Logo der Humboldt-Universität
 
edocSucheAutorenhinweiseRechte/Info/Hilfe        
 
         
 

cms-journal

Publikation des Computer- und Medienservice der Humboldt-Universität zu Berlin

RZM Nr. 23, Mai 2002 - Katrin Lányi
 

zurück

3 Jahre Adressdatenbank

Druckversion im PDF-Format

3 Jahre Adressdatenbank – Anlass für uns, Bilanz zu ziehen und aufzuzeigen, in welchen Bereichen die erfassten Daten bereits eine Rolle spielen und in welche Richtung Bedarf an einer Weiterentwicklung besteht. Für interessierte Einrichtungen möchten wir unsere Erfahrungen als Entscheidungshilfe für den Aufbau einer ähnlichen Datenbank dokumentieren.

Der Inhalt

Seit nunmehr drei Jahren existiert an der Humboldt-Universität eine zentrale Adressdatenbank. Ihre Weboberfläche ist über das Zentrale Informationssystem der HU (ZIS) (www.hu-berlin.de/zis/) erreichbar. Sie enthält alle Dienstadressen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität. Dazu zählen auch studentische Mitarbeiter(innen), soweit sie als Ansprechpartner(innen) für bestimmte Sachgebiete fungieren sowie alle Mitarbeiter(innen) der Gremien, auch wenn sie nicht an der HU beschäftigt sind. Insgesamt enthält die Datenbank derzeit insgesamt 5470 Dienstangaben zu 5200 Personen. Die unterschiedlichen Zahlen kommen dadurch zustande, dass eine Person im Rahmen der Universität an unterschiedlichen Stellen beschäftigt sein kann. Beispielsweise gibt es Sekretärinnen, die für mehrere Professor(inn)en tätig sind. Zu jeder Person enthält die Datenbank Angaben wie den Namen der Person, den Titel bzw. akademischen Grad, die Anrede, bei Professor(inn)en das Berufungsgebiet, die Adresse der persönlichen Homepage, die E-Mail-Adresse, Telefon- und Faxnummer, das Sachgebiet und die Funktion. Für jede Person kann festgelegt werden, ob ihre Angaben im WWW sichtbar sein sollen oder nicht. Hausintern sind grundsätzlich alle Personen sichtbar, da die Weboberfläche an vielen Stellen als elektronisches Telefonbuch und E-Mail-Verzeichnis genutzt wird. Darüber hinaus kann für jede Person festgelegt werden, ob sie in Printausgaben wie dem Universitätsverzeichnis erscheinen soll. Das bietet die Möglichkeit, auch Zeitkräfte in die Datenbank aufzunehmen, ohne gedruckte Publikationen dadurch aufzublähen. Grundlage für die Erfassung der Angaben bildet die „Verwaltungsanweisung zum Aufbau und zur Pflege einer zentralen Datenbank für dienstliche Adressen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hochschulbereiches der Humboldt-Universität zu Berlin (Adressdatenbank HU)". Diese Vereinbarung schreibt vor, dass jeder über die Veröffentlichung seiner Daten im WWW selbst entscheiden darf. Einige Personengruppen sind davon ausgenommen, weil die Veröffentlichung ihrer Daten im Interesse der Universität liegt. Von allen anderen muss eine Einverständniserklärung abgegeben werden.

nach oben

Die Organisation

Die Gesamtorganisation der Adressdatenbank liegt in den Händen einer Arbeitsgruppe. Diese besteht aus Vertreter(inne)n der Technischen Abteilung, der Studien-, Forschungs- und Haushaltsabteilung, der Fakultäten und des Rechenzentrums sowie dem Datenschutzbeauftragten der HU. Die Daten werden zentral in einer Datenbank auf dem Sybase-Server im Rechenzentrum gehalten. Die Pflege der Daten erfolgt nicht zentral, sondern „vor Ort". Das heißt, jede Verwaltungsleitung einer Fakultät hat lesenden und schreibenden Zugriff auf den Datenbestand ihrer Fakultät. Fremde Daten können nicht eingesehen werden. Die Liste der Zuständigen wird auch im Web unter www.hu-berlin.de/zis/Zustaendig veröffentlicht, um für andere erkennbar zu machen, an wen eine Änderungsmeldung zu richten ist.

nach oben

Service für Entwickler(innen)

Obwohl diese Datenbank schon so lange existiert, werden in einzelnen Fachgebieten noch immer eigene Bestände gepflegt, ja sogar neu angelegt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen sind die Existenz und die Möglichkeiten der Nachnutzung der zentralen Datenbank nicht hinreichend bekannt. Dem soll jetzt durch das Angebot eines neuen Dienstes im Rechenzentrum begegnet werden. Seit kurzem gibt es hier einen „Service für Entwickler(innen)" (www.hu-berlin.de/service-fuer-entwickler/), in dem das Thema „Adressdatenbank" zukünftig eine große Rolle spielen wird. Zum anderen haben wir uns bei der Anzahl der zu erfassenden Merkmale sehr beschränkt – zu sehr, wie manche Einrichtungen bemängeln. Für viele ist schon das Fehlen der Sprechzeiten ein Grund, eine weitere Datenbank für Fachgebietszwecke einzurichten. Das Handicap dabei ist nur, dass es fortan zwei Datenbestände gleichen Inhalts mit unterschiedlichem Aktualitätsgrad gibt. Auf die Frage, wie man mit diesem Problem umgehen kann, werde ich weiter unten einige Szenarien aufzeigen.

nach oben

Anwendungen der Adressdatenbank

Die zentrale Adressdatenbank wird bereits in vielen zentralen Bereichen genutzt:

  • Das Universitätsverzeichnis wird beinahe komplett aus der Datenbank abgeleitet. Dabei wird für jede Institution ein Word-Seriendruck erzeugt, der dann zur Korrektur an die Einrichtungen verschickt und später in der Studienabteilung in ein Gesamtdokument eingefügt wird. In diesem Jahr erschien das Universitätsverzeichnis erstmalig als Ringbuch. Dadurch ist es möglich, in kürzeren Abständen Teile nachzudrucken. Dies spielt derzeit eine große Rolle, da einzelne Bereiche nach und nach ihren Standort von Mitte nach Adlershof verlegen.
  • Auch der Personalteil (wissenschaftliches Personal), der dem Vorlesungsverzeichnis einmal jährlich beiliegt, wird in der gleichen Art und Weise wie das Universitätsverzeichnis erzeugt.
  • Eine zunehmend wichtige Anwendung ist das E-Mail-Verzeichnis LDAP. Da der hauseigene Maildienst von Banyan VINES und damit auch StreetTalk als Verzeichnis der Mailadressen immer mehr an Bedeutung verlieren, wird ein Ersatz mit den im Internet benutzten Mailadressen benötigt. Auch dieser wird aus der Adressdatenbank gespeist. Da die Tragweite des Feldes „E-Mail" nicht allen Erfasser(inne)n klar ist, kommt es gerade hier oft zu Eingabefehlern, die Störungen im LDAP hervorrufen.
  • Die Daten, die der Auskunftsdienst der Telefonzentrale benutzt, stammen ebenfalls aus der Adressdatenbank. In Abständen wird er über ein C-Programm von einem System ins andere transportiert.
  • Auch die Poststelle benutzt keinen eigenen Datenbestand mehr, sondern benutzt zur Irrläuferzustellung die Adressen im ZIS.
  • Bei der Entwicklung der Forschungsdatenbank (siehe Artikel in diesem Heft) wurde Wert darauf gelegt, dass der darin enthaltene Personalteil kein Konkurrenzsystem zur Adressdatenbank wird. Deshalb wurde eine Prozedur (stored Procedure) im Datenbanksystem Sybase entwickelt, die die erforderlichen Daten von einer Datenbank in die andere überträgt.
  • Nicht zu vergessen: Hauptanwendung mit 20368 Anfragen im Monat Februar ist das Zentrale Informationssystem im WWW. Telefonnummern, E-Mail-Adressen und den Sitz einer Person findet man am schnellsten über www.hu-berlin.de/zis/Personen. Für Professor(inn)en werden inzwischen auch die Sekretärinnen ausgewiesen. Die stark nachgefragten Referent(inn)en der Vizepräsident(inn)en findet man auf einen Blick. Hausintern stehen Anleitungen zur Suche, zum Etikettendruck und zur Zusammenstellung von E-Mail-Listen bereit. Einmal im halben Jahr gibt es ZIS-Schulungen, die überwiegend von Sekretariatsmitarbeiter(inne)n genutzt werden. Angenehm für Mitarbeiter(innen) des Hauses: Wer über ein entsprechendes Telefon verfügt, kann über www.hu-berlin.de/zis-intern/Telefon herausbekommen, wessen Nummer gerade auf dem Display erscheint.
  • Jüngste Anwendung der Adressdatenbank ist Sympa, der neue Listenserver der HU. Listen, die in Sympa definiert werden, können über die Eingabe eines SQL-Statements online auf die Daten der Datenbank zugreifen. Der Versand des HU-Newsletters beispielsweise erfolgt an alle E-Mail-Adressen, die in der Adressdatenbank enthalten sind, es sei denn, sie tauchen in der Zusatztabelle mit dem Inhalt „vom Newsletter abgemeldete Personen" auf.
  • Dezentral haben alle Bereiche die Möglichkeit, eigene Listen mit ihrem Datenbestand zu erzeugen. Die vom Rechenzentrum herausgegebene Telefonliste wird über den ODBC-Treiber von Sybase, eine Aufarbeitung in Access und ein Makro in Word erzeugt. Bei Bedarf geben wir gern Hilfestellung zum Erzeugen ähnlicher Listen für Ihren Bereich.
nach oben

Szenarien zur Weiterentwicklung

Mit zunehmender Nutzung der Adressdatenbank werden auch die Richtungen immer deutlicher, in die eine Weiterentwicklung des Systems erfolgen sollte:

  • Unbedingt wünschenswert wäre die Integration der Daten der Medizinischen Fakultät. Trotz mehrfacher Bemühungen konnte die Charité noch immer nicht davon überzeugt werden, eine Organisation zur Pflege oder regelmäßigen Übertragung ihrer Adressen ins ZIS aufzubauen.
  • Leider ist es auch noch immer nicht gelungen, den gesamten Datenbestand aktuell zu halten, da die Fakultäten sehr unterschiedlich damit umgehen. Einige aktualisieren ihre Angaben nur ein- oder zweimal im Jahr, immer dann, wenn ein Datenauszug für das Universitäts- oder das Vorlesungsverzeichnis bevorsteht. Das gedruckte Wort gilt hier offensichtlich immer noch deutlich mehr als das elektronisch veröffentlichte. Durch Schulungen und regelmäßiges Erinnern müssen wir die Bearbeiter(innen) für die stetige Aktualisierung sensibilisieren, da sich immer mehr angeschlossene Systeme auf die Aktualität der Adressdatenbank verlassen.
  • Um dezentrale Adressbestände auflösen zu können, muss mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse der Fakultäten genommen werden. Vor allem das Merkmal „Sprechzeiten" sollte so schnell wie möglich integriert werden. Allerdings ist die Organisation der Pflege dieses Feldes kritisch, da sich die Sprechzeiten von Mitarbeiter(inne)n häufig ändern. Entweder muss nun auch dieses Merkmal von den Verwaltungsleiter(inne)n korrigiert werden oder aber jede Person muss ein eigenes Login zur Pflege nur dieses einen Feldes erhalten. Geklärt werden muss, ob den Fakultäten weitere Felder zur Verfügung gestellt werden müssen.
  • Seit Jahren geplant ist auch die Ablösung der bisher genutzten Access-Oberfläche zur Bearbeitung der Daten durch eine webbasierte Software. Der erste Anlauf dazu endete nicht ganz erfolgreich, da die Ladezeiten für die zum Teil recht umfangreichen Tabellen zu groß waren.
  • Dass die Adressdatenbank nur Adressen von Mitarbeiter(inne)n enthält, macht die Lösung schlank, reicht aber auf die Dauer nicht aus. Viele Sekretariate wünschen sich eine Pflege von internen und externen Adressen mit Hilfe einer einheitlichen Oberfläche. Derzeit müssen die externen Adressen in völlig separaten Umgebungen erfasst und recherchiert werden.

Für alle diese Arbeiten würden wir für Hilfsangebote dankbar sein. Beispielsweise könnte die webbasierte Erfassungsoberfläche durchaus die Abschlussarbeit eines Informatikstudenten oder einer Informatikstudentin sein.

nach oben

Organisatorische Grundsätze für Nachnutzer

Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass der Aufbau einer zentralen Adressdatenbank große Vorteile bietet. Allerdings darf man dabei auf keinen Fall nur die technische Seite sehen. Einige organisatorische Grundsätze dürfen nicht außer Acht gelassen werden:

  1. Der Aufbau einer zentralen Adressdatenbank gelingt nur, wenn die Universitätsleitung als anweisende Kraft einbezogen wird (Verabschiedung einer Verwaltungsanweisung).
  2. Die Daten aktuell zu halten, gelingt nur, wenn die dezentralen Einrichtungen ein Interesse daran haben (Anreize schaffen wie Druck des Universitätsverzeichnisses aus der Datenbank heraus).
  3. Es ist ratsam, zur Umsetzung des Vorhabens eine Projektgruppe zu gründen. Den offiziellen Vorsitz sollte nicht das Rechenzentrum (RZ) übernehmen. Dennoch müssen Vorleistungen durch das RZ erbracht werden. In die Projektgruppe sollten Vertreter der Bereiche einbezogen werden, die später auch mit dem Produkt arbeiten werden (Verwaltungsabteilungen, Fakultäten, Zentraleinrichtungen).
  4. Mit dem Aufbau der zentralen Adressdatenbank sollten andere, parallel existierende Adressverzeichnisse wegfallen.
  5. Der/die Datenschutzbeauftragte ist von Anfang an einzubeziehen. Der Personalrat hat Mitwirkungsrecht!
  6. Folgende Probleme sind u. a. im Vorfeld zu klären:
    • Welches Ordnungsmerkmal (Personalnummer oder „künstliche" Nummer) soll für die Personen genutzt werden?
    • Welches Ordnungsmerkmal soll für die Beschreibung der Struktur der Universität genutzt werden, wie tief soll gegliedert werden? (an der HU wurden 6-stellige Organisationskennzahlen mit den Ebenen Fakultät/Institut/Professur entwickelt)
    • Welche Merkmale gehören zur Person, Funktion, usw., welche Relationen bestehen zwischen den Tabellen? (unbedingt Anzahl der Felder begrenzen und an den Pflegeaufwand denken)
    • Welche Felder werden als Schlüssel angelegt? (die Schlüssel sollten von den Zuständigen entwickelt und deren Nutzung möglichst durch die Universitätsleitung angewiesen werden)
  7. Verantwortlichkeiten, die durch die Pflege der Datenbank entstehen, sollten für alle sichtbar (Web-Seite „Zuständigkeiten") sein. Es darf keine Unklarheiten geben. Auch die Pflege der Schlüsseltabellen (OKZ, Funktionen, Gebäude etc.) muss klar geregelt sein.
  8. Auch nach Erstellung der Datenbank ist eine Betreuung der Erfasser/innen durch die Projektgruppe erforderlich (neues Personal, Einheitlichkeit in der Erfassung etc.).
  9. Schulungen und Benutzerhandbuch sind zwingend erforderlich.
nach oben

Katrin Lányi