| Die letzte Expedition Dr. Emin Paschas trug einen öffentlichen Charakter, deshalb fühlte ich mich verpflichtet auch öffentlich Rechenschaft abzulegen über die Erlebnisse und Ergebnisse des ganzen Unternehmens, zumal es meine Ansicht ist, dass eine Expedition nur dann ihre Aufgabe erfüllt hat, wenn sie die von ihr erreichten Resultate der allgemeinen Kenntniss zugänglich macht und so ihren Nachfolgern und der Wissenschaft gleichermassen von Nutzen ist. Sonst sinkt sie zu dem zweifelhaften Werthe der neuerdings Mode gewordenen Afrika-Touristenfahrten herab.
Bei der Abfassung des Berichtes wurde strengstens auf nüchterne und sachliche Wahrhaftigkeit gehalten. In den Rahmen der Reisebeschreibung wurden auch die Beobachtungen über Ethnographie eingeschaltet, da ich der Meinung bin, dass gerade die Studien über Sitten und Gebräuche der Eingeborenen von grösstem Werth sind für Diejenigen, die als Kolonialbeamte diese Völker beherrschen wollen. Wenn die nachfolgenden Blätter Anregung zu weiteren Studien in dieser Richtung und zur Verbesserung des von uns nur auf flüchtigem Durchmarsch gesammelten Materials dienen sollten, so wäre ihr Zweck zum grösseren Theil erfüllt. Wenn ferner meine geneigten Leser daraus von der Persönlichkeit des Leiters der Expedition, Dr. Emin Pascha, ein anschauliches Bild erhalten, so ist die Mühe reichlich gelohnt, die ich während meiner Urlaubszeit auf diesen Reisebericht verwandt habe. Bei der Eile, mit der wir die Gegenden unterwegs durchmessen mussten, bleibt vieles, ja das Meiste noch übrig zu thun, Dass daher auch bei der Ausarbeitung noch manche Mängel mit unterliefen, mögen die kritischen Leser dieses Buches verzeihen: die Zeit meines Urlaubs war nur sehr knapp im Verhältniss zu der Umfänglichkeit des Materials. Das noch unverarbeitete wissenschaftliche Material der Expedition und anderer Forschungs-Expeditionen in Ost-Afrika, insbesondere Anthropologie, Ethnographie, Zoologie, Botanik und Meteorologie, wird in gesonderten Abhandlungen als Folgebände des gegenwärtigen ersten Bandes unter dem Sammeltitel Deutsch-Ost-Afrika, der Oeffentlichkeit übergeben werden.
Die Routenkarten, von der kundigen Hand des Herrn Dr. Kiepert konstruirt, werden in hoffentlich nicht zu langer Zeit erscheinen können. Das Material war auch hier zu umfangreich, um mit diesem Bericht zugleich fertig gestellt werden zu können. An ihrer Stelle folgt hier 1) eine Uebersichtskarte, in der die Route der Expedition eingetragen wurde, und 2) eine ethnographische Karte, die die Resultate der auf der Expedition und später unternommenen Studien anzeigt. Es ist der erste derartige Versuch, der natürlich aus Mangel an Material noch viele Mängel aufweist. Für alle Angaben, die zu ihrer Verbesserung dienen, werde ich stets sehr dankbar sein. Als Kartons sind ihr je eine geologische Karte, eine Uebersicht über die annäherende Bevölkerungsdichtigkeit und über die wichtigsten Kulturen beigefügt.
Es drängt mich an dieser Stelle Allen, die mich bei der Ausarbeitung mit Rath und That unterstützt haben, meinen wärmsten Dank auszusprechen, in erster Linie Seiner Majestät, unserm allergnädigsten Kaiser, der huldvollst geruht hat, eine sehr beträchtliche Summe aus dem allerhöchsten Dispositionsfond zu bewilligen, um die Bearbeitung der wissenschaftlichen Resultate zu ermöglichen.
Nächstdem bin ich dem Direktor der Kolonial-Abtheilung, dem Wirkl. Geh. Legationsrath Herrn Dr. Kayser lebhaft verpflichtet, der mir den erforderlichen Urlaub gewährt und aus dem Afrikafond eine Summe für die Publikation der Karten bewilligte; ferner Herrn Geheimrath Dr. Bastian und seinem Assistenten Herrn Dr. K. v. Luschan, unter dessen Leitung Herr Sütterlin die ethnographischen Sammlungsstücke der Expedition zeichnete; Herrn Maler Wilhelm Kuhnert, dessen Künstlerhand ich die meisten Illustrationen verdanke; Herrn Geh. Rath Professor Dr. Fritsch, der die Pygmäen für mich photographirte, und allen den Herren, die die Bearbeitung der wissenschaftlichen Ausbeute gütigst übernahmen; insbesondere den Herren Geheimrath Prof. Dr. R. Virchow, Geh. Rath Prof. Dr. K. Moebius, Prof. Dr. A. Engler, Prof. Dr. Freih. von Danckelman, Dr. R. Kiepert und vielen Anderen.
Nicht zum wenigsten aber bin ich Herrn Dr. Josef Ettlinger in Berlin verpflichtet, der sich der sehr mühsamen und zeitraubenden literarischen Durcharbeitung des Manuskripts in sachkundigster Weise unterzog und ebenso der Verlagsbuchhandlung von Dietrich Reimer, insbesondere Herrn Konsul Ernst Vohsen, der mit grossem Opfermuth und nie erlahmendem Eifer die Herausgabe des Berichtes leitete und überwachte.
Zum Schlusse möchte ich der Freunde und Kameraden in Sansibar und an der deutsch-ostafrikanischen Küste, besonders meiner lieben Reisegefährten gedenken, vor allen des hochverehrten Leiters der Expedition, auf dessen Anregung ich an das Werk gegangen bin und der mir gestattete, bedeutsame Beiträge von ihm zu veröffentlichen.
Hamburg-Borgfelde, Ende Oktober 1893.
Dr. Franz Stuhlmann. |