Sicherheit im Verwaltungsnetz
Das sicherste System ist das geschlossene System ohne Kommunikation und
Datenaustausch mit der Außenwelt! Als wir uns vor über drei
Jahren für ein "offenes" Verwaltungsnetz entschieden, waren wir uns
darüber im klaren, daß dies der risikovollere Weg ist. Wurden
uns nicht zuletzt aus der Presselandschaft die Horrorszenarien über
geknackte Personaldatenrechner, manipulierte Gehaltslisten, verfälschte
Briefinhalte oder verkaufte Adreßlisten vor Augen gehalten.
Beim Aufbau des Verwaltungsnetzes sind wir nach dem Grundsatz vorgegangen,
zuerst die Risiken zu erkennen, mit geeigneten technischen/organisatorischen
Maßnahmen zu minimieren und danach die einzelnen Dienste explizit
zu erlauben. So sind einzelne technisch mögliche Netzzugänge
oder -dienste bis heute verboten, da wir glauben, sie noch nicht genügend
zu beherrschen (Fernzugriffe auf sicherheitsrelevante Datenbestände
in der Zentralen Universitätsverwaltung sind z. B. nicht möglich).
Das Verwaltungsnetz
Über den Aufbau, die Struktur und die im Verwaltungsnetz angebotenen
DV-Anwendungen wurde bereits in früheren RZ-Mitteilungen - u. a. in
der Nummer 13 - berichtet. Hier nur noch einmal die wichtigsten Eckpunkte,
die zum Thema Sicherheit einen besonderen Bezug haben:
-
Das Verwaltungsnetz verfügt über eine Verbindung zum Universitätsnetz
und damit zum Internet, die durch ein spezielles Firewall-System geschützt
wird.
-
Es wurden abteilungsbezogene Subnetze mit dedizierten Abteilungsservern
aufgebaut, die z. Zt. noch mit Hilfe einer Bridge miteinander gekoppelt
werden.
-
Als unversitätsübergreifendes Netzwerkbetriebssystem wird Banyan
VINES eingesetzt. Spezielle Verwaltungsverfahren, wie z. B. Studentenverwaltung,
maschinelle Zulassungsverfahren, Personal- und Stellenverwaltung und Haushaltsabrechnung
und -planung basieren auf Softwareprodukten der HIS GmbH Hannover und dem
UNIX-Betriebssystem.
-
Die über das Netz erreichbaren ca. 350 PCs der Verwaltung sind in
ihrem Ausstattungsgrad sehr heterogen, erst ca. 16% der Rechner sind Windows
95-tauglich.
-
Auf gegenwärtig 11 Servern (Banyan VINES- und UNIX-basiert) werden
ca. 30 DV-Anwendungen eingesetzt.
Das Verwaltungsnetz ist darüber hinaus die Basis für die Kommunikation
per E-Mail, den Austausch und die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten,
die Archivierung der Verwaltungsdaten und die Benutzung des World Wide
Web als verwaltungsinternes Arbeitsinstrument.
Anforderungen an die Sicherheit
Es ist gerechtfertigt, dem Thema Sicherheit im Verwaltungsnetz einen gesonderten
Beitrag in diesem Heft zu widmen. Gibt es doch einige Spezifika bzw. Anforderungen,
die für die Verwaltung und damit für das Verwaltungsnetz in höherem
Maße als für den wissenschaftlichen Bereich zutreffen. Sie lassen
sich unter den Schlagworten
| Verfügbarkeit |
Integrität |
Vertraulichkeit |
zusammenfassen. Mit Verfügbarkeit sind die ständig bzw.
innerhalb vorgegebener Zeiten bereitstehenden Dienstleistungen und DV-Anwendungen
gemeint. Ein stabiler Netzbetrieb mit niedrigsten Ausfallzeiten, ein wohlüberlegtes
Datensicherungskonzept und die Verfügbarkeit der zu bearbeitenden
Daten sind die obersten Voraussetzungen. Ein Verwaltungsmitarbeiter wird
sich erst dann auf das Netz verlassen, wenn es nahezu ausfallfrei funktioniert.
Die Integrität bezieht sich hauptsächlich auf die in einem
System abgespeicherten Daten, die nur von Befugten in beabsichtigter Weise
verändert werden dürfen. Neben der Unversehrtheit der Daten soll
auch die Vollständigkeit, Widerspruchsfreiheit und Korrektheit garantiert
werden. Mit Vertraulichkeit ist gemeint, daß nur der befugte
Personenkreis Zugang zu den Daten erhält und der Zugang Unbefugter
ausgeschlossen werden kann.
In einem Verwaltungsnetz ist die Sicherheit durch die unterschiedlichsten
Ursachen gefährdet. So sind z. B. statistisch gesehen die Benutzer
und Betreiber der DV-Systeme die größte Gefahrenquelle. Fehlerhafte
Software oder virenverseuchte Dateien können weitreichenden Schaden
verursachen, oder ein Serverdefekt kann eine ganze Abteilung "lahmlegen".
Das liest sich noch wie graue Theorie, aber welches sind die typischen
Gefahren, mit denen eine Hochschulverwaltung rechnen muß, wenn Daten
über das Netz übertragen werden oder per E-Mail kommuniziert
wird? Einige Szenarien sollen das verdeutlichen:
I: Eine Verwaltungsabteilung ist räumlich verteilt, ein
Sachbearbeiter verschickt ein Schreiben über das Netz (als Anlage
zur E-Mail) seinem Kollegen zur weiteren Bearbeitung zu. Dieser fügt
seine Bemerkungen hinzu und schickt es an seinen Referatsleiter.
Gefährdung der Integrität
II: Ein Mitarbeiter der Haushaltsabteilung wurde vom Kanzler
beauftragt, eine Gesamtstatistik über die aktuell verbrauchten Mittel
zusammenzustellen und zur nächsten Dienstberatung den Abteilungsleitern
über das Netz zur Verfügung zu stellen. Es wird ein gemeinsames
Verzeichnis benutzt.
Gefährdung der Vertraulichkeit und Integrität
III: Der Jahresabschlußbericht der Forschungsabteilung
steht kurz bevor und durch einen Plattencrash läßt sich eine
wichtige Datenbank nicht mehr lesen.
Gefährdung der Verfügbarkeit
IV: Eine Sachbearbeiterin erhält kurz vor Feierabend den
Auftrag, ein vertrauliches Schreiben fertigzustellen und zu versenden.
Sie vergißt in der Eile, sich auszuloggen und ihren PC auszuschalten.
Gefährdung der Vertraulichkeit und Integrität
Empfehlungen, Maßnahmen, Tips ...
Das Sicherheitskonzept für die Verwaltung gibt es leider
nicht. Man kann es weder von einer anderen Hochschule übernehmen,
noch von einer Firma kaufen und installieren lassen. Es kostet viel Arbeitszeit,
Geld und nicht zuletzt geschultes und zuverlässiges Personal. Hat
man das nicht, sollte man es lassen und statt dessen ein sicheres geschlossenes
System ohne Verbindung nach außen schaffen. Einige der in den letzten
Jahren gemachten Erfahrungen könnten möglicherweise auch für
andere von Interesse sein, wie z. B.:
-
Definieren Sie "saubere" Grenzen des Verwaltungsnetzes, legen Sie die Zugangspunkte
bzw. die Außenstellen fest, zu denen Netzverbindungen existieren
sollen.
-
Sichern Sie das Verwaltungsnetz über eine Firewall vor der Außenwelt
und sorgen Sie dafür, daß möglichst alle Verbindungen
über die Firewall geprüft werden.
-
Der Aufwand zur Sicherung sollte in angemessenem Verhältnis zum Schutzzweck
stehen. Versuchen Sie, einen einheitlich hohen Grundschutz für möglichst
viele Systeme zu installieren und schützen Sie nur die sensiblen Bereiche
durch zusätzliche Maßnahmen. Das Bundesamt für Sicherheit
in der Informationstechnik gibt uns mit seinem Grundschutzhandbuch1
ein geeignetes Instrument dazu in die Hand.
-
Wecken Sie möglichst frühzeitig die Sensibilität für
die Sicherheitsproblematik sowohl im Management der Universität, im
Rechenzentrum, aber auch bei jedem Systemadministrator und Nutzer. Es fängt
bereits beim verantwortungsbewußten Umgang mit den Paßwörtern
an.
-
Sorgen Sie dafür, daß den für die Sicherheit und Betreuung
zuständigen Fachleuten immer (genügend) Zeit für ihre fachliche
Weiterbildung und das Austesten neuer Verfahren bleibt. Was heute als der
neueste Schrei gilt, ist morgen schon veraltet!
-
Die besonders sicherheitskritische Kommunikations- und Servertechnik sollte
möglichst in gesondert geschützten Räumen untergebracht
und über gesicherte Netzverbindungen betreut werden.
Und als letztes noch: Warten Sie nicht auf den ersten Einbruchsversuch,
sondern legen Sie in einem Aktionsplan fest, wie bei Sicherheitsverstößen
zu reagieren ist, welche Handlungskette durchzuführen und welche Vorgesetzten
zu informieren sind. Bauen Sie sich am besten ein eigenes Security Team
auf.
Was ist als nächstes zu tun?
Das einmal aufgebaute Sicherheitskonzept sollte regelmäßig mit
der Realität abgeglichen werden und neu entstandene Wünsche und
Anforderungen der Nutzer berücksichtigen. Um diesen Forderungen gewachsen
zu sein, hat das Rechenzentrum der HU an den DFN-Verein einen Projektantrag
zum Thema "Firewall - ein Kernstück zur Sicherung des Verwaltungsnetzes
der HU" gestellt und das Projekt im April 1997 gestartet. Wir versprechen
uns von den Projektergebnissen wichtige Erkenntnisgewinne und Lösungsvorschläge
u. a. zu folgenden Teilthemen:
-
alternative Konzepte zur Struktur des Verwaltungsnetzes, Einsatzmöglichkeiten
von VLANs
-
Weiterentwicklung des Firewall-Konzepts, vorrangig unter dem Gesichtspunkt
der Performancesteigerung und Senkung des Betreuungsaufwandes
-
Entwicklung eines Sicherungs- und Archivierungskonzeptes für die UNIX-Server
der Verwaltung unter Beachtung der Sicherheitsrestriktionen und unter Nutzung
eines Robotersystems
-
Möglichkeiten der Überwachung von Modem-Zugängen
-
sichere/verschlüsselte Fernzugriffe auf zentral geführte Datenbestände
-
Benutzung der elektronischen Unterschrift im Verwaltungsbereich und damit
eine höhere Sicherheit der "beweiserheblichen" Vorgänge unter
Netzbedingungen.
Viele Punkte konnten nur angetippt werden. Aber vielleicht reichen sie
aus, die Mitstreiter anderer Hochschulen für einen gemeinsamen Erfahrungs-
und Gedankenaustausch zu interessieren.
Doris Natusch
1 IT-Grundschutzhandbuch 1997, BSI, Schriftenreihe zur
IT-Sicherheit, Band 3