5. Diskussion

Wegen der zentralen Bedeutung von Th1- und Th2-Zellen für die Regulation von Autoimmunerkrankungen, Allergien und Infektionskrankheiten sind in den letzten Jahren zunehmend die Unterschiede in der Expression verschiedener Oberflächenmoleküle zwischen beiden Typen zum Gegenstand der Forschung geworden, um möglicherweise neue Zielmoleküle für die immunmodulatorische Therapie zu identifizieren. Dazu wurde ein neues Molekül, TIM3, das bevorzugt auf Th1-Zellen exprimiert wird, identifiziert (Monney, et al., 2002; Sanchez-Fueyo, et al., 2003). Bis heute weiß man noch nicht viel über die Funktion von TIM3. Die bislang publizierten Untersuchungen wiesen darauf hin, dass das TIM3-Protein von großer Bedeutung für Th-Zell-Effektorfunktion und Autoimmunerkrankungen ist (Mclntire, et al., 2001; Monney, et al., 2002; Sabatos, et al., 2003). Die immunologische Funktion des humanen TIM3-Moleküls bleibt noch unbekannt. In der vorliegenden Arbeit wurde das humane TIM3-Gen aus dendritischen Zellen isoliert und das rekombinante Protein in E. coli und in eukaryontischen Zellen exprimiert. Das Weiteren sollte die Immunisierung der Mäuse mit dem rekombinanten Protein vorgenommen werden, um die Hybridomzelllinie zu erzeugen.

5.1. Identifikation vom humanen TIM3

Das murine TIM3-Gen konnte aus einem Th1-Klon (Monney, et al., 2002) und Concanavalin-A-aktivierten Milzzellen (Sabatos, et al., 2003) isoliert werden . Unabhängig davon wurde es in einer differential display Analyse als Th1-spezifisch exprimiert gefunden (Löhning et al., 1998). In dieser Arbeit wurde die cDNA des hTIM3 ausgehend von dendritischen Zellen amplifiziert, nachdem die hohe TIM3-Expression auf murinen DC in einer in dieser Arbeitsgruppe angefertigten Dissertationsarbeit (Bender, 2003) beobachtet wurde. Zur Amplifizierung der hTIM3-cDNA wurden auch humane PBMC und eine Mastzelllinie benutzt, es konnte aber keine erfolgreiche Amplifikation erreicht werden. Die aus den Concanavalin-A-aktivierten Milzzellen isolierte Isoform, sTIM3 (lösliche Form von TIM3) genannt (Sabatos, et al.,2003), wurde nicht in diesen humanen Zellen beobachtet und ist bisher beim Menschen noch nicht nachgewiesen worden. Es ist bislang auch nicht klar, warum TIM3 auf murinen dendritischen Zellen stark exprimiert wird.


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5.2. Expression des hTIM3-Proteins in E. coli

Zur Herstellung des monoklonalen Antikörpers wurde der extrazelluläre Teil des Proteins im prokaryontischen Expressionssystem in E. coli überexprimiert und über eine N-terminale Extension von sechs Histidinen chromatographisch an einer Ni-NTA-Matrix gereinigt. Da die Sekretion eines Fusionsproteins in den periplasmatischen Raum durch ein N-terminales Signalpeptid die geeignete Faltung des Proteins und die Bildung von Disulfidbrücken ermöglichen kann, wurde zunächst die Expression mit der Signalsequenz durchgeführt. Es zeigte sich, dass die Expression nur in sehr geringer Menge möglich war (Abb. 8b). Dies ist möglicherweise auf die Signalsequenz von TIM3 zurückzuführen, da die Proteinsekretion mit eigenem Signalpeptid durch wachsende Zellen verhindert werden kann (Bowden, et al., 1990). Der spätere Versuch, das Fusionsprotein ohne Signalsequenz zu exprimieren, gelang sehr gut und führte zur Expression großer Mengen des Fusionsproteins (Abb. 8a). Da es jedoch als unlösliches Protein exprimiert wurde, das in Einschlußkörperchen („inclusion bodies“) nach der Expression vorlag, wurde es deshalb in denaturierenden Medien gereinigt. Eine Rückfaltung der unter denaturierenden Bedingungen gelösten „inclusion bodies“ erschien nicht aussichtsreich. Das durch Dialyse wieder ausgefallene Protein wurde deshalb teilweise in 0,5 M Zitronensäure gelöst. Die Antigenspezifität von sowohl löslichem als auch unlöslichem rekombinanten hTIM3-Protein konnte durch ELISA mit Antiserum gegen hTIM3 nachgewiesen werden. Doch es wäre für die Immunisierung von Vorteil, wenn man in ausreichendem Maße natives Protein erhalten könnte, und dies ist im Hinblick auf die Expression in E.coli nur durch ein eukaryontisches Expressionssystem zu erreichen.

5.3. Expression des hTIM3-Proteins in eukaryontischen Zellen

Der Vorteil eines in eukaryontischen Zellen exprimierten rekombinanten Proteins gegenüber eines in E.coli exprimierten Proteins besteht darin, dass das Protein auf ähnliche Art und Weise wie in humanen Zellen glycosyliert wird (König, et al.,1989). Weiterhin entschied ich mich für die Expression der komplett kodierenden Region vom hTIM3 in Säugetierzellen. Dafür wurden verschiedenen Zelltypen (COS-7, CHO-K1, HEK-293) auf ihre Eignung als exprimierende Zelllinie untersucht. In transient transfizierten COS-7-, CHO-K1-, HEK-293-Zellen konnte die Transgenexpression durch EGFP-Koexpression mittels FACS-Analyse festgestellt werden (Abb. 11). Das hTIM3-Protein wurde mittels Western Blot und [Seite 69↓]Oberflächenfärbung mit Antiserum gegen hTIM3 nachgewiesen (Abb.13 und Abb.14). Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass das auf Zelloberfläche der transfizierten Zellen exprimierte hTIM3-Protein große Ähnlichkeit zum auf humanen Zellen exprimierten Protein hat.

Da die Modifizierung der 5’NTR (5’ nontranslated region) die Expression des Proteins regulieren kann (Xu, et al., 2002), wurde hTIM3-cDNA mit einer 5’NTR von 87bp in den Vektor pIRES2EGFP subkloniert und parallel die Zellen transfiziert. Wie in Tabelle 1 dargestellt, wurde kein offensichtlicher Expressionsunterschied zwischen den Plasmiden pIRES2EGFP-hTIM3 und pIRES2EGFP-hTIM3-5’NTR beobachtet.

Es wurden CHO-K1 und HEK-293 Zellen zur stabilen Transfektion verwendet. Da dieHöhe der hTIM3-Expression mit der EGFP-Expression korreliert ist (Abb.13), wurden nur hoch EGFP-exprimierende Zellen isoliert und weiter kultiviert. Das hatte den Vorteil, dass 10-20% der Zellen während der Kultivierung ohne Selektionsdruck ihre Plasmide verloren und direkt als Negativkontrolle verwendet werden konnten. Das ist besonders günstig für die Detektion des Antikörpers gegen hTIM3 (Abb. 17) und kann weiter zum Screening der monoklonalen Antikörper gegen hTIM3 benutzt werden.

5.4. Vergleich der IgG-Antwort gegen hTIM3 in den Mäusen nach verschiedenen Immunisierungsprotokollen

Zur Erzeugung der Hybridomzelllinie wurden die Mäuse mit dem löslichen und unlöslichen rekombinanten hTIM3-Protein und mit stabil transfizierten CHO-K1 Zellen immunisiert. Nach dem letzten Boost konnte im ELISA ein hoher hTIM3-spezifischer IgG-Titer im Serum der immunisierten Mäuse nachgewiesen werden (Abb. 16). Aber wie die FACS-Analyse in Abb.17 deutlich zeigt, konnte ein spezifischer gegen hTIM3 gerichteter IgG-Antikörpertiter nur im Serum der mit dem unlöslichen hTIM3-Protein immunisierten Maus nachgewiesen werden. Ein wahrscheinlicher Grund dafür ist, dass der ELISA empfindlicher als die FACS-Analyse ist. Möglicherweise besitzt das unlösliche hTIM3-Protein eine stärkere Immunogenität als die lösliche und die auf der Zelloberfläche exprimierte Form. Alternativ könnte es sich auch um eine Trypsinierung des hTIM3 auf den transfizierten CHO-K1 Zellen wegen relativ längerer Inkubationszeit mit Trypsin handeln. Der Versuch, die transfizierten Zellen durch PBS/EDTA (2mM) ohne Trypsin aus Kulturflasche abzulösen, steigerte erheblich die Frequenz der TIM3-positiven Zellen in der FACS-Analyse. TIM3-Antigen auf den transfizierten CHO-K1 Zellen könnte deshalb nach der Trypsinverdauung teilweise [Seite 70↓]verloren gegangen sein. Normalerweise besitzt das TIM3-Molekül auf der Zelloberfläche mehr natürliche Epitope als das unter denaturierenden Bedingungen aufgereinigte Protein. Ein monoklonaler Antikörper gegen murines TIM3 wurde durch Immunisierung mit Th1-Zelllinien generiert (Monney, et al., 2002). Experimente zur Kinetik der TIM3-Expression muriner DO11.10 Th1- und Th2-Zelllinien zeigten, dass nach drei Stimulationsrunden die Rate TIM3-positiver Th1-Zellen am höchsten ist (60-90%) (Monney, et al., 2002; Sanchez-Fueyo, et al.,2003). In transfizierten Zellen sind ca. 80% der EGFP-positiven Zellen TIM3-positiv (Abb. 13). Das bedeutet, dass die Immunisierung mit stabilen Transfektanten besser funktionieren könnte. Aber die beobachtete relativ schwache Immunantwort gegen hTIM3 nach der Immunisierung kann auch auf die hohe Homologie mit dem murinen TIM3 zurüchzuführen sein, deshalb sollte die Immunisierung mit hTIM3 in der TIM3-/--Maus eine relativ starke Immunantwort induzieren.

5.5. Generierung der monoklonalen Antikörper

Das Ziel dieser Arbeit war die Herstellung eines monoklonalen gegen hTIM3 gerichteten Antikörpers. Trotz vieler Immunisierungsprotokolle stellte die Herstellung vom Antikörper einen schwierigen Prozeß dar. Viele Faktoren wie physikalische Eigenschaften des Antigens, Auswahl der Tiere und Adjuvantien, Fusionsausbeute und Selektionssystem scheinen eine Rolle zu splielen.

Bei der Entwicklung des monoklonalen Antikörpers spielt das Selektionssystem die wichtigsten Rolle. Zum Screening der Klone in dieser Arbeit standen zwei unterschiedliche Antigenformen zur Auswahl, nämlich das lösliche Protein und das auf der Zelloberfläche exprimierte TIM3-Molekül. Da das auf ELISA basierende Selektionssystem empfindlich ist, lassen sich damit viele gewünschte Antikörper detektieren. Aber das unter denaturierenden Bedingungen aufgereinigte Protein besitzte andere Strukturmerkmale als das TIM3-Molekül auf der Zelloberfläche und konnte nicht alle TIM3-Epitope erfassen. Das FACS-Screeing ist in der Regel optimal, aber wegen niedriger Antikörperkonzentration in den Überständen könnten die gewünschten Antikörper übersehen werden. Aus den oben angeführten Gründen wurden zwei Selektionssysteme ausgwählt. Ein im ELISA generierter monoklonaler Antikörper reagierte aber nicht auf hTIM3 auf der Zelloberfläche. Um das hTIM3-Molekül auf lebenden Zellen detektieren zu können, soll weiterhin ein monoklonaler Antikörper generiert werden. Der gegen das lösliche hTIM3-Protein gerichtete monoklonale Antikörper 28H12 könnte weiter zur Untersuchung der löslichen Form von TIM3 benutzt werden.


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5.6. Ausblick

Die bisherigen Ergebnisse der Forschung im Mausmodell zeigten, dass TIM3-Protein von großer Bedeutung für die Th-Zell-Effektorfunktion und Autoimmunerkrankungen ist. Es ist von Interesse, die funktionelle Bedeutung und therapeutische Wirksamkeit vom humanen TIM3 zu untersuchen. Die rekombinante Herstellung des hTIM3 ermöglicht die Produktion der monoklonalen Antikörper. Als nächstes soll bestimmt werden, welche Zellen TIM3 exprimieren, ob TIM3 mit der Produktion bestimmter Zytokine assoziiert ist, ob TIM3 bei Th1-dominierten Erkrankungen vermehrt exprimiert wird und welche funktionelle Bedeutung das humane TIM3 hat.

Hier interessiert uns auch die Frage, welche Zellen den humanen TIM3-Liganden exprimieren und wie man die Interaktion von TIM3-TIM3L manipulieren kann. Die Charakterisierung dieses Liganden ist von großer Bedeutung für das genauere Verständnis der physiologischen Funktionen von TIM3 und für die rationale therapeutische Immunmodulation. Ein Fusionsprotein, TIM3-Immunoglobulin (TIM3-Ig) soll in eukaryontischen Zellen exprimiert werden und für die Färbung der den TIM3-Liganden tragenden Zellen genutzt werden.


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28.09.2004