Zobel, Rita: Beschäftigungsveränderungen und organisationales Lernen in japanischen Industrieaktiengesellschaften Eine empirische Analyse anhand der Kaisha-Datenbank

Geleitwort

Rita Zobel legt eine interessante Arbeit über ein sehr komplexes und von der Datenlage auch sehr schwieriges Problem vor. Sie stellt zunächst den theoretischen Hintergrund für die Untersuchung des internen Arbeitsmarktes japanischer Unternehmen und der Lernprozesse, die auf diesem Arbeitsmarkt ablaufen, dar. Dabei steht die Theorie des organisationalen Lernens im Mittelpunkt. Frau Zobel legt dann eine empirische Analyse vor, die im wesentlichen die Kaisha-Datenbank als Panel beschreibt, untersucht dann die wirtschaftliche Lage der Unternehmen nach Finanzlage, Vermögenslage und Ertragslage und kommt im vierten Kapitel auf die Beschäftigungsstrukturen der untersuchten japanischen Unternehmen zu sprechen. Dabei geht sie auf die Beschäftigungsintensität, die Seniorität, die Entlohnungssysteme und die Rolle der flexiblen Beschäftigung im organisationalen Lernen ein.

Die empirische Analyse, die Rita Zobel durchführt, geht von zehn Hypothesen aus. Das Panel wird nach Erfolgsgruppen, nach Branchen, nach Größenklassen und nach Keiretsu- und Nicht-Keiretsu-Zugehörigkeit unterschieden. Für jeden Bereich werden Produktionsfunktionen geschätzt, wobei die Signifikanz zum Teil bemerkenswert hoch ist. Die Ergebnisse werden jeweils in den „Kernaussagen“ zusammengefasst. Die bemerkenswertesten Aussagen werden über die flexible Beschäftigungsstruktur gemacht. Bei den schlechter geführten japanischen Unternehmen wird offenbar versucht, die Beschäftigungsprobleme zum Teil auf Lieferanten und kleine und mittelständische Firmen abzuwälzen. Das ist durchaus plausibel. Erstaunlich aber ist, dass bei den besten Firmen shukkô, also die „Abordnung“ von Mitarbeitern in andere Unternehmen, negativen Einfluss ausübt. „Der niedrige, aber kontinuierlicher Transfer von Fachpersonal und Managern in die verbundenen Unternehmen ist mit Ertragseinbußen verbunden, die mit einer zunehmenden Wissensintensität in der Produktion steigen.“ Gleichwohl vertritt die Verfasserin die Ansicht, dass dieser negative Effekt bei den untersuchten Firmen überkompensiert wird durch den positiven Effekt bei den kleineren und mittleren Lieferanten bzw. Tochterfirmen. sie resümiert ihre Ergebnisse in dem Abschnitt über „Implikationen für das Organisationslernen“.

Die Arbeit ist in vieler Hinsicht eine inhaltliche und methodische Herausforderung. Trotz der Tatsache, dass in japanischen Geschäftsberichten die Beschäftigungsstruktur viel detaillierter dargestellt werden muss als in deutschen, erwies sich die Datenlage über shukkô in den Geschäftsberichten als lückenhaft. Rita Zobel hat daher ergänzend Interviews und Expertengespräche geführt und Daten per Fragebogen erhoben. Dass es so gelang, Produktions- und Ertragsfunktionen für den Personalbereich japanischer Unternehmen zu schätzen, ist ein bemerkenswertes Ergebnis der Arbeit.

Die Arbeit liefert sehr wertvolle Einsichten und stellt ein gewichtiges Glied in der gesamten Forschungsarbeit über die Strategien japanischer Unternehmen dar. Sie unterstreicht die Bedeutung des empirisch-ökonomischen Arbeitens mit der Kaisha-Datenbank, deren Aufbau von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurde.

Horst Albach


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