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Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit wurde untersucht, in welchem Ausmaß der Genotyp beim Schilf (Phragmites australis) die Ausbildung wesentlicher Merkmale beeinflusst. Die Schwerpunkte lagen dabei auf dem Ausbreitungsverhalten, der Bestandsdynamik, der Morphometrie, der Produktivität, dem Stickstoffspeicherverhalten und der Anfälligkeit gegenüber verschiedener Konsumenten. Die Untersuchungen fanden an 6 künstlich angelegten Pflanzfeldern an den Berliner Gewässern Seddinsee, Langer See und Havel statt, auf denen in jeweils gleicher Reihenfolge 10 verschiedene Schilfklone von unterschiedlichen Herkunftsstandorten gepflanzt wurden. Die meisten Messungen erfolgten in den Vegetationsperioden 1997, 1998 und 1999.

In den Ergebnissen wurde deutlich, dass der Genotyp die Ausprägung der Merkmale entscheidend bestimmt. Auf allen Feldern konnten die 10 Schilfklone auf Grund der unterschiedlichen Ausprägung der morphometrischen Parameter (Halmlängen, Basaldurch­messer, Anzahl der Blätter und Internodien, Gesamtblattfläche pro Halm), der Wüchsigkeit (Halmbiomasse, Blattflächenindex), der Bestandsdynamik (saisonale Entwicklung der Halmlängen und -dichten), der Schäden durch Konsumenten (Bisamratte, Insekten) und des Ausbreitungsverhaltens am Land und im Wasser unterschieden werden.

Die Variationsbreite der verschiedenen Parameter der einzelnen Klone verdeutlichte weiterhin den starken Einfluss der unterschiedlichen Standortbedingungen der Pflanzfelder auf das Schilfwachstum. Dies wurde besonders im Vergleich der Entwicklung der Schilfbestände am Land und im Wasser deutlich. Dabei waren die Wachstumsbedingungen im Wasser erheblich besser, so dass dort die höchsten Wachstumsleistungen erbracht wurden. Gleichzeitig zeigte sich, dass nicht alle Klone in der Lage waren, stabile Bestände im Wasser zu bilden. Eine Ursache können die unterschiedlichen Toleranzgrenzen gegenüber verschiedenen Stressfaktoren im Wasser sein.

Zur Untersuchung der Stickstoffdynamik wurden bei alle 10 Schilfklonen auf 2 ausgewählten Feldern die Stickstoffgehalte der Sprosse an Hand der N-Gehalte der Halme abgeschätzt. Weiterhin wurden 2 Klone, die sich an ihren ursprünglichen Standorten in der saisonalen Dynamik der N-Gehalte deutlich unterschieden, intensiv auf allen Feldern analysiert. Dabei erfolgte neben der Bestimmung der Gesamtstickstoffgehalte auch eine Untersuchung der Aminosäuren- und Zuckergehalte. Es zeigten sich beim Vergleich der relativen Stickstoffgehalte der Halme keine Hinweise auf eine genetische Determinierung des [Seite V↓]N-Speicherverhaltens sowohl im Vergleich der 10 Schilfklone als auch in der intensiven Untersuchung der beiden Klone. Eine Existenz verschiedener Ökotypen mit unterschiedlichen ökophysiologischen Strategien konnte für die Stickstoffdynamik nicht bestätigt werden. Die Ergebnisse lassen sich so deuten, dass die einzelnen Halme relativ autark in der Nährstoffaufnahme sind und die Stickstoffgehalte der Halmtrockenmassen vom Stickstoff­angebot am jeweiligen Standort abhängen.

Der Zeitraum der Entwicklung reifer Bestände lag in der für Schilf typischen Spanne von 3 bis 5 Jahren. Obwohl alle Klone in das Wasser vorgedrungen sind und auf allen Feldern einen Bestand bildeten, wurden Unterschiede der Genotypen in der Ausbreitungs­geschwindigkeit und in der Wüchsigkeit festgestellt.

Es konnte gezeigt werden, dass die Schilfklone genotypische Unterschiede im Vorwuchsverhalten, in der Morphometrie und in der Anfälligkeit gegenüber Stressoren aufweisen, die sich möglicherweise zu einer Verbesserung des Erfolges von Pflanzmaß­nahmen nutzen lassen. Die praktische Bedeutung dieser Unterschiede in den ausgewählten Parametern wird sich aber erst in den nächsten Jahren erweisen, wenn die als weniger geeignet eingeschätzten Klone möglicherweise verdrängt worden sind. Zu einer endgültigen Beurteilung der Eignung der Schilfklone wäre die Weitführung der Untersuchungen in einen längeren Zeitraum nötig.


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01.10.2004