Und man lernet nimmer aus

Neue Zeiten - Neue Schulungskonzepte

Trotz Windows erklärt sich die Bibliothek nicht selbst

Benutzerschulungen waren schon immer eine Aufgabe der Bibliotheken, und seit langer Zeit finden sich regelmäßig bei Semesterbeginn ganze Gruppen von Studenten in der Bibliothek ein, um zu erfahren, wie man angesichts von unzähligen Bibliographien, AKs1, Sykas2, AZKs3 und ähnlich geheimnisvollen Dingen eigentlich ein Buch ausleiht. Die einem modernen Benutzer als ein Geheimwissen der Bibliothekare vorkommenden Preußischen Instruktionen4 wurden und werden im Rahmen von allgemeinen Führungen durch die Bibliothek ebenso erklärt wie die nicht minder geheimnisvollen RAK5. Die höheren Weihen erfährt, wer in die Welt der Bibliographien eingeführt wird und so in der Lage ist, selbständig und möglichst vollständig die Literatur zu einem bestimmten Thema zusammenzustellen. Wer meint, mit der Einführung von graphischen Benutzeroberflächen und sich selbst erklärenden Windows-Datenbanken sei das Thema der Benutzerschulung von selbst erledigt, irrt sich in höchstem Maße. Von einer Vereinheitlichung der Oberflächen kann keine Rede sein, und jede zweite Datenbank wird anders aufgerufen, hat eine andere Tastenbelegung und ist anders wieder zu verlassen als die vorige. Und angesichts der Fülle der Informationen im Internet hat der Benutzer nach der Sichtung der bibliographischen Nachweise oft keine Zeit mehr, auch nur einen einzigen Aufsatz zu lesen. Nicht ohne Grund werden die Auskunftsbibliothekare immer häufiger gebeten, doch ja keine weitere CD-ROM mehr aufzurufen, man ertrinke in der Fülle der Informationen. Auf diese Situation hat die Bibliothek mit einem verstärkten Schulungsangebot zu antworten, und der Bedarf ist sogar proportional mit dem steigenden Angebot an Informationsdiensten gestiegen. ³Die auftretende Unsicherheit über die konkrete Bedienung, aber auch den Nutzen bzw. die Funktion der einzelnen elektronischen Dienste"6 muß hierbei ebenso berücksichtigt werden wie die Konfrontation mit einer steigenden Informationsflut. Neben der traditionellen Beschaffung, Erschließung und Bewahrung von Literatur werden die inhaltliche Aufbereitung der Nachweisinstrumente, die Vorstrukturierung der elektronischen Nachschlagewerke, die Erstellung von Metainformationen und deren Präsentation immer mehr zur zentralen Aufgabe der Bibliotheken. Gleichzeitig muß der richtige Gebrauch dieser Hilfsmittel für die wissenschaftliche Arbeit vermittelt und in ein systematisches Schulungsangebot eingebunden werden.

Die Universitätsbibliothek der HU verfolgt hierbei zwei Zielrichtungen:

Die objektorientierte Schulung

In diesem Rahmen bietet die Universitätsbibliothek Schulungen für konkrete Informationsmedien an, in denen Kenntnisse der Handhabung der einzelnen Informationsdienste (Befehle und Tastenkombinationen, Such- und Recherchestrategie, Anzeige der Ergebnisse, Speicherung und Druckausgabe) und Erläuterungen zu Inhalt und Umfang der Datenbank vermittelt werden. In der Zentralen Universitätsbibliothek kann man an Schulungen für die Online-Kataloge (wöchentlich), für einzelne CD-ROM-Datenbanken und für das menügeführte Recherchesystem FirstSearch von OCLC7 (zweimal monatlich) teilnehmen. Die Teilnehmerzahl für die in der Regel einstündigen Veranstaltungen ist zur Zeit auf sechs Personen beschränkt, damit eine optimale Betreuung stattfinden kann. Datenbanken unterschiedlichen Inhalts aber mit gleicher Benutzeroberfläche werden hierbei für die Schulung zusammengefaßt. Folgende monatlichen Einführungen finden in der Universitätsbibliothek statt:

Darüber hinaus bietet die Universitätsbibliothek zweimal im Monat Einführungen in die Nutzung des Internets an. Hier werden den Nutzern der erste Einstieg, die Vielfalt, aber auch die Schwierigkeiten im Umgang mit dieser modernen Informationstechnologie gezeigt. Schwerpunkte bilden die Nutzung der über das WWW angebotenen Recherche-Möglichkeiten in den Katalogen anderer Bibliotheken sowie die Vorstellung von ausgewählten Suchmaschinen. Auf die weiteren und spezielleren Schulungsangebote der Universität wird regelmäßig hingewiesen. Die Schulungsanzahl ist auch hier auf sechs Personen beschränkt, so daß den Teilnehmern die Möglichkeiten des eigenen Arbeitens gegeben werden können.

Die Bibliothek gibt die genauen Schulungstermine jeweils einen Monat vorher durch Aushänge in den Zweigbibliotheken, in der Zentralen Universitätsbibliothek und auch über die Homepage der Universitätsbibliothek8 bekannt. Im Informationszentrum der Zentralen Universitätsbibliothek liegt ein Ordner aus, in dem sich die an einer Schulung interessierten Nutzer für eine Teilnahme eintragen können. Selbstverständlich ist auch eine Anmeldung über E-Mail (monika=dahl@ub.hu-berlin.de) oder das Telefon (Tel. Nr.: 2093 3212 oder 2093 3224) möglich.

Die themenorientierte Schulung

Der zweite Teil des Schulungsangebotes der UB geht über das Vermitteln von Kenntnissen im Umgang mit ausgewählten Informationsmedien hinaus und beabsichtigt, eine Einführung in die themenorientierte Literaturrecherche für ein Wissenschaftsgebiet zu geben. Bei den Vorbereitungen dieser Schulungen ist die Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten, den Fachwissenschaftlern und den Bibliotheksmitarbeitern von großer Bedeutung, denn nur so lassen sich die in den folgenden Programmpunkten enthaltenen Ziele verwirklichen.

Führung durch die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität

Führung durch die Zentrale Universitätsbibliothek

Zielrichtung:

Überblick über die bibliothekarischen Dienstleistungen

Schwerpunkte:

Führung durch die relevante Zweigbibliothek

Zielrichtung:

Überblick über die bibliothekarischen Dienstleistungen der Zweigbibliothek

Schwerpunkte:

Einführung in die themenorientierte Literaturrecherche und Beschaffung der Informationsquellen

Zielrichtung:

Unter dem Gesichtspunkt des entsprechenden Wissenschaftsgebietes der Schulungsgruppe werden die relevanten Recherchemöglichkeiten vorgestellt.

Schwerpunkte:

Über dieses spezielle Schulungsangebot hinaus bietet die Universitätsbibliothek regelmäßig Führungen durch die Bibliothek an. Sie finden an jedem ersten und dritten Donnerstag des Monats um 10 Uhr (Ausgangspunkt: Informationszentrum) statt, und selbstverständlich werden auch Führungen nach Vorabsprachen durchgeführt. Terminvereinbarungen können per Telefon (2093 3219), per E-Mail oder persönlich (Raum 56 in der Zentralen Universitätsbibliothek) mit Frau Schmidt vereinbart werden.

Carola Schmidt

Universitätsbibliothek

E-Mail: carola=schmidt@ub.hu-berlin.de


1 Alphabetischer Katalog.

2 Systematischer Katalog.

3 Alphabetischer Zentralkatalog der Zweigbibliotheken.

4 Regeln für die Beschriftung der Katalogkarten und für ihre Einordnung in die Katalogkästen. Dort ist z.B. geregelt, daß der Benutzer die Zeitschrift: Post Office electrical engineers' Journal unter: 1. Journal, 2. engineers' 3. post-office 4. electrical zu suchen hat.

5 Die Regeln für die alphabetische Katalogisierung sind die heute gültigen Regeln für die Titelaufnahme und haben den Nachteil, daß sie so gut wie gar nicht auf die Erfordernisse eines elektronischen Kataloges abgestimmt sind.

6 Homann, Benno: Schulungen als Aufgabe einer benutzerorientierten Bibliothek , S. 595; in: ZfBB 4(1996)6

7 Online Computer Library Center

8 URL der Homepage der Universitätsbibliothek der HU: http://www.ub.hu-berlin.de/Welcome/html