cms-journal
Nr. 25
Mai 2004
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Grußwort

Prof. Dr. Gunter Schwarze

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Computer- und Medienservice der Humboldt- Universität zu Berlin grüße ich herzlich zur 40-jährigen Entwicklung ihrer Einrichtung, begonnen als Rechenzentrum der Humboldt-Universität zu Berlin am II. Mathematischen Institut. Dieser Zeitraum war dadurch gekennzeichnet, dass ständig in größtmöglicher Breite die aktuellen Bedürfnisse der ganzen Universität bezüglich Informationserfassung, Informationsspeicherung, Informationsverarbeitung bis zur problemorientierten Ergebnisaufbereitung unterstützt wurden und werden. Doch zwischen dem, was zur Gründungszeit möglich war und heute erforderlich ist, liegen »Welten«.


Die Startphase

Im Herbst 1963 übertrug mir der damalige Rektor unserer Universität, Magnifizenz Prof. Dr. Kurt Schröder, die Vorbereitung und den Aufbau eines Universitäts-Rechenzentrums, das zunächst an das von ihm geleitete II. Mathematische Institut angegliedert war. Bis zum 1. Januar 1964 konnten 10 Experten aus verschiedenen Fachgebieten gewonnen werden, die bereits in diesem Zeitraum eine erste Zusammenarbeit und gemeinsame Weiterbildung unter sich organisierten. Am 2. Januar 1964 gehörten alle unserem Rechenzentrum an und Raum- und Computerprobleme galt es zu lösen. Ein ZRA-1 war vertraglich gesichert. Doch bis zu seiner Inbetriebnahme in eigenen Räumen sollte noch gut ein Jahr vergehen. Unser Anliegen war es, schrittweise ein Rechenzentrum zu entwickeln, in dem alle Computertypen der damaligen Zeit vertreten waren, d. h. Digitalrechner, Analogrechner und Lochkartenstation mit Lochkartenrechner. In dieser Gründungszeit waren Enthusiasten aus den verschiedensten Studiengebieten mit Praxiserfahrungen (Aufbau von Computern und deren Nutzung) gefragt, die sich zusammen in kleinen Teams und in Selbstweiterbildung entwickelten. Dabei war sowohl der Bedarf in Lehre (einschließlich Weiterbildung) und Forschung als auch an Dienstleistungen innerhalb der Universität und für andere Einrichtungen im Berliner Raum zu erfüllen. Durch Kontakte zu anderen Rechenzentren mieteten wir Rechenzeit und arbeiteten so nahezu von der ersten Stunde an und dazu kam die Aufbauarbeit und Inbetriebnahme für die eigenen Anlagen. Immerhin hatten wir den Vorteil, dass wir zur Übernahme der Anlagen bereits eigene Erfahrungen sowohl aus unserer früheren Tätigkeit als auch mit den gemieteten Anlagen hatten. Auf dieser Basis wurden sofort erste Schritte in der Informatikausbildung (aus heutiger Sicht) – numerische und nichtnumerische Aspekte – realisiert als Vorlesungen, Übungen, Seminare, Praktika und Programmiersprachenkurse. Einige Veranstaltungen wurden in die Abendstunden verlegt, damit auch Gasthörer (großer Bedarf!) aus dem Berliner Raum daran teilhaben konnten. Natürlich wurden solche Lehrveranstaltungen auch zur Weiterbildung von Mitarbeitern aus der ganzen Universität genutzt.

Zusätzlich übernahmen wir von der Akademie der Wissenschaften die Ausbildung mathematisch-technischer Assistenten (MTA) und bauten diese aus. Für solche Mitarbeiter bestand ein grosser Bedarf bei uns selbst, wie auch im Berliner Raum, denn die Facharbeiterausbildung allein war nicht weitgehend genug.

Im April 1965 wurde als erster eigener Rechner ein ZRA-1 in Betrieb genommen und am 29.04.1965 gab es dazu folgenden Pressetext (siehe Abb. 1):

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Abb. 1: Zeitungsausschnitt aus der Berliner Zeitung vom 29.04.1965

Rechenzentrum in der Uni

Das neue Rechenzentrum der Humboldt-Universität ist nach einiger Anlaufzeit in vollem Betrieb. Im Senatssaal nahm am Donnerstag Rektor Prof. Dr. K. Schröder in Anwesenheit von Wissenschaftlern und Vertretern der Industrie die moderne Einrichtung in seine Obhut. Nun kann sich der Forscher wie der Praktiker der Kybernetik und der Mathematik zu größtmöglichem Zeitgewinn und wirtschaftlichem Nutzen weitgehend bedienen.

Wie der Leiter des Rechenzentrums, Dr. Schwarze, erklärte, stehen in diesem Sommer bereits im ersten Lehrgang voll ausgebildete Mathematiker zur Verfügung. Das Zentrum besitzt einen Stab wissenschaftlicher Fachkräfte, es lehrt Programmieren, unterweist mathematisch-technische Assistenten, löst Optimierungsprobleme der Industrie und bildet Gasthörer zur Weiterbildung aus.«

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Abb. 2: Prof. Dr. Schröder lässt sich das Innere des ZRA-1 zeigen.

Inhaltsverzeichnis

Die Startphase ...

Die Ausbauphase ...

Und immer weiter geht die...

Heute und morgen ...


Die Ausbauphase

In der folgenden Ausbauphase wurde die Rechentechnik komplettiert. So wurden ein digitaler Kleinrechner SER II (bevorzugt als Selbstbedienungsgerät genutzt) installiert, ein Analogrechner ENDIM 2000 (Parallelarbeit aller Recheneinheiten), aufbauend auf Erfahrungen mit UNIMAR (Industriegerät), in Betrieb genommen und schrittweise eine Lochkartenstation mit einem Lochkartenrechner Robotron 100 aufgebaut und in Betrieb (Bsp. Stipendienabrechnung) genommen. Damit war die damals größtmögliche Breite geschafft. Diese Entwicklung stellte allseitig hohe Anforderungen an die Mitarbeiter(auch Schichtarbeit) und erforderte eine wesentliche Vergrößerung der Anzahl der Mitarbeiter.

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Abb. 3: Herr Jeßner (technischer Leiter) demonstriert die Funktion des ZRA-1.


Und immer weiter geht die Entwicklung

Aber die Anforderungen wuchsen ständig immer schneller, wir stellten eine Datenverarbeitungsanlage vom Typ ROBOTRON 300 in Karlshorst auf und nutzten die Großrechenanlagen vom Typ BESM 6 mit, insbesondere an der Akademie der Wissenschaften.

Für weitere Informationen empfehle ich, den Beitrag »Die Geschichte des Rechenzentrums der Humboldt-Universität zu Berlin im Kontext der Entwicklung von Rechentechnik und Informatik« in den RZ-Mitteilungen Nr. 8 (1994) einzusehen.


Heute und morgen

Heute haben wir an unserer Universität ein ausgebautes Institut für Informatik, etablierte lokale Rechentechnik innerhalb der Einrichtungen unserer Universität und als Weiterentwicklung des alten Rechenzentrums den Computer- und Medienservice. Alle sind untereinander und miteinander vernetzt.

Die in den letzten 40 Jahren erlebten rapiden Entwicklungen haben zum CMS geführt und ich wünsche allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von ganzem Herzen, dass sie auch die weiteren Entwicklungen in den nächsten 10 Jahren wie bisher meistern werden. Dazu viel Erfolg.

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Abb. 4: Ansicht des ZRA-1 zur Eröffnung des Rechenzentrums.