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Dissertation

Autor(en): Carsten Siebert
Titel: Qualia – Das Phänomenale als Problem philosophischer und empirischer Bewußtseinstheorien
Gutachter: Herbert Schnädelbach; Michael Heidelberger; R. Jay Wallace
Erscheinungsdatum: 08.07.1998
Volltext: html (urn:nbn:de:kobv:11-10010960)
pdf (urn:nbn:de:kobv:11-10010979)
Fachgebiet(e): Philosophie
Schlagwörter (ger): Bewußtsein, Qualia, Wahrnehmung, Naturalismus, Repräsentationalismus
Schlagwörter (eng): consciousness, qualia, perception, naturalism, representationalism
Einrichtung: Humboldt-Universität zu Berlin, Philosophische Fakultät I
Zitationshinweis: Siebert, Carsten: Qualia – Das Phänomenale als Problem philosophischer und empirischer Bewußtseinstheorien; Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin, Philosophische Fakultät I , publiziert am 08.07.1998, urn:nbn:de:kobv:11-10010980
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Abstract (ger):
Thema der Arbeit sind die Konzepte von 'phänomenaler Erfahrung' und 'Bewußtsein' in verschiedenen empirischen und philosophischen Theorien über das Verhältnis von physiologischen und mentalen Prozessen. Der 1. Teil klärt das Umfeld des Problems: Kapitel 1 und 2 erläutern, warum die Diskussion phänomenaler Qualitäten oder Qualia zum Lackmustest der neuen Theorien des Bewußtseins geworden ist. Kapitel 3 und 4 zeigen, inwiefern ein Großteil der Verwirrung bezüglich von Qualia auf den impliziten Annahmen bestimmter Wahrnehmungstheorien beruhen. Sinnesepisoden (und damit zumindest eine wichtige Klasse phänomenaler Episoden) können nur auf der Ebene von Systemen erklärt werden, die in angemessener Weise auf Eigenschaften ihrer Umgebung reagieren können. Von dieser Einsicht ausgehend, verhandelt der 2. Teil mit verschiedenen konkreten Versuchen, Qualia innerhalb empirischer Kontexte zu erklären. Kapitel 5 untersucht konnektionistische Modelle, die sich einer Vektorkodierungsstrategie bedienen (Churchland, Clark, Flanagan) und sich an die Theorie der Selektion neuronaler Gruppen (Edelman) anzubinden. Wenn aber das Qualia-Problem nicht so einfach neurophilosophisch gelöst werden kann, so fährt Kapitel 6 fort, ist es verlockend, mentale Zustände als informationstragende neurophysiologische Zustände zu betrachten. Das ist der sogenannte Repräsentationalismus oder Intentionalismus (Dretske, Beckermann, Tye). Kapitel 7 behauptet, daß diese Versuche, Bewußtsein im direkten Verweis auf die empirische Forschung zu erklären, philosophisch nicht befriedigend sind, weil Bewußtsein keine 'natürliche Art' ist, d.h. kein einheitliches Phänomen, das isoliert durch eine Einzeldisziplin (einschließlich des Funktionalismus) untersucht werden könnte. In Kapitel 8 analysiere ich Damasios Theorie somatischer Marker als Versuch, Searles Intuition bezüglich der phänomenalen Grundierung aller bewußter Prozesse empirisch zu plausibilisieren. Nicht Gehirne (also sub-personale Systeme) sind Träger bewußter Zustände, sondern potentielle Handlungssubjekte. Alle empirischen Theorien etablieren höchstens eine gutbestätigte Kovarianz zwischen Gehirnzuständen und mentalen Zuständen. Im abschließenden Kapitel 9 verteitige ich demgemäß einen nicht-puritanischen, eklektischen Naturalismus, der sich dem Bewußtseinsproblem unter Aufbietung aller theoretischen Paradigmata nähert, die sich als heuristisch produktiv erwiesen haben. Fragen des Bewußtseins involvieren immer auch eine Selbstinterpretation des Fragenden. Das allein ist schon Grund genug zu der Vermutung, keine naturwissenschaftliche Einzeldisziplin werde je für sich allein alle dieser Fragen klären können.
Abstract (eng):
"Qualia - Phenomenal states as a problem for philosophical and empirical theories of consciousness" In this essay, I examine the concepts of 'phenomenal experience' and 'consciousness' in several empirical and philosophical theories about the relation between physiological and mental processes. Part I sets the stage for the problem: Chapters 1 and 2 establish why the discussion of phenomenal qualities or qualia has become a litmus test for current theories of consciousness. Chapters 3 and 4 show how large parts of the confusion about qualia rest on implicit assumptions that characterize certain theories of perception. Against mainstream inferentialist theories, I defend a vaguly Gibsonian direct theory. Sensory episodes (and thus at least one important class of phenomenal episodes) can be explained only on the level of systems that have the ability to usefully react to features of their environment. Using this insight as its point of departure, Part II deals with several concrete attempts to explain qualia in an empirical context. Chapter 5 examines connectionist models using vector coding strategies (Churchland, Clark, Flanagan) and tries to connect them to the Theory of Neuronal Group Selection (Edelman). If the qualia-problem cannot be simply solved by means of neurophilosophy, I go on to argue in Chapter 6, it is tempting to regard mental states as information-bearing neurophysiological states. This is the position taken by Representationalism or Intentionalism (Dretske, Beckermann, Tye). Chapter 7 claims that these attempts to explain consciousness with direct reference to empirical research are not philosophically satisfactory because consciousness is no 'natural kind', no unified phenomenon that lends itself to examination in any single scientific discipline (including all kinds of functionalims). In Chapter 8, I analyze Damasio's Theory of Somatic Markers as an attempt to empirically support Searle's intuition concerning the necessary phenomenal grounding of all conscious processes. Bearers of conscious states are not brains (sub-personal systems), but subjects with the potential to act; consciousness is embodied consciousness. All of these theories establish at most a good covariance between brain states and mental states. In the concluding Chapter 9, I defend a non-puritan, eclectic naturalism which approaches consciousness using all theoretical paradigms that have proved themselves to be heuristically productive. Questions about consciousness always involve questions of self-interpretation. This alone is reason enough to suspect that no single scientific discipline will be in a position to solve them all.
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Generiert am 18.04.2014, 00:15:16