Irgendwann kam die Zeit des Netzwerkes - in unserem Hause Banyan VINES - und damit der integrierten zeichenorientierten Mail, dank derer man die Hälfte aller Telefonate und dreiviertel aller Wege ins Nachbarhaus einsparen konnte. Auf Grund ihrer englischen, nicht Windows-orientierten Oberfläche blieben aber auch hier noch viele Wünsche offen. Manche Funktionen waren nur mit viel (Schulungs-) Aufwand zu nutzen und blieben den Insidern" vorbehalten. Man denke dabei an das Anfügen und Lesen von Dokumenten als Anlage (Attachment).
Seit dem vergangenen Jahr nun sind wir wieder einen Schritt weiter. Die Verwaltung wurde komplett mit BeyondMail ausgestattet, einer neuen, deutschsprachigen Oberfläche, die von der Firma Banyan als Windows-Aufsatz für das hauseigene Mailsystem bereitgestellt wird und die vieles leichter macht. Verständlichkeit, Austausch von Dokumenten und der Aufbau von eigenen Adreßbüchern sind nun kein Thema mehr.
Deshalb hier noch einmal die Highlights von BeyondMail:
Leider gibt es nur wenig Lehrmaterial zur neuen Oberfläche. Wer sich informieren möchte, kann dazu aber beispielsweise die WWW-Seite mit der URL http://www.hu-berlin.de/inside/rz/empfehlg/empf_bm.html nutzen.
Festzustellen ist:
Spätestens hier jedoch treten auch die Probleme des Mail-Dienstes zutage:
1. Identifikation und Sicherheit
Schon in der BeyondMail gibt es das Problem, Mails mit
falschem Absender verschicken zu können, dann nämlich, wenn man
Mails aus einem Briefkasten heraus versendet, für den man zur
Mitbenutzung" zugelassen ist. Wenigstens können Mails beim
Austausch mit BeyondMail-Nutzern verschlüsselt werden und auch
Administratoren wird der Zugriff zu den Mails der Nutzer verwehrt.
Viel stärker muß auf diese Probleme geachtet
werden, wenn Mails im Internet ausgetauscht werden. Hier treten
Forderungen nach der Erhöhung von Sicherheit und Prüfbarkeit
der Unterschrift bei sensiblen Vorgängen auf.
Zum Thema "Elektronische Unterschrift" gibt das Landesamt für
Informationstechnik Berlin (LIT) in seiner Ausgabe des SPLITTER 3/96
einen Sachstandsbericht. Danach wird es in Kürze ein Signaturgesetz
(SigG) geben, das die Bildung einer digitalen Signatur behandeln wird.
Im Rechenzentrum wird dieses Thema im Rahmen eines
DFN-Projektes eine Rolle spielen. Dort sollen Möglichkeiten der
sicheren Übertragung im Zusammenhang mit
Verschlüsselungsverfahren und der Bildung von
fälschungssicheren digitalen Signaturen gefunden werden.
2. Dienstwege
Im Gegensatz zum
Schriftverkehr gibt es für den Umgang mit Mail bisher kaum
Dienstanweisungen in der Verwaltung. Wird im Schriftverkehr streng auf
die Einhaltung von Dienstwegen geachtet, kann im Mail-System
grundsätzlich jeder mit jedem kommunizieren. Lediglich das Versenden
von flächendeckenden Mails wurde im letzten Jahr eingeschränkt.
Soll die Nutzung von BeyondMail inhaltlich erweitert werden,
beispielsweise auf das Bestellwesen, müssen zeitgleich
Organisationsanweisungen erarbeitet werden.
3. Daten-
und Dokumentenversand
Dokumente: Das bisherige
Versenden von reinen Texten bereitet kaum noch Probleme innerhalb der
Verwaltung. Die Problematik des Austausches tritt erst dann
verstärkt auf, wenn das hauseigene Mailsystem verlassen wird. Die
unterschiedlichen internen Textformate der Mailsysteme können noch
nicht reibungsfrei konvertiert werden. Einen Standard für die
Umsetzung von 8-Bit-Code gibt es nicht.
Daten: Soll
Mail zur Aktualisierung von Datenbanken benutzt werden, muß das
Auslesen von Daten aus den Mailtexten technisch realisiert werden. In
BeyondMail verlangt das den Einsatz eines Rule-Servers und ein ganzes
Stück Programmierung.
Fazit
Der Mail-Dienst hat noch eine große Zukunft vor
sich. Seine Möglichkeiten sind mit dem Versenden reiner Texte noch
lange nicht ausgeschöpft. Als Übertragungsmedium kann er in
zukünftigen Vorgangs- und Workflowsystemen eine Rolle spielen.
Allerdings muß man auch die Grenzen dieses Dienstes sehen und der Euphorie begründete Sicherheitsbedenken entgegensetzen.
Irene Neumann, RZ
E-Mail:
irene=neumann@rz.hu-berlin.de
Katrin
Lányi, RZ
E-Mail:
katrin=lanyi@rz.hu-berlin.de
Susann Morgner
Pressestelle