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Habilitationsschrift

Autor(en): Martina Rauchfuß
Titel: Bio-psycho-soziale Prädiktoren der Frühgeburtlichkeit und Differentialdiagnose zur intrauterinen fetalen Retardierung – Ergebnisse einer prospektiven Studie
Gutachter: Elmar Brähler; Isolde Wachter; Marianne Ringler
Erscheinungsdatum: 15.07.2003
Volltext: html (urn:nbn:de:kobv:11-10070297)
pdf (urn:nbn:de:kobv:11-10024535)
Fachgebiet(e): Medizin
Schlagwörter (ger): Schwangerschaftskomplikationen, Frühgeburt, psychosozial, prospektiv
Schlagwörter (eng): pregnancy complications, preterm delivery, psychosocial, prospective
Einrichtung: Humboldt-Universität zu Berlin, Medizinische Fakultät - Universitätsklinikum Charité
Zitationshinweis: Rauchfuß, Martina: Bio-psycho-soziale Prädiktoren der Frühgeburtlichkeit und Differentialdiagnose zur intrauterinen fetalen Retardierung – Ergebnisse einer prospektiven Studie; Habilitationsschrift, Humboldt-Universität zu Berlin, Medizinische Fakultät - Universitätsklinikum Charité , publiziert am 15.07.2003, urn:nbn:de:kobv:11-10024535
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Abstract (ger):
Fragestellung: Die Symptome einer drohenden und die tatsächlich eingetretene Frühgeburt stehen am Ende eines pathophysiologischen Prozesses, der bislang ungenügend verstanden wird. So verwundert es nicht, wenn bisherige Präventions- und Therapiestrategien unzureichende Erfolge in der Prävention der Frühgeburtlichkeit gebracht haben. Ähnliches ist für die intrauterine Wachstumsretardierung festzustellen, die wohl das Ergebnis eines sehr früh in der Schwangerschaft beginnenden Prozesses darstellt. Es gibt eine Reihe von Studien, die die Bedeutung psychosozialer Bedingungen für den Verlauf von Schwangerschaft und Geburt belegen. Entscheidende Defizite bisheriger Untersuchungen liegen zum einen in der Vernachlässigung wichtiger psychosozialer Einflussfaktoren (insbesondere Ängste, Kindheitserfahrungen, soziale Netze und Partnerschaft) zum anderen beschränkt das retrospektive Design die Aussagekraft. Material und Methode: In der vorliegenden prospektiven Studie wurde 589 Frauen in der 16. - 22. SSW mittels eines im Projekt entwickelten Fragebogens untersucht. Von 508 Einlingsschwangeren konnten später Daten zum Schwangerschafts- und Geburtsverlauf aus den medizinischen Unterlagen entnommen werden. Zur Datenreduktion wurden Faktorenanalysen mit der Hauptkomponentenmethode und anschließender Varimax-Rotation gerechnet und die ermittelten Faktoren einer Reliabilitätsprüfung unterzogen. Als statistisches Auswertungsverfahren wurde die logistische Regression eingesetzt. Ergebnisse: Die vorliegende Untersuchung erbrachte erste interessante Hinweise auf gleichgerichtete aber auch unterschiedliche Ressourcen- und Risikokonstellationen bei verschiedenen, im Kontext der Frühgeburtlichkeit bedeutsamen Komplikationen. Schwangere, die wegen drohender Frühgeburt behandelt werden, scheinen stärker sozial belastet zu sein als diejenigen, die später tatsächlich vor der vollendeten 37. SSW gebären. Ein fehlendes weibliches Netzwerk und fehlendes emotionales Verständnis des Partners sind mit beiden Komplikationen korreliert, wobei die Paarbeziehung für die tatsächliche eintretende Frühgeburt eine besondere Bedeutung hat. Eine anamnestische Belastung durch gynäkologische Störungen war ebenfalls sowohl für die drohenden wie auch die tatsächlich eingetretene Frühgeburt prädiktiv. Ausgeprägte schwangerschaftsbezogene Ängste und eine geringe allgemeine Ängstlichkeit sind weitere signifikante Prädiktoren im Modell der Frühgeburt vor der vollendeten 37. SSW. Schwangere, deren Kinder intrauterin eine Mangelentwicklung erfahren, haben in der vorliegenden Studie eine unreflektierte Ambivalenz gegenüber Schwangerschaft und Mutterrolle. Sie betonen auf bewusster Ebene die Erwünschtheit ihrer Schwangerschaft, während unbewusste negative Emotionen auf potentielle somatische Probleme projiziert werden. Ein niedriger prägravider BMI wird sowohl durch andere Untersucher wie auch durch die eigenen Ergebnisse als Risikofaktor bestätigt. Neben den bekannten somatischen Einflüssen ist auch an einen Zusammenhang im Kontext der unbewussten Ablehnung weiblicher Körperlichkeit, wie sie z.B. von Anorexiepatientinnen bekannt ist, zu denken. Schlussfolgerungen: Paarbeziehung, weibliche Netzwerke, psychosomatische Reagibilität in Hinblick auf Erkrankungen der reproduktiven Organe und Ängste verdienen zur Prävention der Frühgeburt stärkere Aufmerksamkeit. Angebote psychosozialer Unterstützung sollten frühzeitig in der Gravidität und zielgruppenspezifisch gemacht werden und die Schwangeren in ihrem Kompetenz- und Autonomieempfinden stützen.
Abstract (eng):
Research question: The symptoms of preterm labour and preterm delivery stand at the end of a pathophysiological process which is understood up to now insufficiently. So it does not amaze if previous preventive and therapeutic strategies have brought inadequate successes in the prevention of preterm delivery. Similar one is to be arrested for the intrauterine fetal growth retardation which represents presumably the result of a process beginning very early in the pregnancy. Some studies give evidence for psychosocial conditions for the process of pregnancy and birth. On the one hand fundamental deficits of previous investigations are in the disregard of important psychosocial performance-influencing factors (in particular fears, biographic factors, social network and partnership), on the other hand the retrospective design limits the informative value. Material and means: In the present prospective study 589 women between 16th and 22nd week of pregnancy were examined using a questionnaire that was designed for the study. This resulted in 508 women pregnant with a single child, whose pregnancy and delivery were examined based on their medical records. Factor analysis and main component analysis with subsequent varimax rotation resulted in factors that were subject to a proof of reliability. Statistical analysis was based on logistic regression. Results: The present investigation produced first interesting indications of rectified but also different resource and risk constellations in the context of the preterm delivery. Pregnant women with preterm labour seeming to be burdened more strongly socially than those that later in fact have a preterm delivery. A missing feminine net and missing emotional understanding of the partner are correlated with both complications. The partnership has a special importance for the preterm delivery. An anamnestic load through gynaecological troubles was predictive also both for the threatening labour ones as also the preterm delivery. Marked pregnancy related fears and a small general anxiety are further significant predictors in the model of the preterm delivery. Pregnant women with intrauterine fetal retardation have in the present study an unconscious ambivalence opposite pregnancy and motherhood. On conscious tier they stress the desire of their pregnancy while unconscious negative emotions are being projected onto potential somatic problems. Compatible with other investigations a low pre-pregnancy weight was a risk factor. Next to the known somatic influences also a connection is to be thought of in the context of the unconscious refusal of feminine body as for example is known from anorectic patients. Conclusions: Partner relationship, female networks, psychosomatic reactivity in terms of diseases/disorders of the reproductive organs, and anxieties appear to be worthwhile targets in the prevention of preterm delivery. Psychosocial support should be given oriented to different target groups from early in the pregnancy.
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Generiert am 01.11.2014, 03:42:49