cms-journal
Nr. 24
April 2003
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Das Erwin Schrödinger-Zentrum

Konzentriertes Serviceangebot für Forschung, Lehre und Studium

Dr. Peter Schirmbacher
schirmbacher@cms.hu-berlin.de

Abstract

Das Erwin Schrödinger-Zentrum wird häufig als das Kernstück des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Campus der Humboldt-Universität in Berlin-Adlershof betrachtet. Es ist ein Haus, im Zentrum des Campus gelegen, das zum einen die direkte Kommunikation fördern und zum anderen Dienstleistungen auf höchstem technischen Niveau als Unterstützung für moderne Forschung, Lehre und Studium anbieten soll. In dem Artikel werden das neue Konzept für das Informationsmanagement am Standort dargelegt und die Besonderheiten des Hauses beschrieben.

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Das Erwin Schrödinger-Zentrum – ein Servicezentrum für Informations-, Dokumentations- und Kommunikationsdienste oder warum braucht man heute noch ein Zentrum?

Die wissenschaftliche Kommunikation befindet sich gegenwärtig sicher im größten Wandel ihrer bisherigen Geschichte. In weniger als 30 Jahren hat sich in allen Gebieten des wissenschaftlichen Arbeitens der Computer seine Stellung erobert, so dass er heute nicht mehr wegzudenken ist. Nach anfänglich ausschließlich zentral verfügbarer Rechenkapazität für ausgewählte naturwissenschaftliche Forschungsarbeiten befindet sich die Computertechnik heute an jedem Schreibtisch, in jeder vierten Aktentasche eines Studierenden, und der Ausfall des Rechnernetzes von auch nur wenigen Minuten bringt einen Proteststurm hervor, wie wir ihn früher vielleicht nur bei einer defekten Telefonanlage o. ä. kannten. Wenn aber nun jeder seinen Rechner hat und einen stabilen Zugang zu den weltumspannenden Ressourcen des World Wide Web, dann entstehen die Fragen:

  • Warum benötigen wir noch ein Zentrum für Information und Kommunikation?
  • Sollte es nicht, wenn überhaupt, dem Modewort der heutigen Zeit folgend nur virtuell »existieren« und dezentral organisiert sein?
  • Warum benötigen wir einen Neubau einer Bibliothek mit Lesesaalplätzen, wenn doch alle ihre Informationen und Literaturquellen nur noch aus dem Netz schöpfen und direkt am Computer lesen, wie vielfach behauptet wird?

Diese und weitere Fragen galt es zu beantworten, als die Planungen zu diesem Haus begannen. Im Oktober 1995 wurde deshalb ein Workshop mit rund 150 Teilnehmern organisiert, in dem wir gemeinsam mit auswärtigen Kollegen die Entwicklungsrichtungen diskutiert haben. Der Workshop stand unter dem Thema: »Die Bibliothek der Zukunft, Planungen für ein Informations- und Kommunikationszentrum in Adlershof«. Im nachfolgenden Artikel sind die Thesen zum damaligen Workshop nochmals dargestellt. Nicht alles, was vor rund acht Jahren prognostiziert wurde, ist so eingetroffen, auf den Grundaussagen ließ sich jedoch aufbauen.

Damals wie heute muss der Ausgangspunkt die Charakterisierung der Hauptprozesse von Forschung, Lehre und Studium sein, um daraus ableitend die Arbeitsweisen zu ergründen und den Arbeitsplatz für den Wissenschaftler und Studierenden zu beschreiben. Erst dann lässt sich ein zielgerichteter, wirksamer und effizienter Service erarbeiten und anbieten. Den heutigen und künftigen Arbeitsplatz charakterisieren im Wesentlichen fünf Merkmale:

  • Der Arbeitsplatz ist computergestützt, wobei das Anforderungsspektrum vom einfachen PC bis zum High Performance Computer reicht.
  • Der Arbeitsplatz ist multimedial ausgelegt, d. h. er beschränkt sich nicht nur auf das klassische Papier und vielleicht die »einfache« Textdatei eines PC, sondern umfasst konventionelle und die unterschiedlichsten digitalen Medien wie Textdateien, Bilddaten, Videostreams, Audiofiles.
  • Der Arbeitsplatz ist vielfach ortsunabhängig, d. h. die Serviceleistungen sind in der Universität, zu Hause, während eines Konferenzaufenthaltes oder gar im Zug vorzuhalten.
  • Der Zugriff auf den weltweiten Wissensbestand ist zu realisieren, wobei alle heute bekannten Formen der Literaturrecherche vorzusehen sind. Das reicht vom klassischen Buch, der papiergebundenen Zeitschrift, der CD-ROM-Datenbank, der Internetdatenbank bis zu speziellen elektronischen Sammlungen irgendwo auf der Welt.
  • Die Kommunikation des Einzelnen erfolgt nahezu ausschließlich elektronisch, in erster Linie über Electronic Mail, aber immer mehr auch über Videokonferenzen.

Sicher ist die Ausprägung dieser Merkmale von Wissenschaftsdisziplin zu Wissenschaftsdisziplin unterschiedlich und variiert in Abhängigkeit von den persönlichen Gewohnheiten, für den notwendigen Service ist dies jedoch nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Akzeptiert man diese Merkmale und reflektiert die Entwicklungen der letzten Jahre, so lassen sich die formulierten Fragen relativ klar beantworten.

  • Die papierbezogene wissenschaftliche Literatur hat auch in den elf Jahren World Wide Web ihre Existenzberechtigung bestätigt und somit die Unverzichtbarkeit von Bibliotheken und Lesesälen belegt. Der Übergang von der papiergebundenen Veröffentlichung zur reinen elektronischen Publikation verläuft wesentlich langsamer als vielleicht vermutet und beschränkt sich in Abhängigkeit vom Fachgebiet hauptsächlich auf Aufsätze und Zeitschriftenartikel.
  • Mit der fortschreitenden Entwicklung der Computertechnik und der immer tieferen Integration in den wissenschaftlichen Arbeitsprozess nimmt die Notwendigkeit, den Einzelnen fachlich zu beraten und zu unterstützen, eher zu als ab. Das Vorhalten von Kompetenz- und Servicezentren für Informations- und Kommunikationstechnik wird deshalb wichtiger denn je. Letzten Endes stellt dies auch einen Faktor der Wirtschaftlichkeit und Konkurrenzfähigkeit einer Universität dar.
  • Bis zu einer bestimmten Grenze ist heute jedes universitäre Rechenzentrum ein virtuelles Know-how-Zentrum, denn der Support kommt häufig nicht mehr direkt von einzelnen Spezialisten, sondern vielfach schon über Hilfeprogramme, FAQ's, Datenbanken mit Problemlösungsbeispielen oder einfach über eine Fernwartung. All dies will aber aufbereitet und an die Bedürfnisse der jeweiligen Nutzerschaft angepasst sein. Dazu bedarf es spezialisierten Personals, dem die Möglichkeit gegeben sein muss, an entsprechender Technik die notwendige Erfahrung zu sammeln. Hinzu kommt, dass es sich eine Universität finanziell einfach nicht leisten kann, teure Spezialcomputer oder periphere Geräte mehrfach zu beschaffen.

Die Humboldt-Universität hat sich aus diesen Beweggründen heraus eindeutig für die Schaffung eines Kompetenz- und Beratungszentrums entschieden und sieht darin den zukunftsweisenden und effizientesten Weg der Gestaltung und Unterstützung der Informations- und Kommunikationsprozesse einer Universität.

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Der Mathematisch-Naturwissenschaftliche Campus in Berlin-Adlershof oder warum zieht ein Universitätsrechenzentrum nach Adlershof?

Der Aufbau des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Campus der Humboldt-Universität zu Berlin in Berlin-Adlershof ist – abgesehen von den vielen Problemen im Detail, die sich aus der Entfernung der Standorte der Universität ergeben – sicher in erster Linie als eine Chance und Herausforderung zu verstehen. Eine Chance im Sinne der Schaffung räumlicher Voraussetzungen für moderne Forschung und Lehre und eine Herausforderung für die Universität, diese Möglichkeiten auch aufzunehmen und sich der internationalen Konkurrenz zu stellen. Ob dies mit den Institutsgebäuden gelungen ist, werden andere zu einem späteren Zeitpunkt zu befinden haben und kann sicher nicht Gegenstand dieses Beitrages des CMS-Journals sein. Mit der Entscheidung für den Campus im Jahr 1991 war jedoch auch die Schaffung einer Infrastruktur und Servicekultur zwingend, die den neuen Anforderungen entspricht. Während es für die Universitätsbibliothek außer Frage stand, dass eine Zentralbibliothek für Naturwissenschaften am Standort aufzubauen ist und die bisherigen getrennten Zweigbibliotheken integriert werden, hat die ZE Rechenzentrum, die sich seit dem 1.1.2003 Zentraleinrichtung Computer- und Medienservice (CMS) nennt, der Universitätsleitung erst nach langem Abwägen empfohlen, den Hauptsitz nach Adlershof zu verlegen und dort in Kooperation mit der Universitätsbibliothek ein gemeinsames Haus – das Informations- und Kommunikationszentrum (IKA) – zu betreiben. Nahezu keine Mitarbeiterin und kein Mitarbeiter der Universitätsinstitute stand und steht aus persönlicher Sicht dem Umzug mit großer Begeisterung gegenüber, wird doch der vertraute und attraktive Standort Berlin-Mitte verlassen und der Arbeitsweg vielfach beschwerlicher und länger. Das geht uns nicht anders. Wir haben uns als CMS dennoch für die Verlagerung ausgesprochen, um die Chance der Schaffung moderner räumlicher Voraussetzungen zu nutzen und die Herausforderung der Entwicklung einer attraktiven Servicestruktur anzunehmen. Wir haben die Nähe der »anspruchvollsten« Anwendungen gesucht, die vielfach nach wie vor bei den Naturwissenschaften liegen und haben nun hier die Möglichkeiten, ein neues Konzept des IuK-Service zu entwickeln und zu erproben. Die Wissenschaftler und Studierenden werden darüber befinden, ob wir die Chance und Herausforderung genutzt haben.

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Anforderungsprofil an das Informations- und Kommunikationszentrum oder was erwarten die Nutzer an Serviceleistungen?

Auf Grund der herausragenden Bedeutung der Information und Kommunikation für den Erfolg von Forschung, Lehre und Studium hat die Universität besonderen Wert auf die Entwicklung eines modernen Ansprüchen genügenden Informations- und Kommunikationszentrums in Adlershof gelegt. Der Spezifik des Standortes Rechnung tragend, auf dem neben den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten der Humboldt-Universität außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und innovative Klein- und mittelständische Unternehmen angesiedelt sind (siehe auch Editorial), war ein Konzept zu entwickeln, das den unterschiedlichen Anforderungen gerecht wird. Die Zielstellung des Hauses lässt sich deshalb etwa wie folgt beschreiben:

Die bisherigen traditionellen Leistungen einer wissenschaftlichen Bibliothek und die sich entwickelnden elektronisch gestützten Formen der Informationsversorgung werden mit den Aufgaben eines Universitätsrechenzentrums weitgehend verknüpft, um unter Ausnutzung vielfältiger Netzdienste Wissenschaftlern, Studierenden und Ansässigen des Standortes eine allen modernen Ansprüchen genügende Informationsversorgung bieten zu können.

Ein Anforderungsprofil für das IKA zu bestimmen, war und ist als dynamischer Prozess zu sehen, der in seiner Entwicklung durch das Fortschreiten der Anforderungen aus der Wissenschaft und aus dem Zusammenspiel mit der Wirtschaft bestimmt wird. Das Erwin Schrödinger-Zentrum ist in erster Linie als eine dienstleistende Institution für Informations-, Dokumentations- und Kommunikationsdienste zu verstehen, die der rasanten Entwicklung der Wissenschaft geschuldet mit einem sich ständig ebenso entwickelnden Leistungsspektrum aufwarten muss. Um dem gerecht werden zu können, sind Projekte der angewandten Forschung zu initiieren, die sich insbesondere auf die Entwicklung und Einführung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien richten. Das Berliner Hochschulgesetz sieht angewandte Forschung zwar gegenwärtig für zentrale Serviceeinrichtungen nicht vor, der Rückblick auf die vergangenen Jahre bestätigt uns jedoch in diesem Herangehen.

Zum heutigen Zeitpunkt umfasst das Leistungsangebot fünf Kategorien, die die traditionellen Aufgaben von Bibliothek und Computer- und Medienservice mit entsprechenden Entwicklungsthemen vereinen:

  1. Bereitstellung der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur
  2. Bereitstellung von Informations- und Kommunikationsdiensten auf dieser Infrastruktur
  3. Beratung zur Nutzung der Dienste und Unterstützung bei der Erarbeitung von Angeboten
  4. Literaturversorgung als Teil der traditionellen Aufgaben einer wissenschaftlichen Bibliothek, verbunden mit einem effizienten Informations-Ressourcen-Management
  5. Erarbeitung neuer Formen der multimedialen Informationserschließung, -vermittlung und -bereitstellung

In vielen Beiträgen dieser Ausgabe des CMS-Journals sind die sich aus den Anforderungen der Punkte 1 bis 3 ergebenden Dienste beschrieben. Es sind die so genannten klassischen Aufgaben eines Hochschulrechenzentrums, die hohe personelle Anstrengungen verlangen, durch Wahrung der Stabilität geprägt sein müssen und letztendlich die Leistungsfähigkeit des CMS bestimmen. Erst wenn diese gewährleistet sind, kann man sich weiterführenden Aufgaben widmen, wie sie mit dem Erwin Schrödinger-Zentrum angestrebt werden.

Bei dem im Oktober 1995 ausgerichteten Workshop zum Thema: »Die Bibliothek der Zukunft, Planungen für ein Informations- und Kommunikationszentrum in Adlershof« wurde in These 12 formuliert:

»Die moderne Bibliothek sollte nicht nur Service-Einrichtung für die Informationsbeschaffung, -speicherung und -lieferung sein. Sie sollte neben den üblichen Buchfreihandbeständen, Archiven, (computerisierten) Katalogen, Lesesälen und weiteren Räumen mit Arbeitsplätzen mit Terminal- und Druckinstrumentierung über Begegnungs- und Kommunikationsräume, Cafeteria, Zeitungsleseplätze verfügen. Gerade die persönliche Begegnung von Wissenschaftlern verschiedener Institute mit Ingenieuren von Wirtschaftsunternehmen wird für einen Hochtechnologie-Standort wie den in Adlershof geplanten wesentlich sein.«

Die Platzierung des Hauses im Zentrum des Campus mit maximalen Entfernungen für die Universitätsangehörigen von 300 Metern erfolgte nicht zufällig. Durch die unmittelbare Nähe zu einem weiteren Hörsaalgebäude und zu geplanten Versorgungseinrichtungen soll sich das Haus von Beginn an zu dem zentralen kulturellen Punkt des Geländes entwickeln. Durch die Integration einer Cafeteria mit einem Zeitungslesebereich, einem Konferenzraum mit dazugehörigen frei zugänglichen Internetplätzen, einem Bookshop und einem großzügigen Foyer soll das Haus auch diese damals angedachten Funktionen erfüllen.

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Das Erwin Schrödinger-Zentrum – die großen und kleinen Unterschiede oder was ist anders im neuen Haus?

Am einfachsten sind sicher die Kenndaten des neuen Hauses zu beschreiben.

Flächen
Bibliothek
6 386 m2
Computer- und Medienservice
1 948 m2
Hörsaal- und Seminarraumkomplex
1 384 m2
Gesamt HU
9 718 m2
Modul 2 (finanziert durch WISTA MG)
669 m2
Gesamt Erwin Schrödinger-Zentrum
10 387 m2
Zentralbibliothek Naturwissenschaften
Freihandbereich
ca. 313 000 Bände
Lehrbuchsammlung
ca. 25 000 Bände
Elektronische Zeitschriften
ca. 1 600
CD-ROM-Datenbanken
ca. 350
Online Datenbanken
ca. 1500
Leseplätze (sämtlichst mit Strom- und
ca. 300
DV-Anschluss)
Arbeitskabinen
14
Gruppenarbeitsräume
5
Blindenarbeitsraum
1
Kopierräume / Druckerräume
3
Computer- und Medienservice
PC-Saal
50 Plätze
Ausbildungsräume
2 mit je 20 Plätzen
Vortragssaal mit 3-D-Projektion
75 Plätze
Internetterminals im Foyerbereich
30 Plätze
Aufnahmestudio für Multimediaprojekte
100 m2
Semiprofessionelle Video-Schnittplätze
4 Plätze
Rechnerraum für Compute-,
File- und Kommunikationsserver
240 m2
Klimatisierte Räume für Speicherroboter
40 m2
Kommunikationstechnik
40 m2
Hörsaalkomplex
Großer Hörsaal
280 Plätze
Kleiner Hörsaal
130 Plätze
zwei Hörsäle
je 99 Plätze
zwei Hörsäle
je 77 Plätze
vier Seminarräume
je 60 Plätze
zwei Seminarräume
je 30 Plätze
Modul 2
Konferenzsaal
140 Plätze
Cafeteria
40 Plätze
Internet-Terminals
20 Plätze
Bookshop
50 m2

Die Maxime des Hauses – »der Nutzer, ob Wissenschaftler, Studierender oder Angehöriger eines Wirtschaftsunternehmens, ob im Haus selbst oder über die Datennetze vom entfernten Arbeitsplatz die Leistungen in Anspruch nehmend, soll im Mittelpunkt der Bemühungen stehen« – ist sicher nicht neu, denn jede Dienstleistungseinrichtung verkündet zumindest dieses Motto. Das ist bei den traditionellen Infrastruktureinrichtungen einer Universität wie Bibliothek, Rechenzentrum und Medienzentrum nicht anders. Neu ist das konzentrierte Angebot dieser Einrichtungen in einem Haus mit abgestimmten Diensten und einer gemeinsamen Nutzerberatung. Die Architektur des Hauses wurde von Beginn der Planungen an diesem Ziel untergeordnet (siehe Die Architektur des neuen Hauses). Das Foyer bietet die Möglichkeit des freien Zuganges zu Internetplätzen. Der Nutzer kann hier seine Mails checken oder vor einer Veranstaltung nochmals im World Wide Web das eine oder andere nachsehen. Sie sind als Stehplätze konzipiert, weil sie nicht zum langen Verweilen einladen sollen. Bis auf wenige Ausnahmen befinden sich sämtliche öffentliche Arbeitsplätze von Bibliothek und Computer- und Medienservice hinter einem gemeinsamen Eingangsbereich. An dieser Info-Theke werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bibliothek und CMS vertreten sein und von der Erstinformation zu den Nutzungsmöglichkeiten des Hauses, über Fragen zur Aufstellung der Literaturbestände, zum Zugang zu elektronischen Ressourcen aller Art, bis zum persönlichen Internetaccount Auskunft geben. Sicher ist dies ein Lernprozess für die Mitarbeiterschaft, aber die im Haus integrierten Schulungsräume sollen ja u. a. auch der eigenen Qualifizierung dienen. Hinter diesem Eingangsbereich findet der Nutzer alles, was er schon von einer klassischen Universitätsbibliothek kennt, die OPAC-Plätze, die Lehrbuchsammlung, rund 800 000 frei zugängliche Buch- und Zeitschriftenbestände u. ä. (siehe hierzu auch Zentralbibliothek Naturwissenschaften ...).

Neu ist sicher, dass sämtliche Leseplätze mit einem Strom- und Datennetzanschluss ausgerüstet sind. Man kann also seinen eigenen tragbaren Computer mitbringen und findet problemlos die Anschlussmöglichkeiten. Auf etwa der Hälfte der Arbeitsplätze sind aber auch Computer installiert. Zusätzlich verfügt das gesamte Haus über ein drahtloses Netz, das den Zugang zum Internet entsprechend erleichtert. In einem gesonderten Teil des öffentlichen Bereiches findet man 50 hochausgerüstete Multimedia-Arbeitsplätze, die die Bearbeitung auch anspruchsvoller Multimedia-Applikationen ermöglichen. Das Neue an diesem Konzept ist sicher, dass der Nutzer weder den Arbeitsort noch seinen Arbeitsplatz zu wechseln braucht, wenn er nach Literatur im traditionellen Sinne sucht, im Internet oder in Datenbanken recherchiert und im Anschluss diese Informationen in seine eigene Arbeit, die er vielleicht multimedial gestalten will, einfließen lässt. Entscheidend kommt hinzu, dass der Nutzer durch das Personal des Lesesaals und des Computerbereiches auch die entsprechende fachliche Unterstützung finden wird.

In der Humboldt-Universität in Berlin-Mitte und auch in vielen anderen Universitäten ist die Situation bei weitem nicht so. Lesesaal, Computerarbeitsplätze und Multimedia-Angebote verteilen sich auf unterschiedliche Gebäude und nur dort findet man das jeweilige Betreuungspersonal.

Es mag als keine besondere Errungenschaft klingen, aber mit der Inbetriebnahme des Erwin Schrödinger-Zentrums wird es meines Wissens auch erstmalig an einer deutschen Universität eine gemeinsame Benutzungsordnung und gemeinsame Gebührenordnung für zwei Zentraleinrichtungen, wie es die Universitätsbibliothek und der Computer- und Medienservice darstellen, geben. Nur so lässt sich der Slogan »One face to the customer« auch tatsächlich realisieren.

Viele der kleinen, feinen Unterschiede des neuen Hauses werden im Detail in den nachfolgenden Artikeln beschrieben. So soll das Multimedia Lehr- und Lernzentrum zur Hebung der allgemeinen Medienkompetenz bei Lehrenden und Studierenden beitragen und findet natürlich im Erwin Schrödinger-Zentrum hervorragende technische Bedingungen sowohl für den Service als auch für die Weiterbildungsveranstaltungen (siehe auch MLZ - Lehren und Lernen mit Multimedia). Die gemeinsame Arbeitsgruppe »Elektronisches Publizieren« von CMS und Bibliothek, eine Einmaligkeit in Deutschland, kann ihr Angebot erweitern und neben dem Dokumenten- und Publikationsserver nun auch Printing on Demand-Dienste anbieten (siehe auch Elektronisches Publizieren ...).

Entscheidend für das Haus und als Erprobung für die gesamte Universität ist der veränderte Ansatz zum Informationsmanagement. In diesem Sinne ist das Konzept des Erwin Schrödinger-Zentrums eine Beispiellösung sowohl für den Standort Mitte und den geplanten Campus Nord der Humboldt-Universität als auch für andere Universitäten.

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