Banyan VINES und Sicherheit
Das VIrtual NEworking System der Firma Banyan (VINES)
ist ständigen Anpassungen an die Trends des Networking unterworfen,
welche dessen Sicherheit entsprechend der gewählten Wege negativ oder
positiv beeinflußt. Unter dem Oberbegiff Sicherheit von VINES sollen
hauptsächlich Verfügbarkeit, Datenintegrität und Vertraulichkeit
zusammengefaßt sein. Diese Eigenschaften betrachten wir nur bezüglich
der Netzressourcen des VINES, wie z. B. Netzwerkdienste, StreetTalk-Listen
und User-Accounts. Die Sicherheit der lokalen Ressourcen eines Netzwerk-Clients
(PC, Mac oder UNIX) ist maximal so groß, wie es das auf ihm laufende
Betriebssystem (DOS, OS/2, Windows 95, Windows NT, MacOS oder UNIX) zuläßt
und wird deshalb in diesem Artikel nicht behandelt.
Kein Netzwerkbetriebssystem ist sicher, wenn die Netzwerkverantwortlichen
und die Benutzer die Sicherheitsmöglichkeiten nicht sinnvoll verwenden.
Deshalb ist der Gegenstand dieses Artikels - neben der Auflistung der Sicherheitsmechanismen
des VINES - deren sinnvolle Nutzung und Ergänzung. Die Sicherheitsmechanismen
wollen wir in folgende Gruppen unterteilen: Server/Backup, Account, Filedienst,
Druckdienst, Maildienst und SMTP-Gateway.
Zur Sicherheit der VINES-Server/Backups sollte folgendes gewährleistet
sein:
-
Zutritt (Datennetzanschluß, Stromanschluss, Klimatisierung, Server-Hardware,
Server-Console) auf kleine kompetente und verfügbare Personenkreise
beschränken,
-
Server-Console durch geeignetes Paßwort schützen,
-
Remote-Console nur nutzen, wenn sicher ist, daß kein anderer sie
parallel nutzt und keine laufenden Prozesse gestört werden (z. B.
Backup),
-
regelmäßige (z. B. tägliche) Sicherung der Daten der Server,
-
Protokollierung der Backups nach Servername mit Datenträgerkennung,
Erstellungsdatum, Art des Backups, Erfolg des Lesetests und verantwortliche
Person (Verwaltung mehrerer Generationen von Sicherheitskopien),
-
technische Daten des Backupgerätes, VINES-Version und Patch-Geschichte
jedes Servers müssen bekannt sein (Kompatibilitätsproblem),
-
Backups und Protokolle räumlich getrennt von Servern sicher vor unbefugtem
Zugriff und physischer Zerstörung aufbewahren,
-
Betreiben der VINES-Server über eine unabhängige Stromversorgung,
-
Verwendung möglichst ausfallsicherer Hardwarekomponenten,
-
Schutz der Server vor Verschmutzung, Feuchtigkeit und Überhitzung,
-
sichere Verwahrung der Serverkeys und Softwareoptionen,
-
regelmäßige Überprüfung der Serverressourcenauslastung
(EVS-Service, MNET) und
-
Beschränkung der Server Access Möglichkeiten (PC Dial-In, serielle
Server to Server Verbindungen, Server to Server IP, Intranet Connect, User
Login Locations, Access to UNIX).
Vertraulichkeit der Accounts
Die Vertraulichkeit der Accounts ist neben der Server/Backup-Sicherheit
die wesentliche Basis für die Funktion aller anderen Sicherheitsmechanismen
des VINES. Zur Sicherheit der Accounts von Nutzergruppen und/oder individuellen
Nutzern bietet VINES folgende Möglichkeiten (MGROUP, MUSER):
-
Paßwort [Mindestlänge und Lebensdauer kann vorgegeben werden;
neues Paßwort muß sich von den letzten 10 Paßwörtern
des Nutzers unterscheiden; Paßwortübertragung erfolgt immer
verschlüsselt; nach drei vergeblichen Loginversuchen muß Client
erneut gebootet werden; leider kann Nutzer nicht gezwungen werden, Sonderzeichen
und/oder Ziffern zu verwenden; Ändern des eigenen Paßworts kann
verhindert werden (eventuell für Nutzer, die zu "primitiven" Paßwörtern
neigen)]
-
maximale Anzahl paralleler Sitzungen jedes Accounts festlegbar
-
Client-Arten einschränkbar (DOS, OS/2, Mac)
-
Login-Standorte einschränkbar (Server; Serverinterface; Netzkartenadresse
des Clients)
-
Login-Zeiten für jeden Tag der Woche separat festlegbar
-
Editieren des eigenen Nutzerprofiles kann und sollte für die meisten
Nutzer verhindert werden
-
hierarchischer Profileaufbau möglich und empfehlenswert (USE)
-
Lebensdauer eines Accounts kann auf ein konkretes Datum beschränkt
werden (z. Z. Problem bei Datum ab 1.1.2000, da Jahrhunderte nicht abgefragt
werden)
-
Account kann zeitweilig (z. B. längere Zeit abwesende Nutzer) oder
ständig (z. B. Sample Profile) disabled sein
[Die bisher aufgelisteten Sicherheitsfestlegungen für Accounts
können nur die Administratoren der entsprechenden Gruppe (enthalten
in der Liste "AdminList@... " der Gruppe) setzen.]
-
Beschränkung der PC Dial-In (OPERATE) und Banyan Intranet Connect
Zugänge auf kleine Nutzerkreise (vergleichbare Beschränkung der
IP-Clients ist z. Z. nicht realisiert - notfalls muß Login-Standort
eingeschränkt werden)
-
Vertretung ohne Accountfreigabe für andere Personen möglich (automatische
Mailweiterleitung, gemeinsame Datenbestände auf Netzwerkplatten, ...).
Nutzerverhalten zur Wahrung der Vertraulichkeit seiner Accounts:
-
Ungenutzte Accounts sind häufig leicht zu knacken, da der Hacker viel
Zeit dazu hat, ohne in große Gefahr zu geraten, aufzufallen. Außerdem
ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein recht einfaches Anfangspaßwort
vergeben worden. Deshalb sollten nur die Nutzer einen Account bekommen,
die diesen sofort nutzen wollen.
-
Festlegung eines hinreichend langen (mindestens sechs Zeichen), hinreichend
komplizierten (Sonderzeichen, Ziffern, Groß-/Kleinschreibung, ...)
und mit dem Nutzer schwer in Zusammenhang zu bringenden Paßworts
durch den Nutzer selbst,
-
sichere Aufbewahrung des Paßworts (besser nur im Gedächtnis),
-
Verwendung des Paßworts möglichst nicht im Beisein anderer Personen
und nur in sicheren Bereichen,
-
Sicherstellung, daß keine Pseudo-Login-Routinen im Netzwerk existieren
(Vorsicht beim Einloggen über einen fremden Client),
-
Änderung des Paßworts, sobald der Verdacht besteht, daß
ein Unberechtigter in Besitz des Paßworts gelangt ist (Login hat
nicht funktioniert, obwohl man sich sicher ist, alles richtig eingegeben
zu haben; Zeit des letzten Logins ist falsch; Daten, die nur dieser Account
ändern kann, sind unerwartet geändert; man ist beim Einloggen
eventuell beobachtet worden; Login nicht mehr möglich - sofort Administrator
informieren; Lebensdauer des Paßworts ist abgelaufen; ...),
-
Sicherung der Vertretbarkeit durch geeignete Daten-, Software- und Dienstzugriffsrechte
sowie Mailumleitung (Vertretbarkeit muß unabhängig von persönlichen
Accounts sichergestellt sein),
-
auch die Administratoren sollten die Paßwörter ihrer Nutzer
nicht kennen - Nutzer zwingen, sein Paßwort beim ersten Login zu
ändern!
Sicherheit von Netzdiensten
Die Sicherheit der Netzdienste ist maximal so hoch wie die Vertraulichkeit
der zugriffsberechtigten Accounts und die Sicherheit zugehöriger Server
und Backups. Deshalb sollten nur die für die Realisierung der Arbeitsaufgaben
notwendigen Rechte gefordert und bereitgestellt werden (je mehr Nutzer
eine bestimmte Netzressource nutzen dürfen, je geringer ist deren
Sicherheit).
Sicherheit von VINES-Filediensten (SETARL; ATTRIB; SETATTR):
-
Jedem Verzeichnis und jedem File ist eine spezifische Access Right List
(ARL) zugeordnet.
-
Zu beachten sind unterschiedliche Rechtarten und Vererbungsregeln aus "VINES-Sicht
" (DOS, Windows, OS/2) und Mac-Sicht.
-
Weiterhin ist eine Rangfolge zu beachten, falls ein Account in mehreren
Berechtigtengruppen der ARL eines Verzeichnissen oder einer Datei auftritt
(Owner > Username > Group > StreetTalk-Liste= Gruppenmaske >Organisationsmaske
> World ).
-
Die ARLs eines Filedienstes sind schwer auf einem konsistenten und sicheren
Stand zu halten.
-
Usernamen sollten nur in Ausnahmefällen explizit auftreten (außer
als Owner),
-
Masken sollten vermieden werden (auch in StreetTalk-Listen, die in ARLs
auftreten),
-
World sollte maximal Leserecht haben (meistens aber keinerlei Rechte),
-
das Recht, Rechte zu ändern, sollte nur in begründeten Ausnahmefällen
vom Filediensverantwortlichen (Owner) delegiert werden.
-
Jedem File sind neben den normalen DOS-Attributen 2 VINES-Attribute zuordenbar
(Sharing und Execute Only Attribut) die parallele Nutzung und Lizenzschutz
von Softwareinstallationen unterstützen.
-
Die Speicherkontingentierung der Nutzer ist nur über Drittherstellersoftware
möglich.
-
Nur reine Bootsektorviren sind nicht verbreitbar.
Sicherheit von Druckdiensten (MSERVICE; SETPRINT; PCPRINT)
Standardmäßig wird bei der Definition eines neuen Druckdienstes
die Nutzung nicht eingeschränkt (*@*@*), was aus Sicherheitssicht
sehr problematisch ist - absichtliches Blockieren von Druckdiensten, Drucken
von vertraulichen Daten auf falschem Drucker. Günstig ist, wenn an
Stelle der World-Maske ein spezieller Listenname eingetragen wird. In dieser
StreetTalk-Liste werden die Nutzungsberechtigten des Druckdienstes eingetragen.
Zur Unterstützung der Administratoren können weitere Operator
(Nutzer) für Druckdienste festgelegt werden, die dadurch einige Managementaufgaben
realisieren können.
PC-Print-Drucker sollten nur von einem kleinen Nutzerkreis (besser
speziellem User mit maximaler Loginplatzbeschränkung) startbar sein,
da jeder VINES-Nutzer, der einen Drucker an seinem PC hat, in wenigen Minuten
jeden beliebigen ungeschützten PC-Print-Druckdienst auf seinen Drucker
ausdrucken lassen könnte und so unbefugt an vertrauliche Daten gelangen
würde. Startberechtigte Nutzer werden über das Feld "PCPRINT
ST namen:" bei der Destinationdefinition festgelegt.
Sicherheit von VINES-Maildiensten (SETMAIL; MMAIL; MAIL)
Problematisches:
-
Das "unberechtigte" Anlegen von Mailboxen kann nicht verhindert werden.
-
Für Maildienste mit mehr als etwa 250 Mailboxen ist es mit normalen
VINES-Mitteln nicht mehr möglich, eine Maildienststatistik zu generieren
- ermöglicht Mißbrauch der Mailboxen als Datenspeicher (z. B.
falls Plattenkontingent des entsprechenden Nutzers ausgeschöpft ist).
-
Es gibt kein Tool, mit dem man sich die Mailboxsettings aller Nutzer geschlossen
anzeigen lassen kann (Verhindern von an *@*@* adressierter Mail).
-
Es gibt kein Tool, das ab einem gewissen Füllstand der Mailbox den
entsprechenden Nutzer automatisch warnt.
-
Es besteht die Gefahr der Virenverbreitung durch Mailverkehr.
-
Mail, die aus dem Internet kommt oder in dieses geht, kann mit der im Internet
üblichen Software leicht mitgelesen (protokolliert) und eventuell
sogar gefälscht werden.
-
Unproblematisches:
-
Man kommt nur über den entsprechenden Nutzer-Account an den Inhalt
der Mailbox des Nutzers.
-
Mailboxen werden in der Regel nur auf Servern gehalten - neuere Entwicklungen,
wie Beyond Mail 3.0 lassen auch lokal gespeicherte Mailboxen zu (Sicherheit
wird reduziert).
-
Ein Maildienstadministrator ist nicht in der Lage, an fremde Mailinhalte
zu kommen - nur einige Headerinformationen, die die Adressierung betreffen
sind ihm zugänglich.
Sicherheit des iSMTP-Gateways:
Die Nutzer und die Administratoren der Gruppe, zu welcher der DOS-UNIX-Bridge-Filedienst
des Gatewayservers gehört, können Mailinformationen während
der Verarbeitung der entsprechenden Mails durch das Gateway lesen und modifizieren
- Sicherheit ist vergleichbar mit der Mailsoftware des Internet. In der
genannten StreetTalk-Gruppe sollte nur ein Nutzer existieren, der zugleich
zu den Admins der Gruppe gehört.
Literaturverweise:
- Managing VINES Security (CD: Banyan Documentation StreetTalk for Windows
NT 7.5 and VINES 7.x)
- Monitoring and Optimizing a VINES Network
- VINES Command Reference
- Managing VINES Services
- Managing VINES Workstations
- Operating a VINES Server
- Intelligent Messaging Mail Administrator's Guide
- Banyan Intranet Connect
Michael Sommerfeld