Systemverwaltung - die richtige Bezeichnung für einen knallharten
Job?
Um es vorauszuschicken: Wir stehen zu
unserer Arbeit und möchten mit keinem anderen tauschen. Doch
darüber, was wir tun, gibt es in der Öffentlichkeit oft ein
unklares Bild. Lassen Sie es uns hier geraderücken!
Sie wissen ja: Ein Netz ist ein Geflecht, das an vielen
Punkten zusammengehalten wird, ein festes Grundmuster besitzt und dessen
Stabilität Grundlage der erfolgreichen Arbeit ist.
Und so, wie die Fischer täglich ihr Netz
begutachten, größten Wert auf Pflege und Reparatur legen,
damit kein Fisch entweichen kann, tun die Systemverwalter es mit dem
Verwaltungsnetz.
Was 1990 mit der ersten Netzmasche,
dem Aufbau des lokalen Unix-Netzes der Haushaltsabteilung, begann, ist
heute ein Geflecht aus elf Servern, drei Terminalservern, elf Terminals,
ca. 350 PCs im Verwaltungsnetz, zwei (noch) lokalen Netzen in der
zentralen Universitätsverwaltung, zwei Bridges, einer Firewall
(bestehend aus vier Geräten), diversen Multiportrepeatern,
unterschiedlichen Betriebssystemen in den verschiedensten Versionen und
ca. 30 DV-Verfahren mit jeweils bis zu 60 Nutzern.
Was aber, wenn sich ein Faden des Netzes verheddert, ein Knoten nicht
hält? Dann hat der Fischer ein Problem.
... und es bewegt
sich doch ...
Ein Netz ist, wenn es einmal
in den Grundfesten errichtet wurde, ein relativ starres Gebilde - sollte
man meinen. Weit gefehlt! Hier ein paar Fakten aus dem vergangenen Jahr:
- Verdopplung der Teilnehmerzahl im Verwaltungsnetz,
- Aufbau
der Firewall,
- Anschluß von drei kompletten, lokalen Netzen an
das Verwaltungsnetz,
- Arbeitsplatz-Ringtausch im Präsidialamt,
- Betriebssystem-Wechsel auf 7 Servern,
- ...
Kleine Fische? Hinter jeder Veränderung steht eine
Vielzahl administrativer Aufgaben: Nutzungsrechte erteilen, Drucker
anschließen, Dienste anbinden etc.
... hot,
hoter, am hotesten - die HOTLINE
Am
Arbeitsplatz der HOTLINE zeigt sich am ehesten: Systemverwalter sind
vieles andere zugleich: Techniker, Detektiv und Psychologe. Hier die
häufigsten Anfragetexte:
- Mein Drucker geht nicht."
- Mein Drucker druckt keine Umlaute."
- Die Maus ist
weg."
- Das Netz spinnt."
- Ich habe einen Virus."
Was oft banal klingt, erfordert Ruhe und Geduld
beim Aufspüren von Netzfehlern, erfordert Fleiß und Disziplin
beim Protokollieren von Netz- und PC-Einrichtungen und Beharrlichkeit
beim Bekämpfen von Viren. Kleinigkeiten machen oft die meiste
Arbeit!
... Freiheit, die ich meine ...
Eine Erkenntnis der letzten Jahre ist zweifellos: Wir
erfüllen zu viele Wünsche.
Systemverwalter
sind auch Programmierer. Deshalb können sie sich oft nicht bremsen,
wenn Nutzer die oft gehörte Frage stellen: Können Sie
nicht..."
Im Hinblick auf spätere
Versionswechsel bei Standard-Software ist es aber oft sinnvoller, auf die
Produktion von Einzellösungen zu verzichten und dafür auch
einmal eine Unbequemlichkeit (zusätzlicher Tastendruck etc.) in Kauf
zu nehmen.
... und immer auf dem neuesten Stand
bleiben ...
Oft werden wir getadelt:
- Euer Betriebssystem ist ja steinalt."
- Eure Software
ist nicht mehr modern."
- Waaas, keine Windows-Oberfläche
bei den HIS-Systemen?"
Aber haben Sie schon
einmal darüber nachgedacht, was alles berücksichtigt werden
muß, um die Entscheidung zu treffen, ob in der Verwaltung
künftig OS/2, Windows 95, Windows NT oder gar Windows 97 eingesetzt
werden soll, geschweige denn, wieviel es kostet, 350 PCs auf ein neues
Betriebssystem umzustellen? Unter dem Motto Never touch a running
system!" stellen wir eben nur dann auf neue Versionen um, wenn wir sicher
sind, daß alle Komponenten zusammenpassen, die Software ausgetestet
ist und es für die Nutzer die bessere Lösung ist.
Und deshalb hinken wir der Zeit immer etwas hinterher,
durchaus in dem Bewußtsein, daß doch mancher Mitarbeiter
-hinge er nicht am Netz- gern schon auf Windows95 umgestellt hätte.
... lachen muß man auch dürfen ...
Anruf eines Nutzers: Ich komme
nicht ins Netz."
Antwort des Systemverwalters:
Dann gehen Sie bitte nach nebenan, dort hat sicher wieder jemand
das Fenster geschlossen."
Ursache: Drei
Räume sind an einem Strang verkabelt. Im mittleren Raum ist die
Koax-Dose so ungünstig auf dem Weg zum Fenster angebracht worden,
daß der Stecker unter Umständen halb herausgezogen wird und
damit das ganze Netz lahmlegt. - Eine Kabelbrücke ist beantragt.
... und ein ernstes Wort am Schluß...
- Die Arbeit muß effektiver werden.
Viele Aufgaben können bereits von einem Administrationsarbeitsplatz
aus gelöst werden. Der Anteil des Managements per Turnschuh"
ist noch entschieden zu hoch, wenn man bedenkt, daß das wachsende
Netz weiter ohne zusätzliches Personal betreut werden muß.
Leider sind Management-Systeme eine sehr teure Angelegenheit. Nach
Lösungen wird gesucht.
Ein anderer Weg ist die verstärkte Einführung von Standards.
Der Kompromiß zwischen Nutzerfreiheit und Betreuungsaufwand
muß ständig neu ausgehandelt werden.
- Wir müssen die
Nutzer umfangreicher qualifizieren.
Nutzer müssen sich für ihre Daten verantwortlich fühlen,
aber sie müssen dies auch können. Sie sollten befähigt
werden, kleine technische Probleme selbst zu lösen,
Datenauswertungen selbst vorzunehmen usw.
- Ein gutes Team ist
unverzichtbar.
Komplexe Aufgaben wie die Systemverwaltung sind nur im Team lösbar.
Für die Lösung mancher Probleme brauchte es schon die Mitarbeit
des halben Rechenzentrums.
Im Namen der
Systemverwalter:
Frohmut Seckinger, RZ
E-Mail:
frohmut=seckinger@rz.hu-berlin.de