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1  Einleitung

1.1 Zielsetzung

Für viele Kliniker und Radiologen scheint die Milz eine Organ zu sein, das wenig gewürdigt wird, es sei denn, sie ist vergrößert, traumatisiert oder infarziert. Allerdings ist die Milz bei vielen pathologischen Prozessen beteiligt, besonders bei hämatologischen und lymphopoetischen Erkrankungen, systemischen Infektionen und immunologisch-entzündlichen Erkrankungen. Die Sonographie hat die Diagnostik von Veränderungen der Milz zwar wesentlich vereinfacht und diagnostische Maßnahmen wie Milzszintigraphie, Zoeliakographie und Laparotomie weitgehend verdrängt, allerdings spielt die Milz in der Sonographie des Abdomens im allgemeinen eher eine untergeordnete Rolle. Häufig ist die Grösse der Milz das einzig Mitteilenswerte in der Befunderstellung; aber auch bei der Grösse werden in der Literatur wegen des Formenreichtums des Organs unterschiedliche Maße und Berechnungsformeln angegeben1-4. Auf der anderen Seite sollte eine nicht tastbare Milz sonographisch als normal oder pathologisch gewertet werden können, um das weitere diagnostische Vorgehen zu planen. In der vorliegenden Arbeit wird ein simples Verfahren beschrieben, um das Milzgewicht sonographisch zu bestimmen. Die Ursachen, die zu einer Splenomegalie führen, sind sehr vielfältig; dazu zählen hämatologische, vaskuläre, neoplastische, infektiöse und immunologische Störungen sowie Speichererkrankungen. In Industrienationen wird eine Splenomegalie am häufigsten durch eine portale Hypertension5. Bei hämatologischen und onkologischen Patienten werden in erster Linie Splenomegalien diagnostiziert, wenn Lymphome und Leukämien diesem Symptom zugrunde liegen. In einer hier beschriebenen retrospektiven Studie wurde bei ca. 80 000 Patienten untersucht, bei welchen Erkrankungen eine Splenomegalie zu erwarten ist.
Die Diagnosen, die am häufigsten Indikation für eine Biopsie der Milz darstellen, sind solitäre oder multiple Milzläsionen bei unbekanntem Primärtumor und Raumforderungen bei bekanntem Primärtumor. Die Biopsie hilft letztlich, das Krankheitsstadium festzulegen (staging) und darauf aufbauend eine Therapie zu planen.
Obwohl bekannt ist, dass die Technik von Feinnadelpunktionen und Biopsien abdomineller Organe etabliert ist und mit großem Erfolg durchgeführt wird, schrecken [Seite 2↓]viele sonographisch tätige Ärzte davor zurück, dieses Verfahren auf die Milz anzuwenden. Als Haupteinwand wird die hohe Vaskularisierung der Milz vorgebracht, die ein Blutungsrisiko darstellt. Hier wird am Beispiel einer Patientin mit einem auf die Milz beschränkten Lymphom eine neue Technik gezeigt, die das Blutungsrisiko unter zu Hilfenahme von Fibrinkleber minimiert.
Organpunktionen bei Patienten mit Raumforderungen unklarer Herkunft und Genese werden heute auf breiter Ebene von sonographisch tätigen Ärzten durchgeführt. Häufig werden dabei zytologische Proben gewonnen, die nicht flächendeckend in hoher Qualität ausgewertet werden können. Um dieses Problem zu umgehen, können auch in ambulanter Durchführung histologische Präparate mit einem Biopsie-Apparat aus Raumforderungen herausgeschnitten werden, die auch für immunhistologische und molekulargenetische Untersuchungen zugänglich sind.
In der Hämatologie und Onkologie finden zentrale Venenkatheter im stationären und ambulanten Bereich breite Anwendung. Dieses ist durch intensivere Therapien, wie Hochdosischemotherapien, Stammzelltransplantationen, aber auch durch kontinuierliche Chemotherapiegaben in der Ambulanz zu erklären. Zentrale Venenkatheter wurden erstmals vor 50 Jahren in der Literatur erwähnt 6-8. Zunächst wurde diese Art des Venenzugangs als Subklaviavenenpunktion bei verletzten Soldaten auf dem Schlachtfeld als Wiederbelebungsmassnahme entwickelt. Heute sind zentrale Venenzugänge aus der medizinischen Praxis nicht mehr wegzudenken und haben an Bedeutung stetig gewonnen. Allein in den USA werden jährlich über 150 Millionen intravenöse Zugänge verkauft und 5 Millionen zentrale Venenkatheter gelegt9. Die Komplikationen der zentralen Venenzugänge, wie Hickman-, Broviac-, zentralvenöse Katheter und Ports, können in solche unterschieden werden, die mit der Insertion des Katheters in unmittelbarem Zusammenhang stehen (Pneumothorax, Blutung, Verletzungen von Nerven etc.) und solchen, die im weiteren Verlauf des Kathetergebrauchs auftreten (vor allem Thrombosebildung und Infektionen).
Anhand eines Falles wird hier auf die Früh- und Spätkomplikationen der zentralen Venenkatheter weiter eingegangen und auf Vorbeugung dieser hingewiesen. Die Sofort- oder Frühkomplikationen werden unter anderem durch die individuelle Gefäßlage bei den Patienten bedingt. In einer Studie werden hier die Gefäßvariationen aufgezeigt. Um Sofortkomplikationen weitgehend zu vermeiden, [Seite 3↓]werden zwei ultraschallgestützte Methoden vorgestellt, die eine sichere Katheterinsertion ermöglichen. In zwei Studien werden die Vor- und Nachteile der Zwei- und Ein-Personen Technik untersucht. Abschließend wird die Patentschrift der letzteren Methode wiedergegeben.


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28.09.2004