Band 10 • 2007 • Teilband II | ISBN 978-3-86004-205-2 | Geschichte im Netz: Praxis, Chancen, Visionen |
| Historische Fach- und Themenportale | |
Historische Fach- und Themenportale
von Irmgard Zündorf
Portale sind architektonisch aufwändig gestaltete, breite Zugänge zu Gebäuden. Sie erschließen deren Räume. In der virtuellen Welt des Internets umfassen diese Räume bestimmte Themen oder Fachbereiche. Die Informationsangebote zu unterschiedlichsten Themen der Geschichtswissenschaft im Netz sind inzwischen kaum noch zu überschauen. Sie sind ebenso vielfältig in ihrer Themenauswahl, wie in ihrer Qualität. Bei den Anbietern handelt es sich sowohl um interessierte Laien als auch fachwissenschaftlich ausgerichtete Projektzusammenhänge. Um dem einzelnen Nutzer den Umgang mit der Vielfalt dieser Informationsangebote im Web zu erleichtern, sind verschiedene Projekte entstanden, die das Internet nach bestimmten Themen durchforsten, die entsprechenden Angebote gliedern, klassifizieren und näher beschreiben. Es sind Portale entstanden, die den Zugang zu einem Fach oder Themenfeld erleichtern sollen. Diese Fach- und Themenportale stellen somit eine höhere Stufe des Angebots im Netz dar – den geordneten und strukturierten Zugang zu Informationen.
Inzwischen gibt es eine Vielzahl solcher geschichtswissenschaftlichen Portale, die unterschiedlichen Kategorien zugeordnet werden können: Die einen präsentieren Materialien, die bisher nur vor Ort in den jeweiligen Einrichtungen einzusehen waren, dazu zählen beispielsweise die Informationsangebote von Archiven und Bibliotheken, und die anderen bündeln die bereits im Netz vorhandenen Angebote. Die Portale lassen sich zudem wieder in Fach- und in Themenportale unterscheiden, wobei die Übergänge hier allerdings fließend sind. Die Fachportale richten sich gezielt an ein wissenschaftliches Publikum, das im Netz nach fachspezifischen Inhalten recherchiert. Themenportale hingegen sind wesentlich breiter angelegt, richten sich nicht nur an Fachwissenschaftler/innen und Studierende, sondern auch an eine breitere, an Themen der Geschichte interessierte Öffentlichkeit. Sie erschließen daher auch Angebote, die außerhalb der Fachwissenschaft entstanden sind.
Betrachten wir zunächst jene Portale, die selbst neue Inhalte ins Netz stellen und damit eine Art Repositorium für digitalisierte Quellen darstellen. Ein gutes Beispiel für eine solche Quellensammlung stellen die „Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte“ dar.
[1]
Dieses Fachportal richtet sich gezielt an die Ostmitteleuropa-Forscher/innen und bietet ihnen vor allem Originaltexte und teilweise sogar scans der Originalquellen. Gerade für die ansonsten doch eher dezentral gelegenen Materialien – dazu zählen neben Texten auch Karten, Bilder und Tondokumente – nutzen die Ostmitteleuropa-Forscher/innen somit das Netz als ein forschungsbezogenes elektronisches Archiv. Die Erschließung vorhandener Angebote steht demgegenüber im Hintergrund.
Auch das Themenportal „Europäische Geschichte“
[2]
bündelt Informationen und vor allem Materialien zur Europäischen Geschichte, die bisher nicht im Netz zu finden waren. Es geht allerdings noch einen Schritt weiter und bietet nicht nur den Zugang zu Texten, Karten und Bildern, die für das Netz digitalisiert werden. Es liefert darüber hinaus erläuternde und einführende Essays ausgewiesener Fachleute zu den dargebotenen Materialien. Auch hier handelt es sich um ein neues Informationsangebot, das sich in erster Linie an Wissenschaftler/innen und Studierende richtet.
Das Projekt „Bayerische Landesbibliothek Online“
[3]
bietet ebenfalls in erster Linie Quellen, Karten und Bilder an. Darüber hinaus wird allerdings auch Fachliteratur aufgenommen – wie es sich für ein Bibliotheksprojekt auch empfiehlt. Das Angebot bezieht allerdings nicht allein neu für das Netz digitalisierte Materialien ein, sondern bündelt auch bereits im Internet vorhandene digitale Inhalte. Die Klammer, die das Angebot zusammenhält, ist der regionale Bezug zu Bayern. Zielgruppe des weit gefassten Angebots ist daher über das Fachpublikum hinaus auch eine breitere interessierte Öffentlichkeit. Als Ergänzung zu dem Portal wird ein Online-Lexikon präsentiert. Folgt man der oben aufgestellten Kategorisierung, handelt es sich hier um eine Mischform zwischen Fach- und Themenportal mit Zusatzangeboten.
„Regionalgeschichte.net“
[4]
liefert, wie der Name bereits verdeutlicht, ebenfalls einen regionalgeschichtlichen Zugang zu Informationen. Wiederum werden Inhalte gebündelt, die bis dato noch nicht im Netz verfügbar waren. Dieses Projekt nimmt allerdings die Digitalisierung von Materialsammlungen nicht selbst vor, sondern fordert regionale Anbieter auf, ihre Angebote im Fachportal ins Netz zu stellen und über „Regionalgeschichte.net“ zentral zugänglich zu machen. Zielgruppe sind hier eher Vereine und andere vorwiegend von historiografischen Laien betriebene Institutionen. Die interaktiven Möglichkeiten des Internets werden hier breiter ausgeschöpft: Die Nutzer/innen können sowohl Materialien einstellen, als auch die Materialien anderer nutzen und diese miteinander verknüpfen. Somit dient dieses Portal nicht nur dem vereinfachten Zugang zu einem Thema bzw. zu einem Fachgebiet, sondern auch der Vernetzung der einzelnen Informationsanbieter und -nutzer.
Das Projekt „ETHistory 1855-2005“
[5]
folgt dagegen einem enger gefassten Portal-Begriff. Es beschränkt sich auf einen klar umrissenen Themenbereich – eben auf die Geschichte der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich in den letzten 150 Jahren. Die entsprechenden Materialien werden medial im Netz aufbereitet und angeboten. Dazu zählen sowohl virtuelle Rundgänge als auch Videosequenzen mit Zeitzeugeninterviews oder eben klassische Textbeiträge. Auch diese Informationen sind speziell für das Projekt aufbereitet worden. Zwar werden hier Materialien zu einem Thema gebündelt und zentral zugänglich gemacht. Diese Form des Zugangs ist aber kaum als Portal im eigentlichen Sinne zu bezeichnen. Das Beispiel zeigt vielmehr den Unterschied zwischen einer thematischen Website und einem Portal. Thematische Websites beziehen sich auf ein eng definiertes Thema und bieten unterschiedliche Informationen aus der Hand eines Anbieters. Hier werden keine disparaten, ansonsten schwer zugänglichen Inhalte gebündelt und über einen zentralen Einstiegspunkt zugänglich gemacht. Vielmehr lässt sich die genannte Website selbst als Teil eines Portals zum Beispiel zur Wissenschafts- oder Universitätsgeschichte denken.
In dem hier zu behandelnden Feld von themen- und fachbezogenen Informationsangeboten ist auch das Portal zu den Universitätssammlungen in Deutschland
[6]
zu sehen. Das Projekt erfasst und beschreibt bestehende wissenschaftliche Sammlungen an Universitäten und bietet somit die Grundlage für ein entsprechendes Portal. Die bereits jetzt bestehende und im Netz zugängliche Datenbank liefert zwar einen guten Überblick über die vorhandenen Materialien, die vor Ort liegen. Sie stellt aber noch kein Portal dar. Die Datenbank kann als Wegweiser zu einem bestimmten Bereich von Quellen verstanden werden, erschließt ihn jedoch nur begrenzt. Erst durch zusätzliche Verweise auf die Internetpräsentationen der einzelnen Universitätssammlungen und -museen oder die Bereitstellung von elektronischen Findmitteln sowie ergänzenden Bestandsbeschreibungen würde das Angebot den Charakter eines Portals erhalten.
Das Fachportal Clio-online
[7]
hingegen kann als „klassisches“ Internetportal im oben genannten Sinne verstanden werden. Es bündelt Web-ressourcen zur Geschichtswissenschaft, gliedert die vorhandenen Angebote in unterschiedliche Kategorien, kommentiert die im Netz gefundenen Websites der unterschiedlichsten Anbieter und bietet somit einen breiten Zugang zu einem riesigen Raum, der mit Informationen unterschiedlichster Qualität gefüllt ist. Die gesamte Geschichtswissenschaft erweist sich dabei natürlich als ein sehr weites Feld und ein einziges Portal als schon wieder fast zu groß, um dem einzelnen Nutzer einen gezielten Zugang zu den von ihm gesuchten fachwissenschaftlichen Informationen zu liefern. Daher bietet Clio-online zusätzlich die Personalisierung der Angebote und Dienste an. Dieser vom Nutzer selbst definierbare, individuelle Zugang stellt eine wichtige neue Stufe der Weiterentwicklung von fachbezogenen Internet-Angeboten dar.
Auf den Seiten von Clio-online findet sich auch der Link zu Historische Rezensionen Online (HRO), einer Suchmaschine für Online-Rezensionen zu geschichtswissenschaftlich relevanten Werken.
[8]
HRO ist kein eigenes Portal, sondern bietet als Teil von Clio-online einen weiteren Zugang zu historischen Informationen im Internet.
Zusammenfassend zeigt sich, dass es das Internetportal natürlich nicht gibt. Die vielfältigen Möglichkeiten, die das WWW bietet, werden auf unterschiedlichste Weise von den Anbietern im Netz genutzt. Festzuhalten bleibt die Funktion von Portalen als einem zentralen Zugang zu unterschiedlichsten über das Netz verstreuten Informationen. Dabei können diese Informationen bereits im Netz vorhanden oder aber erst für dieses Portal digitalisiert worden sein. Portale können somit auch als Türen bzw. Bindeglieder zwischen zwei Welten verstanden werden – sie verweisen auf die Angebote in der virtuellen, aber auch in der „realen“ Welt.
***
Dr. Irmgard Zündorf ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam und Redakteurin des Internetportals „Zeitgeschichte-online“. E-Mail: zuendorf@zzf-pdm.de
[1] Vgl. <http://quellen.herder-institut.de>.
[2] <http://www.europa.clio-online.de>. Vgl. dazu auch den Beitrag von Rüdiger Hohls in diesem Band.
[3] <http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de>.
[4] <http://www.regionalgeschichte.net>.
[5] <http://www.ethistory.ethz.ch>.
[6] <http://publicus.culture.hu-berlin.de/sammlungen>.
[7] <http://www.clio-online.de>.
[8] <http://www.clio-online.de/hro>.
Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte – Eine Internetpublikation des Herder-Instituts
von Heidi Hein-Kircher
Die „Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte“
[1]
, die im Internet publiziert werden, sind eine innovative Form einer wissenschaftlichen Serviceleistung für die Ostmitteleuropa-Forschung, vor allem für die universitäre Lehre, da sie Themen zu verschiedenen Regionen und Zeitpunkten der ostmitteleuropäischen Geschichte behandeln. Die einzelnen Themenbereiche sind in Module untergliedert und über ein Schlagwortsystem miteinander vernetzt. Sie präsentieren nicht nur Quellentexte in Originalsprache und deutscher (englischer) Übersetzung sondern auch Scans der Originalquellen. Darüber hinaus werden weitere Materialien dargeboten, die zugleich wichtige didaktische Hilfsmittel und Quellen sind: Karten und Bilder sowie gegebenenfalls audiovisuelle Quellen. Zudem bietet eine Auswahlbibliografie und eine Chronologie den Nutzern/innen eine Hilfe, sich in diesem Themenschwerpunkt zu orientieren.
***
Das Projekt „Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte“
[2]
des Herder-Instituts e.V. Marburg stellt eine moderne Form der Wissens- und Informationsvermittlung im Bereich der Geschichtswissenschaften dar, insbesondere für die historische Ostmitteleuropa-Forschung. Es wurde von dem wissenschaftlichen Beirat des Herder-Instituts
[3]
im Jahre 2002 angeregt und seit 2003 entwickelt. Ziel des Herder-Instituts war dabei, eine innovative Form wissenschaftlicher Serviceleistung zu finden und damit auch Standards für die Informationsvermittlung im Internet zu setzen.
Um das Konzept des Projektes nachzuvollziehen, werden zunächst die fachlichen Desiderate, die das Herder-Institut dazu brachten, das Projekt zu verfolgen, dargelegt und die bisherigen Quelleneditionen im Internet charakterisiert, um daraus das Anliegen der „Dokumente und Materialien“ abzuleiten. In weiteren Schritten werden die möglichen Themenschwerpunkte, die grundlegende Struktur und die Möglichkeiten einer Qualitätskontrolle erörtert. Abschließend werden der bisherige Stand und die technische Umsetzung des Projektes anhand des Proto-Moduls zur Geschichte der Zweiten Polnischen Republik vorgestellt.
Neuorientierung und steigendes Interesse an Ostmitteleuropa
Die historische Ostmitteleuropa-Forschung erlebte in den vergangenen Jahren aufgrund außer- und innerfachlicher Entwicklungen umfassende Veränderungen. Grundsätzlich lässt sich ein gestiegenes Interesse am östlichen Mitteleuropa, seiner Kultur und Geschichte feststellen:
Die politische Wende 1989/90 und die anschließende Transformation und Integration der ostmitteleuropäischen Staaten in die NATO und die Europäische Union veränderten nicht nur die politische Perspektive, sondern führten auch zu einer Neuorientierung innerhalb der Geschichtswissenschaften, die dem Umstand Rechnung tragen müssen, dass „Europa noch nicht ‚fertig’ ist.“
[4]
Es verschoben sich also in nationaler und in gesamteuropäischer Sicht die „räumlichen Koordinaten heutigen Geschichtsdenkens“.
[5]
In den Geschichtswissenschaften erfolgte eine Neuorientierung unter dem Einfluss kulturwissenschaftlicher interdisziplinärer Ansätze, wie dem „Cultural“ oder dem „Spatial Turn“, und neuer, vergleichend und integrativ angelegter Forschungsperspektiven wie „transnationaler“ oder „transkultureller“ Geschichtsschreibung. Ostmitteleuropa gelangte somit zunehmend in das Gesichtsfeld der deutschen Historiografie: Dies gilt sowohl für die „Allgemeine Geschichte“, unter der in Deutschland trotz einer „Europäisierung“ immer noch vor allem „deutsche Geschichte“ mit einem Blick auf die westeuropäische Geschichte verstanden wird, als auch für das Fach Osteuropäische Geschichte, das seine Existenzberechtigung bis in die 1990er Jahre insbesondere seinem Ruf als „Wissenschaft über den Feind“ verdankte. Im Rahmen dieser Neuorientierung wurde auch über die Begriffe „Osteuropa“ (bzw. Russland), „Ostmitteleuropa“ (bzw. „Zentraleuropa“) und „Südosteuropa“ debattiert, die nunmehr (wieder) als eigene Geschichtsregionen verstanden werden. Zusammenfassend und verallgemeinernd gesagt, wird Ostmitteleuropa letztlich als Übergangs- und Kontaktzone des lateinisch-katholischen zum byzantinisch geprägten Kulturkreis verstanden, wobei diese Übergangszone durch eine ethnische und konfessionell-religiöse Vielfalt und ein Nebeneinander auf engstem Raum geprägt ist.
Das Verhältnis von allgemeiner und Osteuropäischer Geschichte
Gerade die „allgemeine“ Geschichtswissenschaft hat diese oben erwähnten neuen methodischen Ansätze rezipiert: Beziehungs- und Verflechtungsgeschichte, „transnationale“ Geschichte, Geschichte der Erinnerungsorte usw. stellen zurzeit aktuelle methodische Ansätze dar. Historiker/innen ohne Schwerpunkt Ost- bzw. Ostmitteleuropa-Forschung nahmen die Geschichte dieser Region – wenn überhaupt – bisher nur sehr peripher wahr. Durch den verbesserten Zugang zu Informationen über den ostmitteleuropäischen Raum hat sich jedoch die Konzentration auf die deutsche und westeuropäische Geschichte gelockert, so dass auch die Geschichte der ostmitteleuropäischen Staaten mit in den Blick genommen wurde. Dabei liegen den Forschungsansätzen zumeist vergleichende Fragestellungen zugrunde. Es ist jedoch zu konstatieren, dass diese Öffnung, auch wegen mangelnder Sprachkenntnisse, erst beginnt. Es zeigt sich aber, dass die historischen Entwicklungen in Ostmitteleuropa sich als Vergleichsmöglichkeit für die deutsche Geschichte anbieten, denn „das Bild von der eigenen Geschichte profiliert sich fast immer durch Selbstvergleich.“
[6]
Für die deutsche Osteuropa- bzw. Russland-, Ostmitteleuropa- und Südosteuropa-Forschung bedeutete diese Neuorientierung auch, dass mit dem Verschwinden der marxistisch-leninistischen Historiografie der „Stachel, Konkurrent oder Widerpart [wegfiel], von dem man sich anregen ließ“
[7]
, da dieser „Konflikt- und Verflechtungsmechanismus“ aufgrund der politischen Situation „besonders wirksam und produktiv“
[8]
war. Daraus entstand eine Debatte um den Standort der Osteuropäischen Geschichte innerhalb der allgemeinen Geschichte. Es entwickelte sich das Bedürfnis nach Neuorientierung, die wiederum zu einer gewissen Selbstbehauptung und Identitätsfindung des Faches bzw. seiner Vertreter/innen führte.
[9]
Die vermeintliche methodische Rückständigkeit der Osteuropäischen Geschichtsschreibung wurde neu diskutiert. Diese Debatte ergab sich aus der Notwendigkeit, nach Öffnung der Archive und Erschließung neuer Quellenkorpora, eine Grundlagenforschung mit „klassischen Methoden“ durchzuführen, die für die westliche „allgemeine Geschichte“ längst abgeschlossen war. Hinzu kam, dass zahlreiche historische Epochen, etwa die des Stalinismus und der autoritären Regime der Zwischenkriegszeit, noch nicht ausreichend aufgearbeitet worden waren.
Neben dieser „Grundlagenforschung“ findet aber – wie zahlreiche neuere Arbeiten vor allem jüngerer Historiker/innen zeigen – eine historische Forschung statt, die durchaus mit den gängigen methodischen Anforderungen der „allgemeinen Geschichte“ konkurrieren und teilweise sogar auch Impulse geben kann. Die Veränderungen in der politischen und damit auch in der Forschungslandschaft führten zu einer Differenzierung innerhalb des Faches Osteuropäische Geschichte. Lag bis in die 1990er Jahre der Fokus fast ausschließlich auf der russischen bzw. sowjetischen Geschichte, so gewann seitdem die ostmitteleuropäische Geschichte an Bedeutung, wobei vor allem Forschungen zur polnischen und böhmischen bzw. tschech(oslowak)ischen Geschichte, weniger zur baltischen und zur ungarischen Geschichte betrieben werden. Ostmitteleuropäische Geschichte gewinnt im Sinne der area studies zunehmend an Profil. Dies hängt einerseits von der vorhandenen, im gewissen Rahmen zunehmenden Sprachkompetenz und von den verbesserten Forschungsmöglichkeiten, andererseits wiederum vom politischen Interesse vor allem an Polen als größtem EU-Beitrittsland ab. Die neueren Arbeiten, auch diejenigen mit vergleichender Perspektive, zeigen, dass sich die Osteuropäische Geschichte gegenüber der „allgemeinen Geschichte“, wenn auch noch nicht ausreichend, jedoch in einem stärkeren Maße als jene gegenüber der Osteuropäischen Geschichte geöffnet hat.
Forschungsdesiderate
Aus diesen Veränderungen ergibt sich die Motivation der Geschichtswissenschaft, sich zunehmend einer integralen Perspektive zuzuwenden. „Europa zeigt sich als umfassender Gestaltungsraum trotz aller fortlebenden und neuen inneren Zerklüftungen. Das enthält eine schwer zu verweigernde Einladung, Europa auch als umfassenden Geschichtsraum neu zu denken.“
[10]
Eine vergleichende oder verknüpfende Perspektive der ostmittel- und der europäischen Geschichte ist notwendig, da die „Landkarte Ost- wie Gesamteuropas” immer noch „einem Palimpsest” gleicht, so dass die „unterliegenden Schichten”
[11]
sichtbar gemacht werden müssen. Wenn sich die „allgemeine Geschichte“ zu einer allgemeinen europäischen mit globalen Bezügen entwickeln will, ist es notwendig, dass sie in einem stärkeren Maße als bisher die Ergebnisse der Ost(mittel)europa-Forschung zur Kenntnis nimmt und einbezieht.
Die aus modernen methodischen Ansätzen abgeleiteten Ergebnisse historischer Forschung könnten vor der Folie der ostmitteleuropäischen Geschichte überprüft werden. Durch diese Neuorientierung kann erneut bzw. vertiefend nach den Unterschieden im gemeinsamen europäischen Gesamtprozess gefragt werden. Die offenen oder kontrovers diskutierten Fragen können mit modernen Mitteln, Methoden und Zielen in die Gesamtgeschichte des Kontinents integriert werden. Dies gilt nicht nur für die Zeit- und Neuere Geschichte, sondern auch für die mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte.
[12]
Unter dieser Perspektive kann europäische Geschichte als „überwölbende Ergänzung der historischen Einzelwissenschaften“
[13]
verstanden werden.
Desiderate in der Lehre
Das veränderte Interesse an Ost- und Ostmitteleuropa schlägt sich auch in neuen Studiengängen nieder, über deren Einführung bzw. Implementierung derzeit intensiv diskutiert wird. Damit ergeben sich auch für die auf die östliche Hälfte Europas bezogene Geschichtswissenschaft ganz erhebliche Herausforderungen. Es werden Europa-Studiengänge geschaffen, die eine gesamteuropäische Perspektive vermitteln sollen, in der auch Ostmitteleuropa eingebunden sein wird. Innerhalb des Studiums der „allgemeinen Geschichte“ werden spezielle Module (mit in der Regel zwei bis drei Lehrveranstaltungen) verpflichtend eingeführt, die das Spektrum der Osteuropäischen Geschichte (Russland, Ostmittel- und Südosteuropa) abdecken.
Dies führt einerseits zu einer Differenzierung der Angebote und zum anderen aber vor allem zu einer „Standardisierung“ der Lehre in neuen BA- und MA-Studiengängen. Wenn auch Dozenten/innen für die einzelnen Veranstaltungen mit entsprechender Sprachkompetenz gewonnen werden können, so ist – zumindest für die Fälle b) und c) – davon auszugehen, dass die Studierenden über nur geringe, zumeist sogar über keine entsprechende Sprachkompetenz verfügen. Lehrmaterialien, das heißt vor allem Quellen, müssen daher in für die Studierenden zugänglichen Sprachen vorliegen. Themen, für die es nicht genügend Lehrmaterialien gibt, drohen marginalisiert zu werden.
Trotz eines steigenden Interesses an der Geschichte Ostmitteleuropas ist zu konstatieren, dass bestimmte, wichtige Themen der Geschichte Ostmitteleuropas wie etwa die autoritären Regime im Baltikum gar nicht, nur am Rande oder lediglich von Spezialisten/innen in der Lehre behandelt werden. Es ist außerdem aufgrund einer Analyse des einschlägigen Lehrangebots seit dem Jahr 2000 festzuhalten, dass innerhalb des Faches „Osteuropäische Geschichte“ der geografische Schwerpunkt auf der polnischen, weniger auf der böhmischen bzw. tschech(oslowak)ischen und kaum auf der Geschichte der baltischen Staaten liegt. Der zeitliche Fokus umfasst vor allem das 19. und das 20. Jahrhundert.
Darüber hinaus zeigt sich, dass es insgesamt bisher an allgemein und leicht zugänglichen Quelleneditionen mangelt. Zu einigen Themenbereichen liegen Quelleneditionen
[14]
in der jeweiligen Landessprache vor, die für die Lehre in den jeweiligen Ländern verwendet werden. Sie sind jedoch in deutschen Universitätsbibliotheken häufig gar nicht oder nicht flächendeckend vorhanden, während es kaum Quelleneditionen in westlichen Sprachen gibt. Aufgrund der notwendigen Sprachkompetenz sind sie somit nur von Fachleuten bzw. Hauptfachstudierenden mit der entsprechenden Sprachkompetenz zu verwenden. Interessierte ohne jeweilige Sprachkenntnisse haben kaum einen Zugang. Selbst bei „beliebten“, zentralen Themen ist daher häufig keine für die Lehre und zur Information von Interessierten brauchbare Quellenbasis vorhanden. Über diese inhaltlichen Aspekte hinausgehend ist ein verändertes Lern- und Arbeitsverhalten der Studierenden zu beobachten. Informationen zur Vorbereitung von Referaten etc. werden zunehmend aus dem Internet beschafft, zumal auf diese Weise Materialien kostengünstig bereitgestellt bzw. beschafft werden können. Herkömmliche Hilfsmittel werden dagegen immer weniger verwendet.
Bisherige Quelleneditionen im Internet
Aus der Übersicht über die Desiderate innerhalb der Osteuropäischen Geschichte ergibt sich für entsprechend spezialisierte Historiker/innen die Aufgabe, zu zentralen Themen ihres Fachbereichs grundlegende Informationen in Form von zu Themenmodulen zusammengefassten Quellen und Begleitmaterialien für die Lehre im Internet anzubieten.
Das Internet gewinnt im wissenschaftlichen Bereich zunehmend an Bedeutung und ist auch eine Möglichkeit, neue editorische Wege zu beschreiten. Die Chancen einer digitalen Quellenedition liegen bezüglich der Auswahl- und Angebotsmöglichkeiten in der potentiellen Vielfalt von Quellen. Dies beinhaltet jedoch zugleich das Risiko, Unübersichtlichkeit zu schaffen. Insgesamt ist die im Internet zugängliche, wissenschaftlich evaluierte Quellenbasis für Historiker/innen noch sehr dünn, obwohl in den vergangenen Jahren zahlreiche interessante und umfangreichere Projekte entstanden sind, wie etwa das Mainzer Projekt zu den europäischen Friedensverträgen der Vormoderne
[15]
oder die im Rahmen der Vifa-Ost veröffentlichten „100(0) Schlüsseldokumente zur russischen und sowjetischen Geschichte (1917-1991)“.
[16]
Bei den in westlichen Sprachen vorhandenen Quelleneditionen im Internet werden meist die ostmitteleuropäischen Staaten nicht, nur am Rande oder durch den Gesamtzusammenhang, wie beispielsweise bei den europäischen Friedensverträgen der Vormoderne oder beim Molotov-Ribbentrop-Pakt
[17]
, aber nicht durch eigene Sites thematisiert.
Die bisher im Internet veröffentlichten Quellenmaterialien zur ost(mittel)europäischen Geschichte sind, abgesehen von Ausnahmen, zumeist vor allem für den Gebrauch an Schulen
[18]
erarbeitet worden, besitzen einen eher zufälligen, unsystematischen Charakter, indem sie lediglich zur Vorbereitung einzelner Lehrveranstaltungen
[19]
dienen, oder sind nur einzelnen Themen bzw. Aspekten der Geschichte
[20]
ohne umfassenderen Anspruch gewidmet. Es ist auch festzustellen, dass die vorhandenen gedruckten Quelleneditionen
[21]
zur Geschichte der ostmitteleuropäischen Staaten zumeist nur in der jeweiligen Landessprache und damit nicht für einen breiteren studentisch-akademischen Adressatenkreis zugänglich sind.
[22]
Bisherige digitale Editionen im Internet
[23]
schöpfen auch häufig die neuen technischen Möglichkeiten nicht vollständig aus, so dass sie letztlich nur eine andere Form von herkömmlichen Texteditionen darstellen. Zwar gibt es neben diesen auch Sites, die Faksimiles von Dokumenten
[24]
, Bildern
[25]
oder Karten
[26]
veröffentlichen, aber es fehlt ein Portal, das diese Materialien zusammen- und umfassend zu einem größeren Themenkomplex präsentiert. Gerade die technischen Möglichkeiten des Mediums Internet erlauben ein flexibles und damit innovatives Vorgehen, indem über herkömmliche Editionen hinausgehend eine multimediale Präsentation von Materialien angestrebt wird.
Anliegen der geplanten Publikation von „Dokumenten und Materialien“
Darüber hinaus sollen die „Dokumente und Materialien“ durch die Bereitstellung von bislang fehlenden Materialien die Bearbeitung von bisher weniger berücksichtigten Themen und Fragestellungen in der Lehre anregen und fördern, indem auch solche Themen neben den „populären“ in eigenen Modulen berücksichtigt werden. Die Aufgabe, stimulierend für die Lehre zu wirken, ergibt sich nicht nur aus dem Bedarf der Forschung, sondern auch aus aktuellen Debatten (etwa um die Beneš-Dekrete oder um verschiedene Entschädigungsforderungen). Das Internet bietet sich in entsprechenden Fällen besonders an, weil dort schneller auf aktuelle Entwicklungen reagiert werden kann.
Ziel der vom Herder-Institut geplanten elektronischen Publikation von „Dokumenten und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte“ ist daher, mehr als ein „virtuelles Textbook“ zu schaffen: So sollen neben Quellentexten auch Abbildungen, Karten, Statistiken und gegebenenfalls auch audiovisuelle Quellen aufgenommen und in jeweils thematischen Modulen zusammengefasst werden. Insofern hat dieses Projekt Modellcharakter und kann auch neue editorische Standards setzen. Damit trägt das Projekt nicht nur in inhaltlicher Hinsicht einen Modellcharakter, sondern auch bezüglich der Erarbeitung einer entsprechenden Software.
Diese elektronische Publikation von Dokumenten und Materialien soll sich in erster Linie an die universitäre Lehre im Fach Ost(mittel)europäische Geschichte sowie in den anderen historischen Teilfächern (Mittelalterliche Geschichte, Neuere Geschichte, Zeitgeschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte) und in benachbarten Bereichen der Geschichtswissenschaften (zum Beispiel Politologie) richten. Aufgrund der Zugänglichkeit des Mediums könnten darüber hinaus auch Lehrer/innen, Dozenten/innen der Erwachsenenbildung und andere Interessierte von dem Angebot profitieren.
Das Projekt greift die oben dargelegten fachlichen Desiderate auf, die sich aus der thematischen Neuorientierung der Geschichtswissenschaften und der Umstrukturierung der universitären Lehre ergeben. Es will eine allgemeine und leicht zugängliche Quellengrundlage für zentrale Themen und Fragestellungen zur ostmitteleuropäischen Geschichte schaffen. Die Quellen sollen daher in einzelnen Modulen zusammengefasst werden. Auf diese Weise will diese elektronische Edition einen Beitrag zur Geschichte Ostmitteleuropas in ihrer ganzen zeitlichen Tiefe und räumlichen Breite leisten. Zudem will sie einen Beitrag zu einer integralen Perspektive auf die europäische Geschichte und damit zur Integration der ostmitteleuropäischen in die allgemeine Geschichte leisten. Auf diese Weise soll ein Beitrag geleistet werden, die ostmitteleuropäische Geschichte in einem vergleichenden Ansatz innerhalb der „europäischen Geschichte“ zu verankern.
Für das Herder-Institut war bei der technischen Umsetzung dieser Ziele wichtig, dass die „Dokumente und Materialien“ in das bestehende Fachinformationsangebot des Hauses integriert werden. Das Projekt führt somit als technisch neuartiges Forschungs- und Rechercheinstrument die bibliografisch-dokumentarischen und editorischen Traditionen des Herder-Instituts fort. Wegen des breiteren akademischen Nutzerkreises stehen zunächst die Übersetzungen im Vorgrund. Den Kollegen/innen bzw. den Studierenden des Fachs wird aber auch die Möglichkeit gegeben, die Quellen im Original und als Scan zu lesen, nicht zuletzt auch, um die Quellen zitierfähig zu machen. Insgesamt war die Leitidee bei der Realisierung, die Benutzer/innen „dort abzuholen, wo sie stehen“. Daher sollte das Projekt so realisiert werden, dass auch weniger Versierte und der „Wissenschaftlichkeit“ eines solchen Mediums kritisch Gegenüberstehende mit den „Dokumenten und Materialien“ arbeiten können. Ziel war es also, ein Ausgangsformat zu finden, das viele Verwendungsmöglichkeiten liefert. Zugleich galt es, eine möglichst einfache Handhabung der Dokumente und Verknüpfungsmöglichkeiten zwischen den verschiedenen Einzelmodulen und eine übersichtliche Navigation zu realisieren.
| 
| | |
Abbildung 1: Startseite „Dokumente und Materialien zur Osteuropäischen Geschichte“
| |
Themen
Da die ostmitteleuropäische Geschichte in ihrer zeitlichen Tiefe und geografischen Breite berücksichtigt werden soll, erscheint eine pragmatische Herangehensweise sinnvoll. Daher wurde zunächst der Zugang zu den Materialien über die jeweilige Nationalgeschichte gewählt.
In der ersten Projektphase soll somit eine erste Ebene von Themenmodulen erarbeitet werden, die sich aus der jeweiligen Nationalgeschichte der Staaten Ostmitteleuropas und den oben gesetzten Zielsetzungen ergeben. In der folgenden Phase sollen diese Module auf einer zweiten Ebene um Module mit länderübergreifenden, integrierenden Fragestellungen wie etwa „Stadtentwicklung in Mittelalter und Früher Neuzeit“ ergänzt werden. Aus der Spannung heraus, einerseits die in der Lehre beliebten Themen zu bedienen, andererseits stimulierend für die Lehre zu wirken, bieten sich beispielsweise folgende Themenschwerpunkte an, aus denen sich verschiedene Module erarbeiten lassen:
- zum Mittelalter: Staatsbildung/Christianisierung, Landesausbau und wirtschaftliche Intensivierung, Expansion der Staaten, polnisch-litauische Unionen, Deutscher Orden, Jan Hus/Hussitismus
- zur Frühen Neuzeit: Reformation/Reformationsbewegungen/
- religiöse „Toleranz“, polnische Adelsrepublik; Reformversuche und Teilungen Polens
- zum „langen“ 19. Jahrhundert: Polen während der Teilungszeit, Nationalbewegung und Nationsbildung, Entstehung/Entfaltung der modernen ideologischen Strömungen in Ostmitteleuropa
- zum 20. Jahrhundert: Erster Weltkrieg, Zwischenkriegszeit (Staatsbildung, autoritäre Regime), Zweiter Weltkrieg und seine Folgen, Sowjetisierung/Volksrepubliken
- übergreifend: Beziehungsgeschichte, zum Beispiel deutsch-polnische, polnisch-russische Beziehungen; jüdische Geschichte.
Aufgrund der in der universitären Lehre behandelten Themenschwerpunkte und auch aus Gründen der Praktikabilität bietet sich an, zunächst vor allem Module zum 19. und 20. Jahrhundert zu erarbeiten. Doch sollten Themen zu anderen Epochen von vornherein mitbedacht und einbezogen werden.
Grundlegende Struktur der Edition
Die „Dokumente und Materialien“ setzen sich aus verschiedenen Einzelmodulen zusammen. Liegen mehrere Module vor, so werden die Module nach geografischen und chronologischen Gesichtspunkten sortiert. Jedes Thema stellt ein eigenes Modul innerhalb der Edition dar; eine Verlinkung (Verweise) zwischen den Modulen und gegebenenfalls eine Volltextsuche über das Gesamtangebot sowie ein Glossar sind vorgesehen.
Die Quellen werden jeweils in der Originalsprache, in Übersetzung und als Faksimile/Scan veröffentlicht. Über die reinen Textquellen hinausgehend, sollen weitere Materialien wie Statistiken, Abbildungen (Fotografien, Gemälde, Plakate), Karten und gegebenenfalls audiovisuelle Quellen bereitgestellt werden. Um der breiteren Zielgruppe außerhalb der Osteuropäischen Geschichte und dem veränderten Arbeitsverhalten der Studierenden Rechnung zu tragen, sollen zudem Chronologien, Regierungslisten und eine knappe Auswahlbibliografie als zentrale Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden. Die Materialien sollen jedoch – im Gegensatz zu den „100(0) Schlüsseldokumenten zur russischen und sowjetischen Geschichte“
[27]
– keine Interpretationen enthalten, da diese eine eigenständige Interpretation durch die Benutzer/innen zu sehr vorstrukturieren, gegebenenfalls auch verhindern können. Daher werden die vorgesehenen einführenden Informationen zur Quellenauswahl und Forschungslage nur sehr knapp gehalten.
Bearbeitung der Module und Supervision
Die einzelnen Themen sollen in Modulen bearbeitet werden. Hierfür werden einerseits personelle Ressourcen des Herder-Instituts eingesetzt, andererseits wird – dem Medium Internet und dem von ihm angeregten dezentralen Arbeitsverfahren entsprechend – ein Netz von interessierten, fachlich kompetenten Bearbeitern/innen und universitären Kooperationspartnern einbezogen.
Aufgrund der zu erwartenden großen Anzahl von Bearbeitern/innen ist es notwendig, die erarbeiteten Module in fachlicher Hinsicht vor der Veröffentlichung evaluieren zu lassen. Für die fachlich-inhaltliche Qualitätssicherung des Gesamtprojekts bzw. für die chronologisch-regionale Fachbetreuung wird – etwa analog zu wissenschaftlichen Zeitschriften – ein Herausgebergremium eingesetzt. Da es sich um ein Projekt handelt, in dem in erster Linie die deutsche universitäre Lehre erreicht werden soll, werden für dieses Gremium zunächst vor allem an deutschen Hochschulen tätige Wissenschaftler/innen angefragt.
Stand der Realisierung
Ohne ein konkretes Themenmodul war eine technische Umsetzung des Konzeptes nicht möglich, zumal erst anhand eines konkreten Beispiels das Konzept kritisch überprüft werden konnte. Außerdem schien es nicht möglich, ohne ein vorliegendes Modul potentielle Mitarbeiter/innen bzw. Herausgeber/innen zu gewinnen. Daher entwarf die Verfasserin dieses Beitrags, die als Mitarbeiterin des Herder-Instituts mit der Erarbeitung des Konzeptes beauftragt worden war, eine „Demo-Version“ eines Moduls. Dieser Prototyp, der inzwischen freigeschaltet ist, beschäftigt sich mit der Zweiten Polnischen Republik.
[28]
Zurzeit werden unter anderem Dokumente und Materialien zur Geschichte der Volksrepublik Polen erarbeitet.
Inhaltliche Realisierung des Proto-Moduls
Das Thema des ersten Moduls wurde ausgewählt, weil die Zweite Polnische Republik ein beliebtes Seminarthema ist und die Frage nach den Rechten bei den Quellentexten relativ einfach zu klären war. Da die Texte aus älteren Publikationen stammen, mussten nur in wenigen Ausnahmen Genehmigungen eingeholt werden.
Das Modul zur Zweiten Polnischen Republik wurde so konzipiert, dass sich ein Überblick über die Politikfelder des Themas ergibt. Es ist aber auch möglich, einzelne Themenfelder separat zu behandeln. Entsprechend werden die ausgewählten Quellen in vier Kapitel unterteilt: Staatsbildung, die die Festlegung der Grenzen beinhaltet, Verfassungsordnung, Innen- und Außenpolitik. Da es sich um einen Prototyp handelt, sollte die Zahl der aufgenommenen Dokumente und Materialien nicht zu groß werden. Daher wurden Fragen des kulturellen Lebens vorerst nicht aufgenommen. Eine inhaltliche Erweiterung des Moduls ist jedoch nicht ausgeschlossen.
Bei der Auswahl der Quellen in Bezug auf die Staatsbildung wurde darauf geachtet, dass ihr prozessualer Charakter deutlich wird. Die Quellen zur Verfassungsordnung fassen die grundlegenden Dokumente zusammen, die für das politische System konstitutiv waren. Die Dokumente zur Innenpolitik stellen die Haltung des Regimes seit 1926 vor. Über Fragen der deutsch-polnischen Beziehungen hinaus werden durch die in dem Abschnitt Außenpolitik zusammengefassten Quellen deren wichtigste Positionen vorgestellt.
Im Kapitel Materialien werden die Textquellen nicht nur ergänzt und vertieft, sondern auch inhaltlich erweitert. Dazu dienen zunächst die Statistiken. Zunächst werden demografische Daten und Wahlergebnisse präsentiert. Zu letzteren ist festzustellen, dass entsprechende Daten seit 1935 nicht in den veröffentlichten statistischen Jahrbüchern usw. nachzuvollziehen sind. Die vorhandenen Defizite im Bildungsbereich, in der Wirtschaft und die ungelöste Agrarfrage werden in eigenen Kapiteln durch Statistiken thematisiert und sollen der Vertiefung und Diskussion der sozialen und wirtschaftlichen Frage dienen. Auch hier konnten bestimmte Daten etwa der Arbeitslosigkeit nicht in den veröffentlichten Materialen eruiert werden. Die ausgewählten Karten, vor allem zu Fragen der Wirtschaft und der Landwirtschaft, sollen die Problematiken auf andere Art verdeutlichen. Die Regierungslisten und Chronologien geben weiterhin den Nutzern/innen Orientierung, die bislang wenig in die polnische Geschichte der Zwischenkriegszeit eingearbeitet sind. Die Auswahlbibliografie berücksichtigt vor allem Literatur in westlichen Sprachen und nur ausgewählte polnische Publikationen.
Technische Realisierung des Protomoduls
Aufgrund der inhaltlichen Vorgaben des Konzeptes und damit der Anforderungen an die entsprechende Software zur Präsentation der Themenmodule entschied sich das Herder-Institut, ein Content Management System anzuwenden. Vor diesem Hintergrund wurde für die technische Realisierung durch eine entsprechend spezialisierte Düsseldorfer Firma anhand des Moduls „Zweite Polnische Republik“ folgender Weg eingeschlagen:
| 
| | |
Abbildung 2: Seite zum Dekret Pilsudskis (1918)
| |
Entsprechend den inhaltlichen Vorgaben wurden die Dokumente in Themen-Ordnern strukturiert. Diese Struktur wird durch das grünblaue Menü (linke Bildschirmseite) abgebildet. Das Angebot verknüpft hierbei die Übersetzungen mit dem Originaltext und dem Scan der Originalquelle. Der Scan der Originalquelle liegt als PDF-Dokument vor. Zudem können auch die einzelnen HTML-Seiten bzw. Dokumente im PDF-Format ausgegeben werden, was für die elektronische Verbreitung von Seminarunterlagen sehr nützlich ist.
Überall werden Coypright-Hinweise eingefügt und sichtbar gemacht. Für die in dem Modul enthaltenen Texte sind die Urheberrechte geklärt worden. Alle Texte werden mit einem Zitierhinweis versehen. Dafür werden einerseits feste URLs vergeben, andererseits das Einstell- und letzte Bearbeitungsdatum angeben sowie die Scans publiziert. Zurzeit wird weiter daran gearbeitet, die Zitierfähigkeit noch sicherer zu gestalten, wobei die bisherigen Standards schon realisiert wurden und aus pragmatischen Gründen mit einer festen URL gearbeitet wird.
Das System organisiert sich darüber hinaus über Keywords, die aus den Metadaten-Datenbanken der Literaturdokumentation des Herder-Instituts
[29]
stammen. Um inhaltliche Zusammenhänge über die starre Ordnerstruktur hinaus deutlich zu machen, wurden die Dokumente mit Schlagwörtern versehen: Sachschlagwörter, Personenschlagwörter, Geografika. Die Beziehungen (das heißt übereinstimmende Schlagwörter) zwischen Dokumenten – auch über die einzelnen Module hinweg – werden in der Box im rechten Bereich der Seite angezeigt: „dazu passend“ technisch analog wurden Zeitschlagwörter mit den Dokumenten verknüpft. Diese Erschließung wird in einer weiteren Box „Chronologie“ dargestellt. Damit haben Nutzer/innen den Überblick, welche Dokumente „zeitnah“ sind. Darüber hinaus kann über die chronologische Übersicht (unter Materialien) auch umgekehrt navigiert werden, das heißt zu einem Jahresüberblick werden immer auch Dokumente aus dem Jahr angezeigt. Die Verknüpfung zur Literaturdokumentation des Instituts wird ebenfalls über diese Schlagwörter realisiert, allerdings wurde dazu ein weiteres, vom ersten unabhängiges Schlagwortsystem in die Seite integriert. Die über Personen- und Sachschlagworte verknüpften Literaturtitel werden in einer weiteren Box „Literatur“ dargestellt. Hier besteht über „mehr Titel“ die Möglichkeit, eine Vollansicht der Titelliste im Hauptbereich der Seite zu laden. Dort wird auch differenziert angezeigt, aufgrund welcher Keyword-Verknüpfung die Literaturtitel in die Liste kommen.
Um einen einfachen Workflow zu schaffen, galt es, die Handhabung der Dokumente von ihrer Erstellung bis zu ihrer Nutzung möglichst einfach und effizient zu gestalten. Die Bearbeiter/innen der Module sollen möglichst weit in ihren vertrauten Programmen arbeiten können. Daher wurden Content Management System Zope/Plone, Archetypes und verschiedene Erweiterungen eingesetzt. Die Texte und Materialien werden von den Modul-Bearbeitern/innen üblicherweise als Word-Dokumente erstellt. Diese können direkt in das System geladen werden. Sind noch Änderungen erforderlich, können die Dokumente wieder in Word aufgerufen, bearbeitet und mit dem Abspeichern wieder in die Website zurückgeschrieben werden. Der Workflow wäre für andere Ausgangsformate entsprechend anpassbar, beispielsweise Open Office oder HTML. Die Dokumente liegen also auch im System nur als Word-Dokumente vor, werden aber als HTML-Seiten dargestellt. Nur der Titel des Dokuments, eine knappe Beschreibung, sowie die Metadaten (Keywords) werden direkt in das System eingegeben. Alle Dokumente können als Word- oder als PDF-Dateien ausgedruckt werden.
Für die Eingabe und Freigabe durch die Herausgeber/innen wurden verschiedene Berechtigungsebenen geschaffen. Nach dem Einspielen der Dokumente in das System und der Eingabe der Keywords können die Herausgeber/innen das jeweilige Modul begutachten und freigeben. Erst nach der Freigabe können Anwender/innen bzw. Benutzer/innen das Modul sehen. Eingeloggte, angemeldete User/innen (in der Regel Dozenten/innen) können Dokumente als Favoriten oder Bookmarks im System ablegen; nicht angemeldete User/innen (etwa Studierende) können dagegen lediglich einzelne Dokumente ausdrucken bzw. als PDF-Dokument herunterladen. Damit können gezielt einzelne Dokumente für die Vorbereitung von Seminaren zusammen getragen werden. In einem nächsten Schritt erfolgt eine PDF-Ausgabe für die eingesammelten oder mit Lesezeichen versehenen Dokumente, so dass sich „on the fly“ ein digitaler Seminarreader erstellen lässt. Im persönlichen Bereich der Benutzer/innen bzw. Dozenten/innen lassen sich auch eigene Dokumente anlegen, die in den Reader eingefügt werden können.
Fazit
Der bisherige Stand der Realisierung zeigt, dass die „Dokumente und Materialien“ durch eine intelligente Anwendung eines Content Management Systems zu einem wichtigen und in der technischen sowie inhaltlichen Ausstattung zu einem bislang einzigartigen und innovativen Hilfsmittel für die universitäre Lehre zu Ostmitteleuropa und damit für die historische Ostmitteleuropaforschung insgesamt werden können. Darüber hinaus können die „Dokumente und Materialien“ auch als Grundlage für E-Learning-Einheiten verwendet werden. Hiermit zeigt das Projekt über die Ostmitteleuropa-Forschung hinaus Möglichkeiten auf, grundlegende historische Lehrmaterialien im Internet zu publizieren.
***
Dr. Heidi Hein-Kircher ist seit 2003 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Herder-Institut e.V. Marburg. Dort ist sie neben Forums-Tätigkeiten zuständig für die „Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte“ im Internet. Forschungsschwerpunkte: Polnische und ukrainische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, politische Kulte und Mythen, Stadtgeschichte in der Habsburger Monarchie, Geschichte der Juden im östlichen Europa. E-Mail: heinh@herder-institut.de
[1] Vgl. <http://quellen.herder-institut.de> (12.10.2006).
[2] Vgl. <http://quellen.herder-institut.de> (12.10.2006).
[3] Vgl. <http://www.herder-instiut.de> (12.10.2006).
[4] Borgolte, Michael, Vor dem Ende der Nationalgeschichte. Chancen und Hindernisse für eine Geschichte Europas im Mittelalter, in: Historische Zeitschrift 272 (2001), S. 561-596, bes. S. 596.
[5] Kocka, Jürgen, Das östliche Mitteleuropa als Herausforderung für eine vergleichende Geschichte Europas, in: Zeitschrift für Ostmitteleuropaforschung 49 (2000), S. 159-174, bes. S. 167.
[6] Ebd.
[7] Ebd., S. 159.
[8] Ebd.
[9] Die Diskussionsbeiträge werden zusammengefasst in: Creuzberger, Stefan; Mannteufel, Ingo; Steininger, Alexander u.a. (Hgg.), Wohin steuert die Osteuropaforschung? Eine Diskussion, Köln 2000. Siehe auch den Kommentar: Goehrke, Carsten; Haumann, Heiko, Osteuropa und Osteuropäische Geschichte. Konstruktionen – Geschichtsbilder – Aufgaben. Ein Beitrag aus Schweizer Sicht, in: Jahrbücher für die Geschichte Osteuropas 52 (2004), S. 585-596.
[10] Kocka, Das östliche Mitteleuropa (wie Anm. 5), S. 161.
[11] Troebst, Stefan, Ende oder Wende? Historische Osteuropaforschung in Deutschland. Vier Anmerkungen zu Jörg Baberowski, in: Osteuropa 49 (1999), S. 71-78, bes. S. 78.
[12] Borgolte, Ende (wie Anm. 4), S. 595f.
[13] Ebd., S. 596.
[14] Der Schwerpunkt der vorhandenen gedruckten Quelleneditionen liegt auf der Geschichte des 20. Jahrhunderts, beispielsweise: Jedruszak, Tadeusz, Nowak-Kielbikowa, Maria (Hgg.), Dokumenty z dziejów polskiej polityki zagranicznej 1918-1939 [Dokumente aus der Geschichte der polnischen Außenpolitik 1918-1939], 2 Bde., Warschau 1996; Labunski-Zerbillo, J. (Hg.), Unia Litwy z Polska (1385-1569). Akty unji przywilejów stanowych litewskich [Die Union Litauens mit Polen (1385-1569). Unionsakten der Privilegien der litauischen Stände], Warschau 1913; Palacký, František (Hg.), Archiv ceský cili staré písemné památky ceské i moravské z archivu domácích i cizích, 37 Bde., Prag 1840-1944; Bunge, Friedrich Georg von (Hg.), Provinzialrecht der Ostseegouvernements, 3 Teile, Petersburg 1845-1864.
[15] Europäische Friedensverträge der Vormoderne, vgl.: <http://www.ieg-friedensvertraege.de/> (12.10.2006).
[16] 100(0) Schlüsseldokumente zur russischen und sowjetischen Geschichte (1917-1991), vgl.: <http://osteuropa.bsb-muenchen.de/index2.htm> (12.10.2006).
[17] Crimes against Humanity. Latvian Site, vgl.: <http://vip.latnet.lv/lpra/%201pakts.htm> (12.10.2006).
[18] Zum Beispiel Dokumentarchiv, vgl.: <http://www.documentArchiv.de/> (12.10.2006).
[19] Zum Beispiel die für Lehrveranstaltungen der Abteilung für Osteuropäische Geschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zur Verfügung gestellten Dokumente, vgl.:<http://www.oeg.uni-kiel.de/berichte.htm> (12.10.2006).
[20] Zum Beispiel Lettonie-Russie – documents et traités de base, vgl. <http://www.letton.ch/> (12.10.2006).
[21] Wie zum Beispiel Rechtsakte zur Geschichte der Volksrepublik Polen, vgl.: <http://www.polskaludowa.com/dokumenty/dokumenty_prawne.htm> (12.10.2006); „Tygodnik Ilustrowany“, vgl.: <http://www.bilp.uw.edu.pl/ti/ti.htm> (12.10.2006).
[22] Dies zeigen etwa die Linklisten der Länderportale des Herder-Instituts. Vgl. dazu etwa: Dokumente des tschechischen Parlaments: <http://www.psp.cz/eknih/>; zur Charta 77 vgl.: <http://members.tripod.com/~Klempera/charta77.htm>. Es wird deutlich, dass die Quelleneditionen für die „großen“ ostmitteleuropäischen Länder Polen und Tschechien eher in der jeweiligen Landessprache veröffentlicht werden als bei den baltischen Ländern, wobei zentrale Themen wie Verfassungen eine Ausnahme darstellen. Vgl. dazu etwa beispielsweise die „Polnischen Verfassungen“, die aber auch nicht vollständig in Englisch veröffentlicht sind: <http://www.polskaludowa.com/dokumenty/dokumenty_prawne.htm>; der lettisch-sowjetrussische Friedensvertrag von 1920: <http://www.letton.ch/lvtpriga.htm> (12.10.2006).
[23] Es gibt dagegen einige multimediale Editionen auf CD-Rom, die sich jedoch häufig nur an Schulen oder die Erwachsenenbildung richten, etwa: Bundeszentrale für Politische Bildung (Hg.), 1848-1949. Ein Jahrhundert deutsche Geschichte, Bonn 1998.
[24] Zum Beispiel Treasures of the Polish States Archives, vgl.: <http://www.poland.pl/articles/?c=421> (12.10.2006).
[25] Zum Beispiel zu Tomaš G. Masaryk, vgl.: <http://www.msu.cas.cz/galery.html> (12.10.2006); die Sammlung von Fotografien aus dem estnischen Nationalmuseum in Tallinn, vgl.: <http://www.erm.ee/?lang=ENG&node=2> (12.10.2006).
[26] Etwa zur historischen Entwicklung Europas – Ostmitteleuropas, vgl.: <http://www.ieg-maps.uni-mainz.de/maps5.htm> (12.10.2006), oder der Grafschaft Glatz, vgl.: <http://www.grafschaft-glatz.de/index2.htm> (12.10.2006).
[27] 100(0) Schlüsseldokumente, vgl.: <http://osteuropa.bsb-muenchen.de/index2.htm> (12.10.2006).
[28] Vgl. <http://quellen.herder-institut.de/M01/> (12.10.2006).
[29] Vgl. <http://www.litdok.de/> (12.10.2006).
Themenportal Europäische Geschichte in der Moderne – Eine Konzeptions- und Umsetzungsskizze
von Rüdiger Hohls
Das geplante Themenportal Europäische Geschichte
[1]
ermöglicht die kooperative Aufbereitung, Vermittlung und Bündelung von Materialien, insbesondere von Quellen, Karten, Bildern und Sekundärtexten und stellt forschungsrelevante Informationen zur Geschichte des modernen Europa im 19. und 20. Jahrhundert bereit. Dazu bietet es eine technische und organisatorische Plattform im Internet und widmet sich themenzentriert der Geschichte Europas, der Europäer und des Europäischen sowie dem Vergleich, Transfer und der Verflechtungsgeschichte nach innen und außen in der Moderne. Das Themenportal eröffnet Fachhistorikerinnen und -historikern sowie einer interessierten Öffentlichkeit einen breiten Zugriff auf lehrunterstützende Materialien auf Basis des neuesten Forschungsstandes. Zudem stellt es ein modulares themenzentriertes Netzwerk für Forschung und Lehre für die Geschichte Europas und der Europäer dar. Das Themenportal setzt auf die aktive Mitarbeit von Fachwissenschaftlern/innen aus der Geschichtswissenschaft und historisch Interessierten aus den Sozial- und Kulturwissenschaften an deutschen und ausländischen Universitäten, Forschungseinrichtungen und höheren Schulen. Mit seiner expliziten Ausrichtung als Portal für Lehre und Forschung betritt es Neuland.
***
Intentionen – Vorgaben – Ziele
Europa befindet sich im Umbruch: nicht nur aktuell und in den Jahren seit 1989, sondern mit wechselndem Tempo seit Beginn der Moderne. Als Zeitzeugen haben wir vor allem den sich beschleunigenden wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Wandel der europäischen Gesellschaften und deren Krisen in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg und die Auflösung des Ost-West-Gegensatzes vor Augen. Hinzu kommt der Auf- und Ausbau supranationaler Einrichtungen, der auf die gegenwärtigen Tendenzen der Globalisierung reagiert und auf institutioneller Ebene eine politische Europäisierung fördert, die jedoch von einigen auch skeptisch beurteilt wird und schon gelegentlich Anlass für Rückschritte auf dem Weg der europäischen Integration bot. Der Streit um verschiedene Europakonzeptionen (integral, föderal, national) ist auch auf unterschiedliche historische Legitimierungen zurückzuführen und korrespondiert mit der Ungleichzeitigkeit der integrativen versus nationalen Projekte.
Doch das Europa des 19. und 20. Jahrhunderts hat viele Umbrüche erlebt und steht für auch widersprüchliche Entwicklungen: so sprechen wir unter anderem vom Zeitalter der Aufklärung und Säkularisation, der Revolutionen, der Industrialisierung und Verstädterung, des Bürgertums, des Klassenkampfes und der Ideologien, des Imperialismus, der europäischen Hegemonie und kulturellen Mission, der Nationenbildung, der Welt- und Bürgerkriege, des Rassismus und der Verfolgung, der atomaren Bedrohung, des Ost-West-Gegensatzes, der Überwindung von Autokratie und Diktatur, der europäischen Integration und Friedensordnung, des Sozial- und Wohlfahrtsstaates, der technischen Revolutionen, der Wissens- und Zivilgesellschaft. Vor diesem Hintergrund entsteht ein zunehmend größeres Bedürfnis nach historischer Orientierung. Was charakterisiert die europäische Dimension des erinnerten, erlebten und erwarteten sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Wandels? Wo beginnen, wo enden die europäischen Gemeinsamkeiten? Wie lassen sich die jeweilig partikularen nationalen wie regionalen historischen Entwicklungen in europäische Kontexte einordnen? Haben die Zeitgenossen transnationale, transregionale und transkulturelle Verflechtungen in ihre Überlegungen einbezogen?
Ist die enge Verbindung von Geschichtswissenschaften und (National-)Staat für das allgemeine Geschichtsverständnis und die Geschichtsbilder der Europäer nach wie vor prägend, so beschleunigen die universitären und curricularen Reformen eine auf Europa hin orientierte Erweiterung und Restrukturierung historischen Wissens. Allerdings ist ein angemessenes Konzept einer solchen auf Europa orientierten Forschung und Lehre kaum zu entwickeln, ohne dabei die außereuropäische Welt in den Blick zu nehmen und die gewachsenen nationalen Leitbilder zu berücksichtigen. Insofern gilt es sowohl die historisch unterschiedlichen Positionierungen Europas in der Welt als auch die identitätsrelevanten „historischen Besonderheiten“ Europas und der Europäer zu reflektieren.
Europahistoriografisches Umfeld
In den zurückliegenden Dekaden war sich die Mehrzahl der Spezialisten/innen für die europäische Geschichte darin einig, dass Nation und Staat die zentralen Referenzpunkte auch für eine sich theoretisch, methodisch und inhaltlich erweiternde europäische Geschichtsschreibung seien. Generell lassen sich in der jüngeren Europahistoriografie fünf nebeneinander stehende methodische oder operative Zugriffe unterscheiden, die auch für das Themenportal strukturell prägend sein werden:
Zunächst gilt es die komparative Historiografie hervorzuheben, die sich dem Vergleich einzelner oder mehrerer europäischer Länder oder Gesellschaften widmet. Der Vergleich schärft das analytische Instrumentarium des historischen Verstehens und Erklärens, indem die meisten vergleichenden Studien die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Vergleichsobjekten herausarbeiten.
[2]
Mitte der 1990er Jahre entzündete sich über den historischen Vergleich eine Debatte, in der zuerst das Konzept des „Transfers“, dann das der „entangled history“ und das der „histoire croisée“ entstand, wobei in den methodischen Diskussionen inzwischen ein Konzept der Kombination von Vergleich, Beziehung und Verflechtung in der neueren Geschichte präferiert wird.
[3]
Drittens erfuhr die jüngere Europa-Geschichtsschreibung besonders viele Impulse durch den Ausbau der historiografiegeschichtlichen Selbstreflexivität, zunächst in Abgrenzung zum Leitparadigma der historischen Sozialwissenschaft. Die Kehrtwenden und ‚turns’ der letzten Jahre – „linguistic“, „cultural“, „spatial“ und „iconic turn“ sind nur einige Stichworte – haben neue Fragen aufgeworfen und zu vielen europahistorischen Publikationen Anregungen geliefert.
[4]
Eine vierte Gruppe von Publikationen gründet sich auf einen breiten Strom politologischer, sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Studien zur räumlichen, militärischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Integration Europas nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Abschluss multilateraler Verträge bzw. den Aufbau internationaler Strukturen und Organisationen. Daraus ist in der Geschichtsschreibung ein neues Genre entstanden, das sich zeitlich vom engen Rahmen der Nachkriegsgeschichte gelöst hat und sich thematisch supranationalen Strukturen und Einrichtungen widmet.
[5]
Fünftens gilt es auch die lange Tradition der Geschichtsschreibung über „Europa“, die „Europäer“ und das „Europäische“ zu berücksichtigen, hat sie doch, wie die steigende Zahl der Forschungsprojekte, Monografien und Buchreihen vermuten lässt
[6]
, eine vielversprechende Zukunft. Allerdings bleiben die Motive, Gegenstände, Inhalte, Methoden und Ziele der Europa-Historiografie so vielfältig wie umstritten, wie neuere Überblicke zum Stand der Forschung und Literatur zeigen.
[7]
Auch an diese Einsicht knüpft das Themenportal für Europäische Geschichte an.
Schwerpunkte
Die derzeit beobachtbare Reorganisation der wissenschaftlichen Institutionen und Lehrpläne markiert eine weitgehende Abkehr vom nationalstaatlichen Paradigma: so zeichnet sich in Deutschland aktuell eine Europäisierung der universitären Curricula und Forschungsprofile vieler Professuren in den Geschichtswissenschaften ab. Ein Desiderat stellen in diesem Zusammenhang sich an neueren Forschungen orientierende Material-, Quellen- und Textsammlungen dar, um den curricularen Wandel in Hinblick auf den aktuellen internationalen Forschungsstand in erstrebenswerter Qualität und gebotener Zügigkeit vollziehen zu können. Im Internetzeitalter liegt es nahe, diese Herausforderung durch Einsatz vernetzter, dezentraler und kooperativer Arbeitsstrukturen und durch webbasierte Lösungen zu meistern. Das Themenportal Europäische Geschichte leistet hier einen Beitrag. Die Bereitstellung lehrunterstützender Materialien, Quellen und Texte ist ohne die Expertise und Mitwirkung von Fachwissenschaftlern/innen für die Geschichte europäischer Gesellschaften und Regionen nicht denkbar. Darüber hinaus sollen Experten/innen aus benachbarten Disziplinen eingebunden werden, die einer ähnlichen wissenschaftlichen Entwicklung unterliegen. Für die mittelfristige Weiterentwicklung wird zudem bei der Entwicklung von Themenschwerpunkte die Beteiligung ausländischer Fachkollegen/innen angestrebt.
Von der Idee her greift das Themenportal Europäische Geschichte auf Vorarbeiten der Herausgebergruppe eines im April 2005 erschienenen Sammelbandes mit dem Titel „Europa und die Europäer“ (Franz Steiner Verlag) zurück, dessen Beiträge einen ersten Grundstock bilden werden.
[8]
Zielgruppe
Die Zielgruppe des Themenportals umfasst zunächst alle in Forschung und Lehre Tätigen des Fachs Geschichte sowie Fachleute aus den benachbarten Sozial- und Kulturwissenschaften, zudem die Studierenden, die Lehrer/innen vorzugsweise der weiterführenden Schulen und die sonstige europahistorisch interessierte Öffentlichkeit, die sich etwa unter anderem in Ausstellungen in Museen und Berichten in den Medien artikuliert. Planungen und Konzepte werden auf die Anforderungen und Bedürfnisse des fachwissenschaftlichen Zielpublikums ausgerichtet, ohne dabei die anderen Nutzergruppen auszuklammern.
Der gewählte Ansatz: Themenportal
Das Themenportal Europäische Geschichte stellt in konzeptioneller wie technischer Hinsicht gewissermaßen den logisch nächsten Schritt der Entwicklung des historischen Informationssystems von Clio-online dar. Aufgrund seines modularen Aufbaus, der implementierten Ressourcennachweise und kooperativen Strukturen bietet Clio-online günstige Anknüpfungspunkte für die Entwicklung von Themenportalen. Das Projekt entwickelt für die Geschichtswissenschaften im deutschsprachigen Raum einen zentralen Ausgangspunkt für geschichtswissenschaftliche bzw. historische Angebote im Internet. Zu den Angeboten von Clio-online zählen einerseits Plattformen für die fachwissenschaftliche Kommunikation, Diskussion und für das elektronische Publizieren; andererseits werden vorhandene Angebote von Hochschulen, Bibliotheken, Archiven und Forschungseinrichtungen erschlossen, nachgewiesen und befördert sowie durch übergreifende Suchen integriert und gebündelt.
[9]
Perspektiven, Fokussierung, Qualitätssicherung
Für die Realisation des Themenportals Europäische Geschichte kann zudem auf die europaweite Vernetzung der Kommunikationsplattformen H-Soz-u-Kult, geschichte.transnational und Zeitgeschichte-online zurückgegriffen werden, zu deren Autoren/innen und Lesern/innen viele Experten/innen für die moderne europäische Geschichte zählen. Qualitativ möchten die Herausgeber/innen das Themenportal durch redaktionell verantwortete forschungs- und diskussionszentrierte Einführungen und durch die Einbindung nicht nur technisch zugeführter sondern intellektuell ausgewählter Beiträge, die jeweils europageschichtliche Dimensionen des sozialen, wirtschaftlichen, politischen oder kulturellen Wandels behandeln, „oberhalb“ von Wikipedia und vergleichbaren Plattformen im Internet etablieren.
[10]
Die Geschichte Europas und der Europäer lässt sich jeweils nur unter einer bestimmten Perspektive und im Hinblick auf ein Problem oder ein Thema darstellen. In diesem Sinn wird das Themenportal Europäische Geschichte exemplarisch vorgehen. Es wird keine „Totalgeschichte“ bieten und darauf verzichten, eine bestimmte Meistererzählung in den Mittelpunkt zu stellen.
[11]
Die auf dem Portal versammelten Beiträge werden auf vielfältige andere Erzählungen jenseits der etablierten und kanonisierten Europahistoriografie verweisen. Sie sind Ergebnis und Ausdruck professioneller Expertise, erinnern aber auch daran, dass jede Generation die Vergangenheit aufgrund eigener Erfahrungen, Herausforderungen und Forschungen neu rekonstruiert und interpretiert, um Orientierungs- und Reflexionswissen für das Handeln in der Gegenwart und Zukunft zu gewinnen.
Die Quellen, Essays und Materialien des Themenportals richten sich an Menschen, die mit historischen Dokumenten und Relikten kritisch umzugehen verstehen, die Geschichte für machbar halten und die aber auch wissen, dass Geschichte nicht eine bloße Konstruktion und etwas anderes als eine nach den Regeln der Literatur erzählte Fiktion von der Vergangenheit ist und mehr zu bieten hat als gute Unterhaltung oder schlichtes Infotainment im historischen Gewand.
Die Zugehörigkeit zur Europäischen Union ist an politische, wirtschaftliche und rechtliche Kriterien geknüpft, jedoch nicht, oder nur sehr indirekt, an „historische“ und historiografische Kriterien.
[12]
Keine politische oder gesellschaftliche Instanz kann oder will zur Zeit die Geschichte dessen, was auf dem europäischen Kontinent geschehen ist, oder die Vorstellungen, die sich die Europäer von der Vergangenheit machen, europaweit angleichen oder gar vereinheitlichen. Geschichte, Historiografie und Erinnerungskultur werden zum Bereich der „Kultur“ gerechnet, wofür die Europäische Union unter dem Motto „Vielfalt in der Einheit“ an der Pflege von kultureller Diversität festhält. Diesbezüglich besteht wenig Homogenisierungsdruck und die Anreize für eine historiografische Angleichung und Standardisierung sind gering. Die Historiografie über Europa, die Europäer und das Europäische bleibt so vieldeutig und kontrovers.
| 
| | |
Abbildung 1: Startseite des Themenportals Europäische Geschichte im September 2006
| |
Technisches Konzept
Die Entwicklung und Ausgestaltung des Themenportals Europäische Geschichte soll sich an der Forschungspraxis der Historiker/innen und ihren Lehranforderungen und -interessen ausrichten. Die effiziente Nutzung wissenschaftlicher Information ist auch abhängig von der Medien- und Informationskompetenz der Nutzer/innen, also der Fähigkeit, sich methodisch und kritisch zu informieren. Navigations- und Recherchestrategien, thematische Bündelungen der einzelnen Informationseinheiten sollten transparent umgesetzt werden, zudem sind über Einführungstexte die Grundlagen ihrer Nutzung zu vermitteln. Das eingesetzte System soll durch Rückkopplungen mit den Nutzern/innen kontinuierlich verbessert werden, um wiederkehrende Suchmuster zu verarbeiten und eine Nutzung durch intuitive Oberflächen zu unterstützen.
Themenportale sind in technischer Hinsicht standardisierte Lösungen, die auf einer Plattform unterschiedliche Arten von Online-Ressourcen zusammenzuführen. In Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern werden darin aus verschiedenen eigenen und externen Onlineangeboten thematisch fokussierte Inhalte gebündelt. Mit Hilfe generischer Aufbereitungs-, Auswahl- und Suchfunktionen
[13]
können redaktionell beteiligte Institutionen oder Forschergruppen thematische Cluster aus unterschiedlichen Datenbeständen entwickeln und die verfügbaren Informationen in weiteren Publikationen, Gateways oder Informationsangeboten verarbeiten. Durch die dauerhafte Anbindung über automatisierte und standardisierte Schnittstellen kann die fortlaufende Aktualität der Informationen gewährleistet werden. Eigene Inhalte können durch weitere Standardmodule eingepflegt und aktualisiert, insbesondere Publikationen (Artikel, Themenhefte) können mit Hilfe generischer Datenhaltungs- und Ausgabefunktionen in vielfältigen Ausgabeformaten produziert werden. Die Entwicklung generischer Module für die Pflege unterschiedlicher Inhalte bzw. Datenstrukturen nimmt dabei eine zentrale Position ein, sofern solche Module zukünftig ohne weitere technisch-administrative Eingriffe zum Auf- und Ausbau von Portalen eingesetzt werden können.
[14]
| 
| | |
Abbildung 2: Arbeitsabläufe und Funktionsebenen der Portalentwicklung
| |
Längst hat sich das Word Wide Web als zentraler Ort für wissenschaftliche Nachweis- und Erschließungssysteme jeglicher Art und eben auch für historische Online-Ressourcen etabliert. Das Themenportal Europäische Geschichte wird profilierte fachwissenschaftliche Verzeichnisse von Clio-online und seinen bibliothekarischen Kooperationspartnern übernehmen und einbinden. Dabei handelt es sich zum einen um ein Web-Verzeichnis
[15]
und um ein Institutionen-Verzeichnis mit europahistorischem Schwerpunkt.
[16]
Der Nutzen fachlich betreuter Nachweis- und Erschließungssysteme besteht darin, dass Nutzer/innen bzw. Nicht-Fachleute zu historisch relevanten Ressourcen geführt werden und ihnen geholfen wird, die wissenschaftliche Dignität des Informationsangebots zuverlässig einschätzen zu können. Zum anderen erschließen und sammeln mehrere Kooperationspartner von Clio-online umfangreiche Literaturbestände zur europäischen Geschichte. Eine Auswahl aus den Datenbanken der Bibliotheken bzw. Forschungseinrichtungen wird unter der Rubrik Verzeichnisse in das Themenportal integriert.
Zunehmend werden im Internet auch lehrunterstützende Materialien und Quellen bereitgestellt. Noch vor einigen Jahren erschienen historischen Materialsammlungen zumeist als Buch mit beigefügter CD-Rom-Ausgabe
[17]
, inzwischen migrieren historische Quellensammlungen ins Internet, wobei allerdings Fragen der Authentizität und Integrität noch nicht abschließend geklärt sind.
[18]
Das Themenportal Europäische Geschichte trägt dieser Entwicklung Rechnung, indem es fachwissenschaftlich verlässliche Ressourcen (Überblicksdarstellungen, historische Quellen und Essays, Materialien, Hinweise auf Fachliteratur und Rezensionen) bereitstellt und darüber in europäischer Perspektiven transnationale und vergleichende Betrachtungsweisen unterstützt und auf diesem Wege auch zur Revision einseitiger nationenzentrierter Geschichtsnarrative beiträgt.
Die Präsentations- und Ausgabemöglichkeiten des Portals
[19]
können später um kommunikative Elemente wie Mailinglisten, Weblogs oder RSS-Feeds als Mittel für den Informationsaustausch und für die tagesaktuelle Unterrichtung von Nutzern/innen ergänzt werden. Clio-online hat dazu erste konzeptionelle und technische Erfahrungen gesammelt, so erweitern unter anderem Funktionen für Abonnementdienste und Alertingsservices das Angebot von Themenportalen. In einem späteren Ausbauschritt können Nutzer/innen über sogenannte Personalisierungsoptionen profilierte Informationen abrufen, die auf ihre jeweiligen Arbeitsschwerpunkte zugeschnitten sind.
Struktur und Umsetzung des Themenportals
Inhalte und Dokumente des Themenportals werden den Nutzern/innen über unterschiedliche navigierende Zugänge und Suchen präsentiert. Der erste Zugang erfolgt über das Browsen durch Haupt- und Untermenüs, die sich an den eingebundenen Dokumenttypen und Quellengattungen orientieren und darüber zugleich das inhaltliche Spektrum des Themenportals verdeutlichen:
Materialien:
- Essays: Kommentare, Anmerkungen und Essays in Ergänzung zu historischen Dokumenten, Quellen und Materialien.
- Quellen: Ausgewählte Quellen und Dokumente zur europäischen Geschichte.
- Karten: Digitale Grundkarten zur europäischen und deutschen Geschichte zu den Themenbereichen Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Verkehr. Quelle dieser Karten ist das Projekt IEG-MAPS – Server für digitale historische Karten.
[20]
- Publikationen (Europatexte): Die Rubrik Publikationen bündelt elektronische Veröffentlichungen (Sammelbände, Artikel) zu europahistoriografischen Themen und stellt elektronische Kopien von konventionell veröffentlichten Aufsätzen/Artikeln bereit.
Verzeichnisse:
- Kataloge: Dynamische Auszüge aus Bestandskatalogen und Datenbanken wissenschaftlicher Bibliotheken und bibliografischer Projekte mit europahistorischem Fokus. Es handelt sich dabei quasi um fortgeschriebene bestandsbasierte Bibliografien der Europahistoriografie.
- Institutionen: Dynamischer Auszug aus dem von Clio-online und seinen Kooperationspartnern gepflegten Nachweis zu historischen Institutionen mit europäischem Schwerpunkt.
- Webressourcen: Dynamischer Auszug aus dem von Clio-online und seinen Kooperationspartnern gepflegten Nachweis zu im Internet verfügbaren Ressourcen mit europäischem Schwerpunkt.
Eine zweite Zugangsoption ergibt sich durch das Browsen über thematische und davon abgeleitete epochale und regionale Menübäume. Grundlage für das Listing der Beiträge, Dokumente, Materialien oder Nachweise ist eine Klassifikation. Alle Einzeldokumente der Rubrik Materialien sowie die Einträge der Verzeichnisse werden mittels einer fachlichen Klassifikation erschlossen. Benutzt wird dafür ein auf die Geschichtswissenschaften fokussierter Auszug aus der universal ausgerichteten DDC/DDC.deutsch, die auch dem portalübergreifenden Browsing zugrunde gelegt wird.
[21]
Zudem werden Suchfunktionen bereitgestellt, mit denen jeweils lokale Ressourcen erschlossen werden können. Die sogenannte lokale Suche stellt eine übergreifende Suche auf dem Themenportal zur Verfügung.
Eine weitere Zugangsoption offerieren die Themenschwerpunkte, in denen eigenverantwortliche Teilredaktionen Materialien, Texte und Dokumente zu ausgewählten Themen zusammengeführt und mit einer themenspezifischen Navigation versehen haben. Beispielsweise sind die Essays und Quellen des Sammelbandes „Europa und die Europäer“ zu einem solchen thematischen Cluster zusammengefasst wurden, dessen Navigation der Gliederung des Buchs entspricht. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die von Stefan Troebst im Frühjahr und Sommer 2006 zusammengestellten Artikel und Rezensionen zum Thema „Zur Europäizität des östlichen Europa“. Die inhaltliche Vertiefung ausgewählter Themenbereiche in geschichtswissenschaftlicher Perspektive (zum Beispiel Forschungs- und Literaturberichte; Einführungen in die Quellenlage) soll auch über die Themenschwerpunkte erfolgen.
Navigation und portalseitige Hilfetexte sollen durchgängig in Deutsch und Englisch präsentiert werden. Die Inhalte werden zumeist entweder in Deutsch, Englisch oder Französisch zur Verfügung stehen. Zudem sind mehrsprachige Ausgaben von Beiträgen zulässig. So können Quellen sowohl übersetzt ins Deutsche oder Englische ausgewiesen werden, sofern die originalsprachliche Version ebenfalls verfügbar ist. Beiträge, die lediglich in ihrer Originalsprache und für die keine deutsche, englische oder französische Übersetzung verfügbar ist, können nicht berücksichtigt werden.
Organisations- und Kooperationsstruktur
Die Organisations- und Kooperationsstruktur für das Themenportal Europäische Geschichte stellt sich folgendermaßen dar: Funktional unterschieden wird zwischen Herausgeberkollegium, Redaktion, Themenverantwortlichen und Kooperationspartnern. Die Aufgaben und Zuständigkeiten werden in der nebenstehenden Übersicht (Abb. 3) gelistet.
Das Herausgeberkollegium verantwortet gemeinsam das Konzept und die Entwicklung des Themenportals sowie die inhaltliche Profilierung. Die Herausgeber verstehen sich als aktiv Mitwirkende, die sich an der Akquisition, am Begutachtungsprozess und an der Redaktion von Beiträgen beteiligen, die in ihr thematisches Arbeitsfeld fallen. Zusammen mit der Redaktion sorgen die Herausgeber für die Koordination der Arbeitsprozesse und für die Sicherung der festgelegten europahistorischen Themen- und Fragestellungen des Projektes. Zu den Aufgaben der Redaktion zählt die abschließende redaktionelle Betreuung des Kernangebotes, die Entwicklung und Betreuung der technischen Dienste und Infrastruktur sowie die Übernahme organisatorischer Aufgaben.
| 
| | | Abbildung 3: Organisationsstruktur des Themenportals Europäische Geschichte | |
Themenverantwortliche steuern in Abstimmung mit dem übergreifenden Rahmenkonzept zu ausgewählten Themenkomplexen fachliche Expertise bei und übernehmen die redaktionelle und herausgeberische Verantwortung für diese Themenschwerpunkte. In der Anlaufphase ist nur eine überschaubare Anzahl von Themenschwerpunkten geplant. Das Herausgeberkollegium wählt die Themen aus und lädt Experten/innen zur Teilhabe ein, eigenverantwortlich die Entwicklung eines Themenschwerpunktes zu übernehmen.
Nutzungsrechte
Die Nutzungsrechte an den bereitgestellten Inhalten und Metadaten verbleiben bei der Person, Einrichtung oder dem Projekt, von der/dem sie erstellt wurden. Bei der Veröffentlichung der Daten auf den Seiten des Themenportals Europäische Geschichte oder in abgeleiteten Themenportalen ist die Herkunft bzw. die Urheberschaft der Daten in einer standardisierten Form anzugeben. Allen beteiligten Personen/Einrichtungen/Projekten werden außerdem nicht-exklusive, beschränkte Nutzungs- und Verwertungsrechte an von Themenverantwortlichen eingepflegten Daten übertragen. Insbesondere können die von Themenverantwortlichen/Kooperationspartnern beigesteuerten Datensätze/Metadaten zeitlich unbefristet verwendet und über Webportale kostenfrei und recherchefähig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
[22]
Themenfindung – Mitwirkung
Am Beginn des Umsetzungsprozesses steht der Versuch, geeignete Rahmenthemen und Schlüsselbegriffe zu identifizieren sowie Expertinnen und Experten für Europäische Geschichte für die Mitarbeit zu gewinnen. Dabei ist auf eine breite curriculare Anschlussfähigkeit der Themen- und Fragestellungen zu achten.
Bei der Auswahl der thematischen Cluster werden folgende Kriterien angelegt:
- sie sollten relevante Aspekte der aktuellen Europahistoriografie berücksichtigen,
- sie sollten zum europäischen Vergleich einladen,
- sie sollen Schlüsselthemen der jeweiligen Regionen sichtbar machen,
- sie sollen Anknüpfungspunkte und Anregungen zum Perspektivenwechsel für die gegebene nationalhistorische Geschichtsbetrachtung bieten.
Fazit – Ausblick
Fachwissenschaftler/innen greifen in ihren Arbeitsprozessen immer häufiger auf in wissenschaftlichen Portalen aufbereitete Informationen zurück, wie jüngere Umfragen und Studien belegen, obgleich beim Einstieg in neue Themen und Fragestellung auch Forscher/innen für kurze Begriffssuchen meist eine der führenden Suchmaschinen wie Google oder Yahoo nutzen.
[23]
Als Schlüsselgrößen für die Akzeptanz wissenschaftlicher Portale können die Bandbreite forschungs- und lehrrelevanter Inhalte, die Zuverlässigkeit, Aktualität und Stabilität der Informationen sowie die Vernetzung mit anderen Informationsquellen gelten.
Retrodigitalisierungen und Fachportale haben die Arbeit mit historischen Quellen insbesondere bisher in den älteren Epochen wesentlich erleichtert, weil die Anzahl der Dokumente im Vergleich zur Neueren oder Zeitgeschichte relativ gering ist, weil langfristig angelegete Editonsprojekte günstige institutionelle und fachliche Voraussetzungen für Retrodigitalisierungsvorhaben darstellen und weil es keine urheberrechtlicher Hürden zu überwinden gilt, ist die Konvertierung von Quellen in elektronische Formate weiter vorangekommen als im 19. und 20. Jahrhundert, zumal diese geradezu in einem Meer von Papier untergehen.
[24]
Dies gilt umso mehr für das von Umbrüchen und widersprüchlichen Entwicklungen gekennzeichnete Europa des 19. und 20. Jahrhundert, für das gewissenmaßen ein riesiges digitales Quellenloch auszumachen ist.
Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen curricularen Reformen an den Universitäten, die eine sich auf Europa hin orientierte Erweiterung und Restrukturierung historischen Wissens erfordern, stellt das Themenportal Europäische Geschichte den Versuch dar, durch freiwillige Zusammenarbeit von an moderner europäischer Geschichte interessierten Fachwissenschaftlern/innen einige der genannten Desiderate anzugehen. Insbesondere durch die Bereitstellung von dezentral erschlossenen Quellen für die Lehre, denen immer Kommentare zum jeweiligen Entstehungskontext zur Seite gestellt werden.
Das Themenportal ersetzt nicht die systematische Erarbeitung und Bereitstellung einer digitalen Quellenbasis „von oben“ durch die wissenschaftlichen Infrastruktureinrichtungen der Gedächtnisorganisation, was auf europäischer Ebene erhebliche Anstrengungen erfordern wird. Dagegen eröffnet die freiwillige Zusammenarbeit „von unten“ zeitnahe, flexible und qualitätsgesicherte Antworten auf viele drängende historiografische und curriculare Herausforderungen. Das Themenportal Europäische Geschichte stellt dazu eine technische und organisatorische Plattform im Internet dar, damit aus den verschiedenen Materialien, den Quellen, Karten, Bildern und Sekundärtexten nicht nur ein bunte Mischung historischer Bruchstücke hervorgeht, sondern ein wirkliches Mosaik, das weite Bereiche der modernen europäischen Geschichte abdeckt.
***
Dr. Rüdiger Hohls ist Leiter des Bereichs „Historische Fachinformatik“ am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin, seit 1996 Mitherausgeber des Internetforums „H-Soz-u-Kult - Kommunikation und Fachinformation für die Geschichtswissenschaften“, seit 2002 Projektleiter des Verbundvorhabens „Clio-online. Fachportal für die Geschichtswissenschaften“ und Mitherausgeber der Zeitschrift „Historische Literatur. Rezensionszeitschrift von H-Soz-u-Kult“ sowie der Schriftenreihe „Historisches Forum. Themenhefte von Clio-online“. Interessenschwerpunkte: Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts; EDV und Neue Medien in den Geschichtswissenschaften. E-Mail: hohlsr@geschichte.hu-berlin.de
[1] Das Vortragsmanuskript gibt die Konzeption und den Planungsstand für das Themenportal Europäische Geschichte im Februar 2006 wider. Das Portal wurde im September 2006 im Rahmen einer Veranstaltung auf dem 46. Deutschen Historikertag in Konstanz unter der Adresse <http://www.europa.clio-online.de/> für die Öffentlichkeit freigeschaltet.
[2] Exemplarisch sei hier auf folgende Überblicke verwiesen: Haupt, Heinz-Gerhard; Kocka, Jürgen (Hgg.), Geschichte und Vergleich. Ansätze und Ergebnisse international vergleichender Geschichtsschreibung, Frankfurt/Main 1996; Schnabel-Schüle, Helga (Hg.), Vergleichende Perspektiven - Perspektiven des Vergleichs. Studien zur europäischen Geschichte von der Spätantike bis ins 20. Jahrhundert, Mainz 1998; Kaelble, Hartmut, Der historische Vergleich. Eine Einführung zum 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt/Main 1999; Cohen, Deborah; O'Connor, Maura (Hgg.), Comparison and history. Europe in cross national perspective, New York 2004.
[3] Die Debatte kann hier nicht nachvollzogen werden, weshalb exemplarisch verwiesen wird auf folgende Beiträge: Espagne, Michel, Les transferts culturels franco-allemands, Paris 1999; Middell, Matthias (Hg.), Kulturtransfer und Vergleich, Leipzig 2000; Kaelble, Hartmut; Schriewer, Jürgen (Hg.), Vergleich und Transfer. Komparatistik in den Sozial-, Geschichts- und Kulturwissenschaften. Frankfurt/Main 2003; Werner, Michael; Zimmermann, Bénédicte (Hgg.), De la comparaison à l’histoire croisée. Paris 2004. Vgl. dazu auch die 2005 auf geschichte.transnational geführte Diskussion über „Transnationale Geschichte als transnationales Projekt?“, siehe <http://geschichte-transnational.clio-online.net/forum/type=artikel> (11.09.2006).
[4] Auch hier kann nur auf einige jüngere historiografiegeschichtliche Debattenbeiträge verwiesen werden: Chakrabarty, Dipesh, Provincializing Europe. Postcolonial thought and historical difference, Princeton 2000; Daniel, Ute, Kompendium Kulturgeschichte. Theorien, Praxis, Schlüsselwörter, Frankfurt am Main 2001; Fuchs, Eckhardt; Stuchtey, Benedikt (Hgg.), Across Cultural Borders. Historiography in Global Perspective, Lanham 2002; Raphael, Lutz, Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme. Theorien, Methoden, Tendenzen von 1900 bis zur Gegenwart, München 2003; Nützenadel, Alexander; Schieder, Wolfgang (Hgg.), Zeitgeschichte als Problem. Nationale Traditionen und Perspektiven der Forschung in Europa, Göttingen 2004; Baberowski, Jörg, Der Sinn der Geschichte. Geschichtstheorien von Hegel bis Foucault, München 2005.
[5] Exemplarisch: Knipping, Franz (Hg.), Das System der Vereinten Nationen und seine Vorläufer, Bern 1995; Gasteyger, Curt, Europa von der Spaltung zur Einigung. Darstellung und Dokumentation. 1945 - 2000, Bonn 2001; Loth, Wilfried, Overcoming the Cold War. A history of détente, 1950 - 1991, Basingstoke 2002; Miard-Delacroix, Hélène; Hudemann, Rainer (Hgg.), Wandel und Integration. Deutsch-französische Annäherungen der fünfziger Jahre, München 2005; Loth, Wilfried (Hg.), Europäische Gesellschaft. Grundlagen und Perspektiven, Wiesbaden 2005.
[6] Vgl. die thematisch orientierten Reihen „Europa bauen“ (deutsch beim Verlag C.H. Beck, München) sowie „Europäische Geschichte“ (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main). Siehe ferner die auf dem deutschen Buchmarkt erscheinenden neueren historischen Handbuch- und Sachbuchreihen, wie das „Handbuch der Geschichte Europas“ (UTB), die „Geschichte Europas“ beim Siedler Verlag, Berlin, sowie die „Geschichte Europas“ im Verlag Kohlhammer, Stuttgart. Vergleichbare Reihen werden seit den 1990er Jahren auch von Verlagen in anderen Ländern aufgelegt, u.a. die Oxford History of Europe (Oxford University Press), European history in perspective (Palgrave Macmillan Publisher, Basingstoke u. London); European history (Routledge publishers, London); A History of Europe (Longman Publisher, London); History of Europe (St. Martin's Press, New York); Europe & histoire (Éditions Belin, Paris).
[7] Vgl. exemplarisch die folgenden Forschungsüberblicke mit weiterführenden Literaturangaben: Kaelble, Hartmut, Social particularities of nineteenth- and twentieth-century Europe, in: Ders. (Hg), The european way. European societies during the nineteenth and twentieth centuries, New York 2004, S. 276-317; Woolf, Stuart, Europa und seine Historiker, in: Petri, Rolf; Siegrist, Hannes (Hgg.), Probleme und Perspektiven der Europa-Historiographie, Leipzig 2004, S, 50-71 (zugl. Comparativ 14 (2004) Heft 3); Haupt, Heinz-Gerhard, Die Geschichte Europas als vergleichende Geschichtsschreibung, in: ebd., S. 83-97; Europäisierung der Zeitgeschichte?, in: Zeithistorische Forschungen 1 (2004) Heft 3, S. 335-481; Schmale, Wolfgang, Geschichte Europas (Teil I), in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht (2004) Heft 7/8, S. 454-470; (Teil II), in: ebd., (2004) Heft 10, S. 625-636; (Teil III), in: ebd., (2004) Heft 11, S. 697-707; Gall, Lothar, Europe reborn? Eine Geschichte Europas im 20. Jahrhundert, in: HZ 280 (2005), S. 117-258.
[8] Hohls, Rüdiger; Schröder, Iris; Siegrist, Hannes (Hgg.), Europa und die Europäer. Quellen und Essays zur modernen europäischen Geschichte, Stuttgart 2005.
[9] Über das zentrale Fachportal von Clio-online <http://www.clio-online.de> werden in erster Linie (neutrale) Funktionalitäten der Informationserschließung, -vermittlung und Suchzugänge bereitgestellt. Redaktionell betreute und meinungsbildende Angebote der historischen Fachkommunikation und -diskussion sowie Publikationen werden über themenzentrierte oder zielgruppenspezifische Plattformen und Portale angeboten und verteilt, wobei neben Zeitgeschichte-online <http://www.zeitgeschichte-online.de> das Fachforum H-Soz-u-Kult <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de> das bekannteste und meistgenutzte Angebot darstellt. Das 2004 online gegangene Fachforum geschichte.transnational <http://geschichte-transnational.clio-online.net> widmet sich der Geschichte des kulturellen Transfers und der transnationalen Verflechtungen in Europa und der Welt. Die organisatorische Struktur des Verbundprojektes Clio-online und der Teilvorhaben ist nicht deckungsgleich mit der Produkt- und Angebotspalette, denn an den verschiedenen Plattformen und Portalen partizipieren auch Partner außerhalb des Verbundprojektes.
[10] Bei Wikipedia handelt es sich um ein in Nordamerika begründetes Projekt, das den Aufbau einer freien Enzyklopädie in mehr als 100 Sprachen zum Ziel hat und an dem ein jeder ohne Einschränkungen und unentgeltlich mitwirken kann: <http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite> (11.09.2006).
[11] Selbstverständlich schlägt sich die Meistererzählung von der Strukturierung und Prägung Europas und der Europäer durch Prozesse unter anderem der Konfessionalisierung, Säkularisierung, Nationalisierung, Denationalisierung, Demokratisierung, ökonomischen Überformung und Partizipation, Internationalisierung und Transnationalisierung Europas in vielen Beiträgen und auch in der Gliederung bzw. Menüführung des Portals nieder. Die Erzählung vom „Phönix aus der Asche“, das heißt vor allem die Frage, wie das Europa der Weltkriegszeit und das geteilte Europa des Kalten Kriegs von Europäern und vielen anderen in das friedliche und vereinigte Europa der Europäischen Union verwandelt werden konnte, und des arbeitenden und effizienten Europa wird sich in vielen Beiträgen wiederfinden.
[12] Vgl. Petri; Siegrist (Hgg.), Probleme und Perspektiven (vgl. Anm. 7); Schlögel, Karl, Wie Europa wurde, was es heute ist, in: Die Zeit, 29.12.2005, Nr.1.
[13] Sogenannte Web-Services bieten derzeit die geeignetste Form für den standardisierten und übergreifenden Informationsaustausch.
[14] In der Datenverarbeitung werden Anweisungen, Funktionen und Operatoren als generisch bezeichnet, wenn sie nicht auf einen speziellen Datentyp aufbauen. Im übertragenen Sinn ist hier die Programmierung von Modulen gemeint, die mehrfach und in unterschiedlichen Kontexten eingesetzt werden können, wie z. B. generische Templates auf Grundlage verschiedener Dokumenttypen-Definitionen (DTD). Bei einer DTD handelt es sich um eine Formalisierung der intuitiven Vorstellung von einem Dokumententyp. Sie listet die verfügbaren Elementtypen auf und legt fest, nach welchen Vorkommensregeln die Elemente erscheinen und welchen Inhalt sie haben dürfen. Da die Folgen technischen Wandels nicht antizipiert werden können, sollte die Langfristarchivierung von Texten nicht von einer festen Darstellungsform ausgehen, sondern nur die innere Struktur der Texte – Überschrift, Absatz, Texthervorhebung usw. – auszeichnen und um Metainformationen wie die Sprache des Textes und die Namen der Autoren/innen ergänzen. Dies ermöglicht die XML-Spezifikation. In der Praxis beschreiben XML-Schemata die Datenstruktur, das generische Modul erzeugt die Datentabellen, sowie Ein- und Ausgabemasken inkl. Suchfunktion und Paging.
[15] Beim Clio-online Web-Verzeichnis handelt es sich um ein Verzeichnis über wissenschaftliche Angebote zur Geschichte im World Wide Web (verzeichnet sind: Angebote zur historischen Forschung, geschichtswissenschaftliche Datenbanken, Materialien, Nachschlagewerke und weitere Portale). Das Verzeichnis stützt sich auf die Erschließungsleistungen eines Verbundes wissenschaftlicher Bibliotheken und Einrichtungen.
[16] Das Clio-online Institutionsverzeichnis weist in strukturierter Form wichtige Archive, Bibliotheken, Museen, Institute, Lehrstühle, Vereine, Verlage und weitere Einrichtungen der Fachwissenschaft aus. Die Vermittlung aktueller Informationen über Struktur, Aufbau und Schwerpunkte historischer Forschungs-einrichtungen und Infrastrukturinstitutionen ist von Bedeutung für die historische Forschungspraxis und unterstützt den Aufbau wissenschaftlicher Netzwerke.
[17] Einen Überblick über diesen Bereich historischer Spezialveröffentlichungen liefern die Rezensionen von H-Soz-u-Kult, in: <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/type=rezcdrom> (11.09.2006).
[18] Im Internet verfügbare historische Quellensammlungen sind über das so genannte Web-Verzeichnis des historischen Fachportals Clio-online recherchierbar, in: <http://www.clio-online.de> (11.09.2006); Rubrik: Materialien. Dort sind Mitte 2006 über 600 Angebote mit inhaltlichem Schwerpunkt auf die europäische Geschichte beschreibend erschlossen. Im Kontext der europäischen Integrationsgeschichte sei exemplarisch auf den „European Navigator“ (ENA) hingewiesen, der mit Unterstützung der EU hunderte multimediale Dokumente zur historischen und institutionellen Entwicklung Europas seit 1945 bereitstellt, in: <http://www.ena.lu/> (11.09.2006).
[19] Die Darstellung von Web-Seiten in einem einspaltigen HTML-Format gewährleistet optimale Lesbarkeit am Bildschirm auf unterschiedlichen Rechnern gemäß individueller Präferenzen der Nutzer/innen und ermöglicht die externe Verlinkung und Indizierung durch Suchmaschinen. Demgegenüber erlaubt das von Adobe entwickelte PDF-Format plattformübergreifend die punktgenaue Beschreibung komplexer Layouts und typografischer Feinheiten. PDF-Dateien werden sowohl von Verlagen für die Drucklegung als auch von den Online-Lesern/innen für den Ausdruck am heimischen Drucker genutzt. Für die Transformation einer XML-Datei nach HTML oder PDF existieren verschiedene technische Optionen.
[20] Vgl. <http://www.ieg-maps.uni-mainz.de/> (11.09.2006).
[21] Die Dewey-Dezimalklassifikation (DDC) ist die international am weitesten verbreitete Universalklassifikation. Trotz ihrer anglo-amerikanischen Prägung und über 120-jährigen Geschichte wurde sie flexibel auf wissenschaftliche Veränderungen und globale Entwicklungen angepasst. Vgl. dazu die Projektseite der Deutschen Nationalbibliothek: <http://www.ddc-deutsch.de/> (11.09.2006).
[22] Grundlage für Ausbau und Nutzung der Fachinformationsdienste von Clio-online sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Kooperationsverbundes, die insbesondere alle Haftungsfragen und solche des Datenschutzes regeln und auch für das Themenportal Europäische Geschichte zum Tragen kommen: <http://www.clio-online.de/site/lang__de/40208166/default.aspx> (11.09.2006).
[23] Vgl. Universitäts und Landesbibliothek Münster / Infas (Hgg.), Nutzungsanalyse des Systems der überregionalen Literatur- und Informationsversorgung: Teil I: Informationsverhalten und Informationsbedarf der Wissenschaft, o.O. 2003, vgl. <http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/wissenschaftliche_infrastruktur/lis/download/ssg_bericht_teil_1.pdf> (11.09.2006); sowie: Deutsche Forschungsgemeinschaft (Hg.), Publikationsstrategien im Wandel? Ergebnisse einer Umfrage zum Publikations- und Rezeptionsverhalten unter besonderer Berücksichtigung von Open Access, Bonn 2005, vgl. <http://www.dfg.de/dfg_im_profil/zahlen_und_fakten/statistisches_berichtswesen/open_access/download/oa_ber_dt.pdf>. Speziell bezogen auf die Geschichtswissenschaften vgl. dazu auch die Auswertungsergebnisse der Clio-online Nutzerumfrage vom Winter 2005/06: <http://www.clio-online.de/umfrage> (11.09.2006).
[24] Zum Stand der Retrodigitalisierung in Deutschland vgl. den unter Leitung von Manfred Thaller erstellten DFG-Evaluationsbericht „Retrospektive Digitalisierung von Bibliotheksbeständen. Evaluierungsbericht über einen Förderschwerpunkt der DFG, Januar 2005: <http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/wissenschaftliche_infrastruktur/lis/download/retro_digitalisierung_eval_050406.pdf> (11.09.2006). Die staatlichen Archive sind sich der Notwendigkeit selektiver Digitalisierung ihrer Bestände bewusst, dennoch stecken solche Vorhaben überwiegend noch in ihren Anfängen; vgl. Weber, Hartmut; Maier, Gerald (Hgg.), Digitale Archive und Bibliotheken. Neue Zugangsmöglichkeiten und Nutzungsqualitäten, Stuttgart 2000 (= Werkhefte der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg A 15).
Vom landesgeschichtlichen zum kulturwissenschaftlichen Portal – Die Bayerische Landesbibliothek Online
von Stephan Kellner
Die Bayerische Landesbibliothek Online (BLO)
[1]
ist seit Juni 2002 im Netz. Das erste regionale Fachportal in Deutschland ist ein Gemeinschaftsprojekt bayerischer Bibliotheken, federführend getragen von der Bayerischen Staatsbibliothek. Es wird von einer Reihe von Kooperationspartnern aus Wissenschaft und Verwaltung unterstützt und vom Bayerischen Wissenschaftsministerium gefördert. Der inhaltliche Schwerpunkt lag bislang auf der Landesgeschichte. Es finden sich genuin digitale Inhalte ebenso wie retrodigitalisierte Quellen, zu denen auch historische Karten und Bilder gehören, sowie Fachliteratur. Das Angebot ist durch einen zentralen Sucheinstieg nach Orten komfortabel nutzbar, eine Suche nach Personen wird ebenfalls aufgebaut. Mit dem „Historischen Lexikon Bayerns“ (HistLexBay) wird seit Mai 2006 sachthematisch orientierte Information und damit auch eine weitere Suchmöglichkeit präsentiert. Derzeit wird die BLO durch Materialien für die Disziplinen Volkskunde, Kunstgeschichte, Sprach- und Literaturwissenschaft sowie für Musik und Archäologie zum kulturwissenschaftlichen Informationsportal für Bayern ausgebaut.
***
Auf der Basis ihres Selbstverständnisses als Informationsvermittler haben deutsche Bibliotheken die rasch steigende Flut des Wissens im WWW in den letzen Jahren zunehmend als Herausforderung angenommen. Sie verlängern ihre traditionellen Aufgaben in die virtuelle Welt und gehen immer mehr dazu über, diese Informationen zu strukturieren, zu bewerten und geordnet in Fachportalen oder Virtuellen Fachbibliotheken anzubieten. Doch beschränken sich die Bibliotheken nicht allein auf diese eher passive Rolle, sondern generieren selbst immer mehr Angebote im Netz, etwa durch Retrodigitalisierung oder neue bibliografische Dienste. Da es in Deutschland keine Nationalbibliothek im eigentlichen Sinn gibt, gehen die Bibliotheken beim Aufbau von Fachportalen von ihren Sammelschwerpunkten aus und bauen für diese im Internet fachliche Einstiege auf. Die Bayerische Staatsbibliothek unternimmt dies für Geschichte und Osteuropa und künftig auch für Altertumswissenschaften und Musik. Eines ihrer Portale, die „Bayerische Landesbibliothek Online“ (BLO), versucht jedoch, die jahrhundertealte Aufgabe einer Landesbibliothek, alle Literatur aus und über Bayern zu sammeln, im Internet-Zeitalter neu zu gestalten.
„Der Stand der Dinge“ – Anfang und Grundstruktur
Die BLO ist ein kooperatives Angebot verschiedener bayerischer Bibliotheken; federführend ist die Bayerische Staatsbibliothek. Das Projekt wird von zahlreichen Kooperationspartnern aus Wissenschaft wie Verwaltung unterstützt. Von Anfang an hat das Bayerische Wissenschaftsministerium die BLO großzügig gefördert. Das Fachportal startete im Jahr 2000 und ging im Juni 2002 online.
[2]
Es wurde als modular aufgebautes, pragmatisch orientiertes, flexibles System konzipiert. Die beteiligten Einrichtungen bleiben dabei jeweils mit ihrer eigenen Identität sichtbar, ihre in die BLO eingebrachten Module können unabhängig voneinander benutzt werden. In der zweiten Förderphase kamen zu den Universitätsbibliotheken Augsburg und Regensburg als weitere Partner die Landesbibliothek Coburg sowie die Universitätsbibliothek Würzburg hinzu.
Da das Portal in seinen Anfängen Impulse der Landesgeschichte aufgreifen konnte, hat es heute einen starken Fokus auf diesem Gebiet; die Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gehört zu den wichtigsten Kooperationspartnern. Die BLO umfasst genuin digitale Angebote ebenso wie retrodigitalisierte Quellen und Sekundärliteratur.
Die Datenbank der Bayerischen Bibliographie erschließt Literatur zu Bayern bis auf Aufsatzebene und bildet einen zentralen Baustein. Der WebWeiser Bayern dient der Erschließung bayernbezogener Internet-Ressourcen. Digitalisierte Fachliteratur und Quellen stellen einen großen Schwerpunkt dar. Dazu zählen die wichtigste landesgeschichtliche Zeitschrift, die Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte (ZBLG) ebenso wie der Historische Atlas von Bayern, eine historisch-topografische Landesbeschreibung Bayerns vom Mittelalter bis zur Gegenwart, ferner die Landtagsverhandlungen aus dem Zeitraum 1429 bis 1669, für die Weimarer Republik (1919–1933) und für 1946/47. Weitere Angebote umfassen historische Karten und eine Porträtgalerie mit 5.000 Porträts aus dem 16. bis 20. Jahrhundert.
Für eine effektive Recherche werden die einzelnen Module in der BLO über eine zentrale Ortsdatenbank erschlossen. Sie verbindet Informationsangebote innerhalb und außerhalb der BLO und bildet somit eine tragende Säule in der Struktur des Portals. Dementsprechend ist die Ortssuche nun auch in der Navigationsleiste als Suchfunktion separat ausgewiesen. Die im Aufbau befindliche Personendatenbank wird Material zu wichtigen Persönlichkeiten der bayerischen Geschichte und Kultur enthalten; sie soll die personenbezogenen Informationen in den einzelnen Modulen sowie in externen Angeboten erschließen.
„Im Lauf der Zeit“ – die Bayerische Landesbibliothek Online bis zum Jahr 2006
Auf der Basis dieser Struktur hat sich das Portal in den Jahren seit dem Start inhaltlich und optisch weiterentwickelt und verändert. Seit Juni 2004 ist die BLO mit attraktiverer und benutzerfreundlicherer Oberfläche sowie erweitertem inhaltlichen Angebot im Netz.
| 
| | |
Abbildung 1: Homepage der Bayerischen Landesbibliothek Online
| |
Im Herbst 2005 ist als fünfte Partnerbibliothek die Staatsbibliothek Bamberg hinzugekommen. Die Bayerische Bibliographie wächst kontinuierlich und bildet mit derzeit 270.000 Literaturnachweisen die größte Landes-bibliografie in Deutschland. Als retrospektive Ergänzung sind seit kurzem auch jene Titel greifbar, die in den Jahren 1928 bis 1958 unter der Rubrik „Literarische Jahresrundschau“ oder „Jahresbibliographie“ in der ZBLG erschienen sind. Dieses Material war bislang nur schwer zugänglich. Hier konnte ein 1988 bis 1995 maschinenschriftlich angelegtes Register im Volltext erfasst und mit den entsprechenden Seiten in der ZBLG verknüpft werden, so dass nun ein komfortabler Zugriff auf diese Daten möglich ist. Auch das Angebot an historischen Karten wird weiter ausgebaut, derzeit sind 874 Karten verfügbar.
| 
| | |
Abbildung 2: Historische Karten: Baierische Landtafeln von Philipp Apian, 1568 (Landsberg am Lech)
| |
Substantiell ergänzt wird dieser Bereich seit Juni 2004 durch die knapp 2.400 Ortsblätter der Katasteruraufnahme des 19. Jahrhunderts im Maßstab 1:2.500 aus dem Besitz des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation in Bayern. Verschiedene Einstiegsmöglichkeiten erleichtern die Recherche. Mit den Ortsblättern ist ein wichtiger und häufig nachgefragter Quellenbestand verfügbar, der für die Orts- und Siedlungsgeschichte, aber auch für Familienforscher/innen von hoher Relevanz ist.
Im Bereich der wissenschaftlichen Zeitschriften sind neben der ZBLG seit Herbst 2005 als erstes regionales geschichtswissenschaftliches Organ die Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg von 1879 bis 2000 online zugänglich. Das Modul wird bald durch das Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen 1 (1888) bis 91 (1990), die Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg 1 (1874) bis 53 (1938) sowie die Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 1 (1838/39) bis 25 (1868) eine ganz wesentliche Erweiterung erfahren und so die vielfach sehr substantielle regionalbezogene Forschung erschließen.
Der Bereich Porträts und historische Ortsansichten wird demnächst um den Bestand der 5.700 Einheiten umfassenden Porträtsammlung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg erweitert. Außerdem hat die Abteilung Karten und Bilder der Bayerischen Staatsbibliothek ihre umfangreichen einschlägigen Bestände aus zeitgeschichtlich bedeutsamen Fotosammlungen eingebracht; hier sind vor allem die Fotografen Heinrich Hoffmann und Felicitas Timpe zu nennen. Sie werden ergänzt durch zahlreiche historische Ortsansichten aus mehreren Jahrhunderten in den unterschiedlichsten Reproduktionstechniken.
Einen neuen Schwerpunkt bei den Inhalten bilden die digitalen Ausgaben von bayerischen Zeitungen. In Verbindung mit einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt zur systematischen Erfassung und Verzeichnung historischer bayerischer Zeitungsbestände
[3]
kann im Rahmen der BLO auf diesen Vorarbeiten aufgesetzt werden, so dass ausgewählte Beispiele aus der reichen Zeitungslandschaft Bayerns in das Portal eingebracht werden können. Den Anfang hat die Coburger Zeitung gemacht, die vom ersten bis zum letzten Jahrgang (1854-1935) digitalisiert wurde und seit Anfang 2006 komplett im Netz bereitgestellt ist. Parallel dazu hat die Universitätsbibliothek Augsburg in Kooperation mit der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg bislang 36 Jahrgänge der Augsburger Ordinari Postzeitung (1770-1806) digitalisiert. Dieses Blatt galt um 1800 als beliebtes Nachrichtenorgan für alle Stände und war die führende Zeitung im süddeutsch-österreichischen Raum.
Die Universitätsbibliothek Würzburg stellt ihre im Wesentlichen auf Unterfranken bezogenen Angebote seit August 2005 auch in dem neuen Portal „Franconica Online“ zur Verfügung. Hier ist mit der um 1570/80 entstandenen Bischofschronik des Lorenz Fries die erste im Rahmen der BLO digitalisierte Handschrift zu finden. Daneben sind interessante Bestände an Einblattdrucken, nämlich die Würzburger Totenzettel aus den Jahren 1672 bis 1914 und die Würzburger Theaterzettel aus dem 19. Jahrhundert enthalten sowie die retrodigitalisierte Unterfränkische Bibliographie für die Jahre 1962 bis 1987 nachgewiesen. Außerdem eingebunden ist das vom Lehrstuhl für fränkische Landesgeschichte der Universität Würzburg betreute Portal „Historisches Unterfranken“. Dieses präsentiert als erstes Angebot eine materialreiche Datenbank zur regionalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters.
Anfang 2004 wurde für die BLO ein Fachbeirat eingerichtet, der für Qualitätssicherung und Nachfrageorientierung des Gebotenen sorgt, sich aber auch in die Projektkonzeption einbringt. In diesem Gremium sind neben der Landesgeschichte auch die wissenschaftlichen Disziplinen Kunstgeschichte, Sprachwissenschaft und Volkskunde durch entsprechende Fachleute vertreten. Die Zusammensetzung des Beirats zeigt auch den künftigen Weg der BLO auf: Durch Angebote für diese Fächer, aber auch für Literaturwissenschaft, Archäologie und Musik soll die Basis der BLO verbreitert werden. Erste Ansätze in dieser Richtung sind verwirklicht, die Resultate bereits im Netz sichtbar; verwiesen sei etwa im Bereich der Volkskunde auf die von der Universitätsbibliothek Augsburg digitalisierte volkskundliche Fotosammlung von Erika Groth-Schmachtenberger oder für Kunstgeschichte auf die Bilder zur Industriearchitektur Schwabens oder die seit März 2006 angebotenen Kataloge der Kunstausstellungen im Münchner Glaspalast 1869 bis 1931.
Nicht zuletzt entwickelte sich die BLO in Deutschland zum Vorreiter für die Gattung „Regionale Fachportale“ und wurde Vorbild für spätere Projekte.
[4]
Regionale Informationssysteme existieren derzeit bereits in Hessen und Westfalen, Planungen sind bekannt für Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen, Thüringen und Sachsen.
„In weiter Ferne – so nah!“ – die Perspektive
Die BLO ist als offenes, modulares System auf Erweiterung angelegt.
[5]
Ziel ist es, mit ihr eine virtuelle interdisziplinäre Wissensplattform für die auf Bayern bezogenen Kulturwissenschaften zu schaffen. Dies geschieht auf zwei Wegen: Auf der einen Seite soll das bisherige Angebot durch Retrodigitalisierung ausgebaut und erweitert werden. So wird an der elektronischen Bereitstellung der für die Jahre 1959 bis 1987 als eigenständige Publikationen erschienenen Bänden der „Bayerischen Bibliographie“ gearbeitet. Damit wird in absehbarer Zeit dieses wichtige und umfangreiche bibliografische Material zur Geschichte und Kultur Bayerns von 1927 bis heute durchgehend via Internet greifbar sein.
Darüber hinaus sollen innovative Projekte der BLO immer wieder neue Impulse geben: Beispielsweise werden im Bereich „Handschriften“ in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München mit den Freisinger Traditionen und dem Codex Falkensteinensis für die mittelalterliche bayerische Geschichte zentrale Handschriften samt ihren gedruckten Edititionen digitalisiert. Das Ergebnis wird in einem zweiten Schritt in Verbindung mit einem Korrekturfeld, das die Eingabe von Korrekturen an der gedruckten Fassung erlaubt, über die BLO angeboten werden. Im Weiteren ist daran gedacht, die Partnerschaft zu den Archiven nach Möglichkeit auszubauen und etwa archivische Findmittel im Netz zugänglich zu machen.
Das im Februar 2005 gestartete Projekt Historisches Lexikon Bayerns (HistLexBay) – ein reines Onlineprojekt – beschränkt sich zunächst auf Sachbegriffe; es bedeutet gleichzeitig den Einstieg in die thematische Suche und somit den Aufbau eines dritten zentralen Erschließungstools. Als Bezugsrahmen für die erste Phase des Projekts wurde die Zeit der Weimarer Republik gewählt. Für gut 600 Sachbegriffsartikel konnten 220 Autoren/innen – erfahrene ebenso wie junge Forscher/innen – zur Mitarbeit gewonnen werden. HistLexBay ist im Mai 2006 mit 135 Artikeln online gegangen. Bei der Erstellung wie bei der Präsentation des Lexikons werden die Möglichkeiten des Mediums Internet nach Möglichkeit genutzt; die Artikel sind mit internen wie externen Angeboten verlinkt und durch Digitalisate von einschlägigen Text-, Bild- oder Tondokumenten ergänzt. In einem nächsten Schritt wird HistLexBay das entwickelte begriffliche und technische Instrumentarium an der Epoche des Spätmittelalters (1250-1500) erproben.
| 
| | |
Abbildung 3: Historisches Lexikon Bayerns. Artikel: Kabarett in der Weimarer Republik
| |
Ein besonders interessantes Projekt wird seit April 2006 im sprachwissenschaftlichen Bereich umgesetzt: Der Ende 2005 erschienene Kleine Bayerische Sprachatlas
[6]
gibt in mehr als 120 Karten mit Kommentaren einen wissenschaftlichen fundierten, aber trotzdem auch für den Laien verständlichen Überblick über die Vielfalt der Dialekte Bayerns. Dieses Kartenmaterial mit den zugehörigen Erklärungen wird, erweitert um Hörbeispiele zu den im Atlas angeführten Begriffen, über die BLO im Internet präsentiert werden und so einen lebendigen, unmittelbaren Eindruck vermitteln. Damit wird die BLO um eine multimediale Komponente bereichert.
„Bis ans Ende der Welt“
[7]
, das ist ja der spezielle Charme eines Internetprojekts mit regionalen Inhalten, sind Informationen greifbar für jeden, der über einen Netzzugang verfügt. Im Fall der BLO werden sie auch immer häufiger genutzt, das zeigen die steigenden Zugriffszahlen. Ausgehend vom soliden Kern aus landesgeschichtlichen Informationen, der stetig erweitert wird, bilden sich Module zu den Kulturwissenschaften. Zentrale Suchmöglichkeiten erschließen das in den einzelnen Bausteinen enthaltene Wissen zur Geschichte und Kultur Bayerns.
***
Dr. Stephan Kellner ist seit 2004 Bavarica-Referent an der Bayerischen Staatsbibliothek München. E-Mail: Stephan.Kellner@bsb-muenchen.de
[1] <http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/>.
[2] Die BLO wurde bereits auf der Tagung .hist 2003 vorgestellt; vgl. dazu Schlögl, Daniel, Das Kooperationsprojekt „Bayerische Landesbibliothek Online“. Ein zentrales Portal zu heterogenen Ressourcen, in: Burckhardt, Daniel; Hohls, Rüdiger; Ziegeldorf, Vera (Hgg.), .hist 2003. Geschichte und neue Medien in Forschung, Archiven, Bibliotheken und Museen. Tagungsband .hist 2003, Teil II, Berlin 2005, S. 149-157 (zugänglich über <http://edoc.hu-berlin.de/histfor/archiv.php>). Dort wird auf Genese und Struktur des Portals eingegangen, so dass die entsprechenden Abschnitte hier kurz gefasst werden können. Vgl. außerdem zur BLO: Kellner, Stephan; Schlögl, Daniel, Von der Landesbibliographie zum landesbezogenen Informationssystem: die Bayerische Landesbibliothek Online (BLO) und vergleichbare Projekte, in: Syré, Ludger; Wiesenmüller, Heidrun (Hgg.), Die Regionalbibliographie im digitalen Zeitalter. Deutschland und seine Nachbarländer, Frankfurt am Main 2006, S. 139-150. – Alle Zahlenangaben entsprechen dem Stand vom 31.07.2006.
[3] Vgl. dazu: Mai, Richard; Schäffler, Hildegard, Bayerische Zeitungen und Amtsblätter von den Anfängen bis Ende des Zweiten Weltkrieges: ein Projekt der Bayerischen Staatsbibliothek mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 67 (2004), S. 103-120.
[4] Vgl. dazu Kellner, Stephan; Schlögl, Daniel, Von der Landesbibliographie zum landesbezogenen Informationssystem (wie Anm. 2), S. 148ff.
[5] Organisatorisch ist die Koordination des Projekts an der Abteilung Bestandsaufbau und Erschließung an der Bayerischen Staatsbibliothek angesiedelt. Für die inhaltlichen Fragen ist der Autor zuständig, die technische Leitung liegt bei Dr. Markus Brantl, dem Leiter des Referats Digitale Bibliothek.
[6] König, Werner; Renn, Manfred, Kleiner bayerischer Sprachatlas, München 2006.
[7] Wie die Zwischenüberschriften ist dieses Zitat der Titel eines Films von Wim Wenders.
Regionalgeschichte.Net – Ein CMS-basiertes, landesgeschichtliches Internetportal
von Elmar Rettinger und Torsten Schrade
Das Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. (IGL) bündelt mit seinem Projekt regionalgeschichte.Net historische Informationen zur regionalen Geschichte unter Einsatz des leistungsstarken Content Management Frameworks TYPO3. Die Fachredaktion des Instituts arbeitet an der Schnittstelle von Universität und breiter Öffentlichkeit, um mit Hilfe des Internets historische Vereine, Institutionen und Einzelinitiativen miteinander zu vernetzen. Dabei setzt das IGL auf die Mitwirkung der historisch interessierten Akteure in den Regionen selbst. Ein umfassendes Schulungskonzept informiert über den Gebrauch des Content Management Systems und die Publikationsmöglichkeiten der Neuen Medien. Das Projekt versteht sich als ein Beitrag zu mehr Medienkompetenz in einer Altersgruppe, welche der modernen Informationstechnik bislang eher skeptisch gegenübersteht. Die Vision des „regioNet“-Teams ist es, „regionalgeschichte.Net“ als überregionales, vielleicht sogar internationales landesgeschichtliches Portal zu etablieren und durch die Vernetzung von historischen Vereinen und Institutionen im In- und Ausland einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Verbindung von Menschen zu leisten.
[1]
***
Landesgeschichte und Internet
Das Internet ist inzwischen zu einer wichtigen Kulturtechnik geworden. Im Jahr 2005 nutzten 57,9 Prozent der Deutschen über 14 Jahre (das heißt 37,5 Millionen Personen) dieses Medium, wobei gegenüber 2004 eine Zuwachsrate von fünf Prozent zu verzeichnen war. Während die Internetnutzung innerhalb der jüngeren Generationen gegen 100 Prozent ging, ließ sich in der Alterskategorie der über 60-Jährigen immerhin ein Nutzungsanteil von circa 20 Prozent verzeichnen. Vor allem bei den älteren Internetnutzern/innen war somit die Zuwachsrate besonders hoch. Schätzungen in der Summe aller Altersgruppen gehen von einer 70- bis 75-prozentigen Internetnutzung bis zum Jahre 2010 aus.
[2]
| 
| | |
Abbildung 1: Internetnutzer in Deutschland 1997 bis 2005 (Grafik: E. Rettinger; Quelle: Pressemitteilung von ARD und ZDF)
| |
In der allgemeinen Geschichtswissenschaft und auch in der Landesgeschichte wird das Medium Internet schon intensiv genutzt. Die Vielfalt der Informationsangebote und die Qualität der dargebotenen historischen Information konnte auf der Fachtagung .hist 2006 eindrucksvoll begutachtet werden.
Im Bereich der Landes- und Regionalgeschichte gibt es bereits viele fachwissenschaftliche Angebote: Die Virtual Library Geschichte
[3]
versucht die Internet-Angebote in diesem Segment zu bündeln und zu präsentieren. Die meisten regionalgeschichtlichen Internetprojekte sind jedoch Angebote von Fachwissenschaftlern/innen für Fachwissenschaftler/innen. Konzepte, sich seitens der Fachwissenschaft an ein breiteres Publikum zu wenden, sind erst in Ansätzen vertreten. Ein Trend in diesem Segment geht im Augenblick in Richtung der „landesgeschichtlichen Informationssysteme“, deren fachhistorische Inhalte auch für eine breite Bevölkerungsschicht interessant sind. Das Landesgeschichtliche Informationssystem Hessen (LAGIS)
[4]
bietet zum Beispiel einen zentralen Zugang zu regionalgeschichtlich relevanten Informationsbeständen über das Bundesland Hessen. Das Portal Bayerische Landesbibliothek online (BLO)
[5]
bündelt in ähnlicher Weise Informationen zur bayerischen Landesgeschichte.
Landesgeschichtliche Forschung findet jedoch nicht nur unter Fachwissenschaftlern/innen statt. Auf dem Historikertag in Kiel im Jahre 2005 klagte der Landeshistoriker Ernst Schubert zu Recht, dass die Landesgeschichte in den letzten Jahren allzu sehr zu einer Angelegenheit professioneller Historiker/innen in den Archiven und Universitäten geworden sei. Beiträge von Lokalhistorikern/innen zur landesgeschichtlichen Forschung nehmen in stetigem Maße ab.
In den historischen Vereinen und Institutionen der Bundesrepublik sind Tausende von Bürgern/innen engagiert. In den Schubladen dieser Lokalhistoriker/innen ruhen Darstellungen und Materialien zur lokalen Geschichte, die es wert wären, einer historisch interessierten Allgemeinheit zugänglich gemacht zu werden. Bislang scheiterte dieses Vorhaben – nicht zuletzt an geeigneten Publikationsformen. Weiterhin sind die Beziehungen zwischen den historischen Vereinen und den dort aktiven, vorwiegend älteren Bürgern/innen eher schwach ausgeprägt. Wenige informieren die Öffentlichkeit über Vereins- und Forschungsaktivitäten und schon gar nicht mithilfe des Internet. Zwar gibt es im Bereich der nichtprofessionellen Geschichtswissenschaft eine zunehmende Zahl an Websites von unterschiedlicher Qualität, allgemein lässt sich jedoch feststellen, dass meistens finanzielle Gründe oder ein Mangel an EDV-kundigen Mitgliedern eine Publikation in diesem Medium verhindert.
Bislang hat es noch niemand unternommen, mithilfe des Internet Ressourcen im Bereich der nichtprofessionellen Historie zu wecken, zu bündeln und allgemein verfügbar zu machen. Für diese Personengruppe stellt das Projekt „regionalgeschichte.Net“
[6]
des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. (IGL)
[7]
ein Publikationskonzept zur Verfügung, das in der bundesrepublikanischen Landesgeschichte einmalig ist.
Das Institut zählt zu den traditionsreichen Stätten landesgeschichtlicher Forschung in Deutschland. Die 1960 gegründete, gemeinnützige Einrichtung widmet sich der Erforschung des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz und der historisch verbundenen, angrenzenden Gebiete. Das IGL widmet sich in den letzten Jahren verstärkt der Vermittlung historischer Erkenntnisse mit Hilfe der „Neuen Medien“. Dabei spricht das IGL bewusst nicht nur ein Fachpublikum an, sondern ist darüber hinaus bestrebt, landesgeschichtliche Themen einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen. Das Institut ist ein von einem Landeszuschuss getragenes An-Institut der Universität und zugleich ein Verein mit zurzeit über 800 Mitgliedern. Dieser Status ist gleichermaßen Chance und Verpflichtung, als Bindeglied zwischen universitärer Forschung und breiter Öffentlichkeit zu wirken.
Das Konzept von „regionalgeschichte.Net“
Die Grundidee des Projektes „regionalgeschichte.Net“ ist ein auf zwei Ebenen stattfindender, internetbasierter Publikationsvorgang. Auf der ersten Ebene werden geografisch festgelegte, regionalgeschichtliche Internetportale von einer fachwissenschaftlichen Redaktion aufgebaut und kontinuierlich gepflegt. Diese Regionalportale enthalten Informationen zur Geschichte der jeweiligen Region, ihrer Städte und ihrer Gemeinden. Auf einer zweiten Ebene werden die in den Regionen ansässigen historischen Vereine und Institutionen miteinander vernetzt. Die Teilnehmer/innen erhalten Zugang zu einer Software für die Publikation eigener Beiträge im Internet. Diese „Lokalredakteure/innen“ können also innerhalb ihrer Portalrubriken eigene Inhalte einstellen und redaktionell betreuen. Vereine ohne eigene Homepage erhalten hierbei die Möglichkeit, sich ohne Programmierkenntnisse eigene Internetpräsenzen aufzubauen.
Neu und einzigartig am Projekt „regionalgeschichte.Net“ ist somit die Einbeziehung von nichtprofessionellen Lokalhistorikern/innen in den Regionen und die bewusste Hinwendung zu den Geschichtsvereinen zum Zwecke der Ressourcenweckung. Es geht der Fachredaktion weniger darum, selbst historische Beiträge zu publizieren. Ziel ist vielmehr die „Hilfe zur Selbsthilfe“. Die Lokalredakteure/innen übernehmen die Eingabe und Pflege ihrer Beiträge und werden dabei von der Fachredaktion koordinierend unterstützt.
Ein ausgefeiltes Schulungskonzept der „regioNet“-Redaktion führt die Lokalredakteure/innen hierbei zunächst in das Publikationsmedium Internet ein. Unter professioneller Betreuung wird schrittweise und fachspezifisch an die Benutzung der neuen Medien herangeführt. Ziel ist es, vor allem die Berührungsängste der älteren Generationen mit dem Internet abzubauen.
Das IGL bietet drei Arten von Schulungen an: Neben Computer-Basisschulungen und Schulungen für den Umgang mit dem eingesetzten Content Management System (CMS) finden auch thematische Schulungen aus dem Bereich „Internet für Historiker“ statt. Die Schulungen werden von den Mitarbeitern/innen der Fachredaktion geleitet und teilweise auch in Kooperation mit geeigneten Institutionen vor Ort durchgeführt. Zusammenfassend bietet eine Teilnahme an „regionalgeschichte.Net“ den Lokalredakteuren/innen folgende Vorteile:
- eine von EDV-Spezialisten unabhängige, kostenlose Internetpräsenz,
- eine erhebliche Kostenersparnis durch kostenfreie Service-Leistungen (Speicherplatz, Schulungen, Hotline),
- die Nutzung neuester, zukunftssicherer Technik,
- die automatische Verfügbarkeit aller Weiterentwicklungen am System,
- die Kontinuität des Angebots durch die Verbindung mit einer durch öffentliche Mittel finanzierten Institution.
„regionalgeschichte.Net“ wurde für sein Konzept im Jahr 2001 mit einem der Hauptpreise des Multimediawettbewerbs des Landes Rheinland-Pfalz unter dem Motto „Internet für Alle“ ausgezeichnet. 2004 erhielt das Projekt für die stete Bemühung, die Medienkompetenz der Bürger/innen zu erhöhen, den „Stiftungspreis MedienkompetenzForum Südwest“.
Das Open Source Content Management Framework TYPO3.
Die wichtigste technische Vorraussetzung war die Entscheidung für ein leistungsstarkes CMS. Nachdem sich die Zusammenarbeit mit einem externen bzw. fachfremden Dienstleister als problematisch erwiesen hatte, fiel die Wahl auf eine lizenzkostenfreie und durch das IGL selbst implementierbare Open-Source-Applikation.
Durch diesen Schritt wurden drei wichtige Kriterien für die Zukunftsfähigkeit des Projektes sichergestellt: Die Unabhängigkeit von externen Dienstleistern, eine Bündelung aller mit dem Projekt verbundenen redaktionellen und technischen Workflows innerhalb des eigenen Hauses, sowie die Möglichkeit, die Lokalredakteure/innen kostenlos am Projekt teilnehmen lassen zu können.
Nach Evaluation mehrerer bekannter Open Source-Produkte wie zum Beispiel Mambo oder Drupal,
[8]
fiel die Wahl auf das Content Management Framework TYPO3 des dänischen Entwicklers Kasper Skarhoj.
[9]
TYPO3 ist ein unter der GNU-Public Licence kostenlos verfügbares CMS der „Enterprise“ Klasse, zugeschnitten auf die Bedürfnisse von Unternehmen für Internet, Intranet und Extranet.
| 
| | |
Abbildung 2: Die Redaktionsoberfläche von TYPO3, bestehend aus den Redaktionsmodulen, dem Webseiten-Baum und der Eingabemaske mit aktiviertem Rich-Text Editor.
| |
Aufgrund seines Leistungsumfanges wird TYPO3 inzwischen auch von großen Firmen wie VW, der Frankfurter Sparkasse und Organisationen wie beispielsweise Greenpeace Deutschland eingesetzt.
[10]
Schätzungen zufolge existieren momentan ungefähr 100.000 Installationen des Programms weltweit. TYPO3 organisiert sich durch die TYPO3 Association
[11]
und in Form einer mehr als 22.000 Mitglieder starken, äußerst aktiven Online-Community. Das CMS erfüllt spielend das Kriterium der Zukunftssicherheit. Schon bei einer 2003 durchgeführten Studie des „=mcminstitute“ der Universität St. Gallen wurde TYPO3 im Vergleich zu 60 anderen Content Management Systemen als „herausragend zukunftssicher“ eingestuft.
[12]
TYPO3 ist in PHP auf Grundlage eines objektorientierten Lösungsansatzes programmiert. Im Zusammenspiel mit MySQL als Datenbanksystem und dem Apache Webserver steht dem Institut eine robuste Hochleistungsarchitektur zur Verfügung, in die praktisch jede Erweiterung und Spezialentwicklung integriert werden kann.
[13]
Besondere Eigenschaften von TYPO3 sind:
- Schnelle und intuitiv bedienbare Redaktionsoberfläche
- Umfangreiche Rich-Text-Editionsmöglichkeiten
- Automatisches Bild-, Daten- und Mediamanagement
- Ausgezeichnete Lokalisierungsmöglichkeiten (Mehrsprachigkeit von Website und Redaktionsoberfläche)
- Leistungsstarke Cachingfunktionen zur Performancesteigerung
- Ausgefeilte Erweiterungsschnittstelle für eigene Applikationen
- Suchmaschinenkompatibilität
- Versionskontrolle
- Umfangreiche Import- und Exportfunktionalitäten
- Codekonformität mit modernen Webstandards.
Als ausschlaggebend für den Produktiveinsatz legte das IGL die folgenden Kriterien fest. Alle waren mit TYPO3 als Softwareplattform realisierbar:
- Skalierbarkeit: Das System sollte sowohl auf Hardware- und Software- als auch auf Benutzerebene skalierbar sein. In Performancefragen zeigt sich TYPO3 gut skalierbar: Momentan wird der schnelle Zugriff auf die dynamisch generierten Inhalte durch Caching-Mechanismen ermöglicht. Bei steigenden Zugriffszahlen ist es problemlos möglich, Datenbank- und Webserver voneinander zu trennen und dadurch eine weitere Leistungssteigerung zu erzielen. Für den Extremfall ist seit der TYPO3 Version 3.8.0 auch die Möglichkeit zum Senden von Cache-Control-Headern gegeben, die clientseitiges Caching von Webseiten ermöglichen. „regioNet“ kann durch TYPO3 seinen Benutzern/innen jederzeit schnelle Zugriffszeiten garantieren.
- Modularität: Durch die ausgefeilte Erweiterungsschnittstelle von TYPO3 ist es möglich, Zusatzmodule und -funktionalitäten schrittweise zu implementieren. Dies war besonders hilfreich bei der Anpassung eines differenzierten Artikelsystems, bei Suchfunktionalitäten, einem Kalendermodul, sowie der Integration eines vollautomatisierten Newsletter-Moduls. Durch das zentrale TYPO3 Online Repository (TER)
[14]
ist eine leichte Installation und Pflege von Systemerweiterungen hinsichtlich neuer Features und Upgrades sichergestellt.
- Multi-Website Fähigkeit: Um eine jederzeit erweiterbare Portalstruktur abzubilden, ist die Fähigkeit, verschiedene Websites mit unterschiedlichen Domains aus einer Datenbank generieren zu können entscheidend. TYPO3 bietet hier exzellente Möglichkeiten. Durch die Verwaltung der Websites in Form hierarchischer Baumstrukturen können jedem „Ast“ bzw. prinzipiell sogar jedem einzelnen „Blatt“ der Gesamtinstanz eigene Domains zugewiesen werden. Bei einem entsprechend konfigurierten Websever übernimmt TYPO3 beim Zugriff der Clients die Verwaltung der (Sub)domains und leitet die Anfrage zielgenau auf die entsprechenden Seiten-IDs weiter. Damit ist es möglich, nicht nur die einzelnen regionalen Portale durch Subdomains voneinander unterscheidbar zu machen, sondern auch jedem Teilnehmer am Projekt eine eigene Internetadresse für seine Seiten zusichern zu können.
- „Content Sharing“: Inhalte und Navigationsstrukturen in den einzelnen Portalen müssen mehrfach nutzbar sein. Auch hier existieren gute Möglichkeiten, sowohl auf redaktioneller Ebene als auch für die Administratoren/innen, die ganze Seitenäste der Navigation an beliebigen Stellen innerhalb der Gesamtinstanz „mounten“ können.
- Umfassendes Rechtesystem: Gerade auf Benutzerebene zeigt sich eine der großen Stärken von TYPO3. Momentan arbeitenüber 70 Redakteure/innen innerhalb der einzelnen Regionalportale. Durch die Einteilung in Redakteursgruppen mit unterschiedlichen Oberflächen können die Teilnehmer/innen ganz verschiedene Tätigkeiten im System übernehmen, ohne dabei die Sicherheit und Datenbankintegrität der Gesamtinstanz zu gefährden.
-
Mediamanagement: Seit Sommer 2005 steht den Redakteuren/innen innerhalb von „regionalgeschichte.net“ das Digital Asset Management (DAM) zur Verfügung. Es handelt sich um eine umfassende, voll in die Redaktionsoberfläche integrierte Applikation zur Verwaltung und Archivierung von Text-, Bild- und anderem digitalen Material. Hochgeladene Bilder oder PDF-Dokumente können automatisch indiziert und mit Metainformationen (z.B. Datengröße, Copyright, Bildquelle etc.) versehen werden. Eine Vielzahl an Kategorisierungs- und Filtermöglichkeiten garantiert das präzise Auffinden des archivierten Materials. Momentan werden über 3000 digitale Assets mit entsprechenden Metadatensätzen innerhalb des DAM verwaltet.
| 
| | |
Abbildung 3: Das Modul "Digital Asset Management" (DAM) ermöglicht eine umfassende Metaindizierung und Kategorisierung aller Bilder und Dateien.
| |
- Suchmaschinenoptimierung: Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Möglichkeit, die von TYPO3 generierten Webseiten suchmaschinenfreundlich auszugeben. Im Allgemeinen bleiben dynamisch generierte Webseiten auf diesem Gebiet oft hinter dem aktuellen technischen Standard zurück. Auch bei TYPO3 mussten einige Konfigurationseinstellungen vorgenommen werden, um einen suchmaschinenfreundlichen Code zu generieren. Trotzdem bietet TYPO3 hier mehr Möglichkeiten als andere Systeme. Die Simulation statischer URLs oder die automatische Generierung von XML basierten Sitemaps für Google sind dafür nur zwei Beispiele. Durch die Eingabe entsprechender Schlagworte und durch die von den Redakteuren gepflegten Metatags pro Webseite konnte „regioNet“ nach nur sechs Monaten bei vielen regionalgeschichtlichen Suchworten in die „Top Ten“ der Google-Trefferliste aufsteigen.
- Barrierefreiheit: Die Ausgabe von standardkonformen XHTML gemäß der Spezifikation des "World Wide Web Consortiums" (W3C) war ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium.
[15]
TYPO3 bringt von Hause aus die dazu notwendigen Funktionen mit. Insgesamt wurden die Portale mit einem ausschließlich durch Cascading Style Sheets (CSS) formatierten, barrierearmen Layout umgesetzt. Auch auf die Zugänglichkeit für Screenreader wurde hierbei geachtet. Dieser Bereich steht dieses Jahr vor einer Erweiterung in Form eines Akronym-, Abkürzungs- und Fremdwortmanagements. Auch wird momentan über die Einrichtung von XML-Feeds für Portalneuigkeiten nachgedacht.
Auch 2006 geht die technische Entwicklung von „regioNet“ weiter. Die offene Systemarchitektur macht es möglich, neue Funktionen ohne größeren Aufwand in das bestehende System zu integrieren.
Das Redaktionsteam von „regioNet“ möchte in diesem Jahr eine noch bessere Öffnung der Portale für eine breitere Öffentlichkeit erreichen. Es soll für historisch Interessierte noch leichter werden, innerhalb von „regioNet“ eigene Arbeiten zu publizieren. Die Implementierung der Systemerweiterung „Document Suite“, mit der hochgeladene Word- und Open Office-Dokumente ohne weitere technische Bearbeitung direkt als HTML-Seiten angezeigt werden können, ist hierzu ein wichtiger Schritt. Damit einher geht die Einrichtung von Kommentar- und Versionierungsfunktionen für die schon existierenden Seiten von „regioNet“. Insgesamt sollen sich die Portale dieses Jahr mehr in die Richtung einer „Wikipedia für Regionalgeschichte“ entwickeln, wobei die Qualitätssicherung der Inhalte durch die Fachredaktion nach wie vor als zentrales Standbein des Projektes angesehen wird.
Der aktuelle Stand des Projekts
| 
| | |
Abbildung 4: Startseite des Hauptportals von „regionalgeschichte.Net“
| |
Seit Ende 2002 ist das regionale Internetportal für Rheinhessen online. Ende 2004 kam noch ein Portal für die Region Mittelrhein sowie ein übergeordnetes Hauptportal hinzu, über das zukünftig alle regionalen Portale angesteuert werden können.
Der Aufbau der Portale wurde mit Hilfe von Preisgeldern, der Europäischen Union, sowie mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur Rheinland-Pfalz finanziert.
Zahlreiche freiwillige Mitarbeiter/innen – Wissenschaftler/innen, Studierende und Hobbyhistoriker/innen – arbeiten bereits am Projekt mit und haben Materialien in Form von Aufsätzen oder Bildern zur Verfügung gestellt. Viele Geschichtsvereine und Institutionen sind in den Portalen vernetzt und haben sich eigene Internetpräsenzen aufgebaut.
Momentan wird das Mittelrheinportal erweitert und um neue Inhalte ergänzt. Weiterhin wird in Kürze das „Digitale Flurnamenlexikon“
[16]
, ein multimediales Projekt des IGL, mit „regionalgeschichte.Net“ gekoppelt. Flurnamen sind Benennungen für Einzelflächen in den Ortsgemarkungen. Die Kenntnis der Flurnamen ist heute weitgehend auf ältere Mitmenschen beschränkt, welche einer agrarischen Tätigkeit nachgehen. Zudem gehen viele Flurnamen durch Ausweitung der Siedlungen (Neubaugebiete) verloren. Es gibt zahlreiche Sammlungen und Publikationen in unterschiedlicher Form – digitalisiert, als Manuskripte, auf Karteikarten.
Das „Digitale Flurnamenlexikon“ will die Ergebnisse der vielfältigen Arbeiten und Sammlungen zunächst für einen lokalen Bereich und dann für ganz Rheinland-Pfalz sichern und der Allgemeinheit zugänglich machen. Nachdem erste Bestände von Flurnamen bereits mithilfe der Datenbank FAUST ins Netz gestellt werden konnten
[17]
, wird momentan unter Nutzung der Erweiterungsschnittstelle von TYPO3 eine eigene Applikation entwickelt, welche die Eingabe von Daten von jedem internetfähigen Rechner ermöglicht. Eine ganze Reihe von Lokalhistorikern/innen hat diesbezüglich bereits die Bereitschaft zur Mitarbeit bekundet.
Auch dieses Projekt ist in der bundesrepublikanischen Forschungslandschaft einmalig, vor allem im Hinblick auf den Einsatz von EDV und Internet in Verbindung mit der Weckung von Ressourcen im Bereich der nichtprofessionellen Flurnamenforschung.
Schlussbemerkung und Ausblick
Das Institut für Geschichtliche Landeskunde and der Universität Mainz e.V. bündelt mit seinem Projekt „regionalgeschichte.Net“ historische Informationen zur regionalen Geschichte. Die Fachredaktion des Projektes arbeitet an der Schnittstelle von Universität und breiter Öffentlichkeit mit Hilfe des Internet an der Vernetzung historischer Vereine und Institutionen. Dabei setzt das IGL auf die Mitwirkung von historisch interessierten Akteuren/innen in den Regionen selbst.
Bislang existieren für die Regionen Rheinhessen und Mittelrhein zwei landesgeschichtliche Portale, welche durch die Fachredaktion des IGL gepflegt werden.
[18]
Weitere Portale sollen durch Partnerinstitutionen verwaltet werden, wobei das IGL die technische Plattform zur Verfügung stellt. Kontakte bestehen bereits zu weiteren Regionen innerhalb und außerhalb von Rheinland-Pfalz und im benachbarten Ausland.
Internetportale befinden sich grundsätzlich in einem stetigen Entwicklungsprozess. „regioNet“ ist noch jung, wächst aber kontinuierlich. Die Fachredaktion freut sich über alle Mitarbeiter/innen, die einen Beitrag zur Geschichte ihrer Region, ihres Ortes oder zu einem spezifischen historischen Objekt in einem der Regionalportale publizieren. Die Möglichkeiten der Teilnahme sind zahlreich, sei es als Mitglied in einem Verein oder als Privatperson, als Autor/in oder als Besucher/in der Seite. Ideen, Interesse und Anregungen sind immer willkommen.
***
Dr. Elmar Rettinger ist Wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. und Projektleiter von „regionalgeschichte.Net“ und dem „Digitalen Flurnamenlexikon“. E-Mail: rettinge@uni-mainz.de
Torsten Schrade ist Applikationsentwickler und Spezialist für Open Source-Software <http://www.lineara.de>). Er ist der Technische Leiter der Online-Projekte des IGL. E-Mail: schradt@uni-mainz.de
[1] Eine selbstablaufende Präsentation des Projektes kann betrachtet werden unter: <http://www.igl.uni-mainz.de/fileadmin/winks/regionet_und_dfl.htm> (05.10.2006).
[2] Vgl. Pressemitteilung von ARD und ZDF, unter: <http://www.ard-werbung.de/dokument/3127.phtml>, 27.12.2005 (05.10.2006).
[3] <http://www.vl-geschichte.de/> (05.10.2006).
[4] <http://web.uni-marburg.de/hlgl/lagis/> (05.10.2006).
[5] <http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/> (05.10.2006).
[6] <http://www.regionalgeschichte.net> (05.10.2006).
[7] <http://www.igl.uni-mainz.de> (05.10.2006).
[8] <http://www.mamboserver.com/> bzw. <http://drupal.org/> (05.10.2006).
[9] <http://www.typo3.de> (05.10.2006).
[10] <http://typo3.com/Referenzen.1249.0.html?&L=2> (05.10.2006).
[11] <http://association.typo3.org/> (05.10.2006).
[12] Stahl, Florian; Maas, Wolfgang (Hgg.), Content Management Handuch, Sankt Gallen 2003.
[13] Der Database Abstraction Layer (DBAL) von TYPO3 ermöglicht auch den Einsatz von anderen objektrelationalen Datenbanksystemen wie z.B. PostgreSQL. Auch die Webservertechologie ist frei wählbar (z.B. Light Httpd oder IIS).
[14] <http://typo3.org/extensions/> (05.10.2006).
[15] <http://www.w3c.org> (05.10.2006).
[16] <http://www.igl.uni-mainz.de/forschung/namenforschung/flurnamenlexikon.html> (05.10.2006).
[17] <http://www.flurnamenlexikon.de> (05.10.2006).
[18] <http://www.rheinhessen.regionalgeschichte.net> (05.10.2006) bzw. <http://www.mittelrhein.regionalgeschichte.net> (05.10.2006).
Geschichte machen auf dem Web – Das Projekt „ETHistory 1855-2005“
von David Gugerli und Kristina Isacson
Das Projekt ETHistory, welches zum 150-Jahr-Jubiläum der ETH Zürich 2005 lanciert wurde, verfolgte das Ziel, Ergebnisse historischer Forschung zur Geschichte der Universität mit Hilfe Neuer Medien zu vermitteln. Die Website ETHistory sollte dabei gleichzeitig ein historischer Reflexionsraum, eine Fragemaschine, ein Dokumentationsinstrument und eine Unterhaltungseinrichtung sein. ETHistory war auf mehreren Ebenen ein Experiment – von den ausgewählten Inhalten über die verwendete Technik bis hin zu den Formen der Zusammenarbeit im Team und die Organisation der Arbeitsabläufe.
***
Das Projekt
ETHistory war der Beitrag des Instituts für Geschichte zum 150-Jahr-Jubiläum der ETH Zürich im Jahr 2005. ETHistory hatte sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte der ETH problemorientiert zu vergegenwärtigen und in einer zeitgemäßen Form zu präsentieren. Das Projekt sollte klassische Elemente einer Festschrift (Rückblick, Selbstreflexion) liefern und diese mit einer weiterführenden, fachhistorischen Forschungsarbeit verbinden. Über das Jubiläumsjahr hinaus sollten die Ergebnisse von ETHistory als Grundlage für ein kritisches und zukunftsgerichtetes Nachdenken über die Entwicklungsbedingungen einer technisch-naturwissenschaftlichen Hochschule im gesellschaftlichen Kontext dienen.
Im Rahmen von ETHistory wurden mehrere Produkte realisiert: eine Website
[1]
, von der Auszüge auch in Buchform
[2]
vorliegen, eine Monografie
[3]
, zwei Aufsätze
[4]
in wissenschaftlichen Publikationen, zahlreiche populärwissenschaftliche Texte
[5]
für die Presse, die sich an die ETH-interne und an die ETH-externe Öffentlichkeit richteten. Dazu gehörten auch die Teilnahme an einer Fernsehsendung und verschiedene Interviews im Rundfunk.
[6]
Darüber hinaus unterstützte das Projekt die Abteilung Corporate Communications, verfasste „fact sheets“ zu Händen der Presse und präsentierte Forschungsergebnisse auf einer Reihe von wissenschaftlichen Tagungen.
[7]
Die Website, die hier im Vordergrund stehen soll, ist in vier virtuelle „Räume“ gegliedert, welche sich alle unterschiedlicher Vermittlungsformen bedienen und je eigene inhaltliche Akzente setzen.
| 
| | |
Abbildung 1: Screenshots der Touren im „Besichtigungsraum“
| |
Während im ersten Raum historische Rundgänge dazu einladen, die Veränderung der Innen- und Außenbeziehungen der ETH über 150 Jahre hinweg themen- und problemorientiert zu erkunden, werden im zweiten Raum Videoaufnahmen mit Zeitzeugen/innen vorgestellt. Mit Hilfe von Videocollagen aus rund 20 Zeitzeugeninterviews ist hier eine virtuelle Debatte zu kontroversen Hochschulthemen der letzten Jahrzehnte entstanden.
| 
| | |
Abbildung 2: Screenshot des Zeitzeugeninterviews von Professor H. von Gunten, Rektor der ETH 1983-1995
| |
Der dritte Raum wird von der gegenwärtigen kollektiven Erinnerung bestimmt. Departemente und Verwaltungseinheiten berichten über die Entwicklung ihrer Bereiche seit 1980. Umfangreiches statistisches Material, Personendaten sowie historische Schlüsseldokumente liegen schließlich im vierten Raum aufbereitet vor. Die Website enthält interaktive Elemente, sie bietet Überraschungen und arbeitet mit Verfremdungen, um die für eine historische Reflexion notwendigen Distanzierungseffekte zu erzeugen.
| 
| | |
Abbildung 3: Screenshot des Statistiktools, welches im vierten Raum zu finden ist
| |
In allen Produkten und mit Blick auf alle Zielpublika wurde stets versucht, von vereinfachenden Geschichtsnarrativen zu abstrahieren. Stattdessen wurden die Komplexität der ETH-Geschichte sowie ihre vielfache Verflechtung mit dem wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Umfeld in verständlicher Sprache und medial innovativ geschildert. Es versteht sich von selbst, dass die Botschaft des historischen Projekts nicht darauf beschränkt blieb, hervorragende Leistungen aus der ETH-Geschichte in Erinnerung zu rufen.
Die Produktion
Um ein größeres Publikum erreichen zu können, sollten mit Hilfe unterschiedlicher Zugänge heterogene Interessen an der Hochschulgeschichte bedient werden. Dafür musste die Projektgruppe im Bereich der Vermittlung historischen Wissens Neuland betreten und multimediale Vermittlungsformen mit traditionellen Printmedien (Buch, Zeitschrift, Zeitung) verbinden. Entsprechend groß war der personelle Aufwand. Er kann mit einem großen geschichtswissenschaftlichen Forschungsprojekt verglichen werden. Neben dem Projektleiter waren drei Jahre lang zwei „Postdocs“ beschäftigt. Ferner arbeiteten vier Mitarbeiterinnen auf Doktoranden-Level zu 50 bis 100 Prozent mit. Je nach Bedarf wurde das Team mit bis zu sechs Hilfsassistierenden ergänzt.
| 
| | |
Abbildung 4: Impressionen einer Intensivwoche des ETHistory-Teams in der Villa Garbald in Castasegna Graubünden, 23.-28.01.2005
| |
Die Projektmittel wurden durch wesentliche Eigenleistungen der Professur für Technikgeschichte ergänzt. Zusätzlich wurden mehrere externe Aufträge für Webdesign und Programmierung vergeben. Verschiedene Organisationseinheiten der ETH-Bibliothek haben das Forschungsprojekt mit eigenen Projekten begleitet, die insbesondere die Digitalisierung von Archivbeständen betrafen.
[8]
Die Produktion der Website war als großes Experiment angelegt, dessen Ausgang allen Beteiligten unklar war. Festgelegt war eigentlich nur der Zeitpunkt, zu welchem die Website aufgeschaltet werden sollte. Da wir eine möglichst große Zugangsvielfalt zur Geschichte der Hochschule sicherstellen wollten, hieß es Anekdoten, Protokolle, Interviews, Grafiken, externe und interne Analysen, Selbstdarstellungen, Übersichten und Zeitungsartikel, aber auch Reden, Nekrologe, Memoiren und vieles andere mehr für das Netz aufzubereiten. Diese Arbeit war deshalb bereits ein Experiment, da die meisten Autoren/innen kaum je für das Web geschrieben hatten und bisweilen an der webspezifischen Kurzform fast verzweifelten. Hier bot nicht einmal die Kombination von Kurzgeschichten mit längeren Hintergrundinformationen eine wirkliche Beruhigung der Gemüter. Der systematische Einsatz von Bildern – als eigenständige Quellen, als Illustrationen oder als Teaser – verschärfte das Platzproblem auf dem unendlich weiten Web zusätzlich. Die unüberschaubare Zahl historischer Fotografien, Karten und Pläne musste immer wieder dem strengen Kriterium der spezifischen Brauchbarkeit unterworfen werden, wenn mit bescheidenen 72 dpi und ohne Bildvergrößerungen noch etwas erkennbar sein sollte. Zudem gerieten die Schreibenden immer wieder in den Konflikt, sich zwischen einer strengen Benutzerführung (mit positiven Noten bei der Benutzerfreundlichkeit) und einer möglichst großen Freiheit der Nutzer/innen (bis hin zu ihrer Überforderung) entscheiden zu müssen. Ein eigentlicher Test der Benutzerführung und Benutzerfreundlichkeit konnte aus zeitlichen Gründen nicht durchgeführt werden. An seine Stelle trat die Beratung durch professionelle Grafiker/innen und die Diskussion der Kommentare einiger ausgewählter Nutzer/innen vor dem Aufschalten der Website.
Da die Website im Team, das heißt im verteilten Arbeitsprozess produziert werden sollte, entschieden wir uns für die Verwendung jenes Web Content Management Systems (WCMS), welches die ETH auch für ihren eigenen Webauftritt verwendet. Das Open Source Produkt Silva
[9]
, das auf dem Open Source-Applikationssystem Zope
[10]
basiert, bescherte uns allerdings einige Probleme, insbesondere bei der aufwändigen Migration der Website von Silva 0.93 in Silva 1.1. Da wir versuchten, an den Systemgrenzen alle technischen Möglichkeiten auszureizen, waren aufgrund der ständigen Weiterentwicklung des WCMS bereits erfolgte Anpassungen immer wieder umzuschreiben. Mit einigem Aufwand gelang es aber dennoch, unterschiedlichste Bildtypen, Streaming Video, MySQL Datenbank, Javascripts, Python-Scripts und Flash-Animationen so in die Website zu integrieren, dass ein Standard-Desktoprechner auch ohne schnelle Anbindung ans Internet und mit beliebiger Browsersoftware die Website verarbeiten konnte. Allerdings mussten dabei einige Möglichkeiten verteilten Arbeitens ungenutzt bleiben. Wer von den rund dreißig externen Autoren/innen nicht bereits mit Silva vertraut war, delegierte die Editions- und Montagearbeit mit Vorteil an einen versierten Editor.
Die Rezeption
Als historisches Forschungsprojekt wird ETHistory seine Wirkung erst allmählich entfalten, weshalb zum jetzigen Zeitpunkt diesbezüglich nur Vermutungen angestellt werden können. Es ist anzunehmen, dass die leichte Verfügbarkeit geschichtlicher Information zur ETH einen positiven Effekt auf die Corporate Identity haben wird. Inwiefern die angestellten Überlegungen und gefundenen Erkenntnisse das Bild der Institution in der Gesellschaft beeinflussen werden, ist gegenwärtig nicht abzuschätzen. Es ist jedoch anzunehmen, dass ETHistory die Art und Weise verändern wird, wie künftig anstehende Hochschuljubiläen historisch begleitet werden. Hier hat die ETH neue Maßstäbe gesetzt. Die von der Professur für Technikgeschichte produzierte Website kann, allein oder im Verbund mit den dazugehörigen Büchern, als historischer Reflexionsraum, als Fragemaschine, als Dokumentationsinstrument oder als Unterhaltungseinrichtung genutzt werden.
Für die Beurteilung der Rezeption der Website stützen wir uns auf die bislang ausschließlich positiven Rückmeldungen, auf die Verwendung der Website in Lehrveranstaltungen sowie auf den starken Zulauf an Besuchern/innen, welchen die Website seit April 2005 verzeichnet hat. Die rund 500 bis maximal 1000 Besucher/innen pro Tag haben unsere Erwartungen weit übertroffen. Eindrücklich sind diese Besucherzahlen insbesondere dann, wenn man sie mit den zu erwartenden Leserzahlen eines historischen Fachbuchs vergleicht.
| 
| | |
Abbildung 5: Die Grafik zeigt die Besucherzahlen der Website. Für die Zeit vom 6. April 2005 bis zum 11. Dezember 2005 beliefen sie sich im Durchschnitt auf 2678 Besucher pro Woche.
| |
Die Verweildauer der Besucher/innen auf ETHistory hat sich sehr erfreulich entwickelt. Insbesondere steigt der Anteil jener Besucher/innen, die sich eine Stunde und mehr auf der Website aufhalten. Dieser Anstieg ist sicherlich unter anderem auf das vielfältige Angebot der Website zurückzuführen.
| 
| | |
Abbildung 6: Die Grafik zeigt die Verweildauer der Besucher/innen auf ETHistory pro Monat. Die Anzahl der Besucher/innen, die 30 Minuten oder länger blieben, sank in den ersten drei Monaten nach Aufschalten rasch, um sich dann auf eine sanft steigende Tendenz einzupendeln. Erfreulich ist insbesondere der starke Anstieg bei den Besuchern/innen, die länger als eine Stunde surfen (gelb). Insgesamt sind seit April 2005 über 1.500 Besucher/innen länger als eine Stunde auf ETHistory geblieben. Im historischen Fachbuchmarkt kämen solche Leserzahlen einem Bestseller gleich.
| |
Fazit
Die Schwierigkeiten, Geschichte auf dem Web zu präsentieren, sind größer, als man dies angesichts der Fülle an Darstellungsmöglichkeiten zunächst vermuten würde. Zweifelsohne ist es auch so, dass die Projektorganisation gleichzeitig verteilter erfolgen kann und besser organisiert werden muss, als man es von Printmedien mit ihren sequentiellen Arbeitsprozessen gewohnt ist. Bei dem für ETHistory gewählten WCMS ergaben sich sehr schnell auch Grenzen der verteilten Produktion. Positiv beurteilt werden kann jedoch das Ergebnis: Das faktische Überangebot an Informationen und Zugängen, welches die Website bereithält, scheint inzwischen zu einer ihrer Stärken geworden zu sein. Die steigende Zahl von Zugriffen, welche über Suchmaschinen vermittelt werden, macht deutlich, dass ETHistory längst von einer virtuellen Ausstellung hin zu einem Nachschlagewerk für Hochschulgeschichte mutierte.
***
David Gugerli ist seit 2001 ordentlicher Professor für Technikgeschichte an der ETH Zürich. Weitere Informationen unter <http://www.tg.ethz.ch>. E-Mail: gugerli@history.gess.ethz.ch
Kristina Isacson arbeitet seit 2001 am Institut für Geschichte an der ETH Zürich. Von 2001 bis 2003 war sie an der Produktion des E-Learning-Projekts „webclass“ beteiligt, 2003 bis 2005 am Projekt „ETHistory“. Weitere Informationen unter <http://www.tg.ethz.ch>. E-Mail: isacson@history.gess.ethz.ch
[1] Vgl. <http://www.ethistory.ethz.ch/>.
[2] Burri, Monika; Westermann, Andrea, ETHistory 1855–2005. Sightseeing durch 150 Jahre ETH Zürich. Mit Beiträgen von David Gugerli, Kristina Isacson, Patrick Kupper, Daniel Speich und Daniela Zetti, Baden 2005, vgl. <http://www.hierundjetzt.ch>.
[3] Gugerli, David; Kupper, Patrick; Speich, Daniel, Die Zukunftsmaschine. Konjunkturen der ETH Zürich 1855–2005, Zürich 2005, vgl. <http://www.chronos-verlag.ch>.
[4] Kupper, Patrick; Speich, Daniel, Demokratie und Wissenschaft: Ansätze zur Geschichte einer verwickelten Beziehung, in: Schweizerisches Bundesarchiv (Hg.), Die Erfindung der Demokratie in der Schweiz (Studien und Quellen 30), Zürich 2004, S. 183-214; Gugerli, David; Kupper, Patrick; Speich, Daniel, Rechne mit deinen Beständen: Dispositive des Wissens in der Informationsgesellschaft, in: Berthoud, Gérald u.a. (Hgg.), Société d’information – récits et réalités, 21. Kolloquium Gerzensee der SAGW, Freiburg 2005, S. 79-108.
[5] Jubiläums-Rückblicke der ETH-Technikgeschichte im ETH-Life (chronologisch): Gugerli, David, Gründungen und Gründe (06.02.2004); Zetti, Daniela, Die Erste Schule des Landes (11.03.2004); Kupper, Patrick, Zürich wird Mittelpunkt der industriellen Wissenschaft (19.04.2004); Westermann, Andrea, Das erste Reglement des Polytechnikums und studentische Auflehnung: Zugeschnitten und profiliert (21.06.2004); Burri, Monika, Umstrittene Internationalität (01.09.2004); Speich, Daniel, Die Geschicke der ETH bestimmen (27.09.2004); Zetti, Daniela, Die Spitze der vernetzten Welt (18.11.2004); Westermann, Andrea, Der Hörsaal. Die Bühne der Professoren (01.02.2005); Westermann, Andrea, Die Legitimationskarte (18.01.2005); Burri, Monika, Männlichkeitsschulen (15.02.2005); Burri, Monika, Die ETH als Ausstellungsmacherin (02.03.2005); Westermann, Andrea, Das erste Elektronenmikroskop an der ETH (11.04.2005); Gugerli, David, Die Matrix oder: Wie organisiert sich eine Hochschule? (18.04.2005); Weitere Pressartikel (alphabetisch): Burri, Monika, „Freilich ist noch viel Rohheit abzuhobeln“, in: Tages-Anzeiger, 20.04.2005; Burri, Monika, Zürich als Ort disziplinierender Geselligkeit, in: ETH-Bulletin, Nr. 297 (April 2005); ETHistory. Interaktive Zeitreise, in: ETH Alumni Focus, Nr. 16 (Januar 2005); Gugerli, David, Die Hochschule als Unternehmen. Der Einzug des Managements in die ETH, in: Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2005; Gugerli, David, Die Hochschule als Zukunftsmaschine, in: Der Landbote, 21.04.2005; Gugerli, David, Die Zukunftsmaschine bleibt im Gang, in: Der Bund, 14.02.2005; Gugerli, David, Die Zukunftsmaschine, in: ETH-Bulltin, Nr. 296 (Januar 2005), S. 50–53; Gugerli, David, La machine qui crée du futur, in: Les cahiers de l'électricité. Revue suisse de l'énergie, No 59 (April 2005); Isacson, Kristina, in: ETH Alumni Focus, Nr. 16 (Januar 2005); Kupper, Patrick, Das Diplom, in: ETH-Bulletin, Nr. 297 (April 2005); Kupper, Patrick, Nicht nur Nobelpreisträger, in: Der Landbote, 21.04.2005; Kupper; Speich, Demokratie und Wissenschaft (wie Anm. 4); Speich, Daniel, Vom Provisorium zur Denkfabrik, in: Tages-Anzeiger, 14.01.2005; Speich, Daniel, Wider das Argument der fehlenden Wissenschaftlichkeit, in: io new management, 21.04.2005; Westermann, Andrea, Weltpolitik und Wohngruppe, in: ETH-Bulletin, Nr. 297 (April 2005); Westermann, Andrea, Zu wenig Platz zum Forschen, in: Tages-Anzeiger, 20.04.2005.
[6] MTW-Spezial: 150 Jahre ETH, 28.04.2005, SF DRS, 21.00-21.50, Radio DRS 1, Doppelpunkt, Dienstag, 03.05.2005, 20:03-21:00 , 150 Jahre ETH – Eine Erfolgsgeschichte; Radiobeitrag über ETHistory von Christina Caprez mit Andrea Westermann, DRS2aktuell, 24.08.2005.
[7] 150 ETH Professoren/innen im Gespräch: Prof. David Gugerli am 22. und 23.04.2005, Platzspitzpark Zürich; David Gugerli, ETH 1855-2005. Vom Polytechnikum über die technische Hochschule zur technisch-naturwissenschaftlichen Universität, Tag der Geschichte und Gegenwart, HCI-Feier, 18.03.2005, ETH Hönggerberg; David Gugerli, Patrick Kupper, Daniel Speich, Verzicht auf Dienstleistungen? Die ETH Zürich im Prozess der Tertiarisierung, Vortrag an der Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte (SGWSG), 21.05.2005, Bern; David Gugerli, Die ETH in der Postmoderne, Vortrag an der ETH Zürich, 24.10.2005; David Gugerli, Von der Wissenschaft über die Politik zur Wirtschaft? Zur Ökonomisierung der Hochschule im 20. Jahrhundert, Vortrag vor der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel, 31.10.2005, Basel; David Gugerli, Eine gründliche Debatte. Die polytechnische Fundierung helvetischer Träume 1848-1855, Vortrag vor der Antiquarischen Gesellschaft Zürich, 07.11.2005; David Gugerli, Die Verwaltung der Flexibilität. Zur Kybernetisierung der Hochschule im späten 20. Jahrhundert. Workshopzyklus „Kulturgeschichte der Kybernetik“, Zentrum Geschichte des Wissens, 25.11.2005, Zürich; David Gugerli, Flexibilisierung. Effekte eines Zauberwortes an der Hochschule des späten 20. Jahrhunderts, Vortrag vor der Vereinigung der Kader des Bundes, 08.12.2005, Zürich.
[8] Zum Beispiel die Schulratsprotokolle der ETH, die inzwischen auch online einsehbar sind, vgl. <http://www.sr.ethbib.ethz.ch/>.
[9] Silva wird von der holländischen Firma „Infrae“ entwickelt, vgl. <http://www.infrae.com/products/silva>.
[10] Informationen zu Zope findet man auf der Website der „Zope Community“, vgl. <http://www.zope.org/>.
Universitätssammlungen in Deutschland – Untersuchungen zu Bestand und Geschichte
von Cornelia Weber
Nahezu alle Universitäten in Deutschland besitzen wissenschaftliche Sammlungen und Museen in unterschiedlichen Fachausrichtungen. Ihre Rolle ist vielfältig: Sie bilden eine Basis für Forschung und Lehre und dienen oftmals als Vermittler von Wissenschaft für eine breitere Öffentlichkeit. Als Gegenstand der Forschung in Deutschland sind Universitätssammlungen bisher wenig berücksichtigt worden. Es existiert weder eine vollständige Bestandsübersicht noch liegt eine grundlegende, fachübergreifende Arbeit zur Geschichte der Universitätssammlungen vor. Das Projekt „Universitätssammlungen in Deutschland: Untersuchungen zu Bestand und Geschichte“ zielt darauf ab, möglichst alle Universitätssammlungen zu erfassen und detaillierte Daten zum Bestand und zur Geschichte als Grundlage für spezielle Untersuchungen zur Wissenschafts- und Sammlungsgeschichte zusammenzutragen. Die ermittelten Sammlungen und Museen sind in einer Datenbank erfasst und im WWW veröffentlicht.
[1]
Zusätlich werden Informationen zu den am Sammlungsprozess maßgeblich beteiligten Personen in einer Personendatenbank sowie relevante Publikationen in einer Bibliografie erfasst und mit den Sammlungsdatensätzen verknüpft. Eine Reihe von Indizes und Suchmasken ermöglicht einen leichten Einstieg in die Datenbank. Die Web-Anwendung erfüllt gleichzeitig eine Portalfunktion zu den Internetrepräsentanzen von Universitätssammlungen und -museen sowie Einrichtungen, an denen sie vertreten sind. Insgesamt gesehen eröffnet das Projekt neue Perspektiven, unter anderem für die Bereiche Forschung, Bildung und Wissenschaftspopularisierung.
***
Einleitung
Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt „Universitätssammlungen in Deutschland: Untersuchungen zu Bestand und Geschichte“ wird am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik (HZK)
[2]
bearbeitet. Das HZK ist ein interdisziplinäres Zentrum der Humboldt-Universität, die Arbeit ist projektbezogen. In einem besonderen Schwerpunkt widmet es sich wissenschaftlichen Sammlungen, insbesondere Sammlungen an Universitäten.
Universitätssammlungen sind außergewöhnliche, wertvolle Ressourcen und fast überall präsent. Bekannt sind vor allem Botanische Gärten, zoologische, paläontologische, mineralogische, anatomische, pathologische, archäologische oder ethnologische Sammlungen. Sie bilden eine Basis für Forschung und Lehre und dienen oftmals auch als Vermittler von Wissenschaft an eine breitere Öffentlichkeit. Der Aufbau einer Sammlung erfolgt(e) meist anlässlich der Begründung einer Universität, einer neuen Disziplin oder der Einrichtung einer neuen Professur. Neben den Sammlungen für Lehr- und Forschungszwecke existieren Gelehrtengalerien und Sammlungen zur Geschichte einer Universität oder eines Faches, aber auch zur Erinnerung an herausragende Wissenschaftler/innen.
Wer den Zugang zu den universitären Sammlungen sucht, muss oft vielerlei Beschwernisse in Kauf nehmen: Häufig mangelt es an ausreichender Personal-, Infrastruktur- und Finanzausstattung. Fachbesucher/innen können meist nur unzureichend betreut werden. Oftmals reicht der Bekanntheitsgrad der Sammlungen nicht einmal über die jeweilige Universität hinaus. Sie fristen somit ein Schattendasein, für das die museale Fachsprache den Begriff der Cinderella Collections geprägt hat. Manche Sammlungsbestände sind nicht einmal registriert. Hier ist die Gefahr groß, dass ganze Bestände für immer verschwinden, vor allem in einer Zeit, in der die Universitäten zum rigorosen Sparen gezwungen sind. Eine systematische und umfassende Gesamtdatenerhebung ist demnach ein Desiderat. Mit dem Projekt soll zunächst einmal die Quellenlage insgesamt verbessert werden. Ziel ist es, möglichst alle Universitätssammlungen in Deutschland zu erfassen und detaillierte Daten zum Bestand und zur Geschichte als Grundlage für weitere Untersuchungen zur Wissenschafts- und Sammlungsgeschichte zusammenzutragen.
Geltungsbereich
Als Universitätssammlungen gelten bei diesem Projekt alle zur Universität gehörigen Sammlungen mit gegenständlichen und audiovisuellen Objekten von wissenschaftlichem und/oder kulturellem Wert, Sammlungen mit lebenden Organismen (zum Beispiel Botanische Gärten, Aquarien, Terrarien) und die mit der Universitätsgeschichte verbundenen Memorialeinrichtungen, welche insbesondere in Lehre und Forschung genutzt werden und/oder museale Funktion erfüllen.
Nicht berücksichtigt werden die an den Universitäten vorhandenen Diatheken, da es sich hier vorwiegend um sekundäre Quellen handelt, sowie klassische Sammlungen in Bibliotheken und zentralen Archiven, da diese Bestände bereits anderswo erfasst sind.
[3]
Eine Ausnahme bilden Nachlässe und Spezialarchive, die in unterschiedlichen Einrichtungen der Universität untergebracht und in der Regel nicht zentral registriert sind. Damit werden auch solche Bestände berücksichtigt, die zwar einerseits relevant sind für die Forschung (vor allem Nachlässe), deren Bekanntheitsgrad allerdings in der Regel nicht über das eigene Institut hinausgeht, weil derartige Sonderbestände sonst nirgendwo erfasst sind.
Universitätssammlungen als Quellen der Wissenschaftsgeschichte
In den letzten Jahren ist die Bedeutung von „Sachquellen“ oder „gegenständlichen Zeugnissen“ in der Wissenschaftsgeschichte bzw. von „materialer Kultur“ in zahlreichen historischen Wissenschaften enorm gewachsen
[4]
, insbesondere im Hinblick auf eine kulturgeschichtliche Annäherung an die Wissenschaft.
[5]
Die dafür erforderlichen Quellen wurden jedoch von der Wissenschaftsgeschichte lange Zeit als marginal angesehen und nicht konsequent erfasst. Daher fehlt bis heute eine ausreichende Materialbasis, um vergangene epistemologische Vorgänge systematisch erforschen zu können. Wichtig für ein Verständnis von vergangenem und gegenwärtigem Sammeln sind vor allem Darstellungen, welche die vielfältigen Aspekte und Beziehungen zwischen den beteiligten Elementen als Netzwerk abbilden: Objekte, Disziplinen, Wissenschaftler/innen, Institutionen usw. Derartige Darstellungen eröffnen ganz neue Möglichkeiten für „eine angewandte Sammlungsgeschichte, die sich nicht in Theorie und Inventarisierung einer Sammlung erschöpft, sondern ihr Potential erst zusammen mit epistemischen Problem- und Fragestellungen entwickelt.“
[6]
Bisher waren die wenigen bekannten Studien zu Universitätssammlungen in Deutschland immer auf einzelne Disziplinen und ihre Einrichtungen
[7]
oder auf eine separate Darstellung von einzelnen Sammlungen an einer Universität
[8]
ausgerichtet. Erforderlich ist jedoch ein disziplin- oder institutionenübergreifender Ansatz, in dem zum Beispiel das Zusammenwirken von heterogenen Sammlungen an ein und derselben Universität oder die Etablierung von gleichartigen Sammlungen an verschiedenen Universitäten betrachtet wird.
[9]
In einer ersten Projektphase
[10]
werden momentan die heute (noch) vorhandenen Bestände der wissenschaftlich und kulturell bedeutsamen Sammlungen an den Universitäten in Deutschland erfasst. Das heißt konkret, dass alle in Frage kommenden universitären Einrichtungen – in der Regel Institute – angeschrieben und Einzelheiten zu den Sammlungen abgefragt werden, und zwar jeweils gebündelt nach Fächern oder Fächergruppen. Um möglichst viele Rückantworten zu garantieren, ist der Fragebogen bewusst einfach gestaltet worden. Weitere gezielte Nachfragen sind jederzeit möglich. Die Resonanz auf die schriftlichen Anfragen ist insgesamt positiv; etwa ein Drittel aller angeschriebenen Institutionen melden sich zurück – unabhängig davon, ob sie Sammlungen besitzen oder nicht, darunter sind auch zahlreiche Schreiben, die das Projekt ausdrücklich begrüßen. Literatur- und Internetrecherchen, Auswertung von einschlägigen Veröffentlichungen sowie Sammlungssichtungen und Gespräche mit Sammlungsleitern und Kustoden ergänzen die systematische Datenerhebung. Alle ermittelten Sammlungen sind in einer Datenbank erfasst und im WWW veröffentlicht.
[11]
Nach der Bestandserhebung sollen in einer zweiten Projektphase detaillierte Arbeiten zur Sammlungsgeschichte folgen. Um ein möglichst komplettes Bild der Sammlungsgeschichte gewinnen zu können, ist es zunächst notwendig, auch die heute nicht mehr (an den Universitäten) existierenden Sammlungsbestände zu erfassen. Bei den bisherigen Arbeiten hat sich nämlich gezeigt, dass bereits sehr viele Sammlungen verlorengegangen sind, insbesondere durch Krieg, Aufgabe eines Fachgebiets, Schließung einer Universität, eines Instituts oder Umstrukturierungs- und Sparmaßnahmen.
Technische Umsetzung
Bei der Konzeption des Datenbanksystems war zu berücksichtigen, dass die Datenbestände einem möglichst weiten und breit gefächerten Benutzerkreis ohne besonderen Aufwand zur Verfügung stehen sollten. Eine (Internet- und) Web-basierte Lösung lag deshalb nahe: Das System wurde auf der Basis der häufig genutzten Umgebung Apache (Web-Server) – MySQL (Datenbank-Backend) – PHP (PHP Hypertext Preprocessor, Web-Programmiersprache) entwickelt und implementiert, nutzt clientseitig gewöhnliche Web-Browser und ist ohne Zugriffskontrolle über eine Adresse im WWW erreichbar. Alle Komponenten der gewählten Entwicklungs- und Implementierungsumgebung sind als Open Source-Produkte lizenzkostenfrei nutzbar. Das Helmholtz-Zentrum ist zudem im Besitz aller entsprechenden Rechte zur Nutzung und Weiterentwicklung des Quellcodes; damit ist eine beständige und unabhängige Weiterentwicklung von Datenbankstruktur und Anwendung auf Dauer garantiert. Das WWW ist eine – weltweit genutzte – Plattform für die Vernetzung und „Hypertextualisierung“ von Informationen. Bei der Konzeption wurde großen Wert darauf gelegt, dass sich die Datenbank in die Struktur des WWW möglichst optimal einordnet. Zum einen ermöglicht die Anlage des Systems, dass alle Informationen für die „Spider“ der Suchmaschinen wie Google oder Yahoo erreichbar sind und von diesen indexiert werden können. Als Ergebnis ergeben eine große Anzahl von Suchmaschinenanfragen direkte Verweise in die Tiefenstruktur des Datenbanksystems. Zum anderen versteht sich das Datenbanksystem (auch) als Portal für weiterführende Informationsangebote (Websites) von Universitätsmuseen und -sammlungen sowie weiterer Informationsquellen (zum Beispiel biografische Daten zu Personen) und verfolgt dieses Ziel durch extensives Verweisen auf entsprechende externe Webseiten.
| 
| | |
Abbildung 1: Datenbank Startseite mit Indizes
| |
Dateneingabe und -pflege erfolgen ebenfalls Web-basiert in einem durch ein Passwort geschützten Bereich der Anwendung. In einem abgestuften Redaktionssystem werden die Daten durch ein Team von Redakteuren/innen gepflegt, ein zentraler Administrator gewährleistet sowohl die Konsistenz der Datenstruktur als auch die Überprüfung der eingegebenen Daten vor ihrer Publizierung.
Bestand
Die Bestände der Universitätssammlungen sind auf ganz unterschiedliche Quellen zurückzuführen. Dabei handelt es sich insbesondere um Altbestände (zum Beispiel Kunst- und Wunderkammern, Kuriositätenkabinette); Sammlungen einzelner Gelehrter; Ausbeute von Forschungsreisen, Expeditionen, Ausgrabungen; Referenzsammlungen; Nachlässe, Geschenke und Bestände anderer Institutionen; Sammlungsbestände, die bei der Begründung einer Universität, einer Disziplin oder einer Professur systematisch angelegt worden sind und an deren Aufbau manchmal Generationen von Gelehrten beteiligt waren sowie Sammlungsbestände, die einzelne Wissenschaftler/innen nach ihren Forschungsinteressen aufgebaut haben. Bis Mitte Februar 2006 wurden 675 Sammlungen an 69 Universitäten erfasst und für die Datenbank aufbereitet
[12]
, darunter auch einige, die bereits verlorengegangen sind oder deren Schicksal noch ungeklärt ist.
[13]
Zusätzlich werden in zwei weiteren Datenbanken Informationen zu den am Sammlungsprozess maßgeblich beteiligten Personen zusammengetragen sowie relevante Publikationen, die – wenn möglich – mit den jeweiligen Sammlungsdatensätzen (relational) verknüpft sind.
Da es keinerlei Vorarbeiten in diesem speziellen Bereich gab, musste zunächst eine eigene Systematik für die Datenbank entwickelt werden, die im Erschließungsschema die Spezifik der Universitätssammlungen widerspiegelt. Dazu wurde eine eigene Sammlungstypologie erarbeitet, die für sich schon ein relevantes Projektergebnis darstellt.
[14]
Die Nutzer/innen kommen über zwei unterschiedliche Wege zu den Daten: über Browsing und Searching. Die Sammlungen selbst sind einer thematischen Gliederung unterworfen und werden unter vier verschiedenen Gesichtspunkten präsentiert:
- Geografischer Index mit Universitätsstandort / Universität
- Museums- und Sammlungsart
- Museums- und Sammlungsform
- Sammlungsschwerpunkt(e)
Die Kategorie Museums- und Sammlungsart, die den Bestand und den inhaltlichen Schwerpunkt charakterisiert, ist von der Museumswelt übernommen worden. Sie wurde jedoch – in Anlehnung an die UNESCO-Klassifikation
[15]
- für den Bereich der akademischen Sammlungen entsprechend modifiziert.
- Ethnologie und Kulturanthropologie (2 Prozent)
- Ethnologie, Ethnografie, Europäische Ethnologie
- Geschichte und Archäologie (15 Prozent)
- Geschichtswissenschaft, Vor- und Frühgeschichte, Archäologie (Klassische Archäologie, Christliche Archäologie, Prähistorische Archäologie, Sudanarchäologie, Vorderasiatische Archäologie), Historische Hilfswissenschaften (Numismatik, Diplomatik), Klassische Altertumswissenschaft
- Kulturgeschichte und Kunst (13 Prozent)
- Kulturgeschichte, Religionswissenschaft/Theologie, Kirchengeschichte, Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft, Kunst, Fotografie, Architektur
- Medizin (19 Prozent)
- Humanmedizin, Augenheilkunde, Chirurgie, Dermatologie, Geburtshilfe, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Medizinische Anthropologie, Pathologie, Rechtsmedizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Anatomie, Osteologie, [Pharmazie]
- Naturgeschichte/Naturkunde (35 Prozent)
- Biologie, Zoologie, Botanik, Geowissenschaften (außer Geografie), Paläontologie, [Anthropologie]
- Naturwissenschaft und Technik (16 Prozent)
- Technik, Technikgeschichte, Verkehrswissenschaft, Metallurgie, Chemie, Physik, Astronomie, Geografie, Pharmazie, Mathematik, Psychologie
Die bisher vorliegenden Zahlen ergeben für die Sammlungen aus dem Bereich Naturgeschichte/Naturkunde, Naturwissenschaft und Technik mehr als 50 Prozent des Gesamtbestandes.
[16]
Einrichtung und organisatorische Struktur werden durch Museums- und Sammlungsform charakterisiert. Zur Auswahl stehen folgende Kategorien:
- Memorialeinrichtung
- Museum
- Sammlung
- Forschungssammlung
- Lehrsammlung
- Lehr- und Forschungssammlung
- Historische Sammlung
- Sonstige Sammlungsform
- Sonderform
- Aquarium/Terrarium/Zoo
- Bildarchiv
- Botanischer Garten/Arboretum
- Geopark/Geologischer Garten
- Herbarium
- Karzer
- Schallarchiv
- Sternwarte
| 
| | |
Abbildung 2: Datensatz, Ansicht „Allgemeine Informationen“
| |
Die detaillierte inhaltliche Erschließung der Sammlungen erfolgt auf der Basis von Sammlungsschwerpunkten. Da die universitären Sammlungen in der Regel in engem thematischen Zusammenhang zu wissenschaftlichen Fachgebieten und Universitätsdisziplinen stehen, wird als Sammlungsschwerpunkt eine entsprechende wissenschaftliche Disziplin zugrundelegt, zum Beispiel Ägyptologie, Anatomie, Anthropologie, Archäologie, Astronomie. Es existieren zwar zahlreiche Systematiken für wissenschaftliche Fachgebiete, diese wurden jedoch für spezifische, vor allem bibliothekarische Zwecke entwickelt und können nicht ohne weiteres auf den Sammlungsbereich übertragen werden. Daher war es notwendig, zur Datenerschließung und Navigation einen eigenen Thesaurus für die Sammlungsschwerpunkte zu entwickeln.
[17]
Datenmaterial
Ein kompletter Sammlungs-Datensatz enthält – außer den bereits genannten Klassifikationen – folgende Komponenten:
- Name der Sammlung bzw. des Museums mit einem Link zu einer Website mit weiterführenden Informationen (soweit möglich)
- ObjekttypHier handelt es sich um eine Auswahl von relevanten Objekten, die fachübergreifend in vielen Sammlungen zu finden sind, zum Beispiel Apparat/Gerät/Maschine, Modell, Präparat, Gesteinsprobe, Instrument, Bilddokument, Tonträger. Während der Bearbeitung hat sich allerdings herausgestellt, dass diese noch nicht abgeschlossene Zusammenstellung, die auch als Index genutzt wird, nicht unproblematisch ist. Daher wird zurzeit nach anderen Möglichkeiten der Klassifizierung gesucht.
[18]
- StatusUniversitätsnutzung (Regelfall), Verwaist, Ausgelagert, Unbekannt, Verloren, Assoziierte Sammlung
- Relevanz (gilt fast ausnahmslos für naturwissenschaftliche Sammlungen) Typusmaterial; Referenzmaterial
- Adresse, Website, Website der Universität
- Kontakt (einschließlich Tel., E-Mail, Fax)
- Öffnungszeiten
- Weitere Informationen (beispielsweise zu Führungen, Vortragsreihen, Wechselausstellungen)
- Beschreibung
- Stand der Erschließung
- Gründungsjahr und Beendigung
- In einer späteren Projektphase soll die Datenbank um eine gezielte Suche nach der zeitlichen Begründung von Sammlungen erweitert werden.
- Geschichte
- Archivalien
| 
| | |
Abbildung 3: Datensatz, Ansicht „Geschichte & Publikationen“
| |
Dazu kommen weitere Details, die jeweils in einer eigenen Datenbank erfasst werden:
- involvierte Personen mit Namen und Lebensdaten („Personendatenbank“, noch im Aufbau); erfasst sind Personen, die in den Produktions-, Sammlungs- und Betreuungsprozess einer bestimmten Sammlung involviert waren oder sind: Wissenschaftler/innen, Sammler/innen, Präparatoren/innen, Techniker/innen, Modellbauer/innen, Instrumentenmacher/innen usw.
- einschlägige Publikationen zu Universitätssammlungen und ihrer Geschichte, zu den entsprechenden Objekten und den am Sammlungsprozess maßgeblich beteiligten Personen, Nutzungs- und Organisationsfragen sowie besonderen Aktivitäten im Umkreis der Sammlungen („Bibliografie“).
Alle drei Datenbanken – Sammlungs-, Personen- und Literaturdatenbank – sind über eine Kategorien- und Volltextsuche recherchierbar.
Abschließende Bemerkungen
Mit der systematischen Erfassung der Sachquellen an den Universitäten ergeben sich für die Geschichtswissenschaft und die Wissenschaftsgeschichte neue Möglichkeiten, wobei die Bestandserfassung nur ein erster notwendiger Schritt auf dem Weg zu einer geplanten fachübergreifenden Darstellung deutscher Universitätssammlungen in Geschichte und Gegenwart ist. Das daraus resultierende umfangreiche Quellenmaterial kann für viele weiterführende Spezialuntersuchungen genutzt werden. Dies betrifft vor allem Begründung und Entwicklung der Disziplinen, Organisation von Forschung und Lehre, Sammlungsstrategien und Ordnungssysteme, Visualisierung von Wissen sowie Wissenschaftskommunikation im öffentlichen Raum. Dieser letztgenannte Aspekt ist gerade im Hinblick auf die drängenden Fragen der Gegenwart äußerst wichtig, denn als interdisziplinäre Bindeglieder zwischen Universität und Gesellschaft oder anschauliche Instrumente der Vermittlung von Wissen und Wissenschaftsgeschichte tragen die Universitätssammlungen erheblich zur Aufwertung von Lehre und Forschung bei. Sie sind insbesondere geeignet, die klassische Einteilung des Wissenschaftssystems in zwei Kulturen zu überwinden und Brücken zu schlagen zwischen der technisch-naturwissenschaftlichen und der ‚humanistischen’ Kultur.
Traditionsreiche Universitäten wie beispielsweise Halle, Greifswald, Dresden, Freiburg, Marburg und Tübingen haben bereits öffentlich zugängliche Museen eingerichtet oder sind gerade dabei, neue Schauräume zu planen. Die Humboldt-Universität zu Berlin feierte einen großen Publikumserfolg mit der Ausstellung Theatrum Naturae et Artis. Wunderkammern des Wissens (2000/01, Martin-Gropius-Bau, Berlin)
[19]
, die einen Querschnitt durch den Gesamtbestand der Sammlungen bot. Diese Präsentation zog als Konsequenz die Teilhabe der Humboldt-Universität am Humboldt-Forum
[20]
auf dem Schlossplatz nach sich. Im dort geplanten Neubau mit barocker Schlossfassade beabsichtigt die Humboldt-Universität die Einrichtung eines Schaufensters der Wissenschaft, in dem nicht nur Teile ihrer Sammlungen, sondern auch aktuelle Forschungsprojekte präsentiert werden.
Das bisher entwickelte und oben beschriebene Datenbanksystem erlaubt eine Annäherung an das Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln: zum Beispiel Sammlungen als Einrichtung einer Universität oder einer Stadt, einer Disziplin, eines Zeitabschnitts, über den Sammlungszweck oder den Sachquellentyp. Daneben kommen die Sammlungen auch als kulturhistorische Ressourcen in den Blick. Sie könnten für die heutige Wissensgesellschaft nämlich wesentlich besser und effizienter genutzt werden, wenn sie stärker in bildungs- und kulturpolitische Programme eingebunden würden. Unsere Wissenschaftslandschaft hat sich im letzten Jahrhundert dramatisch verändert: Durch die Entstehung immer neuer wissenschaftlicher Disziplinen hat sich ein hoher Spezialisierungsgrad ergeben, der für die Gesellschaft heute kaum noch nachvollziehbar ist. In der Forschung versucht man, diesem Trend durch interdisziplinäre Projekte entgegenzusteuern. Da die Sammlungen einer Universität in der Regel einen repräsentativen Ausschnitt aus dem breiten Spektrum der natur- und geisteswissenschaftlichen Fächer bieten, eignen sie sich in hervorragender Weise, um – beispielsweise im Rahmen des Studium Generale – die Arbeitsweisen der einzelnen Disziplinen zu vermitteln und die Möglichkeiten interdisziplinärer Forschungen aufzuzeigen. Auf diese Weise können Studierende im Umgang mit den Wissenschaften geschult und ihr Blick auf die Geschichte und die Besonderheiten der verschiedenen Disziplinen gelenkt werden.
Insgesamt gesehen eröffnet das Projekt zu den Universitätssammlungen neue Perspektiven, unter anderem für die Bereiche Forschung, Bildung und Wissenschaftspopularisierung. Dabei spielt die Präsentation im Netz eine zentrale Rolle. Abgesehen davon, dass die Datenbanken jederzeit ohne großen Aufwand ergänzt und aktualisiert werden können, besteht die Möglichkeit, das Material so zu strukturieren, dass es unterschiedliche Interessen bedienen kann, beispielsweise die der Fachwissenschaftler/innen, der Bildungsexpert/innen, der Ausstellungsmacher/innen oder die der Laienöffentlichkeit.
***
Dr. Cornelia Weber ist Geschäftsleiterin des Hermann von Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die Geschichte wissenschaftlicher Sammlungen. E-Mail: weber@mathematik.hu-berlin.de
[1] Siehe <http://publicus.culture.hu-berlin.de/sammlungen/>.
[2] Weitere Informationen unter <http://www2.hu-berlin.de/hzk/> (15.03.2006).
[3] Vgl. Deutsche Bibliotheken Online: <http://www.hbz-nrw.de/produkte_dienstl/germlst/> (15.03.2006); Deutsche Archive im Internet: <http://www.archivschule.de/content/33.html> (15.03.2006).
[4] Vgl. Die Experimentalisierung des Lebens – Konfigurationen zwischen Wissenschaft, Kunst und Technik, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte: <http://vlp.mpiwg-berlin.mpg.de/exp/index.html%20> (15.03.2006); Zweckbronner, Gerhard, Sachquellen in der Technikgeschichte, in: Dresdener Beiträge zur Geschichte der Technikwissenschaften 26 (1999), S. 2-13; te Heesen, Anke; Spary, Emma C., Sammeln als Wissen, in: te Heesen, Anke; Spary, Emma C. (Hgg.), Sammeln als Wissen. Das Sammeln und seine wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung, Göttingen 2001 (Wissenschaftsgeschichte), S. 11/12; Brenni, Paolo, Historische Instrumente als materielle Zeugen der Wissenschaftsgeschichte, in: Meinel, Christoph (Hg.), Instrument – Experiment. Historische Studien, Berlin 2000, S. 74-81.
[5] Vgl. vor allem Jardine, Nicholas, Sammlung, Wissenschaft, Kulturgeschichte, in: te Heesen, Anke; Spary, Emma C. (Hgg.), Sammeln als Wissen (wie Anm. 4), S. 199-220.
[6] te Heesen, Anke; Spary, Emma C. (Hgg.), Sammeln als Wissen (wie Anm. 4), S. 13.
[7] Vgl. zum Beispiel Zentralregister biologischer Forschungssammlungen in Deutschland (ZEFOD) <http://www.genres.de/zefod/> (02.03.2006); Schmidt, Loki, Die Botanischen Gärten in Deutschland, Hamburg 1997; Jansen, Ulrich; Steininger, Fritz F. (Hgg.), Die paläontologischen Sammlungen in Deutschland – Inhalte, Erfassung und Gefährdung, Stuttgart 2002 (Kleine Senckenberg-Reihe 42); Mineralogische Museen und Universitätssammlungen in der Bundesrepublik Deutschland <http://www.lrz-muenchen.de/~Mineralogische.Staatssammlung/museen.htm> (02.03.2006); Vorstand des Deutschen Archäologen-Verbandes e.V. (Hg.), Die archäologischen Universitätssammlungen in der Bundesrepublik Deutschland mit Berlin (West), in Österreich und in der Schweiz. Zusammengestellt von Gertrud Platz-Horster, Mainz 1983 (Schriften des Deutschen Archäologen-Verbandes e.V. IV); Bauer, Johannes, Gipsabgusssammlungen an deutschsprachigen Universitäten. Eine Skizze ihrer Geschichte und Bedeutung, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte, Bd. 5, Stuttgart (2002), S. 117-132.
[8] Vgl. z.B. Kustodie der Friedrich-Schiller-Universität (Hg.), Reichtümer und Raritäten. Kulturhistorische Sammlungen, Museen, Archive, Denkmale und Gärten der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Bearb. von Bolko Schweinitz, 2 Bde, Jena 1974 und 1981 (Jenaer Reden und Schriften); Kustodie der Friedrich-Schiller-Universität (Hg.), Reichtümer und Raritäten. Denkmale, Sammlungen, Akten und Handschriften. Bearb. von Michael Platen, Jena 1990 (Jenaer Reden und Schriften); Fricke, Manfred, Die Sammlungen und Kunstdenkmäler der Technischen Universität Berlin, Berlin 1991; Westfälische Wilhelms-Universität Münster (Hg.), Museen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Münster 1993; Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (Hg.), Kulturbesitz und Sammlungen der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Rostock 1995; Technische Universität Dresden (Hg.), Sammlungen und Kunstbesitz der Technischen Universität Dresden, Leipzig 1996; Hoffmann, Dietrich; Maack-Rheinländer, Kathrin, „Ganz für das Studium angelegt“. Die Museen, Sammlungen und Gärten der Universität Göttingen, Göttingen 2001.
[9] Diesen Ansatz kann man zum Teil bei bestimmten Sonderausstellungen von Universitäten verfolgen, vgl. Bredekamp, Horst; Brüning, Jochen; Weber, Cornelia (Hgg.), Theater der Natur und Kunst/Theatrum naturae et artis. Wunderkammern des Wissens. Essays. Katalog. Dokumentation, Berlin 2000-2001; Berg, Gunnar u.a. (Hgg.), Emporium. 500 Jahre Universität Halle-Wittenberg. Landesausstellung Sachsen-Anhalt 2002, Halle 2002.
[10] November 2004 bis Oktober 2006.
[11] Vgl. <http://publicus.culture.hu-berlin.de/sammlungen/>.
[12] Stand: 15.03.2006.
[13] Sammlungen mit dem Status „Verloren“ oder „Unbekannt“ werden erst in der zweiten Projektphase systematisch erfasst.
[14] Da sich das Projekt noch in der Bearbeitungsphase befindet, sind etwaige Änderungen durchaus noch möglich.
[15] <http://www.uis.unesco.org/TEMPLATE/pdf/cscl/Museums%20and%20Related%20Institutions.pdf> (15.03.2006).
[16] Das Ergebnis kann sich zwar noch leicht verschieben, der Trend ist allerdings eindeutig.
[17] Dieser Thesaurus ist bereits im Internet verfügbar, vorerst jedoch nur als Liste: <http://publicus.culture.hu-berlin.de/sammlungen/thesaurus.php> (15.03.2006).
[18] Auch in diesem Bereich gibt es keine Vorarbeiten, die für das Projekt genutzt werden können.
[19] Vgl. <http://www2.hu-berlin.de/hzk/theatrum/> (15.03.2006), Katalog vgl. Anm. 9.
[20] Vgl. <http://www.humboldt-forum.de/> (15.03.2006).
Konsortialer Betrieb lokaler Portale: Verteilte Daten – Heterogene Dienste – Zentrale Zugänge im historischen Fachportal Clio-online
von Thomas Meyer
Seit 2002 arbeiten Mitarbeiter/innen verschiedener Bibliotheken, des Bundesarchivs und der Humboldt-Universität zu Berlin am Aufbau des Fachportals für die Geschichtswissenschaften Clio-online. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die Angebote und Dienste von Clio-online, welche der Bündelung und Vermittlung verteilter Daten und heterogener Dienste dienen und die in mehreren Teilprojekten entwickelt werden. Besondere Beachtung finden Anforderungen, technischen Abläufe und Synergieeffekte konsortial und kooperativ betriebener Portale.
***
Einleitung
Ausgangspunkt für den Betrieb lokaler Portale bzw. in diesem Fall des Fachportals Clio-online
[1]
bilden Datensammlungen unterschiedlicher Formate, die im Internet verteilt liegenden Volltexte (Zeitschriftenartikel oder Rezensionen), Metadaten (bibliografische Angaben oder Beschreibungen von Internetangeboten) und Verfügbarkeitsinformationen (Verfügbarkeit von Forschungsliteratur in Bibliotheken oder Quellen im Internet). Über unterschiedliche Recherchewerkzeuge – lokale Datenbanken, zugänglich über ein Webinterface oder Suchmaschinen – ist der Zugriff auf Fachinformationen direkt vom Arbeitsplatz aus möglich, ohne Recherchen und Sichtungen vor Ort. Bestell- und Lieferdienste von Bibliotheken, kommerzielle Dokumentenlieferdienste oder Buchshops, zunehmend auch Volltextserver, ermöglichen den physischen Zugriff auf Dokumente und Literatur. Diese Angebote sind über optisch und funktional unterschiedliche Einstiege zugänglich. Nutzer/innen sind mit heterogenen Diensten und Daten konfrontiert, sie müssen sich mit unterschiedlichen Suchmasken, Anfragesprachen und den jeweiligen lokalen Eigenheiten der Datensammlungen und Dienste auseinandersetzen. Der Ruf nach zentralen Zugängen, möglichst als „One-Stop-Shopping”-Dienst über eine Vielfalt von Angeboten, ist daher nur allzu verständlich. Im Projekt Clio-online werden zentrale Zugänge zu diesen verteilten Angeboten aufgebaut, deren drei wichtigste technische und organisatorische Grundlagen nachfolgend erläutert werden.
Die erste Möglichkeit bilden gemeinsame Datenpools bzw. Datenbanken oder Verbundsysteme. Solche sind hinlänglich bekannt: Bibliotheken katalogisieren gemeinsam in Verbundkatalogen oder führen ihre jeweils lokalen Datenbestände in solchen zusammen. Eine zweite Möglichkeit bieten übergreifende Recherchewerkzeuge und Suchmaschinen, mit deren Hilfe Benutzer/innen sich neben der Recherche über im Internet verteilte Fachinformationen zugleich auch über die Verfügbarkeit der ermittelten Quellen- oder Literaturbestände informieren können. Eine dritte Säule bildet die Vermittlung von Angeboten und Diensten. Nicht nur aus finanzieller und personeller Sicht sind die vollständige Erschließung und Nachweise aller relevanten Fachinformationen im Internet durch ein einzelnes Projekt kaum zu leisten. In erster Linie machen die wachsende Menge an Publikationen und das „Invisible Web“ eine vollständige „Erfassung“ unmöglich. Daher gilt es, die Aufmerksamkeit darauf zu richten, dass ein zentrales Fachportal seine Nutzer/innen auch an Angebote und Dienste im Netz weiterleiten kann, die über weitere Informationen verfügen und weitere Spezialdienste anbieten.
[2]
Gemeinsame Datenpools
Über Clio-online sind beschreibende Daten zu verschiedenen Webangeboten verfügbar: das Webverzeichnis bietet ähnlich den bekannten Webkatalogen von Google oder Yahoo einen Überblick über Websites, geordnet nach Kategorien.
[3]
Mitarbeiter/innen verschiedener Einrichtungen recherchieren regelmäßig im Internet und tragen neue Webangebote ein, Betreiber von Websites können außerdem ihre Angebote melden.
[4]
Seit dem Projektstart wurden mehr als 7.500 historisch-wissenschaftlich relevante Sites vermerkt, wobei circa 2.500 dieser Einträge durch den Projektpartner Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen bzw. das Projekt History-Guide beigesteuert werden.
[5]
Über dieses Verzeichnis hinaus wurden mehr als 12.000 Websiteeinträge von Clio-online und weiteren Anbietern in einer kürzlich entwickelten Datenbank zusammengetragen, die einen Austausch solcher Webverzeichnisdaten ermöglicht.
[6]
In Zukunft ließe sich darüber eine verteilte Erschließung von Webangeboten durch verschiedene Einrichtungen umsetzen, wobei dezentral erschlossene Daten in dieser Datenbank zusammengeführt und entstehende Mehrfacheinträge beseitigt werden können.
[7]
Erfahrungen aus dem Aufbau dieser Datenbank flossen in die Realisierung eines weiteren Angebotes ein: mit dem Forscher/innen-Verzeichnis bietet Clio-online zusammen mit der Virtuellen Fachbibliothek Osteuropa (ViFaOst)
[8]
ein digitales Nachschlagewerk zu Wissenschaftlern/innen historisch ausgerichteter Disziplinen auf der Basis eines gemeinsamen Datenpools. Seit Herbst 2005 können sich dort Wissenschaftler/innen selbst eintragen und Angaben zu ihrem wissenschaftlichen Werdegang, ihren Publikationen und Forschungsinteressen hinterlegen. Die Idee hinter diesem Verzeichnis ist die Schaffung einer Internetplattform für den Austausch zwischen Wissenschaftlern/innen, indem über die Veröffentlichung von Forschungsinteressen usw. Verknüpfungspunkte geschaffen werden und ein zentraler Sucheinstieg die Recherche ermöglicht.
Gemeinsame Datenpools werden in weiteren Teilprojekten und bei Partnern von Clio-online, zugleich auch in den jeweiligen lokalen Angeboten der Partner genutzt: Die Beiträge von H-Soz-u-Kult
[9]
– Rezensionen, Ankündigungen, Berichte etc. – werden im Redaktionssystem von H-Soz-u-Kult durch mehrere Partner gepflegt. So nutzen die Portale Zeitgeschichte-online
[10]
und geschichte.transnational
[11]
das Internetforum H-Soz-u-Kult nicht nur für die kooperative Bearbeitung der Beiträge nach thematischen, regionalen oder epochalen Zuständigkeiten von Redakteuren/innen, sondern bieten auch unterschiedliche thematische Sichten auf die Beiträge in ihren Portalen. Über gleichnamige Mailinglisten werden diese Beiträge interessierten Nutzern/innen zugestellt, indem das E-Mail-Abonnementsystem der Beiträge von H-Soz-u-Kult auf die genannten Themenbereiche erweitert und funktional ausgebaut wurde. Neben diesen thematischen Sichten kann durch die Abonnenten/innen der E-Mail-Beiträge eine Auswahl anhand der Beitragsformate – Rezensionen, Tagungsberichte, Stellenanzeigen und andere – getroffen werden. Die Basis für diesen Dienst bilden gemeinsame Nutzerdaten von Clio-online, geschichte.transnational, H-Soz-u-Kult und Zeitgeschichte-online. Die Zustellung der Beiträge erfolgt an die E-Mail-Adresse der Nutzer/innen, welche darüber hinaus als Basis des Anmeldeverfahrens für verschiedene Personalisierungsdienste einschließlich des Eintrags in das Forscher/innen-Verzeichnis dient.
[12]
Auf Anbieter- und Nutzerseite lassen sich durch den Einsatz von Verbunddatenbanken Synergieeffekte schaffen. Browsing oder Suchdienste lassen sich so konfigurieren, dass Nutzer/innen thematische Sichten auf Informationen nach einheitlichen Kriterien geboten werden können. Gemeinsame Zugangsdaten erleichtern über Single-Sign-On-Verfahren die persönliche Verwaltung von Zugangsdaten und den Umgang mit verteilten Ressourcen. Einzig für den Informationsanbieter sind einige Nachteile nicht zu unterschätzen: Eine zentrale Dateneingabe und –haltung erfordert immer den physischen Zugang zum zentralen Datenpool, heute in der Regel über das Internet, und legt den jeweiligen lokalen Anbieter und Teilhaber auf das Datenschema des zentralen Datenspeichers und die dortigen Arbeitsabläufe fest. Gemeinsame Datenpools, in denen die jeweiligen dezentralen, lokalen Daten zusammengeführt werden, erweisen sich ebenso als nur bedingt zweckmäßig: Die Einspielung der verteilten Bestände in den zentralen Pool und umgekehrt die Separierung und Reintegration in lokale Bestände führt zu weiterem, nicht zu unterschätzendem Arbeitsaufwand.
Wesentlich günstiger für Informationsanbieter sind Verfahren, die nicht nur eine Integration der lokalen Daten, sondern auch der jeweiligen Arbeitsabläufe des Anbieters ermöglichen. Diesem Aspekt wurde beim Aufbau des Forscher/innen-Verzeichnisses von Anfang an hohe Aufmerksamkeit geschenkt. Dieses Teilprojekt basiert zwar immer noch auf einem zentralen Datenpool, der jedoch über eine Schnittstelle externen Anbietern und Partnern sowohl für das Einpflegen von Daten, als auch für das Auslesen bzw. Retrieval zugänglich ist. Über eine proprietäre XML-Schnittstelle am SQL-Datenbankserver auf der Seite von Clio-online werden die Forscherdaten der ViFaOst zusammen mit den Daten von Clio-online in einer Datenbank abgelegt. Die im Meldeformular auf dem Portal der ViFaOst eingegebenen Daten werden im XML-Format direkt an die vom Datenbankhersteller bereitgestellte Schnittstelle der gemeinsamen Datenbank übermittelt.
[13]
Über die gleichen Datenbankprozeduren, die von der XML-Schnittstelle verwendet werden, jedoch über lokale Eingabeformulare und Skriptbibliotheken, werden die Forscherdaten von Clio-online direkt an die Datenbank übergeben. Die Recherche auf Seiten der ViFaOst sendet Anfragen XML-codiert an den Datenbankserver, der die Ergebnisse ebenfalls in XML zurück liefert, die dann lokal im Portal der ViFaOst mit Hilfe von XSL zu HTML-Seiten umgewandelt werden.
Bei diesem Verfahren müssen zwischen den beteiligten Partnern nur noch das Datenformat und das Übertragungsverfahren abgestimmt werden. Die Dateneingabe lässt sich dagegen beliebig in die lokalen Arbeitsabläufe integrieren. Es ist nur sicherzustellen, dass für die Speicherung der Daten das Datenformat des zentralen Datenspeichers benutzt wird, lokal können die Daten in beliebigen Formaten weiter verarbeitet werden. Nachteilig wirken sich bei der Nutzung der Schnittstellen die Beschränkung und Festlegung auf die Schnittstellenformate und Anfragesprachen am zentralen Speicher aus. Lokale Recherchewerkzeuge und Eingaberoutinen müssen daran angepasst werden. Erfahrungsgemäß werden solche Speziallösungen nur selten bis gar nicht dokumentiert, so dass später der Wartungsaufwand schnell steigt, wenn zum Beispiel nach längerer Zeit Änderungen und Anpassungen vorgenommen werden sollen. Werden mit mehreren Partnern solche Verfahren eingesetzt, die nicht auf Standards basieren, bzw. verschiedene externe, zentrale Speicher lokal integriert, ist die Entwicklung vieler Einzellösungen unvermeidbar, die sich ebenso durch hohen Anpassungs- und Wartungsaufwand auszeichnen.
Lösungsansätze bieten in solchen Fällen Standards und Normen, die gemeinsame Richtlinien für Datenformate und Austauschverfahren festlegen. Seit wenigen Jahren sind WebServices auf Basis des so genannten SOAP-Protokolls populär. Sie ermöglichen eine einheitliche Kommunikation und den Austausch fest definierter Daten zwischen verschiedenen Websites.
[14]
Darin gekapselt kommen in der Regel weitere Standards für Datenformate zur Anwendung, wie es beispielsweise bei der Anbindung Virtueller Fachbibliotheken, Portale und Informationsverbünde an das Wissenschaftsportal vascoda der Fall ist. Über einen SOAP-WebService werden die jeweils lokalen Daten der Anbieter im Dublin-Core-Format an das vascoda-Portal weitergegeben. Aus dem Webverzeichnis von Clio-online werden seit 2004 Daten über einen solchen SOAP-WebService an vascoda geliefert.
[15]
Derzeit wird die Schnittstelle seitens Clio-online so erweitert, dass zukünftig sämtliche bei Clio-online vorgehaltenen Daten darüber recherchierbar oder dynamisch in andere lokale Angebote integrierbar sind. Ein erster Test erfolgte bereits im Rahmen eines Teilprojektes. Für ein Themenportal zur Geschichte der Europäischen Integration und modernen europäischen Geschichte wurden ausgewählte Einträge aus dem Webverzeichnis sowie Institutionsverzeichnis von Clio-online in das Themenportal eingebunden. Über feste Abfrageparameter im WebService – in diesem Fall die Dewey Decimal Classification (DDC-Klassifikation) – werden alle für das Thema relevanten Einträge direkt aus der Datenbank von Clio-online abgefragt und in das Themenportal integriert.
[16]
Übergreifende Recherche
Eine zweite Säule zur Integration verteilter Daten und heterogener Dienste bilden Technologien für die übergreifende und möglichst parallele Recherche. Bereits seit Projektstart betreibt Clio-online eine Metasuchmaschine, die im Gegensatz zu klassischen Suchmaschinen eine Vielzahl von verteilten Angeboten über eine parallele Suche bündelt.
[17]
Durch die direkte, parallele Recherche in den Datenbeständen, die ein/e Nutzer/in für die Recherche ausgewählt hat, lassen sich hier alle Informationen abrufen, die in den Datenbanken genau zum Zeitpunkt der Recherche verfügbar sind. Darüber hinaus kann diese Metasuchmaschine auch noch zu einem zentralen Rechercheinstrument im Fachportal ausgebaut werden. Neben den verschiedenen externen Angeboten werden hier die lokalen Bestände des Portals und der Teilprojekte in das Retrieval eingebunden, so dass Nutzer/innen Zugriff sowohl auf lokale Fachinformationen wie auch auf die Angebote externer Anbieter erhalten.
In dem noch jüngeren Teilprojekt Historische Rezensionen Online können seit Ende 2005 online verfügbare Rezensionen verschiedener Zeitschriften und Websites durchsucht werden. Dieser Dienst funktioniert zum Teil wie eine herkömmliche Suchmaschine.
[18]
Das heißt, die verteilten Bestände werden durch einen Crawler „ermittelt“, ein lokaler Indexdienst erstellt dann über die „ermittelten“ Dokumente einen Index aller Wörter, über den gesucht werden kann.
[19]
Allerdings bietet eine Recherche nur Zugriff auf diejenigen Dokumente, die zum Zeitpunkt des Einsammelns und der Indexierung durch die Suchmaschine verfügbar waren. Von der Häufigkeit des Crawlens und Indizierens ist die Aktualität eines solchen Angebots und somit dessen Attraktivität abhängig. Für ein Fachportal, wie sicherlich für die zahlreiche weitere Fachinformationsangebote, ist es allerdings kaum möglich, relevante Dokumente im Web wie kommerzielle Suchmaschinen rund um die Uhr zu „ermitteln“.
Vermittlung von Inhalten oder Diensten
Die bisher beschriebenen Verfahren bilden den Kern der Funktionen des Clio-online Portals. Der Zugriff auf sämtliche im Internet verfügbaren Angebote kann aber aus finanziellen, personellen und technischen Beschränkungen in einem Fachportal unmöglich gewährleistet werden. Portale dienen zudem in erster Linie als thematische Einstiegspunkte in das Internet. Sie können aber neben Verzeichnisfunktionen und Recherchewerkzeugen weitere Dienste anbieten, die den Nutzern/innen weitere Angebote oder Spezialdienste vermitteln. Zum Teil lassen sich sogar Funktionen aufbauen, die im Rahmen des Fachportals selbstständig nicht erbracht werden können, aber von externen Anbietern lokal im Portal direkt nachgenutzt werden können.
[20]
Die einfachste Methode bilden Verlinkungen zu externen Diensten. Gemeint sind aber nicht einfache Verknüpfungen zu anderen Websites über Hyperlinks, sondern vielmehr Deep-Linking-Verfahren, die die Nutzer/innen in externe Angebote hinein leiten und dort sofort Funktionen ausführen. Ausgehend von Rechercheergebnissen, beispielsweise Autorennamen oder normierten Daten wie zum Beispiel einer ISBN-Nummer in den Einträgen einer Trefferliste werden Nutzer/innen an externe Dienste weitergeleitet, die dann dynamisch weitere Informationen zum lokal ermittelten Ergebnis anbieten. Die Rezensionseinträge von H-Soz-u-Kult enthalten so zum Beispiel einen Link zur Clio-online Metasuche. Ein Klick auf diesen Link führt die Nutzer/innen nicht nur einfach weiter zur Metasuchmaschine, sondern löst direkt die Metasuche aus. Die ISBN-Nummer des rezensierten Werkes wird als Suchparameter übergeben, direkt nach dem Klick sind für die Nutzer/innen neben vollständigen Titelangaben auch Angaben zur Verfügbarkeit des in der Rezension besprochenen Titels in fast allen deutschen Bibliotheksverbünden ersichtlich.
Der Einsatz solcher Weiterleitungen führt ebenfalls zu weiterem Wartungsaufwand. Sobald auf der Gegenseite Funktionalitäten oder Suchparameter verändert werden, ist manuell jeder der eingesetzten vermittelnden Hyperlinks anzupassen. Entsprechend automatisierbare Verfahren bieten dagegen so genannte Link-Resolver auf Basis des OpenUrl-Standards. Dabei handelt es sich um Dienste, die dynamisch aus den lokalen Informationen – im oben genannten Fall die ISBN-Nummer des rezensierten Werkes – nicht nur die Vermittlung zu weiteren externen Angeboten oder Diensten vornehmen, sondern auch noch in Abhängigkeit der vorrätigen lokalen Information die passenden externen Angebote ermitteln und Suchparameter nach einem einheitlichen Schema – gängig ist hier der OpenUrl-Standard
[21]
– verarbeiten. Ein derzeit populäres Produkt in diesem Bereich ist SFX, ein so genannter Link-Resolver des Bibliothekssoftwareherstellers ExLibris. In einer Datenbank werden bei SFX Informationen über externe Angebote und ihre Recherchemöglichkeiten gespeichert, aus denen das Tool die zur lokalen Information passenden externen Dienste auswählt und den Nutzern/innen anbietet. Die Automatisierung ist administrativ steuerbar, das heißt, die Entscheidung, welche externen Dienste zum Beispiel zu einer ISBN-Nummer angeboten werden, trifft nicht allein die Software, sondern kann durch Administratoren/innen festgelegt werden. Für Clio-online ist ein solcher SFX-Dienst derzeitig im Rahmen der Metasuche über die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin verfügbar. Weitere SFX-Server lassen sich ebenso über einen weiteren, in den Suchergebnissen der Metasuche angegebenen SFX-Link nutzen: So ein/e Nutzer/in von einer Einrichtung aus recherchiert, die einen eigenen SFX-Dienst bietet, wird er/sie von diesem Link aus an eben diesen SFX-Dienst weitergeleitet.
[22]
Über diesen lassen sich dann weitere Informationen zu einem Metasuchergebnis in weiteren Datenbanken oder Websites abrufen. Insofern kein solcher lokaler Dienst verfügbar ist, können über eine Auswahlliste die verfügbaren SFX-Dienste ausgewählt werden.
[23]
Die Anbindung weiterer Suchmaschinen, der Zugang zu Bestell- und Lieferdiensten und letztlich Verweise zu Servern, auf denen Volltexte vorgehalten werden, sind damit möglich.
Die Integration kostenpflichtiger Angebote in die Suchdienste stellt momentan eines der Hauptprobleme für das Fachportal dar, da keine Abrechnungsmöglichkeiten für kostenpflichtige Datenbanken zur Verfügung stehen. So keine eigenen Abrechnungssysteme zur Verfügung stehen – wie zum Beispiel in jeder Universitätsbibliothek –, werden in solchen Fällen einerseits die Zugehörigkeit der Nutzer/innen zu einer Einrichtung und andererseits die lizensierten Datenbanken dieser Einrichtung ermittelt, um den Zugriff zu gewähren oder abzulehnen. Angesichts der Menge an wissenschaftlichen Einrichtungen und Fachdatenbanken kann so ein Verfahren in einem Fachportal nicht realisiert werden. Eine Alternative dazu bieten Single-Sign-On-Verfahren, die statt einer gemeinsamen Nutzerdatenbank (siehe oben) eine Technik nutzen, welche direkt über die Heimateinrichtung eines Nutzers/einer Nutzerin die Zugriffskontrolle, unabhängig vom aktuellen physischen Standort des Nutzers/der Nutzerin im Internet, abwickelt. Das Projekt Verteilte Authentifizierung, Autorisierung und Rechteverwaltung (AAR) an der Universitätsbibliothek Freiburg entwickelt im Rahmen von vascoda bereits seit zwei Jahren ein System, welches zentral oder dezentral die Ermittlung von Nutzerzugehörigkeiten und Nutzungsrechten an kostenpflichtigen Datenbanken steuern kann.
[24]
Die Lösung ist keine vollständige Neuentwicklung, sondern nutzt die kostenfrei verfügbare Software Shibboleth, die in den USA im Internetkonsortium Internet2 entwickelt und an vielen amerikanischen Einrichtungen bereits mit Erfolg genutzt wird.
[25]
Das Shibboleth-System ermöglicht Datenbankbetreibern und Diensteanbietern – letzteres entspricht dem Fachportal –, Informationen über Benutzer/innen und ihre institutionelle Zugehörigkeit und somit ihre Rechte an kostenpflichtigen Angeboten untereinander auszutauschen. Seitens eines Diensteanbieters werden die Nutzer/innen an die Einrichtung zur Anmeldung weitergeleitet, an der sie über einen Account für E-Mail oder das lokale Intranet oder ähnliche Netzsysteme verfügen bzw. tätig sind. Nach einer erfolgreichen Authentifizierung bzw. Kennwortbestätigung bei dieser Einrichtung werden dem Diensteanbieter Informationen über die jeweiligen Nutzungsrechte an verschiedenen Ressourcen zurückgegeben, der dann den Zugriff auf die entsprechenden Ressourcen freigibt. Alternativ ließen sich auch zentrale Rechteserver abfragen, die Auskunft über die Nutzungsrechte verschiedener Institutionen geben.
[26]
Sollte sich zukünftig dieses System im Fachportal bzw. in der Metasuchmaschine integrieren lassen, könnte der Zugriff auf kostenpflichtige Angebote ermöglicht werden, insofern erstens Nutzer/innen einer Einrichtung angehören, die ebenfalls Shibboleth unterstützt, und zweitens die gewünschten Ressourcen bei der jeweiligen lokalen Einrichtung auch lizenziert sind.
Fazit
Für den Betrieb eines lokalen Fachportals wie auch für die Nutzer/innen ergeben sich durch die Bildung gemeinsamer Datenpools, durch übergreifende Recherchewerkzeuge und den Einsatz bzw. die Nutzung von Vermittlungstechniken zahlreiche Vorteile: Kooperative Erschließungsverfahren ermöglichen den Ressourcen sparenden Aufbau von Fachinformationsangeboten, die durch die jeweiligen Teilhaber/innen durch thematische Einstiege in die gemeinschaftlich erstellen Datenpools genutzt werden können. Das zentrale Hosting solcher Datenbasen spart finanzielle wie personelle Ressourcen, die so wiederum für andere Vorhaben einsetzbar sind. Die Notwendigkeit, dabei standardisierte Datenformate und Übertragungstechniken einzusetzen, um den Wartungs- und Pflegeaufwand für die beteiligten Partner zu minimieren, birgt für die Nutzer/innen den Vorteil, dass in den verschiedenen Angeboten einheitlich strukturierte Informationen und Zugänge verfügbar sind. Der Einsatz von Standards schafft Potentiale für den Aufbau und die Erweiterung lokaler Dienste und erleichtert zudem die Vernetzung der jeweiligen lokalen Angebote untereinander. Die Ergänzung dieser Verfahren durch Vermittlungstechniken schließt Lücken im lokalen Angebotsportfolio.
***
Thomas Meyer ist seit 2002 Wissenschaftlicher Mitarbeiter von Clio-online. Bei der Konzeption und technischen Entwicklung stehen derzeit der Auf- und Ausbau von Suchdiensten und die Integration und Nachnutzungmöglichkeiten der Angebote und Dienste von Clio-online im Mittelpunkt seiner Tätigkeiten. E-Mail: meyert@geschichte.hu-berlin.de
[1] Vgl. <http://www.clio-online.de>.
[2] Selbst „Suchriesen“ wie Google können die vollständige Erfassung des Webs nicht leisten. Aus den genannten Gründen werden daher auch lokale Suchmaschinen zunehmend populär. Zu den Problemen der „[..] Größe des Web und seine[r] Abdeckung durch Suchmaschinen“ vgl. Lewandowski, Dirk, Web Information Retrieval. Technologien zur Informationssuche im Internet, Frankfurt am Main 2005, S. 41-58.
[3] Bei Clio-online sind diese Kategorien nach Angebotstypen gegliedert, wie z.B. Archive, Bibliothekskataloge, Quellen oder Quellenverzeichnisse.
[4] Es ist nicht nur möglich, Websites, also umfangreiche Webseitensammlungen, zu melden, sondern es können natürlich auch Einzeldokumente mit historisch-wissenschaftlicher Relevanz eingetragen werden. Ob und in welcher Weise die Erfassung solcher Einzeldokumente sinnvoll ist, soll hier nicht diskutiert werden.
[5] Der HistoryGuide ist Teil der Virtuellen Fachbibliothek Vlib-AAC. Nähere Informationen unter <http://www.sub.uni-goettingen.de/vlib/> sowie <http://www.historyguide.de> (01.04.2006).
[6] Der Verbund „Netzwerk Internetressourcen Geschichte“ wurde bereits auf der Tagung .hist 2003 vorgestellt. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Verbund noch unter dem Namen „Netzwerk Subject Gateways Geschichte“ geführt. Vgl. Enderle, Wilfried; Winsmann, Anke, Das „Netzwerk Subject Gateways Geschichte“. Geschichtswissenschaft, Fachbibliografien und Bibliotheken im Verbund, in: Burckhardt, Daniel; Hohls, Rüdiger; Ziegeldorf, Vera (Hgg.), Geschichte und Neue Medien in Forschung, Archiven, Bibliotheken und Museen. Tagungsband .hist 2003 (Historisches Forum 7), Berlin 2005, S. 565-589. Elektronisch verfügbar unter: <http://edoc.hu-berlin.de/histfor/7_II/> (01.04.2006).
[7] Diese Dublettenbereinigung erfolgt so, dass so genannte Stammdaten der Webangebote wie z.B. Autoren/innen, Titel der Website und URL einmal vorgehalten werden. Die Beschreibung eines Webangebots kann jeder Partner für sich vornehmen und somit eigene Sichten auf die Daten – z.B. durch unterschiedliche Verschlagwortung oder Textbeschreibungen – beibehalten.
[8] Vgl. <http://www.vifaost.de>.
[9] Vgl. <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/index.asp>.
[10] Vgl. <http://www.zeitgeschichte-online.de>.
[11] Vgl. <http://geschichte-transnational.clio-online.net/>.
[12] Zum Dienst „Mein Clio“ siehe auch Burckhardt, Daniel; Winsmann, Anke, „Mein Clio“ – Personalisierung von Diensten und Angeboten, in diesem Band.
[13] Der eingesetzte MS-SQL Server 2000 verfügt von Haus aus über eine XML-API, die XML-Daten mit Hilfe von SQL-Befehlen speichert oder ausgibt.
[14] Der Einsatz von WebServices über SOAP oder andere Protokolle beschränkt sich keineswegs nur auf den Datenaustausch zwischen Websites. Es können genauso Daten zwischen normalen Desktop- oder Serveranwendungen ausgetauscht werden.
[15] Dieses Verfahren wurde in der ersten Version von vascoda eingesetzt. Mittlerweile existieren auch dort wieder individuelle Lösungen zur Anbindung externer Anbieter. Zukünftig soll dieses Problem wiederum durch die Indizierung der Daten der jeweiligen Anbieter gelöst werden.
[16] Bei der DDC (Dewey Decimal Classification) handelt es sich um eine Bibliotheksklassifikation, die zunehmend auch in Deutschland Anwendung findet. Weitere Informationen unter <http://www.ddc-deutsch.de> (01.04.2006). Das Themenportal ist erreichbar unter <http://www.europa.clio-online.de>. Weitere Informationen zum Konzept des Themenportals finden sich in Hohls, Rüdiger, Themenportal Europäische Geschichte in der Moderne, in diesem Band.
[17] Auf eine Beschreibung der Details dieser Metasuchmaschine wird hier verzichtet. Diese ist bereits auf der Tagung .hist 2003 vorgestellt worden. Vgl. Meyer, Thomas; Müller, Sara, Fachwissenschaftliche Suchmaschine. Konzept und Strategie, in: Burckhardt; Hohls; Ziegelsdorf, Geschichte und Neue Medien (wie Anm. 6), S. 603-615.
[18] Vergleiche für „Historische Rezensionen Online“ den Beitrag von Daniel Burckhardt im selben Band.
[19] Funktionsweise sowie Vor- und Nachteile von Suchmaschinen und indexbasierten Suchverfahren sind detailliert erläutert in: Lewandowski, Web Information Retrieval (wie Anm. 2).
[20] Darunter fallen z.B. Dokumentenlieferdienste oder die Recherche in kostenpflichtigen Datenbanken: Die hierfür notwendigen Abrechnungsverfahren können nur an Einrichtungen abgewickelt werden, die über die notwendige rechtliche Form und Infrastruktur verfügen. Aber auch die Einbindung einer Google-Suche zählt dazu. Die heutigen sog. Mash-Ups bzw. das Web 2.0 arbeiten nach ähnlichen Prinzipien.
[21] Vgl. <http://www.niso.org/standards/standard_detail.cfm?std_id=783> (01.04.2006).
[22] Über <http://www.openurl.de> wird anhand der Internetadresse der Nutzer/innen der zuständige SFX-Server ermittelt.
[23] Das ist dann der Fall, wenn die Recherche von einem PC aus durchgeführt wird, der eben nicht zu einer Hochschule oder Bibliothek gehört. Jeder PC, der über einen kommerziellen Provider an das Internet angeschlossen ist, gehört dazu.
[24] Zum Projekt AAR siehe <http://aar.vascoda.de/> (01.04.2006).
[25] Vgl. <http://shibboleth.internet2.edu/> (01.04.2006).
[26] Solche Rechteserver befinden sich derzeit aber erst noch in der Entwicklung. Vgl. <http://aar.vascoda.de/> (01.04.2006).
„Mein Clio“ – Personalisierung von Angeboten und Diensten
von Daniel Burckhardt und Anke Winsmann
Im Zuge der zunehmenden Verbreitung elektronischer Informationsangebote für die Geschichtswissenschaften entsteht auf Nutzerseite der Wunsch nach Wahl- und Filtermöglichkeiten, um die Zahl der täglichen Nachrichten beschränken zu können, ohne aber einen Informationsverlust im eigenen Forschungsbereich zu riskieren. Wünsche dieser Art wurden zunehmend aus Nutzerkreisen gegenüber dem Redaktionsteam von Clio-online und H-Soz-u-Kult geäußert. Zur Erfüllung dieses Desiderats wurde im September 2005 die Rubrik „Mein Clio/My Clio“ eingerichtet. Nach Registrierung mit einer gültigen E-Mail-Adresse können hier individuelle Anpassungen der Informationsangebote des Kooperationsverbundes Clio-online sowie ein Eintrag in das Forscher/innen-Verzeichnis vorgenommen werden. Im vorliegenden Praxisbericht werden nach einführenden Überlegungen zu personalisierten Internetangeboten die organisatorischen und technischen Grundlagen der Dienste von „Mein Clio“ vorgestellt. Den Schluss bilden eine erste Auswertung der Nutzerakzeptanz sowie ein Ausblick auf den Weiterausbau des Angebots.
***
Personalisierung
Nur wenige Monate nach dem Börsengang realisierte Yahoo im Juli 1996 unter dem Namen „My Yahoo!“ Möglichkeiten zur nutzerspezifischen Anpassung seiner schnell wachsenden Zahl von Portalangeboten.
[1]
Nach Eingabe von Wohnort, Aktiensymbolen sowie Themenschwerpunkten wurden den Besuchern/innen auf einer individualisierten Startseite und regelmäßig aktualisiert ein lokaler Wetterbericht, die Kursentwicklung des eigenen Portfolios sowie eine örtliche und thematische Nachrichtenauswahl präsentiert. Nicht nur durch die Namenswahl wurde dieses Angebot prägend für viele personalisierte Web-Angebote in der Zeit der so genannten Dotcom-Blase zwischen 1997 und 2001.
Neben dieser expliziten Personalisierung – im Englischen auch „Customization“ genannt – begannen insbesondere Online-Verkäufer zur selben Zeit mit der so genannten impliziten Personalisierung. Das bekannteste Beispiel von durch Data-Mining aus dem regulären Nutzerverhalten extrahierten Informationen ist das Angebot von Amazon, das gestützt auf die Einkäufe seiner Kunden versucht, ohne Abfrage von bevorzugten Sachgebieten oder Stilrichtungen passende Buch- und Musik-Empfehlungen zu formulieren. Im Bibliotheksbereich prägte Eric Lease Morgen den Begriff „MyLibrary“. Obwohl auch hier implizite Personalisierungsangebote nach dem Schema „Wer diesen Titel ausgeliehen hat, hat auch folgende Bücher bestellt“ denkbar wären, orientierte sich das Angebot am Vorbild von „My Yahoo“: „the NCSU Libraries chose to create MyLibrary, an Internet-based library service. It would mimic the commercial portals in functionality but include library content: lists of new books, access to the catalog and other bibliographic indexes, electronic journals, Internet sites, circulation services, interlibrary loan services, the local newspaper, and more.”
[2]
Fast so alt wie die Personalisierungsmöglichkeiten im Web sind Einwände dagegen. So schrieb Jakob Nielsen in seiner Alertbox-Kolumne im Oktober 1998, dass es viel wichtiger wäre, eine auch ohne Personalisierung einfach zu navigierende Website zu erstellen. Nutzer/innen wüssten selbst am besten, was sie zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einer bestimmten Website erwarten: “It is annoying to have the computer try to be smarter than it really is and second-guess your needs, only to have to spend extra time to correct it when it gets it wrong. Leave it to the user to choose from a set of easily navigable options.”
[3]
Die Wichtigkeit gut gewählter Standardeinstellungen wird auch von den Anbietern/innen personalisierter Dienste nicht bestritten. Besonders bei der expliziten Personalisierung zeigte sich sehr schnell, dass eine überwiegende Mehrheit der Nutzer/innen diese Möglichkeiten gar nicht nutzt: “A very surprising statistic is the majority of active My Yahoo! users do not customize their pages. They work with the default page.”
[4]
Diese Beobachtung illustriert das “Paradox of the Active User“. Danach wollen Besucher/innen auch auf ihnen unvertrauten Websites sofort mit der Bearbeitung ihrer Zielstellung beginnen, ohne sich vorgängig durch eine Reihe von Hilfetexten oder Voreinstellungen durchzuarbeiten. Daran ändert auch der Hinweis nichts, dass eine Einarbeitung in den Aufbau und die Funktionsweise des Angebots und die zielorientierte Personalisierung helfen würden, den Gesamtaufwand für die Nutzer/innen zu verringern.
[5]
Im Gegensatz dazu funktionieren Angebote wie das von Amazon – das gesteht auch Nielsen ein – deshalb so gut, weil sie auf einen großen Bestand von individuellen Personen zuschreibbaren Daten zurückgreifen können.
[6]
Als Zahlenmaterial für weitere Empfehlungen steigert jede einzelne Bestellung den Wert der Site für zukünftige Besucher/innen. Entscheidend ist, dass bei einer solchen Konstellation weder der Site-Betreiber noch die Site-Besucher/innen eine zeitaufwändige manuelle Klassifikation der Angebote oder Interessen vornehmen müssen.
Personalisierter Mailversand
Das Angebot von „Mein Clio“ liegt zwischen diesen beiden Polen: Bei der impliziten Personalisierung fallen nur beim optionalen Eintrag ins Forscher/innen-Verzeichnis Informationen an, die den Wert der Site auch für andere Besucher/innen mehren. Durch die Beschränkung der Pflichtangaben auf die Bezugsadresse für die Listen-Mails sowie einige wenige Angaben zur Person liegt der Aufwand bei der Registrierung über „Mein Clio“ aber kaum höher, als für das Ausfüllen des bisherigen Anmeldeformulars bei H-Soz-u-Kult. Im Gegenzug werden den Nutzern/innen nach der Personalisierung eine komfortable Web-Oberfläche zur Verwaltung des Nutzerkontos und erweiterte Konfigurationsmöglichkeiten für die Listenabonnements geboten.
Der Anlass für die Prüfung von Personalisierungsoptionen war eine Phase starken Wachstums von H-Soz-u-Kult nach Anlauf der Projektförderung von Clio-online. Wurden im Jahr 2001 etwas mehr als 1.200 Beiträge an rund 5.000 Wissenschaftler/innen verschickt, waren es zwei Jahre später bereits über 2.500, was einem Durchschnitt von fast zehn Nachrichten pro Werktag entspricht. Auch die Zahl der Listenbezieher/innen wuchs in ähnlichem Umfang, so dass im Rahmen des Historikertages 2004 in Kiel der 10.000ste Abonnent begrüßt werden konnte.
[7]
Diese an sich erfreulichen Entwicklungen führten auf Seiten der Redaktion zu einem wachsenden Betreuungsaufwand bei Adressänderungen und Urlaubsunterbrechungen. Ein komfortables Web-Interface sollte deshalb den Abonnenten/innen eine selbständige Verwaltung ihrer Bezugsoptionen ermöglichen. Mit dem Start der Projektförderung für das Clio-online Modul Zeitgeschichte-online im Januar 2003 und dem Start des am Zentrum für Höhere Studien der Universität Leipzig und der Forschungsgruppe Transferts culturels am Centre National de la Recherche Scientifique Paris koordinierten Fachforums geschichte.transnational im September 2004 sollten zudem zwei thematische Erweiterungen möglichst nahtlos in das Angebot von H-Soz-u-Kult eingebunden werden.
Zur Entlastung der Leser/innen bei der täglichen Durchsicht der Beiträge wurden schrittweise eine Reihe inhaltlicher, organisatorischer und technischer Verbesserungen vorgenommen:
- In einem ersten Schritt wurden die Subject-Zeilen und Absenderkennungen der Listenmails vereinheitlicht.
[8]
Mit Blick auf die technisch meist nicht besonders versierten Leser/innen stand dabei weniger die Unterstützung von automatisierten Filterregeln als die manuelle Vorsortierung aufgrund von Kürzeln für Rubriken und Epochen im Vordergrund.
- Durch Umstellung auf den Versand durch die Tagesredaktion in einem festen Zeitfenster konnte gewährleistet werden, dass die Nachrichten gebündelt im Briefkasten der Empfänger/innen eintreffen. Mittlerweile unterstützt das Redaktionssystem den Aufbau eines Tagesprogrammes und den Versand aller Beitragsformate direkt aus dem System ohne Umweg über ein separates Mailprogramm.
- Erst in einem dritten Schritt wurde die technisch anspruchvollste Änderung, die Rubriken-Anwahl und -Abwahl eingeführt, die die Beschaffung eines eigenen Listen-Servers und dessen Anbindung an das Redaktionssystem erforderte und in der Folge genauer beschrieben wird.
Die Evaluation einer geeigneten Mailinglist-Management-Software wurde vor allem durch zwei Anforderungen bestimmt: Der Versand von bis zu 15 Beiträgen an nachrichtenreichen Tagen an in absehbarer Zeit bis zu 15.000 Empfängerinnen und Empfänger führt zu einem täglichen Mailaufkommen von über 200.000 Nachrichten, die innerhalb weniger Stunden zugestellt werden sollten. Die angestrebten Personalisierungsoptionen erforderten zudem die Unterstützung von Regeln zur Zustellung von Nachrichten in Abhängigkeit von der Bezugsadresse. Ansonsten durchaus geeignet erscheinende Pakete unter einer freien Software-Lizenz hätten den Aufbau und die Systempflege eines speziell für den schnellen Mailversand optimierten Systems unter Linux oder einer anderen UNIX-Variante sowie Eigenentwicklungen für die personalisierte Verteilung erfordert.
[9]
In der Schlussauswahl standen deshalb zwei kommerzielle Produkte: Der auch vom H-Net in Michigan eingesetzte LISTSERV, der als Urahn aller Mailinglist-Systeme gilt, und der ListManager der Firma Lyris.
[10]
Preislich bewegten sich beide Angebote im niedrigen fünfstelligen Euro-Bereich. Den Ausschlag für den Kauf von ListManager gab die modernere Systemarchitektur und die bessere Unterstützung des für das Redaktionssystem von H-Soz-u-Kult und das Web-Portal von Clio-online eingesetzten MS SQL-Server 2000. Die weitgehende Wartungsfreiheit und die kontinuierliche Weiterentwicklung, die besonders stark durch das „Wettrüsten“ um neue Techniken bei der Zustellung und Abwehr unerwünschter Massenmails sowie entsprechenden gesetzlichen Regelungen vorangetrieben wird, bestätigen diese Entscheidung.
Nutzeraccount
Die Registrierung und Eröffnung eines Benutzerkontos erfolgt zentral über ein Anmeldeformular auf der Clio-online Homepage. Nach Eingabe einer gültigen E-Mail-Adresse als eindeutige Anmeldekennung bietet der Nutzeraccount die Möglichkeit einer individuellen Anpassung der bereitstehenden Informationsangebote. Die in enger Absprache mit dem Datenschutzbeauftragten der Humboldt-Universität zu Berlin erarbeiteten Informationen zum Datenschutz und Allgemeinen Geschäftsbedingungen regeln die rechtlichen Rahmenbedingungen und den Umgang mit den personenbezogenen Daten innerhalb des Kooperationsverbundes Clio-online.
[11]
Die für die Einrichtung des Nutzeraccounts zwingend erforderlichen Angaben sind bewusst auf ein Minimum wie Name, E-Mail-Adresse sowie Passwort beschränkt. Weitergehende Informationen können freiwillig im Rahmen des Forscher/innen-Verzeichnisses ergänzt werden. Eine Änderung der Angaben ist den Nutzern/innen jederzeit ohne Rücksprache mit der Redaktion möglich. Zur Unterstützung stehen Hinweise und Hilfetexte sowie eine Kontaktadresse zur Verfügung. Das Nutzerkonto bildet die Basis für die weitergehenden Funktionen zur Verwaltung der Abonnements der Fachforen von Clio-online sowie zur Erstellung und Pflege eines Eintrags im Forscher/innen-Verzeichnis, die in der Folge beschrieben werden.
Verwaltung der Abonnements
Die Entwicklung von H-Soz-u-Kult von der anfänglichen Schwerpunktsetzung in der Sozial- und Kulturgeschichte der Neuzeit hin zu einem epochen- und themenübergreifenden Angebot für historisch arbeitende Geistes- und Kulturwissenschaftler/innen im oder zum deutschsprachigen Raum standen hinter der Entscheidung, bei der Personalisierung zunächst von einer Auswahl der Beiträge nach inhaltlichen Klassifikatoren abzusehen und stattdessen eine An- und Abwahl nach Rubriken zu ermöglichen. Die Angebote mit Service-Charakter (Stellen, Stipendien, Wohnungen sowie Zeitschrifteninhaltsverzeichnisse) wurden in eine eigene Liste ausgegliedert. Das verbleibende Angebot von H-Soz-u-Kult wurde in vier Hauptsegmente untergliedert (Projekt- und Websiteankündigungen, Rezensionen, Tagungsberichte, Terminankündigungen), die einzeln an- und abgewählt und ohne Doppelungen mit den Angeboten der beiden Fachforen geschichte.transnational sowie Zeitgeschichte-online kombiniert werden können. Technisch wird diese Auswahl von Nachrichten durch das Hinzufügen einer segment-spezifischen Bedingung bei der Abfrage der Empfänger-Tabelle realisiert. Diese neuen Funktionen für die Nutzer/innen führten auch zu einer spürbaren Entlastung der Redaktion bei der Beantwortung von Support-Anfragen, da Adressänderungen sowie Urlaubsunterbrechungen nicht mehr über E-Mails mit komplizierten Listserv-Kommandi
[12]
sondern individuell über ein komfortables Web-Formular vorgenommen werden können.
Forscher/innen-Verzeichnis
Kommunikationsforen wie H-Soz-u-Kult beruhen darauf, dass die Adressaten/innen nicht nur passive Leser/innen, sondern stets auch potentielle Beiträger/innen sind. Um aus dem Kreis der Abonnenten/innen neue Rezensenten/innen zu finden und einen Überblick über die epochalen, regionalen und thematischen Interessen der Leserschaft zu behalten, wurden bei der Registrierung stets auf freiwilliger Basis Forschungsschwerpunkte erfragt. Standen diese Angaben bislang allein redaktionsintern zur Verfügung, können sie nun – ergänzt mit weiteren Informationen wie Kontaktadresse, akademischer Vita und bibliografischen Hinweisen auf eigene Veröffentlichungen – auch zur eigenen Präsentation im Forscher/innen-Verzeichnis verwendet werden.
Alle Angaben im Forscher/innen-Verzeichnis sind freiwillig und werden erst nach ausdrücklicher Zustimmung der Autoren/innen veröffentlicht. Das Verzeichnis steht allen Forschenden mit einem akademischen Abschluss in einer historischen Disziplin und weiterführenden Forschungsinteressen offen. Es bietet insbesondere Nachwuchswissenschaftlern/innen unabhängig vom aktuellen Arbeitsplatz eine dauerhafte zentrale Präsentationsplattform im fachwissenschaftlichen Kontext. Zur besseren Verlink- und Zitierbarkeit erhält jeder Eintrag eine eindeutige Identifikationsnummer. Zur Qualitätssicherung wird jeder Eintrag vor der Freischaltung redaktionell überprüft und liegt anschließend in der redaktionellen Verantwortung der beitragenden Person. Regelmäßige Erinnerungsmails sollen die Autoren/innen auf die nötige Aktualisierung und Pflege ihrer Einträge hinweisen. Das Forscher/innen-Verzeichnis wird in Kooperation mit der Virtuellen Fachbibliothek Osteuropa gepflegt und ist in seiner Gesamtheit über beide Portale zugänglich.
[13]
Die ViFaOst betreut die Einträge der osteuropäischen Wissenschaftler/innen, alle weiteren werden von Clio-online verwaltet.
Nutzerakzeptanz
Die neuen Angebote werden alle sehr intensiv genutzt. Nach internen Testläufen steigt seit der öffentlichen Freischaltung von „Mein Clio“ im September 2005 sowohl die Zahl der Nutzeraccounts als auch der Listenabonnements auf Lyris sowie der Einträge im Forscher/innen-Verzeichnis kontinuierlich an.
| 
| | |
Abbildung 1: Entwicklung der Nutzeraccounts von September 2005 bis März 2006
| |
| 
| | |
Abbildung 2: Entwicklung der Abonnentenzahlen von Clio-Serviceangeboten Juli 2005 bis Februar 2006
| |
| 
| | |
Abbildung 3: Neueinträge im Forscher/innen-Verzeichnis von Juli 2005 bis März 2006
| |
Die teilweise überraschenden Erkenntnisse bei der genaueren Betrachtung der Listen- und Rubrikenauswahl lassen sich zu vier Thesen zuspitzen:
- Die Trennung von Service und H-Soz-u-Kult war überflüssig. Nur zwei Prozent der Subskribenten/innen des Service sind nicht gleichzeitig Subskribenten/innen des restlichen Angebots von H-Soz-u-Kult. Umgekehrt verzichten lediglich rund fünf Prozent der Subskribenten/innen von H-Soz-u-Kult auf die Angebote der Service-Liste.
- Die Möglichkeit zur Abwahl von Rubriken bei H-Soz-u-Kult wird nur von einer kleinen Minderheit genutzt.
- Die Zahl der Subskribenten/innen, die bewusst auf eine Rubrik verzichten, liegt zwischen fünfeinhalb Prozent bei den Rezensionen und zehn Prozent bei den Tagungsberichten.
- Der psychologische Wert von Wahlmöglichkeiten sollte nicht unterschätzt werden.
- Seit längerer Zeit werden die Wohnungsanzeigen in Form einer wöchentlichen Sammelmail verschickt. Objektiv verändert sich das Mailaufkommen durch Abwahl dieser Rubrik also nur unwesentlich, dennoch wird die Möglichkeit zur Abwahl von über 50 Prozent der Subskribenten/innen genutzt. Deshalb muss ernsthaft darüber nachgedacht werden, dem oft geäußerten Wunsch nach epochalen Abwahlmöglichkeiten zu entsprechen, obwohl die Zahl der sehr häufig als nicht den eigenen Interessen entsprechenden Beiträge zur Alten Geschichte seit mehreren Jahren stabil bei nur etwa fünf Prozent der Beiträge liegt.
- Etwa die Hälfte der Subskribenten/innen von H-Soz-u-Kult über „Mein Clio“ ist an zusätzlichen Angeboten interessiert.
- So wird geschichte.transnational (GT) von 46 Prozent und Zeitgeschichte-online von 52 Prozent der H-Soz-u-Kult-Subskribenten/innen angewählt. Umgekehrt wählen weniger als ein Prozent nur das Angebot von Zeitgeschichte-online, während es beim schon länger aktiven und international breiter orientierten Forum zur transnationalen Geschichte rund 20 Prozent sind.
- Die genauere Betrachtung dieser Nutzer/innen zeigt deutlich, dass es dem Angebot von GT vor allem in Europa gelingt, im umgekehrten Verhältnis zur Bekanntheit von H-Soz-u-Kult in den Geschichtswissenschaften der jeweiligen Länder neue Benutzerkreise über die Abonennten/innen von H-Soz-u-Kult hinaus anzusprechen. Statistisch signifikant sind die Zahlen für Frankreich (75 Prozent der GT-Abonnenten/innen nicht bei H-Soz-u-Kult), die Niederlande und Großbritannien (50 Prozent). Demgegenüber ist von den Subskribenten/innen aus Österreich (25 Prozent), der Schweiz (17 Prozent) und Deutschland (16 Prozent) nur eine Minderheit nicht gleichzeitig bei H-Soz-u-Kult eingeschrieben.
Ausblick
Um auch in Zukunft die Angebote von „Mein Clio“ nicht so sehr am technisch Möglichen sondern viel mehr an den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer/innen auszurichten, wurde von H-Soz-u-Kult und Clio-online eine Nutzungsanalyse von Fachinformationsangeboten in den Geschichtswissenschaften durchgeführt.
[14]
Zusammen mit der Auswertung der Nutzerakzeptanz dienen diese Ergebnisse der Erstellung einer Prioritätenliste für den Weiterausbau. Im Vordergrund stehen Filterfunktionen im Serviceangebot von „Mein Clio“ sowie die Einrichtung von Alerting-Diensten über E-Mail und so genannte Newsfeeds. Mittels persönlicher Profile könnte die Informationssuche über Benachrichtigungs-Funktionen in folgenden Bereichen unterstützt werden:
- Individueller Terminkalender mit einer orts- und themenabhängigen Auswahl von wissenschaftlichen Veranstaltungen
- Neue Ergebnisse automatisierter Suchabfragen im Bereich der Metasuche (Neuerscheinungen/Neuerwerbungslisten, Auszüge aus der Rezensionsdatenbank) sowie im Web- oder Forscher/innen-Verzeichnis
- Neue Aufsätze (Current-Contents-Funktionen)
- Neue Webangebote und digitale Publikationen (Fachforen, Themenportale, Quellen, Tagungsberichte, Dokumentenserver etc.)
***
Daniel Burckhardt war Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Philosophischen Fakultät I der Humboldt-Universität zu Berlin. Dort war er unter anderem verantwortlich für den Aufbau und den Betrieb des Redaktionssystems von H-Soz-u-Kult. E-Mail: burckhardtd@geschichte.hu-berlin.de
Anke Winsmann hat Geschichte und Literaturwissenschaften studiert und ist Wissenschaftliche Dokumentarin. Seit 2002 ist sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts Clio-online verantwortlich für die Bereiche Subject Gateways und Directories. E-Mail: Anke.Winsmann@geschichte.hu-berlin.de
[1] Manber, Udi u.a., Experience with Personalization on Yahoo, in: Communication of the ACM. Vol 43, 8 (2000), S. 35-39, <http://doi.acm.org/10.1145/345124.345136>.
[2] Morgan, Eric Lease, Putting the ‘My’ in MyLibrary, in: Library Journal, <http://www.libraryjournal.com/article/CA323338.html>. Zu personalisierten Bibliotheksdiensten siehe Schmitt-Daun, Stephanie: MyLibrary-Systeme. Eine vergleichende Analyse personalisierter Bibliotheksdienste. Berlin 2005, <http://www.ib.hu-berlin.de/~kumlau/handreichungen/h137/> sowie den ausführlichen Bericht im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung: Chia, Christopher; Garcia, June, The personalization challenge in public libraries: perspectives and prospects. Gütersloh 2002, <http://www.public-libraries.net/html/x_media/pdf/personalisation_engl.pdf>.
[3] Nielsen, Jakob, Personalization is Over-Rated, in: Alertbox, <http://www.useit.com/alertbox/981004.html>.
[4] Manber, Udi u.a., Experience with Personalization on Yahoo (wie Anm.1), hier S. 38.
[5] Carroll, John M.; Rosson, Mary Beth, The paradox of the active user, in: Carroll, John M. (Hg.), Interfacing Thought. Cognitive Aspects of Human-Computer Interaction. Cambridge 1987, <http://faculty.ist.psu.edu/rosson/papers/Paradox.pdf>.
[6] Eine solche Verknüpfung von Personendaten mit Interessenschwerpunkten ist datenschutzrechtlich nicht unproblematisch, siehe dazu <http://www.heise.de/ix/artikel/2003/05/096/>, <http://www.heise.de/tp/r4/artikel/16/16039/1.html> sowie die Einwände der American Library Association gegen bestimmte Bestimmungen des „Patriot Act“, <http://www.ala.org/Template.cfm?Section=ifissues&Template=/ContentManagement/ContentDisplay.cfm&ContentID=76289>.
[7] Zu diesen Entwicklungen siehe Hohls, Rüdiger, H-Soz-u-Kult – Kommunikation und Fachinformation für die Geschichtswissenschaften, in: Historical Social Research/Historische Sozialforschung, 29 (2004), <http://hsr-trans.zhsf.uni-koeln.de/hsrretro/docs/artikel/hsr/hsr2004_609.pdf>, hier S. 221 sowie den Bericht „Clio-online – Historisches Informationssystem“ zur Projektphase I (Mai 2002 - April 2004), <http://www.clio-online.de/rainbow/_Rainbow/documents/Clio_online_Endbericht_Web_20050211.pdf>, hier S. 6f.
[8] Für eine Beschreibung der Rubriken und Auflistung der Kürzel siehe <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/index.asp?type=beitragen&pn=about>.
[9] Evaluiert wurden ezmlm, <http://cr.yp.to/ezmlm.html> und Mailman, <http://www.list.org/>. Mittlerweile steht mit Sympa, <http://www.sympa.org/> eine dritte ausgereifte Lösung zur Verfügung: <http://seaotter.berkeley.edu/calmail/maillists/mailman-versus-sympa.html>. Die Voraussetzungen für den Betrieb einer stark frequentierten Liste beschreibt die Mailman FAQ: “If you're going to be running lists with more than a few thousand members, then you need to have a thorough understanding of how your MTA and Mailman work, and a deep and intimate familiarity with Internet e-mail in general. And of course, you will have to carefully consider how best to tune your MTA and Mailman to work best together. If you're missing any of these prerequisites, you're in for a difficult time.” <http://www.python.org/cgi-bin/faqw-mm.py?req=show&file=faq01.015.htp>.
[10] <http://www.lsoft.com/products/listserv.asp>, <http://lyris.com/products/listmanager/>.
[11] <http://www.clio-online.de/AGB/> sowie Kuhring, André, Geistiges Eigentum im Internet. Deutsches und internationales Recht, in: Burckhardt, Daniel; Hohls, Rüdiger; Ziegeldorf, Vera (Hgg.), .hist 2003. Geschichte und Neue Medien, Teilband I, Berlin 2005, S. 155-173, <http://edoc.hu-berlin.de/e_histfor/7_I/PHP/Recht_7-2005-I.php#003002>.
[12] <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/index.asp?type=technische%2Dhinweise&pn=about>.
[13] <http://www.vifaost.de/sys/cgi/w/index.cgi?l=de&sid=X649&p=/geschichte/forscher> und <http://www.clio-online.de/forscherinnen>.
[14] Erste Ergebnisse der Umfrage zur Nutzung von Internet-Angeboten in den Geschichtswissenschaften präsentiert der Clio-online Newsletter 2006.1, <http://www.clio-online.de/site/lang__de/40208201/Default.aspx#umfrage> sowie der Artikel von Karsten Borgmann im vorliegenden Band. Die detaillierten Ergebnisse der Auswertung der Umfragedaten werden im Laufe des Jahres 2006 zu einer Studie zusammengefasst und in geeigneter Form elektronisch publiziert.
Historische Rezensionen online: Der Aufbau einer Rezensionsdatenbank bei Clio-online
von Daniel Burckhardt
Historische Rezensionen online (HRO) ist eine Suchmaschine für geschichtswissenschaftliche Rezensionen. Sie berücksichtigt fachwissenschaftliche Besprechungen von zurzeit dreizehn deutsch- und englischsprachigen Anbietern, die online im Web veröffentlicht wurden und ohne Zugangsbeschränkungen im Volltext zur Verfügung stehen. Eingebunden in das Fachportal von Clio-online sind gegenwärtig über eine einfache Suchmaske über 35.000 Rezensionen zu über 30.000 Publikationen im Volltext recherchierbar.
[1]
Die Spezialisierung auf eine Textsorte und die Anreicherung der Rezensionstexte mit den in der Verbunddatenbank des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds (GBV) bereits erfassten bibliografischen Informationen erlauben zudem zielgerichtete Anfragen nach bestimmten Autoren/innen oder Rezensenten/innen, ein Mehrwert für die Nutzer/innen von HRO gegenüber kommerziellen Suchmaschinen.
***
Rezensionswesen im Internet
Eine wichtige Rolle für die Verbreitung der „Neuen Wissenschaft“ im 17. Jahrhundert bildeten zeitnah zu den Akademien gegründete Gelehrtenzeitschriften wie das 1665 in Paris etablierte Journal des Savants oder die 1682 erstmals in Leipzig erschienenen Acta eruditorum. Sie bestanden zu einem Großteil aus Ankündigungen, Auszügen, Besprechungen sowie Debatten von Neuerscheinungen. Bis heute bilden Zusammenfassungen und Besprechungen neuer Arbeiten einen festen Bestandteil wissenschaftlicher Kommunikations- und Publikationspraxis sowohl in den Natur- als auch in den Geisteswissenschaften. In beiden Bereichen hat im letzten Jahrzehnt ein Wandel von den gedruckten zu den elektronischen Medien stattgefunden. Noch Mitte der 1990er Jahre bezogen deutschsprachige Historiker/innen ihre Informationen über Neuerscheinungen fast ausschließlich aus gedruckten Publikationen. Zeitnah zur Veröffentlichung berichteten die Feuilletons der überregionalen Tages- und Wochenzeitungen sowie politische Magazine. Aktuelle Besprechungen englischsprachiger Sachbücher boten Magazine wie The New York Review of Books oder das Times Literary Supplement.
[2]
Bis zur Besprechung in fachwissenschaftlichen Rezensionsjournalen, renommierten epochenübergreifenden Fachjournalen oder spezialisierten Fachorganen der verschiedenen Themen und Epochen konnten dagegen mehrere Jahre vergehen. Die beschränkte Seitenzahl dieser Druckerzeugnisse erforderte zudem strikte Vorgaben zum Umfang der Rezension. Eine größere Aktualität sowie der Wegfall von Längenbeschränkungen galten deshalb als zwei entscheidende Vorteile beim Übergang zur Veröffentlichung per E-Mail oder im Web, der in der ersten Hälfte der 1990er Jahre mit ersten Angeboten in den USA und in der zweiten Hälfte dann auch in Europa zu beobachten war. Der Übergang von der gedruckten zur elektronischen Veröffentlichung erhöhte aber nicht nur die Aktualität der Besprechungen, sondern führte auch zu einer inhaltlichen Neuausrichtung und einer deutlichen Aufwertung dieses Genres in den Geisteswissenschaften. Lange als minderwertige Textsorte betrachtet, können „good scholarly reviews” als veröffentlichte Peer Reviews zu veröffentlichten Publikationen betrachtet werden, die durch angemessene Darlegung des Forschungskontextes unter Hinzuziehung weiterer Literatur eine notwendige Kontextualisierung im Forschungsfeld vornehmen und über die Analyse von Stärken und Schwächen der Veröffentlichung hinaus Forschungsperspektiven für das jeweilige Themenfeld herausarbeiten.
[3]
Für die deutsche Geschichtswissenschaft brachte der Start der H-Net-Mailing-Listen H-German (September 1994) bzw. H-Soz-u-Kult (November 1996) den Durchbruch für die E-Mail als Distributions-medium.
[4]
H-German veröffentlichte im März 1995 die ersten Rezensionen, während die erste über H-Soz-u-Kult publizierte Besprechung im April 1997 erschien. Anfängliche Vorbehalte, die sich sowohl in der fehlenden Bereitschaft zur Überlassung von Rezensionsexemplaren durch manche Verlage als auch in der Zurückhaltung potenzieller Rezensenten/innen gegenüber der Veröffentlichung in einem ungewohnten Publikationsorgan äußerten, konnten durch die hohe Akzeptanz des neuen Angebots bei den Lesern/innen bald ausgeräumt werden. Ein starkes Wachstum sowohl der Zahl der Subskribenten/innen als auch der veröffentlichten Besprechungen war die Folge: Wurden 1998 noch rund 100 Rezensionen veröffentlicht, waren es im Jahr 2000 bereits über 250. Wiederum zwei Jahre später – nach Anlauf der Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Kooperationsverbundes Clio-online – waren es bereits über 500, eine Zahl, die sich bis 2005 wiederum fast verdoppelte. Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei den seit 2001 monatlich im Web veröffentlichten sehepunkten
[5]
zu beobachten. Auch in benachbarten geisteswissenschaftlichen Disziplinen wie den Literaturwissenschaften sind seit 1998 mit IASL online
[6]
und literaturkritik.de
[7]
bedeutende Anbieter von Rezensionen im Internet entstanden.
Zentrales Nachweissystem
Die wachsende Zahl von Anbietern online zugänglicher Rezensionen steigerte aber auch den Aufwand für Nutzer/innen, die an einem umfassenden Überblick über Besprechungen zu einem bestimmten Buch, Autor oder Themenbereich interessiert sind. Mangels eines zentralen Nachweises mussten die sehr unterschiedlichen Web-Sites der verschiedenen Anbieter mit oft nur unzureichenden Recherchemöglichkeiten jeweils einzeln durchsucht werden. Die Idee für den Aufbau von HRO entstand aus der Beobachtung, dass sich die erschöpfende Suche nach den unter dem Banner der freien Zugänglichkeit angetretenen Besprechungen paradoxerweise fast aufwändiger gestaltete, als nach solchen in gedruckten Fachzeitschriften. Für diese steht mit der Internationalen Bibliographie der Rezensionen (IBR) schon länger ein zwar kostenpflichtiges, aber in vielen Universitätsnetzen und wissenschaftlichen Bibliotheken freigeschaltetes Nachweissystem zur Verfügung.
[8]
Erste Überlegungen für den kooperativen Aufbau einer entsprechenden Datenbank gingen von einer einheitlichen Metadaten-Auszeichnung der Rezensionen durch die verschiedenen Anbieter im HTML-Header nach dem Dublin-Core Standard aus.
[9]
Lokal bereits in einer Datenbank erfasste Angebote hätten alternativ eine OAI-Schnittstelle
[10]
, wie sie für die Einbindung der Rezensionen von H-Soz-u-Kult in die Metasuche von Clio-online bereits erfolgreich realisiert worden war, einrichten können. Die große Heterogenität der bereits erfassten Angaben, die sich besonders deutlich bei den bibliografischen Angaben der besprochenen Werke zeigt, hätte jedoch eine zeitaufwändige Nachbearbeitung erfordert. Eine Umsetzung des Nachweissystems nach diesem Modell hätte auf jeden Fall die aktive Mithilfe aller Kooperationspartner vorausgesetzt.
Technische Umsetzung
Die entscheidende organisatorische Vereinfachung brachte die Einsicht, dass in den Geisteswissenschaften im Gegensatz etwa zur Mathematik nicht Einzelartikel, sondern fast ausschließlich Monografien und Sammelbände besprochen werden, die über eine eigene ISBN verfügen. Eine Durchsicht der wichtigsten Rezensionsanbieter zeigte, dass die ISBN zumindest bei neueren Besprechungen bei fast allen mit aufgelistet wird. Da sowohl Amazon als auch Bibliothekskataloge Web-Services zur Abfrage von bibliografischen Angaben bereitstellen, reicht es aus, auf den Seiten der verschiedenen Anbieter die ISBN sowie – soweit möglich – Angaben zum Rezensenten/zur Rezensentin sowie dem Veröffentlichungsdatum auszulesen. Die besonderen Eigenschaften einer ISBN als zehn- bzw. ab 2007 dreizehnstellige Zahl mit eingebauter Prüfziffer erlauben die automatisierte Extraktion dieser Angaben mit hoher Zuverlässigkeit.
Ein erster „proof of concept“, der automatisiert Rezensionen von drei Anbietern einsammelte und über Amazon mit den entsprechenden bibliografischen Angaben anreicherte, zeigte schnell die grundsätzliche Machbarkeit dieses Vorgehens. Bei dieser ersten Zusammenführung von rund 10.000 Rezensionen im Volltext wurde auch die hohe Bedeutung eines guten Rankings von größeren Treffermengen für die Nutzerakzeptanz deutlich. Die Volltextsuche des MS SQL Server 2000 wurde deshalb durch Lucene, eine Programmbibliothek für Volltextsuchen aus dem Apache-Projekt ersetzt.
[11]
In der aktuell im Clio-online Portal eingebundenen Variante wird für sämtliche Suchdienste die kommerzielle Text Retrieval Engine von dtSearch verwendet.
[12]
Problematisch für ein öffentlich gefördertes Projekt waren zudem die Nutzungsbedingungen des Amazon E-Commerce Service. Dieser Dienst ist zwar kostenfrei, verlangt im Gegenzug jedoch bei jeder Anzeige von darüber abgefragten Produktinformationen einen Link auf die entsprechende Detailseite oder die Startseite von Amazon. Dank Unterstützung des GBV konnten für die öffentliche Version der Rezensionsdatenbank wesentlich detailliertere bibliografische Daten aus dem Pica-Verbundkatalog eingebunden werden.
Die Skripte zum Einsammeln der Rezensionen bei den verschiedenen Anbietern wurden in Perl geschrieben, das sich durch die Unterstützung regulärer Ausdrücke, Konvertierungsfunktionen für eine Vielzahl von Zeichensatzkodierungen sowie eine Reihe äußerst hilfreicher CPAN-Module für diese Art von Netzwerkprogrammierung gut eignet.
[13]
Der Aufbau des Suchindexes erfolgt in mehreren Schritten:
Einsammeln der URLs der einzelnen Rezensionen: Aus den meist chronologisch geordneten Archivseiten werden die URLs sämtlicher Rezensionen eines Jahrgangs oder einer Ausgabe extrahiert. Für jede besprochene Publikation werden diese URL, die ISBN und – soweit vorhanden – zusätzliche Metadaten wie etwa der Rezensent/die Rezensentin oder Ausgabe oder Datum der Besprechung ausgelesen.
Einsammeln der Volltexte: Für jeden im ersten Schritt angelegten Datensatz wird der Seiteninhalt der angegebenen URL abgerufen und aus dem HTML-Format nach Klartext konvertiert. Dabei werden nicht zur eigentlichen Rezension gehörige Seitenbereiche – wie zum Beispiel eine Navigationsleiste oder HTML-Auszeichnungen – entfernt und der Besprechungstext in den UTF-8-Zeichensatz konvertiert.
Abfrage der bibliografischen Informationen anhand der ISBN: Zu jeder ISBN wird im GBV ein bibliografischer Datensatz mit Angaben zu Titel, Autor/Herausgeber, Ort und Jahr abgefragt. Der schwierigste Schritt war die Konvertierung der Daten aus dem Pica-Zeichensatz nach UTF-8, die den manuellen Aufbau einer entsprechenden Konversionstabelle erforderte.
[14]
Nach diesen Vorarbeiten erfolgt in einem letzten Schritt der Aufbau des Volltextindexes: Durch Aufrufe der Lucene-Bibliothek oder dtSearch wird ein gefelderter Volltextindex über den Rezensionstext und die bibliografischen Informationen der entsprechenden Publikation aufgebaut. Über eine am OAI-Protokoll orientierte Web-Schnittstelle wurde die Rezensionsdatenbank in die Metasuche von Clio-online sowie die Abläufe der Jahresberichte für deutsche Geschichte eingebunden.
Nutzerakzeptanz und Perspektiven
Seit der Ankündigung von HRO über H-Soz-u-Kult Anfang August 2005 erwies sich die Rezensionsdatenbank als eines der meist genutzten Angebote im Web-Portal von Clio-online. Die Auswertung der Logfiles über 32.000 Suchanfragen in den ersten sechs Monaten ergab deutliche Hinweise auf die Interessen der Nutzer/innen. Knapp 12.000 unterschiedliche, fast ausschließlich deutschsprachige Begriffe wurden ins Suchfeld eingegeben. Unter den besonders häufig nachgefragten Suchbegriffen finden sich sowohl Epochenbezeichnungen, Themen, geografische Bezeichnungen als auch Autoren- und Personennamen.
[15]
Eine ähnliche Mischung ergibt sich auch bei einem zufällig gewählten Ausschnitt, der sowohl mehrfach als auch nur ein einziges Mal eingegebene Begriffe umfasst.
Die größte Schwäche des aktuellen Datenmodells mit einem separaten Eintrag in der Rezensions-Tabelle für jede ISBN zeigt sich im Dubletten-Handling: Besonders englischsprachige Publikationen erscheinen häufig zeitgleich in verschiedenen Ausgaben (Hardcover, Paperback) und Verlagen (USA, England) unter entsprechend vielen verschiedenen ISBN. Durch eine passende Abfrage des xISBN-Dienstes
[16]
könnten entsprechende Mehrfachanzeigen in den Trefferlisten unterdrückt werden. Über einen geeigneten „fuzzy-hash“-Algorithmus
[17]
könnten auch Mehrfacherfassungen von Sammelrezensionen, die bei den einzelnen Anbietern für jeden besprochenen Titel unter einer separaten URL abgelegt werden, vermieden werden.
Viele Nutzer/innen wünschen zudem verbesserte Export-Optionen für Trefferlisten zur Anbindung von Literaturverwaltungen wie EndNote, die Integration des Angebots mit Browser-Erweiterungen wie Zotero
[18]
sowie dem von Lit-link
[19]
eingesetzten XmlDump sowie personalisierte RSS-Feeds für neu erfasste Rezensionen. Solche Verzahnungen von verbreiteten Applikationen mit neuen Angeboten sind dringend notwendig, damit die weitere Verbreitung von elektronischen Fachpublikationen auch in Zukunft von Wissenschaftlern/innen als nützliche Unterstützung ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit und nicht nur als drohende Informationslast erlebt wird.
***
Daniel Burckhardt war Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Philosophischen Fakultät I der Humboldt-Universität zu Berlin. Er war verantwortlich für die technische Konzeption und Realisierung von Historische Rezensionen online. E-Mail: burckhardtd@geschichte.hu-berlin.de
[1] Die Website des Projekts findet man unter: <http://www.clio-online.de/hro> [20.03.2007]. Dort werden auch die aktuell in das Angebot eingebundenen Partner aufgeführt.
[2] Helmberger, Peter: Historische Rezensionen im Internet. Entwicklung – Potentiale – Chancen, in: zeitenblicke 2 (2003), Nr. 2, vgl. <http://www.zeitenblicke.de/2003/02/helmberger.htm> [20.03.2007].
[3] Zu dieser Entwicklung insbesondere Mey, Günter: Editorial Note: Das Internet als „scholarly review resource“. Einige Überlegungen zum E-Reviewing anlässlich des „Special Issue: FQS Reviews IV“, in: Qualitative Social Research 7 (2), vgl. <http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/2-06/06-2-42-d.htm>. May übernimmt den Begriff der „good scholarly review“ aus den Review-Guidelines des H-Net, vgl. <http://www.h-net.msu.edu/reviews/style/> [20.03.2007].
[4] Das H-Net wurde von Richard Jensen im Dezember 1992 angekündigt. Der Versand von Listenmails begann im Februar 1993 über H-Urban, im April und Mai folgten ‚Holocaust’ und H-Women. In einer Phase schnellen Wachstums hatten sich bis Ende des Jahres bereits 21 verschiedene Listen etabliert, im Oktober 1994 gab es 38 Listen mit ca. 14.300 Teilnehmern/innen aus mehr als 50 Ländern und etwa einer Million Beiträge pro Monat. Vgl. Hohls, Rüdiger; Helmberger, Peter: H-Soz-u-Kult. Eine Bilanz nach drei Jahren, in: Historical Social Research/Historische Sozialforschung 24 (3), S. 7-35, vgl. <http://hsr-trans.zhsf.uni-koeln.de/hsrretro/docs/artikel/hsr/hsr1999_485.pdf> [20.03.2007].
[5] Vgl. <http://www.sehepunkte.de/> [20.03.2007].
[6] Vgl. <http://iasl.uni-muenchen.de/> [20.03.2007].
[7] Vgl. <http://www.literaturkritik.de/> [20.03.2007].
[8] Vgl. <http://www.gbv.de/vgm/info/benutzer/01datenbanken/db_saur?lang=de%0B#info2> [20.03.2007].
[9] Vgl. <http://dublincore.org/documents/dces/> und <http://dublincore.org/documents/dc-citation-guidelines/> [12.06.2006].
[10] Die Open Archives Initiative spezifiziert ein unter wissenschaftlichen Dokumentenservern verbreitetes Metadata Harvesting Protokoll, vgl. <http://www.openarchives.org/OAI/openarchivesprotocol.html> [12.06.2006].
[11] Bei HRO wurde die in C# geschriebene Lucene.Net-Variante eingesetzt, <http://incubator.apache.org/lucene.net/>. Für eine Kurzübersicht über die nur in der Klassen- und Methodenbenennung leicht abweichenden Java-Version siehe <http://www.tbray.org/ongoing/When/200x/2003/11/16/SearchAPIs> [20.03.2007]. Einen guten Einstieg bietet Naber, Daniel: Herr der Suche. Eigene Anwendungen mit Volltextsuche erweitern, in: c't 7/2005, S. 196; die definitive Referenz ist Gospodnetic, Otis; Hatcher, Eric: Lucene in Action. Greenwich, Connecticut 2005.
[12] Vgl. <http://www.dtsearch.com/> [20.03.2007].
[13] Eine kurze Einführung in die LWP-Module bietet <http://search.cpan.org/dist/libwww-perl/lwpcook.pod> [20.03.2007]. Darauf aufbauend erleichtert besonders WWW::Mechanize die „Screen scraping“ genannte Technik zur Analyse von Bildschirminhalten und Daten-Extraktion per Programmcode, vgl. <http://www.perl.com/pub/a/2003/01/22/mechanize.html> [20.03.2007].
[14] Eine Kurzübersicht zum Pica-Format bietet <http://www.allegro-c.de/formate/kap104.htm>, eine entsprechende Zeichensatztabelle liefert <http://www.ub.uni-marburg.de/it/pica/tabellen/Pica-charset.html> [20.03.2007].
[15] Die häufigsten Begriffe (in Klammern die Zahl der Abfragen) waren: geschichte (373), weltkrieg, deutsche (81), mittelalter, ddr (78), nationalsozialismus (76), mommsen (75), revolution (73), deutschland (71), zeitgeschichte, aly (64), burgund (61), krieg (54), europa (53).
[16] Vgl. <http://www.oclc.org/research/projects/xisbn/> [20.03.2007].
[17] <http://samba.org/ftp/unpacked/junkcode/spamsum/README> [20.03.2007].
[18] Vgl. <http://www.zotero.org/> [20.03.2007].
[19] Vgl. <http://www.litlink.ch/> [20.03.2007]. Hinweis:
In den Texten der Artikel wird der Unicode-Zeichensatz verwendet.
Falls Ihr Browser nicht automatisch die richtige Codierung einstellt,
d.h. wenn die deutschen Extrazeichen nicht korrekt angezeigt werden,
drücken Sie bitte den Reload-Knopf (Refresh oder Aktualisieren)
oder ändern Sie die Zeichensatz-Einstellung selbst unter Ansicht -> Codierung -> Unicode (UTF-8). |