Datensicherheit in öffentlichen Computerräumen
Bei der Bereitstellung von öffentlich zugänglichen Rechnern ist
es für jeden Betreiber unumgänglich, sich mit einigen Sicherheitsaspekten
zu beschäftigen. Ziel dieser Sicherheitsstrukturen ist es, einerseits
das installierte System zu schützen und damit eine hohe Systemverfügbarkeit
zu garantieren und andererseits die Daten der Benutzer zu sichern. Das
Rechenzentrum kann hier auf die Erfahrungen aus sechs Betriebsjahren seines
PC-Saals zurückgreifen. Die dort angewandten Technologien zur Systemerhaltung
und -rekonstruktion können als Fundus für gleichgeartete Aufgaben
genommen werden.
Im PC-Saal des RZ wird eine beachtliche Menge an Software den Benutzern
zur Verfügung gestellt. Sie wurde mit viel Aufwand auf einem File-Sever
installiert und steht allen Benutzern, die auf diesen zentralen Server
zugreifen dürfen, für ihre Arbeit bereit. Um zu garantieren,
daß die Benutzer nicht versehentlich Programme löschen oder
zerstören und die Administratoren nicht ständig Programme neu
installieren müssen, sind im Betriebssystem entsprechende Schutzmechanismen
vorgesehen, die es dem Administrator gestatten, Rechte an Dateien, Unterverzeichnissen
oder Netzlaufwerken festzulegen, die einzelnen Personen oder Personengruppen
Aktionen wie Lesen, Schreiben oder Löschen erlauben bzw. nicht erlauben.
Den Benutzern des PC-Saals ist es z. B. nicht gestattet, Dateien oder
Verzeichnisse auf dem Server zu löschen oder neue hinzuzuschreiben.
Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt ganz deutlich die Wichtigkeit solcher
Schutzmechanismen anhand der tagtäglich festzustellenden Veränderungen
an den Benutzerrechnern. Dort wurden z. B. Teile von Programmen gelöscht,
die Festplatte komplett gelöscht und sogar manchmal auch neu partitioniert.
Damit die Administratoren bei den oben beschriebenen Problemen auf
den Benutzerrechnern nicht zeitaufwendig nach Fehlern suchen müssen,
wurde ein Programm entwickelt, das erstens einen Rechner eindeutig identifizieren
kann und zweitens anhand dieser Identifikation genau ermittelt, welche
Software in welcher Konfiguration auf genau diesem Rechner installiert
werden muß. Da unsere Rechner sich bis auf Grafikkarte, Netzwerkkarte
und den eingebauten Geräten, wie z. B. CD-ROM-Laufwerk, in etwa gleichen,
wird als erstes eine Standardinstallation vorgenommen. Im Anschluß
daran werden die Besonderheiten der einzelnen Rechner kopiert, wie spezielle
Gerätetreiber, andere Konfigurationsdateien oder spezielle Software.
Um unser Netz zu entlasten, es müssen immerhin ca. 100 MB Daten auf
den Benutzerrechner gebracht werden, wurde die Datenmenge in mehrere komprimierte
Files aufgeteilt, die einzeln vor Ort kopiert und extrahiert werden. Diese
Methode der Festplattenrekonstruktion hat folgende Vorteile:
-
Verringerung der Datenmenge auf ca. 50%
-
Reduktion der Netzbelastung während der Extraktion der Daten auf dem
lokalen Rechner
-
kurze Wartezeiten der Benutzer auf einen "wiederhergestellten" Rechner.
Ist der Rechner wieder funktionstüchtig, kann der Benutzer seine eigenen
Daten, z. B. eine Text- oder Grafikdatei, erzeugen. Für die Sicherung
dieser Daten ist er selbst verantwortlich. Er kann seine Dateien für
die Zeit der Bearbeitung auf der lokalen Festplatte speichern und sie danach
auf die Diskette kopieren. Der PC-Saal orientiert auf eine Sicherungskopie
mit einer zweiten Diskette, da es schon mehr als einmal vorgekommen ist,
daß Disketten plötzlich nicht mehr lesbar waren oder eine Datei,
natürlich genau die, in der man das Allerwichtgste gespeichert hatte,
einen "irreparabelen Fehler" aufwies.
Ist die Datei für eine Diskette zu groß geworden, kann der
Benutzer sie mit Hilfe eines Komprimierungsprogrammes auf mehrere Disketten
aufteilen und speichern. Ist er im Besitz eines UNIX-Accounts, kann er
seine Daten auch mittels FTP in sein Home-Verzeichnis kopieren.
Die schon im vorangegangenen Artikel angesprochene Virenproblematik
stellt sich in einem PC-Pool mit einer großen Anzahl von Rechnern
ganz besonders. Hier können sich Viren sehr schnell ausbreiten und
in kürzester Zeit eine Vielzahl der PCs und Disketten infizieren.
Die Benutzer müssen darauf hingewiesen werden, schon in ihrem eigenen
Interesse, daß sie ihre Disketten auf Viren untersuchen sollen. Dazu
sollte ein separater Rechner, wie er sich im Eingangsbereich des PC-Saals
befindet, zur Verfügung stehen. Diese Untersuchung auf Viren sollte
vor und nach der Arbeit vorgenommen werden, da es nicht sicher ist,
ob der Vorbenutzer des Rechners ebenso verantwortungsbewußt mit seinen
Disketten bzw. Daten umgegangen ist, wie man selber.
Bei Rechnern mit genügend großem Hauptspeicher sollte ein
residenter Virenchecker installiert werden, um das Risiko einer Infektion
(bei versehentlicher Benutzung nicht virengeprüfter Disketten) des
Rechners und damit auch der Dateien der anderen Benutzer zu minimieren.
Eine große Hürde für die Infektion mit Bootsektorviren
wird durch das Umstellen der Bootsequenz im BIOS aufgebaut. Standardmäßig
ist dort für die erste Systemsuche das Diskettenlaufwerk und erst
als zweites die Festplatte eingestellt. Bei dieser Einstellung kann es
leicht passieren, daß bei einem Neustart des Rechners von der im
Laufwerk verbliebenen Diskette gebootet wird. Selbst wenn auf dieser Diskette
kein Betriebssystem installiert ist, wird ein im Bootsektor stehendes Programm
in den Hauptspeicher geladen und abgearbeitet. Ist dieses Programm ein
Virus, so könnte es sich z. B. in den Bootsektor der Festplatte kopieren.
Damit wäre der Rechner infiziert und könnte beim nächsten
Systemstart die Diskette infizieren bzw. vorprogrammierte Aktionen ausführen.
Um solcherart Infizierung zu vermeiden, wird der Rechner durch Umstellen
der Bootsequenz von A;C auf C;A veranlaßt, als erstes das
System auf der Festplatte zu suchen.
Ein weiterer Kontrollmechanismus im PC-Saal ist die Sicherstellung,
daß die Benutzer Studenten bzw. Mitarbeiter der HU sind, denn sämtliche
installierte Software sind Schullizenzen, und die daran geknüpften
Bedingungen müssen eingehalten werden. Dazu werden bei der Erteilung
des Benutzerausweises der aktuelle Studentenausweis sowie der Ausweis des
Antragstellers kontrolliert. Teilt uns der Antragsteller seine Einschreibnummer
mit, so kann in einem automatisierten Verfahren mindestens einmal im Semester
der Status des Benutzers bei der Studienabteilung abgefragt und so eine
Verlängerung des Benutzerausweises, ohne daß das Personal den
Studentenausweis physisch in Augenschein nimmt, automatisch vorgenommen
werden.
Alle oben beschriebenen Vorkehrungen zum Schutz der Daten können
nur Auszüge aus einer Vielfalt von Maßnahmen sein, denn andere
Betriebssysteme und andere äußere Umstände bieten den Administratoren
wie auch den Benutzern die unterschiedlichsten Möglichkeiten.
Dieser Artikel ist als Anregung zur Entwicklung eigener Maßnahmen
und Technologien gedacht, die je nach dem Grad der Schutzwürdigkeit
der Daten ausgebaut, erweitert oder unterlassen werden können.
Generell kann zur Datensicherheit in öffentlichen Computerpools
folgendes gesagt werden:
-
Schreib-, Lösch- und Kontrollrechte auf zentralen Rechnern erhalten
nur die Systemadministratoren.
-
Leserecht erhalten alle "normalen" Benutzer.
-
Die lokalen Festplatten der Benutzerrechner müssen in kürzester
Zeit wieder hergestellt werden können, bzw. die darauf befindliche
Installation ist so zu schützen, daß Benutzer sie nicht verändern
können.
-
Der Virenproblematik ist ganz besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
-
Bei Benutzung von Schullizenzen muß auf den entsprechenden Benutzerkreis
geachtet werden.
-
Bei der Arbeit mit personenbezogenen Daten obliegt dem Bearbeiter die Sorgfaltspflicht,
er muß die Bestimmungen des Datenschutzes beachten und einhalten.
Holger Liebetrau