| Autor(en): |
Sameh Dridi |
Titel: |
Die Bedeutung der spirituellen Heilung in Tunesien – eine aktuelle Untersuchung zur Stellung der tibb rûhânî für die Jugendlichen |
| Gutachter: |
Peter Heine; Thomas Zitelmann |
| Erscheinungsdatum: |
06.03.2012 |
| Volltext: |
pdf
(urn:nbn:de:kobv:11-100199909)
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| Fachgebiet(e): |
Allgemeines, Wissenschaft |
| Schlagwörter (ger): |
Spirituelle Heilung, islamisch-arabische Medizin, Volksislam in Tunesien, Jugend und Alternativmedizin, übernatürliche Kräfte |
| Schlagwörter (eng): |
spiritual healing, traditional-Arabic medicine, popular Islam in Tunisia, young people and alternative medicine, supernatural powers |
| Einrichtung: |
Humboldt-Universität zu Berlin, Philosophische Fakultät III |
| Lizenz: |

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| Zitationshinweis: |
Dridi, Sameh:
Die Bedeutung der spirituellen Heilung in Tunesien – eine aktuelle Untersuchung zur Stellung der tibb rûhânî für die Jugendlichen;
Dissertation,
Humboldt-Universität zu Berlin, Philosophische Fakultät III , publiziert am 06.03.2012, urn:nbn:de:kobv:11-100199909
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| Abstract (ger): |
| Die Schulmedizin ist zwar das offizielle und anerkannte Gesundheitssystem in Tunesien, jedoch findet der Beobachter zahlreiche traditionelle und moderne alternative Heilmethoden, die miteinander koexistieren. Dazu gehört die spirituelle Heilung bzw. die tibb ruhani, die im letzten Jahrzehnt zunehmend eine zentrale Stellung im „health seeking behavior“ der Jugendlichen eingenommen hat.
Viele der älteren Heilpraktiken standen in der Öffentlichkeit im Schatten der Schulmedizin und des offiziellen Islam. Dabei spielte der Bezug auf die religiösen Texte und die übernatürliche Welt und ihre Kräfte sowie auf die traditionelle Medizin eine wichtige Rolle.
Meine zehnmonatige Feldforschung bzw. meine Interviews mit den Jugendlichen zeigen die Bedeutung der spirituellen Heilung für diese Altersgruppe, die Heilung von ihren Krankheiten und Lösung für ihre sozialen Konflikte und Probleme sucht. Auch die Medien richten heute mehr Interesse auf diesen Bereich, in dem sie eher kritische Artikel darüber veröffentlichen und die Werbung der Heiler publizieren. Diese Ambivalenz zeigt, dass der Umgang mit der spirituellen Heilung in der Öffentlichkeit einen interessanten Wandel erlebt. Die Bedeutung der traditionellen Medizin und der volksislamischen Heilpraktiken war zwar immer in der Gesellschaft verankert, blieb allerdings bis jetzt nur im Hintergrund. Eine Transformation und eine öffentliche Anerkennung erhalten sie erst durch die moderne spirituelle Heilung.
Die mediale Präsenz der spirituellen Heilung zeigt, dass Krankheit und soziale Konflikte nicht mehr als lediglich die Privatsphäre betreffen. Dies impliziert eine staatliche Strategie als eine Art Sicherheitsventil für die sozio-wirtschaftlichen Probleme vor allem der Jugendlichen (Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Migrationswunsch) und ebenso gegenüber dem politischen Islam.
Abschließend ist die spirituelle Heilung ein fester Bestandteil des medizinischen Pluralismus in Tunesien geworden und es bestehen Bestrebungen, mit der Schulmedizin zu kooperieren. |
| Abstract (eng): |
| In addition to modern medicine, traditional medicine plays an important role in the medical system of Tunisia. There are different healing methods which characterize the medical landscape of the country and they coexist in an interesting way. This variety has a remarkable impact on the health seeking behavior of the Tunisians and especially of the younger generations (17-30), who have become increasingly interested in spiritual healing (tibb ruhani).
This healing method deals with illnesses including modern methods of treatment and, additionally, it focuses on a number of issues and problems which concern this age group such as social conflicts, unemployment and migration.
The image of spiritual healing has changed considerably over the past ten years. This transformation has led to a new understanding of illness and healing and to the development of new strategies regarding the health seeking behavior. Spiritual healing is based, on the one hand, on religious texts, the supernatural world and its agents and, on the other hand, on traditional healing methods and modern medicine. Up to recently, the traditional healing methods only played a marginal role in the medical system and they were hardly attractive to the young generations. My fieldwork, however, clearly shows that spiritual healing has deeply aroused the interest of this age group and, at the same time, it has met with public recognition.
The mass media have also become interested in the phenomenon of spiritual healing and are publishing increasing numbers of articles about the spiritual healers and their methods and by giving them the opportunity to participate in a variety of TV-shows. This new attitude towards illness, healing and social problems underlines that these topics are no longer private concerns. The spiritual healing has incorporated the current social and economic transformations. The healers have become important contacts for this age group who consult them to find adequate solutions to a wide range of their concerns.
The government profits from this new role of the spiritual healing and it uses it for various purposes such as to alleviate social tensions. The importance of the spiritual healing in Tunisia is also underlined by the serious attempt to develop an official cooperation between spiritual healing and modern medicine.
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