Neues vom Netz
Gemeinsame Benutzung eines 2-Mbit/s-WiN-Anschlusses mit der TU Berlin
Wie in den letzten RZ-Mitteilungen angekündigt, soll sich die Benutzung des Wissenschaftsnetzes WiN
für die Humboldt-Universität in Kürze dadurch erheblich verbessern, daß an der
Technischen Universität ein WiN-Anschluß mit der Datenrate von 2 Mbit/s installiert wird, den die
Humboldt-Universität gleichberechtigt mitnutzen kann. Nach einer ersten Verzögerung ist für die
Inbetriebnahme des Anschlusses durch die Telekom nun die letzte Novemberwoche dieses Jahres vorgesehen. Beim
Erscheinen dieses Heftes sollte den Nutzern der Humboldt-Universität theoretisch die Bandbreite von ca.
1 Mbit/s (bisher 64 kbit/s) in das WiN zur Verfügung stehen. Praktisch ist die verfügbare Bandbreite
aber abhängig von der Nutzung des WiN im Berliner Raum. Die derzeit vier 2-Mbit/-WiN-Anschlüsse
Berlins (ZIB, GMD, DLR, TU/HU) teilen sich nämlich die Gesamtbandbreite Berlins zum WiN - das sind
derzeit auch nur 2 Mbit/s.
Anschluß an das BRTB (Berlin Regional Testbed) zur Hochgeschwindigkeitsvernetzung
Berliner wissenschaftlicher Einrichtungen
In mehreren Regionen Deutschlands, darunter auch in Berlin, werden gegenwärtig als DFN-Projekte regionale
Testbeds (RTB) der Hochgeschwindigkeitsvernetzung realisiert. Ziel der RTBs ist es, zwischen den Teilnehmern eine
Infrastruktur der Hochgeschwindigkeitsvernetzung (ab 34 Mbit/s) bereitzustellen und darauf Applikationen, die hohe
Bandbreiten erfordern, zu implementieren, zu testen und praktisch zu nutzen. Als Transporttechnologie wird in den
RTBs ATM (Asynchronous Transfer Mode) eingesetzt. In einem zweiten Schritt sollen die RTBs durch
34-Mbit/s-Links verbunden werden und so die Basis für ein Hochgeschwindigkeits-Wissenschaftsnetz
Deutschlands bilden. Die Infrastruktur des BRTBs seinerseits wird den Grundstock eines MAN (Metropolitan Area
Network) Berliner wissenschaftlicher Einrichtungen bilden.
Am BRTB unmittelbar beteiligt sind das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik (ZIB), die Freie
Universität (FUB), die Humboldt-Universität (HUB), die Technische Universität (TUB), das
Hahn-Meitner-Institut (HMI) und das Institut für Software- und Systemtechnik der Fraunhofer Gesellschaft
(ISST). Bestimmend für die Auswahl der Teilnehmer waren Angebote geeigneter Applikationen, die ein
Hochgeschwindigkeitsnetz erfordern. Das Hochgeschwindigkeitsnetz des BRTB wird über Glasfaserkabel
realisiert, die das Landesamt für Informationstechnik (LIT) für den Aufbau eines MAN der Berliner
Behörden verlegt, sowie durch ATM-Switches und Router mit ATM- und FDDI-Interfaces. In der
vorgesehenen Topologie bilden FUB, ZIB, TUB und HUB einen Ring, an den das HMI über die FUB und das
ISST über die HUB angeschlossen werden. Im BRTB wird ATM mit einer Übertragungsgeschwin
digkeit von 155 Mbit/s eingesetzt. Die LIT-Glasfasern werden in der Spandauer Str. 1 mit einer Telekom-
Glasfaserleitung zum Rechenzentrum im Hauptgebäude verbunden. In der Wirtschaftswissenschaftlichen
Fakultät (Spandauer Str. 1), der Charité und im Institut für Chemie (Hessische Str. 1-2) werden
Applikationen in Zusammenarbeit mit BRTB-Teilnehmern anderer Einrichtungen realisiert - so zu multimedialem
Lernen, zu medizinischer Bildverarbeitung und zu wissenschaftlicher Visualisierung. Da das Betriebsnetz (bisher
2 Mbit/s) zwischen den Einrichtungen über die BRTB-Verbindungen betrieben werden soll, bedeutet diese
155-Mbit/s-Infrastruktur aber auch für alle anderen Netzteilnehmer einen immensen Fortschritt. Die
Inbetriebnahme des BRTB-Netzes ist für den Januar 1995 vorgesehen.
Erweiterung des FDDI-Backbones des Universitätsrechnernetzes
Ausgehend vom Rechenzentrum sollen noch 1994 zu folgenden Standorten FDDI-Verbindungen (100 Mbit/s) mittels
Glasfasern der Telekom (Dark Fiber) und FDDI-Konzentratoren in Betrieb genommen werden: Charité,
Invalidenstr. 110 (Physik) und Spandauer Str. 1 (Wirtschaftswissenschaften). Die Einrichtung dieser Verbindungen
wurde insbesondere zur Gewährleistung der Teilnahme der Humboldt-Universität am BRTB notwendig
und ist in Hinblick auf die Errichtung eines universitätsinternen Glasfasernetzes (s. nächster Abschnitt)
zeitlich für 1995 befristet. Über schon bestehende Glasfaserverbindungen erhalten auch die Standorte
Bunsenstr. 1 (Chemie), Hessische Str. 1-2 (Chemie) und Invalidenstr. 42/43 (Biologie u. a.) den Zugang zum FDDI-
Backbone. Zusammen mit den schon über FDDI angeschlossenen Standorten Lindenstr. 54a (Informatik),
Jägerstr. 10/11 (Chemie), Clara-Zetkin-Str. 24 (Seminargebäude mit HP-Workstationpool) und Clara-
Zetkin-Str. 26 (PC-Saal) ist die Ausdehnung des FDDI-Netzes der Universität aus der folgenden Netzabbildung
ersichtlich. An das FDDI-Backbone-Netz sind lokale Netze (FDDI, Ethernet) über Router vom Typ 3Com
Netbuilder II angeschlossen. Direkt an das FDDI-Netz angeschlossen werden sieben der acht dezentralen File-Server
vom Typ SunServer1000, die zur Zeit an verschiedenen Universitätsstandorten installiert werden.
Stand der Baumaßnahmen HUISDN und HUFDDI
Die Senatsbaumaßnahme für die Humboldt-Universität HUISDN und die
Universitätsbaumaßnahme HUFDDI sollen eine leistungsfähige Infrastruktur für das
Telekommunikationsnetz bzw. für das Datennetz auf Basis universitätseigener Glasfaserkabel
bereitstellen. Dabei werden innerhalb von HUISDN insbesondere die benötigten Trassen geschaffen. Nach
erheblicher Verzögerung scheint nunmehr der Start beider Projekte für 1995 gesichert. Innerhalb von
HUISDN sind die Planungsverfahren für die Trassen eingeleitet und die Beschaffung von
Telekommunikationsanlagen in Vorbereitung. HUFDDI hat die für die Ausführung notwendige Kategorie I im 24.
Rahmenplan für den Hochschulbau erhalten. Bei der Planung aktiver Komponenten und ihrer Beschaffung in
den nächsten Jahren wird den Erfordernissen moderner Applikationen im Netz und dem Entwicklungsstand
neuer Netztechnologien Rechnung tragend nicht mehr FDDI, sondern die ATM-Technologie im Mittelpunkt
stehen.
ATM-Pilotstrecke zwischen Rechenzentrum und Institut für Informatik
Das Rechenzentrum und das Institut für Informatik nehmen gegen Ende des Jahres 1994 eine ATM-
Datenübertragungsstrecke auf Basis von Glasfasern der Telekom in Betrieb. Die ATM-Strecke soll mit einer
Datenrate von 155 Mbit/s betrieben werden.
Eingesetzt wird folgende Gerätetechnik:
Rechenzentrum:
- ATM-Switch ForeRunner ASX-200
(Ports: 4 OC-3, 6 TAXI)
- LAN-ATM-Access-Switch ForeRunner LAX-20
(Ports: 1 OC-3, 1 FDDI, 4 Ethernet)
- ATM-Bridge-Router-Module (BRIM) für zwei Ethernet-Switch-Module ESXMIM von Cabletron-Hubs MMAC-M8FNB
- ATM-Workstationadapter für SunServer1000 und SGI Crimson
Institut für Informatik:
- ATM-Switch ForeRunner ASX-200
(Ports: 4 OC-3)
- LAN-ATM-Access-Switch ForeRunner LAX-20
(Ports: 1 OC-3, 1 FDDI, 4 Ethernet)
- ATM-Workstationadapter für HP9000/755
Zielstellungen für diese ATM-Konfiguration sind:
- die Funktion als Backbone-Betriebsnetz zwischen Rechenzentrum und Institut für Informatik durch den
Verbund der jeweiligen FDDI-Ringe Gegenwärtig werden auf der ATM-Verbindung 155 Mbit/s erreicht, die nächste
Gerätegeneration wird 622 Mbit/s erreichen.
- die Hochgeschwindigkeitskommunikation zwischen Multimediaapplikationen auf Workstations, die direkt an ein
ATM-Netz angeschlossen sind (LAN-Emulation)
Die Emulation konventioneller LANs (FDDI, Ethernet) auf dem ATM-Netz ermöglicht es den an das ATM-
Netz direkt angeschlossenen Stationen die heute verbreiteten LAN-Netzwerkverfahren (z. B. TCP/IP, Banyan
VINES) mit den ihnen innewohnenden Broadcastmechanismen sowie die auf die Netzwerkverfahren aufsetzenden
Applikationen über das ATM-Netzwerk zu nutzen. Im Gegensatz zu den geteilt genutzten
Übertragungsmedien konventioneller LANs (shared LAN) steht jeder ATM-Station eine garantierte
Bandbreite zur Verfügung. Innerhalb des ATM-Netzes sorgt die ATM-Switchtechnologie für einen
größtmöglichen Datendurchsatz.
- die Kommunikation zwischen ATM-Workstations und Workstations konventioneller LANs
Durch den Aufbau virtueller LANs aus Stationen des ATM-Netzes und/oder Stationen der an die Switches
angeschlossenen konventionellen LANs ist es möglich, diese Stationen unabhängig von ihrer
physischen Netzeinbindung zu logischen Teilnetzen (virtuelle LANs) mit den Eigenschaften konventioneller
physischer LAN-Segmente zusammenzufassen. Zum Beispiel können Datenpakete das jeweilige virtuelle
LAN nur über Routing-Mechanismen verlassen, Broadcast-Nachrichten verbleiben lokal innerhalb eines
virtuellen LANs, und virtuelle LANs bilden getrennte IP-Subnetze, zwischen denen ein Routing erfolgt.
- die Vorbereitung der weiteren Vernetzung der Humboldt-Universität sowohl hinsichtlich der Netzverfahren
(ATM, LAN-Emulation, virtuelle LANs) als auch hinsichtlich des Einsatzes von Kommunikationsapplikationen,
die Hochgeschwindigkeitsnetze voraussetzen (z. B. Multi Media Collaboration)
Über erste Erfahrungen beim Umgang mit der neuen ATM-Netztechnologie wird sicher in den nächsten
RZ-Mitteilungen berichtet werden.
Optische Richtfunkstrecken
Mit der Inbetriebnahme der beiden letzten geplanten optischen Richtfunkstrecken zur Ethernet-
Datenübertragung im November/Dezember 1994 zum Anschluß der Oranienburger Str. 18 und der
Hannoverschen Str. 28 an das Universitätsnetz wird der Ausbau des Netzes auf dieser Basis abgeschlossen. In Betrieb
sind dann 12 Übertragungsstrecken, davon drei unter Regie der Charité. Die Verbindungen sind aus der
nebenstehenden Netzabbildung ersichtlich. Eingesetzt sind auf acht Strecken Geräte
des Herstellers Optel und auf vier Strecken Geräte von CBL. Nach erheblichen Anfangsschwierigkeiten mit einigen
Strecken ist der Betrieb auch der "Problemstrecken" seit September stabil. Schwierigkeiten resultierten vor
allem aus dem instabilen Befestigungsgrund an einigen Standorten.
Im Zuge des weiteren Netzausbaus mit Glasfaserverbindungen werden die an diesen Stellen ggf. nicht mehr
benötigten Richtfunkgeräte zur Anbindung solcher Standorte an das Universitätsnetz genutzt
werden, für die eine Verbindung über Lichtwellenleiter nicht möglich ist.
VINES-ISDN-Kopplung
Im November wurde die erste Kopplung von Banyan/VINES-Servern der Humboldt-Universität über
das ISDN-Netz der Telekom realisiert. An das Rechenzentrum angeschlossen wurde das Institut für
Kulturwissenschaften in der Sophienstr. 22. Folgen werden in kurzer Zeit drei weitere Institute bzw. Arbeitsgruppen
in der Warschauer Straße, der Waisenstraße bzw. Am Kupfergraben. Am Rechenzentrum steht
zunächst nur ein ISDN-Basisanschluß mit seinen beiden 64-kbit/s-B-Kanälen für die
VINES-Kopplungen zur Verfügung. Der Aufbau der Wählverbindungen von den vier Standorten
muß demzufolge in gegenseitiger Abstimmung erfolgen. Gedacht ist an einen stündlichen Mailaustausch
zwischen den Servern und jeweils mehrstündigen Zeitscheiben für sonstige Netzdienste (Filetransfer,
Informationsdienste, Dialog mit entfernten Rechnern). Eine Erweiterung der ISDN-Zugänge im
Rechenzentrum ist geplant, so daß später auch semipermanente ISDN-Verbindungen möglich
werden. Hierbei handelt es sich um Wählverbindungen, bei denen beim Verbindungsaufbau immer ein fest
vereinbarter Partner angewählt wird und bei denen nicht der Zeittakt, sondern eine Pauschale bezahlt
wird.
Erprobungen neuer Produkte im Netzbereich
In den Testbetrieb gehen am Rechenzentrum zur Zeit folgende, im Universitätsmaßstab interessante
Netzprodukte:
- LAN-Fax-Server für Banyan VINES von Alcom
- Mail-Oberfläche Beyond Mail für VINES Intelligent Messaging
- Banyan VINES-ENS auf HP-UX
Über erste Erfahrungen mit diesen Produkten wird in den nächsten RZ-Mitteilungen berichtet.
Günther Kroß
9.1.95 / cs
last Update: 11.1.95, 10:30, cs