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6.  ZUSAMMENFASSUNG

Die Aufgabe der vorliegenden Arbeit bestand in der Überprüfung des chirurgischen Konzeptes bei der Therapie von Aesthesioneuroblastomen und in der erstmaligen molekularzytogenetischen Charakterisierung von Aesthesioneuroblastomen.

Dazu wurden 18 Patienten mit Aesthesioneuroblastomen, die im Zeitraum zwischen 1988 2001 in der HNO-Klinik (17 Patienten) sowie in der Neurochirurgischen Klinik des Klinikums Fulda operiert wurden, untersucht. Von allen Patienten existierten lückenlose Nachbeobachtungsdaten. Von 12 Patienten lag in Paraffin eingebettetes Material vom Primärtumor sowie in 3 Fällen von Rezidiven und in 2 Fällen von mehreren syn- oder metachronen Metastasen vor, das zur molekularzytogenetischen Analyse verwendet wurde. Die daraus resultierenden 22 Aesthesioneuroblastome wurden alle mit Hilfe der Vergleichenden Genomischen Hybridisierung (CGH) analysiert.

Die Auswertung der vorliegenden Studie erbrachte folgende Resultate:

  1. Nach derzeitigem Kenntnisstand besteht die optimale Therapie der Aesthesioneuroblastome in der chirurgischen Resektion des Tumors mit nachfolgender stereotaktischer Bestrahlung.
  2. An dem vorliegenden Patientengut sind die Klassifikation nach Kadish [1976] bzw. nach Morita et al. [1993] und das histopathologische Gradingssystem nach Hyams [1983] für die Aesthesioneuroblastome prognostisch relevant.
  3. Für die operative Sanierung der Aesthesioneuroblastome und auch anderer Malignome der vorderen Schädelbasis ist das nachfolgende neue Fuldaer Konzept empfehlenswert:

    Endonasale Resektion , wenn keine intrakranielle bzw. orbitale Tumorinfiltration vorliegt

    Midfacial degloving , bei weit lateraler Tumorausbreitung

    Subfrontaler Zugang , bei Infiltration des Gehirns

    Laterale Rhinotomie nur bei der Notwendigkeit der simultanen Exenteratio orbitae (bei orbitaler Tumorinfiltration)[Seite 44↓]
  4. Aesthesioneuroblastomen sind durch ein typisches genetisches Muster charakterisiert, das Deletionen im Bereich der chromosomalen Arme 1p, 2q, 3p/q, 4p/q, 5p/q, 6q, 8p/q, 9p, 10p/q, 11p, 12q, 13q, 18q und 21q sowie Amplifikationen der Chromosomen 1p, 7q, 9q, 11q, 14q, 16p/q, 17p/q, 19p/q, 20p/q und 22p/q umfasst.
  5. Das genetische Muster der Aesthesioneuroblastome unterscheidet sich von dem der Neuroblastome, vor allem durch deutlich mehr DNA-Verluste der Chromosomen 5p/q, 6q, 8p/q, 9p, 13q, 18q und 21q und fehlende Deletionen der Chromosomen 14q, 15q und 19. Das genetische Muster der Aesthesioneuroblastome lässt sich auch von dem anderer Tumorentitäten, so z.B. der Palttenepithelkarzinome des Kopf-Hals-Bereiches oder der kleinzelligen Bronchialkarzinome abgrenzen.
  6. Die beim Aesthesioneuroblastom häufigen DNA-Verluste im Bereich der chromosomalen Banden 1p21-p31 scheinen mit der Prognose dieser Tumoren assoziiert zu sein. Die Tumoren aller in der vorliegenden Studie am Malignom verstorbenen Patienten zeigten eine Kombination aus 1p21-p31-Deletion, dem Vorliegen des klinischen Stadiums C oder D sowie gleichzeitig einer schlechten Differenzierung (Grad III oder IV).
  7. Vermittels der CGH ist es möglich, eine klonale Zuordnung von Metastasen bzw. auch Rezidiven zu ihren primären Aesthesioneuroblastomen vorzunehmen.

Zusammenfassend zeigt die vorliegende Arbeit nicht nur neue Ansätze in der chirurgischen Therapie von Aesthesioneuroblastomen sondern auch die erste umfassende molekularzytogenetische Analyse dieser Tumorentität, auf dem Weg, das biologische Verhalten dieser Malignome genauer charakterisieren zu können.


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06.08.2004