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Band 7 • 2005 • Teilband II

ISBN 3-86004-199-1

Geschichte und Neue Medien in Forschung, Archiven, Bibliotheken und Museen

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Portale und Verzeichnisse

 

Archivbenutzung international
Anforderungen an Archivportale auf nationaler und internationaler Ebene

Uhde, Karsten

In jeder Woche erreichen die Archivschule per E-Mail diverse Anfragen zum deutschen Archivwesen, wie zum Beispiel die Folgenden:

  • Da fragte beispielsweise vor etwa einem Jahr ein Modellbauer aus den USA an, wo er Photos eines bestimmten deutschen Zerstörers aus dem Zweiten Weltkrieg finden könne, da er sein Modell dieses Schiffes mit dem originalgetreuen Tarnanstrich anmalen wolle.
  • Eine andere E-Mail richtete eine Studentin an uns, mit der Frage, wo man zu dem Thema „Frauenwahlrecht“ Unterlagen finden könne, da sie eine Seminararbeit darüber schreiben solle.
  • Kürzlich wurden wir angeschrieben, weil ein Forscher quasi bundesweit nach Beispielen von frühen Zeitungen suchte und erfahren wollte, in welchen Archiven diese wohl am ehesten anzutreffen seien oder ob es eventuell sogar eine zentrale Sammelstelle für so etwas gäbe.
  • Oder es wurde uns die Frage gestellt, wo man die Personalakte des Stationsvorstehers des Jahres 1873 in Stolzenfels bei Koblenz findet.
  • Schließlich darf in einer solchen Beispielsammlung die fast schon klassisch zu nennende genealogische Anfrage aus Übersee nicht fehlen, in der Daten über den Ur-Ur-Großvater gesucht wurden, der in „CASELHESSE, CASSEL, GERMANY“ lebte (gemeint war Kassel im Kurfürstentum Hessen-Kassel).
  • Zum Schluss eine der kürzesten, diesmal aus Brasilien, die wortwörtlich lautete: „In welche Land liegt Preußen?“

Diese Liste der Anfragen ließe sich in vielerlei Hinsicht erweitern, doch reichen die genannten aus, um einerseits die Vielfältigkeit zu dokumentieren, andererseits aber auch ihre wichtigsten Typen zu repräsentieren.

Warum aber, so fragt man sich, richten die BenutzerInnen ihre Anfragen überhaupt an die Archivschule? Der Hauptgrund dürfte in den meisten Fällen darin zu suchen sein, dass es einerseits kein deutsches Archivportal gibt, dass andererseits die Archivschule mit ihrer einfachen Linksammlung zu deutschen Archiven im Internet offenbar als eine Stelle angesehen wird, die auch die Fragen beantworten kann, die durch diese Links nicht beantwortet werden können. Die meisten NutzerInnen wissen, dass die Archivschule Marburg keine eigenen Archivalien hat, weshalb die Anfragen, die sich allgemein auf das deutsche Archivwesen beziehen oder mit der Suche nach einem Archiv oder einer Archivalie in Verbindung stehen, bei uns sicherlich überdurchschnittlich häufig auftreten.

Bei Gesprächen mit KollegInnen hat sich zudem gezeigt, dass auch die Archive selbst oft mit derartigen Fragen konfrontiert werden, wobei in einigen Fällen deutlich wurde, dass dieselben Anfragen, die die Archivschule erreichten, offenbar gleichzeitig an eine ganze Reihe von Stellen versandt wurden, weil sich die AbsenderInnen davon einen größtmöglichen Erfolg versprachen. Anders gesagt: Man kann davon ausgehen, dass bei vielen dieser E-Mails gleichzeitig in Deutschland mehrere ArchivarInnen versuchen, sie zu beantworten, was insgesamt gesehen eine erhebliche unsinnige Belastung für die Archive bedeutet, und zumeist ohne große Aussicht auf Erfolg für die AbsenderInnen ist. Es dürfte also im Interesse sowohl der ArchivarInnen als auch der BenutzerInnen liegen, wenn es im Internet ein Angebot gäbe, das möglichst umfassend über die Archive, ihre Bestände und Zuständigkeiten informiert und zwar so übergreifend wie möglich, also mit einem Archivportal auf nationaler oder gar darüber hinaus auf internationaler Ebene.

Unter Portal soll im Folgenden ein Internet-Angebot verstanden werden, das den NutzerInnen zu einem bestimmten Bereich – hier also den deutschen Archiven – den Zugang erleichtert, indem es aus der schier unüberschaubaren Informationsfülle im Netz die relevanten Seiten herausfiltert, nach bestimmten Kriterien sortiert anbietet, durch Kommentare und Zusatzinformationen anreichert und Recherchemöglichkeiten bietet. Es kann aber nicht alle Inhalte, die es zu vermitteln gilt, selbst bereitstellen, sondern wird zum größten Teil auf bestehende Webseiten verweisen. Ein deutsches Archivportal wäre dabei ein so genanntes vertikales oder Fachportal auf nationaler Ebene und damit mehr als eine reine Linkliste, wie wir sie in Marburg anbieten, oder die bereits bestehenden regionalen Portale. Da es ein solches Portal auf nationaler Ebene noch nicht gibt, soll nachfolgend der Frage nachgegangen werden, was ein solches beinhalten könnte und in wie weit die bisher geschaffenen Portale hierbei als Vorbild dienen können. Zum Schluss wird noch ein kurzer Blick auf die Frage nach einem internationalen Portal gerichtet.

Regionale und andere Vorbilder

Sehen wir uns also zuerst einmal an, welche Portale es auf der regionalen Ebene bereits gibt.

Zunächst sind diejenigen zu nennen, die auf den heutigen politischen Grenzen der Bundesländer beruhen. Zu ihnen zählt zum Beispiel das bereits erwähnte Portal der Archive in Nordrhein-Westfalen. [1]

In ihm sind nicht nur die Archive mit ihren Adressen und weiteren Informationen zu ermitteln, sondern es ist auch auf der Ebene der Bestände eine landesweite Recherchefunktion eingebaut, die sehr gute Ergebnisse liefert. Darüber hinaus bietet das Portal weitere Funktionen, die sich zum größeren Teil an ArchivarInnen richten, zum Teil aber auch für ArchivnutzerInnen von Interesse sein können, wie zum Beispiel einzelne thematische Findmittel oder die Adressen der Archive in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Daneben gibt es einzelne Portale, die zumindest für eine bestimmte Archivart einen Überblick bieten, wie zum Beispiel das Archivportal der staatlichen Archive Sachsens [2] oder das Portal der Arbeitsgemeinschaft niedersächsischer Kommunalarchivare (ANKA). [3] In beiden Fällen konzentriert man sich entsprechend dem Betreiber des Portals jeweils nur auf eine Art von Archiven, während auf die übrigen im Bundsland liegenden Archive allenfalls am Rande mit einem Link verwiesen wird. Schließlich ist mit dem Portal ARGEALP [4] auch schon eines im Netz, das über die heutigen staatlichen Grenzen hinweg einen geografischen Raum in den Blick nimmt, nämlich den der Alpenregion. Hierbei wird allerdings wiederum nur auf die staatlichen Archive innerhalb Süddeutschlands, Norditaliens, Westösterreichs und der Ostschweiz verwiesen. Auch bei diesem Portal gibt es eine Recherchefunktion auf Bestandsebene, doch ist diese leider nur wenig brauchbar, da einige Archive keine Bestände auflisten oder nur einen Teil, während andere alle ihre Bestände ins Netz gestellt haben. Diese regionalen Portale werden schließlich durch Linklisten ergänzt, wie die der Archivschule [5] , der Evangelischen Kirchenarchive [6] oder die der Fachgruppe 7 des VdA - der Universitätsarchive. [7]

All diese Listen und selbst ein Teil der regionalen Portale bieten jedoch nur die wichtigsten Daten über die einzelnen Archive. Es werden weder allgemeinere Fragen zum Archivwesen beantwortet, noch kann auf der Ebene der Bestände oder gar darunter recherchiert werden. Es stellt sich weiter die Frage, ob es in anderen Ländern vergleichbare nationale Archivportale gibt und was diese den BenutzerInnen bieten.

Ein Blick auf die deutschsprachigen Nachbarstaaten bringt folgendes: Für die Schweiz bietet der Verein Schweizerischer Archivarinnen und Archivare (VSA) im Internet eine Liste der Archive in der Schweiz und Liechtenstein an. [8] Es werden jeweils die wichtigsten Adressen aufgelistet, es gibt Links zu den entsprechenden Webauftritten der Archive und schließlich eine Liste mit Literatur über das jeweilige Haus. Für Österreich bietet das Österreichische Staatsarchiv [9] etwas ähnliches an, doch beschränkt man sich hier auf die Adressen, Telefon- und Faxnummern und den Link zum Internet-Auftritt, sofern er vorhanden ist.

Geografisch etwas weiter entfernt bietet das norwegische Portal „Arkivnett Norge“ [10] neben den üblichen Links und einer Liste der in Norwegen vorhandenen Archive auch weiterführende Informationen, die sich ausdrücklich sowohl an die ArchivarInnen als auch an die NutzerInnen wenden. Es versteht sich als ein Medium, das auf die Archive und Archivalien hinführt. Noch stärker wenden sich niederländische Portale an die BenutzerInnen. Während das niederländische „Archiefnet“ [11] , das das gesamte niederländische und das flämische Archivwesen zum Gegenstand hat, noch eine Adressen- und Linkliste ist, werden zum Beispiel beim „FriesArchiefNet“ [12] neben den Links zu den Archiven und einem kleinen Ausblick auf den Rest der Welt auch viele Hinweise für die BenutzerInnen gegeben, und zahlreiche Links verbinden das Portal mit historisch ausgerichteten Angeboten. Es ist geplant, auch das Archiefnet in diese Richtung auszubauen.

Die Liste ließe sich noch erweitern, doch muss an dieser Stelle der kleine Blick über den deutschen Tellerrand hinaus genügen und zusammenfassend festgestellt werden, dass es in mehreren europäischen Ländern bereits nationale Archivportale gibt, die allerdings recht unterschiedliche Inhalte bieten und sich zudem zum Teil auch eher als Portal für die ArchivarInnen verstehen.

Archivportal Deutschland – einige Überlegungen

Nach Betrachtung der regionalen, deutschen und der nationalen Portale in anderen Ländern stellt sich die Frage, wie ein deutsches Archivportal aussehen könnte. Ohne hier auf die Einzelheiten eingehen und ohne einem potentiellen zukünftigen Betreiber eines solchen Portals eine Art „Pflichtenheft“ vorlegen zu wollen oder zu können, sollen im Folgenden einige Punkte hervorgehoben werden, die idealer Weise berücksichtigt werden sollten. Dabei scheint es zunächst einmal wichtig, festzuhalten, dass ein solches Portal im Gegensatz zu einigen Beispielen in anderen Ländern nicht als Informationsmedium für ArchivarInnen, also nicht als berufsinternes Kommunikations- und Informationsmittel dienen soll, sondern ausdrücklich die alleinige Aufgabe haben sollte, die potentiellen NutzerInnen der Archivalien so gezielt wie möglich auf ihr Ziel hinzuleiten.

Um die dazu erforderlichen Inhalte und Funktionen an dieser Stelle zumindest grob zu formulieren, lohnt ein Blick zurück auf die eingangs genannten E-Mails. Wenn man die in ihnen auftretenden Anfragen versucht zu typisieren, dann ergeben sich zumindest folgende vier Varianten:

  1. Die BenutzerInnen suchen bestimmte Archivaliengattungen übergreifend und unabhängig von der geografischen Lage und Zuständigkeit des Archivs. (Zeitungen)
  2. Es werden alle Unterlagen zu einem bestimmten Ort, einer Person oder einem konkreten Gegenstand gesucht, wobei den NutzerInnen unbekannt ist, in welchem Archiv solche zu finden sind. (GenealogInnen)
  3. Es werden konkrete einzelne Archivalien gesucht, von denen aber unbekannt ist, in welchem Archiv sie überliefert sind. (Tarnanstrich)
  4. Darüber hinaus sollte nicht unterschätzt werden, wie oft einfach nur der Kontakt zu einem Archiv gesucht wird, also Adressen, Telefonnummern und ähnliches.

Soll ein Portal zumindest diese vier Typen berücksichtigen, dann muss es meines Erachtens folgende Inhalte bieten:

  • Eine vollständige Liste der Archive in Deutschland, verlinkt mit dem entsprechenden Internetangebot des Archivs, soweit dieses bereits vorhanden ist. Ein Beispiel hierfür ist das Portal von Christian Wortmann über die Staatsarchive in Deutschland [13] , in dem auch eine Liste aller deutschen Archive abrufbar ist. Die Daten hierfür stammen wohl aus der Datenbank des Ardey Verlags, aus dem auch das Buch und die CD-Rom „Archive in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ [14] erstellt wurden.
  • Die Beständeübersichten möglichst aller Archive, verbunden mit einer Suchfunktion mit Volltextrecherche. Auch hierfür gibt es bereits ein Beispiel im Netz, nämlich innerhalb des NRW-Portals.
  • Eine Liste aller Orte in Deutschland, verbunden mit den Hinweisen, welche Archive auf welcher Ebene für diesen Ort zuständig sind. Diese Daten sind meines Wissens nicht online vorhanden und ihre Erhebung und Digitalisierung würde sicherlich auch den größten Aufwand bei der Erstellung des Portals bedeuten.

Ein Portal lebt aber nicht von seinen Datenbanken allein, auch wenn diese logischerweise das Fundament sind, auf dem es basiert. Die Qualität eines nationalen Portals ist mindestens ebenso abhängig von den Funktionen, die den NutzerInnen zur Verfügung stehen. Deshalb sollte es basierend auf den genannten Datenbanken folgende Funktionen beinhalten:

  • Die Suche nach einem Archiv, und zwar alphabethisch nach dem Namen des Archivs und/oder nach dem Ort. Als Suchergebnis sollten zu allen Archiven die Grundinformationen angezeigt werden, etwa in dem Maße, wie sie für das NRW-Portal zusammengestellt wurden. Dies sollte die grundlegende Funktion überhaupt zu sein, um die sich die anderen Recherchemöglichkeiten gruppieren. Ähnlich wie beim dem NRW-Portal sollte die Pflege der Daten selbst den einzelnen Archiven ermöglicht werden, soweit diese technisch dazu in der Lage sind. Gleichzeitig sollte von hier aus auf die bereits vorhandenen extern verwalteten Homepages der Archive verwiesen werden.
  • Es sollte möglich sein, nach einzelnen Archivsparten zu suchen. Diese Funktion basiert auf derselben Datenbank wie die erste Funktion.
  • Es sollte eine Möglichkeit geben, archivübergreifend in den Beständeübersichten aller Archive zu suchen, wobei diese Suche auch nach Regionen oder Archivtypen eingegrenzt werden können sollte. Dies ist die zweite zentrale Funktion des Portals. Mit ihr wird die überregionale Suche nach inhaltlichen Gesichtspunkten möglich. Dazu ist es nötig, dass die Beständeübersichten der einzelnen Archive in einem zumindest annähernd gleichmäßigen Aufbau vorhanden sind.
  • Es sollte auch möglich sein, über Karten zu navigieren. Dabei sollte neben den heutigen politischen Grenzen auf den verschiedenen Stufen, also Bund, Land, Regierungsbezirk und Kreis, auch die historische Entwicklung einzelner Regionen aufgezeigt werden, wenn dies in Hinblick auf die Erklärung der Zuständigkeit der heutigen Archive sinnvoll ist. Diese Funktion scheint mir eine wichtige Ergänzung zu den zuvor genannten textbasierten Suchmöglichkeiten zu sein und ist vor allem in Hinblick auf die historische Dimension wichtig, denn diese kann mit Text nicht einmal annähernd beschrieben werden. Ich möchte dies am Beispiel Preußens demonstrieren, da es bereits beim Internetangebot des Geheimen Staatsarchivs / Preußischer Kulturbesitz realisiert wurde. [15] Dabei wird mit Hilfe von Karten verdeutlicht, welche einzelnen Territorien zu Preußen gehörten, unterteilt in zwei Zeitabschnitte. Die Karte ist verbunden mit Hinweisen auf die für diese Gebiete relevanten Bestände. So ist es den zukünftigen BenutzerInnen möglich, ihre Suche einzugrenzen.
  • Langfristig sollte ein Ausbau der Recherchemöglichkeit auf die online vorhandenen Findmittel möglich sein. Es ist klar, dass es noch sehr lange dauern wird, bis auch nur die Hälfte der archivischen Findmittel online vorliegen wird. Dennoch sollte diese Funktion so bald als möglich integriert werden können. Wie so etwas organisiert werden kann, zeigt das Beispiel der Research Library Group (RLG) [16] , die inzwischen mehr als 10.000 Findbücher aus aller Welt, vornehmlich aber aus Nordamerika in ihrem Datenbanksystem recherchierbar macht.

Die letzte Funktion ist die, dass es eine Suchmöglichkeit in einer Datenbank geben sollte, mit denen die NutzerInnen ermitteln können, welches Archiv für einen bestimmten Ort zuständig ist. Wie wichtig diese Funktion ist, zeigt folgendes Beispiel:

Wer sich mit einem Aspekt der Geschichte der Stadt Gießen beschäftigen will, muss je nach Thema einige der folgenden Archive benutzen:

  • Das Stadtarchiv Gießen mit den Beständen zur städtischen Verwaltung von 1325 bis zur Gegenwart.
  • Das Kreisarchiv Gießen mit den Beständen zur Kreisverwaltung ab 1945.
  • Das Universitätsarchiv Gießen mit Beständen seit dem 16. Jahrhundert.
  • Das Staatsarchiv Darmstadt in Hinblick auf die historische Überlieferung der Ortsteile, die erst im 20. Jahrhundert zur Stadt Gießen fielen, sowie die Überlieferung der Mittelbehörden bis 1981.
  • Das Staatsarchiv Marburg in Hinblick auf die Überlieferung der Mittelbehörden ab 1981, aber auch für die Überlieferung bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts.
  • Das Staatsarchiv Wiesbaden in Hinblick auf die Ministerialüberlieferung des Landes Hessen seit 1946.
  • Das Bundesarchiv in Hinblick auf die Ministerialüberlieferung auf Reichs- und Bundesebene und die für Gießen wichtige Militärgeschichte.
  • Das Zentralarchiv der Evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau in Darmstadt für die evangelische kirchliche Überlieferung.
  • Das Archiv der Erzdiözese Mainz für die katholische Überlieferung.

Auf die Relevanz all dieser Archive sollten die BenutzerInnen hingewiesen werden.

Zu diesen sechs Funktionen sollten weitere Angebote kommen, die ich hier zunächst einmal als Informationen zur Benutzerberatung bezeichnen will. Dazu gehören meines Erachtens:

  • Grundlegende Hinweise über die Arbeit in Archiven, unter Umständen ergänzt durch differenziertere Angaben für einzelne Nutzergruppen wie zum Beispiel SchülerInnen, GenealogInnen und ortshistorisch interessierte ForscherInnen.
  • Eine kleine Quellenkunde, die vor allem den Laien die Einschätzung der in den Internet-Seiten der Archive genannten Archivalien erleichtern soll.
  • Ein Glossar, mit dem die archivischen Fachbegriffe erklärt werden, vor allem die, die im Zusammenhang mit der Benutzung wichtig sind.
  • Links zu den Internetangeboten verwandter Bereiche, seien es Bibliotheken, Dokumentationsstellen, Museen oder historisch ausgerichtete Portale.

Zum Schluss dieser Aufzählung sollte ein meines Erachtens zentraler Punkt nicht vergessen werden: Wenn ein nationales Archivportal Sinn machen soll, dann sollten die wichtigsten Seiten und alle Suchfunktionen zumindest auch in englischer Sprache angeboten werden, da es sicherlich sehr häufig von fremdsprachigen BenutzerInnen frequentiert werden wird. Sicherlich kann man sich noch weitere Funktionen eines deutschen Archivportals vorstellen.

Ich möchte es an dieser Stelle aber bei den genannten bewenden lassen und lieber noch einen Ausblick anderer Art geben. Bedingt durch die deutsche Geschichte ist der Raum, der zu Deutschland, dem Deutschen Reich oder dem Heiligen römischen Reich deutscher Nation gehörte sehr unterschiedlich und reicht weit über die heutigen Grenzen hinaus. So ergeben sich zahlreiche Forschungsinteressen, die die Zuständigkeiten der heute existierenden deutschen Archive überschreiten. Für solche Themen wäre ein internationales Archivportal von großem Interesse. Zunächst fällt dazu den meisten wohl das von Axel Plathe betreute UNESCO-Portal [17] ein. Hier wird weltweit auf Archive und archivrelevante Internetseiten verwiesen, und so wertvoll diese Liste schon wegen ihrer weltweiten Ausrichtung ist, so zeigen sich hier natürlich auch schnell die Grenzen. Das UNESCO-Portal ist über weite Strecken eine Linkliste und kann in Hinblick auf den allein dafür nötigen Zeitaufwand bei der Pflege der Seiten auch nichts darüber hinaus sein. Es richtet sich bei allen übrigen Informationen zudem vor allem an die ArchivarInnen selbst, nicht so sehr an die BenutzerInnen. Es kann diesen also viele der zuvor genannten Funktionen nicht bieten, vor allem aber nicht die Berücksichtigung der historischen Dimension der Archivbestände und Archivsprengel. Neben dem UNESCO-Portal gibt es einige reine Linklisten, wie zum Beispiel die „Repositories of Primary Sources“ [18] , die in diesem Sinne ebenfalls nicht die Anforderungen erfüllen, die man an ein Archivportal richten sollte.

Aufgrund dieser Schwierigkeiten erscheint es mir sinnvoller, eine weitere Stufe zwischen die nationalen Portale, wie es sie zumindest in Europa bereits in Ansätzen gibt, und das weltumspannende Portal der UNESCO, das als Linkliste weiter existieren sollte, zu schalten und ein Angebot zu schaffen, in dem den BenutzerInnen die Archive einzelner, historisch zusammenhängender Regionen Europas präsentiert werden. Dabei würden die deutschen Archive in einem mitteleuropäischen Portal integriert werden, Teile der deutschen Archivlandschaft aber beispielsweise auch wegen der vielfältigen Verbindungen mit Dänemark und Schweden in einem skandinavischen Archivportal. Auf dieser Ebene sollten dann die groben historischen Zusammenhänge und die daraus resultierenden Überlieferungsorte und Archivsprengel recherchierbar sein, und von dort aus dann nur noch Links zu den jeweiligen nationalen oder regionalen Portalen gelegt werden. So geleitet, könnten alle NutzerInnen weltweit die sie interessierenden Archive und Archivalien ermitteln.

Dr. Karsten Uhde ist Dozent an der Archivschule Marburg.


[1] <http://www.archive.nrw.de>. Die Links stellen – soweit nicht anders angegeben – den Stand vom 4.10.2005 dar.

[2] <http://www.sachsen.de/de/bf/verwaltung/archivverwaltung/index.html> (Stand 2003).

[3] <http://www.anka-online.net>.

[4] <http://www.archiv-argealp.de>.

[5] <http://www.archivschule.de/content/59.html>.

[6] <http://www.ekd.de/archive/deutsch/mitglied.htm#Archive>.

[7] <http://www.verwaltung.uni-mainz.de/archiv/html/adressen.htm>.

[8] <http://www.staluzern.ch/vsa/>.

[9] <http://www.oesta.gv.at/deudiv/arch_oe.htm>.

[10] <http://www.kulturnett.no/>.

[11] <http://www.archiefnet.nl/>.

[12] <http://www.friesarchiefnet.nl/>.

[13] <http://www.c-wortmann.de/staatsarchive/index.html>.

[14] Archive in der Bundesrepublik Deutschland, Österreich und der Schweiz, Münster 2002.

[15] <http://www.gsta.spk-berlin.de/content/content/recherche/geogr_suche.php>.

[16] <http://www.rlg.org/>.

[17] <http://www.unesco.org/webworld/portal_archives/>.

[18] <http://www.uidaho.edu/special-coolections/other.repositories.html>.


... Und jetzt die Findbücher
Der Ausbau des Portals www.archive.net

Black-Veldtrup, Mechthild

Wenn ArchivarInnen über ihre BenutzerInnen und die Möglichkeiten des Internets nachdenken, dann stellen sich sofort mehrere Fragen: Wie können wir unsere bestehenden Informationsmöglichkeiten ins Internet bringen? Wie nah können wir den BenutzerInnen die in den Archiven verwahrten Quellen bringen? Wo bietet das Internet einen Mehrwert für die BenutzerInnen, den die ArchivarInnen in den bisherigen papier- und lesesaalbasierten Benutzungsformen nicht bieten konnten? Dieser Aufsatz wird am Beispiel des Portals archive.nrw.de versuchen, diese Fragen zu beantworten. [1]

Archivische Informationsangebote im Internet werden allgemein in vier Stufen eingeteilt. Man unterscheidet:

  1. allgemeine Informationen, das heißt etwa zu Adresse und Öffnungszeiten, Zuständigkeitsbereich, Publikationen des Archivs usw.;
  2. Beständeübersichten, das heißt die obere der beiden Erschließungsebenen. Im Allgemeinen handelt es sich im Vor-Internet-Zeitalter um ein Buch mit summarischen Beschreibungen der einzelnen Bestände und mit Hinweisen auf vorhandene Findbücher;
  3. Ganze Findbücher als dritte Ebene des archivischen Internetangebots;
  4. Archivalienabbildungen als die vierte.

Nordrhein-Westfalen hat seit 1998 ein gemeinsames Internetportal für 430 Archive: die vier Staatsarchive des Landes sind beteiligt, alle 400 Kommunalarchive, die Kirchenarchive und einige Wirtschaftsarchive. Angesichts der Größe des Landes und angesichts der Zahl der Archive war das im Jahre 1998 eine Pionierleistung, die nur aufgrund der politischen Gegebenheiten möglich war: Die Kommunalarchive machen den Löwenanteil unter den beteiligten Archiven aus, und allein die Tatsache, dass man damals nicht alle 400 Stadtarchive, Kreisarchive und Gemeindearchive einzeln, sondern die beiden Archivämter für das Rheinland und Westfalen ansprechen konnte, die hier eine Bündelungsfunktion wahrnehmen, machte dieses Unternehmen möglich. Die meisten anderen Bundesländer haben inzwischen nachgezogen, und Baden-Württemberg erprobt darüber hinaus noch andere Formen des Informationsverbundes im Internet, über die Gerhard Maier in seinem Beitrag zu diesem Tagungsband geschrieben hat.

Die beiden Kernstücke des Systems sind erstens die allgemeinen Seiten der einzelnen Archive, deren Informationsgehalt meist dem des sonst üblichen gedruckten Flyers entspricht, und zweitens die Beständeübersichten der beteiligten Häuser. Innerhalb der oben genannten Klassifizierung archivischer Informationsangebote im Internet befindet sich archive.nrw.de demnach auf der zweiten von vier möglichen Ebenen.

Im Bereich der Kommunalarchive war 1998 der glückliche Umstand gegeben, dass die Archivführer für Westfalen und das Rheinland halbwegs druckfrisch auf dem Markt waren und somit die Grundlage für die Beständeübersichten aller 400 Kommunalarchive bilden konnten. Das war eine Ausgangssituation, die günstiger in keinem anderen Bundesland gegeben war, und hatte zur Folge, dass man die Beteiligung an dem System für jedes weitere Archiv mit der Anforderung verbinden konnte, außer den jeweiligen allgemeinen Seiten grundsätzlich auch die Beständeübersicht einzustellen. Das Ergebnis ist ein Verbundsystem mit einem vergleichsweise gleichmäßigen Informationsgehalt, wenn auch die Qualität der Beständeübersichten der einzelnen beteiligten Archive durchaus schwankt.

archive.nrw.de ist in seiner jetzigen Form ein Verbundsystem. Das bedeutet, dass für BenutzerInnen nicht nur ein Portal, sondern übergreifende Recherchemöglichkeiten zur Verfügung stehen, mit der alle Dokumente, die allgemeinen Seiten und die Beständeübersichten durchsucht werden können. Darüber hinaus können die Inhalte unter einer einheitlichen Oberfläche navigierend, also von Link zu Link oder von Datensatz zu Datensatz (je nachdem, wo man sich befindet), recherchiert werden. Für die Beständeübersichten heißt das, dass BenutzerInnen darin wie in dem gedruckten Buch von Beständebeschreibung zu Beständebeschreibung navigieren können.

Seit 1998 ist das Internetportal gepflegt und inhaltlich gefüllt worden, und zwar insbesondere mit ergänzenden Informationen, die mit „Internkommunikation unter ArchivarInnen“ vielleicht am treffendsten beschrieben werden können:

  • Es gibt eine umfangreiche Adressenliste deutscher und ausländischer Archive (die natürlich auch für BenutzerInnen interessant ist).
  • Regelmäßig werden die beiden archivfachlichen Zeitschriften „Archivpflege in Westfalen und Lippe“ und „Der Archivar“ in Teilen veröffentlicht.
  • Veröffentlichungen wie Tagungsbände, Vorträge und Aufsätze zum Beispiel zu digitalen Unterlagen und zu ZwangsarbeiterInnen wurden bisher ins Netz gestellt.
  • Außerdem wurden Gesetze und Verordnungen zum nordrhein-westfälischen Archivwesen publiziert.
  • Es gibt darüber hinaus eine Rubrik mit aktuellen Mitteilungen, die von allen beteiligten Archiven gepflegt wird.

Hierbei ist interessant, dass das System in einem Teil am stärksten genutzt und ausgebaut wurde, der ursprünglich gar nicht an erster Stelle stand: es sind die archivübergreifenden allgemeinen Informationen, die am stärksten erweitert wurden, weniger die auf das einzelne Archiv bezogenen Angebote.

Das System könnte, rein technisch betrachtet, noch eine Menge mehr, es könnte nämlich auch durchaus benutzerorientierter eingesetzt werden. Hier liegen tatsächlich noch echte Desiderate. Technisch wäre es seit der letzten Ausbaustufe kein Problem, zum Beispiel Abschriften von Kirchenbüchern oder andere Auswertungen ins Netz zu stellen, die GenealogInnen oder LokalforscherInnen gezielt ansprechen; technisch betrachtet wäre es auch kein Problem, digitale Ausstellungen einzustellen oder etwa paläografische Hilfen anzubieten, wie das Staatsarchiv Münster es gerade plant. [2] Inhaltliche Anregungen, was man alles machen könnte, bieten unsere niederländischen Nachbarn in Hülle und Fülle. Dass das NRW-Internetportal bisher für die Öffentlichkeitsarbeit der Archive so wenig genutzt wird, liegt sicher nicht daran, dass Archive keine Öffentlichkeitsarbeit betreiben, und es liegt auch nicht daran, dass ArchivarInnen ausgebildete InformatikerInnen sein oder als vierte Fremdsprache HTML beherrschen müssten. Hier haben wir wahrscheinlich ein Problem der Vermittlung der Möglichkeiten, und daran ist noch zu arbeiten.

Die Nachfrage nach dem System von Benutzerseite jedenfalls ist immer noch beeindruckend: Inzwischen werden monatlich über 40.000 Besuche registriert, bei denen mehr als eine Million Seiten aufgerufen werden. Diese Zahlen steigen mehr oder weniger kontinuierlich. Dabei verdoppelt bis verdreifacht sich die Nachfrage jährlich. Das belegt eindrucksvoll die Akzeptanz des Systems, und es belegt auch, dass es sich lohnen würde, den Informationsausbau voranzutreiben.

Zukunftsperspektiven

Wohin soll die Erweiterung nun gehen? Aus politischer Sicht passt das Internetportal in die eGovernment-Programme, die derzeit auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene aufgelegt werden: Hier können BürgerInnen Online-Dienste der Verwaltungen in Anspruch nehmen, und man könnte sich im Rahmen des Systems den Service für die BürgerInnen durchaus noch größer denken: wenn nämlich auch Findbücher recherchierbar wären, wenn Archivalien online in die Lesesäle bestellbar wären oder Archivalienabbildungen manchen BenutzerInnen einen Archivbesuch sogar ersparten. In diesen Rahmen fügt sich, dass das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport, dem die NRW-Staatsarchive als nachgeordnete Behörden unterstehen, mit den Beteiligten des ehemaligen Internet-Projekts Kontakt aufgenommen hat, um die Zusammenarbeit im Hinblick auf den Ausbau des Systems auf die Findbuchebene neu zu beleben. Inzwischen entsteht ein Fachkonzept für eine entsprechende Ausschreibung.

Auch aus fachlicher Sicht ist es nur konsequent, nach den Beständeübersichten als erster Einstiegsebene für die BenutzerInnen nun die Findbücher online bereitzustellen. Dieses Ziel wird im Übrigen auch von außen an die Archive herangetragen: Sigrun Eckelmann, Programmdirektorin bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), hat kürzlich gefordert, „so rasch wie möglich die Findbücher im Netz zu präsentieren“. [3] Im anglo-amerikanischen Bereich sind mit Hilfe des Präsentationsformats EAD (Encoded Archival Description) bereits beachtliche Erfolge zu verzeichnen: Die einheitliche Kodierung von Findbüchern und ihre Präsentation im Internet führt zu bestands- und archivübergreifenden Recherchemöglichkeiten für BenutzerInnen. [4] Von den Beteiligten des Internet-Projekts in den 1990er-Jahren war das Ziel, die Findbücher in das Internetportal einzubauen, durchaus auch bereits in den Blick genommen worden, an eine Umsetzung war damals aber kurzfristig nicht zu denken. Die Gründe dafür sind allein technischer Art. Anders als in Amerika liegen die Findbücher hierzulande nicht überwiegend als Textdateien vor, sondern es sind vier ganz unterschiedliche Trägermaterialien zu berücksichtigen: Datenbankformate, Textdateien, maschinenschriftliche und handschriftliche Findbücher. ArchivbenutzerInnen wissen von diesem historisch gewachsenen Chaos im Hinblick auf das äußere Erscheinungsbild von Findbüchern Lieder mit sechzehn Strophen zu singen. Die wenigsten Kopfschmerzen bereiten natürlich die Findbücher, die in Datenbankformaten vorliegen. Die gängigen archivischen Verzeichnungssysteme, und das sind seit vielen Jahren Datenbanken, haben inzwischen Internetschnittstellen, mit denen Findbücher im Netz präsentiert werden können. Der Haken dabei ist nur, dass die meisten archivischen Findbücher eben nicht im Datenbankformat vorliegen, sondern zu den anderen drei großen Gruppen gehören. Für Textdateien und maschinenschriftliche Findbücher wird zur Zeit im Rahmen des von der DFG geförderten Projekts „Entwicklung von Werkzeugen zur Retrokonversion archivischer Findmittel“ [5] ein Softwaretool entwickelt, das die retrospektive Digitalisierung automatisch oder halbautomatisch ermöglichen wird. [6] Das Tool wird für deutsche Archive zu vergleichsweise günstigen Konditionen nachnutzbar sein, so dass damit erstmals die Chance besteht, ältere Findbücher nicht einzeln, sondern in größeren Mengen in die archivischen Datenbanken zu überführen und von hier aus ins Internet zu stellen.

Das DFG-Projekt zielt auf einen möglichst breiten Konsens unter den Archivsparten und ist, unter Federführung des NRW-Hauptstaatsarchivs in Düsseldorf, als Kooperationsprojekt zwischen dem Bundesarchiv, den NRW-Staatsarchiven und den Kommunalarchiven, vertreten durch die beiden Archivämter im Rheinland und in Westfalen, und dem Westfälischen Wirtschaftsarchiv in Dortmund angelegt. So setzt sich die einmal im Internet-Projekt bewährte Zusammenarbeit in weiteren Vorhaben fort. Diese Konstellation zwingt jedoch noch zu einem weiteren Arbeitsschritt, nämlich der Definition eines Zielformats: Wohin mit den retrokonvertierten Daten? Sie sollen in die unterschiedlichen archivischen Datenbanken importiert und im Internet präsentiert werden. Dies erfordert ein Austauschformat für Findbuchdaten, das im Rahmen des Projekts definiert wird, es erfordert darüber hinaus aber auch die Kooperation der Software-Firmen, die entsprechende Importschnittstellen programmieren müssen. Das DFG-Projekt ist auf zwei Jahre angelegt und läuft bis zum Sommer 2003. Dann werden Ergebnisse vorliegen. Ab Herbst 2003 wird damit eine Möglichkeit für alle Archive existieren, maschinenschriftliche und als Textdateien vorliegende Findbücher zu konvertieren bzw. konvertieren zu lassen. An dieser Stelle soll aber auch auf die Grenzen des Retrokonversions-Projekts hingewiesen werden: Im Projekt selbst wird kein Präsentationsstandard für das Internet erarbeitet, sondern es werden nur die Voraussetzungen für eine beliebige Internetpräsentation geschaffen.

Projektziele

Damit sind wir wieder beim Ausbau von archive.nrw.de: Welche Ziele werden mit dem Ausbau verfolgt? Einige wurden schon erwähnt:

  • der Ausbau bis auf die Findbuchebene,
  • die Möglichkeit, digitale Bilder von Archivalien einzubauen und
  • die Möglichkeit, Bestellungen von Archivalien in die Lesesäle der Archive online vorzunehmen.

Darüber hinaus gibt es aber weitere Desiderate, nämlich:

  • die Einbindung von sachthematischen Inventaren, also von bestands- oder sogar archivübergreifenden Findmitteln zu bestimmten Fragestellungen,
  • erweiterte und flexiblere Möglichkeiten, Informationen zu einzelnen Archivsparten wie zum Beispiel zu den Staatsarchiven oder den Wirtschaftsarchiven einzubinden,
  • die Möglichkeit der individuelleren Gestaltung der Homepages der einzelnen Archive unter dem Dach des Portals, ein häufig geäußerter Wunsch einzelner Häuser, und
  • der Erhalt der bisherigen Funktionalitäten.

Verbund oder nicht?

archive.nrw.de in seiner bisherigen Form ist ein Verbundsystem, dessen Kennzeichen erstens die Einbindung einer ganzen Archivlandschaft (das Bundesland NRW mit den wichtigsten Archivsparten) und zweitens eine übergreifende Recherchemöglichkeit sind. Die Vorteile eines solchen Verbundsystems mit dezentraler Pflege sind vielfältig.

BenutzerInnen können unter einer einheitlichen Oberfläche über eine Vielzahl von Archiven hinweg recherchieren. Sie sparen Zeit und Kosten, die sie bei verteilten Informationen auf das Surfen von Link zu Link investieren müssten. BenutzerInnen erhalten darüber hinaus einen informationellen Mehrwert, indem sie innerhalb eines zentralen Systems, an dem 430 Archive beteiligt sind, auf unerwartete Informationen stoßen können bzw. die Informationen in Archiven finden können, die sie zuvor nicht im Blick hatten. Insofern bietet ein Verbundsystem gerade auch für die mit dem Archivwesen nicht vertrauten BenutzerInnen Vorteile.

Für die Archive bestehen die Vorteile eines zentralen Systems darin, ihre Findmittel und gegebenfalls ihre digitalisierten Archivalien online präsentieren zu können, ohne eigenes technisches Know-how und ohne eigene Finanzierung einer technischen Umsetzung einbringen zu müssen.

Archivfachliche Voraussetzungen

Die Erweiterung des Systems auf die Findbuch- und die Archivalienebene ist jedoch kein ganz banales Problem, denn erstens sind Findbücher etwas anderes als Beständeübersichten. Viel mehr als Beständeübersichten sind sie und die in ihnen enthaltenen Verzeichnungseinheiten oder Archivalien kontextsensitiv. Das heißt, die einer Archivalie vorangehenden und ihr folgenden Titelaufnahmen gehören vom Kontext her in der Regel zu ihr; oft sind sie auch in Klassifikationen eingebunden, die ordnenden und strukturierenden Charakter haben und ihrerseits wieder Kontext bereitstellen. Diese Eingebundenheit einer Archivalie in ihr Umfeld muss bei der Präsentation von Findbüchern anders dargestellt werden als dies bei Beständeübersichten nötig ist. Es reicht nicht mehr aus, einzelne Datensätze am Bildschirm darzustellen und auf die vorhergehenden und folgenden Einheiten mit Pfeiltasten „voriger“ bzw. „nächster“ Datensatz zu verweisen. Dies hat Auswirkungen sowohl auf die Präsentation der Findbücher für einen navigierenden Zugriff wie auf die Darstellung von Suchergebnissen nach einem recherchierenden Zugriff der BenutzerInnen über eine Suchmaschine. Ein Beispiel für die geglückte Darstellung von Navigationsmöglichkeiten im Findbuch ist Midosa-online. [7] Die Findbuchpräsentation, wie sie in Midosa-online realisiert wurde, soll auch für archive.nrw.de beispielhaft sein. Zweitens wird das System komplexer, und die BenutzerInnen, die ja anders als bei einem Archivbesuch keinen direkten Kontakt mit sie beratenden ArchivarInnen aufnehmen können, dürfen mit den verschachtelten Hierarchien von Tektonik, Bestandsbildung und Klassifikationen nicht völlig allein gelassen werden. Sie müssen bei der navigierenden Suche und bei der Volltextrecherche stets angezeigt bekommen, wo sie sich befinden; Orientierungshilfen werden ein Rückgrat des Systems sein müssen. Drittens wird das System unvollständiger, und das muss den BenutzerInnen gesagt werden. Bisher konnten BenutzerInnen davon ausgehen, alle Beständeübersichten aller beteiligten Archive in archive.nrw.de zu finden. Diese wenigstens formale Vollständigkeit auf einer Rechercheebene wird im Hinblick auf die Findbuchebene auch in zehn Jahren nicht zu erreichen sein. In manchen Fällen wird das Angebot bis auf die digitale Abbildung von Archivalien gehen, in anderen Fällen wird es bei einem eventuell sehr dünnen Eintrag auf der Ebene der Bestandsbeschreibung bleiben, und jede Zwischenstufe ist hier denkbar. Auch die Findbücher variieren ja sehr hinsichtlich der Erschließungstiefe. BenutzerInnen werden also deutlicher als bisher darauf hingewiesen werden müssen, dass ihre Suche im Internet eine Anfrage bei einzelnen Archiven nicht in jedem Fall ersetzt. Letztlich soll das System auch komfortabel sein. Bestellfunktionen für eine Online-Bestellung im Lesesaal sind schön und passen in jedes eGovernment-Konzept, dies zu realisieren wird aber auch im Verbund eine Aufgabe der einzelnen Archive bleiben. Eine Merkzettel-Funktion ähnlich der Warenkorb-Technologie der kommerziellen Anbieter, die den BenutzerInnen einen Überblick über ihre Suchergebnisse ermöglicht, ist ein Desiderat. Eine history-Funktion erlaubt ihnen darüber hinaus, ihre assoziative Suche (auch die „Holzwege“) nachträglich nachzuvollziehen.

Fazit

Zum Schluss noch einmal zurück zu den Ausgangsfragen:

  1. Wie können wir unsere bestehenden Informationsmöglichkeiten ins Internet bringen? Darauf gibt es zwei Antworten, eine technischer und eine inhaltlicher Art. Die technische Antwort ist, dass wir in einer großen Kraftanstrengung erst einmal den größeren Teil unserer Informationsangebote, nämlich die Findbücher, datenbankfähig und damit online-fähig und recherchierbar machen müssen. Ich habe in diesem Zusammenhang das Retrokonversionsprojekt der DFG erwähnt, das eine Lösung wenigstens für einen Teil der Vorlagen bietet. Dieses Projekt ist nicht ganz zufällig in Nordrhein-Westfalen angesiedelt, wo die erste Portallösung im Verbundsystem für Archive entstand. Dass das Problem indessen ein allgemeines, archivspartenübergreifendes und zudem archivlandschaftsunabhängiges ist, zeigt zum Beispiel die Beteiligung des Bundesarchivs. Der inhaltliche Teil der Antwort ist der, dass ArchivarInnen versuchen, den BenutzerInnen die einzelne Archivalie und die hierüber vorhandenen Erschließungsinformationen nach wie vor im Kontext ihres Entstehungszusammenhangs zu präsentieren. Hier bleiben Archive sich überwiegend auch im Internet-Zeitalter treu: Wenn auch die BenutzerInnen einzelne Archivalien für ihre jeweilige Fragestellung benötigen, bieten ihnen die Entstehungszusammenhänge zusätzliche Informationsebenen, die zu verdeutlichen und zu erhalten eine Aufgabe der ArchivarInnen unabhängig von Papier- oder Online-Darstellung bleibt. ArchivarInnen stehen jedoch im Internet-Zeitalter deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung, diese Zusammenhänge intuitiv erfassbar zu machen.
  2. Wie nah können den BenutzerInnen die in den Archiven verwahrten Quellen gebracht werden? Natürlich ist es technisch möglich, jede in den Archiven vorhandene Archivalie online im Bild zu präsentieren und damit jeden Archivbesuch und jede Archivreise überflüssig zu machen. Ist das aber sinnvoll? Ich frage nicht einmal als erstes, ob das bezahlbar ist. In der Regel wird jede Archivalie durchschnittlich einmal in 26 Jahren angefordert. Das heißt, dass es Archivalien gibt, die drei mal im Jahr, und andere, die bisher noch nie bestellt wurden. Der pragmatische Ansatz wird sein, dass Archive zunächst solche Bestände digitalisieren, die stark nachgefragt sind. Das ist der Weg, den die Archive ja auch bereits bei der Herstellung von Mikrofilmen und Mikrofiches gegangen sind. Wenn wir ein Prozent der Archivalien, wie Hartmut Weber seit langem prognostiziert, ins Internet gestellt haben, sind wir den bisherigen Benutzerwünschen meines Erachtens schon zu mindestens 25 Prozent entgegengekommen.
  3. Wo bietet das Internet einen Mehrwert für BenutzerInnen, den die ArchivarInnen in den bisherigen papier- und lesesaalbasierten Benutzungsformen nicht bieten konnten? Auch auf diese Frage gibt es mehrere Antworten:

    1. In den Recherchemöglichkeiten, wie eingeschränkt oder übergreifend sie auch sein mögen. Von der simplen „Suche“-Funktion eines Internet-Browsers bis zur Suchmaschine mit Trefferlisten und kontextsensitiven Trefferanzeigen kann alles als Gewinn gegenüber einer papierbasierten Beständeübersicht oder einem Findbuch ohne Index gewertet werden. archive.nrw.de bietet mit seinen differenzierten Recherche-Tools bisher bereits einen übergreifenden Zugang zu Erschließungsinformationen auf der ersten Erschließungsebene, nämlich der Beständeübersichten. Diesen Recherchezugang auch im Hinblick auf die Findbücher und die Archivalien auszubauen ist ein Ziel der Erweiterung von archive.nrw.de. Ein Aspekt im Hinblick auf den Ausbau wird dabei sein, die vorhandenen Indices zu Findbüchern, die ja mit intellektueller Leistung erstellt wurden und damit jeder automatisierten Lösung vorzuziehen sind, intelligent einzubeziehen.
    2. Einen Mehrwert bietet das Internet außerdem in den Navigationsmöglichkeiten in den Findbüchern, wie sie exemplarisch in dem DFG-Projekt „Prototyp eines online-fähigen Findbuchs“ erarbeitet wurden. [8]
    3. Darüber hinaus bietet das Internet neue Möglichkeiten, archivische Strukturen und größere Einheiten archivübergreifend bzw. in einem sinnvollen, kontrollierten Verwaltungszusammenhang wie dem heutigen Bundesland Nordrhein-Westfalen darzustellen, die BenutzerInnen und ArchivarInnen durch ein Portal geboten werden.
    4. Letztlich besteht ein Mehrwert außerdem in den Online-Bestellmöglichkeiten für Archivalien in die Lesesäle.

Was ArchivarInnen BenutzerInnen tatsächlich nicht abnehmen können, ist das Entwickeln eigener Fragestellungen, das Recherchieren nach relevanten Quellen, das Lesen dieser Quellen und die Auswertung. ArchivarInnen können jedoch Hilfestellungen anbieten beim Recherchieren. Und das tun wir.

Dr. Mechthild Black-Veldtrup war Mitarbeiterin am Nordrhein-Westfälischen Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf. Mittlerweile ist sie Leiterin des Staatsarchivs Münster.


[1] Der Aufsatz spiegelt den Stand des Projekts im Frühjahr 2003 wieder.

[2] Vgl. <http://www.archive.nrw.de/archive/script/infserv/texte/rechts.asp?nr=1&Tnr=1332>.

[3] Eckelmann, Sigrun, Die Archivförderung der DFG - Schwerpunkte und Perspektiven, in: Menne-Haritz, Angelika (Hg.), Online-Findbücher, Suchmaschinen und Portale. Beiträge des 6. Archivwissenschaftlichen Kolloquiums der Archivschule Marburg (Veröffentlichungen der Archivschule Marburg 35), Marburg 2002, S. 173-181, hier S. 177.

[4] Zu den Möglichkeiten und Grenzen beim Einsatz von EAD in deutschen Archiven vgl. die Beiträge von Anne van Camp, Kris Kiesling, Cathérine Dherent und Bernhard Grau in: Menne-Haritz (wie Anm. 2) und die Beiträge von Daniel Pitti, Seamus Ross und Mechthild Black-Veldtrup in: Black-Veldtrup, Mechthild; Dascher, Ottfried; Koppetsch, Axel (Hgg.), Archive vor der Globalisierung? Beiträge zum Symposion des Nordrhein-Westfälischen Hauptstaatsarchivs in Verbindung mit den Allgemeinen Reichsarchiven in Brüssel (Belgien) und Den Haag (Niederlande) vom 11. bis 13. September 2000 in Düsseldorf, Düsseldorf 2001.

[5] Zum Projekt, vgl. <http://www.archive.nrw.de/dok/tagung-retro/inhalt.html> und <http://www.bundesarchiv.de/imperia/md/content/abteilungen/abtb/33.pdf>.

[6] Vgl. <http://www.archive.nrw.de/dok/retrokonversion01>.

[7] Beispiele von Midosa-online Findbüchern unter <http://www.midosa.de/>. Die Präsentation ist in wesentlichen Teilen übernommen worden von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg und vom Bundesarchiv und setzt sich damit als Standard für Findbuchdarstellungen im Internet langsam durch.

[8] Vgl. <http://www.uni-marburg.de/archivschule/fv12.html> sowie meine kurze Projektvorstellung zum Thema unter <http://www.uni-marburg.de/archivschule/forum9.html#03>.


Gemeinsames Internetportal für Bibliotheken, Archive und Museen
Das BAM Portal

Maier, Gerald

Ausgangslage und Portalgedanke

Das Internet hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Informationsmedien unserer Zeit sowohl für private wie auch für wissenschaftlich arbeitende NutzerInnen entwickelt. Hierbei handelt es sich um eine Entwicklung, der sich kulturvermittelnde und kulturgutbewahrende Institutionen wie Bibliotheken, Archive und Museen auf Dauer nicht verschließen können und dürfen. Diese drei Institutionstypen haben sich in der Vergangenheit nach unterschiedlichen Prinzipien entwickelt und verwenden unterschiedliche Verfahren der Erschließung und Bereitstellung. In der modernen Informationsgesellschaft erwarten BenutzerInnen aber immer mehr eine Dienstleister übergreifende Recherchemöglichkeit bei sachthematischen Fragestellungen, so dass die Vernetzung von inhaltlich zusammenhängenden Quellen der drei Informationsdienstleister Bibliotheken, Archive und Museen eine neue Herausforderung darstellt.

Daher ist es nicht erstaunlich, dass neuerdings auch Initiativen, Programme und Projekte entstehen, die sich um eine virtuelle Zusammenführung der Bestände dieser drei Typen von Informationsdienstleistern bemühen. Insbesondere innerhalb des Aktionsplans der Europäischen Union ”eEurope” wird für die Digitalisierung des kulturellen Erbes der Aufbau eines EU-weiten länder- und spartenübergreifenden Netzwerkes für die digitale Präsentation von Kulturgut forciert.

Ein Beitrag auf nationaler Ebene in diese Richtung ist das ”Gemeinsame Portal für Bibliotheken, Archive und Museen. Ein Online-Informationssystem”, kurz BAM-Portal. [1] Bearbeitet wird dieses von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt seit Februar 2001 vom Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) [2] , der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (LAD) [3] und dem Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim (LTA). [4]

BAM-Portal Startseite <http://www.bam-portal.de>

Über die bekannten globalen Volltextsuchmaschinen wie zum Beispiel Google ist ein gezielter Zugriff auf Informationen wegen der meist zu großen Treffermenge kaum möglich. [5] Eine Lösung dieses Problems bieten Portallösungen, die einen Einstiegspunkt für bestimmte thematische Recherchen bilden. Im Rahmen des BAM-Projekts werden daher modellhaft einzusetzende technische Verfahren entwickelt, die es den drei Institutionstypen ermöglichen, ihre digitalen Ressourcen (Informationen, Erschließungsleistungen, digitalisierte Objekte) unter einem gemeinsamen Online-Portal recherchierbar zu machen.

Ausgangslage und Intention der Archive

Im Gegensatz zu Archiven und Museen sind Bibliotheken schon lange im Internet präsent, zum Beispiel über ihre OPACs (Online Public Access Catalogues) und virtuelle Bibliotheksverbünde. [6] Die Gründe dafür sind mehrschichtig:

  1. Bibliotheksgut benötigt normalerweise keine provenienz-orientierte Erschließung mit der Notwendigkeit einer tektonischen Einbindung. Für die Recherche eignen sich daher Datenbanklösungen, ohne dass eine kontextorientierte Navigation erforderlich ist.
  2. Es existieren Standards für Erschließung und Datenaustausch (zum Beispiel MAB2 [7] , Dublin Core [8] , Z39.50 [9] ).

Die Archivwelt, aber auch die Museumswelt, ist dagegen sehr heterogen. Es existieren kaum allgemein anerkannte oder gar genormte Erschließungsstandards und Datenaustauschformate – zu unterschiedlich sind die Vorstellungen und Traditionen, das heißt insbesondere Verwaltungstraditionen der einzelnen Archive und Archivlandschaften. Im amerikanischen Raum gibt es als Standard die ”Encoded Archival Description” (EAD). [10] EAD ist seit 1998 standardisiert und wird in den USA und teilweise darüber hinaus in englischsprachigen Ländern für die Erstellung von Online-Findbüchern benutzt. Für das deutsche Archivwesen existiert kein einheitlicher Standard für die Erschließung und Online-Präsentation von Erschließungsleistungen.

Dennoch ist es erforderlich, dass sich auch Archive als Dienstleister in der modernen Informationsgesellschaft über eine Bereitstellung ihrer Inhalte in Online-Medien Gedanken machen und dabei auch Verbundlösungen angestrebt werden. Grundvoraussetzungen dafür sind Datenaustauschformate in Verbindung mit Präsentationsmodellen für Findmittel und digitalisierte Archivalien. Entscheidend für ein archivisches Internet-Angebot ist die Abbildung der archivischen Tektonik und der einzelnen Informationen innerhalb ihres Entstehungszusammenhangs bzw. Erschließungskontexts. Berücksichtigt werden sollten dabei die ISAD-G Richtlinien für eine Stufenerschließung. [11]

Innerhalb der Tektonik des archivischen Online-Angebots lassen sich folgende Informationsebenen unterscheiden: [12]

  1. Archivübergreifende Portale,
  2. Portale einer Archivverwaltung oder eines Archivs mit Grundinformationen,
  3. mit einer Online-Beständeübersicht,
  4. mit Online-Findbüchern oder
  5. mit Präsentationsmodulen für digitalisiertes Archivgut.

Neben Archivinformationen und digitalisierten Findmitteln wird die Bereitstellung von digitalisierten Archivalien in der Zukunft eine immer größere Bedeutung bekommen.

Konzeption und Informationsebenen

Grund-Konzeption des BAM-Portals

Das Grundanliegen des BAM-Portals sieht vor, auf die schon vorhandenen digitalen Bestände der Partnerinstitutionen Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg, baden-württembergische Staatsarchive und Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim aufzusetzen und Metainformationen über die dort gespeicherten Daten in einer zentralen strukturierenden Datenbank zusammenzuführen, die die Grundlage einer homogenen Recherche bildet.

Die InternetbenutzerInnen können mit ihrem Web-Browser über das Portal auf diese Datenbank und die enthaltenen Metadaten zugreifen. Die Erschließungsdaten und digitalisierten Objekte selbst, die durch die Metadaten beschrieben werden, verbleiben im Internetangebot und damit auf dem Web-Server der jeweiligen Institution.

Die BenutzerInnen können so gleichzeitig Informationen über Bücher zu dem für sie interessante Thema, Informationen über entsprechendes Archivgut aus den beteiligten Archiven sowie Informationen über Exponate der beteiligten Museen erhalten.

Über eine Recherche im BAM-Portal können die NutzerInnen auf folgende Informationsebenen gelangen:

  1. Erschließungseinheiten/Titelaufnahmen mit digitalisierten Objekten (soweit vorhanden)
  2. Verweis auf die jeweiligen Online-Findmittel und Online-Kataloge
  3. Verweis auf das Webangebot der jeweiligen BAM-Einrichtung.

Erschließung, Datenformate und Datenaustausch

Trotz des gemeinsamen gesellschaftlichen Auftrags, ihre Bestände öffentlich zugänglich zu machen, haben Bibliotheken, Archive und Museen unterschiedliche Aufgabenstellungen und Materialien. So unterstützen Bibliotheken mit ihren meist nicht als Unikaten vorliegenden Buchbeständen die verschiedensten Fachrichtungen der Wissenschaft, die allgemeine Bildung und die Unterhaltung. Demgegenüber haben Archive vom Gesetzgeber den Auftrag, die Sicherung staatlicher oder sonstiger Rechtsansprüche zu gewährleisten, die allgemeine historische Bildung und die historische Forschung zu unterstützen. Nicht zuletzt sind sie auch Kontrollmöglichkeit und Gedächtnis der Verwaltung. Archivbestände bestehen aus Unikaten. Museen unterstützen mit ihren Sammlungen je nach Ausrichtung die Forschung in einigen bestimmten Fachdisziplinen, die allgemeine Bildung mit Schwerpunkt Kunst, Archäologie, Geschichte und letztlich bieten sie auch Unterhaltung.

Analog zu dieser historisch gewachsenen Aufgabenteilung zwischen den drei Institutionen sind die Erschließungsmethoden und –ziele in Bibliotheken, Archiven und Museen aufgrund ihrer Materialien und Aufgaben unterschiedlich. Dies führt dazu, dass auch die Informationssysteme und die Online-Präsentation der Informationen bei den einzelnen Projektpartnern unterschiedlich ausfallen:

  1. Für das BSZ ist die Datenbasis der Verbundkatalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbunds, der mit seinem OPAC online verfügbar ist. [13] Die Erschließung erfolgt nach bibliothekarischen Regeln, nach dem Regelwerk für die alphabetische Katalogisierung in wissenschaftlichen Bibliotheken (RAK-WB). [14] Für die Erschließung wird das standardisierte ”Maschinenlesbare Datenaustauschformat für Bibliotheken” (MAB) verwendet.
  2. Die archivische Erschließung erfolgt strukturiert nach dem Provenienzprinzip. In der staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg erfolgt sie datenbankorientiert mit der Software MIDOSA in Form der archivischen Titelaufnahme. Die Generierung der Online-Findmittel und die Präsentation erfolgt über MIDOSA online und speziellen von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg entwickelten Präsentationsmodulen für Archivgut.
  3. Das Landesmuseum für Technik und Arbeit verfügt über eine Datenbank seiner Bestände mit der Software FAUST [15] , die allerdings momentan noch nicht über das Web zugänglich ist. Im Landesmuseum wird nach dokumentarischen Regeln durch FachdokumentarInnen erschlossen. Dabei werden Normdaten der Schlagwortnormdatei (SWD) der Deutschen Bibliothek verwendet.

Die wesentliche Herausforderung des Projekts liegt darin, dass diese Informationssysteme sowohl mit unterschiedlichen Datenformaten als auch unterschiedlichen Beschreibungs- bzw. Erschließungsmethoden arbeiten, die auf das jeweils schwerpunktmäßig vorhandene Material ausgerichtet sind. Aufgrund ihrer sachlichen und strukturellen Verschiedenheit können diese Formate aber nicht direkt als Grundlage einer gemeinsamen Recherche dienen. Ziel des BAM-Projekts ist es daher nicht, ein gemeinsames Format für die Erschließung zu schaffen bzw. gemeinsame Erschließungsrichtlinien auszuarbeiten, die allen Anforderungen an eine Objektbeschreibung in jeder Fachrichtung genügen und die unterschiedlichen Formate und Richtlinien, die aus den jeweiligen Fachtraditionen entstammen, vollständig ersetzen sollen. Vielmehr geht es um die Herausarbeitung der gemeinsamen Nenner, um so die komfortable Recherche innerhalb des Portals zu ermöglichen.

Die Datenbestände der Projektpartner werden daher auf einen gemeinsamen Kernbestand der Beschreibung abgebildet, das heißt, es wird ein Datenbank-Mapping auf ein gemeinsames Austauschformat vorgenommen. [16] Als Datenaustauschformat findet momentan eine angepasste Form des in XML formulierten Metadatenformats ”DLmeta” Verwendung [17] , das seinerseits auf dem verbreiteten Metadatenformat ”Dublin Core” beruht. Das Dublin Core Metadata Set ist ein aus 15 Elementen bestehendes Metadatenschema zur Beschreibung elektronischer Ressourcen. Es wurde entworfen, um das Retrieval von unterschiedlichen Materialien verschiedener Herkunft und aller Medienformen zu erleichtern. Voraussetzung für eine sinnvolle bestandsübergreifende Recherche innerhalb des BAM-Portals ist daher zunächst eine sinnvolle Abbildung der verwendeten Formate MAB, MIDOSA und FAUST auf DLmeta bzw. dem darunterliegenden Dublin Core. Dabei ist weniger die technische Konvertierung der einzelnen Dateien problematisch als die semantisch adäquate Zuordnung der Felder zu den einzelnen Formaten DLmeta. MAB, MIDOSA und Faust werden in DLmeta-XML verwandelt, dann an den zentralen Bereich geliefert und dort in die Datenbank geladen.

Neben der Zuordnung der Felder aus den verschiedenen Datenformaten stellt die unterschiedliche Verwendung von Thesauri und Normdaten in den beteiligten Institutionen eine gewisse Hürde dar. Sowohl das Bibliotheksservice-Zentrum als auch das Landesmuseum für Technik und Arbeit benutzen die Schlagwortnormdatei (SWD) sowie die Personennamendatei (PND) der Deutschen Bibliothek. [18] Da die archivische Erschließung nicht auf einer Verschlagwortung beruht, findet auch kein vergleichbares festgelegtes Vokabular Verwendung. In Archiven wird normalerweise auf der Basis des so genannten Provenienzprinzips erschlossen und recherchiert. Im Rahmen des Projekts wird daher der Einsatz von Normdaten und die zusätzliche manuelle und automatische Verschlagwortung – sozusagen als Mehrwert zur normalen archivischen Erschließung – erprobt, um die institutionsübergreifende Recherche für bestimmte Themenbereiche zu ermöglichen.

Recherchemöglichkeiten mit fachgerechter Präsentation der Ergebnisse

Den BenutzerInnen des BAM-Portals wird derzeit zur Recherche eine Suchmaschine angeboten, die mit folgenden Funktionalitäten ausgestattet ist:

  • Suche in Form einer ”Freitext-Suche” oder ”Schlagwort-Suche” (Orte, Sachen, Personen) mit der Möglichkeit der Verknüpfung durch Bool'sche Operatoren
  • Sortierkriterien ”Titel” bwz. ”Objektbezeichnung” oder ”Jahr”
  • Filter für „Bibliotheken - Archive – Museen“
  • Darstellung „ein- oder dreispaltig“

Recherche, Eingabemaske

In das Suchformular können Suchbegriffe eingeben werden, die sich auf Titelbestandteil, Schlagwort, Personen- sowie Zeitangaben beziehen. Diese Suchkriterien können wiederholt und durch Bool'sche Verknüpfungen kombiniert werden. Die BenutzerInnen können die Sortierreihenfolge der Treffer und eine Einschränkung auf die Ressourcen einer bestimmten Gattung wählen.

Recherche, Ergebnisliste

Als Resultat dieser Anfrage wird eine Ergebnisliste präsentiert, die sowohl Metadaten zu Bibliotheksbeständen als auch zu Archiv- und Museumsbeständen enthält. Hyperlinks zu jedem Eintrag führen die BenutzerInnen auf den Titelnachweis in den entsprechenden Bibliotheks-OPACs, auf den entsprechenden Titel in archivischen Online-Beständeübersichten oder Online-Findbüchern und Online-Findbücher oder auf die dokumentarische Beschreibung von Sammlungsobjekten der beteiligten Museen.

Fachpräsentationssystem ”Bibliothek”

Die Präsentation von Bibliotheksgut orientiert sich bisher am Online-Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbunds.

In der Kurztrefferanzeige werden AutorInnen, Buchtitel, Verlag und Erscheinungsjahr ausgegeben. Der Titel wird mit einer Sprungmarke unterlegt, über die der entsprechende Datensatz im OPAC des Südwestdeutschen Bibliotheksverbunds aufgerufen werden kann.

Fachpräsentationssystem ”Archiv”, Online-Findbuch mit Strukturansicht

Die Visualisierung der Recherche-Ergebnisse erfolgt für die Archive in der Weise, dass die Verortung der Recherche-Ergebnisse innerhalb der archivischen Tektonik berücksichtigt wird. Dies geschieht über hierarchische Hyperlinks bei jedem Treffer. Über diese gelangen die BenutzerInnen in die Online-Beständeübersicht oder das Online-Findbuch des jeweiligen Archivs, wo ihnen die Erschließungsdaten dann im Kontext präsentiert werden. Die archivische Titelaufnahme und die eventuell damit verbundene digitale Abbildung der Archivalieneinheit wird nach archivfachlichen Gesichtspunkten mit speziellen Präsentationsmodulen dargestellt und gemäß ihrer Provenienz eingeordnet.

Fachpräsentationssystem ”Archiv”, Online-Findbuch mit Präsentationsmodul für digitalisierte Archivalien

Fachpräsentationssystem ”Archiv”, Präsentationsmodul für digitalisierte Archivalien

Die Trefferliste des BAM-Portals verbindet in einer gemeinsamen Rubrik und versehen mit dem Kennbuchstaben M alle Museumsexponate. Um deren Herkunft aus unterschiedlichen Museen zukünftig zu verdeutlichen, werden die Suchergebnisse um den Museumsnamen erweitert und mit einem Link auf die Internet-Präsenz des Hauses versehen.

Fachpräsentationssystem ”Museum”

Alle Objekte werden in der Ergebnisanzeige des BAM-Portals einheitlich mit den zentralen, objektidentifizierenden Angaben Objektbezeichnung bzw. Objekttitel, HerstellerIn, Herstellungsort und Datierung ausgegeben. Jeder Treffer dient als Sprungmarke zu einem Detailergebnis, das nach museologischen Gesichtpunkten aufgebaut ist und den PortalbenutzerInnen vertiefende Informationen zum Objekt liefert.

Technische Realisierung – Portaltechnik

Für die technische Realisierung eines Portals kommen mehrere Varianten in Frage, die sich im Anteil der Datenbestände, die zentral zusammengeführt oder dezentral eingebunden werden, unterscheiden.

Die Drei-Ebenen-Architektur des BAM-Portals

Insgesamt ist die Portaltechnik, die vom BSZ entwickelt wird, bisher in einer Drei-Ebenen-Architektur aufgebaut. [19] Das BAM-Portal kombiniert je nach Erreichbarkeit des liefernden Informationssystems über das Internet sowie der Größe und der Erschließung der vorliegenden Datenbestände unterschiedliche Verfahren:

  1. Die Verbunddatenbank des Südwestdeutschen Bibliotheksverbunds ist über Z39.50 und HTTP-Schnittstellen sehr gut via Internet erreichbar. [20] Bei dieser Ausgangslage ist beabsichtigt, den Datenbestand dezentral einzubinden, das heißt, jede Recherche im BAM-Portal an die Verbunddatenbank weiterzuvermitteln, die über die genannten Schnittstellen die erforderlichen differenzierten Anfragen zulässt, dort auszuwerten und die Ergebnisse in das BAM-Portal für die gemeinsame Trefferanzeige zurückzusenden. Jeder Treffer enthält einen Link auf eine OPAC-Anfrage, durch die ein bibliografischer Datensatz sowie gegebenenfalls Digitalisate eingebunden werden.
  2. Für die Datenbestände der baden-württembergischen Staatsarchive, die über Online-Bestandsübersichten und Online-Findbücher fachgerecht präsentiert werden, gibt es bislang keine Standardschnittstellen, mit deren Hilfe externe Datenbankanfragen verarbeitet werden können. Um dennoch diese Bestände weitgehend dezentral nutzen zu können, wird eine SOAP-Schnittstelle [21] geschaffen werden, über die die erforderlichen Recherchen aus dem BAM-Portal angestoßen und entsprechende Resultate zurückgeliefert werden können. Momentan erfolgt der Zugriff noch über eine direkte Datenbankschnittstelle wie ODBC oder JDBC. [22]
  3. Das Informationssystem des Landesmuseums für Technik und Arbeit, das mit dem Dokumentationssystem FAUST arbeitet, ist bislang nicht ans Internet angebunden. Daher werden die für die Recherche, für die gemeinsame Trefferanzeige und für eine fachgerechte Detailansicht erforderlichen Daten sowie die zugehörigen multimedialen Objekte in den zentralen BAM-Index geladen.
  4. Für die Einbindung weiterer Institutionen besteht somit entweder die Möglichkeit der Datenlieferung mit zentraler Datenhaltung im BAM-Portal oder der dezentralen Anbindung via Schnittestelle für eine parallele on-the-fly-Recherche.

In allen Varianten sind umfangreiche Extraktionen und Umformungen von Metadaten erforderlich, die bei zentraler Datenhaltung vorab beim Laden vorgenommen werden können, bei dezentraler Haltung aber online zur Recherchezeit stattfinden müssen. Für diese Datentransformationen werden JAVA- und XML-Technologien eingesetzt, wobei das Projekt – im Hinblick auf die Nachnutzbarkeit der Entwicklungen – frei verfügbare Werkzeuge benutzt. Wesentliche Komponenten bilden die XML-Transformationsprache XSL, die es erlaubt, Konversionen der in XML überführten Datenbestände deklarativ zu beschreiben, sowie die Open-Source Applikation XALAN [23] , die solche Transformationen durchführt. Der zentrale BAM-Index ist eine relationale ORACLE-Datenbank [24] , in die über eine JAVA-Schnittstelle geladen wird. Die eigentliche Such- und Präsentationsfunktionalität des Portals wurde als JAVA-Webapplikation durch SERVLET/JSP-Technologie auf Basis der frei verfügbaren TOMCAT-Erweiterung des APACHE-Webservers und dem Web Publishing Frameworks JAKARTA-STRUTS realisiert. [25]

Ausblick und Perspektiven

In der bisherigen Phase des DFG-Projekts ”Gemeinsames Portal für Bibliotheken, Archive und Museen” wurde ein Konzept entwickelt und in einen Prototypen implementiert, um digitale Bestände zu Literatur, Archivgut und zu Exponaten durch einheitliche Werkzeuge in einem Internetportal zu präsentieren und recherchierbar zu machen. In einer weiteren Projektphase werden verschiedene Ziele verfolgt werden. Im Vordergrund steht dabei der Aufbau eines bundesweiten Kultur-/Informationsportals für Erschließungsleistungen aus Bibliotheken, Archiven und Museen mit dem Ziel, heterogenen Nutzerkreisen einen Erstzugang zu Informationen zu ermöglichen und sie dann auf die institutionseigenen Recherchesysteme hinzuführen. In einem weiteren Stadium könnte dann die Einbindung des BAM-Netzwerkes in den europäischen Kontext innerhalb des Aktionsplans ”eEurope” erfolgen, eventuell in Zusammenarbeit mit der nationalen EUBAM-Arbeitsgruppe [26] , der EU-Arbeitsgruppe ”National Representative Group (NRG) for Coordination of Digitization Programmes and Policies” [27] und dem EU-Projekt ”Minerva”. [28] Das BAM-Portal könnte so einen Beitrag zum Aufbau eines europaweiten Kulturgut-Portals leisten.

Für die am BAM-Portal partizipierenden Institutionen besteht insofern ein Mehrwert, als den BenutzerInnen zusätzlich zum lokalen Angebot ein verbesserter Zugang zu Erschließungsleistungen und digitalisierten Objekten ermöglicht wird, und die Pflege der Erschließungsleistungen weiterhin im jeweiligen Lokalsystem erfolgen kann. Wichtige Maßnahmen für eine solche Entwicklung sind in der nächsten Projektphase sowohl die Ausweitung des Teilnehmerkreises als auch die inhaltliche und technische Weiterentwicklung des Portals. Für eine Ausweitung des Teilnehmerkreises über die Projektpartner hinaus werden Strategien und Technologien zur Einbindung von teilnehmenden Institutionen aus dem BAM-Sektor entwickelt und umgesetzt. Bei der Einbindung neuer Informations-Ressourcen stellen dabei sowohl die extrem heterogenen Datenstrukturen eine Herausforderung dar, als auch die Entwicklung einer tragfähigen Organisationsform und eines Betreiberkonzepts, das auch über eine Projektförderung hinaus Bestand haben wird. Dazu gehören auch die Entwicklung eines ”Pflichtenhefts” als Leitfaden für teilnehmende Institutionen und die Gründung eines beratenden Gremiums, das die Weiterentwicklung von BAM in fachlicher Hinsicht begleiten kann.

Die inhaltliche Weiterentwicklung des BAM-Portals ist abhängig von der Ausweitung des Teilnehmerkreises und den Nutzerbedürfnissen. Eine Evaluierung der Nutzerkreise, des Nutzerverhaltens und der Nutzerbedürfnisse sind hierfür Voraussetzung, ebenso wie eine deutschlandweite Bestandsaufnahme derjenigen Bestände, Kataloge und Sammlungen, die in das BAM-Portal integriert werden können. Es bietet sich daher an, zunächst die BAM-Suchmaschine ohne thematische Spezialisierung weiterzuentwickeln. In einem späterem Stadium, bei zunehmender Masse an Online-Erschließungsleistungen, könnte das BAM-Portal als Plattform für thematische Schwerpunkte wie zum Beispiel ”Die Geschichte der Industrialisierung im 19. Jahrhundert” agieren.

Im Vordergrund der technischen Weiterentwicklung und des Ausbaus der Portaltechnik steht die Implementierung einer automatischen Indexierungstechnik für die Gewinnung von Stichworten und eine weitere Evaluierung eines automatischen Abgleichs mit Normdaten und Fachthesauri. Damit wird eine qualitative Verbesserung der Recherche durch Vereinheitlichung des Recherche-Zugangs erreicht. Das bestehende interne XML-Austauschformat wird unter Berücksichtung des Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting weiterentwickelt [29] , ebenso die Suchmaschine durch eine Kombination verschiedener Suchmaschinen-Technologien. Darüber hinaus werden Routineverfahren und eine ”Toolbox” erstellt, die es erlauben, auch andere Datenformate und Strukturen als diejenigen der drei Projektpartner in den BAM-Index einzuspielen (unter anderem Mapping-Routinen, Datenbankanbindung).

Zusammengefasst stellt somit die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Projekt eine Chance dar, in einen Dialog mit benachbarten Institutionen der Informationsvermittlung zu treten und für die NutzerInnen neue Wege zu beschreiten.

Dr. Gerald Maier ist Referatsleiter im Landesarchiv Baden-Württemberg, Stuttgart.


[1] Siehe <http://www.bam-portal.de>.

[2] Siehe <http://www.bsz-bw.de>.

[3] Seit dem 1. Januar 2005 vom Landesarchiv Baden-Württemberg, siehe <http://www.landesarchiv-bw.de>.

[4] Siehe <http://www.landesmuseum-mannheim.de>.

[5] Siehe <http://www.google.com>.

[6] Beispiele für virtuelle Bibliotheksverbünde und Kataloge im Internet sind der Südwestdeutsche Bibliotheksverbund (URL: <http://www.bsz-bw.de/cgi-bin/opacform.cgi>) oder der Karlsruher virtuelle Katalog (KVK) (URL: <http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/kvk.html>).

[7] Siehe dazu <http://www.ddb.de/professionell/mab.htm>.

[8] Zu Dublin Core siehe: <http://purl.org/dc> und <http://dublincore.org>.

[9] Bei ANSI/NISO Z39.50 handelt es sich um ein standardisiertes, Client-Server basiertes Protokoll für die Kommunikation zwischen bibliothekarischen Datenbanksystemen (Server) und Zugriffsprogrammen (Clients) (siehe <http://lcweb.loc.gov/z3950/agency/>).

[10] Siehe dazu <http://www.loc.gov/ead>.

[11] Siehe dazu: Internationale Grundsätze für die archivische Verzeichnung, übers. u. Bearb. v. Brüning, Rainer; Heegewaldt, Werner (=Veröffentlichungen der Archivschule Marburg 23), Marburg 1994.

[12] Zur Tektonik eines archivischen Online-Angebots siehe Maier, Gerald, Online-Informationssysteme in Archiven. Fachportale, Archivinformationen, Online-Findmittel, digitalisiertes Archivgut, in: B.I.T. Online 4/1 (2001), S. 15-28 und Ders., Präsentation archivischer Tektonik im Internet, in: Brübach, Nils (Hg.), Der Zugang zur Verwaltungsinformationen – Transparenz als archivische Dienstleistung (=Veröffentlichungen der Archivschule Marburg 33), Marburg 2000, S. 93-120.

[13] Siehe <http://www.bsz-bw.de/cgi-bin/opacform.cgi>.

[14] Eine Einführung und Grundlagen bietet <http://www.christian-kirsch.de/rak/index.html>.

[15] Zur Dokumentationssoftware FAUST siehe: <http://www.land-software.de>.

[16] Siehe dazu: <http://bam-portal.de>: Fritz, Thomas, Struktur vs. Inhalt. Probleme und Chancen einer Einbindung archivischer Erschließungsdaten in ein Institutionen übergreifendes Kulturportal. Vortrag auf dem 1. BAM-Kolloquium am 27. Februar 2002 im Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim.

[17] Vgl. <http://www.dlmeta.de>.

[18] Zur SWD und PND siehe: <http://www.ddb.de/professionell/swd.htm> und <http://www.ddb.de/professionell/pnd.htm>.

[19] Für Auskünfte zur technischen Plattform dankt der Autor Herrn Dipl.-Mathematiker Christof Mainberger, Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg.

[20] Sie enthält derzeit über 10 Millionen Titelaufnahmen.

[21] SOAP= Simple Object Access Protocol: XML basiertes Datenaustauschprotokoll in einer dezentralen, verteilten Umgebung (vgl. <http://www.w3.org/TR/SOAP>).

[22] ODBC= Open DataBase Connectivity; JDBC= Java Database Connectivity. Diese Technologien erlauben das Verwenden einer einmal erstellten Anwendung mit jeder SQL-Datenbank, die über entsprechende ODBC- bzw. JDBC-Treiber verfügt.

[23] Siehe <http://xml.apache.org/xalan-j>.

[24] Siehe <http://www.oracle.com>.

[25] Siehe <http://www.apache.org>; <http://jakarta.apache.org/tomcat>; <http://jakarta.apache.org/struts>.

[26] Siehe <http://www.eubam.de>.

[27] Siehe <http://www.cordis.lu/ist/digicult/nrg.htm>.

[28] Siehe <http://www.minervaeurope.org>.

[29] Siehe <http://www.oaforum.org> und <http://www.openarchives.org>.


RM.net
Ein Themenportal für die europäische Regionalgeschichte

Minn, Gisela; Neumann, Sarah; Rommelfanger, Yvonne

Das <RM.net > - ein themenorientiertes Informationsnetz

Mit dem „Informationsnetzwerk zur Geschichte des Rhein-Maas-Raumes (RM.net)“ wird im Folgenden der Prototyp eines so genannten themenorientierten Informationsnetzes vorgestellt. [1] Wie die Virtuellen Fachbibliotheken, die im Mittelpunkt der weiteren Beiträge im Workshop „Virtuelle Bibliotheken und Themenportale: Aufbau und Praxis“ standen, gehören die Forschungsnetzwerke zu den Bausteinen der Verteilten Digitalen Forschungsbibliothek.

Es handelt sich bei den fachbezogenen Netzen um ein Informationsangebot, das speziell auf die Arbeitsbedürfnisse kooperativ und international ausgerichteter Forschungsverbünde abgestimmt ist. [2] Ihr Aufbau wurde zunächst von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Programms 'Informations-Infrastrukturen für netzbasierte Forschungskooperation und digitale Publikation' gefördert. Mittlerweile wurde ein spezielles Förderinstrument „Themenorientierte Informationsnetze“ geschaffen. [3] Übergeordnetes Ziel dieser Initiative ist es, leistungsfähige, benutzerorientierte Strukturen und Werkzeuge zur Unterstützung der neuen wissenschaftlichen Kommunikations- und Publikationsformen zu schaffen sowie die technologischen Voraussetzungen für zeit- und ortsunabhängige Forschungskooperationen in internationalen Zusammenhängen zu verbessern. Darüber hinaus besteht ein weiteres wichtiges Anliegen dieser Fördermaßnahme darin, wissenschaftliche Daten, die in zeitlich befristeten Projekten erarbeitet wurden, durch den Aufbau projektübergreifender und dauerhafter Infrastrukturen langfristig zu sichern und für weitere Forschungsaktivitäten bereitzustellen. Dieses Grundproblem wissenschaftlicher Informationsversorgung, die Sicherung projektbezogener Forschungsinformation und ihre Überführung in projektunabhängige und ausbaufähige Forschungsnetze, ist Ausgangspunkt des RM.net-Projektes.

Dieser Beitrag soll Einblick in die konkrete Projektpraxis gewähren, indem am Beispiel einer Informationseinheit des Netzwerkes die notwendigen Arbeitsschritte zur Datenaufbereitung, inhaltlichen Tiefenerschließung und Vernetzung bis hin zur elektronischen Publikation vorgestellt werden. Anschließend werden aus der Nutzerperspektive die grafische Oberfläche des RM.net und die Möglichkeiten sowohl zur indexbasierten Recherche als auch zur kontextbezogenen Navigation im Netzwerk präsentiert. Um die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen der Projektarbeit zu klären, werden zunächst Konzeption und Genese des Netzwerks erläutert.

Voraussetzungen und Rahmenbedingungen des Projekts

1. Konzeption, Ziele und Träger

Das RM.net-Projekt hat seine Arbeit am 1. November 2001 an der Universität Trier aufgenommen und wird in der ersten Förderphase vom Fach Geschichte in Verbindung mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften getragen. [4] Ziel des auf vier Jahre angelegten DFG-geförderten Vorhabens ist es, am Beispiel des Rhein-Maas-Raumes ein raumorientiertes Fachinformationssystem für die historischen Wissenschaften aufzubauen und es langfristig in einem Kooperationsverbund mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen, Archiven, Museen und Bibliotheken fortzuführen. Die im Projekt entwickelten Modelllösungen sollen dabei nach Projektabschluss auf andere Initiativen transferiert werden, um langfristig eine institutionenübergreifende und interdisziplinär ausgerichtete, zentrale Plattform für die Geschichte der europäischen Regionen aufzubauen.

Für derartige Informationssysteme sind folgende Strukturen zu entwickeln: Erstens ist eine Kommunikations- und Koordinationsplattform einzurichten, auf der sich interessierte WissenschaftlerInnen über aktuelle Forschungsentwicklungen informieren und somit zugleich die konkrete Zusammenarbeit besser organisieren können. Zweitens ist ein Fachportal zu konzipieren, das einen gezielten Zugang zu historischer Fachinformation gewährleistet und damit die Informationsbeschaffung verbessert. Als fachbezogener Inhaltsdienst und Publikationsforum stellt ein Forschungsnetz drittens relevante Grundlagenwerke, Findmittel, Primärquellen und Forschungsergebnisse in Form recherchierbarer digitaler Volltexte unmittelbar am Arbeitsplatz der WissenschaftlerInnen bereit. Dieses Leistungsspektrum digitaler Netze, das sich mit den Hauptfunktionalitäten der Virtuellen Fachbibliotheken weitgehend deckt, ist zukünftig zu erweitern um ein viertes Angebot, das die Produktion von Forschungsdaten an verteilten Arbeitsstandorten sinnvoll fördert. Neben der Bereitstellung wissenschaftlichen Contents wird die Entwicklung und Implementierung netzbasierter Arbeitsumgebungen zur dezentralen Erfassung sowie inhaltlichen Erschließung und Vernetzung der Inhalte eine wichtige Aufgabe sein, die die Informationsnetzwerke in Zukunft erfüllen sollten.

Zur Entwicklung entsprechender Infrastrukturen will das RM.net beitragen. Ziel des Projektes ist die Schaffung einer einheitlichen Arbeits- und Informationsumgebung für die raumbezogenen historischen Wissenschaften, in der die notwendigen Arbeitsinstrumente wie Forschungsliteratur, Quellen, Nachweisinstrumente und Referenzwerke zusammengeführt werden. Der Aufbau des Netzwerks erfolgt auf der Grundlage eines technischen Konzepts, das auf dem konsequenten Einsatz internationaler Standards wie den Markupsprachen SGML/XML und den Auszeichnungsrichtlinen der Text Encoding Initiative (TEI) aufsetzt. Für die Entwicklung dieser komplexen und multifunktionalen Infrastrukturen steht dem RM.net eine breite Datengrundlage zur Verfügung, die in einem langjährigen Forschungsprozess an der Universität Trier entstanden ist.

2. Genese des RM.net: Vom Forschungsverbund zum Forschungsnetzwerk

Die Konzeption des RM.net geht zurück auf die Forschungsaktivitäten des Sonderforschungsbereiches 235 „Zwischen Maas und Rhein. Beziehungen, Begegnungen und Konflikte in einer europäischen Kernregion von der Spätantike bis zum 19. Jahrhundert“. [5] Neben dem Fach Geschichte mit all seinen Teildisziplinen waren die Fächer Kunstgeschichte, Archäologie, Rechtsgeschichte, Germanistik und Romanistische Sprachwissenschaft beteiligt, ferner gehörten zahlreiche nationale und internationale, universitäre und außeruniversitäre Kooperationspartner zu diesem Forschungsverbund, der während seiner fünfzehnjährigen Laufzeit in fast 30 Einzelprojekten Daten und Ergebnisse zu einem breiten Themenspektrum der europäischen Regionalgeschichte erarbeitet hat.

Diese Forschungsaktivitäten will der Sonderforschungsbereich (SFB) nach Projektabschluss am 31. Dezember 2002 fortführen. Ein entsprechendes Forum hierzu soll das Informationsnetzwerk zur Geschichte des Rhein-Maas-Raumes darstellen. In der ersten Förderphase werden im Rahmen des RM.net-Projektes deshalb ausgewählte SFB-Datenbestände für die weitere Forschung online bereitgestellt und mit externen Informationsangeboten unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche in einem projektunabhängigen Netz gebündelt, das langfristig – wie bereits gesagt – von einem institutionenübergreifenden Verbund gemeinsam weiterentwickelt werden soll.

Mit seiner Entscheidung für die Weiterführung des Trierer Projektverbundes in Form eines elektronisch gestützten Netzwerkes will der SFB die informationstechnologischen Grundlagen schaffen, um die bislang erfolgreich praktizierte Kooperation innerhalb internationaler Forschungszusammenhänge weiterzuführen und zu verbessern. Dazu ist das Netzwerk besonders geeignet, insofern es einen europäischen Kernraum am Schnittpunkt zwischen West- und Mitteleuropa von der Antike bis zur Gegenwart erschließt und die Ergebnisse grenzüberschreitender wissenschaftlicher Zusammenarbeit aufbereitet.

Projektpraxis: Von der Worddatei des Forschungsprojektes zum SGML-Dokument

Die Genese des RM.net, die Überführung des SFB-Forschungsverbundes in die Form eines Forschungsnetzwerkes, bestimmt wesentlich die Arbeitsprozesse innerhalb des Projektes. Denn aufgrund der interdisziplinären Ausrichtung des SFB 235, der Vielfalt der beteiligten Forschungseinrichtungen und Projekte und nicht zuletzt bedingt durch den weit gespannten Untersuchungszeitraum von der Spätantike bis in das 19. Jahrhundert steht das RM.net-Projekt vor der Aufgabe, zumeist in proprietären Datenformaten vorliegende Forschungsinformation verschiedener fachlicher und institutioneller Herkunft und unterschiedlichen Dokumenttyps aufzubereiten, zu erschließen und in einem Informationsverbund zu vernetzen. Diese durch die Heterogenität des Datenmaterials geprägten Ausgangsbedingungen spiegeln sich im Ablauf der Projektarbeit wider, die in sechs Phasen gegliedert werden kann.

Datenaufbereitung

Die einzelnen Arbeitsschritte von der Dokumentanalyse bis zur Gestaltung der Benutzeroberfläche werden im Folgenden kurz erläutert:

Arbeitsschritt I: Dokumentanalyse

Die Projektarbeit beginnt mit der Dokumentanalyse. Sie ist Grundlage für die Festlegung des Dokumenttyps und die Entwicklung von Auszeichnungsschemata zur logisch-strukturellen und sachlich-semantischen Tiefenerschließung des jeweiligen Textes. Das im RM.net-Projekt aufbereitete Material erfordert Markup-Systeme für folgende Dokumenttypen:

  • Orts- und regionenbezogene Informationseinheiten wie Ortsverzeichnisse und -kataloge, komplexe Ortslexika, Einzelkarten und Kartenserien, kommentierte Atlaswerke, die Karten, Ortskatalog und Kommentartext verbinden,
  • Personen- und institutionenbezogene Informationseinheiten wie Personenverzeichnisse und -kataloge, Prosopografien und Personenbiogramme, Institutionenkataloge und -lexika, Tabellen und Listen,
  • Informationseinheiten, die Quellen, Findmittel, Instrumente zur Forschungsdokumentation repräsentieren wie Spezialbibliografien, regionenbezogene Quelleneditionen unterschiedlicher Gattungen, Bestandsübersichten und Findbücher, Literaturdienste, Meta-Dokumentationen verschiedener Forschungsvorhaben.

Für die Kodierung dieser Dokumenttypen sind auf der Grundlage einer eingehenden Analyse der inhaltlich-formalen Struktur und der Layout-Gestaltung der Dateneinheiten einheitliche Auszeichnungsrichtlinien festzulegen. Dabei wird geprüft, inwiefern die internationalen Vorgaben der TEI, die speziell für die Geisteswissenschaften Auszeichnungsregeln entwickelt hat, geeignete Kodierungsschemata bereitstellen. In den meisten Fällen ist es jedoch notwendig, die bestehenden Regelwerke zu modifizieren und veränderte oder verfeinerte Markup-Schemata für bisher nicht in SGML-konformer Form vorliegende Dokumenttypen zu entwickeln.

Die konkreten Arbeitsgänge zur Datenaufbereitung werden am Beispiel des Dokumenttyps „Ortskatalog“ erläutert.

Beispiel-Artikel des Dokumenttyps Ortskatalog

Das Beispiel (siehe Abbildung 2) zeigt einen Eintrag aus einem klar strukturierten, nach Kategorien aufgebauten Katalog zur Geschichte der Leprosorien im Rheinland, der insgesamt 207 Ortsartikel einheitlicher Struktur umfasst: auf den jeweiligen Ortsnamen und seine Verwaltungszugehörigkeit folgen die nach den zuvor festgelegten Kriterien gegliederten, hier über einen Zahlenschlüssel kodierten Sachinformationen (der eigentliche Artikel-Inhalt) mit abschließenden Literaturhinweisen. [6]

Ergebnis der Dokumentanalyse und Abbildung der Textstruktur in SGML/XML-konformer Auszeichnungssystematik

Arbeitsschritt II: Datenkonvertierung in ein SGML/XML-konformes Format

Nachdem der Dokumenttyp bestimmt und die wesentlichen Strukturmerkmale des zu bearbeitenden Textes ermittelt worden sind, kann in der Folge ein Markup-Schema festgelegt werden. In einem zweiten Arbeitsschritt werden die in proprietären Software-Formaten vorliegenden Ausgangsdaten in vorstrukturierte TUSTEP-Dateien überführt. Mit diesem über TUSTEP-Programmroutinen gesteuerten Konvertierungsvorgang wird zugleich die Datenkodierung (Phase III) eingeleitet.

Arbeitsschritt III: Textauszeichnung

Die Textauszeichnung erfolgt in mehreren Stufen: Zunächst werden in der weitgehend automatisierten Vorauszeichnung die in der Layout-Analyse ermittelten typografischen TUSTEP-Kennungen über spezielle Programmskripte in SGML/XML-konforme Kodierungen überführt, die die logisch-formale Struktur des Textes abbilden. Nach Prüf- und Korrekturarbeiten beginnt die halbautomatisch-manuelle Feinauszeichnung mit sachlich-semantischem Markup, die eigentliche Tiefenerschließung der Inhalte. In mehreren Kodierungsprozeduren wird dabei das projektinterne dokumentspezifische Markup in TEI-konforme Auszeichnungsschemata überführt.

Arbeitsschritte zur Erstellung der Internet-Publikation

Arbeitsschritte IV-VI: Erstellung der Internet-Publikation

Mit der Anbringung des inhaltlich-semantischen Markups in Phase III werden die Grundlagen für den Aufbau der grafischen Benutzerschnittstellen gelegt. Auf der Basis der Metadaten-Klassifikationen werden mit hierarchisch aufgebauten Raum-, Personen- und Sachthesauri komplexe Rechercheinstrumente erstellt. Sie bilden das Grundgerüst für die Verschlagwortung des weiteren Datenbestandes und werden als dynamisches Erschließungsinstrument ausgebaut, das mit der Integration jeder neuen Informationseinheit umfassender, differenzierter und – durch interne Vernetzung der Informationseinheiten – komplexer wird. Mittels Tcl/Tk-basierter Suchroutinen eröffnet sich so ein differenzierter Zugang zu den Informationseinheiten des Netzwerkes, die in einer MySQL-Datenbank abgelegt sind.

Zum Aufbau der Indices werden die entsprechenden Informationselemente – Personennamen, Ortsnamen, Sachbezüge – mit eindeutigen Kennungen versehen und in gesonderten Thesaurusdateien gespeichert, über die die Erstellung der netzwerkübergreifenden Suchinstrumente gesteuert wird. So entsteht zum Beispiel der hierarchisch aufgebaute Sachindex (vgl. dazu Abb. 5). Seine oberste Ebene (S1) ermöglicht eine erste Zuordnung eines Dokumentes zu einer thematischen Kategorie. Mithilfe der zweiten Schlagwortebene (S2) kann diese noch recht grobe thematische Verortung durch die Vergabe eines Oberbegriffs aus der angewählten Kategorie präzisiert werden und bei Bedarf um ein Detailschlagwort der untersten Hierarchiestufe (S3) ergänzt werden. Im konkreten Beispiel des Ortsartikels zum Luxemburger Leprosorium bedeutet dies die Zuordnung zur Kategorie „Gesellschaft und soziale Ordnung“, zum Oberbegriff „Krankheit, Armut, Sozialfürsorge“, und zum Detailschlagwort „Leprosorium“.

Aufbau des Sachindex

Bei der Erstellung der Metadatenkataloge zur Klassifikation und Indexierung der Einzeldokumente orientiert sich das RM.net-Projekt an bereits etablierten Regelwerken, wie den ‚Normdateien’ der Deutschen Bibliothek [7] oder dem Fachstandard der „Jahresberichte für deutsche Geschichte“. [8] Ergänzt werden diese normierten Indexeinträge durch dokumentspezifische Metadaten der Informationsanbieter, die durch die RM.net-Redaktion anhand festgelegter Qualitätsstandards geprüft und in den Thesaurus integriert werden.

Welche Möglichkeiten zur indexbasierten Recherche derzeit zur Verfügung stehen, soll anhand der folgenden Kurzbeschreibung der Benutzeroberfläche des RM.net verdeutlicht werden.

Das RM.net aus der Nutzerperspektive: Benutzeroberfläche – Möglichkeiten der Recherche und der Navigation

1. Vorstrukturierung des Informationsangebots in vier „Foren“

Eine wichtige Aufgabe eines Informationsnetzwerkes besteht darin, eine systematische Vorstrukturierung des Informationsangebots vorzunehmen, die den fachspezifischen Anforderungen der Informationsbereitstellung und zudem den speziellen Interessen der potentiellen Nutzergemeinde entspricht. Das Informationsangebot des RM.net ist deshalb in vier Foren gegliedert:

Das Forschungsforum ist konzipiert als Kommunikationsplattform und Fachportal zugleich: Mit dem geplanten Literatur- und Rezensionsdienst, einem Informationsdienst für Forschungsvorhaben, einer Verweisliste auf relevante Internetressourcen sowie einem Newsletter sollen Instrumente zur Dokumentation und Koordination der Forschungsaktivitäten bereitgestellt werden. Spezialbibliografien bieten den Zugang zu Fachinformation.

Das Themenforum bündelt Informationsressourcen wie Kataloge, Lexika und Nachschlagewerke zu den derzeitigen inhaltlichen Schwerpunkten, wie zum Beispiel dem Thema „Geschichte der Juden“ oder „Leprosorien und Hospitäler“.

Zum spezifischen Profil eines raumorientierten Informationssystems gehören raumbezogene bzw. kartografische Dateneinheiten, die im RM.net im Kartenforum zu finden sind. Es führt die einzelnen, im Rahmen zahlreicher Publikationen entstandenen thematischen Karten in einem Kartenarchiv zusammen und enthält spezielle Atlaswerke.

Im Quellenforum werden die für historische Forschungsaktivitäten grundlegenden Dokumenteinheiten wie Editionen von Primärquellen sowie archivalische Findmittel gebündelt.

Gliederung des RM.net in vier Foren

2. Gezielte Suche über die Thesauri des Gesamtnetzwerkes

Die Realisation der Protoversion des Informationsnetzwerks startete mit den beiden Kerneinheiten des RM.net, die das Gesamtspektrum der SFB-Forschungsaktivitäten widerspiegeln: Zum ersten wurde die kommentierte Bibliografie aller aus dem SFB hervorgegangenen Publikationen (rund 900) einschließlich aller nicht publizierten Qualifikationsarbeiten aufbereitet. Die Datenbank „Veröffentlichungen des SFB 235“ ist im Forschungsforum zugänglich. Zum zweiten wurden die im SFB entstandenen Karten im elektronischen Kartenarchiv im Kartenforum zusammengeführt.

Auf der Grundlage dieser beiden Dokumenteinheiten wurden u.a. Basisindizes für die raum-, zeit-, personen- und sachbezogene Recherche aufgebaut. Ziel dieser oben geschilderten Arbeiten zur inhaltlich-semantischen Tiefenerschließung war es, den NutzerInnen komplexe Recherchewerkzeuge an die Hand zu geben, die einen differenzierten Zugang zum Netzwerk bieten und flexibel den Informationsbedürfnissen angepasst werden können. Sie gewährleisten eine parallele und zielgenaue Recherche über das Gesamtnetzwerk. Gleichwohl ist es ebenfalls möglich, die Suchanfrage auf eine spezielle Dateneinheit einzuschränken und einen Teilthesaurus für die Recherche zu selektieren. Die NutzerInnen können zudem zwischen einer alphabetischen oder hierarchischen Anordnung der Indizes wählen.

Einen systematisch strukturierten Zugang zum Netzwerk bieten der Sach- und der Raumindex: Der sachbezogene Thesaurus ist gegliedert nach thematischen Großgruppen, Haupt- und Detailschlagwörtern. So haben die NutzerInnen zu Beginn der Suche zunächst die Wahlmöglichkeit zwischen (bislang) 18 Themenfeldern; in jeder können sie für ihre Anfragen relevante Informationen erwarten. Auf der nächsten Ebene wird ihnen dann eine Liste der in den selektierten Kategorien vergebenen Hauptschlagwörter präsentiert, die sie zu den entsprechenden Einträgen des Informationsnetzwerkes leiten. Wollen die NutzerInnen die Suche weiter einschränken und verfeinern, können auf der letzten Ebene zu den genannten Oberbegriffen Detailschlagwörter abgefragt und die Trefferliste angezeigt werden.

Suchoptionen im hierarchisch gegliederten Sachindex

Im Raumthesaurus werden zwei Teilthesauri zusammengeführt. Der erste gegenwartsbezogene Teilthesaurus bietet einen Zugang über die aktuelle politische Raumgliederung. Der zweite Teilthesaurus stellt ein für historische Fragestellungen spezifisches Suchinstrument bereit, das den Veränderungen in der politischen Raumgliederung von der Spätantike bis in das 19. Jahrhundert Rechnung trägt.

In der folgenden Präsentation wird beispielhaft der Rechercheweg über den in drei Ebenen hierarchisch gegliederten Sachindex gezeigt, über dessen technische Realisierung oben berichtet wurde. Potentielle NutzerInnen auf der Suche nach Informationen zur Geschichte der Städtelandschaften zwischen Rhein und Maas finden im Sachindex mit der Hauptkategorie „Stadtgeschichte, Raum- und Siedlungsentwicklung“ einen Einstiegspunkt, auf dem weiteren Rechercheweg gelangen sie im hierarchisch organisierten Index über den Oberbegriff „Raum und Raumorganisation“ zum Schlagwort „Städtelandschaft“. Die Suchanfrage führt zu neun Treffern in der Datenbank „Veröffentlichungen des SFB 235“ im Forschungsforum, die in einem Ergebnisfenster mit vollständigem bibliografischen Zitat und einem Kurzabstract aufgelistet werden.

Benutzeroberfläche des RM.net

3. Die Benutzeroberfläche des RM.net am Beispiel der Datenbank „Veröffentlichungen des SFB 235“

Anhand eines ausgewählten Dokuments aus der Ergebnisliste soll die Gestaltung der grafischen Benutzeroberfläche gezeigt werden, die in allen vier Foren des RM.net zur Erleichterung der Orientierung und Navigation einheitlich gestaltet ist. Der obere Frame mit der Vorstrukturierung des Netzwerks in Foren bleibt immer bestehen, so dass jederzeit eine Rückkehr zur obersten Informationsebene möglich ist. Der linke Orientierungsframe zeigt die Informationseinheiten des jeweiligen Forums an, das größere rechte Fenster, das Hauptfenster, ist für die Dateneinheit selbst reserviert.

Zunächst folgt die bibliografische Angabe selbst, die mit dem OPAC (Online Public Access Catalog) der Trierer Universitätsbibliothek, bzw. weiteren Verbundkatalogen, zum Beispiel dem Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK) vernetzt werden kann. Ein – vor allem bei unpublizierten Examensarbeiten – manchmal recht ausführliches Abstract stellt die Inhalte und Ergebnisse der Forschungsarbeit vor. Dieser Content-Dienst bietet den NutzerInnen zusammen mit den Angaben zu Rezensionen, die wenn möglich über eine Kooperation mit den Zeitschriften online eingebunden werden sollen, wichtige Instrumente zur Informationsbeurteilung und -bewertung.

Unterhalb dieses Fensterausschnitts, der der Anzeige des Suchergebnisses vorbehalten ist, folgt der Bereich der weiterführenden Informationen, der die Vernetzung des Suchergebnisses mit anderen Dokumenteinheiten transparent macht und den NutzerInnen eine zielgerichtete Navigation in Kontextzusammenhängen ermöglicht. Es folgen zunächst Verweise auf weitere thematisch verwandte Dokumente innerhalb der selben Dateneinheit, im eben dargestellten Beispiel weitere Titel aus der Literaturdatenbank des SFB; denkbar sind zudem Verweise auf Informationseinheiten aus anderen Foren des RM.net.

In das Kartenforum, das alle im Rahmen des SFB publizierten Karten erschließt und elektronisch präsentiert, gelangt man von der Literaturdatenbank über die Auflistung der Karten, die zur angewählten Veröffentlichung gehören.

4. Elektronisches Kartenarchiv im Kartenforum

In dieser zweiten Kerneinheit des Netzwerks sind derzeit 600 Einzelkarten, Kartenserien und Atlaswerke nachgewiesen. Mit Blick auf eine benutzerfreundliche Präsentation ist die Navigation ergonomisch; das Blättern innerhalb von Kartenserien ist vorgesehen, zum einen bei kleineren Serien unmittelbar innerhalb des Navigationsfeldes, zum anderen über die Liste der Karten im Verweisfeld.

Benutzeroberfläche des elektronischen Kartenarchivs des SFB 235

Eine Druckversion ermöglicht den raschen und qualitativ hochwertigen Ausdruck zum Beispiel direkt auf Overhead-Folie und damit den Einsatz im Unterricht. Unterhalb des Kartenfensters befinden sich weiterführende Angaben, die die Publikations- und Forschungszusammenhänge erläutern, in denen die Karte entstanden ist: Erstens werden die bibliografischen Angaben zur Studie, in der die Kartenserie erstmals veröffentlicht wurde, aufgeführt; dieser Link führt wieder zur Literaturdatenbank zurück. Zweitens folgt der Hinweis auf das Forschungsprojekt, in dem die Karte entstanden ist. Im konkreten Fall entstammt die angewählte Karte dem Teilprojekt B 2 des Sonderforschungsbereichs 235. Der Link im Verweisfeld führt uns zur Projektbeschreibung und damit auch zurück zum Ausgangspunkt des RM.net, dem Trierer Sonderforschungsbereich 235 und seiner Weiterführung im Rahmen eines themenorientierten Netzwerks zur europäischen Regionalgeschichte.

Zusammenfassung und Ausblick

Im Vergleich mit den Virtuellen Fachbibliotheken handelt es sich bei den themenorientierten Informationsnetzwerken um eine relativ neue Form der Bereitstellung und Vernetzung digitaler Fachinformation. Mit einem Ausblick auf die derzeitige Position der Netzwerke innerhalb der digitalen Informationslandschaft und auf die Perspektiven des RM.net. wollen wir unseren Werkstattbericht abschließen.

1. Netzwerke und Virtuelle Fachbibliotheken innerhalb der wissenschaftlichen Informationslandschaft

Sowohl Virtuelle Fachbibliotheken als auch Projekte vom Typus der Informationsnetze fungieren als zentrale Integrationspunkte für die zur wissenschaftlichen Arbeit relevanten Informationsdienste. Dabei steht der Inhaltsdienst, d.h. die Bereitstellung wissenschaftlicher Inhalte sowie deren tiefgehende Erschließung und intensive Vernetzung, im Vordergrund.

2. Themenorientierte Informationssysteme – benutzerorientierte Forschungsnetze

Themenorientierte Netzwerke sind speziell auf die Bedürfnisse und Interessen von Forschergruppen abgestimmt. So bietet das RM.net zum Beispiel eine themenspezifische Arbeits- und Informationsumgebung für die regionalhistorischen Wissenschaften. Mit den hierarchisch gegliederten und kombinierten Thesauri werden den NutzerInnen elaborierte und fachspezifische Rechercheinstrumente zur präzisen, integrierten Informationsermittlung bereitgestellt. Durch die Transparenz des Netzwerkes und durch die Dokumentation der Entstehungszusammenhänge des Contents ist den ForscherInnen die wissenschaftliche Einordnung und Bewertung der Information, also eine Qualitätskontrolle, möglich.

3. Langfristige Perspektiven für themenorientierte Informationsnetze innerhalb der Digitalen Bibliothek

Eine wichtige und dringliche Aufgabe für die zukünftige Entwicklung der Informationsnetze wird darin bestehen, die technologischen Voraussetzungen für ihre dauerhafte Fortführung und ihre Integration in übergeordnete Informations-Infrastrukturen zu schaffen. Der Ausbau des RM.net über die Projektlaufzeit hinaus ist gewährleistet durch die konsequente Orientierung an internationalen Standards. Diese Vorgehensweise macht es möglich, das Informationsnetzwerk zur europäischen Geschichte über die Projektlaufzeit hinaus in Kooperation mit unterschiedlichen nationalen und internationalen Einrichtungen ortsunabhängig von verteilten Arbeitsplätzen aus weiterzuführen. Zudem erlaubt die offene Konzeption des Netzwerks den Transfer der prototypisch am RM.net entwickelten Lösungen auf andere Forschungs- und Informationsverbünde. Auch die Voraussetzungen zur Vernetzung mit dem Angebot der Virtuellen Fachbibliotheken im Fach Geschichte, den zentralen Einstiegsportalen für die Informationsrecherche, sind gegeben.

Dr. Gisela Minn und Yvonne Rommelfanger sind Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen an der Universität Trier.

Sarah Neumann ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Oldenburg.

Alle drei Autorinnen arbeite(te)n für das Informationsnetzwerk zur Geschichte des Rhein-Maas-Raumes an der Universität Trier.


[1] Der Beitrag gibt die leicht überarbeitete Fassung des Vortrags wider, den die Projektmitarbeiterinnen am 10. April 2003 in Berlin im Rahmen der Tagung .hist2003 gehalten haben. Bei der Erstellung der Vortragspräsentation haben unsere Kollegen Hans-Werner Bartz und Ansgar Schmitz mitgewirkt. Für ihre effiziente Unterstützung möchten wir ihnen ganz herzlich an dieser Stelle danken.

[2] Vgl. Eckelmann, Sigrun, Neue Kommunikations- und Publikationsinfrastrukturen auf der Basis digitaler Medien. Schlußfolgerungen aus den Multimedia-Rundgesprächen der Deutschen Forschungsgemeinschaft, in: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliografie 46 (1999), S. 493-501; Dies., Die Archivförderung der DFG – Schwerpunkte und Perspektiven, in: Menne-Haritz, Angelika (Hg.), Online-Findbücher, Suchmaschinen und Portale. Beiträge des 6. Archivwissenschaftlichen Kolloquiums der Archivschule Marburg (Veröffentlichungen der Archivschule Marburg 35), Marburg 2002, S. 173-181.

[3] Informationen zu den genannten Förderprogrammen der DFG sind unter folgender URL-Adresse zugänglich: <http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/wissenschaftliche_infrastruktur/lis/index.html>.

[4] Die Protoversion des Informationsnetzwerkes ist zugänglich unter der URL <http://www.RM.net.uni-trier.de>; zum Projekt vgl. auch Minn, Gisela; Rapp, Andrea, The Information and Reference Network for the History of the Rhine-Meuse-Area. An Area-Oriented Subject Information System for the Humanities, in: Burch, Thomas; Fournier, Johannes; Gärtner, Kurt; Rapp, Andrea, Standards und Methoden der Volltextdigitalisierung. Beiträge des Internationalen Kolloquiums an der Universität Trier, 8.-9. Oktober 2001 (Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, Abhandlungen der Geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse 9), Mainz 2003, S. 311-315.

[5] Vgl. zum Sonderforschungsbereich 235 die Informationen zur Gesamtkonzeption des Verbundprojektes und zu den Einzelprojekten unter der URL <http://www.RM.net.uni-trier.de>.

[6] Vgl. Leprosorien in Mittelalter und früher Neuzeit, bearb. v. Martin Uhrmacher (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, 7. Lfg, Karte und Beiheft VIII.5), Köln 2000, hier Beiheft, S. 49.

[7] Weitere Informationen dazu finden sich unter <http://www.ddb.de/professionell/swd.htm>.

[8] Der Sachindex des RM.net-Projektes ist auf der obersten Ebene mit dem komplexen Notationssystem der Jahresberichte für Deutsche Geschichte abgestimmt.


Das Kooperationsprojekt "Bayerische Landesbibliothek Online"
Ein zentrales Portal zu heterogenen Ressourcen

Schlögl, Daniel

Landesbibliotheken sind traditionell die ersten Anlaufstellen für die wissenschaftliche Beschäftigung mit einem bestimmten Land: Sie sammeln mit größtmöglicher Vollständigkeit landesbezogene Informationen mit dem Ziel, diese langfristig zu archivieren, zu dokumentieren und der Öffentlichkeit physisch zugänglich zu machen und zu erschließen. Hinsichtlich ihrer Funktion für die Vermittlung des kulturellen Erbes und aktuellen Wissens über eine bestimmte Region stellt der Wandel in der Medienlandschaft Landesbibliotheken vor grundlegend neue Herausforderungen: Einerseits wird durch das Internet der Zugriff auf Informationen erleichtert, andererseits wächst mit der Datenflut und der Vielfalt unkoordinierter Initiativen und Informationsangebote sowie unterschiedlicher Erschließungs- und Zugangssysteme auch die Unübersichtlichkeit.

In den letzten Jahren bemühten sich daher die Bayerische Staatsbibliothek und die Universitätsbibliotheken Augsburg und Regensburg, im Sinne einer effizienteren Informationsversorgung zusammen mit weiteren wissenschaftlichen und staatlichen Einrichtungen ein neues Konzept der Informationsaufbereitung und -verknüpfung zu entwickeln. Zu diesem Zweck startete im Jahr 2000 mit Fördermitteln des Bayerischen Wissenschaftministeriums das Vorhaben „Bayerische Landesbibliothek Online“ (BLO) [1] ; im Juni 2002 wurde die BLO in einer ersten Version der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Homepage der Bayerischen Landesbibliothek Online

Ziel des Projekts BLO ist es, auf Bayern bezogene elektronische Angebote neu zu erstellen und diese mit vorhandenen Ressourcen zu vernetzen und über zentrale Zugriffsinstrumente gemeinsam zu erschließen. Aus der Verknüpfung von digitalisierten textlichen und grafischen Primärdaten mit Metainformationen und auswärtigen Angeboten soll ein neuartig strukturierter Informationsraum entstehen, der einerseits zur Aufwertung längst etablierter Ressourcen führt, andererseits neu erstellte Angebote überhaupt erst sinnvoll erschließt.

Die BLO ist grundsätzlich fächerübergreifend angelegt, hat naturgemäß aber einen starken Focus auf genuin geschichtswissenschaftlichen Materialien und Informationen, die auch für Landes- und RegionalhistorikerInnen von Bedeutung sind. Konzeptionell konnte hierbei wesentlich auf Initiativen und Vorleistungen seitens der Fachwissenschaft zurückgegriffen werden: Ansätze zur systematischen Nutzung des Internets sowie Initiativen für ein landesgeschichtliches Informationssystem gab es seit Mitte der 1990er-Jahre; zusammen mit einer am Vorbild von H-Soz-u-Kult orientierten Mailingliste zur bayerischen Geschichte [2] entwickelten sich seit 1999 ein wissenschaftlicher Beirat und eine Internet-Arbeitsgruppe, in der die Aktivitäten der verschiedenen universitären und außeruniversitären Institutionen kommuniziert und koordiniert werden. Das bibliothekarische Projekt BLO konnte damit von vornherein Ideen und Anregungen einer wesentlichen Nutzergruppe, der professionellen landeshistorischen Forschung, aufgreifen und umsetzen. [3]

Einzelne Module

Derzeit besteht die Bayerische Landesbibliothek Online aus folgenden, auch selbständig nutzbaren Modulen:

  • Die Datenbank der Bayerischen Bibliographie [4] stellt mit ihren etwa 166.000 Literaturnachweisen ein Herzstück der BLO dar. Mit der Bayerischen Bibliographie wurde die traditionelle bibliothekarische Funktion der Erschließung landesbezogener gedruckter Informationen in die BLO integriert und zugleich auf eine neue Ebene gehoben.
  • Ihr Pendant ist der WebWeiser Bayern [5] , der zur Erschließung bayernbezogener Internet-Ressourcen von zentraler Bedeutung ist. Das Metadatenmodell orientiert sich an dem des Kooperationsprojekts „InformationsWeiser Geschichte/History Guide“, ist gegenüber diesem aber aus pragmatischen Gründen reduziert worden. Das Angebot befindet sich noch im Aufbau und beinhaltet derzeit nur eine Auswahl an Daten.

Um dem Ziel näher zu kommen, Recherchemöglichkeiten so zu implementieren, dass Inhalte unabhängig davon, in welcher Form und mit welchem Medium sie dargeboten werden, aufgefunden werden können, wird zur Erschließung die Systematik der Bayerischen Bibliographie verwendet. Über einen aus der Datenbank generierten Button kann eine Suche in der Bayerischen Bibliographie ausgelöst werden, die direkt in die Ergebnisanzeige führt.

Einen großen Block nehmen digitalisierte Fachliteratur und Quellen ein. Es handelt sich hier um Angebote, die am Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) auf Vorschlag der LandeshistorikerInnen erstellt wurden. [6]

  • Hier ist an erster Stelle der, von der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften [7] herausgegebene, Historische Atlas von Bayern zu nennen, der als eine historisch-topografische Landesbeschreibung die Besitz-, Herrschafts- und Verwaltungsstruktur vom Mittelalter bis zur neuesten Zeit statistisch darstellt und kartografisch dokumentiert. Das Digitalisierungsprojekt ist zunächst beschränkt auf die 62 vergriffenen Bände, von denen derzeit 17 im Internet zur Verfügung stehen. Die Inhaltsverzeichnisse sowie die Orts- und Personenregister der Bände wurden im Volltext erfasst und sind mit den betreffenden Seitenimages verknüpft. [8]
  • Ebenfalls in Kooperation mit der Kommission für bayerische Landesgeschichte wird die Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte (ZBLG) retrospektiv bis fünf Jahre vor dem aktuellen erschienenen Jahrgang digitalisiert. Für die bis 1961 erschienenen, in Fraktur gedruckten Bände ist eine Suche nach AutorInnen und Aufsatztiteln möglich; die ab 1962 publizierten, in Antiqua gesetzten Zeitschriftenbände sind im Volltext recherchierbar. [9]
  • Ein Projekt, das von der oben genannten Internet-Arbeitsgruppe angestoßen wurde, ist der Block mit digitalisierten Quellen und Untersuchungen zur Geschichte des bayerischen Parlamentarismus. Das Projekt wurde mit Mitteln des Bayerischen Landtags verwirklicht und umfasst bislang die älteren Landtagshandlungen 1429 bis 1669 in der zwar schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts erschienenen, doch bis heute nicht ersetzten Edition Franz Krenners, sowie die stenografischen Berichte des modernen Landtags in der Zeit der Weimarer Republik (1919-1933) und in der Frühphase der neuen staatlichen Ordnung nach Ende des Zweiten Weltkriegs (1946/47). Die Sach- und Sprechregister wurden jeweils vollständig erfasst; eine Recherche im Volltext oder per Suchmaske führt direkt zu den entsprechenden Seitenimages. [10] Als Handreichung für eine kritische Auseinandersetzung mit dem dargebotenen Quellenmaterial wurde außerdem der (in der Druckausgabe vergriffene) Tagungsband „Der Bayerische Landtag vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart“, eine Synthese des Forschungsstandes zur Geschichte des bayerischen Parlaments, im Volltext digitalisiert. [11]
  • Ergänzend zu den – in den einzelnen Bänden des Historischen Atlas’ von Bayern enthaltenen – Geschichtskarten werden im Rahmen der BLO auch ausgewählte historische Karten (vorwiegend aus dem Bestand der BSB) digitalisiert, die einerseits die Entwicklung des Landes, andererseits die Geschichte der Kartografie dokumentieren. Die digitalisierten Karten werden an der Universitätsbibliothek Regensburg für den Import in ein Geografisches Informationssystem (GIS) aufbereitet, so dass sie für eine Recherche nach Gauß-Krüger-Koordinaten zur Verfügung stehen. Die Anzeige erfolgt mittels Zoom-Server-Technologie, das heißt, innerhalb eines vorgegebenen Bildschirmfensters kann der Kartenausschnitt (und damit korrespondierend dessen Verkleinerung oder Vergrößerung) durch Steuerungsbuttons von den BenutzerInnen weitgehend frei bestimmt werden.
  • Mit der „Regensburger Porträtsammlung“ steht in der BLO ein geschlossener historischer Bestand personenbezogener bildlicher Quellen bereit. Die Porträtsammlung ist Teil der Graphischen Sammlung des Hauses Thurn und Taxis und umfasst circa 5.000 reproduktionsgrafische Einzelblätter aus dem Zeitraum 16. bis 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im 17. und 18. Jahrhundert. Das Sammlungsinteresse galt vorrangig den Regierenden verschiedener europäischer Herrscherhäuser, hochrangigen Adeligen, Staatsbeamten, Militärs, Vertretern der Geistlichkeit und bedeutenden Gelehrten, wobei ein großer Teil der Porträtierten und Porträtkünstler aus Bayern stammt oder für Bayern von Bedeutung ist. Die Sammlung wurde innerhalb eines DFG-Projekts digitalisiert und intensiv erschlossen. [12] Innerhalb der BLO ist die Porträtgalerie in einer ersten prototypischen Version eingebunden.

Zentrale Erschließungsinstrumente

Zur Ermöglichung effektiver Recherchen werden die einzelnen Module in der BLO über eine zentrale Orts- und eine Personendatenbank erschlossen, die damit jeweils eine Rückgratfunktion für das Gesamtsystem einnehmen. Die Ortsdatenbank sei im folgenden näher vorgestellt.

Bayerische Ortsdatenbank

Ausgangspunkt für die Ortsdatenbank war das von der Kommission für bayerische Landesgeschichte begonnene vereinheitlichte Gesamtortsregister der Statistik-Beiträge des Historischen Atlas’ von Bayern. [13] Dieses wurde mit den vom Bayerischen Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung gepflegten Daten (unter anderem amtliche Ortsnamen, Teilgemeindekennziffern, Gauß-Krüger-Koordinaten) zusammengeführt und damit der heutigen, seit der Gemeindereform von 1972 wesentlich veränderten Verwaltungsstruktur zugeordnet. Für die BLO wurde die Datenbank an der Bayerischen Staatsbibliothek für das Internet so aufbereitet, dass sie ein zentrales Rückgrat für die BLO bilden kann.

Die Stadt Moosburg in der BLO

Die knapp 42.000 Einträge der Datenbank sind so miteinander vernetzt, dass die Verwaltungsstruktur abgebildet wird und der Nutzer von der Ergebnisanzeige aus bequem zu den jeweils über- und untergeordneten Verwaltungseinheiten navigieren kann. Zudem bieten die Ergebnisanzeigen jeweils automatisch generierte Verknüpfungen zu Informationsangeboten innerhalb und außerhalb der BLO, etwa zu den digitalen Volltextangeboten „Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte“ und „Historischer Atlas von Bayern“, zur Gemeindedatenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte, zum OPAC des Bayerischen Verbundkataloges oder auch zu Google. Über die geographischen Koordinaten der Orte können Anfragen an ein GIS ausgelöst und Ausschnitte derjenigen digitalisierten Karten abgerufen werden, die den Koordinatenbereich des jeweiligen Orts enthalten.

Fazit

Mit der BLO sollen die traditionellen Aufgaben und Funktionen von Landesbibliotheken angesichts des elektronischen Zeitalters neu interpretiert werden. Sie ist ein Gateway zu sehr heterogenen Ressourcen sowohl was den Inhalt, als auch was die Anbieter betrifft. Durch die Art der Verknüpfung bleibt jedes der integrierten Angebote auch für sich eigenständig. Die BLO ist nicht starr aufgebaut, sondern ein modular aufgebautes, pragmatisch orientiertes, flexibles System; die beteiligten Einrichtungen bleiben jeweils mit ihrer eigenen Identität sichtbar. Eine Erweiterung ist angestrebt und jederzeit möglich; eben vereinbart wurde eine Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesvermessungsamt zur Einbindung der Ortsblätter der Kataster-Uraufnahme des 19. Jahrhunderts.

Besonders gut funktioniert die Verknüpfung dort, wo auf etablierte und kontrollierte Code-Vorräte zurückgegriffen werden kann, insbesondere bei den amtlichen Ortskennziffern und der Systematik der Bayerischen Bibliographie. Bei Volltextrecherchen in digitalen Angeboten kann es hingegen zu Überraschungen kommen, etwa mit kaum zu bewältigenden Treffermengen für Orte wie München. Hier wird deutlich, dass es sich bei der BLO um kein inhaltlich in sich fein aufeinander abgestimmtes System handelt, sondern dass weiterhin intelligente, kritische NutzerInnen gefordert sind.

Andererseits ist gerade die offene Struktur der BLO einer ihrer größten Vorzüge – auch, dass die geschichtliche Information hier in einem zwar regional begrenzten, aber thematisch weiteren Kontext steht, ist sicher kein Nachteil. Die BLO ist derzeit kein exklusiv geschichtswissenschaftliches Angebot, sie kann aber als infrastrukturelle Plattform dienen, ein solches aufzubauen.

Nicht nur in Hinblick auf den weiteren Ausbau und die Integration neuer Module ist die BLO offen für Kooperationen – zweifellos würden sich aus dem Aufbau vergleichbarer Informationsangebote für andere Länder oder Regionen neue und gewinnbringende Optionen der Zusammenarbeit und Quervernetzung ergeben.

Dr. Daniel Schlögl ist seit 2004 Arbeitsstellenleiter des Akademienvorhabens „Jahresberichte für deutsche Geschichte“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Er war zuvor als Referent für Bavarica an der Bayerischen Staatsbibliothek in München tätig. Neuer Ansprechpartner für die Bayerische Landesbibliothek Online an der BSB ist Dr. Stephan Kellner.


[1] Vgl. <http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/>. – Der Text des vorliegenden Beitrags spiegelt in allen Informationen grundsätzlich den Stand von 2003 wider. Die Screenshots wurden 2005 angefertigt und lassen somit die zwischenzeitlich stattgefundene Weiterentwicklung der BLO erkennen. Auf eine grundlegende Überarbeitung des Beitrags wurde, um die Entwicklung nachvollziehbar zu machen, bewusst verzichtet. Zum aktuellen Stand des Projekts siehe Kellner, Stephan, Schlögl, Daniel, Von der Landesbibliographie zum landesbezogenen Informationssystem: Die Bayerische Landesbibliothek Online (BLO) und vergleichbare Projekte, in: Syré, Ludger, Wiesenmüller, Heidrun , Landes- und Regionalbibliographien im deutschsprachigen Raum, Frankfurt am Main 2005 (im Druck).

[2] Vgl. E-Mail-Forum Geschichte Bayerns: <http://www.geschichte-bayerns.de/mailingliste/start.ht>. H-Soz-u-Kult: siehe <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/index.asp>.

[3] Vgl. Schlögl, Daniel, Informationsknotenpunkt „Geschichte Bayerns“ im Internet. Ein Gemeinschaftsprojekt der bayerischen Landeshistoriker, in: Jahrbuch der historischen Forschung in der Bundesrepublik Deutschland 2000, S. 52-54, siehe: <http://www.ahf-muenchen.de/Forschungsberichte/Berichte2001/Schloegl.shtml>.

[4] Vgl. <http://www.bayerische-bibliographie.de/>.

[5] Vgl. InformationsWeiser Geschichte: <http://mdz2.bib-bvb.de/hist/>. History Guide: siehe <http://www.historyguide.de/>.

[6] Dörr, Marianne, Fachinformation Geschichte im Internet. Angebote der Bayerischen Staatsbibliothek, in: Jahrbuch der historischen Forschung in der Bundesrepublik Deutschland 2001, S. 63-68, siehe: <http://www.ahf-muenchen.de/Forschungsberichte/Berichte2002/Doerr.pdf>.

[7] Vgl. <http://www.kbl.badw.de/>.

[8] Vgl. <http://mdz.bib-bvb.de/digbib/bayern/hab>.

[9] Vgl. <http://mdz.bib-bvb.de/digbib/bayern/zblg>.

[10] Vgl. <http://mdz.bib-bvb.de/digbib/bayern/byl>.

[11] Ziegler, Walter (Hg.), Der Bayerische Landtag vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Probleme und Desiderate historischer Forschung. Kolloquium des Instituts für Bayerische Geschichte am 20. Januar 1995 im Maximilianeum in München (Beiträge zum Parlamentarismus, Bd. 8), München 1995.

[12] Siehe die Informationsseite: Digitalisierung einer Bildnissammlung, Bestandteil der Graphischen Sammlung des Hauses Thurn und Taxis <http://www.bibliothek.uni-regensburg.de/projekte/portraets/portraets.htm>.

[13] Vgl. <http://www.kbl.badw.de/atlas/register.htm>.


Das "Netzwerk Subject Gateways Geschichte"
Geschichtswissenschaft, Fachbibliografien und Bibliotheken im Verbund

Enderle, Wilfried; Winsmann, Anke

Einführung

Unter der Überschrift „Das "Netzwerk Subject Gateways Geschichte" - Geschichtswissenschaft, Fachbibliografien und Bibliotheken im Verbund“ soll ein Kooperationsvorhaben vorgestellt werden, das – der Begriff „Subject Gateway“ drückt es für KennerInnen der Materie bereits aus – auf die kooperative Erschließung geschichtswissenschaftlicher Internetressourcen zielt. Das Vorhaben befindet sich erst in seiner Vorbereitungsphase, so dass der Ausgang derzeit durchaus noch ungewiss ist. Doch auch unabhängig davon lohnt es eine kurze Betrachtung, da am Beispiel dieses Kooperationsprojektes einige Aspekte des Themas geschichtswissenschaftliche Fachinformation und Internet angesprochen werden können. Aus der Sicht von BibliothekarInnen und HistorikerInnen ist ein weiterer interessanter Gesichtspunkt, dass sich dieses Netzwerk in einem Kontext verschiedener aktueller Projekte entwickelt, in denen erstmals seit langem wieder ein Versuch unternommen wird, die Infrastruktur historischer Fachinformation in Deutschland zu modernisieren. Im Grunde ist es seit dem gescheiterten Fachinformationssystem 14 [1] das erste Mal, dass nach über 20 Jahren mit der aktuellen Projektlandschaft ein Vorhaben mit vergleichbaren Zielen in Angriff genommen wird.

Weil die Kenntnis dieses Hintergrunds wichtig ist, soll das Netzwerk Subject Gateways Geschichte unter zwei Blickwinkeln vorgestellt werden: Zum einen sollen natürlich konkret das Unternehmen selbst beschrieben und seine Ziele erläutert, zum anderen aber soll es vor dem Hintergrund der aktuellen wissenschaftspolitischen Entwicklung sowie der Infrastruktur geschichtswissenschaftlicher Fachinformation insgesamt erörtert werden. Einleitend wird daher zunächst einmal das Thema "Geschichtswissenschaftliche Fachinformation und das Internet" (Absatz 2) diskutiert werden, ehe „Das Konzept des Netzwerkes Subject Gateways Geschichte“ (Absatz 3) als ein Modell zum Aufbau einer infrastrukturellen Lösung vorgestellt werden soll. Die Entstehung des Netzwerkes Subject Gateways Geschichte selbst kann nur dann vollständig verstanden werden, wenn man es in seinem wissenschaftspolitischen Kontext sieht, da es zu einem nicht unbeträchtlichen Teil von Projekten (und den dafür verantwortlichen Einrichtungen) getragen wird, die im Kontext des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Programms zum Aufbau virtueller Fachbibliotheken entstanden sind (Absatz 4). Nach dessen Darstellung wird dann abschließend die aktuelle Internetpräsenz des Netzwerks Subject Gateways Geschichte vorgestellt werden (Absatz 5), die HistorikerInnen bereits heute über das Internet für ihre Arbeit nutzen können.

Geschichtswissenschaftliche Fachinformation und das Internet

Wenn man über Konzepte zur Erschließung von Internetressourcen nachdenkt, so sollte man zuerst einmal Bilanz ziehen und festhalten, wie eigentlich die klassische historische Fachinformation funktioniert; wie bislang also die Aufgaben und Probleme der Erschließung und Zur-Verfügung-Stellung geschichtswissenschaftlicher Literatur gelöst wurden. Für wissenschaftliche BibliothekarInnen ist dies nichts Neues, ein Blick in die Literatur lässt indes erkennen, dass die FachhistorikerInnen sich mit der Geschichte ihrer eigenen Fachinformation kaum beschäftigt haben. Und wenn sie einmal mit dem Begriff der Fachinformation arbeiten, so zeigt sich, dass sie darunter sehr unterschiedliche Inhalte subsumieren. Dies reicht zum Beispiel von einer Adresssammlung historischer Institute [2] über ein System zur Popularisierung historischer Information [3] bis zur historischen Fachinformatik [4] , also dem Einsatz der EDV in der Geschichtswissenschaft (wobei in dem von Bärbel Biste und Rüdiger Hohls herausgegebenen Sammelband partiell schon eine ziemliche Nähe zu dem erreicht ist, was BibliothekarInnen darunter verstehen). [5] Eine der wenigen Arbeiten, die unter dem Begriff der historischen Fachinformation tatsächlich im wesentlichen die Erschließung von Literatur verstanden haben, ist die Dissertation von Peter Horvath [6] , der sich Mitte der 1990er Jahre freilich noch auf die Angebote kommerzieller Online-Hosts konzentrierte und weniger die neuen Optionen des Internets, wie sie in der Ausprägung des World Wide Web entstanden sind, thematisierte.

Vielleicht hätte manche Diskussion der letzten Jahre vermieden oder zumindest fruchtbarer geführt werden können, wenn HistorikerInnen und BibliothekarInnen ein gemeinsames Grundverständnis der Sache gehabt hätten. Als erster Ausgangspunkt sei folgende Definition vorgeschlagen: Geschichtswissenschaftliche Fachinformation im weiteren Sinne umfasst das gesamte, laufend veröffentlichte Wissen zur Geschichte, das den methodischen Kriterien wissenschaftlicher Geschichtsschreibung genügt. Im engeren Sinne wird unter Fachinformation nur die laufende und systematische Erschließung dieses veröffentlichten Wissens verstanden. Wenn man von dieser Definition ausgeht, so sind damit implizit auch schon die verschiedenen AkteurInnen genannt, welche das infrastrukturelle System der Fachinformation bilden:

  1. Zunächst wären die HistorikerInnen als AutorInnen wissenschaftlicher Publikationen (Aufsätze, Monografien, Editionen, Websites usw.) zu nennen. Dabei sollte man HistorikerInnen in ihren Rollen als AutorInnen, als UrheberInnen von Publikationen, durchaus auch in ihrem jeweiligen institutionellen Kontext (historische Seminare, Forschungsinstitute, Konferenzen usw.) sehen, da die Anregung oder Verpflichtung für wissenschaftliche Publikationen häufig aus diesem Kontext kommt, wenn man zum Beispiel an die Druckpflicht von Dissertationen denkt.
  2. An zweiter Stelle sind die Wissenschaftsverlage und historischen Kommissionen, Redaktionen usw. anzuführen, da sie das Nadelöhr bilden, durch das ein Manuskript hindurch muss, wenn es denn den Status einer Publikation erhalten will.
  3. Ist ein Buch oder eine Zeitschrift dann tatsächlich publiziert, so gelangt es in die Nationalbibliotheken (via Pflichtexemplarrecht) sowie in die verschiedenen wissenschaftlichen Bibliotheken (via Erwerb oder Dissertationstausch). In Deutschland sind hierbei große Forschungsbibliotheken, wie die Staatsbibliothek zu Berlin, und das System der Sondersammelgebietsbibliotheken sowie weitere Spezialbibliotheken, aber auch das breite Spektrum von Regionalbibliotheken von besonderer Bedeutung, da hier nach fachlichen oder regionalen Kriterien umfassende, idealiter Vollständigkeit anstrebende Sammlungen aufgebaut werden. [7]
  4. Diese werden dann inhaltlich wiederum von geschichtswissenschaftlichen Fachbibliografien ausgewertet, denn sie nutzen in der Regel die Informationen, welche Nationalbibliotheken über ihre Nationalbibliografien veröffentlichen, sowie die konkreten Bestände von Forschungs- oder Spezialbibliotheken, um per Autopsie, also anhand der konkreten Monografie oder des Aufsatzes, eine fachliche Erschließung zu leisten. Wobei sich hier im Laufe der letzten anderthalb Jahrhunderte ein System von universal orientierten, nationalen und regionalen sowie thematischen Unternehmungen herausgebildet hat. [8]
  5. Für die einzelnen HistorikerInnen, denen es gelungen ist, ein Manuskript zur Publikation zu bringen, sind diese bibliothekarischen und bibliografischen Bemühungen in der Regel zunächst ohne große Bedeutung. Für sie gibt es etwas, das viel wichtiger ist: Die Rezeption ihrer Arbeit und das heißt konkret, die Rezension und Diskussion in den wichtigsten Zeitschriften des Faches; aber auch die Erwähnung in den Fußnoten der KollegInnen. Denn darüber wird entschieden, wer Anerkennung und darüber gegebenenfalls auch eine entsprechende Anstellung im Fach findet.

Die Infrastruktur geschichtswissenschaftlicher Fachinformation

Mit diesen fünf Säulen ist im Wesentlichen die Infrastruktur der geschichtswissenschaftlichen Fachinformation umrissen. Natürlich sind Archive und zum Teil auch Museen für die Forschung von entscheidender Bedeutung, da sie das unikale Quellenmaterial für die eigentliche Forschungsarbeit besitzen. Doch unter dem Blickwinkel des Publizierens, so wie der Begriff der Fachinformation hier verstanden wird, bilden sie einen eigenen Informationsraum mit spezifischen Merkmalen, der hier nicht zu diskutiert werden braucht. Mit diesen fünf Säulen wird gleichsam ein geschichtswissenschaftlicher Informationsraum definiert, der ein wesentliches infrastrukturelles Element der Geschichtsschreibung als wissenschaftlicher Disziplin darstellt, so wie sie sich jedenfalls seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgebildet hat. Der Aspekt der Institutionalisierung der Geschichtswissenschaft seit der Mitte des 19. Jahrhunderts - mit Vorläufern bis in das 18. Jahrhundert - und die Frage, welche - häufig übersehene oder unterschätzte - Rolle hierbei die historische Fachinformation gespielt hat, kann im Rahmen dieses Beitrags nicht eigens erörtert werden. Es ist für das Verständnis historischer Fachinformation indes entscheidend, zu sehen, dass moderne wissenschaftliche Geschichtsschreibung nicht ohne ihren institutionellen Kontext existiert; dass die Professionalisierung und methodische Standardisierung der modernen Geschichtswissenschaft untrennbar verbunden ist mit der Etablierung einer institutionellen Infrastruktur, bestehend aus historischen Seminaren an Universitäten, Forschungsinstituten, Konferenzen, Kommissionen und Gremien, Vereinen, Fachbibliografien, Bibliotheken usw. [9] ; und der Inhalt dieser Infrastruktur, wenn man von den konkreten organisatorischen Erscheinungsformen einmal absieht, das Publizieren und Diskutieren von Forschungsergebnissen, ist also der eben skizzierte geschichtswissenschaftliche Informationsraum. Und genau aus diesem Grund ist auch für das Fach als Ganzes die Frage, ob und wie neu entstehende digitale Informationsräume integriert werden können, von nicht zu unterschätzender wissenschaftspolitischer Bedeutung.

Ein wichtiges konstitutives Element dieses Informationsraums - dies sei nur nebenbei angeführt - sind seine drei Evaluierungsebenen, die jeweils unterschiedliche Funktionen haben: also diejenige der Kommissionen und Redaktionen, die über die Drucklegung von Manuskripten entscheiden; der Bibliotheken und Fachbibliografien, welche Bücher nach stärker formalen Kriterien auswählen, erwerben und erschließen; und der RezensentInnen, also der HistorikerInnen selbst, die die inhaltliche Diskussion um die einzelnen Publikationen führen.

Diesen Informationsraum kann man dabei durchaus nochmals in zwei Teile untergliedern, denn, wie bereits deutlich wurde: Aus Sicht der FachhistorikerInnen sind die wichtigeren Säulen natürlich diejenigen in der linken Hälfte. Welche Funktionen nimmt nun dieser Teil des Informationsraums wahr? Für HistorikerInnen als AutorInnen und RedakteurInnen sind dies: Die Definition der Themen und Methoden, welche das Fach prägen; die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke und Communities, die diese Themen und Methoden inhaltlich besetzen; und die Organisation und der Betrieb von Institutionen, deren Zweck die Bereitstellung der materiellen Basis für die Angehörigen der Netzwerke ist, damit diese Forschungen zu den jeweiligen Themen durchführen und auf dieser Basis entsprechende Publikationen erarbeiten können; Publikationen, welche gleichsam den materialen Kern dieses Informationsraums bilden. Die wesentlichen Gesichtspunkte dieses Teils des Informationsraums sind also, pointiert zusammengefasst, Erkenntnis geschichtlicher Wirklichkeit und wissenschaftsinstitutionelle Macht. Beides gehört in der modernen Form der Wissenschaft untrennbar zusammen. Denn die Finanzierung der eigenen Forschung ist in der Regel nur dann möglich, wenn eine Absicherung über Forschungs- oder Universitätsinstitute gegeben ist - auf deren Stellen man wiederum nur kommt, wenn man in dem für HistorikerInnen relevanten Teil des Fachinformationsraums präsent und akzeptiert ist.

Was die FachhistorikerInnen im engeren Sinn zunächst weniger interessiert, sind die Funktionen, welche Bibliotheken und Fachbibliografien wahrnehmen. Dazu gehören: Die Erschließung des gesamten Informationsraums, welche HistorikerInnen die Möglichkeit bietet, sich sowohl systematisch als auch laufend über das publizierte Wissen zu einzelnen Themen der Geschichte unterrichten zu können; dazu gehört natürlich auch die Bereitstellung der entsprechenden Publikationen und deren dauerhafte Archivierung, welche unter anderem auch die Zitierfähigkeit von Publikationen gewährleistet. Beide Funktionen bilden eine gleichsam stillschweigend vorausgesetzte und im modernen Wissenschaftsbetrieb als selbstverständlich hingenommene Grundlage moderner Wissenschaft überhaupt. Eine Grundlage, auf der WissenschaftlerInnen aufsetzen können, derer sie sich aber nicht mehr eigens zu vergewissern brauchen. Und eben darin besteht schließlich auch die Funktion einer institutionellen und organisatorischen Infrastruktur. Letztlich entscheidend ist, dass dieses System in seiner Gesamtheit funktionieren muss. Und mehr oder minder tut es dies derzeit auch für den Bereich gedruckter Publikationen. Dass die Geschichtswissenschaft als akademische Disziplin überhaupt funktioniert, hängt eben auch von der Existenz dieser Infrastruktur und dem dadurch konstituierten - hier natürlich idealtypisch extrem vereinfacht dargestellten - fachwissenschaftlichen Informationsraum ab.

Funktionen des geschichtswissenschaftlichen Informationsraums

Wenn wir nun das Thema Internet vor dem Hintergrund dieser Infrastruktur und ihrer Funktionen sehen, stellt sich als erstes die Frage, ob dieses Modell auch dafür noch geeignet und zeitgemäß ist? Das Thema Internetpublikationen und wissenschaftliche Websites ist natürlich sehr komplex und hat viele Facetten, angefangen von der Frage der Evaluierung solcher Sites [10] bis zu deren Zitierfähigkeit und Archivierung. Doch das sind zwar komplexe, aber letztlich technische Einzelaspekte. Ehe man diese en détail diskutiert, sollte man sich mit der infrastrukturellen Frage beschäftigen. Wie kann also ein geschichtswissenschaftlicher Informationsraum im Internet aussehen? Die erste Prämisse, von der ausgegangen wird, ist, dass die eben skizzierten Funktionen des historischen Informationsraums so auch für den Bereich der Internetpublikationen erfüllt werden müssen, wenn digitale Medien tatsächlich in einem bestimmten Umfang Printmedien in diesem Informationsraum substituieren oder auch nur ergänzen wollen. Und zum anderen wird davon ausgegangen, dass das grundlegende, klassische Paradigma historischer Fachinformation, das in der zuvor skizzierten Aufgaben- und Funktionsverteilung begründet ist, weiter bestehen wird.

Wenn man von diesen Voraussetzungen ausgehend versucht, den eben skizzierten Informationsraum auf den konkreten Fall der Erschließung von Internetressourcen anzuwenden, so bedeutet das, dass die fünf Säulen der Fachinformation nicht mehr so relativ autonom in ihren Subsystemen arbeiten können, wie dies bislang im Printbereich der Fall war. Sie rücken näher zusammen, weil der digitale Informationsraum im Unterschied zum Buch nicht mehr durch die Vielfalt autonomer Exemplare gekennzeichnet ist, sondern durch wenige, oft auch nur ein einziges Exemplar, das aber vielfältige und differenzierte Zugriffs- und direkte Nachnutzungsmöglichkeiten erlaubt.

Wenn mithin nicht mehr das einzelne Buch die zentrale Rolle der Informationsversorgung einnimmt, sondern eine gegebenenfalls nur einmal vorhandene Website, dann rücken automatisch die Website und vor allem die sie erschließenden Metadaten ins Zentrum, an die sich dann die verschiedenen AkteurInnen des geschichtswissenschaftlichen Informationsraums anlagern und sie für ihre jeweiligen Zwecke nutzen können. Zentral heißt hierbei nicht zentralisiert, sondern: Einsatz gemeinsamer Standards und Zugriff über das Internet. Der Aufbau und die Pflege der Metadatenpools ist in diesem Modell die Aufgabe der Bibliotheken und Fachbibliografien. Wobei hier die HistorikerInnen als AutorInnen und RezensentInnen näher heranrücken als in dem Infrastrukturmodell der gedruckten Fachinformation, da sie ihre Rezensionen und Publikationen direkt in die Metadaten einbauen, also direkt verlinken können; und zum Beispiel auch Metadaten direkt für eigene Publikationen in Form von Linklisten nachnutzen können. Wo AutorInnen selbst als Teil ihrer Sites, ihrer Publikationen oder der Sites ihrer Institutionen, einen eigenen kleinen Informationsraum aufbauen, können sie dies also direkt unter Nachnutzung gemeinsamer Daten tun. Ein entscheidender Aspekt dabei ist, dass der Zwang zur Standardisierung wachsen wird. AutorInnen und ProduzentInnen von Websites müssen standardisierte Datenformate (für Text, Bild wie Ton) verwenden. Die Beschreibung muss auf der Grundlage allgemein anerkannter Metadatenstandards erfolgen und, um den Informationsraum wirklich als Ganzes erschließen zu können, muss auch der Bereich der Erschließung, der Klassifikation, stärker normiert werden.

Geschichtswissenschaftlicher Informationsraum im Internet

Die Realisierung eines solchen arbeitsteiligen Modells würde zunächst einmal dieselbe Funktionalität für im Internet publizierte Materialien bieten, wie das Infrastrukturmodell der gedruckten Fachinformation. Für HistorikerInnen bedeutete dies im Idealfall: Dass sie als HistorikerInnen, die Informationen suchen, beim Funktionieren des Modells eine Gewähr für eine Suche in einem evaluierten und vollständig erschlossenen Informationsraum haben. Und dass sie für eigene Publikationen vorhandene Daten durch direkte Verlinkung nachnutzen können. Für ein solches Modell könnte, wenn es denn Erfolg hat, mittelfristig das Netzwerk Subject Gateways Geschichte eine konkrete Basis bilden; und dies "eine" sei durchaus betont, denn so wie es derzeit eine Vielfalt fachbibliografischer Datenbanken für unterschiedliche Bereiche gibt, wird es wohl auch im Bereich der Interneterschließung in Zukunft durchaus vielfältige Modelle geben. Die VL-Geschichte bietet bereits ein bekanntes und wichtiges Beispiel dafür, dass es möglich ist, durch arbeitsteilige Organisation im Internet einen qualifizierten geschichtswissenschaftlichen Informationsraum zu erschließen - wobei sie dies derzeit freilich bewusst außerhalb institutioneller Infrastrukturen und definierter Format- und Sacherschließungsstandards tut. Damit nutzt sie einen der innovativen Aspekte des Web: die Möglichkeit direkter, freier Publikation ohne den Zwang institutioneller Hürden, wie sie Verlage und historische Kommissionen nun einmal darstellen. Zugleich arbeitet sie damit aber auch ohne institutionelle Infrastruktur, welche längerfristige Zugreifbarkeit und Zitierfähigkeit garantiert.

Das Konzept des Netzwerks Subject Gateways Geschichte

Wie sieht nun konkret das Modell des Netzwerks Subject Gateways Geschichte aus? Es handelt sich dabei um eine Verbindung verschiedener Institutionen aus dem Bereich geschichtswissenschaftlicher Fachinformationen (Bibliotheken, Virtuelle Bibliotheken, Fachbibliografien und Forschungseinrichtungen), die sich zum Ziel gesetzt haben, in arbeitsteiliger Kooperation Internetressourcen zu erschließen, welche für Forschung und Lehre relevant sind. Derzeit sind dies: Bayerische Staatsbibliothek München, Bibliothek für bildungsgeschichtliche Forschung Berlin, Herder-Institut Marburg, Jahresberichte für deutsche Geschichte (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften), Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Staatsbibliothek zu Berlin (Preußischer Kulturbesitz), Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam sowie der Informationsverbund Clio-online und die ViFaOst. [11] Die von den einzelnen Partnereinrichtungen erstellten Metadatensätze zu verschiedenen Internetressourcen werden im Netzwerk gebündelt und als Datenpool für alle Netzwerkpartner zugänglich gemacht. Jeder Partner hat ein Zugriffsrecht auf den gesamten Datenbestand des Netzwerks und kann nach epochalen, regionalen oder thematischen Kriterien im institutionseigenen System Ausschnitte daraus veröffentlichen. Die Summe der erarbeiteten Ressourcen wird den interessierten NutzerInnen über einen zentralen Einstieg kostenfrei in strukturierter Form angeboten und ermöglicht eine individuelle Filterung nach Interessenslagen der NutzerInnen. Daneben werden zukünftig vorsortierte Ausschnitte als Fachportale veröffentlicht. Gleichberechtigte Partner haben sich in diesem Netzwerk zusammengeschlossen, um ihre gemeinsamen Interessen und Ziele in Form eines Informationsdienstes für die Geschichtswissenschaft in arbeitsteiliger und möglichst effizienter Form umsetzen zu können. Weitere interessierte Institutionen können sich grundsätzlich jederzeit dem Netzwerk anschließen, auch eine Zusammenarbeit mit einzelnen WissenschaftlerInnen ist im Rahmen des Netzwerks möglich. Je mehr Partner sich diesem Netzwerk anschließen, desto umfassender wird das gemeinsame Angebot werden, wobei eine intensive Betreuung der einzelnen Themenbereiche durch Fachleute gewährleistet werden kann.

Das gemeinsame Ziel besteht darin, Internetressourcen verschiedener Art zu erschließen und öffentlich nutzbar zu machen. Alle Kooperationspartner widmen sich dieser Aufgabe und erstellen nach einem gemeinsamen Standard Metadatensätze. Dies geschieht auf unterschiedlichen Ebenen in zum Teil verschiedenen Systemen, kann aber auch bedeuten, auf eine gemeinsam genutzte Datenbankbasis zuzugreifen. Die von allen Partnern geleistete Sammlung von Internetressourcen führt zu einem Aufbau und der Pflege eines gemeinsamen, thematisch übergreifenden Subject Gateways der Geschichtswissenschaften. Es soll ein umfassender Datenpool entstehen, der sich für die NutzerInnen als Gesamtangebot darstellt. Ziel ist die Ermöglichung einer übergreifenden Recherche in allen Netzwerkkomponenten, wie verschieden diese auch in ihrer Entstehungsstruktur sein mögen. Primäre Voraussetzung dafür ist die Verständigung auf ein gemeinsames Datenformat bei der Bearbeitung der Metadatensätze. Neben dem gemeinsamen Datenformat sind Vereinbarungen über Standards bezüglich der sachlichen und formalen Erschießung Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Eine optimale technische Lösung würde eine von allen genutzte Datenbank bilden, es genügt aber zunächst auch schon das Vorhandensein passender Schnittstellen zum Datentransfer und eine übergreifende Suche innerhalb des Netzwerks. Wenn diese Grundbedingungen erfüllt sind, ist das Zusammenspiel von verschiedenen Angeboten, seien es Fachbibliografien, Digitalisierungsprojekte von Bild- oder Textquellen oder anderen Nachweissystemen realisierbar.

Zur Vermeidung von Doppelarbeit, Ausnutzung von Synergieeffekten und der Transparenz von Zuständigkeiten werden Sachbereiche innerhalb der einzelnen Partnereinrichtungen abgesprochen. Diese Zuordnungen ergeben sich zum Teil aus der Verteilung der Sondersammelgebiete der teilnehmenden Bibliotheken und der gewachsenen Funktionen der beteiligten Einrichtungen. Somit kann der umfassende Bereich der Geschichtswissenschaften in thematischen, regionalen und epochalen Segmenten intensiv von Fachleuten bearbeitet werden. Die einzelnen Metadatensätze werden grundsätzlich so gekennzeichnet, dass nachvollziehbar ist, von welchem Partner innerhalb des Netzwerks dieser angelegt wurde. Somit wird eine Transparenz des Netzwerks gegenüber den NutzerInnen ermöglicht und werden klare Verantwortlichkeiten innerhalb des Verbundes nachvollziehbar. Die Rechte an den Metadaten bleiben jeweils bei der erstellenden Einrichtung. Sollte eine Institution sich irgendwann nicht mehr an der Kooperation beteiligen, bleiben ihre bis zu diesem Zeitpunkt eingebrachten Metadaten weiterhin zur öffentlichen Nutzung im Netzwerk Subject Gateways Geschichte und können im Verbund weiterhin gepflegt werden.

Die Summe aller im Netzwerk zur Verfügung stehender Datensätze wird den NutzerInnen über eine zentrale englische und eine zentrale deutsche Einstiegsseite zugänglich gemacht. Dafür sollen die bereits der Öffentlichkeit bekannten Einstiegsseiten des History Guide [12] und des Informationsweiser Geschichte [13] genutzt werden. Zusätzliche Einstiegsseiten sollen für kleinere thematisch oder regional orientierte Subject Gateways geschaffen werden. Diese speziellen Themenportale werden aus dem Gesamtdatenpool herausgefiltert und den NutzerInnen angeboten. Beispielsweise lassen sich für thematische Schwerpunkte die bereits erbrachten Leistungen einzelner Institutionen mit regional oder epochal ausgerichteten Arbeitsgebieten zusammenführen und so unter verschiedenen Aspekten nachnutzen. Auf diese Weise wird das breite Angebot des Netzwerks auf verschiedene Fragestellungen zugeschnitten und den NutzerInnen die Orientierung innerhalb des Angebots erleichtert. Dabei stehen weiterhin alle Daten des Datenpools dem gesamten Netzwerk zur Verfügung und können von allen Partnern mehrfach genutzt werden.

Die Voraussetzung für die Nachnutzung der Datensätze in verschiedenen Zusammenhängen und Umgebungen ist eine einheitliche inhaltliche und sachliche Erschließung. Die Bündelung von Datensätzen verschiedener Anbieter zu einzelnen Themenportalen wird durch die gemeinsame Verwendung abgestimmter Klassifikationen ermöglicht. Die Erfahrung zeigt, dass bisher keine umfassend einheitliche Bearbeitung in den einzelnen Einrichtungen erfolgte. Daher ist nicht zu erwarten, dass bisher erstellte Datensätze völlig ohne Veränderungen in das Netzwerk eingebunden werden können. Kleinere Probleme können durch Konkordanzen bewältigt werden, die sich an einem gemeinsamen Standard orientieren. Auf jeden Fall können die einzelnen Einrichtungen ihre eigenen und internen Klassifikationen weiterhin verwenden, aber als gemeinsames Austausch- und Strukturierungsmittel wird eine gemeinsame Klassifikation angewendet. Ob ihre bisherige Klassifikation weiterhin zusätzlich genutzt oder durch die neue ersetzt wird, entscheiden die einzelnen Institutionen. Wichtig ist, dass die Netzwerkpartner mit gemeinsamen Erschließungswerkzeugen arbeiten, einen intensiven Austausch untereinander pflegen und neue Partner bei der Einbindung ihrer Angebote in das Netzwerk unterstützen.

Der wissenschaftspolitische Kontext: Virtuelle Fachbibliotheken, Informationsverbünde und das Wissenschaftsportal vascoda

Das hier in seinen Grundzügen abstrakt beschriebene Netzwerk hat natürlich auch eine projektpolitische Vorgeschichte und Vorläufer. Es ist nicht einfach aus einer aktuellen Initiative einzelner Einrichtungen oder Personen entstanden, sondern steht in einem breiteren wissenschafts- und projektpolitischen Kontext, der im wesentlichen durch die Förderaktivitäten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) umrissen werden kann. Im Folgenden kann diese Entwicklung nur grob skizziert werden, wobei versucht wird, die für das Netzwerk Subject Gateways Geschichte relevanten Entwicklungen der letzten Jahre zu resümieren, von denen das Netzwerk letztlich ein Teil ist. Man kann das Netzwerk auch als ein Modul virtueller Fachbibliotheken zur Geschichtswissenschaft sehen, die wiederum Teil eines übergreifenden Wissenschaftsportals sind; einer Unternehmung, die unter dem Label vascoda [14] gemeinsam von DFG und BMBF initiiert wurde und derzeit technisch und organisatorisch aufgebaut wird. Die Vorgeschichte dazu sei kurz umrissen.

Als einen ersten Meilenstein kann man - etwas willkürlich - die 1995 öffentlich gemachten „Empfehlungen des Bibliotheksausschusses und der Kommission für Rechenanlagen“ der DFG nennen, welche eine „Neue Informations-Infrastruktur für Forschung und Lehre“ forderten [15] und dabei als eine Aktionslinie den Aufbau einer „Verteilten digitalen Forschungsbibliothek“ vorschlugen. 1997 wurde dann das Förderprogramm der DFG für das wissenschaftliche Bibliothekswesen entsprechend restrukturiert und 1998 ein Memorandum zur Weiterentwicklung des Systems der überregionalen Literaturversorgung publiziert, in dem unter anderem der Aufbau virtueller Fachbibliotheken empfohlen wurde. [16] Bereits 1997 hat auch eine sogenannte Bund-Länder-Arbeitsgruppe „subito“ vom BMBF unterstützt ein Konzeptpapier erarbeitet, das die Bildung virtueller Fachbibliotheken vorschlug, die auf der Struktur des Systems der überregionalen Literaturversorgung aufsetzen sollten. [17] Man kann hier einen durchaus fruchtbaren Austausch von Konzepten und Ideen erkennen, was konkret auch daran lag, dass zum Beispiel in der Subito-AG auch ein Vertreter der DFG saß.

Ein wichtiger Schritt wurde 1999 erreicht, als Förder- und Aktionsprogramme dann in konkrete Projekte umgesetzt wurden. Bei der DFG wurde der Aufbau virtueller Fachbibliotheken gefördert [18] , beim BMBF - etwas später - im Rahmen des Aktionsprogramms „Innovation und Arbeitsplätze in der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts“ [19] der Aufbau von Informationsverbünden für die Bereiche Technik, Medizin, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften begonnen. Mittlerweile gibt es vier Informationsverbünde und über 20 virtuelle Fachbibliotheken, zum Teil sogar in wechselseitiger Kooperation. Vor diesem Hintergrund wurde im Sommer 2002 von DFG und BMBF vereinbart, beide Entwicklungen zusammenzuführen in einem gemeinsamen Portal, das unter dem Namen vascoda im Sommer diesen Jahres erstmals öffentlich vorgestellt werden soll. [20]

Parallel zu diesen Förderprogrammen gab und gibt es natürlich eine Vielzahl einzelner Projekte. Es seien nur einige wenige genannt, die für die Geschichtswissenschaft relevant sind: 1995 wurde von der SUB Göttingen ein Projekt zur Erschließung von Internetressourcen für einige ihrer Sondersammelgebiete beantragt, das sogannte SSG-FI-Projekt. Mit einer Verzögerung gegenüber den naturwissenschaftlichen Fächern wurde 1996 auch für den Bereich der angloamerikanischen Geschichte eine Stelle bewilligt, woraus 1997 die erste Version des History Guide hervorging. [21] Seit 1999 begannen dann im Kontext des Aufbaus virtueller Fachbibliotheken weitere Projekte. In München wurde der Server Frühe Neuzeit in Kooperation zwischen dem Historischen Seminar der Universität und der Bayerischen Staatsbibliothek aufgebaut, der mittlerweile unter dem Label historicum.net expandiert. [22] Während in München die Initiative und auch die inhaltliche Konzeption des Projekts von der Seite der Fachwissenschaft ausgingen – der Typologie des geschichtswissenschaftlichen Informationsraums zufolge also zur linken Hälfte zuzurechnen ist -, hat die SUB Göttingen mit der Virtual Library of Anglo-American Culture: History einen anderen Ansatz gewählt: sie ging von den bibliothekarischen Dienstleistungen ihres regionalen SSGs aus und fasste sie in einem Portal zusammen, einer klassischen hybrid library; die den Einstieg für gedruckte Bücher, Aufsätze, digitale Fachdatenbanken und Internetressourcen gleichermaßen bietet. Mittlerweile gibt es weitere regional orientierte virtuelle Fachbibliotheken. Dazu gehören: der NEDGUIDE der ULB Münster für den niederländischen Kulturkreis und MENALIB, die virtuelle Fachbibliothek zum vorderen Orient und Nordafrika der ULB Halle. Weitere aktuelle und für HistorikerInnen relevante Projekte sind: Die Virtuelle Fachbibliothek Osteuropa, die gemeinsam vom Osteuropa-Institut der LMU München, dem Herder-Institut in Marburg und der Bayerischen Staatsbibliothek München organisiert wird, sowie die virtuelle Fachbibliothek Ibero-Amerika der Bibliothek des Ibero-Amerikanischen Instituts Berlin (Preußischer Kulturbesitz). [23]

Die Erschließung von Internetressourcen ist in allen virtuellen Fachbibliotheken ein wichtiges Modul. Deshalb haben die BSB München, parallel zur Entwicklung des historicum.net-Servers, und die Vlib-AAC: History der SUB Göttingen ab Januar 2001 ein gemeinsames Projekt durchgeführt, das, kurz zusammengefasst, ein kooperativ geführtes Subject Gateway Geschichte auf der Basis verteilter Datenbanken in Göttingen und München realisierte. Auf Göttinger Seite war dies der History Guide. In München wurde unter Nachnutzung der in Göttingen entwickelten Technik eine zweite Datenbank aufgebaut – der InformationsWeiser Geschichte. Hier wurden schwerpunktmäßig Datensätze zu Websites zur deutschen Geschichte erfasst – die französische Geschichte soll folgen – und es können, dies war der Kern des technischen Kooperationskonzepts, über die jeweilige Oberfläche zugleich die Daten beider Subject Gateways abgefragt werden. Das Ergebnis des Projektes wurde im Juni 2002 der Fachöffentlichkeit im Rahmen eines Workshops vorgestellt. Zur selben Zeit, im Mai 2002, begann das Projekt Clio-online, mit dem Ziel, ein allgemeines Fachportal für die Geschichtswissenschaft aufzubauen. Die SUB Göttingen ist mit ihrer virtuellen Fachbibliothek und dem History Guide Partner von Clio-online. Der Aufbau des Netzwerks Subject Gateways Geschichte, der wesentlich durch die Entwicklung von Clio-online initiiert wurde, ist ein Versuch, auf der Basis der bereits geleisteten Entwicklungen von History Guide und InformationsWeiser Geschichte ein neues, flexibles Modell für die gemeinsame Erschließung von Internetressourcen durch die Fachwissenschaft in Kooperation mit Fachinformation und Bibliotheken zu realisieren.

Die Internetpräsenz des Netzwerks Subject Gateways Geschichte

Der History Guide stellt die englische Einstiegsseite für das Angebot des Netzwerks Subject Gateways Geschichte im Internet dar. Auf der Homepage werden alle Netzwerkpartner an prominenter Stelle ausgewiesen und sind mit einem Link zur eigenen Homepage verknüpft. Die bisher technisch realisierte Zusammenarbeit als Kern des Netzwerks besteht zwischen der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, als Entwickler des History Guide, der Bayerischen Staatsbibliothek München als Entwickler des InformationsWeiser Geschichte, und dem Kooperationsverbund Clio-online. Auf der Einstiegsseite des History Guide [24] findet sich eine direkte Suchmöglichkeit, die „Combined Search“, über die die NutzerInnen nach Region, Epoche und Thema recherchieren können. Zusätzlich werden besonders interessante Ressourcen präsentiert, die redaktionell ausgewählt und in regelmäßigen Abständen durch neue ersetzt werden.

Homepage des History Guide (Stand: Frühjahr 2003)

Neben dem direkten Rechercheeinstieg über die „Combined Search“ werden die Ressourcen den NutzerInnen über die Menuleiste in unterschiedlichen Strukturen angeboten. Der „Catalogue“ bildet die vielschichtige Kategorisierung der Ressourcen ab, über die in direktem Zugriff eine genau definierte Treffermenge abgerufen werden kann. Hier werden nicht nur rein thematische oder regionale Zugriffe ermöglicht, sondern diese können bereits verknüpft angewählt werden, wobei zum Teil selbst die Dokumentart definiert ist. Auf diesem Weg erzielen die NutzerInnen einen hohen Grad an Präzision bei der Recherche. Der Katalog verdeutlicht weiterhin die umfassenden Kategorien, die bei der Erfassung innerhalb des Netzwerks Subject Gateways Geschichte von den BearbeiterInnen vergeben werden können. Schon bei der Kurztrefferanzeige wird jeweils neben dem Titel der verantwortliche Netzwerkpartner angegeben, von welchem der einzelne Datensatz erstellt wurde und der für die Pflege und Aktualisierung der Metadatensätze zuständig ist. Zurzeit sind dort „BSB“ als Kürzel für die Bayerische Staatsbibliothek, „SUB“ für die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek und „Clio-online“ als Nachweis für den Verbund Clio-online und die darin zusammengeschlossenen Partnerinstitutionen angegeben.

Rechercheergebnis im Historyguide über den Catalogue nach „Ancient History in General“ mit Angabe der Metadatenquellen (Stand: Frühjahr 2003)

Neben dem exakten Zugriff über den Catalogue ist innerhalb des Angebots auch ein Browsen möglich. Hierbei beschränkt sich die Auswahl der Treffer auf eine ausgewählte Kategorie. Um einen generellen Überblick zu einem Thema zu erhalten, bietet sich der Sucheinstieg über Browse By Region, Browse By Time Period oder Browse By Subject an. Über diesen Zugriff lässt sich sehr gut der arbeitsteilige Aufbau der Datenmenge innerhalb des Netzwerks verfolgen. Beispielsweise finden sich in der Treffermenge der Suche Browse by Region: Australia zurzeit ausschließlich Daten, die in der SUB-Göttingen angelegt und gepflegt wurden. Wird eine Recherche in dem Bereich Browse By Time Period gestartet, findet sich eine deutliche Mischung der für die Metadatensätze zuständigen Einrichtungen. Das erklärt sich dadurch, dass sich in den epochalen Ausschnitten die vereinbarten Themenschwerpunkte, welche in den Partnerorganisationen bearbeitet werden, am meisten durchmischen und über epochale Grenzen hinausgehen.

Eine klarere Zuordnung der Zuständigkeiten innerhalb des Netzwerks spiegelt sich in den thematisch geordneten Ausschnitten der Datenbank wider. Der von Clio-online betreute Themenbereich Erster Weltkrieg wird durch Datensätze ergänzt, die über die regionale Zuordnung von der SUB Göttingen aufgenommen wurde, beispielsweise der Datensatz zum „Australian War Memorial“. Diese Synergieeffekte der arbeitsteiligen Zuständigkeiten innerhalb des Netzwerks bedeuten für alle beteiligten Partner und vor allem für die NutzerInnen einen großen Mehrwert. Durch die Zugriffsrechte für alle Netzwerkmitglieder lässt sich eine entsprechende Datenausgabe über die partnereigenen Internetangebote realisieren. So finden alle NutzerInnen, die im Angebot von Clio-online nach Ressourcen suchen, auch die Datensätze, die in der SUB Göttingen bearbeitet werden. Diese sind entsprechend der vereinbarten Kennzeichnung aller Datensätze mit dem Nachweis der zuständigen Partner hinter dem Titel mit „ed. Historyguide“ gekennzeichnet:

Trefferliste von Clio-online mit Angabe der Metadatenquelle (Stand: Frühjahr 2003)

Über die Volltextanzeige erhalten die NutzerInnen bei allen Anbietern unter anderem die komplette Beschreibung des Angebots mit inhaltlichen und formalen Angaben sowie einen Hinweis auf das Copyright an den einzelnen Metadatensätzen. Form, Inhalt und Präsentation dieser Angaben beruhen auf Vereinbarungen, die innerhalb des Netzwerks Subject Gateways Geschichte beschlossen wurden.

Schluss

Mit seiner Internetpräsenz über History Guide, InformationsWeiser Geschichte und Clio-online ist das Netzwerk Subject Gateways Geschichte bereits heute als ein konkreter Fachinformationsdienst für HistorikerInnen existent. Für die künftige Erschließung des geschichtswissenschaftlichen Informationsraums im Internet wird es von entscheidender Bedeutung sein, dass das im Netzwerk avisierte Modell eines engen Zusammenwirkens von Fachwissenschaft, Forschungsbibliotheken und Fachbibliografien eine tragfähige und funktionierende organisatorische Infrastruktur findet. Dies ist die Voraussetzung dafür, auch zu langfristigen Lösungen der sachlichen Probleme und Herausforderungen zu gelangen, vor die der Informationsraum Internet die Wissenschaft stellt und die von der Bereitstellung qualifizierter digitaler Publikationsmöglichkeiten über die Erprobung neuer multimedialer Präsentationsformen bis zur langfristigen Archivierung genuin digitaler Publikationen reichen.

Dr. Wilfried Enderle ist Fachreferent für Geschichte und Leiter der Technischen Abteilung an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen.

Anke Winsmann ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Clio-online und ist für den Bereich Subject Gateways und Clio.Directory zuständig.


[1] Vgl. dazu Horvath, Peter, Fachinformationspolitik ohne Geschichtswissenschaft oder Was ist eigentlich aus FIZ 14 geworden, in: Nachrichten für Dokumentation 48 (1997), S. 159-166; Klein, Jutta, Geisteswissenschaftliche Fachinformation in der Bundesrepublik Deutschland, in: Bibliothek. Forschung und Praxis 11 (1987), S. 227-261.

[2] Sandner, Margit, Fachinformationsführer 9: Geschichte, Wien 1985.

[3] Quandt, Siegfried; Schenk, Dietmar; Schichtel, Horst, Fachinformationssystem Geschichte. Historische Wissenschaft und öffentliche Kommunikation (Geschichte. Grundlagen und Hintergründe, 3), Marburg 1992.

[4] Biste, Bärbel; Hohls, Rüdiger (Hgg.), Fachinformation und EDV - Arbeitstechniken für Historiker. Einführung und Arbeitsbuch (Historical Social Research, Suppl. 12), Köln 2000.

[5] Biste; Hohls (wie Anm. 4) , S. 431.

[6] Horvath, Peter, Geschichte online. Neue Möglichkeiten für die historische Fachinformation (Historical Social Research, Suppl. 8), Köln 1997.

[7] Vgl. dazu Dörr, Marianne; Enderle, Wilfried, Bibliotheken und Sondersammelgebiete, in: Jenks, Stuart; Marra, Stephanie (Hgg.), Internet-Handbuch Geschichte, Köln 2001, S. 167-193.

[8] Als einige wenige Beispiele seien nur genannt: Historical Abstracts; International Medieval Bibliography; Jahresberichte für deutsche Geschichte; Writings of British and Irish History; die verschiedenen landeskundlichen Bibliografien (s. dazu für Deutschland die Zusammenstellung bei Oberschelp, Reinhard, Die Bibliografien zur deutschen Landesgeschichte und Landeskunde, Frankfurt am Main 1997 sowie die Virtuelle Deutsche Landesbibliografie <http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/landesbibliografie/>).

[9] Neuerdings am Beispiel der amerikanischen und französischen Geschichtsschreibung detailliert erarbeitet bei: Lingelbach, Gabriele, Klio macht Karriere. Die Institutionalisierung der Geschichtswissenschaft in Frankreich und den USA in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 181), Göttingen 2003. Unter dem Blickwinkel der historischen Fachinformation knapp skizziert (mit Hinweis auf weitere Literatur) bei: Enderle, Wilfried, Geschichtswissenschaft, Fachinformation und das Internet, in: eForum zeitGeschichte, 3/4 (2001) <http://www.eforum-zeitgeschichte.at/set3_01a7.htm>.

[10] Vgl. dazu: Enderle, Wilfried, Der Historiker, die Spreu und der Weizen. Zur Qualität und Evaluierung geschichtswissenschaftlicher Internetressourcen, in: Haber, Peter; Koller, Christophe; Ritter, Gerold (Hgg.), Geschichte und Internet. Raumlose Orte - Geschichtslose Zeit. Histoire et Internet. Espaces sans lieux - Histoire sans temps, (Geschichte und Informatik. Histoire et Informatique, 12, 2001) Zürich 2002, S. 49-63; sowie neuerdings: Bargheer, Margo, Qualitätskriterien und Evaluierungswege für wissenschaftliche Internetressourcen. Ein Report für die bibliothekarische und dokumentarische Praxis, Göttingen 2002 <http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/aw/2003/bargheer/v10.pdf>. Stand aller angegebenen Internetadressen ist Frühjahr 2003.

[11] Die Websites der beteiligten Partner finden sich unter folgenden Adressen: <http://www.bsb-muenchen.de/>, <http://www.bbf.dipf.de/>, <http://www.herder-institut.de/index.php?auswahl=aktuell&lang=de>, <http://www.bbaw.de/forschung/jdg/>, <http://www.sub.uni-goettingen.de/>, <http://staatsbibliothek-berlin.de/>, <http://www.zzf-pdm.de/>, <http://www.clio-online.de> und <http://www.vifaost.de/>.

[12] Vgl. <http://www.historyguide.de/>.

[13] Vgl. <http://mdz2.bib-bvb.de/hist/>.

[14] Vgl. <http://www.vascoda.de>.

[15] Neue Informations-Infrastrukturen für Forschung und Lehre - Empfehlungen des Bibliotheksausschusses und der Kommission für Rechenanlagen; Dezember 1995. <http://www.dfg.de/aktuelles_presse/reden_stellungnahmen/download/infra.pdf> (letzter Zugriff: 2.5.2003).

[16] Deutsche Forschungsgemeinschaft: Memorandum zur Weiterentwicklung der überregionalen Literaturversorgung, in: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliografie, Bd. 45, 1998, S. 135-164 <http://www.dfg.de/aktuelles_presse/reden_stellungnahmen/download/memo.pdf > (letzter Zugriff: 2.5.2003).

[17] Bund-Länder-Initiative zur Beschleunigung der Literatur- und Informationsversorgung: Die virtuelle Fachbibliothek. Empfehlungen der Arbeitsgruppe SUBITO 2, 25. März 1998.

[18] Meyenburg, Sven, Der Aufbau virtueller Fachbibliotheken in der Bundesrepublik Deutschland, in: Bibliotheksdienst 34 (2000), S. 1229-1235 <http://bibliotheksdienst.zlb.de/2000/2000_07u08_Informationsvermittlung01.pdf> (letzter Zugriff: 2.5.2003). - Zum aktuellen Stand der Projekte siehe <http://www.virtuellefachbibliothek.de>.

[19] Vgl. <http://www.iid.de/de/66.php>.

[20] Zum aktuellen Stand vgl. <http://www.vascoda.de>.

[21] Das Sondersammelgebiets-Fachinformationsprojekt (SSG-FI) der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. GeoGuide, MathGuide, Anglo-American History Guide und Anglo-American Literature Guide (<http://www.sub.uni-goettingen.de/ssgfi/>). Dokumentation, Teil 1 (dbi-materialien, Bd. 185), Berlin 1999 <http://www.historyguide.de/projekt/ssgfi.pdf>; Enderle, Wilfried, Die Erschließung geschichtswissenschaftlicher Fachinformationen im Internet: historyguide.de., in: Interregiones 9, Thema: Geschichtswissenschaft und "Neue Medien" (2000), S. 9-23.

[22] Gersmann, Gudrun, Der Server Frühe Neuzeit: Ein Internetprojekt für Historiker, in: Bibliotheksforum Bayern, 28, Heft 2 (2000), S. 178 - 186; vgl. ferner: historicum.net - Geschichts- und Kunstwissenschaften im Internet, <http://www.historicum.net>.

[23] Eine Übersicht zu den genannten Projekte mit Zugriff zu den jeweiligen Websites gibt: <http://www.virtuellefachbibliothek.de>.

[24] Vgl. <http://www.historyguide.de>.


Ressourcenerschließung und Aufbau von Themenportalen

Brodersen, Maren; Winsmann, Anke

Im Kooperationsverbund Clio-online haben sich verschiedene Einrichtungen mit ihren bestehenden Angeboten zusammengefunden, um einen zentralen Informationsdienst für die Geschichtswissenschaften im Internet anbieten zu können. Dabei sollen die verschiedenen Angebote wie Web-Verzeichnisse, Bibliografien, OPACs, Fachkommunikation und andere Ressourcennachweise an zentraler Stelle ausgewiesen werden. Die zusammengeführten Ressourcen werden nach unterschiedlichen Kriterien durchsuchbar und sortierbar gemacht. Als Voraussetzung dafür ist eine Einigung auf gemeinsame Standards bei der Erschließung der Materialien unumgänglich. Nachdem entsprechende Absprachen getroffen sind, lässt sich eine themenorientierte Arbeitsteilung innerhalb des Verbundes problemlos vereinbaren. Somit wird Doppelarbeit vermieden und die Mehrfachnutzung von Datensätzen in verschiedenen Zusammenhängen ermöglicht. Die Bearbeitung der einzelnen Themenfelder liegt jeweils in der Hand von ausgewiesenen Fachleuten.

Homepage des Kooperationsverbundes Clio-online, April 2003

Die Zusammenarbeit der Kooperationspartner erfolgt zunächst auf zwei verschiedenen Ebenen. Einerseits erfolgt in regelmäßigen Abständen ein Datenaustausch von lokal erfassten Datensätzen, andererseits wird eine gemeinsam erarbeitete Datenbanklösung von mehreren beitragenden Einrichtungen als zentrales Nachweisinstrument genutzt.

Als Grundlage für die Errichtung eines gemeinsamen Datenpools und dessen Pflege wurde auf die Struktur des History Guide (an der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen) und des InformationsWeiser Geschichte (an der Bayerischen Staatsbibliothek München) zurückgegriffen. [1] Das bedeutet, dass auf bereits vorhandene Qualitätsmaßstäbe, Kategorien und Vorgaben für die inhaltliche und formale Erschließung aufgebaut werden konnte.

Die neu entwickelte, institutionsübergreifend nutzbare Datenbank in Berlin musste sich an den Datenbankfeldern der bestehenden und genutzten Allegro-Lösungen orientieren und einen Datenimport/-export sowie einen ortsunabhängigen Zugriff für die BearbeiterInnen ermöglichen. Darüber hinaus wurde die Vergabe von zusätzlichen Klassifikationen und Kennzeichnungen für den jeweiligen institutionseigenen Kontext ermöglicht. Um bestehende Datenbestände in den gemeinsamen Datenpool übernehmen zu können, wurden Konkordanzen zwischen den lokal verwendeten Klassifikationen und der gemeinsam genutzten Klassifikation erarbeitet. Diese für alle Einträge angewandte Klassifikation ermöglicht die Bildung von thematischen Ausschnitten aus dem themenübergreifenden Gesamtdatenpool, welche die Summe der in Eigenregie der Partner entstandenen Datensätze übersteigt und somit den Synergie-Effekt der Zusammenarbeit innerhalb der Kooperation verdeutlicht. Diese Erschließungsmethoden und die erarbeitete Datenbanklösung ermöglichen es, dass ein einzelner Datensatz über verschiedenen Retrievaltechniken sowie über unterschiedliche Interfaces abgefragt werden kann.

Innerhalb des Projekts Clio-online wurde zusätzlich eine Datenbank mit Institutionsstammdaten erstellt, die dort weiterhin ausgebaut und gepflegt wird. Bei einer zentralen Datenhaltung auf der Verbunddatenbank können die Daten der Projektpartner mit den Verknüpfungen zu den entsprechenden Stammdaten angereichert werden. Die große Menge an Stammdaten kann somit von mehreren Einrichtungen arbeitsteilig gepflegt werden.

Das Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam (ZZF) ist seit Januar 2003 mit dem Modul Zeitgeschichte [2] ein Teil des Clio-Portals und hat das „Ostkreuz“-Projekt in die Kooperation eingebracht, eine Datenbank, in der zeitgeschichtlich relevante Informationen angeboten werden. Bei „Ostkreuz“ [3] handelt es sich in erster Linie um Nachweise von Institutionen, Organisationen und Portalen, die sich mit Zeitgeschichte, insbesondere DDR-Geschichte und osteuropäischer Geschichte beschäftigen. Vorgehalten werden neben der URL die Adressdaten, die Namen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen von Ansprechpartnern und Webmastern sowie eine Kurzbeschreibung des Website-Angebotes. Das Projekt ist seit November 2000 im Netz und wird redaktionell betreut. Ende 2002 enthielt die Datenbank mehr als 200 Ressourcen. Diese wurden in relativ regelmäßigen Abständen geprüft und aktualisiert. Die letzte Aktualisierung fand im Februar 2003 statt. Für die Übergangsphase, d.h. bis zum Ende des Jahres 2003, werden bei Ostkreuz angemeldete Websites weiterhin eingetragen, während gleichzeitig Einträge in die Clio-Datenbank erfolgen. Damit wird Ostkreuz im Rahmen von Clio als thematischer Subject Gateway zur Zeitgeschichte weitergeführt.

Startseite von Ostkreuz [April 2003]

Zentrales Element der Kooperation mit Clio-online ist die Nutzung einer gemeinsamen Datenbank zur Erfassung der Internet-Ressourcen. Das bedeutet, dass die Datensätze der Ostkreuz-Datenbank in die gemeinsame Clio-online Datenbank importiert wurden und weitere Eingaben direkt in diese Datenbank erfolgen. Das Ziel ist, dass jede eingegebene Ressource nach Absprache mit den jeweiligen BearbeiterInnen von allen Kooperationspartnern für die eigene Portalausgabe genutzt werden kann. Jeder Datensatz ist einem Projektpartner zugeordnet, der für die Aktualisierung und Qualität dieser Ressource verantwortlich zeichnet. Für das Clio-Portal werden die Ressourcen des ZZF angezeigt und für das Modul Zeitgeschichte können bereits jetzt Datensätze des Clio-Bestandes markiert werden, die dann im Portal Zeitgeschichte-online, das voraussichtlich im Januar 2004 ins Netz gehen wird, angezeigt werden.

Auszeichnung der Datensätze

Die Voraussetzung für die gemeinsame Nutzung ist die Verwendung einer einheitlichen Klassifikation sowie die Verständigung auf inhaltliche und formale Kriterien, die bei der Erfassung von Ressourcen eine Rolle spielen sollten. Das Clio-Portal orientiert sich an dem Metadatenkonzept, das für den History Guide Göttingen entwickelt wurde. Zu den formalen Kategorien, die u.a. hier verwendet werden, gehören die sogenannten Source Types. Zur fachlichen, epochalen und regionalen Erschließung dienen die drei Hauptebenen der Dewey Decimal Classification (DDC), die auch den internationalen Standard gewährleistet. Die zusätzliche Verwendung von institutsspezifischen Klassifikationen ist möglich, indem Konkordanzen zum bestehenden Klassifikationskonzept entwickelt werden.

Die Konsequenzen, die sich daraus für das Ostkreuz-Projekt ergaben, waren vielfältig. Zuerst musste die eigene, für die Ostkreuz-Datenbank entwickelte Systematik an die Clio-Kategorien angepasst werden. Dies betraf insbesondere die fachliche, epochale und regionale Klassifikation, die sich an den eingegebenen Ressourcen orientiert hatte. Die Anpassung betraf die fünf Kategorien, die durch die angebotene Auswahlliste die Suche nach Ressourcen in der Ostkreuz-Datenbank für NutzerInnen erleichtern sollte:

  1. Typ der Institution
  2. Typ der Site
  3. Zeitraum
  4. Forschungsrichtung/Methoden
  5. Sachgebiet

Im Folgenden sollen die Vorteile und Probleme, die sich durch den Datenimport für die obengenannten Kategorien ergaben, näher erläutert werden.

Suchmaske der Ostkreuz-Datenbank [April 2003]

Die Anpassung der ersten Kategorie erwies sich als relativ unkompliziert. Vorgabe waren hier neben dem Source Type Catalog des History Guide die Rubriken des Clio-Portals. Zum „Typ der Institution“ gehören bei Ostkreuz neben Archiven, Museen, Behörden, Bibliotheken, Forschungsinstituten, Universitäten und Verlagen auch Einrichtungen der politischen Bildung, Dokumentationszentren, Stiftungen, Vereine/Initiativen, um hier nur einige zu nennen. Ließen sich die ersten sieben Institutionstypen noch einfach zuordnen, so wurde es bei den folgenden schon schwieriger. Im Clio-Portal gibt es die Rubrik „Fachgesellschaften“, doch die Zuordnung von „Zeitgeschichtlichen Vereinigungen“ [4] wie zum Beispiel das „Bautzen-Komitee e.V.“ oder das „Bürgerkomitee Leipzig e.V.“ in diese Rubrik erweisen sich hier als problematisch und erfordern deshalb eine eigene Rubrik im Zeitgeschichte-online Portal.

Die Auflösung der zweiten Kategorie „Typ der Site“ fiel dagegen weniger schwer. Zum Teil ließen sich die Kategorien dem „Source Type Catalog“ zuordnen, andere waren mittlerweile ohnehin überflüssig geworden, wie zum Beispiel Homepage/Website. Bei der anfänglichen Erfassung der Ressourcen für Ostkreuz, die bereits 1999 begann, war eine eigene Homepage für einige Einrichtungen und Fachbereiche nicht immer vorhanden. Oft gab es keine eigene URL, sondern nur eine Informationsseite beispielsweise eines Fachbereiches innerhalb eines größeren Komplexes wie etwa der Universitäts-Homepage. Hier erwies sich die Überarbeitung von Kategorien als Vorteil einer notwendig gewordenen Anpassung an neue Bedingungen.

Die dritte Kategorie, die epochale Klassifikation, war innerhalb der Ostkreuz-Datenbank sehr grob gefasst. Angeboten wurde eine Auswahl zwischen 1871-1933, 1933-1945, 1945-1989/90, „übergreifend“ und „nicht bekannt“. Hier zeigten sich schnell die Schwächen einer internationalen Klassifikation, die sich an amerikanischen epochalen Einordnungen und Anforderungen orientiert. Das 20. Jahrhundert wird in der DDC nach Dekaden geordnet. Für die Zeit des Nationalsozialismus stehen somit nur die Dekaden 1930-1939 und 1940-1949 zur Verfügung. Ähnlich problematisch wäre die epochale Zuordnung für die Besatzungszonen (1940-1949), für die allerdings eine Kombination von regionaler Klassifikation mit zusätzlichen Notationen bezüglich des Zeitraums zumindest eine grobe Zuordnung ermöglicht (SBZ, DDR 1945-1990).

Die vierte Kategorie, die fachliche Klassifikation betreffend, erfordert ebenfalls eine Anpassung an die DDC. Eine Forschungsrichtung wie beispielsweise der Diktaturvergleich spielt in der deutschen Historiografie gerade in Bezug auf die deutsch-deutsche Geschichte eine Rolle, findet aber in der DDC kein Äquivalent. Dieses Problem kann zwar nicht über die fachliche Zuordnung gelöst werden, aber im Rahmen der Volltextsuche, die sich im Clio-Portal unter anderem über die Datenfelder AutorIn, Titel, Beschreibung und Schlagworte erstreckt. Damit war auch eine Erweiterung der fünften Kategorie der Ostkreuz-Datenbank möglich. In einem Drop-down-Menü ist eine Anzeige nur sinnvoll, wenn die Liste überschaubar bleibt. So gibt es in der Ostkreuz-Datenbank eine Auswahl von rund 60 Schlagworten, die im Zuge des Datenexports erweitert werden konnte.

Auch wenn Konkordanzen im Vorfeld erzeugt und beim Datenexport berücksichtigt wurden, so ist doch eine individuelle Nachbearbeitung der einzelnen Datensätze unumgänglich. Diese Nachbearbeitung hat aber auch ihre Vorteile, da die Clio-Datenbank Verknüpfungen einzelner Datensätze unterstützt, die in der Ostkreuz-Datenbank technisch nicht möglich waren. So kann der Online-Katalog einer Institution mit eigener URL individuell erfasst und trotzdem mit dem dazu gehörigen Institut verknüpft werden. Dieser Nachweis ist bislang noch nicht im angezeigten Datensatz sichtbar. Diese Anzeige ist aber in einer neueren Version der Datenbank vorgesehen.

Ein weiterer Vorteil der gemeinsamen Datenbank ist die Arbeitsteilung. Bislang gilt es zwar noch, die Dubletten des Datenimports zu beseitigen, aber für die zukünftige Bearbeitung ist eine eindeutige Arbeitsteilung möglich. Ressourcen der Zeitgeschichte werden vom ZZF erfasst; damit wurde auch der Kriterienkatalog für die Erfassung erweitert. Lag der Schwerpunkt bislang auf der DDR-Geschichte, so rückt jetzt zunehmend die Erfassung von Ressourcen mit westeuropäischen und südosteuropäischen Schwerpunkten in den Mittelpunkt und hier insbesondere Ereignisse wie die Aufstände in der Tschechoslowakei und Ungarn, aber auch Themen wie die Beziehungsgeschichte Ost-West, der Kalte Krieg oder die Erinnerungskultur. Wurden bislang in erster Linie Institutionen, Organisationen und Portale erfasst, so ist auch hier eine Erweiterung geplant. In Zukunft sollen Volltexte, Quellen und Online-Kataloge im Zeitgeschichte-online Portal aufgenommen und mit Hilfe der eigenen Metadaten suchbar gemacht werden. Mit Hilfe der Metasuche wird langfristig auch die Suche in den Katalogen und Datenbanken selbst möglich sein.

Vorschlagsformular für Web-Adressen bei Clio-online

Bei der Erfassung von Ressourcen wird zusätzlich zu den eigenen Recherchen des Mitarbeiterteams der Kontakt mit den NutzerInnen des Nachweissystems genutzt. Dafür steht zum einen die Kontaktmöglichkeit mit der Redaktion per E-Mail als auch über ein speziell erarbeitetes Anmeldeformular zur Verfügung.

Hier werden einige Angaben abgefragt, die quasi einen rudimentären Metadatensatz darstellen. Diese Einträge werden innerhalb der Redaktion geprüft, an den vereinbarten Qualitätsstandards gemessen, gegebenenfalls zu einem vollständigen Metadatensatz ergänzt und anschließend zur Veröffentlichung freigeschaltet. Eine Anmeldung von außen bedeutet dabei keineswegs eine umgehende Aufnahme des Vorschlags in das Nachweissystem. In einem Erklärungstext zum Anmeldeformular wird betont, dass sich die Redaktion eine Auswahl unter den eingehenden Meldungen vorbehält.

Die Qualität eines Webverzeichnisses lässt sich unter anderem an der Aktualität der Einträge messen. Um bei der ständig wachsenden Datenmenge keine „Leichen“ mitzuschleppen, wird ein Linkchecker zur automatischen Kontrolle der eingetragenen URLs in das System eingebaut. So können umgeleitete oder nicht mehr funktionstüchtige Links automatisch im Nachweissystem gesperrt werden. Eine entsprechende Meldung für das Redaktionsteam ermöglicht eine gezielte Kontrolle der betreffenden Links. Zusätzlich soll eine automatische Erinnerung aus dem System der Redaktion regelmäßig Datensätze anzeigen, die über einen genau bestimmten Zeitrahmen nicht kontrolliert wurden. So kann ein Bearbeitungszyklus eingehalten werden, der eine Überalterung der Einträge verhindert.

Die Zusammenarbeit innerhalb des Projekts erwies sich als sehr fruchtbar und konstruktiv. Da das gesamte Clio-online Projekt ähnlich wie das Modul Zeitgeschichte noch in der Aufbauphase steht, sind alle MitarbeiterInnen in keine automatisierten Arbeitsabläufe eingebunden und sensibel für Definitions- und Interpretationsbedarf. Als erheblicher Vorteil hat sich die Nachnutzung der bestehenden Strukturen des History Guides und InformationsWeiser Geschichte erwiesen. Auf diese Weise konnten Arbeitsgänge verkürzt und Definitionsvorlagen nachgenutzt werden.

Der kurze Weg zwischen Potsdam und Berlin unterstützt einen persönlichen Arbeits- und Erfahrungsaustausch, welcher dem Projekt insgesamt zu Gute kommt. Diese Erfahrungen bereiten eine fundierte Grundlage, auf die weitere Kooperationen aufbauen können.

Maren Brodersen arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Zeitgeschichtliche Forschung Potsdam und ist redaktionell zuständig für Zeitgeschichte-online.de.

Anke Winsmann ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Clio-online und ist für den Bereich Subject Gateways und Clio.Directory zuständig.


[1] Vgl. <http://www.historyguide.de/> und <http://mdz2.bib-bvb.de/hist/>.

[2] Vgl. <http://www.zeitgeschichte-online.de>.

[3] Die Datenbank ist seit Juli 2005 nicht mehr online verfügbar.

[4] Mählert, Ulrich (Hg.), Vademekum DDR-Forschung. Ein Leitfaden zu Archiven, Forschungsinstituten, Bibliotheken, Einrichtungen der politischen Bildung, Vereinen, Museen und Gedenkstätten, Berlin 2002.


Fachwissenschaftliche Suchmaschine
Konzept und Strategie

Meyer, Thomas; Müller, Sara

Das Internet und andere digitale Medien etablieren sich als Werkzeuge in der Geschichtswissenschaft. Der Einsatz von digitalisierten Quellen oder Forschungsergebnissen in Form elektronischer Publikationen, die auf thematischen Websites oder Dokumentenservern bereitgestellt werden, oder auch die Recherche in netzbasierten Fachdatenbanken ist ein fester Bestandteil der heutigen Arbeit vieler HistorikerInnen. Betrachtet man jedoch das rasante Wachstum der elektronisch verbreiteten Informationen und ihre zukünftige Entwicklung [1] , so drohen fachwissenschaftlich relevante Informationen im globalen „Information Overload“ unterzugehen. Kommerzielle Suchmaschinen und Webverzeichnisse bieten zwar seit einigen Jahren Hilfe, um an gewünschte Informationen zu gelangen, doch auch vermeintliche „Supersuchmaschinen“ wie Google oder Webverzeichnisse wie die vom „Begründer“ des Internets Tim Berners Lee mit initiierten Virtual Libraries bringen die NutzerInnen bei den heutigen Dimensionen des Internet immer seltener an das gewünschte Ziel. Rechercheaufwand und –nutzen stehen bei der Anwendung solcher Dienste nicht immer im rechten Verhältnis zueinander.

Wenn in der wissenschaftlichen Praxis Suchmaschinen eingesetzt werden, so müssen diese von den NutzerInnen nacheinander abgefragt werden. Während Metasuchmaschinen wie MetaGer die wichtigsten Suchmaschinen für Webseiten in einem Vorgang abfragen, ist die Suche in Fachdatenbanken im Internet nach wie vor mit einem hohen Aufwand verbunden: Datenbanken müssen einzeln abgefragt, die Ergebnisse anschließend lokal ausgewertet werden. Unterschiedliche technische Implementationen erfordern hierbei ein ständiges Umdenken zwischen den Anfragesprachen unterschiedlicher Server, oftmals auch grundlegende Kenntnisse über den Ablauf des Suchvorgangs selbst. Für WissenschaftlerInnen auf der Suche nach einer aktuellen Neuerscheinung oder einer Rezension sind technische Details der Suche jedoch nicht von Interesse. Vielmehr werden Auswahl und Einsatz von Suchdiensten oft von der Erwartung beherrscht, schnell und mit wenigen Eingaben das gewünschte Buch oder die benötigte Quelle zu finden.

Daher ist es notwendig, Suchdienste bereitzustellen, welche die technischen Details verbergen und zugleich den fachlichen Anforderungen genügen. Benötigt werden benutzerfreundliche Suchinterfaces, über die mit wenig Aufwand in kurzer Zeit, möglichst in einem Suchvorgang, die relevanten Informationsquellen im Internet durchsucht werden können. Ein solcher Dienst, speziell ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Geschichtswissenschaft, wird derzeit im Rahmen des Projekts Clio-online [2] entwickelt.

Im ersten Jahr des laufenden Projektes wurden Erfahrungen bei der Bereitstellung von unterschiedlichen Suchinterfaces gesammelt, die – unter Berücksichtigung individueller Nutzeranforderungen und Suchstrategien - im vorliegenden Beitrag präsentiert, ihre Möglichkeiten und Grenzen angesprochen und Vorschläge zur Integration verschiedenartiger technischer Lösungen vorgestellt werden.

Um einen ersten Einstiegspunkt in das Internet bereitzustellen und zugleich einen Überblick über die im Netz vorhandenen Ressourcen zu geben, wird ein Webverzeichnis aufgebaut, das bereits im Internet veröffentlicht ist. [3] Ähnlich den kommerziell betriebenen Diensten bei Yahoo.de oder Google.com sind Adressen und Beschreibungen der im Internet verfügbaren geschichtswissenschaftlich relevanten Materialien, Datenbanken oder Institutionen über eine Browsingstruktur zugänglich. Die beschreibenden Daten der katalogisierten Internetressourcen können alternativ auch über eine Volltextsuche recherchiert werden. Für die AnwenderInnen ist jedoch weitaus nutzbringender die Möglichkeit, nicht nur die jeweiligen Angebote zu lokalisieren, sondern vielmehr von einem Punkt aus in einer Auswahl der lokalisierten Internetressourcen mit Hilfe einer Metasuche zu recherchieren.

In erster Linie handelt sich bei den nachgewiesenen Internetangeboten um Websites oder Einzelseiten, die auf statischen HTML-Seiten basieren. Solche Webseiten werden normalerweise durch Softwareagenten, so genannte Spider oder Crawler, indiziert, so dass die NutzerInnen in dem erstellten Index suchen können. [4] In der ersten Projektphase werden solche Angebote bei Clio-online jedoch noch nicht in die Metasuche integriert. Vorerst werden nur Datenbanken, die historische Fachinformationen bereitstellen, über ein einheitliches Interface zugänglich gemacht.

Unter den derzeit im Internet verfügbaren historischen Fachdatenbanken bilden derzeit noch die sog. OPACs (Online Public Access Catalogue) der Bibliotheken und der Bibliotheksverbünde den Hauptanteil, sowie die entsprechenden Spezialkataloge verschiedener Forschungseinrichtungen. Zunehmend werden diese aber durch ein stetig wachsendes Angebot an Quellen- oder Publikationsdatenbanken, an bibliografischen Katalogen oder datenbankbasierten Lexika, Thesauri oder Webverzeichnissen ergänzt.

Die wissenschaftlich relevanten Kerndaten – Volltexte, Bilder, Karten, bibliografische Angaben etc. – verbergen sich hinter einem mehrschichtigen System von Metadaten, Formaten und Datenbanksystemen. Digitalisierte Informationen werden mit Hilfe standardisierter Metadatensets wie Dublin Core [5] oder speziellen bibliografischen Metadatensets wie MARC (Machine Readable Cataloging) oder MAB (Maschinelles Austauschformat für Bibliotheken) [6] beschrieben. Weitere Metadatensets wie LOM (Learning Objects Metadata) und eine breite Palette nicht standardisierter, proprietärer Formate ergänzen dieses Set. RDF (Ressource Description Framework) als Format für die semantische Beschreibung von im Netz befindlichen Daten wird vielleicht zukünftig eine große Bedeutung für das Semantic Web haben. All diese Metadaten werden primär in Form von HTML-, XML- oder Text-Dateien oder binären Datenbankformaten abgespeichert, die selbst wieder in entsprechenden Web- oder Datenbankservern abgelegt sind.

Zugänglich sind diese Daten in der Regel über Wege, die auf dem Internetübertragungsprotokoll TCP-IP basieren. Mit dem Hypertext-Transfer-Protokoll HTTP werden im WWW die meisten Daten in Form von HTML-Seiten übertragen. Bei einem Großteil der bibliografischen Datenbanken kommen jedoch TCP-IP-basierte Übertragungsprotokolle zum Einsatz, die im Vergleich zu HTTP weitaus weniger verwendet werden. Einige Bibliothekskataloge nutzen zum Beispiel den Z39.50-Standard zur Übertragung von bibliografischen Metadaten. Zwischen Dokumentenservern werden Daten über das von der Open Archives Intitiative entwickelte Harvestingprotokoll OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting) [7] ausgetauscht, dessen Anwendung in Deutschland gegenüber der Nutzung des Z39.50-Standards beträchtlich fortgeschritten ist. Auf Basis dieses Protokolls können Suchinterfaces über verteilte Dokumentenbestände eingerichtet werden. [8] Darüber hinaus werden zukünftige Entwicklungen wie das Protokoll SRW (Search/Retrieve Web Service) [9] für die Einrichtung von Z39.50-ähnlichen Webservices oder die Anwendung des RDF-Standards [10] die Retrievalmöglichkeiten erweitern.

Im Forschungsalltag stehen Anwender vor diesem mehrschichtigen System von Formaten und Anwendungen, die auf zahlreichen Servern im Internet das Retrieval in Fachdatenbanken ermöglichen. Wird auf einem dieser Server gesucht, so ist das Suchverhalten sehr oft vom Gedanken bestimmt, mit wenigen Mausklicks an die gewünschte Information zu gelangen, wie es vergleichsweise in kommerziellen Bestellsystemen der Fall ist. Eingabefehler und ein falsches Verständnis von Suchmaschinen oder Katalogen führen häufig zu unüberschaubaren Trefferlisten oder keinem Ergebnis. Die Suche über unterschiedliche Indexe, welche in bibliothekarisch und archivisch orientierten Katalogen ein sinnvolles Hilfsmittel darstellt, wird von den NutzerInnen selten verwendet. Oft lösen NutzerInnen mit groben Suchbegriffen eine Suche über alle Datenbankfelder aus. Die in vielen Datenbanken vorhandenen und in mühevoller bibliothekarischer Arbeit erarbeiteten Schlagwortlisten oder Thesauri werden selten genutzt. Gleiches gilt auch für Verknüpfungsoperatoren.

Die für jede Art von Software notwendige Benutzer- und Fehlerfreundlichkeit muss bei Metasuchmaschinen, wie auch bei einzelnen Fachdatenbanken, durch zahlreiche Funktionalitäten umgesetzt werden. Da NutzerInnen oftmals nur mit losen Begriffen oder Begriffsketten eine Suche starten, kann der Einsatz einer automatischen Trunkierung hilfreich sein. Einerseits führen feste Begriffe oft dazu, dass nur wenige Treffer erzielt werden, da der eingegebene Begriff als volles Wort kaum in den durchsuchten Beständen vorkommt. Eine automatische Trunkierung bezieht dann auch verwandte Wörter mit ein, so dass mehr Treffer erzielt werden können. Andererseits kann eine Suche mit festen Begriffen auch zu großen Treffermengen führen, wenn über alle Felder bzw. Kategorien gesucht wird. Um wiederum umfangreiche Trefferlisten so zu reduzieren, dass sie nur die relevanten Ergebnisse enthalten, sollten iterative Suchmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Mit Hilfe von Sortierungsfunktionen über mehrere Felder können NutzerInnen schneller an Daten gelangen, deren alfabetische oder numerische Position bekannt ist. Daneben können Verknüpfungsoptionen im Hintergrund eingefügt werden, wie auch Klassifikatoren, wenn es sich um eine fachlich eingrenzende Suche handelt. Verbindungen zu Browsingstrukturen leiten wiederum zu anderen Informationen weiter und können bei den AnwenderInnen sogar neue Assoziationen bzgl. der Suchbegriffe wecken. [11] Die in Einzelergebnissen enthaltenen Daten können so beispielsweise als Linkstruktur auf weitere Datenbestände verweisen. [12]

Neben diesen offensichtlichen Kriterien wird leider dem Design von Suchinterfaces zu oft noch wenig Aufmerksamkeit geschenkt. NutzerInnen sollten eine Suche intuitiv über eine einfach zu bedienende Oberfläche durchführen können, die durch ausreichende und zugleich durch ihren Umfang nicht überstrapazierende Hilfetexte kommentiert ist. Die angesprochenen Kriterien der Benutzer- und Fehlerfreundlichkeit sind letztlich erst durch ein ansprechendes Design und eine intuitive Benutzerführung realisierbar. Fehlermeldungen müssen den NutzerInnen das aufgetretene Problem an zentraler Stelle verständlich erklären und sollten - wenn möglich - Lösungsvorschläge unterbreiten.

Die Umsetzung dieser Mindestanforderungen ist derzeit ein Hauptbestandteil der Arbeiten beim Aufbau der Metasuchmaschine im Projekt Clio-online, die mit Hilfe einer Softwarelösung aus dem bibliothekarischen Bereich aufgebaut wird.

Zugänglich ist diese Metasuchmaschine derzeit über das zentrale Webportal von Clio-online. Durch eine direkte Verlinkung von der Startseite aus gelangen die NutzerInnen zur Eingabe- und Suchmaske, in der alle Ressourcen aufgelistet sind, die durchsucht werden können. Diese Datenbanken oder Dienste werden auch im Webverzeichnis nachgewiesen. Auch von dort kann von den Ergebnissen einer Recherche bzw. vom betreffenden Einzeltreffer aus die Suchmaske aufgerufen werden.

Die technische Basis für die Metasuche bildet die Software MetaLib des Herstellers Ex Libris. Mit ihrer Hilfe kann eine parallele Suche [13] über mehrere Datenbanken durchgeführt werden. Vor dem Start der eigentlichen Suche besteht die Möglichkeit, eine oder mehrere Datenquellen in einer Auswahlliste zu selektieren. Dabei ist die Anzahl maximal durchsuchbarer Ressourcen derzeit nach Standardkonfiguration des Herstellers [14] auf acht beschränkt. Um die technischen Eigenheiten der jeweiligen Datenbanksysteme müssen sich die NutzerInnen nicht kümmern - durch die Kapselung der Teilsysteme bleiben diese unter dem Interface der Metasuchmaschine verborgen. Anfragen an unterschiedliche Systeme können so über eine einzige Suchmaske gestellt werden – die Bereitstellung der Ergebnisse erfolgt in einem einheitlichen Format.

Für die NutzerInnen unsichtbar werden die Suchanfragen von der Metasuchmaschine für das jeweilige Zielsystem aufbereitet und über das jeweils notwendige Protokoll an den Server übertragen. Zur Anpassung der Suchterme an das jeweilige Zielformat stellt die Suchmaschine eine Reihe von Parametrisierungsoptionen bereit. Korrespondierend zum Profil der jeweiligen Zieldatenbank können so besondere Anforderungen an Zeichensatz, Groß- und Kleinschreibung, zulässige Zeichen, Parameter, Trunkierung und dergleichen im Hintergrund eingestellt werden. Der Datenaustausch kann über unterschiedliche Protokolle erfolgen. MetaLib unterstützt das Z39.50-Protokoll zur Übertragung bibliografischer Metadaten und besitzt eine Schnittstelle zum herstellereigenen ALEPH-System. Darüber hinaus kann über den so genannten ‚External Hook’ mittels mitgelieferter oder eigener Perlskripte via HTTP auf weitere Datenprovider zugegriffen werden, wie beispielsweise datenbankgestützte Webangebote und OAI-Repositories. Für eingehende Ergebnisse über Z39.50 werden die gängigen Formate unterstützt (MAB,  MARC, SUTRS [15] ). Via External Hook können darüber hinaus XML-Codierungen und gegebenenfalls auch proprietäre Formate (beispielsweise in HTML gesetzte tabellarische Darstellungen) integriert werden, sofern eine eindeutige Zuordnungsstruktur die Extraktion von Key-Value-Paaren für die Konvertierung nach MARC21 erlaubt. [16]

In der aktuellen Version stellt das Suchinterface - abhängig vom jeweiligen Zielsystem – die Suchparameter „Alle Wörter“, „Titel“, „Schlagwort“, „Person“, „ISBN“, „ISSN“ und „Erscheinungsjahr“ für einfache und kombinierte Recherchen zur Verfügung. Für komplexe Suchanfragen können die Booleschen Operatoren AND, OR und NOT genutzt werden. Dabei sind die Optionen des jeweiligen Zielsystems maßgeblich. Nach Absenden der Suchanfrage werden alle von den NutzerInnen selektierten Ressourcen durchsucht. Im Sinne einer vollständigen Suche wird dieser Vorgang erst beendet, nachdem auch die zuletzt fertig werdende Ressource ihre Ergebnisse abgeliefert hat. Die anschließende Präsentation der Suchergebnisse erfolgt in drei Sichten: Trefferzahl, Kurztitellisten (AutorIn, Titel, Jahr, Ressource) und Vollanzeige. Die ersten beiden Sichten bleiben durch ein übergeordnetes Navigationsmenü während einer Recherche zugänglich. Ein herkömmlicher Suchvorgang wird die NutzerInnen zunächst zur Anzeige der Treffermenge der jeweiligen Ressourcen führen. Von dort aus kann gezielt die Kurztitelliste einer bestimmten Ressource ausgewählt werden. Die Darstellung der Kurztitellisten erfolgt standardmäßig getrennt nach Ressourcen. Die Navigation zwischen den einzelnen Listen ist grafisch über anklickbare Register gelöst. Bis zu 150 Treffer [17] unterschiedlicher Ressourcen können außerdem zu einem temporären Set zusammengeführt werden (‚Merging’); bei diesem Vorgang werden Dubletten bereinigt. Von den Kurztitellisten führt ein Link am jeweiligen Einzeltreffer zur Vollanzeige der zugehörigen Metadaten. Im Idealfall wird dabei jedes Detail eines Ergebnisses, das von einer einzelnen Ressource gebracht worden wäre, auch von der Metasuchmaschine gebracht, d.h. es findet kein Informationsverlust statt. [18] Sowohl aus den Kurztitellisten als auch der Vollanzeige ermöglicht ein Mausklick den Zugriff auf die Einzeldatensatzanzeige in der ursprünglichen Zieldatenbank, welche abhängig vom jeweiligen Ressourcentyp und der Struktur des zugehörigen Online-Angebots beispielsweise Metadaten, das Digitalisat und/oder den Volltext enthält.

Da eine einmalige Suchoperation erfahrungsgemäß in den seltensten Fällen zum Erfolg führt, sollten den NutzerInnen (neben der Wahl alternativer Suchbegriffe) ausreichend Möglichkeiten zur Verfügung stehen, ihre ursprüngliche Suchanfrage zu bearbeiten und in einem iterativen Suchprozess die Treffermenge zu erweitern oder zu begrenzen. [19] Dazu kann nach jeder erfolgreich abgeschlossenen Suchoperation die Anfrage mittels Boolescher Operatoren weiter modifiziert, sowie gegebenenfalls der durchsuchte Datenbestand eingeschränkt oder erweitert werden. Zur Erleichterung weiterführender Recherchen führt von einigen Feldern der Einzelergebnisse (Titel, Personen, Schlagwörter) ein Link zurück auf die Suchmaske. Der betreffende Begriff bzw. die Begriffskette wird bei dieser Rückverlinkung automatisch in das Eingabefeld übernommen und der jeweilige Index aus der Auswahlliste selektiert. Haben die ausgewählten Datenbanken ihre Bestände anhand abgestimmter Schlagwortlisten [20] inhaltlich erschlossen, ergeben sich im Rahmen der parallelen und iterativen Recherche effiziente und Erfolg versprechende Suchmöglichkeiten, da über einen gemeinsamen Schlagwortbestand gesucht wird.

Für den folgenden Projektverlauf ist geplant, die Einstiegssuchmaske nach dem Vorbild klassischer Suchmaschinen wie Google zu vereinfachen und differenzierte Optionen als ‚erweiterte Suche’ bereitzustellen.

Über die Basisfunktionalität der Recherche hinaus bietet MetaLib eine Reihe von Nutzerservices an, die in der nächsten Projektphase in Verbindung mit der Personalisierung des Portals als Mehrwertdienste zur Verfügung gestellt werden. Dazu zählt neben den Alerting Services [21] zur automatisierten Durchführung einzelner Suchanfragen die Möglichkeit, temporäre oder dauerhaft gespeicherte Trefferlisten für den Export (z.B. in lokale Literaturverwaltungsprogramme) zusammenzustellen. Darüber hinaus wird über die Integration des dynamischen, kontextbezogenen Linking-Systems SFX [22] eine Schnittstelle zu weiteren Informationsdiensten im Web geschaffen. Ohne Umwege über zusätzliche Suchinterfaces können dann weitere Informationen, beispielsweise von Rezensions- und Dokumentenlieferdiensten (H-Soz-U-Kult, subito), der jeweilige Buchtitel (Amazon), Suchmaschinenanfragen (Google), Bestandsnachweise in Bibliotheken u.ä. zum Einzelnachweis angefordert werden.

Mit der Software MetaLib können über unterschiedliche Übertragungsprotokolle (Z39.50, ALEPH und HTTP) Datenbanken abgesucht werden, die Daten in unterschiedlichen Formaten liefern. Durch einen großen Spielraum an administrativen Eingriffsmöglichkeiten in das eigentliche Softwaresystem kann darüber hinaus eine individuelle Gestaltung des Nutzerinterfaces vorgenommen werden. Hierbei lassen sich vor allem unterschiedliche Zugänge und inhaltliche Bereiche innerhalb der Suchmaschine aufbauen, die einerseits Organisationsstrukturen von einsetzenden Institutionen abbilden, als auch andererseits anhand bibliothekarischer Klassifikationsschemata eine epochale, regionale oder fachliche Auswahl von zu durchsuchenden Ressourcen zulassen. Mit der Metasuchmaschine ist somit eine Suche von einem zentralen Punkt über mehrere, im Internet verteilte Ressourcen möglich, deren Ergebnisse durch weitere Funktionen lokal genutzt werden können. Die Anbindung externer Dienste erlaubt zudem, die eigentliche Dienstleistung mit Angeboten anderer Anbieter zu verknüpfen. Durch die Konfigurationsoptionen der Metasuchmaschine können viele der genannten Benutzeranforderungen umgesetzt werden.

Demgegenüber existieren natürlich aber auch Grenzen. Die Beschränkung auf die genannten Übertragungsprotokolle und Formate führt dazu, dass nur ein Bruchteil der im Netz vorhandenen Angebote zur Fachinformation durchsucht werden kann. Notwendig ist an dieser Stelle vor allem der Einsatz einer Spidersoftware, deren Index anhand epochaler, regionaler, fachlicher und den oben genannten funktionalen Kriterien abgesucht werden kann. Darüber hinaus führt die Heterogenität der von den durchsuchten Datenbanken gelieferten Metadaten zu Problemen, da Metadaten zu Personen, Publikationen oder Quellen sowohl in der Abfrage als auch in der Präsentation der Ergebnisse nur schwer vereinheitlicht werden können.

Zukünftig sind diese Beschränkungen durch weitere Eingriffe in das System und durch die Nutzung oder Programmierung weiterer Softwarekomponenten zu kompensieren. Zusätzliche Möglichkeiten zur Auswahl von zu durchsuchenden Ressourcen anhand regionaler, epochaler und fachlicher Kriterien werden die vorhandene sachliche Einstiegsstruktur erweitern. Die sachliche Einstiegstruktur selbst ist  so zu ergänzen, dass Suchcluster über Personen-, Publikations- oder Quellendatenbanken durchgeführt werden können. Das Webverzeichnis über Internetressourcen und die eigentliche Suche in diesen wird noch stärker miteinander zu verknüpfen sein, indem von den Nachweisen im Verzeichnis direkt Suchanfragen ausgelöst werden können. [23] Die Einbindung von Benutzerdatenbanken wird bereits in wenigen Monaten umgesetzt werden, um die Nutzung aller personalisierten Funktionen der Metasuche zu ermöglichen.

Allerdings wird die Ausschöpfung aller Konfigurationsmöglichkeiten einer Metasuchsoftware oder der Einsatz von Spidern die Projekte oder Einrichtungen, welche Fachdatenbanken oder thematische Websites zur Verfügung stellen, nicht von Eigenleistungen entbinden. Vielmehr sind auch diese aufgefordert, Lösungen zu entwickeln, die auf heutigen Übertragungs- und Metadatenstandards basieren. Die zahlreich anzutreffenden proprietären Datenformate stellen Metasuchmaschinenbetreiber nur zu oft vor programmiertechnische Hürden, wenn unterschiedliche Ergebnislisten aus den jeweiligen Datenbanken einzeln so umgewandelt werden müssen, dass sie auf dem Metasuchportal auswertbar sind. Wünschenswert wäre es, wenn die Intensivierung von Kooperationen und der Austausch zwischen Projekten zur Entwicklung nachnutzbarer Lösungen führen würde, so dass die jeweiligen Dienste über zentrale Metasuchmaschinen oder zentrale Wissenschaftsportale kostengünstig und ressourceneffizient gebündelt werden können. Der Entwicklung des Semantic Web [24] – dessen Suchmöglichkeiten zukünftig sicherlich auch in zentrale Suchdienste integriert werden -, der Initiative für Search/Retrieve Webservices und letztlich vor allem der Initiative On Metasearching Standards [25] muss verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt werden, wenn durch die Fachwissenschaften und Archive, Bibliotheken und Museen Dienste angeboten werden sollen, die effizient einsetzbar sein sollen.

Thomas Meyer ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projektes Clio-online.

Sara Müller ist Studentische Mitarbeiterin bei Clio-online.


[1] Aktuelle Zahlen zum Wachstum des Internets bei DENIC unter <http://www.denic.de/de/domains/statistiken/index.html>. Siehe auch unter <http://www.netvalley.com/intvalstat.html>.

[2] Vgl. <http://www.clio-online.de>.

[3] Vgl. <http://www.clio-online.de/DesktopDefault.aspx?tabid=40208087>.

[4] Gleich Suchmaschinen.

[5] Das ist ein Metadatenset, welches primär zur Beschreibung von Online-Ressourcen entwickelt wurde und eingesetzt wird. Vgl. <http://www.dublincore.org/>.

[6] MARC ist das amerikanische, an der Library of Congress entwickelte Standardmetadatenset für bibliografische Einheiten (vgl. <http://www.loc.gov/marc/>), während das Metadatenset MAB an der Deutschen Bibliothek Frankfurt entwickelt bzw. gepflegt wird (vgl. <http://www.ddb.de/professionell/mab.htm>).

[7] Harvesting ist der Prozess des >>Einsammelns<< von Metadaten. Das Harvestingprotokoll beschreibt die Abläufe während dieses Prozesses und das Format der Metadaten (vgl. <http://www.openarchives.org>).

[8] OAI wird beispielsweise für das Retrieval im Dissertations- und Dokumentenserver der Humboldt-Universität zu Berlin (vgl. <http://edoc.hu-berlin.de>) und weiteren angeschlossenen Systemen eingesetzt (vgl. <http://edoc.hu-berlin.de/e_suche/oai.php>). Weitere Systeme, die über OAI abfragbar sind, werden unter <http://www.oaforum.org/oaf_db/list_db/list_repositories.php> aufgeführt.

[9] Vgl. <http://www.loc.gov/z3950/agency/zing/srw/>.

[10] RDF ist ein Metadatenset, mit dem der semantische Gehalt von Dokumenten beschrieben werden kann. Auf Basis der semantischen Beschreibungen können Suchagenten Entscheidungen fällen, in welchem Kontext der gesuchte Begriff steht und so die relevanten Treffer aus den Suchergebnissen filtern. Ein Überblick über Dokumentationen, Publikationen und Anwendungen von RDF ist unter <http://www.ilrt.bris.ac.uk/discovery/rdf/resources/> zu finden.

[11] Vgl. Sander-Beuermann, Wolfgang, Schatzsucher. „Die Internet-Suchmaschinen der Zukunft“, in: c’t 13 (1998), S. 178 oder unter <http://www.heise.de/ct/98/13/178>. Sander-Beuermann, Wolfgang; Schomburg, Mario, Internet Information Retrieval – The Further Development of Meta-Searchengine Technology (Proceedings of the Internet Summit, Internet Society, July 22-24, 1998, Genf), unter <http://metager.de/inet98/paper.html>.

[12] Wie es z.B. im aktuellen Katalog des GBV (Gemeinsamer Bibliotheksverbund) praktiziert wird. Dort sind vorhandene Klassifikations- und Verschlagwortungsdaten als Links integriert, deren Anklicken eine Suche über die jeweiligen Klassifikations- oder Schlagworteinträge auslöst.

[13] Die im Folgenden kursiv gedruckten Begriffe entsprechen den Bewertungskriterien für Metasuchmaschinen, die 1998 von Sander-Beuermann u.a. auf der internationalen Tagung der ‚Internet Society’ in Genf vorgeschlagen wurden (vgl. Anm. 11). Obwohl diese Kriterien sich in erster Linie auf Internet-Suchmaschinen beziehen, die im Sinne von Spidern statische Webangebote indizieren, können sie doch mit leichten Modifikationen auch auf die Clio-Metasuche übertragen werden, die auf komplexe und heterogene Metadaten dynamisch zugreift und über Online-Retrieval verarbeitet.

[14] Vgl. MetaLib User Guide 2.13, 6.9.

[15] SUTRS (Simple Unstructured Text Record Syntax), siehe auch unter <http://www.niso.org/standards/resources/Z39-50-2003.pdf>.

[16] In XML-Strukturen können leicht die Elemente und ihre Werte extrahiert werden. Aus tabellarischen Ergebnislisten auf HTML-Basis können, so sie vorhanden sind, Feld- bzw. Kategorienamen und ihre Werte extrahiert werden.

[17] Abhängig von der MetaLib-Konfiguration, vgl. MetaLib User Guide 2.13, 6.10.

[18] Den NutzerInnen werden dabei drei Ansichten der Vollanzeige angeboten: Standard (natürlichsprachliche Benennung der Kategorien basierend auf MARC21), Original (ursprünglicher Record) und Converted (MARC21). Die jeweils verfügbaren Kategorien werden systemabhängig durch die server- und/oder clientseitige Konfiguration festgelegt.

[19] Endres, Albert; Fellner, Dieter W., Digitale Bibliotheken. Informatik-Lösungen für globale Wissensmärkte, Heidelberg 2000, S. 185.

[20] Von diesem Feature profitieren insbesondere Nachweissysteme, die auf die Schlagwortnormdatei (SWD) zurückgreifen. Die SWD bietet einen normierten, terminologisch kontrollierten Wortschatz an. Sie wird von der Deutschen Bibliothek in Kooperation mit dem Bibliotheksverbund Bayern (BVB), dem Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (HBZ), dem Südwestdeutschen Bibliotheksverbund (SWB), dem Gemeinsamen Bibliotheksverbund der Länder Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen (GBV), dem Kooperativen Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV), dem Verbund der wissenschaftlichen Bibliotheken Österreichs, der Schweizerischen Landesbibliothek (SLB), dem Kunstbibliotheken-Fachverbund Florenz-München-Rom und dem Hessischen Bibliotheks-Informationssystem (HEBIS) erstellt und täglich aktualisiert. Quelle: <http://www.ddb.de/professionell/swd.htm>.

[21] Die NutzerInnen haben die Möglichkeit, Anfragen zu speichern und sich in regelmäßigen Intervallen automatisiert einen Ergebnisreport zusenden zu lassen (vgl. MetaLib User Guide 2.13, 6.17).

[22] Van de Sompel, Herbert; Hochstenbach, Patrick, Reference Linking in a Hybrid Library Environment. Part 1: Frameworks for Linking, in: D-Lib Magazine, 5/4 (1999), vgl.: <http://www.dlib.org/dlib/april99/van_de_sompel/04van_de_sompel-pt1.html>; Dies., Reference Linking in a Hybrid Library Environment. Part 2: SFX, a Generic Linking Solution, in: D-Lib Magazine, 5/4 (1999), unter <http://www.dlib.org/dlib/april99/van_de_sompel/04van_de_sompel-pt2.html>; Dies., Reference Linking in a Hybrid Library Environment. Part 3: Generalizing the SFX solution in the "SFX@Ghent & SFX@LANL" experiment, in: D-Lib Magazine 5/10 (1999), unter <http://www.dlib.org/dlib/october99/van_de_sompel/10van_de_sompel.html>; Presseerklärung von Ex Libris zum Erwerb von SFX (04.02.2000) unter <http://www.exlibrisgroup.com/newsdetails.htm?nid=177>; SFX Produktbeschreibung und weitere Artikel bei Ex Libris: vgl. <http://www.exlibrisgroup.com/sfx.htm>.

[23] Hierfür steht bei MetaLib eine so genannte MetaLib-API zur Verfügung, welche Suchanfragen entgegennehmen und Ergebnisse als XML-Daten zurückliefern kann.

[24] Vgl. <http://www.ipsi.fraunhofer.de/oasys/projects/semiport/index_d.html>.

[25] Hierzu ist die Gründungserklärung unter <http://www.niso.org/committees/MetaSearch-info.html> abrufbar. Weitere Veröffentlichungen, insbesondere aktuelle Dokumentationen von Tagungen der Initiative, sind gegenwärtig zu erwarten.


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