Herr Ohst setzt sich im wesentlichen mit folgenden Aspekten auseinander:
Der eigene Absender sollte es natürlich sein, wenn ich Antworten
auf meine E-Mail erhalten möchte, er sollte auch stimmen! Ich kann
auch einen falschen Absender angeben oder den benutzen, der zufällig
in der Konfiguration steht (von einem vorhergehenden Nutzer?). Damit können
die Angeschriebenen dann nicht antworten, oder ein anderer Nutzer erhält
Antworten auf nicht von ihm geschriebene Mails. Die möglichen Reaktionen
auf beiden Seiten möchte ich hier nicht ausmalen, es liegt jedenfalls
ein Mißbrauch von E-Mail vor.
Der SMTP-Server ist sozusagen das nächstgelegene "Postamt",
über das ich die Mail verschicken kann. Dieser Server gehört
normalerweise zur eigenen Einrichtung und identifiziert eine Mail u. a.
mit Angaben dieser Einrichtung. Es gibt zur Zeit massive Versuche von "Internet-Piraten",
massenhaft Mail mit dubiosen Angeboten über solche SMTP-Server fremder
Einrichtungen weltweit zu verbreiten, spamming genannt.
Benutzen Sie also auch den SMTP-Server der Einrichtung, mit der Sie
einen entsprechenden Nutzungsvertrag haben (am Rechenzentrum z. B. mailhost.rz.hu-berlin.de).
Ansonsten setzen Sie sich dem Verdacht des Mißbrauchs aus und bringen
zudem Ihr Institut oder Ihre Universität in Mißkredit.
Mit dem POP-Account geben Sie den Account und damit den Namen
Ihrer Mailbox an, die Sie lesen möchten.
Sie werden dabei nach einem Paßwort gefragt, das nur Ihnen bekannt
sein darf. Die Nutzungsbedingungen in PC-Pools sind erfahrungsgemäß
nicht immer so ausgelegt, daß einem Dritten das Ausspähen von
Account und Paßwort nicht gelingen würde. Damit wäre dann
der Zugriff auf Ihre Mail auch für einen Dritten möglich. Falls
Sie Ihren Platz am PC zwischendurch einmal verlassen, ohne Ihr Mailtool
zu schließen, bieten Sie auch gute Möglichkeiten für einen
Mißbrauch.
Schließlich müssen Sie daran denken, daß Ihre Mail
im eventuell nicht bewußt konfigurierten mail directory auf
der Platte des PC abgespeichert werden kann. Damit kann ein nachfolgender
Nutzer Ihre Mail einsehen oder Informationen für das Fälschen
von E-Mail gewinnen. Sie gehen sicher davon aus, daß Sie in Ihrer
Mail nichts "zu verbergen" haben, aber das ist für den potentiellen
Mißbrauch auch nicht entscheidend.
Diese wenigen Beispiele zeigen, daß in einem PC-Pool Bedingungen
für das Mailing als persönliche Angelegenheit nicht so ohne weiteres
vorliegen. In diesem Falle ist der Betreiber des PC-Pools gefordert. Das
kann, bedingt durch die Unzulänglichkeit von Betriebssystemen oder
Mailtools, auch den Verzicht auf "komfortable" Tools bedeuten.
Im PC-Saal des Rechenzentrums wird der Maildienst über das System
Banyan VINES angeboten, zu dem von vornherein ein eigenständiges Mailtool
gehört, das diese Probleme nicht aufweist. Der Zugang zu Mailboxen,
die auf einem UNIX-Server des Rechenzentrums liegen, ist innerhalb von
"telnet-Sitzungen" mit dem Mailtool "pine" möglich. Das ist vielleicht
nicht so bequem wie beispielsweise mit "Eudora", zieht aber insgesamt weniger
Konflikte nach sich.
Aber wie verhalten Sie sich in einem solchen Falle?
Erste Reaktion: Da schicke ich aber gleich eine Beschwerdemail hin!
- Normalerweise falsch! -
Damit geben Sie dem Absender die Bestätigung, daß er eine
gültige Mailadresse gefunden hat, sofern der Absender eine gültige
Mailadresse angegeben hat.
Zweite Reaktion: Dem schicke ich mehrfach irgendeine große Datei!
- Auch wieder falsch! -
Dabei verschwenden Sie selbst Ressourcen (Telefonkosten, Belastung
des Mailhosts und der Internetverbindungen, die die Universität ja
zu bezahlen hat!). Außerdem stellen Sie dann sicher fest, daß
der Absender gefälscht war, Sie eine Benachrichtigung "user unknown"
und - wenn Sie Pech haben - auch die gesendeten Daten zurück erhalten.
Zu allem Übel wird dann auch der Postmaster mit einer Mail über
die mißlungene Zustellung informiert. Ganz nebenbei begeben Sie sich
mit diesem Verhalten auf das gleiche Niveau wie der Verursacher der E-Mail!
Sie betreiben Mailmißbrauch.
Was können Sie effektiv machen: Diese Mail löschen, bei wiederholtem
Auftreten ist eine Information an Ihren Postmaster sinnvoll.
Die oben genannte Methode, Mail über den SMTP-Server einer fremden
Einrichtung zu verschicken, macht es schwierig, den wahren Absender herauszufinden.
Da solche Attacken oft das massenhafte Verschicken von E-Mail beinhalten,
sind SMTP-Server mitunter so überlastet, daß der Mailbetrieb
für die eigenen Nutzer zum Erliegen kommt. Da liegt die eigentliche
Gefahr, der wir begegnen müssen! Die Betreiber von Maildiensten (also
auch das Rechenzentrum) sind dann gezwungen, durch den Einsatz geeigneterer
Software (sofern überhaupt beschaffbar) solche Mißbräuche
möglichst zu verhindern.
Andererseits können auch Sie uns durch umsichtiges Verhalten in
dem Bestreben unterstützen, einen stabilen Mailbetrieb zu gewährleisten,
Wie gelangt Ihre Mailadresse ungewollt auf Mailinglisten?
Da ist es eigentlich so wie im täglichen Leben, wenn Sie Ihr "Gewinnzertifikat"
(persönlich an Sie gerichtet) voller Hoffnung an die angegebene Adresse
zurückschicken: Gewonnen haben Sie bestimmt nichts, aber Sie erhalten
als Belohnung noch mehr Werbeschriften!
Als seriöser Nutzer sind Sie sicher oft erfreut, die Mailadresse
eines Partners auf dem WWW-Server zu finden, also richten Sie auch so etwas
ein. Damit ist Ihre Mailadresse natürlich auch für andere verfügbar!
Das gezielte Suchen von Informationen läßt sich mittels Suchmaschinen
im Internet bereits automatisieren. Warum also nicht nach Mailadressen
suchen?
Surfen Sie gerne im Internet? Haben Sie schon "heiße" Server
besucht (ja, aber nur kurz)? Haben Sie für eine "freie Mailbox" bei
x.y einen Fragebogen ausgefüllt? Sie ahnen es, damit ist Ihre Mailadresse
bekannt, eventuell auch etwas zu Ihren beruflichen Absichten, Betätigungsfeldern
usw. Von dort ist es eigentlich nur noch ein kleiner Schritt, daß
diese Informationen vermarktet werden können.
Nutzen und Mißbrauch der elektronischen Kommunikation liegen dicht beieinander, den perfekten Schutz wird es nicht geben. Das kommt mir irgendwie bekannt vor, haben Sie etwas anderes erwartet?