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Nr. 24
April 2003
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Editorial

Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel, Vizepräsident für Forschung

1991 fiel der Beschluss, am südöstlichen Stadtrand Berlins eine Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien aufzubauen und die mathematisch-naturwissenschaftlichen Institute der Humboldt-Universität nach Adlershof zu verlagern. Die Idee, drei Partner – Unternehmen, außeruniversitäre Forschung und Institute der Universität – zu einem produktiven Zusammenspiel an einem Ort zusammenzubringen, birgt viel Potential in sich und wird sich voll entfalten, wenn der gesamte naturwissenschaftliche Campus der HU in Adlershof ist.

Drei Institute der Humboldt-Universität zu Berlin, Informatik, Mathematik und Chemie, sind mittlerweile in der Adlershofer Forschungs- und Wirtschaftslandschaft integriert. 2003 werden Physiker, Geographen und Psychologen folgen. Damit werden ab dem Wintersemester 2003/04 über 5300 Studierende, etwa 400 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 100 Professorinnen und Professoren in Adlershof sein. Die Biologen werden zu einem späteren Zeitpunkt, 2007, folgen. Damit werden die naturwissenschaftlichen Institute erstmalig auf einem Campus vereint sein.

An den zwölf außeruniversitären Instituten sind insgesamt 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt und in den ca. 360 Unternehmen arbeiten mehr als 3600 Personen. Auch wenn die Adlershofer Unternehmer noch nicht die großen Erfolgsgeschichten vorweisen können, auch wenn Infrastruktur und »Atmosphäre« noch nicht den erwünschten Stand erreicht haben, so geht es mit der Entwicklung stetig voran, Wegweisendes wird immer wieder aus der Wissenschafts- und Wirtschaftsstadt vermeldet.

Ein genuines Gemeinschaftsprojekt ist zum Beispiel die »International Humboldt Graduate School on Structure, Function and Application of New Materials«, die zusammen mit dem Max-Born-Institut, dem Paul-Drude-Institut für Festkörperelektronik, BESSY II und der WISTA Management GmbH realisiert wird und mittlerweile die zweite Generation von Doktoranden ausbildet. Ein starker Impuls für Adlershof wird von dem soeben eröffneten und hoch renommierten Forschungszentrum der DFG »Mathematik für Schlüsseltechnologien« ausgehen, an dem Mathematiker aus Adlershof neben Wissenschaftlern der Technischen Universität, der Freien Universität sowie des WIAS (Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik) und des ZIB (Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin) maßgeblich beteiligt sind. Adlershof hat also ein gerüttelt Maß Anteil daran, dass Berlin Hauptstadt der angewandten Mathematik genannt wird.

Von großer Bedeutung ist, dass dieses vielgestaltige Umfeld nun ein Zentrum erhält. Mit der Eröffnung des Erwin Schrödinger-Zentrums wird nicht nur die Humboldt-Universität, sondern das gesamte Entwicklungsgebiet ein neues Gesicht und neue Chancen erhalten. Das Schrödinger-Zentrum wird nicht zu Unrecht als Herzstück des Standortes bezeichnet. Hier werden Studierende, Wissenschaftler und Unternehmer sich zum Austausch zusammenfinden, sei es in der naturwissenschaftlichen Bibliothek, bei einer Konferenz oder einfach zu einem Tee im Café. Hier entsteht ein Ort, der über die akademischen Interessen hinausgeht.

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Die Einrichtung nimmt die sieben Bibliotheken der mathematisch-naturwissenschaftlichen Institute, die Bestände der Zentralen Fachbibliothek für Umwelt sowie die ZE Computer- und Medienservice der Humboldt-Universität auf. Die hochmoderne technische Ausstattung der Hörsäle und Seminarräume wird eine breite Multimedia-Anwendung in Lehre, Forschung und Studium ermöglichen. Die Nutzer, vom Studierenden bis zum Unternehmer, werden künftig nicht mehr zwischen Lesesaal, Service-Abteilung eines Rechenzentrums oder einem Video-Studio hin- und herpendeln müssen, sondern können alles an einem Arbeitsplatz erledigen. Vor allem aber soll den Nutzern die entsprechende fachliche Unterstützung angeboten werden.

Die Humboldt-Universität hat für das Gebäude den Namen Erwin Schrödinger gewählt. Nicht ohne Grund, denn der Naturwissenschaftler Erwin Schrödinger forschte und lehrte in der Zeit von 1927 bis 1933 an der Berliner Universität. 1933 erhielt er für seine Beiträge zum Aufbau der Quantenmechanik gemeinsam mit Paul Dirac den Nobelpreis für Physik. Die Namenswahl beruht jedoch nicht allein auf den naturwissenschaftlichen Leistungen Schrödingers, sondern liegt insbesondere in seiner intellektuellen Breite und Vielfalt begründet, die von der Literatur bis zur Philosophie reichte. Ein Name der verpflichtet.