Electronic Mail - Elektronische Post

Als bei der Vorbereitung dieses Heftes über die einzelnen Beiträge gesprochen wurde, dachten wir noch, daß es sich zum größten Teil um technische Beiträge handeln würde. Je länger wir mit der Materialsammlung beschäftigt waren, umso mehr wurde uns bewußt, daß zwar viele technische Detailkenntnisse notwendig sein würden, die im Text aber nur mittelbar eine Rolle spielen sollten.

Was würde eine Tabelle nutzen, die die Eigenschaften von Mailprogrammen präsentiert und gegenüberstellt, wenn die meisten Leser noch gar nicht wissen, wofür sie das alles überhaupt benötigen!

Viel wichtiger erscheint uns, zum Nachdenken darüber anzuregen, wie Sie mit dem Werkzeug E-Mail Ihre Arbeitsabläufe erleichtern oder verbessern können. Das fängt an mit der Entscheidung für die richtige Mailbox und bringt erst dann wirklich Zeitgewinn, wenn Sie die Funktionen Ihres - des für Sie geeigneten Mailtools (!) - richtig ausschöpfen können und im Schlaf beherrschen. Anderenfalls finden Sie nach tage-, ja wochenlanger Quälerei so wie Murphy (und andere vor Ihnen) nur zu der Erkenntnis: " ... ein Anwender (ist) ein Computerperipheriegerät, das versucht, mit völlig unzureichender Hardware und einem unverständlichen Programm ein Problem zu lösen, das es ohne Computer gar nicht geben würde."1

Wir haben uns deshalb in die Gedankenwelt eines Benutzers versetzt, der sich gerade vorgenommen hat, das für ihn unbekannte Kommunikationsmedium E-Mail zu erschließen, und sind zu dem Schluß gekommen, daß er auf dem Wege vom Anfänger (im Internet-Jargon: Newbie) zum gewieften Profi an folgenden Fragen unbedingt vorbeikommen müßte (in Klammern Hinweise auf die Artikel, in denen Sie Antworten finden können):

E-Mail - was macht man damit?

Einfach gesagt: das, was man mit der konventionellen "gelben" Briefpost auch macht, nur daß der Computer als Schreibtisch und Briefkasten in einem benutzt wird!

Auf diese Weise können Informationen unterschiedlichsten Typs weltweit zwischen Computer-Nutzern innerhalb weniger Minuten ausgetauscht werden.

Der Begriff des "Mailens" (auch als Electronic Mail, E-Mail oder Mail bezeichnet) steht für eine ganze Reihe von Tätigkeiten, die alltäglich sind:

Das Postamt ist dabei nichts weiter als ein Computer im Rechenzentrum, auf dem sich die Briefkästen (Mailboxen) der Nutzer befinden.

Dieser Rechner ist in den weltweiten Mailaustausch integriert, andererseits muß er auch für die Nutzer erreichbar sein.

Aber es gibt auch darüber hinausgehende Funktionen, die durch den Einsatz von Computern erst möglich und sinnvoll werden:

Die Vielzahl der Möglichkeiten sollte aber nicht zum sorglosen Umgang mit dem Dienst E-Mail führen. Insbesondere ist die Anonymität nur eine scheinbare, denn letzlich steht doch in einer Mail, wo sie herkommt. Das Mailing ist auch nicht kostenlos, dieser Dienst ist von der Universität genauso zu bezahlen wie jede andere Dienstleistung.

E-Mail ist auch nicht das geeignete Werkzeug, um umfangreiche Datenmengen zu verschicken, denn dafür gibt es den Dienst Filetransfer. Es kann sogar passieren, daß ein Nutzer auf Grund einer zu großen Mail in seiner Mailbox diese nicht mehr ordentlich bearbeiten kann.

Weitere Hinweise sind im Artikel zur Netiquette zusammengestellt.

Welche Arten von Mailboxen gibt es an der HUB?

Electronic Mail kann - unabängig von Betriebssystem und Rechnertyp - im Prinzip von jedem Computer genutzt werden, der an das Netz der HUB angeschlossen ist. Das kann eine Workstation am Arbeitsplatz eines Wissenschaftlers oder ein PC in einem der PC-Pools für Studierende sein. Es ist auch möglich, sich über eine Telefonverbindung vom eigenen Rechner zu Hause in das HUB-Netz einzuwählen, um Mail zu empfangen und zu verschicken.

Die erste Frage, vor der Sie stehen werden: Wo möchten Sie Ihre Mailbox haben (in welchem System/auf welchem Rechner)?

Im unserem Universitätsnetz werden zwei verschiedene Netztechnologien verwendet, die auch unterschiedliche Mailsysteme beinhalten: UNIX-Betriebssysteme und Banyan VINES als Netzbetriebssystem für PCs. Eine Mailbox können Sie in einem der beiden Systeme (oder in beiden) bekommen. Das ist jeweils mit Vor- und Nachteilen verbunden.

Die meisten Nutzer versenden Mail sowohl innerhalb des lokalen VINES-Netzes als auch zu UNIX-Mailboxen (innerhalb der HU oder über das Internet). Wenn Sie nur eine Mailbox haben wollen - was natürlich sinnvoll ist -, kann die Mail aus dem einen System (z.B. VINES) in das andere System (z.B. UNIX) über ein Gateway (einen Umsetzer) umgeleitet werden. Die existierenden Mailprogramme funktionieren nur mit einer UNIX- oder einer VINES-Mailbox, niemals mit beiden. Die Vor- und Nachteile entstehen überwiegend durch

Als Groborientierung kann gelten:

Dennoch sind weitere Gesichtspunkte zu beachten, die hier als Entscheidungshilfe genannt werden sollen.

Versuchen Sie bitte vorher, sich die folgenden Fragen zu beantworten:

Eine UNIX-Mailbox ist die bessere Wahl, wenn

Eine VINES-Mailbox eignet sich für Benutzer, die

Eine UNIX- und eine VINES-Mailbox zu haben,

Diese Empfehlungen sind als Orientierung für die meisten Benutzer geeignet, gelten natürlich nicht für alle speziellen Anforderungen. Bevor Sie eine Mailbox eingerichtet bekommen, benötigen Sie einen Account (eine Eintragung als zugelassener Nutzer) für das jeweilige System.

Außerdem gelten unsere Empfehlungen nur für einige Monate. Es ist durchaus möglich, daß sich durch Neubeschaffungen oder Verbesserungen in der Software die Gewichtung einiger Probleme verschiebt und sich damit auch unsere Empfehlungen ändern. Ihre DV-Beauftragten werden von uns darüber informiert.

Wenn Sie vorhaben, eine Mailbox zu beantragen, sollten Sie noch die Beiträge über Mailadressierung und Mailprogramme in diesem Heft lesen. Um so leichter können Sie dann Ihre Wünsche äußern und bestimmte Details klären.

Wenn Sie sich entschieden haben, lesen Sie bitte im Beitrag "Was muß ich tun, um eine Mailbox zu bekommen?" weiter.

Burckhard Schmidt

Winfried Naumann

1 Joachim Graf: Murphys Computergesetze, Haar b. München, 1990.