Agha-Mir-Salim, Parwis: Funktionsstörungen des Musculus trapezius, des Plexus cervicalis und der Schulter nach Neck dissection

59

Kapitel 4. Ergebnisse

4.1 OEMG/SHK-Messung an Probanden

4.1.1 BMI

Bei den männlichen Probanden waren 16 % fettleibig, 32 % übergewichtig, 49 % normalgewichtig und 4 % untergewichtig. Bei den weiblichen Probanden waren 15 % fettleibig, 27 % übergewichtig, 52 % normalgewichtig und 6 % untergewichtig. (Abb. 27)

Abb. 27: Body- Mass- Index (n=90)

4.1.2 Maximale SHK

Die Schulterhebekraft beider Seiten wurde in Abhängigkeit von der Händigkeit (Dominanz) und vom Geschlecht in Newton (N) angegeben. Ein N entspricht 1 kg m / s2.

Weibliche Probanden

Bei den weiblichen Probanden war der Mittelwert der maximalen SHK bezogen auf das Alter auf der dominanten Seite stets höher als auf der nichtdominanten Seite. Die Gruppe der 18 - 30-jährigen hatte mit 63,43 N den höchsten Wert auf der dominanten Seite und


60

mit 62,04 auf der nicht dominanten Seite. Der niedrigste Mittelwert ergab sich in der Altersgruppe von 71 - 81 Jahren mit 24,11 N auf der dominanten Seite und 21,39 N auf der nicht dominanten Seite. (Abb. 28)

Abb. 28: maximale Schulterhebekraft bei weiblichen Probanden bezogen auf das Alter und die Händigkeit.

Männliche Probanden

Die maximale SHK war im Durchschnitt auf der dominanten höher als auf der kontralateralen Seite. Sie betrug hier auf der dominanten Seite 96,1 N und 87,47 N auf der nicht dominanten Seite. In der Altersgruppe von 31 - 40 Jahren war dieser Wert 106,4


61

N auf der dominanten und 103,49 N auf der nicht dominanten Seite. In der Altersgruppe der 71 - 81-jährigen betrug dieser Wert 86,73 N auf der dominanten und 76,55 N auf der nicht dominanten Seite. (Abb. 29)

Abb. 29: maximale SHK bei männlichen Probanden bezogen auf das Alter und die Händigkeit im Boxplotdiagramm (oben) und als Mittelwerttabelle (unten).

4.1.3 OEMG/SHK-Messung

Es wurden die mit der Rampenmethode nach Rühmann et al. gewonnenen Messergebnisse der dominanten Seite für die Berechnung der OEMG-Merkmale normiert.

RMS


62

Weibliche Probanden

Bei beiden Kanälen stiegen die Werte der RMS kontinuierlich mit der Kontraktion an. Zwischen 50 und 80 % der MWK war nur eine geringe Zunahme zu verzeichnen.

Der Werteanstieg war in beiden Kanälen signifikant. (Abb. 30)

Abb. 30: RMS bei weiblichen Probanden; oben Boxplotdiagramm der normierten Werte beider Kanäle, unten Mediantabelle und p-Werte der Unterschiede (* =signifikant nach Bonferroni-Korrektur, p< 0,0125).


63

Männliche Probanden

Für diese Gruppe zeigte sich ein gleichmäßiger Anstieg der normierten Werte der RMS in beiden Kanälen.

Die Werteanstiege für beide Kanäle sowie die Unterschiede zwischen den Kanälen bei 1 %, 20 % und 50 % der MWK waren signifikant (Abb. 31).

Abb. 31: RMS, männliche Probanden; oben Boxplotdiagramm der normierten Werte beider Kanäle, unten Mediantabelle mit Angabe der p-Werte der Unterschiede (* =signifikant nach Bonferroni-Korrektur, p<0,0125).

64MF

Weibliche Probanden

Die Median Frequency wies einen geringen, aber kontinuierlichen Anstieg auf. Bei 1 % der MWK waren bereits 82,3 % (Kanal 1) und 85,1 % (Kanal 2) des Maximalwerte erreicht.

Der Anstieg war für beide Kanäle signifikant, die Unterschiede bei gleichem Kraftniveau waren nicht signifikant (Abb. 32).

Abb. 32: MF, weibliche Probanden; oben Boxplotdiagramm der normierten Werte beider Kanäle, unten Mediantabelle mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.


65

Männliche Probanden

Auch hier war in beiden Kanälen ein gering ausgeprägter Anstieg zu erkennen, der bei 80 % der MWK knapp über dem Maximalwert lag.

Der Werteanstieg war für beide Kanäle signifikant, die Unterschiede bei gleichem Kraftniveau waren nicht signifikant (Abb. 33).

Abb. 33: MF, männliche Probanden; oben Boxplotdiagramm der normierten Werte beider Kanäle, unten Mediantabelle mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.


66

MPF

Weibliche Probanden

Für beide Kanäle war ein geringer Anstieg der Werte nachzuweisen. Bei 1 % der MWK waren bereits über 86 % des Maximalwerts erreicht.

Der Unterschied der Werte war für beide Kanäle signifikant, der Unterschied bei gleichem Kraftniveau war bei 50 % der MWK signifikant (Abb. 34).

Abb. 34: MPF, weibliche Probanden; oben Boxplotdiagramm der normierten Werte beider Kanäle, unten Mediantabelle mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.


67

Männliche Probanden

Es zeigte sich auch hier ein geringer Anstieg bis zu 80 % der MWK. Die MPF war bei diesem Kraftniveau mit 101,6 % (Kanal1) und 103,0% größer als der Maximalwert.

Der Anstieg war in beiden Kanälen, die Unterschiede zwischen den Kanälen waren nicht signifikant (Abb. 35).

Abb. 35: MPF, männliche Probanden; oben Boxplotdiagramm der normierten Werte beider Kanäle, unten Mediantabelle mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.


68

FV

Weibliche Probanden

Für das Frequenzverhältnis zeigte sich ein gleichmäßiger Anstieg für beide Kanäle. Die normierten Werte in Kanal 1 waren höher als in Kanal 2.

Der Werteanstieg war in beiden Kanälen signifikant, die Unterschiede zwischen Kanal 1 und 2 waren bei 80 % signifikant (Abb. 36).

Abb. 36: FV bei weiblichen Probanden; oben Boxplotdiagramm der normierten Werte beider Kanäle, unten Mediantabelle mit Angabe der p-Werte der Unterschiede (* =signifikant nach Bonferroni -Korrektur p<0,0125).


69

Männliche Probanden

Auch hier stieg das Frequenzverhältnis kontinuierlich mit zunehmender Kontraktion an. Insbesondere zwischen 20 % und 80 % der MWK waren die Werte in Kanal 2 höher.

Der Werteanstieg war für beide Kanäle statistisch signifikant. Keine Signifikanzen zeigten sich für die Werte beider Kanäle bei gleichem Kraftniveau (Abb. 37).

Abb. 37: FV bei männlichen Probanden; oben Boxplotdiagramm der normierten Werte beider Kanäle, unten Mediantabelle mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.


70

NT

Weibliche Probanden

Der Wert der NT wies einen gleichmäßigen Anstieg auf. Die Mediane in Kanal 1 waren höher als in Kanal 2.

Der Werteanstieg war innerhalb beider Kanäle signifikant. Keine Signifikanzen zeigten sich in einem Vergleich der Werte beider Kanäle bei gleichem Kraftniveau (Abb. 38).

Abb. 38: NT bei weiblichen Probanden; oben Boxplotdiagramm der normierten Werte beider Kanäle, unten Mediantabelle mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.


71

Männliche Probanden

Es zeigte sich ein kontinuierlicher Anstieg. Wie bei den weiblichen Probanden waren auch hier höhere Werte in Kanal 1 nachweisbar.

Der Werteanstieg war in beiden Kanälen signifikant. Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich bei den Werten beider Kanäle bei gleichem Kraftniveau (Abb. 39).

Abb. 39: NT bei männlichen Probanden; oben Boxplotdiagramm der normierten Werte beider Kanäle, unten Mediantabelle mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.


72

MAT

Weibliche Probanden

Es zeigte sich ein nahezu linearer Anstieg der Mediane in beiden Kanälen. Die Werte beider Kanäle bei gleichem Kraftniveau wiesen nur bei 50 % der MWK Unterschiede auf.

Der Werteanstieg war in beiden Kanälen signifikant. Keine Signifikanzen zeigten sich für die Werte beider Kanäle bei gleichem Kraftniveau (Abb. 40).

Abb. 40: MAT bei weiblichen Probanden; oben Boxplotdiagramm der normierten Werte beider Kanäle, unten Mediantabelle mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.


73

Männliche Probanden

Es zeigte sich ein gleichmäßiger Anstieg der Werte bis zur MWK und nahezu keine Unterschiede der MAT bei gleichem Kraftniveau.

Der Werteanstieg war in beiden Kanälen signifikant. Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich beim Vergleich der Werte gleichen Kraftniveaus (Abb. 41)

Abb. 41: MAT bei männlichen Probanden; oben Boxplotdiagramm der normierten Werte beider Kanäle, unten Mediantabelle mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.


74

MST

Weibliche Probanden

Der MST stieg kontinuierlich auf beiden Kanälen mit zunehmender Kontraktion an. Bei 50 % und 80 % der MWK zeigten waren die normierten Werte in Kanal 2 höher.

Der Werteanstieg war in beiden Kanälen signifikant. Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich beim Vergleich der Werte beider Kanäle bei gleichem Kraftniveau (Abb. 42).

Abb. 42: MST bei weiblichen Probanden; oben Boxplotdiagramm der normierten Werte beider Kanäle, unten Mediantabelle mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.


75

Männliche Probanden

Hier kam es zu einem Werteanstieg bei beiden Kanälen. Unterschiede bei gleichem Kraftniveau zwischen den Kanälen bestanden nicht.

Der Werteanstieg war in beiden Kanälen signifikant. Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich für die Werte beider Kanäle bei gleichem Kraftniveau (Abb. 43).

Abb. 43: MST bei männlichen Probanden; oben Boxplotdiagramm der Werteanstiege beider Kanäle, unten Mediantabelle und Angabe der p-Werte der Unterschiede.


76

4.2 Retrospektive Erfassung von Schulterfunktionsstörung nach ND mittels OEMG/SHK- Messung und des CMS

4.2.1 BMI

Zur Darstellung der Körperproportionen der untersuchten Patienten wurde der BMI berechnet und graphisch als Säulendiagramm dargestellt.

Von den 55 männlichen Patienten hatten 18% der Männer Untergewicht, 36% Normalgewicht, 35% Übergewicht, 11% waren fettleibig.

Bei den weiblichen Patienten waren 6% untergewichtig, je 44% normal- und übergewichtig und 6% fettleibig ( Abb. 44).

Abb. 44: BMI der untersuchten Patienten von Studie 2

4.2.2 Simultane OEMG/SHK- Messung

Zur Beurteilung des oberen Anteils des M. trapezius wurden die Signale von Kanal 1 ausgewertet. Aus den Messdaten der rampenförmigen Kontraktion nach Rühmann wurden analog zu Studie 1 die OEMG- Merkmale berechnet und normiert. Die Darstellung der Werte erfolgte mittels gruppierter Boxplotdiagramme. Jeder Boxplot entsprach einem Niveau der MWK, die Kontraktion nahm innerhalb einer Gruppe von links nach rechts zu. In einem ersten Schritt erfolgte die Darstellung der Werte in Abhängigkeit vom Operationsumfang.


77

Die Tabelle zeigt den Vergleich zweier Gruppen bei gleichem Kontraktionsniveau. Die p-Werte der Unterschiede wurden wiederum nach Bonferroni korrigiert angegeben. Die Analyse aller Messergebnisse erfolgte nach dem Multivariate Verfahren.

Die Auswertung bezüglich der Trapeziusfunktion erfolgte in analoger Weise. In Boxplotdiagrammen wurden die beiden Gruppen gegenübergestellt und die Mediane tabellarisch aufgeführt. Die p-Werte bezogen sich auf die Unterschiede zwischen den Gruppen, bezogen auf das Kontraktionsniveau der MWK, und wurden mit Hilfe des Multivariate Tests und der einfaktoriellen ANOVA berechnet.

RMS

Es kam in allen Gruppen zu einem signifikanten Anstieg der normierten Werte. Zwischen den Gruppen zeigten sich bei der Paarung RND - MRND Typ1 bei 50% der MWK und bei RND - MRND Typ3 bei 20%, 50% und 80% der MWK signifikante Unterschiede. Die Multivariate-Analyse ergab keine signifikanten Unterschiede bei Berücksichtigung aller Werte (p = 0,658) (Abb. 45). Bezogen auf eine Trapeziusparese waren signifikante Unterschiede ausschließlich bei 1% der MWK erkennbar (Abb. 46).


78

Abb. 45: RMS nach ND; oben Werte in Abhängigkeit von der Kontraktion; unten Mann-Whitney Test zum Paarvergleich der Medianwerte in den Gruppen bezogen auf das Kraftniveau.


79

Abb. 46: RMS bei Trapeziusparese; Darstellung der Daten mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.


80

MF

Der Wert der MF zeigte in allen Gruppen signifikante Anstiege, die Unterschiede zwischen allen Gruppen und die Paarvergleiche waren nicht signifikant. Insgesamt konnten bereits bei 1% der MWK hohe Werte beobachtet werden. In allen Gruppen überstiegen die normierten Werte 100% bei 50% oder 80% der MWK (Abb. 47).

Bezogen auf eine Trapeziusparese ergaben sich signifikante Unterschiede der Werte bei 80% der MWK (Abb. 48).

Abb. 47: MF nach ND; oben Werte in Abhängigkeit von der Kontraktion; unten Mann-Whitney Test zum Paarvergleich der Medianwerte in den Gruppen bezogen auf das Kraftniveau.


81

Abb. 48: MF in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese; Darstellung der Daten mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.

MPF

Der Wert der MPF ergab innerhalb der MRND Gruppen signifikante Werteanstiege, bei Patienten nach RND zeigte sich kein signifikanter Anstieg. Im Paarvergleich waren ebenfalls keine signifikanten Unterschiede feststellbar. Auffällig waren wie bei der MF hohe normierte Werte in den MRND Gruppen bereits bei 1% der MWK. Die Multivariate-Analyse zeigte keine signifikanten Unterschiede unter Einbeziehung aller Werte (p=0,922) (Abb. 49).

Bezogen auf eine Trapeziusparese ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Auch hier ergaben sich bereits bei niedrigem Kontraktionsniveau hohe Werte (Abb. 50).


82

Abb. 49: MPF nach ND ; oben Werte in Abhängigkeit von der Kontraktion; unten Mann-Whitney Test zum Paarvergleich der Medianwerte in den Gruppen bezogen auf das Kraftniveau.


83

Abb. 50: MPF in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese; Daten mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.

FV

Die Werte wiesen innerhalb der Gruppen einen signifikanten Anstieg auf, zwischen den Gruppen zeigte sich bezogen auf die Kontraktionsniveaus keine Unterschiede. Die Multivariate-Analyse unter Einschluss aller Werte war nicht signifikant (p=0,953). Beim Paarvergleich der Werte konnten wir signifikante Unterschiede zwischen der RND und MRND Typ1 Gruppe nachweisen. Insgesamt waren die normierten Werte deutlich niedriger als bei der MF und MPF (Abb. 51).

Bezogen auf eine Trapeziusparese fanden wir bei 1%, 20% und 50% der MWK höhere Werte bei Patienten mit Trapeziusparese. Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren bei 1%, 20% und 50% der MWK signifikant. Die Multivariate-Analyse ergab ein grenzwertig signifikantes Ergebnis ( p=0,053) (Abb. 52).


84

Abb. 51: FV nach ND; oben Werte in Abhängigkeit von der Kontraktion; unten Mann-Whitney Test zum Paarvergleich der Medianwerte in den Gruppen bezogen auf das Kraftniveau.


85

Abb. 52: FV in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese; Darstellung der Daten mit Angabe der p-Werte der Unterschiede (*=signikant nach Bonferroni-Korrektur; p<0,0125).


86

NT

Der Wert der NT wies keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen und im Paarvergleich auf. Der Werteanstieg innerhalb der Gruppen war signifikant. Bei 1% der MWK waren die normierten Messwerte in der RND Gruppe deutlich, jedoch nicht signifikant niedriger (Abb. 53).

Bezüglich einer Trapeziusparese konnten wir keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen feststellen. Die Multivariate-Analyse wies keine signifikanten Unterschiede auf (p=0,600)(Abb. 54).

Abb. 53: NT nach ND; oben Werte in Abhängigkeit von der Kontraktion; unten Mann-Whitney Test zum Paarvergleich der Medianwerte in den Gruppen bezogen auf das Kraftniveau.


87

Abb. 54: NT in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese; Darstellung der Daten mit Angabe der p-Werte der Unterschiede .

MAT

Die mittlere Amplitude / Turn zeigte innerhalb der Gruppen einen signifikanter Werteanstieg. Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren nur beim Vergleich von RND-MRND Typ3 bei 50% der MWK signifikant und war bei 20% der Kontraktion grenzwertig (p=0,06). Die Multivariate-Analyse zeigte keine signifikanten Unterschiede unter Berücksichtigung aller Messwerte (Abb. 55).

Bezogen auf eine Trapeziusparese fanden wir signifikant höhere Werte bei 1%, 20% und 50% der MWK. Die MAT wies deutlich geringere normierte Werte bei erhaltener Trapeziusfunktion auf. Die Multivariate-Analyse ergab keine signifikanten Unterschiede unter Einbeziehung aller Werte (p=0,115) (Abb. 56).


88

Abb. 55: MAT nach ND; oben Anstieg der Werte in Abhängigkeit von der Kontraktion; unten Mann-Whitney Test zum Paarvergleich der Medianwerte in den Gruppen bezogen auf das Kraftniveau.


89

Abb. 56: MAT in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese; Darstellung der Daten mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.

MST

Der mittlere Anstieg / Turn zeigte signifikante Anstiege der Werte innerhalb aller Gruppen auf. Bei Vergleich aller Gruppen waren die Unterschiede bei 1% der MWK signifikant. Beim Paarvergleich wird deutlich, dass die Unterschiede zwischen RND und MRND Typ1 und 3 Gruppe hierzu führen (Abb. 57).


90

Bezogen auf den M. trapezius waren die Messwerte höher in der Paresegruppe. Bei Vergleich der Gruppen waren die Unterschiede bei 1%, 20% und 50% signifikant (Abb. 58).

Abb. 57: MST nach ND; oben Anstieg der Werte in Abhängigkeit von der Kontraktion; unten Mann-Whitney Test zum Paarvergleich der Medianwerte in den Gruppen bezogen auf das Kraftniveau (* = signifikant nach Bonferroni-Korrektur; p<0,0125).


91

Abb. 58: MST in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese; Darstellung der Daten mit Angabe der p-Werte der Unterschiede.

4.2.3 CMS

Zur Beurteilung der Ergebnisse des CMS ist es erforderlich, den Gesamtscore auf den Operationsumfang und eine vorhandene Trapeziusparese zu beziehen. Zur Differenzierung, welcher Teil des Scores zu einer Veränderung der Gesamtpunktzahl geführt hat, ist es erforderlich, die Teile des Tests einzeln vergleichend zu betrachten. Hierzu gehören Schmerzen, Einschränkungen der Aktivitäten im täglichen Leben, der Bewegungsumfang der Schulter und eine Schulterhebekraftmessung.

Die erreichten Punktzahlen stellten wir für jeden Teil und den Gesamtscore als Boxplotdiagramm dar. Die Unterschiede der Mediane zwischen den Gruppen wurden als Signifikanztabelle aufgeführt.

Score in Abhängigkeit vom Operationsumfang

In keiner der Gruppen wurde die maximal mögliche Punktzahl erreicht.


92

Schmerzen

Patienten nach RND hatten niedrigere Punktzahlen, d. h. stärkere Schmerzen als nach MRND Typ1 und 3. Signifikante Unterschiede ließen sich nicht finden, der p-Wert bei Vergleich der RND und MRND Typ3 Gruppe betrug 0,059 (Abb. 59).

Abb. 59: Schmerzbewertung im CMS; oben Darstellung der Werte im Boxplotdiagramm; unten p-Werte bei einem Paarvergleich zwischen den Gruppen.


93

Alltagsaktivitäten

Einschränkungen der Aktivitäten im täglichen Leben waren bei Patienten nach RND stärker ausgeprägt als nach MRND Typ1 und 3. Die Unterschiede waren bei Vergleich der RND und MRND Typ3 Gruppe signifikant (Abb. 60)

Abb. 60: Bewertung der Einschränkung der Alltagsaktivitäten im CMS; oben Darstellung der Werte im Boxplotdiagramm; unten p-Werte bei einem Paarvergleich zwischen den Gruppen.


94

Bewegungseinschränkung

Eine Bewegungseinschränkung der Schulter war signifikant stärker ausgeprägt bei Patienten nach RND als nach MRND Typ1 und 3. Bei Vergleich der beiden MRND Gruppen bestanden keine signifikanten Unterschiede (Abb. 61).

Abb. 61: Bewertung des Bewegungsumfanges im CMS; oben Darstellung als Boxplotdiagramm; unten p-Werte bei einem Paarvergleich zwischen den Gruppen (*=signifikant nach Bonferroni-Korrektur; p<0,0167).


95

Schulterhebekraft

In der RND Gruppe wurden die geringsten Werte der Schulterhebekraft gemessen, welche sich in der kleinsten Punktzahl ausdrückten. Die MRND Typ3 Gruppe hatte die höchste Punktzahl erreicht. Die Unterschiede waren zwischen keiner Gruppe signifikant (Abb. 62).

Abb. 62: Bewertung der SHK im CMS; oben Darstellung als Boxplotdiagramm; unten p-Werte bei einem Paarvergleich zwischen den Gruppen.


96

Gesamtscore in Abhängigkeit vom Operationsumfang

Abb. 63: CMS ; Mittelwerttabelle und Angabe der p-Werte.


97

Score in Abhängigkeit von der Trapeziusfunktion

Die Darstellung der Teile des CMS in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese erfolgte in einem gemeinsamen Diagramm (Abb. 64, Tab. 6). Die SHK war in der Paresegruppe signifikant geringer.

Abb. 64: Darstellung der Punktzahl der einzelnen Teile des CMS in Abhängigkeit von der Trapeziusfunktion.


98

Tab. 6:: CMS in Abhängigkeit von der Trapeziusfunktion; Mediantabelle mit Angabe der p-Werte (*=signifikant nach Bonferroni-Korrektur;p<0,0125).

 

Schmerzen

Alltag

Bewegungs-umfang

Schulter-

hebekraft

Gesamtscore

Trapeziusparese

5

16

28

6

60

Keine Trapeziusparese

10

18

37

11

74

P =

Mann Whitney Test

0,184

0,464

0,103

0,003*

0,033


99

4.3 Prospektive Untersuchungen der Schulterfunktion bei Trapeziusparese mittels OEMG/SHK-Messung und des CMS

4.3.1 BMI

Von den weiblichen Patienten waren 50 % normal- und 50 % übergewichtig. Bei den männlichen Patienten zeigten 50 % Normalgewicht. Übergewicht hatten 37 %, fettleibig waren 11 % der Patienten (Abb. 65).

Abb. 65: BMI der Patienten aus Studie 3 ( n = 30).

4.3.2 OEMG/SHK- Messung

Die Daten hierfür wurden wie in Studie 2 anhand der Rampenmethode nach Rühmann et al. gemessen. Die statistische Untersuchung beinhaltete den Wertevergleich der Patienten in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese. Die p-Werte der Unterschiede zwischen den Mittelwerten wurde für jedes Kraftniveau zu den einzelnen Untersuchungszeitpunkten tabellarisch angegeben. Die Analyse aller Messwerte erfolgte wiederum nach dem Multivariate Verfahren. Die Darstellung der OEMG/SHK- Werte erfolgte für die MAT nach der Normierung zu jedem Untersuchungstermin als Boxplotdiagramm.


100

RMS

Die Werte der RMS stiegen bei jedem Untersuchungstermin in beiden Gruppen gleichermaßen an. Die p-Werttabelle bestätigt dieses Ergebnis bei allen Kontraktionsniveaus und an allen Terminen. Die Multivariate Analyse ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen (Tab. 7).

Tab. 7: RMS normiert in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese ; p-Werttabelle der Unterschiede zwischen den Gruppen (Mann-Whitney- Test und Multivariate Analyse).

MWK [%]

1

20

50

80

p =

Multivariate Analyse

Präoperativ

0,867

0,237

0,981

0,301

0,070

Postoperativ 1

0,431

0,464

0,808

0,570

0,951

Postoperativ 2

0,685

0,685

0,725

0,570

0,929

Postoperativ 3

0,457

0,053

0,429

0,487

0,211

MF

Tab. 8: MF normiert in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese; p-Werttabelle der Unterschiede zwischen den Gruppen (Mann-Whitney-Test und Multivariate-Analyse).

MWK [%]

1

20

50

80

P =

Multivariate Analyse

Präoperativ

0,457

0,487

0,518

0,793

0,376

Postoperativ 1

0,081

0,104

0,009*

0,005*

0,661

Postoperativ 2

0,162

0,198

0,219

0,341

0,938

Postoperativ 3

0,,905

0,549

0,615

0,218

0,689


101

MPF

Hier ergab sich ein annähernd gleiches Ergebnis wie bei der MF. Bei insgesamt bereits hohen Werten bei 1 % der MWK kamen nur geringe Werteanstiege mit zunehmender Kontraktion zur Darstellung. Unterschiede im Verlauf der Anstiege konnten zwischen den Untersuchungsterminen nicht erkannt werden. Signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen fanden sich 14 Tage postoperativ bei 50 % und 80 % der MWK. Die Multivariate Analyse ergab keine signifikanten Gesamtunterschiede zwischen den Gruppen. Die MPF erreichte präoperativ und 6 Monate postoperativ bei 80 % der MWK über 100 % des Maximalwertes (Tab. 9).

Tab. 9: MPF normiert in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese ; p-Werttabelle der Unterschiede zwischen den Gruppen ( Mann- Whitney- Test und Multivariate-Analyse; *=signifikant nach Bonferroni-Korrektur;p<0,0125).

MWK [%]

1

20

50

80

P =

Multivariate Analyse

Präoperativ

0,224

0,170

0,071

0,380

0,096

Postoperativ 1

0,282

0,064

0,019

0,005*

0,656

Postoperativ 2

0,396

0,432

0,383

0,374

0,787

Postoperativ 3

0,822

0,262

0,149

0,186

0,445


102

FV

Zu jedem Untersuchungstermin zeigten die Werte in beiden Gruppen einen gleichmäßigen Anstieg mit zunehmender Kontraktion. Auffällig waren die teilweise großen Streubreiten der Werte, vor allem 14 Tage postoperativ bei 80 % der MWK. Signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen waren weder im Mann-Whitney Test noch mit der Multivariate Analyse festzustellen (Tab. 10).

Tab. 10: MPF normiert in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese; p-Werttabelle der Unterschiede zwischen den Gruppen ( Mann- Whitney-Test und Multivariate Analyse).

MWK [%]

1

20

50

80

P =

Multivariate Analyse

Präoperativ

0,597

0,774

0,265

0,645

0,389

Postoperativ 1

0,533

0,725

0,999

0,978

0,549

Postoperativ 2

0,570

0,607

0,935

0,893

0,888

Postoperativ 3

0,756

0,607

0,935

0,893

0,348

NT

Die Werte der NT wiesen deutliche Anstiege in beiden Gruppen und an allen Untersuchungsterminen auf. Auffällig waren die niedrigen Werte bei 1 % und 20 % der MWK. Die NT erreichte nur 6 Monate postoperativ bei 80 % der MWK über 100 % des Maximalwerte. Statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen konnten weder im Mann-Whitney Test noch in der Multivariate Analyse festgestellt werden. (Tab. 11

Tab. 11: .NT normiert in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese; p-Werttabelle der Unterschiede zwischen den Gruppen (Mann-Whitney-Test und Multivariate Analyse).

MWK [%]

1

20

50

80

P =

Multivariate Analyse

Präoperativ

0,418

0,411

0,397

0,604

0,914

Postoperativ 1

0,308

0,272

0,437

0,408

0,103

Postoperativ 2

0,839

0,508

0,666

0,940

0,719

Postoperativ 3

0,306

0,673

0,406

0,372

0,852


103

MAT

Die Werte der MAT zeigten präoperativ in beiden Gruppen einen kontinuierlichen Anstieg. Bei 1 % der MWK lagen die Werte deutlich höher als bei den übrigen Merkmalen der Turnanalyse. Postoperativ kam es zu signifikanten Unterschieden der Werte zwischen den Gruppen an allen Untersuchungsterminen. Die Patienten mit Trapeziusparese wiesen einen deutlich geringeren Anstieg auf. Dies äußerte sich in bereits hohen, normierten Werten bei niedrigen Kontraktionsniveaus (Abb. 66-69).

Abb. 66: MAT normiert in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese; Vergleich der Werte präoperativ.


104

Abb. 67: MAT normiert in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese; Vergleich der Werte 14 Tage postoperativ.

Abb. 68: MAT normiert in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese; Vergleich der Werte 3 Monate postoperativ.


105

Abb. 69: MAT normiert in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese ; Vergleich der Werte 6 Monate postoperativ.

Tab. 12: MAT normiert in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese ; p-Werttabelle der Unterschiede zwischen den Gruppen (Mann-Whitney-Test und Multivariate Analyse; *=signifikant nach Bonferroni-Korrektur;p<0,0125).

MWK [%]

1

20

50

80

P =

Multivariate Analyse

Präoperativ

0,556

0,625

0,676

0,628

0,970

Postoperativ 1

0,249

0,024

0,018

0,036

0,186

Postoperativ 2

0,012*

0,098

0,075

0,327

0,050

Postoperativ 3

0,004*

0,010*

0,011*

0,045

0,374


106

MST

Die Werte zeigten an allen Untersuchungsterminen einen gleichmäßigen Anstieg mit zunehmender Kontraktion. Signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen waren weder im Mann-Whitney- noch in der Multivariate Analyse feststellbar (Tab. 13).

Tab. 13: MST normiert in Abhängigkeit von einer Trapeziusparese; p-Werttabelle der Unterschiede zwischen den Gruppen (Mann-Whitney-Test und Multivariate Analyse).

MWK [%]

1

20

50

80

P =

Multivariate Analyse

Präoperativ

0,934

0,989

0,684

0,553

0,828

Postoperativ 1

0,455

0,840

0,774

0,124

0,203

Postoperativ 2

0,884

0,882

0,744

0,502

0,925

Postoperativ 3

0,490

0,995

0,311

0,217

0,781

4.3.3 CMS

Der CMS wurde an jedem Untersuchungstermin erhoben. Die Auswertung erfolgte einzeln für jeden Fragenkomplex und für den Gesamtscore. Die Unterschiede wurden als p-Werttabelle aufgeführt. In den abgebildeten gruppierten Boxplotdiagrammen sind die in jedem Teil des Scores erreichte Punktezahl an jedem Untersuchungstermin dargestellt. Unterschieden wurden wie in Studie 2 Schmerzen, Alltagsaktivitäten, Bewegungsumfang und SHK. Gegenübergestellt wurden die Patientengruppen mit und ohne Trapeziusparese.

Schmerzen

Die maximale Punktzahl der Schmerzen von 15 entsprach Schmerzfreiheit. Unsere Ergebnisse zeigten ein deutliches Abfallen der Punktzahl in der Paresegruppe direkt postoperativ und nach 3 Monaten. Die Patienten mit erhaltener Trapeziusfunktion gaben nur in vereinzelten Fällen schwache oder mäßige Schmerzen postoperativ an. Die Unterschiede waren im t-Test nicht signifikant (Abb. 70).


107

Abb. 70: CMS; Vergleich der ermittelten Punktzahl bezüglich Schmerzen in der Schulterregion.

Alltagsaktivitäten

Die erreichte Punktzahl bezüglich Einschränkungen der Alltagsaktivitäten fiel in der Paresegruppe 14 Tage postoperativ deutlich ab und stieg im Beobachtungszeitraum nicht wieder an. Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren 3 und 6 Monate postoperativ signifikant (Abb. 71 und Tab. 14).


108

Abb. 71: CMS; Vergleich der ermittelten Punktzahl bezüglich der Einschränkung bei Alltagsaktivitäten.

Tab. 14: P-Werte bei Vergleich der Punktzahl beider Gruppen (* = signifikant nach Bonferroni-Korrektur;p<0,0125).

 

präop

postop1

postop2

Postop3

Alltagsaktivitäten

0,347

0,067

0,005*

0,037


109

Bewegungsumfang

Auch die Punktzahl zur Erfassung des Bewegungsumfanges der Schulter zeigte postoperativ einen signifikanten Abfall in der Gruppe mit Trapeziusparese. Diese geringere Punktzahl zeigte nach 6 Monaten keinen Anstieg (Abb. 72und Tab. 15.

Abb. 72: CMS; Vergleich der ermittelten Punktzahl bezüglich des Bewegungsumfangs der Schulter.

Tab. 15: P-Werte bei Vergleich der Punktzahl beider Gruppen (t-Test; * = signifikant nach Bonferroni-Korrektur;p<0,0125.

 

präop

postop1

postop2

Postop3

Bewegungsumfang

0,414

0,001*

0,0001*

0,0001*


110

Schulterhebekraft

Die SHK wies in beiden Gruppen einen deutlichen Abfall der Punktzahl auf, welche sich nach 6 Monaten teilweise wieder erhöhte. Signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen ergaben sich nicht (Abb. 73und Tab. 16.

Abb. 73: Abb. 74: CMS; Vergleich der ermittelten Punktzahl bezüglich SHK in der Schulterregion.

Tab. 16: P-Werte bei Vergleich der Punktzahl beider Gruppen (t-Test).

 

präop

postop1

postop2

postop3

Schulterhebekraft

0,461

0,508

0,505

0,961


111

Gesamtscore

Der Gesamtscore wies 14 Tage postoperativ einen signifikanten Abfall der erreichten Punktzahl in der Paresegruppe auf. 3 und 6 Monate postoperativ stiegen die Gesamtpunktzahlen wieder an. Die Unterschiede zwischen beiden Gruppen waren an allen Untersuchungsterminen signifikant (Abb. 74und Tab. 17.

Abb. 74: CMS; Vergleich der Gesamtpunktzahl.

Tab. 17: CMS; Mittelwerte und Angabe der p-Werte (* = signifikant nach Bonferroni-Korrektur,p<0,0125).

 

Parese

keine Parese

p-Wert

T Test

präoperativ

89,0

87,0

0,355

postoperativ 1

71,0

83,0

0,027

postoperativ 2

73,0

83,0

0,019

postoperativ 3

78,0

83,0

0,010*


112

4.4 Wertigkeit des Plexus cervicalis für die Entstehung schmerzhafter Schulterbeschwerden

Im ersten Teil wurden die Ergebnisse der Sensibilitätsprüfung der cervikalen Haut als Balkendiagramm für jede Qualität dargestellt. Die Häufigkeiten des Sensibilitätsverlustes in den Gruppen wurden mit dem ?2 -Test statistisch geprüft und die p-Werte tabellarisch für jeden Untersuchungszeitpunkt aufgeführt.

4.4.1 Oberflächensensibilität der Halshaut

Präoperativ waren in keinem Areal und für keine Qualität Sensibilitätsverluste festzustellen.

N. occipitalis minor (C2)

Nach Resektion des Plexus cervicalis zeigte sich in diesem Versorgungsgebiet eine zunehmende Sensibilitätsstörung für alle Qualitäten. Dieser Sensibilitätsverlust steigerte sich für „stumpf“, „warm“ und „kalt“ bis zum 2. postoperativen Untersuchungstermin. In der folgenden Beobachtungszeit blieb der Sensibilitätsverlust nahezu unverändert bestehen. Nach 6 Monaten war dies bei 62,5 % - 75 % der Patienten nachweisbar.

Nach Erhaltung des Plexus cervicalis hatten deutlich weniger Patienten derartige Symptome. Bei vereinzelten Fällen war in dieser Gruppe eine Sensibilitätsstörung nachweisbar. Am letzten Untersuchungstermin hatten alle Patienten eine ungestörte Hautsensibilität (Abb. 75-78, Tab. 18).


113

Abb. 75: N. occipitalis minor; Sensibilität für die Qualität "warm".

Abb. 76: N. occipitalis minor; Sensibilität für die Qualität „kalt“.


114

Abb. 77: N. occipitalis minor; Sensibilität für die Qualität "spitz".

Abb. 78: N. occipitalis minor; Sensibilität für die Qualität „stumpf“.


115

Tab. 18: N. occipitalis minor; p-Werttabelle für alle Qualitäten zu den Untersuchungsterminen (?2 -Test; * = signifikant nach Bonferroni-Korrektur; p<0,0125).

Untersuchungstermin

Postoperativ [Monate]

warm

kalt

spitz

stumpf

0,5

0,094

0,004*

0,005*

0,037

1

0,003*

0,002*

0,041

0,018

3

0,003*

0,0001*

0,003*

0,011*

6

0,0001*

0,0001*

0,0001*

0,0001*

N. auricularis magnus (C2)

Nach Resektion des Plexus cervicalis waren Sensibilitätsstörungen aller Qualitäten 14 Tage postoperativ und auch im weiteren Verlauf deutlich häufiger als im Gebiet des N. occipitalis minor. Auch hier kam es zu einer weiteren Verstärkung des Sensibilitätsverlustes für alle Qualitäten, außer „spitz“. Nach 6 Monaten hatten 68,8 % - 93,8 % („stumpf“) derartige Symptome.

Im Vergleich zum Areal des N. occipitalis minor hatten bei Erhaltung des Plexus cervicalis mehr Patienten Sensibilitätsstörungen. 14 Tage postoperativ war der Sensibilitätsverlust nahezu gleichermaßen ausgeprägt wie nach Plexusresektion und zeigte im weiteren Verlauf eine Erholungstendenz. Nach 6 Monaten hatten 33,3 % - 50 % („stumpf“) der Patienten noch Sensibilitätsstörungen aller Qualitäten (Abb. 79-82, Tab. 19).


116

Abb. 79: N. occipitalis minor; Sensibilität für die Qualität "spitz".

Abb. 80: N auricularis magnus (C2) Sensibilität für die Qualität „kalt“.


117

Abb. 81: N auricularis magnus (C2); Sensibilität für die Qualität „spitz“.

Abb. 82: N auricularis magnus (C2); Sensibilität für die Qualität „stumpf“.


118

Tab. 19: N auricularis magnus (C2); p-Werttabelle für alle Qualitäten zu den Untersuchungsterminen 2 -Test; * = signifikant nach Bonferroni-Korrektur; p<0,0125).

Untersuchungstermin

Postoperativ [Monate]

warm

kalt

spitz

stumpf

0,5

0,349

0,740

0,638

1,000

1

0,272

0,210

0,195

0,136

3

0,002*

0,001*

0,297

0,032

6

0,027

0,051

0,010*

0,005*

Nervus transversus colli (C3)

Nach Resektion des Plexus cervicalis waren Sensibilitätsstörungen nahezu gleich häufig wie im Gebiet des N. occipitalis minor. Nach 6 Monaten waren „warm“, „kalt“ und „stumpf“ mit 63,5 % am häufigsten betroffen.

Bei Plexuserhaltung waren diese Störungen deutlich seltener. Am Ende des Beobachtungszeitraums hatten nur vereinzelte Patienten in dieser Gruppe Sensibilitätsstörungen für „warm“, „kalt“ und „spitz“ (Abb. 83-86, Tab. 20).


119

Abb. 83: N. transversus colli (C3), Sensibilität für die Qualität "warm".

Abb. 84: N. transversus colli (C3), Sensibilität für die Qualität „kalt“.


120

Abb. 85: N. transversus colli (C3),Sensibilität für die Qualität "spitz".

Abb. 86: N. transversus colli (C3),Sensibilität für die Qualität „stumpf“.


121

Tab. 20: N. transversus colli (C3), p-Werttabelle für alle Qualitäten zu den Untersuchungsterminen2 -Test; * = signifikant nach Bonferroni-Korrektur; p<0,0125).

Untersuchungstermin

Postoperativ [Monate]

warm

kalt

spitz

stumpf

0,5

0,166

0,080

0,0001*

0,0001*

1

0,014

0,006*

0,0001*

0,005*

3

0,004*

0,018

0,007*

0,001*

6

0,005*

0,042

0,0001*

0,0001*

Nn. supraclaviculares (C4)

Nach Resektion des Plexus cervicalis hatte mehr als die Hälfte der Patienten eine Sensibilitätsstörung für alle Qualitäten. Der Sensibilitätsverlust nahm bis zum letzten Untersuchungstermin für „spitz“ und „stumpf“ weiter zu. Am häufigsten wurden Störungen für „stumpf“ (87 %) und „warm“ (81,3 %) angegeben.

Bei Erhaltung des Plexus cervicalis waren Sensibilitätsstörungen 14 Tage postoperativ deutlich seltener. Maximal 20,8 % („warm“) der Patienten gaben nach 6 Monaten einen Sensibilitätsverlust an (Abb. 88-91, Tab. 21).


122

Abb. 87: Nn. supraclaviculares ( C4), Sensibilität für die Qualität "warm".

Abb. 88: : Nn. supraclaviculares ( C4), Sensibilität für die Qualität „kalt“.


123

Abb. 89: Nn. supraclaviculares ( C4), Sensibilität für die Qualität "spitz".

Abb. 90: Nn. supraclaviculares ( C4), Sensibilität für die Qualität „stumpf“.


124

Tab. 21: Nn. supraclaviculares ( C4), p-Werttabelle für alle Qualitäten zu den Untersuchungsterminen (?2 -Test; * = signifikant nach Bonferroni-Korrektur;p<0,0125).

Untersuchungstermin

postoperativ [Monate]

warm

kalt

spitz

stumpf

0,5

0,333

0,105

0,520

0,105

1

0,051

0,009*

0,053

0,022

3

0,003*

0,0001*

0,110

0,0001*

6

0,0001*

0,0001*

0,0001*

0,0001*


125

4.4.2 Schmerzen in Abhängigkeit von der Erhaltung des Plexus cervicalis

Es wurden hierbei die Patientengruppen nach Resektion (n=16) und bei Erhaltung (n=24) des Plexus cervicalis verglichen.

Ruheschmerzen

Nach reseziertem Plexus cervicalis traten Ruheschmerzen postoperativ bei 12,5% und nach 6 Monaten bei 31,3% der Patienten auf. Präoperativ hatten in dieser Gruppe 6,3% der Fälle Schmerzsymptome. Die Patienten mit erhaltenem Plexus cervicalis hatten in 8,3% präoperativ, 16,7% postoperativ und nach 6 Monaten Ruheschmerzen (Abb. 91).

Abb. 91: Häufigkeit von Ruheschmerzen bei Erhaltung und nach Resektion des Plexus cervicalis.


126

Bewegungsabhängige Schmerzen

Nach Resektion des Plexus cervicalis wurden diese Symptome präoperativ von 6,3%, 14 Tage postoperativ in 18,8% und nach 6 Monaten in 50% angegeben. In der Gruppe mit erhaltenem Plexus cervicalis trat dies in 8,3% präoperativ und 25% 14 Tage postoperativ und 29,2%nach 6 Monaten auf (Abb. 92).

Abb. 92: Bewegungsabhängige Schmerzen bei Erhaltung und nach Resektion des Plexus cervicalis.


127

4.4.3 Schmerzen in Abhängigkeit vom Operationsumfang

Ruheschmerzen

Bezogen auf den Operationsumfang waren postoperativ nach radikaler und MRND Typ 1 bei 12,5 % und nach MRND Typ 3 in 16,7 % der Patienten Ruheschmerzen zu verzeichnen. Nach 6 Monaten hatten 50 % der radikal operierten gegenüber 12,5 % der Typ 1 und 16,7 % der Typ 3 operierten Patienten diese Beschwerden (Abb. 93).

Abb. 93: Ruheschmerzen in Abhängigkeit vom Operationsumfang.

Bewegungsabhängige Schmerzen

Bewegungsabhängige Schmerzen traten direkt postoperativ nach radikaler und MRND Typ 1 in 25 % und nach MRND Typ 3 in 12,5 % der Fälle auf. Nach 6 Monaten hatten 62,5 % der radikal operierten und 37,5 % der MRND Typ 1 und 3 operierten Patienten Bewegungsschmerzen in der Schulterregion. Die Ergebnisse waren für den letzten Untersuchungstermin bezüglich Schulterschmerzen in Ruhe und bezogen auf den Operationsumfang zwischen radikal und MRND Typ 1 und 3 operierten Patienten mit p < 0,05 signifikant (Abb. 94).


128

Abb. 94: Bewegungsabhängige Schmerzen bezogen auf den Operationsumfang.

4.4.4 Schmerzen in Abhängigkeit von der Trapeziusfunktion

Zur Überprüfung des Zusammenhanges zwischen der Trapeziusfunktion und Schulterschmerzen wurden die Patienten in Abhängigkeit von einer postoperativ auftretenden Trapeziusparese in 2 Gruppen eingeteilt und verglichen. Bezogen auf diese Gruppen wurden auch bereits präoperativ bestehende Schmerzsymptome angegeben.

Ruheschmerzen

Präoperativ bestanden nur bei vereinzelten Patienten Beschwerden in Ruhe. Im weiteren Verlauf waren Ruheschmerzen selten, erst 6 Monate postoperativ traten diese Symptome bei 41,2 % der Patienten mit Trapeziusparese (p < 0,03 ; ÷2 -Test) auf (Abb. 95).


129

Abb. 95: Ruheschmerzen in Abhängigkeit von der Trapeziusfunktion.

Bewegungsabhängige Schmerzen

Bewegungsabhängige Schmerzen waren deutlich häufiger zu finden. 14 Tage postoperativ hatten 23,4 % der Patienten diese Beschwerden. Dieser Wert nahm bis zum letzten Untersuchungstermin in der Paresegruppe auf 70,6 % gegenüber 13,0 % zu (p < 0,0001; ?2 -Test) (Abb. 96).


130

Abb. 96: Bewegungsabhängige Schmerzen in Abhängigkeit von der Trapeziusfunktion.

4.4.5 Einfluss einer Strahlentherapie auf schmerzhafte Schulterbeschwerden nach MRND Typ 3

Zur Untersuchung des Einflusses einer Strahlentherapie auf schmerzhafte Schulterbeschwerden wurden die Patienten nach MRND Typ 3 (n=24) in 2 Gruppen unterteilt und verglichen. 14 Patienten wurden adjuvant bestrahlt, in 10 Fällen war keine Strahlentherapie erforderlich. Auch hier wurden bezogen auf die Gruppen bereits prätherapeutisch bestehende Schmerzen angegeben.

Ruheschmerzen

Nach Strahlentherapie hatten präoperativ 14,3 %, 14 Tage postoperativ 28,6 % und nach 6 Monaten 21,4 % Schulterschmerzen in Ruhe. Ohne Strahlentherapie traten diese Symptome erst nach 6 Monaten in 10 % der Fälle auf (Abb. 97).


131

Abb. 97: Ruheschmerzen bei Patienten nach MRND Typ 3 bezogen auf eine postoperative Strahlentherapie.


132

Bewegungsabhängige Schmerzen

Unmittelbar postoperativ hatten 42,9% der bestrahlten gegenüber keinem der nicht bestrahlten Patienten bewegungsabhängige Schmerzen (p = 0,024, ?2 -Test). Nach & Monaten traten bei 10 % der bestrahlten Patienten derartige Beschwerden auf. Am 2. und 3. postoperativen Untersuchungstermin waren bewegungsabhängige Schulterschmerzen mit 28,6 % und 21,4 % der Fäll seltener zu finden (Abb. 98).

Abb. 98: Bewegungsabhängige Schmerzen bei Patienten nach MRND Typ 3 bezogen auf eine postoperative Strahlentherapie.


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