HTML-Editoren

Entsprechend der Definition von Hypertext Markup Language (HTML) bestehen die Dokumente nur aus ASCII-Zeichen. Alle Elemente dieser Sprache zur Beschreibung einer HTML-Seite sind im Klartext zu lesen. Daher können diese Texte im einfachsten Fall mit Texteditoren, die jedes Betriebssystem enthält, bearbeitet werden (z.B. edit in MS DOS, Notepad in MS Windows oder vi im UNIX). In der Anfangsphase des World Wide Web sind auch die meisten Dokumente auf diese Art entstanden. Das wurde dadurch begünstigt, daß die Sprache entsprechend den damaligen Standards (HTML 1, HTML 2.0) eine überschaubare Anzahl von Befehlen enthielt. Durch die Weiterentwicklung des Systems (HTML 4.0) und die Einführung der Cascading Style Sheets (CSS) ist ein effektives Arbeiten ohne gute Werkzeuge kaum noch möglich.

Die einfachsten Editoren ermöglichen die Bearbeitung der Dokumente auf der Ebene des Quellcodes, d.h. der Autor kann sowohl den Text wie auch die einzelnen HTML-Befehle direkt editieren. Dabei wird er durch Menüs und Symbolleisten beim Editieren dieser Befehle und deren Attribute unterstützt. Zur Darstellung des Dokumentes muß in jedem Fall ein Browser benutzt werden. Der Vorteil dieser Editoren besteht darin, daß der Autor einerseits sehr genau die Struktur seines Dokumentes kontrollieren und beeinflussen kann, andererseits aber gegenüber einfachen Texteditoren beim Schreiben der Befehle entlastet wird. Als Beispiel dieser Art von Werkzeugen soll in diesem Artikel der HTML Editor Phase 5 [1] betrachtet werden.

Immer häufiger werden sog. WYSIWYG-Editoren (What You See Is What You Get) angeboten und benutzt. Der Begriff WYSIWYG stammt eher aus der Textverarbeitung oder dem Desktop-Publishing und soll ausdrücken, daß der Autor schon während der Bearbeitung das spätere Aussehen (Layout) des Dokumentes präsentiert bekommt. Es ist jedoch problematisch, im Zusammenhang mit HTML von WYSIWYG zu sprechen, da HTML nur die Struktur des Dokumentes beschreibt. Das Aussehen hingegen wird vom Browser oder von den Einstellungen im Browser bestimmt. Erst der Einsatz von Style Sheets (Formatvorlagen) bietet die Möglichkeit, das Layout zu definieren. In diesem Zusammenhang bedeutet WYSIWYG eigentlich nur, daß die HTML-Befehle vor dem Autor verborgen werden und er nur deren Auswirkungen auf die Darstellung, wie sie auch im Browser erscheinen könnte, sieht. Trotz dieser Einschränkung bieten diese Editoren einen einfachen und schnellen Weg, HTML-Dokumente zu erstellen und zu überarbeiten. Als Beispiele für WYSIWYG-Editoren sollen hier Netscape Composer, AOLPress, Macromedia Dreamweaver, MS FronPage und MS Word betrachtet werden.

HTML Editor Phase 5

Der kostenlose Editor unterstützt die HTML 4 inklusive Frames und CSS. Alle HTML-Befehle sind über Symbol- oder Menüleiste zu erreichen. Sie werden im Text farbig dargestellt und sind dadurch gut zu erkennen. Eine interessante Lösung wurde für das Einfügen von Attributen in die Befehle gefunden. Der Autor setzt die Schreibmarke in den entsprechenden Befehl und ruft dann über ein Tastaturkürzel (Strg #) eine Liste möglicher Attribute auf.


Abb. 1: Editor Phase 5

Vorbildlich unterstützt wird die Eingabe von Meta-Daten zur Beschreibung und Klassifizierung von Dokumenten. Das Einbetten klickbarer Bilder (client-side image maps) wird zwar unterstützt, ist aber recht umständlich, so daß hier auf andere Werkzeuge zurückgegriffen werden sollte.

Zum Testen des HTML-Codes kann direkt aus dem Editor ein konfigurierbarer Browser aufgerufen werden. Bei installiertem MS Internet Explorer 4 oder 5 steht sogar eine interne Vorschau zur Verfügung, die Teile des Explorers nutzt und somit das Aussehen entsprechend dem Explorer anzeigt.

Netscape Composer 4

Netscape Composer ist Bestandteil von Netscape Communicator 4, wodurch er auf vielen Rechnern automatisch mit installiert wird und somit auch kostenlos nutzbar ist. Das Editieren erfolgt im WYSIWYG-Modus, wobei die Menüs und Symbolleisten zur Formatierung der Seiten dem Benutzer von MS Word sehr vertraut erscheinen werden. Der produzierte HTML-Code entspricht HTML 3.2 mit zum Teil proprietären Erweiterungen. Es fehlen die neuen Standards HTML 4 (z.B. Frames) und CSS, aber auch einige komplexere Funktionen wie klickbare Bilder oder Formulare. Manches kann nachträglich über sog. Plugins eingefügt werden (z.B. Frames) [2].

Der Vorteil des Editors besteht in seiner einfachen und schnellen Benutzung. Man kann ihn direkt aus dem Browser heraus aufrufen. Interessant ist diese Möglichkeit beim Korrigieren bestehender Texte. Wenn beim Lesen der Texte vom WWW-Server Fehler festgestellt werden, kann im Browser über den Befehl "Datei" -> "Bearbeiten" das Dokument sofort in den Editor geladen, nach der Korrektur über die Taste "Vorschau" im Browser betrachtet und über die Taste "Publizieren" direkt wieder auf den Server transportiert werden. Die letztere Funktion muß aber vom Server unterstützt werden.

Die deutsche Version des Communicators bietet eine Rechtschreibprüfung für deutschsprachige HTML-Dokumente.

Ein weiterer Vorteil dieses Programms besteht darin, daß es für viele verschiedene Computerplattformen und Betriebssysteme (MS Windows 3.x, MS Windows 95/98/NT, Macintosh, UNIX) zur Verfügung steht.

AOLpress

Der kostenlose Editor AOLpress [3] der Firma America Online, Inc. kann schon als Klassiker der WYSIWYG-Editoren bezeichnet werden, denn die aktuelle Version trägt das Datum vom März 1997. Entsprechend wird auch nur Standard HTML 3.2 unterstützt. Im Gegensatz zum Netscape Composer können aber Frames, Formulare und klickbare Bilder erstellt und bearbeitet werden. Besonders letztere Funktion ermöglicht ein einfaches Integrieren dieser Image Maps in das HTML Dokument.

Die Anordnung der Menü- und Symbolleisten entspricht dem von den Office-Programmen gewohnten Bild, so daß eine schnelle Einarbeitung in das System ermöglicht wird. Unterstützt wird dies durch eine integrierte Hilfefunktion sowie eine umfangreiche Dokumentation, die von der Firma America Online bereitgestellt wird. Neben der Arbeit im WYSIWYG-Modus können per Knopfdruck in die Quellansicht umgeschaltet und Änderungen direkt im HTML-Code durchgeführt werden. Als englischsprachiges Programm stellt der Editor eine Rechtschreibprüfung für englische Texte bereit.

Das Programm gibt es für MS Windows 3.x und Windows 95/98/NT. Frühere Beta-Versionen für andere Rechnerplattformen sind nicht mehr auf dem WWW-Server des Herstellers zu finden.

MS Word

MS Word 97 enthält bei entsprechender Installation innerhalb des Menüs "Datei" den Befehl "Als HTML speichern...". Dadurch besteht die Möglichkeit vorhandene Word-Dokumente als HTML-Text zu speichern. Das Problem besteht darin, daß Word eine Layout-Formatierung unterstützt, HTML aber eine Strukturbescheibung darstellt, so daß der Übergang von einem zum anderen Format nicht reibungslos funktioniert. Microsoft versucht das Problem dadurch zu lösen, daß versucht wird, mit allen in HTML zur Verfügung stehenden Befehlen und Attributen ein Dokument zu erzeugen, das im Browser genauso aussieht wie das ursprüngliche Word-Dokument. Dadurch geht aber jegliche Struktur des Textes verloren. Deshalb sollten solche Dokumente entsprechend überarbeitet werden. Bessere Ergebnisse werden erzielt, wenn im Word ein neues Dokument mit der entsprechenden Vorlage für Web-Seiten begonnen wird.

MS Word 97 beherrscht keine Style Sheets, kein HTML 4 und somit auch keine Frames.

Der Vorteil von MS Word besteht darin, daß es als Textverarbeitung auf vielen Rechner vorhanden ist und benutzt wird. Dadurch befindet sich der Benutzer beim Editieren von HTML-Texten in einer gewohnten Umgebung und nutzt zum Teil die gleichen Ressourcen und Funktionen (Rechtschreibprüfung, Thesaurus).

Im MS Word 2000 wurde HTML als ein grundsätzliches Format zum Abspeichern der Dokumente gewählt. Anders als im Word 97 werden hier aber HTML 4 und Style Sheets eingesetzt, wodurch sowohl eine Strukturierung als auch ein einheitliches Layout erreicht werden. Andererseits soll aber gewährleistet werden, daß sämtliche Informationen des Word-Dokumentes erhalten bleiben. Das kann nur dadurch realisiert werden, daß zusätzlich zu den standardisierten HTML-Befehlen und den Style Sheets eigene Befehle oder XML-Befehle automatisch in das Dokument eingebettet werden. Die Browser übergehen zwar diese zusätzlichen Befehle, so daß sie nicht die Darstellung stören, aber das Dokument wird doch dadurch sehr umfangreich. Microsoft stellt deshalb ein Filterprogramm bereit, das die nicht für das WWW benötigten Zusätze entfernt [4]. Dokumente, die im WWW bereitgestellt werden, sollten mit diesem Filter bearbeitet werden.

MS FrontPage

MS FrontPage 98 besteht eigentlich aus den zwei Komponenten FrontPage Explorer und dem FrontPage Editor. Der Explorer dient zur Verwaltung von WWW-Projekten. Obwohl beide Komponenten eng miteinander verknüpft sind, soll hier nur der Editor betrachtet werden.


Abb. 2: Frontpage 98

Der Editor zeigt die von den MS Office-Programmen bekannte Bedienoberfläche, wodurch vielen Benutzern die Einarbeitung erleichtert wird. Er benutzt die Rechtschreibprüfung und den Thesaurus von MS Office. Ebenso kann er Dokumente aus MS Word importieren und in HTML wandeln. Hierbei ist aber auch in den meisten Fällen eine Nachbearbeitung notwendig.

Der Editor bietet die Möglichkeit, klickbare Bilder zu bearbeiten und einzubinden. Als vorteilhaft für die Konstruktion komplexer Tabellen erweist sich die aus dem MS Word bekannte Funktion des Zeichnens von Tabellen. Es wird eine umfassende Unterstützung von Style Sheets geboten. Der Autor muß nur konsequent die Formatvorlagen in den Formatierungsbefehlen nutzen. Schwierigkeiten bereitet nur das Einbinden externer Style-Sheet-Dateien.

Nachteilig ist, daß Frontpage 98 beim Einlesen fremder HTML-Dokumente eigenständig Veränderungen an deren HTML-Code vornimmt. Weiterhin muß der Autor beachten, daß einige Funktionen (z.B. auch Formulare), die angeboten werden, nur über sog. Web-Bots realisiert werden. Diese Web-Bots setzen aber voraus, daß auf dem WWW-Server, auf dem diese Seiten veröffentlicht werden, die FrontPage-Server-Erweiterungen (FrontPage Server Extensions) installiert sind, was aber auf Servern, die unter UNIX laufen, selten der Fall ist.

Eine kostenlose "Light"-Version von FrontPage ist im aktuellen MS Internet Explorer enthalten. Diese als FrontPage Express bezeichnete Version beherrscht aber keine Style Sheets. Sie ist aber für einfache Dokumente durchaus ausreichend.

Dreamweaver 2.0

Dreamweaver von Macromedia ist ein leistungsfähiger Editor, der HTML 4 und Style Sheets unterstützt. Es können einfach externe Style Sheets eingebunden oder eigene definiert werden. Mit Hilfe von Style Sheets können Objekte (Texte, Bilder) über definierbare Ebenen absolut und punktgenau auf der Seite positioniert werden. Per Knopfdruck kann ein Dokument, welches HTML 4 und Style Sheets enthält, in HTML 3.2 umgesetzt werden. Dabei werden Zeichenformatierung durch die "Font"-Befehle und die absolute Positionierung durch die Konstruktion von Tabellen emuliert. Weiterhin kann überprüft werden, ob ausgewählte Browser den erzeugten Code interpretieren können. Fremde HTML-Dokumente werden ohne Änderung eingelesen.

Die Bedienoberfläche weicht etwas von den anderen hier betrachteten Programmen ab. Dreamweaver erzeugt für die Paletten, Werkzeuge und Eigenschaften eigenständige Fenster, die beliebig auf dem Bildschirm plaziert werden können. Dadurch ist es auch möglich, gleichzeitig das WYSIWYG-Fenster und ein Fenster mit dem HTML-Code darzustellen. Änderungen in dem einen Fenster werden sofort auch in dem anderen angezeigt. Der professionelle Autor kann somit einfach kontrollieren, welcher HTML-Code erzeugt wird.


Abb. 3: Dreamweaver

Die größte Stärke des Programms liegt aber in der Erzeugung dynamischer HTML-Seiten (DHTML). Über automatisch erzeugte JavaScript-Programme können zeit- oder ereignisabhängige Änderungen des Seiteninhaltes während der Darstellung des Dokumentes erreicht werden. Das Problem bei DHTML besteht darin, daß in den verschiedenen Browsern die Funktionen unterschiedlich realisiert wurden. Der Dreamweaver bietet dem Autor deshalb die Möglichkeit auszuwählen, ob der erzeugte Code sowohl für Netscape als auch für den Internet Explorer oder nur für einen speziellen Browser erzeugt werden soll.

Ähnlich wie MS Frontpage bietet der Dreamweaver auch Funktionen zur Verwaltung von Projekten und WWW-Seiten. Dies soll aber hier nicht näher betrachtet werden.

Das Programm wird für MS Windows 95/98/NT und für Macintosh MacOS7.5.5 angeboten.

Fazit

Die Auswahl eines konkreten Editors hängt von der Art der HTML-Dokumente sowie von Kenntnissen und den bisher vom Autor benutzten Programmen ab. Viele erfahrene Autoren benutzen mehrere Editoren für unterschiedliche Aufgaben. Von allen hier betrachteten Editoren ist Dreamweaver der leistungsfähigste. Das heißt aber nicht, daß die anderen Editoren nicht empfohlen werden können. Ausgehend von der Tatsache, daß wegen mangelnder Unterstützung von HTML 4 und Style Sheets durch die Browser viele Dokumente in HTML 3.2 kodiert werden, können für einfache "normale" Texte auch AOLpress oder der Netscape Composer benutzt werden, die kostenlos und im Falle des Composers vielleicht schon auf dem Rechner vorhanden sind. Benutzer, die bisher hauptsächlich Office-Programme benutzt haben, werden sich am schnellsten mit FrontPage, AOLpress und Composer anfreunden können, da deren Aussehen und Bedienstrategie sehr ähnlich sind. Wer HTML-Texte direkt im Quellcode bearbeiten will, ist mit dem kostenlosen Editor Phase 5 sehr gut bedient.

Es sollte noch erwähnt werden, daß viele Spezialprogramme (z.B. PowerPoint, Excel, FrameMaker, CorelDraw) in ihren neuesten Versionen einen Übergang zu HTML enthalten, so daß deren Ergebnisse direkt im WWW veröffentlicht werden können.

Literatur

[1] Meybohm, U.: HTML EDITOR PHASE 5
http://www.meybohm.de/htmledit/index.html

[2] Netscape: COMPOSER PLUG-IN SAMPLES PAGE
http://developer.netscape.com/docs/examples/plugins/composer/

[3] America Online: AOLpress
http://www.aolpress.com/index.html

[4] Microsoft: Microsoft Office 2000 HTML Filter
http://officeupdate.microsoft.com/2000/downloadDetails/htmlfilter.htm

Lothar Wendroth
wendroth@rz.hu-berlin.de