsi- und kontralateral, und bei 37 von 119 ( 31% ) Patienten kann der Reflex nicht ausgelöst werden.

4.1.4 Otologischer Spiegelbefund

Die HNO-Spiegelbefunde sind erwartungsgemäß unauffällig, keine Reizung des Trommel-

fells ist zu sehen (116/119). Lediglich bei zwei Patienten ist eine Trommelverdickung und bei einem sind Exostosen festzustellen.


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4.1.5  BERA ( brainstem evoced response audiometry )

Die wohl wichtigste Aussage zum Ausschluß einer retrocochleären Hörschädigung ergeben die akustisch evozierten Hirnstammpotentiale (siehe 3.2).

Bei jedem Patient wird die Untersuchung durchgeführt, 87 von 119 ( 73% ) haben einen unauffälligen Befund.13 von 119 ( 11% ) sind nicht meßbar. Bei denen wurde durch eine Computertomographie eine retrocochleäre Schädigung ausgeschlossen.

Auch die übrigen 19 Patienten (16%) wurden aufgrund ihres positiven Befundes, d.h. Latenzzeitverlängerung von mehr als 0,5 ms, durch die Computertomographie von einer vermutlich retrocochleären Schädigung abgegrenzt.

Tabelle 7 : Übersicht über die BERA-Untersuchung

n = 119

BERA-Befund

weitere Untersuchungen

Befund

87

13

unauffällig

nicht meßbar

keine

CT-Aufnahmen

unauffällig

19

Latenzzeit > 0,5 ms

CT-Aufnahmen

unauffällig

4.1.6 ENG ( Elektronystagmographie )

Diese objektive Untersuchung soll den Ausfall des Gleichgewichtsorgans ausschließen.

In unserer Untersuchungsreihe haben 96 von 119 der Patienten ( 81%) ein unauffälliges ENG.

11 ( 9% ) Patienten sind durch elektronystagmographische Registrierungen nicht meßbar.

12 ( 10% ) haben veränderte ENG-Aufzeichnungen, von denen 10 eine Mindererregung der Potentiale aufweisen. Eine Übererregbarkeit der ENG-Potentiale wird bei einem Patienten gemessen. Einen in der Anamnese bekannten alten Vestibularisausfall konnte man mit dem ENG bestätigen.


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4.1.7  Virologie

Durch die Lues-Serologie wird eine otologische Komplikation der Lues-Krankheit, die eine plötzliche Ertaubung hervorrufen kann, ausgeschlossen.

Bei einem Patienten mißt man einen erhöhten Titer, bei der zweiten Kontrollmessung bleibt er im Referenzbereich.

4.1.8 Konsiliaruntersuchungen

Neurologie :

Der Verdacht auf ein Akustikusneurinom wird durch die Computertomographie, ENG- und BERA Untersuchungen ausgeschlossen.

Bei 119 Patienten besteht 68 mal die Notwendigkeit für eine CT-Untersuchung, die unauffällig sind. Die Suche nach zentralnervöse Störung, die eine Hörminderung verursachen können, bleibt erfolglos.

Statt dessen werden von 17 Patienten folgende neurogene Störungen angegeben und erfaßt :

Orthopädie :

Die Degeneration im Bereich der Halswirbelsäule kann zu Störungen im Innenohr führen.

Die Arteria vertebralis zieht, begleitet von sympathischen Nervenfasern, ab dem 7. Halswirbel durch die Foramina transversalia nach kranial zur Schädelbasis. Auch die aus den Foramina intervertebralia austretenden Nervenwurzeln sind von vegetativen Fasern begleitet. Somit können degenerative Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule vaskuläre und vegetative Symptome verursachen.

Zu diesen Veränderungen gehören Spondylosis deformans, Spondylosis unkovertebralis und Osteochondrosen.


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Spondylosis deformans liegt dann vor, wenn die Wirbelkörper Osteophyten aufweisen, das sind knöcherne Zacken und Wülste, die etwas ober- und unterhalb der Wirbelkörperränder ansetzen.

Die Spondylosis deformans ist eine Folgezustand der Bandscheibenverlagerung nach lateral, ventral und dorsal.

Spondylosis unkovertebralis liegt dann vor, wenn der Processus uncinatus Osteophyten aufweist. Die Processi uncinati sind die lateralen Lippen der Halswirbelkörper und liegen in unmittelbarer Nähe der Foramina intervertebralia und der transversalia, wo sie auf die benachbarten Nerven und Gefäße drücken können.

Osteochondrosen bezeichnet man die Sklerosierung der Deckplatten von Wirbelkörpern.

Die radiologischen Befunde unserer Patienten werden in unterschiedliche Altersgruppen aufgeteilt, weil die physiologische Degeneration der gesamten Wirbelsäule auch abhängig vom Alter des Patienten ist. Die Alterseinteilung entspricht der Einteilung in Tabelle 5.

Die Halswirbelsäule wird in drei Ebenen eingeteilt, obere, mittlere und untere HWS.

Der obere HWS-Bereich enthält die Segmente C1/C2 ; C2 /C3. Zum mittleren HWS-Bereich gehören C3/C4 ; C4/C5 und zu den unteren die C5/C6 ; C6 /C7 Segmente.

In die orthopädische Untersuchung werden 114 von 119 Patienten aufgenommen und geröntgt. 5 Patienten erhalten keine Röntgenuntersuchung, sie gehören der Altersgruppe I an. Von den 114 geröntgten Patienten werden folgende Befunde bewertet:

52 radiologische Bilder der Halswirbelsäule werden vom Radiologen als altersentsprechende und physiologische Veränderung befundet.

Als pathologisch erweist sich bei einem Patienten eine HWS-Skoliose und 61 haben osteochondrotische und spondylarthrotische Veränderungen. Dabei waren 29 ohne Verengung der Foramina intervertebraliae und 32 mit Verengung der Foramina intervertebraliae. Unter den 61 Patienten befinden sich 15 Patienten mit Spondylosis unkovertebralis. Bei keinem dieser Patienten wird eine Verengung der für die Aa. vertebraliae wichtige Foramina transversaliae festgestellt.

In der Gruppe der 20 -29jährigen haben 2 von 14 Patienten (14%), in der der 30 - 39jährigen 6 von 22 (27%), in der der 40 - 49jährigen 12 von 22 (55%), in der der 50 - 59jährigen 25 von 42 (60%), in der der 60 - 69jährigen 11 von 14 (79%) und bei den über 70jährigen haben 5 von 5 (100%) pathologische HWS-Veränderungen auf den Röntgenbildern (siehe Tabelle 8).


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Tabelle 8: Pathologische HWS-Veränderungen (n = 61) in verschiedenen Altersgruppen

Altersgruppe

I

II

II

IV

V

VI

Alter in Jahren

20 -29

30 - 39

40 - 49

50 - 59

60 - 69

>70

relativer Anteil.

14 %

27 %

55 %

60 %

79 %

100 %

absoluter Anteil

2

6

12

25

11

5

Die absolut stärkste Altersgruppe bei den 61 Patienten sind die 50 - 59jährigen mit 41% .

Einen Überblick über die knöcherne Veränderung der Halswirbelsäule und die Verteilung in einzelne HWS-Bereiche gibt Tabelle 9 wieder.

Tabelle 9: Überblick über die Art und Verteilung der HWS-Störungen bei n = 114

physiologische Veränderungen

pathologische Veränderungen

52

62

 

1

HWS-Skoliose

 

61

Spondylosis deformans und unkovertebralis

  • 29 ohne Verengung der For. Intervertebralia

  • 32 mit Verengung der For. Intervertebralia
    - 3 an der oberen HWS
    - 18 an der mittleren HWS
    - 11 an der unteren HWS

Bei insgesamt 32 pathologischen Veränderungen mit Verengung im Bereich der Foraminae intervertebraliae werden keine peripheren neurologischen Ausfälle verzeichnet.

Interessant ist hier die Übereinstimmung der Hörsturzseite mit der Seite der verengten Foramina intervertebralia in 9 von 32 Fällen.

[Seite 39↓]Innere Medizin:

Zum internistischen Konsil gehören die doppler-sonographische Untersuchung der Halsgefäße und der Zustand des Herz-Kreislaufes,. Hierzu gehören der Hypertonus, die Koronare-Herz-Krankheit und die Herzinsuffizienz.

Das wichtigste Verfahren in der nichtinvasiven Diagnostik von peripheren Gefäßerkrankungen ist die Doppler-Sonographie. Dabei macht man sich die von Christian Doppler beschriebene Frequenzverschiebung akustischer Wellen zunutze. Die von sich bewegenden Erythrozyten reflektierten Frequenzen einer eingestrahlten Ultraschallwelle liegen je nach Strömungsrichtung einen geringen Teil höher oder niedriger als das Ausgangssignal. Diese Differenz, das Doppler-Shift, errechnet sich aus der Ausgangsfrequenz, der Schallgeschwindigkeit im Gewebe, der Strömungsgeschwindigkeit der Erythrozyten und dem Winkel zwischen Schallachse und dem Gefäß. Sie liegt bei den verwendeten Sendefrequenzen im hörbaren Bereich und ermöglicht damit eine akustische Wahrnehmung der Blutströmung.

Bei dieser Patientengruppe werden 114 von 119 doppler-sonographisch untersucht, dabei können bei 111 Patienten keine hämodynamisch wirksame Stenosen oder Wandveränderungen der Halsgefäße nachgewiesen werden. Drei Patienten haben sklerotische Wandveränderungen, bei einem dieser Patienten ist eine Stenose der A. labyrinthi bekannt und beim anderen Patienten sind zwei weitere Risikofaktoren vorhanden.

4.2 Risikofaktoren

Die Referenzbereiche zu den folgenden Risikofaktoren wurden im Kapitel 3.2 (Risikofaktoren und ihre Referenzbereiche) angegeben.

  1. Hypertonus:
    Von 119 Patienten haben 23 den Referenzbereich überschritten, von denen gehören 13 zu der Gruppe der 50 - 59jährigen.
    Das weibliche Geschlecht ist mit 18 und das männliche mit 5 vertreten.[Seite 40↓]
  2. Hypercholesterinämie:
    Den pathologischen Wert überschreiten 33 von 119 Patienten, von denen 20 männlich und 13 weiblich sind.
  3. Hypertriglyceridämie:
    Insgesamt sind 24 Patienten von 119 über dem Referenzbereich, sie verteilen sich mit je 6 Patienten auf die 4 Altersgruppen. In der Altersgruppe der 20 - 29jährigen befindet sich kein Patient mit einer Hypertriglyceridämie.
    14 der untersuchten Patienten haben sowohl eine Hypertriglyceridämie als auch eine Hypercholesterinämie als Kombination.
  4. Adipositas:
    Übergewichtig sind 37 von 119 Patienten, diese verteilen sich auf 26 männliche und 11 weibliche Patienten.
  5. Nikotinabusus :
    Regelmäßige und aktive Raucher sind 31 von 119 Patienten, die sich über alle Altersgruppen verteilen.
  6. Diabetes mellitus:
    Vier von 119 Patienten sind Diabetiker.


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Einen Überblick über die Risikofaktoren gibt die Abbildung 8.

Abbildung 8 : Die Pat.-Zahl der einzelnen Risikofaktoren bezieht sich jeweils auf 119 Patienten

38 der 119 Patienten haben keines der aufgezählten Risiken in der Untersuchung und in der

Anamnese.

Von den restlichen 81 Patienten sind 36 mit einem, 26 mit zwei , 13 mit drei, 5 mit vier und

einer ist mit 5 Risikofaktoren belastet.


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Die Abbildung 9 zeigt einen Überblick über die Risikofaktoren und ihr Auftreten in den häufigeren Risikogruppen.

Abbildung 9 : Die Anzahl der Patienten mit x-Risikofaktoren (RF) ; n=119

4.3 Therapiezeit

Die mittlere Therapiezeit von der Aufnahme in die erste Hilfe bis zur stationären Entlassung beträgt 12,4 Tage.

Die weiblichen Patienten liegen im Durchschnitt 2 Tag (11,5 Tage) unter dem Durchschnitt der männlichen Patienten mit 13,3 Tagen.

4.4 Therapie

Die stationäre Aufnahme ist der Beginn der Therapie, die Streßausschaltung und die psychische Entlastung sorgen für die innere Ruhe des Patienten.

Mit dem Verdacht auf einen Hörsturz wurde die durchblutungsfördernde Infusionstherapie

begonnen und während der Suchdiagnostik aufrechterhalten.


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Bei der Infusionstherapie kamen Arzneimittel mit folgenden Wirkstoffen zum Einsatz:

Diese Medikamente werden in Infusionsform in Kombination mit dem Plasmaersatzmittel Hydroxyethylstärke ( HAES® 10% - kochsalzarm, Expafusin®) verabreicht, wenn keine Kontraindikation, z.B. cardiale Dekompensation, besteht.

Tabelle 10: Die häufigsten Kombinationen zeigt die Tabelle 10 an.

Therapie

Anzahl der behandelten Pat.

Naftidrofuryl + HAES®

65

Tebonin® + HAES®

29

Naftidrofuryl + Expafusin®

19

Pentoxifyllin® + HAES®

2

Ein Patient ist wegen seiner cardialen Dekompensation nicht infundiert worden. Er erhielt eine orale Medikation, die keine Besserung erbrachte.

4.5 Remissionsverhalten

Das Remissionsverhalten des vom Hörsturz betroffenen Ohres wird in drei Kategorien

eingeteilt.

  1. Keine Remission
  2. Teil-Remission
  3. Voll-Remission


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Keine Remission bedeutet, die verminderte Hörfähigkeit nach dem Hörsturz hat sich nach den audiometrischen Untersuchungen nach Beendigung der Therapie nicht mehr als um 10 dB verbessert.

Bei der Voll-Remission wird das Hörvermögen der Hörsturzseite mit der gesunden Seite nach der Therapie durch die Audiometrie verglichen. Wir gehen davon aus, dass die Patienten vor dem Hörsturz in beiden Ohren die gleiche Hörfähigkeit besaßen.

Die Dezibel-Differenz beider Ohren beträgt nach der Therapie für die kranke Seite maximal 10 dB ( Vergleich der Ausgangs- und Abschluß-Audiometrie ).

Bei der Teil-Remission befindet sich die Verbesserung des Hörvermögens zwischen den beiden Kategorien, d.h. eine Hörbesserung um mehr als 10 dB, aber keine vergleichbare Hörfähigkeit mit der gesunden Gegenseite.

Bei 34 von 119 Fällen erholt sich das Hörvermögen nicht. Das bedeutet, die Erholung des gestörten Innenohres beträgt nicht mehr als 10 dB. Eine Teil-Remission liegt bei 57 von 119 Patienten vor. Das volle Hörvermögen erlangen 28 von 119 Patienten wieder.

Abbildung 10 : Remissionsverhalten der 119 Patienten nach der Therapie


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Die meisten Ausfälle befinden sichin allen Frequenzbereichen ( pantonal ) 73 von 119, gefolgt vom Hochtonverlust 38 von 119 und die Ausfälle der restlichen acht Patienten verteilen sich auf tiefe oder mittlere Frequenzen.

Von 73 Patienten mit pantonalem Hörverlust erlangen 11 Patienten ihre Hörfähigkeit uneingeschränkt, 37 Patienten teilweise, und 25 Patienten erreichen nicht die Ausgangshörfähigkeit.

Bei den Hörsturzpatienten im Mittel- und Hochtonbereich haben 8 Patienten wieder die volle Hörfähigkeit, 8 erlangen teilweise und 5 keine Besserung des Hörvermögens.

Im Hochtonbereich verteilt sich das Remissionsverhalten auf 6 Patienten mit Voll-Remission, 8 Patienten mit Teil- und 3 Keine-Remission nach der Therapie.

Von den Patienten, die sich teilweise erholen, regeneriert der Hörgewinn in den tiefen und mittleren Frequenzbereichen (49%) besser als in den hohen Abschnitten (12%). Den zweitgrößten Anteil hat die Gruppe mit der Teil-Remission in allen Frequenzbereichen (39%).


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02.06.2005