Arnold, Guy: Früh- und Differentialdiagnose von Parkinson-Syndromen unter besonderer Berücksichtigung des Steele-Richardson-Olszewski-Syndroms

42

Kapitel 4. Ergebnisse

4.1 Ergebnisse bei bisher unbehandelten Parkinson-Patienten

Im Rahmen der Untersuchungen wurden insgesamt 83 Patienten prospektiv untersucht. Alle 83 Patienten stellten sich mit akinetisch-rigiden Syndromen vor, ohne vorher mit Dopamimetika behandelt worden zu sein, in Sonderheit ohne Vorbehandlung mit L-Dopa oder einem Dopaminagonisten. 13 der 83 Patienten hatten Krankheitszeichen, die über den Morbus Parkinson hinausgingen und beispielsweise auf eine Multi-System-Atrophie hinwiesen. Alle 83 Patienten erhielten zunächst eine SPECT-Untersuchung in der vorher beschriebenen Methodik. Alle 83 Patienten erhielten anschließend nach entsprechender Vorbehandlung eine subkutane Injektion mit Apomorphin, wobei die Apomorphin-Antwort nicht auswertbar war bei 7 Patienten (dies ist möglich bei schweren orthostatischen Problemen oder bei Auftreten von Erbrechen). 62 Patienten erhielten anschließend eine mindestens halbjährige orale L-Dopa-Therapie. Dabei ergaben sich folgende Mittelwerte und Standardabweichungen:

  1. Wenn die nachfolgende Apomorphin-Antwort positiv war, lag der BG/FC-Quotient bei 1,51 + 0,06 (n = 54).
  2. Wenn die nachfolgende Apomorphin-Antwort nicht zu bewerten war, lag der BG/FC-Quotient bei 1,46 + 0,06 (n = 7).
  3. Wenn die nachfolgende Apomorphin-Antwort negativ war, lag der BG/FC-Quotient bei 1,41 + 0,10 (n = 22).

Die SPECT-Untersuchung sagte die Antwort auf Apomorphin in 69 von 76 Patienten korrekt voraus, d. h. der negative Apomorphintest korrelierte mit einer verminderten


43

IBZM-Bindung im Striatum (BG/FC-Quotient < 1,44). Umgekehrt war bei Patienten mit anschließendem positiven Apomorphintest die Ligandenaufnahme normal. Von den 62 Patienten, die anschließend über mindestens ein halbes Jahr mit L-Dopa behandelt wurden, war der korrekte Vorhersagewert bei 54 gegeben. Die Patienten, die neben einem akinetisch-rigiden Syndrom, wie es für Morbus Parkinson typisch ist, zusätzlich hinausgehende Zeichen wie z. B. bei Multi-System-Atrophie hatten, hatten alle eine verminderte IBZM-Bindung im Striatum, alle einen negativen Apomorphintest und alle keine Besserung auf eine Langzeit-L-Dopa-Therapie.

44

Tabelle 4.1: Doppelte Kontingenz-Tafel mit dem Vergleich des IBZM-SPECT-Ergebnisses und dem Apomorphintest einerseits und mehrmonatigen oraler dopaminerger Therapie andererseits bei 83 bzw. 62 zuvor unbehandelten Patienten mit Parkinson-Syndrom. chi2-Test (für Apomorphintest versus IBZM-SPECT: p < 0,0001 (aus Schwarz et al., 1993).

 

 

IBZM-SPECT

 

 

Normal
N (%)

Vermindert
N (%)

Summe
N (%)

Apomorphintest

 

 

 

Positiv

54 (65)

0

54 (65)

Uneindeutig

5 (6)

2 (2)

7 (8)

Negativ

7 (8)

15 (18)

22 (26)

Summe

66 (80)

17 (20)

83 (100)

 

 

 

 

Langdauernde dopaminerge Therapie

 

 

 

Positiv

45 (73)

2 (3)

47 (76)

Negativ

6 (10)

9 (14)

15 (24)

Summe

51 (83)

11 (17)

62 (100)


45

4.2 Patienten mit vorheriger dopaminerger Therapie

Insgesamt 55 Patienten mit unsicherem Ansprechen auf vorherige L-Dopa-Therapie wurden untersucht. Alle 55 Patienten hatten L-Dopa, entweder in Monotherapie oder in Kombination mit einem Dopaminagonisten (n=15, Bromocriptin oder Lisurid), oder in Kombination mit Selegelin (n=16), oder in Kombination mit Anticholinergika (n=14, Biperiden, Metixen, Bornaprin), oder in Kombination mit Amantadin (n=10). Da alle Patienten keine Besserung auf dopaminerge Therapie hatten, hatte eine Minderheit von 23 Patienten die Anti-Parkinson-Therapie bereits abgesetzt, die übrigen 32 Patienten wurden zunächst weiterbehandelt, wobei die Dopaminagonisten, die ebenfalls langfristig am Dopamin-D2-Rezeptor binden, mindestens 7 Tage vor der SPECT-Untersuchung abgesetzt wurden.

39 Patienten hatten in der SPECT-Untersuchung eine normale IBZM-Bindung. Von diesen 39 Patienten hatten 26 Patienten eine eindeutig positive Antwort auf die Apomorphin-Injektion. 7 Patienten mit normaler IBZM-Bindung hatten keine eindeutige Antwort auf Apomorphin, d. h. Nebenwirkungen oder eine Verbesserung um 10-20 %. 6 Patienten schließlich mit normaler IBZM-Bindung hatten eine negative Antwort auf Apomorphin. Umgekehrt verhielt es sich bei reduzierter IBZM-Bindung. Nur 1 Patient mit reduzierter IBZM-Bindung hatten einen positiven Apomorphintest. 4 Patienten hatten eine uneindeutige Antwort auf Apomorphin und 11 Patienten von 16 untersuchten Patienten mit negativer IBZM-Bindung hatten einen negativen Test von Apomorphin. Die chi2-Analyse zeigte einen hochsignifikanten Wert von p<0,0001. Die Sensitivität, eine negative Antwort auf Apomorphin vorherzusagen, wurde mit 95 % berechnet, wobei uneindeutige Werte wie negativ berechnet sind. Die Spezifität, klar positive Apomorphintests richtig vorherzusagen, liegt bei 65 %.


46

Grundsätzlich ähnlich waren die Zahlen bei der mindestens 6-monatigen hochdosierten L-Dopa-Therapie. Hier war die Sensitivität 100 % und die Spezifität 85,7 %. Die Tatsache, daß die mehrmonatige hochdosierte L-Dopa-Therapie als Goldstandard für das Ansprechen auf dopaminerge Stimulation weiterhin gelten muß, ist auch in den Arbeiten von Gasser und Mitarbeitern (1992) belegt.

47

Tabelle 4.2: Doppelte Kontingenz-Tafel mit dem Vergleich des IBZM-SPECT-Ergebnisses und dem Apomorphintest einerseits und langdauernder (zum Teil mehrjähriger) oraler dopaminerger Therapie andererseits bei 55 Patienten mit Parkinson-Syndrom und vorheriger dopamimetischer Therapie. chi2-Test: p < 0,0001 (aus Schwarz et al. 1997).

 

 

 

IBZM-SPECT

 

 

 

Normal
N (%)

Vermindert
N (%)

Summe
N (%)

Apomorphintest

 

 

 

 

Positiv

 

26 (47)

1 (2)

27 (49)

Uneindeutig

 

7 (13)

4 (7)

13 (20)

Negativ

 

6 (11)

11 (20)

17 (31)

Summe

 

39 (84)

16 (29)

55 (100)

 

 

 

 

 

L-Dopa-Antwort

 

 

 

 

Positiv

 

31 (56)

0

31 (56)

Uneindeutig

 

6 (11)

4 (7)

10 (18)

Negativ

 

2 (4)

12 (22)

14 (26)

Summe

 

39 (71)

16 (29)

55 (100)


48

4.3 Nachfolgeuntersuchung im klinischen Langzeitverlauf unter dopaminerger Therapie bei zunächst unbehandelten Parkinson-Patienten

Ausgangspunkt dieser Untersuchung waren die zunächst 83 Patienten (siehe Absatz 4.1). Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 3 Jahren (insgesamt 24-56 Monate) konnte bei 65 Patienten das Ansprechen auf dopaminerge Therapie erneut evaluiert werden. Dazu gehörten der subjektive Eindruck des Patienten (patient global improvement scale), der Eindruck des Arztes (clinical global improvement scale), die beide gebessert sein mußten, um eine positive Antwort auf dopaminerge Medikation zu bestätigen. Außerdem wurden die Patienten regelmäßig nach klinischen Zeichen für Krankheiten wie die Multi-System-Atrophie, die progressive supranukleäre Blickparese und die cortico-basalganglionäre Degeneration untersucht. Von den 65 Patienten hatten 45 eine gute Antwort auf dopamimetische Therapie, 11 Patienten hatten eine teilweise Verbesserung und 9 Patienten hatten keinerlei Verbesserung. Die chi2-Analyse ergab einen hochsignifikanten Wert mit p<0,001. Die Sensitivität, ein positives Ansprechen auf L-Dopa vorherzusagen, lag bei 100 %, die Spezifität, ein negatives oder mäßiges Ansprechen auf L-Dopa vorherzusagen, bei 50 %. Von den 7 Patienten, die nach 3 Jahren Zeichen entwickelt hatten, die nicht mit einem idiopathischen Parkinson-Syndrom vereinbar waren, hatten bereits 5 eine verminderte Ligandenaufnahme zu Beginn der Erkrankung (also 3 Jahre zurück) und nur 2 Patienten eine normale IBZM-Bindung. Auf der anderen Seite hatten von den insgesamt 10 Patienten, die zu Beginn der Erkrankung ein pathologisches IBZM-SPECT hatten, 5 auch nach 3 Jahren keine Zeichen für eine Multi-System-Atrophie entwickelt, ohne jedoch von einer L-Dopa-Therapie zu profitieren.


49

Tabelle 4.3: Doppelte Kontingenz-Tafel mit dem Vergleich des IBZM-SPECT-Ergebnisses und dem Apomorphintest einerseits und mehrjährigen oralen L-Dopa-Therapie andererseits bei 65 bis dato unbehandelten Patienten mit Parkinson-Syndrom. chi2-Test: p < 0,0001, bezogen auf die langfristige L-Dopa-Antwort (aus Schwarz et al., 1998).

 

 

 

IBZM-SPECT

 

 

 

Normal
N (%)

Vermindert
N (%)

Summe
N (%)

Apomorphintest

 

 

 

 

Positiv

 

46 (70)

0

46 (70)

Uneindeutig

 

4 (6)

2 (4)

6 (10)

Negativ

 

5 (8)

8 (12)

13 (20)

Summe

 

55 (84)

10 (16)

65 (100)

 

 

 

 

 

L-Dopa-Antwort

 

 

 

 

Positiv

 

45 (68)

0

45 (68)

Uneindeutig

 

9 (14)

2 (4)

11 (18)

Negativ

 

1 (2)

8 (12)

9 (14)

Summe

 

55 (84)

10 (16)

65 (100)


50

4.4 Ergebnisse der Pilotstudie zur Korrelation von supratentoriellen kernspintomographischen Läsionen und IBZM-SPECT bei Patienten mit der klinischen Diagnose PSP

Die Patienten konnten sich ganz strikt in zwei Gruppen einteilen lassen. Alle Patienten, bei denen kernspintomographisch in der weißen Substanz oder im Striatum hyperintense Läsionen nachgewiesen werden konnten, hatten eine normale Bindung in der IBZM-SPECT. Umgekehrt hatten alle Patienten, die eine Reduktion in der IBZM-SPECT hatten, keine derartigen Läsionen. Abbildung 4.4.1 zeigt von Patienten 2 die Kernspintomographie ohne Läsionen in der weißen Substanz oder im Striatum. Demgegenüber zeigt Abbildung 4.4.2 von Patient 8 - wenn auch eine Schicht höher - vor allem im linken, jedoch auch im rechten Marklager hyperintense Läsionen. Abbildung 4.4.3 zeigt exemplarisch einen Patienten mit deutlich reduzierter Ligandenbindung (Patient 2), Abb. 4.4.4 zeigt einen Patienten mit normaler Ligandenaufnahme (Patient 8). Tabelle 4.4.2 faßt die Ergebnisse der Untersuchungen noch einmal zusammen. Nach dem exakten Test nach Fisher für kleine Stichproben handelt es sich um nicht-unabhängige Beobachtungen (Irrtumswahrscheinlichkeit p = 0.018). Zusammenfassend ergeben sich aus dieser Untersuchung zwei zunächst homogene Gruppen, die entweder durch das Fehlen von Läsionen in der weißen Substanz bei reduziertem BG/FC-Quotienten im IBZM-SPECT und andererseits durch einen normalen derartigen Quotienten, aber das Auftreten von Läsionen der weißen Substanz, gekennzeichnet sind.


51

Tabelle 4.4.1: Detaillierte Patientendaten der 8 Patienten mit der klinischen Verdachtsdiagnose PSP:

Patient

Alter

Vertikale
Blickparese

Gangunsicherheit mit frühen Stürzen

Axialer Rigor

Brady-kinese

Pseudobulbär-paralyse

Frontalhirn-zeichen

Ataxie

Depression

L-Dopa-Antwort

1

58

Ja

Ja

Nein

Ja

Nein

Ja

Ja

Nein

Nein

2

64

Ja

Ja

Ja

Nein

Nein

Ja

Nein

nein

Nein

3

61

Ja

Ja

Nein

Ja

Nein

Nein

Ja

ja

Nein

4

65

Ja

Ja

Ja

Ja

Ja

Nein

Nein

Nein

Nein

5

62

Ja

Ja

Ja

Ja

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

6

62

Ja

Ja

Ja

Ja

Nein

Ja

Nein

Ja

Nein

7

71

Ja

Ja

Ja

Ja

Nein

Ja

Ja

Nein

Nein

8

66

Ja

Ja

Ja

Nein

Nein

Nein

Ja

Nein

Nein


52

Abbildung 4.4.1: Unauffälliges Kernspintomogramm im Bereich der Basalganglien von Patient 2 aus Tabelle 4.4.1


53

Abbildung 4.4.2: Pathologisches Kernspintomogramm im Bereich der Basalganglien mit multiplen hyperintensen Läsionen von Patient 8 aus Tabelle 4.4.1


54

Abbildung 4.4.3: Pathologisches IBZM-SPECT (BG/FC-Ration 1.31) von Patient 2 aus Tabelle 4.4.1


55

Abbildung 4.4.4: Normales IBZM-SPECT (BG/FC-Ratio 1,48) von Patient 8 aus Tabelle 4.4.1


56

Tabelle 4.4.2: Ergebnisse von IBZM-SPECT und Kernspintomographie

Patient

Alter

IBZM-SPECT(BG/FC)

Läsionen in der weißen Substanz

Mittelhirndurchmesser

1

58

1,22

Nein

Normal

2

64

1,31

Nein

Reduziert

3

61

1,33

Nein

Reduziert

4

65

1,34

Nein

Reduziert

5

62

1,37

Nein

Reduziert

6

62

1,44

Ja

Reduziert

7

71

1,47

Ja

Normal

8

66

1,48

Ja

Normal

IBZM-SPECT und MR-Daten aus der Pilotstudie.

IBZM-SPECT-Bindung ist gemessen als Quotient Basalganglien/frontaler Cortex (BG/FC). Werte über 1,44 sind normal.

Der Mittelhirndurchmesser wurde ausgemessen in 6 und visuell analysiert in 2 Patienten. Gemessene Werte des antero-posterioren Durchmessers von weniger als 24 mm wurden als reduziert gewertet. Siehe auch Abschnitt 4.4 und Doraiswamy et al., 1992. Aus Arnold et al., 1994.


57

4.5 Überprüfung der Pilotstudie an einem vergleichsweise großen Patientengut

Die klinischen Charakteristika der 21 Patienten sind in Tabelle 4.5.1 zusammengefaßt. Im IBZM-SPECT betrug der mittlere Quotient aus BG/FC 1,43 + 0,0961 (Standardabweichung) und lag damit im Mittel unterhalb des Kontrollkollektives. Gegenüber einem Grenzwert von 1,44 war das IBZM-SPECT pathologisch in 12 und normal in 9 Fällen.

Bei der kernspintomographischen Untersuchungen ergab sich, daß 8 Patienten hyperintense Läsionen entsprechend den im Methodik-Teil beschriebenen Kriterien hatten, wohingegen 13 Patienten keine derartigen Veränderungen aufwiesen.

Die Auswertung mit dem Fisher‘s exaktem Test konnte eine Unabhängigkeit zwischen den gemessenen Kategorien „Signal-Hyperintensitäten“ und „IBZM-Bindung“ in der Vier-Felder-Tafel ausschließen (P=0,032). Die Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle (4.5.2) subsumiert. Hingegen ergab die Analyse auf Abhängigkeit zwischen den Kategorien „IBZM-SPECT“ und „Alter“ - kategorisiert nach Alter bis 65 (n = 8) bzw. darüber (n = 13) - keinen signifikanten Wert (p=0,367), und auch die Regressionsanalyse, die keine Kategorisierung bei grundsätzlich stetigen Daten erfordert, war mit p=0,075 nicht signifikant. Naheliegend war die Vermutung, daß ältere Patienten vermehrt hyperintense Signalveränderungen haben, doch fand sich hier im exakten Fisher-Test lediglich ein Trend, aber keine Signifikanz (p=0,085).


58

Tabelle 4.5.1: Klinische Eigenschaften der 21 untersuchten Patienten.

Pat.-No.

Alter

Ge-schlecht

Krankheits-dauer (Jahre)

Leitsymptom

Okulomotorische
Befunde

Haltungs-
Stabilität

Hoehn & Yahr -Stadium

Diagnose-
Sicherheit

1

57

M

4

Axialer Rigor

Vertikale Blickparese (uarr&darr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Nicht gehfähig

4

Wahrscheinlich

2

66

M

2

Stürze

Vertikale Blickparese (uarr & darr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Nicht gehfähig

5

Wahrscheinlich

3

70

M

3

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr & darr)

Nicht gehfähig

5

Möglich

4

63

W

3

Bradykinese

Vertikale Blickparese (darr)

Beeinträchtigt

4

Möglich

5

71

M

6

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr)

Normal

 

Möglich

6

69

M

3

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr)

Beeinträchtigt

3

Möglich

7

72

M

5

Bradykinese

Vertikale Blickparese (darr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Stürze

4

Möglich

8

66

M

1

Stürze

Vertikale Blickparese (uarr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Spontane Stürze

5

Wahrscheinlich

9

65

W

4

Sehstörung

Vertikale Blickparese (uarr & darr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Beeinträchtigt

4

Möglich

10

59

M

2

Gangstörung

Vertikale Blickparese (uarr & darr)

Stürze nach hinten

4

Wahrscheinlich

11

72

W

2

Bradykinese

Vertikale Blickparese (darr)

Beeinträchtigt

4

Möglich

12

62

M

4

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr & darr)

Beeinträchtigt

4

Möglich

13

59

M

2

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr & darr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Normal

2.5

Möglich

14

53

W

5

Blicklähmung

Vertikale Blickparese (uarr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Spontane Stürze

4

Möglich

15

72

M

3

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr & darr)

Beeinträchtigt

3

Möglich

16

69

M

4

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Beeinträchtigt

3

Möglich

17

65

W

2

Gangstörung

Vertikale Blickparese (uarr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Spontane Stürze

4

Wahrscheinlich

18

60

M

5

Fallneigung nach hinten

Vertikale Blickparese (uarr & darr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Stürze nach hinten

4

Möglich

19

73

M

3

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr & darr)

Beeinträchtigt

3

Möglich

20

79

W

2

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr & darr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Stürze nach hinten

4

Wahrscheinlich

21

68

W

2

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr & darr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Stürze

4

Wahrscheinlich

Die Okulomotorik wurde klinisch untersucht und/oder elektronystagmographisch getestet.

Die Sicherheit der Diagnose PSP entspricht den NINDS-SPSP-Kriterien (Litvan et al. 1996).


59

Tabelle 4.5.2: Semiquantitative IBZM-Bindung und Präsenz von hyperintensen Läsionen im Striatum und/oder weißen Substanz in der T2-gewichteten Kernspintomographie bei 21 Patienten mit der klinischen Diagnose PSP

Pat.-No.

IBZM BG/FC (ratio)

Hyperintense Signale

1

1,43

Nein

2

1,34

Nein

3

1,42

Nein

4

1,44

Ja

5

1,50

Ja

6

1,43

Nein

7

1,46

Ja

8

1,62

Nein

9

1,48

Ja

10

1,42

Ja

11

1,61

Ja

12

1,31

Nein

13

1,37

Nein

14

1,28

Nein

15

1,35

Ja

16

1,33

Nein

17

1,57

Nein

18

1,47

Nein

19

1,46

Ja

20

1,43

Nein

21

1,37

Nein


60

Tabelle 4.5.3: Ergebnisse von IBZM-SPECT und Routine-Kernspintomographie bei 21 Patienten mit der klinischen Verdachtsdiagnose der PSP.

 

 

 

IBZM-SPECT

 

 

 

Normal

Vermindert

Summe

Signal-Hyperintensitäten

 

 

 

 

Vorhanden

 

6

2

8

Fehlend

 

3

10

13

Summe

 

9

12

21

Kontingenztafel mit dem Vergleich des IBZM-SPECT-Ergebnisses und dem Vorhandensein bzw. Fehlen von Signalhyperintensitäten im T2-gewichteten MRT. IBZM-SPECT-Bindung ist ausgedrückt als ratio Basalganglien/frontaler Cortex (BG/FC), Werte < 1,44 sind vermindert. Fisher‘s exakter Test: p = 0,032 (aus Arnold et al., eingereicht).


61

4.6 Korrelation von Mittelhirnatrophie und Dopamin-D2-Rezeptorendichte bei Patienten mit der klinischen Diagnose der progressiven supranukleären Blickparese

4.6.1 Klinische Charakteristika

Untersucht wurden 13 Patienten, die entsprechend den 1996 von Litvan und Mitarbeitern veröffentlichten Kriterien als „wahrscheinliche“ oder „mögliche“ PSP diagnostiziert wurden. Im Detail sind die klinischen Daten der Patienten in der Tabelle 4.6.1 zusammengefaßt.

4.6.2 IBZM-SPECT

Die mittlere BG/FC-Ratio betrug 1,417 + 0,0990 bei allen 13 Patienten und lag damit im Mittel unterhalb normalen Kontrollpersonen. Der Mittelwert unterschritt somit auch den bereits definierten Grenzwert von 1,44 deutlich. Wie angesichts der geringen Altersspanne nicht anders zu erwarten war, war die Ligandenaufnahme nicht altersabhängig, was wir mittels linearer Regression zeigen konnten (r = 0,133, p = 0,66).


62

4.6.3 Kernspintomographie

Der mittlere antero-posteriore Durchmesser für das linke Mittelhirn betrug 23,45 (+ 1,88) mm und für das rechte Mittelhirn 23,86 (+ 1,82) mm. Er lag damit mehr als eine Standardabweichung unterhalb des Wertes von Gesunden (Doraiswamy et al., 1992). Auch hier ergab sich keine Altersabhängigkeit des Mittelhirndurchmessers, wie wir bei der Regressionsanalyse feststellen konnten (r=0,071, p=0,98). Hyperintense Läsionen im Striatum oder in der weißen Substanz wurden bei 4 Patienten gefunden, während 9 Patienten keine hyperintensen Läsionen hatten. Eine chi2-Analyse der ausschließlich im Kernspintomogramm erhobenen Daten zeigte, daß keine Korrelation zwischen dem Auftreten oder Fehlen von hyperintensen Läsionen und einem normalen oder reduzierten Mittelhirndurchmesser bestand (chi2 = 0,002; p = 0,96)


63

Tabelle 4.6.1: Klinische Eigenschaften der 13 untersuchten Patienten.

Pat.-
No.

Alter

Ge-
schlecht

Krankheits-dauer
(Jahre)

Leitsymptom

Okulomotorische
Befunde

Haltungs-
stabilität

Hoehn & Yahr -Stadium

Diagnose-
Sicherheit

1

57

M

4

Axialer Rigor

Vertikale Blickparese (uarr&darr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Nicht gehfähig

4

Wahrscheinlich

2

66

M

2

Stürze

Vertikale Blickparese (uarr & darr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Nicht gehfähig

5

Wahrscheinlich

3

70

M

3

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr & darr)

Nicht gehfähig

5

Möglich

4

63

W

3

Bradykinese

Vertikale Blickparese (darr)

Beeinträchtigt

4

Möglich

5

71

M

6

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr)

Normal

 

Möglich

6

69

M

3

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr)

Beeinträchtigt

3

Möglich

7

72

M

5

Bradykinese

Vertikale Blickparese (darr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Stürze

4

Möglich

8

66

M

1

Stürze

Vertikale Blickparese (uarr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Spontane Stürze

5

Wahrscheinlich

9

65

W

4

Sehstörung

Vertikale Blickparese (uarr & darr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Beeinträchtigt

4

Möglich

10

59

M

2

Gangstörung

Vertikale Blickparese (uarr & darr)

Stürze nach hinten

4

Wahrscheinlich

11

72

W

2

Bradykinese

Vertikale Blickparese (darr)

Beeinträchtigt

4

Möglich

12

62

M

4

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr & darr)

Beeinträchtigt

4

Möglich

13

59

M

2

Bradykinese

Vertikale Blickparese (uarr & darr), red. Sakkadengeschwindigkeit

Normal

2.5

Möglich

Die Okulomotorik wurde klinisch untersucht und/oder elektronystagmographisch getestet.

Die Sicherheit der Diagnose PSP entspricht den NINDS-SPSP-Kriterien (Litvan et al. 1996).


64

Tabelle 4.6.2: Ergebnisse von 13 Patienten mit der klinischen Diagnose PSP

Pat.-
No.

IBZM
BG/FC
(ratio)

Hyper-intense Signale

Linker
Mittelhirn-Durchmesser
(mm)

Rechter Mittelhirn-Durchmesser (mm)

Durchschnittlicher
Mittelhirn-Durchmesser
(mm)

1

1,43

Nein

25,6

22,90

22,55

2

1,34

Nein

22,2

24,60

24,15

3

1,42

Nein

23,7

23,62

22,91

4

1,44

Ja

22,2

26,80

26,10

5

1,43

Nein

25,4

25,50

24,60

6

1,62

Nein

23,7

25,10

25,15

7

1,48

Ja

25,1

25,50

24,60

8

1,42

Ja

23,7

20,20

20,60

9

1,31

Nein

20,2

22,50

23,20

10

1,28

Nein

24,5

22,80

22,00

11

1,35

Ja

21,2

21,20

21,15

12

1,33

Nein

21,2

25,40

24,80

13

1,57

Nein

24,2

25,60

26,45


65

4.6.4 Korrelation zwischen MR-Daten und IBZM-SPECT-Daten

Da eine Regressionsanalyse zwischen zwei unterschiedlichen Meßverfahren aus statistischen Gründen nicht erlaubt ist (Sachs, 1999, Seite 518), wendeten wir zum Vergleich der gemessenen Werte Spearman‘s Rang-Wert an. Diese Korrelation wurde auf zweierlei Weise vorgenommen: Wir untersuchten die Ranganalyse bei allen 13 Patienten und zum anderen - entsprechend den Befunden aus den vorigen Kapiteln - nur bei den 9 Patienten, die keine hyperintensen Läsionen hatten. Da die Mittelhirnatrophie bei den Patienten nicht ganz symmetrisch ist, berechneten wir den BG/FC-Quotienten in Abhängigkeit vom kleineren Mittelhirndurchmesser und in Abhängigkeit vom mittleren Mittelhirndurchmesser, gebildet als arithmetisches Mittel aus rechts und links. Für die Gesamtzahl der Patienten ergab sich eine signifikante Korrelation von p = 0,010 (Abbildung 4.4.1), ebenso verhielt es sich mit den Patienten, die keine Läsionen im Striatum oder in der weißen Substanz hatten (p = 0.015, Abbildung 4.4.2). Zusammenfassend kann gesagt werden, daß eine signifikante Korrelation zwischen IBZM-Bindung und Mittelhirndurchmesser bei Patienten mit der klinischen Verdachtsdiagnose der PSP besteht, und zwar unabhängig vom Vorhandensein hyperintenser Läsionen in der weißen Substanz oder im Striatum.


66

Abbildung 4.6.1: IBZM-Bindung, ausgedrückt als BG/FC-Qutotient, in Abhängigkeit vom Mittelhirndurchmesser bei 13 Patienten mit der klinischen Verdachtsdiagnose PSP (p = 0.010, Spearman‘s signed rank test).


67

Abbildung 4.6.2: IBZM-Bindung, ausgedrückt als BG/FC-Qutotient, in Abhängigkeit vom Mittelhirndurchmesser bei 9 Patienten mit der klinischen Verdachtsdiagnose PSP, die im Kernspintomogramm keine hyperintensen Läsionen aufwiesen (p = 0.015, Spearman‘s signed rank test).


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Tue Oct 2 11:51:58 2001