GX - die neue Software-Generation der HIS GmbH
(Chancen und Risiken für die
Universität)
Vielleicht sollte zuerst
die Abkürzung GX" aufgelöst werden: G" steht
für grafische Oberfläche und X" für das
Betriebssystem UNIX.
An der Humboldt-Universität
werden seit Anfang 1991 Systeme der HIS GmbH eingesetzt. Begonnen wurde
mit dem Mittelbewirtschaftungssystem (HISMBS-UNIX), ein Jahr später
folgten Systeme zur Studentenverwaltung und Zulassung (HISSOS-UNIX und
HISZUL-UNIX) und 1993 wurde das Personal- und Stellenverwaltungssystem
(HISSVA-UNIX) eingeführt. Neben diesen großen" Systemen
werden vor allem die dezentralen Systeme HISIVS-PC, HISBEL-PC und
HISMBS-PC genutzt.
In den darauffolgenden Jahren
stand die Stabilisierung der Systeme, die rationelle Systembetreuung und
in gewissem Maße auch die Anpassung an HU-Besonderheiten im
Vordergrund. Für Außenstehende entstand wohl auch der
Eindruck, daß sich auf der HIS-Strecke wenig tue". Aber
für Benutzer der Systeme und auch die Betreuer war die kurze Zeit
der relativen Ruhe wichtig, man konnte sich mit den Systemen besser
vertraut machen und Ideen sammeln, was man verbessern könnte - denn
zu verbessern gab und gibt es eine Menge.
Nun stellt
die HIS GmbH eine neue Softwaregeneration zur Unterstützung von
Finanz-, Sachmittel-, Personal- und Stellenverwaltung vor.
Für die Universität stehen damit folgende Fragen an:
Welche Vorteile bietet die neue Systemgeneration?
Was kostet die Umstellung auf die neue Generation?
Und ... haben wir überhaupt eine Wahl?
Um die zuletzt gestellte Frage zuerst zu beantworten,
die HIS GmbH garantiert die generelle Betreuung der gegenwärtig an
den Hochschulen eingesetzten Verfahren, lehnt aber aus
Kapazitätsgründen - abgesehen von Fehlerbereinigungen - die
Verbesserung oder Erweiterung der jetzigen HIS-Generation ab. Ein
Endtermin der Betreuung wurde bisher nicht genannt. Aber da heute noch
Systeme der vorhergehenden Generation aus den 70er Jahren (basierend auf
dem Betriebssystem BS2000) an einigen Hochschulen im Einsatz sind,
besteht für uns weniger Sorge, nicht genug Zeit zu haben.
Wichtiger ist natürlich die Frage, welche Vorteile
die Umstellung auf die GX-Systeme für die Universität bringt.
Diese Frage sollte zuerst die HIS GmbH beantworten, deshalb hier ein
kurzer Exkurs in das Gesamtkonzept der GX-Systeme. Weitere Informationen
über die einzelnen Systeme, wie z.B. das neue Personal- und
Stellenverwaltungssystem HISSVA-GX, das Studentenverwaltungssystem
HISSOS-GX oder das System zur Finanz- und Sachmittelverwaltung HISFSV-GX
kann über die WWW-Adresse http://www.his.de eingeholt werden.
Die neue HIS-Softwaregeneration reagiert auf die
Herausforderungen, vor denen die deutschen Hochschulen gegenwärtig
stehen. Solche neuen Herausforderungen sind z.B.:
- Es gibt eine
neue Aufmerksamkeit von Politik und Öffentlichkeit gegenüber
der Qualität der Ausbildung und damit auch der Qualität der
Dienstleistungen der Hochschulen.
- Management und strategische
Planung spielen auch in der Hochschule eine zunehmende Rolle. Die
Verwaltungsdatenverarbeitung muß durch Lieferung von
Managementinformationen darauf reagieren.
- Die Verlagerung von
Entscheidungen innerhalb der Hochschulen auf die Fakultäten und
Institute nimmt zu.
Die neuen GX-Systeme lassen
sich wie folgt charakterisieren:
- Grafische
Nutzeroberfläche unter MS Windows
-
Sicherlich sind grafische Oberflächen und Mausnutzung keine
überragenden technischen Neuerungen, hier erfüllt die HIS GmbH
vor allem eine schon lange gestellte Forderung der Hochschulen.
-
Client-Server- Architektur
-
Die Daten werden
(wie bisher auch) auf dem Serverrechner verwaltet, Präsentation und
Anwendungsprogramme sind auf den Clients unter MS Windows abgespeichert.
Für uns heißt das jedoch, unter einem 486er PC mit 16 MB
Hauptspeicher geht nichts mehr.
-
Geschäftsprozeßorientierung, Integration, Workflowmanagement
-
Gekoppelt mit auf dem Markt erhältlichen
Workflow-Systemen bieten die GX-Systeme die Abbildung des
Geschäftsprozesses für alle Beteiligten, sie zeigen den
jeweiligen Bearbeitungsstand eines Vorganges, Daten können zwischen
den am Prozeß Beteiligten weitergeleitet werden.
- Konfigurierbarkeit
-
Die Hochschulen
haben die Möglichkeit der Konfiguration der Software und können
damit auf bestimmte Hochschulbesonderheiten besser eingehen.
-
Managementinformationen
-
HIS liefert
Schnittstellen von den operativen Systemen zu den Informationssystemen
für das Hochschulmanagement.
Abb.1: Softwarekomponenten von SVA-GX
Die Skizze soll die
Software-Komponenten und ihre Zusammenhänge am Beispiel von
HISSVA-GX etwas verdeutlichen.
Und nun noch die
interessante Frage, was würde die Umstellung eines HIS-Systems auf
die neue GX-Generation kosten? Folgende Komponenten müssen lt. der
Empfehlungen der HIS GmbH in die Rechnung einbezogen werden:
-
Die PC-Clients sollten folgende Leistungswerte haben: 486er PC ab 60 MHz,
Hauptspeicher 16 MB, 17"-Farb-Bildschirm mit 1024*768 Auflösung und
schneller Grafikkarte.
- Als Datenbankserver werden
leistungsfähige UNIX-Server mit einem Hauptspeicher bei 30 Benutzern
von ca. 84 MB empfohlen. Später wird auch der Einsatz von Windows
NT-Servern möglich sein.
- Voraussetzung ist das
Datenbankbetriebssystem Informix mit den Komponenten I-Online ab Version
7.0 , I-SQL, I-4GL, I-C-Compiler.
Fest steht,
daß die Umstellung auf die GX-Systeme nicht mit der vorhandenen
Technik erfolgen kann, sondern eine deutliche Aufrüstung und z.T.
eine Neubeschaffung einzelner Komponenten erforderlich ist. Eine auf die
Mark genaue Rechnung ist zum heutigen Zeitpunkt sicherlich noch nicht
möglich. Jedoch lassen sich bereits die finanziellen
Größenordnungen beschreiben:
- Die PCs wurden
größtenteils im Zeitraum 1990 bis 1993 beschafft und sind
zumindest mit einem 17"-Monitor und einem 486er Prozessor
nachzurüsten. Im Durchschnitt kann dabei mit Kosten von ca. 2 TDM je
PC gerechnet werden.
- Die Server, ebenfalls aus den Jahren 1990 bis
1993, sind durch Neubeschaffungen zu ersetzen und kosten je Rechner ca.
60 TDM.
- Das z.Zt. auf den Servern der Personal-, Studien- und
Haushaltsabteilung installierte Datenbankbetriebssystem Informix ist
veraltet und kann nicht für die GX-Systeme genutzt werden, sondern
muß neu beschafft werden. Bei Einrechnung von 65% Rabattierung ist
immer noch bei 30 Benutzern mit einer Summe von ca. 32 TDM zu rechnen.
Fazit: Die Umstellung eines HIS-Systems
mit 30 Nutzern würde die Universität ca. 152 TDM kosten! Das
heißt jedoch nicht, daß wir das Geld vollständig
einsparen können, wenn wir nicht auf die neue GX-Generation
umstellen. Einmal eingeführte DV-Systeme erfordern einen nicht
unbeträchtlichen finanziellen Aufwand zur Pflege der
Softwareversionen und zur Ersatzbeschaffung der Hardware.
Einschätzungen/Empfehlungen:
Auch wenn es noch zu früh ist, die neue
HIS-Generation im Detail zu beurteilen, können wir uns doch als
Universität nicht vor der neuen Softwaregeneration
verschließen. Bereits erkennbare wichtige Vorteile für die
Universität sind z.B.:
- die bessere Unterstützung und
direkte systemseitige Kopplung von zentralen und dezentralen
Geschäftsprozessen. Wir hätten dann endlich die
Möglichkeit, die Fakultäten und Institute mit den gleichen
Systemen auszustatten, wie die zentrale Verwaltung und könnten auch
den Datentransport diskless" unterstützen.
- die
Konfigurierung und damit Anpassung der HIS-Systeme an unsere Bedingungen.
Damit wäre es z.B. möglich, einer Drittmittelbearbeiterin in
der Forschungsabteilung einen lesenden Zugriff auf die Drittmittelstellen
des Personalsystems und die Drittmittelfinanzen des Haushaltssystems
über eine speziell für sie konfigurierte Oberfläche zu
gestatten.
- der Anschluß moderner Auswertungs-Tools.
Komplizierte Auswertungen können dann mit geringerem Aufwand und
nicht mehr mit der Programmiersprache 4GL hergestellt werden.
Tatsache ist, daß mit der Umstellung auf
die neuen HIS-Systeme die Umstellung auf ein neues Datenbankkonzept
verbunden ist. Nur wenn die Daten in den alten" Systemen absolut
korrekt und in ihrer Integrität gesichert sind, können sie in
die neue Datenbank übernommen werden.
Tatsache ist ebenfalls, daß wir zwar leistungsfähigere
Systeme bekommen, der Aufwand der Konfigurierung und Betreuung aber
deutlich höher sein wird als bisher. Gegenwärtig betreuen z.B.
zwei Mitarbeiterinnen des Rechenzentrums vier UNIX-Systeme auf drei
verschiedenen Servern, mit 97 angeschlossenen PCs und 11 Terminals. Erste
Empfehlungen der HIS GmbH besagen, daß künftig ein
Systembetreuer für 20 PCs eines GX-Systems erforderlich ist.
Unsere Aufgabe wird es nun sein, die Entwicklung der
GX-Systemgeneration genauestens zu verfolgen und uns auf die erwarteten
Anforderungen sehr gründlich vorzubereiten.
Die
Umstellung auf die GX-Generation ist ebenso aufwendig, wie eine
Ersteinführung und wird nur gelingen, wenn sie in der Verwaltung zur
Chefsache erklärt wird!
Doris Natusch, RZ
E-Mail:
natusch@rz.hu-berlin.de