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5.  Zusammenfassung

Zusammenfassend zeigen unserer Ergebnisse der initialen Studie, dass die MR-Tomographie, die Sonographie und die Drei-Phasen-Skeltt-Szintigraphie sensitiver im Nachweis des entzündlichen Gelenkprozesses sind als die konventionelle Röntgendiagnostik. Jedoch scheint der Einsatz der Szintigraphie auf Grund ihrer unzureichenden Spezifität von limitiertem Wert zu sein. Die Sonographie erlaubt einen sensitiven Nachweis der entzündlichen Weichteilläsionen in Form der Synovitis und Tenosynovitis, ist jedoch im Vergleich zur MR-Tomographie nicht optimal im Nachweis von kleinen Erosionen. Im Vergleich zu den anderen bildgebenden Verfahren ist es das kostengünstigste Verfahren. Die MR-Tomographie ist sensitiver als die konventionelle Röntgendiagnostik im Nachweis sowohl der entzündlichen Weichteilläsionen als auch im Nachweis der Erosionen. Die Spezifität dieser Ergebnisse muss in Langzeitstudien noch evaluiert werden.

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse der Verlaufsstudie, dass die konventionelle Röntgendiagnostik nicht sensitiv genug im Nachweis die Früharthritis ist. Die Drei-Phasen-Skelett-Szintigraphie ist eine gute Screening-Methode für Patienten, die eine Ganzkörper-Untersuchung benötigen. Auf Grund ihrer niedrigen Spezifität ist die Skelett-Szintigraphie für den Nachweis von frühen Erosionen ungeeignet. Die Sonographie ist eine excellente Methode für den Nachweis des entzündlichen Weichteilprozesses. Sie erlaubt sehr sensitiv eine Differenzierung zwischen Erguss, Synovialisproliferation und Tenosynovitis. Die Sonographie zeigt frühzeitiger Erosionen als die konventionelle Röntgendiagnostik, aber nicht in dem gleichen Ausmaß wie die 3D-MR-Tomographie. Die kontrast-verstärkende 3D-MR-Tomographie ist eine sensitive Methode für den Nachweis sowohl der Weichteilläsionen als auch der frühen Erosionen bei Arthritis. Die MR-Tomographie könnte in zukünftigen Therapiestudien eine zunehmende Rolle in der diagnostischen Beurteilung der Früharthritis bei Patienten mit negativen radiologischen Befunden, die eine mehr aggressive Therapie bedürfen, spielen. Da die MR-Tomographie eine höhere Sensitivität als die konventionelle Röntgendiagnostik hat, könnte sie außerdem einen wichtigen Platz in kurzfristigen und mittelfristigen Therapie-Studien mit sogenannten „Biologicals“ oder anderen Medikamenten einnehmen. Um die exakte prognostische Signifikanz der durch die MR-Tomographie erfassten Veränderungen zu bestimmen, sind Langzeitstudien erforderlich, die herausfinden sollen, ob alle nachgewiesenen MR-Erosionen die gleiche Bedeutung wie die radiologisch erfassten Erosionen im Rahmen der Erkrankung haben werden.


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Die Arthrosonographie hat in der Rheumatologie insbesondere in der Früharthritisdiagnostik aber auch für Verlaufsbeurteilungen und im Therapiemonitoring eine große Bedeutung. Je nach Klinik werden die entsprechenden Gelenke sonographisch untersucht und die klinisch erhobenen Befunde untermauert, differenziert oder widerlegt. Insbesondere Gelenkregionen, die der klinischen Untersuchung schwer zugänglich sind wie beispielsweise das Schulter- und Hüftgelenk, werden sonographisch gut erfasst und pathologische Prozesse lassen sich gut differenzieren und darstellen. Sehr sensitiv gelingt der Nachweis kleinster Flüssigkeitsansammlungen, was wiederum die Trefferquote von diagnostischen Gelenkpunktionen erhöht. Mittels der Farbdoppler-Sonographie lässt sich unterscheiden, ob intraartikuläre Strukturen mittlerer Echogenität Pannus oder anderen Strukturen wie Zelldetritus oder einer nicht-destruierenden Synovialisproliferation entsprechen (122). Weitere Indikationen sind die Differenzierung von Bursitiden (exsudativ / proliferativ), der Nachweis von freien Gelenkkörpern sowie destruierende und bzw. proliferative Gelenkveränderungen. In der Abklärung von unklaren Wadenkompres-sionssyndromen spielt die Arthrosonographie eine wesentliche Rolle. Leicht gelingt die Differenzierung zwischen einer Poplitealzyste und vaskulären Ursachen des Kompressionssyndromes. Eine zunehmende Bedeutung gewinnt die Arthrosonographie im Nachweis bzw. Ausschluss destruierender Gelenkveränderungen (Erosionen dd knöcherne Appositionen). So ist sie in der Lage den destruierenden Gelenkprozess an verschiedenen Gelenken (13,57,91,138) eher zu erfassen als die konventioenelle Röntgendiagnostik, soweit sie der sonographiechen Untersuchung zugänglich sind. Am Schultergelenk lassen sich Rotatorenmanschettenrupturen von anderen Läsionen (Erguss, Bursitis, Tenosynovialitis, Erosionen, Labriumdefekte) sonographisch gut unterscheiden (1,2,3,98). Die Arthrosonographie leistet damit einen entscheidenden Beitrag in der Abklärung unklarer Schultersyndrome. Eine MR-tomographische Untersuchung ist nur dann indiziert, soweit songraphisch der Befund nicht abgeklärt werden kann (zum Beispiel bei Verdacht auf eine Osteonekrose). Am Ellenbogen kann die Arthrosonographie bei der Abklärung des Nervus ulnaris Syndrom behilflich sein (106) und an der Hand bei der Abklärung eines Carpaltunnelsyndromes (131). Während komplette Sehnenrupturen sich sonographisch gut darstellen lassen, ist die Beurteilung von Partialrupturen im Vergleich zum operativen Befund eingeschränkt (56,130). Bei implantierter Hüftgelenk-Endoprothese ist in der Frühphase das Ausmaß von Hämatomen sonographisch feststellbar. Bei Prothesenlockerung und Infektion findet sich häufig ein Erguss, der sich im Ultraschallbild echofrei darstellt. Bei der klinischen [Seite 66↓]Diagnose einer Achillodynie ist die Arthrosonographie in der Lage die verschiedenen Pathologien im Bereich der Achillessehne gut zu differenzieren.

Zusätzlich ist bei der Ultraschalldiagnostik auf Weichteilraumforderungen zu achten. Dabei kann es sich um Tumore, Lymphome und vor allem Hämatome handeln. Die Arterien und Venen im Bereich der Gelenke können leicht mit beurteilt werden. Aneurysmen und Thrombosen lassen sich bereits mit der konventionellen, nicht-farbkodierten Sonographie gut darstellen.

Die Arthrosonographie peripherer Gelenke hat eine große Bedeutung als leicht einzusetzende, kostengünstige und patientenfreundliche Untersuchungsmethode, da die klinische Untersuchung bei rheumatischen Fragestellungen oft unzureichend ist.

Der erfahrene Ultraschall-Anwender kann mit Hilfe der Sonographie zahlreiche spezifische, diagnostisch und therapeutisch relevante Befunde erheben, die das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen entscheidend beeinflussen können.


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08.12.2003