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5  Zusammenfassung

Das Milzgewicht bei Patienten lässt sich sonographisch mit grosser Präzision und Reproduzierbarkeit ermitteln, wenn das Produkt der gemessenen Tiefe, Breite und Länge mit einem Faktor von 0,6 multipliziert wird. Es konnte eine gute Korrelation (0,978) der sonographisch ermittelten Werte mit den pathologisch gemessen Gewichten festgestellt werden. Bei retrospektiven Untersuchungen wurden 80000 sonographische Milzgrößenbestimmungen ausgewertet; dabei wurden, wie erwartet, die höchsten Milzgewichte bei hämatologischen Erkrankungen beobachtet, jedoch konnten auch bei soliden Tumoren erhöhte Gewichte festgestellt werden.
Biopsien von Gewebe können unter geringem Risiko mit sogenannten Tru-Cut-Nadel auch ambulant durchgeführt werden. Auch bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen kann in vielen Fällen die histologische Klassifizierung anhand einer Feinnadelbiopsie vorgenommen werden und kann zudem eine Lymphknotenentnahme ersparen. Für die Feinnadelbiopsie der Milz wird eine Methode vorgestellt, die eine Blutung aus dem Stichkanal vermeiden kann, indem während des Zurückziehens der Nadel Fibrinkleber in den Stichkanal eingebracht wird.
Des weiteren wurden 190 Patienten mit Morbus Hodgkin bei der Erstdiagnose und im Verlauf retrospektiv auf die sonographischen Ergebnisse der Milz untersucht. Bei 47 Patienten wurden Milzinfiltrationen diagnostiziert. 46 (97,9 %) Patienten davon konnten mit echoarmen Läsionen im Ultraschall gefunden werden; alle zeigten eine Regression unter Chemotherapie. Die Computertomographie diagnostizierte bei 20 (42,5 %) Patienten eine Beteiligung der Milz. 14 der Patienten, bei denen nur in der Sonographie eine Milzinfiltration gefunden wurde, erfuhren eine Therapie-relevante Änderung ihres Lymphom-Stadiums (vom Stadium II auf Stadium III). Disseminierte, sonographisch detektierte Läsionen der Milz fielen in 22 Fällen auf (CT: 6 Patienten). Von den 24 solitären Läsionen, die sonographisch gefunden wurden, konnten 14 auch in der CT nachgewiesen werden. Allerdings werden diffuse Infiltrationen signifikant weniger in der CT erkannt als solitäre (p < 0,05). Eine Splenomegalie wurde bei 75 (39,5 %) Patienten (CT: 31 = 16,3 %) diagnostiziert. Nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 32 Monaten (4 bis 120 Monate) erlitten 38 (20 %) Patienten ein Rezidiv der Grunderkrankung. 13 Patienten von [Seite 100↓]diesen hatten eine Splenomegalie, 9 eine Infiltration der Milz, 10 sowohl eine Infiltration als auch eine Splenomegalie und 3 Patienten eine Splenomegalie ohne Infiltration. 21 (11 %) Patienten starben innerhalb von 4 bis 120 Monaten (Median 46 Monate) nach der Erstdiagnose. 11 dieser Patienten starben an Therapie-assoziierten Komplikationen; 8 Patienten erlitten ein Zweitmalignom; 3 Patienten verstarben am Fortschreiten ihrer Erkrankung, ein Patient an einem Myokardinfakt und ein weiterer beging Suizid. Diese retrospektive Studie zeigt die Überlegenheit der Ultraschalluntersuchung der Milz gegenüber der Computertomographie bei Patienten mit Morbus Hodgkin. Eine Korrelation zwischen dem Milzgewicht und einer Infiltration der Milz durch Morbus Hodgkin konnte nicht gefunden werden. Nur 35 (46,6 %) Patienten von 75 mit Splenomegalie wiesen sonographisch eine Infiltration auf. Patienten mit Splenomegalie ohne Infiltrationen zeigten signifikant weniger Rezidive und eine geringe Mortalität.
Die Anlage von zentralen Venenkathetern spielt bei den heutigen Therapien bei Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen eine herausragende Rolle. Trotzdem sind die Komplikationen der Katheter nicht zu unterschätzen und können in Früh- und Spätkomplikationen unterschieden werden. Frühkomplikationen können wie in einem dargestellten Fall letale Folgen haben. Eine sonographische Untersuchung der Halsgefäße zeigt in über 6 % der Fälle eine Anatomie, die der üblichen, nach palpatorischen Gesichtpunkten festzustellenden, topographischen Gefäßanatomie nicht entspricht. Die Gefahr, mit einer atypischen Gefäßlage bei der Katheteranlage konfrontiert zu sein, lässt sich mit dem Einsatz einer sonographischen Untersuchung verhindern. In einer prospektiven, randomisierten Studie wurden die Zeit zur Katheterinsertion, die Fehler- und die Komplikationsrate eines ultraschall-gestützten Vorgehens, an dem zwei Ärzte beteiligt sind, mit der traditionellen „Landmark“-Technik verglichen. Hier zeigte sich, dass sowohl die Zeit bis zum Vorschieben des Führungsdrahtes, als auch die Fehlerrate sich signifikant für den sonographischen Studienarm als günstiger erwiesen (p = 0,001 bzw. p = 0,002). In einer zweiten Studie wurde diese Methode mit Hilfe eines Metallarms auf eine Ein-Personen-Technik reduziert und in einer prospektiven Studie untersucht. Diese Technik erwies sich ebenfalls gegenüber der „Landmark“-Technik als überlegen; zur Vermeidung einer Karotis-Punktion reicht eine NNT (number needed to treat) von 9.


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28.09.2004