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Publikationsart: Buchkapitel / Aufsatz in einem Sammelband
Autor(en): Olaf L. Müller
Titel: Pazifismus mit offenen Augen
Erschienen in: Der gerechte Friede zwischen Pazifismus und gerechtem Krieg : Paradigmen der Friedensethik im Diskurs
S. 23-59
Herausgeber: Jean-Daniel Strub; Stefan Grotefeld
Verlag: Kohlhammer
http://www.kohlhammer.de
Erscheinungsort: Stuttgart
Erstveröffentlichung: 31.05.2007
Einreichung: 16.03.2006
Veröffentlichung auf edoc: 29.05.2011
Anmerkung: Dieser Aufsatz erschien ursprünglich in einem Buch des Kohlhammer-Verlags (siehe www.kohlhammer.de) und wird hier mit freundlicher Genehmigung elektronisch exakt so wiedergeben wie das Original; nur Zusammenfassung und Gliederung fehlten im Original.
Status: published
not_reviewed
Volltext: pdf (urn:nbn:de:kobv:11-100187305)
Fachgebiet(e): Geschichte Europas ; Philosophie ; Politik
Schlagwörter (ger): Pazifismus, Gerechter Krieg, Humanitäre Intervention, bellum iustum, ius ad bellum, ius in bello, ius post bellum, Konsequentialismus, Utilitarismus, Fakt/Werte-Dichotomie, Dichte ethische Begriffe, Dicke ethische Begriffe, Regulative Ideen, Ontologische Sparsamkeit, Kosovo, Hilary PUTNAM, Jean Bethge ELSHTAIN, Immanuel KANT
Schlagwörter (eng): Pacifism, Just War, Humanitarian Intervention, bellum iustum, ius ad bellum, ius in bello, ius post bellum, Consequentialism, Utilitarianism, Entanglement of Fact and Value, Valueladeness of Fact, Thick Ethical Concepts, Ontological Parsimony, Regulative Ideas, Kosovo, Hilary PUTNAM, Jean Bethge ELSHTAIN, Immanuel KANT
Einrichtung: Humboldt-Universität zu Berlin, Philosophische Fakultät I
Verlagsinformation: Die Idee des gerechten Friedens stößt innerhalb der friedensethischen Diskussion seit einigen Jahren auf lebhaften Zuspruch. Was jedoch unter einem gerechten Frieden zu verstehen ist und was eine friedensethische Theorie, die dieses Konzept in den Mittelpunkt stellt, zu leisten vermag, ist nach wie vor ungeklärt und umstritten. Der vorliegende Band profiliert das Konzept des gerechten Friedens gegenüber den etablierten friedensethischen Paradigmen des Pazifismus und des gerechten Krieges. Dabei greift er aktuelle Fragen der internationalen Friedens- und Sicherheitspolitik auf. Er enthält Beiträge von Autorinnen und Autoren aus Philosophie, Theologie, Politikwissenschaft und Friedensforschung.
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Abstract (ger):
Pazifisten und deren Gegner streiten sich meist nicht bloß über moralische, sondern auch über faktisch-deskriptive Fragen. Zum Beispiel sind beide Seiten bei der Kosovo-Krise (1998/9) zu völlig entgegengesetzten Beschreibungen gekommen. Laut meiner Rekonstruktion des Pazifismus ist das keine Überraschung, weil der Pazifist die Fakten legitimerweise im Lichte seines Systems von Werten betrachtet. Seine Gegnerin betrachtet die Fakten im Lichte eines alternativen Wertsystems, und der Streit zwischen den beiden Parteien, der sich angeblich auf wertfrei deskriptivem Boden bewegt, hört nie auf, weil es keine objektiven Tatsachen aus dem betreffenden Krieg gibt, die den Streit für die eine oder andere Seite eindeutig entscheiden könnten. Die wertbeladene Weltsicht des Pazifisten lässt sich als eine Befolgung dreier epistemischer Imperative verstehen: (1) Imperativ zur Natur des Menschen: "Wehre Dich gegen Dämonisierungen der Gegenseite; versuche immer, den Fall aus der Sicht der Gegenseite zu verstehen". (2) Imperativ zugunsten friedfertiger Alternativen: "Suche immer nach friedfertigen Alternativen zum geplanten Militäreinsatz". (3) Imperativ bezüglich unkontrollierbarer Eskalation: "Schärfe deinen Blick für unkontrollierbare, irreversible Nebenfolgen des militärischen Einsatzes, und achte besonders auf die Gefahr, dass ein weiterer Weltkrieg ausbrechen könnte". Nicht die objektive Realität entscheidet darüber, wie weit man bei der Befolgung dieser Imperative gehen sollte. Die epistemischen Imperative des Pazifisten können mit Kants regulativen Prinzipien verglichen werden, die laut Kant notwendig sind, um unseren naturwissenschaftlichen Untersuchungen eine Orientierung zu geben. Und wenn sich also die Erkenntnismethode des Pazifisten in entscheidender Hinsicht nicht von der naturwissenschaftlichen Erkenntnismethode unterscheidet, dann verdienen die Pazifisten einen Vorwurf ganz sicher nicht: den Vorwurf, auf irrationale Weise blind zu sein für die harten Wirklichkeiten.
Abstract (eng):
Pacifists and their opponents disagree not only about moral questions, but most often about factual questions as well. For example, they came to divergent descriptions of the crisis in Kosovo. According to my reconstruction of pacifism, this is not a surprise because the pacifist, legitimately, looks at the facts in the light of her system of value. Her opponent, in turn, looks at the facts in the light of alternative systems of value, and the quarrel between the two parties about supposedly descriptive matters does not come to an end as there is no objective reality about the war in question that could settle the issue. If I am right, the pacifist's value-laden way of looking at reality can be reconstructed as an obedience to three epistemic imperatives. First, the Epistemic Imperative concerning Human Nature ("Resist against demonizing the other side; always try to understand the case from their point of view"). Second, the Epistemic Imperative concerning Non-Violent Alternatives ("Always search for non-violent alternatives to projected military action"). Third, the Epistemic Imperative concerning Uncontrolled Escalation ("Sharpen your attention for uncontrolled, irreversible side effects of military action, particularly for the danger of escalation to another world war"). Objective reality does not decide how far one should go in following these imperatives. Rather, the decision about this is our's—similarly as in case of the scientist who decides to search for common deep structure behind the chaos of the manifold. So the pacifist's epistemic imperatives can be compared to Kant's regulative principles that are necessary for guiding the scientific scrutiny of reality.
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Generiert am 28.07.2014, 21:25:04